Namibia-2019

yumpulutz

Selbstfahrer-Rundreise, Windhoek, Waterberg Wilderness, Onguma Bush Camp, Okaukuejo, Hobatere, UUkwaluudhi, Himba Living Museum, Palmwag, Swakopmund, Walfis Bay, Barkha Dune, Bagatelle Kalahari, Düsternbrook, Hosea Kutako

Vorwort

Dies ist hier nun das dritte

E-Book über eine Namibia-

Reise. Ich hoffe, dass es Euch

wieder gefällt und kurzweilig

zu betrachten ist; ich habe daher

wieder ein anderes Layout

gewählt und versucht, es so zu

schreiben, dass es auch die eine

oder andere hilfreiche Info

für Leute, die auch nach Namibia

wollen, beinhaltet.

Ab und zu mag es zum Verständnis

hilfreich sein, sich zumindest

das erste Buch noch

einmal etwas genauer anzuschauen

bzw. zu lesen.

Viel Spaß!

Es ist Freitag, der 13. September,

und unsere Reise beginnt

mit dem üblichen Abendflug

Frankfurt-Windhoek. Alle

Hürden bis auf das Boarding

sind genommen. Da wir noch

viel Zeit haben, lassen wir uns

von gastronomischem Oktoberfest-Charme

einfangen und

steuern das Paulaner-Wirtshaus

an. Bei einem anständigen

Weizen (ohne C2H5OH!)

und einer Quiche Provençale

sitzt es sich dort überraschend

nett. Und irgendwann ist es soweit,

und es geht Richtung

Flugzeug.


Himba Living Museum

Uukwaluudhi

Hobatere

Palmwag

Okaukuejo

Onguma Bush Camp

Waterberg Wilderness

Swakopmund

Duesternbrook

Hosea Kutako AP

Barkhan Dune

Bagatelle Kalahari

Die Reiseroute


14.9

Nach einem recht angenehmen

Flug mit ca. 4 h Schlaf landen

wir wie gewohnt bei Sonnenaufgang

auf dem Hosea Kutako

Airport. Da zwei Maschinen

aus FFM gleichzeitig gelandet

sind, dauert die Abfertigung

etwas, aber wenigstens

sind alle Schalter besetzt, sodass

alles doch recht zügig

vonstatten geht.

Dann anschließend noch etwas

Stress bei der Gepäckausgabe,

weil Andreas Koffer sofort

da ist und es bei meinem

dauert und dauert, bis er endlich

kommt. Des Rätsels Lösung:

In ihrem Koffer finden

wir einen Beleg, dass er geöffnet

und kontrolliert wurde.

Dadurch kam er als letzter ins

Flugzeug und logischerweise

als erster wieder raus.

Was die übrigen notwendigen

Tätigkeiten Geldwechsel

und Mietwagen-Abholung angeht,

hilft uns unsere Erfahrung:

An der Wechselstelle

steht schon eine Schlange, also

erst zur Autovermietung Bidvest,

wo wir sofort drankommen.

Allerdings stelle ich bei

der Wagenübernahme fest,

dass die Reifenprofile ziemlich

runter sind, und moniere das

etwas. Als ich noch erwähne,

dass wir lange drei Wochen

unterwegs sind und u.a. auch

ins Kaokoveld wollen, bekommt

der Angestellte wohl

doch ein schlechtes Gewissen

und gibt uns von sich aus einen

anderen Wagen mit deutlich


esseren Reifen. Wie immer,

haben wir auch einen 2. Reservereifen

geordert, der hinten

auf die Ladefläche kommt.

Während ich mir noch einiges

erklären lasse, geht Andi Geld

wechseln und ist ruckzuck wieder

da; der Schalter ist inzwischen

leer gewesen. Dadurch

sind wir schon um 9:00 fertig

und biegen in die B6 nach

Windhoek ein.

Die Fahrt hat einen hohen

Wiedererkennungswert, es ist

Auf der B1 nach Norden

ein bisschen wie Nach-Hause-

Kommen! In Windhoek verpassen

wir allerdings die Nelson-

Mandela-Avenue, wo wir im

Supermarkt unser Wasser und

Kekse kaufen wollten. Wir fahren

also erstmal weiter den

Schildern nach, die zur B1 nach

Norden weisen und treffen unterwegs

auch noch auf einen

Supermarkt, wo wir einkaufen

können. Wir biegen mal wieder

falsch ab und müssen eine


Schleife fahren, um dann

doch die B1 nach Norden zu

erreichen. Jetzt geht es, zunächst

auf einer 2-spurigen

Autobahn, bei für namibische

Verhältnisse ziemlich starkem

Verkehr, unserem ersten Ziel,

der Waterberg-Wilderness-

Lodge, entgegen.

Zwischenzeitlich überlegen

wir, einen Abstecher zu Saurier-Fußspuren

zu machen,

verwerfen die Idee aber, da

das zu lange dauern würde,

nämlich über 2 h. Wir wollen

jetzt nach Flug und längerer

Fahrt endlich ankommen.

Andrea hat einen Bungalow

auf der Plateau-Lodge gemietet,

was letztendlich bedeutet,

dass wir bis zu unserer

Hütte eine abenteuerliche

Fahrt mit starker Steigung und

sehr engen Kurven bewältigen

müssen. Unterwegs merke ich,

dass die Handbremse nicht

ausreichend zieht, um den großen

Wagen, einen sogenannten

Bakkie (Geländewagen/

PickUp), vor dem rückwärts

Rollen zu bewahren. Das

macht die Angelegenheit natürlich

noch mal etwas stressiger,

aber das Ergebnis lohnt

die Mühe: unser Bungalow mit

Terrasse liegt direkt am Hang

ca. 150-200 m oberhalb der

Ebene, über die wir einen

traumhaften Blick haben.

Nachdem wir uns nach der

Schlüsselübergabe zwei Rock

Shandy* gegönnt haben, lassen

wir uns in die Liegestühle

sinken und genießen Aussicht


und Ruhe, inklusive einiger

Schlaf-Episoden. Nach kurzer

Zeit merken wir, dass wir uns

die Terrasse mit ihrem einge-


Blick von

unserem

Bungalow


auten Privat-Tauchbecken mit

einigen Klippschliefern teilen,

die, wenn wir uns ruhig verhalten,

unseren „Pool“ als Trinkwasser-Reservoir

nutzen. Da

der Wasserspiegel weit unter

dem Beckenrand steht, müssen

sich die Tiere ganz schön

recken, um ans Wasser zu

kommen. Weil Andrea denkt,

dass das Wasser für Vögel unerreichbar

ist, stellt sie einen

mit Wasser gefüllten Aschenbecher

neben das Becken. Allerdings

wird der von ihnen

hartnäckig ignoriert; sie turnen

und verrenken sich lieber, um

doch aus dem Becken zu trinken.

Irgendwann wird es kühl,

und wir begeben uns zum Din-


ner in den Restaurantpavillon,

der ca. 200 m neben und ca.

15 m über unserem Bungalow

liegt. Das Essen ist, wie befürchtet,

reichlich: Suppe,

Hauptgericht, Salat, Nachtisch.

Anschließend ist „nur“ noch

Nachtruhe angesagt.

Nachtrag: wie konnte ich das

vergessen: Diesmal begrüßten

uns bereits an der B 6 vier Giraffen,

die hinter dem Zaun eines

Lodgegeländes standen.

Unterwegs trafen wir noch die

übliche Straßenrandfauna: Paviane

und später jede Menge

Warzenschweine. Außerdem

sahen wir einige Strauße und

einen Kudu.

Deutschland ist schon wieder

sehr weit weg!

15.9.:

Bis 5:00 tief und fest geschlafen,

dann ist die Nacht mehr

oder weniger vorbei. Erstens

habe ich für meine Verhältnisse

schon lange genug geschlafen,

zweitens nervt mich ein

Geräusch, das wohl von einem

auf dem Dach drehenden

Stromerzeuger stammt. Aber

um 6:30 müssen wir, d.h. eigentlich

nur Andrea, sowieso

aufstehen, weil sie einen Rhino

-Tracking-Walk gebucht hat,

der um 8:00 beginnt. Natürlich

wäre ich auch gerne mitgegangen,

aber meine miese Kondition

und Gelenke machen da

nicht mehr mit.

So geht der Tag, nachdem

Andrea verschwunden ist, für

mich mit Ruhe und Vogel– und


Kapammern

Steinschmätzer


Auf der

Waterberg

Plateau-

Lodge


Afrikanischer

Steinbock

mit Ricke


Klippschlieferbeobachtung und

deren Fotografie sowie Tagebuchschreiben

und Lesen weiter.

Als Überraschungsgäste

kommen noch ein Steinböckchen

und seine Ricke vorbei.

Ansonsten genieße ich die Muße

und die ‒ noch ‒ angenehme

Temperatur.

Pünktlich gegen 12:00 taucht

Andrea wieder auf und ist

ziemlich platt, da sie mit ihrer

Wandergruppe etliche km in

der Sonne marschiert ist. Sie

sind sehr nahe an einige Giraffen

rangekommen und dann

auf eine Gruppe von vier Rhinos

(Breitmaulnashörner) getroffen,

später noch auf eine

Mutter mit Baby. Die Rhinos

werden aufgrund der aktuellen

Trockenheit mit Heu gefüttert

und, wie wir später noch erfahren,

wegen drohender Wilderei

durchgängig bewacht.

