mein/4 März 2019

meinviertel

STADTTEILMAGAZIN ∕ PRENZLAUER BERG JULI/AUGUST/2017

www.meinviertel.berlin MÄRZ – MAI 2019

STADTMAGAZIN

4

ALLE(S) IM FLUSS – BADEN IN DER SPREE

ÜBER OLDTIMER UND KLASSIKER

WIR BRAUCHEN EUCH … JETZT!

„DAS VIECH“ – SKIP PAHLER

www.meinviertel.berlin/

aktuelle-ausgabe


Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser,

auf den Tag genau zwei Jahre ist es nun her, dass das erste Mal unser Magazin mein/4

erschienen ist. Damals nur in Prenzlauer Berg, inzwischen fast flächendeckend in Berlin.

Wir freuen uns über so viel positive Resonanz! Wir merken aber auch: Wir stoßen an

Grenzen. Bitte lest dazu den Bericht auf Seite 4 und unterstützt uns!

Zeitreisen machen Spaß! Eine Zeitreise der besonderen Art durften wir in Charlottenburg

unternehmen. Wir besuchten Berlins größten Restaurator für klassische Automobile

(Seite 6)

Die Kulturfritzen waren für uns in Schöneberg unterwegs und wandelten nicht nur auf

den Spuren von David Bowie (Seite 14).

Ab Seite 20 stellen wir euch Skip Pahler vor. Ein Berliner Urgestein, der in drei verschiedenen

Regimen lebte. Wie wichtig das Erlebte war, spiegelt sich in seiner Kunst wieder.

Warum ein Winterschlaf der Weg zur Erkenntnis sein kann, lest ihr ab Seite 26.

Nicht mehr lange und die Temperaturen fordern uns auf, uns abzukühlen. Der Verein

Flussbad e.V. kämpft für die Verbesserung der Wasserqualität in der Spree. Wer weiß:

Vielleicht sehen wir uns demnächst beim Baden? (Seite 40)

Oliver Seifert nimmt uns mit nach Japan auf der Suche nach guten Tee.(Seite 45)

Das alles und vieles mehr findet ihr in dieser Ausgabe. Und nun viel Spaß beim Lesen

und entdecken!

Wir freuen uns auf euch beim hoffentlich nächsten Mal.

Euer

Markus Beeth

1


Ein Besuch im Classic-Car-Center Seite 6

Tiny Houses Seite 33 Alle(s) im Fluß

Winterschlaf von Franziska Hauser Seite 26


Inhalt

Über Oldtimer und Klassiker

Zu Besuch im Classic-Car-Center 6

Kultur im Kiez entdecken

mit den Kulturfritzen 14

Skip Pahler Seite 20

Kulturtipps

von den Kulturfritzen 18

Der 8. Rabe

Zu Besuch bei Skip Pahler 20

Winterschlaf

von Franziska Hauser 26

Das Haus der Würde

Tiny House als Chance 33

Badespaß

wann kommt das Flussbad? 40

Auf der Suche nach neuem Tee

Reisebericht aus Japan 45

Seite 40

Ehrenamt boomt

„lsfb“ und die „Stiftung Bildung“ 51

Gütesiegel in Bronze

Auszeichnung für SG Rotation 53

Ausbildungen ausprobieren

Projekt: One Week Experience 54

Dies & Das 56

Küchenanekdoten

Ölwechsel 58

Kinderseiten 59

Buchvorstellung 62

Auf Teesuche Seite 45

Leserbriefe 63

Vorschau 64


Wir brauchen Euch … jetzt!

Liebe Freunde unseres mein/4-Magazins.

Fast auf den Tag genau zwei Jahre ist es nun

her, dass unsere Idee, ein unabhängiges,

buntes und interessantes Magazin für

die Menschen in Berlin herrauszubringen

Wirklichkeit wurde.

Ein Gegenpol sollte es sein, in unserer

schnelllebigen Zeit, etwas zum in Ruhe

genießen, zum Entspannen. Mit viel Platz

für Fotos, Reportagen und Nachrichten aus

dem Kiezen – gedruckt auf hochwertigen

Papier. Ein Heft, das man gerne in der

Hand hält. Ein Produkt, das es wert ist,

aufbewahrt zu werden. Das ist uns schon

mal gelungen. Und die zahlreichen E-Mails,

Briefe und Telefonate die uns inzwischen

täglich erreichen zeigen, dass Ihr das

mehrheitlich auch so seht …

Das freut uns sehr!

Wir merken aber, daß wir an unsere

Grenzen stoßen. Unsere Redaktion

ist zu klein um sich angemessen um die

Autoren, Fotografen, das Lektorat, die

Anzeigenverwaltung und die Zuschriften,

die Layouter, die Druckabwicklung und den

Vertrieb zu kümmern. Ein Redaktionsraum

wäre auch noch so ein Traum … die

Magazine entstehen, man glaubt es kaum,

am heimischen Küchentisch. An dieser

Stelle ein großes Dankeschön an alle Helfer

für Euren Einsatz!

Wir brauchen also dringend Verstärkung

– aber Verstärkung kostet Geld. Deshalb,

liebe Leserin, lieber Leser, liebe Firmen

und alle die unsere Liebe zu Berlin teilen,

bitten wir Euch um Unterstützung um das

Magazin auch zukünftig kostenlos an über

1.000 Stellen berlinweit auszulegen.

Wir freuen uns von Euch zu hören und

danken im Voraus für Eure Hilfe!

4 mein/4


Wie könnt Ihr helfen?

Unterstützt uns, indem ihr das Magazin aboniert.

Das ist in verschiedenen Modellen möglich:


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ein. Wir senden dir in den nächsten zwölf Monaten alle Hefte ganz bequem nach

Hause. Wir nehmen deinen Namen oder den Namen/Logo deiner Firma in unsere

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und veröffentlichen diese in unserem Magazin. Zusätzlich erhältst du ebenfalls

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mein/4

Unterstütze Deinen Verein

5!


Über Oldtimer und Klassiker

Das Automobil. Wenn ich an Autos denke, sehe ich in den letzten Jahren eine große Leere.

Nichts, was Eindruck auf mich machen würde. Mittel zum Zweck, mehr nicht. Erinnern kann

ich mich an keines unserer Autos der letzten Jahre. Keines beeindruckte mich auf eine Weise,

die erwähnenswert wäre.

Markus Beeth

6 mein/4


Über Oldtimer und Klassiker

Denke ich an meine Kindheit, fallen mir zahlreiche

Autos ein. Ich erinnere mich an eine Zeit, als Autos

noch Autos waren. Bewundernswerte Technik, die

mich und meine Geschwister an die tollsten Orte

dieser Welt brachte. Ich erinnere mich an den ersten

VW 1600 Variant meiner Eltern, eine zugeschnittene

Matratze im Kofferraum über dem Motor sorgte für

Behaglichkeit. Nie wieder habe ich so gut geschlafen

wie über dem wummernden Boxermotor des VW 1600

Variant. Anschnallpflicht? Was war das?

Aber jenes Gefühl von Freiheit habe ich nie wieder

empfunden.

So traf es sich gut, dieses Interview führen zu können,

weckte es doch viele Erinnerungen. Aber Vorsicht, bevor

ihr nach dem Lesen loslauft und in eurer Erinnerung

schwelgt – es könnte sein, dass ihr infiziert seid …

Zu Besuch im Oldtimerparadies – ein Interview mit Hans Land, dem Geschäftsführer von

Classic-Car-Centrum Berlin

Herr Land, sie sehen glücklich aus …!?

Das bin ich auch. Herr Beeth, stellen Sie sich vor: Ich

darf jeden Tag das tun, wovon ich immer als Junge geträumt

habe: AUTO BAUEN – und es bereitet mir täglich

viel Freude, zusammen mit den Menschen, die mich

begleiten, meiner Leidenschaft für klassische Automobile

nachzugehen – und das tue ich ganz intensiv!

Ich bin stolz auf mein Mitarbeiterteam und arbeite gern

mit ihnen zusammen. Wir arbeiten auf Augenhöhe mit

gegenseitigem Respekt. Ebenso begegnen mir in meiner

Passion ständig interessante Menschen, die ähnlich

oder anders, aber besonders sind und wir alle teilen eine

Leidenschaft – Klassische Automobile, Kulturgut auf Rädern,

und falls Sie mein Lächeln meinen, dass wiederum

macht meine Familie …

Sie sind Bauingenieur und Projektentwickler.

Wie kommt man auf die Idee, Oldtimer zu

restaurieren und damit zu handeln?

Seit meiner frühen Jugend beschäftige ich mich mit Themen

der Mobilität. Angefangen habe ich

zu meiner Schulzeit mit Reparaturen

von Fahrrädern; ich bin sogar auf

die Versteigerungen nach Amsterdam

gefahren, wo sämtliche Fahrräder, die aus den

Grachten gezogen worden waren, versteigert wurden –

für Kleingeld – und meine Idee war, das Image des alten

guten Hollandfahrrades preiswert nach Deutschland zu

bringen. Hierzu hatte ich diverse Schüler motiviert, mitzumachen,

aber auch um mein miserables Taschengeld

aufzubessern. Mein Vater war sehr geizig und ehrgeizig

und das spornte mich extrem an.

Aus Fahrrädern wurden irgendwann Motorräder, die ich

teilweise umsonst bekam, weil sie defekt waren. Oder

ich habe sie vom Schrott für wenig Geld bekommen

und wieder aufgebaut, um sie dann zu verkaufen. Schöne

Exemplare habe ich häufig selber behalten (Kreidler

Florett aus den 60er). Irgendwann kamen dann Freunde

und Bekannte, die meinen Rat als Schrauber benötigten;

so kam ich zu ersten richtigen Auftragsarbeiten

und es wurden immer, immer mehr. Zu den Oldtimern

kam ich nicht, weil es mein Plan war, sondern eher aus

der Not heraus. Im Laufe der Jahre wuchs meine eigene

Fahrzeugsammlung heran; da ich zu dieser Zeit berufsbedingt

viel auf Reisen war, musste ich das Schicksal

meiner eigenen Klassiker in puncto Wartung und Pflege

in fremde Hände geben. Leider nur mit bedingtem

Erfolg. Es stellte sich heraus, dass Service

ein echtes Vertrauensthema ist. Entweder

wurde die Arbeit nur mangelhaft ausgeführt

mein/4

7


oder ich habe zu viel bezahlt oder ich wurde immer wieder

vertröstet und so weiter Es war unbefriedigend. Es

schien keine zuverlässige Werkstatt zu geben, die bereit

war, Verantwortung zu übernehmen und mit Weitsicht

an die Probleme am Fahrzeug heranzugehen. Außerdem

war keine Werkstatt ganzheitlich aufgestellt, um alle an

einem Oldtimer erforderlichen Arbeiten auszuführen

wie z. B. Elektrik, Sattlerarbeiten, Verchromen, Motorrevidierungen

usw. Gefrustet davon beschloss ich, mich

fortan wieder selbst um die Belange in Sachen Klassiker

zu kümmern.Nur wann? und wie?

Über einen Freund lernte ich einen altgedienten Bosch-

KFZ-Meister kennen, der sich in seinem Vorruhestand

langweilte und ständig mit seiner Frau zankte. Kurzum

mietete ich eine kleine Halle, rüstete sie mit notwendigem

Equipment aus und half meinem neuen Bekannten,

seine ehelichen Streitigkeiten beizulegen.

Auch hier kamen sofort wieder Freunde und Bekannte,

die Rat suchten. Sie machten ähnliche Erfahrungen

mit den Werkstätten wie ich. Und die Bedürfnisse auf

dem Markt sind gewaltig, fragen Sie mal herum, wer

mit seiner Werkstatt zufrieden ist. Welche Werkstatt ist

transparent, nimmt den Kunden mit, sendet Bilder und

fragt, wie die Ausführung sein soll? Sie glauben nicht,

was auf dem Markt los ist!

Ich erkannte Potenzial für ein neues Geschäftsmodell

und engagierte einen zweiten Mitarbeiter mit dem

Schwerpunkt KFZ-Elektronik.

Nach und nach entstand daraus das heutige Classic

Car Centrum Berlin mit dem Grundgedanken „Emotion,

Leidenschaft und Transparenz“. Wir sind ein Vollservicebetrieb,

in dem alle Arbeiten unter einem Dach

ausgeführt werden, interdisziplinär und kompetent

kommuniziert. Hier denkt der „Blecher“ schon an den

„Lacker“ und „Mechaniker“. Bei uns werden Teileinbauten

schon vorm Lacken vorgenommen um das Chassis

oder den späteren Lack nicht mehr zu gefährden. Solche

und ähnliche Prozesse werden genau aufeinander abgestimmt.

Und den richtigen Betriebsleiter dafür habe

ich auch gefunden. Der macht einen richtig guten Job

und jeder kann mit ihm reden, auch der Kunde. Hier

ist keiner genervt, hier herrscht Professionalität gepaart

mit Kompetenz.

Der Handel entstand eigentlich eher nebenbei und ist

mittlerweile ganz schön groß geworden Auch hier haben

wir ein besonderes Auge auf Einkauf und Verkauf

und wir machen gute Preise. Sie bekommen oft mehr

Geld nach Jahren und Nutzung des Klassikers (natürlich

muss auch gewartet werden) und das ist doch doppelte

Freude für uns wie auch den Käufer und außerdem

nachhaltig.

Händler für Oldtimer gibt es viele. Sie haben es

geschafft, eine führende Rolle in Deutschland

einzunehmen. Was unterscheidet Sie von

anderen Betrieben?

Wir konzentrieren uns auf den heimischen Markt und

setzen auf Kernthemen wie Kundenzufriedenheit und

Kundenerlebnis. Unser Motto könnte etwa lauten: Tue

das Unerwartete und führe Deinen Besucher damit zu

einem Erlebnis. Manch ein Kunde bekommt wöchent-

8 mein/4


lich Fotos aus den Prozessen und geht mit uns durch

die Restauration/Reparatur. Er ist somit eingebunden

und nicht abgehängt. Wir finden es wichtig zu kommunizieren,

auch im Kleinen. Wir sind irgendwie anders,

nicht so klassisch Typenwerkstatt. Wir versuchen oft zu

reparieren und nicht direkt auszutauschen für viel Geld;

wir respektieren das Budget des Kunden und versuchen

unser Bestes. Meine Mechaniker tauschen sich selbst in

den Pausen aus, um bessere Lösungen zu finden. Das

finde ich toll, wie hier Werterhaltung gelebt wird. Ich

glaube, das macht uns in der Summe anders.

Sie produzieren die nicht mehr lieferbaren

Ersatzteile selbst. Woher kommt diese

Detailbesessenheit? Gibt es Situationen, in

denen Sie ablehnen müssen?

Es ist trotz der mittlerweile sehr guten Ersatzteillage für

nahezu alle Marken notwendig, Bauteile nachzufertigen.

Hier bedienen wir uns moderner Techniken wie zum

Beispiel dem 3-D-Druck. Speziell bei Nachtfertigungen

von Karosseriebauteilen vertrauen wir auf unsere

eigenen Fähigkeiten. Und wir kennen viele private Ersatzteillager.

Es gibt verschieden Klassifizierungen:

Youngtimer, Oldtimer …

Klären Sie uns auf! Was hat es damit auf sich?

Das ist einfach erklärt: Oldtimer ist ein Fahrzeug das

niemand braucht, aber jeder haben möchte. Es macht

unser Leben freudiger. Youngtimer ist ein Fahrzeug

mit dem Potenzial zum „Habenwollen“ und eine Einstiegsdroge

zu ‚mehr‘.

Was empfehlen Sie dem „Neueinsteiger“?

Gibt es überhaupt DEN Einsteiger?

Ich glaube nicht, dass es den Einsteiger gibt. Mercedes

Benz Typ 107, VW Käfer und Busse, Opel und

Ford Youngtimer, Volvos aus den 70er und 60er – das

sind alles tolle Modelle. Es wächst derzeit eine beachtliche

Menge an Publikum nach

Betrachten wir dazu einmal den folgenden Effekt:

Zu meiner Zeit war der Besitz eines eigenen Auto

nur einigen wenigen vorbehalten. Für mich war es

damals also das Größte, erst den Führerschein und

dann möglichst bald ein eigenes Auto zu haben. Dafür

hat man sich engagiert, war fleißig. Heute gilt es

beinahe als „uncool“, im urbanen Gebiet ein Auto zu

bewegen, geschweige denn einen Führerschein zu

besitzen. Wiederum viele fühlen sich von den modernen

Fahrzeugen und deren verspielter Gimmicks

gelangweilt oder gar bevormundet. Wir lieben es,

unseren Kunden ihren persönlichen automobilen

Maßanzug zu schneidern. Ganz nach deren Vorstellung

und ganz nach ihrem Budget. Individuell

speziell und hoch alltagstauglich – das ist unsere

Philosophie.

Depressionen und Probleme am Klassiker will keiner,

also konzentrieren wir uns auf Güte und Bezahlbarkeit,

gemessen am Marktwert.

mein/4

9


Über Oldtimer und Klassiker

Für viele ist ein Oldtimer etwas für die Garage

und vier Ausfahrten im Jahr. Wie sehen Sie das?

Gibt es alltagstaugliche „Oldtimer“ ?

Für diese Frage stelle ich dem Leser zunächst eine Gegenfrage:

Warum gibt es unterschiedliche Modelle und

unterschiedliche Hersteller? Der Leser wird nun denken:

Klar, Autos werden von Menschen gefahren, Menschen

sind Individuen. Daraus ergibt sich ein Anspruch. Eben

dieser Anspruch führt zur individuellen Nutzung und

den damit verbundenen Ansprüchen an das Thema Mobilität.

Konkret: Der Sammler sammelt, der Liebhaber fährt.

Wir mögen beide Zielgruppen. Und wir mögen es, deren

Ansprüche sowie den Prozess zu begleiten.

Häufig wird übrigens aus dem Sammler der Liebhaber –

vorausgesetzt, wir haben unseren Job gut gemacht.

