Landkreis Alzey-Worms ganz persönlich

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Landkreis Alzey-Wormsganz persönlich


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Gau-Odernheim

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Dittelsheim-Heßloch

Bechtheim

Alsheim

Mettenheim

Gimbsheim

Eich

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am Rhein

Eppelsheim

Westhofen

Flomborn Gundersheim

Osthofen

Offstein

Ober-

Flörsheim

Mörstadt

Flörsheim-Dalsheim

Monsheim

Auf der Kreiskarte sind alle Kommunen ab 1.000 Einwohner aufgeführt.


neomediaVerlag GmbH

in Zusammenarbeit mit dem Landkreis Alzey-Worms


Impressum

Herausgeber

neomediaVerlag GmbH

In der Bredenau 24

28870 Fischerhude

Tel. 04293 68437-0

info@neomedia.de

www.neomedia.de

In Zusammenarbeit mit:

Landkreis Alzey-Worms

Ernst-Ludwig-Str. 36

55232 Alzey

Tel. 06731 408-0

info@alzey-worms.de

www.kreis-alzey-worms.eu

Idee und Konzeption

Rainer Wendorff

Redaktion/Lektorat/Texte

Kreisverwaltung Alzey-Worms

Luise Hussung

neomediaVerlag GmbH

Günter Poggemann

Marion Löwe-Benda

Grafik/Layout

Christiane Golsch

Projektakquise

Jost Habben

Bildnachweis

Carsten Selak: Seiten 7, 9, 11, 14, 17, 18, 21,

22, 23, 27, 30, 31, 33, 34, 37, 39, 42, 46, 48,

49, 51 oben, 52, 55, 59, 61, 69, 71, 73, 75,

77, 79, 85, 86, 89, 94

Marion Löwe-Benda: Seiten 20, 40, 47, 70

Robert Dieth/Rheinhessenwein e. V.:

Seiten 45, 91

Dieth & Schröder/Rheinhessenwein e. V.:

Seiten 10, 13

Achim Meurer/Rheinhessenwein e. V.:

Seiten 28, 41, 57

Torsten Silz/Rheinhessenwein e. V.:

Seite 36

Kerstin Bänsch: Seite 76

Dieth & Schröder Fotografie: Seite 62, 63

Rüdiger Dittewig: Seite 93

Andreas Durst: Seite 92

Handwerkskammer Rheinhessen:

Seite 26

Gerhard Hoffmann: Seite 51 unten

Martin Jobben: Seite 84

Gisela Kleinknecht: Seite 60

Eberhard Linke: Seite 67

Sebastian Linke: Seite 66

Jan Reumann: Seite 78

Axel Schmitz/Kreisverwaltung

Alzey-Worms: Seite 12

Simone Stier: Seite 72

Vitus Wurmdobler: Seite 95

Porträt- und Firmenfotos stammen, soweit

nicht anders vermerkt, von den jeweiligen

Personen und Unternehmen.

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird

teilweise auf die gleichzeitige Verwendung

männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet.

Sämtliche Personenbezeichnungen

gelten gleichermaßen für alle Geschlechter.

Printed in Germany 2020

Das Manuskript ist Eigentum des Verlages.

Alle Rechte vorbehalten.

Dem Buch liegen neben den Beiträgen der

Autoren Darstellungen und Bilder der Firmen

und Einrichtungen zugrunde, die mit ihrer finanziellen

Beteiligung das Erscheinen des

Buches ermöglicht haben.

Druck

BerlinDruck GmbH + Co KG

28832 Achim

Bibliographische Information der

Deutschen Bibliothek

Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese

Publikation in der Deutschen Nationalbibliographie;

detaillierte Daten sind im Internet

über http://dnb.dbb.de abrufbar.

ISBN 978-3931334-91-8

Das Landkreisbuch „Landkreis Alzey-Wormsganz persönlich“ wird herausgegeben in einer Buchreihe der

neomediaVerlag GmbH, in der bisher folgende Bücher erschienen sind:

• Der Landkreis Ravensburg – ganz persönlich

• Der Ostalbkreis – ganz persönlich

• Das Coburger Land – ganz persönlich

Landkreis Lörrach – ganz persönlich

Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald - AugenBLICKE

• Kursbuch Zukunft –Landkreis Ravensburg

• Der Ortenaukreis – ganz persönlich

• Der Landkreis Schwäbisch Hall – ganz persönlich

Landkreis Heidenheim – ganz persönlich

• Bottrop – meine Stadt

• Rhein-Pfalz-Kreis – rein persönlich

Landkreis Göppingen – Überraschend.Persönlich.

• 200 Jahre – Landkreis Merzig-Wadern – ganz persönlich

• Rheingau-Taunus-Kreis – ganz persönlich

Landkreis Aichach-Friedberg – ganz persönlich

Landkreis Oberallgäu – ganz persönlich

• Hagen – ganz persönlich

• Der Landkreis Marburg-Biedenkopf – ganz persönlich

• Kreis Plön – ganz persönlich

• Der Landkreis Gifhorn – ganz persönlich

Landkreis Vechta – Starke Argumente.Starke Persönlichkeiten.

