IKZplus-KLIMA

strobel.verlag

IKZ-KLIMA informiert nicht nur über die zentralen und dezentralen kälte- und raumlufttechnischen Lösungen, es werden auch alternative Raumkonditionierungskonzepte aufgezeigt. MSR, Anlagen-Monitoring sowie Möglichkeiten der Anlagenoptimierung runden die Themenbereiche inhaltlich ab.

IKZplus 9/10 | September 2019

www.ikz.de

Bild: Adobe Stock

RLT-Lösungen planen Seite 6

Krankenhauskeime eliminieren Seite 20

Feldtest Absorptionskälte Seite 22


Regudis W-HTE

Wohnungsstation für eine

effiziente Wärmeversorgung

und Trinkwasserhygiene

Oventrop GmbH & Co. KG · Paul-Oventrop-Str. 1 · 59939 Olsberg · www.oventrop.com


INHALT/INTRO

4 Firmen & Fakten

33 Tipps & Trends

35 Impressum

Planung

6 Mit Expertise zur optimalen Komfortklimalösung

Worauf Klimatechniker bei Planung, Auslegung und Installation

von Anlagen für Privatanwender achten sollten.

10 Mehr Behaglichkeit durch passive Kühlung

Planungskriterien für Flächenkühlsysteme.

Klima

14 Zeit und Aufwand reduzieren

Der Klimaspezialist Wolf verspricht mit dem „Easy Lifting“-

Konzept eine einfache und rasche Montage von großen

Klimageräten.

16 Auffälligkeiten wirksam begegnen

Bei der Überprüfung von Kühlanlagen nach BImSchV offenbaren

sich regelmäßig Abweichungen von den gesetzlichen

Vorgaben. Vieles lässt sich im Vorfeld vermeiden.

18 Infektionsgefahr in Krankenhäusern senken

Die Klimatisierung ist ein bislang zu wenig berücksichtigter

Stellhebel, sagen Experten.

20 Eliminierung von Krankenhauskeimen

Automatische Desinfektion von Nasszellen mit UVC und

Ozon tötet Erreger ab und neutralisiert Gerüche.

Kälte

22 „Die Absorptionskältetechnik besitzt großes Potenzial“

Interview mit Experten des BTGA zu den Ergebnissen eines

fünfjährigen Feldtests.

26 Betriebssichere Kälteversorgung

Effiziente Kältetechnik sorgt für konstante Kühlung in der

Logistikbranche.

6

Bild: LG

Herstellerservices nutzen, Schnittstellen optimieren

Ob Planung, Auslegung oder

Installation, ob Flächenkühlung

oder Multi-Split-Gerät –

die Erstellung einer optimalen,

auf das Gebäude zugeschnittenen

Klimalösung

verlangt viel Know-how. Fachwissen

und Erfahrung müssen

Hand in Hand gehen. Insbesondere

bei großen RLT-Anlagen

stellt zudem die Einbringung

der Komponenten den

Verarbeiter oftmals vor große

Herausforderungen. 1 )

Angesichts der steigenden Komplexität unterstützen renommierte

RLT-Hersteller TGA-Planer und Anlagenbauer

während des gesamten Projektzyklus mit ihrer Expertise. Es

kann durchaus gewinnbringend sein, diese Services in Anspruch

zu nehmen, auch wenn dies die Produktauswahl einschränkt.

Die Strategie „Alles aus einer Hand“ hat sich in vielen

Projekten bewährt.

Markus Sironi

Chefredakteur

m.sironi@strobelmediagroup.de

1

) Einen herstellergebundenen Lösungsansatz beschreiben wir in dem Bericht

„Zeit und Aufwand reduzieren“ auf Seite 14 f. in dieser Ausgabe.

Gebäudeautomation

28 Bavaria Towers in München

Vernetzte Gebäudeautomation, Wettervorhersageregelung

und Geothermie reduzieren Energiekosten. Green Building

Monitor soll Mieter zum bewussteren Umgang mit Ressourcen

anregen.

Reportage

30 Bessere Luft in Hongkong

Abluftfilter beseitigt feinste Staubpartikel in 3,7 km langem

Straßentunnel. Investitionsaufwand beträgt weniger als 1 %

der Baukosten.

20

Bild: Dinies Technologies

9/10/2019 www.ikz.de 3


News-Ticker

Systemair: Martin Wack

verstärkt Außendienst

Boxberg. Martin

Wack ist neuer

Außendienstmitarbeiter

bei

Systemair. Er

übernimmt den

Vertrieb für Kälteund

Klimasysteme

in Hessen, Rheinland-Pfalz

und

im Saarland.

Der Kälteanlagenbaumeister

war

zuletzt als

Martin Wack.

Baustellenleiter

in einem Kälte-Klima-Servicebetrieb

tätig.

Airflow: Christoph

Sauerborn Technischer

Vertriebsmitarbeiter für

Messgeräte

Rheinbach. Personalwechsel

bei

der Airflow Lufttechnik

GmbH:

Christoph Sauerborn

ist neuer

Technischer

Vertriebsmitarbeiter

für

Messgeräte

in Norddeutschland.

Er folgt auf

Christoph Sauerborn.

Bernd Lückenbach,

der Einkaufsleiter wird und Andreas

Koch ablöst. Koch – 41 Jahre lang bei

Airflow beschäftigt – ist seit August im

Ruhestand.

Wohnungen: Zahl der

Baugenehmigungen

gesunken

Wiesbaden. In Deutschland ist im ersten

Halbjahr 2019 der Bau von insgesamt

164 600 Wohnungen genehmigt

worden. Das waren 2,3 % weniger als

im entsprechenden Vorjahreszeitraum,

teilt das Statistische Bundesamt (Destatis)

mit. Die Genehmigungen galten

sowohl für neue Gebäude als auch für

Baumaßnahmen an bestehenden Gebäuden.

Efficient Energy:

Georg Dietrich

kommissarischer CEO

Feldkirchen. Georg Dietrich fungiert

kommissarisch als CEO bei der Efficient

Energy GmbH, einem Hersteller und

Entwickler von Kältetechnik. Er übernimmt

den Posten von Dr. Jürgen Süß,

der sein Amt niedergelegt hat. Süß

wird dem Unternehmen künftig beratend

als Markenbotschafter für „Wasser

als Kältemittel“ zur Seite stehen.

Bild: Systemair

Bild: Airflow Lufttechnik

FIRMEN & FAKTEN

Kurz notiert

Daikin nutzt aufbereitetes Kältemittel

Bild: Daikin

Unterhaching. Daikin bietet Klima- und Wärmepumpensysteme

erstmals mit aufbereitetem

Kältemittel an. Das Unternehmen will

so einen Beitrag zum Klimaschutz leis ten und

CO 2 -Emissionen reduzieren.

Zunächst werden die Produktreihen

„VRV IV+ Heat Recovery“ und „Mini VRV“

(Baugrößen 4, 5 und 6) mit recyceltem Kältemittel

ausgeliefert. Es wird im Daikin-Werk

in Ostende (Belgien) aufbereitet, mit neuem

Kältemittel vermischt und anschließend

bei der Produktion der Neugeräte verwendet,

heißt es. Um die Qualität und die ausreichende

Verfügbarkeit des aufbereiteten

Neue Leitlinie „Kühlen und

Heizen mit Deckensystemen“

Dortmund. Der Bundesverband Flächenheizungen und

Flächenkühlungen (BVF) hat eine neue Richtlinie mit

dem Titel „Kühlen und Heizen mit Deckensystemen“ veröffentlicht.

Erarbeitet wurde die „Leitlinie 15.1“ von der

2018 gegründeten Fachgruppe für Kühl- und Heizdeckensysteme.

Sie richtet sich an Planer und Installateure

und enthält neben grundsätzlichen Erläuterungen eine

Übersicht über verschiedene Deckensysteme. Darüber

hinaus wird über die Kondensatvermeidung, Hydraulik und

Regelung sowie die Kombination mit Lüftung informiert. Das

Werk beinhaltet zudem eine Normenliste.

Auf der Internetseite des Bundesverbandes steht die neue

Richtlinie zum Download zur Verfügung.

www.flaechenheizung.de

Kurzlink und QR-Code

führen direkt zur Richtlinie:

https://bit.ly/2YYdFtW

Kältemittels zu dokumentieren, kennzeichnet

Daikin seine Produkte mit dem neuen

Label „Certified Reclaimed Refrigerant Allocation“

(deutsch: rückgewonnene Kältemittelzuteilung).

Die aktuell noch höheren

Kosten für das aufbereitete Kältemittel trage

das Unternehmen.

Gleichzeitig verspricht sich der Hersteller

von der neuen Kreislaufwirtschaft mehr

Nachhaltigkeit. Allein im Jahr 2019 soll die

Neu-Produktion des Kältemittelgemischs

R-410A um 150 000 kg reduziert werden.

www.daikin.de

IKZplus • IKZ-KLIMA 9/10/2019


FIRMEN & FAKTEN

Kurz notiert

Panasonic:

Kältemittel-Guide

für Heizungsbauer

Wiesbaden. Panasonic hat den „Kältemit-

tel-Guide für Fachhandwerker“ herausgegeben.

Das E-Book liefert wichtige Informationen

zu Kältemitteln wie R32, R410A und

Propan (R290) sowie deren Vor- und Nachteile

in Bezug auf Sicherheit, Brennbarkeit

und Preisentwicklung. Ein speziell der

F-Gase-Verordnung gewidmetes Kapitel erklärt

die wichtigsten Punkte, die den Heizungsbauer

betreffen: Was bedeutet GWP-

Wert (Treibhauspotenzial)? Was kommt im

Zuge der künstlichen Verknappung von Kältemitteln

(Phase-Down-Szenario) langfris-

tig auf Heizungsfachbetriebe zu? Und warum es jetzt Zeit ist,

auf Wärmepumpen mit modernen Kältemitteln wie R32 umzusteigen.

Der 20-seitige „Kältemittel-Guide für Heizungsbauer“ im PDF-Format kann kostenlos

im Panasonic-PROClub, der Fachhandwerker-Plattform von Panasonic, heruntergeladen

werden. Weitere Details zum Kältemittel-Guide finden interessierte Heizungsbauer

unter www.bit.ly/Panasonic_KM-Guide.

Bild: Panasonic

www.panasonic.de

Fachaustausch zu den

Neuerungen

der DIN 1946-6

Bietigheim-Bissingen. Der Fachverband Gebäude-Klima

(FGK), der Bundesverband der Deutschen

Heizungsindustrie (BDH) sowie der Zentralverband

Sanitär Heizung Klima (ZVSHK)

informieren Planer und Installateure über die

Neuerungen der DIN 1946-6 und der Angleichung

der DIN 18017-3. Dazu finden Kongresse

statt – und zwar am 23. Oktober in Stuttgart

(Maritim-Hotel), am 5. November in Berlin (Maritim

proArte), am 27. November in Frankfurt

am Main (H4 Hotel Messe) sowie am 12. Dezember

in Hamburg (Marriott Hotel).

Die Veranstaltungen werden in zwei Teile

gegliedert. Zunächst berichten die verantwortlichen

Bearbeiter über die neuen Inhalte der

Norm. Darüber hinaus stellen Marktteilnehmer

verschiedene Systeme und deren Auslegung

nach der neuen Norm vor. Dieser Part variiert

je nach Veranstaltungsort und ist mit unterschiedlichen

Herstellern besetzt, teilen FGK,

BDH und ZVSHK mit.

Weitere Informationen zum Programm, den Teilnahmebedingungen und zur Anmeldung

können im Internet (Kurzlink: https://bit.ly/2TqZHzC) nachgelesen werden.

Bild: FGK

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9/10/2019 www.ikz.de


PLANUNG

Single- und Multi-Split-Anlagen

Mit Expertise zur optimalen

Komfortklimalösung

Worauf Klimatechniker bei Planung, Auslegung und Installation von Anlagen für Privatanwender achten sollten

Das Raumklima in den eigenen vier Wänden nach Wunsch zu regeln, ist eine Sache – die dafür erforderliche Komfortklimalösung zu

planen und einzubauen, eine andere. Was sollte bei der Kühllastberechnung beachtet werden? Welche Technologie eignet sich eher:

Multi- oder Single-Split? Wie wirkt sich das Zusammenspiel von Außen- und Innengeräten auf das Ergebnis aus?

Planung beginnt

bei der Dimensionierung

Ob Etagenwohnung, Villa oder Reihenhaus

– am Anfang einer jeden Komfortklimalösung

steht die fachgerechte Planung durch

einen Experten. Dabei gilt es, die Anforderungen

des Endkunden sorgfältig auf die

architektonischen Gegebenheiten abzustimmen.

Die grundlegenden Fragen, wie

viele und welche Räume klimatisiert werden

sollen, markieren den Ausgangspunkt

der Kühllastrechnung. Im Zuge der Berechnung

wird für jeden Raum der Kühlbedarf

festgelegt und anschließend entschieden,

ob eine Einzelgerätelösung oder

eine Multi-Split-Lösung sinnvoller ist.

Zu den relevanten Faktoren, die bei

der Kühllastberechnung zu beachten

sind, zählen das Raumvolumen, Fensterflächen,

Sonneneinstrahlung und Beschattungsvorrichtungen,

Anzahl der

Personen, die sich regelmäßig in den betreffenden

Räumen aufhalten, Umfang

von Beleuchtung sowie sonstiger elektrischer

Geräte mit Wärmeemission. Rein

technisch betrachtet ist der Dimensionierung

der Anlage anhand der Kühllast keine

Grenze nach oben gesetzt. In der Pra-

Bild 1: Multi-Split-Klimasysteme erlauben

eine gezielte Distribution der Kühlleistung

und bieten hohe Flexibilität bei der Wahl der

Inneneinheiten.

6 IKZplus • IKZ-KLIMA 9/10/2019


PLANUNG

Single- und Multi-Split-Anlagen

xis kommt jedoch mit steigender Leistung

der Kosteneffekt zum Tragen. Auch wenn

es nicht immer zwingend der Fall sein

muss, gilt im Grunde die Faustregel: Mit

steigender Kühlleistung nimmt der Energieverbrauch

zu.

Ob Single-Split oder Multi-Split – üblicherweise

setzen Klimatechniker die

Kühllast einer neuen Anlage dennoch

leicht über der tatsächlich benötigten

Leistung an, um Spielraum zu schaffen

für potenzielle Änderungen an den Umgebungsfaktoren

wie zusätzliche Elektrogeräte

im Raum. Die Höhe der Überkapazität

sollte allerdings mit Fingerspitzengefühl

bemessen werden.

Bild 2: Die Wandeinheit „Artcool Gallery“

(LG) lässt sich optisch kaum von

einem Bild unterscheiden.

Besonderheit:

Anwender können

das Bild im Rahmen

austauschen.

Leistung gleichmäßig verteilen

Ist die Kühllastrechnung abgeschlossen,

steht die Wahl des Systems an. Die Erfahrung

zeigt, dass sich viele Privatnutzer

für eine Single-Split-Lösung entscheiden,

durch die sich

ein einzelner Raum

oder Wohnbereich

komfortabel klimatisieren

lässt.