Die Alltagstauglichkeit ist in der Tat ein ganz schwieriges

Thema, weil oft Fahrzeuge eben zu wenig bewegt

werden. Das Wort „Fahrzeug! kommt von „fahren“ und

nicht von „stehen“. Wir verfolgen die Philosophie: Baue

dem Kunden oder finde den „Real Daily Driver“. Das

heißt: Fahrzeuge zu finden oder/und so zu reparieren,

dass diese wie früher täglich funktionieren. Dies bedeutet

für uns ein ganz hohes Augenmerk auf sämtliche

an der Funktion beteiligten Komponenten. Wir müssen

diese analysieren, reparieren, auszutauschen oder gegebenenfalls

verbessern – mit neuerer Technik, die unkomplizierter

oder besser arbeitet. Ich denke hier besonders

an Benzinpumpen mit zu schwachen Druck, Zündkabel

und elektrische Komponenten, die damals nicht besser

hergestellt werden konnten, aber heute vorhanden sind.

Ebenso waren Bremszylinder und deren Dichtungen

ein großes Thema, das beherrschen wir heute besser

als zum Auslieferungszeitpunkt des Klassikers.

Welche Modelle empfehlen Sie für Einsteiger?

Herr Beeth, Sie sind aber hartnäckig! Das ist schwer

zu pauschalieren, da speziell die Frage nach dem ersten

Klassiker von Faktoren abhängt wie: Modell, Zustand,

Anspruch, Nutzung, Budget. Dennoch gibt es

komplizierte und weniger komplizierte Modelle. In einem

guten Beratungsgespräch lassen sich diese Faktoren

erheben. Nicht selten entscheiden sich Käufer nach

einem Gespräch mit mir für ein völlig anderes Modell

als ursprünglich geplant. Gern lassen sich speziell Neueinsteiger

von wirren Kommentaren oder Erfahrungsberichten

aus Internetforen irreleiten. Da muss ich erst

mal Aufklärungsarbeit leisten und Basisrealismus schaffen

– aus gelebter und kundenseitiger Erfahrung von

genutzten Modellen.

10 mein/4


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mein/4

11


Der Markt boomt.

Wie schaffen Sie es,

immer neue Autos zu finden?

Unsere Länderscouts halten uns da schon sehr

auf Trab. Täglich besprechen wir Funde und Angebote

speziell aus dem privaten Segment und

internationalem Netzwerk. Bestandskunden

werden von uns regelmäßig angesprochen und

auch deren Freunde, ob ein Objekt in den

Verkauf soll oder die Sammlung verändert

wird – das bringt allein schon ca. 25 % der

Autos zu uns und ist oft gepflegte Ware

zu fairen Konditionen. Erbfälle, Desinteresse,

Fehlkäufe, abgebrochene

Restaurationen … Sie glauben

gar nicht, was mir täglich

angeboten wird.

Mich erreichen

eine Vielz

a h l

an

Verkaufsan-

geboten aus

allen Ecken

Europas und den

USA. An Pro-

dukten mangelt es nicht,

eher an der entsprechenden Qualität und Originalität.

Unsere Ausschlussquote liegt bei über 95 Prozent.

Qualität statt Quantität. So einfach es klingt, so anspruchsvoll

ist es mithin. Und es bedarf viel Zeit, viel

mehr als ich wirklich habe.

Am liebsten kaufe ich natürlich meine eigenen Fahrzeuge

nach Jahren der Nutzung vom Kunden zurück.

Schließlich habe ich viel Energie und Zeit aufgewendet,

ein Fahrzeug in gewünschter Güte zu finden, da wäre

es töricht, ein neues zu suchen.

Gibt es einen Trend? Welche Modelle werden

Ihrer Meinung nach in Zukunft gefragt

sein?

Gut positioniert sich derzeit die

Mercedes SL Baureihe R107 am

Markt. Grund dafür: seine Alltagstauglichkeit,

sein Charme

und nicht zuletzt die gut sortierte

Ersatzteillage.

12

mein/4


Über Oldtimer und Klassiker

Zudem sehe ich beste

Trends für Fahrzeuge vom „SOS“-

Typ: „Selten, Offen, Sexy“. Ausnahmeathleten

werden nie allein sein. Sie

werden immer Anschluss und neue Käufer

finden – allein aufgrund der begrenzten

Stückzahlen. Seltene Fahrzeuge wie zum Beispiel

Intermeccanias, Maseratis, Ferraris, Aston, Porsche der

60 und 70er Jahre, am besten in Erstlack sind super

begehrt.

Was raten Sie Käufern, worauf zu achten ist?

Woran erkenne ich ein gutes Objekt?

Ein gutes Objekt ist vor allem dann ein gutes Objekt,

wenn es dem Interessenten nachhaltig und begründet

gut gefällt. Stimmen dann die qualitativen Merkmale,

geht es in die heiße Phase. Sofern ein Interessent nicht

selbst Erfahrungen gemacht hat, sollte er sich auf jeden

Fall umfassend beraten lassen. Das können Sachverständige

sein oder spezielle Scouts. Auch meine Firma

als Dienstleister bietet diesen Service an. Gegen ein

Honorar begleiten wir unseren Klienten und erstellen

ihm eine sehr umfassende schriftliche Expertise, oft

ausführlicher als ein Gutachten.

Für alle Käufer, die nicht sachkundig sind, gilt: Nicht

zum Opfer einer vermeintlichen Schönheit werden!

Zu viele Hobbyrestaurateure haben mittlerweile einen

Markt erkannt und schminken das Objekt der Begierde.

Das ist für den Laien kaum erkennbar.

Hier lohnt es sich, Geld für ein Beraterhonorar mit einzuplanen.

Spätere Ansprüche geltend zu machen, ist

teurer und vor allem nervenaufreibender.

Wir sahen gerade in der Garage die Rohkarosse

eines Mercedes. Wie lange dauert es, dieses

Projekt abzuschließen?

Hier handelt es sich um ein eigenes Projekt unseres Bestandes.

Aufgrund der hohen Kundenfrequenz im Fahrzeugprojektgeschäft

kommen wir viel zu selten dazu,

uns um die Fertigstellung unserer eigenen Projekte zu

kümmern. Es sei denn, der Kunde kommt gezielt auf

uns zu und will eine Vollrestauration von einem unserer

eingelagerten Bestände. Wie das halt so ist: Der Schuster

hat immer die schlechtesten Sohlen.

Stichwort „Neid“: Wie reagieren Mitmenschen

auf Oldtimer? Gibt es Unterschiede?

Eine spannende Frage. Vielleicht lässt sie sich am besten

mit folgendem Vergleich beantworten:

Stellen Sie sich vor, Sie erhalten eine SMS auf Ihr Mobiltelefon.

Und nun stellen Sie sich vor, Sie erhalten

einen handgeschriebenen Brief. Der Inhalt kann der

Gleiche sein.

Ähnlich verhält es sich beim Oldtimer. Ganz gleich mit

welchem Modell sie unterwegs sind, Sie ernten freundliche

Gesten, wertschätzende Bemerkungen und lernen

ständig interessante Menschen kennen. Ich nenne diesen

Effekt „Benzingeflüster“. Das habe ich mit meinem

neuzeitlichen Fahrzeug im alltäglichen Gebrauch nicht.

Allerdings habe ich auch niemanden der mich anpöbelt.

Wie alles im Leben und im Beruf: eine Frage der

Performance. Kleine süße Oldtimer wie Lloyds, Gogos,

DKWs, Fiat 500, Käfer ernten oft Sympathie – besonders

seltene Fahrzeuge, die nicht als Luxusmarken gelten,

ebenso.

Herr Land, wir danken für das Gespräch.


mein/4

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Mit den Kulturfritzen

Kultur im Kiez entdecken

Folge 2: Akazienkiez

Im 13. Jahrhundert stand hier die Wiege des Dorfes Schöneberg, 800 Jahre später ist die Gegend

rund um die Akazienstraße ein belebtes Berliner Stadtquartier mit zahlreichen kleinen Läden, Cafés

und Restaurants, in dem es auch kulturell einiges zu entdecken gibt.

Text & Fotos: Marc Lippuner

Im 13. Jahrhundert stand hier die Wiege des Dorfes

Schöneberg, 800 Jahre später ist die Gegend rund

um die Akazienstraße ein belebtes Berliner Stadtquartier

mit zahlreichen kleinen Läden, Cafés und

Restaurants, in dem es auch kulturell einiges zu entdecken

gibt.Text & Fotos: Marc LippunerDer Akazienkiez

verdankt seinen Namen der ihn von Norden

nach Süden durchquerenden Akazienstraße, die

ihrerseits 1840, im Jahr ihrer Benennung, an einem

Akazienwäldchen vorbeiführte. Dieses musste ein halbes

Jahrhundert später der Apostel-Paulus-Kirche

weichen, die zweifelsohne das imposanteste Bauwerk

des Viertels ist.

Das im historisierenden Stil der märkischen Backsteingotik

errichtete Gebäude entstand nach Entwürfen

des Königlichen Baurats Franz Heinrich Schwechten,

der zeitgleich in Charlottenburg die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche

schuf. Am 29. Dezember vor

125 Jahren wurde das Gotteshaus in Anwesenheit

des Deutschen Kaiserpaars feierlich eingeweiht; sein

85 Meter hoher Turm ist der fünfthöchste Kirchturm

Berlins. Dagegen fallen die anderen Kirchenbauten im

Kiez verhältnismäßig bescheiden aus, wenngleich sie

mindestens ebenso von architekturhistorischem Interesse

sind. Allen voran das zwischen 1958 und 1962

entstandene Bauensemble aus evangelischer Paul-

Gerhardt-Kirche, Gemeindezentrum und katholischer

St. Norbert-Kirche am südwestlichen Zipfel

des Akazienkiezes. Die Architekten Hermann Fehling,

Daniel Gogel und Peter Pfankuch schufen aus

unregelmäßig übereinander geschichteten Stahl- und

Sichtbetonelementen einen beeindruckend schroffen

Kontrast zur direkt daneben liegenden rosaverputzten

Dorfkirche aus friderizianischer Zeit.

Das barocke Gotteshaus ist das letzte Zeugnis der

dörflichen Struktur Alt-Schönebergs, dessen historischer

Siedlungskern entlang der Hauptstraße zwischen

der heutigen Dominicus- und Akazienstraße

lag. Erst Mitte des 18. Jahrhunderts entstand an der

nordöstlichen Ortsgrenze ein weiteres, Neu-Schöneberg

genanntes Dorf. Es erstreckte sich bis zum heutigen

Heinrich-Kleist-Park, dessen Gelände zu dieser

14 mein/4


Kultur im Kiez

Apostel-Paulus-Kirche

Paul-Gerhardt_Kirche

Zeit bereits mehr als 100 Jahre als landwirtschaftlicher

Muster- und kurfürstlicher Küchengarten genutzt

wurde. 1801 erfolgte die Umgestaltung der 7,5

Hektar großen Fläche zum botanischen Garten. Das

dazugehörige Königliche Botanische Museum mit seinem

prachtvollen Treppenhaus entstand in den Jahren

1878 bis 1880 an der Grunewaldstraße 6-7. Seit den

1960er-Jahren ist das Haus am Kleistpark Sitz des

Kulturamtes Schöneberg und mit einer Ausstellungsfläche

von fast 300 Quadratmetern eine der größten kommunalen

Galerien Berlins. Bei freiem Eintritt lädt es

in den ehemaligen Herbariumssälen zu hochkarätigen

Dorfkirche Schöneberg

Haus am Kleistpark

mein/4

15


Kultur im Kiez

Schöneberg-Museum Hauptstraße 155 Museum der unerhörten Dinge

Wechselausstellungen ein, die hauptsächlich zeitgenössische

Kunst, aber auch aktuelle und historische

Fotografie in den Fokus rücken. Einen ganz anderen

Schwerpunkt hat das ebenfalls kostenfrei zu besichtigende

Schöneberg-Museum in der Hauptstraße 40,

unter dessen Dach sich auch das Jugendmuseum und

das Bezirksarchiv befinden. Ziel des Museums ist es,

Menschen aller Generationen dazu anzuregen, die

Stadt und ihre Quartiere in Tempelhof-Schöneberg neu

zu entdecken, indem es relevante Themen aus Politik

und Gesellschaft unter lokalen Gesichtspunkten lebendig

aufbereitet. So plädiert die aktuelle Ausstellung

Welcome to diversCity (noch bis 18. August) für einen

offenen Umgang mit den vielfältigen Lebensweisen in

Berlin, beleuchtet hier im Besonderen den „Regenbogenkiez“

rund um den Nollendorfplatz und stellt zahlreiche

queere Persönlichkeiten aus der Schöneberger

Geschichte vor.

Vergessen wird einer natürlich nicht: David Bowie, der

zwischen 1976 und 1978 nur 800 Meter nördlich in

der Hauptstraße 155 gewohnt hat. Eine Berliner

Gedenktafel an der Fassade erinnert daran, dass hier

vor etwas mehr als 40 Jahren Musikgeschichte geschrieben

wurde. Wer mehr darüber erfahren möchte,

sollte sich Tobias Rüthers Buch Helden – David Bowie

und Berlin (Rogner & Bernhard, 12,95€) besorgen, in

dem die beiden intensiven Jahre mit Liebe zum Detail

und sehr unterhaltsam dokumentiert sind. Mindestens

ebenso unterhaltsame Zeitdokumente sind die

Geschichten der erhörten Objekte im Museum der

Unerhörten Dinge. Auf sorgsam laminierten Handzetteln

finden sich absonderliche Geschichten zu darüber

drapierten Objekten – sie erzählen von gestrandeten

Walen im Greifswalder Bodden, von lesbischen

Hochzeiten im Jahr 1950 oder davon, wie Joseph

Beuys auf den Hasen kam. Die literarisch erhörten

Fundstücke stellen in ihrer musealen Erhöhung einen

feinen ironischen Kommentar zum gegenwärtigen

Ausstellungsbetrieb dar – kein Wunder, dass das Museum

in der Crellestraße 5-6, das regulär mittwochs

bis freitags zwischen 15 und 19 Uhr geöffnet hat, das

meistbesuchte Museum Berlins ist, zumindest, wenn

man die Besucherzahl mit den Quadratmetern des

vermutlich kleinsten Museums Berlins verrechnet.

Direkt um die Ecke findet sich auch das kleinste Kino

Schönebergs, das, 1909 eröffnet, zugleich auch das

zweitälteste Berlins ist: In der Kolonnenstraße 5-6

zeigt das Xenon-Kino mit seinen 140 Plätzen queere

Filme, Dokumentationen, Kinderprogramm und

deutsch untertitelte Filme in Originalfassung. Das

erste Lichtspielhaus Berlins, das „OmU“ etablierte,

und sich darin bis heute treu bleibt, ist das zur

Yorck-Kinogruppe gehörende Odeon in der Hauptstraße

116.

Wer im Akazienkiez jedoch nicht ins Filmtheater

möchte, sondern Live-Unterhaltung auf Bühnen

16 mein/4


Kultur im Kiez

fokussieren sich die Ermittlungen doch schnell auf

eine Handvoll Personen, die im Akazienkiez leben,

lieben, arbeiten und sich – ganz selten – auch mal

mit Messern auf offener Straße hinterher jagen. Die

Xenon-Kino. Odeon-Kino Weiße Rose

sucht, sollte im 1956 eröffneten Kulturzentrum

Weiße Rose am Wartburgplatz vorbeischauen. Vor

der prachtvollen Rückseite des Schöneberger Amtsgerichts

steht der schlichte Flachbau, in dem regelmäßig

Konzerte, Slams und Theateraufführungen

stattfinden. Ein festes Zuhause hat hier das Theater

Strahl, das sich mit seinen anspruchsvollen Inszenierungen

vor allem, aber nicht nur an ein junges

Publikum richtet. Live-Musik gibt es gelegentlich

auch andernorts im Kiez.

So finden in der Apostel-Paulus-Kirche gelegentlich

Konzerte international renommierter Musikerinnen

und Musiker statt, auch in zahlreichen gastronomischen

Lokalitäten gibt es hin und wieder Live-Musik

als Weinbegleitung, so zum Beispiel im Café Bilderbuch

in der Akazienstraße 28, dessen sonntäglicher

Brunch zudem mit Pianomusik untermalt wird.

Drei Häuser weiter, an der Ecke zur Belziger Straße,

ist seit nahezu 25 Jahren der Querverlag beheimatet,

Deutschlands erster und einziger Verlag mit

schwul-lesbischem Programmschwerpunkt. Unter

den brandaktuellen Neuerscheinungen findet sich

mit Schöneberger Steinigung (14,00€) erstmals ein

Kriminalroman, der hauptsächlich im Akazienkiez

spielt. Wenngleich der Autor Peter Fuchs den Mord

an einem rechtspopulistischen Ex-Priester knapp

außerhalb des Viertels, im Rudolf-Wilde-Park hinter

dem Rathaus Schöneberg, passieren lässt, so

Buchpremiere findet am 28. März in der Akazienbuchhandlung

in der Akazienstraße 26 statt. Der

Eintritt ist frei.


Marc Lippuner

hat Germanistik, Geschichte

sowie Kultur- und Medienmanagement

studiert.

Nach Jahren als Theatermacher

leitet er seit 2017

die WABE im Herzen des

Prenzlauer Bergs.

Nebenbei frönt er mit den

von ihm gegründeten Kulturfritzen, einem kleinen

Projektbüro für kulturelle Angelegenheiten, seiner

Berlin-Liebe. Auf Twitter postet er nahezu jeden

Tag einen #Berlinfakt, kürzlich erschien sein Spaziergangsführer

für den Großbezirk Pankow im Elsengold-Verlag.

Für unser Magazin begibt er sich auf kulturelle Entdeckungsreisen

durch die Berliner Kieze, darüberhinaus

gibt es immer eine Handvoll Empfehlungen

für Kultur-Events, die man im kommenden Quartal

seiner Meinung nach nicht verpassen sollte.

mein/4

17


Kulturtipps vom Kulturfritzen

Vorläufer des Bauhaus-Designs

2019 wird der Gründung des Bauhauses vor 100 Jahren

deutschlandweit mit zahlreichen Ausstellungen

gedacht. Natürlich auch in Berlin. So gibt es beispielsweise

noch bis zum 5. Mai im Bröhan-Museum

die Ausstellung Von Arts and Crafts zum Bauhaus.