Landkreis Friesland – Faszination.Sehnsucht.Heimat

• Die Stadt Oldenburg – ganz persönlich

Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald – Weggefährten

Landkreis Dillingen an der Donau – ganz persönlich

Landkreis Calw – ganz persönlich

• Kreis Coesfeld – ganz persönlich

Landkreis Diepholz – ganz persönlich verbunden

Landkreis Tübingen – ganz persönlich

• Kreis Ostholstein – ganz persönlich

Landkreis Verden – ganz persönlich

• Der Landkreis Forchheim – ganz persönlich


Inhalt

8 Ein einzigartiger, lebens- und

liebenswerter Landkreis

Landrat Heiko Sippel

12 Die Freude, in „meinem Landkreis

zu leben und zu arbeiten

Ernst Walter Görisch

15 Vorreiter beim Klimaschutz

im Landkreis

EnergieDienstleistungsGesellschaft

Rheinhessen-Nahe mbH

16 Wie ich immer ein Auge

auf Rheinhessen hatte

Dr. Meral Özer-Arasli

20 Ich bin da zu Hause, wo nette

Menschen um mich sind

Lisa Blumentrath-Eschweiler

23 Ein starker Dienstleister und

Arbeitgeber für die Menschen

GEG Gebäudedienste GmbH

24 Ganzheitlicher Foodservice

mit regionaler Verwurzelung

CHEFS CULINAR West GmbH & Co. KG

26 Der Dreiklang aus „Weck, Worscht und Woi“

Hans-Jörg Friese

28 Leben am Mittelmeer des Nordens

Volker Gallé

32 Ganz nah an den Menschen und an Mainz

Dr. Günter Gerhardt

36 Ein Zauber, der einen in seinen Bann zieht

Anna Göhring

38 Mit den Menschen

und der Region verbunden

Dr. Ulrich Graeber

40 Ganz nah am Landkreis,

aus verschiedenen Perspektiven

Erwin Heck


Inhalt

44 Auf dem Weg von Ansbach

nach Alzey

Dr. Eva Heller-Karneth

47 Standort mit Aussicht und

unternehmerischer Sorgfalt

MikroFORUM Hochtechnologiepark

Wendelsheim GmbH

48 Bauen für die Zukunft

Faber Bau GmbH

50 Rheinhesse – mehr als eine

regionale Zuordnung

Gerhard Hoffmann

54 Hier können wir gemeinsam

das Beste erreichen

Bernd Kiefer

56 Aus dem Gefühl von Geborgenheit

wächst die Liebe zur Heimat

Hannelore Kipp

60 Im Herzen von Rheinhessen

Wulf Kleinknecht

62 In Rheinhessen zu Hause,

in Europa unterwegs

Schmahl & Stoepel

Spedition und Transportgesellschaft mbH

64 Partner für die Menschen,

die Kommunen und die Wirtschaft

Sparkasse Worms-Alzey-Ried

66 Rheinhessen ein Gesicht geben

Prof. Eberhard Linke

70 Großes Engagement für den

Schutz der Menschen

Michael Matthes

72 Heimat? Heimat! Es hat sich gefügt

Katharina Nuß

74 Meine wunderschöne Heimat

mit ganz viel Erinnerungen

Daniela Schmitt

76 Eine Vielfalt, die mich begeistert

Heinz-Hermann Schnabel


78 Vom Mainzer Rosenmontag nach

Framersheim und in die Welt

Dorothee Schneider

80 Ideengeber für Industrie und Handel

TST GmbH

82 Werte und Nachhaltigkeit

in einem starken Team

Richard Wagner GmbH + Co. KG

84 Ein Blick aus vielen Richtungen

auf Rheinhessen

Prof. Dr. Jürgen Stark

88 Die Heimat gefunden auf der „ebsch Seit“

Markus Volland

90 Ein starkes Gefühl von Freiheit

Philipp Wittmann

92 Kunst gerettet, gepflegt

und neu geschaffen

Vitus Wurmdobler

96 Übersicht der PR-Beiträge


8 I 9

HEIKO SIPPEL

Ein einzigartiger, lebens-

und liebenswerter Landkreis

Liebe Leserinnen und Leser,

ob Natur, Kultur oder Historie – Rheinhessen bietet viele Gelegenheiten, sich auf eine spannende

Entdeckungstour zu begeben.

HEIKO SIPPEL

geb. 1964 in Worms, wohnhaft in Alzey, verheiratet, eine

Tochter | nach dem Besuch des Gymnasiums in Oppenheim

von 1981 bis 1984 Ausbildung zum Vermessungstechniker

beim Katasteramt Mainz | 1984 bis 1992 Vermessungsbeamter

in der Katasterverwaltung | 1992 bis 1993 Erwerb der

Fachhochschulreife auf dem 2. Bildungsweg | 1993 bis 1996

Studium zum Diplom-Verwaltungswirt (FH) an der Fachhochschule

für öffentliche Verwaltung in Mayen | 1996 bis

2006 Persönlicher Referent des Landrates des Landkreises

Alzey-Worms und von 1998 bis 2008 Geschäftsführer der

Wirtschaftsförderungs GmbH des Kreises | 2006 bis 2008

Büroleiter der Kreisverwaltung Alzey-Worms | 1990 bis 1994,

2003 bis 2006 und 2014 bis 2019 Mitglied des Alzeyer Stadtrates

| 2009 bis 2019 Mitglied des Kreistags Alzey-Worms

und des rheinland-pfälzischen Landtages | seit Januar 2020

Landrat des Landkreises Alzey-Worms

I

n Deutschlands größtem Weinbaugebiet vor den Toren

der Metropolregionen Rhein-Neckar und Rhein-Main liegt

der Landkreis Alzey-Worms. Mit seinen Dörfern und kleinen

Städten inmitten einer hügeligen von Weinbau und Ackerbau

geprägten Landschaft ist unser schöner Landkreis nicht

nur Heimat für über 130.000 Menschen, sondern vermehrt auch

Ausflugs- und Urlaubsziel einer Vielzahl an Rad- und Wandertouristen.

Auf der Suche nach Wald, Wiesen und Bächen wer-

den Wanderlustige abseits der typischen Rebenlandschaft in

der Rheinhessischen Schweiz fündig, die als Naherholungsgebiet

zahlreiche Plätze vorhält, um einfach mal die Seele baumeln zu

lassen. Unsere abwechslungsreiche Landschaft zieht sich vom

Alzeyer und Wörrstadter Land, über den Wonnegau bis hin zum

Altrheingebiet, das mit Badeseen und anderen Gewässern ins-

besondere in den Sommermonaten zahlreiche Menschen aus

nah und fern nach Rheinhessen lockt.