Insbesondere die

Verteilung der Leistung

stellt schon bei

der Planung und

Konzeption ab einer

bestimmten

Raumgröße eine beträchtliche

Herausforderung

dar. Wenn es

zum Beispiel in einer Mehrzimmerwohnung

einen gro ßen Raum mit

Wohn- und Küchenbereich gibt, von dem

die übrigen Zimmer abgehen, hängt die

Entscheidung für ein Single-Split- oder

Multi-Split-System von der Reichweite

der Klimaleistung ab. Insbesondere

der Luftvolumenstrom der Innengeräte

ist dabei maßgebend. Für den Heimbereich

sind zwar einzelne Klimaaußengeräte

verfügbar, mit denen sich ohne

Weiteres eine Kühlleis tung von 7 kW erzielen

und in der Theorie somit bis zu

80 m 2 abdecken lassen – allerdings lässt

sich diese Leistung angesichts der Größe

eines solchen Raums kaum mit nur

einem Innengerät effizient verteilen. Die

Lösung: eine Multi-Split-Anlage mit zwei

oder drei kleineren, geschickt verteilten

Innengeräten, die lediglich ein einziges

Außengerät erfordern (Bild 1).

Nachrüstung nur bei Multi-Split

Zu den grundsätzlichen Erwägungen bei

der Wahl zwischen einer Single-Split- und

einer Multi-Split-Lösung gehört die Option

zur Nachrüstung und Erweiterung

bestehender Anlagen. Generell ist bei einer

Single-Split-Anlage eine Nachrüstung

ausgeschlossen. Für den Anwender bedeutet

das, dass er bei einer Erweiterung

entweder die bestehende Anlage demontieren

und durch eine Multi-Split-Lösung

ersetzen oder eine zweite Single-Split-Anlage

einbauen muss. Für Letzteres bedeutet

dies die Anbringung eines zweiten Außengeräts.

Im Fall eines Neubaus empfiehlt es

sich daher, sämtliche Eventualitäten für

die Zukunft in Betracht

zu ziehen. So

lässt sich beispielsweise

problemlos

ein Multi-Split-

System für fünf Innengeräte

planen,

bei dem im ersten

Schritt jedoch nur

drei Innengeräte

verbaut werden. Zu

beachten ist hierbei

allerdings, dass

schon von Anfang

an Verbindungen

für Saug- und Flüssigkeitsleitungen

der Klimaanlage sowie

elektrische Versorgungsleitungen

vorgesehen werden

müssen.

Ästhetik und/oder Funktionalität?

Sowohl bei Innen- als auch bei Außengeräten

stellt sich für den Klimatechniker die

Frage, wo er die Komponenten am besten

installiert, sodass sie architektonisch noch

ins Bild passen. Die Rohrleitungen und Anschlüsse

sollen keine übermäßig aufwendigen

Eingriffe in die Bausubstanz nach

sich ziehen und die optimale Funktionalität

der Lösung muss gewährleistet sein.

Hier gilt es abzuwägen: Der Platz mitten

auf der Wand ermöglicht eine ideale

Leistungsverteilung im Raum, ist in aller

Regel aber optisch wenig ansprechend.

Nur einige Hersteller bieten hierfür spezielle

Innengeräte (Bild 2). Dazu kommt

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9/10/2019 www.ikz.de

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PLANUNG

Single- und Multi-Split-Anlagen

der erhöhte Aufwand für die Verkleidung

von Kältemittel-, Verbindungs- und Elektroleitungen.

Alternativ besteht die Möglichkeit,

geringe Abstriche bei der Luftverteilung

in Kauf zu nehmen und das Gerät

aus der Wandmitte heraus zu positionieren.

Dafür reduziert sich der Aufwand für

die Rohrinstallation.

Eine pauschale Antwort gibt es nicht

– doch unabdingbar ist die Einbindung

des Endkunden. Er muss die Wahl treffen,

ob er eine bauliche Lösung mit optimaler

Luftverteilung und sichtbaren

Komponenten vorzieht oder auf ein wenig

Komfort verzichtet, ohne die Anlage

unweigerlich permanent sehen und

hören zu müssen. Hier ist Beratungskompetenz

aufseiten des Installateurs

gefragt.

Zu beachten ist ferner, dass freie Auswahl

bei den Innengeräten keineswegs

selbstverständlich ist: Je nach baulichen

Gegebenheiten können mancherorts keine

Deckenkassette oder kein Wandgerät

eingebaut werden. Die optimale Lösung

besteht hier in einem Kompromiss aus den

Wünschen des Endkunden und den technischen

Anforderungen der Geräte.

Der ästhetische Aspekt spielt auch bei

der Planung der Außeneinheiten eine

Bild 4: Mittlerweile Standard: Viele Hersteller

erlauben heute die Schnelldiagnose von

Innen- und Außeneinheiten via Smartphone

oder Tablet-PC.

Bild 3: Die Wahl des

Aufstellungsortes des

Außengerätes will gut geplant

sein. Vorteile bieten

Multi-Split-Systeme dabei

auch ästhetisch: Selbst für

größere Gebäude wird nur

ein Außengerät benötigt.

Bild 5: Apps, wie hier die Smart ThinQ App

von LG, erlauben die zentrale Steuerung aller

kompatiblen Smart-Home-Lösungen. Dazu

gehören neben Klimaanlagen auch Haushaltsgeräte

und Leuchten.

tragende Rolle. So sollte der Klimatechniker

von vornherein mit dem Kunden

besprechen, wo er das oder die Geräte

installiert. Dabei empfiehlt es sich, Wände

und Dächer sorgfältig in Augenschein

zu nehmen, damit unliebsame Überraschungen

bei der Realisation des Rohrwegs

von vornherein ausgeschlossen

sind (Bild 3).

Fehlerquellen bei der Installation

Beim Einbau der Komponenten ist einiges

zu berücksichtigen, damit die fertige

Anlage wunschgemäß funktioniert.

Zur Abstimmung von Außen- und Innengeräten

muss der Techniker berechnen,

ob der Querschnitt der Flüssigkeits- und

Saugleitungen sowie der Stromleitung die

Herstellerangaben erfüllen. Denn wenn

beispielsweise ein großes Innengerät

hinsichtlich der Anschlüsse zu klein dimensioniert

wird, kann es zu Strömungsgeräuschen,

Leistungsabfall und im

schlimmsten Fall zu Schäden an der Anlage

kommen. Darüber hinaus sollte der

Installateur bei der Verkabelung der Außengeräte

mit den Innengeräten Sorgfalt

walten lassen, damit einer störungsfreien

Kommunikation der Einheiten nichts im

Wege steht.

Potenzielle Störfaktoren im Anlagenbetrieb

sind Installationsmängel, etwa

schief aufgehängte Geräte. Der Abfluss

von Kondensat kann beeinträchtigt werden,

indem es, statt über die Kondensatwanne

abläuft, aus dem Gerät tropft. Ist

kein freier Ablauf des Kondensats möglich,

sollte von vornherein eine Kondensatpumpe

eingeplant werden.

Bei der Montage des Rohres zwischen

Innen- und Außengerät ist darauf zu achten,

dass kein Rohr abknickt. Auch muss

eine ausreichende Isolierung vorhanden

8 IKZplus • IKZ-KLIMA 9/10/2019


PLANUNG

Single- und Multi-Split-Anlagen

sein, damit sich kein Schwitzwasser bildet.

Des Weiteren sollten Rohre so verlegt

werden, dass sich im Inneren kein

Schmutz ansammelt. Vor der Inbetriebnahme

der Anlage ist zunächst eine Dichtheitsprüfung

mit Stickstoff vorzunehmen

– je nach Hersteller mit bis zu 38 bar.

Nach erfolgreicher Druckprüfung wird ein

Vakuum in der Anlage erzeugt, bevor die

Abschlussinbetriebnahme erfolgen kann.

Fachgerechte Wartung

Die Menge des Kältemittels in einer Klimaanlage

bestimmt, ob eine Pflicht zur

regelmäßigen Wartung des Systems besteht.

Bei einer Single-Split-Anlage mit

nur einem Kilogramm Kältemittel ist eine

Wartung nicht verpflichtend – bei größeren

Mengen dagegen schon. Aus Sicht des

Endkunden empfiehlt sich gleichwohl

eine regelmäßige Überprüfung des Systems,

um zu verhindern, dass sich Störungen

einschleichen und die Anlage

Schaden nimmt.

Zur vollständigen Wartung gehört neben

einem umfassenden Funktionscheck

und dem Auslesen der wichtigsten Parameter

eine Reinigung der Filter und Abflüsse.

Vor allem am Außengerät können

sich leicht Pollen und Dreck ansammeln.

Hilfreich für den Techniker, wenn er sich

im Rahmen einer Wartung per Laptop

oder Smartphone mit dem System vernetzen

kann, um wichtige Kennzahlen auszulesen

(Bild 4).

Smart Home

In der Praxis zeigt sich, dass immer mehr

Endanwender Interesse daran haben, ihre

Anlage in eine Smart-Home-Lösung einzubinden.

Manche Hersteller bieten Klimageräte

an, in die bereits ein WiFi-Modul

ab Werk integriert ist. So können beispielsweise

Besitzer die Geräte von überall

mit Smartphone oder Tablet steuern (Bild

5). Es empfiehlt sich also für Installateure,

Expertisen zu entwickeln und den Endkunden

mit der erforderlichen Beratungskompetenz

gegenüberzutreten – denn es

ist davon auszugehen, dass der Trend hin

zu anwenderfreundlichen Smart-Home-

Konzepten noch deutlich zunehmen wird.

Schlussbemerkung

Bei jedem Klimaanlagenprojekt im Heimbereich

sind Planung, Dimensionierung

und Montage mit Herausforderungen

verbunden. Deshalb empfehlen Gerätehersteller

und Systemanbieter, bei Fragen

und Problemen möglichst frühzeitig

mit dem technischen Support in Kontakt

zu treten. Auch bieten die Hersteller

Schulungen und Trainings für den erfolgreichen

Einsatz ihrer Produkte an. Denn

hier zeigt sich, was umfassende Kompetenz

in der Klimatechnik ausmacht und

welche strategische Bedeutung das Zusammenspiel

von Service und Qualität

zum Wohle aller Beteiligten hat.

Autoren: Jan Philipp Runge,

Leiter Technik und Service bei LG Air Solution

Daniel Rosenberg,

Field Support Engineer bei LG Air Solution.

Bilder: LG

www.lg.de

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PLANUNG

Flächenkühlsysteme

Mehr Behaglichkeit

durch passive Kühlung

Planungskriterien für Flächenkühlsysteme

Angenehme Temperaturen in Wohnräumen und Häusern – im Sommer lässt sich dies bis zu einer bestimmten Leistungsgrenze auf

einfache Weise mit Systemen zur Flächenkühlung erreichen. Rahmenbedingungen, mögliche Ausführungen in Neubau und Bestand

sowie Richtwerte für die Kühlleistung und eine Regelwerksübersicht werden im Folgenden vorgestellt.

Ein drastischer Temperaturanstieg draußen

macht sich irgendwann in Wohngebäuden

und anderen Aufenthaltsräumen bemerkbar.

Wie stark dies sein kann – und wie

unangenehm –, zeigte der heiße Sommer

2018 und die Hitzeperioden in diesem Jahr

mit neuen Rekordwerten. Je häufiger heiße

Tage mit einem Temperaturmaximum

über 30 °C vorkommen, umso mehr heizen

sich Gebäude bei solchen Schönwetterperioden

auf. Zudem sinkt die Nachttemperatur

oft auch nicht mehr unter 20 °C, sodass

eine nächtliche Raumkühlung kaum mehr

möglich ist. Vor diesem Hintergrund ist mit

dem Bauherrn zu klären, welche Ziele mit

welchem technischen und finanziellen Aufwand

erreicht werden sollen. Oder anders

formuliert: Welche raumlufttechnischen

Lasten sollen ausgeglichen und welche Temperaturen

sollen unter Beachtung der thermischen

Behaglichkeit erreicht werden?

Die thermische

Behaglichkeit hängt

von mehreren Faktoren

ab, die zueinander

in Beziehung stehen,

wie der Lufttemperatur

und der Oberflächentemperatur

der

Umschließungsflächen.

Spezifische Kühlleistungen bezogen auf die aktive Fläche nach DIN EN 14240 und DIN EN 1264.

Systemart Kühlleistung bei ΔΘ = 8 K Kühlleistung bei ΔΘ = 10 K

Geschlossene Metalldecken Ca. 55 – 90 W/m² Ca. 70 – 110 W/m²

Frei abgehängte Metalldeckensegel Ca. 65 – 110 W/m² Ca. 80 – 140 W/m²

Geschlossene Gipskartondecken Ca. 40 – 75 W/m² Ca. 50 – 95 W/m²

Frei abgehängte Gipskartonsegel Ca. 55 – 95 W/m² Ca. 70 – 120 W/m²

Geschlossene Lehmbaudecken Ca. 45 – 80 W/m² Ca. 55 – 100 W/m²

Frei abgehängte Lehmbausegel Ca. 55 – 95 W/m² Ca. 70 – 120 W/m²

Konvektive Hochleistungsdecken Ca. 95 – 120 W/m² Ca. 120 – 150 W/m²

Eingeputzte Systeme Ca. 40 – 65 W/m² Ca. 50 – 85 W/m²

Betonkernaktivierung/

Betonkerntemperierung

Ca. 25 – 35 W/m²

Ca. 30 – 45 W/m²

Oberflächennahe Bauteilaktivierung Ca. 50 – 70 W/m² Ca. 60 – 75 W/m²

Thermische Behaglichkeit

Verschiedene Faktoren wirken auf den

Menschen ein, aus denen die thermische

Behaglichkeit resultiert: Dies sind Lufttemperatur,

Luftgeschwindigkeit und

Luftwechsel sowie Strahlungstemperatur

und Luftfeuchte. Des Weiteren spielen

das Zugluftrisiko, eine Strahlungsasymmetrie,

die vertikale Lufttemperaturdifferenz

und die Oberflächentemperaturen

der Umfassungsflächen eine Rolle. Die sogenannte

Empfindungstemperatur gilt als

Maßstab des Komforts, sie entsteht näherungsweise

durch den Mittelwert aus Lufttemperatur

und dem Durchschnitt der

Oberflächentemperaturen des Raums. Sie

liegt im Sommer zwischen 23 und 27 °C.

Dabei dürfen die Unterschiede zwischen

den Oberflächentemperaturen verschiedener

Raumflächen nicht zu groß sein.

Auch die vertikale Lufttemperaturdifferenz

(zwischen der Kopfhöhe einer sitzenden

Person und Bodennähe) sollte weniger

als 3 °C betragen. Diese skizzierten Bedingungen

lassen sich mit verschiedenen

technischen Systemen erreichen. Bis zu

bestimmten Leistungsgrenzen können

hierzu auch Flächenkühlsysteme eingesetzt

werden.

Was spricht für die Flächenkühlung?

Ein Aspekt ist besonders wichtig und

spricht für eine solche Gebäudetechnik:

Das System kann mit geringem Aufwand

10 IKZplus • IKZ-KLIMA 9/10/2019


PLANUNG

Flächenkühlsysteme

Am Markt sind zahlreiche Flächenheiz­ und ­kühlsysteme erhältlich. Anbieter für verschiedene Lösungen finden sich auch unter

www.flaechenheizungsfinder.de (siehe Infokasten Fachliche Unterstützung bei Planung und Ausführung).

zweifach genutzt werden, für die Heizung

und für die Kühlung. Dabei ist die passive

Kühlung eher als Temperierung zu verstehen,

die je nach Raumgestaltung und -anforderung

im Fußboden, in der Wand oder

in bzw. unter der Decke platziert ist. Positiv

ist dabei u. a., dass eine Staubaufwirbelung

im Raum nicht erfolgt und auch

Zuglufterscheinungen nicht auftreten.

Des Weiteren ist die freie architektonische

Gestaltung der Innenräume ein nicht zu

unterschätzender Vorteil.

