LOGISTIK express Fachzeitschrift | 2019 Journal 4

markus.jaklitsch

Tag des Handels, eCommerce Logistik-Day, Chinas e-Commerce Boom, Binnenschifffahrt, BREXIT, MERCOSUR, ASEAN

ABS. LOGISTIK EXPRESS | HAMEAU STRASSE 44 | 1190 WIEN | AUSTRIA

Heft 4/2019

Gestalten Sie

die Zukunft

i

Tag des Handels

Chinas e-Commerce Boom

eCommerce Logistik-Day

Rettungsanker Binnenschifffahrt

BREXIT | MERCOSUR | ASEAN

Themen

#retail

#ecommerce

#intralogistics

#transportlogistics

#worldtrade

#management


LOGISTIK express 4/2019 | S2

LOGISTIK EXPRESS

STRATEGIE

wikifolio-Indexzertifikat

Der Markt zur privaten

Kapitalanlage befindet

sich in einem Umbruch.

2019 / 2020 MESSEN EVENTS ORT INTERNET

23. bis 25.Oktober DEUTSCHER LOGISTIK KONGRESS 2019 Berlin www.bvl.de

07. November TECH DAY 2019 Wien www.handelsverband.at

07. November STEIRISCHER LOGISTIK TAG + AUTOMOTIVE DAY Graz www.bvl.at

FinTech-Unternehmen fordern

die klassischen Anbieter heraus.

20. bis 21. November DEUTSCHER HANDELS KONGRESS 2019 Berlin www.handelskongress.de

26. bis 27. November EXCHAINGE 2019 Frankfurt www.exchainge.de

Mit der LOGISTIK express

Strategie wollen wir in die

Branche investieren und mit

aktivem Trading ein alternatives

Portfolio anbieten...

10. bis 12. März LOGIMAT 2020 Stuttgart www.logimat-messe.de

24. März HANDELSKOLLOQUIUM Wien www.handelsverband.at

20. bis 24. April HANNOVER MESSE 2020 Hannover www.cemat.de

23. bis 24. April BVL LOGISTIK DIALOG Wien www.bvl.at

16. Juni LOGISTIK-FUTURE LAB + LOGISTIK-PREIS Linz www.vnl.at

17. Juni VNL LOGISTIK-TAG Linz www.vnl.at

17. Juni ECOMMERCE DAY Wien www.handelsverband.at


INHALT / EDITORIAL / IMPRESSUM

INHALT LE 4/2019

Sehr geehrte

LeserInnen!

02 Termine & Events

04 Das Problem mit der unliebsamen Macht und den Männern

06 Retail isn't dead...

12 Chinas E-Commerce-Boom ... Lager & Transportlogistik benötigt.

16 eCommerce Logistik-Day: Wachstum mit Köpfchen begegnen

20 Greta an Bord! Ist Binnenschifffahrt der Rettungsanker fürs Klima?

22 Deutliche Preissteigerungen im Weltpostnetz ab 2020

24 Doppelte Schlagkraft für den digitalen Handel in Europa

26 Brexit - wann – wie - eine unendliche Geschichte

30 «Grüner» Treibsand bremst Außenhandel

32 EU und EFTA buhlen um Verbraucher im Mercosur

36 EXCHAiNGE: „New Work & Digital Business“

40 Schaeffler Distributionszentrum - Für alle Fälle gerüstet

42 Wehkamp - In nur 30 Minuten versandbereit

44 Das Zusammenspiel von Mensch und Maschine im Lager

48 Vorteile einer automatisierten Kreditorenbuchhaltung

50 Sind Ihre Mitarbeiter fit im US – Außenhandelsrecht?

54 Menschen in Bewegung

Mit dieser 4. Ausgabe setzen

wir einen Abschluss unter

ein ereignisreiches Logistikjahr.

So konnten wir am spannenden

eCommerce Logistik-Day in Wien die

Medienkooperation HJS Media World

Horvath – Jaklitsch – Schlobach

vorstellen sowie für 2020 starke Akzente

setzen - beginnend mit einem Business

Special zur Messe LogiMAT.

Besuchen Sie ab November unsere

Website www.journalismus.at und

überzeugen Sie sich vom umfangreichen

crossmedialen Kommunikationsangebot

- mit dem wir die Reichweiten

in der DACH-Region deutlich erhöhen.

Diesbezüglich freuen wir uns auf interessante

Gespräche auf dem BVL-Kongress

in Berlin sowie auf der LogiMAT.

Außerdem laden wir Sie herzlich dazu

ein, auf der 2. Logistikreise für den

Online- und Omnichannel-Handel

vom 12. bis 14. Februar 2020 dabei

zu sein. Infos und Anmeldungen unter:

www.logistikreise.de

Holen Sie sich Ihren Informationsvorsprung.

LOGISTIK express informiert

fachlich, sachlich, aktuell.

Markus Jaklitsch

i

NEWS logistik-express.com

JOBS jobs.logistik-express.com

B2B network.logistik-express.com

EPAPER epaper.logistik-express.com

eCommerce Logistik-Day

IMPRESSUM

Medieninhaber, Herausgeber: Markus Jaklitsch

Redaktion: Angelika Gabor, Dirk Ruppik, Peter

Baumgartner, Karin Walter

Grafik: Margenta / GettyImages, istockphoto

Hameaustraße 44, 1190 Wien, Austria

T: +43 (0)676 7035206

E-Mail: info@logistik-express.at

https://logistik-express.com


LOGISTIK express 4/2019 | S4

Das Problem mit der unliebsamen

Macht und den Männern

Egal, wohin man blickt, es kracht. Der Amazonas brennt, das Wirtschaftswachstum

flaut ab, Rohstoffe werden teils rar, die EU zerfällt und vom Weltfrieden sind wir

so weit weg wie schon lang nicht mehr. Waren es lange Zeit fanatische Religionsanhänger,

die für Chaos und Zerstörung sorgten, sind es nun wieder ein paar

wenige machthungrige Männer, die für den eigenen Vorteil über Leichen gehen.

REDAKTION: ANGELIKA GABOR

ANGELIKA GABOR

REDAKTION

LOGISTIK EXPRESS

In grauer Vorzeit standen Stammeskämpfe

auf der Tagesordnung – oder gemeinsam

organisierte Großwildjagden. Im Laufe der

Jahrhunderte und mit der Industrialisierung

wurde beides obsolet, dafür etablierten sich

Ball- und andere Mannschaftssportarten, bei

denen Männer ihren Dampf ablassen und

sich untereinander messen konnten. Vielleicht

sollten Bolsonaro, Trump, Erdogan, Johnson,

Putin, Xi Jinping, Kim Jong-un und Orbán einfach

mal gemeinsam Fußball spielen? Denn

offensichtlich haben sie alle etwas gemeinsam:

eine unstillbare Gier nach Macht. Die

Liste ist natürlich lange nicht vollzählig, aber

diese hier genannten Männer sitzen alle an

politischen Schaltpositionen, von wo aus sie

unfassbares Leid – direkt oder indirekt, körperlich

oder seelisch – verursachen. Natürlich

handeln alle aus bestem Wissen und Gewissen,

und bestimmt geht es keinem davon um

persönliche Bereicherung...

Ein ebenfalls (zumindest noch bis Ende Oktober)

sehr mächtiger Mann, der vielleicht auch

mit Fußball spielen sollte, ist der scheidende

EZB-Chef Mario Draghi, personifiziertes Feindbild

aller Sparer und Vorsorgekassen. Trotz

reichlicher Proteste auch aus den eigenen

Reihen wurde in der Zinssitzung im September

wieder ein umfassendes Paket zur Stützung

der schwächelnden Konjunktur beschlossen.

Ein Schwerpunkt aus dem Maßnahmenbündel

ist, ab November monatlich Staatsanleihen

und weitere Wertpapiere im Volumen

von 20 Milliarden Euro (!!) zu erwerben – und

zwar bis auf Weiteres. Dabei halten sich die

durch diese Maßnahme messbaren positiven

Wachstumseffekte Experten zufolge wirklich

in Grenzen. Vielleicht hätte Herr Draghi sich

mal den Maastricht-Vertrag zu Gemüte führen

sollen? Darin steht nämlich dezidiert

festgeschrieben, dass eine monetäre Staatsfinanzierung

durch die Geldpolitik verboten

ist und die EU ausdrücklich KEINE Fiskal- oder

Transferunion sein soll – ohne gemeinschaftliche

Haftung und Risikoübernahme. Ob die

erste Frau an der Spitze des Europäischen

Zentral-Billionengrabes, Christine Lagarde,

da aufmischen oder mitmischen wird, bleibt

abzuwarten, die Chancen stehen aktuellen

Einschätzungen zufolge 50:50.

Palmöl, das flüssige Gold?

Letzte Woche habe ich versucht, eine Margarine

zu finden, in der kein Palmöl enthalten

ist – leider erfolglos. Heimlich, still und leise hat

sich das Palmöl in unzählige Produkte eingeschlichen

– egal ob Backwaren, Kosmetika

oder auch Reinigungsmittel. Der Hauptgrund

dafür: es ist irrsinnig billig im Vergleich zu anderen

Ölen, und das, obwohl es erst aus Indonesien,

Malaysien oder anderen tropischen

Gebieten zu uns gekarrt werden muss. Sonnenblumenöl,

das man statt dessen in vielen

Bereichen verwenden könnte, wächst vor

unserer Haustüre. Aktuell sind rund 30 Prozent

des weltweit angebauten Pflanzenöls Palmöl

– Tendenz steigend. Dabei steckt es voller

gesättigter Fettsäuren, die enthaltene Palmitinsäure

kann die körpereigene Produktion

von Cholesterin anregen. Aber der größte

Nachteil des Palmöls ist die mit dem Anbau

der Ölpalmen verbundene Abholzung des

Regenwaldes in den Herkunftsländern. Leidtragende

sind nicht nur die vertriebenen

(oder getöteten) Tiere, auch die Bauern können

aufgrund des starken Preisdrucks finanziell

kaum überleben. Und ein weiterer, nicht


ganz unwichtiger Aspekt, der beispielsweise

dem ultrarechten brasilianischen

Politiker Jair Bolsonaro völlig egal ist: der

Amazonas, Heimat von drei Millionen (!)

Arten von Pflanzen und Tieren, ist eine

der Lungen des Planeten und trägt

einen wesentlichen Beitrag zum Weltklima

bei. In diesem Augenblick lodern

unzählige Brände im Regenwald (und

nicht nur im Amazonasgebiet, auch

in Kalifornien, Australien und in Sibirien

wüten Feuer), doch das kommt dem

Politiker, dem indigene Völker und Umweltschutzorganisationen

seit jeher ein

Dorn im Auge sind, nur gelegen. Sein

Ziel ist die Unterstützung der Agrarund

Bergbaukonzerne, um das Bruttoinlandsprodukt

zu steigern. Einer der

„Erfolgsfaktoren“ hierbei ist Palmöl, für

dessen Anbau große Flächen benötigt

werden...

Ein kleines Rechenbeispiel gefällig?

Schätzungen zufolge sind 90 bis 140

Milliarden Tonnen Kohlenstoff im Regenwald

des Amazonasbeckens

gebunden. Forscher gehen davon

aus, dass bei Brandrodung der Hälfte

davon etwa 150 Milliarden Tonnen

CO2-Äquivalente in die Atmosphäre

freigesetzt würden. Das entspricht ungefähr

dem Vierfachen des derzeitigen

CO2-Jahresausstoßes der gesamten

Menschheit.

Das Ziel, die globale Erwärmung auf 1,5

Grad Celsius zu begrenzen, ist damit

so gut wie unmöglich zu erreichen (ok

zugegeben, ist es ohne diese Rodung

leider auch). Dem Herrn Bolsanaro ist

das egal. Aber uns sollte es nicht egal

sein! Wenn jeder Einzelne mehr darauf

achtet, was in den Lebensmitteln

enthalten ist, die er konsumiert, und

Produkte mit Palmöl schlicht und ergreifend

nicht mehr kauft, dann wird es

sich nicht mehr auszahlen, diese zu produzieren.

Es gibt genug andere Güter,

die wir um die Welt transportieren können,

Palmöl muss echt nicht sein.

Fluch oder Segen?

Tauschhandel ist beinahe so alt wie

die Menschheit. Seit dem Ende des 18.

Jahrhunderts – erste Blütezeit des Fernhandels

– hat sich viel getan. Waren

werden in kürzester Zeit und auf unterschiedlichen

Transportwegen in aller

Herren Länder verteilt.

Eigentlich sollten Handelsbeziehungen

die Zusammenarbeit von Ländern

vertiefen und kriegerische Auseinandersetzungen

verhindern. Doch immer

öfter werden sie zu Druckmitteln und für

Machtkämpfe verwendet. Die seit Jahren

anhaltenden Sanktionen gegen

Russland, den Iran und Nordkorea

sind stets präsente Beispiele dafür.

Die USA und die Türkei, eigentlich seit

über 60 Jahren NATO-Partner, lassen

gerade die Muskeln spielen, während

in Syrien die Kurden – tapfere Kämpfer

gegen den IS und somit Partner der

USA - dem Genozid preisgegeben sind.

Die EU, der die Türke angeblich lange

Zeit lang beitreten wollte (obwohl sie

bei ehrlicher Betrachtung meiner Meinung

nach geographisch und historisch

nicht zu Europa gehört), hält sich mit

Kritik vornehm zurück. Zu groß ist die

Angst, dass die Türkei die dort befindlichen

Flüchtlinge auf den Weg schickt.

Denn wenn es um Vorteile geht, dann

sind die EU-Mitglieder schnell zur Stelle,

wenn es aber um die gerechte Verteilung

von (aus welchem Grund auch

immer) hilfesuchenden Menschen

geht, dann ist die Zusammenarbeit

ganz schnell uninteressant.

Die aufstrebende Wirtschaftsmacht

China war lange Zeit konkurrenzlos auf

Einkaufstour in Afrika, doch irgendwann

ist das den Mächtigen in Europa und

auch in den USA sauer aufgestoßen.

Der Handelskonflikt zwischen den USA

und China hat natürlich ganz andere

Beweggründe. Und auch der Konflikt

zwischen Saudia-Arabien hat mit

Sicherheit nicht mit Öl zu tun.

Diese Aufzählung lässt sich beliebig

fortsetzen. So rasant sich die Technologie

in den letzten 200 Jahren weiterentwickelt

hat, irgendwas ist in dieser Zeit

auch verloren gegangen. Und damit

meine ich nicht das Artensterben... es

gibt viele schlaue Sprüche, die an dieser

Stelle passen würden, aber eigentlich

ist es ganz simpel. Wenn nicht rasch ein

fundamentales Umdenken stattfindet,

dann schafft der Mensch sich selbst

ab. Würde nur ein Bruchteil der weltweiten

Rüstungsausgaben (die jährlich

steigen) dafür verwendet werden, das

Klima zu retten, Armut zu bekämpfen

und Städte wieder aufzubauen statt

zu zerbomben, dann könnten auch

unsere Kindeskinder noch das Leben

genießen. (AG)


LOGISTIK express 4/2019 | S6

Retail isn't dead...

"Retail verändert sich, und damit auch der Standort Österreich", so leitete

Stephan Mayer-Heinisch, Präsident des österreichischen Handelsverbands den

TAG DES HANDELS 2019 ein, der mit 200 Besuchern an den Erfolg der letzten Jahre

anknüpfte. "Vernetzen Sie sich, lernen Sie von den Besten und haben Sie keine

Angst vor der Zukunft", appellierte Mayer-Heinisch an die Teilnehmer, bevor er

das Wort mit seinem neuen Motto "Retail isn't dead – boring Retail is dead" an

Rainer Will übergab. BEITRAG: REDAKTION

Die Nationalratsabgeordnete Therese Niss,

ÖVP-Bereichssprecherin für Digitalisierung,

Forschung & Innovation, gab als wichtigstes

Ziel eine weitere Senkung der Steuerund

Abgabenquote, der KÖSt und der

Lohnnebenkosten aus. Zur Bekämpfung des

Fachkräftemangels setzt sie insbesondere

auch mehr Bildung bzw. Weiterbildung. "Wir

brauchen innovativere Schulen, es darf niemand

die Schule verlassen, der nicht zumindest

lesen und schreiben kann", so Niss.

Der Präsident des Sozialdemokratischen

Wirtschaftsverbandes und SPÖ-Nationalratsabgeordnete

Christoph Matznetter gab

ebenfalls das Steuerthema sowie eine Stärkung

der KMU als oberste Priorität aus. "Die

Steuerspirale nach unten muss endlich aufhören!

Hier braucht es ein resolutes Vorgehen",

so der Vizepräsident der Wirtschaftskammer

Österreich.

RAINER WILL

GESCHÄFTSFÜHRER

HANDELSVERBAND

Ein erstes Highlight war das mit

Spannung erwartete Polit-Podium

mit hochrangigen Vertretern

der sechs bundesweit zur Nationalratswahl

antretenden Fraktionen –

Therese Niss (ÖVP), Christoph Matznetter

(SPÖ), Reinhard Pisec (FPÖ), Karin Doppelbauer

(Neos), Bernd Nussbaumer (Liste

Jetzt) und Michel Reimon (Die Grünen).

Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will

moderierte die Podiumsdiskussion und

übergab den sechs Spitzenpolitikern bei

dieser Gelegenheit auch gleich das Bürokratiepapier

des Handelsverbandes,

welches gemeinsam mit allen Händlern

entwickelt worden war.

Bundesrat Reinhard Pisec, Industriesprecher

der FPÖ, bedankte sich zunächst beim

Handelsverband für den erfolgreichen

Kampf für mehr FairPlay und gegen unfaire

Geschäftsbedingungen auf dem Amazon

Marketplace. Er forderte eine faire Besteuerung

internationaler Tech-Giganten und

mehr Steuergerechtigkeit. "Wir müssen die

Steuersätze für heimische Betriebe senken,

damit die Steuerbelastung in Österreich im

internationalen Vergleich wieder wettbewerbsfähig

wird", so Pisec.

Die Neos-Nationalratsabgeordnete und

Bio-Bäuerin Karin Doppelbauer legte den

Fokus auf das Neos-Kernthema Bildung.

"Bildung ist entscheidend für unseren künftigen

Wohlstand", so die Sprecherin für


Budget, Landwirtschaft & Konsumentenschutz.

Sie forderte auch flächendeckende

Kinderbetreuungseinrichtungen sowie das

deutsche 3+2 Modell im Bereich der Lehre

für Asylwerber. "Die Überarbeitung der

Gewerbeordnung sowie die Abschaffung

der Kammerpflicht sind für uns ebenfalls

Kernthemen", versicherte Doppelbauer.

Der Ökonom Bernd Nussbaumer von der

Liste Jetzt forderte u.a. eine rasche Entlastung

des Faktor Arbeit sowie der heimischen

KMU. Zweiter wichtiger Punkt war die

Einführung der digitalen Betriebsstätte – v.a.

um Steuergerechtigkeit für die Amazons

und Alibabas der Welt sicherzustellen.

"Steuern sollten dort entrichtet werden, wo

auch der Umsatz anfällt", so Nussbaumer.

Als drittes Kernthema gab der gebürtige

Oberösterreicher die Innovation an: "Wir

müssen stärker in nachhaltige Technologien

investieren!"

Der ehemalige EU-Abgeordnete Michel

Reimon (Die Grünen) bewertete Steuersenkungen

hingegen als kontraproduktiv, da

damit lediglich ein EU-weiter Steuerwettlauf

nach unten befeuert werde. Was die heimischen

Händler von einer Regierungsbeteiligung

der Grünen erwarten dürfen? "Wenn

Sie möglichst billigen Ramsch aus dem

Ausland importieren und verkaufen wollen,

dann werden Sie mit den Grünen keine

große Freude haben. Wir wollen Händler

fördern, die auf heimische Zulieferer setzen",

so Reimon. Grundsätzliche Einigkeit

herrschte bei den sechs Polit-Profis in puncto

Verschlankung der Kammerstrukturen. Auf

eine möglichst rasche Abschaffung der

Mietvertragsgebühr konnten sich alle Parteien

mit Ausnahmen der Grünen einigen.

Als Händler sichtbar sein

Google Maps-Experte Til Kreiler & Matthias

Zacek, Head of Business Development bei

g-Xperts.net, erläuterten in ihrer gemeinsamen

Keynote die zentrale Bedeutung

von Business Location Services als Erfolgsfaktor

im Handel. Aktuelle Standortdaten in

Google Maps sind das A und O, um

als Händler mehr Traffic zu generieren.

Omnichannel lautet das zentrale Zauberwort,

insbesondere die positiven Effekte

von digitalen Touchpoints auf den stationären

Geschäftserfolg. "Mehr als die Hälfte

aller stationären Umsätze sind mittlerweile

digital beeinflusst", bestätigte Zacek.


LOGISTIK express 4/2019 | S8

Der österreichische Handelspreis 2019

geht an... Günther Helm

Im Rahmen des Tag des Handels wurde

auch die höchste Auszeichnung des heimischen

Handels verliehen, der Österreichischen

Handelspreis. Der niederösterreichische

Handelsmanager Günther Helm

wurde heuer für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

Der studierte Jurist Günther Helm

war insgesamt 15 Jahre lang für den Lebensmitteleinzelhändler

Hofer tätig, davon

8 Jahre lang als Generaldirektor und CEO

der Hofer KG. Mitte 2019 übernahm er die

Funktion des Geschäftsführers bei der deutschen

Drogeriekette Müller.