Aus der Perspektive des Wanderers, der auf dem Weg durch

Rheinhessens Hügellandschaft bei „Weck, Worscht und Woi“ von

oben die weite Sicht genießt, wirken die kleinen Dörfer zu seinen

Füßen ruhig, entspannend und nahezu regungslos. Doch mitten-

drin im Geschehen belehren einen die lebendigen und aktiven

Dorfgemeinschaften zwischen Alzey und Worms schnell eines

Besseren. Von Frühjahr bis Winter laden eine Vielzahl an traditionellen

Festen und Bräuchen Einheimische wie auch Gäste zum

Verweilen, Feiern und gemütlichen und fröhlichen Beisammensein

ein. Die rheinhessische Lebensart ist dabei bekannt für ihre

Offenheit und große Gastfreundschaft. Bei einem guten Glas

Rheinhessenwein, Spundekäs‘ und rheinhessischen Tapas

kommt man schnell ins Gespräch, munkelt, lacht und rückt


LANDKREIS ALZEY-WORMS – GANZ PERSÖNLICH

Schloss Alzey

enger zusammen. Es sind damit nicht die Natur und Historie

unserer Region alleine, die den Landkreis charakterisieren und

zu dem machen, wofür Alzey-Worms auch über die Kreisgrenzen

hinaus bekannt ist. Vielmehr sind es die hier lebenden Menschen,

die die Geschichte unserer Heimat prägen und den Landkreis so

einzigartig, lebens- und liebenswert machen. In unserem ländlichen

Raum kommt dem Ehrenamt eine große Bedeutung zu.

Vereinsarbeit, Nachbarschaftshilfen und soziales Engagement

unserer Bürgerinnen und Bürger sind es, worauf wir stolz sein

können! Dieser vorbildliche Einsatz trägt zur Attraktivität unserer

Gemeinden und der gesamten Region Rheinhessen bei und lässt

uns weiter wachsen. Das Buch, das Sie jetzt in den Händen halten,

gibt Gelegenheit, den Landkreis Alzey-Worms ganz persönlich

und damit auch mal aus einer ganz anderen Perspektive

kennenzulernen. Verschiedenste Persönlichkeiten, die sich in vielfältiger

Art und Weise um den Landkreis Alzey-Worms verdient

gemacht haben, erzählen ihre ganz persönliche Geschichte und

Verbindung zu ihrer (Wahl-) Heimat. Mit eigenen und oftmals

auch sehr privaten Erzählungen gepaart mit tollen Fotografien

von Natur und Sehenswertem ist dieses Buch eine Sammlung

von Geschichten hausgemacht in Rheinhessen.

Zur Vielfalt unserer Heimat zählt auch eine florierende Wirtschaft.

Inmitten der ländlichen Idylle kennzeichnen viele klein- und mittel-


10 I 11

HEIKO SIPPEL

„Feieroomend“ der Jungwinzergruppe Vino Generation der Verbandsgemeinde Wöllstein an der Beller Kirche

ständische Unternehmen den Wirtschaftsstandort Alzey-Worms.

So bietet der Landkreis nicht nur Möglichkeiten, die Freizeit mit

kurzweiligen und spannenden Angeboten zu gestalten, sondern

ist Arbeitsplatz für rund 30.000 sozialversicherungspflichtig

Beschäftigte, die tagtäglich wohnortnah ihrem Beruf nachgehen.

Neben zahlreichen Weinbaubetrieben kann der Landkreis eine

gute Mischung an Dienstleistungsbetrieben und produzierendem

Gewerbe vorhalten. Ein ausgezeichnetes Zusammenspiel harter

und weicher Standortfaktoren – darunter auch die nächste Nähe

zu den beiden Metropolregionen und dem Frankfurter Flughafen

als wichtigem Drehkreuz für den Welthandel – überzeugte auch

einige Global Player, die sich in den vergangenen Jahren bereits

innerhalb der Kreisgrenzen niedergelassen haben. Diese unternehmerische

Vielfalt sowie deren Erfolgskonzepte sind es, die

Fortschritt und Weiterkommen möglich machen und damit am

Wachstum unserer Region einen bedeutenden Anteil haben.

In diesem Buch stellen sich neben verdienten Persönlichkeiten

auch ein Querschnitt aufstrebender Unternehmen und Firmen

mit langer Tradition vor und geben Gelegenheit, die ganz persönliche

Firmengeschichte, Entwicklungen und Visionen kennenzu-

lernen und so mehr über den Wirtschaftsstandort Alzey-Worms

zu erfahren.

Liebe Leserinnen und Leser, ich möchte Sie gerne dazu einla-

den, sich mit mir gemeinsam auf Entdeckungstour durch unseren

Landkreis zu begeben und in die Geschichten und Erzählungen

der hier lebenden und wirkenden Menschen sowie ansässigen

Unternehmen einzutauchen. Mit all den neuen Impressionen und

persönlichen Gedanken im Gepäck sehen Sie vielleicht wie ich

die Schönheit unserer Region danach noch einmal aus einer

ganz anderen Perspektive.

HEIKO SIPPEL

Landrat


LANDKREIS ALZEY-WORMS – GANZ PERSÖNLICH

Naherholungsgebiet mit Möglichkeiten für zahlreiche Wassersportaktivitäten: der Eicher See


12 I 13

ERNST WALTER GÖRISCH

Die Freude, in „meinem Landkreis

zu leben und zu arbeiten

Mit Fug und Recht kann ich sagen, ein Kind des

Landkreises Alzey-Worms zu sein; und zwar im

wahrsten Sinne des Wortes.