Regelwerke

Für die Planung und Ausführung einer

Flächenkühlung (und einer Flächenheizung)

sind zahlreiche Regelwerke

zu beachten. Dazu zählen u. a.:

• DIN EN 1264 „Raumflächenintegrierte

Heiz- und Kühlsysteme mit

Wasserdurchströmung“,

• DIN EN 12831 „Heizanlagen in Gebäuden

– Verfahren zur Berechnung

der Normheizlast“,

• DIN V 18599 „Energetische Bewertung

von Gebäuden – Berechnung

des Nutz-, End- und Primärenergiebedarfs

für Heizung, Kühlung, Lüftung,

Trinkwarmwasser und Beleuchtung“,

• DIN 4701 Teil 10 „Energetische Bewertung

von heiz-, warmwasserund

lüftungstechnischen Anlagen“,

• DIN 4726 „Rohrleitungen aus

Kunststoffen für die Warmwasser-Fußbodenheizung“,

• VDI 2078 „Berechnung von thermischen

Lasten und Raumtemperaturen“,

• VDI 6034 „Raumkühlflächen-Planung,

Bau und Betrieb“.

Voraussetzungen

Bei neuen Gebäuden, die den Anforderungen

an die EnEV entsprechen müssen,

wird zunächst die Heizlast ermittelt.

Eine Berechnung der Kühllast erfolgt

meist nicht, denn dieser Bereich gilt dann

als Zusatznutzen. Allerdings ist mit dem

Bauherrn frühzeitig abzustimmen, ob das

System auch zur Kühlung genutzt werden

soll. Wenn dem so ist, sollte von vornherein

auf eine niedrige Vorlauftemperatur

und eine geringe Spreizung geachtet werden.

Dies wird entweder mit einem Verlegeabstand

von 10 bis maximal 15 cm oder

mit größeren Rohrdurchmessern in Verbindung

mit Leitblechen erreicht. Der Bodenbelag

sollte einen geringen Wärmeleitwiderstand

aufweisen. Des Weiteren wird

die Temperatur-Untergrenze in der Regel

bei 16 °C gezogen. Damit wird sichergestellt,

dass kein Kondensat entsteht, das

dann zu Problemen an Bauteilen führen

kann. Überwacht wird dies mit Temperatursensoren

und Taupunktwächtern, die

eine Änderung der Einstellung auslösen,

sollte der kritische Wert unterschritten

werden. In diesem Zusammenhang ist auf

die Dämmung hinzuweisen: Sie muss der

EnEV entsprechend ausgeführt sein.

In Bestandsgebäuden ist die Situation

ähnlich. Hier sind bei der Umsetzung außerdem

die vorhandenen baulichen Gegebenheiten

wichtig, etwa die Statik oder der

Bodenaufbau. So muss die Bausubstanz

mit den Richtlinien und Herstellerangaben

des möglichen Flächenheiz- und -kühlsystems

verglichen werden. Ein wesentliches

Kriterium ist die verfügbare Aufbauhöhe,

außerdem die Anschlusshöhe zu Türen,

Treppen und anderen kritischen Punkten.

Systemvarianten der Flächenkühlung

Egal, ob es sich um eine Modernisierung

oder um einen Neubau handelt, ob ein

Trocken- oder Nasssystem gewünscht

wird, der Markt bietet viel im Bereich der

Flächenkühlung. An Decke oder Wand sowie

im Boden kann sie als Wassersystem

mit Rohren aus Kunststoff, Metallverbund

oder Kupfer errichtet werden. Daraus

ergibt sich eine Vielzahl von Möglichkeiten.

Einbauort Wand

Die Wandkühlung kann auf gemauerten

Wänden, Fertigteil- und Betonwänden sowie

auf Trockenbauwänden in Ständerkonstruktion

ausgeführt werden. Dabei

werden drei Ausführungsvarianten unterschieden:

• Rohrsystem im dickschichtigen Wandputz:

Die Rohrleitungen werden auf

einem geeigneten Untergrund befestigt

und liegen innerhalb der Putzschicht.

• Rohrsystem in Unterkonstruktion mit

Trockenausbauplatten: Diese Ausführung

entspricht Bauart B nach DIN EN

1264. Die Rohrleitungen liegen zwischen

der Unterkonstruktion und

sind in den Systemdämmplatten verlegt.

Meistens dienen Wärmeleitbleche

und Trockenbauplatten als Abdeckung.

• Rohrsystem in Trockenbauplatten: Diese

Konstruktion entspricht der Bauart

A nach DIN EN 1264. Die Systemplatten

bestehen aus Trockenbauplatten mit

integrierten Rohrleitungen und werden

auf der Unterkonstruktion Wand

befestigt.

Einbauort Decke

Die Decke ist ebenfalls eine gern genutzte

Kühlfläche. Sie kommt weniger

in Ein- und Zweifamilienhäusern vor,

sondern häufig in gewerblich genutzten

Räumen. Zudem kann sie in denkmalgeschützten

Gebäuden eingesetzt werden,

da hier oft der Boden mit Dielen oder

Zementfliesen belegt ist, die aufgrund

des Bestandsschutzes nicht aufgenom-

9/10/2019 www.ikz.de 11


PLANUNG

Flächenkühlsysteme

Im Bestand ist die

Aufbauhöhe ein

wichtiges Kriterium

für die Installation

einer Flächenheizung/­

kühlung.

die Kühlleistungen bei extremen Wetterlagen

begrenzt. Doch eine zu starke Differenz

zwischen der Temperatur außen und

innen wird weder als behaglich noch als

gesund angesehen. In der Regel wird von

einer operativen Raumtemperatur von bis

zu 26 °C ausgegangen.

men werden können. Die Deckenkühlung

wird in zwei Ausführungsformen

unterteilt:

• Rohrsystem im Deckenputz: Diese Art

entspricht der Bauart A nach DIN EN

1264. Die Rohrleitungen werden auf

einem geeigneten Untergrund befestigt

und liegen innerhalb der Putzschicht.

• Rohrsystem in oder auf Trockenbauplatte:

Diese Variante entspricht ebenfalls

der Bauart A nach DIN EN 1264.

Die Systemplatten bestehen aus Trockenbauplatten

mit integrierten Rohrleitungen

und werden auf einer Unterkonstruktion

an der Decke befestigt.

Einbauort Fußboden

Der Fußboden ist das am häufigsten verwendete

Bauteil zur Flächentemperierung.

Drei Systeme stehen hierbei zur

Wahl:

• Klassische Nasssysteme nach DIN EN

1264 als Rohrsysteme auf Dämmplatte

im Nassestrich oder Rohrsysteme in

Dämmplatte mit Nassestrich.

• Trockenbausysteme als Rohrsysteme

in Dämmplatte mit Trockenestrich –

meist verbunden mit Wärmeleitblechen

–, Rohrsysteme in Trockenausbauplatte

– mit oder ohne zusätzlicher

Dämmschicht – sowie Rohrsysteme auf

Dämmplatte in Gussasphaltestrich –

meist unter Verwendung von Kupferrohren.

• Spezielle Verbundkonstruktionen aus

Rohrsystemen auf Altuntergrund in

Ausgleichsmasse.

Nach dem Blick auf das System sollte der

Belag des Fußbodens ins Auge gefasst werden,

denn er beeinflusst die Kühlleistung

erheblich. Fliesen schneiden deutlich besser

ab als Parkett.

Mögliche Kühlleistungen

Die möglichen Heiz- und Kühlleistungen

von Flächen unterscheiden sich stark

nach der gewählten Konstruktionsart.

Nach DIN EN 14037 liegt die Heizleistung

bei flächigen Systemen zwischen

60 W/m² und 110 Watt/m², bei konvektiven

Systemen wie z. B. Lamellendecken

oder Deckensegeln zwischen ca.

100 W/m² und deutlich über 170 W/m².

Nach DIN EN 14240 liegt die Kühlleistung

meist leicht unter den oben genannten

Werten für die Heizleistung. Damit sind

Fachliche Unterstützung bei Planung und Ausführung

Quellen für die Kühlleistung

Meist wird die Kühlung der Wohnräume

mittels Wärmepumpe als passive Kühlung

realisiert. Dabei werden vor allem

Erdreich oder Grundwasser als Kühlquelle

genutzt. Tief eingebrachte Erdsonden

von Sole/Wasser-Wärmepumpen eignen

sich besser zur Kühlung als oberflächennahe

Erdkollektoren.

Neben der passiven Variante gibt es

noch die aktive Kühlung. Hierbei wird

nicht die Umgebung als „Kühlquelle“ genutzt,

sondern ein zusätzlicher Kälteerzeuger.

Das kann beispielsweise ein Kaltwassersatz

oder eine reversible Wärmepumpe

sein.

Quelle/Bilder: Bundesverband Flächenheizungen

und Flächenkühlungen

Bei der Verlegung eines Flächenheiz- und -kühlsystems ist gewerkeübergreifendes

Handeln gefragt. Die Planungs- sowie Ausführungsarbeiten von Architekt, Planer,

Heizungsbauer, Trockenbauer, Estrichleger, Oberbodenleger und ggf. weiteren

Beteiligten müssen direkt ineinandergreifen, um einen optimalen Bauablauf mit

einem hohen Qualitätsstandard zu erreichen.

Hilfe hierbei bietet der Bundesverband Flächenheizungen und Flächenkühlungen

e. V. (BVF), der zwei Fachinformationen zur „Schnittstellenkoordination

bei Flächenheizungs- und Flächenkühlungssystemen“ herausgegeben hat – bezogen

auf Neubauten und den Bestand. Sie ergänzen die geltenden Normen und technischen

Regeln. Die Dokumente können kostenfrei unter www.flaechenheizung.de

als PDF-Datei heruntergeladen werden.

Der QR­Code führt zu den Fachinformationen

„Schnittstellenkoordination bei

Flächenheizungs­ und Flächenkühlungssystemen“.

Anbieter für verschiedene Lösungen finden sich unter www.flaechenheizungsfinder.de.

Über eine Filterfunktion hat der Nutzer hier die Möglichkeit, für sein spezielles

Projekt passende Unternehmen mit Kontaktdaten und weiterführenden Informationen

zu ermitteln. Gleich, ob Neubau oder Modernisierung, elektrisch oder

wasserbasiert, die Suche lässt sich angepasst gestalten.

Der QR­Code führt zum

Flächenheizungsfinder.

12 IKZplus • IKZ-KLIMA 9/10/2019


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KLIMA

Baupraxis

Zeit und Aufwand reduzieren

Der Klimaspezialist Wolf verspricht mit dem „Easy Lifting“-Konzept eine einfache und rasche Montage

von großen Klimageräten

Die Einbringung und Montage von Klimageräten stellt im Baustellenablauf eine besondere Herausforderung dar. Besonders bei großen

RLT-Anlagen, die auf den Dächern von Gebäuden platziert werden, gilt es einige logistische Herausforderungen zu meistern. Mit dem

„Easy-Lifting“-System bietet der Klimaspezialist Wolf Anlagenbauern eine zeitsparende und praktikable Lösung.

Anlagenbauer kennen die Situation auf

der Baustelle zur Genüge: Oft steht nur

wenig Platz für die Anlieferung und Zwischenlagerung

der RLT-Geräte vor Ort zur

Verfügung. Auf kleinsten Flächen müssen

die Abläufe aller Gewerke koordiniert

werden.

Transport

eines Geräteteils

per Hubschrauber.

Erste Hürde ist die Anlieferung

Bereits die Anlieferung der Geräteteile

stellt meist eine erste Herausforderung

dar. Große Klimageräte können in der

Regel nicht in einem Teil angeliefert werden.

Je nach Umfang werden diese in mehreren

Paketen auf einem oder mehreren

Lkws aufgeteilt angeliefert. Bei größeren

Bauvorhaben werden zudem oft mehrere

Anlagen gleichzeitig angeliefert. Die

richtige Lieferreihenfolge der einzelnen

Geräte und deren Komponenten sind daher

zu beachten. Im Idealfall kommen die

Teile so, wie sie der Reihenfolge nach montiert

werden und sind auch entsprechend

gekennzeichnet, damit eine Zuordnung

durch das Montagepersonal vor Ort möglich

ist. Es nützt nichts, wenn beispielsweise

ein für die Montage erforderlicher

Grundrahmen erst mit dem letzten Lkw

geliefert wird.

Abladung und Weitertransport

Wenn die Anlieferung gemeistert ist,

gilt es, die Anlagen zu entladen und an

den richtigen Montageort zu verbringen.

Um dies zu ermöglichen, bietet Wolf

die Ausstattung seiner Klimageräte „KG-

Top“ mit Ringösen als Bestandteil des

„Easy Lifting“-Systems an. Mithilfe dieser

Ringösen an der Oberseite der Geräte können

die Anlagenteile oder auch komplette

Anlagen mit einem Kran direkt auf das Gebäudedach

gehoben werden. Ein Ausladen

mit Stapler und anschließendes Zwischenlagern

auf dem Boden ist nicht erforderlich.

In besonderen Fällen, bei denen

ein Kraneinsatz aus verschiedenen Gründen

nicht möglich ist, ist sogar ein Transport

mit Hubschrauber durchführbar. Da

sich der Schwerpunkt der Transporteinheit

beim Heben mit Ringösen immer unter

den Transportpunkten befindet, kann

die Ladung kontrolliert befördert werden.

Aufbau und Ausrichten der Geräte

Sind die Geräteteile auf den dafür vorgesehenen

Grundrahmen platziert, dann geht

es um den richtigen Aufbau, das Ausrichten

und den Zusammenbau. Da sich die

Ringösen über den Komponenten befinden,

können die Geräteteile nebeneinander

ohne Abstand platziert werden. Ein

aufwendiges Verschieben mit zusätzlich

benötigtem Werkzeug, wie Hydraulikpressen,

Spanngurte oder Seilzüge, entfällt.

Bei der Verbindung der einzelnen Geräteteile,

auch als Kuben bezeichnet, geht es

dann noch darum, die Teile exakt bündig

aneinander zu montieren. Kleinste Versätze

können zu Undichtigkeiten und

damit zu Energie- und Luftmengenverlusten

führen. Um die exakte Montage zu

ermöglichen, sind die Geräte von Wolf mit

speziellen Verbindungselementen, soge-

14 IKZplus • IKZ-KLIMA 9/10/2019


KLIMA

Baupraxis

nannten Kubenverbindern, ausgestattet.

Durch diese werden die Teile beim Zusammenbau

automatisch in die richtige

Position gezogen, sodass die Dichtheitsklasse

L1 nach DIN EN 1886 nicht nur in

der Theorie, sondern auch praktisch erreicht

wird. Da sich diese Verbindungselemente

an den Seiten und nicht am Boden

der Geräteteile befinden, gibt es auch

keine Probleme mit der Einhaltung der

Vorgaben aus der VDI 6022: Der Geräteboden

bleibt frei zugänglich und kann

somit hygienisch einwandfrei gereinigt

werden.

Deutlich einfachere Montage

von Wärmerückgewinnungssystemen

Bei großen Geräten können Rotationsoder

Kreuzstromwärmetauscher aufgrund

der Baugröße nicht in einem Stück

geliefert werden. Der Zusammenbau vor

Ort stellt hohe Anforderungen an das

Montagepersonal. Mehrere Einzelteile

müssen wie bei einem Puzzle fachgerecht

zusammengefügt werden, sodass später

ein störungsfreier, dauerhafter Betrieb gewährleistet

ist. Dazu sind erfahrene Monteure

nötig, die mit dem Zusammenbau

komplizierter Wärmerückgewinnungssysteme

vertraut sind. Aufgrund des Fachkräftemangels

wird es für das Fachhandwerk

jedoch immer schwieriger, geeignetes

Montagepersonal zur Verfügung zu

stellen. Bei Wolf gibt es daher sowohl Rotations-

(RWT) als auch Kreuzstromwärmetauscher

in „Easy-Lifting“-Ausführung.