Kunst und Design – Eine neue Einheit! zu sehen, die

anhand von 300 Objekten zeigt, wie Möbel, Grafik,

Metallkunst, Keramik und Gemälde des Wiener Jugendstils,

des Deutschen Werkbunds oder der holländischen

Gruppe De Stijl die Formensprache des

Bauhauses beeinflusst haben.

http://www.broehan-museum.de/

Buffet, entworfen 1867 von Edward Willam Godwin (Privatsammlung)

© Martin Adam

Berlinale in Bildern

Die Berlinale ist gerade vorbei, aber wer von den internationalen

Filmfestspielen nicht genug bekommen

kann, sollte mal im Museum für Film und Fernsehen

am Potsdamer Platz vorbeischauen. Noch bis 5. Mai

ist hier die Ausstellung Zwischen den Filmen – Eine

Fotogeschichte der Berlinale zu sehen, die wunderbare

Momente abseits des roten Teppichs zeigt.

Stimmungsvolle Fotografien aus fast siebzig Jahren

Festivalgeschichte: Ein Must-See für Filmfreaks und

Berlinfans.

www.deutsche-kinemathek.de

Blick in die Ausstellung © Marian Stefanowski

Gänzend demonstrieren für ein „Europa der Vielen“

Am Sonntag, den 19. Mai 2019, finden in zahlreichen

Städten Demonstrationen für ein „Europa der Vielen“

statt. In Berlin wird um 12.00 Uhr am Rosa-Luxemburg-Platz

gestartet, der Protestmarsch führt an

mehreren Kunst- und Kultureinrichtungen vorbei, vor

denen Künstlerinnen und Künstler aus europäischen

Ländern sprechen werden, die bereits durch Regierungsbeteiligungen

nationalistischer und rechtsextremer

Parteien unter Druck geraten sind und deren

Länder die Freiheit der Kunst schon länger nicht

mehr garantieren. Auch in Deutschland sowie in wei-

18

Glänzende Demonstration © dievielen

mein/4


Kulturtipps

teren EU-Staaten könnte die Kunstfreiheit durch nationalistische

oder rechtsautoritäre Regierungsbeteiligungen

in Gefahr geraten. Deshalb haben allein in

Berlin mehr als 200 Kunst- und Kultureinrichtungen

die Erklärung der Vielen unterschrieben. Sie positionieren

sich damit gegen Hass und Rechtspopulismus

und setzen ein sichtbares Zeichen für Vielfalt in einer

offenen und gleichberechtigten Gesellschaft.

www.dievielen.de

Kunstfrühling in Pankow

Im Atelier von Jutta Scheiner © Beate Hoeckner

Zum dritten Mal findet in diesem Jahr artspring statt.

Kern des Ganzen ist das Wochenende der offenen

Ateliers am 1. und 2. Juni, in dem Künstlerinnen und

Künstler in Pankow, Prenzlauer Berg und Weißensee

ihre Ateliers für Besucherinnen und Besucher öffnen

und ihre Arbeiten präsentieren. Es geht aber schon

früher los: Ab Anfang Mai werden die Künstler/innen

mit einer Katalog- und Portofolio-Bibliothek sowie

einem Performanceprogramm im Pop-Up-Store in

den Schönhauser Allee Arcaden vorgestellt. Parallel

dazu präsentiert das Festival artspring spots im

ganzen Bezirk Ausstellungen ansässiger Künstler/innen.

An den Freitagabenden läuft ein Filmprogramm

mit Medienkunst im Kino in der Kastanienallee 77.

Angekündigt sind darüber hinaus Konzerte und Lesungen,

die einzelne Künstler/innen in ihren Ateliers

veranstalten. Über das umfangreiche Programm informieren

die artspring-Website sowie die Festivalzeitung,

die an allen Veranstaltungsorten erhältlich

sein wird.

www.artspring.berlin

Die Geschichte der Berliner Vergnügungsparks

Lange bevor es den Kulturpark im Plänterwald gab,

der 2002 als Spreepark ein unrühmliches Ende nahm,

war Berlin so etwas wie das Epizentrum der Vergnügungsparks

in Europa. Zwischen 1880 und Ende der

1930er-Jahre existierten sechs dieser sommerlichen

Vergnügungsorte in und um die Reichshauptstadt herum.

Der berühmteste und am längsten bestehende

war der Lunapark, der älteste entstand in der Hasenheide.

Hinzu kamen großflächig angelegte Rummelplätze

in den Parks am Weißen See, am Lehrter Bahnhof

und in der Schönholzer Heide. Einer hatte sogar

– ganz planmäßig – nur eine Saison Bestand, er wurde

als zusätzliche Attraktion für die Besucherinnen und

Besucher der Berliner Gewerbeausstellung 1896 auf

dem Gelände des heutigen Treptower Parks errichtet.

Johanna Niedbalski analysiert in ihrer Dissertation

die Entstehung und den Niedergang der einzelnen

Parkanlagen, überprüft sowohl spektakuläre als

auch heute überaus fragwürdige Attraktionen hinsichtlich

ihrer Erlebnisdimensionen und zeigt auf,

dass zahlreiche Errungenschaften urbanen Lebens

wie Rolltreppen, Hallenbäder, Kinos oder Straßenbahnen

im Ausstellungsbetrieb getestet wurden,

ehe sie im städtischen Alltag Einzug hielten.

Die ganze Welt des Vergnügens erschien 2018 im

be.bra Verlag.

mein/4

480 Seiten Lesevergnügen © Marc Lippuner

19


Skip Pahler –

ein „Viech“

20 mein/4


Skip Pahler

Der 8. Rabe

Wenn bei uns im Norden jemand „Viech“ genannt wird, ist das ein großes Kompliment. Solcheinwelcher

ist nicht nur ein echter Freund, er steckt auch voller Geschichten, Wissen, Überraschungen

und Humor.

Andreas Langholz

Mein Freund Skip ist ein Viech.

Er wurde 1940 in Zehlendorf geboren, mitten in den

Krieg hinein. Er kam zur Oma nach Thüringen. Sie

arbeitete in einer Glashütte und brachte dem kleinen

Skip bei, wie man Glasknöpfe bemalt. Möglicherweise

hat Oma damit Skips künstlerisches Fundament

gegossen …

„Malt mir die Windflüchter“, lautete die Aufgabenstellung

des Kunstlehrers Prof. Nabel. Er meinte damit

Bäume, die sich im Sturm biegen. Skip musste

an die Tafel.

„Ich hab mit großem Schwung losgelegt, ein Glücksmoment“,

sagt Skip. Der Lehrer staunte und ahnte.

Und wann immer Zeit war, nahm er den kleinen Skip

zu Zeichnen mit.

Im letzten Jahr hat Skip eine Ausstellung mit „Die

sieben Raben“ betitelt. So erfuhr ich, dass damit die

Menschen, sieben an der Zahl, gemeint sind, die Skip

im Laufe seines Lebens beeinflussten, ihm Wege aufzeigten

oder umleiteten, zu Freunden wurden. Prof.

Nabel war der Erste.

Während Skip die Handelsschule besuchte – man

muss ja was Ordentliches lernen - interessierte ihn

am meisten ein Praktikum in einer Farbenfabrik. “Ich

musste Tuben und Eimer auswaschen, durfte aber

auch Farben herstellen und lernte Sachen, die heute

kaum noch einer weiß“.

Und dann kam dieser Kinobesuch. Skip sah einen

Kurzfilm darüber, wie man Trickfilme macht – das

Ende einer Handelskarriere! Er bewarb sich bei Ernie

Loeser, einem Engländer, der in Berlin eine kleine

Zeichentrickproduktion betrieb. Skip wurde Trickfilmzeichner,

sie bekam so manche Auszeichnung.

„Ernie ist mein zweiter Rabe“, sagt Skip, dem man

anmerkt, dass er sich mit Vergnügen an diese Zeit

erinnert.

Übrigens hieß er da noch anders, denn erst an seinem

18. Geburtstag erklärte er seinen Eltern: „Das Schiff

verlässt jetzt den Hafen und ich heiße ab sofort Skip“

(und selbst wenn ihr mich würgt, foltert, bestecht ...

ich weiß nicht, welcher Name auf seiner Geburtsurkunde

stand).

Die Trickfilmbude war in Prenzlauer Berg, wo Skip auch

wohnte. In der Marienburger Straße gab es damals einen

Boxstall. Skip hatte seinen Sport gefunden.

„Boxen ist wie tanzen“, erklärt er. Seinen ersten

Punktkampf gewann er locker, der Gegner trat nicht

an. „Dann machen wir einen Schaukampf, ich hab

die Handschuhe doch schon an!“ Zack, paff, so kam

Skip zu seiner Nase, von der er behauptet, sie habe

die perfekte Form, um sie überall reinzustecken …

Das tut Skip heute noch. Legendär sind seine kleinen

Neujahrskarten, die er guten Freunden zum Jahresbeginn

überreicht. Immer mit einer Zeichnung, die

es genauso in sich hat wie Skips Anmerkungen zum

abgelaufenen Jahr und sein Ausblick auf das neue. Ja,

Skip ist ein sehr politischer Mensch, allerdings passt

mein/4

21


Skip Pahler

er in keine Schublade und hat sich auch nie in eine

stecken lassen, egal wie sehr gedrückt wurde.

Als Herr Ulbricht beschloss, sein Volk durch eine

Mauer zu schützen, war Skip das egal. „Was die da

machen, interessiert mich nicht. Ich bin da, wo meine

Freunde sind.“

Und davon gab es 1961 schon eine ganze Menge.

Skip kümmerte sich um das Kulturhaus Erich Franz,

eine Immobilie in der Kastanienallee, die wir heute

als Prater kennen. Er erfand die Veranstaltungsreihe

‚Lyrik & Jazz‘, „wir haben immer um 21.00 angefangen,

dadurch haben wir automatisch die Leute

rausgefiltert, die vor der Glotze sitzen“, erinnert sich

Skip. Und auch an den Schriftsteller Peter Hacks, der

lieber stehend lesen wollte, im Sitzen sähe er aus wie

Karl Eduard von Schnitzler …

Gegenüber machte Skip dann die Prater Galerie auf.

Seine erste Ausstellung hieß ‚Problemausstellung

Nr.1‘. Die ‚Westpresse‘ berichtete ausführlich und

Skip musste der Verdacht schöpfenden Obrigkeit erklären:

Dies ist eine Private Galerie!

Heute ist Skips Hauptquartier in der Lehder Straße

74 in Weißensee. Ein wunderschöner Ort voller Kunst.

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Skip Pahler

ren produzierte Skip auch fleißig Kunst. Als er in der

Turmgalerie am Frankfurter Tor Fotomontagen sah,

deren Herstellungstechnik er für seine Erfindung hielt,

ließ er nicht locker, bis er José Renau kennenlernte. Sie

wurden dicke Freunde, hatten einige Jahre ein gemeinsames

Atelier und produzierten zusammen. Ich glaube,

Renau ist Skips wichtigster Rabe.

Mittlerweile hatte Skip ein weiteres Feld für sich entdeckt:

Fassaden. Je größer, desto besser. Er wurde im

Ostberliner Stadtbild zum Exoten zwischen sozialistischer

Einheitskunst.

Ein Auftrag im Staatsratsgebäude: („Du bist teuer“,

„Nein, ich bin gut.“) führte dazu, dass man Skip die

künstlerische Bauleitung für den Palast der Republik

übertrug. Und als die Künstler drei Eimer Caparol

aus dem Westen brauchten, wurden sie natürlich beschafft,

Kurt Masur hatte sie im Handgepäck.

Siegfried Krepp und Fritz Crämer, beides Raben, arbeiteten

mit Skip an den Projekten. Letzterer hat mal

eine Skulptur von Skip ‚die Liebenden‘ kritisiert. Sie

sei wohl noch nicht fertig. Skips Antwort: „Liebende

sind nie fertig.“

24 mein/4


Skip Pahler

Und als einer seiner damaligen, hochoffiziellen Brötchengeber

(Skip hat übrigens nie Rechnungen geschrieben)

ihm erklärte, er sei im Herzen Europas, hat Skip

geantwortet: „Ja, aber auf einem Betonsockel. Und nun

gehen Sie mal einen Schritt vor oder zurück!“

Auf Skips Webseite (www.skip-pahler.de) steht: „Ich

weiß so vieles nicht, deshalb male ich“ – tiefer kann

man nicht stapeln.

Und hoch bin ich geklettert. Bis auf den Hängeboden

seines Ateliers. Dort habe ich ein Bild mit einem

umgeknickten Kreuz ausgebuddelt. Ein Entwurf für

einen Altar, den Skip gebaut hat. Das Bild hängt heute

bei meiner Schwester. Eine Gasse in einem provenzalischen

Dorf (in Öl) erwarb ich für meine Eltern und

mir selbst gönnte ich einen Fassadenentwurf. Die Geschichten

zu den Bildern habe ich in meinem Herzen,

an den Geschmack des wunderbaren Brandys kann

ich mich jedoch nur noch flüchtig erinnern – ich muss

dringend mal wieder im Atelier vorbeischauen.

Übrigens Skip hat am gleichen Tag wie Picasso

Geburtstag. Welch Ehre für Pablo!

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mein/4

25


Winterschlaf

Ich stopfe ein Weinglas in die Spülmaschine und zerbreche es. Beim Griff nach der Küchenrolle

mit der blutenden Hand stolpere ich über die Klappe der Spülmaschine. Das kochende

Teewasser spritzt mir gegen die Schenkel, das Brotmesser fährt mir in den Daumen.

Franziska Hauser


Winterschlaf

Alle Kanten und Stufen strecken sich heraus, damit

ich mich daran stoße. Die Dinge verweigern mir ihren

Dienst, fügen sich nicht ihrer Verwendung. Ich sitze auf

dem Küchenstuhl mit dem blutbefleckten Papier in der

Hand, sehe in den Hof und versuche mir vorzustellen,

dass ich ab nächster Woche an einem Fenster sitzen

werde, ohne den Alltag hinter meinem Rücken. Keine

Ahnung was man bei einer Mutter-Kind-Kur macht statt

arbeiten, einkaufen, Essen kochen, Wäsche waschen, sauber

machen, Kinder holen und wegbringen.

Ich finde mein Leben eigentlich gut. Mich stört nur der

Abwasch und der Dreck, die leeren Flaschen, der volle

Mülleimer, der leere Kühlschrank und dass ich meinen

verdammten zweiten Strumpf nicht finde. Aber ich will

nicht so eine Mutter sein, die eine Kur braucht, um mit

dem gewöhnlichen, langweiligen Kram wieder klarzukommen.

Ich bin doch von gesunder Natur, ich brauch’

keine Hilfe, ich weiß, was mir gut tut!

Ich weiß zum Beispiel, dass mir jetzt irgendetwas Wildes

gut tun würde. Ein hässlicher, kahler Wald voller

Gestrüpp oder eine modrige Abraumhalde mit grauem

Himmel. Aber so was gibt’s hier nicht und ich habe keine

Immerhin finde ich ein anderes Tor und gehe quer über

die matschige Wiese.

Ich stehe an der Kreuzung und mir wird klar, dass ich

seit zehn Jahren nachmittags an dieser Kreuzung stehe,

auf Kinder warte, die mit kurzen Beinen hinterherlaufen

– oder auch nicht. Die Kirchturmglocken schlagen und

mir ist, als würden sie die Jahre zählen, die ich an dieser

Kreuzung stehe oder auf Spielplatzbänken sitze und

darauf warte, dass die Kinder groß werden. Irgendwann

werde ich vielleicht an dieser Kreuzung stehen und die

Kinder werden groß sein und ich werde alt sein und mich

fragen, worauf ich die ganzen Jahre gewartet habe.

In die Baumwipfel zu sehen und in die Wolken, die wie

Rauch übereinander hinziehen, hilft ein bisschen. Mit

dem Kind auf dem Rückweg lande ich schon wieder auf

einer Spielplatzbank. Die steht im Kies. Mit dem wirft

das Kind. Ich warte. Ich habe keine Lust, mit Kies zu

werfen, aber etwas anderes kann man wirklich nicht tun

hier.

Neben mir windet sich Efeu um einen Stamm wie eine

Würgeschlange. Na gut. Ich brauch doch so eine blöde

Kur.

Zeit, mir einen solchen heilsamen Ort zu suchen jetzt.

Der Park hilft auch nicht, durch den ich gehe auf dem

Weg zur Schule, um das Kind zu holen. Die zuckelnden

Kinderwagen auf dem knirschenden Streukies machen

mich noch aggressiver. Am Zaun müssen alle Menschen

durch dasselbe Tor. Ich will aber nicht mit dem trägen

Spaziergängerstrom durch ein Tor geleiert werden. Ich

würde am liebsten über den Scheißzaun klettern oder

mich darunter durchgraben, nur um nicht durch das

Scheißtor gehen zu müssen. Dass es den Menschen

nichts ausmacht, auf denselben Wegen hintereinander

her zu trotten, verstehe ich nicht.

Aus der nassen Stadt kommend fahren wir durch eine

saubere Modelleisenbahnlandschaft mit glitzerndem

Schnee dekoriert und machen uns lustig über sie, damit

sie sich nicht lustig macht über uns. Mareile legt eine

CD ein mit irischer Folkmusik ein. Die Töchter auf der

Rückbank fangen an zu singen. Kalte Bäche rauschen

über Mühlräder an bunten Fachwerkhäusern und die

wenigen Menschen wirken wie im Laden gekauft – „Guten

Tag, ich hätte gerne eine Tüte Reisende.“ Und in die

Landschaft gestellt. Wie auf einer gepflegten nostalgischen

Platte gibt es keine grelle Werbung, keine farblosen

Industriegebäude, kein krankes Schaf. Wir kommen

mein/4

27


Winterschlaf

uns veräppelt vor, weil es gar kein Ende mehr nimmt. Ein

hübsches Dorf hängt am anderen, umgeben von Bergen

mit weißen Tannen darauf und pastösem Nebel darüber.

Mein Kind sagt zum Dunst über den Bergen: „Wenn

man immer näher kommt, sieht es aus, als würden die

Bäume in ein Loch dahinter fließen“.

Wir fahren bergab in ein gespenstisch vernebeltes Eisgebirge,

wo die Welt hinter jedem Baum vom Nichts

verschluckt wird. Das Kurhaus steht am Berg und alle

Fenster sehen hinunter ins unsichtbare Tal. Wir steigen

aus in der großen Stille, atmen den eisigen Nebel, der

uns mit einer gläsernen Haut überziehen will wie alles

andere. Die Luft knirscht.