Die Tiere sind so an Menschen

gewöhnt, dass man sehr nahe

rangehen kann.

Nachdem Andrea bei einem

Rock Shandy* berichtet und

sich ausgeruht hat, relaxen wir

noch etwas und werden dann

um 16:00 am Restaurant zum

Rhino Drive abgeholt, der dasselbe

Ziel wie der Walk hat,

nur eben motorisiert.

Nach einer fast einstündigen

Fahrt ohne nennenswerten

Tierkontakt treffen wir dann

auf die Andrea schon bekannte

4er-Gruppe und dürfen, was

völlig neu für mich ist, in einer

Entfernung von ca. 15 m aussteigen

und ‒ sozusagen auf


Breitmaulnashornkuh mit 9 Wochen altem Kalb

(White Rhino)


Augenhöhe ‒ nach Herzenslust

fotografieren, während diese

imponierenden Riesen sich

überhaupt nicht um uns kümmern.

Nach ausführlichem Fotoshooting

heißt es dann wieder

einsteigen und zum Standplatz

einer jungen Rhinomutter und

ihres 9 Wochen alten Kalbs

fahren. Mittlerweile sehen wir

auch anderes „Game“: Giraffen,

Red Hartebeests (=Kuhantilopen),

Blue Wildebeests

(Streifengnus), Strauße, Warzenschweine

und einen Schakal.

Nach einigen, wohl beabsichtigten,

Umwegen treffen

wir dann auf Mutter und Kind.

Von weitem bietet sich uns ein

idyllisches Bild, aber als die

Beiden dann plötzlich direkt

auf uns zusteuern, steigt mein

Adrenalinpegel doch etwas in

die Höhe. Sie biegen aber

merkwürdiger- und für mich

gleichzeitig erfreulicherweise

ca. 10 m vor uns zur Seite ab.

Natürlich wird auch hier so

manche SD-Card voller. Nach

einer halben Stunde geht es

dann Richtung „Heimat“, wobei

uns wieder einige Tiere Guten

Abend wünschen. In der

Lodge angekommen, ist es Zeit

zum Abendessen. Heute gönne

ich mir ein Glas Rotwein und

verzichte gleichzeitig auf Rote-

Bete-Salat und Nachtisch. Anschließend

geht es recht

schnell in die Waagerechte.

*Rock Shandy: National-Erfrischunggetränk,

bestehend aus Limonade,

Mineralwasser und etwas Angostura


Natürlich gibt es hier

nicht nur Nashörner,

sondern z.B. auch

einen Wasserbock

Giraffen sind

die Einzigen, die

bei der aktuellen

Trockenheit noch

ohne Zufütterung

überleben können


oben: sunset

unten: Glasfront

des Restaurants


Blick zum

Waterberg


in der Nachbarlodge tanken

können, entscheiden wir uns

für die Fahrt über D-Pads, d.h.

über Sand- und Schotterstraßen,

über Otavi und Tsumeb

nach Onguma. In Tsumeb finden

wir aber den gewünschten

Abzweig nicht, sodass wir uns

dann doch für die B1 und die

direkte Zufahrt nach Etosha

entscheiden.

16.9.:

Auch heute stehen wir früh

auf, weil die Weiterfahrt zum

Onguma Bush Camp ansteht.

Nach dem Frühstück heißt es,

die ziemlich steile und mit

Haarnadelkurven versehene

Abfahrt zu bewältigen, was

sich aber im Gegensatz zur

Auffahrt als völlig problemlos

erweist. Wir sind uns noch unschlüssig,

welche Strecke wir

fahren sollen; nachdem wir

aber den nötigen Diesel bereits

In Onguma ist dann wieder

alles sehr vertraut, allerdings

bekommen wir diesmal einen


Bungalow ohne Abzäunung zur

Wildnis. Zunächst setzen wir

uns auf zwei Rock Shandies in

die Bar mit direktem Blick auf

das Wasserloch und genießen

die Ruhe. Leider lässt sich die

ganze Zeit bis auf ein einzelnes

Impala-Pärchen kein Wild blicken,

nur jede Menge Graulärmvögel

toben umher. Auch

während des leckeren Abendessens

– wir haben uns wieder

einen wunderschönen

Platz direkt am Wasserloch reservieren

lassen – tut sich in

dieser Richtung leider gar

nichts. Und so begeben wir uns

bald wieder ins Bett. Viel später

haben wir übrigens gehört:

„ein namibischer Farmer ist

vor Mitternacht im Bett – und

Mitternacht ist in Namibia um

Zehn“.

Nachdem ich noch das Inlett

aus dem Bezug gezogen habe –

habe ich eigentlich schon erwähnt,

dass es hier namibisch

heiß ist? –, schlafe ich tief und

fest.

17.9.:

Heute ist ein toller Tag! Beim

ersten Hinaussehen aus dem

Bungalow am Morgen begrüßen

uns zwei Gruppen Impa-


Impalas vor

unserer Hütte


las, die sich am Wasserloch

merkwürdiger Weise nur sehr

kurz aufhalten (schon fertig getrunken?)

und dann sehr entspannt

und gemütlich wieder

im Busch verschwinden.

Nach dem Frühstück teilt mir

Andrea mit, dass sie bis in den

späten Mittag vor dem Bungalow

zu relaxen gedenkt, was

wir dann auch

tun. Ich schreibe

zunächst weiter

mein Tagebuch

und beginne anschließend

ei-


nen Namibia-Thriller. Andrea

bekommt einen von denen, die

ich schon auf dem iPad habe.

So vergeht einige Zeit, bis

sich langsam immer mehr Warzenschweine

am Wasserloch

versammeln, so um die acht,

wovon uns ein Teil im Lauf der

Zeit recht nahe kommt, um

dann an uns vorbei hinter unserem

Bungalow aus unserem

Blickfeld zu verschwinden. Da

ich sie direkt hinter unserer

Hütte vermute, muss ich doch

etwas Mut zusammen nehmen,

um irgendwann durch

die Verbindungstüre zu gehen

– nur um festzustellen, dass

die Mischpoke längst verschwunden

ist.

Inzwischen ist es dann auch

Mittag geworden und Zeit,

nach Etosha aufzubrechen.


Warzenschweine vor unserer Hütte


Im Etosha

Nationalpark


Zunächst kommen wir an ein

Wasserloch, von dem sich leider

gerade vier Elefanten verabschieden.

Das nächste ist lediglich

eine Tränke mit ein paar

Zebras, gefolgt von einem ausgetrockneten

Loch. Später wird

es dann langsam besser, wir

treffen auch unterwegs etliches

Wild: Zebras, Gnus, natürlich

jede Menge Springböcke

und Impalas. Irgendwann entschließen

wir uns, eine Seitenstraße

mit reichlich Unebenheiten

und Schlaglöchern zu

nehmen, an deren Seite uns jede

Menge Giraffen begegnen.

Als wir am Wasserloch ankommen,

sehen wir – zunächst

erstmal gar nichts. Andreameint

aber, dass sich in einiger

Entfernung etwas bewegt. Dieses

Etwas entpuppt sich im

Fernglas als zwei Löwinnen mit

zwei Jungen, schätzungsweise

8-12 Wochen alt. Das ist natürlich

das Highlight des Tages!

Noch dazu sind wir beide mit

den Löwen ganz alleine, sodass

wir das Schauspiel in aller Ruhe

genießen können. Wir bleiben

so lange, bis sich die Löwinnen

entschließen, weiter zu

wandern. Jetzt wird es auch

langsam Abend, die Stimmung

wird noch ruhiger. Aber so, als

ob sie uns „Gute Nacht“ wünschen

wollen, kreuzen noch alle

möglichen Tiere außer Elefanten

unseren Weg. Wir müssen

uns leider beeilen, um

rechtzeitig vor Schließung den

Park zu verlassen. Um 18:30

sind wir wieder im Onguma


„Unsere“ ersten beiden

Löwinnen am hellichten Tag!


Kuhantilopen

(„Red Hartebeests“)


Wie kommt der

Springbock an den

Dornen vorbei?

Giraffe an

den Blüten

des

Kameldorn


Wasserverlust


Action!


Straußenhenne

Im Busch


Einzelgänger

en passant


Bush Camp, um kurz darauf

wieder unser Dinner kredenzt

zu bekommen. Danach sitzen

wir noch kurz vor unserer

Hütte und meditieren in den

dunklen Busch. Aber bald

übermannt uns die Müdigkeit,

und wir sinken in die Betten.


18.9.:

Für mich ist kurz nach 4:00 die

Nacht vorbei, und ich verbringe

die Zeit bis zu Andis Wachwerden

wieder mit dem Lesen

eines in Namibia spielenden

Krimis. Um 6:45 stehen wir auf,

und nachdem uns wieder einmal

ein Rudel Impalas begrüßt

hat, packen wir grob vor. Dann

geht‘s zum Frühstück. Anschließend

folgen die Feinabstimmungen

des Packens, und

wir verabschieden uns von

Onguma. Mir fällt es schwer;

Onguma ist meine Lieblingslodge.