Der zeitliche und personelle Aufwand

bei der Montage wird dadurch deutlich

verringert. Beispiel RWT: Dieser besteht

nur noch aus vormontiertem Unter- und

Oberteil. Mithilfe der Ringösen kann das

Unterteil an der richtigen Stelle platziert

werden. Das Oberteil wird anschließend

mit einem Kran oder Stapler auf das Unterteil

gesetzt. Ein zeitaufwendiger Einbau

von Einzelsegmenten entfällt. Der

Zeitaufwand zur Montage wird dadurch

auf ca. 3 Stunden reduziert, zudem ist der

Zusammenbau wesentlich vereinfacht.

Das Risiko von Montagefehlern ist deutlich

reduziert.

Auch für die Wärmerückgewinnung

mit Kreuzstromwärmetauscher hat Wolf

eine „Easy-Lifting“-Ausführung im Programm.

Die Plattenpakete sind dabei bereits

in die beiden Hälften eingebaut und

untereinander werksseitig abgedichtet.

Vor Ort muss dann nur noch die Abdichtung

zwischen den beiden Hälften hergestellt

werden. Die Montagezeit lässt sich

damit laut Wolf um 80 % reduzieren.

Fazit

Mit dem „Easy-Lifting“-System von Wolf

werden Einbringung und Montage von großen

Klimageräten deutlich erleichtert. Durch

Ringösen können die Geräte mittels Kran an

den Montageort transportiert und an der

richtigen Stelle platziert werden. Durch die

Kubenverbinder lassen sich die Komponenten

sauber ausgerichtet miteinander verbinden.

Der Aufwand für den Zusammenbau

von geteilten Wämerückgewinnungssystemen

wird vereinfacht, wodurch Zeit auf der

Baustelle gespart und das Risiko von Montagefehlern

minimiert wird. Gewichtige Argumente,

gerade in Zeiten des Fachhandwerkermangels

und des immer größer werdenden

Zeitdrucks auf den Baustellen.

Autor: Alexander Mörwald, Teamleiter Kundenservice

/ Technische Dienstleistungen Klima, Wolf

GmbH

Bilder: Wolf

www.wolf.eu

Zusammensetzen

eines Rotationswärmetauschers

in

„Easy-Lifting“-Ausführung.

Aufbau

eines Plattenwärmetauschers

in „Easy-Lifting“-

Ausführung.

Tipp

Auf dem YouTube-Channel von Wolf

steht neben vielen weiteren Videos

auch ein Film zur Montage des Easy-

Lifting-RWT bereit.

9/10/2019 www.ikz.de 15


KLIMA

Anlagenüberprüfung

Auffälligkeiten wirksam begegnen

Bei der Überprüfung von Kühlanlagen nach BImSchV offenbaren sich regelmäßig Abweichungen

von den gesetzlichen Vorgaben. Vieles lässt sich im Vorfeld vermeiden

§ 14 der 42. BImSchV fordert in regelmäßigen Abständen die Überprüfung des ordnungsgemäßen Anlagenbetriebs durch öffentlich

bestellte u. vereidigte Sachverständige oder durch akkreditierte Inspektionsstellen. Dabei werden wiederholt die gleichen Auffälligkeiten

festgestellt. Wir zeigen, welche das sind und wie sie sich vermeiden lassen.

§ 14 der 42. BImSchV fordert in regelmäßigen Abständen die Überprüfung des ordnungsgemäßen

Betriebs von Kühlanlagen durch öffentlich bestellte u. vereidigte Sachverständige oder durch

akkreditierte Inspektionsstellen.

Verwechslung der Begriffe

„Wiederinbetriebnahme“ und

„Wiederanfahren“

Der Begriff der Wiederinbetriebnahme ist

unter § 2 Nr. 12 der 42. BImSchV wie folgt

definiert: „Im Sinne dieser Verordnung ist

Wiederinbetriebnahme die erneute Aufnahme

des Betriebs einer Anlage nach einer

Änderung gemäß Nummer 1“. Eine

Wiederinbetriebnahme ist also zwingend

an eine Änderung der Lage, der Beschaffenheit

oder des Betriebs einer Anlage geknüpft,

die sich auf die Vermehrung oder

die Ausbreitung von Legionellen auswirken

kann.

Änderungen im Sinne der 42. BImSchV

sind beispielsweise ein Wechsel des

Biozids oder der Nutzwassertemperatur.

Aber auch eine Wirkungsgradänderung

des Tropfenabscheiders gilt mitunter als

Änderung.

Wichtig für Betreiber: Änderungen

sind entsprechend § 13 der 42. BImSchV

gegenüber der Behörde meldepflichtig.

Das Anschalten einer Anlage, die für

mehr als 7 Tage nicht im Betrieb war, ist

ausdrücklich keine Wiederinbetriebnahme.

Werden Anlagen oder Anlagenteile

nach der Trockenlegung oder nach Unterbrechung

des Nutzwasserkreislaufs wieder

angefahren, ist dies aus hygienischer

Sicht aber als besonders kritisch zu beurteilen.

Für die Durchführung der in diesem

Rahmen geforderten einzelnen Prüfschritte

empfiehlt sich die Beteiligung einer

hygienisch fachkundigen Person.

Bild: IKZ

Verpflichtung zur Erstellung

einer Gefährdungsbeurteilung

Die 42. BImSchV verpflichtet den Betreiber

ausschließlich vor der Erstinbetriebnahme

und vor der Wiederinbetriebnahme

einer Anlage nach einer Änderung zur

Erstellung einer Gefährdungsbeurteilung.

Die Beurteilung hat also anlassbezogen

zu erfolgen. Nicht wenige Betreiber gehen

aber davon aus, dass eine Gefährdungsbeurteilung

grundsätzlich vorliegen

muss. Häufig werden daher pauschal

erstellte Gefährdungsbeurteilungen bei

den Inspektionen vorgelegt, die in keinem

konkreten Bezug zu einer durchgeführten

Änderung wie beispielsweise einem

Biozidwechsel stehen. Derart allgemein

erstellte Gefährdungsbeurteilungen erfüllen

nicht die Anforderungen des § 3

Abs. 4 der 42. BImSchV und stellen damit

eine Unterschreitung der gesetzlichen

Vorgaben dar.

Akkreditierung des Labors

Die von der 42. BImSchV im gesetzlich geregelten

Bereich geforderten Laboruntersuchungen

des Nutzwassers auf die Parameter

allgemeine Kolonienzahl und Legionellen

dürfen nur von zugelassenen

Untersuchungsstellen durchgeführt werden.

Die Deutsche Akkreditierungsstelle

(DAkkS) hat eine Liste im Internet veröffentlicht,

auf der alle zugelassenen

Labore aufgeführt werden (Kurzlink:

https://bit.ly/2OyFR6X). Die Liste wird

regelmäßig aktualisiert.

Wichtig: Nur Labore, die auf dieser

Liste aufgeführt sind, können die Untersuchungen

im gesetzlich geregelten Bereich

durchführen. Anders erwirkte Untersuchungsbefunde

sind nicht verwertbar.

Durchführung der Probenahme

Laut BImSchV ist eine Trennung von Probenahme

und Analytik zulässig. Hierbei

ist jedoch streng darauf zu achten, dass

16 IKZplus • IKZ-KLIMA 9/10/2019


KLIMA

Anlagenüberprüfung

beide Stellen (die Proben entnehmende

Stelle sowie die untersuchende Stelle) für

die jeweilige Tätigkeit akkreditiert und

somit auf der von der DAkkS veröffentlichten

Liste aufgeführt sind. Externe Probenehmer,

auch wenn diese in das QM-

System des Labors eingebunden sind, können

vom Labor grundsätzlich nicht zur

Entnahme der Proben entsendet werden.

In diesem Punkt unterscheidet sich die

BImSchV deutlich von den Vorgaben der

Trinkwasserordnung.

Die Unabhängigkeit gilt laut Fachmodul

zur 42. BImSchV in der Regel dann

als nicht gegeben, wenn das Prüflaboratorium

oder die Inspektionsstelle:

1. Anlagen oder Anlagenteile entwickelt,

vertreibt, errichtet oder betreibt.

2. Geräte oder Einrichtungen herstellt

oder vertreibt, die die Last von Mikroorganismen

vermindern sollen.

3. Organisatorisch, wirtschaftlich oder

personell derart verflochten ist, dass deren

Einflussnahme auf die jeweiligen

Aufgaben nicht ausgeschlossen werden

kann.

4. Fachlich verantwortliche Personen beschäftigt,

die nicht hauptberuflich bei

ihr tätig sind.

Als besonders kritisch ist es zu werten,

wenn die Probenahme beispielsweise

durch den mit der Konditionierung

des Nutzwassers beauftragten Wasseraufbereiter

erfolgt. Solche Proben werden

grundsätzlich beanstandet und sind

im Sinne der 42. BImSchV nicht verwertbar.

Mitwirken am Betrieb der Anlage

durch ermittelnde Stellen

Probenahmen und Untersuchungen des

Nutzwassers im gesetzlich geregelten Bereich

sowie die Überprüfung nach § 14

dürfen wie aufgezeigt grundsätzlich nicht

von Stellen durchgeführt werden, welche

ihre Unabhängigkeit nicht ausreichend

sicherstellen können.

Gleiches gilt für ein wie auch immer geartetes

Mitwirken von ermittelnden Stellen

(Labore, Inspekteure) am Betrieb der

Anlage. Insbesondere auch die Erstellung

von Gefährdungsbeurteilungen oder die

Übernahme der betriebsinternen Überprüfungen

des Nutzwassers sind dazu

geeignet, die Unabhängigkeit der ermittelnden

Stelle zu verletzen.

Es ist vom Betreiber der Anlage sorgfältig

darauf zu achten, dass die im Rahmen

der 42. BImSchV mit den Ermittlungen

beauftragten Stellen keinerlei

weitere Verbindungen zur Anlage oder

zum Betreiber unterhalten, die zur Verletzung

der Unparteilichkeit geeignet scheinen.

Autor: Harald Köhler, Leiter der ATHIS Hygieneinspektionsstelle,

Amberg

www.athis-hygieneinspektionsstelle.de

Bild: BImSchV

Entsprechend § 3 Abs. 6 der 42. BImSchV müssen die aufgeführten Prüfschritte nach Anlage 2

vor Wiederanfahren durchgeführt werden.

9/10/2019 www.ikz.de 17


KLIMA

Raumlufthygiene

Krankenhausinfektionen

haben trotz strenger

Hygienemaßnahmen

zugenommen.

Infektionsgefahr

in Krankenhäusern senken

Die Klimatisierung ist ein bislang zu wenig berücksichtigter Stellhebel, sagen Experten

Die heutigen Praktiken der Infektionsbekämpfung in Krankenhäusern konzentrieren sich weitgehend auf Hand-, Instrumenten- und

Oberflächenhygiene sowie auf Mund- und Gesichtsschutz. Während diese Vorgehensweisen darauf abzielen, die Übertragung durch

Kontakt und Verteilung von Sprühtröpfchen aus kurzer Distanz zu verhindern, stoppen sie die feinen Tröpfchen in Aerosolgröße nicht,

die infektiöse Mikroorganismen über beachtliche Distanzen und längere Zeiträume an die Luft abgeben können.

Epidemiologen stimmen darin überein,

dass trotz der strengen Oberflächenhygienemaßnahmen

zur Kontrolle der Krankenhausinfektion

(Healthcare Associated

Infection, HAI) die Zahl der verzeichneten

Fälle in den letzten 20 Jahren um

36 % gestiegen ist und jedes Jahr weiter

wächst. Im Freien ist das Ansteckungsrisiko

für virale oder bakterielle Erkrankungen

äußerst gering. Die Erreger werden

dort rasch verdünnt. Anders verhält

es sich in geschlossenen Räumen. Dort

sind wir einer beschränkten Zuluft ausgesetzt

und teilen diese Atemluft miteinander.

In Krankenhäusern herrscht in

vielen Bereichen ein erhöhtes Risiko für

eine sogenannte nosokomiale Infektion,

also eine Ansteckung mit Keimen, die der

Patient nicht mitbringt, sondern im Krankenhaus

erwirbt. Um diese Ansteckungsgefahr

gering zu halten, ist eine Behandlung

der Raumluft erforderlich. Warum?

Infektionsschutz

durch die richtige Raumluftfeuchte

Interessant ist festzustellen, dass sowohl

eine trockene Raumluft das Überleben

von Viren und Bakterien begüns tigt – d.h.

wenn die relative Luftfeuchte unter 40 %

fällt – als auch dann, wenn sie zu feucht ist

(Werte über 60 %). Infektionen der Atemwege

nehmen grundsätzlich bei trockener

Luft zu. Es ist wissenschaftlich erwiesen,

dass die optimale relative Luftfeuchte (Relative

Humidity, RH) für den Menschen in

einem Korridor zwischen 40 und 60 % liegt.

Wie lässt sich dieser Korridor erklären?

Im Freien ist das Ansteckungsrisiko

für virale

oder bakterielle

Erkrankungen gering.

Doch Krankenhäuser

sind geschlossene

Systeme.

18 IKZplus • IKZ-KLIMA 9/10/2019


Zu trockene Raumluft mit einem relativen

Feuchteanteil von unter 40 % lässt

die winzigen Tröpfchen, die mit Grippeoder

Erkältungsviren belastet sind, eintrocknen.

Sie schrumpfen dann auf Größen

bis 0,5 μm. Gleichzeitig erhöht sich deren

Salzkonzentration so stark, dass sich

in der trockenen Atmosphäre eine regelrechte

Kruste um die Aerosole bildet. So

wird die Überlebensfähigkeit der Keime

im Inneren der Tröpfchen und die Schwebefähigkeit

der Tröpfchen maximiert. Sie

können bis zu 41 Stunden „überleben“.

Wer also erkältet ist und in einem zu trockenen

Raum hustet oder niest, erzeugt

eine Kontaminationsatmosphäre, die annähernd

2 Tage überdauern kann.

Je kleiner, desto tiefer

Wir kennen außerdem den Zusammenhang

der Größe von Aerosolen – also kleinsten

schwebefähigen Partikeln in der Luft

– und ihrer Eindringtiefe in unseren Organismus

mittlerweile sehr genau. In den

Nasen-Rachenraum bspw. gelangen Aerosole

in Größenordnungen von 10-5 μm. Je

kleiner sie sind, desto tiefer dringen sie ein.

Aerosole, die bis in die kleinen Lungenbläschen

(Alveolen) gelangen können, sind nur

noch 0,1-1 μm groß.

In gut befeuchteten Räumen bleiben

die Aerosol-Tröpfchen mit Durchmessern

bis 100 μm vergleichsweise groß. Ihre

Schwebefähigkeit ist damit stark eingeschränkt.

Sie sinken langsam zu Boden

und können dann nicht mehr eingeatmet

werden.

Infektionen während des

Krankenhausaufenthalts

Wissenschaftliche Literatur und Patientenerfahrungen

machen deutlich, dass

sich trotz der aktuellen Praktiken der Infektionsbekämpfung

mindestens 5 von jeweils

100 stationären Patienten eine neue

Infektion oder eine Krankenhausinfektion

zuziehen. An den schweren und weitgehend

vermeidbaren HAI’s versterben

weltweit mehr Menschen als an AIDS,

Brustkrebs und Autounfällen zusammen.

