Kulturfenster Nr. 06|2020 - Dezember 2020

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Poste Italiane SpA – Sped. in a.p.

-70% – NE BOLZANO – 72. Jahrgang

Nr. 6 | DEZEMBER | 2020

Zweimonatszeitschrift

KulturFenster

Blasmusik, Chorwesen und Heimatpflege in Südtirol

„Gerade jetzt brauchen wir Kultur!“

„Es bewegt sich nicht mehr viel“

Landschaftspflege: Das ändert sich 2021


• Geleitwort •

• Inhalt •

• Chorwesen

„Leben kann man nur

vorwärts“ – Gedanken von

Obmann Deltedesco 3

AGACH - Brücken schlagen

zwischen Menschen und

Regionen 4

„Gerade jetzt brauchen

wir Kultur!“ - Vollversammlung

des SCV 6

Dirigentenworkshop mit Jan

Scheerer im Kolpinghaus Bozen 7

„Singen isch inser Leben“ –

ein Lied zum Jahreswechsel 9

Kirchenchor Vahrn gründet

Kinder- und Jugendchor 11

Höchste Tiroler Auszeichnung

für Irene Vieider 12

Büchertisch: „Als ich die Stille

fand“ von Franz Welser-Möst 13

Der Blick nach vorne

Leben kann man nur vorwärts: Diesen Satz des

großen Philosophen Sören Kierkegaard (1813

bis 1855) stellt der Obmann des Südtiroler

Chorverbandes (SCV), Erich Deltedesco, in den

Mittelpunkt seiner Botschaft an Obfrauen und

Obmänner, Sängerinnen und Sänger, Chorleiterinnen

und Chorleiter zu Weihnachten und

Neujahr. Die Corona-Pandemie habe vieles

lahmgelegt, aber man dürfe jetzt nicht die Flinte

ins Korn werfen, sondern müsse im Sinne des

dänischen Philosophen nach vorne schauen,

so der Obmann. „Wir hoffen alle, dass wir unsere

Tätigkeit bald wieder in vertrauter Form

und mit neuer Kraft aufnehmen können.“

Brücken schlagen zwischen Menschen und

Regionen – das war von Anfang an die Devise

der AGACH, der Arbeitsgemeinschaft Alpenländischer

Chorverbände. Der Präsident der

AGACH, Erich Deltedesco, wirft einen Blick

zurück in die Anfänge der AGACH vor mehr

als vierzig Jahren. Damals, Anfang der 70er

Jahre des vergangenen Jahrhunderts war nur

eine Handvoll Verbände aus dem Alpenraum

vertreten, heute sind es 16 Verbände mit fast

• Blasmusik

Das Feuilleton und die Blasmusik 14

„Es bewegt sich nicht mehr viel“ –

Jahreshauptversammlung des VSM 19

„Schauen wir nach vorne“ –

Ausblicke auf das Tätigkeitsjahr 2021 22

Die Jugendseiten:

303 Leistungsabzeichen verliehen 23

Jumbos – der neue Name

für die Jugendkapelle Bozen 24

Ars Nova: Robert Neumairs Musik

zum Stummfilm „Der müde Tod“ 26

Erlesene Konzertreihe in der

Hofburg Brixen 28

Generalversammlung unter

besonderen Abzeichen –

MK Zwölfmalgreien 29

Gratulation zur Goldenen Hochzeit

von Ehrenkapellmeister Sepp Walder

und seiner Frau Christl 29

Neues: Die Bücher „Itallegro“

von Jutta Eckes und

„Bolero“ von Maurice Ravel 30

5000 Sängerinnen und Sängern. ,,Heute ist es“,

so Deltedesco, ,,eine kulturelle Gemeinschaft

von singenden Menschen des Alpenbogens“.

Über mangelnde Wertschätzung klagt der Heimatpflegeverband

Südtirol in Richtung Landesamt

für Raum und Landschaft. Seit rund

50 Jahren habe man als erster Ansprechpartner

für alle jene fungiert, die ein bäuerliches

Kleindenkmal errichten oder erhalten wollten,

und dafür ,,Herz, Zeit und Energie“ aufgewendet“,

mit Ende des Jahres 2020 sehe

man sich jedoch gezwungen, die Bearbeitung

der entsprechenden Gesuche um Beiträge

an das Landesamt abzutreten, so der

Geschäftsführer des Heimatpflegeverbandes,

Josef Oberhofer. Obfrau Claudia Plaikner sichert

aber zu: „Wir bleiben Ratgeber für alle

offenen Fragen in diesem Bereich.“

Im Hauptartikel des VSM bemängelt der

Autor die „fundierten Presseberichte“ für

Konzertveranstaltungen der Blasmusik. Er

geht auf Spurensuche und wird in vielerlei

Hinsicht fündig.

•Heimatpflege

Alfons Gruber

Thema: Wenn die Wertschätzung fehlt 31

Franz Fliri und seine Arbeit als Sachbearbeiter

für die Heimatpflege 34

„Die Neuausrichtung des HPV“ –

Interview mit Claudia Plaikner 36

Zur Geschichte der Weihnachtsgeschenke 38

Die Salzkirche – Dinge des Alltags aus

Geschichte und Gegenwart 40

Südtiroler Beteiligung beim Kongress

„Heimat in Europa“ 41

Einsatz des Heimatpflegeverbandes für

eine intakte Nahversorgung 42

Das ehemalige Hotel „Post“ in Toblach

ist leider Geschichte 43

Die Drei Zinnen als Bergskulptur und Blickfang 44

Ein Marterl und ein Bildstock in Lana

und Völlan wurden restauriert 45

Hängebrücke „Hofmannssteg“ in Mareit

soll nicht abgerissen werden 46

Arge Lebendige Tracht: Falten, Krausen

und Plissee – eine Ausstellung 47

„Mühlbach bei Franzensfeste von 1897 – 1947“ 48

„Wenn des Singen net war“ 49

„Tramin in Vergangenheit und Gegenwart“ 50

2

KulturFenster


Vorweg

Chorwesen

„Leben kann man nur vorwärts“

Gedanken des Obmanns zum Jahresende

Sehr geehrte Obfrauen und Obmänner, sehr

geehrte Chorleiterinnen und Chorleiter, liebe

Sängerinnen und Sänger!

Mit folgenden oder ähnlichen Worten habe

ich in den letzten Jahren immer meine

Dankesworte am Ende des Jahres begonnen:

„Nur noch wenige Tage trennen

uns vom Jahreswechsel. Anlass und Gelegenheit

für uns alle im Südtiroler Chorverband

Bilanz zu ziehen und mit Dankbarkeit

einen Blick zurückzuwerfen. In

vielen Veranstaltungen auf Landes- und

Bezirksebene zeigte sich wiederum, dass

der Chorgesang in Südtirol einen wichtigen

Stellenwert hat, die Vielfalt und die Schönheit

des Chorgesangs, sowie die Begeisterung

für das Lied haben viele hunderte,

ja tausende Sänger/innen einem breiten

Publikum nahegebracht.“

Heuer ist alles anders, die Corona-Pandemie

hat uns alle und ganz besonders auch

das Chorleben schwer getroffen und mehr

oder weniger die ganze Jahrestätigkeit des

Verbandes und der Chorgemeinschaften

lahmgelegt. Das gesamte Schulungsprogramm

(mit Ausnahme des Workshops für

Chorleiter/innen im September), die Jahreshauptversammlung

im März und alle geplanten

Veranstaltungen auf Bezirks- und

Landesebene mussten abgesagt werden.

Eine solche Krisensituation konnte sich

vorher niemand von uns vorstellen. Die

Chöre durften sich einige Monate nicht

mehr zur Probe treffen, das geplante Konzert

oder die festliche Mitgestaltung eines

Gottesdienstes waren einfach nicht mehr

möglich. Ab Ende Mai waren zwar Proben

und Aufführungen wiederum zugelassen,

allerdings aufgrund der Sicherheitsbestimmungen

in ganz bescheidenem Maße. Es

musste in Kleinstgruppen geprobt werden,

das auch vom sozialen Gesichtspunkt so

wichtige regelmäßige Zusammentreffen in

der Chorgemeinschaft hat allen sehr gefehlt,

aber es war ein Hoffnungsschimmer

auf „bessere Zeiten“. Leider hat sich die

Lage im Herbst wieder verschlechtert. Aufgrund

der strengen, aber sicherlich notwendigen

Vorschriften zur Eindämmung

der Pandemie wurde jegliche Chortätigkeit

untersagt. Die vielfache Befürchtung, dass

diese neuerliche Pause negative Auswirkungen

auf den Weiterbestand vieler Chöre

haben könnte, ist nicht von der Hand zu

weisen. Auf der anderen Seite aber gehört

das Singen zur Natur des Menschen, Singen

im Chor verbindet alle Gesellschaftsschichten,

Bevölkerungsgruppen und Altersstufen,

vermittelt vielseitige Geselligkeit

und schenkt Geborgenheit.

Immer wieder höre ich von vielen Sängerinnen

und Sängern wie sehr sie sich

auf die Zeit freuen, wo regelmäßige Chorarbeit,

gemeinsames Singen, Zusammentreffen

wieder möglich sein wird. Und dies

gibt mir die Hoffnung, dass diese Abstinenz

die Chorgemeinschaft zusätzlich

fördert und das Zusammengehörigkeitsgefühl

wachsen lässt. Liebe Chorverantwortliche,

ihr gebt euch sehr viel Mühe,

dass der Chorbetrieb - in welcher Form

auch immer - aufrechterhalten bleibt. Eure

großen Bemühungen und Anstrengungen

tragen ganz wesentlich zum Weiterbestand

unserer Chöre bei. Es ist mir ein persönliches

Anliegen dafür jeder und jedem von

Euch von ganzem Herzen zu danken und

ich bitte alle Sänger/innen die Sache des

Chorgesangs trotz widrigster Verhältnisse

auch weiterhin mitzutragen.

Liebe Obfrauen und Obmänner, Chorleiterinnen

und Chorleiter, Sängerinnen

und Sänger: „Leben kann man nur vorwärts“

stellte einst der dänische Philosoph

Søren Kierkegaard fest. Es ist der

Blick nach vorne, der die Zukunft gestaltet.

In der zuversichtlichen Hoffnung, dass

wir alle gemeinsam baldmöglichst unsere

Tätigkeit in der vertrauten Form wieder

aufnehmen können, wünsche ich Euch

allen im Namen des Vorstandes und Musikrates

ein gesegnetes und besinnliches

Weihnachtsfest, sowie Gottes Segen, Gesundheit

und Wohlergehen für das kommende

Jahr.

Erich Deltedesco

Obmann des Südtiroler Chorverbandes

Nr. 06 | Dezember 2020 3


Das Thema

Brücken schlagen zwischen

Menschen und Regionen

Die AGACH als besonderes Beispiel des europäischen Gedankens

Die Chorweihnacht der AGACH ist die wohl traditionsreichste Veranstaltung dieses Verbandes, hier im Bild die Chorweihnacht von

2019 in Pfronten im Allgäu.

Als vor nunmehr 41 Jahren die AGACH gegründet

wurde, war dies zu einer Zeit, als

der völkerverbindende Charakter der Europäischen

Gemeinschaft langsam Konturen

annahm.

Die kulturelle, soziale aber auch ökonomische

Eigenart der kleinen Räume, der

Regionen in Europa kam zum Vorschein.

Aus diesen Erwägungen schlossen sich

im Jahre 1972 die Regionen des zentralen

Alpenbogens zur ARGE-ALP (Arbeitsgemeinschaft

Alpenländer) zusammen,

um diesen ökologisch wie kulturell sensiblen

Raum durch das politische Zusammenwirken

der Regierungen behutsam in

den großeuropäischen Bereich zu integrieren,

ohne die durch Jahrhunderte gewachsene

Lebensform zu gefährden, oder gar

in Frage zu stellen. In diesem politischen

Gedankenfeld fanden kulturelle Verantwortungsträger

es an der Zeit, sich in ihrem

Bereich für eine gemeinsame Strategie

einzusetzen, im Hinblick auf Wahrung

der Tradition, Überwindung von Gegensätzen

durch Dialog und Entwicklung von

Ideen. Man war überzeugt, dass das Zusammenwachsen

der europäischen Völker

nicht alleine nach den Regeln der

Wirtschaft von statten gehen darf, sondern

dass in kleinen Schritten auch die Kultur

ihren Beitrag leisten soll und muss. Franz

Elena, der Präsident des ehemaligen Tiroler

Sängerbundes 1860, war es gewesen,

der anlässlich eines Sängertreffens im

Oktober 1973 in Kramsach die Idee aussprach,

einen Zusammenschluss deutschsprachiger

Bünde im Alpenland nach Art

der politischen Arge-Alp für die Zukunft

zu planen. Viele tastende Gespräche im

kleinen Kreis führten 1977 zur Formulierung

gemeinsamer Aufgaben und im August

1978 reifte dann der Entschluss zur

Gründung einer handlungs- und entscheidungsfähigen

Arbeitsgemeinschaft. Mit der

organisatorischen Vorbereitung und Erarbeitung

einer Satzung wurde der Südtiroler

Sängerbund mit seinem Obmann Siegfried

Tappeiner betraut.

Am 20. Jänner 1979 wurde dann im

Sitzungssaal des Südtiroler Landtages „die

Arbeitsgemeinschaft der Chorverbände im

deutsch- und ladinischsprachigen Alpenbereich-

AGACH“ (aus der Gründungsurkunde)

gegründet, mit dem Ziel im Sinne

der ARGE-ALP das eigene Kulturgut zu erhalten,

zu pflegen und dessen Weiterentwicklung

zu fördern. Gründungsmitglieder

waren der Bayerische Sängerbund, der

Fürstlich-Liechtensteinische Sängerbund,

4

KulturFenster


Chorwesen

Siegfried Tappeiner, der

Gründungspräsident der AGACH

der Oberösterreichisch-Salzburgische Sängerbund,

der Schwäbisch-Bayerische Sängerbund,

der Südtiroler Sängerbund, der

Tiroler Sängerbund 1860 und der Vorarlberger

Sängerbund. Es war eine Sternstunde

für Europa im Kleinen. Zum Gründungspräsidenten

wurde Dr. Siegfried Tappeiner

bestimmt. Mehr als dreißig Jahre lang befruchtete

er als Präsident mit immer wieder

neuen Ideen die Arbeitsgemeinschaft.

Von Anfang an war es für ihn klar, dass es

nicht nur eine Verbindung deutschsprachiger

Chorverbände sein sollte, sondern

eine Gemeinschaft, die auch Regionen anderer

Sprachen im Alpenland einschließen

sollte, also auch die italienischen und französischen

Sprachgebiete und so kamen

in den Folgejahren die Sängerbünde aus

P. Urban Stillhard, künstlerischer Leiter

der AGACH

Aosta, aus Friaul, dem Trentino und Bozen

(Federazione Cori dell’Alto Adige) dazu. Vor

einigen Jahren wurden die Chorverbände

aus Graubünden, Kärnten, Steiermark und

Wallis aufgenommen, sodass mittlerweile

16 Verbände mit insgesamt 4.775 Chören

und 128.200 Sänger/innen aus Deutschland,

Italien, Österreich und der Schweiz

zur AGACH gehören. Im Moment gibt es

keine Erweiterungstendenzen, die Arbeitsgemeinschaft

soll nicht zu einem unübersichtlichen

Gebilde werden, in dem sich der

einzelne Verband nicht mehr wiederfindet.

Von Anfang an war die AGACH als projektorientierte

Arbeitsgemeinschaft konzipiert.

Sie verbindet musikalisch aktive

Menschen diesseits und jenseits des Alpenbogens

über Sprachbarrieren und Staatenzugehörigkeit

hinweg zu einer völkerverbindenden

Gemeinschaft. Ziel und Zweck

dieses Zusammenschlusses war der kulturelle

Austausch der Chorverbände untereinander

und das Bemühen um gemeinsame

musikalische und fachspezifische

Veranstaltungen. An dieser Zielsetzung hat

sich bis heute nichts geändert, ja diese projektorientierte

Zusammenarbeit ist mit der

Zeit immer intensiver geworden. Im Laufe

der Jahre wurden und werden regelmäßig

überregionale Konzerte und Chöre-Festivals

organisiert, Symposien abgehalten,

Kompositionsaufträge vergeben, Uraufführungen

auf die Bühne gebracht, Publikationen

herausgegeben. Die AGACH ist ein

loser Zusammenschluss von Chorverbänden

des Alpenraumes. Bei allen Aktivitäten

wird den kulturellen Eigenheiten der einzelnen

Regionen viel Aufmerksamkeit gewidmet,

die Eigenständigkeit und Entwicklung

der Verbände bleiben unangetastet.

Die Schwerpunkte sind also vielfältig. Einer

davon, die wohl traditionsreichste Veranstaltung

der AGACH, ist die Chorweihnacht,

welche seit 1982 alljährlich von

einem anderen Mitgliedsverband organisiert

wird und auch heute noch immer zu

einer der erfolgreichsten und populärsten

Veranstaltung der Arbeitsgemeinschaft

zählt. Ausschlaggebend dafür ist sicherlich

die Öffnung des Literaturspektrums

vom rein alpenländischen Volkslied hin

zu einem etwas breiteren Programm mit

Liedern und Komponisten, die weit über

den Alpenbogen hinausgehen. Trotz dieser

Öffnung hin zu einem zeitgemäßen Repertoire

ist der regionale Charakter des Konzertes

dennoch erhalten geblieben und

nicht verloren gegangen.

Zwei Mal jährlich treffen sich die Präsidenten

und Delegierte der Mitgliedsverbände

zum Gedankenaustausch und zur

Erarbeitung der gemeinsamen Projekte.

Organisiert und vorbereitet werden die Tagungen

und Veranstaltungen abwechselnd

von einem anderen Mitgliedsverband. Die

Verständigungsbereitschaft ist trotz Sprachbarrieren

sehr hoch, Sprachbarrieren waren

und sind nie ein Hindernis. Um den

Ablauf der Gespräche etwas flüssiger zu

gestalten, wird seit einigen Jahren mit Simultanübersetzung

gearbeitet. Der Sitz der

AGACH ist seit der Gründung – nicht zuletzt

wegen der Zweisprachigkeit – beim

Südtiroler Chorverband angesiedelt. Mit

Genugtuung kann ich heute feststellen:

Erich Deltedesco ist Präsident der

AGACH.

die Prophezeiung des damaligen Landeshauptmannes

von Südtirol Dr. Silvius Magnago

im AGACH Gründungsjahr 1979 hat

sich verwirklicht: aus der politischen Vision

eines engen Zusammenwachsens der Bevölkerung

des Alpengebietes ist eine geistige

und kulturelle Einheit von singenden

Menschen des Alpenbogens geworden. Die

Arbeitsgemeinschaft Alpenländischer Chorverbände

(AGACH) wird auch weiterhin an

ihrem Ziel festhalten, Brücken zu schlagen

zwischen Menschen verschiedener Weltanschauungen

und verschiedener geistiger

und sozialer Zugehörigkeit. Sie wird auch

weiterhin Botschafter für länderübergreifendes

Denken, Handeln und Fühlen im

Alpenraum sein.

Erich Deltedesco

Präsident der AGACH

Nr. 06 | Dezember 2020 5


Aus Verband & Bezirken

„Gerade jetzt brauchen

wir Kultur!“

Wehmut und Optimismus bei der Vollversammlung des Südtiroler Chorverbandes

„Ich bitte euch, gerade in

diesen schweren Zeiten in

irgendeiner Weise allen zu

zeigen, dass die Chöre noch

da sind, denn gerade jetzt

brauchen wir Kultur!“ Diese

Worte richtete Landesrat Philipp

Achammer an die Vertreter

der Chöre des Südtiroler

Chorverbandes, der am 28.

Oktober seine Vollversammlung

als Videokonferenz abhielt.

Verbandsobmann Erich

Deltedesco freute sich über

die zahlreiche Teilnahme der

Chorverteter an der virtuellen

Sitzung. Auf dem Programm stand vor allem

der Rückblick auf das Arbeitsjahr 2019, in

dem der Chorverband noch sein reiches

Programm anbieten konnte. Zugleich wurde

auch mit Optimismus in die Zukunft geblickt.

„Mit einer gewissen Wehmut“ blickte

Geschäftsführer Dietmar Thanei auf das

Tätigkeitsjahr 2019 zurück und erinnerte

an die vielen Veranstaltungen, die momentan

nicht mehr möglich sind: So hatte der

Chorverband elf sehr gut besuchte mehrtägige

Schulungen angeboten, darunter

auch die beliebten Sommerkurse für Kinder

und Jugendliche, die Kindersingwoche in

Tisens, die Bubensingwoche und die Musicalwochen.

Es habe auch viele „Augenblicke

der Begegnung“ gegeben: Ein Höhepunkt

war der Festakt zum 70-jährigen

Bestehen des Chorverbandes gewesen,

aber auch die Bezirkskonzerte, Kulturreisen

und Chörefestivals in den Bezirken. Ein

wichtiges Ereignis war das 7. Gesamttiroler

Wertungssingen in Auer gewesen, an dem

sich das „hohe Niveau“ der Gesamttiroler

Chor- und Gesangskultur gezeigt habe. Mit

dem Schulamt führte der Südtiroler Chorverband

zum 18. Mal das Projekt „klang“

durch, das das Singen in der Grundschule

fördern will. Der Landesjugendchor Südtirol

hatte sich zu neun Proben versammelt

und drei gut besuchte Konzerte gegeben.

Landesrat Philipp Achammer war

Gast bei der Vollversammlung des

Südtiroler Chorverbandes.

Thanei bedankte sich bei den Partnerverbänden

für die gute Zusammenarbeit: „Gerade

in dieser Zeit ist es wichtig die Kräfte

zu bündeln!“ „Versuchen wir zuversichtlich

nach vorne zu schauen!“, sagte Verbandschorleiterin

Renate Unterthiner in

ihrem Ausblick auf die musikalische Tätig-

Auch für Helga Huber, dem „guten

Geist“ der Geschäftsstelle, war

die Vollversammlung 2020 eine

außergewöhnliche und neue Situation.

keit der Chöre und des Chorverbands.

So gab sie gleich das

Wort einer Kindersinggruppe,

die „Let´s say Hello“ für alle Sitzungsteilnehmer

sang. „Singen

macht Mut“, sagte die

Verbandschorleiterin. In diesem

Sinne werden auch unter

schwierigen Bedingungen

Projekte geplant. So gelang

es einen Lehrgang für Chorleiterausbildung

an einigen

Musikschulen einzurichten.

In Brixen und Auer besuchen

ihn vier Personen, in Naturns

läuft der Lehrgang schon das

zweite Jahr, in Bruneck startet er 2020/21.