Heute geht es über verschiedene

Wasserlöcher von Etosha

nach Okaukuejo. Die jeweilige

Ausbeute ist unterschiedlich,

insgesamt treffen wir auf größere

Herden Gnus, Impalas,

Springböcke und Zebras, auch

viele Strauße und einige Giraffen

bekommen wir zu sehen.

So massiv haben wir den

Wildreichtum von Etosha an

dem trockenen Pfannenrandbereich

nicht erwartet. Trotzdem

drängt Andrea langsam

darauf, in Okaukuejo anzukommen

und einzuchecken, was

wir dann auch tun. Gegen

16:30 sind wir damit fertig,

woraufhin sie gerne noch zwei

Wasserlöcher in der Umgebung

abfahren möchte. Kurz

nach dem Losfahren gibt es ein

kleines Problem: Andrea

meint, Okaukuejo hätte bis

18:50 offen, während ich mir

ziemlich sicher bin, dass es

schon um 17:50 schließt, was


An einem

kleinen Wasserloch


Zebras

beim Trinken,

in Aufruhr und

auf der Flucht


sich nach nochmaligem Nachfragen

als richtig erweist. So ist

unsere Zeit begrenzt. Das von

uns zuerst angefahrene Wasserloch

ist ausgetrocknet, und

dann weise ich Andrea auch

noch den falschen Weg, sodass

wir uns lediglich an dem langsam

abendlich werdenden

Licht und der Weite der Landschaft

erfreuen können. Dafür

warten dann noch zwei Überraschungen

auf uns: Als wir am

Wasserloch von Okaukuejo ankommen,

stehen da schon sage

und schreibe elf Giraffen

und führen den üblichen Ichkann-

mich- nicht- entscheiden

- ob- ich- mich- ans- Wasserloch-

traue- oder- nicht-

Tanz auf. Letztendlich holen

sich aber doch alle ihren Sundowner

und verschwinden

nach einer gewissen Zeit wieder.

Anschließend bekomme

ich noch einen trinkenden

Raubvogel auf den Sensor, und

bis zur Abendbrotzeit bestimmen

dann noch fünf Elefanten

das Geschehen.

Beim Einchecken hatte uns

Andrea zum Abendessen angemeldet.

Wir müssen erst nach

unserer Tischnummer (die

nicht die Zimmernummer ist)

fragen und den Tisch suchen.

Dann wird die Getränkebestellung

aufgenommen, Essen gibt

es am Buffet. Andrea findet

das Fleisch sehr köstlich, und

auch ich habe an der Qualität

des Essens nichts auszusetzen.

Danach geht sie nochmal ans

Wasserloch, während ich diese


Zebrafohlen


Kinderstube

bei

Gnus und

Elefanten


Spitzmaulnashorn

(„Black Rhino“)

im Schlammbad


Spiegelungen am Wasserloch...


Giraffenversammlung am

Wasserloch von Okaukuejo


...mit Ente


Späte

Besucher


Zeilen bei Verandalicht zu Papier

bringe. Als ich schon lange

im Bett bin, kommt sie zurück

und ist voll toller Erlebnisse am

Wasserloch: Eine Elefantenherde

hat ihre Jungen vor zwei

herumstreichenden Löwinnen

geschützt, indem sie eine Art

Wagenburg gebaut und die

Kleinen in die Mitte genommen

hat. Später sind dann

noch zwei Elefantenbullen und

zum Abschluss eine Hyäne gekommen.

Kurz vor 7:00 kommt Andrea

dazu und ist quicklebendig. So

gehen wir frühstücken, um

dann auch früh loszufahren.

Ich zähle jetzt nicht mehr die

19.9.

Heute Morgen verlasse ich das

Bett kurz vor 6:00 und gehe

zum Wasserloch. Dort trinken

gerade drei Tüpfelhyänen, ansonsten

ist es ruhig mit einer

schönen Morgenstimmung.


einzelnen Wasserlöcher auf,

weil wir auch auf dieser Fahrt

den ganzen Tierreichtum Etoshas

zu sehen bekommen.

Löwen sind diesmal zwar nicht

zu sehen, aber einmal stoßen

wir auf ein völlig verkeiltes

Knäuel Autos. Wir halten ebenfalls

an (man kommt ja nicht

durch) und fragen bei einem

neben uns stehenden Auto

nach, was los sei. Die Antwort:

„Leopard“. Während wir schauen,

wo er sein könnte, läuft die

Katze plötzlich direkt vor unserem

Wagen über die Straße


verabschieden…

Steinbockricke


und in den Busch. Wir schaffen

es gerade noch so, 3-4 Fotos zu

schießen.

So, mittlerweile ist es 18:15,

und wir sitzen wie hier üblich

in der Abendsonne am Wasserloch

und harren der Tiere,

bis das Dinner uns ruft.

Was gab es heute noch zu

sehen? Graue und weiße Elefanten

(durch Bestäuben mit

weißem Kalkstaub bzw. Baden

in weißem Schlamm). Zum

Schluss ging es noch zum Wasserloch

am Anderson Gate, wo

gerade ein Rudel Impalas verschwand

und danach nichts

mehr passierte. Zu unserem

Glück machten wir auf der

Rückfahrt noch einen Schlag

durch die Wildnis, was uns den

Kontakt mit zwei Raubvögeln

und einem Rhino, das direkt

am Weg stand, einbrachte. Mal

sehen, was jetzt noch kommt.

Das Fazit unseres bisherigen

Etosha-Aufenthalts: tiermäßig

wurden alle Wünsche erfüllt;

auch Okaukuejo war diesmal in

keiner Weise ein Tiefpunkt, im

Gegenteil! Allerdings waren

wir überhaupt nicht glücklich

über den massiv zunehmenden

Verkehr dort; ja, ich weiß,

wir gehören auch dazu, und

trotzdem ist es uns inzwischen

zu viel Trubel hier. Außerdem

sind die mehrere Kilometer

langen Zufahrten zu den Wasserlöchern

teils so mit Schlaglöchern

übersät, dass das Unterwegssein

sehr anstrengend

ist. Wir fürchten, dass wir uns

innerlich von diesem Etosha


Breitmaulnashorn („White Rhino“)


Gabarhabicht


Ohne

Worte...


20.9.:

Tag der Aufregungen, positiv

und negativ: Wir wollen heute

über den uns bisher nicht zugänglichen

Westteil Etoshas

zum Galton Gate fahren, weil

es von da keine 20 km mehr

bis Hobatere, unserer nächsten

Lodge, sind. Wir kommen gut

los und genießen den guten

Zustand der Straße nach Westen.

Die ersten Wasserlöcher

lassen wir aus Zeitgründen aus

Etosha-Elefant,

nach dem Kalkschlammbad

Kampfadler


man direkt auf ein Wasserloch

schauen und die gesamte anwesende

Fauna hautnah beobachten

und fotografieren

kann.

und treffen dann an nahe an

der Straße gelegenen Wasserlöchern

die üblichen Verdächtigen:

Gnus, Zebras, Impalas,

Springböcke, Oryx, Strauße, Giraffen.

Außerdem eine Elen-

Antilope, 2 Geier, 2 Adler. Unterwegs

kreuzen wir noch die

Wege einiger Elefanten und Giraffen.

Schneller als gedacht

erreichen wir Olifantsrus, wo

wir etwas wunderschönes erleben:

Dort gibt es einen Hide,

also ein Gebäude, von dem aus

Insgesamt gefällt uns der westliche

Teil viel besser als der,

den wir bisher kannten; landschaftlich

– die Erde hat zum

großen Teil Andreas Lieblingsfarbe,

nämlich das Rot der Kalahari,

es gibt noch etwas

mehr Gras – und auch sonst:

erstens ist hier viel weniger


In

Olifantrus


Kniefälle


Streifengnus

(Blue Wildebeests)


Im Kampf– und Erregungsmodus


Verkehr, und zur Krönung bekommen

wir, wenn auch ziemlich

durch Gesträuch getarnt,

ein Löwenpärchen direkt am

Straßenrand vor die Linse.

Anschließend geht allerdings

der Dysstress los: Die Ölkontrolllampe

flackert, 20 km vor

dem Gate, und wir wissen

nicht, was wir tun sollen; letztendlich

entschließen wir uns,

das Risiko einzugehen und weiter

zu fahren. Was bleibt uns

schließlich übrig? Am Galton

Gate nimmt Andrea, z. T. über

die Offizierin am Gate, telefonisch

Kontakt mit der Bidvest

Mietwagen-Zentrale am Flughafen

auf. Fazit: da der Fehler

akut nicht behoben werden

kann, sollen wir bis Hobatere

weiterfahren; dorthin würde

man uns, je nach Sachlage, einen

Ersatzwagen schicken. Zur

Sicherheit sollen wir gleich anrufen,

wenn wir in Hobatere

sind, damit man weiß, dass wir

angekommen und nicht unterwegs

hängengeblieben sind.

Also los.

Der 16 km lange Weg führt

über eine Sandpad in traumhafter

Natur, jedoch flößt uns

das Schild „Beware of Lions

and Elefants“ am Eingang doch


Löwen schlafen ca.