ERNST WALTER GÖRISCH

geb. 1949 in Offstein, seit 1982 wohnhaft in Gau-Odernheim,

verheiratet, zwei Kinder | 1965 bis 1967 Verwaltungslehrling

beim Landratsamt Worms | 1967 bis 1971 Vorbereitungsdienst

im mittleren und gehobenen Dienst beim Landratsamt

Worms, ab 1969 beim Landratsamt Alzey-Worms | 1972 bis

1975 Besuch der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie

Mainz, Abschluss Verwaltungsdiplom | ab 1982 Leitung der

Sozialabteilung der Kreisverwaltung Alzey-Worms | 1984

bis 2004 Bürgermeister der Verbandsgemeinde Alzey-Land |

2004 bis Ende 2019 Landrat des Landkreises Alzey-Worms |

engagiert in vielen Funktionen und Ehrenämtern, z. B. dem

Gemeinde- und Städtebund Rheinland-Pfalz, dem Deutschen

Städte- und Gemeindebund, der Planungsgemeinschaft

Rheinhessen-Nahe, dem Kreisverband Alzey-Worms der

Europa-Union, dem Landkreistag Rheinland-Pfalz und dem

DRK Kreisverband Alzey

I

n Offstein, in der südlichsten Gemeinde des Kreises 1949,

wenige Tage nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland,

geboren und aufgewachsen, nach Stationen in Alzey

und Nieder-Wiesen lebe ich seit 1982 in der ehemals freien

Reichsstadt Gau-Odernheim mitten im Kreis. Gut behütet wuchs

ich mit meinen beiden Brüdern auf und besuchte die Volksschule

in Offstein, später die Handelsschule in Worms, die ich mit der

mittleren Reife abschloss. Meine Ausbildung konnte ich beim

ehemaligen Landratsamt in Worms 1965 beginnen und beim neu

gebildeten Landratsamt Alzey-Worms nach der Verwaltungsreform

am 7. Juni 1969 fortsetzen. Alzey zum Kreissitz zu bestimmen,

empfand ich als schlüssig und zukunftsgerichtet, insbesondere

nach den erfolgten Eingemeindungen von Gemeinden des ehemaligen

Landkreises Worms in die kreisfreie Stadt Worms.

Nach Abschluss der Ausbildung zum gehobenen Verwaltungsdienst

absolvierte ich 1975 das Studium an der Verwaltungs- und

Wirtschaftsakademie mit dem Verwaltungsdiplom. Während dieser

Zeit und durch meine Arbeit in der Verwaltung sowie durch die

gesellschaftlichen Veränderungen in den 1970er-Jahren entwickelte

sich neben meinem allgemeinen politischen Interesse

der Wunsch, in der Kommunalpolitik aktiv zu werden. Nach der

Wahl zum Vorsitzenden des SPD-Verbandes Alzey-Land wurde

ich 1979 Mitglied im Verbandsgemeinderat und Vorsitzender meiner

Fraktion. 20 Jahre, vom 10. Oktober 1984 bis 31. Oktober

2004, durfte ich das Amt des Bürgermeisters der Verbandsgemeinde

Alzey-Land bekleiden und konnte vom 1. November

2004 bis 31. Dezember 2019 als Landrat Verantwortung für

den wunderschönen Landkreis Alzey-Worms übernehmen.


LANDKREIS ALZEY-WORMS – GANZ PERSÖNLICH

Alle vier Jahre bietet die „Rheinhessentafel“ in Mettenheim regionale Spezialitäten und exzellente heimische Weine

Durch meine Tätigkeiten und die vielfältigen Kontakte zu den

Bürgerinnen und Bürgern und den Repräsentanten der unterschiedlichsten

Institutionen lernte ich die Menschen der Region

noch näher kennen und ihre Vorstellungen und Ziele begreifen,

schlichtweg habe ich erfahren, wie sie „ticken“.

In den 1990er-Jahren, Ende des 20. Jahrhunderts, fanden

gravierende Veränderungen im Landkreis statt. Infolge starker

Zuwächse der Bevölkerung durch Wanderungsgewinne und

Zuzug von Kriegsflüchtlingen und den gewachsenen Ansprüchen

an öffentliche Einrichtungen, wie Schulen und Kindertagesstätten,

musste die Infrastruktur kontinuierlich ausgebaut werden.

Eine gewaltige Herausforderung und Kraftanstrengung aller

Gebietskörperschaften.

Den Menschen wurde um die Jahrtausendwende immer bewusster,

welche Entwicklungsmöglichkeiten der Landkreis Alzey-

Worms und Rheinhessen aufgrund ihrer geopolitischen Lage als

Teile der Metropolregionen Rhein-Main und Rhein-Neckar haben.

Die Wirtschaft, sprich die vielen kleinen und mittleren Unternehmen

und die großen Betriebe, wuchsen permanent. Die Zahl der

sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse steigt

noch immer. Unser Flaggschiff der Wein, das hervorragendste

Produkt der Region, nahm hierbei die Vorreiterrolle ein. Der Tourismus

in Verbindung mit den reichen Schätzen der jahrtausendalten

Kultur gewann an Bedeutung und befindet sich auf bestem

Wege.

Zur großartigen Entwicklung des Kreises und

Rheinhessens hat zweifelsohne auch die Lebensart

der Menschen, genießen können – „savoir

vivre“ – arbeiten und feiern, beigetragen.

ERNST WALTER GÖRISCH

Zur großartigen Entwicklung des Kreises und Rheinhessens hat

zweifelsohne auch die Lebensart der Menschen, genießen können

– „savoir vivre“ – arbeiten und feiern, beigetragen. Die oft


14 I 15

ERNST WALTER GÖRISCH

Die Wildtulpenblüte am Lieberg bei Gau-Odernheim

zitierte Weltoffenheit der hier lebenden Menschen glaube ich

heute zu spüren. Ich freue mich, dass Kirchturmspolitik und

manche Eigenbrötlerei aus den 1960er-Jahren quasi nicht mehr

zum Tragen kommen. Viele bringen sich gerade auch in ihrer

örtlichen Umgebung für die Allgemeinheit ein. Gemeinsame Aktionen

und Kooperationen der Gebietskörperschaften sind überall

sichtbar und führen zum Erfolg. Das Engagement der Bürgerin-

nen und Bürger in den traditionellen Vereinen, den Hilfsorganisationen

oder bei Projekten sehe ich als ein weiteres starkes

Moment für die Verbundenheit zu unserem Gemeinwesen und

zur Stärkung der Identität. Dieser Prozess ist ausgesprochen

wichtig für unsere Perspektiven und muss Basis des künftigen

Handelns sein.