Der Hausmeister nimmt unsere Taschen und hält uns

die Türen auf damit. Es wird immer weißer um uns. Die

Bettwäsche, die Zimmerwände, der Winterhimmel und

langsam der Schnee. Wir müssen zur Kennenlernrunde

und es ist, wie ich befürchtet habe. Unter den Frauen

kein Gesicht, mit dem etwas anzufangen ist. Ich bin froh

über Mareile rechts wie Mareile froh ist über mich links.

Das teilt sie auch prompt der Runde mit, dass sie ohne

mich niemals her gewollt hätte. Die anderen sind verunsichert

über die Äußerung, die nicht ins Muster passt.

Was uns im Leben wichtig ist sollen wir erklären anhand

einer Postkarte, die auszuwählen ist. Ich erzähle etwas

von Kunst und Kultur und halte die Sixtinische Madonna

hoch. Mareile redet von Aufklärung, Wissen und Erkenntnis,

hat dafür aber nur die Karte vom einsamen Baum in

weißer Landschaft zur Verfügung. Jetzt ist es allen klar:

Wir wollen nicht dazugehören. Wir sind die echten Großstädter

und das wollen wir hier auch bleiben!

Die dreißig Frauen bilden einen wohlgeordneten Gesellschaftsdurchschnitt.

Am einen Ende sitzt eine

hübsche, vierzigjährige Beamtin vom Brüsseler Parlamentsfernsehen

mit dreijähriger Tochter, am anderen

Ende eine fünfvierzigjährige, dicke Arbeitslose, die wir

unterm Raucherdach schon gesehen haben. Sie kommt

aus einer ostdeutschen Kleinstadt mit ihrem Kind, das

eine Behinderung hat. Das hat sie von einem Türken,

der nichts weiß davon. Zu Hause im Neubaublock leben

noch drei jugendliche Töchter. Die jüngst e

schwanger. Zwischen den beiden Extremfällen sitzen

vier Krankenschwestern, einen Haufen Büromuttis,

ein paar Verkäuferinnen, Friseusen und ein Fernfahrervater,

Herr Rössler, der versehentlich Frau Rössler

genannt wird.

Die Brüsselerin bemüht sich um einen wohlwollenden

Blick. Sie weiß, dass hier niemand vier Sprachen spricht,

niemand heranreicht an ihre Stellung, aber sie möchte

trotzdem dazugehören. Sie wurde in Pirna geboren und

ihr Kind soll deutsch lernen hier. Ihr Blick bittet um

Gunst und begegnet befremdeten Gesichtern.

Die dicke Raucherin mit fettigem Haar in farblos wirkt

resigniert. Sie weiß, dass niemand viel zu tun haben

möchte mit ihr, und anstatt zu erklären was ihr wichtig

ist im Leben, bittet sie nur darum, dass die Medikamente

für ihr Kind im Gemeinschaftskühlschrank

verbleiben dürfen. Das ist wichtig.

Eine junge Friseuse hält die Karte von Dürers betenden

Händen hoch, weil ihre Großeltern gestorben sind. Sie

hat Tränen in den Augen, sagt weiter nichts und in mir

erhebt sich der bockige Widerstand gegen das Berührt

werden.

Im indischen Ashram gibt es „Silence“-Sticker, um von

niemandem angesprochen zu werden. So einen hätte

ich jetzt gerne.

Wir essen um 18:30 Uhr Abendbrot. Zuhause tun wir

sowas drei Stunden später. Dass wir um 7:45 Uhr beim

Frühstück erscheinen werden, ist undenkbar. Aber obwohl

wir wissen, dass die Mütter mit den Babys erst

um halb acht den Essenraum verlassen, erscheinen wir

mit unseren Schulkindern schon um 7:15 Uhr, hungrig

28 mein/4


Winterschlaf

wie noch nie um diese Uhrzeit. Der Raum ist überfüllt

mit Geschrei und Gequietsche. Wir stolpern am Buffet

über das um unsere Knie wuselnde Getier. Kleinkinder

knallen mit den Köpfen gegen Tischkanten, fallen von

Stühlen unter Tische, lassen sich unter Gewaltanwendung

von Müttern Rotze aus den Gesichtern wischen

und werfen mit Besteck.

Wir geben unsere Kinder in der zuständigen Betreuungsgruppe

ab und haben nach einem Blick ins verfügbare

Kinderbuchregal kein gutes Gefühl dabei. Wir

stellen unsere mitgebrachten, künstlerisch hochwertigen

Kinderbücher zwischen den zerfledderten Disney-Kram

und müssen die Bildung unserer Töchter für drei Wochen

einer Grundschullehrerin überlassen, die sich

für Lesen und Rechnen noch weniger zu interessieren

scheint als die Kinder.

Mareile und ich folgen unserem Kurplan und begeben

uns von der Moormassage zur Rückenschule, zum Waldspaziergang.

Wir gewöhnen uns daran, dass man sich

seine Nummer merken muss, um das Zimmer wiederzufinden

und unterhalten uns abends im Schwimmbad

jetzt doch vorbildlich mit den Krankenschwestern. Wir

reden über die anderen und sind gespannt, wen sich der

Fernfahrer aussuchen wird.

Der Männerentzug macht sich schon nach vier Tagen

bemerkbar, als ein junger Vertretungshausmeister auftaucht.

Während er Schnee schippt, hopsen wir von

einem Bein aufs andere, loben die Kinder fürs Nichtgegen-den-Baum-Rodeln

und überlegen, mit welchem

Anliegen wir ihn in unser Zimmer holen könnten. „Willst

du dein Anliegen nicht einfach direkt vorbringen?“, sage

ich zu Mareile so laut, dass er es hören kann. Er dreht

sich um, lacht, schüttelt den Kopf und schippt weiter. Er

hat langes Haar, sein Musikgeschmack, der vom T-Shirt

abzulesen ist, kommt unserem nahe. Mir fällt ein, dass

sich in meinem Zimmer ein Schrank nicht öffnen lässt,

und da kommt er mit. Sechs Kinder hat er und eine

Mittelalterkneipe im nächsten Ort. Mareile hat auch

eine Kneipe und eine Menge Kinder. Ich lasse die beiden

mit ihrem Gespräch alleine und gehe zu meinem

Psychotermin.

Dass die Dorfpsychologin mich nicht weiterbringen wird,

davon bin ich überzeugt, aber immerhin gibt es Tee und

Kekse. „Kuschelpsychologin“ denke ich, als sie mich anlächelt

in ihrem grauen Strickkostüm. Ich überlege, sie zu

provozieren, ihr absurde Phantasien zu erzählen, würde

mir Spaß machen. Ob ich ihr beichte, wie dankbar ich

in meinem mühseligen Alltag oft wäre, wenn ich einfach

mal sterben dürfte? Sie sieht aus, als ob sie das schon

erschrecken könnte. Aber nein, ich habe ein echtes Anliegen

und sie lobt mich mehrmals, als ich von meinen

Bemühungen berichte, herauszufinden, warum meine

Tochter jede Nacht einpullert. Ich erzähle ihr von meiner

Trennung, sie sieht mich verständnisvoll nickend an und

sagt: „Kinder weinen ihre unterdrückten Tränen durch

die Blase.“ ‚Blöder Spruch‘ denke ich noch, so was Unqualifiziertes

würde meine Prenzlauer Berg-Therapeutin

nie sagen. Plötzlich muss ich heulen und kann mich gar

nicht mehr halten. Zuhause ist mir sowas in zwanzig Therapiestunden

nicht passiert. Ich bin entsetzt über meine

Anfälligkeit für die primitive Hausfrauenpsychologie und

nehme mein nasses Taschentuch mit in den Wald hinterm

Kurhaus. Hier ist er ja, der wilde heilsame Ort. Ich muss

in den Schnee pullern und fühle mich gleich verbunden

mit dem Kreislauf des Lebens und Sterbens. Durch meinen

Körper sucht sich ein Element zielstrebig seinen Weg

in den Schnee, in das welke Laub, in die Erde, um sich

einzuordnen – die endlosen physikalischen Bahnen. Auch

wenn ich nicht weiß, was ich anfange mit meinem Leben,

weiß immerhin mein Leben doch genau, was es mit mir

anfängt. Der verschneite Wald ist von der Lieblichkeit,

die mich in Berlin im Park noch so aggressiv gemacht hat.

mein/4

29


Winterschlaf

Jetzt überfällt mich eine dankbare Ruhe. Die Tatsache,

dass es in einer Viertelstunde Mittagessen gibt ohne dass

ich es kochen muss, macht mich glücklich. Mareile sitzt

schon am Tisch und hat sich mit der dicken Raucherin

angefreundet, die Marlies heißt. Der Fernfahrer wirft im

Vorbeigehen das kleinste Kind der Autoverkäuferin in die

Luft und ihr gerührtes Lächeln verrät, was die beiden

durch getrenntes Essengehen geheim zu halten versucht

haben. Am Abend holt Mareile mich mit einer Teekanne

auf ihren Gang, wo sich in einer dunklen Sitzecke vier

Frauen treffen. Von der Affäre des Fernfahrers wissen

alle schon längst. „Hätte von ihm was Besseres erwartet“,

sagt eine Sekretärin. Dass ich mich jeden Abend eine

Stunde heimlich im Fitnessstudio einschließe, wissen

auch schon alle.

Ich bin noch nie in einem Fitnessstudio gewesen bisher,

fand es albern, für Turnübungen Geld zu bezahlen. Ich

hatte geplant mir hier heimlich anständige Bauchmuskeln

zu zaubern und so tun, als müsste ich mich um meine

gute Figur nicht bemühen. Der Eindruck, den ich hier

hinterlasse, ist aber doch ein bemühter.

Mareile und ich machen das langweilige Frauengespräch

immer wieder kaputt. Der Unterhaltungsfluss bricht ab,

sobald eine von uns den Mund aufmacht. Ich will etwas

herausfinden über die Frauen, aber die machen nicht mit.

Sie nicken nur und es ist, als wollten sie uns ein Geheimnis

vorenthalten. Mein Ehrgeiz, die Frauen, die nicht reden

können, zum reden zu bringen, erlahmt langsam. Ich

dachte, es hätte vielleicht interessanter sein können mit

den zu Menschen, die ich in meinem kultivierten Umfeld

normalerweise kennenlerne, die aber gar nicht zu den

Normalen gehören und von denen manche denken, man

könnte über alles reden ohne zu ahnen, worüber man

alles nicht reden kann. Diese Frauen ahnen es vielleicht.

Mareiles kann sowas behutsamer. Sie kann eine Oberflächlichkeit

vortäuschen, indem sie über ganz banale

Dinge redet. Dass sie dafür andere Worte und Gedanken

benutzt, irritiert die Frauen erstmal. Mir fehlt die Geduld.

Ich kann mich an Mareiles aufwändige Methode nicht

halten. Ich gebe auf, gehe in mein Zimmer und hinterlasse

der Runde meinen kleinen ungeduldigen Vorwurf.

In der zweiten Woche fange ich an, alle meine Nägel zu

lackieren und alle meine Härchen mit Wachs zu entfernen.

Ich komme mir vor wie auf einer Beautyfarm.

Mareile kommt in mein Zimmer, lässt sich rückwärts aufs

Bett fallen, breitet die Arme aus und jault die Decke an:

„Ich will vögeln!“

Mareile und ich können schon seit Tagen nur noch über

Sex reden. Aber in die sterile Kurhausatmosphäre passen

unsere Gespräche nicht und wir kommen uns noch ausgehungerter

vor als wir es sind. „Lass uns mal rausgehen“,

sage ich und zerre sie an die frische Kurluft.

Der Schnee hat alle Farben geschluckt und den Ort gefressen.

Alles Hässliche ist verdeckt. Es gibt keine Gartenzwerge

und keine Plaste-Rehe in den Vorgärten, keine

Zäune, Wege und Blumenbeete mehr. Jeder kleinste

Zweig ist weiß umfroren und alles um uns ist von gläserner

Starrheit. Die klare Luft fließt in unsere Köpfe und

wir atmen den Schnee ein. Am liebsten würde ich vor

übermütiger Wollust die harzige Tannenrinde ablecken.

Mareile bindet sich mein Wolltuch um den Kopf, findet,

sie sieht russisch aus, und grüßt jeden Entgegenkommenden

mit Dobre Dien oder Strastwuite. Wir begegnen den

beiden Physiotherapeuten aus dem Kurheim. „Ey, die sind

30 mein/4


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10 – 18 Uhr

mein/4

31


Winterschlaf

’n Paar, der nennt sie Schnucki“, flüstere ich. „Wieso, ick

nenn’ dich doch och manchmal Schnucki, ick hoffe nich’,

du denkst, wir sind ’n Paar!“, sagt Mareile laut, dass die

Beiden sich nach uns umdrehen.

Als wir im einzigen Lebensmittelladen ankommen, beschließen

wir, dass es jetzt genug ist mit der Disziplin.

Wir kaufen Wein, Schokolade und den heimischen Gebirgskräuterschnaps.

Den Rest der Kur verbringen wir mit Schwedeneisbechern,

Sauna, Sport, Massagen, Skilaufen und immer

wieder essen. Die Kinder kommen mit ins Fitnessstudio

und wir tanzen jeden Abend zur Musik aus dem tschechischen

Radiosender.

Morgens fliegt die dicke Marlies ihr Kind ein, an den

Hosenträgern in den Speisesaal, wobei es mit den Armen

flattert, und jeder weiß schon, dass es sich um einen dreiäugigen

Drachen handelt. Sie ist von zauberhaft gutmütigem

Wesen und inzwischen ist klar, dass der behinderte

Drache es nicht besser hätte treffen können mit seiner

Franziska Hausers

aktueller Roman

„Die Gewitterschwimmerin“ wurde

für den Deutschen Buchpreis

2018 nominiert.

EICHBORN Verlag

431 Seiten, 22,00 €

ISBN: 978-3-8479-0644-5

Die Autorin schreibt ihre Texte meist im

Schokoladenrausch, im gelben Sessel der

Chocolaterie und Buchhandlung „Fräulein

Schneefeld und Herr Hund“, Prenzlauer Allee 23.

Mama. Sie kann als einzige lachen unterm Raucherdach

über Mareiles versponnene Witze und ihre elend einsamen

Augen werden schön dabei.

Einige Frauen werden an den Wochenenden von ihren

Männern besucht und abends wird im dunklen Gang vor

den Türen ausgewertet, von wem man „etwas Besseres“

erwartet hätte. Mein Freund beschließt, uns abzuholen.

Mareile organisiert ihren Mann auf den Beifahrersitz neben

meinen. Ich bereite mich vor wie auf eine arabische

Hochzeitsnacht und drehe mich vor dem Spiegel mit meinen

neuen Bauchmuskeln.

Dann stehen wir wie Sechzehnjährige stundenlang am

Fenster, sehen hinunter ins Tal und warten auf das Männerauto.

Ich puste zu tief in meinen heißen Tee und bekomme

eine Brandblase auf der Nase. Klar musste etwas

schief gehen nach der perfekten Schönheitspflege. Und

dann führe ich abends den Frauen, mit denen ich vor drei

Wochen nichts zu tun haben wollte, doch meinen Freund

vor. Stolz und Überdreht.

Am morgen stehe ich ein letztes Mal am Fenster und

sehe über das verschneite Tal. Felsen beulen sich

aus dem Wald in die dunkelblaue Luft. An der Wäscheleine

auf dem Balkon haben sich winzige Eissplitter

an die gefrorenen Wassertropfen gehängt

wie Metallspäne an einen Magneten. Lauter kleine

zerfetzte Ziegenbärte hängen in der Reihe.

„Na, alles wieder im Lot?“, fragt Mareile am Frühstücksbuffet,

streicht mir mit den Fingerspitzen um

die Taille und ich seufze erleichtert. Die körperliche

Erlösung aus der letzten Nacht ist ihr auch anzusehen.

In der Abschiedsrunde sollen wir berichten, ob die

Kur geholfen hat. Nur noch drei Frauen vor mir, dann

bin ich an der Reihe und soll was sagen. Nur noch eine

und ich weiß noch immer nichts. Alle sehen mich an und

warten. „Ich glaub ich hab aufgehört zu warten“, sage ich.

„Ich bin zurück in der Gegenwart“. Ich versuche nicht

zu heulen über meine Erkenntnis, die mich selber rührt

und kann vor Anstrengung nicht hören was Mareile sagt.

Wir verabschieden uns nur von Marlies, die jetzt vier Kilo

weniger wiegt und für uns das einzige Gesicht bekommen

hat, das wir in Erinnerung behalten wollen. Ob die

Krankenschwestern, Sekretärinnen und Verkäuferinnen

unsere Partner für geeignet halten oder nicht, werden

wir nie erfahren. Wir holen die Kinder und ziehen unsere

anspruchsvollen Kinderbücher wieder aus dem Regal. Sie

sind nicht angerührt worden. Selbst meine künstlerisch

verwöhnte Tochter hat es vorgezogen, Mikeymäuse mit

billigen Filzstiften rosa auszukrackeln.

Es sollte ein Geheimnis bleiben, aber im Auto darf es

doch verkündet werden: Das kulturell vernachlässigte

Kind hat in 21 Kurnächten keine einzige Träne ins Bett

gepullert.


32 mein/4


Das „Haus der Würde des Menschen“

An der Prenzlauer Allee Ecke Grellstraße steht eine von Plakaten befreite Litfaßsäule, zum Abriss

vorbereitet. Berliner Zäsurgeschichte auf seinem Weg in die Moderne ebnet sich sachlich formal

seinem Weg durch alle Lebensbereiche.

Jörg Richert und Lutz Müller-Bohlen

Der alte Friseurladen um die Ecke, das Zigarettengeschäft,

oder eben Litfaßsäulen, nie weiß man, ob sie

nächste Woche noch da sind. Und so verändert sich

sachlich das Gesicht UNSERER STADT in rasender

Geschwindigkeit. Fassaden werden mit Dämmstoffen

überklebt und blass getüncht, Wohnungen zumeist

von osteuropäischen Arbeitern aufgeschickt, Mieten

und Häuser werden aufgestockt.

Insgesamt kommt es zu einem strukturellen Wandel.