20 Stunden am Tag


einigen Respekt ein. Tatsächlich

erreichen wir Hobatere

problemlos. Wir werden äußerst

freundlich empfangen,

und zu unserem besonderen

Glück gibt es sogar einen Mechaniker,

der uns bei unserem

Auto-Öl-Problem unterstützt.

Er diagnostiziert eine kaputte

Ölpumpe, telefoniert mit Andrea

zusammen noch zweimal

mit Bidvest, bis uns versichert

wird, dass am nächsten Tag ein

Austauschauto gebracht wer-


Unsere

Veranda in

der Hobatere

Lodge

den wird. So sitzen wir jetzt

auf unserer wunderschönen

Veranda und warten aufs Dinner.

Die Anlage ist übrigens

von Elektrozaun umgeben;

man versichert uns, dass das

mit der Gefahr durch Löwen

ernst gemeint ist. Die Lodge

gehört, wie wir weiter erfahren,

einem Kollektiv aus der lokalen

schwarzen Community

und hat ein sehr soziales

Selbstverständnis.

Toll, dass wir auch mal eine

Lodge erleben, die nicht von

Weißen geführt wird.

21.9.:

Wie wir später von Nachbarn

hören, waren heute Morgen,

während wir noch schliefen,

Löwen an unserem Haus; als


Tagesausklang

auf der Terrasse


Weißscheitelwürger


wir aufstehen, sind sie aber

schon weg. Dafür bekommen

wir zum Frühstück noch eine

Löwendame nahe am Wasserloch

serviert.

Nachdem sie abgezogen ist,

herrscht am Wasserloch zwar

bald ein reges Treiben, aber

das Wild wirkt unruhig. Kein

Wunder, wir entdecken die Löwin

in einiger Entfernung im

Gras liegen.

Update zum Auto: Aus den

Telefongesprächen geht hervor,

dass der LKW mit unserem

neuen Wagen obendrauf erst

gegen Mittag von Windhoek

losfährt und es wohl eher spät

werden wird, bis er da ist. Bei

dieser vagen Aussage haben

wir wenig Lust, auf unseren geplanten

Game Drive zu verzichten.

Ernst, unser freundlicher

Mechaniker, bietet an, das Auto

entgegen zu nehmen. Für

den Papierkram müssten die

Überbringer dann eben warten,

bis wir zurück sind.

Dann geht es in Sachen Löwen

weiter: Wir sitzen gemütlich

auf unserer Veranda, als

Ernst mehr oder weniger angerannt

kommt und uns auffordert

mitzukommen, es gebe

etwas zu sehen. Ganz in der

Nähe sei ein Löwe betäubt

worden, um ein GPS-Halsband


angelegt zu bekommen. Hintergrund:

eine Tierschutzorganisation

will überwachen, wohin

sich die Löwen bewegen,

damit die Nachbarfarmen ggfs.

gewarnt werden können, wenn

sie sich deren Vieh zu sehr nähern.

So können diese ihr Vieh

bewachen, und die Löwen

müssen unverrichteter Dinge

wieder abziehen. Das ist dann

gut für die Farmer und die Löwen.

Denn würden die Löwen

ihr Vieh reißen, würden sich

die Farmer im Recht sehen, die

Löwen abzuschießen.


Noch ein Weißscheitelwürger


Trauerdrongo


Kuduweibchen:

Neugierig, aber aus

sicherer Entfernung ...


Also nichts wie Hemd an,

Hut auf, Kamera gepackt und

rauf auf den Jeep! Der Löwe

schläft zunächst noch friedlich;

nachdem der Tierarzt die

Weckspritze gesetzt hat, warten

wir eine Weile in respektvoller

Entfernung, aber dem

Löwen gefällt das Schlafen, sodass

wir nach einiger Zeit doch

wieder „nach Hause“ fahren.

Ernst sagt uns, dass wir nachmittags

und abends noch genug

zu sehen bekämen. Jetzt

ist Mittag, Zeit zum Chillen.

Um 16:00 geht‘s auf den Game

Drive und als erstes zu einer

Stelle, wo der vorhin noch

schlafende Löwe seinem Weibchen

beim Aufreißen eines ca.


eine Stunde zuvor geschlagenen

Kudus Gesellschaft leistet.

Wir hätten nie gedacht, dass

wir jemals eine solch beeindruckende

Szene zu sehen bekämen!

Anschließend fahren wir

zu der Stelle, an der die fünf

halbwüchsigen, ca. 11 Monate

alten, Jungen der Beiden brav

auf Ihre Eltern warten. Löwen

satt! Der weitere Game Drive

ist zwar auch toll – u.a. sehen

wir die selten gewordenen

Hartmann’schen Bergzebras,

aber auch Schakale und die üblichen

Antilopen, wieder mal in

einer tollen hügeligen Landschaft

– aber das alles kann

diese Begegnung mit den Löwen

natürlich nicht mehr toppen!

Allerdings sehen wir noch

einige Kadaver in verschiedenen

Ausweidungs- und Verwesungszuständen.

Wir hören,

dass die Löwen vor einiger Zeit

eine Giraffe gerissen, aber

dann liegen gelassen haben.

Sie war wohl zu dürr und zäh,


Die lieben

Kleinen schauen,

was Papa macht


Selten geworden:

Hartmann‘sche Bergzebras


sodass die Löwen sich lieber

stattdessen noch ein junges

Zebra geholt haben. Über die

Giraffe haben sich dann Hyänen

und Geier hergemacht.

Andrea fragt, ob es denn nicht

inzwischen zu viele Löwen für

das Gebiet werden. Wir haben

ja die fünf Jungen gesehen,

und außerdem gibt es noch ein

anderes Weibchen mit weiteren

drei Jungen. Aber die Antwort

ist, dass es hier genug

Wild gebe; sollten es irgendwann

zu viele Löwen werden,

gebe es Organisationen, die

dann die Löwen einfangen und

umsiedeln.

Wir kommen angefüllt von

den starken Eindrücken zum

Abendbrot; und gleich danach

geht es weiter zum Night Drive,

der allerdings, abgesehen

von einem Schakal, der fast in

den von den Löwen gerissenen

Kadaver hineinkriecht, nicht

sehr spektakulär verläuft: Wir

sehen lediglich zwei, drei Kleintiere,

die aber eindeutig nichts

von uns wissen wollen. Schön


ist es allerdings, die Stimmung

im Busch bei Nacht mitzubekommen;

außerdem kreuzen

dann doch noch zum Schluss

zwei Elefanten unseren Weg.

Und insgesamt war der Tag

doch ein ausgesprochenes

Highlight unserer bisherigen

Reise!

Was ist noch zu sagen? Der

neue Wagen ist doch noch

nicht da. Andrea meint, dass

der LKW wahrscheinlich wegen

der Dunkelheit draußen auf

der Hauptstrasse geblieben ist.

22.9.:

Noch bevor wir angezogen

sind, werden wir schon informiert,

dass das neue Auto,

diesmal ein Ford Bakkie, angekommen

sei. Der Wagen als

solcher ist in Ordnung, aber ich

bin nicht glücklich darüber,

dass die Reifen schon deutlich

abgefahrener sind als unsere

bisherigen, aber da ist halt

nichts zu machen; Ernst versucht

zwar, die Reifen von dem

Nissan auf den Ford zu bekommen,

aber wegen der unterschiedlichen

Felgen geht das

nicht. Zumindest aber passt

wenigstens das Reserverad, sodass

wir dieses übernehmen

können. Netterweise packt

Ernst das unter dem Wagen

befestigte Reserverad auch

noch auf die Ladefläche; ein

Glück, denn wir würden es nie

unter dem Wagen hervorbekommen!

Nachdem das alles

geschafft ist, können wir nun

frühstücken, den Wagen bela-


Die Zufahrt nach

Uukwaluudhi


den und auschecken. Nach vielen

von Herzen kommenden

Dankeschöns machen wir uns

auf die Strecke nach Uukwaluudhi,

unserer nächsten

Lodge, wo wir diesmal drei

Nächte verbringen werden.

Die letzte Strecke zur Lodge

ist wieder einmal ein 10 km

langer Holperweg. Die Lodge

selbst besteht aus einem sehr

schönen Haupthaus mit großer

Terrasse mit Essraum und Pool

sowie einigen Bungalows, alles


auf halber Höhe am Hang liegend,

mit einer traumhaften

Aussicht auf die Ebene vor uns.

Ca. 100 m entfernt liegt unter

uns ein kleines künstliches

Wasserloch, an dem sich am

Abend etliche Oryx, Zebras

und Kuhantilopen tummeln.

Da wir die einzigen Gäste sind,

ist es uns bald unangenehm,

dass die beiden Mädchen vom

Personal solange, wie wir da

sind, ausharren müssen, um

dann nach uns das Licht löschen

zu können; deshalb verschwinden

wir bald in unsere

Hütte. Das Klimaproblem ist

dort verblüffend einfach gelöst:

Bis auf die verglaste Front

bestehen alle Fenster nur aus

Fliegengitter, sodass wir wunderbar

an der Kühle der Nacht

teilhaben können, weshalb unser

Schlaf, von den üblichen

Unterbrechungen, z. T. auch

ausgelöst durch das sehr nahe

Heulen und Kichern einiger Hyänen,

abgesehen, wunderbar

ist. Allerdings traue ich mich

deshalb auch nicht ins Gelände,

um die geplanten Sternenhimmel-Fotos

zu machen.