„Motiviert eure Sängerinnen und Sänger ,

an diesem Lehrgang teilzunehmen!“, sagte

Unterthiner. Ein wichtiges Projekt sei auch

der „Landeskinderchor“ für Kinder von

8-11 Jahren und der „Landesjuniorchor“

für Jugendliche von 12-16 Jahren. Hier soll

gesangsfreudigen und begabten Kindern

die Möglichkeit geboten werden, mit anderen

Kindern zu singen. Die Chöre wird

es in allen drei Landesteilen geben, sie

werden zwei Probetage und ein gemeinsames

Konzert absolvieren. Aufgrund der

momentanen Situation wird man vielleicht

im Frühjahr mit dem Vorsingen und den

Proben beginnen. Der dritte Schwerpunkt

des Chorverbandes im musikalischen Bereich

ist das „Singende Klassenzimmer“,

das in Zusammenarbeit mit den Schulen

das Singen in der Schule fördern soll. Das

Projekt wurde vorerst auf nächstes Jahr

verschoben.

Verbandsobmann Erich Deltedesco

dankte allen ehrenamtlichen Mitarbeitern

im Verband und im Vorstand für ihren

Einsatz. Sein Dank galt auch allen Sponsoren,

allen voran der Südtiroler Landesregierung.

Als deren Vertreter rief Landesrat

Philipp Achammer die Chöre auf, optimistisch

zu bleiben, die Moral hochzuhalten,

aber auch die Regeln immer einzuhalten.

6

KulturFenster


Chorwesen

Eine bereichernde Fortbildung

Dirigenten-Workshop mit Jan Scheerer

Chorsingen? - oder doch lieber

gleich Bungee-Springen? Das ist

auch nicht gefährlicher! Gemeinsames

Singen gilt seit der Pandemie

als ein gefährliches Hobby,

dabei ist es doch so viel mehr:

Musik, Gemeinschaft, Ritual und

Können. Aber viele sind verunsichert:

Wie können, wie dürfen, wie

sollen wir im Herbst wieder proben

ohne ein Sicherheitsrisiko

entstehen zu lassen?

Umso wichtiger war jetzt

zu diesem Zeitpunkt die

– ich sage es gleich vorneweg

– gewaltig schöne

Fortbildung für Chor-Dirigenten

mit Jan Scheerer.

Jan Scheerer ist bestens

bekannt aus Dietenheim,

wo er drei Sommer lang

unterrichtete. Inzwischen

ist er Professor an der Musikhochschule

in Leipzig.

Eine einzigartige Gelegenheit

für die Südtiroler Chordirigenten

in diesem Jahr,

dieses Wochenende im September

mit ihm genießen zu

können. Wie soll das gehen,

fragten sich einige im Vorfeld,

mit Chor im Kolpinghaus? Aber

fangen wir am Anfang an: „Was

wollt Ihr am Sonntag gelernt haben“,

fragte Jan Scherer die Teilnehmer,

, und da kamen schon

die ersten Fachfragen: Wie kann

ich den Chor motivieren, gut zu

starten? Was kann ich tun, damit

der Chor intoniert bleibt? Welches

Repertoire eignet sich für welchen

Chor? Welche Atemübungen sind

für Chöre geeignet? Wie vermittle

ich den Atem?!

Die Nullposition! Gleich nach

der kurzen Vorstellungsrunde geht

es los. Alle stehen auf Anfang.

Aus der Stille entsteht die Musik!

Ich stehe still, gebe die Töne,

versenke mich in die Stimmung

und bleibe kurz stehen und dann

erst kommt der Impuls. Immer

wieder in den kommenden drei

Tagen erinnert uns Jan Scheerer

an diese wichtigen Sekunden vor

jedem Dirigat. Und dann kommt

sie schon, die „Wurf-Fall“ Bewegung.

Aus der Nullposition schießt

„eine kleine Rakete aus dem kleinen

Finger“ und zieht die Hände

impulsartig nach vorne, bevor sie

in die Gravitationsbewegung nach

unten fallen. Gar nicht so leicht,

diese kleine Übung, Wurf-Fall,

nicht stehenbleiben… wirklich Fallenlassen!

Und hier liegt schon eines der

echten Dirigier-Geheimnisse, die Jan

uns an diesem Wochenende wieder

und wieder verriet. Nur der Impuls

nach vorne vermittelt den Sängern

den Atemimpuls! Frontal vermitteln

wir Dirigenten den Atemimpuls,

horizontal das Timing. Auch

wer das schon mal wusste, wird es

immer wieder gern trainieren,

denn jetzt geht es weiter - Was

deine Oberarme machen - das

wird direkt dem Zwerchfell des

Sängers vermittelt. Wie sehr wir

nicht nur den Ausdruck sondern

den Chorklang selbst formen

können, das ist auch mir neu.

Wie wir allein durch die Handstellung

Einfluss auf den Klang

nehmen, bekamen wir anschließend

vom Chor selbst zu hören.

Ob eine Gruppe „drückt“ oder

nicht, lässt sich mit der Handstellung

manipulieren.

Und damit kommen wir zur

Frage der Intonation. Aber zurück

zur ersten Stunde mit Jan:

Einführung, Trockenübungen

Der Workshop mit Jan

Scheerer war die einzige

Schulung, die heuer

stattfinden konnte.

Nr. 06 | Dezember 2020 7


Aus Verband und Bezirken

mit Basics. Schneller werden heißt kleiner

werden, langsamer bedeutet größer

werden. Leise wird es kleiner nach oben,

lauter breiter nach unten. Das wussten

wir schon, aber wie dirigiert man im "flüssigen

Honig"? Und genau darin liegt eines

der Geheimnisse , die ein Ensemble sofort

spürt. Und was für ein Ensemble!

Und was für ein Ensemble! Der Kammerchor

des professionellen Chors „Alla-

Breve“ aus Wolkenstein stellte sich dankenswerter

Weise zur Verfügung. Sie

intonierten die ersten Takte „Waldesnacht“

von Brahms, morgens um halb

neun Uhr, blitzsauber intoniert und innig

und schon standen einigen von uns

die Tränen in den Augen. Was wir nicht

wussten: Auch dieses Ensemble sah sich

nach der langen Corona-Pause zum ersten

Mal wieder. „Waldesnacht, Du wunderkühle“,

noch nie habe ich es so schön,

so tief empfunden, so wohlartikuliert gehört.

Zum ersten Mal wieder Chor live!

Das Ensemble „AllaBreve“ bewegte und

ermöglichte durch seine Professionalität,

dass die Dirigenten auch wirklich lernten,

was eine Geste bewirken kann, oder eben

auch nicht. Und das unter erschwerten

Umständen. Viele Chöre beginnen jetzt

erst unter diesen schwierigen Umständen

Wege zu finden, wie sie proben und

konzertieren können.

Die Sitze im Kolpinghaus waren mit Distanz

gestellt, mit einem Mindestabstand

1,5 Meter. Trotz der Aufstellung klang es

einheitlich. „Anders“, sagte eine Chorsängerin,

fühle man sich. „Es genügt nicht

nur, gut hinzuhören und sich auch auf

den Nachbarn einzulassen. Es fühlt sichsich

an, als ob man stattdessen Flügel

hätte. So auf Distanz im Chor zu singen

benötigt ganz andere Antennen, neue

Wahrnehmungsorgane…“. Die werden

wir alle in den kommenden Monaten entwickeln

müssen.

Die Autorin des Artikels, Friederike

Haupt, leitet die GospelCantorei Meran,

ist Stimmbildnerin für „Edu Voce

mit Qi Gong“ und als Musikjournalistin

und Sprecherin tätig.

Parallel zum Masterkurs gab es die Möglichkeit, bei Martha Basten

einen Kurs für Anfänger und leicht Fortgeschrittene zu belegen.

KulturFenster

Redaktion KulturFenster

Ihre Beiträge für das Chorwesen senden Sie bitte an: info@scv.bz.it (Südtiroler Chorverband)

Redaktionsschluss für die nächste Ausgabe des KulturFensters ist Mittwoch 13. Jänner 2020.

8

KulturFenster


Chorwesen

„Singen isch inser Lebm“

Ein Lied zum Jahreswechsel

Geschätzte Chorleiterinnen

und Chorleiter,

liebe Sängerinnen und

Sänger!

Ein verrücktes, schwieriges,

fragwürdiges, unerwartetes

und oft auch trauriges Jahr neigt

sich nun bald dem Ende zu. Wer hätte sich

am Anfang dieses Jahres gedacht, dass wir

an so vielen Festtagen, an verschiedenen

Konzerten oder sonstigen Auftritten, unsere

Stimmen nicht erklingen lassen können?

Wer hätte gedacht, dass wir kurz vor Weihnachten

noch nicht genau wissen, ob und

in welcher Chorformation wir singen werden?

Wer hätte gedacht, dass ein Virus die

ganze Welt auf den Kopf stellt und die Kultur

weitestgehend zum Stillstand bringt?

Ich denke, niemand…

Wenn wir nun das Jahr 2020 hinter uns

lassen, hoffen wir natürlich alle auf fröhliche

und sorglose Momente im Jahr 2021,

wo wir hoffentlich wieder gemeinsam musizieren,

lachen und tanzen können. Blicken

wir optimistisch in die Zukunft und

freuen wir uns auf das gemeinsame Singen,

denn: „Singen isch inser Lebm, hot

do Herrgott ins gebm, wisset net wos i tät,

wenn i`s Singen net hätt.“

Mit diesem wunderschönen Lied aus

dem Chorheft mit dem Titel, "Seltenheimer

Lieder", bei dem vor allem die Musiklehrerin

und Chorleiterin Renate Altmann mitgewirkt

hat, wünsche ich Euch von Herzen

eine besinnliche Zeit und alles erdenklich

Gute für das Jahr 2021.

Verbandschorleiterin

Renate Unterthiner

Zur Person

Renate Altmann stammt aus einer musikalischen Reichenauer Familie aus

Kärnten. Es wurde schon seit frühester Kindheit mit der Familienmusik Rossmann

musiziert und gesungen.

Ihr Studium am Kärntner Landeskonservatorium beendete sie mit Auszeichnung

(Instrumentalpädagogik und Chorleitung). Sie nahm an Forschungswochen des

Kärntner Volksliedwerkes teil, bei denen es um die Aufsammlung alten Kulturgutes

ging. Das Liedheft "Geah nar eina in Rosengarten" mit dem Gurktaler Viergesang

stammt aus dieser Zeit. In weiterer Folge sind auch andere Publikationen

von Liedheften, Hackbrettschule, Harfenschule und Ensemblehefte entstanden.

Sie unterrichtet in den Musikschulen Feldkirchen und Althofen die Fächer Hackbrett

sowie Harfe. Musik ist ihre große Leidenschaft. So übernahm sie bereits

mit 23 Jahren in ihrer Heimatgemeinde den Singkreis Reichenau und gab dort

18 Jahre lang den Ton an. 1990 wurde der Gurktaler Viergesang gegründet und

seit 2004 singt sie beim Singkreis Klagenfurt Seltenheim mit, wo unter ihrer Mitarbeit

das Chorheft mit dem Titel "Seltenheimer Lieder" entstanden ist, das unter

anderem auch das Lied „Singan is unser Lebm“ beinhaltet.

"Musiklehrerin und Chorleiterin zu sein bedeutet für mich persönlich: Liebe zur

Musik und zum Chorgesang, Leidenschaft, Gemeinschaft, Gefühl, Kraft, Freiheit,

Emotion, Balsam für Herz und Seele."

Alle Informationen zu den Veranstaltungen und Schulungen des Südtiroler Chorverbands

auf www.scv.bz.it und auf Facebook!

Dominikanerplatz 7, I-39100 Bozen

Tel.: 0471 971833

E-Mail: info@scv.bz.it

www.scv.bz.it

facebook.com/SuedtirolerChorverband

Nr. 06 | Dezember 2020 9


Aus Verband und Bezirken

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KulturFenster


Chorwesen

Ein wichtiger Startschuss

in die Zukunft

Kirchenchor Vahrn gründet einen Kinder- und Jugendchor

Der Kirchenchor Vahrn gründete einen Kinder- und Jugendchor.

Ein wichtiger Schritt in die Zukunft ist dem

Kirchenchor Vahrn gelungen. Schon seit längerer

Zeit beschäftigt sich der Ausschuss

mit dem Thema „Zukunft und Weiterentwicklung

des Chores“.

In diesem Zusammenhang entstand die

Idee eines Kinder- und Jugendchores, die

sofort von den Ausschussmitgliedern befürwortet

und mitgetragen wurde. Als Chorleiter

konnte der allseits bekannte Musikprofessor

Rudi Chizzali gewonnen werden.

So gab es im Februar den Startschuss zur

Gründung des Kinder- und Jugendchores

mit dem Hintergrund, den Kindern des

Dorfes die Musik und vor allem die Freude

am Singen näher zu bringen.

Auf Anhieb meldeten sich 14 Kinder.

Die ersten Termine waren bereits vereinbart,

doch mussten die Proben aufgrund

der Corona- Pandemie abgesagt werden.

Im August 2020 war es dann endlich so-

weit: Unter strenger Einhaltung der Sicherheitsregeln

konnte der neue Chor mit der

Probentätigkeit beginnen.

Der Obmann des Kirchenchors Vahrn,

Michael Baur, freut sich über den Erfolg

des Projekts: „Auf erfrischend spielerische

und dynamische Weise gelingt es

dem Chorleiter, den Kindern die Musik zu

vermitteln, alle Beteiligten haben sichtlich

großen Spaß!“ Die Proben werden vom

Chorleiter sowie von Pius Leitner, Mitglied

des Kirchenchores und Pate des Kinderund

Jugendchores und von Obmann Michael

Baur begleitet. Einige Auftritte standen

bereits auf dem Programm, mussten

aber aufgrund der erneut steigenden Infektionszahlen

abgesagt werden. „Wir hoffen,

dass wir bald wieder zur Normalität zurückkehren

und die Probentätigkeit planmäßig

weiterführen können“, betont der Obmann.

Jedenfalls ist ein erster wichtiger Schritt für

die Zeit nach Corona gesetzt.

„Auf erfrischend spielerische und dynamische Weise

gelingt es dem Chorleiter, den Kindern die Musik zu

vermitteln, alle Beteiligten haben sichtlich großen Spaß!“

(Michael Baur)

Nr. 06 | Dezember 2020 11


Aus Verband und Bezirken

„Ihre Begeisterung ist uns

Vorbild“

Vorstandsmitglied Irene Vieider bekam die höchste Tiroler Auszeichnung

Landeshauptmann Arno Kompatscher und Landeshauptmann Günther Platter

verliehen das Ehrenzeichen des Landes Tirol an Irene Vieider.

Am Ende des Jahres blickt man zurück: Neben

der alles bestimmenden Corona-Pandemie

gab es auch einige erfreuliche Ereignisse,

an die man sich jetzt zum Jahresende

erinnern sollte.

Dazu gehört sicher auch die Verleihung

des Ehrenzeichens des Landes Tirol an Irene

Vieider, die als Vorstandsmitglied des Südtiroler

Chorverbandes für den Bereich Kinder

und Schule zuständig ist – waren diese

Bereiche doch lange Zeit ihr beruflicher Lebensinhalt.

Irene Vieider, geboren 1955 in

Tiers, war langjährige Schuldirektorin der

Mittelschulen Blumau und Kastelruth. Außerdem

stand sie für viele Jahre als Landesmusikschuldirektorin

dem Bildungsund

Kulturwesen in Südtirol vor. Seit 2016

ist Vieider ehrenamtlich als Vorsitzende der

Katholischen Frauenbewegung der Diözese

Bozen-Brixen tätig. Ihr Engagement gilt den

Frauen in der Kirche und in der Gesellschaft,

aber auch der Chorkultur und der

Förderung des Chorgesangs im Kindesalter.

Die Landeshauptleute von Tirol und

Südtirol. Günther Platter und Arno Kompatscher,

haben Irene Vieider am 20. Februar

das Ehrenzeichen verliehen. Das

Ehrenzeichen des Landes ist die höchste

Tiroler Auszeichnung. Landeshauptmann

Arno Kompatscher dankte den bei dieser

grenzüberschreitenden Veranstaltung ausgezeichneten

vier Frauen und sechs Männern:

"Die Geehrten geben als verdiente

Persönlichkeiten uns und den folgenden

Generationen ein Beispiel. Ihr Engagement

für das Gemeinwohl, für die Kultur

und Tradition sowie ihr stetiger Einsatz für

unsere vereinenden Werte und Ihre aktive

Hilfeleistung für die Schwächeren unserer

Gesellschaft stiften Gemeinschaft und Zusammenhalt."

Tirols Landeshauptmann

Günther Platter sagte: "Diese höchste

Auszeichnung des Landes ist jenen vorbehalten,

die sich durch ihr hervorragendes

Wirken ganz besondere Verdienste um Tirol

erworben haben. Wo immer jede und

jeder einzelne von Ihnen tätig war, ob in

der Wirtschaft, der Wissenschaft, der Kultur,

der Musik oder im kirchlichen Bereich,

sie alle haben Tirol entscheidend weiterentwickelt

und vorangebracht. Die mit Ihrem

Wirken verbundene, so deutlich spürbare

Begeisterung ist uns Vorbild. Für Ihren persönlichen

Beitrag zu unserer lebenswerten

Heimat und Ihr verantwortungsvolles Handeln

gegenüber der nächsten Generation

bedanke ich mich sehr herzlich."

12

KulturFenster


Chorwesen

•Büchertisch•

Franz Welser-Möst

Als ich die Stille fand

Ein Plädoyer gegen den Lärm der Welt

Die Stille als Schlüssel unserer Welt: Ein

leidenschaftliches Plädoyer des gefeierten

Dirigenten für genaueres Zuhören,

Konzentration und Ruhe in einer

sich immer schneller drehenden Zeit.

Bei einem schweren Autounfall erlebte

Franz Welser-Möst als Jugendlicher

den Klang der Ewigkeit: ein Zustand,

den er seither in der Musik sucht.

Welser-Möst nimmt uns mit auf eine

Reise durch sein Leben in der Musik:

von seiner Jugend in Oberösterreich

über seine Begegnungen mit Herbert

von Karajan bis hin zu den Engagements

in London, Zürich, an der

Wiener Staatsoper und beim weltberühmten

Cleveland Orchestra. Machtspiele

hinter den Kulissen und Gedanken

über den modernen Musikmarkt

bleiben nicht ausgespart.

Wie Musik uns hilft, unsere

Welt auch in Momenten der

Krise zu ordnen

Vor allem aber erzählt er vom Sichimmer-wieder-Neuerfinden,

von Musik

als Impuls für soziale Fragen und

als Hilfe, unsere chaotische Welt zu

ordnen. Sein Dirigentenleben ist eine

Inspiration: Hören wir besser auf unsere

Welt, um sie zu verstehen und

mit Leidenschaft zu beleben.

Franz Welser-Möst

Als ich die Stille fand

Ein Plädoyer gegen den Lärm der Welt

Format 13,5 x 21 cm, 192 Seiten, ca.

20 Abbildungen Hardcover mit Schutzumschlag,

22,00 Euro

Pressekontakt:

Friederike Harr & Anna Klaus

presse@brandstaetterverlag.com

T +43-(0)1-5121543-252

F +43-(0)1-5121543-231

Der Autor:

Franz Welser-Möst prägt als Musikdirektor des Cleveland Orchestra die unverwechselbare

Klangkultur des großen Orchesters. Als Gastdirigent verbindet

ihn eine enge Partnerschaft mit den Wiener Philharmonikern. Er stand

zwei Mal am Pult des Neujahrskonzerts. Bei den Salzburger Festspielen ist er

regelmäßig Gast. Für sein Wirken erhielt der Dirigent bedeutende Ehrungen,

seine CD- und DVD-Aufnahmen wurden vielfach ausgezeichnet.

Nr. 06 | Dezember 2020 13


Das Thema

Das Feuilleton und

die Blasmusik

Eine Spurensuche von Bernd Neuschl

Dieser Beitrag wurde bereits in der ehemaligen

Bläserzeitschrift „eurowinds“ veröffentlicht

und freundlicherweise vom Verlag

für den Nachdruck im KulturFenster

zur Verfügung gestellt.

Die Berichterstattung über Blasmusik ruft

des Öfteren Kopfschütteln hervor, fundierte

Musikkritiken sind dagegen die Ausnahme.

Warum ist das so? Und was können wir besser

machen?

Es gibt den Profifußballer und den Bolzplatzkicker.

Auch wenn der Vergleich hinkt:

Blasmusiker lassen sich in zwei ähnliche

Lager einteilen. Auf der einen Seite agieren

die professionellen Berufsblasorchester

und exzellent verästelten Auswahlensembles,

auf der anderen Seite erden

ambitionierte Amateurmusiker in den traditionell

verwurzelten Musikvereinen den

Stamm des kulturellen Miteinanders. Beide

Seiten dieser Medaille spiegeln sich auch

in der Presse wider: Hier publiziert das

Feuilleton mit seinen Fachleuten, welche

selten bis gar nicht ein Sinfonisches Blasorchester

besprechen, da gibt es die Lokalpresse,

die eher freie Mitarbeiter denn

Redaktionsmitglieder zu den Musikvereinen

schickt. Fundierte Musikkritiken sind

rar, denn der kompetente Konzertbericht

hängt in seiner Qualität maßgeblich vom

Wissen und Stil seines Verfassers ab.

Auch wenn Laien an den Konzertpulten

musizieren, die Berichterstattung darf niemals

laienhaft sein. Ob Profibläser oder Laienmusiker:

Positive Pressestimmen sind

mehr als ein bunt beflügelnder Federschmuck

für einen fruchtbaren Balztanz

in Sachen Öffentlichkeitsarbeit.

Die Präsenz und die Rolle der Musikkritik

in der Blasmusik wird seit jeher diskutiert,

sind in der Szene jenseits von Fachzeitschriften

doch nur wenige fundierte

Rezensionen zu finden.

Es soll kein Vorwurf sein, aber oftmals

hat dieser rasende Reporter vom musikalischen

Tuten und Blasen keine Ahnung.

Der Bericht gleicht in der Konsequenz

einem paraphrasierten Programmblatt

mit obligatorisch abgehakten W-Fragen.