Der Chirurg und Experte zum Thema

Patientensicherheit, Dr. Atul Gawande,

bezeichnet die Opfer von HAIs als

„die 100 000 Leben, die wir am einfachsten

retten können“, weil kein neues Heilmittel

notwendig ist. Wir müssen uns

Elektrische Dampfluftbefeuchter sind in

Krankenhäusern das Mittel der Wahl.

Bei ungünstiger

relativer Luftfeuchte

halten

sich Grippe- und

Erkältungsviren

annähernd 2 Tage.

fragen, ob es Einrichtungs-Management-

Strategien gibt, die uns fehlen. Ein besseres

Verständnis dafür, wie Raumbedingungen

sowohl die Infektiosität von

Mikroben als auch die Fähigkeit von Patienten,

gegen Infektionen anzukämpfen

trägt dazu bei, die besten Methoden

zur Minderung von HAI’s zu erkennen.

Die Raumluft muss so konditioniert sein,

dass Erreger praktisch keine Überlebenschancen

haben.

Korrelation zwischen der relativen

Luftfeuchte und HAI´s

Kürzlich wurde eine Studie von Dr. Stephanie

Taylor in einem neu gebauten Universitätskrankenhaus

mit ca. 250 Betten

in den USA durchgeführt. Über einen Zeitraum

von 13 Monaten wurden in 10 Patientenzimmern

stündlich Raumtemperatur,

absolute und relative Luftfeuchtigkeit,

Beleuchtungsstärke (Lux), Raumluftänderungen,

Teile der Außenbelüftung und

Kohlendioxidgehalt gemessen. Während

des gleichen Zeitraums wurden elektronische

Akten von Patienten, die diesen

Zimmern zugewiesen waren, in Bezug auf

das Vorhandensein von HAI’s analysiert.

Beim Vergleich aller aufgezeichneten

und mit Patienten-Ergebnissen korrelierten

Umgebungsmessungen wurde festgestellt,

dass die relative Luftfeuchtigkeit

im Raum der entscheidende Faktor in Bezug

auf die HAI-Raten ist. Die Ergebnisse

zeigen deutlich, dass die relative Luftfeuchte

im Patientenzimmer umgekehrt proportional

zu HAI’s war. Mit anderen Worten:

Wenn die relative Luftfeuchte im Raum anstieg,

sank die HAI-Rate bei Patienten.

Massive Einsparungen

Auch aus finanzieller Sicht brachte die

Studie erstaunliche Ergebnisse. Die in

diesem Projekt prognostizierten finanziellen

Auswirkungen einer Raumluftbefeuchtung

wurden für den Fall berechnet,

dass die Krankenhausinfektionen

um 20 % verringert werden. Die Gewinnschwelle

(Vermiedene Kosten/Investitionen)

wurde schon im 1. Quartal erreicht.

Die ermittelte Nettorendite im ersten Jahr

betrug knapp 7,3 Mio. US-Dollar.

Technische Umsetzung

Doch wie lässt sich das technisch umsetzen?

In Krankenhäusern kommt unter

allen verfügbaren technischen Lösungen

zur Luftbefeuchtung nur die

Luftbefeuchtung mit Dampf infrage.

Elektrische Dampfluftbefeuchter erzeugen

eine keimfreie Raumluftfeuchte, da

das verwendete Wasser auf Siedetemperatur

erhitzt wird, dem kein Krankheitserreger

Stand hält. Dafür kann

vorhandenes, mineralfreies oder herkömmliches

Leitungswasser verwendet

werden. Ein weiterer Aspekt, der für die

Luftbefeuchtung mit Dampf spricht, sind

die in Krankenhäusern bereits vorhandenen

Dampfverteilnetze, die zur Sterilisierung

oder zu Reinigungszwecken benötigt

werden.

Dampfluftbefeuchter können in jede

bestehende Zentralklimaanlage integriert

oder in den meisten Fällen auch

nachgerüs tet werden. Sie sind gut zu reinigen

und zu warten. Für die gleichmäßige

Einbringung und Verteilung des

Dampfes in den Luftstrom ist es besonders

wichtig, die Befeuchtungsstrecke

richtig auszuführen. Sie setzt sich zusammen

aus der Nebelzone und der anschließenden

Expansions- und Vermischungszone.

Bei richtiger Bemessung

sind Kondensationserscheinungen innerhalb

der Luftleitungen ausgeschlossen.

Autor: Uwe Fischer,

Condair GmbH Regionalcenter Nord

Bilder: Condair

www.condair.de

9/10/2019 www.ikz.de 19


KLIMA

Hygiene in Patientenzimmern

Eliminierung von Krankenhauskeimen

Automatische Desinfektion von Nasszellen mit UVC und Ozon tötet Erreger ab und neutralisiert Gerüche

Laut einer Studie von Wissenschaftlern des ECDC aus dem Jahr 2016 infizieren sich jährlich circa 2,6 Mio. Europäer mit Krankenhauskeimen

– bei etwa 91 000 Patienten verläuft die Ansteckung tödlich. Grund dafür ist neben der mangelhaften Umsetzung von Hygienevorschriften

auch der Zeit- und Kostendruck bei täglichen Reinigungsarbeiten. Um hier Abhilfe zu schaffen, hat die Dinies GmbH ein

Desinfektionsgerät entwickelt, das die Nasszelle sowohl mit kurzwelligen UVC-Strahlen als auch mit Ozon entkeimt.

„In einem Kooperationsprojekt mit der

HFU Furtwangen wurde festgestellt, dass

die pathogene Keimbelastung in Nasszellen

selbst nach der regulären Wischdesinfektion

noch immer 42 % betrug“, erklärt

Dipl.-Ing. Cajus Dinies, Geschäftsführer

der Dinies Technologies GmbH. „Die Erreger

sind vor allem an Stellen zu finden,

mit denen auch die Patienten häufig in

Berührung kommen. Dazu zählen etwa

Tür- und Haltegriffe, Lichtschalter und

auch die Armaturen des Waschbeckens.“

Um diese Keime effizient zu beseitigen,

reicht „ein kurzes Drüberwischen“ nicht

aus – genau das wird in einem Großteil der

Krankenhäuser aber praktiziert, weil die

Reinigungsfachkräfte häufig in kürzester

Zeit eine große Anzahl an Zimmern reinigen

müssen.

Desinfektionsgerät kombiniert

UVC-Strahlen mit Ozon

Auf die Problematik der Krankenhauskeime

aufmerksam wurde Dinies Technologies

bereits vor Jahren. Das Unternehmen,

das sich unter anderem auf die Entkeimung

mittels UV-Strahlung spezialisiert

hat, entwickelte im Jahr 2016 zunächst

ein mobiles Gerät, das sich besonders zur

kos tengünstigen und schnellen Desinfektion

von OP-Sälen, Behandlungsräumen

und Patientenzimmern eignet. Ein stationärer

Einsatz – etwa in Patientenzimmern

– war jedoch noch nicht vorgesehen. „Daraus

entstand die Idee, ein Gerät für den

kontinuierlichen Einsatz in Nasszellen zu

entwickeln, das selbstständig den Desinfektionszyklus

einleitet“, erläutert Dinies.

„Dafür haben wir den „Clean O3Mat“ so

konzipiert, dass er zunächst die Funktion

einer gewöhnlichen Badbeleuchtung

übernimmt.“

Für die Desinfektion sind neben einer

gewöhnlichen LED-Lampe auch UVC- und

Ozonröhren verbaut. Der Desinfektionszyklus

wird in Gang gesetzt, sobald der

Patient das Badezimmer verlässt und das

Licht ausschaltet. Für eine Dauer von einer

Bild: Adobe Stock / Dinies Technologies

Nasszellen in Patientenzimmern weisen häufig hohe Keimbelastungen auf, wenn die Wischdesinfektion

aufgrund von Zeit- und Kostendruck nur oberflächlich erfolgt. Der „CleanO3Mat“

reduziert die Keimzahlen deutlich ohne zusätzlichen Aufwand.

Bild: Dinies Technologies

Minute wird zunächst Ozon produziert.

Dadurch lassen sich Geruchsmoleküle

vollständig eliminieren. Anschließend

werden mittels UVC-Strahlung Keime und

Mikroorganismen zerstört. „Die Ozonwerte

liegen dabei stets innerhalb der gesetzlich

vorgeschriebenen Grenzen und

sind für den Menschen ungefährlich“, erklärt

Dinies. „Das Gerät wurde dennoch

so konzipiert, dass der Zyklus unterbrochen

wird, sobald der Patient kurzfristig

in das Badezimmer zurückkehrt und den

Das Gerät zerstört Keime und Mikrobakterien mithilfe von Ozon und kurzwelligen UVC-Strahlen.

Das Ozon sorgt außerdem für die Eliminierung von unangenehmen Gerüchen.

20 IKZplus • IKZ-KLIMA 9/10/2019


KLIMA

Hygiene in Patientenzimmern

Bild: Dinies Technologies

Bei einem Feldversuch ergaben die Messungen zunächst hohe Keimbelastungen an verschiedenen Stellen im Bereich der Toilette.

Nach Inbetriebnahme des „CleanO3Mat“ wurde die Keimbelastung dauerhaft deutlich reduziert.

Lichtschalter betätigt.“ Das bereits freigesetzte

Ozon zersetze sich selbstständig innerhalb

kurzer Zeit zu ungefährlichem

Luftsauerstoff.

Testergebnisse

bestätigen Wirksamkeit

Im Anschluss an die Entwicklungsphase

wurde der „CleanO3Mat“ unter realen Bedingungen

getestet. Dazu wurde zunächst

die Keimbelastung an verschiedenen Stellen

in einer Toilette gemessen. „Diese Analysen

ergaben sehr hohe Werte“, berichtet

Dinies. „Teils lag die Keimbelastung bei

knapp 0,36 Gesamtkeimzahl/KBE/cm 2 an

der Wand und über 2,88 KBE/cm² am Boden

des Urinals. Auch der Türgriff und

die Armaturen des Waschbeckens waren

mit Keimen belastet.“ Daraufhin wurde

das Gerät zur kontinuierlichen Desinfektion

eingesetzt. „Bereits ab Tag zwei lag

die Keimbelastung bei Höchstwerten von

nur noch 0,16 Gesamtkeimzahl/KBE/cm 2 .

Diese niedrigen Werte blieben auch dann

noch langfristig bestehen, als die übliche

Wischdesinfektion ausgesetzt wurde“, so

Dinies weiter.

Der „CleanO3Mat“ besitzt eine Nennleistung

von 35 W sowie eine Nennspannung

von 230 V/50 Hz. Die Leuchtleistung

beträgt 8 W. Da die Montage wie bei einer

gewöhnlichen Deckenbeleuchtung erfolgt,

lassen sich die Lampen einfach austauschen.

www.cleano3mat.de

www.dinies.com

9/10/2019 www.ikz.de


KÄLTE

Interview

„Die Absorptionskältetechnik

besitzt großes Potenzial“

Interview mit Experten des BTGA zu den Ergebnissen eines fünfjährigen Feldtests

Im Juli 2018 endete ein fünfjähriger Feldtest zur Marktfähigkeit einer neuen Generation von Absorptionskälteanlagen. Die Ergebnisse

wurden nun vorgestellt. Ein Feldtestpartner war der Bundesindustrieverband Technische Gebäudeausrüstung (BTGA). Im Interview

sprachen wir mit Stefan Tuschy und Clemens Schickel über den Aufbau des Projekts und zu den Erkenntnissen, die gewonnen werden

konnten. Beide sind technische Referenten im BTGA.

IKZ-KLIMA: Wie war der Feldtest aufgebaut

und welche Kältenutzungen wurden

an den unterschiedlichen Standorten konkret

erprobt?

Stefan Tuschy: Im Rahmen des Forschungsvorhabens

wurden in insgesamt

16 Feldtestliegenschaften 25 Absorptionskälteanlagen

mit einer Kälteleistung von

2,26 MW betrieben. Unter den Feldtestliegenschaften

waren sowohl Industriebetriebe

und Gewerbeimmobilien als auch

Handelsunternehmen. Somit gab es ein

breites Spektrum in den Anforderungen.

Neben Klimakälte wurden ebenso Labor-/

Prozesskälte, Rechenzentrumskälte sowie

Krankenhauskälte erzeugt.

IKZ-KLIMA: Ging es hier immer um den

Einsatz von Anlagen im Bestand oder

auch im Neubau?

Clemens Schickel: Im Rahmen des Forschungsvorhabens

wurden die Absorptionskälteanlagen

sowohl in Neubauprojekten

als auch im Bestand eingesetzt.

Im Rahmen von Modernisierungen bestehender

KWK-Anlagen bietet die neue

Absorptionskältetechnik allerdings ein

großes Potenzial: Insbesondere bei der

Kälteversorgung von bestehenden Gebäuden,

bei welchen die Anlagen zumeist

über nicht veränderbare Zugangswege

in bestehende Technikzentralen

eingebracht werden müssen. Dabei spielen

sowohl das Gewicht der Hauptkomponenten

als auch deren Maße eine zentrale

Rolle.

IKZ-KLIMA: Im Feldversuch wurden

Lithiumbromid-Absorptionskälteanlagen

(AKA) eingesetzt. Wann kommt gerade

diese Konstellation besonders infrage und

worin zeichnet sie sich gegenüber anderen

AKA aus?

Clemens Schickel: Die Vorteile der Lithiumbromid-Wasser-AKA

sind die niedrige

Austreibertemperatur sowie die weit auseinanderliegenden

Siedetemperaturen.

Aufgrund der guten stofflichen und kalorischen

Eigenschaften sind Lithiumbromid

und Wasser in Absorptionskälteanlagen

zur Gebäudeklimatisierung das

meistverwendete Arbeitsstoffpaar.

Aufstellung und kompakte Montage in einer bestehenden Zentrale. Dimensionierung und

Gewicht waren auch wichtige Kriterien, die im Feldtest beleuchtet wurden.

Stefan Tuschy: Im Bereich der Kälteerzeugung

unter 0 °C setzt man hingegen meist

Ammoniak und Wasser als Betriebsmittel

ein. Der Absorptionskälteprozess in

einer Ammoniak-Wasser-Kälteanlage ist

ähnlich dem der Lithiumbromid-Wasser-

AKA. Jedoch erfolgt hier nach dem Austreibungsprozess

zusätzlich ein thermisches

Trennverfahren. Ein typisches

Anwendungsfeld für Ammoniak-Wasser-

AKA ist zum Beispiel die Lebensmittelindustrie.

22 IKZplus • IKZ-KLIMA 9/10/2019


KÄLTE

Interview

IKZ-KLIMA: Die im Projekt federführende

TU Berlin wollte technische Verbesserungen

erzielen. Was ist der Anlass bzw.

welche Schwachstellen kennzeichnet die

Technik noch?

Clemens Schickel: Um trotz steigenden

Kühlbedarfs den CO 2 -Ausstoß zu vermindern

und den Klimaschutz zu stärken,

werden energieeffizientere Anlagen

gefordert. Eine Möglichkeit besteht darin,

bereits existierende Verfahren durch

deren Verwendung in neuen Einsatzgebieten

effizienter zu gestalten, wie z. B.

die Verbindung von Absorptions-Kälteanlagen

mit der Kraft-Wärme-Kopplung,

also ein KWKK-System. Hierbei

werden bis dahin ungenutzte Abwärmepotenziale

aus dem KWK-Prozess eingesetzt.