Logistik: Zukunftsmarkt Zentral- & Osteuropa?

Joerg Kreindl, Senior Director Industrial

and Logistics CEE & SEE bei CBRE, sprach

in seiner Keynote über das Trend-Thema

Logistik-Immobilien in Zentral- und Osteuropa

(CEE). "Logistik und Office sind jene

Asset-Klassen, in welche in Europa derzeit

am liebsten investiert wird. Retail nimmt

hingegen ab", sagte der Experte. Ob die

Logistik bald zum Freiwild für Investoren aus

Asien werde? "Alibaba kommt stärker auf

den Markt, aber auch viele andere asiatische

Investoren werden immer aktiver", so

Kreindl.

Smarte Telecom-Daten für den Handel

Telekom-Urgestein Michael Reutterer, Head

of IoT & Big Data Sales bei Magenta Telekom,

ist ein absoluter Profi, wenn es um

den Aufbau neuer Geschäftsfelder für den

Businesskunden-Bereich geht. Sei aktuelles

Lieblingsthema: Footfall Analytics - die

Generierung von relevanten Daten aus

der Smartphone-Nutzung für den Handel.

Er hatte u.a. sechs Erfolgsstories im Gepäck,

von Werbemaßnahmen, Eventmarketing

und Zielgruppen über Standortentscheidungen

und Einzugsgebiete bis hin zur Performance-Messung.

Etwaige datenschutzrechtliche

Bedenken seien unbegründet:

"Alles was wir analysieren, entspricht den

gesetzlichen Vorgaben. Alle Daten bleiben

in Österreich im Datencenter. Alle Daten

werden anonymisiert", versicherte Reutterer.

"Es freut mich wirklich sehr, heute hier auf

der Bühne zu stehen und den Österreichischen

Handelspreis entgegenzunehmen.

Dies ist für mich eine große Motivation,

mein Engagement für den Handelsstandort

Österreich mit aller Kraft fortzusetzen, auch

von Deutschland aus. Herzlichen Dank für

diese großartige Auszeichnung auch an

den Handelsverband, der sich zur Speerspitze

unserer Interessenvertretung entwickelt

hat", so Günther Helm in seiner Rede.

"Günther Helm hat weit über den Tellerrand

der Branche geblickt und die gesamte Lebensmittel-Wertschöpfungskette

durch aktive

Beiträge nachhaltig geprägt. So wissen

die wenigsten, dass er der gedankliche

Gründungsvater der erfolgreichen Initiative

‚Land schafft Leben‘ ist", hob Rainer Will in

seiner Laudatio hervor.

Qualität "Made in Austria"

Welche Potenziale gibt es in der Zusammenarbeit

zwischen Landwirtschaft und

LEH? Diese Frage stand im Zentrum einer

hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion

mit Handelsverband-Vizepräsident Frank

Hensel, Josef Moosbrugger, Präsident der

österreichischen Landwirtschaftskammer,

Wirtschaftsjournalist Hanspeter Madlberger

und Hannes Royer, Gründer der Initiative

Land schafft Leben.

Die heimische Landwirtschaft könne

schlicht nicht mit den Weltmarktpreisen

mithalten, eröffnete Josef Moosbrugger

die Diskussion, das liege insbesondere an

den strukturellen Bedingungen. "Wir spüren

ganz stark, dass die Anforderungen an die


heimische Landwirtschaft in der Produktion

erhöht werden. Aber wenn dann ein Produkt

in Österreich plötzlich nicht mehr verfügbar

ist, werden minderwertige Produkte

aus dem Ausland importiert. Daher braucht

es eine Herkunftskennzeichnung", forderte

der LKO-Präsident. "Wir brauchen keine

Fleischsteuer, sondern Kostenwahrheit. Nur

so werden regionale Produkte wieder wettbewerbsfähiger."

Der Handel habe grundsätzlich kein Problem

mit einer verpflichtenden Lebensmittelkennzeichnung,

der große Widerstand

komme vielmehr von der Industrie und

der Gastronomie, entgegnete Handelsverband-Vizepräsident

Frank Hensel. "Eine

Partnerschaft funktioniert nur, wenn beide

Seiten davon profitieren. Genau so ist es

bei der langfristig gewachsenen Zusammenarbeit

zwischen Landwirtschaft und

Lebensmitteleinzelhandel", so der langjährige

Vorstandsvorsitzende von Rewe.

"Unser gemeinsames Interesse – die Wertigkeit

unserer Lebensmittel – müsste alle in der

Produktions- und Lieferkette vereinen, auch

die Politik. Wir müssen anders arbeiten als

der Weltmarkt. Diesen Weg des Anderssein

müssen wir gemeinsam durchsetzen, dann

können wir auch in Zukunft erfolgreich sein."

Der freie Wirtschaftsjournalist Hanspeter

Madlberger, Doktor der Handelswissenschaften

und seit über 40 Jahren ein fundierter

Branchenkenner, relativierte die

angebliche "Marktmacht" der führenden

heimischen Lebensmitteleinzelhändler. "Die

Marktmacht des Handels wird sehr gern

mit Marktanteilen in Verbindung gebracht.

Seitens der Landwirtschaft gibt’s da ein

sehr einseitiges Framing. Realistischerweise

geht es aber nicht nur um den Lebensmitteleinzelhandel,

sondern auch um den

Großhandel, um Convenience-Formate

und vor allem auch um die Gastronomie,

um Fleischer und Bäckereien. Wir müssen

schauen, wohin die Produkte der Landwirtschaft

fließen. Und da ist der LEH eigentlich

sekundär", so Madlberger.

"Wir haben Konsumenten, die Bio- und

Nachhaltigkeit in der Theorie gut finden,

aber in der Praxis des täglichen Einkaufs

leider oft zum Billigprodukt greifen", bedauerte

Hannes Royer, Gründer der unabhängigen

Initiative Land schafft Leben,

die allgegenwärtige Billig-Mentalität.

Sein Ziel: die Konsumenten darüber aufzuklären,

wie Lebensmittel heute tatsächlich

entstehen – fernab vom Kitsch der

TV-Werbung. "Wenn wir unseren Lebensmitteln

keine Wertigkeit mehr geben, wird

es auch für die heimischen Bauern immer

schwerer. Und wir zerstören damit unsere

eigene Lebensgrundlage", so Royer. Aber

auch die Gastronomie sei gefordert: "Als

Konsument habe ich im Gasthaus das

Recht zu erfahren, woher das Schnitzel

auf meinem Teller eigentlich herkommt."


LOGISTIK express 4/2019 | S10

20 Slides à 20 Sekunden

Im Pecha Kucha Format präsentierten sich

die Ottakringer Brauerei, ecosio, Loomis,

Kastner & Öhler und ACL advanced commerce

labs. Den Anfang machten Philip

Liegl, Gründer von ecosio, und Roland

Feichtenschlager, der als SAP-Teamlead

der Ottakringer Gruppe u.a. für die Weiterentwicklung

der betriebskritischen ERP-Systeme

und deren Support verantwortlich

zeichnet. Das Thema: Vom Tank zum Tisch

– EDI in der Getränkeindustrie am Beispiel

einer Wiener Traditionsbrauerei.

Im Anschluss sprach Michael Marschner

von Loomis über eines der Lieblingsthemen

von Frau und Herr Österreicher: Bargeld.

Der "LOOMIS SafePoint" – ein digitalisierter

Safe, der den stationären Händel

bei seinem Cash Management unterstützt

– verbindet nämlich eine physische Bezahlung

mit den Vorteilen der Digitalisierung.

Knapp 40.000 Händler weltweit nutzen das

Gerät bereits.

Last but not least sprachen Gernot Ortoff,

Head of Online Marketing & eCommerce

bei Kastner & Öhler, und Andreas Pesenhofer,

CEO der ACL advanced commerce

labs, über das hochspannende Omnichannel-Projekt

von Kastner & Öhler. Beim 1873

gegründeten Einzelhandelsunternehmen

Kastner & Öhler gelang der Aufbau der

E-Commerce Sparte sowie die Systemumstellung

auf Omnichannel fast wie im Lehrbuch

– eine echte Erfolgsgeschichte made

in Austria.

Startup Session

Den traditionellen Abschluss des Standorttages

bildete die hochkarätige Startup-Session.

Die Gründer Joerg Hauke (Founder &

CFO, Saturo), Julian Juen (Founder & CEO,

Urban Food & Beverage), Moritz Lechner

(Founder & CEO, Freebiebox), Elke Pichler

und Emanuel Riccabona (Co-Founder

Impactory) und Lukas Snizek (Founder &

CEO, QuickSpeech) pitchten live on stage.

Die Moderation übernahm Werner Wutscher,

Founder und Geschäftsführer von

New Venture Scouting (NVS) und Leiter des

Handelsverband-Circles "Omnichannel &

Innovation". "Es geht um neue Lösungen. Wir

haben spannende Startups auf der Bühne.

Sie brauchen aber auch ein offenes Mindset",

appellierte Wutscher an die Besucher.

Beste Unterhaltung mit den Comedy Hirten

& Philip Keil

Stand up Comedy war gestern. Die Comedy

Hirten – Österreichs erste Start-up Comedy

– versprachen dem Publikum zwei Millionen

Gags in zwei Minuten. Was sollen wir sagen,

sie hielten Wort und sorgten für ein Feuerwerk

an großartigen Parodien.

Pilot, Trainer, Sachbuchautor, Luftfahrtexperte...

wenn es den Begriff "Universalgenie"

nicht schon gebe, man müsste ihn

für Philip Keil erfinden. Deutschlands bekanntester

Pilot fesselte die Besucher zum

Abschluss eines ereignisreichen Nachmittags

mit unglaublichen Erlebnissen und

wertvollem Expertenwissen. Er sprach

über Themen, die auch am Boden über

Crash oder Punktlandung entscheiden:

Wie führe ich mich und mein Team, wenn

es turbulent wird? Was macht eine perfekt

eingespielte Crew aus? Prädikat: wertvoll!

Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbandes,

unterstrich am Ende der Veranstaltung

nochmal die Schwerpunktsetzung

des Verbandes in den Bereichen Retail und

Logistik, und bedankte sich bei den mehr

als 200 Besuchern. Nach dem offiziellen Teil

des TAG DES HANDELS blieb den Gästen

noch ausreichend Zeit für ausgiebiges Networking.

(RED)


60 Jahre Kompetenz

in Sachen Medien, Wirtschaft und Logistik

journalismus.at

(ab November)


LOGISTIK express 4/2019 | S12

Chinas E-Commerce-Boom ...

Lager & Transportlogistik benötigt.

Der Boom im E-Commerce im Land der Mitte hat zu einem Mangel an Lagerhäusern

und Transportlogistik geführt. Da der Transport einen Anteil von ca. 50

Prozent an den Logistikkosten hat, sind insbesondere Lagerhäuser nahe beim

Kunden gefragt. Der Ausbau der Logistik und Lagerhauskapazität ist im Gange.

REDAKTION: DIRK RUPPIK

DIRK RUPPIK

FACHJOURNALIST

Der Wettbewerb der zwei chinesischen

Internetgiganten Alibaba

und JD.com um Marktanteile im

Land der Mitte weitet sich zunehmend

auf den Logistikbereich aus. Laut

dem amerikanischen The Wall Street Journal

investiert JD.com immer mehr in hoch automatisierte

Lagerhäuser. Das eigene Logistiknetzwerk

umfasst bereits 15 Logistikparks,

mehr als 500 Lagerhäuser, rund 7000 Auslieferungs-

und Pickup-Stationen sowie 250000

Transport- und Lieferwagen.

In abgelegene ländliche Gebiete liefert der

Internet-Händler bereits via Drohne. Zudem

werden Pakete auch auf Linienflügen befördert.

Alibaba dagegen besitzt die Mehrheit

der Anteile am Logistiknetzwerk Cainiao. Im

Mai letzten Jahres kaufte die Alibaba Holding

zusammen mit Investoren zehn Prozent des

chinesischen Expresszulieferers ZTO Express im

Wert von 1,4 Milliarden US-Dollar (1,26 Milliarden

Euro). Zudem will das Unternehmen weitere

Milliarden in seinen Logistikbetrieb investieren.

Das E-Commerce-Unternehmen nutzt

seit langem Logistiker wie ZTO und Chinas

größten Expresszulieferer SF Express

Logistikkosten bisher hoch

Trotz allem belaufen sich die Logistikkosten im

Land der Mitte noch auf 15 Prozent des Bruttoinlandproduktes.

In entwickelteren Märkten

wie den USA liegen die Logistikkosten bei

sieben bis acht Prozent.


Beim Logistics Performance Index (LPI) liegt

Hong Kong auf Platz neun, China auf Platz 27

und Deutschland sowie die USA auf Platz eins

und zehn.

Beim LPI werden Kriterien wie Infrastruktur,

Zollabfertigung, Dienstleistungsqualität und

Pünktlichkeit, u. a. berücksichtigt. George

Yeo, ehem. Vorsitzender des Kerry Logistics

Network, beklagt die hohen Mautgebühren

im größten Mautstraßensystem der Welt -

Länge rund 160000 km. Viele Prozesse in der

Paketabfertigung basieren bisher noch auf

Handarbeit. Daher muss dringend automatisiert

werden, um die Arbeitskosten zu senken.

Ende März kündigte die staatliche Nachrichtenagentur

Xinhua weitere Maßnahmen zur

Senkung der Logistikkosten und zur Verbesserung

der Transporteffizienz an. Laut dem

Sprecher Wu Chungeng soll die Effizienz in

den nächsten drei Jahren u. a. durch die Beschleunigung

des Ausbaus eines umfassenden

Transportnetzwerkes, die Förderung des

multimodalen Transports und die Ausweitung

des elektronischen Mautgebührensystems

erfolgen. Das Transportministerium wird die

Eisenbahn-, Straßen- und Wasserweg-Transportsysteme

ausbauen und die Struktur optimieren.

Weiterhin soll das Netzwerk der

Logistikhubs ausgebaut werden.

Wu sagte auch, dass technologische Innovationen

wie das „Internet Plus Logistikmodell“

und die Konsolidierung von Informationsplattformen

für Transport und Logistik vorangetrieben

werden sollen. In diesem Rahmen wird

laut des Premiers Li Keqiang eine intensive

Integration der Informationstechnologie wie

Internet, Big Data und Cloud Computing mit

der Logistik angestrebt, um die Transformation

und den Ausbau der Logistikindustrie und der

chinesischen Wirtschaft zu fördern. In 2019

ist gemäß Xinhua geplant, gleichzeitig die

Logistikkosten um 120,9 Milliarden Yuan (15,4

Milliarden Euro) zu senken. China hat hier bereits

in den letzten Jahren große Fortschritte

gemacht.

Logistikbetreiber folgen Online-Konsum

„Es ist wichtig die Distanz zwischen Lagerhaus

und Verbrauchern zu reduzieren“,

sagte Victor Mok, Co-Präsident China bei

Global Logistic Properties (GLP). GLP besitzt

30 Millionen m² Lagerhausfläche und ist damit

der größte Lagerhausbetreiber in China.


LOGISTIK express 4/2019 | S14

Bisher fokussierte das Unternehmen auf Großstädte

wie Peking, Schanghai und Shenzhen.

Logistikbetreiber folgen nun aber dem Online-Konsum

an Gütern hin zu kleinen Inlandsregionen.

In größeren Ballungsräumen wurde

das für die industrielle Entwicklung zur Verfügung

stehende Land bereits limitiert. Daher

ging das Investment dort gewaltig zurück.

Gleichzeitig ist die Kapitalanlage in Logistikimmobilien

in den letzten Jahren für private Investoren

wie Versicherungsunternehmen und

Investmentfonds immer attraktiver geworden.

Es ist also zu erwarten, dass das Kapital

in den Bau von Logistikimmobilien wie Lagerhäuser

in ländlichen Regionen fließt.

Letztes Jahr brachte JD.com 2,5 Milliarden

US-Dollar (2,3 Milliarden Euro) zusammen mit

Teilhabern wie Tencent, dem Versicherungsunternehmen

China Life und der Wagniskapitalfirma

Sequoia auf, um die Logistiksparte

JD Logistics (seit April 2017 selbstständiges

Unternehmen) auszubauen. Mit dem

Kapital wurde das Logistikangebot um Lagerhausbetrieb

und Zulieferdienste auf der „letzten

Meile“ erweitert. Laut Zhang Chen, Technischer

Direktor bei JD.Com, geht es darum,

dass effizienteste nahtlose Netzwerk – vom

Kunden über die Supply Chain bis zur Logistik –

aufzubauen. „Unsere Entscheidung frühzeitig

ein eigenes logistisches Netzwerk zu entwickeln,

hat den Weg zur heutigen industriellen

Führerschaft für JD Logistics geebnet“, erklärt

Richard Liu, Vorsitzender und Geschäftsführer

von JD.com.

Nach wie vor müssen Alibaba und auch

JD.com Lagerhausplatz anmieten. Zudem

geht der Trend zu sog. extrem automatisierten

Smart Warehouse, um Arbeitskräfte und

damit Löhne einzusparen und die Effizienz

zu erhöhen. Beide Internethändler besitzen

bereits „unbemannte“ roboterbetriebene

Lagerhäuser (JD.com: warehouse “No1.

Asia”, Cainiao: „Wuxi warehouse“).

Das Online-Shopping im Land der Mitte

wächst beständig, ist aber laut Handelsministerium

immer noch für weniger als 20

Prozent des chinesischen Gesamtkonsums

verantwortlich. Alibaba wie auch JD.com

vertreiben ebenso Lebensmittel über ihre

Offline-Supermärkte Hema und 7FRESH. Der

Alibaba-Hema-Supermarkt fungiert zudem

als Fulfillment Center. Von den Angestellten

werden auch Online-Bestellungen bearbeitet.

Für die Versorgung dieser Supermarktketten

sind spezielle Lagerhäuser (Food-Grade)

nötig, die extremen Anforderungen unterliegen.

Meist sind diese Lagerhäuser hochautomatisiert,

wie z. B. das vollautomatisierte JD

Warehouse in Shanghai.

Veränderte Nachfrage, chinesische Werte

Die Nachfrage chinesischer Konsumenten

hat sich in den letzten zehn Jahren gravierend

verändert. Laut Tom Doctoroff, Buchautor

und Experte für chinesisches Konsumentenverhalten,

„sind die chinesischen Verbraucher

lang nicht mehr so eindimensional wie

früher. Die Nachfrage wird zunehmend durch

Leidenschaften und digitale Technologie geformt.“

Doctoroff führt weiter aus: „Die Hälfte

aller Chinesen ist nach 1990 geboren. Die jungen

Chinesen sind viel mehr daran interessiert,

sich durch Leidenschaften und Interessen zu

definieren. Die meisten E-Commerce-Plattformen

besitzen eine soziale Komponente.

Chinesen lieben es, Gedanken und Ideen

(auch über Produkte) auszutauschen und

sich einer Subkultur bzw. einem Stamm zugehörig

zu fühlen. Es existiert immer noch

eine große Lücke zwischen der Traumidentität

und was der Einzelne wirklich sein kann.“

„Die Konsumenten werden weiterhin durch

die Grundsätze der chinesischen Gesellschaft

angetrieben. Chinesen wollen Stabilität und

anderseits ihren Status zur Schau stellen“.

Folgerichtig haben Experten und Geschäftsleute

auf der durch Alibaba ausgerichteten

Konferenz Gateway ‘17 in Detroit (Juni 2017)

Produkte bestimmt, die bei Chinesen momentan

hoch im Kurs stehen. Aufgrund der

hohen Qualität ausländischer Güter sind dies

Schuhe, Kleidung (Umstandskleidung und

Baby Accessoires), Schmuck, Makeup sowie

Hautpflegemittel. Chinesen werden immer

gesundheitsbewusster. Daher sind Vitamine,

gesunde Nahrungsmittel und Babynahrung,

Produkte für die Stillzeit, Säfte, Superfood und

-snacks, frische Nahrungsmittel sowie natürliche

Pflege- und Reinigungsmittel sehr gefragt.

Darüber hinaus besteht großes Interesse an

ausländischem Qualitätswein, Sportartikeln

und originellen elektronischen Geräten. (DR)


LOGISTIK express 4/2019 | S16

eCommerce Logistik-Day: Dem

Wachstum mit Köpfchen begegnen

Die Wiener Albert Hall stand am 25. September einmal mehr im Mittelpunkt der

österreichischen E-Commerce-Szene. Rund 120 E-Commerce-Logistiker und

Branchenspezialisten ließen sich bei der 4. Auflage des eCommerce Logistik-Day

- einer Kooperationsveranstaltung des Instituts des Interaktiven Handels mit der

Zeitschrift LOGISTIK express - von neuen Ideen und Lösungsansätzen für die

E-Commerce-Logistik inspirieren. REDAKTION: KARIN WALTER

Österreichern auf starkes Interesse: Mehr als

ein Viertel der Online-Kunden kauft im Internet

bereits via Smartphone ein. Sechs Prozent

der Österreicher lässt sich beim Shopping im

Netz sogar schon von sprachgesteuerten

Assistenten unterstützen. Nach Aussage von

Rainer Will, Geschäftsführer des österreichischen

Handelsverbandes, wächst das Online-

Geschäft in der Alpenrepublik mittlerweile

achtmal schneller als der Warenverkauf im

stationären Handel. Die Akteure auf dem

österreichischen Paketmarkt gehörten im vergangenen

Jahr mit einem Umsatzwachstum

von 27 Prozent gegenüber 2017 zu den stärksten

Profiteuren dieser Entwicklung.