Die Enttäuschung bei den Interpreten ist

damit vorprogrammiert, beim Aufschlagen

der Zeitung trötet ihnen trübsinniges Moll

statt strahlendem Dur entgegen – das ist

alles andere, als eine Würdigung der mühevollen

Probenarbeit und der gelungenen

Darbietung. Andere Berichte balancieren

dagegen zwischen verklärter Lobhudelei

und zünftigem Verriss. Es muss leider

festgehalten werden: Hochwertige Rezensionen

wie sie im Feuilleton erscheinen,

sind in der Bläsersinfonik so gut wie nicht

zu finden. Drei Gründe haben die Orchester

selbst zu verantworten. Eine provokante,

streitbare Spurensuche:

Reputation von Blasorchester

und Repertoire

Sinfonieorchester und ihre Dirigenten genießen

mit ihrem Repertoire immer noch

eine weitaus höhere Reputation bei Zuhörern

und Zeitungen, als jedes noch so

gute Blasorchester. Die Konzertprogramme

der Top-Orchester decken alle Epochen

der Musikgeschichte ab und greifen auf

eine Fülle hochwertiger Werke, Solisten

und Dirigenten zurück. Hier fehlt der geteilten

und vergleichsweisen jungen, wilden

Bläserwelt jenseits von Transkriptionen

ein verbindlicher, konventionalisierter

14

KulturFenster


Blasmusik

Kanon an identitätsstiftenden, etablierten

Meisterwerken mit hohem Wiedererkennungswert,

der auch im Studium für angehende

Musikjournalisten oder Musikwissenschaftler

gelehrt wird. Zum Beweis

ein Selbstversuch: Fragen Sie klassische

Dirigenten nach den wichtigsten Komponisten

der Musikgeschichte, so wird sich

eine große Schnittmenge ergeben. Fragen

Sie dagegen Kapellmeister nach den

bedeutendsten Komponisten für Blasorchester,

können Sie gleich im Blasorchesterlexikon

schmökern. Es mangelt nicht

wenigen Dirigenten an der Basis an Selbstbewusstsein,

sich von strohfeurigen Verlagsdiktaten

loszulösen, um genau das in

den Mittelpunkt zu stellen, was wirklich

zählt: qualitativ hochwertige Musik.

Die Kritikfähigkeit von

Laienblasorchestern

Max Reger konnte nicht sonderlich gut mit

Kritik umgehen. An einen Kritiker soll er

geschrieben haben: „Ich sitze im kleinsten

Raum des Hauses. Ihre Kritik habe

ich vor mir. Bald werde ich sie hinter mir

haben.“ Wer nur Jubelhymnen erwartet,

ist als Künstler nicht glaubwürdig. Das gilt

besonders für ambitionierte Blasorchester.

Nun ist ein Konzert kein Wettbewerb, der

Kritiker kein Juror. Dennoch: Wer ein professionelles

wie faires Feedback bekommen

möchte, muss sich auch professionelleren

Maßstäben stellen.

Lobhudelei um des Burgfriedens willens

ist weder angebracht noch zielführend,

sondern gefährlich. Beschönigende, inhaltlich

falsche Berichte mögen oberflächlich

glänzen, haben aber den Wert einer

Rolex-Uhr vom Strandverkäufer. Gleiches

gilt für Verrisse: Ein kompetenter Kritiker

darf sich nicht nur die faulen Kirschen aus

dem Konzert herauspicken. Tadel muss angebracht

und in homöopathischer Dosierung

verabreicht werden. Das motivierende

Lob für ehrenamtliche Kulturarbeit sollte

dagegen selbstverständlich überwiegen.

Der Weltklasse-Violinist Daniel Hope

meinte zum Thema Kritikfähigkeit: „Eine

schlechte Kritik, wenn sie kenntnisreich

und fundiert ist, kann einem Künstler helfen

und ihn weiterbringen.“ Joachim Kaiser,

eine Ikone der Kritikerzunft, meint zu

der Rolle des Rezensenten: „Nicht der subjektive

Kritiker, der seine persönlichen Eindrücke

entfaltet, ist gefährlich oder verwerflich.

Der voreingenommene Rezensent ist

„Auch wenn Laien an den Konzertpulten musizieren,

die Berichterstattung darf niemals laienhaft sein.“

es viel eher, der nur das wahrnimmt, was

er aus taktischen oder persönlichen oder

ideologischen Gründen wahrnehmen will.“

Die Kritikfähigkeit der Musikvereine steigt

folglich mit der Bereitschaft des Kritikers,

seine Vorurteile gegenüber dem Blasorchesters

abzubauen.

Die Grenzen der Qualität

Es gibt sie, die hervorragenden Blasorchester:

Musikkorps, Auswahlorchester, Verbandsorchester

und exzellente Vereinsorchester.

Von denen soll jetzt auch nicht

die Rede sein, fi nden sie in den Musikmedien

doch mehr und mehr die Beachtung,

die sie sich verdient und hart erarbeitet

haben. So war das Neujahrskonzert

2013 der Bläserphilharmonie Mozarteum

Salzburg unter Hansjörg Angerer, das live

im Fernsehen übertragen wurde, eine erleuchtende

Sternstunde im Bläserkosmos.

Es geht vielmehr um die breite Masse der

Musikvereine. Ein Redakteur des Südwestrundfunks

(SWR) meinte einmal auf meine

Frage, warum sich Blasorchester so selten

live im Radio oder Fernsehen präsentieren,

dass die Qualität der Vereine den

Ansprüchen der Medien nicht immer gerecht

wird. Viele Kapellen meinen, allein

die Wahl eines schweren Werkes rechtfertige

die gewünschte Medienpräsenz und

ein positiv schallendes Echo in der Presse.

Es gibt sie, aber wir brauchen

mehr davon

Wollen Blasorchester von den Medien ernst

genommen werden, müssen also die Basics

stimmen: Lieber ein leichteres Stück,

und das sauber geblasen. Der Mangel an

Reputation und renommiertem Repertoire,

(Bernd Neuschl)

Verlagsdiktate und das vielzitierte Festzelt-Stigma

haben dazu geführt, dass die

überwiegende Mehrheit der Musikjournalisten

leider immer noch kultiviert die Nase

rümpft, steht ein Blasorchester zur Besprechung

an. Das traurige Fazit lautet also:

Selbst ein gut ausgebildeter C3-Karajan

kann in einer Behelfsphilharmonie unter

Basketballkörben noch kein Hoch-Feuilleton

erwarten. Das ist aber kein Status Quo.

Denn daneben gibt es erfreulicherweise etablierte

Vereine und Auswahlorchester, die

mit ihren professionell ausgebildeten Dirigenten

und einem modernen Vereinsmanagement

konsequent auf konstant wachsende

Qualität setzen. Sowohl im Konzert

als auch in der Nachbesprechung. Es gibt

sie, die gelungenen Konzertberichte, aber

wir brauchen noch mehr davon.

Was ein qualifizierter

Konzertbericht leistet

Die meisten Berichterstatter können nur

über das schreiben, was sie kennen. Und

bereits nach wenigen Sätzen merkt der

aufmerksame Leser, ob ein Konzertbericht

aus berufener Feder geflossen ist. Der

Dirigent Leopold Stokowski sagte hierzu:

„Am gefährlichsten sind jene Kritiker, die

von der Sache nichts verstehen, aber gut

schreiben.“

Ein Berichterstatter in Sachen Blasorchester

muss also nicht nur eine fundierte

musikalische Bildung haben, er muss mit

dem Medium Blasorchester vertraut sein,

mit der Besetzung der Register und wichtigen

Komponisten und Werken. Im Idealfall

hat er sich bereits vorab mit den Hauptwerken

des Konzerts beschäftigt und mit

diesem Wissen entsprechend seine Hörerwartung

justiert, ohne sich dabei für über-

„Wer ein professionelles wie faires Feedback bekommen

möchte, muss sich auch professionelleren Maßstäben

stellen.“

(Bernd Neuschl)

Nr. 06 | Dezember 2020 15


Das Thema

raschende Klangmomente zu verschließen.

Er hört, analysiert, bewertet und würdigt

das Gehörte im Kontext des konzertanten

Rahmens mit all seinen Gegebenheiten.

Dabei muss er die Balance wahren zwischen

subjektiver Emotionalität und objektiver

Sachlichkeit. Es geht dabei nicht

in Facebook-Manier um „Daumen hoch“,

oder „Daumen runter“, sondern um eine

faire Würdigung der geleisteten Probenarbeit.

Kritik, wenn sie denn angebracht ist,

muss konstruktiv verpackt werden. Joachim

Kaiser fasst die Kompetenzen des

guten Kritikers wie folgt zusammen: „Der

Kritiker soll sich über ein Konzert so äußern,

dass es dem Interpreten hilft, dem

Fachmann etwas sagt, das Konzertpublikum

zur Diskussion animiert und darüber

hinaus noch all diejenigen interessiert, die

das Konzert gar nicht besucht haben.“

Für wen ein stimmiger Konzertbericht

gedacht sein soll und wie er verfasst werden

kann, darauf wollen wir nun genauer

eingehen:

„Eine schlechte Kritik,

wenn sie kenntnisreich

und fundiert ist, kann

einem Künstler helfen

und ihn weiterbringen.“

(Daniel Hope, Violinist)

Für die Konzertbesucher

und Leser

Der Kritiker ist verpflichtet, dafür zu sorgen,

dass hochwertige Bläsersinfonik als

künstlerisch wertvolles Kulturgut noch

mehr in der Öffentlichkeit kommuniziert

wird. Wichtig sind nicht die genaue Anzahl

der Konzertbesucher und die „liebevolle

Dekoration“ in der Halle. Das sind allenfalls

Randnotizen. Falls die Veranstaltung

ausverkauft ist, dann muss das natürlich

erwähnt werden. Von Bedeutung ist vielmehr

die Wirkung des Orchesters und der

Werke auf die Zuhörer. Wie reagieren sie?

Wie fällt der Applaus nach einem zeitgenössischen

Werk aus? Welche Komposition

sorgt beim Schlürfen des Pausensekts oder

beim Abholen der Mäntel für lebhafte Diskussionen?

Der Kritiker erklärt schließlich,

warum da ein Stück „für offene Münder

gesorgt hat“. Im Prinzip muss der Rezensent

mit seinem Konzertbericht den nicht

da gewesenen Besuchern, also allen anderen

Lesern, eine bunt bebilderte Postkarte

des Konzertabends schicken: Es war toll

hier, ihr habt etwas verpasst! Mit abgehobenen

Fachbegriffen sollte dabei sparsam

gekocht werden. Die geneigten Leser sind

nämlich nicht bereit, parallel zur Zeitung

in einem Fremdwörterlexikon zu blättern.

Wenn ein Konzertbericht viel Aufmerksamkeit bekommen

soll, ist ein professioneller Fotograf an vorderster

Front eine strategisch kluge Investition. Denn

nach wie vor gilt: Ein Bild sagt mehr als tausend

Worte.

(Bernd Neuschl)

Für den Dirigenten

Was für artistische Verrenkungen er auf seinem

Podium fabriziert, über welch großes

Repertoire an mimischer und gestischer

Ausdruckskraft er verfügt – das alles ist

nett zu lesen, dient aber nicht der Musik.

Interessant wird es, wenn seine Programmauswahl

genauer unter die Lupe genommen

wird: Was für Kenntnisse hat er in Sachen

Repertoire vorzuweisen? Schafft er

eine Balance zwischen Bekanntem und

Neuem? Kann er die Werke in einen Kontext

stellen? Ist seine Dramaturgie stimmig?

Schafft er einen Spannungsbogen

nicht nur in den einzelnen Werken, sondern

über den ganzen Abend? Hat er ein

Gespür für Höhepunkte und für Ruhepole?

Wie interpretiert er die Werke? Wie reagiert

das Orchester auf ihn? Wie reagiert er auf

das Orchester? Auch nicht vergessen werden

darf: Die Macht der Feder kann Karrieren

beflügeln oder zerstören.

Für die Musiker

Wenn ein motiviertes Blasorchester viele

engagierte Proben auf sich genommen hat,

weil es erkannt hat, dass die Erarbeitung

einer Komposition wegen ihrer herausragenden

Qualität lohnend ist, dann muss

dies der Rezensent als berufener Botschafter

der Musik erkennen und entsprechend

würdigen. Um aber beschreiben zu können,

wie ein Blasorchester geklungen hat,

welche Leistung es erbracht hat, dafür bedarf

es mehr als akademischen Sachverstand.

Beschrieben werden können hier

die Klangqualität des Orchesters, Tempo

und Agogik, die rhythmische Sauberkeit

und das Zusammenspiel, die Phrasierung,

die Intonation, die dynamischen Differenzierungen

und die Bühnenpräsenz des Orchesters.

Wann swingt ein Orchester? Wann

groovt es? Besonders hervorzuheben sind

natürlich überzeugende Leistungen von

Solisten, denn das motiviert nachhaltig

den Probebetrieb und stärkt deren Rolle

als Vorbilder besonders in Musikvereinen.

Für den Komponisten

Vor allem bei einem neuen Werk kann die

Frage wichtig sein, wie eine Komposition

von den Zuhörern aufgenommen wurde:

Hat sie für Begeisterung oder Ratlosigkeit

gesorgt? War sie fesselnd, unterhaltend,

16

KulturFenster


Blasmusik

kurzweilig oder langweilig? Wie behandelt

der Komponist das Medium Blasorchester?

Was will der Komponist mit diesem Werk

aussagen? Wie bringt er Inhalt, Form und

seine individuelle Klangsprache auf einen

Nenner? Oberflächlich auf Effekte setzend,

oder tiefgründig und voller musikalischer

Substanz? Wie ist die Komposition handwerklich

gemacht? Form, Kontrapunkt,

Themenverarbeitung, Harmonisierung

und Instrumentierung lassen sich bereits

nach einem ersten Höreindruck grob einordnen.

Und ganz entscheidend: Wie ist

der Repertoirewert der Komposition einzustufen?

Ein schöpferischer und damit

wertvoller Beitrag für die Literatur der Bläsersinfonik

oder eine belanglose, eklektische

Schablonenkomposition? Ein Konzertbericht

kann selbstverständlich keine

Rezension über Neuerscheinungen sein,

dennoch sollten ausgewählte Punkte dieser

Rubrik in wenigen Sätzen berücksichtigt

werden, wenn sie dazu beitragen soll,

den Stellenwert der Blasmusik als hochkulturelle

Kunstform verstärkt in die Öffentlichkeit

zu tragen.

Wie schreiben?

Die Zielgruppe bestimmt Stil und Syntax.

Allereinfachste Schlagermusik kann

getrost auf Bild-Zeitungs-Niveau besprochen

werden. Dennoch gibt es Leser, die

bemängeln jene hochgestochene, kunstvoll

durchtränkte Wortwahl, die manchen

Musikkritiken innewohnt. Joachim Kaiser

rechtfertigte deshalb die Noblesse seiner

intellektuellen Sprache, indem er postuliert:

„Kunstvoll komponierte wie interpretierte

Musik bedarf einer ebenso kunstvollen

Sprache in der Würdigung.“ Die Schönheit

der Sprache ist gleichzeitig ihre bezwingende

Macht. Für all das braucht der

Berichterstatter ein vitales Vokabular an

musikalischen Fachbegriffen, das dosiert

Verwendung findet, einen ebenso großen

Wortschatz, der verständlich, mitunter süffig

zu lesen und mit einer feinen Prise Ironie

aufbereitet wird. Der exzentrische Frank

Zappa meinte einmal: „Über Musik zu reden

ist wie über Architektur zu tanzen.“

Eine bunte Palette an Stilmitteln

Wer Worte zum Klingen bringen will, benötigt

also eine bunte Palette an literarischen

Stilmitteln: Klangfiguren wie Alliterationen

in Kombination mit Adjektiven, aussagekräftige

Bilder wie Metaphern, Personifikationen

und Vergleiche. Und ganz wichtig:

Ein Synonymwörterbuch. Es gibt eine

Fülle wunderbar passender Begriffe für

musikalische Parameter. Paradebeispiel

Marsch: Wirkt ein Trauermarsch eher

schmerzvoll, schleppend, lastend, oder

niederschmetternd und düster? Kommt

ein Parademarsch jubelnd, stürmisch, emphatisch,

hochfliegend oder glänzend aus

den Schalltrichtern?

Im Zeitalter neuer Medien

Wir leben in einem Zeitalter der Daten-

Sintflut. Smartphones und Tablet-PCs ertränken

uns bei Schritt und Tritt mit Informationen,

die nur noch schwer nach

Wichtigkeit zu filtern sind. Unsere Augen

„Der Kritiker soll sich

über ein Konzert so

äußern, dass es dem

Interpreten hilft, dem

Fachmann etwas sagt,

das Konzertpublikum zur

Diskussion animiert und

darüber hinaus noch all

diejenigen interessiert,

die das Konzert gar nicht

besucht haben.“

(Joachim Kaiser, Musikkritiker)

werden mit Nachrichten und Kurzmeldungen

regelrecht geflutet, die klassische

Tageszeitung und das E-Paper haben ihre

Monopolstellung in Sachen Meinungsbildung

verloren. Mit der Masse an Möglichkeiten

der Meinungsbildung hat sich das

Rezeptionsverhalten geändert: In Internetkaufhäusern

und Musikdatenbanken

können Kunden Konzerteinspielungen Bewertungen

mit Sternen geben. Youtube-Videos

von Konzerten werden kommentiert

und Statusmeldungen über neue Kompositionen

auf Facebook goutiert und geteilt.

Jeder kann zum Kritiker werden. Die

Meinung eines Einzelnen hat keinen Hoheitsanspruch

mehr.

Blasorchester haben zwei Möglichkeiten,

mit diesem Rezeptionsverhalten umzugehen:

Entweder sie springen auf die Welle

auf, oder sie gehen unter. Die Leser selektieren

den Informationsüberfluss nicht nur

nach Bedarf, sondern nach besonderen

Auffälligkeiten. Wenn ein Konzertbericht

viel Aufmerksamkeit bekommen soll, ist

Wenn ein motiviertes Blasorchester viele engagierte

Proben auf sich genommen hat, weil es erkannt

hat, dass die Erarbeitung einer Komposition wegen

ihrer herausragenden Qualität lohnend ist, dann

muss dies der Rezensent als berufener Botschafter

der Musik erkennen und entsprechend würdigen.

(Bernd Neuschl)

Nr. 06 | Dezember 2020 17


Das Thema

ein professioneller Fotograf an vorderster

Front eine strategisch kluge Investition.

Denn nach wie vor gilt: Ein Bild sagt mehr

als tausend Worte. Fotos von Ehrungen in

allen Ehren, aber als Blickfänger taugen

sie nicht. Es lohnt also, für das Konzert in

Absprache mit der Redaktion einen Fotografen

zu engagieren, der stimmungsvolle

Konzertmomente ohne störenden Blitz einfangen

kann. Hat ein Bild erst einmal das

Leserinteresse geweckt, wird nicht nur die

Überschrift und Bildunterschrift gelesen,

sondern im Idealfall der gesamte Text. Eine

fundierte Berichterstattung ist folglich die

Symbiose aus aussagekräftigem Bild und

kompetentem Bericht.

Jenseits des geschriebenen

Wortes

Der technische Fortschritt ermöglicht es

dem zeitgemäßen Orchester zudem, sich

jenseits von Autoren-Lizenzen auf Internet-Plattformen

ins rechte Licht zu rücken:

Werkausschnitte als Hörproben

dürfen im Streaming-Verfahren pro Werk

bis zu 90 Sekunden präsentiert werden.

Bei vielen Konzert-Highlights lässt sich so

ein aussagekräftiger Image-Film schneiden

und für Interessierte und Sponsoren

hochladen. Positive Pressestimmen sind

also nicht die einzigen bunt beflügelnden

Federn, mit denen sich zeitgemäße Blasorchester

für einen fruchtbaren Balztanz

in Sachen Öffentlichkeitsarbeit schmücken

können.

Was sagen Dirigenten?

Was Blasorchesterdirigenten an Kritiken wichtig ist, dazu haben wir drei Meister

ihres Fachs befragt:

Dominik M. Koch: Als eines der schönsten Zitate einer Konzertkritik empfinde ich das

folgende: „Der enormen Spannung, in weiten Bögen ausgeführt, konnte man sich

kaum entziehen und verspürte eine packende Gegenwärtigkeit – ein imposanter, von

viel programmatischer Vision geprägter Beitrag, der Dirigent Dominik M. Koch zum

heimlichen Star des Abends avancieren ließ.“ Im Grunde gehören Konzertkritiken

zu jedem Konzert. Die Qualität des Textes hängt sehr von der Kompetenz und dem

Sachverstand dieser Person ab. Danach richtet sich auch, wie wichtig ich einen Beitrag

einschätze. Die Kritik muss vor allem der Wahrheit entsprechen und mit Sachverstand

geschrieben sein. Auf inhaltliche Fehler und zu sehr subjektive Geschmäcker

kann ich ebenso verzichten wie auf Berichte, die nur lobend und übertrieben

überschwänglich sind, gerade bei schwächeren Konzerten.

Johan de Meij: Rezensionen können sowohl für den Interpreten als auch für die Musik

von Vorteil sein. Sie können ein positives Licht auf das Blasorchester und sein Repertoire

werfen. Daher muss der Rezensent seine Themen gut kennen, er sollte auch in

diesem Bereich ausgebildet werden. Im Allgemeinen denke ich, dass Kritiken äußerst

relativ sind: Sie sagen nur etwas über die Meinung einer einzigen Person aus, die nicht

immer die allgemeine Meinung der Zuhörer widerspiegelt.

Toni Scholl: Eines der schönsten Zitate aus einer Kritik war das folgende: „Dieses

Werk bot Toni Scholl reichlich und viel mehr als üblich die Gelegenheit, seine Fähigkeiten

als Klangfarbenmagier zu entfalten.“ Kritiken sind für uns Künstler wichtig,

da sie oft auch eine vermittelnde Funktion innehaben. Dabei empfinde ich Zeitungskritiken

als ebenso wichtig wie die Publikumsmeinung. Eine gelungene Kritik soll im

Idealfall dem Leser vermitteln und wiedergeben, was die Künstler auf der Bühne und

auch das Publikum empfunden haben. Sie lobt das, was des Lobens wert ist und

kritisiert das andere. Es ist wichtig, nicht nur einzelne Momente zu kritisieren, sondern

das Gesamte im Auge zu behalten. Ein Kollege sagte mir einmal in einer Konzertpause:

Vertraue Deinen Musikern! Diese simplen drei Worte haben mich musikalisch

sehr viel weiter gebracht.

18

KulturFenster


Aus Verband und Bezirken

Blasmusik

72. VSM-Jahreshauptversammlung

„Es bewegt sich nicht mehr viel!“

Die 72. Jahreshauptversammlung des VSM musste heuer als Videokonferenz abgehalten werden.

Im 3. Anlauf hat es geklappt: Am 27. Oktober

hat der Verband Südtiroler Musikkapellen

über Videokonferenz seine heurige

Jahreshauptversammlung abgehalten. 183

Musikkapellen haben sich eingeloggt, um

über Bildschirm die Versammlung im Raiffeisensaal

zu verfolgen.

Eigentlich hätte die Versammlung traditionell

im März stattfinden sollen. Wegen

des damaligen Corona-

Lockdowns musste diese

aber abgesagt und auf unbestimmte

Zeit verschoben werden.