Auch ist eine stärkere Auslastung

der Fernwärmenetze, insbesondere im

Sommer zu Schwachlastzeiten möglich,

also zu Zeiten, in denen meist nur Wärme

für die Trinkwassererwärmung benötigt

wird. Die zusätzliche Wärmeanforderung

durch AKA-Systeme führt zu

einer besseren Auslastung der Fernwärmenetze

und somit zu einer Verbesserung

der Wirkungsgrade der Erzeugung und

Verteilung der Fernwärme.

IKZ-KLIMA: Welche technischen Verbesserungen

wurden konkret erzielt?

Stefan Tuschy: Hier sind verschiedene

Faktoren ausschlaggebend: Beispielsweise

verfügt die AKA über eine Wärmeübertragerauslegung,

die Antriebstemperaturen

von nur 55 °C für die Kälteerzeugung ermöglicht.

Auch kann diese Generation

von AKA mit trockenen Rückkühlwerken

kombiniert werden, was bis dahin für

Absorptionskälteanlagen als nicht machbar

galt. Gerade im Hinblick auf das Thema

Hygiene in Verdunstungskühlanlagen

kann dementsprechend zukünftig eine sichere

Alternative in Betracht gezogen werden.

Darüber hinaus zeichnen sich die im

Feldtest eingesetzten Anlagen durch eine

hohe thermische Effizienz (COP) von bis

zu 0,81 im Lastbereich zwischen 25 und

150 % aus.

Nicht zuletzt sind insbesondere

auch die geometrischen Parameter von

2 x 0,85 x 1,9 m sowie die Transportmasse

von unter 1 t zu nennen.

IKZ-KLIMA: Wie marktfähig ist die neue

Generation bereits, woran muss noch weiter

geschraubt werden?

Clemens Schickel: Um nicht nur energetisch,

sondern auch wirtschaftlich mit der

Anlagenverteilung innerhalb der Feldtestliegenschaften nach Leistung in kW.

Als Antriebsenergie wurden in den Liegenschaften zwölfmal Fernwärme, dreimal Abwärme aus

einer KWK-Anlage und einmal Abwärme aus einer solarthermischen Anlage genutzt.

Kälteerzeugung durch Kompression konkurrieren

zu können, bedarf es für die Absorptionstechnik

einer Konsolidierung

der Gestehungskosten. Bei steigenden Absatzzahlen

und zunehmend automatisierten

Produktionsprozessen bei der Herstellung

der Komponenten könnte dies möglich

werden.

Stefan Tuschy: Weiterer wichtiger Baustein

bei der Verbreitung der AKA-Technik

ist die Kostenentwicklung

für

elektrische und

thermische Energie.

Bleibt Strom

güns tig und wird

Fernwärme gerade

im Sommer durch

steigende Preise

unattraktiv, wird es

die Technik im Vergleich

zu Kompressionskältemaschinen

schwer haben. Steht

jedoch Abwärme aus anderen Prozessen

wie beispielsweise KWK zur Verfügung,

sollte eine Kälteerzeugung durch Einsatz

von Wärme immer als Option betrachtet

und näher untersucht werden.

IKZ-KLIMA: Für wann ist die Serienreife

geplant? In welchem Leistungsspektrum

sollen die Anlagen angeboten werden und

Um trotz steigenden Kühlbedarfs

den CO 2 -Ausstoß zu vermindern

und den Klimaschutz zu stärken,

werden energieeffizientere

Anlagen gefordert.

Clemens Schickel

für welche Einsatzfelder sind sie eine Option?

Stefan Tuschy: Laut dem im Forschungsvorhaben

eingesetzten Hersteller ist eine

Serienreife bereits heute möglich. Die im

Projekt zum Einsatz gekommenen Absorptionskälteanlagen

konnten mit Kältemodulen

in zwei Leistungsklassen zu

50 kW und 160 kW ausgewählt werden.

Mittlerweile ist eine dritte Leistungsklasse

mit 500 kW vorhanden.

Clemens Schickel:

Eine besondere

Her ausforderung

der Planung von

Absorptionskälteanlagen

stellt deren

Anpassung an

die zumeist vorgegebenen

Anforderungen

der Kaltwassertemperatur

sowie an das Temperaturniveau

der Wärmeversorgung

dar. Unter Einbeziehung der möglichen

Rückkühltemperaturen ergeben sich für

jeden Einsatzfall individuelle Leistungsdaten

des Absorbers. Dazu hat der Hersteller

der Absorptionsanlage ein Nomogramm

erstellt, mit dem eine erste

Abschätzung der zu erwartenden Kälteleistung

erfolgen kann. Eine genauere

9/10/2019 www.ikz.de 23


KÄLTE

Interview

Untersuchung und Planung des Einzelfalls

kann diese Arbeitshilfe jedoch

nicht ersetzen.

IKZ-KLIMA: Wo sind in der Ausführung

solcher Projekte noch Baustellen bei Planern

und Monteuren – was lehren hier die

Feldtests?

Clemens Schickel: Sowohl Fachplaner als

auch ausführende Unternehmen sind in

der Lage, die Anlagen auch außerhalb des

begleiteten Forschungsvorhabens fachgerecht

zu planen und zu errichten. Zwar

Das bestehende Normenwerk

zur Planung und Ausführung von

AKA-Systemen ist umfänglich

und ausreichend.

Stefan Tuschy

Im Rahmen des Projekts wurde ein Nomogramm als Auslegungshilfe entwickelt, mit dem eine

erste Abschätzung der zu erwartenden Kälteleistung ermittelt werden kann.

musste im Rahmen des Feldtests die Konstruktion

der AKA verbessert werden, um

eine Montage gerade in bestehenden Gebäuden

deutlich zu vereinfachen, dennoch

handelt es sich dabei um zu erwartende

Prozesse bei der Markteinführung

eines neuen Produktes. Es wurden im gesamten

Projektzeitraum keine grundsätzlichen

Mängel vorgefunden, welche ursächlich

auf die Absorptionstechnik zurückgeführt

werden könnten.

Stefan Tuschy: Das bestehende Normenwerk

zur Planung und Ausführung von

AKA-Systemen ist umfänglich und ausreichend.

Eine Schulung der ausführenden

Unternehmen ist nach jetzigem Erkenntnisstand

nicht von Nöten. Zur komplexen

Anlagenhydraulik bietet der Endbericht

des Forschungsvorhabens verschiedene

Standard-Verschaltungen an, auf deren

Grundlage auch Schulungen für Planer

von AKA-Systemen entwickelt werden

könnten.

Die Fragen stellte Dittmar Koop,

Journalist für Erneuerbare Energien

Bilder: BTGA

Stefan Tuschy: „Steht Abwärme aus anderen

Prozessen wie beispielsweise KWK zur

Verfügung, sollte eine Kälteerzeugung durch

Einsatz von Wärme immer als Option

betrachtet und näher untersucht werden.“

Clemens Schickel: „Sowohl Fachplaner als

auch ausführende Unternehmen sind in

der Lage, die Anlagen auch außerhalb des

begleiteten Forschungsvorhabens fachgerecht

zu planen und zu errichten.“

24 IKZplus • IKZ-KLIMA 9/10/2019


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KÄLTE

VRV-/Invertertechnik

Bild: B+S GmbH

Am neuen Standort des Logistikdienstleisters

B+S sorgen ZEAS-Systeme von Daikin

für eine betriebssichere Kälteversorgung.

Betriebssichere Kälteversorgung

Effiziente Kältetechnik sorgt für konstante Kühlung in der Logistikbranche

Die exakte Einhaltung eines festgelegten Temperaturbereichs ist gerade in der Lebensmittellogistik essenziell. So auch bei dem Logistikdienstleister

B+S GmbH in Bielefeld: Hier wurden zur Kühlung von zwei neu erbauten Hallen mit insgesamt 10 000 m² Fläche

20 Verflüssigersätze von Daikin mit einer Gesamtleistung von 900 kW eingesetzt, die durch ihre hohe Anzahl eine notwendige Redundanz

erzielen. Neben der so gewährleisteten hohen Betriebssicherheit mit konstanten Temperaturen sparen die Geräte mittels

VRV- und Invertertechnologie im Vergleich mit herkömmlichen Kältetechniksystemen bis zu 30 % Energie ein.

Im Jahr 2001 gründetet, beschäftigt das

Unternehmen B+S GmbH heute insgesamt

über 600 Mitarbeiter an neun Standorten

und unterhält einen Fuhrpark mit

60 Lkws. Nachhaltigkeit, sowohl in puncto

Umweltschutz, als auch in Bezug auf

die Arbeitsbedingungen, stehen mit im

Vordergrund der Unternehmensbestrebungen.

Auf einer Gesamtfläche von

über 230 000 m² deutschlandweit bietet

B+S Transport-, Aktionswaren-, Kontraktund

Lagerlogistik sowie E-Commerce-Fulfillment

an.

28 000 m²

für verschiedenste Anforderungen

Die Grundsteinlegung am neuen Standort

erfolgte im Jahr 2016. Nun befinden

sich auf den 28 000 m² in Bielefeld – davon

sind knapp 9500 m² temperiert – Hochregal-,

Kommissionier- und Konfektionslager

sowie eine Fachbodenanlage.

Die Hallen sind für eine hohe Flexibilität

in trennbare Zonen eingeteilt. Dabei

lassen sich verschiedene Temperaturzonen

bestimmen: bis + 4 °C, bis + 16 °C und

bis + 25 °C. Über eine mit den Geräten

verknüpfte Software und den dazugehörigen

Monitor lassen sich die Anlagen genau

überwachen. So können die Temperaturen,

wenn nötig schnell und einfach

angepasst werden. Bei Bedarf ist auch

eine Tiefkühllagerung bis - 25 °C möglich.

Die zu kühlenden Flächen sind auf

zwei Hallen mit jeweils rund 4700 m² verteilt.

Zwei temperierte Hallen mit jeweils rund 4700 m² bieten Platz für die zu kühlenden Waren

und Temperaturbereiche zwischen 1 °C und 16 °C.

Bild: Daikin

„Niedrige Kosten,

geringe Umweltbeeinträchtigungen“

Das Unternehmen legt mit seinem Green

Logistics-Gedanken Wert auf nachhaltige

Strukturen. Diese Einstellung trug maßgeblich

zur Entscheidung für die Daikin

Technik bei. „Ein erster Entwurf sah z. B.

eine Kühlung durch ein Wasser-Glykol-

Gemisch vor. Dafür sollten je Halle zwei

Kaltwassersätze aufgebaut werden. Durch

das beteiligte Bauunternehmen Goldbeck

wurden wir dann jedoch auf Daikin aufmerksam“,

erinnert sich Florian Jahnke,

Niederlassungsleiter bei B+S in Bielefeld.

„Letztendlich haben wir uns, zusammen

26 IKZplus • IKZ-KLIMA 9/10/2019


KÄLTE

VRV-/Invertertechnik

mit dem Kunden, für die „ZEAS“-Technik

von Daikin entschieden“, so Anlagenbauer

Christopher Fratz von der Zimmer

& Hälbig GmbH in Bielefeld. „Dabei spielten

neben der hohen Energieeffizienz verhältnismäßig

niedrige Kosten und eine geringe

Umweltbeeinträchtigung eine große

Rolle.“

Effizienz im Teillastbetrieb

„Die Anlagen basieren auf der VRV-Technologie

von Daikin und arbeiten mittels

invertergeregelten Scroll-Verdichtern im

Teillastbetrieb besonders effizient“, hebt

Fratz weiter hervor. Die Verdichter sind

mit der Economiser-Technologie ausgestattet,

durch die das Kältemittel zusätzlich

unterkühlt wird, was den Nutzkältegewinn

steigere. Aufgrund der Integration

aller Komponenten der Gewerbekälte in

einem System zeichnen sich die „ZEAS“-

Verflüssigereinheiten durch eine kompakte

und standardisierte Bauweise aus.

„Ausschlaggebend für die Entscheidung

war zusätzlich der Betrieb mit dem Kältemittel

R-410A. Damit spart die Technik

im Vergleich zu anderen Verbundanlagen

rund 30 % an Energiekosten ein.

Die geringe Kältemittelfüllmenge erfordert

zudem weniger Dichtheitsprüfungen,

was für den Kunden einen weiteren Vorteil

bei der Wartung darstellt“, so Christopher

Fratz.

Die Frequenz der Dichtheitsprüfungen

wird durch die F-Gase-Verordnung geregelt:

Grundlage ist das CO 2 -Äquivalent

der in der Anlage befindlichen Kältemittelfüllmenge.

Für Anlagen mit einer Kältemittelfüllmenge

mit einem Äquivalent

von 5 bis 50 t ist alle 12 Monate eine

Dichtheitsprüfung vorzunehmen. Mit einer

Füllmenge von 7,9 beziehungsweise

Jeder Verflüssigersatz ist an zwei Verdampfer angeschlossen.

23 kg kommen die Anlagen der B+S GmbH

auf ein Äquivalent von 16,5 und 28 t, womit

sie unter diese Regelung fallen. Für

eine einfache und schnelle Installation sowie

Inbetriebnahme werden die Verflüssigersätze

mit einer Kältemittel-Grundfüllung

versehen und dann werksgeprüft sowie

vorkonfiguriert ausgeliefert.

Redundanz schafft Sicherheit

Um in beiden Hallen am B+S Standort

in Bielefeld die erforderlichen Temperaturen

zu gewährleisten, wurden insgesamt

20 „ZEAS“-Verflüssigersätze auf den

Hallendächern platziert (je 10 Systeme pro

Hallendach). Die hohe Leistung der Geräte

war notwendig, um ganzjährig eine stabile

Temperatur für die Lagerung von Lebensmitteln

gewährleisten zu können. Die Systeme

in Halle A erreichen eine Kälteleistung

von 560 kW und sorgen so für

Temperaturen zwischen 1 °C und 4 °C. Die

Anlagen in Halle B regulieren das Klima

mit einer Leistung von insgesamt 340 kW

auf einen Bereich zwischen 14 °C und

16 °C. So werden die Kälteleistung und

die erforderlichen Temperaturen in den

Hallen – auch bei Ausfall einer Anlage –

durch die übrigen Einheiten gesichert. Außerdem

ist jedes System an zwei Verdampfer

angeschlossen, wodurch eine hohe

Betriebssicherheit garantiert ist. „Diese

Redundanz ist äußerst wichtig für uns,

denn nur stabile Temperaturen garantieren

frische Ware. Nach knapp zwei Jahren

in Betrieb sind wir sehr zufrieden mit der

Daikin Technik“, hebt Florian Jahnke abschließend

hervor.

www.daikin.de

Bild: Daikin

Bild: Daikin

Bild: Daikin

Die „ZEAS“ sind auf dem Dach des Gebäudes installiert.

Über einen Monitor kann der Betriebszustand der Anlagen jederzeit

eingesehen und so schnell auf Unregelmäßigkeiten reagiert werden.

9/10/2019 www.ikz.de 27


GEBÄUDEAUTOMATION

Facility Management

Bavaria Towers in

München

Vernetzte Gebäudeautomation, Wettervorhersageregelung und Geothermie

reduzieren Energiekosten. Green Building Monitor soll Mieter zum

bewussteren Umgang mit Ressourcen anregen

Im Münchener Osten entsteht auf 23 000 m² Gesamtfläche das Hochhausensemble

Bavaria Towers. Bei der Premium-Immobilie am Eingang zum Stadtteil Bogenhausen

legten die Verantwortlichen schon in der Planung Wert auf Nutzerkomfort, Qualität und

Energieeffizienz. Eine wesentliche Rolle spielen hierbei Gebäudeautomation und Facility

Management. Zum Einsatz kommen unter anderem eine Wettervorhersage-basierte

Klimaregelung und eine umfangreiche Verbrauchsdatenerfassung mit Energiemanagement.