Während 1950 noch 68 % der Menschen in Städten

wohnten, werden es 2030 80 % sein. Dabei vergrößert

sich der Wohnraum pro Kopf immer mehr. Waren es

um 1900 noch 10qm pro Kopf, sind es inzwischen

viermal so viel. Dabei ist Deutschland Vizeweltmeister

im Mieten, denn rund die Hälfte der Menschen

lebt in Mietwohnungen. Auch deswegen werden

Mietwohnungen rar und die Preise für Mietwohnungen

werden immer teurer. Der Begriff der Gentrifizierung

bahnt sich den Weg: Durch Sanierung

entsteht in Wechselwirkung ein immer attraktiveres

Milieu für zahlungskräftigere Menschen. Damit ver-

mein/4

33


Tiny Houses

Tiny Homes schaffen Identifikation und Würde

bunden ist der Austausch ganzer sozialer Gruppen.

Still und leise verschwinden Menschen, die man gestern

noch grüßte.

Auf besagter Litfaßsäule nun klebt ein einsames

Flugblatt von Thomas Pollhammer, über sich als

Obdachloser und sein selbst gebautes Little Home

im Plänterwald. Seine Geschichte im Forst macht

die Runde im Blätterwald: vom Förster entdeckt

und zum Wegziehen aufgefordert begründet seine

Geschichte eine Diskussion, was ein Einzelner darf.

Auch in der aktuellen Ausgabe der Straßenzeitung

KARUNA Kompass findet sich ein Artikel über

Tiny Shelters. Selbst im Berliner Abgeordnetenhaus

spricht die Grünen-Abgeordnete Fadime Topaç im

November 2018 erstmals darüber „Die Not erfordert

auch, dass wir ungewöhnliche Wege gehen und zum

Teil zum Beispiel auch Tiny Houses gemeinsam mit

Obdachlosen bauen für einen kleinen, sicheren, warmen

Rückzugsort.“

Allesamt Facetten einer aus den Vereinigten Staaten

herüberschwappenden Bewegung, Armut, Obdachlosigkeit,

aber auch die Beschränkung Einzelner auf

das Wesentliche vor dem Hintergrund endlicher Ressourcen.

Tiny Houses, eine wirksame Antwort auf die

Endlichkeit des Wachstums?

Tiny Shelters

Campingurlaub auf fast 221.000 deutschlandweit angebotenen

Stellplätzen mit insgesamt 31 Millionen

Übernachtungen. „Camping ist der Zustand, meine

eigene Verwahrlosung als Erholung zu bezeichnen“

oder „In meinem Wohnwagen bin ich zu Hause“ sind

lustige Aufkleber auf Campingwagen, viele pflegen

mit zeitbefristetem Leben auf engstem Raum wie

selbstverständlich heimatliche Gemütlichkeit, Romantik

und Schutz.

Der Nichtraucher (Das Fliegende Klassenzimmer),

Peter Lustig (Löwenzahn), Martin Riggs (Lethal

Weapon), „Mick“ Brisgau (Der letzte Bulle) sind hingegen

Beispiele der medial romantisierten Form des

Dauerwohnens auf engstem Raum. Richtig Furore

gemacht hat diese Wohnform in der amerikanischen

Finanzkrise. Lloyd Kahn („Shelter“) und die Architektin

Sarah Susanka gelten als Begründer der Gegenbewegung

zu „Bigger is better“ mit mehr oder

weniger mobilen Konzepten für Wohnraum von in-

34 mein/4


Tiny Houses

zwischen 20 qm oder weniger. Aus einem Nischentrend

erwuchs eine regelrechte Minihouse-Manie,

die inzwischen Menschen aus allen Einkommensschichten

anspricht. Als Erstwohnsitz wohlgemerkt.

Entsprechend sind die Entwürfe durchgestylt, ökologisch

nachhaltig und lifestylekonform. 35.000 Euro

darf der Komfort dann schon mal kosten, im Luxussegment

auch gern 100.000 Euro und mehr.

Während im Gegenzug im modernen Kiez lebende

in unserer Komfortzone zum Abendessen in der

Bio-Company einkaufen oder doch lieber im wiedereröffneten,

aufgehübschten Saray-Grill in schmuckem

Ambiente einen Luxus-Döner holen, müsste

uns die offenkundige Obdachlosigkeit vor unserer

Tür, die sich nicht mehr unter Brücken verstecken

kann, stutzig machen. Notgedrungenerweise landet

man beim Thema Armut, denn immer mehr Menschen

stoßen nicht nur aus ideologischen Gründen

an Grenzen des Wachstums. Kältebahnhöfe, Obdachlosencamps,

immer mehr Obdachlose in unserer

Mitte sind die augenscheinlichen Symptome des

Wandels – und des fehlenden Wohnraums.

Der Künstler Thomas Pollenhammer nennt sein Tiny

Home im Berliner Plänterwald sein „Haus der Würde

des Menschen“. Weil er obdachlos war, wurde er selbst

aktiv, um als Mensch in Würde leben zu können. Man

brauche einen abschließbaren Raum, so der gelernte

Zimmermann, um den täglichen Bedürfnissen wie

Waschen, Schlafen und Essen nachgehen zu können.

Geldmangel und „die miese Wohnungssituation“ jedoch

vereitelten seine Bemühungen. So habe er sich

einen eigenen Raum zusammengezimmert.

Wie stabilisierend sich ein Tiny House auf das Leben

eines Obdachlosen auswirken kann, wissen wir aus

den Erfahrungen der Initiative Block Project aus Seattle,

die im Jahr etwa 60 ausgestattete Mini-Häuser

zu einem Preis von ca. 8.000 Dollar baut, ebenso wie

die Initiative Little Homes aus Deutschland, die bislang

rund 70 Kleinsthäuser zu 1000 Euro das Stück

errichtet hat, finanziert durch Spenden. So berichtet

Sven Lüdecke, Erfinder und Motor der Little Homes,

von großen Erfolgen. Sein Verein hat in 25 Monaten,

69 Little Homes gebaut. Aus dieser Situation heraus

konnten 25 Menschen dann eine reguläre Wohnung

Fräulein Schneefeld & Herr Hund

Chocolaterie & Buchhandlung

Prenzlauer Allee 23

Öffnungszeiten

Montag geschlossen

Di – Fr 10 – 19 Uhr

Sa 9 – 18 Uhr

mein/4

35


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Das unabhängige

Stadtmagazin

aus Berlin

jetzt mit vielen Tipps und Portraits

unter mein/4 TV auf

36 mein/4


Tiny Houses

Jeder kann mithelfen und Unterstützen

beziehen und 18 von den knapp 70 Little Homes Bewohnern

haben eine reguläre Anstellung gefunden.

Mit einem kleinen, sehr kompakten, wärmegedämmten

Gebäude von vielleicht 10 bis 20 Quadratmetern

Größe, mit einer Trockentoilette, einem Solarpanel

für Licht, mit einem Fenster und einer abschließbaren

Tür könnte man Tausenden der geschätzten

8.000 bis 10.000 Obdachlosen innerhalb der Stadt

Berlin erheblich helfen, insbesondere denjenigen, die

in den Notunterkünften mit sehr vielen Menschen

ohne Privatsphäre schwer zurechtkommen und deshalb

selbst im Winter trotz aller Risiken im Freien

übernachten.

„Meine beste Unterkunft seit den 5 Jahren meiner

Obdachlosigkeit war ein Tiny House am Straußberger

Platz in Berlin, auf dem Gelände der evangelischen

Gemeinde. Das war für mich wie ein Hotel. Endlich

sicher schlafen, endlich einmal „ausgehen“ ohne sein

ganzes Hab und Gut dabei haben zu müssen. In

dieser Zeit habe ich begonnen, Straßenzeitungen zu

verkaufen. Das hätte ich vorher nicht hinbekommen.

Ich habe sogar angefangen zu schreiben. Meine Ge-

mein/4

37


Tiny Houses

Morgens begonnen – Abends bezugsbereit - Tiny Homes wecken Interesse

danken haben sich geordnet. Leider ist das Tiny dort

so begehrt, dass man es nicht lange bewohnen kann,

damit jeder mal rein darf.“ Mark, 28 Jahre.

Wie kann das in der Praxis funktionieren? Wichtig

ist, dass ein solches Programm auf Akzeptanz stößt –

bei den potentiellen Bewohnern und in deren Umfeld.

Daher müssen Häuser gebaut werden, die neben

einer sinnvollen Ausstattung in Form und Gestalt

eine gewisse Anpassungsfähigkeit an entsprechende

Orte innerhalb der Stadt bieten. In der Regel werden

nicht mehr als drei Tiny Houses, aber nicht weniger

als zwei an einem belebten Ort aufgestellt, so die

Vorstellungen einer Arbeitsgruppe bei KARUNA.

Die Tiny Houses sind autonom, sie benötigen keine

Anschlüsse etwa für Strom oder Wasser. Sie stehen

auf kleinen Füßen, werden innerhalb weniger Stunden

vor Ort montiert oder komplett fertig von einem

kleinen Kranwagen aufgestellt. Die Häuser sollten

attraktiv sein und das Umfeld aufwerten.

So wichtig wie das Tiny House selbst ist, ist der

Sozialkontakt mit seinem Bewohner. Bevor es zur

Aufstellung der Tiny Houses kommt, zum Beispiel

in einer Baulücke oder in einer Ladenzeile, werden

die umliegenden Ladenbesitzer über ihre neuen

„Nachbarn“ informiert. Dieser Prozess wird durch

eine lokale soziale Organisation begleitet. So kann

eine freundliche Nachbarschaft auch dafür sorgen,

dass sich die Gewerbetreibenden aufmerksam zeigen.

Tiny Houses sollten nicht auf verlassenen Parkplätzen

oder in Parkanlagen stehen, nicht an Autobahnausfahrten

am Rand der Stadt. Ein kleines Ensemble

derart zu platzieren, dass sich ihre Bewohnerinnen

und Bewohner durch die Lebendigkeit des Stadtlebens

sozial eingebunden fühlen, fördert das Miteinander.

Das schafft auch Sicherheit für die neuen

Nachbarn und motiviert sie, das Tiny Shelter und

sein Umfeld pfleglich zu behandeln. Die Bewohnerinnen

und Bewohne schließen einen ordentlichen

Mietvertrag ab. Je nach gesundheitlicher Verfassung

der neuen Bewohner, wird auch eine kleine Miete

Jörg Richert ist Mitgründer von KARUNA-Zukunft

für Kinder und Jugendliche in Not International e. V.

und der KARUNA Sozialgenossenschaft mit Familiensinn

Lutz Müller-Bohlen leitet das Projekt „KARUNAmobil“

und ist Gründungsmitglied der Karuna Sozialgenossenschaft

mit Familiensinn

38 mein/4


Tiny Houses

Wohnen für Alle!

Lutz Müller-Bohlen

ist ein sozial engagierter

Fotograf, dem es mit

seinen Bildern gelingt,

Obdachlosen, Alkoholikern

und Straßenkindern ihre

Würde zurück zu geben.

Sein fotografisches Können,

Sensibilität und Empathie

machen das möglich, was

nur Wenigen gelingt. Als

Mitglied der KARUNA Sozialgenossenschaft gehört

Müller-Bohlen einer einzigartigen Organisation von

Straßenjugendlichen und Zivilgesellschaft an. Dieses

Bündnis ist für ihn eine Quelle der Sozialfotografie,

die er für genauso wichtig hält, wie seine Arbeiten mit

den Musiklegenden unserer Zeit.

Musikerportraits sind ein weiteres Thema des Berliner

Fotografen. Sie entstehen bei Live-Auftritten, im

Berliner Atelier des Künstlers oder auf der Straße.

Seine unverwechselbaren Portraits von Rockgrößen –

hautnah, ungeschminkt respektvoll, authentisch –

werden für Presse, CD und Promotion verwendet.

Seine Kontraste: hart.

Web: www.muellerbohlen.wordpress.com

Mail: Lmb62@gmx.net

vereinbart, die durch den Verkauf der Motz oder des

KARUNA KOMPASS verdient werden kann. Die

Orte zum Aufstellen müssen von den lokalen Behörden

unbürokratisch und schnell genehmigt werden.

Der Mietvertrag kann mit der sozialen Organisation

vor Ort abgeschlossen werden, der die neuen Bewohnern

berät, um zu einer regulären Wohnung zu

kommen.

Ein erster Erfolg

Erst vor wenigen Wochen ist auf Initiative des Abgeordneten

der Bezirksverordnetenversammlung Berlin-Reinickendorf,

Norbert Raeder, eine Beschlussfassung

verabschiedet worden, der Reinickendorf zum

Vorreiter in Sachen Tiny Shelters machen könnte. Der

Bezirk Reinickendorf wird öffentlich geeignete Flächen

für das Aufstellen von Tiny Houses kostenfrei

zur Verfügung stellen.

Darüber hinaus baut Norbert Raeder, Abgeordneter

und Gastronom, dieser Tage ein Little Home nach der

Idee von Sven Lüdecke auf dem Hof seiner Gaststätte.

So kann es etwas werden mit einer solidarischen

Stadt, deren Bürgerinnen und Bürger aktives Mitgefühl

zeigen.


mein/4

39


Alle(s) im Fluß

Wenn eines Tages die Besucherinnen und Besucher des Flussbads durch das wunderbar

saubere Wasser des Spreekanals ihre Bahnen ziehen, hat der gleichnamige Verein ein

besonderes Projekt auf die Beine gestellt. Um es gleich vorweg zu nehmen: Es geht um

weit mehr als nur ums Schwimmen in der Spree.

40 mein/4

Fotos: © 2016 realities united / Flussbad Berlin e.V.


Alle(s) im Fluß

Das Projekt

Flussbad Berlin ist ein Stadtentwicklungsprojekt zur

Reaktivierung des seit über 100 Jahren weitgehend

ungenutzten Spreekanals im Herzen des historischen

Berlins. Ziel ist es, den Spreeabschnitt zu einem neuen

Ort der Begegnung für die Stadtgesellschaft zu machen

und den Spreekanal in einen neuen Stadtraum zu verwandeln.

Innerhalb des Projektgebiets, das sich auf einer

Länge von etwa 1,8 Kilometern von der Fischerinsel bis

zum Bode-Museum erstreckt, sind drei Abschnitte geplant:

ein öffentlich zugänglicher Schwimmbereich, ein

Abschnitt Schlossplatz und Bode-Museum gibt es im

Zeichen der Ökologie erstmals einen sauberen Fluss und

auch einen Zugang zu diesem. Der an der Fischerinsel

gelegene Kanalabschnitt wird mit uferbegleitenden

Flachwasserzonen, die als Lebens- und Fortpflanzungsraum

für Flora und Fauna dienen, zu einer grünen Oase

umgestaltet. Eine einzigartige Biotoplandschaft in der

urbanen Berliner Mitte!

Das Flussbad hat das Potential, zu einem Botschafter

für Ökologie und Nachhaltigkeit und einem neuen

Wahrzeichen Berlins zu werden.

Schilfbecken zur natürlichen Wasserreinigung und eine

renaturierte Uferzone.

Das Projekt steht in der Tradition historischer Flussbäder

und der permanenten Veränderung auf und an

der Spreeinsel über mehrere Jahrhunderte. Es ist aber

auch Teil einer internationalen Bewegung, die innerstädtische

Flüsse als kostbare Ressourcen wieder in das Bewusstsein

der Stadtbevölkerung rückt und zugänglich

macht. Das Konzept steht: Das durchfließende Spreewasser

wird auf einer Länge von ca. 400 m durch eine

mit Wasserpflanzen bestandene 1 m dicke Kieselschicht

strömen. Der natürliche Pflanzenfilter ist auf der Höhe

des Auswärtigen Amts geplant. In der anschließend mikrobiologisch

gereinigten Zone kann dann gefahrlos geschwommen

werden. Zwischen dem 840 Meter langen

www.flussbad-berlin.de

mein/4

41


Alle(s) im Fluß

FlussLÄUFE

Um das Projekt bekannter zu machen, werden regelmäßig

Spaziergänge entlang des 1,9 km langen Projektgebiets

veranstaltet. Bis zu 30 Personen können an den

90-minütigen Führungen teilnehmen, die auf Deutsch

und Englisch angeboten werden.

Flussbad-Garten und Testfilter an der ESMT Berlin

Angrenzend an das Areal der ESMT Berlin wurde

mit dem Flussbad-Garten ein Kommunikations- und

Austauschort geschaffen, an dem man sich in einer

Open-Air-Ausstellung ganzjährig über das Projekt

informieren kann. In den warmen Sommermonaten

kann man dort aber auch einfach unter den Linden

einen guten Kaffee genießen.

Hier im Spreekanal ist auch der Testfilter auf dem

Finowmaßkahn „Hans-Wilhelm“ verortet, auf dem wir

untersuchen, welches das beste Material ist, um das

Spreewasser natürlich zu reinigen.

42 mein/4


BERLINER

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ist der 10. Mai 2019 per eMail an: redaktion@meinviertel.berlin

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Der Flussbad-Pokal

Am 16. Juni 2019 findet, sofern es die Wasserqualität

erlaubt, zum 5. Mal der traditionelle Schwimmwettbewerb

zwischen Bode-Museum und Schlossbrücke

statt. Ehrgeizige Sportlerinnen und Sportler haben

die Gelegenheit, um den Flussbad-Pokal 2019 zu

kämpfen; alle anderen Freizeitschwimmer können die

Strecke des zukünftigen Flussbads vor der Kulisse der

Berliner Museumsinsel ausprobieren. Anmeldungen

ab März unter:

www.flussbad-berlin.de/flussbadpokal ■

Info

Der Verein Flussbad Berlin

Um die Realisierung des Flussbads voranzubringen,

wurde der gemeinnützige Verein Flussbad Berlin

gegründet, der mittlerweile über 400 Mitglieder hat.

Als stadtentwicklungspolitisches Ziel ist Flussbad Berlin

seit Ende 2016 im Koalitionsvertrag verankert.

Weil aber nur mit einer breiten gesellschaftlichen Unterstützung

die Realisierung des Projekts möglich ist,

freut sich der gemeinnützige Flussbad Berlin über jedes

neue, unterstützende Mitglied.

Also: mitmachen und Berlin verbessern.

www.flussbad-berlin.de/mitgliedschaft

44 mein/4


Immer auf der Suche

nach neuem Tee

Von Zeit zu Zeit fahre ich nach Japan, um die Felder und Produktionsstätten meiner Lieferanten zu

besuchen oder um neue Teeproduzenten kennenzulernen. Diesmal standen neue Biobauern auf

meinem Plan.