Nach den Lockerungen

im Sommer hat der Verbandsvorstand

den 17. Oktober als

neuen Termin festgelegt. Wegen

der Anfang Oktober wieder

vermehrt auftretenden

Neuinfektionen wurde auch

dieser Termin kurzfristig abgesagt

und die Versammlung

für den 27. Oktober als Videokonferenz

einberufen.

Das Klarinettenensemble

„Klari-di-netten“ von der Musikschule

Unterland hat die

Versammlung vor Ort musikalisch

umrahmt. Verbandsobmann

Pepi Fauster, Verbandskapellmeister

Meinhard Windisch, Verbandsjugendleiter

Hans Finatzer und Verbandsgeschäftsführer

Andreas Bonell haben am

Präsidiumstisch Platz genommen. Die 6

Bezirksobmänner saßen im Hintergrund

an den Computern, um die Teilnehmerzahl

und die Abstimmungen optisch und

schriftlich zu dokumentieren.

ÖBV-Präsident Erich Riegler machte

übers Internet der Versammlung Mut für

die Zeit nach der Krise.

Das Dreijahresmotto des Verbandes „Blasmusik

bewegt“ stehe heuer unter besonderen

Vorzeichen, erklärte Verbandsobmann

Pepi Fauster zum Auftakt der Versammlung:

„Coronabedingt bewegt sich nicht

mehr viel – die Pandemie hemmt uns kulturell,

künstlerisch und sozial.“ Der Stillstand

oder auch die eingeschränkte Tätigkeit

bringe die Musikkapellen in immer

größere Schwierigkeiten:

„Ich mache mir Sorgen

und damit bin ich nicht

allein!“

Das Jahr 2019 war

noch ein Jahr voller Tätigkeiten

und schöner Initiativen,

erinnerte Verbandsgeschäftsführer

Andreas Bonell in seinem

Bericht. Diese schlugen

sich entsprechend auch

auf den Bilanzbericht von

Verbandskassier Elmar

Seebacher nieder.

Verbandskapellmeister

Meinhard Windisch

und Verbandsjugendleiter

Hans Finatzer analysierten

die derzeitige Si-

Nr. 06 | Dezember 2020 19


Aus Verband und Bezirken

Keine VSM-Jahreshauptversammlung ohne Musik – das Klarinettenensemble „Klari-di-netten“ sorgte diesmal für den „guten Ton“.

tuation aus musikalischer Hinsicht und

im Jugendbereich. Dabei gelte es nach

wie vor, den schwierigen Spagat zwischen

den Übereifrigen und den Übervorsichtigen

zu schaffen. Die Jugendarbeit sei

dabei besonders in Mitleidenschaft gezogen,

denn vor allem die zahlreichen

und wichtigen Sommerangebote mussten

gestrichen werden: „Die jungen Leute

sind in der Pandemie die großen Verlierer.“

Verbandsstabführer Klaus Fischnaller

konnte coronabedingt nicht persönlich

an der Versammlung teilnehmen und

mahnte in seiner schriftlich übermittelten

Stellungnahme, die Krise als Chance zu

erkennen und die Musik in Bewegung

aus einem neuen Blickwinkel zu sehen:

„Raum schaffen für Neues, neu bewegen,

Gewohntes hinterfragen und dabei neue

Wege entdecken“, damit man vorbereitet

sei, wenn der Alltag wieder einkehre.

ÖBV-Präsident Erich Riegler begleitete

die Versammlung ebenfalls übers Internet

und überbrachte die Grußworte via Bildschirm.

Obwohl die gesetzlichen Rahmenbedingungen

in Österreich von den

italienischen abweichen, sei das Ergebnis

mittlerweile ziemlich das gleiche, bestätigte

er: „Nichts geht mehr!“ Riegler zeigte

sich dennoch zuversichtlich, dass es gemeinsam

gelinge, diese Krise zu überwinden,

daraus zu lernen und neue Kraft zu

schöpfen, damit die Blasmusik gestärkt

aus dieser Zeit des Stillstandes herauskomme.

Gleichzeitig sprach er jetzt schon

die Einladung zu den anstehenden Feierlichkeiten

im kommenden Jahr aus, wenn

der Österreichische Blasmusikverband

sein 70-jähriges Bestandsjubiläum feiert.

Eine (fast) überhörte Petition

Mit der Neuregelung des Dritten Sektors

ergeben sich für die

ehrenamtlichen Verbände

und Vereine

ein neuer bürokratischer

Mehraufwand

und steuerliche Nachteile,

hob VSM-Obmann

Pepi Fauster bei

der Versammlung hervor.

Zudem habe Corona

die Musikkapellen

und alle anderen

ehrenamtlichen Vereine

vor große strukturelle,

soziale und

finanzielle Probleme gestellt: Die unsichere

Gesetzeslage und die ausufernde

Bürokratie gefährden die Vereine, besonders

die kleinen, analysierte er. Daher

genehmigte die Versammlung eine

entsprechende Petition, die unter anderem

die politischen Vertreter dazu auffordert,

„dahingehend einzuwirken, dass die

neuen Bestimmungen auf das Südtiroler

Vereinswesen abgestimmt werden.“ Landeshauptmann

Arno Kompatscher, zugeschaltet

via Bildschirm, und Kulturlandesrat

Philipp Achammer, der persönlich zur

Versammlung im Raiffeisensaal in Bozen

gekommen war, gingen in ihren Grußworte

nicht direkt auf diese Petition ein. Landes-

Wieviel Unterstützung bekommen die

ehrenamtlich tätigen Vereine? Dieser

Frage musste sich Kultur-Landesrat

Philipp Achammer stellen.

20

KulturFenster


Blasmusik

hauptmann Kompatscher stellte aber in

Aussicht, dass man versuche, mit einer

eigenen Durchführungsbestimmung zum

Autonomiestatut das Ehrenamt in Südtirol

zu regeln. Landesrat Achammer sicherte

hingegen den Kapellen einen Sonderfonds

zu, der zwar „keine großen Beträge beinhaltet,

aber ein kleines Zeichen der Wertschätzung

sein soll.“

Klari-di-netten

Katharina Casal (Es- und B-Klarinette),

Sophia Pichler (B-Klarinette), Evelyn Pardatscher

(B-Klarinette) und Melanie Richermo

(Bassklarinette) haben am 15.

Februar als Ensemble „Klari-di-netten“

unter der Leitung von Alexandra Pedrotti

am landesweiten Wettbewerb „Musik in

kleinen Gruppen“ in Auer teilgenommen.

Mit 94,33 von 100 Punkten haben sie ein

hervorragendes Ergebnis erzielt. Auf Vorschlag

der Verbandsjugendleiterin Uta

Praxmarer wurde das Quartett nun eingeladen,

die heurige VSM-Jahreshauptversammlung

musikalisch zu umrahmen

und ihr damit zumindest eine kleine musikalische

Note zu verleihen, die einer Versammlung

des Verbandes Südtiroler Musikkapellen

würdig ist.

Landeshauptmann Arno Kompatscher versprach, sich für eine Südtiroler Lösung des

Ehrenamtes einzusetzen.

Abschied“ vom Klarinettenensemble uraufgeführt.

Der Choral ist sowohl in der

großen Besetzung einer Musikkapelle

als auch in verschiedenen Bläserensembles

spielbar und wird an alle Musikkapellen

verteilt.

Stephan Niederegger,

VSM-Medienreferent

Ein neuer Choral zum Abschied

Bereits seit längerem wurde von mehreren

Seiten angeregt, eine Alternative

zum landauf landab oft gespielten „Kameradenlied“

anzubieten. Wegen seines

auf den Krieg bezogenen Textes sei

das Lied auch in instrumentaler Version

nicht immer passend, wurde bemängelt.

Auf Initiative des Verbandskapellmeisters

Meinhard Windisch wurde der Komponist

Hannes Kerschbaumer daher beauftragt,

einen neuen Choral zu schreiben.

Anlässlich der Jahreshauptversammlung

wurde dieser Choral mit dem Titel „Zum

Der Südtiroler Komponist Hannes Kerschbaumer hat eine Alternative zum nicht

immer passenden „Kameradenlied“ geschaffen.

KulturFenster

Redaktion KulturFenster

Ihre Beiträge (Texte und Bilder) für die Blasmusikseiten senden Sie bitte an: kulturfenster@vsm.bz.it

Redaktionsschluss für die nächste Ausgabe des KulturFensters ist Mittwoch 13. Jänner 2020.

Nr. 06 | Dezember 2020 21


Aus Verband und Bezirken

Schauen wir nach vorne!

Ausblicke in das Tätigkeitsjahr 2021

Für das Jahr 2020 werden wir uns nicht

schwer tun, das Unwort des Jahres zu finden.

„Corona“ hat unsere Welt und unsere Gesellschaft

massiv getroffen und verändert. Die

Pandemie hat auch die Tätigkeit der Musikkapellen

sehr stark eingeschränkt. Im Rückspiegel

haben wir die Situation schon einige

Male betrachtet.

Wir wissen alle, dass beim Autofahren

der Blick in den Rückspiegel notwendig ist.

Aber warum ist dieser klein und die Frontscheibe

groß? Ja, genau deshalb, weil

der Blick nach vorne noch viel wichtiger

ist. Vor uns öffnet sich - ähnlich

wie wenn ich in ein unbekanntes Land

fahre - wieder ein neues Jahr. Wie es

darin aussieht, wissen wir nicht. Es

gibt aber sicher Sonnentage, attraktive

Plätze, besondere Herausforderungen

und schöne Erlebnisse, neue Möglichkeiten

und wohl auch Überraschungen.

Verlauf der Pandemie

Nach der ersten Welle im Frühjahr, die

so unerwartet über uns hereingebrochen

ist und uns unvorbereitet angetroffen

hat, hat uns die zweite Welle im

Oktober/November noch stärker erwischt.

Durch die angesetzten Maßnahmen erhoffen

wir uns alle, dass die Ansteckungen

möglichst zurückgehen und geschlossene

Bereiche wieder öffnen können. Wir im Verband

werden – so wie bisher – wieder im

Sinne unserer Musikkapellen mit den zuständigen

Stellen in Politik und Sanität Wege

zum Wiederbeginn des gemeinsamen Musizierens

bei Proben und Auftritten suchen.

Bewährtes beibehalten

Der Verbandsvorstand hat sich für 2021 vorgenommen,

die bisher bewährten Initiativen

in allen Bereichen wieder als Tätigkeit einzuplanen

und zur passenden Zeit flächendeckend

zu aktivieren. Gemeint ist dabei vor

allem die Aus- und Weiterbildung der aktiven

Musikantinnen und Musikanten, der

Kapellmeister*innen, Jugendleiter*innen

und Stabführer, die teilweise zentral, aber

auch aufgeteilt in allen sechs Bezirken aufscheinen

wird.

Besondere Veranstaltungen sollen als

Leuchttürme herausstechen und musikalische

Farbe in den Alltag bringen. In der

Verwaltung werden nach wie vor Hilfe und

Unterstützung für die Organisation der Vereine

angeboten. In diesem Sinne empfehlen

wir auch allen Mitgliedskapellen, mit

Mut und Zuversicht bisher Bewährtes wieder

in Betracht zu ziehen und aufzugreifen.

Umdenken – neue Ziele setzen –

Qualität vor Quantität

Der durch die Corona-Pandemie erzwungene

gewaltige Einschnitt in der Tätigkeit

stellt uns beim Wiederbeginn vor die wichtigen

Fragen: Soll alles wie bisher so weitergeführt

werden? Sind wir im Stande, das

bisher Erreichte wieder 1:1 umzusetzen? Ist

das überhaupt notwendig? Wäre das zukunftsorientiert?

Corona wird uns wahrscheinlich wohl

vieles lehren, wenn wir uns lehren lassen.

Was uns sicher gut tun würde, ist das „Weniger

ist mehr“ oder „Qualität vor Quantität“.

Wenn wir daran denken, wie wir in Zukunft

den Nachwuchs in unseren Musikkapellen

finden sollen und wie wir nachher unsere

jungen und älteren Mitglieder zum fleißigen

Mitmachen motivieren können, werden

obige Gedanken von großer Wichtigkeit sein.

Freude und Lust entstehen nicht durch viele

Proben und viele Konzerte, sondern sicher

durch eine interessante und effiziente Probenarbeit

und durch Konzerte, die berühren.

Es werden in Zukunft besondere Ideen

und Kreativität gefragt sein!

Uns gegenseitig helfen –

Partner suchen

Sich gegenseitig helfen, ist immer gut. In

schweren Zeiten zusammenstehen und

dem anderen die Hand reichen, ist noch

besser. Das heißt für mich, dass wir im

neuen Jahr Maßnahmen treffen sollen,

die uns beim Neustart unserer Tätigkeiten

nützlich sind, uns Ideen zum Musizieren

liefern, uns auf neue Gedanken

bringen, uns interessante und machbare

Wege aufzeigen. Wir sind alle aufgerufen,

uns solidarisch zu zeigen und mitzuhelfen,

aus dieser Krise möglichst unbeschadet

herauszukommen. Sehr sinnvoll

ist dabei immer, wenn man sich nicht

durch Alleingänge die Kräfte raubt, sondern

um sich blickt, nach Partnern Ausschau

hält und sich Verbündete mit ins

Boot holt. In der Gruppe und im Team

geht alles leichter!

Schluss

Abschließend danke ich allen Verantwortungsträgern

im Verband, in den Bezirken

und Musikkapellen für die gute Zusammenarbeit

im Jahr 2020 und für das erwiesene

Verständnis in schwierigen Fragen. Für den

Neustart, der hoffentlich möglichst bald beginnen

sollte, helfen uns nur Freude und

Optimismus. Die Leidenschaft zum Musizieren

und zum Miteinander im Verein ist

eine starke Triebfeder! Und denken wir immer

an das Wertvolle und Schöne, das wir

durch unser Engagement im Dienste an unserer

Gesellschaft leisten! Dafür können wir

uns gerne fest einsetzen!

Viel Glück für 2021,

vor allem Gesundheit!

Pepi Fauster, Verbandsobmann

22

KulturFenster


Die Jugendseiten

Blasmusik

303 Leistungsabzeichen verliehen

Erleichterung und Dankbarkeit über ein bisschen Normalität

Die Prüfungen wurde coronabedingt mit den entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen und unter Ausschluss der Öffentlichkeit

abgehalten.

Am letzten Oktoberwochenende wurden die

im März und Juni coronabedingt ausgefallenen

Prüfungen zu den Leistungsabzeichen

nachgeholt. Dazu hatte Verbandsjugendleiter

Hans Finatzer mit seinem Team

ein eigenes Sicherheitskonzept erarbeitet,

damit die Prüfungen – heuer unter Ausschluss

der Öffentlichkeit – überhaupt abgehalten

werden konnten.

Sowohl bei den Teilnehmerinnen und

Teilnehmern, aber auch bei den Lehrpersonen

und den Juroren sei „große Erleichterung

und Dankbarkeit über ein bisschen

Normalität“ spürbar gewesen, freute sich

Finatzer. Bis zum Schluss habe man versucht,

allen gesundheitlichen und gesetzlichen

Vorgaben gerecht zu werden, um

die Prüfungen ordnungsgemäß abhalten

zu können. Von den ursprünglich angemeldeten

323 Jugendlichen, konnten schließlich

20 coronabedingt nicht zur Prüfung

antreten. Für sie wurden über die Musikschulen

alternative Termine angeboten,

„damit auch sie die Prüfung in eine der

drei Leistungsstufen absolvieren können“,

erklärt Finatzer.

Hans Finatzer,

VSM-Verbandsjugendleiter

Am Samstag wurden die Bronze- und

Silberprüfungen an den Musikschulen von

Auer, Bruneck, Klausen, Lana und Schlanders

abgenommen. Am Sonntag konnten

an der Musikschule Eppan 23 Diplome in

Gold überreicht werden.

Ein weiteres Novum war heuer auch

der Anmeldemodus zur Prüfung. Erstmals

mussten alle Anmeldungen über das

neue Online-Portal auf der VSM-Homepage

erfolgen. Dieses neue Angebot habe

die Feuertaufe bestanden. Mit den Erfahrungen

dieser ersten Anwendung soll das

Anmeldeportal schrittweise auf alle Kursangebote

des Verbandes ausgebaut werden,

bestätigt Finatzer. Er habe es seit seinem

Amtsantritt im März 2019 als Auftrag

gesehen, dieses Projekt vorangetrieben

und zusammen mit der Firma „Effekt!“

aus Neumarkt konzipiert.

Stephan Niederegger

VSM-Medienreferent

Nr. 06 | Dezember 2020 23


Die Jugendseiten

JUmBOS - die Jugendkapelle der

Stadtkapelle Bozen

Auf Gemeinsamkeiten und Freude an der Musik wird Wert gelegt

Steckbrief

Name: Die JUmBOs, Jugendkapelle Bozen

Musikkapelle: Stadtkapelle Bozen

Jugendteam: Heidi Schwarz und viele Helferinnen und Helfer

Jungmusikanten: ca. 25 Kinder und Jugendliche von 8-18 Jahren

Im Herbst 2019 hat sich die Jugendkapelle

Bozen den neuen Namen JUmBOs gegeben.

Dieser Name steht für Jugend, für Bozen und

für jede Menge neuen Schwung und Elan

in der Jugendarbeit.

Für die Stadtkapelle Bozen ist die Jugendarbeit

eine schwierige Angelegenheit,

da Bozen mit den ihren verzweigten Gebieten

und unterschiedlichen Zonen schwer

zu überblicken ist. Anders als in den Gemeinden

auf dem Lande, wo man sich

bereits von klein auf kennt, kommen die

Schülerinnen und Schüler aus verschiedenen

Teilen der Altstadt und kennen sich

meist kaum untereinander. Trotzdem oder

gerade deswegen hat man es sich zum Ziel

gemacht, Kinder und Jugendliche der Altstadt

und Umgebung zusammenzubringen,

sie für das gemeinsame Musizieren

zu begeistern und sie auf ihr großes Ziel

vorzubereiten, nämlich die Aufnahme in

die Stadtkapelle Bozen.

Verschiedene Kulturen und Sprachen

vereinigen sich in dieser jungen Truppe,

denn so wie es auch in der Stadtkapelle

Bozen Brauch ist, ist es auch den JUmBOs

wichtig, nicht auf Unterschiede wie Herkunft

und Sprache, sondern auf Gemeinsamkeiten

und Freude an der Musik Wert zu

legen. Seit einiger Zeit wächst nicht nur die

Begeisterung unter den Jugendlichen, sondern

auch die Jugendkapelle selbst wächst

stetig und so sind mittlerweile über 25 Kinder

und Jugendliche im Alter zwischen 8

und 18 Jahren bei den JUmBOs dabei,

sozusagen Jung und Alt. Das gegenseitige

Verständnis und der gegenseitige Respekt

sind bei allen Aktivitäten wichtig und richtig.

Gerade in so einer schwierigen Zeit, wie

sie es in diesem Jahr 2020 durch Corona

ist, ist es von großer Bedeutung, den Kontakt

zu den Jungmusikantinnen und -musikanten

aufrecht zu erhalten. So wurde

im Frühjahr das online-Video „Die JUm-

BOs at homework“ erstellt, für welches zuerst

alle ihre Stimme getrennt voneinander

zu Hause eingespielt und dann zu einem

gemeinsamen Clip zusammengeführt haben,

als Erinnerung, Motivation und Hoffnung

auf eine bessere Zukunft.

Die JUmBOs beginnen im September mit

wöchentlichen Proben und das Jahr endet

traditionell mit einem Konzert im Mai am

Blumenmarkt in Bozen. Dazwischen gibt

es traditionelle Ziele wie das Weihnachtskonzert,

das Konzert in der Goetheschule,

das Spielen bei kirchlichen Anlässen und

gemeinsame Ausflüge. Im Sommer darf

Musik auch nicht fehlen, das beweist unsere

Jugend bei den gemeinsamen Jugendbläserwochen

zusammen mit der Jugend

der Musikkapellen Kurtatsch, Penon, Neumarkt,

Montan und Truden.

Für die Zukunft ist es sehr wichtig, die

Mädchen und Jungs zu fördern, guten

Kontakt zu den Familien der Jungmusikantinnen

und -musikanten zu halten, ihnen

gemeinsam mit ihren Lehrerinnen und

Lehrern den Zugang zur Musik zu ermöglichen

und gemeinsam mit allen Generationen

innerhalb der Musikkapelle den

Fortbestand der Stadtkapelle zu sichern.

Jugendkapelle JUmBOs –

Koordination Verbandsjugendleiter

Hans Finatzer

24

KulturFenster


Blasmusik

Drei der Jungmusikanten der JUmBOS

Eva Niederwanger

Eva

Mein Name: Eva Niederwanger

Alter: 11 Jahre

Ich spiele: Klarinette

Ich lerne dieses Instrument, weil: Es mir Spaß macht.

In meiner Freizeit höre ich gerne: Rockmusik und Popmusik

Was gefällt dir besonders an der Juka? Dass wir Konzerte machen und alle zusammen

Spaß haben.

3 Dinge, die du auf eine einsame Insel mitnehmen würdest: Mein Instrument, den Volleyball

und die Freunde der Jugendkapelle.

Wenn ich einen Wunsch frei hätte… würde ich gern in der Musikkapelle mit Papi spielen.

Martin Cruciotti

Martin

Mein Name: Martin Cruciotti

Alter: 12 Jahre

Ich spiele: Saxophon

Ich lerne dieses Instrument, weil: Weil es mir Spaß macht, wie mein Atem sich in

Musik verwandelt.

In meiner Freizeit höre ich gerne: Jede Art von Musik, auch die, die ich nicht sehr mag.

Was gefällt dir besonders an der Juka? In Gemeinschaft zu spielen.

3 Dinge, die du auf eine einsame Insel mitnehmen würdest: Mein Sax, meine Play Station,

meinen besten Freund

Wenn ich einen Wunsch frei hätte … Friede, Gesundheit und Freude auf die Welt bringen.

Greta

Greta Aster

Mein Name: Greta Aster

Alter: 12 Jahre

Ich spiele: Trompete

Ich lerne dieses Instrument, weil: ...ich mich darin wiederfinde.

In meiner Freizeit höre ich gerne: Alle möglichen Musikgattungen.

Was gefällt dir besonders an der Juka? Das gemeinsame Musizieren und Spaß haben

3 Dinge, die du auf eine einsame Insel mitnehmen würdest: Meine Familie, meine Trompete

und ein Pferd.

Wenn ich einen Wunsch frei hätte ...würde ich mir wünschen einen Weg zu finden, die

Welt verbessern zu können.