Bereits in der Planungsphase wurde für den

Turm B, den sogenannten Blue Tower, eine

Zertifizierung in LEED Gold angestrebt. Um

das Ziel zu erreichen, sahen die mit der Planung

betrauten Energieexperten von Sauter

Deutschland u. a. eine integrale Gebäudeautomation

vor. Im Blue Tower wird für

die Beleuchtung pro Raum ein Helligkeitsund

Präsenzsensor eingesetzt, über den das

Licht ein- und ausgeschaltet sowie auf die

richtige Helligkeitsstufe geregelt wird. Da

die Systeme miteinander verbunden sind,

können auch Heizung und Kühlung sowie

Beschattung den Melder mitnutzen, was

eine system übergreifende automatische

Präsenzerfassung ermöglicht.

Energiekostenreduktion um 20 %

In der Praxis bedeutet das: Sobald der Nutzer

den Raum verlässt, wird das Licht erst

gedimmt und – etwa bei einer längeren

Abwesenheit ab 30 min – ausgeschaltet.

Auch Heizung und Kühlung reagieren sofort;

sie gehen vom Präsenzbetrieb (beispielsweise

22 °C) erst in den sogenannten

Pre-Komfort-Betrieb, aus dem schnell wieder

die Temperatur des Präsenzbetriebs

erreicht werden kann (im Winter zum Beispiel

18 °C), und anschließend in den Absenkbetrieb.

Auf diese Weise können die

Energiekosten deutlich reduziert werden,

wozu auch die Verschattung beiträgt: Verlässt

der Nutzer beispielsweise an einem

Auf 23 000 m² Gesamtfläche entsteht im Osten der Bayerischen Landeshauptstadt das

Hochhausensemble Bavaria Towers.

Eine wesentliche Rolle für Nutzerkomfort und

Energieeffizienz spielen Gebäudeautomation

und -management. So kommen beispielsweise

in Turm B maßgeschneiderte Regelungsstrategien

für Beleuchtung, Heizung und

Kühlung sowie Verschattung zum Einsatz. (Im

Bild: die Heizzentrale).

sonnigen Wintertag den Raum, wird der

Blendschutz hochgefahren, um das wärmende

Sonnenlicht in den Raum zu lassen

und so Heizenergie zu sparen. Im sommerlichen

Kühlbetrieb dagegen bleiben die Jalousien

geschlossen. Insgesamt verbessert

sich die Energieeffizienz des Blue Towers

durch den bedarfsabhängigen und integralen

Anlagenbetrieb entsprechend der

EN15232:2012-09 von Kategorie C auf B.

Die Kostenreduktion, die sich dadurch ergibt,

lässt sich auf etwa 20 % gegenüber

einem Regelungssystem ohne diese Kombinations-

und Abstimmungsmöglichkeiten

schätzen.

Für die Mieter sind Präsenz- und Thermoautomatik

zudem besonders komfortabel:

Statt mehrerer verschiedener

Schaltergarnituren ist im Raum nur ein

Be diengerät vorhanden, an das der eingesetzte

Multisensor angebunden ist. Der

Nutzer muss über die intuitive Touch-

Oberfläche des Geräts nur einmalig sei-

28 IKZplus • IKZ-KLIMA 9/10/2019


GEBÄUDEAUTOMATION

Facility Management

nen Wunsch-Sollwert für Temperatur und

Helligkeit einstellen. Bei jedem Betreten

des Raums wird diese Wunschkonstellation

– ausgelöst vom Präsenzmelder – sofort

vom System abgerufen.

Einfach und übersichtlich: für jeden Raum gibt es nur

ein Bediengerät für Licht, Temperatur, Verschattung

usw.

Nachhaltigkeit durch Geothermie

und Wettervorhersageregelung

Die Klimatisierung im Blue Tower erfolgt

über zwei Hauptkomponenten. Neben den

Umluftheiz- und Umluftkühlkonvektoren

(ULK) für die individuelle und schnelle

Anpassung der Raumtemperatur ist auch

eine Bauteilaktivierung (BTA) vorhanden.

Dieses relativ träge System wird für die

Grundtemperierung des Gebäudes eingesetzt.

Für die Beheizung der BTA wird eine

Grundwasserwärmepumpe mit 110 kWh

genutzt. Zusätzlich ist ein Fernwärmeanschluss

mit 650 kW vorhanden, über den

die flinken Heizsysteme sowie Spitzenlasten

abgedeckt werden.

Während der Sommerzeit wird das

Grundwasser über einen Wärmeübertrager

direkt für die Kühlung der Bauteilaktivierung

eingesetzt. Reicht die Leistung

des Brunnens nicht aus, kommt die eine

Kompressionskältemaschine zum Einsatz.

Um die schnellen Heiz- und Kühlsysteme

möglichst wenig nutzen zu müssen,

wird die Bauteilaktivierung auf Basis der

Wettervorhersage geregelt. Da sich Temperaturänderungen

bei der BTA erst acht bis

zehn Stunden später auf den Raum auswirken,

wird die geeignete Betontemperatur

auf Grundlage der Vorhersagedaten

bereits am Vorabend für den Folgetag berechnet

und über Nacht konditioniert.

Die Klimatisierung im Blue Tower erfolgt

über zwei Hauptkomponenten. Neben den

Umluftheiz- und Umluftkühlkonvektoren

(im Bild: unter den Fernstern) für die

individuelle und schnelle Anpassung der

Raumtemperatur ist auch eine Bauteilaktivierung

vorhanden.

Moving-Wall-Funktion

in SVC erleichtert Umnutzung

Auch das Gebäudemanagementsystem

trägt zur Nachhaltigkeit des Hochhausturms

bei, da es seine flexible Nutzung

begünstigt. Das eingesetzte „Sauter

Vision Center“ umfasst eine sogenannte

Moving-Wall-Funktion, die es ermöglicht,

den Aufwand für Umbauten in der

Bürofläche des Blue Towers gering zu halten.

Wird die räumliche Aufteilung aufgrund

von Nutzungsänderungen verändert,

muss für die Klimatisierung lediglich

das Raumbe diengerät neu angebracht

werden. Darüber hinaus ist eine Anpassung

in der Software notwendig. Die

Raumsegmente werden dabei zu neuen

Räumen gruppiert, sodass beispielsweise

aus zwei Einzelbüros ein Zweierbüro gemacht

werden kann, indem im Grundriss

eine Wand gelöscht wird. Damit wird die

Technik in den Räumlichkeiten automatisch

verbunden und sichergestellt, dass

alle vorhandenen Jalousien synchron laufen.

Die Anpassung ist im laufenden Betrieb

möglich, Klimatisierung, Beschattung

und Licht sind somit direkt wieder

einsatzbereit.

Um die Gebäudeperformance nachweisbar

zu machen und zukünftig weitere

Optimierungen zu ermöglichen,

führt die Sauter FM GmbH als verantwortlicher

Gebäudemanager über das EMS zudem

eine umfangreiche Verbrauchserfassung

mit Zählern im

Primär- und Sekundärnetz der Energieversorgung

durch. Dieses System wird

auch für die LEED-Zertifizierung zum

Nachweis des Energieverbrauchs verwendet

und sorgt dafür, dass sämtliche

Zähler fortlaufend ausgelesen und ausgewertet

werden. Ebenso gibt es Reports

und Alarme aus, über die der Betreiber auf

dem Laufenden gehalten wird.

Nachhaltiges Nutzerverhalten

fördern

Auch die Mieter können sich zukünftig

über einen Green-Building-Monitor im

Eingangsbereich des Blue Towers über

den Anlagenbetrieb, den aktuellen Energieverbrauch

und den CO 2 -Footprint des

Gebäudes informieren. Die technischen

Anlagen und deren Betrieb, beispielsweise

Wärme- und Kälteversorgung, werden

in der Regel im Alltag nicht wahrgenommen.

Auf dem Green-Building-Monitor

sind diese Informationen aus dem EMS jedoch

in Echtzeit visuell erfahrbar. Zu sehen

ist dort beispielsweise, wie viel Strom

gerade verbraucht oder wie viel Grundwasser

zur Heizung oder Kühlung des Gebäudes

gefördert wird. Dies verdeutlicht, wie

viel Verbrauch auch aufgrund des eigenen

Nutzerverhaltens produziert wird.

Bilder: Sauter

www.sauter-cumulus.de

9/10/2019 www.ikz.de 29


REPORTAGE

Ausland

Bessere Luft in Hongkong

Abluftfilter beseitigt feinste Staubpartikel in 3,7 km langem Straßentunnel.

Investitionsaufwand beträgt weniger als 1 % der Baukosten

Die Feinstaubbelastung ist in aller Munde und wird gerade im Hinblick auf das hohe

Verkehrsaufkommen in Städten viel diskutiert. Hongkong hat sich für den 3,7 km langen

Tunnel Central-Wan Chai Bypass für eine technische Lösung entschieden, die nicht nur

für frische Luft im Tunnel sorgt, sondern die Abluft auch von Schadstoffen befreit –

mehr als 90 % der feinen Partikel werden entfernt.

Hongkongs Einwohnerzahl wächst jährlich

um eine fünfstellige Zahl und dementsprechend

steigt auch das Verkehrsund

Stauaufkommen im eng besiedelten

Stadtgebiet – in der Folge leidet die

Metropole unter enorm hohen Abgaswerten

und Feinstaubbelastung. Abhilfe

soll der neue Umgehungstunnel Central-

Wan Chai Bypass schaffen, der mit einer

Gesamtstrecke von 3,7 km zu den längsten

Unterführungen der Stadt zählt. Um

den Tunnel nicht nur mit Frischluft zu

versorgen, sondern gleichzeitig die anfallende

Abluft zu reinigen, wurde eine spezielle

Filteranlage installiert. Das zweistufige

System transportiert die gesamte

Abluft – 5,4 Mio. m³/h – nicht einfach nur

an die Oberfläche wie ein Kamin, sondern

reinigt sie gleichzeitig von Schadstoffen.

So werden etwa 80 % der Stickstoffdioxide

und 90 % des Feinstaubs beseitigt.

Mit der Planung und Umsetzung wurde

die deutsche FILTRONtec GmbH beauftragt,

die bereits in anderen Metropolen

wie Madrid oder Sydney große Tunnel mit

ähnlichen Filteranlagen ausgestattet hat.

„Was das Projekt in Hongkong besonders

macht, ist die sehr große Abluftmenge, die

dort täglich anfällt“, erklärt Dr. Deux. „Die

installierten Filter sind darauf ausgelegt,

5,4 Mio m³/h aufzubereiten. Damit gehören

sie aktuell zu den größten dieser Art

weltweit.“

Die FILTRONtec GmbH wurde mit der Installation einer Filteranlage beauftragt. Das zweistufige

System aus drei nacheinander platzierten Komponenten reinigt die gesamte Abluft von

Schadstoffen und Feinstaub.

Hohe Abscheiderate,

verbesserte Abluftqualität

An drei verschiedenen Punkten im Bau

sind insgesamt acht Partikel- und acht

Gasfilter integriert, die jeweils nacheinander

geschaltet sind. Dem Luftstrom

im Tunnel folgend besteht jedes Modul

aus drei Komponenten: dem Vor-, dem

Elektro- und dem Gasfilter. Der Vorfilter

in Form eines Drahtgitters schützt hierbei

in einem ersten Schritt die nachfolgenden

Anlagenteile vor größeren Gegenständen

wie beispielsweise Plastiktüten

oder Papierfetzen, die im Elektrofilter

Kurzschlüsse verursachen könnten. Anschließend

gelangt die Luft in den Partikelfilter.

„Im Wesentlichen handelt es

sich hierbei um einen zweistufigen Elektrofilter

mit negativer Gleichspannung“,

erläutert Dr. Deux. In der ersten Abscheidestufe

wird die Luft elektrostatisch aufgeladen.

Bei einer Spannung von 16 kV

werden Elektronen emittiert, die sich an

die Partikel in der Luft anlagern. Im nachfolgenden

Kollektor, der mit einer reduzierten

Spannung von 7 kV operiert, sammeln

sich die elektronenbeladenen Partikel

an Kollektorplatten und bleiben daran

haften, wo sie später mit Wasser entfernt

und abgepumpt werden.

30 IKZplus • IKZ-KLIMA 9/10/2019


REPORTAGE

Ausland

Abhilfe gegen das hohe Verkehrsaufkommen

und die verstopften Straßen soll in Hongkong

der neue Umgehungstunnel Central-Wan Chai

Bypass schaffen, der mit einer Gesamtlänge

von 3,7 km zu den größten Unterführungen

der Stadt zählt.

Im darauffolgenden Gasfilter wiederum

werden der feinstaubbefreiten Luft

zusätzlich die gasförmigen Schadstoffe

entzogen. Dazu wird eine speziell aufbereitete

Aktivkohle in Form von zylinderförmigen

Pellets zwischen zwei Filterwände

mit Lochblechen an den Vorder- und

Rückseiten gefüllt. Für eine optimale Luftströmung

sind die einzelnen Wände angeschrägt

in W-Form positioniert. „Damit

die Schadgasmoleküle genügend Zeit haben,

sich an der Kohle anzulagern, durchströmt

die Tunnelluft die Wände mit nur

etwa 0,4 m/s“, erklärt Dr. Deux. Durch Adsorption

und katalytische Umwandlung

erfolgt die Abscheidung von Stickstoffdioxid,

Ozon, Benzol und unverbrauchten

Kohlenwasserstoffen an der Aktivkohle.

Diese lässt sich nach Ablauf ihrer Nutzungsdauer

austauschen oder regenerieren

und erneut einsetzen.

„Die Technologie ist darauf ausgelegt,

eine Abscheiderate von 80 beziehungsweise

90 % zu erreichen, unabhängig von

Partikelgröße und Konzentration“, erklärt

Dr. Deux. „Nur so sind die Filter wirklich

effizient und zielführend.“ Insbesondere

der problematische Feinstaub mit Durchmessern

von 2,5 oder weniger Mikrometern

lässt sich dadurch binden und der

Luft entziehen. Verbleiben die Mini-Partikel

jedoch in der Abluft, könnten sie ungehindert

über die Atemwege der Anwohner

und Passanten in die Lunge und tieferes

Gewebe gelangen, sich dort anreichern

und schwere Langzeitschäden wie Asthma

oder Herzerkrankungen verursachen.

Der Partikelfilter wird regelmäßig vollautomatisch

gereinigt: Spezielle Düsen sprühen

Wasser auf die Kollektorplatten des Partikelfilters,

sodass sich die daran haftenden

Partikel lösen und am Boden sammeln. Über

eine Pumpe werden die Ablagerungen in

einen Behälter im anliegenden Technikraum

befördert und vom Wasser getrennt.

Geringe Betriebskosten

Obwohl die Filter vergleichsweise komplex

sind, gestalten sich ihr Aufbau und

die Wartung flexibel und anwenderfreundlich.