KARIN WALTER

JOURNALISTIN

WAL-MEDIEN

Im Online- & Omnichannel-Handel klingelten

im Jahr 2018 wieder kräftig die Kassen.

Mehr als 65 Milliarden Euro wurden

von den Internethändlern in Deutschland

im vergangenen Jahr aus dem Verkauf von

Kleidung, Schuhen, Elektronikartikeln und Co.

erzielt. Gemessen am gesamten deutschen

Einzelhandelsumsatz ist damit jeder achte

Euro in den Internethandel geflossen. Nach

jüngsten Einschätzungen des Bundesverbandes

E-Commerce und Versandhandel wird es

der Branche noch in diesem Jahr gelingen,

die 70 Mrd. Euro-Marke zu überspringen.

Der österreichische E-Commerce-Markt steht

der Wachstumsdynamik des deutschen

Marktes in keiner Weise mehr nach. Im Gegenteil:

Betrachtet man die jährlich getätigten

Online-Einkäufe pro Kopf, zählt Österreich

sogar zu den europäischen Spitzenreitern.

Besonders die neuen technischen Möglichkeiten

des Wareneinkaufs stoßen bei den

Dem Wachstum mit Optimierungsmaßnahmen

begegnen

Auf dem 4. eCommerce Logistik-Day wurde

deutlich: Die Wachstumsdynamik der Branche

bringt für die Marktakteure zwar viele

Chancen mit sich - es resultieren daraus aber

auch viele Herausforderungen: Verstopfte

Straßen prägen zunehmend das Bild in den

Innenstädten. Retourenberge und die massenhafte

Vernichtung zurückgesendeter Kleidungsstücke,

Wellnessprodukte oder Elektrogeräte

sind in der gesellschaftspolitischen

Debatte bereits zu einem Dauerbrennerthema

geworden. Auch bei den Branchenvertretern

selbst verstärken sich die Sorgenfalten:

Paketdienstleister kommen der Päckchenflut

mancherorts bereits nur noch mit

großen personellen Anstrengungen nach.

Auch die Logistiker in den Paketfabriken selbst

beklagen immer größere Schwierigkeiten, die

wachsenden Bestellmengen schnell und effizient

abzuarbeiten.


„Die Frage, ob in den Logistikzentren stärker

automatisiert werden muss, ist heutzutage

so gut wie überflüssig“, stellte Bernd Kratz,

Gesellschafter und Mitbegründer des Instituts

des Interaktiven Handels und Moderator

des 4. eCommerce Logistik-Day in seinem

Eingangsstatement provokativ fest. Durch

den sich immer weiter verschärfenden Fachkräftemangel

und die zunehmende Alterung

der Gesellschaft stelle sich für die Branche

zum Thema Automatisierung lediglich „die

Frage nach dem wie und wann“. Aus seiner

langjährigen Erfahrung als Vorstand bei

Conrad Electronics sowie als Logistik- und

Management-Berater heraus warnte Kratz

die nach Wien gereisten Logistikpraktiker jedoch

davor, bei Automatisierungsvorhaben

in operative Hektik zu verfallen. „In den allermeisten

Fällen lässt sich ein deutliches Mehr

an Produktivität bereits durch Optimierungsmaßnahmen

entlang der Logistikprozesskette

heben, so dass die Automatisierung erst danach

als Schritt erfolgen kann“, so Kratz.

Automatisierung auch in den

Micro-Hubs ein Thema

Auf dem eCommerce-Logistik-Day wurde

deutlich: Der für den wirtschaftlichen Erfolg

der E-Commerce-Branche entscheidende

Faktor Zeit führt gegenwärtig bereits zu einer

verstärkten Umverteilung der Handelsgüter

auf citynah gelegene Warenverteilzentren.

VERANSTALTER: BERND KRATZ & MARKUS JAKLITSCH

Doch was bedeutet das für die E-Commerce-Logistik

an sich? Haben die in der

Branche altbewährten Zentrallagerstrukturen

in Zukunft ausgedient? Und macht es angesichts

dieser Entwicklung überhaupt noch

Sinn, größere Automatisierungsprojekte mit

teils mehrjähriger Laufzeit an den zentralen

Logistikstandorten durchzuführen?

Winnie Ahrens, Sales Managerin beim Logistiksystemanbieter

Dematic GmbH, hält die

Tendenz zur Endkundenbelieferung aus kleinen,

regionalen Warendepots für eine logische

Entwicklung, die aus den technischen

Errungenschaften der vergangenen Jahre

resultiert. „Durch Predictive Analysis-Methoden

und Big Data lässt sich heutzutage bereits

sehr gut voraussehen, wann ein Kunde

ein neues Fahrrad bestellt“, bemerkte

Ahrens im Rahmen einer Podiumsdiskussion.

„Das ist ein Punkt, der uns künftig weiter in die

Lage versetzen wird, Waren schon sehr weit

vor dem genaueren Bestellzeitpunkt des Kunden

in Micro-Hubs in Nähe des Kunden zu

transportieren.“


LOGISTIK express 4/2019 | S18

Auch für die beiden Intralogistikspezialisten

Peter Bimmermann, Geschäftsführer der

AutoStore System GmbH, und Peter Stöger,

Managing Product Manager beim Grazer

Logistikautomatisierer KNAPP AG, sind klare

Tendenzen auf dem Markt erkennbar, die

Endkunden künftig vermehrt aus kleinen, regionalen

Warendepots zu beliefern. „Kleinstautomatisierungsprojekte

mit kurzen Durchlaufzeiten

von wenigen Wochen oder Monaten

werden den Wettbewerb in der Branche

noch einmal deutlich verschärfen“, glaubt

Peter Stöger von KNAPP. Ähnlich wie er sieht

auch Peter Bimmermann von AutoStore in

den über die vergangenen Jahrzehnten Zentrallagerkonzepten

des Handels jedoch auch

in Zukunft eine klare Notwendigkeit und Daseinsberechtigung.

„Hochautomatisierte Lager

bieten den Unternehmen auf der einen

Seite den Vorteil, die volle Sortimentsbreite

vorhalten zu können. Auf der anderen Seite

gewährleisten sie einen Logistikbetrieb mit

voller Power.“ Für den erfahrenen Intralogistikexperten

besteht deshalb kaum ein Zweifel:

Groß angelegte Automatisierungsvorhaben

werden auch künftig das Bild in der Handelslogistik

prägen.

Pünktlichkeit und schnelle Verfügbarkeit sind

die entscheidenden Faktoren

Der Beitrag von Helmut Lindinger, dem

Geschäftsführenden Gesellschafter der

H. Gautzsch Großhandel Bayern GmbH,

einer führenden deutschen Großhandelsgesellschaft

für Elektrotechnik, gab Aufschluss

darüber, an welchen Kriterien sich die Umsetzung

eines Lagerkonzeptes heutzutage

festmachen lässt. Die Unternehmensgruppe

hat sich in den vergangenen Jahren bewusst

dazu entschieden, die bisher praktizierte dezentrale

Lagerstrategie durch den Aufbaus

dreier Zentrallagerlager in Münster und Rathmannsdorf

in Passau zu ersetzen. An den neu

geschaffenen Logistikstützpunkten setzt das

das Unternehmen angesichts der verstärkten

Kundenwünsche nach schneller Warenverfügbarkeit,

pünktlicher Lieferung und großer

Produktvielfalt auf flexible und hochautomatisierte

Logistikprozesse. Mit großem Erfolg:

Online-Bestellungen, die in Rathmannsdorf bis

21:00 Uhr bestellt werden, stehen beim Kunden

bayernweit bereits am nächsten Morgen

um 7:00 Uhr zur Anlieferung bereit. Ermöglicht

wird dies durch eine roboterbetriebene Auto-

Store-Anlage, die für schnelle Durchlaufzeiten

sorgt und Platz für 70 bis 80 Prozent der angebotenen

Artikelpositionen bietet.

Ein breites Spektrum vom Wearable bis hin zur

Künstlichen Intelligenz

Für die in der Albert Hall zahlreich vertretenen

Logistikpraktiker, Logistiklösungsanbieter

und Dienstleister bot der diesjährige eCommerce

Logistik-Day erneut einen interessanten

Einblick in die neuesten technologischen

Trends in der Intralogistik. In einem Gemeinschaftsbeitrag

mit Bernhard Bachofner, dem

Geschäftsführenden Gesellschafter der Fiegl

& Spielberger Solution GmbH verdeutlichte

Sascha Stranz, Technical Project Manager

bei der Windhagener Geutebrück GmbH,

dass sich zahlreiche Aufgabenstellungen

im Lager heute schon durch die Nutzung

künstlich intelligenter Videotechniken gelöst

werden können. Auch das noch junge Technologieunternehmen

ProGlove nutzte den


eCommerce-Logistik-Day, um der breiten

Öffentlichkeit die Einsatzmöglichkeiten und

Vorteile des freihändigen Scannens mit Hilfe

eines Handschuhs vorzustellen.

HUBERT - ein innovatives Wiener Citylogistik-Projekt

Last-Mile-Logistik „Made in Austria“: Dazu präsentierte

Doris Pulker-Rohrhofer, Geschäftsleiterin

beim Hafen Wien sowie Gründungsund

Vorstandsmitglied des österreichischen

DamenLogistikClubs auf dem Podium des

eCommerce Logistik-Day einen zukunftsorientierten

und interessanten Ansatz: Der vom

Hafen Wien erst vor Kurzem aus der Taufe

gehobene Zustell-Service HUBERT. HUBERT

verfolgt das Ziel, die Warenbelieferung der

innerstädtischen Gewerbebetrieben nachhaltig

zu optimieren und umweltfreundlicher

zu gestalten. Das mit der Durchführung des innovativen

Citylogistik-Konzeptes beauftrage

Mobilitätslabor Thinkport Vienna setzt bei der

Wareneinlagerung auf die am Hafen Freudenau

verfügbaren Lagerflächen. Dort werden

die Waren konsolidiert und den jeweiligen

Auslieferungstouren in die Wiener Innenstadt

zugeteilt. „Durch die Bündelung der Paketströme

verfolgen wir das Ziel, unnötige Mehrfachfahrten

komplett aus Warenverteilung zu

eliminieren“, schilderte Pulker-Rohrhofer.

Bei dem neuen Zustellservice setzt der Wiener

Hafen auf den Einsatz zweier emissionsneutraler

Elektrofahrzeuge. Die enge

Kooperation mit den Wiener Lokalbahnen,

die am gleichen Standort beheimatet sind,

ermöglicht es den Betreibern des Citylogistik-Hubs

- je nach Auslastung - zusätzlich

auch auf einen Pool von 120 Elektrofahrzeugen

zuzugreifen. „Wir setzen damit auf die

optimale Ausnutzung von Synergieeffekten

vor Ort und legen Wert auf die Auslastung

sämtlicher vorhandender Ressourcen“,

so die Leiterin des Hafens Wien. Positiver

Nebeneffekt des neuen Zustellservices: Das

Zustellpersonal ist nicht nur mit der zeitgerechten

Auslieferung beauftragt - die Mitarbeiter

sind gleichzeitig dazu angehalten, sich um

die Mitnahme von Retouren, die Entsorgung

von Kartonagen sowie den Versand auf der

ersten Meile zu kümmern.

Networking in gehobenem Ambiente

Am Ende eines mit Informationen prall gefüllten

Tages konstatierte Bernd Kratz, der durch

den Tag unterhaltsam und mit gewohnt spitzer

Zunge führte: „Der eCommerce Logistik-Day

hat sich in den vier Jahren seines Bestehens

nicht zu einer exzellenten Informationsbörse

für die Logistiker der Handelsbranche entwickelt.

Er hat darüber hinaus auch schon

manch einem Marktakteur zum Anbahnen

interessanter neuer Geschäftsbeziehungen

verholfen. In diesem Sinne stellte Kratz zum

Abschluss des eCommerce Logistik-Day 2019

bereits sicher: „Wir - das Institut des Interaktiven

Handels sowie die Zeitschrift LOGISTIK

express - werden das spannende Veranstaltungsformat

auch im Jahre 2020 fortführen.

Außerdem sind im kommenden Jahr auch

zwei Logistikreisen für den E-Commerce

und Omnichannel-Handel geplant, zu denen

wir alle Besucher des eCommerce

Logistik-Day sehr gerne willkommen heißen.

(WAL)

Der eCommerce Logistik-Day

in Wien ist der

Branchentreff für Handel

und Logistik und wird

vom IDIH – Institut des interaktiven

Handels initiiert

und vom deutschen

Händlerbund sowie

vom österreichischen

Handelsverband unterstützt.

Weiterführende

Infos erhalten Sie auf:

www.logistik-express.com


LOGISTIK express 4/2019 | S20

Greta an Bord! Ist die Binnenschifffahrt

der Rettungsanker für das Weltklima?

Das ist die „Gretchenfrage“. Jetzt nicht auf Greta Thunberg bezogen, sondern

auf die Tragödie von Goethes Faust: Nun sag, wie hast du‘s mit dem Klimaschutz?

REDAKTION: PETER BAUMGARTNER

PETER BAUMGARTNER

FACHJOURNALIST

LOGISTIK EXPRESS

Es ist eine Gewissensfrage, deren Beantwortung

von Befragten in der

Zeitrechnung vor Greta regelmäßig

elegant umschifft wurde. Greta Thunberg

darf sich auf die Fahnen schreiben, dass

durch sie dieses Herumdrücken um eine klare

Antwort vorbei ist – und zwar endgültig.

Die der Hybris verfallenen Protagonisten der

Verkehrswirtschaft müssen sich jetzt, nach

jahrzehntelanger Misswirtschaft, von einer

Schülerin sagen lassen, dass sie ihre Kompetenzen

und Fähigkeiten maßlos überschätzt

haben. Lange Zeit hat man gehofft, dass wenigstens

der zunehmende Frauenanteil in der

Verkehrswirtschaft das Ruder herumreißen

kann. Aber auch sie konnten den Ballast nicht

abwerfen, den ihnen die Männerwirtschaft

hinterlassen hat. Jetzt müssen die Kinder ran

und es bleibt zu hoffen, dass der drohende

Generationenkonflikt nicht als Kollateralschaden

bei der Bewältigung des Klimawandels

übrigbleibt.

Ein Sektor sucht acht Millionen Tonnen CO2

- Schaffen wir die Klimawende im Verkehr?

Diese Frage stellte sich die Österreichische

Verkehrswissenschaftliche Gesellschaft

(ÖVG) in ihrem jüngsten Forum. Rund acht

Millionen Tonnen CO2 müssen nämlich gemäß

den Pariser Klimazielen bis 2030 in Österreich

jährlich eingespart werden. Nur dann

lassen sich Strafzahlungen und Zertifikatkäufe

in Milliardenhöhe noch abwenden. Große

Anstrengungen des Verkehrssektors werden

somit erforderlich sein. Die Binnenschifffahrt

wird nicht der Rettungsanker sein, der diese

Aufgabe allein wird stemmen können. Aber

die Binnenschifffahrt – und das ist keine neue

Erkenntnis, kann einen wesentlichen Beitrag

zur Erreichung der klimapolitischen Ziele

leisten. Klima relevant geht es um Themen

wie Verkehrsvermeidung, Auslastungsgrad,

Effizienzsteigerung, alternative Antriebe und

um Verkehrsverlagerung. Alles Bereiche, wo

Binnenschiffe ihre Stärke ausspielen können

– wenn man sie lässt und dafür die Voraussetzungen

schafft.

Die größte Untiefe für die Binnenschifffahrt, die

sie immer wieder stranden lässt, ist die europäische

Verkehrspolitik. Dort herrscht das

Dogma des „freien Warenverkehrs“ und niemand

ist da, der sich zu sagen getraut, dass

der freie Warenverkehr nicht automatisch

die freie Wahl des Verkehrsmittels bedeuten

kann. Wenn sich das nicht ändert, werden

uns die bösen Blicke von Greta noch in Grund

und Boden stampfen, bevor uns ihr Flammenschwert

in Stücke reißt.

Wenn hier kein Umdenken stattfindet, hat

es wenig Sinn, sich über Verkehrsverlagerung

Gedanken zu machen. Dann wird die

Binnenschifffahrt weiterhin ihre Aufgabe als

Tarifregulator führen dürfen. Mehr aber auch

nicht. Das Dumme ist nur, alle anderen Zielsetzungen

hängen unmittelbar mit der Verkehrsverlagerung

zusammen. Alternative

Antriebe in der Binnenschifffahrt werden nur

gebraucht und flächendeckend finanzierbar

sein, wenn es eine Verkehrsverlagerung gibt.

Ebenso eine Verkehrsvermeidung.

Ganz zu schweigen von einer Effizienzsteigerung

der Bahn, die nur möglich ist, wenn

jeder Verkehrsträger das macht, was er

gut kann und zu leisten vermag. Dass die

Binnenschifffahrt klimaschonend arbeiten

kann, zeigen viele Beispiele, die sich wie Inseln

aus dem Verkehrssumpf abheben. Zum

Beispiel im Bereich der City-Logistik, wo bedingt

durch den zunehmenden Internethandel,

uns der Verkehr in den Ballungsräumen

schon förmlich um die Ohren fliegt.


Darauf hat IKEA eine ökologische Antwort gesucht

und gefunden. Jetzt lässt das Unternehmen

die Kunden in Paris von einem Schiff mit

E-Antrieb beliefern. Bis zu 3.000 Pakete/Tag finden

so ihr Ziel. Dabei fährt das Schiff, fast wie

eine U-Bahn, mehrere Stationen in der Stadt

an. Die „letzte Meile“ vom Schiff zum Kunden

machen E-Lasträder – wobei das Netzt schon

so engmaschig ist, dass sie nur rund zwanzig

Kilometer pro Tag fahren müssen.

Ein großes Verlagerungspotential besteht im

städtischen Bereich in der Baustellenlogistik.

Da hat die Binnenschifffahrt schon viel geleistet

und neue Angebote, wie das Beispiel auf

der Loire zeigen, es geht noch mehr. Bei einer

einzigen Baustelle konnten durch den Einsatz

eines neuen Binnenschiffes 240 LKW-Fahrten

eingespart werden. Zunehmend sind auch

die Herausforderungen im Bereich der Abfalllogistik.

Auch deshalb, weil der Raum in

den Städten knapp wird. Hier kann die Binnenschifffahrt

gleich zweifach punkten. Das

schwimmende Lager für Sperrmüll in Lyon ersetzt

25 LKW und hat sich bewährt.

Die Stadt ist schon lange bekannt für seine

nasse Raumordnung und nützt die Wasserstraße

nicht nur für den Transport, sondern auch

für die Lagerlogistik. Weil die Binnenschifffahrt

den Klimawandel schon schmerzlich

zu spüren bekommt und mit großen Schiffen

bei Niederwasser oft kein Betrieb mehr möglich

ist, braucht es alternative Ideen. Das hat

dazu geführt, dass zunehmend kleinere und

flexiblere Binnenschiffe gebaut werden. Damit

kann der Verkehr bei Niederwasser länger

garantiert werden und gleichzeitig wird der

Aktionsradius von kleinen Schiffen wesentlich

größer, weil auch kleinere Flüsse und Kanäle

befahren werden können.

Österreich macht sich auch Gedanken über

den wachsenden Verkehr in der Stadt – seit

2013. Hierorts lautet die Devise von „Zero Emission

Austria“ die Erreichung von Smart Urban

Logistics mit 60 Prozent Emissionsreduktion –

bis 2050 (!) Ob uns Greta bis dahin Zeit lässt?

Bis dahin ist sie selber 50 und wahrscheinlich

längst explodiert. Wien ist mit seiner smarten

City Logistik schon einen Schritt weiter. Man

hat es aber auch nicht besonders eilig.

Gerade wurde den heimischen Logistikern

wissenschaftlich bestätigt, der wachsende

Pakettransport ist eh nicht so schlimm. Dennoch

gibt es schon einen „thinkport VIENNA“ –

quasi ein Großraumlabor für Leute, die urbane

Mobilität spielen möchten. Die bisherige Bilanz:

„Wir machen das, um herauszufinden,

was wir noch herausfinden müssen“. Gut,

dafür hätte zwar auch ein Blick über den Tellerrand

genügt, aber vielleicht hat Greta wenigstens

mit jenen Proponenten ein Erbarmen,

die sich bemüht haben. Als modern und umweltfreundlich

bezeichnet thinkport VIENNA

ein Projekt namens HUBERT, bei dem der

Warenzulauf nach Wien gebündelt und vor

der Verteilung zwischengelagert werden soll.

Früher nannte man das „Hub-and Spoke-System“.

Frei übersetzt, die Ware wird wenig umweltfreundlich

im Kreis geführt.

Im „thinkport BERLIN“ ist man seit geraumer

Zeit der Findungsphase entschlüpft und befindet

sich in der Umsetzung von innovativen

Lösungen. Derzeit baut der Hafen ein emissionsfreies

Schubschiff namens ELEKTRA. Die

umweltfreundliche Antriebsart (Akku + Brennstoffzelle

+ Wasserstoff) wird täglich 100 Km

Reichweite bei einer Geschwindigkeit von

max. 10 Km/h leisten. Mehr als ausreichend

für die City Logistik.