Nr. 06 | Dezember 2020 25


Ars Nova

Mit einem leichten

arabischen Touch

Robert Neumairs Musik zum Stummfilm „Der müde Tod“

Seit 2008 finden in Halle (Saale) die Filmmusiktage

Sachsen-Anhalt statt. Seit 2013

wird im Rahmen dieser Musiktage die interdisziplinäre

Masterclass – DAS ORCHE-

STER organisiert. Diese richtet sich an Studierende,

Absolventen und Interessierte

aus dem Bereich Filmmusik-Komposition.

Dabei werden die Workshop-Teilnehmer

von erfahrenen Dozenten betreut und ihnen

die Möglichkeit geboten, mit Orchestern

zu arbeiten. In Kooperation mit der

Staatskapelle Halle steht ihnen dazu ein

großes Sinfonieorchester zur Verfügung.

In Zusammenarbeit mit der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung

erhielten 2015 die

Komponisten die Möglichkeit, einen Ausschnitt

des Stummfilm-Klassikers „Der

müde Tod“ (Fritz Lang 1921) zu vertonen.

Auch der junge Komponist Robert Neumair

aus dem Pustertal hat sich für diese

Masterclass beworben, dazu Filmszenen

vertont und seine Musik mit dem Orchester

aufgenommen.

Das „deutsche Volkslied in sechs

Versen“, so der Untertitel zum Film, ist

die romantisch-tragische Geschichte einer

jungen Frau, die den Ehemann vom Tod

zurückfordert. Wenn sie eines von drei Leben

retten kann, deren Lichter bereits flackern,

soll sie ihn zurückbekommen. Diese

drei Episoden sind orientalisch (Rache der

Gläubigen), venezianisch (Mord auf dem

Karneval) und chinesisch (kaiserlicher Tyrann).

In allen drei Fällen scheitert sie beim

Versuch, ihren Geliebten zu retten. Neumairs

Musik ist daher melancholisch angehaucht

mit einem leichten arabischen

Touch zur orientalischen Episode. Eingeleitet

von Englischhorn, Klarinette und

Oboe wird das neue Thema von den Streichern

übernommen. Die musikalisch-dramatische

Wendung unterstreicht die darauf

folgende Verfolgungsszene durch Hinzunahme

der Blechbläser und des Schlagzeugs.

Nach einer rhythmischen Passage

kehrt wieder etwas Ruhe ein, sobald die

gestopften Hörner das Hauptthema spielen.

Neumair untermalt die Geschichte

Zur Person:

Robert Neumair ist am 27. Jänner 1982 geboren und in St. Georgen bei Bruneck

aufgewachsen. Bereits im Alter von 3 Jahren hat er begonnen, Steirische Harmonika

zu lernen, später Klavier, Trompete, Schlagzeug, Bariton, Akkordeon, Gitarre

und E-Bass. Am Tiroler Landeskonservatorium in Innsbruck hat er Trompete bei

Prof. Erich Rinner und Klavier bei Gösta Müller studiert.

In der Folge sammelte er bei verschiedenen Orchestern wichtige Erfahrungen für

seinen weiteren musikalischen Werdegang. Derzeit ist er stellvertretender Solotrompeter

der Deutschen Radiophilharmonie (Saarbrücken/Kaiserslautern)

und Mitglied des Bläserensembles „Bozen Brass“.

Bereits 2010 hat er seine eigene Firma „Soundfactory“ mit angeschlossenem

Tonstudio gegründet. Kompositionen und Arrangements für

verschiedene Ensembles, Musikkapellen, Blas- und Sinfonieorchester

sowie Musikvideos, Film- und Theatermusik zählen zu seinem

umfangreichen kompositorischen Schaffen.

www.robertneumair.com

26

KulturFenster


Blasmusik

mit sehr düsteren und rhythmischen Elementen.

Ein Ritardando und Decrescendo

führen zum Übergangsmotiv der Oboen,

das wieder zur „orientalischen Musik“

weiterleitet. Ein Trompetensolo begleitet

die Liebesszene, bevor die Schlussphase

sehr traurig – weil ohne Happy End – mit

drei aufeinanderfolgenden as-Moll-Akkorden

ausklingt.

Das rund 4 ½ minütige Werk ist für Sinfonieorchester

(Streicher 14-12-10-8-6, Bläser

3-3-3-3 Blechbläser 4-3-3-1 Schlagzeug

1-4) angelegt und derzeit noch nicht verlegt.

Stephan Niederegger

Partitur

2 Takte Vorzähler

A q=80

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Oboe 1

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TMC 00:42:00

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Der müde Tod

Filmmusik zum Stummfilm für den Filmmusikworkshop "Masterclass" in Halle/Saale


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Tuba

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Die 1. Seite der Partitur zu „Der müde Tod“ (oben)

Der Film „Der müde Tod“ ist 1921 unter der

Regie des legendären österreichisch-deutschen

Filmschaffenden Fritz Lang entstanden. (links)

Nr. 06 | Dezember 2020 27


Kritisch hingehört

Verwöhnprogramm

mit erlesener Bläsermusik

Bürgerkapelle und Kulturverein Brixen bieten erfolgreiche

Konzertreihe in der Hofburg

Nach dem langen kulturellen und gesellschaftlichen

Stillstand im Frühling

haben die Bürgerkapelle Brixen und der

Kulturverein Brixen Musik den heurigen

„Musiksommer in der Hofburg“ unter anderen

Vorzeichen, aber nicht minder erfolgreich

veranstaltet, unterstützt von der

Tourismusgenossenschaft und von der

Gemeinde Brixen. Im wunderbaren Ambiente

des Innenhofs der Brixner Hofburg

waren sieben sehr ansprechende Konzerte

zu erleben.

Die Bläser des Haydn Orchesters haben

den Beginn mit Mozarts Serenade „Gran

Partita“ gemacht und die Reihe auch unter

der Leitung des Startrompeters Marco

Pierobon beendet.

Dazwischen waren das Cinquino Brass

Quintett (Brainstorm), Bozen Brass (Surprise)

und die Musikkapelle Lana (Farben

der Bläsermusik) zu hören. Das heimische

Publikum war von den „jungen

Talenten am Podium“ mit den Ensembles

„MischMasch“, „Pentakis mit Schlag“

und „Vipialma“ sehr angetan. Das junge

preisgekrönte Quintett „Urban Brass“ aus

Süddeutschland hat mit bester Bläserkultur

und hoher Musikalität überzeugt

(„Summertime on Broadway“).

Zweifellos war aber die von der Bürgerkapelle

Brixen gestaltete „Königliche

Freiluftmusik“ ein besonderer Höhepunkt.

Dabei wurde der ganze Innenhof der Hofburg

optisch und akustisch mit einbezogen.

Die Auszüge aus Händels „Wassermusik“

und „Feuerwerksmusik“ wurden

in gekonnter Instrumentation von den Registern

der Bürgerkapelle stilsicher interpretiert,

geleitet vom hochmotivierenden

Kapellmeister Hans Pircher. Das Publikum

hat die Aufführungen sehr geschätzt und

die Anstrengungen von Organisatoren und

Musikern mit viel Anerkennung und Applaus

honoriert.

Nathan Vikoler

Sowohl akustisch als auch optisch ein Genuss: der Musiksommer in der Hofburg in

Brixen (Fotos: Matthias Gasser)

Zu den hochkarätigen Gästen bei den Sommerkonzerten in der Hofburg zählten auch

die Bläser des Haydn Orchesters.

28

KulturFenster


Neues

Blasmusik

ITALLEGRO - für eine Pause im Alltag

Italienische Musik-Begriffe von A-Z

Jutta Eckes ist aus Leidenschaft Italianistin,

Italienischdozentin an Musikhochschulen

in Köln, Mainz und Darmstadt, Dolmetscherin,

Übersetzerin, Lehrbuchautorin,

und als Italienisch-Sprachcoach für Sängerinnen

und Sänger bei Opernproduktionen

feilt sie akribisch an Details.

Ihre Begeisterung für

die italienische Sprache

entfachte sich

früh – als sie mit

acht Jahren zum ersten

Mal in Italien

war. Beim Spiel mit

einem anderen Kind

kam sie mit der „lucertola“

(Eidechse)

in Berührung – eine

sprachliche Begegnung,

die sie bis

heute nicht mehr

loslässt. Ihre neueste

Publikation

unter dem Titel

„Itallegro“ (Italiano

+ Allegro)

tummelt sich in

vielen Facetten

der Musiksprache – im Zusammenspiel

von Worten und dem Wesen von Musik.

Sie übersetzt und erläutert rund 400 italienische

Begriffe von „abbandono“ bis

„zingara“. Die Autorin will auf unterhaltsame

Weise, auch anhand von Anekdoten,

den Blick auf die Sprache öffnen und

die Lust am Italienischen wecken: etwa

auf die Herkunft eines Wortes oder dessen

Verwendung im alltäglichen Sprachgebrauch.

Bei einer Reihe von Begriffen

ergeben sich überraschende Einsichten.

Die Texte sind durch Illustrationen vom

iranischen Künstler Mehrdad Zaeri vervollständigt:

„Sie beleuchten den Text, sie

wiederholen ihn nicht.“

Das handliche quadratische Buch ist

im Verlag „Breitkopf & Härtel“ erschienen

und lädt ein zum Schmunzeln, Nachdenken

und Nachklingen lassen. Es öffnet

ein Zeitfenster für eine Pause im Alltag.

Auch die Aussprache kommt nicht

zu kurz: die wichtigsten Regeln sind im

Buch aufgelistet und die allermeisten Wörter

– vorgesprochen – zum Download auf

www.breitkopf.com im mp3-Format abrufbar.

Stephan Niederegger

„Bolero“ fürs klassische Bläserquintett

Eine Empfehlung für ambitionierte Ensembles

Bis vor kurzem waren zwar Proben und Aufritte

der gesamten Musikkapelle möglich,

für viele dennoch problematisch oder organisatorisch

nicht durchführbar. Das Spiel in

kleinen Gruppen war daher eine willkommene

Alternative und motivierte mancherorts

vermehrt zum Ensemblespiel.

Viele Verlage haben sich daher im Corona-Frühjahr

und Sommer vor allem auf

dieses Repertoire konzentriert und teils

auch neue Werke und Arrangements veröffentlicht.

Beim Stöbern nach entsprechendem

Notenmaterial fällt ein Werk besonders

ins Auge: Maurice Ravels „Bolero“.

Christian Beyer wagt mit dieser Bearbeitung

etwas, bei dem die meisten Arrangeure

sicher die Hände über dem Kopf

zusammengeschlagen hätten. Das Ergebnis

ist jedoch beachtlich: eine (stil- und

sinnvoll gekürzte) Fassung des bekannten

Meisterwerkes, das durch geschickte Instrumentation

die Klangfarben und -möglichkeiten

des klassischen Bläserquintetts

(Flöte, Oboe, Klarinette, Horn und Fagott)

vollständig ausreizt. Das Ostinato der kleinen

Trommel kann ad libitum hinzugefügt

werden. Für die ersten vier Takte sind Klappengeräusche

von Oboe und Klarinette für

die Einführung des Rhythmus zuständig.

Das Arrangement ist im Verlag „Breitkopf

& Härtel“ erschienen.

Stephan Niederegger

Nr. 06 | Dezember 2020 29


Musikpanorama

Generalversammlung unter besonderen Vorzeichen

MK Zwölfmalgreien hofft auf baldige Rückkehr zur Normalität

Es lief heuer alles anders als geplant,

in diesem Jubiläumsjahr der Zwölfmalgreiner:

Nicht nur die verschiedenen Veranstaltungen

zum 100-jährigen Bestehen,

sondern auch die alljährliche Generalversammlung

musste von März auf Oktober

verschoben werden und fand im Stadttheater

Gries statt.

Dabei hielt die Musikkapelle Rückschau

auf das Tätigkeitsjahr 2019 und die ersten

Monate 2020. Obmann Stefan Declara und

Kapellmeister Stefan Aichner bedankten

sich bei allen Musikantinnen und Musikanten

für ihren Einsatz und ihre Motivation.

Sie sprachen die Möglichkeiten zum

Proben und für Auftritte in den nächsten

Monaten an und äußerten ihren Wunsch

auf eine baldige Rückkehr zur Normalität.

Im Rahmen der Versammlung wurden

auch drei neue Musikanten aufgenommen:

Felix Kössler, Lars Kusstatscher und

Thomas Spögler spielen nun in den Reihen

der Zwölfmalgreiner mit.

Brigitte Thurner

Kapellmeister Stefan Aichner (ganz links) und Obmann Stefan Declara (ganz rechts)

mit den neu aufgenommenen Musikanten Lars Kusstatscher, Felix Kössler und

Thomas Spögler (v. l.) © MK Zwölfmalgreien/Oliver Oppitz

Alles Gute zur Goldenen Hochzeit!

Die MK Niederdorf gratuliert ihrem Ehrenkapellmeister Sepp Walder und seiner Frau Christl

Die Musikkapelle Niederdorf hat

ihrem Ehrenkapellmeister Sepp

Walder und seiner Frau Christl

zum runden Hochzeitsjubiläum

gratuliert. Die Chronik der Musikkapelle

berichtet vom Hochzeitsständchen,

das die Musikanten

am 10. Oktober 1970 dem jungen

Brautpaar in Oberlienz gespielt

haben.

Walder dirigierte die Kapelle

mit kurzer Unterbrechung von

1970 bis 1998. Für seine Verdienste

wurde er daraufhin zum

Ehrenkapellmeister ernannt. Zudem war

er 40 Jahre lang Chorleiter und Organist

in Niederdorf, derzeit in St. Sigmund. Die

Ehrenkapellmeister Sepp Walder und

seine Frau Christl wurden anlässlich

ihres goldenen Hochzeitsjubiläums vom

Vorstand der MK Niederdorf überrascht.

Tradition im Verein will es, dass

den Mitgliedern zu besonderen

Hochzeitsjubiläen gratuliert wird.

Das dazu geplante musikalische

Stelldichein ist ausnahmsweise

nicht den Covid-19-Bestimmungen,

sondern dem schlechten

Wetter zum Opfer gefallen.

Obmann Robert Burger und der

Vereinsvorstand haben es sich

aber nicht nehmen lassen, das

Jubelpaar mit einem Geschenkskorb

zu überraschen und die

Glückwünsche der gesamten

Kapelle zu überbringen: „Ein Hoch auf

das Jubelpaar!“

-sn-

30

KulturFenster


Das Thema

Heimatpflege

Wenn die

Wertschätzung

fehlt …

Beiträge für Landschaftspflege: Verband gibt

Abwicklung der Ansuchen ab – Die Hintergründe

Seit rund 50 Jahren ist der Heimatpflegeverband

Südtirol erster Ansprechpartner

für all jene, die ein bäuerliches Kleindenkmal

errichten oder erhalten möchten und

dabei finanzielle Unterstützung brauchen.

Mit Ende des Jahres 2020 sieht sich der

Heimatpflegeverband gezwungen, die Bearbeitung

der Gesuche um entsprechende

Beiträge für die Landschaftspflege an das

Landesamt für Landschaftsschutz abzutreten.

Nicht der fehlende Wille, sondern

ganz andere Gründe liegen hinter dieser

Entscheidung.

Ein geflochtener Speltenzaun am Wegesrand,

ein uriger Backofen am Hofeingang,

eine Mühle nahe des Baches, ein

Strohdach auf dem Stadel oder eine traditionelle

Trockensteinmauer als Hangstütze

– derart selten sind diese einst

üblichen bäuerlichen Objekte geworden,

dass sie im Vorbeigehen sofort ins

Auge fallen, dass sie bestaunt und fotografiert

werden. Unwillkürlich verbindet

man sie mit der „guten alten Zeit“. Aber

nicht nur: Sie stehen auch für Langlebigkeit,

für traditionelles Handwerk, für die

typische Südtiroler Landschaft und nicht

zuletzt für einfaches Leben mitten in einer

einzigartigen Natur: In einem Ofen

wurde das Brot für ein ganzes Jahr gebacken.

Eine Trockenmauer übersteht

viele Jahrzehnte und ist ein wahres Biotop

für Pflanzen und Tiere. Ein geflochtener

Zaun dient als Einfriedung von Weideflächen

und ist durch unterschiedliche

Formen gleichzeitig ein Markenzeichen

für eine Talschaft. Ein Schindel- oder ein

Strohdach erfüllten alle Kriterien, die man

heutzutage unter dem Begriff Nachhaltigkeit

anführt. Nicht zuletzt sind Bildstöcke,

Kapellen, Weg- und Feldkreuze religiöse

Zeugnisse unserer Kulturlandschaft.

Zeichen der Zeit

Aber warum sind sie dann so selten geworden?

Warum haben viele dieser Objekte

die „gute alte Zeit“ nicht überdauert?

Der langjährige Geschäftsführer des

Heimatpflegeverbandes, Josef Oberhofer,

hat darauf eine pragmatische Antwort:

„Die Weiterentwicklung des bäuerlichen

und die Veränderung des gesellschaftlichen

Lebens, die Technisierung auf

dem Hof …“ – kurzum: Es ist der Lauf

der Zeit, der diese bäuerlichen Objekte

zu Raritäten hat werden lassen. Aber gerade

deshalb dürfen sie nicht aussterben

oder rein musealen Zwecken zugeführt

werden, wie Claudia Plaikner, die

Obfrau des Heimatpflegeverbandes, betont:

„Sie sind nämlich prägende Elemente

der Kulturlandschaft und erzählen

sowohl von der bäuerlichen Wirtschaftsweise

als auch von einem praktisch-ästhetischen

Gefühl für die Gestaltung von

Landschaft und Wohnort.“

Wie alles begann

Den großen Wert der bäuerlichen Kleindenkmäler

erkannte der Heimatpflegeverband

schon vor rund sechs Jahrzehnten.

Damals, Anfang der 1960er-Jahre, konnte

er zunächst eine finanzielle Unterstützung

von Seiten des Landes für Arbeit und Material

beim Decken von Strohdächern (siehe

eigenen Bericht) durchsetzen. Aber erst

rund 20 Jahre später startete der damalige

Obmann, Ludwig Walther Regele, eine

erneute Initiative, und zwar zur Rettung

alter Mühlen, deren Sanierung daraufhin

durch einen eigenen sogenannten Mühlenfonds

über das Landesamt für Kultur

gefördert wurde.

Wegkreuze sind stille Zeugen

christlichen Glaubens.

Nr. 06 | Dezember 2020 31


Das Thema

Nach und nach konnten weitere

bäuerliche oder typisch ländliche

Objekte mit Geld aus diesem

Fonds saniert und dadurch erhalten

werden. Waren es zunächst

einzelne, so ließ ein Zeitungsartikel

von Verbandsgeschäftsführer

Josef Oberhofer über die Fördermöglichkeiten

das Interesse an

der Erhaltung dieser Kleindenkmäler

ab dem Jahr 1991 schlagartig

steigen. Immer mehr Bauern

entdeckten den Wert dieses oder

jenes scheinbar nicht mehr nützlichen

Objektes und suchten um

Beiträge an. Die Bereitstellung der

Gelder musste deshalb auf zwei

Landesämter aufgeteilt werden.

Die Errichtung bzw. Erneuerung

von Holzzäunen, Stroh- und Schindeldächern,

Trockensteinmauern,

Harpfen und Waalen wurde aus

Mitteln des Amtes für Landschaftsschutz

gespeist, Wegkreuze, Bildstöcke, Kapellen,

Mühlen, Sonnenuhren, Dorfbrunnen,

Backöfen und andere Objekte wurden vom

Amt für Kultur gefördert. Seit rund 15 Jahren

werden alle Erhaltungsmaßnahmen aus

Mitteln des Landschaftsschutzes gespeist.

Tausende Objekte erhalten

Man kann ruhig behaupten, dass durch

die Landschaftspflegebeiträge Tausende

von bäuerlichen Kleindenkmälern, die das

Kultur- und Landschaftsbild Südtirols prägen,

vor dem Verfall gerettet wurden. Nur

durch die finanzielle Unterstützung war es

den Eigentümern überhaupt möglich, sie zu

bewahren. Andererseits wurden zahlreiche

Bauern durch die Förderungen dazu animiert,

Zäune, Mauern oder Dächer auf traditionelle

Weise zu errichten und dadurch

zum Fortbestand der typischen Südtiroler

Kulturlandschaft beizutragen.

Dass bei der Sanierung oder Errichtung

von bäuerlichen Kleindenkmälern immer

auch ein wenig Passion und Liebe zur Tradition

vorhanden sein müssen, versteht

sich schon allein aus der Tatsache, dass

die Förderbeiträge eben nur Beiträge sind

und der rein wirtschaftliche Vorteil selten

gegeben ist. Auch gibt es immer weniger

Fachleute, die sich auf traditionelles

Handwerk verstehen, und das Weitergeben

von Erfahrungen durch die Bauern selber

scheitert oft an fehlender Zeit oder mangelndem

Interesse. Die Entscheidung für

Schindeldächer sind nachhaltig

und langlebig. Im Unterschied

zu den Strohdächern findet man

sie im ländlichen Raum auf

Bauernhöfen noch recht häufig.

den Erhalt der Kulturlandschaft ist daher

oft eine schwierige. Gerade deshalb gebührt

jenen, die sie treffen, große Wertschätzung.

Immerhin sind es mittlerweile

500 bis 600 Gesuchsteller pro Jahr, und

die Beiträge belaufen sich jährlich auf insgesamt

etwa 1,5 Millionen Euro.

Verband als Initiator

Soweit die Fakten – nun zur Rolle des Heimatpflegeverbandes

in diesem Bereich: Er

ist und war seit jeher erster Ansprechpartner

für Eigentümer bäuerlicher Kleindenkmäler.

Er kümmerte sich um die Beratung

sowie um die Beitragsabwicklung. Dabei

setzte ab den 1990er-Jahren vor allem Geschäftsführer

Josef Oberhofer alles daran,

den Eigentümern ihre Entscheidung zu erleichtern.

Er erwirkte u. a., dass jene, die

die Arbeiten selber durchführen, eine sogenannte

Eigenrechnung ausstellen können,

um an Beiträge zu gelangen. Er bemühte

sich auch um ehrenamtliche Sachbearbeiter,

die die Antragsteller vor Ort beraten

und durch den Genehmigungsprozess

führen (siehe eigenen Bericht). Ja sogar

bei verschiedenen Handwerkern

wurde er vorstellig, um sie für die

traditionellen Arbeitsweisen zu

gewinnen: So ließen sich etwa

zwei Dachdecker in die Kunst

des Strohdach-Deckens einweihen.

Im Verbandsbüro im Bozner

Waltherhaus hingegen wurden

die eingereichten Gesuche

weiterbearbeitet und an die zuständigen

Ämter weitergeleitet.