Als Bürgermeister und Landrat und in den unterschiedlichsten

Funktionen in Rheinhessen und im Lande habe ich erfahren,

dass es wichtig ist Projekte, Maßnahmen und Ziele nachhaltig zu

verfolgen, die der Mehrheit der Menschen und dem Gemeinwohl

dienen. Ich freue mich, in einer Region mit einem tollen Trend,

großen Chancen und vielen kreativen Menschen zu leben, in

einer offenen Landschaft mit ihren weichen Konturen und wun-

derschönen Farben und Lichteffekten in allen Jahreszeiten wandern,

Rad fahren und ihre Produkte genießen zu können. Es war

mir eine Freude, im und für den Landkreis Alzey-Worms zu wirken

und zu arbeiten.


LANDKREIS ALZEY-WORMS – GANZ PERSÖNLICH

Leben am Mittelmeer

des Nordens

Ich sitze auf der Veranda eines Weinbergshäuschens und schaue ins Tal der Selz. Dort unten in

Alzey bin ich geboren und aufgewachsen.

VOLKER GALLÉ

geb. 1955 in Alzey, verheiratet, vier Kinder, lebt in

Mauchenheim | nach dem Abitur am Gymnasium an

der Frankenstraße in Alzey Studium der Germanistik,

Philosophie und Ethnologie in Mainz, M.A. mit einer

Arbeit über Franz Kafka | Schriftsteller und Liedermacher,

Journalist von 1985 bis 2003 in Alzey und Worms |

erarbeitete 1998 das Konzept der Nibelungenfestspiele |

seit 2004 Kulturkoordinator der Stadt Worms | langjähriger

Vorsitzender der Nibelungenliedgesellschaft sowie

stellv. Vorsitzender des Fördervereins „Projekt Osthofen“,

Sprecher des AK Rheinhessen-Kultur | 2015 Verdienstkreuz

am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik

Deutschland

D

as Jahr 1968 war für mich das Jahr einer großen

Versammlung auf dem Rossmarkt. Die Menschen

forderten, der Sitz des neuen Landkreises dürfe

nicht an die Peripherie nach Worms gelegt werden.

Und über uns kreiste ein Flugzeug, das ein Banner mit dieser

Forderung hinter sich herzog. Ich rieche die nach Sonne duftende

Erde und sehe die Brücke der A 61 im Osten. Kein schöner Anblick.

Aber in dieser offen liegenden Landschaft ein Bild für ihre

Orientierungen. Von der rheinhessischen Schweiz im Nordwesten

zum Wonnegau im Südosten. Das ist auch die Richtung, in der

sich der Landkreis hinzieht. Mit einer Ausbauchung vor die Tore

von Mainz. Lachend über die zeitweise Verinselung der Landeshauptstadt,

die sich gern für den närrischen Nabel der Welt hält

und das Land, von dem sie lebt, nur als Drumherum wahrnimmt.

Ich lehne mich zurück und freue mich an diesem Bauch, der für

das Leben und leben lassen steht. Im Zweifel lässt er die Herrenmenschen

vorüberziehen. Sie werden irgendwann auf dem Misthaufen

der Geschichte landen. Denn hinter der frohgemuten

Maske lauert ein selbstbewusster Geist. Meine Familie kommt

aus der Schweiz. Es waren Mennoniten. Nur Erwachsene sollten

entscheiden, an was sie glauben. Kinder lässt man frei aufwachsen.

Jedenfalls hat mein Vater das so verstanden. Nach seinen

unseligen Erfahrungen mit der Naziverführung. Der Namensgeber

der pazifistischen Wiedertäufer stammte aus den Niederlanden.

Zwei föderal und genossenschaftlich gestimmte Regionen am

Rhein, im Nordwesten und im Südosten. So ist meine geistige

Landkarte auch politisch. Und färbt die Ideen der französischen


30 I 31

VOLKER GALLÉ

Revolution mit dem ohnmächtigen Vertrauensvorschuss gegenseitiger

Hilfe. Ich bleibe bei Freiheit, Gleichheit und Brüderlich-

keit. Der Krieg entheiligt all seine Mittel und führt seine Soldaten

in die Irre. Auf beiden Seiten. Ich scheue die Waffen. Auch wenn

ich mit dem Widerstand gegen Tyrannen sympathisiere.

Das Denken heißt hier „Simmelieren“. Simulieren. Und man

braucht es wie die Straßen und Kirchtürme zur Orientierung in

einer so ungeschützten Landschaft. Ich schüttele den Kopf und

damit die Gedanken weg. Bin wieder in der Gegenwart. Wenn

man die A 61 entlangfährt, sieht man das, was diesen Landkreis

ausmacht: Weinberge, Felder und Windräder. Dazwischen kleine

Städte und Dörfer. Es bleibt zu hoffen, dass sich dieses Verhältnis

nicht umkehrt und die Metropolregionen mit ihren gesichtslosen

Vorstädten und Gewerbeparks nicht über den Rhein herüberwachsen

und das Erdige wie das Himmlische verdrängen.

Rheinhessen war immer ein Atmen zwischen Stadt und Land.

Land und Stadt. Das sollte so bleiben. Bei allen Veränderungen

im Einzelnen. Neuerdings baut man viele Türme. Um Ausschau

zu halten nach dem, was kommt. Sitzt dann wie ich auf einer

Veranda und lässt den Blick schweifen.

Rheinhessen war immer ein Atmen

zwischen Stadt und Land. Land und Stadt.

Das sollte so bleiben.

VOLKER GALLÉ

Das geht, weil hier vor langer Zeit Meer war und wir an den Uferhängen

der Meeresbuchten wohnen. Dort quellen die Brunnen.

Dort findet man Schnecken und Muscheln im Sand. Und römische

Tonscherben. Es ist ein nach Norden verlagertes Mittelmeer.

Das bekommt dem Wein. Die Reben suchen das Wasser

im Boden und das Licht im Himmel. Wachsen deshalb krumm.