Mark Twain, der alte Mississippi-Lotse hat früh

erkannt: „Das Klima dauert die ganze Zeit,

das Wetter nur ein paar Tage“. Vielleicht hilft

diese Erkenntnis zu Eile im Klimaschutz. Immerhin,

dank António Guterres, der geschockt

von Gretas Rede in New York eingestanden

hat: „Wir reden zu viel und tun zu wenig“, wissen

jetzt alle, was getan werden muss. (PB)

Quelle TU-Berlin EBMS


LOGISTIK express 4/2019 | S22

Deutliche Preissteigerungen im

Weltpostnetz ab 2020

Die Einigung auf neue Netzzugangsvergütungen zwischen den Postbetreibern

auf dem 3. außerordentliche Weltpostkongress 23. – 26. September 2019 in

Genf wird ab 2020 zu deutlichen Preissteigerungen für Warensendungen führen.

Zugleich muss sich der Weltpostverein allen Betreibern und Kunden öffnen.

BEITRAG: WALTER TREZEK

WALTER TREZEK

WALTER TREZEK

GRÜNDUNGSMITGLIED

HÄNDLERBUND-

FACHGREMIUMS

LOGISTIC NATIVE

Die Briefzustellung wird zunehmend

für Warenzustellung bis

2 KG genutzt. Dafür ist aber dieser

Zustellkanal nicht ausgelegt.

Die Zustellung von Dokumentensendungen

ist nur teilweise für eine Warenzustellung

geeignet. Konsequenz ist, dass die

Kosten der Postzustellung in industrialisierten

Staaten, die Endvergütungen, die von

den Postbetreibern in den Staaten aus denen

der Warenbrief versandt wird, bezahlt

werden, übersteigen.

Seit 2016, mit Beschlüssen auf dem Weltpostkongress

in Istanbul, wurden die

Netzzugangsentgelte für Warenbriefsendungen

im Weltpostnetz mit 2018 deutlich

angehoben. Den USA gingen diese

Anpassungen nicht weit genug. Die USA

gab am 17 Oktober 2018 ihren Austritt aus

dem Weltpostverein, mit 17 Oktober 2019

bekannt. Um einen Austritt der USA, die

knapp 40% der gesamten Weltpostmenge

generieren vorzubeugen, kam es ab

Ende 2018 zu einer grundlegenden Überarbeitung

des Endvergütungssystems für

Warensendungen.

Innerhalb von 9 Monaten wurden 3 verschiedene

Varianten erarbeitet. Schlussendlich

einigten sich die Mitgliedsstaaten

unter direkter Beteiligung der US-Administration,

auf ein System in dem der größte

Postbetreiber (die US-Post) ab 2020 Netzzugangstarife

festlegen kann, andere

Postbetreiber über einen Zeitraum von 5

Jahren die Netzzugangsvergütungen auf

bis zu ¾ der nationalen Tarife anheben

können. Die USA bleiben, nach der Einigung

in Genf Mitglied im Weltpostverein.

Die Postbetreiber in den industrialisierten

Staaten werden ihre Netzzugangstarife für

Warensendungen um etwa 15 – 17% pro

Jahr anheben, bis zu einer Höhe von etwa

¾ der Inlandstarife.

Die entstandene de-facto Tarifhoheit der

nationalen Postadministrationen führt zudem

zu einem neuen System bi- und multilateraler

Tarifabsprachen, die tatsächliche

Sendungsmengen und vereinbarte Vorleistungen

berücksichtigen werden. Solche

kommerzielle Tarifvereinbarungen werden

wohl deutlich unter den jetzt festgelegten

Endvergütungen des Weltpostvereins

liegen und von den "großen Postadministrationen"

und deren Kurier-, Express- und

Paketbetreibern, oder auch von den US

Expressdiensten dominiert werden.

Mit den Entscheidungen des 3. ao. Weltpostkongresses

in Genf tritt der Weltpostverein

in eine neue Phase, die zu einer

Digitalisierung der Warenzustellung, einem

weiteren Umbau und zu einer Öffnung

führen kann. Heute werden etwa 70%

aller Warensendungen im Weltpostnetz

transportiert und zugestellt. Diese Netze

sollen allen Betreibern, aber auch deren

Kunden geöffnet werden. Ziel soll es sein,

allgemeine Standards, aber auch die bestehende

Infrastruktur allen, und nicht

nur wie heute, nur den nationalen Postadministrationen

zu Selbstkosten zu öffnen.

Die Beschlüsse dazu werden in den kommenden

3 Monaten vorbereitet und verhandelt

und auf dem nächsten regulären

Weltpostkongress im September 2020 beschlossen.

(WT)


7. Internationaler Supply-Chain-Gipfel

26. – 27. November 2019

auf der

Frankfurt am Main

Fachmesse und Konferenzserie

20. – 22. 11. 2017, Frankfurt am Main

The Supply Chainers

EXCommunity

GE

Management 4.0 –

New Work & Digital Business

New Work – Kultur & Mindsets

Was (er-)schafft die moderne Führungskraft von heute?

Technologie & Innovation in der Supply Chain

Blockchain vs. echte Lösungen? Klartext im Buzzword-Dschungel

Ecosysteme & Netzwerke in der Supply Chainers Community

Was macht Kollaborationen stabil und erfolgreich?

Nachhaltiges Supply Chain Management

Verantwortungswechsel für eine neue First und Last Mile?

Supply Chain Best Practices der Award-Finalisten

Manager und Macher zeigen Details hinter den Kulissen

Interaktive Supply Chain Themenrunde

Warum nachhaltiges Wirtschaften zur Stabilisierung eines

Unternehmens und zur Erfüllung von Kundenerwartungen führt

Diskutieren

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u.a. von:

ADM Europe, AIRBUS Defence and Space, Baker Hughes, BOSCH, Continental,

Digital Hub Logistics Hamburg, evan.network, Evonik, Fraunhofer IML, Freudenberg,

Google Germany, ILS – Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung, Intranav,

Kinexon, Logistik-Initiative Hamburg, Lufthansa Technik Logistik Services, Magazino,

Metrilus, Nokia, parcelLab, PwC Strategy&, Sartorius, shipcloud, Siemens, sustainabill,

Umweltbundesamt, Universität Duisburg-Essen, Voith Group

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LOGISTIK express 4/2019 | S24

Doppelte Schlagkraft für den

digitalen Handel in Europa

Ecommerce Europe und EMOTA vereinen sich und sprechen ab sofort mit einer

Stimme für die digitale Handelsbranche in Europa. Handelsverband-Geschäftsführer

Will leitete die Verhandlungen. BEITRAG: REDAKTION

Die europäischen Handelsverbände

Ecommerce Europe und EMOTA

(The European eCommerce &

Omni-Channel Trade Association),

haben ihren offiziellen Zusammenschluss

bekannt gegeben. Die beiden Verbände

werden unter der Dachmarke „Ecommerce

Europe“ vereint. Die Fusion wird nach einer

Übergangsperiode mit 1. Jänner 2020 voll

wirksam.

"Der Zusammenschluss ist nun perfekt. Ein

wichtiger Tag für den österreichischen und

europäischen Handel, der sieht sich mit enormen

Herausforderungen konfrontiert sieht,

um im Wettbewerb mit den Giganten aus

Asien und den USA mithalten zu können. Wir

haben damit eine einheitliche, starke Stimme

auf EU-Ebene geschaffen, die sich für Europas

Händler in Brüssel einsetzen wird. Die Zeit

ist reif für neue Rahmenbedingungen, die im

zunehmend globalen Wettbewerb 'fair play'

sicherstellen", freut sich Rainer Will, Geschäftsführer

des Handelsverbandes, der mit der vorgelagerten

sensiblen Verhandlungsführung

seitens der EMOTA betraut wurde. Mit einem

prognostizierten europäischen B2C eCommerce-Umsatz

von 621 Milliarden Euro im Jahr

2019 steht der digitale Handel im Zentrum fundamentaler

wirtschaftlicher und gesellschaftlicher

Veränderungen, wie der Digitalisierung,

der technologischen Revolution, der zunehmenden

Vernetzung und einem globalen

Wettbewerb.

Um in diesem dynamischen, herausfordernden

Umfeld erfolgreich zu sein und das

Wachstumspotenzial des digitalen Handels

zu erschließen, werden die beiden Verbände

in Zukunft mit einer einzigen Stimme sprechen,

die sich der Entwicklung des digitalen Einkaufs

in Europa widmet. Durch die Bündelung

der Kräfte und die Zusammenarbeit mit politischen

Entscheidungsträgern auf EU-Ebene

wird der neue Dachverband sicherstellen,

dass der digitale Handel in Europa weiterhin

floriert. Die Ziele: fairer Wettbewerb sowie eine

bessere Durchsetzung und Harmonisierung

von realisierbaren Maßnahmen in Schlüsselbereichen.

"Wir sind sehr stolz darauf, mitteilen zu dürfen,

dass Ecommerce Europe und EMOTA

ihre Kräfte bündeln, um der einzige eCommerce-Verband

auf EU-Ebene zu werden.

Dies ist eine großartige Nachricht für unsere

Branche, die jetzt auf eine stärkere Stimme in

Europa zählen kann", erklärt François Momboisse,

Präsident von Ecommerce Europe.

"Diese 'Fusion' wird es uns ermöglichen, den

Erfolg des europäischen, digitalen Handels

weiter auszubauen und unsere Mission zu verfolgen,

den EU-Gesetzgebern dabei zu helfen,

die bestmöglichen Rahmenbedingungen

für das Wachstum des digitalen Handels

in Europa und darüber hinaus zu schaffen."

Frederik Palm, Präsident von EMOTA, bestätigt:

"Ich freue mich sehr, dass die EMOTA-

Initiative zur Vereinigung beider Verbände

nun auf fruchtbaren Boden gefallen ist und


dass wir in Zukunft mit einer Stimme für die

gemeinsamen Interessen der digitalen Handelsbranche

in Europa sprechen werden.

Dies ist nicht nur ein wichtiger Schritt zur Stärkung

unseres Sektors, sondern auch ein klares

Bekenntnis zu Europa. Durch den Austausch

unserer Erfahrungen, Ideen und Kenntnisse

zwischen den Mitgliedstaaten können wir

unser Fachwissen bündeln. Nur gemeinsam,

als eine einzige Vereinigung, die sich auf die

digitalen Aspekte des Handels konzentriert,

können wir eine echte Wirkung erzielen und sicherstellen,

dass unsere Ideen und Initiativen

in Brüssel Gehör finden."

Der österreichische Handelsverband hat sich

in den letzten beiden Jahren aus diversen

Gründen intensiv um eine Zusammenführung

und Aufwertung der beiden europäischen

Handelsverbände bemüht und sichergestellt,

dass die Mitgliederstruktur überparteilich

ausgestaltet ist. Ebenso war dem österreichischem

Handelsverband besonders wichtig,

dass globale Digitalkonzerne aus Drittstaaten

durch deren Mitgliedschaft nicht direkt in den

höchsten Entscheidungsgremien vertreten

sein können, sondern nur Vertreter, die über

nationale Verbände und damit demokratisch

gewählt werden. Damit soll ein unverhältnismäßiger

Einfluss von einzelnen Großkonzernen

auf die Bildung der Verbandsarbeit und

damit ein derartiges Lobbying möglichst reduziert

werden.

Gemeinsam können die eCommerce-Verbände

ihren Mitgliedern weitere und effizientere

Serviceleistungen anbieten, um

die Entwicklung des digitalen Einkaufens in

Europa und darüber hinaus zu unterstützen.

Der vereinigte Verband wird mehr als 25

nationale eCommerce-Verbandsmitglieder

umfassen und mehr als 100.000 digitale

Shops in ganz Europa vertreten. Das Brüsseler

Büro für Ecommerce Europe befindet sich

weiterhin im Herzen des EU-Viertels, in der

Rue d'Arlon 69-71. (RED)

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LOGISTIK express 4/2019 | S26

Brexit - wann - wie eine

unendliche Geschichte

Kommt es am 31. Oktober zum Brexit oder nicht? Bei Abschluss dieses Artikels

ist dies immer noch nicht klar. Unternehmen sollten die Vorbereitungen auf den

Brexit trotzdem weiter vorantreiben - nicht als notwendiges Übel, sondern als

Chance für eine grundlegende Überholung ihres Lieferkettenmanagement. So

können sie zukünftig schneller und kosteneffizienter auf disruptive Ereignisse aller

Art reagieren. REDAKTION: URSULA SCHMELING

• beide Parteien vereinbaren eine weitere

Verlängerung; der Austritt würde dann wohl

auf den 31. Januar 2020 verschoben;

• das neu ausgehandeltes Austrittsabkommen

wird von beiden Parteien bis zum 31.10.

angenommen und ratifiziert;

• Großbritannien zieht die Entscheidung auszutreten

einseitig zurück.

ARNE MIELKEN

SENIOR GLOBAL TRADE

& CUSTOMS MANAGER,

E2OPEN

Als Boris Johnson am 24. Juli Premierminister

des Vereinigten Königreichs

(VK) wurde, stellte er in

seiner ersten Ansprache an die

Nation klar: Wenn sich die EU und Großbritannien

nicht bis zum 31 Oktober auf ein

Austrittsvertrag einigen könnten, dann würde

sein Land eben ohne einen Deal austreten.

Fünf, Wochen später, am 2. September 2019,

bekräftigte er: „Ich möchte, dass jeder weiß,

dass es keine Umstände gibt, unter denen ich

Brüssel um Aufschub bitten werde. Austritt ist

am 31. Oktober - ohne Wenn und Aber [1] ”.

Inzwischen hat die Opposition im Unterhaus

versucht, diese Pläne zu durchkreuzen.

Die vom Parlament verabschiedete

Benn-Burt-Vorlage zwingt die Regierung, von

der EU einen Brexit-Aufschub zu erbitten, falls

bis zum 19. Oktober kein neuer Deal vorliegt.

Zwar hat Johnson inzwischen einen neuen

Vertrag mit der EU ausgehandelt, aber über

diesen wurde in der Parlamentsdebatte am

19.10. nicht abgestimmt. Wir das Drama ausgeht

ist weiterhin ungewiss.

Wir wissen derzeit nur, dass - rein rechtlich gesehen

- Großbritannien am 1. November 2019

um 00:00 Mitteleuropäischer Zeit die EU endgültig

verlässt, es sei denn:

Dass es noch zu einem Brexit-Deal kommt ist

möglich, aber ein No-Deal Brexit ebenso. Premier

Johnson schwört, er werde keine Verlängerung

beantragen.

Was bedeutet ein „No-Deal“ für EU-GB Lieferketten

?

„No-Deal“ würde für Großbritannien den unwiderruflichen

Ausstieg aus dem gemeinsamen,

europäischen Handelssystem, das seit

mehr als vier Jahrzehnten besteht, bedeuten.

Dieses basiert auf harmonisierten Zoll- und

Handelsregeln ohne Binnengrenzen. Damit

schuf die EU ein Umfeld für Wohlstand und

Wirtschaftswachstum. Die Unternehmen in Europa

konnten sich ein breites, europäischen

Partnernetzwerk von Lieferanten, Subunternehmern,

Logistikdienstleister und Händlern

aufbauen und Waren ohne große bürokratische

Hürden kosteneffizient innerhalb der EU

handeln und transportieren. Die EU-Gesetzgebung

betrifft heute so gut wie alle Geschäftsbereiche:

den innergemeinschaftlichen Handel,

Einfuhr/Ausfuhr (aus/in die EU), Verzollung,

Produktkonformität, Handelsabkommen, Einund

Ausfuhrkontrollen, Compliance, Arbeitsrecht,

Luftfahrt-Landerechte usw. Am Tag

nach dem Brexit gelten diese und tausend

andere Rechtsvorschriften der EU nicht mehr.

Ein „No-Deal“-Brexit bedeutet auch, dass es


keine geordnete Übergangsphase geben

wird. Statt des EU-Rechts werden ab Austritt

nur noch die Regeln der Welthandelsorganisation

(WTO) gelten. Diese sind weniger detailliert

und beschränken sich auf allgemeine

Handelsfragen und -konzepte. Spannungen

und Probleme sind vorprogrammiert.

Was bringt der «Deal»?

Unter anderem eine geordnete Übergangsphase.

Zwar werden an Stelle des EU-Rechts

bestimmte Regeln der Welthandelsorganisation

(WTO) die Handelsbeziehungen des VK

mit anderen Staaten bestimmen, aber daneben

gibt es bereits zahlreiche sogenannte

TAC-Handelsabkommen, die eine gewisse

Kontinuität der früheren EU-Freihandelsabkommen

ermöglichen. Besonders relevant ist

hier die Meistbegünstigtenklausel (MFN-Klausel).

Solange GB kein Freihandelsabkommen

mit der EU unterzeichnet hat, kann es der EU

keine tarifliche oder sonstige Art von Konzessionen

anbieten, ohne die gleichen Vorteile

allen anderen WTO – Mitgliedsländern anzubieten.

Bis auf Weiteres tritt eine befristete Zolltarifregelung

in Kraft, die den EU-Zolltarif abgelöst.

Die Tarifstruktur ähnelt jedoch der der EU. Allerdings

ist unter dem temporären Tarif der Import

von rund 87 % aller Waren zollfrei. Nur auf

13 % der Importwaren werden weiterhin Zölle

erhoben, gelten Kontingente oder andere Importbeschränkungen.

Dies betrifft u.a. Fleisch

und Milcherzeugnisse sowie Fertigfahrzeuge,

Keramik, Dünger und Bioethanol. Details sind

im “UK Integrated Trade Tariff“ online einsehbar.

Die Druckausgabe umfasst drei Bände:

Diese Zollabfertigungsregeln gelten jedoch

nur bedingt für den Warenverkehr zwischen

Nordirland und die Republik Irland. Zwar gehört

Nordirland zum Zollgebiet des VK, aber

GB hatte bereits im März 2019 einen eigenen

und temporäre Ansatz zu Kontrollen, Prozessen

und Tarifen zwischen Irland und Nordirland

beschlossen. Dieser wird im Rahmen der

neuen Vereinbarung am 1. November in Kraft

gesetzt. Die wichtigsten Punkte:

•Es gibt keine Warenkontrollen bei der Einfuhr

aus der Republik Irland nach Nordirland direkt

an der Grenze. Warenkontrollen finden, wenn

überhaupt, bei den Beförderungs- oder Im-/

Exportunternehmen oder an speziellen Orten

hinter der Grenze statt.

•Waren können zwischen Nordirland und

Irland entweder im i) Versandverfahren verbracht

oder ii) mit einem elektronischen Anmeldeverfahren

importiert oder exportiert

werden. In beiden Fällen unterliegen sie so

der zollamtlichen Überwachung, bis sie vom

britischen Zoll als Einfuhr zum zollrechtlich freien

Verkehr abgefertigt oder einem alternativen

Zollverfahren unterzogen werden.


LOGISTIK express 4/2019 | S28

• Der “UK Integrated Trade Tariff“ gilt nicht

für irische Waren, die zwischen der Republik

Irland und Nordirland befördert werden. Das

VK hat beschlossen, den EU-Zollsatz einseitig

anzuwenden, jedoch nur für Waren mit

Ursprung Irland.

• Drittlandswaren, einschließlich und vor allem

jene aus den anderen EU-Staaten, müssen

einem vollständigen Zollverfahren unterzogen

werden sowie den erforderlichen

regulatorischen Kontrollen. Für diese Waren

gilt der britische temporäre Zolltarif.

•Vereinfachungen soll es für KMUs geben.

Details wurden aber noch nicht bekannt gegeben.

• Das VK hat beschlossen, für Waren, die zwischen

beiden Regionen befördert werden,

in GB keine summarischen Eingangs- oder

Ausgangserklärungen zu verlangen. Ob dies

nur für irischen oder alle Waren gilt, ist noch

zu klären.

• Ab dem 1. November 2019 soll auch ein

vereinfachtes Interimverfahren «Transitional

Simplified Procedure (TSP)» gelten, um Importe

aus der EU nach GB schnell und reibungslos

abzufertigen. TSP reduziert die Menge

an Informationen, die beim Grenzübertritt

der Waren bereitgestellt werden müssen.

Stattdessen können die vollständige Zollanmeldung

und die Zahlung der Abgaben im

Nachhinein erfolgen. Um das TSP zu nutzen,

sind eine Anmeldung im eZollsystem und eine

GB EORI-Nummer erforderlich. TSP gilt nur für

den Handel zwischen der EU und GB. Außerdem

gibt es einige Ausnahmen bei der Anwendung.

Zum Beispiel können Zollagenten

oder Zollvermittler TSP-Zollerklärungen nur im

Namen von bereits registrierten Unternehmen

abgeben

• Britische Unternehmen werden in Zukunft

das NCTS-System der EU für den Transport

von Waren im Rahmen der “Common Transit

Convention“ (CTC) nutzen. Die britische Regierung

hatte das Übereinkommen über ein

gemeinsames Versandverfahren unterschreiben,

um Unternehmen zu ermöglichen, Waren

über EU-Grenzen hinweg ohne Zahlung

von Einfuhrzöllen zu befördern, bis die Waren

an ihren tatsächlichen Bestimmungsort ankommen.

Zur weiteren Vereinfachung dieses

Versandverfahren gelten die bereits vom UZK

bekannten Möglichkeiten.