Woran es hakt

„Für uns ist diese Tätigkeit zur

Tradition geworden, und man verspürt

eine gewissen Genugtuung,

wenn man da und dort ein neu errichtetes

Schindeldach oder einen

handwerklich hergestellten Holzzaun

sieht“, sagt Josef Oberhofer.

Allerdings habe sich der Aufwand

zum Erhalt von Beiträgen in den

vergangenen Jahren enorm erhöht, und vor

allem sei die Kommunikation mit der Abteilung

für Natur, Landschaft und Raumentwicklung

schlechter geworden: „Die Eigentümer

müssen nicht nur immer strengere

Auflagen erfüllen, sondern die Gesuche

sind auch zunehmend kompliziert. Außerdem

erachtet man es im genannten Landesamt

offenbar nicht als notwendig, den

Heimatpflegeverband in Entscheidungen

einzubinden oder wenigstens vorab zu informieren,

wenn zum Beispiel die Beitragsrichtlinien

abgeändert werden.“

Sämtliche Bemühungen um einen regelmäßigen

Gedankenaustausch seien in den

vergangenen Jahren stets abgeblockt worden.

Man fühle sich als Bittsteller, zumal der

Verband nunmehr jedes Jahr ein Angebot

mit Spesenabschlag einreichen müsse, um

diese Tätigkeit überhaupt durchführen zu

können – obwohl er sie nicht nur initiiert,

sondern auch viele Bauern erst dazu motiviert

hat, Südtirols charakteristische Kulturgüter

zu erhalten. „Wir erfahren immer

erst im letzten Augenblick, ob unser Ansuchen

angenommen wurde“, beklagt Josef

Oberhofer. „Das alles zeugt von mangelnder

Wertschätzung gegenüber dem Verband.“

Der Geschäftsführer des Heimatpflegeverbandes

merkt andererseits aber

auch an, dass sich ein Anspruchsdenken

in der Bevölkerung breit gemacht habe und

Beiträge mitunter als Rechtsanspruch betrachtet

würden: „Auch hier geht es letztendlich

um Wertschätzung.“

32

KulturFenster


Heimatpflege

Seltener Anblick: ein Paarhof (Felder) in Villanders, dessen altes Wohnhaus mit einem Schindeldach, der Stadel mit einem

Strohdach gedeckt ist. (Fotos: Josef Oberhofer)

Die Entscheidung

Viel Herz, Zeit und Energie hat der Heimatpflegeverband

in den vergangenen

Jahrzehnten in die Erhaltung von bäuerlichen

Kleindenkmälern gesteckt. Doch

angesichts dieser Entwicklungen sieht er

sich nicht mehr imstande, diese Tätigkeit

fortzuführen. Nach langen Überlegungen

und eingehenden Diskussionen im Vorstand

und mit den Sachbearbeitern hat

der Verband beschlossen, sich mit Ende

des Jahres 2020 aus der Abwicklung der

Vergabe von Beiträgen für die Landschaftspflege

zurückzuziehen.

„Bleiben Ratgeber“

Obfrau Claudia Plaikner und ihren Mitarbeitern

ist das Thema jedoch weiterhin

ein großes Anliegen: „Ob und wie die

Eigentümer von bäuerlichen Kleindenkmälern

beim Amt für Natur, Landschaft

und Raumentwicklung um die Landschaftspflegbeiträge

ansuchen können,

ist unklar. Es ist für den Verband jedoch

sehr wichtig, dass dies auch weiterhin

geschieht, damit diese wertvollen kleinen

kulturlandschaftlichen Akzente erhalten

bleiben.“ Letztendlich hänge es

aber vom Besitzer selbst ab, ob er generell

den Wert dieser Kulturelemente erkennt

und auch deren Umgebung pflegt.

Die Obfrau betont, dass sich der Heimatpflegeverband

weiterhin für die Förderung

der Landschaftspflege einsetzen

wird: „Zwar ist die Betreuung der Gesuchsabwicklung

an das Verwaltungsamt

für Raum und Landschaft zurückgefallen,

wir bleiben jedoch Ratgeber

für offene Fragen in diesem Bereich.“

Dem Heimatpflegeverband gibt die

nunmehr frei werdende Kapazität die Möglichkeit,

sich einigen anderen wichtigen

Bereichen verstärkt zu widmen, etwa der

Sensibilisierung der Gesellschaft für die

Baukultur des Landes, aber auch der Zusammenarbeit

mit Schulen und Jugendorganisationen.

Edurh Runer

Landschaftspflege in Zahlen

» 1.500.000 Euro werden jährlich ungefähr

für Landschaftspflegebeiträge

bereitgestellt.

» 500 bis 600 Eigentümer stellen jährlich

einen Beitragsantrag.

» 322 Holzzäune wurden 2019 saniert

bzw. errichtet, womit die Holzzäune

an erster Stelle der Objekte stehen,

die mit Hilfe von Beiträgen erhalten

werden.

» 154 Schindeldächer wurden 2019

saniert bzw. errichtet – damit liegen

diese an zweiter Stelle.

» 9 Wegkreuze, 8 Bildstöcke, 6 Kapellen

und 4 Mühlen lautet die weitere

Reihenfolge der bäuerlichen Kleindenkmäler

auf der Beitragsliste 2019.

Die Anzahl der Strohdächer indessen

sinkt kontinuierlich. Ungefähr 10 gibt es

noch in ganz Südtirol, 4 davon in Vöran.

Nr. 06 | Dezember 2020 33


Das Thema

Begutachten, beraten,

begleiten

Sachbearbeiter Franz Fliri blickt zurück

Eine restaurierte Kapelle in Naturns: Franz Fliri hat die Arbeiten als ehrenamtlicher

Sachbearbeiter begleitet.

Franz Fliri

In folgendem Bericht erzählt Franz Fliri, der dienstälteste Sachbearbeiter für die bäuerlichen

Kleindenkmäler im Heimatpflegeverband Südtirol, über seine mehr als 30-jährige

Tätigkeit, bei der er viele gute und nur wenige negative Erfahrungen gemacht hat.

Mit der Einstellung der Tätigkeit des Verbandes im Bereich der Landschaftspflegeprämien

geht nun auch die Ära der ehrenamtlichen Sachbearbeiter zu Ende.

Aufgewachsen in einer großen Bergbauernfamilie

auf dem Naturnser Sonnenberg,

wurde der Bezug zur Natur- und

Kulturlandschaft schon im Kindesalter

gelegt. Der Grundsatz, mit der Natur

zu leben und zu arbeiten, war überall

sichtbar.

Für mich war immer klar: Der Erhalt der

Natur- und Kulturlandschaft mit all den

bäuerlichen Kleindenkmälern ist zu unterstützen.

Die Landesregierung unter Landeshauptmann

Dr. Silvius Magnago sah

dies auch so und sicherte eine finanzielle

Unterstützung zu, wenn diese bäuerlichen

Kleindenkmäler erhalten und

gepflegt werden.

Im Jahr 1987 wurde ich vom damaligen

Kulturreferenten der Gemeinde Naturns,

Josef Pircher, für die ehrenamtliche Tätigkeit

als Sachbearbeiter beauftragt. Unter

Anleitung des hoch geschätzten Rittner

Heimatpflegers Hans Rottensteiner erfolgte

die notwendige Einschulung.

Seitdem bin ich in den Gemeinden im

Untervinschgau, einige Jahre auch im Martelltal,

ehrenamtlich und bis zur Pensionierung

in meiner Freizeit unterwegs, und

das sehr oft auch an Sonn- und Feiertagen.

Wenn man mit Herzblut dabei ist, geht

vieles leichter, man nimmt jede Anstrengung

gerne in Kauf, da spielen das Wetter

oder längere Fußmärsche keine Rolle.

Bei den vielen Beratungen und Abnahmen

über die Jahre herauf darf ich Folgendes

anmerken:

• Den allermeisten Antragstellern war und

ist der Erhalt der bäuerlichen Kleindenkmäler

ein großes Anliegen. Ein

Verschwinden dieser prägenden Landschaftselemente

– das war und ist auch

ihnen bewusst – kommt einer Ausräumung

der Landschaft gleich.

• Für einige Eigentümer war der vom Gesetz

festgelegte Beitrag jedoch viel zu

niedrig angesetzt, somit wurde das Objekt

dem Verfall preisgegeben.

• Die Wertschätzung gegenüber den Sachbearbeitern

für deren ehrenamtliche Tätigkeit

verringerte sich in den vergangenen

Jahren wesentlich. Dazu hat sicher

die Hektik dieser Zeit beigetragen.

34

KulturFenster


Heimatpflege

Viele Wetterunbilden hätte dieser Holzzaun im Schnalstal

nicht mehr überstanden.

Und so zeigt sich der Zaun heute.

Ich zeige hier stellvertretend einige

Erlebnisse auf:

• Ich kann mich noch genau an das

erste Beratungsgespräch am Naturnser

Sonnenberg erinnern, bei dem

ich auf die traditionelle Errichtung

eines Lattenzaunes hinwies, inklusive

der aufwendigen Antragstellung, mit

Schreibmaschine geschrieben. Nach

Abschluss der Arbeiten erfuhr dieser

Zaun hohe Wertschätzung und war

beispielgebend für den Erhalt des

Landschaftsbildes.

• In guter Erinnerung bleibt mir auch

die Sanierung einer wasserbetriebenen

Mühle in der Talsohle im Untervinschgau.

Von Beginn an war ich

dabei, sei es für die Beratung, sei es

bei der Durchführung der Arbeiten.

Eine wasserbetriebene Mühle in Funktion

hat wirklich Seltenheitswert. Die

Mühle ist für Vorführungen für Schulklassen,

Einheimische sowie auch

Touristen geöffnet.

• Einen negativen Eindruck hinterließ

es bei mir, wenn einige Antragsteller

bei den zuständigen Ämtern die Verringerung

oder Ablehnung des Beitrages

aufgrund von nicht fachgerechter

Ausführung hinterfragten.

Der Anblick der vielen Ordner voll von Ansuchen,

Beratungs- und Abnahmeprotokollen

erweckt dennoch eine Zufriedenheit,

etwas zum Erhalt der Natur- und Kulturlandschaft

beigetragen zu haben.

Was die weitere Unterstützung seitens

des Landes betrifft, hoffe ich sehr, dass dies

nach wie vor gewährleistet bleibt.

Bäuerliche Kleindenkmäler gibt es überall

in ganz Südtirol, und sie müssen unabhängig

vom Ort bzw. der Talschaft unterstützt

werden. Ein Holzzaun im Vinschgau,

ausgeführt in ortstypischer Bauweise, hat

den gleichen Stellenwert wie am Salten

oder Passeier, eine Trockenmauer am Vinschger

Sonnenberg gleich wie im Eisacktal,

Schindeldächer im Schnalstal gleich

wie in Ulten; die Auflistung könnte beliebig

weiter geschrieben werden.

Ein Anliegen ist es mir, die Wertschätzung

gegenüber der Natur- und Kulturlandschaft

zu steigern, und zwar in allen

Bevölkerungsschichten, damit die vielen

wertvollen Kleinode unserer Heimat nicht

nach und nach der Gewinnmaximierung

geopfert werden. Das Tourismusland Südtirol

wirbt weltweit mit der intakten Landschaft,

die es mittlerweile fast gar nicht

mehr gibt.

Abschließend sage ich allen Beteiligten

ein großes Vergelt`s Gott für die Begleitung

über die ganzen Jahre herauf bei dieser

doch aufwendigen Arbeit, vor allem auch

meiner Familie für das Verständnis. Mit einschließen

darf ich die Mitarbeiter im Verbandsbüro,

Ehrenobmann Dr. Peter Ortner

und Landesobfrau Dr. Claudia Plaikner.

Franz Fliri

Jetzt, nach 33-jähriger ehrenamtlicher

Tätigkeit als Sachbearbeiter, kommt bestimmte

Wehmut auf, aber bestimmte

Gegebenheiten lassen ein Weiterarbeiten

nicht mehr zu.

Der Sachbearbeiter braucht viel Gespür, um Eigentümer vom Erhalt eines

bäuerlichen Kleindenkmales zu überzeugen und sie gut zu beraten. Im Bild eine

Trockensteinmauer in Partschins.

Nr. 06 | Dezember 2020 35


Das Thema

„Menschen für unsere

Themen sensibilisieren“

Claudia Plaikner im Gespräch über die Neuausrichtung des

Heimatpflegeverbandes

Claudia Plaikner, Obfrau des

Heimatpflegeverbandes Südtirol

Wo eine Tür geschlossen wird, öffnet sich

bekanntlich eine andere. Das hofft auch

der Heimatpflegeverband Südtirol, wenn

er nun den bürokratisch und zeitlich sehr

aufwendigen Sachbereich der Landschaftspflegebeiträge

(siehe eigenen Bericht) abgibt.

Obfrau Claudia Plaikner hat sich mit

ihrem Vorstand, den Mitarbeiterinnen und

Mitarbeitern bereits über neue Zukunftspläne

abgesprochen.

KulturFenster: Frau Plaikner, wie geht es

Ihnen persönlich mit der Entscheidung

des Heimatpflegeverbandes, ab 2021

den Sachbereich der Landschaftspfl e-

gebeiträge für bäuerliche Kleindenkmäler

abzugeben?

Claudia Plaikner: Tatsache ist, dass unsere

Halbtageskraft Daniela Donolato Wiedenhofer

in den vergangenen Jahren immer

intensiver und fast ausschließlich

mit der Bearbeitung der Unterlagen für

die Landschaftspfl egebeiträge beschäftigt

war. Abgesehen von den

Kommunikationsproblemen mit

der zuständigen Landesabteilung

wurde es auch für unsere

ehrenamtlichen Sachbearbeiter

immer schwieriger, die Antragsteller

zu betreuen, und die

Wertschätzung ließ manchmal

zu wünschen übrig. Die meisten

Sachbearbeiter haben zudem ein

Alter erreicht, in dem die körperlichen

Anforderungen für diese

Aufgabe langsam zu hoch werden.

Deshalb war die Entscheidung

des Verbandes am Ende

einhellig und entschlossen. Ich

persönlich habe mir auch schon

länger Gedanken gemacht, wie

wir die nun frei werdenden zeitlichen

Ressourcen besser nutzen

können.

KF: Wie sieht der Plan aus?

C. Plaikner: Es geht weniger um einen

einzelnen Plan als um eine Neuausrichtung

des Verbandes. Ich denke, wir müssen

viel mehr Energie in die Sensibilisierung

der Bevölkerung für die Themen

der Heimatpflege stecken, angefangen

bei der Jugend bis hin zu den Entscheidungsträgern

vor Ort in den Gemeinden.

KF: Wie wollen Sie die jungen Menschen

für Ihre Themen gewinnen?

C. Plaikner: Wir müssen in die Schulen

und Jugendorganisationen gehen. Das bedarf

natürlich einer guten Vorbereitung,

zumal es noch an didaktischem Material

und an konkreten Projekten fehlt. Aber

unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

im Verbandssitz sind sehr aufgeschlossen

für junge Themen und auch für moderne

Kommunikation. Dazu gehören die

digitalen Kanäle und sozialen Medien, die

wir künftig besser bedienen möchten.

KF: Die Entscheidungsträger vor Ort sitzen

in den Gemeindestuben, wo derzeit

die neuen Bestimmungen im Gesetz für

Raum und Landschaft das große Thema

sind. Was kommt da auf die Gemeinden,

was auf den Heimatpflegeverband zu?

C. Plaikner: Die Gemeinden werden mit

neuen und aufwendigen Aufgaben betraut.

Deswegen ist es wichtig, deren Vertreter

und Mitarbeiter inhaltlich zu begleiten,

wenn es um die Ortsbild- und Landschaftsgestaltung

geht. Aktuell ist diesbezüglich

bereits ein Leader-Projekt für fünf Gemeinden

im Pustertal in Ausarbeitung, das der

Verband mit betreut. Es geht darum, die

Attraktivität des ländlichen Raumes als

Lebens- und Wirtschaftsraum zu erhal-

„Die Gemeinden werden mit neuen und aufwendigen

Aufgaben betraut. Deswegen ist es wichtig, deren

Vertreter und Mitarbeiter inhaltlich zu begleiten,

wenn es um die Ortsbild- und Landschaftsgestaltung

geht.“

36

KulturFenster


Heimatpflege

Die Baukultur, die Gestaltung des öffentlichen Raumes sowie die Erhaltung und Verbesserung des kulturellen und natürlichen

Erbes sind einige der Themen, die der Heimatpflegeverband gemeinsam mit den Gemeinden aufarbeiten möchte. (Foto: HPV)

ten und gleichzeitig weiterzuentwickeln.

Da werden dann ganz unterschiedliche

Themen wie die Baukultur, die Gestaltung

des öffentlichen Raumes, die Erhaltung

und Verbesserung des kulturellen und

natürlichen Erbes, die Sensibilisierung

für eine ressourcenschonende und gesunde

Lebensart und anderes mehr in

das Blickfeld genommen. Ziel des Verbandes

ist es unter anderem, zu einer

Anlaufstelle für Gemeinden zu werden,

wo wir Hilfestellung bei der Ausarbeitung

von Projekten geben. Generell möchten

wir auch weiterhin kompetente Ansprechpartner

für an der Erhaltung der Kulturund

Naturlandschaft Interessierte und

Engagierte sein.

KF: Welche Schritte wird der Verband in

Sachen Neuausrichtung als Erstes setzen?

C. Plaikner: Wir möchten jedes Verbandsarbeitsjahr

unter ein Schwerpunktthema

stellen. 2021 wird es die Baukultur sein.

Dabei denken wir an eine größere Tagung,

zu der wir unsere Partner aus der

Denkmalpflege, aus unseren Netzwerken

und aus der Forschung zusammenbringen

möchten. In Ausarbeitung ist im Moment

auch unser Imagefolder, mit dem wir

die Arbeit des Verbandes bekannter machen

und um Mitstreiter werben möchten.

Die Zeitschrift „KulturFenster“ wird

ab der nächsten Ausgabe ein neues grafisches

Bild sowie auch einige inhaltliche

Verbesserungen erhalten.

Interview: Edith Runer

KulturFenster

Redaktion KulturFenster

Ihre Beiträge für die Heimatpflege im KulturFenster senden Sie bitte an: florian@hpv.bz.it

Für etwaige Vorschläge und Fragen erreichen Sie uns unter folgender Nummer: +39 0471 973 693 (Heimatpflegeverband)

Nr. 06 | Dezember 2020 37


Informiert und Reflektiert

Eine schöne Bescherung

Zur Geschichte der Weihnachtsgeschenke

Advent und Weihnachten sind heuer anders.

Es finden keine Christkindlmärkte statt, größere

Feiern mit Verwandten, Arbeitskollegen

oder Freunden fallen aus. Auch der

Austausch von Geschenken kann nicht unbeschwerlich

erfolgen, wie in Zeiten vor

Corona. Das bietet die Gelegenheit nachzudenken,

wie das weihnachtliche Schenken

entstanden ist und welche Entwicklungen

es bis heute genommen hat.

Der Brauch des Schenkens ist alt. Der

Brauch des weihnachtlichen Schenkens

nicht. Bis ins frühe 20. Jahrhundert war

der Heiligabend beim Großteil der Familien

in Tirol geprägt von Gebet, Räuchern,

der Christmette und einem guten Essen.

Als unsichtbarer Gabenbringer, der den

Kindern Äpfel, Nüsse und Mispeln in einen

Teller legte, galt der Heilige Nikolaus.

Vom Nikolaus zum Christkind

Anders in Deutschland. Da war das Christkind

in adeligen Familien schon früh präsent,

wie Hinweise zeigen. So schwärmt

Lieselotte von der Pfalz (1652–1722) in ihren

Erinnerungen, dass es „neue Kleider,

Silberzeug, Puppen, Zuckerwerk und alles

Mögliche brachte“.

Um 1535 hat Martin Luther im Zuge

der Reformation die Bescherung am Nikolausabend

abgeschafft. Ob er auch der

Erfinder des Christkindes ist, wie oft angenommen,

kann nicht belegt werden,

wenngleich er es als Gabenbringer

erwähnt hat.

Die deutsche Volkskundlerin Sabine

Wienker-Piepho ortete die Verbreitung

des Christkindes zuerst nur im evangelischen

Deutschland, bis es sich dann

nach Bayern ausbreitete und nach und

nach Teil des familiären Feierns in katholischen

Familien wurde. Beschenkt wurden

die Kinder, die Wunschzettel ans Christkind

schrieben.

Grödner Kunst in Deutschland

Auf den Weihnachtsmärkten in Deutschland

und Österreich oder auf den Nikolausund

Thomasmärkten in Tirol gab es

Kerzen, Krippenfiguren, Spielzeug für

Kinder und Christbaumschmuck zu

kaufen. Den Händlern ging es natürlich

um das Geschäft. Doch

dies darf nicht nur kritisch gesehen

werden, denn der Verkauf

sicherte vielen Familien

ihre Existenz. So waren

die Erzeugnisse aus dem

Grödental sehr beliebt. In

einem Inserat in der „Bludenzer

Zeitung“ in Vorarlberg im Dezember

1908 werden von einem Geschäft Puppen,

Christbaumschmuck und „Grödner

Holzspielwaren“ angeboten.

Trotz der Bescherung, die bei vielen

Familien in Tirol aus Armutsgründen ausblieb,

standen der religiöse Inhalt, die

Krippe und das Beisammensein im Mittelpunkt

des Festes. Daher waren jene

Weihnachten, an denen ein Platz in der

Familie leer blieb, traurige Weihnachten.

Während der Weltkriege gedachte man besonders

der Männer an der Front. In der

Tauferer Schulchronik ist nachzulesen:

Spielzeugpferde zählten neben

den Holzpuppen zu den

beliebtesten Artikeln und

wurden in verschiedenen Größen

hergestellt, teils auf Rollbretter

montiert, teils ohne.

38

KulturFenster


Heimatpflege

Der Brauch des Schenkens ist alt. Der Brauch des

weihnachtlichen Schenkens nicht. Bis ins frühe 20.

Jahrhundert war der Heiligabend beim Großteil der

Familien in Tirol geprägt von Gebet, Räuchern,

der Christmette und einem guten Essen.

„Die Mädchen strickten im Winter 1914–

1915: 145 Paar Socken, 25 Wadenstutzen,

82 Schneehauben, 40 Paar Pulswärmer,

8 Paar Kniewärmer, 3 Paar Fäustlinge, 1

Leibbinde und zupften eine Menge Wundfäden

für die Soldaten; 3 große Säcke voll

Erdbeer- und Brombeerblätter wurden von

den Schülern gesammelt." In die Pakete

wurden oft Tannen- oder Fichtenzweige

gelegt, als weihnachtlicher Gruß.

Zunehmende

Kommerzialisierung

Im Laufe des 20. Jahrhunderts erlebte

das Weihnachtsfest große Veränderungen.