23.9.:

Heute Morgen machen wir mit

Peter, dem Verwalter, eine


Das „Himba-Museum“, ist eine Einkommensquelle für

die Frauen des nahen Dorfs. Peter bringt Lebensmittel

mit und die Touristen kaufen etwas.


*Plural von Himba in deren eigener Sprache

Tanzvorführung bei

den Ovahimba*


Fahrt zu einem Demo-Dorf der

Ovahimba, wo wir allerdings

nur Frauen, um einige Souvenir-Artikel

versammelt, und einige

Kinder antreffen. Zwar

machen wir einige Fotos, von

denen wir eins entwickeln und

den Himba schenken, was erwartungsgemäß

große Freude

auslöst, aber leider ist danach

der Akku des Druckers leer, sodass

ich die anderen beiden

später „zu Hause“ drucke und

Peter zu seinem nächsten Besuch

dort mitgebe.

Da aus zunächst unklaren

Gründen der Blitz bei beiden

Kameras nicht funktioniert und

wir andererseits mit dem Erlebnis

dort nicht so ganz zufrieden

sind, entscheiden wir uns,

morgen doch noch zu dem

weiter entfernten Himba Living

Museum zu fahren.

Heute ist es zu windig und

staubig für einen Game Drive,

sodass wir diesen auch auf

morgen verschieben. Somit ist

für heute Faulenzen angesagt.

In Ergänzung dazu springe ich

für ein paar Bahnen in den

Pool. Zwei spätere Versuche,

den Sternhimmel samt Milchstraße

abzulichten, sind dann

zwar technisch okay, aber so

toll ist der Himmel bei dem

Staub dann doch nicht. Das Ergebnis

ist also nicht zufrieden

stellend.

24.9.:

Heute wird schon um 7:30 gefrühstückt,

sodass wir um 8:30

auf die Piste rollen. Andrea


Wir

erreichen

Opuwo


Staubsturm

In Opuwo


Stadtrand mit Umspannwerk


Eine Seltenheit!

Man sieht ein kleines Hotel

an der Straße!

Traditionelle

Behausung


fährt zum ersten Mal den Ford.

In Opuwo begrüßt uns ein

heftiger Staubsturm, und danach

ist Schluss mit Teerpad.

Das Himbadorf ist auf der

Karte sehr ungenau eingetragen,

sodass wir es erst durch

Nachfragen finden. Es erweist

sich dann aber als sehr spannend,

und Robert, unser Himba-

und Herero-abstammender

Dorf-Guide macht seine Sache

ausgezeichnet, humorvoll und

äußerst ausführlich, sodass wir


Am Dorfeingang des Himba Living

Museum empfängt uns der Guide


Das Dorf wirkt verschlafen,

ist es aber nicht


Himbafrau

bei der

Hautpflege


Herstellung

der Haut-

Pflegepaste

Namibisches „Alphorn“


Gut im Futter,

die Kleine!

Rückansicht


Der Nachwuchs


träumerisch…

Was sie sich

wohl von

der Zukunft

erhofft?


Ritueller Tanz nach Jagderfolg


Tanzeinlage

der Jugend


Abschiedstanzvorführung


sehr viel Wissen über die zahlreichen

Regeln des sozialen Zusammenlebens

mitnehmen.

Allerdings stehen wir dafür

deutlich über zwei Stunden in

der prallen, fast im Zenit stehenden,

Mittagssonne. Ganz

ohne ist das für mich nicht. Am

Ende drucke ich wieder ein

paar Fotos aus, was auch hier

zu ziemlicher Freude und Aufregung

führt. Wir werden von

einigen Dorfbewohnern mit

Handschlag und von vielen mit

Winken verabschiedet.

Dann geht es, von einer Straßenkontrolle

abgesehen – wir

werden noch einige erleben –,

ohne weitere Besonderheiten

zur Lodge zurück. Allerdings

sind wir ziemlich erledigt. Wir

freuen uns zu hören, dass Peter

von seiner Tour mit den anderen

Gästen noch nicht zurück

ist, und hoffen, dass der

gebuchte Game Drive ausfällt.

Aber um 17:00 sind alle wieder

da, und um 18:00 sammelt er

uns in einen Truck zum Ride in

die Salzpan, die in einiger

Entfernung zur Lodge liegt. Wir

sehen dann zwar lediglich einzelne

Oryx und Elen-Antilopen

sowie einige Zebras, aber die

Stimmung kurz vor Sonnenuntergang

ist wunderschön. Anschließend

gibt‘s zum Dinner


Geier in

Lauerstellung

Oryx auf

der Flucht


Abendstimmung


zum dritten Mal Kudu, diesmal

allerdings nicht ganz so wohlschmeckend.

Andrea geht

gleich ins Bett, ich sortiere

noch ein paar Bilder und

schreibe noch etwas, dann folge

ich.

25.9.:

Auf zu neuen Ufern! Heute

geht’s nach Palmwag! Mal sehen,

was uns da erwartet.

Zunächst nehmen wir die

bekannte Strecke Richtung

Hobatere zurück, unterbrochen

durch unsere nunmehr

dritte (aber nicht letzte) Straßenkontrolle,

dann geht’s am

Ortseingang von Kamanjab auf

die Schotterpiste C 40, die aber

gut zu befahren ist. Am Anfang

„besuchen“ wir einen Friedhof

– von außen, denn er ist abgeschlossen.

Viele jung Gestorbene

liegen hier...


Peter hat uns erzählt, dass

die C 40 eine schöne Strecke

sei, was sich für das letzte

Drittel der Strecke als heillos

untertrieben herausstellt: eine

traumhafte Landschaft, Blick

auf ein großartiges Tafelgebirge;

am Grootbergpass kommen

wir fast nicht vorwärts,

weil ich ständig neue Motive

zum Fotografieren sehe. Kurz

nach Überqueren des Passes

treffen wir auf die C 43 nach

Norden, über die wir gemäß


Iwanowski eigentlich von Norden

hätten kommen sollen. Zunächst

gibt’s mal wieder eine

Straßenkontrolle, dann, einige

Meter danach, geht eine kurze

Route nach links zur Palmwag

Lodge ab.

Die Lodge entpuppt sich als

großer Betrieb, der auch Reisegruppen

beherbergt. Sie liegt

in traumhafter oasenartiger

Umgebung, in die wir allerdings

nicht hinausgehen dürfen;

es gibt hier Wüstenelefanten

und -löwen. Nachdem wir

eingecheckt, ausgepackt und

an der Bar etwas getrunken

(Rock Shandies natürlich) haben,

buchen wir für morgen

die große Damaraland-Rundtour

von 7.00-15:00! Bisher

sind wir die einzigen Gäste dafür,

wir sind gespannt. Jetzt

geht’s an den Pool, zum Relaxen

und Abkühlen.

Nachdem wir eine Weile am

– und ich im – Pool verbracht


haben, macht uns ein Schweizer

Pärchen darauf aufmerksam,

dass ein paar Meter weiter

ein Elefant stünde.

Wir laufen den beiden hinterher

– und tatsächlich! Da

steht an einer kleinen Holzbrücke

ein, wie wir finden, ganz

schöner Brummer von Elefant,

der sich an dem üppigen Pflanzenwuchs

dort gütlich tut. Anschließend

müssen wir einen

Bogen schlagen, weil Jimbo –

so wird er genannt – am Beginn

der Brücke, wo wir bis

jetzt gestanden haben, den

Weg kreuzen will, um weiter

drinnen im Schilf zu fressen.

Schon wieder eine Steigerung

und ein Highlight: 5 Meter neben

einem Elefanten ohne

Zaun und Wassergraben – irre!

Weiter am Abend: Erst bekommen

wir direkt vor unserer

Haustür wieder einmal einen

erstklassigen Sunset geliefert,

und dann ist das Dinner auch

noch hervorragend! Und so

können wir uns von neuem voll

befriedigt in die Heia begeben,

zumal wir ja morgen schon um

5:45 aufstehen müssen; und

das soll Urlaub sein?

26.9.:

Um es kurz zu machen: die

Tour lohnt sich vollkommen,

zunächst einmal wegen der

grandiosen Landschaft. Wir

sind mit Erwin, unserem heutigen

Guide, alleine unterwegs,

was wir besonders toll finden;

man kommt so doch viel besser

ins Gespräch. Und wir ler-


nen so einiges über medizinische

und kosmetische Wirkungen

von verschiedenen Büschen

und Bäumen, Andrea ist

begeistert vom „Herero Parfüm“

und steckt es sich zum

Weiterschnuppern in die Tasche.

Und so „ganz nebenbei“

bekommen wir auch noch viele

Welwetschia Mirabilis* zu sehen.