Während die Aktivkohle im

Gasfilter lediglich nach mehreren Jahren

erneuert werden muss, benötigt der Partikelfilter

eine regelmäßige Reinigung,

die jedoch vollautomatisch in wenigen

Minuten und nur mit Wasser erfolgt. Spezielle

Düsen sprühen hierbei Wasser auf

die Kollektorplatten, sodass sich die daran

haftenden Partikel lösen und am

Boden sammeln. Über eine Pumpe werden

die Ablagerungen in einen Behälter

im anliegenden Technikraum befördert

und vom Wasser getrennt. Anschließend

lassen sie sich je nach regionaler

Vorschrift der Verbrennung oder Deponie

zuführen. Das Abwaschwasser wie-

9/10/2019 www.ikz.de 31


REPORTAGE

Ausland

Im Wesentlichen handelt es sich bei dem Partikelfilter um einen

zweistufigen Elektrofilter mit negativer Gleichspannung. Dieser

entzieht der Luft Staubpartikel, die beispielsweise durch Reifenabrieb

entstanden sind.

Das für die Reinigung benötigte Wasser wird in speziellen Tanks

gelagert und über Rohre und Sprühdüsen auf die Kollektoren verteilt.

Nach dem Waschvorgang wird es aufbereitet und erneut verwendet.

derum wird aufbereitet, sodass es bei der

nächsten Reinigung erneut genutzt werden

kann.

Im Technikraum befinden sich neben

der Wasseraufbereitung weitere Nebenaggregate

wie ein Luftkompressor für die

Sprühleitungen und Schaltschränke, wodurch

die Wartung erleichtert wird. Zusätzlich

befinden sich Messstationen vor

und hinter den Filtern, die neben den Konzentrationen

für Partikel und Stickstoffdioxid

auch Luftfeuchtigkeit, Temperatur

und Druck erfassen und speichern. Diese

Daten werden auch direkt an die Tunnelleitzentrale

gesendet, von der aus sich

die vollautomatische Filteranlage via SPS

überwachen und regulieren lässt.

Um hohe Energieeffizienz zu gewährleisten,

werden alle Hilfsaggregate nur bei

Bedarf betrieben. Der Stromverbrauch

des Elektrofilters liegt im Milliampere-

Bereich, sodass trotz hoher Spannungen

nur eine geringe Leistung erforderlich

ist. Zudem wird die gefilterte Abluft mit

geringer Luftgeschwindigkeit transportiert.

„Viele Auftraggeber befürchten anfangs

hohe Kosten“, erklärt Dr. Deux. „Diese

Angst können wir aber schnell nehmen,

da wir bereits im Vorfeld eine umfassende

Aufklärung und genau abgestimmte Projektierung

bieten. In der Regel beläuft sich

die Filterinstallation gerade einmal auf

weniger als zwei und in Hongkong sogar

auf weniger als ein Prozent der gesamten

Baukosten.“ Auch in Hongkong wurde die

Kombination aus nachhaltiger Abluftreinigung

und effizienter Leistung positiv

aufgenommen: Weitere Aufträge in China

sind bereits in der Planung.

Bilder: FILTRONtec

www.filtrontec.de

Im Gasfilter werden der feinstaubbefreiten Luft zusätzlich die

gasförmigen Schadstoffe entzogen.

Durch Adsorption und katalytische Umwandlung erfolgt die

Abscheidung von Stickstoffdioxid, Ozon, Benzol und unverbrauchten

Kohlenwasserstoffen an die im Filter enthaltene Aktivkohle.

32 IKZplus • IKZ-KLIMA 9/10/2019


TIPPS & TRENDS

Produkte

Bild: Resideo

Das Ventil

„VBG6“

steuert bei

4-Leiter-Systemen

mit nur einem

Wärmeübertrager

den

Durchfluss

zwischen

Heizen und

Kühlen. Für

einen dynamischen

hydraulischen Abgleich wird ein

druckunabhängiges Regelventil, z. B.

ein „ Kombi-FCU“, angeschlossen.

Resideo (Honeywell)

Alles für den hydraulischen

Abgleich

Das junge Unternehmen Resideo, in dem die Produkte von

Honeywell home integriert sind, legt einen Schwerpunkt

auf praxisgerechte Lösungen für den einfachen hydraulischen

Abgleich. Zur aktuellen Portfolioabrundung

gehört das Regelventil „Kombi- FCU“. Es arbeitet

druckunabhängig und wird für den dynamischen hydraulischen

Abgleich eingesetzt. Erhältlich ist es in den

Dimensionen DN 15 bis DN 25. Als Einsatzbeispiele nennt

Resideo Gebläsekonvektoren, Kühldecken und Einrohr-Heizungsanlagen.

Dort lässt es sich für einen automatischen Abgleich

und zur Temperaturregelung einsetzen.

Das „Kombi-FCU“ kann auch mit dem 6-Wege-Ventil „VBG6“

kombiniert werden. In 4-Leiter-Systemen mit nur einem Wärmeübertrager

steuert das „VBG6“ den Durchfluss zwischen

Heizen und Kühlen. Ein angeschlossenes „Kombi-FCU“ übernimmt

dann die druckunabhängige Durchflussregelung und

somit einen dynamischen hydraulischen Abgleich.

Resideo (Honeywell), Hardhofweg, 74821 Mosbach, Tel.: 06261 81 - 0, Fax: - 309,

info.de@resideo.com, www.homecomfort.resideo.com

Das

druckunabhängige

Regelventil

„Kombi-FCU“ für den dynamischen

Abgleich und zur Temperaturregelung

in Gebläsekonvektoren,

Kühldecken und

Einrohr-Heizungsanlagen.

Bild: Resideo

WAGO Kontakttechnik GmbH & Co. KG

Mit der Cloud alles im Blick

Es gibt eine neue Version der WAGO-Cloud. Neben den bekannten Funktionen

wie Controllerstatusverwaltung und Dashboards „stehen das moderne,

übersichtliche Design in Appstruktur sowie weitere Funktionen wie

Fernzugang im Fokus“. Mit seiner Cloud verspricht WAGO eine einfache

und intuitive Lösung, Maschinendaten zentral zu verwalten.

Die Cloud verwaltet und überwacht die Controller „PFC100“ und

„PFC200“, die Daten von Maschinen und Anlagen empfangen. Die Daten

wiederum können in der Cloud weiter analysiert und beispielsweise mithilfe

von Trends und Grafiken visualisiert werden. Nochmals WAGO: „Die

Stärke der Cloud liegt in ihrer Einfachheit. Es ist alles da, was der Anwender

zur zentralen Datenauswertung be nö tigt.“ Binnen Minuten sei ein „PFC“-

Controller mit der Cloud verbunden und erste Dashboards könnten intuitiv

und ohne IT-Expertise erstellt werden.

Als Benutzeroberfläche der Cloud dient ein Webportal. Über dieses hat der Anwender Zugriff auf Funktionen wie Projekt-,

Controller- und Benutzerverwaltung sowie Controller-Status-Monitoring, Alarmfunktionen und E-Mail-Benachrichtigungen.

WAGO Kontakttechnik GmbH & Co. KG, Hansastr. 27, 32423 Minden, Tel.: 0571 887 - 0, Fax: - 844169, info@wago.com, www.wago.com

Bild: WAGO

ZEWO «Smart Fan»

Modernste Technik für die bedarfsgerechte Wohnraumlüftung

Das kleinste, leiseste und effizienteste Gerät seiner Klasse. Für individuellen Lüftungskomfort

im ganzen Haus mit Wärmerückgewinnung und innovativer Sensortechnik.

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TIPPS & TRENDS

Produkte

Testo SE & Co. KGaA

Neues

Klimamessgerät

Als Universalmessgerät für sämtliche

Klima- und Lüftungsanwendungen präsentiert

Testo das Modell „testo 400“. Mit

der Smart-Touch-Technologie lässt es

sich laut Anbieter wie ein Smartphone

intuitiv bedienen. Testo weiter: „Je anspruchsvoller

eine Messung ist, desto

mehr unterstützt der Assistent bei Konfiguration,

Durchführung und Ergebnisbewertung.“

Die Messprotokolle inklusive Kundendaten

werden im Gerät gespeichert und

lassen sich per Mail versenden. Für eine

ausführliche Analyse und ein Reporting

stellt Testo die PC-Software „testo Data Mit dem „testo 400“ (rechts) sind vielfältige Messungen an Klimaanlagen möglich.

Control“ kostenlos zur Verfügung.

Das Portfolio für Klimaanwendungen umfasst digitale Bluetooth- und Kabelsonden, die Messgeräte „testo Smart Probes“ sowie

NTC- und TE-Temperaturfühler (Typ K). Die flexiblen Bluetooth- und Kabelsonden sind miteinander kompatibel. Für besondere

Messungen lassen sich bis zu acht Sonden (4 x Bluetooth, 2 x TUC & 2 x TE Typ K Kabel) parallel einsetzen.

Bild: Testo

Testo SE & Co. KGaA, Testo-Str. 1, 79853 Lenzkirch, Tel.: 07653 681 - 0, Fax: - 100, info@testo.de, www.testo.de

LG Electronics Deutschland GmbH

Modulare VRF-Lösung

Um in gewerblich genutzten Gebäuden für ein ideales Raumklima

zu sorgen, empfehlen sich laut LG VRF-Systeme, z. B. das „ MULTI

V M“. Kompressor

und Wärmeübertrager

sind hier

Wärmeübertragermodul.

getrennt, sodass sich die beiden Module räumlich flexibel anordnen lassen. Das

Ergebnis beschreibt LG so: „Ein deutlich größerer Spielraum für den Einbau und

Betrieb unter Platzmangel.“ Der maximale Abstand zwischen Kompressor- und

Wärmeübertragermodul beträgt 30 m. Das Splitsystem erlaubt den Anschluss

von bis zu zehn Inneneinheiten – beispielsweise in Form von Deckenkassetten,

Wandgeräten oder Truhen. Der Abstand zwischen Kompressor- und Innenmodulen

liegt hier bei max. 70 m.

Für Neubauten eignet sich die „MULTI V M“ ebenso wie für die Nach rüstung.

Der Wärmeübertrager lässt sich sowohl in einem eigenen Luftkanal als

auch positionsunabhängig in bereits bestehende Lüftungssysteme einfügen.

Der Betriebsbereich des VRF-Splitsystems „MULTI V M“ liegt zwischen - 5 °C

und 43 °C Außentemperatur im Kühlfall und zwischen - 20 °C und 18 °C im

Heizfall.

Bild: LG

Bild: LG

LG Electronics Deutschland GmbH, Alfred-Herrhausen-Allee 3 - 5, 65760 Eschborn,

Tel.: 06196 5821 - 100, info@lge.de, www.lg.de

Kompressormodul.

34 IKZplus • IKZ-KLIMA 9/10/2019


TIPPS & TRENDS

Produkte

Helios Ventilatoren GmbH + Co. KG

Luftverteilung mit einer Box

Die Luftverteilung in Mehrgeschossbauten erfolgt oft

mit Einzelkomponenten. Als Alternative stellt Helios

die „KWL MultiZoneBox“ vor. Sie kombiniert die Funktionen

einer Volumenstromregelung, Schalldämmung

und Luftverteilung in einer Einheit für Zu- und Abluft

in Verbindung mit einem gebäudezentralen Lüftungsgerät

mit Wärmerückgewinnung.

Darüber

hinaus verfügt

sie über

eine individuelle

Regelung

und er mög licht

dadurch eine

den Wünschen

der Nutzer an-

Die „MultiZoneBox“

sitzt in den Wohn- und

Geschäftseinheiten und verteilt

die aufbereitete Luft.

Bild: Helios

Schematische Darstellung der Luftverteilung

mit „MultiZoneBox“.

gepasste Luftmenge.

Das zentrale

Lüftungsgerät

wird im Keller

des Gebäudes installiert. Über die Hauptleitungen wird jede einzelne „MultiZoneBox“

mit frischer Luft versorgt und die verbrauchte Luft abgeführt. Insgesamt vier Typen decken

laut Helios alle Aufgabenstellungen ab. Eine horizontale Installation in einer abgehängten

Decke ist ebenso möglich wie vertikal in einer Wand. Die Steuerung der „MultiZoneBox“ erfolgt

über ein dezentes Bedienteil oder über ein Touch-Panel. Die Einbindung in die Gebäudeleittechnik

ist möglich. Ein optionaler Mischgassensor (VOC) dient dazu, weitere Komfortansprüche

zu erfüllen.

Helios Ventilatoren GmbH + Co. KG, Lupfenstr. 8, 78056 Villingen-Schwenningen,

Tel.: 07720 606 - 0, info@heliosventilatoren.de, www.heliosventilatoren.de

Bild: Helios

Impressum

Fachmagazin des Mehrwert-Konzeptes IKZplus

www.ikz.de · www.strobel-verlag.de

Verlag

STROBEL VERLAG GmbH & Co. KG

Postanschrift: Postfach 5654, 59806 Arnsberg

Hausanschrift: Zur Feldmühle 9-11, 59821 Arnsberg,

Telefon: 02931 8900-0, Telefax: 02931 8900-38

Herausgeber

Dipl.-Kfm. Christopher Strobel, Verleger

Redaktion

Markus Sironi

Chefredakteur IKZ-Medien

Gas- und Wasserinstallateurmeister, Zentralheizungsund

Lüftungsbauermeister, gepr. Energieberater

Telefon: +49 2931 8900-46

E-Mail: m.sironi@strobelmediagroup.de

Stv. Chefredakteur: Detlev Knecht

Staatl. gepr. Techniker (Heizung Lüftung Sanitär),

Techn. Betriebswirt, Journalist (FJS)

Telefon: +49 2931 8900-40

E-Mail: d.knecht@strobelmediagroup.de

Redakteur: Markus Münzfeld

Staatl. gepr. Techniker (Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik),

Gebäudeenergieberater (HWK)

Telefon: +49 2931 8900-43

E-Mail: m.muenzfeld@strobelmediagroup.de

Redaktions-Sekretariat: Birgit Brosowski

Telefon: 02931 8900-41, Telefax: 02931 8900-48

E-Mail: redaktion@strobelmediagroup.de

Anzeigen

Anzeigenleiter: Stefan Hoffmann

E-Mail: s.hoffmann@strobelmediagroup.de

Mediaservice: Anke Ziegler und Sabine Trost

Telefon: 02931 8900-21 oder 02931 8900-24

E-Mail: anzeigen@strobelmediagroup.de

Vertrieb / Leserservice

Reinhard Heite

E-Mail: r.heite@strobelmediagroup.de

Druckvorstufenproduktion

STROBEL PrePress & Media, Postfach 5654, 59806 Arnsberg

E-Mail: datenannahme@strobelmediagroup.de

Layout und Herstellung

Daniela Vetter

Druck (Lieferadresse für Beihefter und Beilagen)

Dierichs Druck + Media GmbH & Co KG,

Frankfurter Straße 168, 34121 Kassel

Veröffentlichungen

Zum Abdruck angenommene Beiträge, Manuskripte und Bilder

gehen mit Ablieferung in das Eigentum des Verlages über. Damit

erhält er gleichzeitig im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen

das Veröffentlichungs- und Verarbeitungsrecht. Der Autor räumt

dem Verlag das unbeschränkte Nutzungsrecht ein, seine Beiträge

im In- und Ausland und in allen Sprachen, insbesondere in Print-

medien, Film, Rundfunk, Datenbanken, Telekommunikations- und

Datennetzen (z. B. Online-Dienste) sowie auf Datenträgern (z. B.

CD-ROM) usw. ungeachtet der Übertragungs-, Träger- und Speichertechniken

sowie öffentlich wiederzugeben. Für unaufgefordert

eingesandte Manuskripte übernehmen Verlag und Redaktion keine

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Mit Namen gezeichnete Beiträge geben die Meinung der Verfasser

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Für Werbeaussagen von Herstellern und Inserenten in abgedruckten

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Presse-Monitor GmbH. Die Zeitschrift und alle in ihr enthaltenen

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9/10/2019 www.ikz.de 35


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