Mäandrieren wie die Bäche, die alle vom pfälzischen Donnersberg

kommen. Jede Bewegung stößt an ihre Grenzen und provoziert

eine Gegenbewegung in die andere Richtung. Das Leben

sprudelt und schlängelt sich durch. Vielleicht lieben wir deshalb

den Zischlaut SCH. Es ist aber eher ein Schwellen als ein Zischen.

Ich werde den Laut wohl umbenennen müssen, um der

Schlange den Giftzahn zu ziehen. Das hauchende CH ist uns

fremd. Statt des Fauchenden und des Besänftigenden lieben

wir das sich Ausbreitende.

Nur unsre Angst vor Verlust macht uns zu Nützlichkeitsaposteln,

die ihre Hoftore verschließen. Das ist mir zu eng. Aber das situative,

pragmatische Lösen von Verwicklungen. Das gefällt mir. Die


LANDKREIS ALZEY-WORMS – GANZ PERSÖNLICH

bescheidene Lust am Alltag. Und der sich von tragischem Selbstmitleid

distanzierende Witz.

Für mich war diese Landschaft immer poetisch. Das schmerzt

manchmal, wenn über ihre sanfte Schönheit und ihren wachen

Geist hinweggetrampelt wird. Auch von Eingeborenen, die glauben,

man müsse sich dem Trend der Metropolen anpassen.

Ich plädiere für eine Verlangsamung der globalen Leitlinien und

gleichzeitig für Freiräume lokalen Handelns. Nicht für Einzelinteressen,

sondern für die Gemeinde. Am Wendelsheimer Rathaus

steht der dazu passende Spruch vom März 1848: „Achte die

freie Wahl deiner Überzeugung und du achtest dich selbst...

Sicherheit und Friede in der Gemeinde über Allem.“ Die Spiegelung

der Selbstachtung im Gegenüber wird offenbar vorausgesetzt.

Der Citoyen handelt aus freien Stücken und hat dabei doch

eine gemeinsame Lösung im Auge. Das ist es, was Heimat für

mich ausmacht. Und dann auch Deutschland. Und dann auch

Europa. Und schließlich die ganze Welt. Jetzt steh ich erst mal

auf, gehe durch die Weinberge hinunter ins Tal und fange mit

dem an, was als Nächstes ansteht.

Die Kreuzkapelle auf dem Wißberg oberhalb von Gau-Bickelheim


36 I 37

ANNA GÖHRING

Ein Zauber, der einen in

seinen Bann zieht

Wie fängt man mit einem Liebesbrief nun am besten an? In Zeiten von WhatsApp, Facebook, Instagram

und Co. ist dies leider etwas in Vergessenheit geraten. Naja, ich schreibe einfach mal drauflos.

D

ie erste Frage, die ich mir dabei stelle, ist: Was und

wo ist denn eigentlich Heimat? In meinem Amtsjahr

als Rheinhessische Weinkönigin 2018/19 habe ich

festgestellt, dass man am besten mit einem Beispiel

arbeitet. Das perfekte Beispiel, um meine Heimatverbundenheit

bildlich darzustellen, ist für mich der Rebstock mit seinem

Wurzelwerk.

ANNA GÖHRING

geb. 1994 in Worms, ledig, lebt in Mölsheim | mittlere

Reife 2011 in Worms, 2014 Abitur am Staatlichen Aufbaugymnasium

in Alzey | Ausbildung zur Bankkauffrau bei der

Volksbank Alzey-Worms eG, anschließend Bankkauffrau

in der Volksbank-Niederlassung Kirchheimbolanden |

seit Oktober 2017 Studium der Internationalen Weinwirtschaft

an der Hochschule Geisenheim | 2018/2019 Rheinhessische

Weinkönigin | Hobbys: Jumping Fitness, Lesen,

Klavierspielen | engagiert in der IG Zellertal Open

Frisch gepflanzt, beginnt er über Jahre hinweg immer tiefer zu

wurzeln, nimmt immer mehr von seinem Standort mit auf und

trägt in den Früchten immer mehr von dieser Leidenschaft, seiner

Heimat. Genauso, denke ich, kann man das auch auf mein Leben

übertragen. Schon seit der ersten Minute meines Lebens auf

dieser Erde bin ich im Landkreis Alzey-Worms zu Hause. Auch

meine Schulzeit habe ich in der Nibelungenstadt Worms und der

heimlichen Hauptstadt Rheinhessens, in Alzey, verbracht. Tief

verwurzelt in der Region, führte mich mein Weg nach meiner

Ausbildung zur Bankkauffrau, die übrigens auch überwiegend im

Landkreis war, raus aus der Heimat, sogar in ein anderes Bundes-

land. In Geisenheim studiere ich nun Internationale Weinwirtschaft

und kann Kommilitonen aus der ganzen Welt ein Stück meiner

Heimat mitbringen, zeigen und sie dafür begeistern.

Ich habe zu schätzen gelernt, dass es zu Hause doch am schöns-

ten ist und ich immer wieder gerne dorthin zurückkehre. Man

lernt, mehr auf die kleinen Dinge zu achten, die Schönheit unserer

Landschaft zu genießen und natürlich die regionale Küche

mit den passenden Weinen zu schätzen.


LANDKREIS ALZEY-WORMS – GANZ PERSÖNLICH

Ich denke, das größte Geschenk

ist das offene und herzliche Miteinander,

was unsere Region so attraktiv macht,

es sind auch alle Festivitäten, die regelmäßig

stattfinden und viel Zulauf aus

ganz Deutschland und der Welt erhalten.

Anna Göhring

Das Schlossgut Lüll in Wachenheim

So durchströmt mich immer wieder aufs Neue das wohlige

Gefühl am ersten Autobahnschild auf der A 61, „Kreuz Alzey“:

Gleich hab ich‘s geschafft, ich bin angekommen in meiner ganz

persönlichen Wohlfühloase, bei meinen Wurzeln, in Mölsheim.