Es ist hier steinig, karg

und sehr windig, aber trotzdem

bekommen wir im Laufe

des Drive etliche Giraffen,

Springböcke, Oryx und Zebras

zu sehen — aber das absolute

Highlight der Tour sind dann

später 17 Wüstenelefanten –

Erwin hat sie gezählt – , die

uns direkt entgegen kommen

und unserem stehenden Wagen

nur geringfügig auswei-


chen. Breathtaking, wie man

hier sagt!

Und dann bereitet uns Erwin

noch eine witzige Überraschung:

Es gibt ein richtiges

Mittagessen, mit Porzellangeschirr,

richtigem Besteck, Gläsern

und einer weißen Tischdecke!

Und das mitten in der

Wüste!

Nach rund sieben Stunden in

Hitze und Wind sind wir dann

aber doch groggy, heute ist nur

noch Ausruhen angesagt, zu-


Wüstenelefanten

mit

Rückenwind


Wer beobachtet hier wen?


Fast auf

Tuchfühlung


Nein, es gibt nicht nur Wüstenelefanten!


mal wir morgen wieder einiges

vorhaben: Früh losfahren, unterwegs

ein Damara Living Museum

besuchen und möglichst

noch rechtzeitig zum Kuduschuhe-Shoppen

in Swakopmund

ankommen.

*eine Pflanze, die nur aus 2

Blättern besteht, die sich aber

vielfach spalten. Sie kann einige

tausend Jahre alt werden.

27.9.:

Heute haben wir unsere längste

Tour vor uns, einiges über

300 km, allerdings in abwechslungsreicher

Landschaft. Zwischendurch

besuchen wir wie

geplant das Damara Living Museum,

das aber deutlich touristischer

und oberflächlicher als

das der Himba ausgelegt ist; es

werden lediglich ein paar Tätigkeiten

vorgeführt (die medizinische

und kosmetische Bedeutung

einiger Pflanzen kennen

wir bereits), dann noch ein

kurzes Tänzchen, und das

war‘s. Aber in diesem Fall

kommt uns das entgegen; wir

wollen schließlich noch vor Ladenschluss

in Swakopmund

sein. Um es gleich zu sagen:

wir schaffen es, obwohl erst

noch die Suche nach Diesel etwas

abenteuerlich wird: ich

werde von einem freundlichen

Ortskundigen an eine komplett

einsame Tanke mit lediglich einer

einzigen Säule mitten in

der Pampa – Paris Texas lässt

grüßen – geführt, die ich ohne

diese Hilfe nie gefunden hätte.


Kräuterkunde


Damara-Feuerzeug


Frauen zeigen uns die Schmuckherstellung,

Männer das Bao (oder auch !Hus)Spiel


Häuptling


Der obligate

Abschiedstanz


Um Punkt 16 Uhr erreichen

wir Swakopmund, checken uns

schnell in unserem schnuckeligen

kleinen, italienisch angehauchten,

Hotel ein und fahren

dann in die Stadt, um 1-2 Bücher

für Andrea und ein Paar

Kudulederschuhe für mich zu

kaufen. Auch das geht klar.

Anschließend fahren wir für

eine kleine Pause zurück zum

Hotel. Abends suchen wir eine

von unserer Padrona empfohlene

Pizzeria auf. Die Pizzen erweisen

sich am Ende als gut,

aber vorher lässt man uns aus

wer-weiß-was für Gründen

weit über eine Stunde warten,

bis ich mich, stinkig geworden,

heftig beschwere. Dann läuft

es. Gesättigt begeben wir uns

zur Casa al Mare, unserem von

einer Namibierin und einem

eingewanderten Italiener geführten

Hotel zurück. Den

möglichen Blick aufs Meer können

wir wegen Dunkelheit leider

nicht mehr werfen.

28.9.:

Nach einem italienischen Frühstück

mit wunderbarem Cappuccino

und Cornetto werden

wir gegen 8 Uhr zu unserer

Wüstentour, wo wir 4 der

„Little 5“ zu sehen bekommen

sollen, abgeholt. Es wird letzt-


Swakopmund — Stadt am Meer


lich eine Gruppe von ca. 20

Leuten in zwei Jeeps. Zunächst

dürfen wir erst mal relativ wild

in der Wüste rumlaufen und

schauen, was wir so entdecken

– natürlich nichts – , dann werden

wir wieder eingepackt,

und es geht weiter, wobei uns

gesagt wird, dass die lieben

Tierchen meist erst rauskommen,

wenn es schön warm ist.

Z. Zt. Ist es allerdings noch

grau in grau. Warum man dann

die Tour nicht später anfängt,

erschließt sich uns allerdings

nicht. Dann geht es aber doch

los: wir bekommen einen Gecko,

zwei Eidechsen, eine Sidewinder-Otter

sowie ein Zwergchamäleon

zu sehen. Außerdem

gibt’s, wie üblich, zwischendurch

einen Snack und

etwas zu trinken. Nachmittags

gondeln wir noch etwas durch

die City. Da wir wussten, dass

viele Läden samstags um 13

Uhr schließen, haben wir das

Thema Schuhe ja schon am

Vortag erledigt, nun kommen

noch ein paar T-Shirts für die

lieben Enkel und ein Buch über

die Geologie Namibias dazu.

Zum Schluss geht’s noch ins

Café Anton, Apfelstrudel mit

Vanilleeis essen. Zum Abend-


Der Wüstengecko


essen hat uns die Padrona

diesmal, nachdem sie über unseren

Bericht aus Gabrieles

Pizzeria ziemlich entsetzt war

und das bei dem Chef hinterfragen

wollte, einen Tisch im

Ocean Cellar, einem ziemlich

vornehmen Fischrestaurant,

reservieren lassen. Das stellt

sich als guter Tipp heraus. Sowohl

die Fischsuppe als auch

die beiden Fischgerichte, für

die wir uns entscheiden,

schmecken hervorragend. Der

Ober ist trotz Hochbetrieb sehr

aufmerksam. Als ich ihn nach

Begleichen der Rechnung spaßeshalber

frage, ob er uns

bitte zum Auto tragen könne,

lacht er tatsächlich lauthals los.

Toll. Gut gesättigt und guter

Laune fahren wir „heim“.

29.9.:

Wieder stehen wir früh morgens

auf, um 7:00 gibt’s Frühstück,

dann wird gepackt.

Nach dem Abschied von

Padrone und Padrona geht‘s

wieder auf die Piste, zunächst

nach Walfisbay, wo wir wieder

eine Boots-Tour durch die

Bucht gebucht haben. Wie das

letzte Mal gibt’s neben der eigentlichen

Tour bis zum Pelicans

Point, wo wir Robben und

Delphine sehen können, auch

die übliche Show mit einer

zahmen Robbe und angefütterten

Pelikanen, die an Bord

kommen, sowie ein abschließendes

Picknick an Bord mit

„den besten Austern der Welt“

und Sekt (Champagner?). Dann

noch schnell in einen sonntags


Der Kleine muss

sich selbst wieder

eingraben


Die Wüsteneidechse...


...weiß sich zu wehren!


Die Hornviper bzw.

Sidewinder bzw.

Zwergpuffotter


Der Nebeltrinkerkäfer


Zwergchamäleon in Lauerstellung...


...und — plötzlich ganz blass geworden — auf dem Marsch


Die Falle

schnappt zu


geöffneten Supermarkt mitten

in Walfisbay, in dem Andrea

fast nur auf schwarze Bevölkerung

trifft, und wie immer

Wasser und Kekse kaufen. Andrea

fragt nach Papiertaschentüchern,

da unsere Nasenschleimhaut

durch die trockene

Wüstenluft Namibias ziemlich

in Mitleidenschaft gezogen

wird, aber so etwas scheint es

nicht zu geben, sie weicht auf


„wilde“ Tiere an Bord


Kleenex aus. Dann machen wir

uns auf den Weg nach Barkhan

Dune. Die Strecke durch den

Namib-Naukluft-Park und die

Naukluft-Berge ist wieder

Doch zum Glück ist es wenigstens

ein Hinterreifen, so

dass ich kein Abdriften von der

Strecke ausgleichen muss. Der

Reifenwechsel gestaltet sich

traumhaft schön, und so genießen

wir die tolle Fahrt, bis – ja,

bis wir in die letzte Pad vor unserem

Ziel einbiegen: nach einigen

Metern rumpelt der Wagen

verdächtig; und --- ja, es ist

die schon lange befürchtete

Reifenpanne!

zunächst schwierig, weil wir

den Ansatzpunkt für den Wagenheber

erst mal falsch wählen

und so den Wagen nicht

hoch genug gewuchtet bekommen.

Nach noch einem weiteren

Fehlversuch klappt es aber

dann problemlos, allerdings


sehe ich danach nicht mehr so

richtig gesellschaftsfähig aus,

da ich mich zeitweise in den

Straßenstaub legen muss. Andrea

kurbelt prima den Wagenheber

hoch und ist anschließend

total begeistert und

stolz, dass wir die Reifenpanne

so gut gepackt haben. Jetzt

geht‘s auf die letzten Meter

zur Lodge, wo wir überraschender

Weise gar nicht erwartet

werden. Da ist was mit

der Buchung schief gegangen.