Die wachsende Konzentration auf die Geschenke

ging Hand in Hand mit der allgemeinen

Kommerzialisierung. Rainer Kampling,

Theologieprofessor an der Freien

Universität Berlin, spricht von zwei Ausformungen

des Festes, einem „christlich

begründeten und gefeierten und einem

säkularisierten Fest“.

18. Jahrhundert zurückreicht und sich

als Synonym für alle männlichen, weihnachtlichen

Gabenbringer entwickelt

hat, und dem Coca-Cola-Weihnachtsmann,

der 1931 aus Werbezwecken

entstanden und weltberühmt geworden

ist.

- Was schenken? In der Zeit des materiellen

Überflusses entwickeln sich

neue Formen des Schenkens: Gutscheine

für Zeit, für Hilfeleistungen.

In manchen Familien wird das Engele-Bengele-Spiel

gepflegt, oder

es wird vereinbart, dass nur selbstgemachte

Geschenke ausgetauscht

werden oder ganz darauf verzichtet

wird.

- Schenken heißt teilen… Solidarität mit

Menschen, die Hilfe brauchen, wird

auch in Südtirol jährlich durch große

Spendenaktionen und Hilfsprojekte

gefördert.

- Weinachten und Neujahr: Bei den

Römern gab es Neujahrsgeschenke,

verbunden mit den Glückwünschen.

Diese Tradition lebt fort in

Geldgeschenken, die an Briefträger,

Kaminkehrer und Hausmeister vergeben

werden, oder in Geschenken an

Geschäftskunden.

- Geschenkpapier, ja oder nein? Ab 1910

soll es Geschenkpapier, bedruckt mit

weihnachtlichen Motiven gegeben haben,

doch der genaue Zeitpunkt ist unklar.

Heute werden auch alternative,

phantasiereiche Verpackungen oder

die Wiederverwendung von Papier propagiert,

um Müll zu vermeiden.

Barbara Stocker

Literatur:

Feichter, Josef, Tauferer

Schul- und allgemeine

Chronik, Mühlen 1984;

Eberspächer Martina,

Der Weihnachtsmann.

Stuttgart 2002;

Weber-Kellermann,

Ingeborg, Das Weihnachtsfest.

Luzern und

Frankfurt 1978.

Ein Kugelspiel

aus Holz

Fotos: Museum

Gherdëina

Welche Merkmale lassen sich

heute beobachten?

- Geben oder Schenken? Das Wort Schenken

bedeutete ursprünglich „schief halten“

im Sinne von „einschenken“. Die

Geschenke wurden als Gaben bezeichnet.

Darunter fallen Opfergaben, Liebesgaben,

Almosen und andere. Heute

ist von Gaben noch im sakralen Bereich

die Rede.

- Christkind oder Weihnachtsmann?

Die unsichtbaren Gabenbringer Nikolaus

und Christkind haben vom Weihnachtsmann

Konkurrenz erhalten.

Doch hier gilt es zu unterscheiden zwischen

dem in Deutschland gebrauchten

Begriff Weihnachtsmann, der bis ins

Nr. 06 | Dezember 2020 39


Informiert und Reflektiert

Die Salzkirche

Dinge des Alltags aus Geschichte und Gegenwart

Für geweihtes Salz gab es in früheren Jahrhunderten

ein besonderes Behältnis. Heute

weiß kaum noch jemand, was eine Salzkirche

ist.

In vergangenen Jahrhunderten war

Salz teuer, kostbar und etwas Besonderes.

Auch im 20. Jahrhundert war es nicht immer

selbstverständlich, Salz vorrätig zu

haben. Als es im Zweiten Weltkrieg eine

Knappheit gab, konnte man jemandem

mit einem Säckchen Salz eine Freude bereiten,

weiß der Volkskundler Hans Grießmair

zu erzählen.

Salz spielte nicht nur als Gewürz, zum

Haltbarmachen von Speisen oder

in der Volksmedizin eine Rolle, es

hat bis zum heutigen Tag auch

eine religiöse Bedeutung. Daher

ist anzunehmen, dass es im

18. Jahrhundert in Pfarrhaushalten,

Klöstern und vielleicht

auch in privaten Haushalten

für das geweihte Salz eigene

Behältnisse gab. Im Eisacktal,

von Kollmann bis Feldthurns,

sind Salzkirchen bekannt, aber auch aus

Seis, Kastelruth, St. Peter und Lajen gibt

es Anhaltspunkte dafür. Es handelt sich

dabei um aus Holz geschnitzte Behälter

in der Form einer Kirche mit einer größeren

Öffnung an einer Stelle, damit das Salz

hineingeschüttet und entnommen werden

kann. Die Behälter sind nicht immer

von fachlicher Hand geschnitzt, sondern

wahrscheinlich in Heimarbeit entstanden.

Wer eine Salzkirche besaß, wird sie um

Dreikönig gefüllt haben, wenn Wasser und

Salz geweiht wurden. Klaus Beitl schreibt,

dass dort Salzsteine aufbewahrt worden

sind, „die nach der Weihe am Dreikönigstag

aus dem mit Chrysam- oder

Taufwasser in einer Schüssel angesetztem

Salz gewonnen werden“.

Leider sind rund um die Salzkirchen

mehrere Fragen offen,

denn in der Literatur finden sich

keine detaillierten Angaben zur

Herstellung, Verwendung und

Verbreitung.

Barbara Stocker

Literatur:

Klaus Beitl, Volksglaube,

Salzburg 1978

Grießmair, Hans,

Bewahrte Volkskultur, zweite, bearbeite

und erweiterte Auflage, 2013

Salzkirche mit Reliquie

des hl. Johannes vom

Kreuz, an der Turmfassade

Darstellung des hl.

Christophorus (Foto: Südtiroler

Volkskundemuseum,

SVM L/1203)

40

KulturFenster


Heimatpflege

Nicht alles Gold,

was glänzt

Josef Oberhofer hielt bei einem Kongress

des Bundes Heimat und Umwelt

(Deutschland) einen Vortrag.

Eine ganze Reihe von Landesgesetzen, EU-

Richtlinien, internationalen Konventionen

und Abkommen stellen den Schutz von Kultur-

und Naturlandschaft in den Vordergrund.

Doch nicht alles, was glänzt, ist auch wirklich

Gold, wie Josef Oberhofer in einem Referat

bei einem Kongress des Bundes Heimat

und Umwelt in Deutschland kritisch bemerkte.

Der Bund Heimat und Umwelt in Deutschland

ist gewissermaßen der deutschlandweite

Heimatpflegeverband, mit dem auch

der Südtiroler Heimatpflegeverband gut zusammenarbeitet.

Deshalb lud der Bund zu

seinem zweiten großen Kongress unter dem

Thema „Heimat in Europa“ auch die

Südtiroler Beteiligung bei Kongress

„Heimat in Europa“

Südtiroler Heimatpfleger ein. Zwar musste

die zweitägige Veranstaltung coronabedingt

ins Internet verlegt werden, dennoch zeugen

700 Klicks vom großen Interesse am Thema.

Richtlinien, Programme

und ihre Grenzen

Beim Kongress ging es um wichtige Herausforderungen

für „Heimat in Europa“,

von der nachhaltigen Entwicklung über

Partizipation und Inklusion bis hin zum digitalen

Engagement. Josef Oberhofer, Geschäftsführer

des Heimatpflegeverbandes,

hielt einen Vortrag, in dessen Mittelpunkt

die Frage stand, wo „Europa vor Ort“ ist, inwieweit

also die kleine Provinz im Norden

Italiens mit Hilfe von europäischen Richtlinien,

aber auch internationalen Konventionen,

EU-Programmen und dergleichen den

Schutz der Kultur- und Naturlandschaft vorantreiben

kann.

Dabei nannte er u. a. die europäische

Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie und die Vogelschutzrichtlinie,

aber auch die Internationale

Alpenschutzkonvention.

Leider habe Italien bisher nur acht der

neun Protokolle der Alpenschutzkonvention

unterzeichnet und das für das Transitland

Südtirol wichtige Verkehrsprotokoll

außen vor gelassen, beklagte Josef Oberhofer.

Dieses sehe vor, dass keine neuen

alpenquerenden Straßen gebaut, Flughäfen

nicht erheblich ausgebaut und die Schadstoff-

und Umweltbelastungen begrenzt

werden müssen. Die Folge: „Es wird auf

allen Ebenen rücksichtslos weitergebaut,

womit Südtirol wohl kaum die EU-Klimaziele

für 2030 erreichen wird.“

Anders sei es mit den Natura-2000-Gebieten,

ein EU-Projekt mit dem Ziel der Artenvielfalt,

das vor allem in der Südtiroler Bevölkerung

gute Akzeptanz fi nde. Immerhin

seien in Südtirol derzeit 44 Natura-2000-Gebiete

ausgewiesen, die rund ein Fünftel der

Landesfläche einnehmen.

Etwas Vorsicht sei indessen bei den EU-

Leader-Programmen geboten, zumal sich einige

eher als Fluch denn als Segen herausgestellt

hätten. Josef Oberhofer nannte als

Beispiel ein Wegeprojekt im Martelltal: Das

als Wander- und Viehtriebsweg geplante Projekt

sollte nämlich in Wahrheit eine Quad-

Piste werden.

Internationaler Austausch

sehr wichtig

Selbst die Eintragung von Natur- und Kulturstätten

in die Welterbeliste der UNESCO

erreiche nicht immer den in ihren Ansätzen

gut gemeinten Erfolg: „Die fokussierten

Objekte und Kulturstätten werden häufig

durch eine touristische Vermarktung ihrer

Seele beraubt und zu einem kurzlebigen

Eventobjekt degradiert.“ Ein Beispiel dafür

seien die Dolomiten.

Josef Oberhofer kam zum Schluss,

dass es trotz oder gerade wegen der vielen

Hürden, die einen Schutz von Kulturerbe

und Landschaft schwierig machen,

der internationale Austausch mit anderen

Verbänden und Organisationen

sehr wichtig sei. Er nannte

u. a. den Bund Heimat und

Umwelt, CIPRA International,

Europa Nostra, aber auch die

Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino,

die in gewissen Belangen ein

guter Ansprechpartner sei.

Natura-2000-Gebiete in Südtirol

Karte: www.provinz.bz.it/natur-umwelt/

natur-raum/natura2000/natura-2000-

gebiete-in-suedtirol

Nr. 06 | Dezember 2020 41


Informiert und Reflektiert

Für intakte Nahversorgung

Verband warnt: Geplante Durchführungsverordnung im

Bereich Einzelhandel nicht aufweichen

Nur eine strikte Raumordnungs- und Handelspolitik kann die Ortszentren am Leben erhalten.

Die geplante Durchführungsverordnung im

Bereich Einzelhandel in den Gewerbegebieten

unterstützt die kleinstrukturierten

Familienbetriebe und die Nahversorgung.

Der Heimatpflegeverband warnt davor, die

Bestimmungen kurz vor der Verabschiedung

noch aufzuweichen.

Überall in Europa haben fehlgeleitete

Politik und Raumplanung, aber auch getäuschte

Konsumenten immer neue Geschäfte

und Handelsketten an Orts- und

Stadträndern zugelassen und dafür den

Handel in den Zentren sterben lassen. Im

Bundesland Tirol zum Beispiel hat mehr

als ein Drittel der Gemeinden kein eigenes

Lebensmittelgeschäft mehr. In Südtirol

konnte diese Entwicklung in den vergangenen

Jahrzehnten mit einer gezielten

Raumordnungs- und Handelspolitik und

auch durch den steten Einsatz des Heimatpflegeverbandes

verhindert werden.

Aber wenngleich der Einzelhandel auf

der grünen Wiese sehr eingeschränkt

ist, ist der Druck zu dessen Liberalisierung

groß. Des Öfteren ist die Politik in

der Vergangenheit daher von ihrer ehemals

konsequenten Linie abgewichen.

Umso erfreulicher ist es, dass der Entwurf

zur neuen Durchführungsverordnung

im Bereich Einzelhandel in den

Gewerbegebieten teilweise sogar strenger

zu sein scheint als die bestehenden

Bestimmungen.

Achtsamkeit ist dennoch angesagt,

denn der Einfluss von Lobbys und Einzelinteressen

könnte in letzter Minute noch

dazu führen, dass die Bestimmungen aufgeweicht

werden. Doch die Gemeinden

brauchen dringend eine rechtliche Hand-

In diesem Laden in Glurns findet wohl jeder etwas Passendes.

habe, um die Bestrebungen für Detailhandel

auf der grünen Wiese zu verhindern.

Deshalb appelliert der Heimatpflegeverband

an die zuständigen Politiker und Beamten,

dem Liberalisierungsdruck standzuhalten

und die Bestimmungen in der

Durchführungsverordnung nicht mehr

zu ändern, um die Ortszentren nachhaltig

zu erhalten und zu fördern.

42

KulturFenster


Aus Verband & Bezirken

Heimatpflege

Wertvolles bauliches

Kulturgut zerstört

Abriss des ehemaligen Hotels „Post“ in Toblach nicht nachvollziehbar

Leider zu oft muss das „Kultur-

Fenster“ über den drohenden

oder bereits erfolgten Abbruch

von historisch wertvollen Gebäuden

berichten. Aktuell ist

es das ehemalige Hotel „Post“

in Toblach, das im November

dem Erdboden gleich gemacht

wurde. Hier soll ein moderner

Neubau entstehen.

Die Bagger waren in den

vergangenen Wochen eifrig am

Werk, um dem historischen,

ortsbildprägenden Hotel „Post“ am Kirchplatz

von Toblach den Garaus zu machen.

Wie aber kann so etwas passieren? Tatsache

ist, dass das Gebäude, in

dem schon im 19. Jahrhundert

ein Postamt eingerichtet

worden war, am Ende des Ersten

Weltkrieges auf den von

Bomben zerstörten Ruinen der

zwei historischen Gaststätten

„Kreuzwirt“ und „Stern“ aufgebaut

worden und seitdem

erhalten geblieben ist. Allerdings

ist unbegreiflich, dass es

nie unter Ensembleschutz gestellt

wurde, zumal die anderen

Gebäude am selben Platz

sehr wohl unter Ensembleschutz

stehen. Man fragt sich,

welche Beweggründe eine Gemeinde

zu so einer Haltung geführt haben.

Das Hotel „Post“ war ein stattlicher Bau,

der mit seinen eleganten Fenstern im Parterre,

mit seiner Muschel am Scheitelpunkt

der Eingangstür zur Theiss-Stube, mit den

eleganten Lisenen, mit der bewegten Dachgestaltung

die Formensprache des Historismus

sprach. Toblach könnte es auch

anders, wie das Beispiel des Grandhotels

Toblach eindrücklich zeigt, aber auch die

alte Gemeinde am Kirchplatz.

Das Hotel „Post“ stellte neben seinem

historischen und kunsthistorischen

Das Gebäude ist Geschichte – es

bleiben nur noch historische

Aufnahmen wie diese. (Fotos: HPV)

Eine der letzten Aufnahmen des

Hotels „Post“: Hier wird künftig

ein modernes Hotelgebäude mit

Geschäften und Büros stehen.

Wert auch einen starken Identifikationspunkt

für die Toblacher Bevölkerung und

die vielen Gäste dar, die den Hochpustertaler

Ort besucht haben bzw. besuchen,

und war damit Zeugnis der lokalen Sozial-

und Tourismusgeschichte. Gerade

auch die Reaktion vieler italienischsprachiger

Gäste zeigt,

wie stark ein Tourismusort

auf seine historische Baukultur

achten muss, um nicht zu

einem anonymen Allerweltsort

und damit auch für den

Tourismus zusehends unattraktiv

zu werden.

Die Begründung, dass

durch einen um circa sechs

Meter zurückgesetzten

Neubau der Kirchturm in

der Ansicht freigestellt würde, ist aus

kunsthistorischem Verständnis nicht

nachvollziehbar. Man denke an herrliche

Plätze in Italien, wo man über

verwinkelte mittelalterliche

Gassen die Kirche und den

Campanile erst sieht, wenn

man knapp vor ihm steht und

damit der Überraschungseffekt

noch größer ist.

Die Wehmut und Traurigkeit

über verlorene wertvolle

Baukultur wird dann noch verstärkt,

wenn man bedenkt,

was der Ersatz für das abgerissene

historische Gebäude

wird: in der Regel anonyme

globalisierte Kasernenarchitektur,

ohne Flair, abweisend,

nur an der größtmöglichen Kubaturrealisierung

orientiert.

Man kann sich auch des Verdachts nicht

erwehren, dass nach den Gemeinderatswahlen

und in der Zeit der Coronapandemie

das Aufmerksamkeitsdefizit und die

eingeschränkten Interventionsmöglichkeiten

der Öffentlichkeit ausgenutzt wurden,

um Tatsachen zu schaffen.

Toblach wird durch diese Vorgangsweise

kulturell ärmer, denn was verloren

ist, ist für immer verloren.

Heimatpflegeverband,

Bezirk Pustertal

Nr. 06 | Dezember 2020 43


Aus Verband und Bezirken

Drei Zinnen als Blickfang

Kreisverkehr Toblach wurde künstlerisch gestaltet

Die Drei Zinnen als Wahrzeichen der Dolomiten: Die leicht transparente Skulptur versinnbildlicht die „Bleichen Berge“,

wie sie wegen des hellen Gesteins genannt werden. (Foto: A. Willeit)

Die Landschafts-, aber auch die Ortsbildgestaltung

sind Themen, denen der Heimatpflegeverband

Südtirol künftig noch

mehr Aufmerksamkeit schenken möchte.

Ein gutes Beispiel für eine ansprechende

Ortsbildgestaltung ist ein neuer Kreisverkehr

in Toblach.

Ein Kreisverkehr dient in erster Line

dazu, lange Staus an Kreuzungen zu vermeiden.

Die Insel eines Rondells bietet

aber auch die Möglichkeit, durch eine

originelle Gestaltung Botschaften zu senden.

Das ist in Toblach an einem vielbefahrenen

Kreisverkehr zwischen Alt- und

Neu-Toblach besonders gut gelungen.

Dort werden die Autofahrer seit kurzem

durch eine imposante Bergskulptur auf

das UNESCO-Welterbe Dolomiten und vor

allem auf dessen Wahrzeichen, die Drei

Zinnen, aufmerksam gemacht.

Die Skulptur ist keine naturgetreue

Nachbildung der Drei Zinnen, sondern

eine Abstrahierung von Form und Material,

wodurch es den beiden künstlerischen

Gestaltern Paul S. Feichter und Albert Willeit

gemeinsam mit der Firma Pellegrini gelungen

ist, die Einzigartigkeit der „Bleichen

Berge“ in den Mittelpunkt zu rücken. So

wurde etwa eine frontale Ausrichtung der

Bergskulptur gewählt, damit die berühmten

Nordwände als Hauptansicht in Richtung

Dorfzentrum von Toblach zu sehen sind und

dabei nach Neu-Toblach und ins Höhlensteintal

blicken. Das mag für Kundige zwar

seitenverkehrt sein, doch für den Ort und

die Wiedererkennbarkeit sei das wichtig,

betonen die Gestalter, die im Auftrag der

Gemeindeverwaltung und in Absprache mit

dem Land gearbeitet haben. In der künstlerischen

Darstellung gehe es ja nicht unbedingt

um die Wiedergabe der Realität,

sondern um eine Form der Interpretation.

Dies zeigt sich in besonderer Weise auch

durch die Innenbeleuchtung, mit der die

stählerne Skulptur zu einer kristallinen Erscheinung

und so auch nachts zu einem

optischen Blickfang wird.

Die Ausrichtung der Bergskulptur wurde so gewählt, dass die Nordwände als

Hauptansicht in Richtung Zentrum von Toblach zu sehen sind und dabei nach

Neu-Toblach und ins Höhlensteintal blicken. (Foto: wisthaler.com)

44

KulturFenster


Heimatpflege

Zwei Kleinode

verschönert

Der Heimatschutzverein Lana berichtet

war. Der Säulenbildstock aus den 1920er-

Jahren, an dem das Marterl angebracht ist,

hatte bisher beim Brandiskeller gestanden

und wurde nun in der Brandisgaul aufgestellt.

Albert Innerhofer dankte bei der Feier

allen an dieser Aktion Beteiligten und auch

Ferdinand Graf Brandis, der den Bildstock

als Marterl zur Verfügung gestellt und die

Verlegung zum Wasserfall ermöglicht hatte.

Diakon Hubert Knoll segnete das Marterl.

Die Gemeinde Lana hatte die Initiative,

die knapp 3.000 Euro kostete, mit einem

außerordentlichen Beitrag an den Heimatschutzverein

ermöglicht.

Neues Tafelbild beim

Raimann-Bildstock

Am Wasserfall fand der Bildstock mit dem Marterl einen neuen Platz. Im Bild

Diakon Hubert Knoll, Georg Lösch, Albert Innerhofer und Simon Terzer (v. l.)

(Foto: Elfriede Gabrieli)

Der Heimatschutzverein Lana hat ein Marterl

errichten und ein Holztafelbild restaurieren

lassen.

Im Oktober 2020 luden der Obmann des

Heimatschutzvereines Lana, Albert Innerhofer,

und der Vorsitzende des Gampenstraßenkomitees,

Georg Lösch, zur Segnung

eines Marterls für Karl Eschgfäller. Eschgfäller

war ein Arbeiter am Gutshof Brandis

gewesen und im Juli 1935 unterhalb der

Gampenstraße von einem herabstürzenden

Steinblock tödlich getroffen worden. Dieser

hatte sich gelöst, als eine erstickte Mine vom

Straßenbau nach der Sprengung explodiert

Ebenfalls auf die Initiative des Heimatschutzvereines

Lana geht das neue Tafelbild

im Raimann-Bildstock bei der Herzwasserle-

Quelle am viel begangenen Wanderweg in

Völlan zurück. Der Bildstock war bereits vor

rund zehn Jahren restauriert worden. Die

Wasserquelle war damals neu gefasst und

vor dem Bildstock ein neues Steinbrünnlein

errichtet worden. Steter Wasseraustritt und

viel Feuchtigkeit durch die Wasserquelle

hatte das Holztafelbild allerdings ziemlich

angegriffen. Elfriede Zöggeler Gabrieli und

Albert Innerhofer vom Heimatschutzverein

Lana stellten deshalb das Original sicher und

ließen vom Restaurator und Maler Karl Christanell

aus Algund eine Kopie des Ölbildes

auf Leinwand „Die Kreuzigung Christi“ anfertigen.

Bei dieser Wasserquelle, die hinter

dem Bild im Felsen entspringt, handelt

es sich laut mündlicher Überlieferung um

ein Heilwasser, ein „wundertätiges Wasser“,

das deshalb als „Herzwasserle“ bekannt ist.