Die Vorbereitungen laufen

Trotz des politischen Hickhacks laufen die Vorbereitungen

auf den Brexit seitens der Unternehmen,

Behörden usw. sowohl in der EU wie

auch in Großbritannien.

Irland wird bei einem ungeregelten Brexit Kontrollen

von Waren und lebenden Tieren in der

Nähe der Grenze zum britischen Nordirland

sowie in Häfen, Flughäfen und bei irischen Unternehmen

durchführen. Die Details werden

derzeit mit der EU-Kommission ausgearbeitet.

Die irische Grenzfrage gehört zu den umstrittensten

Punkten bei dem für den 31. Oktober

geplanten britischen EU-Austritt. Die EU und ihr

Mitglied Irland wollen Kontrollposten an der

Grenze zu Nordirland unbedingt vermeiden,

weil eine neue Teilung der Insel politische

Unruhen auslösen könnte.

Eurotunnel hat für die ca. 5000 Lkw, die täglich

den Channel Tunnel passieren, Terminals

für die Zollabfertigung in Folkestone und Coquelles

eingerichtet. Die Waren im Wert von

rund GBP 130 Mrd. entsprechen 26% des Handelsvolumens

zwischen Großbritannien und

Kontinentaleuropa. Auch in den Häfen auf

beiden Seiten des Ärmelkanals wurden bereits

große Investitionen getätigt und weitere

sind geplant, einschließlich der Ausbildung zusätzlicher

Zöllner.

EU-Firmen mit starker Abhängigkeit vom britischen

Markt sowie britische Firmen mit hohen

Exporten in die EU suchen bereits seit geraumer

Zeit nach neuen Absatzmärkten. Angesichts

der sich abschwächenden Weltkonjunktur

ist dies kein leichtes Unterfangen.

Hohe Kosten

Zwischenlager, die zum ersten Austrittstermin

im April eingerichtet wurden, um Versorgungsengpässe

zu vermeiden, wurden zwischenzeitlich

bereits teilweise wieder abgebaut. Bei

Waren mit Verfallsdatum (Lebensmittel und

Pharmazeutika) entstanden durch die Terminverschiebungen

hohe Schäden. Lagerhaltungskosten

und der notwendige Abbau von


Lagerüberschüssen haben zudem die Gewinne

erodiert. Die Planungsunsicherheit macht

eine Lieferkettenoptimierung schwierig. Gibt

es einen besseren Weg?

Agiles Supply Chain Management ist gefragt

Um schnell und kostenoptimiert reagieren zu

können, ist eine detaillierte Situationsanalyse

nötig:

• Welche Kunden, Lieferanten und Unterlieferanten

sind vom Brexit betroffen?

• Um welche Warenvolumen -werte geht es?

•Welche zusätzlichen Kosten entstehen dem

Unternehmen durch den Brexit?

• Wo könnte es Engpässe in der Lieferkette

geben?

• Wie können Lieferketten verändert werden,

um Störungen zu vermeiden?

Es braucht eine ganzheitliche Übersicht über

das Supply-Chain-Ökosystem, soweit es den

Handel EU-GB betrifft. Nur so können Lieferoder

Produktionsengpässe rechtzeitig erkannt

und Alternativen gesucht werden. Nur

gemeinsam und im regen Informationsaustausch

miteinander können die Handelspartner

die Auswirkungen potenzieller Brexit-Störungen

bewältigen und abschwächen. Für

die notwendige Transparenz und strategische

Entscheidungen braucht es Daten! Brexit-ready

sein, bedeutet mit zeitnahen, genauen

und vollständigen Daten im Supply Chain

Management zu arbeiten.

Das ist leichter gesagt als getan! Die meisten

Unternehmen betreiben mehrere ERP – Systeme,

mit verschiedenen Anwendungen und

arbeiten teilweise noch mit Exel-Tabellen und

manuellen Prozessen. Im Vorteil sind jetzt Unternehmen,

die sich in Vorbereitung auf den

Brexit von Patchwork-IT-Anwendungen losgesagt

und vernetzte End-to-End-Plattformlösungen

eingeführt haben. Diese Firmen verfügen

über die Daten, um die notwendigen

strategischen Entscheidungen zur Lieferkettenoptimierung

nach dem Brexit zu treffen.

Eine “End-to-End”-Lieferkettenplattform, wie

sie u.a. von E2open angeboten wird, unterstützt

nicht nur die Vorbereitungen für den

Brexit, sondern ist auch ein hervorragendes

Instrument zur Bewältigung anderer globaler

Handelsherausforderungen. Dazu zählen protektionistische

Maßnahmen, schrumpfende

Absatzmärkte, Naturkatastrophen usw. Endto-End-Transparenz

bei Lieferketten oder Liefer-Ökosystemen

sind mit und ohne Brexit eigentlich

eine Notwendigkeit um im globalen

Wettbewerb bestehen zu können. (US)


LOGISTIK express 4/2019 | S30

«Grüner» Treibsand bremst

Außenhandel

Die Streitigkeiten im Außenhandel nehmen zu. Bei den Verhandlungen über Freihandelsabkommen

mit den ASEAN-Ländern bieten Palmöl und Recyclingmüll viel

Zündstoff. BEITRAG: ARNE MIELKEN

Die betroffenen südasiatischen Länder haben

sich mit dieser Vorgabe inzwischen arrangiert.

Jetzt aber treiben Pläne für die Ausmusterung

von Palmöl als Biokraftstoff in der EU

bis 2030 sowie Vorwürfe über illegale Abholzungen

von Tropenwäldern für den Anbau

von Palmöl die beiden Hauptproduzenten,

Indonesien und Malaysia, sprichwörtlich auf

die Palme.

Das Einkommen von mehr als 13 Millionen

Menschen hängen vom Palmöl ab. Die südasiatischen

Länder wittern Protektionismus

zugunsten von Soja- und Rapsöl und wehren

sich. Sie drohen mit einem Abbruch der Partnerschafts-Verhandlungen

und Zöllen auf

EU-Importwaren.

ARNE MIELKEN

SENIOR GLOBAL TRADE

& CUSTOMS MANAGER,

E2OPEN

Ob Umweltschutz getriebene,

protektionistische Maßnahmen

etwas Gutes oder Schlechtes

sind, darüber lässt sich trefflich

streiten. Jedes Wirtschaftsabkommen enthält

gewisse Klauseln zum Schutz der eigenen

Wirtschaft, insbesondere der Landwirtschaft.

Doch insgesamt sollen Freihandelsabkommen

(kurz FHA) Zölle und nicht-tarifäre Handelshemmnisse

beseitigen und den Export

von Waren und Dienstleistungen fördern. Seit

2013 unterliegt der Import von Tropenholz in

die EU strengen Beschränkungen. Die europäische

Holzhandelsverordnung (EUTR) schreibt

ausdrücklich eine Prüfung der Legalität

von Holz aus Quellen außerhalb der EU vor.

Lösungsansätze

Die Schweiz hat sich große Mühe gegeben,

den Stolperstein Palmöl bei ihren Verhandlungen

über ein FHA aus dem Weg zu räumen.

Sie unterzeichnete im Dezember 2018

einen Vertrag mit Indonesien mit speziellen

Vorschriften für eine einzelne Produktegruppe:

die Pflanzenöle. Zum einen sieht der Vertrag

Kontingente für den Import von Palmöl

vor, zum anderen ist der Import nicht zollfrei.

Damit ist die Regierung den Schweizer Bauern

entgegengekommen, die ihre eigenen

Pflanzenöle schützen wollen. Über Jahre

verhandelte die EU erfolglos mit dem ASE-

AN-Staatenbund (Vietnam, Singapur,

Sri Lanka, Kambodscha, Thailand, Malaysia,

Indonesien, Brunei, Laos, Myanmar, Philippinen)

über ein Präferenzabkommen. 2009

wurden die Gespräche ausgesetzt. Bilaterale

Konsultationen schienen vielversprechender.

Mit Indonesien wird seit 2016 neu

verhandelt. Im Dezember dieses Jahres

steht die 9. Verhandlungsrunde an. Doch

ein Vertragsabschluss liegt noch in weiter

Ferne, nicht zuletzt wegen des Palmöls.


Müll-Importstopp

Nachdem China 2018 den Import von Plastikabfall

u.a. aus Europa gestoppt hatte, haben

auch einige asiatische Länder wie Indonesien,

Malaysia und die Philippinen nachgezogen.

Zumal vermehrt Material, das bis anhin

nach China ging, bei ihnen landete. 2018

stiegen beispielsweise in Indonesien, laut Angaben

des Handelsministeriums, die Importe

von Kunststoffabfällen im Vergleich zum Vorjahr

von 128 800 auf 320 400 Tonnen.

Alle asiatischen Länder verlangen nun, dass

die Absender der Recyclingmüll wieder zurücknehmen.

Abhilfe verspricht außerdem

eine Ergänzung des sogenannten Basler

Übereinkommens, das den Handel mit gefährlichen

Abfällen regelt. Mitte Mai d.J.

einigten sich mehr als 180 Staaten darauf,

dass Exporteure ab 2021 die Zustimmung von

Empfängerländern einholen müssen, bevor

sie kontaminierten, gemischten oder nicht rezyklier-baren

Plastikabfall verschiffen. Das Abkommen

dürfte den globalen Abfallhandel

weiter einschränken.

Licht und Schatten

Bei den FHA-Verhandlungen gibt durchaus

auch Erfolgsmeldungen. Das zwischen Singapur

und der EU unterzeichnete Freihandelsabkommen

wurde im Februar d.J. im Europäischen

Parlament positiv behandelt und

muss nun nur noch von der singapurischen

Seite ratifiziert werden. Dieser Prozess sollte

bis Jahresende abgeschlossen sein. Die Verhandlungen

mit Vietnam konnten ebenfalls

erfolgreich beendet werden. Am 30. Juni

2019 wurde sowohl ein Freihandels- als auch

ein Investitionsschutzabkommen in Hanoi unterzeichnet.

Jetzt fehlt nur noch die Ratifizierung

durch die Parlamente.

Mit den Philippinen sind seit 2016 Konsultationen

im Gang. Nach der zweiten Verhandlungsrunde

im Februar 2017 wurden erste

Verhandlungstexte online gestellt. Es bleibt

abzuwarten, ob und wann es zu einer Vertragsunterzeichnung

kommt. 2013 hatte die

Europäische Kommission offiziell Verhandlungen

mit Thailand aufgenommen, die jedoch

ein Jahr später stoppten. Seit Dezember 2017

strebt die EU eine Wiederaufnahme der Verhandlungen

an, bisher ohne Erfolg. Die Verhandlungen

mit Malaysia (seit 2010) liegen

ebenfalls seit 2012 auf Eis. Die Friktionen haben

sich durch den Streit um Palmöl und Plastikmüll

noch verschärft.

Digitalisierungsopportunitäten

Zollfreiheit bietet Chancen für den Außenhandel.

Doch es gibt sie nicht gratis. Jedes

Freihandelsabkommen (kurz FHA) ist das Ergebnis

komplizierter Verhandlungen. Es gewährt

Zollreduktionen, zum Teil zeitlich gestaffelt,

doch dafür müssen Unternehmen ganz

bestimmte Ursprungsregeln beachten. Und

jedes FHA unterscheidet sich von anderen in

gewissen Details. Die Anforderungen an die

Unternehmen sind hoch, wenn sie von FHA

profitieren wollen. Sie müssen daher genau

Aufwand und Gewinn abwägen. Dies trifft

auch auf die FHA mit Vietnam und Singapur zu.

Die digitale Transformation bietet Unternehmen

jedoch die Chance, ihre Wertschöpfungsprozesse

transparenter zu gestalten, die

Ausfuhrabwicklung zu beschleunigen und

Vorteile von FHA kosteneffizient auszuloten.

Die Automatisierung von Prozessen von der

Warenklassifizierung und Tarifierung, übers

Compliance-, Lager- und Transportmanagement

bis zur Import-/Exportverzollung reduziert

die Komplexität, verhindert Fehler, senkt

Kosten und erhöht die Wertschöpfung. Innovative

Cloud-basierte Global-Trade-Management

(GTM)-Anwendungen ermöglichen

eine schnelle Einbindung von Lieferanten

und Kunden in Supply-Chain-Ökosysteme.

E2opens intelligente GTM-Applikationen greifen

auf eine Datenbank mit Handels- und

Zollinformationen aus 170 Ländern zu. Mit

ihrer Hilfe können Unternehmen zeitnah auf

Veränderungen im Außenhandel reagieren,

sollten beispielsweise Indonesien und Malaysia

Zölle auf bestimmte EU-Waren erhöhen.

(AM)


LOGISTIK express 4/2019 | S32

EU und EFTA buhlen um Verbraucher

im Mercosur

Am 28. Juni einigten sich die Staaten des Mercosur mit der EU über ein Freihandelsabkommen.

Am 23. August konnte die EFTA ihre Verhandlungen erfolgreich

abschließen. Allerdings sind beide Verträge noch nicht in trockenen Tüchern.

BEITRAG: ARNE MIELKEN

ARNE MIELKEN

SENIOR GLOBAL TRADE

& CUSTOMS MANAGER,

E2OPEN

Nach zwanzig Jahren Verhandlungen

mit Unterbrüchen erfolgte am

28. Juni 2019 endlich eine Einigung

über ein Freihandelsabkommen

(kurz FHA, "Agreement in Principle") zwischen

der Europäischen Union (EU) und den Mercosur-Ländern

(Argentinien, Brasilien, Paraguay

und Uruguay). Am 12. Juli hat die Europäische

Kommission einen Teil des vorläufigen

Vertragstextes (Handelsteil) veröffentlicht.

Dieser unterliegt aber noch einer juristischen

Prüfung ("legal scrubbing") und kann sich daher

noch leicht ändern. Die Zollabbaupläne

der EU und des Mercosur wurden noch nicht

publiziert.

Das FHA ist analog den neuen Abkommen

mit Kanada und Japan breit und umfassend

angelegt. Es deckt nicht nur tarifäre Fragen

(Zoll, Exportsubventionen), sondern auch Regelungen

zu Dienstleistungen und anderen

handelsrelevanten Aspekten wie Investitionen,

Gründung von Niederlassungen, Zugang

zu öffentlichen Ausschreibungen, Arbeitnehmerrechte

und Wettbewerbsfragen ab.

Ein wichtiger Teil ist der Abbau nicht-tarifärer

Handelsschranken, insbesondere unterschiedlicher

technischer Normen und Vorschriften.

Derzeit erheben die Länder des Mercosur relativ

hohe Zollabgaben, die für Kraftfahrzeuge,

Textilien, Bekleidung, Schuhe, Spirituosen

und Softdrinks bei bis zu 35 % liegen, für Wein

bei 27%, für Kraftfahrzeugteile, Chemikalien

und Kekse bei bis zu 18 %, für Maschinen bei

14 - 20 % und für Arzneimittel bei bis zu 14 %.

Mit dem Abkommen sollen Zölle auf 91 % der

EU-Exporte nach und nach reduziert oder

ganz beseitigt werden. Die EU-Einfuhrzölle auf

92 % der Mercosur-Waren sollen ebenfalls gesenkt

oder abgeschafft werden.

Zahlreiche Schutzklauseln

Das Abkommen ist mit verschiedenen Schutzklauseln

ausgestattet. Beispielsweise sollte es

aufgrund der Zollsenkungen zu einem unerwarteten,

erheblichen Anstieg der Einfuhren

kommen, der die inländische Industrie schwer

zu schädigen droht, ist die Einführung vorübergehender

Schutzmaßnahmen erlaubt.

Für Importe in die EU sollen weiterhin die bestehenden,

hohen Standards der Lebensmittelsicherheit,

Tier- und Pflanzengesundheit

gelten. Im FHA wird ausdrücklich das „Vorsorgeprinzip“

beibehalten, wonach Behörden

das Recht haben, zum Schutz menschlichen,

tierischen oder pflanzlichen Lebens oder der

Umwelt zu handeln, wenn nach ihrer Einschätzung

ein Risiko besteht. Dies gilt selbst

dann, wenn keine eindeutigen einschlägigen

wissenschaftlichen Erkenntnisse vorliegen.

Das Abkommen enthält detaillierte Bestimmungen

in Bezug auf Urheberrechte, Marken,

gewerbliche Muster, geografische Angaben

und Pflanzensorten. Der Abschnitt über die

Rechte des geistigen Eigentums regelt auch

den Schutz von Geschäftsgeheimnissen. Die

EU und die Länder des Mercosur verpflichten

sich außerdem das Pariser Klimaschutzübereinkommen,

das Übereinkommen über den

internationalen Handel mit gefährdeten Arten

frei lebender Tiere und Pflanzen (CITES) sowie

UN-Abkommen über die biologische Vielfalt

und Fischereibewirtschaftungsmaßnahmen

wirksam umzusetzen. Organisationen der

Zivilgesellschaft erhalten die Möglichkeit, die

Umsetzung des Abkommens – auch in Umweltbelangen

– aktiv zu überwachen. Ferner

sieht das Abkommen ein neues Forum für eine

engere Zusammenarbeit für einen nachhaltigeren

Ansatz in der Landwirtschaft vor.


Verzögerungen möglich

Bis das FHA in Kraft tritt, wird einige Zeit ins Land

gehen. U.a. muss es noch in alle EU-Amtssprachen

übersetzt, dem Rat der EU (EU-Mitgliedstaaten)

und dem Europäischen Parlament

zur Genehmigung vorgelegt sowie in allen

Mercosur-Ländern ratifiziert werden. Die Entscheidung

im EU-Rat muss einstimmig sein.

In Österreich gibt es allerdings Gegenwind.

Der inzwischen abgewählte Nationalrat hatte

die Regierung Ende September zu einer

Ablehnung des Abkommens verpflichtet. Wie

die zukünftige Regierung abstimmen wird, ist

ungewiss. Auch Luxemburg will gegen das

FHA votieren. In Argentinien könnte es im Dezember

d.J. zu einem Regierungswechsel und

damit zu einem Zurückdrehen der Marktöffnung

kommen. Auch politischer Streit um

Abholzungen im Amazonas und präsidiale

Befindlichkeiten könnten das Inkrafttreten des

FHA noch verzögern. Europäische Bauernverbände

machen weiterhin Front gegen das

Abkommen, da sie trotz Zusicherungen einen

massiven Preisdruck durch minderwertige Fleischimporte,

Gen manipuliertes Getreide, bei

Ölsaaten und Zucker fürchten.

Interessanter Wachstumsmarkt

Der Mercosur zählt rund 260 Millionen Verbraucher.

Das sind nur halb mal so viele wie

in der EU (512 Millionen), aber das jährliche

bilaterale Handelsvolumen der EU mit dem

Mercosur beläuft sich derzeit immerhin auf

rund 88 Mrd. EUR (Waren) bzw. 34 Mrd. EUR

(Dienstleistungen).

Der Wirtschaftsblock wird durch Brasilien

dominiert auf das 80% der Wirtschaftskraft

und der Bevölkerung entfällt.

Die EU führt pro Jahr Waren im Wert von 45 Mrd.

EUR in die Mercosur-Länder aus und importiert

von dort Waren von ähnlichem Wert (43 Mrd.

EUR). Bei den Dienstleistungen sind die EU-Ausfuhren

mehr als doppelt so hoch wie die Einfuhren.

Unternehmen aus der EU erbrachten

Dienstleistungen im Wert von 23 Mrd. EUR für

Kunden im Mercosur, Unternehmen aus Mercosur-Ländern

wiederum Dienstleistungen für

Kunden in der EU im Wert von 11 Mrd. EUR.

Durch Zollsenkungen könnten Exporteure in

der EU laut EU-Angaben jährlich über 4 Mrd.

EUR sparen.


LOGISTIK express 4/2019 | S34

EFTA zieht nach

Am 23. August konnten auch die EFTA-

(Schweiz, Norwegen, Island, Liechtenstein)

und die Mercosur-Staaten ihre Verhandlungen

über ein Freihandelsabkommen in der

Substanz abschließen. Es befreit mittelfristig

rund 95 Prozent der EFTA-Ausfuhren in die

Mercosur-Staaten von Zollabgaben. Zudem

werden technische Handelshemmnisse abgebaut,

der Marktzugang für EFTA Dienstleistungserbringer

erleichtert und die bilateralen

Wirtschaftsbeziehungen generell gestärkt.

Das FHA verhindert eine Schlechterstellung

der Unternehmen im EFTA-Raum gegenüber

denen in der EU. Beide FHA sind sich inhaltlich

sehr ähnlich. Zu den zentralen Punkten des

Abkommens zählen ein weitgehend freier Zugang

für EFTA-Industrieprodukte, Quoten für

ausgewählte Mercosur-Agrarexporte und ein

Patentschutz für Schweizer Pharmakonzerne.

Im Agrarbereich gewährt beispielsweise die

Schweiz für ausgewählte Produkte erstmals

auch bilaterale Kontingente außerhalb ihrer

WTO-Verpflichtungen. Diese Konzessionen

wurden so ausgestaltet, dass sie die Ziele der

Schweizer Agrarpolitik nicht in Frage stellen.

Das Abkommen soll spätestens im Jahr 2021

ratifiziert werden. Es bleibt abzuwarten, ob

es bis dahin die Referendum-Hürde in der

Schweiz erfolgreich genommen hat.