Glücklicherweise ist aber noch

genügend Platz, und wir kön-


Ausblick von

unserer Veranda

Wüstenblume


Wieder mal ein

Steinböckchen

auf Besuch


Abendstimmung auf dem Barkhan Dune Retreat


nen wieder einen Dünen-

Bungalow beziehen. Nachdem

wir uns an dem üblichen Rock

Shandy gelabt, anschließend

etwas ausgeruht und später

geduscht haben, gibt es

Abendbrot.

Die Gastleute sind andere als

die, die wir vor drei Jahren

kennengelernt hatten. Diese

haben sich zwischenzeitlich zur

Ruhe gesetzt und in Swakopmund

ein Haus bezogen. Die

Neuen, Gerda und Niekie, haben

schon einiges renoviert

und ausgebaut; man sieht,

dass hier jetzt ein frischer

Wind weht. Als nächstes ist ein


Pool geplant. Am Abendbrottisch

treffen wir noch ein

junges deutsches Pärchen von

der Schwäbischen Alb plus ihrer

Freundin. Wir erfahren,

dass das Paar ab morgen,

1.10., das angrenzende Camp

Gecko gepachtet hat. Um 9

Uhr ist Schlüsselübergabe, und

alle sind ganz aufgeregt. Das

Camp bietet Zeltunterkünfte,

Selbstversorger-Hütten und einen

Campingplatz und soll für

die beiden den Traum vom

Auswandern nach Afrika erfüllen.

Nach rund 19 Monaten Suche

in verschiedenen afrikanischen

Ländern wurden sie hier


fündig und haben die nötige

Arbeitserlaubnis bekommen.

Nach längerer Zeit mit lebhaftem

Gespräch bin ich erledigt

und gehe ins Bett.

30.9.:

Zwischen 4 und 5 Uhr wache

ich mit Kopfweh und leichter

Übelkeit auf. Außerdem friere

ich. Ich ziehe mir also meine

Vliesjacke an und beschließe,

nicht am Frühstück Teil zu nehmen.

Andi bringt mir wunschgemäß

zwei Toast mit etwas

Marmelade und zwei Cola. Danach

geht‘s mir langsam wieder

besser, so dass ich später

einen kleinen Spaziergang

durch das Lodge-Gelände mache

und später noch einen

Lunch zu mir nehme. Trotzdem

ist es schön, dass wir heute gar

nichts weiter vorhaben und

nur Ruhe und die traumhafte

Landschaft um uns herum genießen.

Nicht mal ein Sundowner

ist geplant. Abends, als wir

zum Dinner zum Hauptgebäude

gehen, kommt gerade eine

Truppe Deutscher, die im Laufe

des Nachmittags angekommen

ist, von der Sundowner-Tour

zurück. Sie bekommen Ihr

Abendessen aber in einem an-


deren Raum; wir sitzen wieder

mit dem Auswandererpärchen,

das heute die Übernahme seiner

Campsites erfolgreich abgeschlossen

hat, seiner Freundin

und einem wohl Einheimischen

zusammen. Nach einem

sehr leckeren Menü verabschieden

wir uns ziemlich

rasch; Andrea ist müde, und

ich will wieder Sterne fotografieren,

gleich und später in der

Nacht, wenn die Milchstraße

etwas näher am Horizont

steht. So lege ich mich angezogen

aufs Bett, wache wie geplant

20 vor 12 auf und schieße

noch ein paar Aufnahmen.


Und wieder

ein traumhafter

Sternenhimmel


Tierisches

Verkehrshindernis


Blick vom

Spreetshoogte-

Pass


1.10.:

Wieder werde ich in Barkhan

Dune gegen fünf Uhr vom

Sturm geweckt. Nach Schließen

der Fenster ist es ruhiger,

sodass ich doch noch mal einschlafen

kann. Um sieben Uhr

ist dann aber endgültig

Schluss; wir müssen packen.

Gerda hat gestern noch wegen

eines neuen Reservereifens

mit Bidvest telefoniert und

mitgeteilt bekommen, dass wir

diesen heute in Mariental abholen

sollen/können.

Wir fahren also die kürzeste

Schotterstrecke, die allerdings

über den Spreetshoogte Pass

mit einer äußerst steilen,

glücklicherweise gepflasterten,

Auffahrt führt. Nachdem dieser

bewältigt ist, geht es recht

harmlos weiter, auch wenn ich

wegen der Reifen eine gewisse

Grundspannung nicht ablegen

kann. Wir kommen aber sicher

an der B1 an und müssen nun

nur noch ca. 160 km nach Mariental

zurücklegen. Dort finden

wir den Reifenfritzen recht

schnell, allerdings nach einer

kurzen Irritation, weil der Laden

völlig anders heißt, als auf

dem Zettel steht. Wir erfahren

dann auch, dass hier keine Information

von Bidvest angekommen

ist; der Chef, Willem,

muss sich erst nochmal telefonisch

erkundigen, ob das alles

klar geht. Nach ca. einer halben

Stunde kommt das Okay.

Allerdings montieren die Mechaniker

den nagelneuen Reifen

hinten drauf, so dass jetzt


hinten ein deutlicher Unterschied

in der Profilstärke zwischen

re. und li. besteht. Bidvest

weigert sich aber, auch

rechts einen neuen Pneu montieren

zu lassen, deshalb müssen

wir mit der Profildifferenz

leben. Bis Bagatelle sind es

jetzt nur noch knapp 50 km,

und so kommen wir bereits um

14 Uhr dort an. Von der

schwarzen Schönen an der Rezeption

werden wir tatsächlich

wiedererkannt. Und wir be-


Elenantilope am Nachbartisch?


kommen wieder „unseren“

Bungalow Nr. 10! Nach dem

Auspacken ruhen wir uns auf

der Terrasse erst mal etwas

aus, dann geht’s zurück zum

Haupthaus, Rock Shandy trinken

und Kaffee mit Kuchen genießen.

Danach kehren wir zu

unserem Bungalow zurück;

jetzt ist für mich Duschen und

Rasieren angesagt. Heute haben

wir erst mal nichts weiter

vor, als uns an dem „Roten

Sand der Kalahari“ zu erfreuen;

Andrea ist sowieso total happy,

hier zu sein, und freut sich fast

wie ein kleines Kind.

2.10.:

Heute ist vormittags für mich

Chillen angesagt, während Andrea

auf ihrem mittlerweile

schon gut bekannten Wallach

Poco ihren schon lange ersehnten

Morgenritt, bei dem sie

diesmal sogar etwas Trab und

Galopp kennenlernt, absolviert.

Ich beobachte die angefütterten

halbzahmen Antilopen,

die, schon vertraut, um

die Wohn-, Verwaltungs- und

Restaurantgebäude herumstreichen.

Zwischenzeitlich

gibt‘s wieder den üblichen

Rock Shandy. Ansonsten lese

ich und schreibe dieses Tagebuch

weiter. Nachmittags geht

es wieder auf Sundowner-Tour,

die diesmal, entgegen allen Erwartungen,

neben den üblichen

„Verdächtigen“ auch mit

zwei White Rhinos (Breitmaul-

Nashörner) aufwarten kann.


Rappenantilopen


Mischpopulation


Rhinos - diesmal von hinten


Ja, das sind Raubtiere

und nicht immer nett


Close up


Vor der Anfahrt des eigentlichen

Sundowner-Platzes geht

es erst nochmal in die unmittelbare

Nähe der Lodge, wo

sich ein Rudel Suricates, also

Erdmännchen, seine Höhlen

gegraben hat und dort lebt.

Nachdem sie mit Futter gelockt

worden sind, lassen sie sich

problemlos aus unmittelbarer

Nähe beobachten und fotografieren.

Dann geht es zu dem

uns schon bekannten Sundowner-Platz,

mit Getränken,

Knabberzeug und noch zwei

anderen Jeep-Ladungen Touristen.

Plötzlich sehen wir in einem

PickUp den uns vom letzten

Jahr bekannten Schweden, der

die Geparden betreut – mit einem

ziemlich großen Cheetah

auf dem Beifahrersitz!!!

Einerseits ganz witzig, andererseits

ist mir das doch ein

bisschen zu viel Tiershow, zumal

der arme Kerl sich nicht

unbedingt wohl zu fühlen

scheint; es ist halt doch ziemlich

eng da drin. Inkonsequent,

wie ich aber leider bin, schieße

ich trotzdem einige Fotos;

wann kann man schon mal ein

Close Up von einem Geparden

machen?


3.10.:

Heute heißt es wieder, und

diesmal zum vorletzten Mal,

packen und Abschied nehmen.

Wie inzwischen normal, stehen

wir früh auf, packen zusammen

und zuckeln mit unserem Ford

Bakkie zum Rezeptionsgebäude

und Frühstücksraum, um

unser letztes Frühstück hier

einzunehmen und die Rechnung

zu begleichen.

Am Ende verlängert sich unser

Aufenthalt dann überraschend

etwas, da wegen eines


Und noch ein

Wahnsinnshimmel


Stromausfalls keine Kartenzahlungen

vorgenommen werden

können. Wir nehmen das

nicht schwer, da wir es nicht

eilig haben, und können so

noch eine Weile am Pool sitzen

und den verschiedenen Tieren

zusehen, die sich in ca. 50 m

Abstand bereitgestelltes Futter

einverleiben. Inzwischen ha-


en wir ja in fast allen Lodges

und Guest Farms mitbekommen,

dass zugefüttert wird, da

das Wild auf Grund der anhaltenden

Trockenheit – es hat

seit 3 Jahren nicht mehr geregnet!