Oliver Seifert

Bevor die große Ernte

des ersten Tees beginnt

ist noch Zeit, um sich mit

den Teebauern über das

nächste Geschäftsjahr zu

unterhalten.

Mein erstes Ziel lag in Wazuka,

einem Dorf im Landkreis

Uji in der Präfektur

Kyoto. Die Region um Uji

zählt zu den ältesten Teeanbaugebieten

Japans und ist als Heimat von Uji-cha,

Kyotos feinstem Tee, bekannt.

Herr Kanai von Azuma Tea holte mich vom Zug ab.

Gemeinsam fuhren wir zu der kleinen Teefabrik außerhalb

des Dorfes. Auf der Fahrt erzählte er mir,

dass er vorher in einem Grafikbüro in Kyoto gearbeitet

hatte.

Der Computer- und Büroarbeit überdrüssig, sei er nun

glücklich, auf dem Land arbeiten zu können und etwas

mit seinen Händen in der Natur tun zu dürfen. Ich

fragte ihn, warum denn Biotee, wo doch die Nachfrage

an Biotee in Japan gerade einmal 2% des Gesamtumsatzes

an Tee ausmacht. Er dachte kurz nach, dann

sagte er mir, dass er vorher in seinem Job in Kyoto

einfach nur funktioniert

habe: Am Tag ins Büro,

abends mit den Kollegen in

die Ramenbar. Leben, ohne

sich über die Konsequenzen

des Daseins Gedanken

zu machen. Er brauchte

einen radikalen Schnitt in

seinem Leben und das bedeutete

auch, ein Produkt

zu schaffen, das nachhaltig

ist. Er wollte nicht weiterhin Umwelt und Gesundheit

für den Konsum aufs Spiel setzen.

Tee ist ein äußerst gesundes und erfrischendes Lebensmittel,

doch wenn man mit ihm die Gifte der

Landwirtschaft aufnimmt, nützt es der Gesundheit

wenig.

Das kleine Büro der vor 150 Jahren gegründeten

Firma Azuma Tea ist vollgestopft mit Tees in verschiedenen

Verpackungen und Teegeschirr aus

verschiedenen Ländern. Der Schwerpunkt der

Produktion liegt auf Tencha, eine Vorstufe des so

beliebten Matcha. Aber auch Sencha, Fukamushicha

und sogar Kocha (jap. Schwarztee) gehören

zum Produktionsumfang des Familienbetriebes.

mein/4

45


Auf der Suche nach neuem Tee

Mein Terminplan war vollgepackt.

Innerhalb weniger Tage hatte ich Termine mit fünf

Teeproduzenten. Daher ging es gleich am nächsten

Morgen mit dem Zug nach Aichi.

Die Züge sind extrem pünktlich, am Bahnhof steht

man auf einem markierten Feld, an dem auch wirklich

die Waggontür zum Stehen kommt. Der Zug

Tempelanlage in Nara

Inhaberin Azuma Tea in Wazuka

fährt auf die Sekunde genau ab. Am Bahnhof stehen

noch Schaffner, die sowohl die Einstiegszone kontrollieren

als auch die Bildschirme, die abschnittsweise

einen detaillierten Ausschnitt der Einstiegszone

zeigen. Jeder Kontrollblick

des Schaffners wird mit einem

Handzeichen auf den

kontrollierten Bereich bestätigt.

Für Außenstehende

vielleicht etwas befremdlich,

aber psychologisch gut

durchdacht.

Herr Ishikawa, Teefeld in Aychi

Auf dem Bahnhof in

Aichi wartete schon

Herr Tatsuki Ishikawa.

Mit seinem Toyota Hybrid

ging es durch die gleichnamige

Stadt, Toyota City,

zum ersten Teefeld.

Das Feld ist in 5 Parzellen

aufgeteilt, die von Bäumen

als Windfang begrenzt

werden. Die Felder sind

absolut akkurat. Trotz des

Taifuns im November 2018

ist auf dem Feld von Familie

Ishikawa nichts von umgestürzten Bäumen oder

abgebrochenen Ästen zu sehen. Ishikawa junior kann

Unordnung auf seinem Feld nicht ertragen und legte

gleich nach dem Taifun selbst Hand an, um wieder

Ordnung zu schaffen. Während wir über die Felder

streifen, erzählt er mir, dass sein Großvater 1945

mit neun anderen Farmern in Aichi die ersten Teeplantagen

anlegte. In den 70er Jahren hatte Toyota

vor, eine Fabrik in Aichi zu bauen. Da musste Infrastruktur

her und ein Teil der Teefelder der Eisenbahn

weichen. Zum Ausgleich bekamen die Familien ein

Stück Land in den Bergen

zugewiesen.

Da nun Vater Ishikawa mit

dem Aufbau eines neuen

Teegartens an der Reihe war,

nutzte er seine Chance und

entwarf das perfekte Teefeld

ohne Pestizide oder chemischen

Dünger.

Auf anderen Feldern hatte

er beobachtet, wie nach

dem Versprühen von Pestiziden

und dem Einbringen

von chemischem Dünger

massenhaft Insekten starben

und meinte, dass dieses auch

für den Menschen nicht gesund

sein könne.

Auf meine Frage, wie er den

Pflanzenschutz realisiere,

erklärte mir Tatsuki, dass

im Winter ein eisiger Wind

über die Felder weht. Teilweise

gibt es Temperaturen

46 mein/4


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mein/4

47


Auf der Suche nach neuem Tee

Essen im Haus von Familie Iwasaki

Altes Holzhaus auf dem Teefeld

von -15°C, wodurch es eine natürliche Insektenminimierung

gibt. Im Frühling zur Ernte ist die Population

der Insekten noch kein Problem und wenn im

Sommer die Insekten in die Pflanzen gehen, ruht das

Feld ohnehin. Als Dünger werden geschredderte Erdnussschalen

auf Biobasis und Stroh vom Feldrand verwendet.

Das Unkraut wird in mühevoller Handarbeit

aus dem Boden gezogen. Ich habe auf keiner meiner

Reisen ein so ordentliches und aufgeräumtes Teefeld

gesehen wie dieses.

Nach der Besichtigung der Teefelder und der nahe

gelegenen Teeverarbeitung wurde im Hause Ishikawa

Tee verkostet. Der Tisch an der Wand ist mit gewonnenen

Preisen überhäuft, dennoch wirkt Ishikawa junior

nicht übertrieben stolz darauf. „Wir produzieren

unseren Tee nicht wegen der Preise biologisch, uns

ist wichtig, einen schmackhaften und gesunden Tee

herzustellen. Die Preise sind für mich nur eine Bestätigung,

dass andere unseren Anspruch teilen und wir

auf dem richtigen Weg sind“. Am nächsten Morgen

ging es weiter nach Shizuoka,

einem der größten Teeanbaugebiete Japans. Frau

Nanjo, die ich schon in Berlin kennengelernt hatte,

ist die Sprecherin einer Gruppe von Biobauern in Shizuoka.

Sie begleitete mich zum Teegarten von Herrn

Iwasaki. Wir fuhren vorbei an den weitläufigen Teefeldern

der großen Firmen, hinein in die Berge von

Shizuoka.

Endlich am Haus von Familie Iwasaki

angekommen,

steigen wir in das schmalere Farmersauto mit Allrad

um. Iwasaki-san meint, dass wir mit dem PKW nicht

weiterkommen. Auf einer Lichtung steht ein kleines

altes Holzhaus, umgeben von Teefeldern. „Hier habe

ich meine Kindheit verbracht“ meinte Iwasaki-san.

„Meine Großeltern haben schon in diesem Haus gewohnt

und das Teefeld bearbeitet.“ Ein Blick in das

Haus offenbart nur noch Werkzeuge und Materialien

zur Feldarbeit, der Innenbereich besteht aus nur einem

Raum, deutlich sind aber noch der Wohnbereich mit

der Aufhängung für den Wasserkessel und die kleine

Küche zu sehen. „In diesem Haus haben teilweise

10 Personen und drei Generationen zusammen gewohnt.“,

erzählte er weiter. „Als ich neun Jahre alt war,

sind wir dann in ein größeres Haus ins Dorf gezogen.“

Die Sonnenstrahlen flirren über die Teebäume und ein

leichter Wind lässt die jungen Blätter rascheln. Bald ist

es soweit, von April bis Anfang Mai wird geerntet und

Tee hergestellt, wenn es das Wetter zulässt.

Nach der Besichtigung gab es im Hause Iwasaki ein

Treffen mit weiteren Teeproduzenten des Shizuoka Bioteefarmer-Verbandes.

Alle Mitglieder sind aus tiefster

Überzeugung Biobauern. Obwohl der Marktanteil an

Biotee so gering ist, lassen sie sich nicht beirren und

verfolgen ihren Weg. Während wir über Biotee und

dessen eventuellen Absatz in Deutschland sprachen,

48 mein/4


Auf der Suche nach neuem Tee

Teefeld von Herrn Iizuka in Shizuoka mit Fuji im Hintergrund

Teeverkostung

bei Herrn Sato

zogen wunderbare Gerüche von geschmortem Gemüse

und feinen Gewürzen aus der Küche durch

das Haus. Die Diskussion wurde von der Frau des

Hauses unterbrochen und wir wurden zu Tisch gebeten.

Ein wunderbarer Abschluss eines interessanten

Tages.

Das nächste Ziel ist Fujieda, die Farm von

Familie Iizuka.

Die Teefelder liegen auf dem Gipfel eines Berges,

umsäumt von niedrigen Bäumen. Es weht trotz mäßiger

Temperaturen ein eisiger Wind. Iizuka-san erläuterte

mir, dass diese kühlen Temperaturen den

Tee langsamer wachsen lassen, was die kleinen Blätter

erklärt. Dafür stecken sie aber voller Energie,

Mineralstoffe und Koffein.

Iizuka-san gehört zu den jüngeren Teefarmern,

die voller Enthusiasmus und Zuversicht Farmer

sind. Er stellt seinen Dünger selbst nach eigenem

Rezept her. „Wir verwenden rein natürliche Substanzen,

um unseren Dünger zu mischen. Es ist

natürlich eine sehr zeitaufwändige und mühselige

Arbeit, aber so können wir uns sicher sein, dass

der verwendete Dünger unseren Ansprüchen entspricht“,

erklärt er mir, als wir an seiner Teefabrik

halt machten, wo gerade der große Mischer für

den Dünger läuft.

mein/4

49


Kleine Teefabrik von Herrn Sato

Teegarten von Herrn Sato

Wieder zurück in seinem Haus, das im Gegensatz zu

den anderen Häusern, die ich besuchte, modern gebaut

und eingerichtet ist, kosteten wir seine Tees. Die

Farbe ist intensiv, der Tee mild und dennoch rund im

Geschmack.

Viel Zeit blieb allerdings nicht.

Zwei Bergzüge weiter wartet schon Sato-san, der letzte

Termin auf dieser Reise. Nach einer Stunde Fahrt durch

die Dörfer kommen wir wieder in die Berge zu einem

Gehöft im alten japanischen Stil, gleich daneben die

kleine Teefabrik. Alles ist hier sehr übersichtlich und

trotz der teilweise modernen Maschinen fühlt man sich

um Jahrzehnte zurückversetzt.

An einer Wand stapeln sich Holzkisten zum Teeversand

mit den Initialen der Teehändler. Ich frage Sato-san,

wie alt die Kisten sind und ob sie noch in Gebrauch

sind. „Ja, natürlich“, antwortete er mir „teilweise sind

diese Transportkisten älter als 100 Jahre. Manche

Händler gibt es auch nicht mehr, aber mit den meisten

stehen wir noch in Kontakt.“ Gegenüber dem Haus

gibt es eine spezielle Zufahrt zu einer Bergstraße. Nanjo-san,

die Sprecherin der Shizuoka Bio-Vereinigung

flüstert mir zu, dass wir nun auf Satos-sans eigenen

Berg fahren. Sato-san ist ein recht spezieller Teebauer,

der gerne tüftelt, bastelt und experimentiert. Er zeigt

mir seine selbstgebaute Bewässerungsanlage, bei der

nicht nur die Sprühköpfe automatisch aus dem Boden

fahren, sondern auch das Wasser im Molekularbereich

aufgespaltet wird, was zu einer Verbesserung der Nährstoffaufnahme

führen soll.

Die Felder sind nach Teesorten aufgeteilt und liegen

über den gesamten Berg verteilt. Unter anderem gibt es

ein Experimentierfeld, auf dem er die Ableger der Teebäume

pflanzte, an denen sich besonders viele „Schädlinge“

zu schaffen machten. Sato-san sagte mir, dass

er denkt, wenn die Insekten die Pflanzen interessant

finden, sind sie wohl die aromatischsten, insofern sollten

diese auch für den Teegenießer besonders wertvoll sein.

Das reizt mich natürlich und ich hebe einige Samen vom

Boden auf, um sie mit nach Deutschland zu nehmen; er

lacht und wünschte mir viel Glück bei der Saat.

In seinem Haus angekommen, wird natürlich auch hier

Tee verkostet. Wirklich interessante und besondere Tees,

bei denen man die Liebe, mit der sie gemacht wurden,

herausschmeckt.

Ich bin sehr beeindruckt von den Menschen,

die ich auf dieser Reise getroffen habe und es hat entschieden

meinen Blick auf die japanische Biolandwirtschaft

verändert. Sicher ist es in der Bevölkerung noch

nicht angekommen, dass der Massenkonsum, bei dem

es unabdingbar ist, Dünger für reiche Erträge sowie

Pestizide und Herbizide für eine maximale Ausbeute

einzusetzen, nicht der richtige Weg ist. Doch es gibt

die Vorreiter in Sachen Biolandwirtschaft auch in Japan.

Menschen, die von der Gesunderhaltung der Umwelt

und des menschlichen Körpers so überzeugt sind, dass

sie auch ohne wirtschaftliche Anerkennung ihren Weg

verfolgen und unermüdlich Mitmenschen oder Mitbewerbern

davon erzählen, wie man diese Welt ein kleines

bisschen besser machen kann.


Info

Oliver Seifert

Inhaber von KOS-tea,

Teeimport O. Seifert

im „make tea not war“

Heinrich-Roller-Str. 6

10405 Berlin

contact@kos-tea.com

Tel.: 030-2827375

www.kos-tea-shop.com

50 mein/4


Fotos: © 2019 lsfb

Ehrenamt in Kitas und Schulen

boomt

Immer mehr Menschen werden selbst aktiv für einen gesellschaftlichen Wandel, vor allem in

Kita- und Schulfördervereinen. In Berlin werden sie von einem eigenen Landesverband und

der Stiftung Bildung unterstützt. Diese sammelt bundesweit Spenden und stärkt das Bildungsengagement

auch in anderen Bundesländern.

Rund 40.000 Kita- und Schulfördervereine gibt es in

Deutschland – und jeder dritte wurde erst zwischen

2006 und 2016 gegründet. „Das ist ein wirklicher

Boom im Engagement an Kitas und Schulen“, sagt

Katja Hintze. Sie ist Vorsitzende des Landesverbandes

der Kita- und Schulfördervereine Berlin-Brandenburg

(lsfb). Vor 15 Jahren wurde er gegründet. Einige

Jahre später hoben Hintze und andere Aktive noch

die Stiftung Bildung aus der Taufe.

„Spätestens seit dem PISA-Schock ist klar, dass in

unseren Schulen und Kitas etwas passieren muss“,

sagt sie. Die Ehrenamtlichen in Kita- und Schulfördervereinen

seien ein Schlüssel dazu. Sie sind Anlaufstelle

für Eltern, Lehrkräfte oder Engagierte aus

der Nachbarschaft, die etwa eine Arbeitsgemeinschaft

organisieren möchten. Sie sind der Kontakt

für lokale Institutionen, die Projekte unterstützen

wollen. Über sie können sich Interessierte mit der

Kita oder Schule vernetzen und so gemeinsam Ideen

in die Tat umsetzen.

Neben Beratung, Vernetzung und Professionalisierung

brauchen die Kita- und Schulfördervereine vor

allem eins: Geld. Das kommt zum Teil über Spenden

zusammen. Rund 322.000 Euro konnte die Stiftung

Bildung letztes Jahr bundesweit sammeln. „Über dieses

große Bildungsinteresse und Engagement unserer

Spenderinnen und Spender freuen wir uns natürlich

riesig“, sagt Vorsitzende Hintze. Die Bildungsspenden

sind so vielfältig wie die Stiftung Bildung und

der lsfb selbst. Es reicht von privaten Kleinspenden,

Erbschaften und großen Spenden über mehrere Jahre

bis hin zur Unterstützung durch Stiftungen und

Unternehmen.

Andere Projekte können mithilfe von Geld aus der

öffentlichen Hand umgesetzt werden, etwa im Rahmen

eines umfangreichen Programms des Bundesfamilienministeriums.

Patenschaften zwischen Kindern

und Jugendlichen werden dort unter der Überschrift

„Menschen stärken Menschen“ gefördert. Rund 50.000

solcher Patenschaften gibt es schon bundesweit. Zehn

mein/4

51


Ehrenamt boomt

Prozent hat allein die spendenfinanzierte Stiftung Bildung

initiiert, über Tausend hat der lsfb beigetragen.

„Diese Hilfe unter Gleichaltrigen ist sehr niedrigschwellig“,

so Hintze. Die Kinder und Jugendlichen arbeiten

zusammen für die Schule, lernen voneinander oder verbringen

einfach gemeinsam Freizeit. Manche „Tandems“

lsfb-Seminartag 2018

Vorsitzenden des lsfb und der

Stiftung Bildung, Katja Hintze

starten sogar selbst Projekte. Eine weiterführende Schule

in Hermsdorf hat beispielsweise ein Medienprojekt im

Rahmen der Schüler*innenvertretung ins Leben gerufen.

Die Tandems waren schnell gefunden. Junge Menschen

mit Fluchterfahrung oder Migrationshintergrund sind

ebenso beteiligt wie solche aus bildungsfernen Haushalten

oder mit einem Förderschwerpunkt. Gemeinsam

mit Jugendlichen ohne benachteiligende Lebensumstände

werden nun kurze Filme und Erklärvideos produziert,

die auf die Interessen der Schüler*innen aufmerksam

machen.