Türöffner IT

Die Komplexität der neuen FHA überfordert

viele kleine und mittlere Unternehmen (KMU).

Internationale Softwarehäuser wie E2open

bieten jedoch ausgefeilte Softwarelösungen

an, die Unternehmen bei der Feststellung

der Dokumentenpflichten und Sonderanforderungen,

der Generierung der notwendigen

Export- und Importdokumente und

beim Dokumentenmanagement unterstützen.

Sie helfen bei der Produktklassifizierung

und Identifizierung der korrekten Zolltarife.

Sie assistieren beim Erstellen und Verwalten

von Ursprungszeugnissen. Und für den Export

von Dual-Use-Gütern bieten sie Unterstützung

bei der Einrichtung rechtskonformer Exportkontrollprozesse.

Die Software vereinfacht

Preisvergleiche auf Einstandskosten-Basis und

hilft bei der Festlegung optimaler Lieferbedingungen.

Sie erhöht das Bewusstsein für Zollvorteile

oder Quotenbeschränkungen und öffnet

die Augen für neue Handelsmöglichkeiten.

Sie reduziert Trade-Compliance-Risiken, spart

Zeit gegenüber manuellen Recherchen und

steigert Supply-Chain-Management-Effizienz

und Supply-Chain-Transparenz. Die E2open

Global Trade Management-Lösungen basieren

auf einer umfassenden, tagesaktuellen

Datenbank. Mit Inkrafttreten des FHA werden

die neuen Zolltarife und andere zolltechnische

Anforderungen automatisch ins System

gespeist. So können Kunden sofort von

den Vorteilen des FHA in Form von niedrigeren

Zollabgaben und Gebühren profitieren.

Fazit

Mit den neuen Freihandelsabkommen hoffen

Europas Politiker, dem Vormarsch Chinas

in Südamerika Einhalt gebieten zu können.

Doch es gibt hier und in den Mercosur-Ländern

noch viele Widerstände zu überwinden.

Gründe sind u.a. die seit Jahren anhaltende

Wirtschaftskrise in Argentinien und Brasilien,

aber auch die lahmende Weltwirtschaft. Die

große Mehrheit der Unternehmen in der EU

und im Mercosur sind KMU. Einigen eröffnen

sich interessante Exportmöglich-keiten, andere

fürchten mehr Wettbewerb. Eine spezielle

Website soll den KMU den Marktzugang erleichtern.

Dies allein wird nicht genügen. Der

stufenweise Abbau der Zollschranken über

mehrere Jahre und komplexe Ursprungsregeln

stellen hohe Anforderungen an die Unternehmen.

Diese sind nur durch eine durchgehende

Digitalisierung der Exportprozesse zu

meistern. Dadurch kann die Zusammenarbeit

mit den Handelspartnern, Zollbehörden und

Verzollungspartnern transparenter, durchgängiger

und kostengünstiger gestaltet werden.

(AM)


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LOGISTIK express 4/2019 | S36

EXCHAiNGE „Management 4.0 –

New Work & Digital Business“

Kosten-, Zeit- und Wettbewerbsvorteile generieren – gar nicht so leicht inmitten

des Digitalisierungsdschungels. Dienstleister preisen ihre Tools. Berater überbieten

sich mit Buzzwords. An Theorien und Szenarien ist kein Mangel. Wirklich angesagt

sind aber praktische Beispiele. Wie kann „der Mensch“ die Fäden in der Hand

behalten? Wie schafft man den richtigen Nährboden für die Saat?

REDAKTION: SABINE URSEL

Der Supply-Chain-Event EXCHAiNGE

steht für Inspiration, Ideen und jede

Menge Aha-Erlebnisse. Hier wird

nicht abstrahiert, sondern Tacheles

geredet. Rund 250 Teilnehmer werden

„benchmarken“. Meint: von tatsächlichen

Erfolgen ebenso lernen wie aus Fehlern.

Termin: 26/ 27. November, Messe Frankfurt.

SABINE URSEL

FACHJOURNALISTIN

Die EXCHAiNGE muss sich nicht mehr beweisen.

Sie ist bereits im „verflixt guten

siebten Jahr“ und längst das bewährte

Austauschforum zum Themenkomplex. Verantwortlich

ist die EUROEXPO Messe- und

Kongress-GmbH (München), die in interaktiven

Formaten zur Reflexion neuer Ideen

und Entwicklungen in der Supply Chain

aufruft. Rund 250 Experten und andere

Wissbegierige aus SCM, Logistik, Einkauf

und Wissenschaft diskutieren über die relevanten

Bausteine einer robusten Supply

Chain, über Technologie, Innovation, Kollaboration,

Nachhaltigkeit, Kultur und Mindsets.

Die Kooperation des SCM-Gipfels mit

der thematisch nahen interaktiven Plattform

Hypermotion (26.-28.11.2019, Messe

Frankfurt) erweitert den Horizont der Teilnehmer

in Richtung Mobilität, Verkehr,

Logistik und digitale Infrastruktur.

Dr. Petra Seebauer, EUROEXPO-Geschäftsführerin

und EXCHAiNGE-Initiatorin, hat ein

Event Design geschaffen, das alle Teilnehmer

einbezieht und nach eindeutigen Aussagen

strebt. Hier wird nicht bloß plakativ von

der Bühne herab referiert. Theorie, Thesen,

erhobener Zeigefinger, vermeintlicher Big

Success – und tschüss ... Diese Art Vorträge

sind auf der EXCHAiNGE nicht erwünscht.

PETRA SEEBAUER

Es geht nämlich auch anders! Erfahrene Impulsgeber

leiten mit Statements ein Thema

ein. Sie fühlen Rednern auf den Zahn und

führen durch – hoffentlich wieder einmal

– kontroverse Diskussionen. Und kontrovers

soll es ja zugehen, denn es gibt schließlich

noch keine fertigen Erfolgsrezepte.

Jedes Unternehmen bewegt sich in unterschiedlichen

Rahmenbedingungen und

legt sein ganz eigenes Tempo vor. Der eine

zaudert, der andere schnellt ohne Rücksicht

auf Verluste vor.

Dass beide „Strategien“ suboptimal sind,

dürfte jedem neutralen Betrachter klar sein.

Für jede Wahl der „Methode“ gibt es Gründe.

Fakt ist aber: Ein stockender Fortschritt beruht

zumeist auf der „menschlichen Natur“,

auf kulturellen Faktoren, über die viele

Geschäftsleitungen allzu gerne schnell hinweg

gehen. Und auch wer meint, Digitalisierung

als reines IT-Thema abhandeln zu

können, manövriert sein Unternehmen unweigerlich

in die Sackgasse. Hier gilt es konse-


quent, aber sensibel vorzugehen. Kein

Wunder also, dass der EXCHAiNGE-

Session New Work – Kultur & Mindsets

(27.11.2019) auch im November

2019 wieder besondere Bedeutung

zukommt.

Was (er-)schafft die moderne

Führungskraft von heute?

New Work: alter Wein in neuen

Schläuchen? „Nein! New Work muss

nichts komplett Neues sein. Man

hat nur endlich erkannt, dass Menschen

durch Vertrauen und Offenheit

geführt werden möchten“, sagt

EXCHAiNGE-Speakerin Kerstin Gliniorz

(Director Supply Chain Strategy EME-

AI bei der ADM Europe GmbH & Co.

KG; Eppelheim/Heidelberg). Grundvoraussetzung

für echte Erfolge seien

professionelle Programme, „die auch

wirklich alle durchlaufen“. Wichtig

sei, dass die Verantwortlichen nichts

aussäßen oder gar meinten, man

habe bereits ein „prima Klima“ geschaffen.

„Firmen, die Change zögerlich

oder gar nicht anpacken, sind

für gute Bewerber nicht attraktiv. Mit

Geld alleine hält man auf Dauer keine

Top-Kräfte. Vertrauensbildung ist

eine Never Ending Story“, so Kerstin

Gliniorz.

Und lässt sich eine neue Kultur auf

rund 20.000 Mitarbeiter in über 60

Ländern übertragen? Das wird Michael

Rendsburg (Chief Operating

Officer FRS, Group Division Paper,

J.M. Voith SE & Co. KG; Heidenheim)

auf der EXCHAiNGE beleuchten. Eine

neue Arbeitsweise innerhalb einer Organisation

zu etablieren, die sich mit

regionalen Kompetenzen dem globalen

Wettbewerb stellt, sei – ganz

klar – „eine riesige Herausforderung“.

Seine Erfahrung: „Um hier erfolgreich

zu sein, muss man verstehen lernen,

wie die jeweilige lokale Organisation

aktuell tickt. Dazu gehört auch, genau

zu beobachten, welche Personen

den größten Einfluss bei Entscheidungen

jeglicher Art haben.“ Ebenso

wichtig seien die formalen Abläufe:

Wie werden Entscheidungen getroffen

und umgesetzt? Jede Kultur

habe andere Bedürfnisse, ihre eigene

Vorgehensweise und eine eigenständige

Vorstellung von New Work.

Alle Kulturen hätten jedoch eines gemeinsam:

„Sie möchte bei dem Prozess

mitwirken und ihr Umfeld selbst

gestalten. Als charaktergebende

Führungskräfte sind wir gefordert:

Leitplanken werden gemeinsam erarbeitet.

Diese unterscheiden sich

aber aufgrund rechtlicher Rahmenbedingungen

zum Teil deutlich“, so

Rendsburg.

Was macht Kollaborationen stabil

und erfolgreich? Mittlerweile gibt es

eine Reihe interessanter Hubs, Acceleratoren,

Inkubatoren und Spin-offs,

die als Benchmark dienen können.

Diese EXCHAiNGE-Session benennt

Treiber und Hemmnisse beim Einsatz

von Digitalisierungstechnologien

und arbeitet heraus, wie sich

Kooperations- sowie Kollaborationsformen

bilden. Motto: kontrollierte

Beschleunigung.

VERVIELFACHT

DIE LAGERFLÄCHE

Blockchain vs. echte Lösungen? Klartext

im Buzzword-Dschungel. In einer

Businessumgebung, die durch Misstrauen,

Macht durch Informationseliten

und enge Entscheidungsvorgaben

geprägt ist, steckt jede Menge

Zündstoff. Erfolgskritische Faktoren:

heterogene Netzwerkpartner, zu teilende

Informationen, Entwicklung

gemeinsamer Standards und Datenstrukturen,

Transparenz, technische

Lösungen, Nutzeneffekte. Diese Session

analysiert erste erfolgreiche An-

Mehrgeschossige

Fachboden

Anlage

Vom Behälter bis

zum Hochregal –

von der Planung bis

zur Inbetriebnahme.

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LOGISTIK express 4/2019 | S38

wendungsfälle.

Verantwortungswechsel für eine neue First

und Last Mile? Klimawandel, CSR und Compliance,

Lieferketten-Interdependenzen im

Zusammenspiel mit ökonomischen Aspekten:

Selbst unter Vorreitern in der Beschaffung

hat nur ein Bruchteil der Unternehmen

volle Transparenz in ihrer Lieferkette. Wer

nur seine direkten Lieferanten kennt, betreibt

kein effektives Risikomanagement.

Die Session nennt Anforderungen an IT-Lösungen,

die eine Zusammenarbeit zwischen

Unternehmen, Lieferanten und Vorlieferanten

forcieren.

Awards 2019: Ausgezeichnete Unternehmenslösungen

Traditionelles Highlight der EXCHAiNGE ist

der Wettbewerb um die besten Unternehmenslösungen.

Am 26. November präsentieren

die Finalisten des Supply Chain Management

Awards ihre Konzepte: Bosch,

Continental, Lufthansa Technik Logistik

Services und Nokia. In der letzten Runde

kämpfen zudem Magazino, Metrilus, parcelLab

und shipcloud um den Smart Solution

Award 2019. Das Besondere: Die Teilnehmer

der EXCHAiNGE voten anhand der

Präsentation für ihre Favoriten. Das Ergebnis

fließt in die Jury-Wertung ein. Die Preisverleihung

erfolgt dann am 27. November

im Rahmen der Award Night. Die Frage

ist also: Wer wird würdiger Nachfolger des

weltweit operierenden Baustoffherstellers

CEMEX (Rüdersdorf bei Berlin) und der

Frachtplattform InstaFreight (Berlin)?

Fazit

Es ist dringend an der Zeit, Erfahrungen zu

sammeln, aus Fehler zu lernen und neue

Partner ins Boot zu holen – interne und externe.

„Veranstaltungen zu besuchen ist

eine Maßnahme; Handlungsanleitungen

aufzugreifen und umzusetzen, ist der nächste

Schritt“, meint Impulsgeber Dr. Volker Hillebrand

(Partner, De Causmaecker GmbH,

Frankfurt) zu Recht.

Weitere gezielte Impulse setzen Bettina

Bohlmann (Managing Partner, 3p procurement

branding GmbH, Düsseldorf), Dr.

Kerstin Höfle (Head of Technology Management,

Körber Logistics Systems GmbH,

Bad Nauheim), Klaus Krumme (wissenschaftlicher

Geschäftsführer, Joint Center

Urban Systems (JUS) der Universität Duisburg-Essen;

Essen) sowie Andrea Walbert

(Geschäftsführerin, PMI Production Management

Institute, Planegg), die mit Teilnehmern

verschiedene taktische und strategische

Supply-Chain-Entscheidungen

für die virtuelle Fruchtsaftfirma „The Fresh

Connection“ durchspielt – eine höchst

spannende Angelegenheit!

Also: Tauschen Sie sich über Hemmnisse,

aber vor allem über belastbare (!) Best

Practice aus. Checken Sie Modelle hinsichtlich

ihrer Belastbarkeit und Übertragbarkeit.

Die EXCHAiNGE sollte man auf gar

keinen Fall verpassen.


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LOGISTIK express 4/2019 | S40

Schaeffler Distributionszentrum -

Für alle Fälle gerüstet

In der Automobilbranche ebenso wie in der Maschinenbauindustrie zählen Qualität,

Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit. Als wichtigster Zulieferer dieser Branchen

ist für die Deutsche Schaeffler Gruppe eine moderne, effiziente Lieferkette unabdingbar.

Darum realisierte die SSI SCHÄFER nun ein neues Distributionszentrum,

das den hohen Anforderungen spielend gerecht wird.

REDAKTION: ANGELIKA GABOR

Bisher versorgte die Gruppe mit ihren

rund 32.700 Mitarbeitern den europäischen

Markt von drei Distributionszentren

aus, um die Supply Chain

bis hin zu den Industriekunden flexibel und

kostenoptimiert zu gestalten. Dazu zählt neben

der präzisen Auftragsfertigung für die

Montagelinien insbesondere die Bedienung

von Ad-hoc Aufträgen der Industriekunden.

Das neue, mit 94.000 m² bebauter Fläche

und 25.000 m² über zwei Ebenen verteilte

Logistikfläche größte und funktional bedeutendste

Europäische Distributionszentrum

EDZ Mitte befindet sich in Kitzingen.

Auf dem etwa 75 Hektar großen Gelände befand

sich früher die US-Liegenschaft Harvey

Barracks. Die neue Anlage stellt das Herzstück

des neuen europäischen Versorgungsnetzwerkes

dar, sie wurde daher auf maximale

Flexibilität, Verfügbarkeit und Efizienz der Prozesse

ausgelegt.

Vollautomatisierter innerbetrieblicher

Materialfluss

Basierend auf den Planungen von Schaeffler

zu Artikelspektren, Auftragsstruktur und Durchsatzanforderung

konzipierten die Intralogistikspezialisten

von SSI SCHÄFER eine hochdynamische

Anlage mit vollautomatisierten

Prozessen von der Wareneingangserfassung

bis zur Versandbereitstellung. Gleich drei

Wareneingangslinien mit integrierten Kontrollwaagen

führen die Paletten von den

Wareneingangstoren zu den Übergabeplätzen,

von wo aus es mit der Elektrobodenbahn

(EBB) weitergeht. Auf einem rund 900

m langen Rundkurs transportiert die EBB die

Paletten entweder an die Einlagerungsstiche

für das Hochregallager (HRL) oder zur Vereinzelung

von Gebinden für die Einlagerung im

Automatischen Kleinteilelager (AKL) an eine

der angebundenen Arbeitsstationen.

Im vollautomatisierten 7-gassigen HRL sorgen

sieben Doppelmast-Regalbediengeräte

(RBG) der energieefizienten Exyz-Generation

für die präzise Ein- und Auslagerung. Ihre Ausstattung

mit doppeltiefem Lastaufnahmemittel

ermöglicht den gleichzeitigen Transport

von zwei Euro- beziehungsweise vier Halbpaletten

– mit einem Durchsatz von bis zu 230 Paletten

pro Stunde. Parallel dazu verfügt das

6-gassige, doppelstöckige AKL über knapp

100.000 Behälterstellplätze. Dort erreichen

zwölf paarweise übereinander eingesetzte

SSI SCHÄFER Miniload Cranes (SMC) eine Umschlagleistung

von bis zu 1.500 Behältern pro

Stunde.


„Maintenance 4.0 for Intralogistics“

Ein zentrales Anliegen von Schaeffler bei der

Planung der Anlage war es, die Anlagenverfügbarkeit

durch eine zustandsbasierte Instandhaltung

und teilautomatisierte Wartung

zu unterstützen. In partnerschaftlicher Zusammenarbeit

haben Schaeffler und SSI SCHÄFER

das Lösungspaket „Maintenance 4.0 for Intralogistics“

entwickelt und im EDZ Mitte

erstmals erfolgreich realisiert. Mit Hilfe dieser

Lösung können ungeplante Stillstände von

systemkritischen Komponenten vermieden

und Instandhaltungskosten gesenkt werden.

58 Schaeffler Smart Checks garantieren die

Zustandsüberwachung der betriebsrelevanten

Antriebe sowohl an den SMC- als auch

Exyz-Geräten und übermitteln die Informationen

zur Visualisierung an die zentrale Informationsplattform

WAMAS® Lighthouse. Darüber

hinaus werden die 2.500 Antriebe für Kettenförderer

und Rollenbahnen auf den insgesamt

1,97 km Förderstrecke mittels „Schaeffler

Concept8“ vollautomatisch geschmiert. Speziell

entwickelte Schmierritzel übernehmen

dabei eine kontinuierliche, bedarfsorientierte

Schmierölabgabe.

WAMAS® & WAMAS® Lighthouse

Während die Logistiksoftware WAMAS® die

innerbetrieblichen Materialflüsse steuert,

dient das Logistikcockpit WAMAS® Lightouse

der Visualisierung der Prozesse und Arbeitsabläufe

und somit der effizienten Gestaltung

dieser. 20 Pick & Pack- sowie zehn Dekonsolidierungsplätze,

insgesamt 30 Multifunktionsarbeitsplätze,

hat SSI SCHÄFER nach dem eigenentwickelten

ergonomics@work!®-Konzept

eingerichtet. So unterstützen unter anderem

Vakuumgreifer, Teleskoptische und individuell

konigurierbare Positionierungen von

Hilfsmitteln und Arbeitsgeräten optimal die

Arbeitsabläufe der Mitarbeiter. Eine weitere

Anforderung von Schaeffler war ein glatter

Vibrationsschweißboden mit Anlaufschrägen

und Bodenbombage für beste Laufeigenschaften,

hohe Inhaltslasten und einen besonders

leisen Transport auf Förderstrecken.

Extra: seitliche, trapezförmige Wasserablauflöcher,

die nicht von der Antirutschmatte verdeckt

werden.

Sequenzierung sorgt für Ordnung

Zur Koordination mit der Palettenware aus

dem HRL werden die Behälter aus dem AKL

den Arbeitsplätzen zur Auftragsfertigung sequenziert

zugeführt. Jedem Arbeitsplatz ist

dafür ein Sequenztower vorgeschaltet, der

mit einem Vorrat von bis zu 20 Behältern für

eine kontinuierliche Materialabgabe an die

Arbeitsstationen sorgt. Über Displayanzeigen,

integrierte Wiegesysteme und Scanner erfolgt

die dialoggeführte Null-Fehler-Auftragskommissionierung.

Die speziell für Schaeffler konfigurierten

Lager- und Transportbehälter LTB

von SSI SCHÄFER bieten eine besonders hohe

Volumenausnutzung, einen verstärkten Unterund

Oberrand sowie vier stabile Eckholme.

Speziell entwickelte Bodenvarianten gewährleisten

einen störungsfreien Transport auf allen

Förderstrecken und ein sicheres Stapeln.

Geschlossene Kreislaufsysteme mit zwei Depalettierrobotern

garantieren die reibungslose

Intercompany-Zulieferung an das EDZ.

„Mit Blick auf die Herausforderungen eines

solchen Projektes und die kurze Realisierungsphase

hatten wir mit SSI SCHÄFER einen kompetenten

Partner an unserer Seite“, zeigt sich

Dr. Jörg Zellerhoff, Fachprojektleiter Logistik

bei der Schaeffler Gruppe, daher auch rundum

zufrieden. (AG)


LOGISTIK express 4/2019 | S42

Wehkamp - In nur 30 Minuten

versandbereit

Mit der zunehmenden Digitalisierung steigen auch die Ansprüche der Kunden.