Ich würde ja sagen, dort gehöre ich zu den historischen Rebsorten,

weil ich schon immer im wunderschönen Zellertal zu

Hause bin, aber ich glaube, so alt bin ich noch nicht, dass ich

bei dieser kleinen Renaissance mitmachen kann. Aber dennoch

kann ich die ersten Früchtchen meiner Arbeit ernten. Denn wenn

man etwas gibt, bekommt man mindestens doppelt so viel zurück.

Aufgeladen vom Sonnenlicht mit einem sicheren und tiefen

Fundament, dem Wurzelwerk, habe ich erfahren, was unseren

Landkreis so besonders macht.

Winzer in die Welt getragen, aber dabei nie vergessen, woher

ich komme, wo meine Wurzeln sind. In der Sprache des Weines

hat man meine Herkunft immer gespürt. Der besondere Charakter

eines Terroirweins ist bei mir der Dialekt, meine Leidenschaft,

jeden von unserer Heimat zu begeistern, mitzunehmen auf eine

besondere Reise und von den wunderbaren Geheimnissen hinter

unseren rheinhessischen Hügeln zu erzählen. Eben ganz viele

kleine Liebesgeschichten erlebbar zu machen.

Ich denke, das größte Geschenk ist das offene und herzliche

Miteinander, was unsere Region so attraktiv macht, es sind auch

alle Festivitäten, die regelmäßig stattfinden und viel Zulauf aus

ganz Deutschland und der Welt erhalten. Egal, ob ausgelassen

feiern, die Aussicht genießen oder eines unserer unzähligen kulturhistorischen

Denkmäler besuchen: Immer spielt ein gewisser

Zauber mit, der einen voll und ganz in seinen Bann zieht und

Teil dieser Gemeinschaft werden lässt.

Mit pochendem Herz, einer Menge Stolz und Liebe zur Heimat

habe ich ein Jahr die Leidenschaft unserer Winzerinnen und

Alzeyer Winzerfest


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VITUS WURMDOBLER

Kunst gerettet, gepflegt

und neu geschaffen

Fruchtbar und mütterlich ist diese Landschaft. Das war meine erste Impression, als ich 1969 nach

Mainz übersiedelte, um als Restaurator am Mittelrheinischen Landesmuseum zu arbeiten und anfing,

Rheinhessen und seine Landschaft zu entdecken.

D

as Schloss war wild zugewuchert und alles hat

wunderbar geduftet, als wir es an einem schönen

Frühlingstag im Jahr 1976 zum ersten Mal sahen.

Es stand mitten in Erbes-Büdesheim, war zementgrau

verputzt, hieß im Volksmund „Weiße Burg“ und stand kurz

vor dem Verfall. Wir – meine Frau Damaris, die Malerin, und ich,

der Restaurator – fanden es zauberhaft. Die Leute sagten, es

sei eine Bruchbude und wir sollten um Himmels Willen die Finger

davon lassen, aber wir ließen uns nicht abschrecken. Wir haben

nur das Positive gesehen und wollten es retten.

VITUS WURMDOBLER

geb. 1945 in Regenstauf, verheiratet, eine Tochter, ein

Sohn, lebt in Erbes-Büdesheim | nach dem Besuch eines

katholischen Internats Kirchenmalerlehre in Regensburg |

mit 18 Jahren Ausbildung zum Restaurator in Freiburg,

Meisterprüfung | 1969 Übersiedlung nach Mainz,

Restaurator am Mittelrheinischen Landesmuseum |

1970 Leiter der Restaurierungswerkstatt am Dom- und

Diözesanmuseum in Mainz, zugleich zuständig für die

Kunstwerke im Bistum Mainz | 1976 gemeinsam mit

der Ehefrau Erwerb des Schlosses in Erbes-Büdesheim |

1977 Beginn der Renovierung des Schlosses, zugleich

Auftragsarbeiten vom Bistum Mainz, der Ev. Landeskirche

Darmstadt und dem Bistum Speyer

Bis wir das Schloss aus dem 14. Jahrhundert, das eigentlich

als Wasserschloss gebaut worden war und als „Weiße Burg“

überliefert ist, endlich unser Schloss nennen konnten, war

es Herbst geworden. Überall hatte es hereingeregnet, nach

einem Wolkenbruch gab es einen Wasserfall im Haus. Keins

der 76 Fenster war mehr heil, um das Schloss stand ein morsches

Gerüst, Schutthaufen lagen herum, das Treppenhaus

war verkohlt. Denn die örtliche Feuerwehr hatte hier geübt.

Aber wir waren jung, wir waren voller Pioniergeist und Tatendrang.

Ich nahm Abschied vom Mainzer Dom. Mein ehemaliger

Arbeitgeber, das Bistum Mainz, und auch die Evangelische

Landeskirche Darmstadt haben uns große Aufträge gegeben,

viele davon im Landkreis Alzey-Worms. Bedingt durch die spe-

zielle Situation in Rheinhessen gab es fast in jedem Ort zwei

Kirchen, in denen Restaurierungsbedarf war.

Wir konnten also systematisch angefangen, das Schloss zu

renovieren. Dabei legten wir größten Wert darauf, das weit-


LANDKREIS ALZEY-WORMS – GANZ PERSÖNLICH

Denn ein Teich gehört zu einem Schloss, und schließlich war

es ja auch einst eine Wasserburg. Draußen darf alles wachsen:

Ahorn, Eiche, Weiden, Eiben und auch der Giersch in den

Ritzen. Drinnen ist nach und nach vieles geworden.

Deckengemälde von Damaris Wurmdobler in der evangelischen

Kirche in Hohen-Sülzen

Ich verstehe mich als Restaurator, der das kulturelle Erbe vergangener

Zeiten und die Menschen, die es geschaffen haben, achtet

und die historischen Dokumente erhält. Jede der übertragenen

Aufgaben empfinde ich als Herausforderung, die ich handwerklich

perfekt und stilistisch und historisch angemessen ausführe.