– nicht mehr genügend

Futter draußen findet. Wir

wünschen Mensch und Tier,

dass es in diesem Jahr mit dem

Regen etwas wird.

Nach einiger Zeit klappt es

dann mit dem Bezahlen, weil

man inzwischen einen Ersatzgenerator

angeworfen hat, der

auch die Rechner mit genügend

Strom versorgt.

Nun geht‘s zu unserer letzten

Lodge, der Düsternbrook

Safari Ranch, der ersten und

damit ältesten in Namibia. Die

Bewertungen über Unterkunft

und Verpflegung sind ja recht

widersprüchlich, aber wir wollen

uns überraschen lassen.

Die Fahrt nach Düsternbrook

verläuft fast reibungslos, lediglich

in Windhoek verfranzen

wir uns auf Grund der unklaren

Beschilderung wieder einmal

und landen zunächst auf der

Straße nach Swakopmund, be-


vor wir uns von einem netten

Polizeiposten die richtige Route

zeigen lassen können. Wieder

auf der B bzw. A 1, finden

wir dann auch bald die Abfahrt

nach Düsternbrook.

Das letzte Stück ist wieder

einmal sehr abenteuerlich, eine

typische „african massage“,

aber Andrea meistert sie souverän,

und so kommen wir

schließlich an einem sehr kolonial

wirkendem Gebäudekomplex

an, wo uns, wie üblich, eine

sehr nette schwarze Lady in

Empfang nimmt, uns unser

Zimmer zeigt und uns die möglichen

Aktivitäten aufzählt. Vor

allem interessiert uns natürlich

der Cat Drive, wo wir –

hoffentlich – Geparden und sogar

Leoparden zu sehen bekommen

werden; ist das doch

der Grund, weshalb wir überhaupt

hierhergekommen sind.

Da dieser aber schon fast eine

halbe Stunde nach unserer Ankunft

losgehen soll, beschließe

ich, gegen den leichten Widerstand

meiner geliebten Gattin,

ihn erst für den nächsten Tag

zu buchen.

Dafür entscheiden wir uns

heute für den Game Drive, der

erst um 17:00 losgeht. Ich

muss zugeben, ich habe kurz

überlegt, diesen ausfallen zu

lassen – so nach dem Motto:

was soll der uns nach den vielen,

die wir schon absolviert

haben, noch bringen? Aber

glücklicherweise entscheide

ich mich doch dafür. Abgesehen

von der traumhaften Berg-


Namibische Felsagame


Auch Gnus benutzen

gerne die Straße


Dass ich Hippos auf dieser

Reise zu sehen bekomme,

hätte ich nie geglaubt.


landschaft, die für uns wieder

ganz neu und überwältigend

ist, kriegen wir diesmal eine

irre Menge Giraffen, die Lodge

beherbergt 48 davon, und

noch mal 5(!) Rhinos zu Gesicht.

Und zu guter Letzt erzählt

uns der Guide doch glatt, jetzt

ginge es zu den Hippos! Hippos

hier, in der Nähe von Windhoek,

mitten im trockenen

Land? Ich denke, ich spinne!

Die Lodge hat auf ihrem Gelände

tatsächlich einen relativ

großen See, an dem gerade

sieben Hippos, inklusive eines

Babys, ausgestreutes Futter

fressen! So nah hatten wir sie

nicht mal am Okawango im

letzten Jahr! Wir sind von der

Fahrt total begeistert.

Und auch das Essen, das in

den Bewertungen so häufig

heruntergemacht wurde, ist

zwar etwas ungewöhnlich in

der Komposition, lässt sich

aber gut essen.

Auf der Lodge arbeiten übrigens

fünf deutsche junge Frauen

als Volontärinnen, die die

Pferde betreuen und uns auch

zu den Mahlzeiten bedienen.

Allerdings scheinen sie nicht so

richtig angeleitet zu werden,

wie sie mit den Besuchern umgehen

sollen, z.B. in Empfang

nehmen, erklären, wo und wie

das mit dem Essen abläuft,

nach Getränkebestellungen

fragen. Aber es geht auch so.

Insgesamt scheint sich der

Besitzer auch seiner sozialen

Verantwortung gegenüber den


schwarzen Mitarbeitern bewusst

zu sein: seine Angestellten

sind aus der Region und

bekommen eine Ausbildung.

Für ihre Kinder gibt es einen

kleinen Kindergarten, sie gehen

alle zur Schule und machen,

wenn möglich, einen Abschluss.

Es gibt einen ganzen Informationsraum

über die Geschichte

der Farm; Andrea interessiert

sich für ein Buch,

das, wenn sie es richtig ver-


Gesättigter

Abstieg


standen hat, von der Mutter

des jetzigen Besitzers geschrieben

worden ist. Wir bestellen

es in Deutschland.

Und schon geht, wie schon

so oft auf dieser Reise, wieder

einmal ein Tag voller toller Erlebnisse

zu Ende.

4.10.:

Noch ein Tag in Düsternbrook;

leider unser letzter voller Tag.

Heute haben wir „nur“ noch

eine Aktivität vor: den Cat Drive,

ansonsten ist wieder einmal

Faulenzen, Entschleunigen,

Tiere Beobachten – und

ab und zu auch noch mal Fotografieren

– angesagt. Andrea

wird irgendwann zur Rezeption

gerufen, jemand hätte für sie

angerufen. Verwundert geht

sie los und erfährt: Es ist das

Iwanowski - Kooperationsreisebüro

in Swakopmund. Eine Dame

erklärt ihr, Gerda von Barkhan

Dune hätte angerufen,

dass sie ihren Fön dort vergessen

habe. Amüsiert ob der

Umstände meint sie, dass sie

das auch schon bemerkt hätte

und der Fön gerne dort bleiben

dürfe. Dann plaudert sie noch

etwas mit der Dame und erzählt

von unseren Erlebnissen.


Am Nachmittag geht es dann

zum Cat Drive, der nichts anderes

beinhaltet, als bei der

Fütterung eines Leoparden

und zweier Geparden vom Auto

aus zuzuschauen. Ich bin etwas

skeptisch und mache eigentlich

nur mit, um eventuell

ein schönes Portrait eines Leoparden

zu bekommen. Meine

Skepsis bewahrheitet sich: abgesehen

von dem Ausbringen

der Fleischbrocken auf einem

Ast und dem „Erbeuten“ desselben

durch den Leoparden

ist es doch eher eine Show, die


den Tieren nicht immer ihre

Würde lässt. Andererseits wird

von den Einnahmen der Tierschutz,

den die Safari Ranch

aktiv betreibt, mitfinanziert.

Und immerhin haben diese

schönen Katzen ein doch sehr

weitläufiges Gehege von mehreren

Hektar, was ihnen bis auf

das Beuteschlagen ein weitestgehend

artgerechtes Leben ermöglicht.

Da es uns insgesamt

hier sehr gut gefällt, drückt

man wegen solcher kleiner

Enttäuschungen wie bei den

Raubkatzen gerne mal die Augen

zu.

Auch dieser Tag geht ruhig

und beschaulich zu Ende; wir

sitzen über den Wasserlöchern

und beobachten das Treiben

dort; heute Abend finden sich

noch einmal Giraffen, Oryx, Kudus,

Impalas, Warzenschweine,


Paviane sowie zwei Rhinos ein.

Dann verschluckt sie die Dunkelheit.

5.10.

Unausweichlich ist heute unser

letzter Tag in Namibia angebrochen!

Obwohl wir bis zur

Abfahrt Richtung Hosea Kutako

Airport viel Zeit haben, wachen

wir wieder früh auf. Bevor wir

aber packen, geht es erstmal

zum Frühstück; Überraschung:

heute gibt es keine Eier!


Ansonsten steht das übliche

Buffet vor uns zur Auswahl.

Anschließend heißt es Koffer

packen und dabei die verschiedenen

Gewichtsbeschränkungen

beachten, was uns aber

vermutlich gut gelingt.

Um 10 Uhr muss das Zimmer

geräumt sein, weshalb ich jetzt

den Wagen vor unser Häuschen

setze und das Gepäck

einräume. Mit dem Bezahlen

lässt man uns Zeit. So haben

wir nur das „Problem“, die Zeit

bis zur Abfahrt gut zu verbringen.

Wir brauchen, wenn nicht

noch mal was Unvorhergesehenes

(wir haben drei abgefahrene

Reifen) passiert, maximal

zwei Stunden bis zum Flughafen.

So setzen wir uns an die

Rezeption, trinken unsere letzten

Rock Shandies und lassen

Rückweg zum Airport

es uns so gut wie möglich gehen.

Es gibt heute übrigens

recht viele Wolken, was in den

Augen vieler Namibier ein gutes

Zeichen für Regen ist. Wir

hoffen es für dieses wunderbare

Land von ganzem Herzen.

Auf Wiedersehen, Namibia!


Fotos und Text:

Lutz Stegemann

Kameras:

Sony A 7III,

Sony A 6300

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