Besonders im Onlinehandel ist zu beobachten, dass Besteller ungern bereit sind,

länger als einen Tag auf ihre Ware zu warten. Dank des neuen Logistik Service

Centers von KNAPP ist der holländische Online-Lifestyle-Shop wehkamp.nl binnen

30 Minuten nach Bestelleingang versandbereit.

REDAKTION: ANGELIKA GABOR

Einfach, aber effizient

Die von KNAPP für wehkamp.nl entwickelte

Lösung unterstützt nicht nur den rasanten Geschäftszuwachs,

sondern verbessert gleichzeitig

auch den Kundenservice – und ist zudem

trotz der komplexen Anforderungen des

Online-Handels aus operativer Sicht einfach

zu bedienen. Frei nach der KNAPP-Philosophie

making complexity simple. Die Lösung lässt

notwendige automatische und manuelle Prozesse

so harmonisch ineinandergreifen, dass

die Bestellungen innerhalb von 30 Minuten

nach Auftragseingang für den Kunden versandbereit

sind.

SANDER BOLMER

DIRECTOR SUPPLY CHAIN

WEHKAMP

Mit rund 2,7 Millionen Stammkunden

und über 30 Millionen

versendeten Artikeln pro Jahr

ist wehkamp.nl der größte Online-Lifestyle-Shop

Hollands. Das 1952 gegründete

Unternehmen Wehkamp führt mehr als

430.000 Artikel von 2.000 Marken unterschiedlicher

Bereiche und bietet diese bereits seit

2008 ausschließlich online an. Das Versprechen

„heute bestellt, morgen geliefert“ ist

dabei die oberste Prämisse. „Mit der hohen

Zuverlässigkeit, Verfügbarkeit und Durchsatzleistung

dieser Anlage sorgen wir dafür, dass

wir dieses Versprechen erfüllen“, freut sich

Sander Bolmer, Director Warehousing & Distribution,

wehkamp.nl.

Für die Zukunft gerüstet

Wer heute in die Logistik investiert, möchte

damit natürlich auch langfristig gut aufgestellt

sein. Das ambitionierte Wachstumsziel von

200 Prozent bis 2020 machte eine Neuausrichtung

der Distribution, die bisher über die Lager

von Dedemsvaart und Maurik abgewickelt

wurde, nötig. Die Lösung: ein maßgeschneidertes

Distributionszentrum für das Handling

des kleineren Artikelspektrums in Zwolle. Das

neue Logistics Service Center (LCS) Zwolle soll

das weltweit größte Verteillager werden, das

ausschließlich Online-Bestellungen abwickelt.

Im Zuge des großteils bei laufendem Bertrieb

stattfindenden Ausbaus 2017 wurde das

automatische Shuttle-System um drei zusätzliche

Regalgassen und vier Ware-zur-Person-

Arbeitsplätze erweitert, um zusätzliche

79.500 Stellplätze sowie eine erhöhte Durchsatzleistung

zu schaffen. Das skalierbare

Design der Lösung ermöglichte es, solche

Erweiterungen bereits in der ersten Entwurfsphase

zu berücksichtigen.

Intelligentes One-Touch Handling

Bei dieser All-In-Lösung werden abgesehen

von sperrigen Gütern und Hängeware alle


Artikel aus dem OSR Shuttle automatisch

ein- und ausgelagert. Mit seiner doppeltiefen

Behälterlagerung bietet das OSR Shuttle

genügend Lagerkapazität für das umfangreiche

Sortiment von Wehkamp. Es umfasst

insgesamt 21 Regalgassen mit 26 Ebenen,

die insgesamt 546 Shuttles versorgen 556.000

Lagerplätze. Zwei Quergurtsorter verbinden

den Lagerbereich mit dem Kommissionierbereich.

Die Ware-zur-Person-Arbeitsplätze aus

der Pick-it-Easy Serie befinden sich auf zwei

Ebenen und werden mit Waren aus dem OSR

Shuttle versorgt.

Mit dem All-Aisle-Access-Prinzip von KNAPP

kann jeder Auftrag an jedem Arbeitsplatz

bearbeitet und fertiggestellt werden. Dieser

Designansatz ermöglicht es Wehkamp, seine

Systemkomplexität zu reduzieren und Konsolidierung

zu vermeiden, da auf jeden Artikel

von jedem Kommissionierarbeitsplatz aus zugegriffen

werden kann. „Im Gegensatz zu

herkömmlichen Distributionszentren ist unsere

Anlage nach dem Ware-zur-Person-Prinzip

konzipiert, und das macht den entscheidenden

Unterschied aus. Wenn ein Kunde

hier eine Bestellung tätigt, wird diese einem

der 28 Pick-it-Easy-Arbeitsplätze zugewiesen.

Das OSR Shuttle bringt die richtigen Artikel

automatisch zu den Arbeitsplätzen. Darüber

hinaus können unsere Mitarbeiter sechs

Kundenbestellungen gleichzeitig bearbeiten,

wodurch bis zu 12.300 Artikel pro Stunde kommissioniert

werden können“, so Bolmer stolz.

Optimierte Nachhaltigkeit

Da die automatischen Verpacklinien die

Höhe des Versandkartons genau auf den

Füllgrad des Artikels anpassen, erübrigt sich

der Bedarf an Füllmaterial. Gleichzeitig sind

durch die Vermeidung von Hohlräumen die

Artikel im Karton geschützt. Bruchsichere Artikel

und kleinere Aufträge werden in Plastiktaschen

verschickt, wodurch Platz in den Lieferwägen

und somit auch CO2 eingespart wird.

„Wonach wir wirklich gesucht haben, war ein

Partner und nicht ein weiterer Lieferant. Wir

wollten einen Partner, mit dem wir uns über

Strategien austauschen und gemeinsam

Ideen erarbeiten können, um bestimmt Anforderungen

zu erfüllen“, erklärt Bolmer. Und

mit KNAPP hat er diesen Partner gefunden.

(AG)

RENÉ WOLTERS

MANAGING DIRECTOR

KNAPP BENELUX BV


LOGISTIK express 4/2019 | S44

Das Zusammenspiel von Mensch

und Maschine im Lager

Digitalisierung in der Intralogistik ist keine Zukunftsvision. Wir befinden uns mitten

in der vierten Stufe der Industrialisierung: Themen wie IoT, Blockchain, Künstliche

Intelligenz, smarte Roboter oder Schwarmintelligenz sind auch in der Lagerlogistik

angekommen und erhöhen die Flexibilität und Effizienz von Prozessen.

BEITRAG: REDAKTION

FLORIAN SCHORCHT

CONSULTANT SAP EWM BEI

LEOGISTICS

Es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten,

IoT-Komponenten einzusetzen.

Dabei den Überblick zu behalten ist

schwer. Dieser Beitrag umreißt ausgewählte

Digitalisierungsbereiche in der

Lagerlogistik, erläutert eine standardnahe

Integration mit SAP EWM anhand zweier

Beispiele näher und liefert Argumente für

die Digitalisierung von Lagerprozessen.

LOGISTIK ALS WERTTREIBER

Bisher als wertschöpfender Faktor unterschätzt,

können Logistikprozesse heute

durchaus als Werttreiber bezeichnet werden

- als Faktoren für Wachstum und Effizienzsteigerung.

Schon Sensorik und Technologien

der automatischen Identifikation,

autonome Transportmittel in Verbindung

mit automatisierten Lagern und Umschlaginfrastrukturen

ermöglichen eine weitgehende

Selbststeuerung.

SMART LOGISTICS

Der Smart Logistics-Ansatz geht da noch

einen Schritt weiter: Eine Maximale Transparenz

der Logistikkette ermöglicht allen

beteiligten Akteuren, auf Prozessabweichungen

direkt und abgestimmt zu reagieren.

Wichtig ist dabei, die Digitalisierung

(intra-)logistischer Prozesse nicht mit deren

Vollautomatisierung gleichzusetzen. Im

Gegenteil: Es geht um die Vernetzung von


Maschinen und Menschen und den Aufbau

selbstgesteuerter „Regelkreise“, bestehend

aus Sensoren, handelnden Menschen, operativen

Maschinen, der Datenverarbeitung

gesammelter Daten und der Rückmeldung

an Mensch und Maschine.

Anwendungsbereiche von Smart Logistics

in der Lagerumgebung:

VORTEILE DURCH KOLLABORATION UND DEN

AUSTAUSSCH VON ECHTZEITDATEN

Cloudbasierte Dienste für Echtzeit-Verkehrsdaten

und dynamische Routenplanungen

können beispielsweise die Kommissionier-

und Bereitstellungsprozesse

effzienter und termingerechter gestalten.

Durch den Einsatz intelligenter Technologien

können Wartungsarbeiten remote

durchgeführt und gezielter vorausgesagt

werden. Auch die Inventurphasen lassen

sich optimieren. Der Einsatz von Drohnen

oder einer App, welche die Zählung durch

Bilderkennung unterstützt, lässt die Dauer

der Inventur drastisch verkürzen. Wenn

das manuelle Zählen per Hand vielleicht

2-3 Minuten je Artikel dauert, kann ein Foto

binnen Sekunden die Zählmenge digital liefern.

In einem Lager mit mehreren tausend

Artikeln, lässt sich so die gesamte Inventur

enorm verkürzen und produktiver gestalten.

VORTEIL DURCH AUTOMATISIERUNG

Darüber hinaus werden Fahrerlose Transportsysteme

(FTS) im Zuge der Digitalisierung

von Lagerprozessen an Bedeutung zunehmen.

Bei der Entwicklung der FTS spielt vor

allem die rasante Entwicklung smarter Sensorik

eine große Rolle. Durch die verbaute

intelligente Sensorik lassen sich plötzliche

Hindernisse schneller und besser erkennen

und somit umfahren oder auf eine Räumung

des Hindernisses warten. Der Warezum-Mann-Prozess

lässt sich komplett neu

definieren. Milk-Runs lassen sich zwischen

Lager und diversen Arbeitsplätzen zukünftig

über ein FTS abbilden. In Verbindung

mit Wearables, wie einer Smartwatch oder

Smart Glasses, kann der Mitarbeiter die Ankunft

und die Beladung der ankommenden

Transporte anzeigen und kann ggf. Tauschbehälter

oder fertige Bauteile zur Übergabe

bereitstellen.

S/4HANA UND SAP EWM ALS BASIS DER LA-

GERDIGITALISIERUNG

Das erhöhte Datenaufkommen durch die

Verfügbarkeit von Live-Daten und die damit

verbundene Aufbereitung, Auswertung

und Darstellung, im optimalen Fall in Echtzeit,

können durch die S4/HANA In-Memory-

Technologie abgefangen werden. Für die

Integration der Prozessdaten zur Prozessteuerung

und Automatisierung von Nachfolgeschritten

setzt leogistics in Digitalisierungsprojekten

auf eine eigens entwickelte

Standardschnittstelle.

WIE FUNKTIONIERT DIE INTEGRATION MIT SAP

EWM?

Mit der eigens entwickelten Schnittstelle

werden aktuell Protokollarten wie HTT-

P(S), WebSocket und TCP/IP unterstützt.

Als Datenformate kommen JSON, Telegramm-Strings

und XML zur Anwendung.

Weitere Datenformate lassen sich problemlos

integrieren. Je nach Anwendungsfall

oder IoT-Komponente wird die Business

Logic im SAP EWM ausprogrammiert. Zudem

besteht die Möglichkeit, eingehende

und ausgehende Nachrichten direkt an

ein webbasiertes User Interface zu pushen

- ohne zusätzliche Entwicklung. Somit lassen

sich verschiedenste Endgeräte überwachen,

wie zum Beispiel zur Prüfung auf

LKW-Kennzeichen und Containernummern,

Parkplatzbelegung vor dem Lagertor sowie

der Einhaltung von Kühlketten.

Anbindung von externer Hardware und IoT

Geräten an das SAP EWM.

Mittels SAP EWM und den entsprechenden

Boardmitteln haben Anwender eine ganze

Reihe von Automatisierungsmöglichkeiten.

Dazu zählen unter anderem automatische

Paternoster, Hochgeschwindigkeits-Sorter,

Regalbediengeräte mit mehrfachen Last-


LOGISTIK express 4/2019 | S46

aufnahmemitteln und Durchlagerung in die

nächste Gasse, Pickroboter und Palettenwickler

sowie Fahrerlose Transportsysteme.

Einzig die Frage der Übernahme von Funktionen

und die Tiefe der Integration mit der

Hardware sollte vor Beginn der Integration

mit allen Parteien definiert werden.

ANWENDUNGSBEISPIELE

Im hauseigenen leolab forscht und entwickelt

leogistics an Themen, die im logistischen

Umfeld einen Mehrwert liefern. Dazu

zählen zum Beispiel ein auf einem ausgefeilten

Algorithmus basierendes SAP EWM Reorganisationstool,

der Einsatz von Chatbots

und Sprachsteuerung und eine auf KI und

Machine Learning basierende Zähl-App.

INVENTURERLEICHTERUNG DURCH MACHINE

LEARNING

Basierend auf neuronalen Netzen zählt

diese App zum Beispiel die Anzahl von

Rohren oder Stämmen oder jeglicher „angelernter“

Objekte anhand des Querschnitts

oder der Form. Somit wird ein

mühseliger, manueller und fehlerbehafteter

Prozess durch digitale Unterstützung

schneller und sicherer gestaltet.

Produktivitätssteigerung: Unterstützung der

Mitarbeiter bei zeitintensiven und fehleranfälligen

Zählvorgängen.

ARBEITSERLEICHETRUNG DURCH SPRACH-

ASSISTENTEN

Die standardnahe Integration von Alexa

Sprachbefehlen mit SAP EWM wird durch

Prozesscodes ermöglicht. Diese können einfach

mit dem EWM Alexa Skill erweitert werden.

Vordefinierte reale Dialoge machen

das Freihand-Management des Lagers

möglich. Durch Chatbots und nutzerzentrierte

Bildschirmaufbauten und Hilfestellungen

lassen sich Anlernphasen von Mitarbeitern

verkürzen, Schulungen individuell

durchführen oder es werden Systemneuerungen

an den relevanten Stellen erläutert

und führen die Mitarbeiter so zielgerichtet

durch den Prozess. Die Digitalisierung der

Logistikkette bleibt ein entscheidender

Faktor für eine kostenoptimierte logistische

Abwicklung. Die jüngste Herausforderung

liegt hier in der Prozessoptimierung durch

den Einsatz smarter Hardwarekomponenten

und Algorithmen sowie deren reibungslose

und direkte Integration mit SAP EWM.

(RED)


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LOGISTIK express 4/2019 | S48

Vorteile einer automatisierten

Kreditorenbuchhaltung

Die digitale Transformation ist unerlässlich für den Geschäftserfolg von morgen.

Sie ist keine Option mehr, sondern Notwendigkeit. Alle Geschäftsfelder sind betroffen,

insbesondere der Einkauf. BEITRAG: THOMAS KOFLER

THOMAS KOFLER

Account Executive

Schweiz, Tradeshift

Als Einstieg in die digitale Transformation

eignet sich vor allem die

Kreditorenbuchhaltung (AP Accounts

Payable), d.h. die Buchführung

der Kontokorrentbeziehungen zwischen

dem eigenen Unternehmen und externen

Lieferanten und Dienstleistungsanbietern.

Hier wird das Tagesgeschäft häufig noch immer

von Papier und Personal intensiven, manuellen,

fehlbehafteten Prozessen bestimmt.

Die Kreditorenbuchhaltung zählt in vielen

Konzernen zu den ineffizientesten und kostenträchtigsten

Abteilungen in einem Konzern.

Besonders hoch ist der Verwaltungsaufwand

u.a. bei Speditionen und Expressdienstleistern,

die meist Hunderte von Lkw-Unternehmen

beschäftigen. Durch Automatisierung

können Unternehmen den Arbeitsaufwand

und Kosten senken sowie Zeit und Personal

einsparen. Die Rendite entsprechender Investitionen

(ROI = Return on Investment) ist hoch.

Stolpersteine

Warum kommt die Digitalisierung in diesem

Bereich trotzdem nur schleppend voran?

Zum einen geniesst die Kreditorenbuchhaltung

als Nebenzweig der Finanzbuchhaltung

im Bereich Finanzen und Controlling keinen

hohen Stellenwert. Entsprechend schwierig

ist es für die Verantwortlichen, die nötigen

Investitionen bewilligt zu bekommen. Vielen

Finanzkontrolleuren ist nicht bewusst, wie viel

Geld sie mit einer Automatisierung einsparen

könnten und dass die Einsparungen die Investitionen

über Zeit weit überschreiten.

Ein weiteres Problem ist das Silodenken in

grossen Organisationen und die unsichtbaren

Mauern zwischen Buchhaltung, IT und Einkauf.

Naturgemäss hat die Kreditorenbuchhaltung

einen engen Bezug zum Beschaffungswesen,

insbesondere dem Einkauf. Meistens rapportieren

die Bereiche jedoch an unterschiedliche

Führungskräfte und sehen sich daher als Konkurrenten

mit unterschiedlichen Zielen. Es

braucht bei der Einführung von AP-IT-Lösungen

einen langen Atem. Viele Lieferanten

sträuben sich anfangs gegen einen Systemwechsel

hin zu e-Invoicing und e-Payments.

Hier sind Fingerspitzengefühl und Überredungskunst

gefragt.

Softwarefunktionen

Das Angebot technischer Lösungen für eine

Automatisierung der Kreditorenbuchhaltung

ist gross. Ihre Funktionalität wird ständig

verbessert. Waren Supply-Chain-Finance

(SCF)-Lösungen anfänglich auf Grossunternehmen

ausgerichtet, stehen heute KMU im

Fokus. Denn laut Expertenaussagen verfügen

erst 52% über eine SCF-Lösung. Laut einem

Bericht des McKinsey Global Institute vom

Januar 2017 könnte rund die Hälfte aller bezahlten

Tätigkeiten von Mitarbeitenden in

Wirtschaftsunternehmen mit der heute zur

Verfügung stehenden Technologie automatisiert

werden.

Wie funktioniert AP Lösungen? Der Prozess beginnt

mit der Auftragserteilung und anschliessenden

Rechnungsstellung. Akzeptieren Sie

nur noch elektronische Rechnungen von Ihren

Lieferanten! Durch kostenloses Verknüpfen

aller Lieferanten mit einer Multi-User-Plattform

erreichen Sie eine hohe Akzeptanz fürs

e-Invoicing. Wenn der Lieferant die Plattform

auch für eigene Geschäfte nutzen kann, z.B.

den Einkauf von Ersatzteilen unteranderem

wächst die Bereitschaft, digitale Prozesse zum

Standard zu machen.

Mit moderner Software können Sie die gesamte

Rechnungsbearbeitung automatisieren.

Eingehende Rechnungen werden erfasst und

automatisch mit Aufträgen, Vertragskonditionen,

aber auch gesetzlichen und firmen-


internen Compliance-Vorgaben und

Zollbestimmungen sowie Wareneingangsbuchungen/Lieferscheinen

verglichen.

Nach positiver Prüfung werden

sie zur Zahlung frei gegeben markiert

und gemäss den vorgegebenen Zahlungszielen

bezahlt. Die Software erfasst

ebenfalls Gutschriften, verwaltet

offene Posten, archiviert Unterlagen

und füttert Daten in das ERP-System.

Die Mitarbeitenden konzentrieren sich

allein auf die Problemfälle. So lässt sich

die mit Anzahl der mit Rechnungen befassten

Personen reduzieren und die

Durchlaufzeiten im Rechnungswesen

deutlich verkürzen.

Skonti locken

Eine integrierte Procure-to-Pay-Lösung

ermöglicht ausserdem die dynamische

Handhabung von Skonti bei Frühzahlungen.

Der Einkauf/Financial Controller

bestimmt, wie viel Kapital für Frühzahlungen

zur Verfügung steht. Die

Lieferanten publizieren online ihre Standardkonditionen.

Gemeinsam werden

dann die anzuwendenden Konditionen

beschlossen, die bei früher Zahlung

automatisiert angewendet werden.

Für Unternehmen die Skonti auf alle Eingangsrechnungen

erhalten, ergeben

sich signifikanten Einsparungen und höhere

Gewinnmargen. Aber auch mehr

Transparenz, Imagegewinn sowie langfristig,

stabile Partnerschaften mit Lieferanten

sind als positive Nebeneffekte

nicht zu unterschätzen. Mit kürzeren

Zahlungsfristen können Unternehmen

eventuell auch deutlich günstigere

Konditionen im Einkauf aushandeln. Für

langjährige Lieferanten ergibt sich die

Möglichkeit, bei den an die Plattform

angeschlossenen Banken einen günstigeren

Kredit auszuhandeln, da diese

den kontinuierlichen Geldfluss sehen.

Tail Spend

Einkaufsrichtlinien konzentrieren aus

Haftungsgründen traditionell den Wareneinkauf

auf eine beschränkte Zahl

ausgewählter Mitarbeiter. Diese sind für

den Einkauf der wichtigsten Rohstoffe

und Halbwaren verantwortlich. In manchen

Unternehmen werden aber so

kaum 10% der Lieferanten erfasst. Mit

der Einführung einer digitalisierten Zahlungsabwicklung

kann auch anderen

Mitarbeitenden Zugang zu Zahlungsmitteln

(Unternehmens- oder Kreditkarte/p-Karte)

für geringfügigere Ausgaben

(Tail Spend) gewährt werden.