Alle notwendigen Ergänzungen habe ich dokumentiert, sodass

sie für spätere Restauratoren nachvollziehbar sind. Momentan

scheint es allerdings in Mode zu sein, Kirchenräume zu „verweißen“.

Damit meine ich, dass sie einfach weiß übertüncht werden.

Das ist freilich die teuerste Art der Restaurierung, weil sie keine

Patina verträgt.

gehend historisch richtig zu machen. Außerdem haben wir eine

Restaurierungswerkstatt eingerichtet im besterhaltenen Zimmer

mit seinen holzgetäfelten Wänden. Von hier aus waren später

bis zu 20 Restauratoren und Restauratorinnen damit beschäftigt,

zahlreiche bedeutende Baudenkmäler zu erhalten, zu restaurieren

und um- und neuzugestalten – auch über Rheinhessen

und Rheinland-Pfalz hinaus in ganz Deutschland und im be-

nachbarten Ausland.

Eine der ersten Arbeiten in der Region war in der kleinen katholischen

Kirche von Flonheim, die der spätere Dombaumeister von

Freiburg Meckel als Probekirche für das Bistum Mainz errichten

durfte. Später baute er den Binger Rochusberg und die große

Basilika in Viernheim. In meinem Heimatort Erbes-Büdesheim

durften wir die katholische Kirche grundlegend restaurieren und

die schöne Ausstattung stilgemäß behandeln.

Nachdem wir den kaputten, grauen Putz außen am Schloss

abgehauen hatten, konnten wir endlich neu verputzen. Für den

neuen Anstrich wählten wir ein dunkles Oxydrot aus. Damit

hatten sich die „Leut vom Schloss“, wie man uns hier nennt,

allmählich etabliert. Draußen legte ich ein Wasserbecken an.

Pfingsten - ein Gemälde von Damaris Wurmdobler im Chor der

katholischen Kirche in Mölsheim


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VITUS WURMDOBLER

Von den vielen Kirchen, die wir restauriert haben, hier einige

Beispiele. Von expressivem Jugendstil geprägt ist die Ausmalung

der evangelischen Kirche Gimbsheim, die der Wormser Maler

Fritz Muth vor dem Ersten Weltkrieg entworfen und ausgeführt

hatte. Die Malereien wurden nach dem Krieg überstrichen, wir

haben sie wiederentdeckt und rekonstruiert. In der Simultankirche

Gau-Odernheim konnten wir nach eigenen Entwürfen die

Innenausmalung gestalten – und so hat heute diese Kirche einen

prächtigen goldenen Sternenhimmel auf blauem Grund. Ein

weiteres Highlight unserer Arbeiten in Rheinhessen ist die katholische

Kirche in Schornsheim. Mit seiner wunderschönen gotischen

Innenraumfassung, mit gemalten Heiligenfiguren und

einem Gewölbe, auf dem Engel musizieren, ist sie einen Besuch

immer wert. Nicht weit davon ist die Bergkirche von Udenheim,

die wir im Innenraum im Chorbereich an den Gewölben mit

Blumen bemalen durften, die zum Teil bei der Erbauung der

Kirche in dieser Region noch unbekannt waren.

Ich verstehe mich als Restaurator, der das

kulturelle Erbe vergangener Zeiten und die

Menschen, die es geschaffen haben, achtet

und die historischen Dokumente erhält.

VITUS WURMDOBLER

Die Heidenturmkirche in Dittelsheim-Heßloch

Während wir uns auf die Restaurierung und historischen Malereien

konzentrierten, hatte meine Frau Damaris das Glück, ihre

eigenen Kunstwerke hier im Landkreis in verschiedenen Kirchen

darzustellen. Da gibt es ein Deckengemälde von ihr in Offenheim,

ein weiteres in der evangelischen Kirche von Hohen-Sülzen mit

einer wunderschönen Darstellung von Jakobs Traum mit den auf-

und absteigenden Engeln. In Mölsheim in der katholischen Kirche

ist im Chor Pfingsten in einer grandiosen, expressiven Art dargestellt.

In der evangelischen Kirche in Wonsheim ist der gesamte

Innenraum von ihr farbig konzipiert und als krönender Abschluss

die Decke als „Sol Invictus“ dargestellt. Ein weiteres Werk von ihr

ist in Hochborn zu betrachten. Dort können wir an der Stirnwand

der evangelischen Kirche das „Himmlische Jerusalem“ sehen.

Wir haben im Laufe der Zeit mehr als 23 Kirchen im Landkreis

Alzey-Worms restauratorisch überarbeitet und gestaltet. Die Vielschichtigkeit

der unterschiedlichen reizvollen Baustile und das

Traditionsbewusstsein seiner Bewohner haben es uns ermöglicht,

sowohl durch unsere Restaurierungen als auch durch die Kunst

meiner Frau Damaris einen hoffentlich bleibenden Beitrag zur

Kultur dieser Region erbracht zu haben.

Der von Vitus Wurmdobler restaurierte Innenraum

der evangelischen Kirche in Gimbsheim

u


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Übersicht der PR-Bildbeiträge

Wir danken den folgenden Unternehmen, die mit ihren Beiträgen das

Zustandekommen dieses Buches ermöglicht haben.

CHEFS CULINAR West GmbH & Co. KG 24 – 25

www.chefsculinar.de

EnergieDienstleistungsGesellschaft Rheinhessen-Nahe mbH 15

www.edg-mbh.de

Faber Bau GmbH 48 – 49

www.eiffage-infra.de/faber-bau

GEG Gebäudedienste GmbH 23

www.geg-online.de

MikroFORUM Hochtechnologiepark Wendelsheim GmbH 47

www.mikroforum.de

Schmahl & Stoepel Spedition und Transportgesellschaft mbH 62 – 63

Sparkasse Worms-Alzey-Ried 64 – 65

www.sparkasse-worms-alzey-ried.de

TST GmbH 80 – 81

www.trans-service-team.com

Richard Wagner GmbH + Co. KG 82 – 83

www.wagner-alzey.de

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