Ziel solcher Projekte ist es, dass die Tandems regelmäßig

über mindestens drei Monate hinweg gemeinsam

etwas unternehmen. Im besten Fall entwickeln sich

Freundschaften, die es den jungen Menschen ermöglichen,

einen Blick über den eigenen Tellerrand zu werfen.

Das Besondere am Bundesprogramm ist dabei, dass

Engagierte aus den Kita- und Schulfördervereinen gemeinsam

mit Akteur*innen vor Ort entscheiden können,

welche Projekte sie fördern möchten. Denn: Um jun

ge Menschen mit unterschiedlichen Teilhabechancen

zusammenzubringen, sind die Gegebenheiten und zeitlichen

Ressourcen vor Ort entscheidend.

Neben den Patenschaften gibt es Förderfonds und -programme,

mit denen der lsfb und die Stiftung Bildung

den Fördervereinen und damit den Kitas und Schulen

finanzielle Mittel zur Verfügung stellen. So konnte beispielsweise

der lsfb-Förderfonds „Benachteiligung und

Begabung“ aus Geldern einer Berliner Stiftung seit 2018

neun Projekte mit jeweils bis zu 5.000 Euro fördern.

Die Projekte reichen von Hochbeeten für den Berufsbildungsbereich

einer Schule mit sonderpädagogischem

Schwerpunkt über Hausaufgabenbetreuung an Berliner

Brennpunktschulen bis hin zur Einrichtung eines Silentium-Raums

für psychisch angespannte Schülerinnen

und Schüler.

Unter dem Dach des lsfb sind mittlerweile knapp 750

Kita- und Schulfördervereine aus Berlin und Brandenburg

organisiert – Tendenz weiter steigend! Er bietet

seinen Mitgliedsvereinen Beratung und Unterstützung

bei allen Fragen zum Thema Kita- und Schulförderverein.

Von der Vereinsgründung, steuerlichen und rechtlichen

Themen über die Anschaffung von Spielgeräten,

Computern bis hin zur Förderung besonderer Projekte –

die Expertinnen und Experten vom lsfb stehen bereit

und „kommen auch einfach mal vorbei, um vor Ort zu

beraten“, sagt Vorsitzende Katja Hintze.


Info

Finanziell unterstützen kann man die Arbeit des lsfb

und der Stiftung Bildung über das Spendenkonto der

Stiftung Bildung

GLS Bank

IBAN: DE43 4306 0967 1143 9289 01

52 mein/4


Gütesiegel

in Bronze

Tolle Auszeichnung für

SG Rotation

Gleich im ersten Anlauf hat es geklappt: Die SG

Rotation Prenzlauer Berg ist mit dem Berliner Gütesiegel

in Bronze ausgezeichnet worden. Damit würdigt der

Berliner Fußball-Verband „herausragende und kontinuierliche

Vereinsarbeit sowie besondere sportliche und

gesellschaftliche Verdienste“ wie es in der Laudatio und

dem Glückwunschschreiben hieß. Neben dem symbolischen

Wert des Siegels und der Werbung in eigener

Sache darf sich die SG Rotation über einen Scheck in

Höhe von Euro und drei fair-Trade-Bällen freuen.

„Wir freuen uns riesig über diese Auszeichnung und

sind auch ein wenig stolz darauf.

Sie ist eine tolle Bestätigung

unserer Vereinsarbeit zugleich

aber auch täglicher

Ansporn, diese

Arbeit fortzusetzen

und auszubauen“,

sagt Wolfgang

Müller (41), Mitglied

der Jugendleitung.

Der BFV vergibt

das Gütesiegel an

Vereine, wenn diese

sich bewerben und

fest definierte Qualitätskriterien

erfüllen.

© 2019, S. Ritschel

„Für Vereine besteht mit dem

Siegel die Möglichkeit, die eigene

Qualität öffentlich zu präsentieren“, heißt

es hierzu beim BFV. Zu den wichtigsten Kriterien zählen

unter anderem die Talentförderung, die Aus- und

Weiterbildung der Vereinsmitglieder, Qualifizierung von

Trainern und Schiedsrichtern aber auch Engagement für

Flüchtlinge oder soziale Aufgaben, Nachhaltigkeit und

Umweltschutz.

„Wir haben in vielen Bereichen in den vergangenen

Jahren schon richtig viel geleistet und versucht, unseren

kleinen sympathischen Kiez-Verein weiterzuentwickeln,

ohne jedoch unsere Wurzeln und unseren

Charakter aufzugeben“, sagt Ulf Gerder (49), Mitglied

der Jugendleitung.

Die SG Rotation Prenzlauer Berg zählt im Bezirk Pankow

zu den Traditionsvereinen mit langer Geschichte.

1949 wurde die Betriebssportgemeinschaft Graphik/

Rotation gegründet, aus der 1950 die „BSG Rotation

Prenzlauer Berg“ hervorging. Trägerbetrieb war die Druckerei

„Neues Deutschland“. Daher auch der Name Rotation,

der für die Drucktechnik auf großen Papierrollen

steht – die heute noch als Logo des Clubs auf die Vergangenheit

hinweist. Heute treiben bei der SG Rotation

mehr als 1.800 Mitglieder in acht Abteilungen (Basketball,

Fußball, Gymnastik, Handball, Hockey, Tanzen,

Tischtennis, Volleyball) Sport.

Das BFV-Gütesiegel wird in den drei Abstufungen

Bronze, Silber und Gold verliehen – je nach erreichter

Punktezahl, die anhand eines detaillierten Fragebogens,

eines Interviews mit Vertretern des BFV und

einer abschließenden Evaluation durch den Ausschuss

für Fairplay & Ehrenamt beim Dachverband vergeben

wird.

Für die SG Rotation könnte der Weg zu Silber beispielsweise

über den Aufbau oder die Förderung von Frauen

- und Mädchenfußballmannschaften, Kooperationen mit

Schulen oder Angebote zum Thema Inklusion innerhalb

des Vereins führen. „Wir wissen, woran wir noch arbeiten

können“, sagt Gerder, der auf die Schwierigkeiten und

Hürden verweist, mit denen fast jeder ehrenamtlich geführte

Verein zu kämpfen hat. „Unsere Kapazitäten auf

dem einen Platz in der Dunckerstraße sind begrenzt und

Trainer, die ehrenamtlich arbeiten und einen Teil ihrer

Freizeit opfern, stehen nun auch nicht gerade Schlange“,

sagt Gerder. Und dennoch: Im vergangenen Jahr hat die

SG Rotation zahlreiche neue Trainer dazugewonnen,

auch sogenannte Junior-Coaches, die teilweise selber

aktiv in einer C- oder B-Jugendmannschaft spielen und

zusätzlich in einer jüngeren Mannschaft als Trainer an

der Seitenlinie stehen. „Wir sind auf einem guten Weg,

den wollen wir fortsetzen“, sagen Gerder und Müller unisono.

Bei Bronze soll noch nicht Schluss sein. ■

mein/4

53


Ausbildungen –

einfach ausprobieren

Endlich fertig mit der Schule – und dann? Die meisten Jugendlichen sind da ziemlich ratlos und ihre

Eltern erst recht. Verwunderlich ist das nicht, gibt es doch inzwischen ca. 320 Ausbildungsberufe und

über 8.000 Studiengänge in Deutschland. Es wäre doch toll, wenn man einfach mal ein paar Ausbildungen

ausprobieren könnte, oder?!

Genau an der Stelle setzt das Social Startup One Week

Experience aus Berlin an. Mit seinen Programmen One

Week Student und One Week Azubi bietet es Jugendlichen

die Möglichkeit, eine Ausbildung oder einen Studiengang

ihrer Wahl einfach einmal eine Woche lang

auszuprobieren.

„An der Stelle war ich auch nach meinem Abi“, berichtet

Gründerin Svanja Kleemann. Sie wußte zwar ungefähr,

wo sie hinwollte und

hatte sich dazu auch

umfangreich schlau gemacht.

Beim Studieren

im Bachelor der Politik-

und Verwaltungswissenschaften

an der

Universität in Konstanz

merkte sie aber recht

schnell, dass der Studiengang

dann doch nicht

ganz ihren Erwartungen entsprach. „Diesen Umweg wollte

ich anderen ersparen“, sagt sie rückblickend und gründete

mit Kommilitonen die Initiative One Week Student.

Über die Online-Plattform vermittelten sie ehrenamtlich

Studieninteressierte an Studierende. Der 1:1 Austausch

unter Peers kam sehr gut an. Die Experience-Teilnehmer

begleiteten nicht nur den Studienalltag, sondern wohnten

auch bei ihren Gastgebern. Das ist noch heute so

im Programm One Week Student. Über die Website des

Startups (www.oneweekexperience.de) finden Interessierte

deutschlandweit in 97 Städten an 156 Hochschulen

Angebote zu über 530 Studiengängen. Die Bewerbung

läuft online und automatisiert ab. Für die Teilnehmer

entstehen nur Kosten für Reise und Verpflegung.

„Weil das Programm so gut ankam, entwickelte ich daraus

ein smartes Geschäftsmodell und gründete 2016

One Week Experience“, berichtet die Gründerin. Und

weil es nicht nur im Studienbereich, sondern vor allem

auch im Ausbildungsbereich so viel Orientierungsbedarf

gab, entwickelte sie zusätzlich das Programm One

Week Azubi.

„Wir haben inzwischen Erfahrungen mit mehr als 1.000

Experiences gesammelt sowie über 50 Workshops zur

Berufsorientierung an Schulen gemacht“, berichtet Svanja

Kleemann. „Daher wissen wir ziemlich genau, wie

die Jugendlichen ticken. Die meisten kennen nur sehr

wenige Ausbildungsberufe und noch weniger Unternehmen,

bei denen sie sich bewerben können.“ Das ist ein

Problem. Denn wie soll man sich für etwas begeistern,

was man nicht kennt?

Über das Programm One Week Azubi finden Ausbildungsinteressierte

aktuell bundesweit über 30 Stellenangebote

von Partner-Unternehmen, von kaufmännischen

über handwerklichen bis hin zu pflegenden Berufen.

Die Experiences sind freiwillig, kostenfrei und zu jedem

Zeitpunkt im Jahr möglich. Interessierte müssen mindestens

16 Jahre alt sein. Sie bewerben sich einfach online

(www.oneweekexperience.de/azubi) oder schicken eine

WhatsApp ans Team (+49 176 30122197). Passende Bewerbungen

werden dann von One Week Experience an

die Partner-Unternehmen weitergeleitet. Das Startup

übernimmt die gesamte Kommunikation mit den Teilnehmern

und regelt alle Formalitäten.

54 mein/4


Die Rückmeldungen sind sehr positiv. „Wir stellen fest,

dass 67 Prozent der Jugendlichen sich nach einer Experience

auch für die Ausbildung entscheiden.“ Das hat viel

damit zu tun, dass sie das Team sowie das Unternehmen

persönlich kennenlernen und mit in die Berufsschulen gehen.

Das freut auch die Unternehmen, haben sie doch so

mehr Kontakte zu motivierten Ausbildungsinteressierten.

Beide Programme richten sich nicht nur an Schüler/innen

und Schulabgänger/innen, sondern auch an Studienzweifler/innen,

Auszubildende, Studierende und Studienabbrecher/innen

sowie an Unternehmen, die junge Fachkräfte

suchen.

„Meine Vision ist es, Jugendlichen unabhängig vom Hintergrund

einen Zukunftsweg zu ermöglichen, der zu ihren

Talenten und Interessen passt“, erklärt Svanja Kleemann

ihr Engagement. „Dafür wollen wir erreichen, dass

Studium und Ausbildung von den Jugendlichen und der

Gesellschaft als gleichwertige Optionen wahrgenommen

werden. Das ist eine wichtige Voraussetzung, um dem

Fachkräftemangel entgegenzuwirken und sicherzustellen,

dass mehr Menschen in Berufen landen, die sie wirklich

gern ausüben.“

Weil das Social Startup die Chancen für alle Jugendlichen

verbessern möchte, legt es aktuell mit Unterstützern

Stipendienfonds für geflüchtete Ausbildungsinteressierte

auf. Denn Integration gelingt besser mit einer fachlichen

fotografie · gestaltung · layout

Print- und Webdesign

Für Ihre Idee …

auf Papier und im Internet

Vom Entwurf zur Reinzeichnung …

seit 2001 als Freelancer für Print- und Webdesign

Druckabwicklung …

wir übernehmen die komplette Auftragsabwicklung

www.fgl-werketage.de

Ausbildung. Zudem entscheiden noch immer Hautfarbe

und Herkunft über Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Mit

einer Experience wollen sie helfen, Vorurteile abzubauen.

Persönliche Kommunikation ist entscheidend„Da sehr

viele Jugendliche WhatsApp nutzen, bieten wir auch

über diesen Messenger-Kanal Information und Beratung

zu unserem Programm an. Die Erfahrungen sind

sehr positiv. Denn sie fühlen sich durch die persönliche

Beratung besser abgeholt und uns hilft es, die wirklich

motivierten Jugendlichen besser herauszufiltern“, sagt

Svanja Kleemann.

Nicht nur online sondern auch offline Kontakt zu

Jugendlichen:

Die Ausbildungsangebote macht One Week Azubi nicht

nur online, sondern auch offline bekannt. Deutschlandweit

bestehen Kontakte zu mehr als 180 Lehrkräften an

über 120 Schulen. Damit übernimmt das Startup die

Community-Arbeit, die nicht nur zeitintensiv, sondern

für viele Unternehmen auch unrentabel ist.

Personaler tauschen sich aus - HR Experience

X-Change

Ein neues und erfolgversprechendes Format des Startups

ist die HR Experience X-Change- Veranstaltung

für Personaler. „Das 1. Event im August 2018 hat uns

gezeigt, wie groß der Bedarf unter Personalern/innen

ist, sich auszutauschen. Bei der Veranstaltung haben

wir die Gruppe der Ausbildungsinteressierten näher angesehen

sowie die Kanäle, über die man sie am besten

erreicht. Wir konnten zeigen, dass bei dieser heterogenen

Community eine ‚One Fits All-Lösung‘, wie klassische

Studien- und Ausbildungsmessen, sich wenig eignen, um

Ausbildungsinteressierte zu erreichen“, fasst Gründerin

Kleemann zusammen.

Sehr gut funktioniert hingegen das Recruiting, wenn

Azubis den Ausbildungsinteressierten selbst von ihrem

Ausbildungsalltag erzählen und sich persönlich mit ihnen

austauschen. Genau diesen Raum bietet das Programm

den Teilnehmern von One Week Azubi – und das eine

ganze Woche lang.

„Im nächsten Schritt ist wichtig“, so Gründerin Svanja

Kleemann, „dass Personaler/innen den Kontakt zu den

Bewerbern halten. Das kann eine Erinnerung per Whats-

App sein oder die Einladung zum Sommerfest. Auch

dieses „Warmhalten“ ist im One Week Azubi-Programm

enthalten.

Im Januar 2019 gab es bereits die 2. HR Experience

X-Change zum Thema „Azubi-Recruiting goes digital“.

Weitere Infos gibt es in diesem Blogbeitrag.

www.oneweekexperience.de/blog

mein/4

55


Dies & Das

Neue Bäume braucht die Stadt

Das Restaurant Pasternak am Wasserturm

feiert ein Jubiläum.

Seit einem viertel Jahrhundert begeistert man

den wunderschönen Kiez mit jüdischen und

russischen Speisen, abendlicher Piano-Musik

und warmer, herzlicher Atmosphäre.

Anlässlich des Jubiläums hat sich der Besitzer,

Ilja Kaplan, entschlossen, der Nachbarschaft

ein Geschenk zu machen. Ein Geschenk, an

dem die ganze Nachbarschaft die nächsten

100 Jahre Freude haben wird. Er möchte an

den Kiez, in dem er fast vor 30 Jahren als

Kellner angefangen hat zu arbeiten, etwas

„Mein Berlin-Wonderland“

In der Doppelausstellung zum Themenjahr

„Grenzfälle 1989_2019“ in der Zionskirche

in Berlin zeigt der bekannte ostdeutsche

Fotograf Harald Hauswald eine Plakatserie

mit Motiven aus der DDR- und Wendezeit.

Die Schweizer Fotografin und Journalistin

Vera Rüttimann wiederum zeigt in Bild und

Video ihren Weg von ihrer Wohnung zur

Zionskirche, der sie seit 30 Jahren u. a. durch

die Kastanienallee, den Club ACUD und

vorbei an Häusern führt, die es längst nicht

mehr gibt. Ein Zeitdokument.

Ort der Ausstellung:

Zionskirche, Berlin-Mitte

Datum:

02. – 30.06. 2019

Vernissage:

Sonntag, 02. 06., 11.30 Uhr auf der Empore.

www.zionskirche-berlin.de

zurückgeben. Aus diesem Anlass wurde an

der Terrasse des Restaurants ein Gingko

Baum gepflanzt.

Möge er wachsen und gedeihen …

www.berlin.de/stadtbaum

„Die dunkelste Stunde“

Für einen Artikel in unserem

Magazin brauchen wir euch

und eure Erfahrungen. Habt

ihr selbst Erfahrungen mit

Depressionen gemacht?

Oder in eurer Familie, im Freundeskreis? Wie

seid ihr damit umgegangen? Was hat euch

geholfen, wer hat euch geholfen? Erzählt es

uns, gerne auch anonym.

mein 4

Stadtmagazin

Vielen Dank für Eure Mühe!

redaktion@meinviertel.berlin

56 mein/4


Dies & Das

Herzlichen Glückwunsch Inga !

Artspring

Ein Stadtbezirk wird Galerie

artspring 2018

© Foto: Franziska Messner

Inga Lieckfeld, Gründerin des SYLD STORE

BERLIN, ist ein Phänomen. Mit unglaublicher

Kraft, Kreativität und Zielstrebigkeit beweist

die Berliner Designerin: Nachhaltige und

fair produzierte Mode ist auch bezahlbar –

in kleinen Stückzahlen möglich. In ihrem

Concept Store im Friedrichshain finden sich

mehr als 15 verschieden Designelabels zum

größten Teil lokal aus Berlin. Der Name des

Stores ist mit Bedacht gewählt und steht

Am Wochenende des 1./2. Juni 2019 öffnen

sich in Prenzlauer Berg, Weißensee und

Pankow die Türen zu den Produktionsstätten

der ansässigen Künstlerinnen und Künstler.