Dabei mag es sich um Reisekosten,

den Einkauf von Dienstleistungen oder

Büromaterial, Kleinteile, Ersatzteile,

Werkzeuge oder andere Waren handeln.Die

Verwaltung solcher Unternehmensausgaben,

d.h. nicht-geschäftskritischer

Einkäufe, ist gewöhnlich

komplex. Moderne Softwarelösungen

übertragen die Kontrolle über solche

Einkaufsentscheidungen den jeweiligen

Budgetverantwortlichen und ebnen

den Weg für einen standardisierten

Genehmigungsworkflow. Dies erhöht

die Transparenz unternehmensweit. Die

Automatisierung der Kreditorenbuchhaltung

steigert nicht nur die Kosteneffizienz

der Buchhaltung selbst, sondern

der gesamten Organisation.

Erfolgreiche Umsetzung

Eine erfolgreiche digitale Transformation

der Kreditorenbuchhaltung gelingt

nicht über Nacht. Sie erfordert Veränderungen

bei Geschäftsprozessen,

Mitarbeitenden und Führungskräften

sowie in der Wahrnehmung der Kreditorenbuchhaltung

und ihrer Bedeutung

für den Einkauf und das Unternehmen

als Ganzes auf der Führungsebene. Die

Einführung neuer Softwarelösungen ist

immer eine Herausforderung. Aber das

Durchsetzen von Verhaltensänderungen

(Change-Management) ist weitaus

anspruchsvoller. Die Software muss

einfach in der Handhabung sein, die

Geschäftsbanken einbinden und sich

problemlos mit ERP-Systemen verbinden

lassen. Mit dem Roll-out der Softwarelösung

sollten neue Jobbeschreibungen

und Zielvereinbarungen für die

betroffenen Mitarbeiter einhergehen.

Aber auch die Lieferanten benötigen

eine Starthilfe.

Mehrwert

Viele Unternehmen haben den digitalen

Wandel inzwischen angestossen

und sind überzeugt, dass dieser nicht

nur das Kundengeschäft, sondern

auch das BackOffice revolutionieren

wird. Der erreichbare Mehrwert wird

immer offensichtlicher. Gleichzeitig

steigt der Bedarf an einer konsistenten

Geschäftsstrategie, die mit definierten

Zielen und Massnahmen unterfüttert ist.

Durch die Automatisierung der Kreditorenbuchhaltung

können Daten bezüglich

Einkaufsverhalten, Ausgaben,

Lieferfristen, Skonti etc. kosteneffizient

und zum Nutzen des Unternehmens

ausgewertet werden (Big Data Mining).

Die Transparenz steigt. Durch bessere

Zahlungsbedingungen avancieren Lieferantenrechnungen

vom Kostenblock

zum Gewinnbeitrag. Statt sich mit der

Rechnungsabwicklung zu befassen,

bekommen Mitarbeitende die Möglichkeit,

sich auf Gewinn steigernde Tätigkeiten

zu konzentrieren. (TK)


LOGISTIK express 4/2019 | S50

Sind Ihre Mitarbeiter fit im US –

Außenhandelsrecht?

Sie exportieren in die USA? Sie importieren Teile oder technisches Know-how aus

den USA? Dann sollten sich Ihre Mitarbeitenden gut im US-Außenhandelsrecht

auskennen. Verstöße können teuer werden. Regelmäßige Schulungen sind unumgänglich.

Beitrag: Redaktion

Exterritoriale Geltung

Einer der Gründe, warum Sie ihre Mitarbeiter

kontinuierlich schulen sollten, ist die

exterritoriale Geltung des US-Exportkontrollrechts.

Während in EU-Staaten, einschließlich

Deutschland, der Grundsatz des freien

Warenverkehrs gilt, sind bewilligungsfreie

Exporte aus den USA eher die Ausnahme.

Zudem kontrollieren die USA ihre Güter im

Handelsverkehr auch außerhalb des eigenen

Territoriums, wo auch immer sich diese

in der Welt bewegen.

Trump ist Ihr Albtraum oder Sie sind ein

Trump-Fan? Wie auch immer. Falls

Sie Handel mit den USA treiben, müssen

Sie sich mit den Auswirkungen

seiner Politik arrangieren. Und dies betrifft

Hunderte von Firmen in Deutschland. Die

Vereinigten Staaten sind der größte Abnehmer

von Waren «Made in Germany». 2018

erreichten die Ausfuhren einen Rekordwert

von 113,5 Milliarden Euro. Auch die Importe

aus den USA sind mit 64,6 Milliarden Euro

bedeutsam. Doch wie gut kennen sich

Ihre Mitarbeitenden im hoch komplexen

US-amerikanischen Handels- und Zollrecht

aus? Alles dem Zollspediteur zu überlassen

ist für Industrie und Handelsorganisationen

nicht ratsam. Denn Rechtsverstöße werden

in den USA mit hohen Strafen belegt.

Das US-Exportkontrollrecht findet u.a. Anwendung

auf Güter, die außerhalb der USA

produziert werden, in denen aber US-Vorprodukte

enthalten, oder die das Resultat

von US-Technologien, Blaupausen u.ä. sind.

Je nach Empfangsland bzw. Empfängerperson

wird zum Teil bereits ab einem wertmäßigen

US-Anteil von 10% ein Gut als US-

Gut betrachtet und entsprechend durch

US-Recht kontrolliert. Das US-Recht folgt der

Ware. Damit müssen US-Regularien auch

von Unternehmen beachtet werden, die

keine Niederlassung in den USA haben,

aber direkt oder indirekt mit US-Produkten

zu tun haben.

Die De-Minimis-Regel gilt nur bei (Re-) Exporten

von Dual-Use-Gütern. Für Rüstungsgüter

oder Luft- und Weltraumtechnologie, die

nicht durch die EAR (Export Administration

Regulations), sondern durch ITAR (International

Traffic in Arms Regulations) kontrolliert

werden, genügt bereits der Einbau einer

einzigen ITAR-kontrollierten Komponente,

um das Gesamtgut der Kontrolle der ITAR

zu unterwerfen, sog. see-through-rule.


Aufmerksamkeit verlangt auch die

Vielzahl der Sanktionslisten bezüglich

Länder, Organisationen und Personen

der US-Behörden. Für Kundenunternehmen,

Lieferanten oder Geschäftspartner,

die in diesen Listen

aufgeführt sind, besteht entweder

eine Meldepflicht an die US-Behörde,

eine Bewilligungspflicht oder sogar

ein Verbot des Geschäfts.

Das US-Exportrecht gilt unter Umständen

auch, wenn ein Unternehmen

Standorte oder Beteiligungen in den

USA unterhält, wenn ein US-Unternehmen

an der Gesellschaft beteiligt

ist oder wenn ein Unternehmen

US-Staatsbürger oder auch nur Inhaber

einer "US-Greencard" beschäftigt.

So kann z.B. ein Vortrag im Ausland

über bestimmte wissenschaftliche

Erkenntnisse durch einen US-amerikanischen

Mitarbeiter eines deutschen

Unternehmens eine Exportlizenz

benötigen („deemed export“).

C-TPAT etc.

Aber auch der Export in die USA ist

nicht hürdenfrei. Die Bestimmungen

des Zollpartnerschaftsabkommens

C-TPAT und der elektronischen Voranmeldung

von Warenimporten

Ich liebe meinen kreativen

Freiraum beim Arbeiten.

Du auch?

sollten bekannt sein. Die Einfuhr von

Lebensmitteln und Pharmaprodukten

in die USA stellt hohe Anforderungen.

Die Vorgaben der amerikanischen

Lebens- und Arzneimittelaufsicht

"Food and Drug-Administration" (FDA)

Ebenso das Ausstellen eines Produkts

im Rahmen einer Messe außerhalb

Deutschlands. Auch der grenzüberschreitende

Versand von Produktbeschreibungen

oder die Information

eines ausländischen Staatsangehörigen

über Merkmale des Produkts können

einen Export nach US-Recht darstellen.

Die Verpflichtungen betreffen

auch deutsche Unternehmen, die lediglich

Produkte und Dienstleistungen

in andere EU-Länder verbringen.

Maria

Head of Final Engineering

KNAPP AG

Besondere Regeln sind ebenfalls bei

den internen Abläufen innerhalb exportierender

Unternehmen zu beachten.

Unter anderem müssen bei der

Produktion bestimmter in den USA gelisteter

Güter besondere Sicherheitsstandards

bezüglich Zutrittes, Organisation

und Auswahl der Mitarbeiter

beachtet werden.

knapp.com/karriere

#weareknapp

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LOGISTIK express 4/2019 | S52

müssen ebenso erfüllt werden, wie die des

US-amerikanischen Landwirtschaftsministeriums

(USDA) und der amerikanischen Zollbehörde

CBP (Customs Border Protection).

Eine richtige, vollständige und schlüssige

Dokumentation ist entscheidend für eine

schnelle, termingerechte Lieferung und

den Zugang zum US-amerikanischen Markt.

Bei verschiedenen Waren muss eine Importlizenz

ebenso wie Adressen und FDA

Registriernummern des Exporteurs, Herstellers,

Importeurs und Empfängers vorliegen.

Der Warenursprung muss lückenlos belegt

werden.

Drawback-Verfahren

Interessante finanzielle Vorteile ergeben

sich für Exporteure, die Waren in den USA

veredeln und dann weiter nach Lateinamerika

oder Kanada verkaufen. Das

Drawback-Verfahren bietet die Option,

bei der CBP die Erstattung von bereits

gezahlten Einfuhrabgaben beim Reexport

veredelter, nicht benötigter oder defekter

Waren („Manufacturing Drawback“,

„Unused Merchandise Drawback“,

„Substitution Drawback“) zu beantragen.

Die Zollbehörde erstattet im Regelfall

99% der gezahlten Einfuhrzölle.

Bei „Unused Merchandise Drawback“ werden

überdies auch die Zollabfertigungsgebühren

(merchandise processing fees)

erstattet. Grundsätzlich ist es am Exporteur

der Einfuhrwaren oder gleichartiger Waren,

die Erstattung zu beantragen.

Spezialschulung tut not

Zahlreiche Firmen, Institutionen und Verbände

bieten in Deutschland Schulungen

im Bereich Exportklassifizierung und -verzollung,

Compliance, Freihandelsabkommen

u.ä. für Fach- und Führungskräfte an.

Die Global Trade Academy von E2open

(ehem. Amber Road, mit Hauptsitz in New

Jersey USA) hat sich vor allem auf USA fokussierte

Themen und den globalen Handel

mit Dual-Use-Gütern spezialisiert. Kostenlose

Webinars zu aktuellen Themen wie neue Gesetzesvorschriften,

Sanktionen oder Zölle,

Brexit und Incoterms 2020 bieten viel Raum

für die Beantwortung individueller Fragen

aus dem Berufsalltag. Seminare und Konferenzen

werden in verschiedenen Ländern

(in Nordamerika, Asien und Europa) sowie

Sprachen zu Themen des internationalen

Handels, Außenhandelsmanagement, Supply-Chain-

Management, Import- und Exportkontrollen,

Zollabwicklung, Freihandelsabkommen,

Präferenzabwicklung und Trade

Compliance Management angeboten.

Darüber hinaus ist die Global Trade Academy

seit Jahren erfolgreich mit Online Trainings

und Präsenzveranstaltungen, die zum

Teil speziell auf individuelle Firmenbedürfnisse

zugeschnitten werden. Zum Schulungsprogramm

gehören auch drei Intensivkurse

mit Abschlusszertifikat. Hier liegt der Fokus

auf global standardisierter HS-Klassifizierung

und Tarifierung, Exportkontrollrecht (USA,

EU etc.) und Drawback-Verfahren (USA).

Zum Selbststudium dient die Lernplattform

„Learning Management System“ (LMS).

Sie gewährt Zugriff auf eine Bibliothek mit

bereits abgehaltenen Online-Seminaren

zum Themenzyklus Handelsrecht Im- und Export.

Das gesamte Schulungsprogramm ist

auf den Praxisalltag ausgerichtet. Die Kurse

kosten zwischen 600 und 3000 USD/Person.

Fazit

Fundiertes Wissen im internationalen Handelsrecht,

insbesondere in Bezug auf Ihre

Lieferländer und Absatzmärkte, ist essenziell

für reibungslose und rechtssichere Geschäftsabläufe.

Angesicht des zunehmenden

Protektionismus weltweit und immer

mehr Vorschriften und Verordnungen im

Welthandel wächst die Bedeutung von

Schulungen, Auffrischungskursen und einer

generellen Sensibilisierung für Trade-Compliance-Themen.

Trade Compliance ist für

Firmen Voraussetzung für nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit,

bringt aber neben der

Strafvermeidung keinen messbaren Wettbewerbsvorteil.

Daher tun sich viele Firmen

schwer, die notwendigen Mittel für Schulungen

bereit zu stellen. Andererseits sind gute

Fachkenntnisse Voraussetzung für die anstehende

digitale Transformation und Automatisierung

aller Geschäftsprozesse. (US)


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geprüft

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LOGISTIK express 4/2019 | S54

Menschen in Bewegung

EDOARDO PODESTÁ

CHIEF OPERATIONS

OFFICER (COO)

DACHSER

Mit Edoardo Podestá übernimmt ein erfahrener

Dachser-Manager die Führung

des weltweiten Luft- und Seefrachtgeschäfts.

Der 57-jährige Italiener ist

bereits 2003 im Rahmen der Führung

des von Dachser übernommenen Joint

Ventures ‚Züst Ambrosetti Far East Ltd.“

in die Dachser-Organisation eingetreten.

Podestá löst damit Jochen Müller

ab, der die Position bisher innehatte.

KAI HANSEN

SENIOR COMMER-

CIAL MANAGER

DP WORLD

Der Logistik-Dienstleister DP World Inland

verstärkt sein Leadershipteam

in Deutschland. Mit Wirkung zum 1.

Oktober 2019 wird der Experte für intermodale

Verkehre, Kai Hansen (52),

seine neue Position als Senior Commercial

Manager aufnehmen und die Vertriebsaktivitäten

für DP World Inland in

Hamburg weiter ausbauen.

ANDREAS KAYSER

HEAD OF GLOBAL

AIR FREIGHT

FREIGHTHUB

FreightHub, die erste digitale Spedition

Europas, hat ihren Luftfrachtbereich in

den vergangenen Monaten deutlich

ausgebaut. Infolgedessen wird der

international bestens vernetzte Logistiker

Andreas Kayser (39) die Führungsebene

als Head of Global Air Freight

erweitern. Der Betriebswirt mit Fachrichtung

Verkehrswirtschaft, Logistik verfügt

langjährige Erfahrung in den Bereichen.

RAINER LIEBHART

AIR CARGO

LOGISTICS

LUFTHANSA INDUSTRY

SOLUTIONS (LHIND)

Rainer Liebhart (44) übernimmt ab sofort

die Leitung der neu strukturierten

Business Unit „Air Cargo Logistics“ der

Lufthansa Industry Solutions (LHIND).

Rainer Liebhart tritt die Nachfolge von

Dr. Peter Rothenberger an, der nach

knapp 30 Jahren Tätigkeit in der Lufthansa

Group Ende des Jahres in den

Vorruhestand gehen wird.

TIM BEAUDIN

CHIEF EXECUTIVE

OFFICER

P3 LOGISTIC PARKS

P3 Logistic Parks, ein europäischer Entwickler

und Investor von Logistikimmobilien,

hat Tim Beaudin als neuen

globalen Chief Executive Officer vorgestellt.

Mit Wirkung zum 1. Oktober

2019 nimmt Goh Kok Huat, der ehemalige

Chief Operating Officer von GIC

(Government of Singapore Investment

Corporation), die Position des Vorstandsvorsitzenden

ein.

INGO BLUM

HEAD MARKETING

SCHÖLER

FÖRDERTECHNIK

Die Schöler Fördertechnik AG stellt

ihr Marketing neu auf und engagiert

Ingo Blum für die strategische Leitung

der Abteilung. Durch die enge Zusammenarbeit

von Ingo Blum und Susanne

Stegmüller, Leitung Kommunikation, soll

das Marketing zur integrativen Instanz

zwischen der Vertriebs-, Verkaufs- und

Technikabteilung des Logistikexperten

werden.

CHRISTOPH HUBER

VORSITZENDER GF

MAN TRUCK & BUS

Zum 01. Oktober 2019 hat Christoph

Huber als Vorsitzender der Geschäftsführung

die Leitung der MAN Truck &

Bus Deutschland GmbH übernommen.

Der Vertriebsexperte folgt damit auf

Holger Mandel, der in den Vorstand der

MAN Truck & Bus SE wechselt. Christoph

Huber leitet seit 2016 den Vertrieb von

Lastwagen und Transportern für MAN

Truck & Bus Deutschland GmbH

JEAN-SÉBASTIEN

DURAND

STRATEGY MARKETING

FRAIKIN GROUP

Jean-Sébastien Durand hat bei der

französischen Nutzfahrzeugvermieterin

Fraikin Group die Leitung der neugeschaffenen

Abteilung “Strategy &

Marketing“ übernommen. Als Mitglied

des Group`s Executive Committee berichtet

er direkt an Fraikin-CEO Philippe

Mellier. Durand war zuletzt Managing

Director von DriveOne.


UPS hat Suzanne Lindsay-Walker zum

UPS Chief Sustainability Officer (CSO)

und Vice President of Environmental

Affairs ernannt. In dieser Funktion folgt

sie Tamara Barker, einer UPS Veteranin,

die 32 Jahre im Unternehmen gearbeitet

hat und kürzlich in den Ruhestand

gegangen ist. Suzanne Lindsay-Walker

wird für Richtlinien und Programme verantwortlich

sein.

SUZANNE LIND-

SAY-WALKER

SUSTAINABILITY O

CHIEF FFICER

UPS

Das Logistik Netzwerk Thüringen (LNT)

hat Margarita Maria Cajamarca Salem

die Leitung der Geschäftsstelle übertragen.

Das Branchencluster soll unter der

Führung der 31-jährigen weiter an Attraktivität

gewinnen und seinen eingeschlagenen

Wachstumskurs fortsetzen.

Zu ihren Aufgaben gehören unter anderem

die Organisation und Weiterentwicklung

.der Branchenthemen.

CAJAMARCA SALEM

LEITUNG

LOGISTIK NETZWERK

THÜRINGEN

Markus Pütz (51) hat zum 1. September

2019 die Position des Chief Commercial

Officer bei der Schenker Deutschland

AG für das Cluster DE/CH übernommen.

Er tritt damit die Nachfolge von Rainer

Götz an, der zeitgleich in den Ruhestand

eingetreten ist. Markus Pütz ist

seit mehr als 20 Jahren bei DB Schenker

und in dieser Zeit in verschiedenen

Positionen im Bereich Sales tätig

MARKUS PÜTZ

CHIEF COMMERCIAL

OFFICER

SCHENKER

Dr. Lars Brzoska hat wie das Amt des

Vorsitzenden des Vorstands der Jungheinrich

AG übernommen. Der 46-jährige

Betriebswirt ist seit 2014 Mitglied

des Vorstandes des Lösungsanbieters

für die Intralogistik aus Hamburg. Bis

Sommer 2018 leitete er erfolgreich das

Vertriebs-Ressort, anschließend übernahm

er die Verantwortung für den

Vorstandsbereich Technik.

LARS BRZOSKA

VORSITZENDEN DES

VORSTANDS

JUNGHEINRICH

Die Trans Global Projects Group (TGP),

ein internationaler Spezialist für Projektlogistik

mit Hauptsitz in England,

hat Martin Ollmann zum zweiten Geschäftsführer

für seine deutschen

Unternehmen Trans Global Projects

GmbH und Natco GmbH ernannt.

Ollmann leitet die beiden Unternehmen

mit sofortiger Wirkung gemeinsam mit

Christian Hager.

MARTIN OLLMANN

GESCHÄFTSFÜHRER

TRANS GLOBAL PRO-

JECTS GROUP (TGP)

Die Geschäftsführung der DPD

Deutschland GmbH bekommt ab sofort

Verstärkung durch Eric Malitzke

(46). Nach einer mehrmonatigen Einarbeitungsphase

übernimmt er Anfang

2020 als CEO von DPD Deutschland

den Vorsitz der Geschäftsführung. Eric

Malitzke war seit 2015 als CEO von

Fiege Schweiz für die internationale

Fiege-Gruppe tätig.

ERIC MALITZKE

GESCHÄFTSFÜH-

RUNG DER DPD

DEUTSCHLAND

Heinz Senger-Weiss (44) kündigt seinen

Rückzug aus der operativen Geschäftsleitung

von Gebrüder Weiss an. Der Geschäftsführer

Air & Sea wird das Transport-

und Logistikunternehmen zum

31. Dezember 2019 aus persönlichen

Gründen verlassen. Zum 1. September

2019 übernahm Dr. Lothar Thoma (52)

seine Tätigkeit bei Gebrüder Weiss im

Bereich Air & Sea.

LOTHAR THOMA

LEITUNG AIR & SEA

GEBRÜDER WEISS

Mit Oktober wird Michael Lütjann Chief

Information Officer (CIO) der Nagel-

Group. Durch die neu geschaffene Position

treibt der Lebensmittellogistiker die

Entwicklung seiner IT weiter voran. Zuletzt

wirkte er als CIO bei Imperial Logistics

International und verantwortete zuvor

als Senior Vice President IT Management

Logistics bei Schenker die globale

IT Organisation.

MICHAEL LÜTJANN

CHIEF INFORMATION

OFFICER

NAGEL-GROUP


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