Bereits ab dem 1. Mai findet das Festival

artspring spots mit Veranstaltungen der

an artspring beteiligten Künstlerinnen und

Künstler an unterschiedlichen Orten statt.

www.artspring.berlin

nicht etwa für die elitäre Insel in der Nordsee,

sondern für : „Support Your Local Designers

and artists“

Unsere Verteilstellen

wachsen weiter …

Ab dieser Ausgabe sind wir noch näher bei

euch, denn ihr findet uns jetzt auch in allen

23 Berliner Denn‘s Filialen.

Wir bedanken uns ganz herzlich für das

Interesse an unserem Magazin.

Dieses Konzept findet soviel Zuspruch, dass

es Inga mit ihrem Team sogar auf die „Neo

Fashion Week 2019 schaffte. Wer nicht

dabei sein konnte, besucht sie einfach in

Friedrichshain.

SYLD STORE Berlin

Frankfurter Allee 32

10247 Berlin

mein/4

57


Küchenanekdoten

ÖL-

WECHSEL

Da hat mir doch irgendwann Erwin Gegenbauer, der

auf dem Dach seiner Wiener Essigmanufaktur Balsamessige

in Holzfässern herstellt, erklärt, was uns ahnungslosen

Verbrauchern so alles unter der Bezeichnung

„Balsamico“ verkauft wird. „Na ja, aber von irgendwas

muss die Aromen-Industrie auch leben und irgendwo

muss doch Zuckercouleure und Karamellsirup reingekippt

werden.“

Dann durfte ich seinen sieben Jahre gereiften Apfel-Balsam-Essig

probieren und dachte: Hallo! (Das letzte Wort

ist ein Zitat meiner Tochter Johanna und möchte auf der

ersten Silbe betont werden.)

Da war ich doch mal zur Olivenernte, habe an Ästen

geruckelt, bis alle Früchte in dem auf dem Boden ausgebreiteten

Netz gelandet waren. Ich habe gesehen, mit

welcher Sorgfalt und Mühe die Früchte später verlesen

und verarbeitet werden, bis dann endlich das grüne Gold

aus der Presse lief. Ich durfte probieren: Hallo!

Und nachdem ich den Oliven-Erntehelfer-Kalorienverlust

durch exzellente Lammkoteletts mit frischem Brot und

am Vortag gepressten Olivenöl, noch unfiltriert, wieder

ausgeglichen hatte, erfuhr ich, dass die 20 Euro, die für

einen Liter Öl verlangt werden, die Kosten decken, aber

viel mehr nicht.

„Und wie geht das dann, dass mir der Supermarkt Olivenöl

‚extra vergine‘ für 5,95 verkauft?“ „Na ja, da tauchen

gelegentlich Tankschiffe auf … und wenn man gute

Produktentwickler hat, muss das Ausgangsprodukt auch

nicht unbedingt etwas mit Oliven zu tun haben ...“

Und würde meine Tochter jetzt sagen: „Hallo! Leben wir

nicht in einer Wissensgesellschaft?“, könnte ich locker

antworten: „Ja, mein liebes Kind, aber Wikipedia weiß

eben auch nicht alles. Frag mich!“ (Väter neigen Töchtern

gegenüber zu Übertreibungen).

Amadeus Tzamuranis

Doch meine Tochter fragt nicht. Dafür schätzt sie das

Olivenöl, das Papa aus dem Laden mitbringt – pur mit

Brot und Salz, zu Käse, in Salaten und als i-Tüpfelchen

im Risotto. Und weil mich das freut, summe ich einen

alten Genesis-Song, in dem es heißt:

wise men say you are what you eat – eat well!

Genug der Vorrede, lassen wir die Katze mal aus dem

Sack: Amadeus Tzamuranis wohnt in Berlin. Und weil

hier keine Oliven wachsen, bemüht er seine Familie in

Griechenland, das Öl aus den kleinen grünen Koroneiki-

Oliven herauszupressen, damit sich die Lebensqualität

meiner Tochter nicht verschlechtere … Koroneiki-Oliven

gelten übrigens sowohl geschmacklich als auch wegen

ihrer Inhaltsstoffe als eine der besten Olivensorten.

Familie Tzamouranis erntet auf der Peleponnes zwischen

Meligalas und Kalamata ausschließlich von

eigenen Bäumen. Das sichert die Qualität, Bio-Zertifiziert.

Dass das Klima in der Provinz Messenien, gelegen zwischen

Bergen und Meer, mit Temperaturen von +40°

bis -10°, sowie die mineral- und kalkhaltigen Böden der

Koroneiki-Olive ihren unverwechselbaren Geschmack

gibt, müssen wir Amadeus mal glauben, bisher hat er

mich noch nicht auf einen Kontrollgang mitgenommen!

Aber wie das Öl schmeckt weiß ich: es hat grüne Noten,

man schmeckt Zitrusfrüchte, Nüsse und eine wunderbare

Schärfe.

Und wer mir nicht glaubt, komme mal samstags zum

Probieren vorbei …


Du findest uns in der

Wörther Str. 39

am Kollwitzplatz,

Prenzlauer Berg

10435 Berlin

Tel 4373 52 25

info@colecomp.de

www.colecomp.de

Mo – Fr 11 – 19 Uhr und Sa 10 – 18 Uhr

58 mein/4


13

13

2 4 2 74 17 8 1 8

8 1 8 1 4 4 2 7 2 7

9 79 8 7 28 3 2 53 5

6 5 86 5 8

7 7 2 2

7 2 97 2 9

Krabat

3 53 2 5 72 Otfried 4 7Preußler

94 9

1 7 1 7 9 9 5 8 5 8

9 6 9 86 28 7 2 7

15

15

seine Schüler in Raben. Immer wieder sterben Schüler.

Krabat ist einer der besten. Deswegen soll er irgend-

3 3 4 4

wann Lehrer werden …

5 6 35 96 23 9 72 7

9 19 21 82 8

Astrid Lindgren

9 6 49 6 84 18 3 1 3

2 42 14 61 6

8 1 8 61 96 5 49 5 4

4 54 65 – denkt

76man.

7

1 91 3 49 83 64 8 6

9 9 viele neue 1 Freunde. 1

14

14

Schon gelesen? Krabat ist echt ein geiles Buch! Da geht

es um einen Jungen. Schwarze Raben rufen ihn im

Traum. Er folgt. Und so kommt er in die Zauberschule.

Dort ist er gefangen und lernt zaubern. Der Lehrer der

Zauberschule hat nur ein Auge.

Er kann sich in eine schwarze Katze verwandeln und

9 4 9 4 7 8 7 8

2 32 5 3 75 4 7 94 9

7 97 4 29 4 62 6

9 6 79 56Buchvorstellung

27 5 2

4

7 8 37 18 53 1 5

74 1 87 1 58 5

7 67 4 6 94 1 9 81 8

5 8 5 8 9 4 9 4

16

16

Die Brüder Löwenherz

Es geht um zwei Kinder, die leider sterben. Die beiden

sind Brüder. Sie kommen in eine andere Welt, die

Nangijala heißt. Sie wohnen dort in einem abgelegenen

Häuschen mit zwei Pferden. In Nangijala ist alles schön

Doch dann erfährt der Leser, dass es auch die Bösen

gibt. Bei den Abenteuern, die sie erleben, finden sie

Buchtip von Justus

10 Jahre

6 16 2 1 2 7 4 87 4 8

5 7 45 7 4 8 38 3

3 3 9 9 6 1 6 1

4 4 1 1 7 7

7 8 7 98 4 9 4

8 8 7 7 9 9

1 8 1 8 4 4 3 3

5 95 9 6 2 46 2 4

4 6 94 6 9 3 1 3 51 5

17 17

8 8 5 6 45 6 4 2 2

1 81 98 9

5 5 1 91 9 7 7

1

8 3 18 3 1

61 4 56 4 95 9

5 5 7 7 3 3

2 6 2 36 1 83 1 48 9 4 9

1 3 41 93 4 69 7 26 87 2 8

18 18

6 86 1 58 1 45 4

4 2 4 2 5 6 5 6

5 75 2 67 42 16 4 31 3

4 3 94 3 9

8 8 4 4

2

1 7 81 7 8

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Die Auflösung auf S. 64

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Klick-Tips für Kids

www.fragfinn.de

www.internet-abc.de

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www.klick-tipps.net

60


MACHmit! Museum – ein Ort

für Kinder und ihre Erwachsenen

Mit Herz und Hand vieles entdecken:

Interaktive Ausstellungen, Werktische,

Bücherwunderkammer, Kletterregal,

Kindergeburtstage, Museumsdruckerei.

Die UN-Kinderrechte immer im Blick.

Ab 29. März 2019 fragt das

MACHmit! Museum wieder:

»Weißt du, wie der Hase läuft?«

In der Frühjahrssonderausstellung geht es um Ostern und verschiedene Bräuche

zum Frühling. Im Hasensprung geht es durch die Ausstellung, vorbei an Kaninchen,

Ameisen und Regenwürmern.

Wir sortieren 100 Eier, finden heraus, was die

Zahlen auf den Eiern aus dem Supermarkt bedeuten

und wie Hühner am besten leben.

Wir wagen einen Blick durch die Insektenbrille

und erfahren, wie eine Ameise die Welt sieht.

Wir fragen uns gemeinsam, welche Tiere überhaupt

Eier legen. Wer legt das größte und wer

das kleinste Ei? Was hat der Osterhase eigentlich

mit Eiern zu tun? Wie essen wir unsere Eier

am liebsten und in welchen Lebensmitteln sind

sie überall zu finden? Kann ein Osterzopf auch

vegan gebacken werden?

Die Ausstellung wird bis 12. Mai gezeigt.

Neben der Sonderausstellung besteht auch noch bis zum 12. Mai die

Gelegenheit, die Ausstellung »Der weite Horizont. Indianische Kulturen

& die Kunst des Kennenlernens« anzusehen.

Nach einer kurzen Umbauphase startet am 28. Mai eine neue Jahresausstellung.

Öffnungszeiten:

Dienstag bis Sonntag 10 – 18 Uhr.

Führungen für Gruppen aus Kita,

Grundschule und Hort:

Dienstag bis Freitag ab 8.45 Uhr

nach telefonischer Voranmeldung

(030 74778 200, Mo – Fr 9.00 bis 16.00)

MACHmit! Museum für Kinder

Senefelderstr. 5

10437 Berlin

030 – 74778200

info@machmitmuseum.de

www.machmitmuseum.de

mein/4

61


mein/4

Buchvorstellung

Markus Gabriel

Der Sinn des Denkens

Markus Gabriel, Spiegel-Bestseller-Autor,

zeigt in diesem Buch,

dass das Denken Teil

der biologischen Sinne

ist, der nicht künstlich

nachgebaut werden

kann. Längst gilt er als

einer der wichtigsten

deutschsprachigen Philosophen

der Gegenwart,

dessen unverwechselbar

leichtfüßiger Stil

klassische und moderne

Theoretiker sowie die Popkultur zusammenführt.

Das Denken ist vielleicht der wahre Hauptbegriff

der Philosophie. Insbesondere Platon und Aristoteles

haben sie als das Nachdenken über das Nachdenken

definiert. Unser menschliches Denken ist

einer unserer Sinne und damit unüberwindbar an

biologische Bedingungen gebunden. Das lässt sich

zwar nicht nachbauen. Dennoch sind wir in bestimmter

Hinsicht selber eine Form der künstlichen

Intelligenz. Denn unser geistiges Vermögen entsteht

historisch und kulturell aus dem Bild, das wir uns

von uns selber und von unserer Umgebung machen.

Oder ist das ganze Universum vielleicht nur eine

Simulation? Mit Esprit führt Markus Gabriel in

hochaktuelle Themen ein und streift dabei Hume,

Leibniz und Kant ebenso wie Searle und Taylor, aber

auch Filme und Serien wie Ghost in the Shell, Matrix

oder Der sechs Millionen Dollar Mann. ■

Hans-Peter Martin

Game over

„Die Globalisierungsfalle“ ist zugeschnappt! Zwei

Jahrzehnte nach den so zutreffenden Prognosen seines

Weltbestsellers liefert Hans-Peter Martin eine

ebenso brisante Analyse: Der Systemcrash findet

statt. Robotik und die Digitalisierung werden die

bestehende, enorme gesellschaftliche Ungleichheit

noch verstärken, selbst

im Westen wenden sich

nicht nur breite Bevölkerungskreise,

sondern

auch die Elite von der

Demokratie ab. Die

Finanzkrise brodelt

weiter, Handelskriege

drohen, der Klimawandel

zeigt seine extremen

Gesichter, China auch.

Populisten und autoritäre

Regime werden die

private Datenflut jedes

Bürgers nutzen, um

ihre Macht zu festigen. Auch Deutschland ist keine

Insel der Seligen mehr. Der neue Nationalismus gilt

als Heilsbringer, doch er mündet in eine Kriegsspirale.

Game Over. Freispiel ungewiss. Und dann? Der

Autor bietet zahlreiche, unkonventionelle Auswege

an. Mit zahlreichen farbigen Grafiken. ■

T.C. Boyle

Das Licht

Endlich wird der aufstrebende

wissenschaftliche

Assistent Fitz auf eine der

LSD-Partys seines Professors

Leary in Harvard eingeladen.

Er erhofft sich davon einen

wichtigen Karriereschritt,

merkt aber bald, dass Learys

Ziele weniger medizinischer

Natur sind; es geht dem Psychologen

um eine Revolution

des Bewusstseins und eine

von sozialen Zwängen losgelöste

Lebensform. Fitz wird

mitgerissen von dieser Vision, mit Frau und Sohn schließt

er sich der Leary-Truppe an: Sie leben in Mexiko, später

in der berühmten Kommune in Millbrook, mit Drogen

und sexuellen Ausschweifungen ohne Ende. Ein kreischend

greller Trip an die Grenzen des Bewusstseins und darüber

hinaus – T.C. Boyle at his best.


62 mein/4


mein/4

Leserbriefe

Bitte sendet uns

eure Leserbriefe an:

leserbriefe@meinviertel.berlin

oder per Post:

Mein/4

Schönhauser Allee 52

10437 Berlin

Bitte schickt uns Eure Meinungen und Wünsche

Wunsch l

Sehr geehrter Herr Beeth,

mit der Zeitschrift mein/4 haben Sie ja ein hochwertiges

Medium für den lokalen Informationsaustausch

im Kiez geschaffen. Herzlichen Glückwunsch.

Es schafft die Verbindung zwischen der

Zivilgesellschaft mit den zahlreichen ehrenamtlichen

Vereinen und Initiativen und der örtlichen

Wirtschaft, die das Medium über Anzeigen finanziert

und in den Anzeigen natürlich auch Botschaften

transportiert.

Was mir gut gefällt, sind die Beiträge mit hochwertigen

Bildern und Texten. Da finde ich weniger auch

tatsächlich besser. So ist mein/4 auch für ältere Semester

gut lesbar im Unterschied zum Stadtmagazin

Tip oder Zitty, die auf Menge statt auf Qualität

setzen.

Ich wünsche Ihnen für die Zukunft viel Erfolg und

würde mich freuen, wenn bald auch einmal etwas

über Rosenthal und den Rosenthaler Herbst im Magazin

zu lesen ist.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Dieter Bonitz

---------------------------------

Bürgerverein Dorf Rosenthal e.V.

Vorsitzender Dr. Dieter Bonitz

Besonders berührend fand ich Franziska Hausers

Artikel über das „Feuer“. Nachdem ich den Artikel

gelesen, wenn nicht sogar verschlungen habe, wurde

mir als aktuell im Osten stationiertem Wessi doch

einiges klar bezüglich der Mentalität, die hier zu

beobachten ist. Das waren - und sind? - wirklich

zwei verschiedene „Berlins“.

Danke und weiter in dem Stil!

Gruß, Bea

Wunsch lll

Dear mein/4,

I saw the cover of the “mein/4”

Prenzlauer Berg 2019.

It is a photo looking down

Schönhauser Allee over the

Eberswalder U-bahn station

with the Fernsehturm in the background. It is wonderful

and very close to the view out of my apartment

window.

Is there some way to get a copy of this photo that I

can blow up as a poster?

Many thanks

Andrew S.

Wunsch ll

mein/4 auf Facebook

www.facebook.com/mein4tel

Liebes Redaktionsteam!

Die aktuelle Ausgabe ist ein echtes Vergnügen, vor

allen Dingen die schönen Bilder zum „Summer in

the city“.

Du möchtest diese Ausgabe

online lesen? Dann gehe auf

www.meinviertel.berlin/aktuelle-ausgabe

mein/4

63


mein/4

Vorschau

IMPRESSUM

Chefredaktion Markus Beeth

Herausgeberin / Geschäftsführerin

Beate Beeth

mein/4 UG

Schönhauser Allee 52, 10437 Berlin

Redaktionelle Mitarbeit

Beate Beeth, Markus Beeth, Dr. Carola Dorner,

Carola Ehrlich-Cypra, Franziska Hauser,

Ruth Herzberg, Stefanie Kayser, Vera Rüttimann,

Henry Steinhau, Marc Lippuner, Lutz Müller-Bohlen

„Die dunkelste Stunde“

Jeder kennt sie, jeder fürchtet sie. Die Zeit, in der

man nicht mehr weiter weiß.

Hier erzählen Menschen aus ihrem Leben und was

ihnen geholfen hat.

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Der 4 9 Falschspieler

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9 6 4 7 8 5 1 3 2

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Maik M. Paulsen und die Lust am Betrug – oder

warum du deinen Augen nicht trauen solltest.

Verlag & Redaktion | mein/4

mein/4 UG

Schönhauser Allee 52, 10437 Berlin

redaktion@meinviertel.berlin

Tel.: 030 818 914 60

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Mediadaten

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Rüdiger Serinek

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keine Gewähr.

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Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil dieser Zeitschrift darf ohne schriftliche

Genehmigung des Verlags vervielfältigt oder verbreitet werden.

Unter dieses Verbot fällt insbesondere die gewerbliche Vervielfältigung

per Kopie, die Aufnahme über elektronische Datenträger und

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