Simon Terzer/Albert Innerhofer

Erinnerungstafel in der Bildstocknische

(Foto: Simon Terzer)

Ein neues Bild ziert nun diesen

Bildstock in Völlan. (Foto: HSV Lana)

Albert Innerhofer vor dem verschönerten

Bildstock.

Nr. 06 | Dezember 2020 45


Aus Verband und Bezirken

Hängebrücke nicht abreißen!

Hofmannsteg in Mareit ist einmaliges landschaftliches Ensemble

Es ist sehr befremdend, wenn man hört,

dass die Hängebrücke „Hofmannsteg“ in

Mareit, Gemeinde Ratschings, allem Anschein

nach nicht saniert, sondern abgerissen

und an anderer Stelle bachabwärts

durch eine Fahrbrücke ersetzt werden soll.

Man fragt sich: Wie kann es sein, dass

die Verantwortlichen auf Orts- und Gemeindeebene

dieses einmalige landschaftliche

Ensemble, das Brücke und Umgebung

bilden, nicht zu würdigen wissen.

Die unzweifelhaft schöne Brücke, die seit

Generationen besteht und von der Bevölkerung

stets ungehindert begangen werden

konnte, muss unbedingt erhalten bleiben.

Das verlangt außerdem wohl auch

der Umstand, dass sie sich im Naturdenkmal

Achenrainschlucht befindet. Schließlich

ist noch Folgendes anzumerken: Eine

Tourismusgemeinde wie Ratschings, die

ansonsten bestrebt ist, ihre Naturschönheiten

– auch mit beträchtlichem finanziellen

Aufwand – zur Geltung zu bringen,

kann doch nicht ein attraktives Aushängeschild,

wie es diese historische Hängebrücke

ist, opfern. Da würde man die Welt

nicht mehr verstehen.

Heimatpflegeverband Südtirol

Der Hofmannsteg soll abgerissen und an anderer Stelle durch eine befahrbare

Brücke ersetzt werden. (Foto: HPV)

KulturFenster

Blasmusik, Chorwesen und Heimatpflege in Südtirol

Redaktion KulturFenster

Redaktionsschluss für die nächste

Ausgabe des KulturFensters ist

Mittwoch, 13. Jänner 2020.

Bitte Termin genau beachten!

46

KulturFenster


Arge Lebendige Tracht

Heimatpflege

Falten, Krausen und Plissee

Interessante Ausstellung in der Juppenwerkstatt Riefensberg

Im Zeichen guter Zusammenarbeit hat

Angelika Neuner-Rizzoli, Trachtenexpertin

aus Nordtirol, folgenden Beitrag gestaltet.

Im Sinne der Europaregion Tirol beteiligte

sich auch Südtirol mit einigen Ausstellungsstücken

an diesem Projekt.

Die Juppenwerkstatt Riefensberg im Bregenzerwald

in Vorarlberg wurde von Martina

Mätzler und einigen Mitstreiterinnen

2003 gegründet. Förmlich in letzter Minute

gelang es damals, das uralte Handwerk

für die Herstellung des einzigartigen plissierten

Glanzleinens für die Bregenzerwälder

Juppe vor dem Vergessen zu bewahren.

Die Juppenwerkstatt zeigt noch das

ganze Jahr 2021 eine äußerst sehenswerte

Sonderausstellung zum Thema

„Falten, Krausen und Plissee“

(www.juppenwerkstatt.at).

Falten-Vielfalt

Es gibt wohl keinen geeigneteren

Ort als die Juppenwerkstatt, um

das Thema „Falten“ aufzunehmen

und von verschiedenen Seiten zu

beleuchten. Falten werden gelegt,

gezogen, abgenäht, gestärkt oder

plissiert. Der Kreativität sind kaum

Grenzen gesetzt. Sie geben dem

Kleidungsstück Form, schaffen

Weite, bändigen Stofffülle, unterstreichen

Körperlichkeit und drücken

barocke Festlichkeit aus. Die

Palette der verarbeiteten Materialien

reicht von Leinen, Baumwolle

und Wollstoffen hin bis zur

Seide. Nicht nur Stoffbahnen werden

gefältelt, auch Klöppelspitzen

und Baumwolltüll. Im späten 18.

Jahrhundert war es sogar modern,

überlange Strümpfe am Unterschenkel

in feine, gleichmäßige

Falten zusammenzuschieben.

Textiles Rechteck

wird Krause

Die Halskrause der Alt-Lienzer Frauentracht

geht auf die bäuerliche Festtagskleidung

des 18. Jahrhunderts zurück, die ihrerseits

die spanische Hofmode des 17. Jahrhunderts

zum Vorbild hatte. Die Krause ist ein

Musterbeispiel alter Handwerkskunst. Ein

zirka 11 Meter langer und 15 Zentimeter

breiter Leinenstreifen wird in mühsamer

Handarbeit mit viel Stärke und einem Formeisen

in die typische Form gebracht. Als

Schutz vor Verschmutzung wird darunter

ein Spitzengoller getragen, dessen Spitze

über die Krause geschlagen wird.

Blick über die Grenzen

Von der Leiterin der Juppenwerkstatt, Martina

Mätzler, und der dort ebenfalls tätigen

Alt-Lienzer Frauentracht mit

kostbarer Halskrause

(Foto: Juppenwerkstatt Riefensberg/

Christian Kerber, Riefensberg)

Kunsthistorikerin Maria Rose Steurer-Lang

wurde ich gebeten, bei der Erstellung der

neuen Sonderausstellung mitzuhelfen. Auf

den ersten Blick mögen sich die Trachtenlandschaften

vor und hinter dem Arlberg

stark unterscheiden. Bei den Vorbereitungsarbeiten

und den Nachforschungen

für den Ausstellungskatalog entdeckten

wir ähnliche Elemente und Gemeinsamkeiten,

die nicht nur auf die zeitweilige Verwaltungseinheit

von Tirol und Vorarlberg

zurückzuführen sind. Viel mehr verweisen

sie zum Beispiel auch auf die wichtigen

Handels- und Verkehrswege quer

durch die Alpen.

Vor allem auch durch die fachliche Unterstützung

der Vorsitzenden der ARGE

Lebendige Tracht, Agnes Andergassen,

und freundlicher Leihgeber war

es mir möglich, Trachten aus der Europaregion

Tirol vorzustellen. Neben

einer Bagana dl`ëila aus Gröden mit

ihrem fein plissierten Leinenkragen

und dem Guant a la fascena aus

dem Fassatal, das mit drei übereinanderliegenden

und jeweils genau

gefältelten Tüchern getragen wird,

konnten wir sowohl historische als

auch erneuerte Trachten aus dem

Lechtal, dem Unterinntal und Osttirol

zeigen.

Wertvolle Erfahrungen

Die Arbeit mit der Tracht, das zeigten

die Vorbereitungen dieser länderübergreifenden

Ausstellung, verlangt

viel Respekt und Einfühlungsvermögen.

Die Zusammenarbeit mit den

Vorarlberger Expertinnen hat mir gezeigt,

wie wichtig es ist, den Blick von

den kleinen Details auf ein großes

Ganzes zu richten. Dazu gehört die

Bekleidungsgeschichte der vergangenen

Jahrhunderte genauso wie

eine Beobachtung der landschaftlichen

Verbreitung einzelner Elemente. Ich

bin dankbar für diese Erfahrungen und die

gemeinsame Arbeit.

Angelika Neuner-Rizzoli

Nr. 06 | Dezember 2020 47


Aus Verband und Bezirken

•Büchertisch•

Armin Mutschlechner (Hrsg.)

Mühlbach bei Franzensfeste 1897–1947

„So sollte man Geschichte schreiben“

Stimmen:

„So sollte man Geschichte schreiben! Mit

Mitgefühl für die Zukurzgekommenen, das

aus den wunderbaren Zeilen schimmert.

Man kann tage-, wochen-, ja monatelange

im Buch schmökern und wird nie müde."

Hannes Obermair, Historiker

Diese Dorfchronik ist besonders: Nach

Jahren aufgeteilt und auf Doppelseiten

thematisch geordnet, lädt sie zum

Schmökern und Blättern ein.

Sie versammelt eine Vielzahl an unveröffentlichten

Fotos, Verträgen, Briefen sowie

Zeitungsausschnitten und gewährt

so einen unverfälschten Blick auf die

Geschichte. Dabei reicht sie weit über

die üblichen Themen um Vereine und

Kirche hinaus: Es geht um Brandstiftung

und Mord, um die Schwarze-Luise und

den Dr. Mallepell, um die Ledigensteuer

und um Gasthaus-Dynastien. Die bisher

nicht aufgearbeitete lokale Zeit von

Faschismus, Option und Nationalsozialismus

wird kritisch hinterfragt. Einzigartig

ist die Spurensuche nach vergessenen

Mitbürgerinnen und Mitbürgern.

Armin Mutschlechner (Hrsg.):

Mühlbach bei Franzensfeste

Softcover, 21 x 29,7 cm, 312 Seiten,

über 1.000 Abbildungen, Karte mit historischen

Straßennamen & Hausnummern,

Kritisches, Kurioses und allerlei Wissenswertes,

Raetia-Verlag, 35,00 Euro

Autor Armin Mutschlechner ist kein „studierter"

Historiker, aber sein Einsatz hat

sich als wahrer Glücksgriff erwiesen. Er hat

einen bleibenden Wert geschaffen, der einen

festen Platz in der kollektiven Identität

der Mühlbacher einnehmen wird.

Oskar Zingerle, Der Brixner

Armin Mutschlechner hat einen neuen Typ

von Dorfbuch erfunden.

Andreas Oberhofer,

Stadtarchivar Bruneck

„Es ist die Stärke von Mutschlechner, dass

er mit sicherer Hand örtliche Strukturen

und Verhältnisse ebenso sichtbar macht

wie zahllose Episoden und Skurrilitäten, in

denen Niedertracht, Mittelmaß und Weltoffenheit

aufblitzen. [...] Mutschlechners

handwerkliche Hand wie sein künstlerisches

Talent zur Montage und Collage zeigen sich

in der exzellenten Bildbehandlung: Fotos

und Bilddokumente sind nie rein illustrativ

eingesetzt, sondern von eingehenden

Beschreibungen und Personenprofilen

unterfüttert und in der Technik bewertet“.

Hans Heiss

(aus ff Nr. 45/2020, S. 40/41)

Armin Mutschlechner hat insofern Geschichte

geschrieben, als er die Geschichte

von Mühlbach in den Jahren zwischen

1897 und 1947 mit ungeheurem Fleiß

und beeindruckender Akribie einfühlsam

nachgezeichnet und damit ein Werk geschaffen

hat, das beispielgebend ist für

Dorfchroniken insgesamt.

Alfons Gruber.

Armin Mutschlechner, 1969 in Meran

als Sohn einer Arbeiterfamilie

geboren, aufgewachsen in Weißbrunn/Ultental

und seit 1974 in

Mühlbach ansässig.

Nach den Pflichtschuljahren

Lehre mit Gesellenbrief „Kunstschlosser“,

gefolgt von Jahren

als Techniker, Bühnenbauer, Programmverantwortlicher

in Südtiroler

Kleinkunstbetrieben und gute

20 Jahren als Jugendarbeiter in

er Offenen Jugendarbeit tätig. Als

Künstler Intervention im öffentlichen

Raum und Verfasser von

Gebrauchslyrik oder themenspezifischen

Essays.

Lokale Zeitgeschichte, Familienforschungen

und Nachlässe sind die

aktuellen Arbeitsschwerpunkte,

wobei er darauf Wert legt, weder

studierter Historiker, noch Dorfchronist

zu sein, aber dennoch

nach wissenschaftlichen Maßstäben

zu arbeiten. Mutschlechner

ist Vater von drei Kindern, und er

engagiert sich für die Schwachen

in der Mühlbacher Dorfgemeinschaft

(u.a. Lebensmittelbank)

oder in der örtlichen Pfarrgemeinde,

indem er die Sonntagsmessen

oder Beerdigungen via

Livestream überträgt.

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KulturFenster


Heimatpflege

Meinhard Feichter

„Wenn des Singen net war“

Bewegende Familiengeschichte zum 80. Geburtstag von Sepp Oberhöller

Am 8. Oktober feierte der Volksmusiker, Landwirt

und Familienvater Sepp Oberhöller seinen

80. Geburtstag. Zu diesem Anlass ist sein Familienporträt

„Wenn des Singen net war“ erschienen,

eine bewegende Zeitreise von der

Geburt seines Vaters Luis 1894 bis heute.

Das Singen und die Musik habe ihn und

seine Familie zeitlebens nicht nur begleitet,

sondern auch in schwierigen Zeiten Zuversicht

und Halt gegeben, erzählt der Jubilar.

Daher auch der vielsagende Titel des Buches,

denn „wenn das Singen nicht wäre, wäre

unser Leben wohl ganz anders verlaufen.“

Erst durch das Singen im Kreise der Familie

und mit Freunden sowie durch die öffentlichen

Auftritte ist er mit seinen Geschwistern

und seinen Kindern weit umher gekommen

und hat viele Freunde und Bekannte kennengelernt.

Und wohl gerade dadurch hätten

sich immer wieder neue Türen geöffnet

und Wege geebnet, wo manchmal kein

Weiterkommen möglich schien, erinnert er

sich. Wenn er von den Anfängen am Dillerhof

in Reinswald, das Leben am Wackerhof

in Spinges, dem neuen Haus am Roa

(Hinterleiter), der Auswanderung ins Pustertal

auf den Hoferhof in Reischach und

schließlich vom Kauf des Jörglmoarhofes in

Moos bei St. Lorenzen erzählt, dann leuchten

seine Augen voller Dankbarkeit und Zufriedenheit

über das Erlebte. Aus dieser

Dankbarkeit heraus war es ihm ein Anliegen,

seine Geschichte niederzuschreiben,

um seine Erfahrungen, aber vor allem seine

Begeisterung und Liebe zur Musik weiterzugeben

und anderen zu zeigen, „wie der

Glaube und die Musik in allen Lebenslagen

helfen können.“

Meinhard Feichter: „Die

Geschichte der Familie

Oberhöller ist ein

beeindruckendes Zeugnis

von Bodenständigkeit,

Gemeinschaftssinn und

Glaube, aber vor allem

für die Kraft der Musik,

die Herzen verbindet –

über alle Grenzen hinweg.“

Auf der Suche nach einem Autor, der

seine Erinnerungen und Gedanken treffend

zu Papier bringen könne, hat er vor rund vier

Jahren Meinhard Feichter kontaktiert. Damit

schließe sich auch ein persönlicher Kreis,

denn Meinhard Feichter – seines Zeichens

Buchhändler, Sänger, Cellist und

Autor – hat schon in den 1970er-Jahren

zusammen mit den Geschwistern Oberhöller

musiziert. Daraus entstand eine

langjährige Freundschaft, „die nun im

Niederschreiben der Oberhöller’schen

Familiengeschichte ihre Fortsetzung findet“.

Feichter gelingt eine spannende

Reise durch das vergangene Jahrhundert,

die das Schicksal von vier Generationen

erzählt.

Coronabedingt musste die offizielle

Buchvorstellung auf unbestimmte Zeit

verschoben werden. Derweil häufen sich

in Sepp Oberhöllers Bauernstube die

Anfragen um Zusendung des Buches,

die er gerne – mit persönlichen Widmungen

– erfüllt. Das Buch mit Audio-

CD ist im Verlag Athesia-Tappeiner-Verlag

erschienen und in den gängigen

Buchhandlungen erhältlich.

Stephan Niederegger

Meinhard Feichter:

„Wenn des Singen net war“

288 Seiten, 246 mm x 173 mm, 288

Seite, ca. 100 Abbildungen, Verlag: Athesia-Tappeiner

2020, 28,00 Euro

Nr. 06 | Dezember 2020 49


•Büchertisch•

Roland Zwerger

Tramin in Vergangenheit und Gegenwart

Aufsätze aus 30 Jahren

Wer verlässliche Informationen über

Tramins Vergangenheit braucht, wendet

sich in der Regel an den Historiker

Roland Zwerger. Er hat in Innsbruck

Geschichte studiert, und seine Doktorarbeit

trägt den Titel „Beiträge zur Geschichte

von Tramin“. Unter anderem

veröffentlichte Roland Zwerger 2001

den Dorfführer „Tramin an der Südtiroler

Weinstraße“. Seit knapp 30 Jahren

schreibt er aber auch im Traminer

Dorfblatt Beiträge zu Geschichte, Kultur

und Wirtschaft von Tramin.

Viele dieser Beiträge sind nun in

einem Buch auf 640 Seiten zusammengefasst.

Geordnet nach 13 Themen

fi nden Leserinnen und Leser in „Tramin

in Vergangenheit und Gegenwart“

all jene Aufsätze, die die Herausgeber

des Buches gemeinsam mit dem Autor

aus dem Traminer Dorfblatt ausgesucht

haben. Man beschloss auch, die Texte

inhaltlich unverändert zu übernehmen,

zumal sich in der Sprache des Autors

ein akribischer Forscherfleiß gepaart

mit Kritik und Humor findet.

Das erste Kapitel „Geschichte und Geschichten“

umfasst eine historische

Chronik von Tramin, die mit dem Menhir

von Rungg beginnt und mit dem 3000.

Einwohner im Jahre 1994 endet. Beindruckend

ist die Fülle an historisch gesicherten

Nachrichten zum Handwerk in Tramin,

ein Kapitel, das in besonderer Weise das

Schmiedehandwerk behandelt. Natürlich

ist der Weinbau in Tramin ein zentrales

Thema, interessant sind aber auch die Artikel

über die alten Wirtshäuser und Höfe.

Schier unglaublich erscheint die Detailfülle

im Kapitel „Familien und Persönlichkeiten“,

in dem wir neben den bedeutenden

historischen Familien auch Wissenswertes

erfahren über den hochbegabten und jungen

Professor Adam Aigenler, den Radrennfahrer

Richard Menapace, über den

Kunstmaler Guido Waid oder über den

Begründer des Heimatschutzes Kunibert

Zimmeter. Der Autor beschäftigt sich auch

mit der Toponomastik, der Namens- und

Wappenkunde.

Im Kapitel „Von Künstlern und Kunsthandwerkern“

beweist Roland Zwerger einmal

mehr seine Akribie, etwa wenn er einen

Traminer Kachelofen mit Kacheln

von Bartlmä Dill Riemenschneider in

London ausfindig macht.

Weitere Kapitel sind etwa „Patrozinien

und Heilige“, „Katastrophen, Natur

und Umwelt“ sowie „Vermischtes“.

Das Buch wurde zum Anlass der beiden

Jubiläen – 40 Jahre Verein für Kultur

und Heimatpflege Tramin und 30

Jahre Museum Tramin – herausgegeben

und will auf diese Weise das kulturelle

Engagement dieser beiden Einrichtungen

unterstreichen.

Der Verein für Kultur und Heimatpflege

Tramin und das Hoamet-Tramin-Museum

dankt allen, die zur Veröffentlichung

des Buches beigetragen

haben. Erhältlich ist „Tramin in Vergangenheit

und Gegenwart“ in Tramin

bei Foto-Buch Geier, Despar Oberhofer

und im Kunsum Tramin.

Verein für Kultur und

Heimatpflege Tramin

„Franz Broschek gepr. Huf- und Wagenschmied" steht auf dem Schild über dem

Tor zu lesen. Der selbstbewusste Meister ließ die Inschrift später groß auf die

Fassade seines Hauses malen. (Foto: VKHT)

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KulturFenster


Heimatpflege

Frohe Weihnachten und

ein gutes neues Jahr

Wenn i a Liachtl war …

Wenn i a Liachtl war,

wûrat i ålm scheinen,

fir di, fir mi,

fir die Deinen und Meinen …

Wenn i a Liachtl war,

wûr i glänzn,

fir ålle, dia’s brauchn,

und bsunders fir dia, dia am Bodn stÜauchn …

Wenn i a Liachtl war,

wûrat i flimmerà und fÚnklen,

wia a Stearà doubn am Himmlszelt,

fir ålle Menschn af der Welt …

Wenn i a Liachtl war –

Und warat i â nû so kloan –

nårÜ winschat i,

i war’s in dëin Augablick lei fir di alloan …

„Kånnsch mi du gspierà?” … –

Und wenn ja …,

nårÜ stÜeichlt di ’s Christkind,

des der mit åll sei Liab und Wär*

iatz bsunders gånz nåh!

Marina Ruzzon, Gluràs

(Aus: „Wenn wieder Winter weard“)

Der Verband Südtiroler Musikkapellen (VSM), der Heimatpflegeverband Südtirol (HPV),

der Südtiroler Chorverband (SCV) sowie die Schriftleitung mit den Redaktionen

der Zeitschrift KULTURFENSTER wünschen allen frohe, gesegnete Weihnachten

und viel Glück und Segen im neuen Jahr 2021.

Nr. 06 | Dezember 2020 51


Danke

Danke an alle Rettungskräfte

Danke an alle Pflegekräfte

Danke an alle, die im Supermarkt arbeiten.

Danke an alle Polizisten

Danke an alle Ärzte

Danke an alle Menschen,

die durch ihre Arbeit dem Coronavirus ausgesetzt sind,

aber trotzdem weitermachen!

Ohne euch ginge es nicht!

Impressum

Mitteilungsblatt des Verbandes Südtiroler

Musikkapellen, des Südtiroler Chorverbandes

und des Heimapflegeverbandes Südtirol

Eigentümer und Herausgeber:

Verband Südtiroler Musikkapellen, Bozen

Ermächtigung Landesgericht Bozen

Nr. 27/1948

Schriftleiter und im Sinne des Pressegesetzes

verantwortlich:

Dr. Alfons Gruber

Als Pressereferenten für die Darstellung der

entsprechenden Verbandsarbeit zuständig:

VSM: Stephan Niederegger,

E-Mail: kulturfenster@vsm.bz.it

SCV: Paul Bertagnolli,

E-Mail: info@scv.bz.it

HPV: Florian Trojer,

E-Mail: florian@hpv.bz.it

Unverlangt eingesandte Bilder und Texte

werden nicht zurückerstattet.

Redaktion und Verwaltung:

Verband Südtiroler Musikkapellen,

I-39100 Bozen, Schlernstraße 1, Waltherhaus

Tel. 0471 976387 - Fax 0471 976347

E-Mail: info@vsm.bz.it

Einzahlungen sind zu richten an:

Verband Südtiroler Musikkapellen, Bozen,

Waltherhaus

Raiffeisen-Landesbank, BZ

IBAN: IT 60S03493 11600 0003000 11771

SWIFT-BIC: RZSBIT2B

Jahresbezugspreis: Euro 20

Gefördert von der Kulturabteilung

der Südtiroler Landesregierung.

Druck: Ferrari-Auer, Bozen

Das Blatt erscheint als Zweimonatszeitschrift,

und zwar jeweils am 15. Februar, April, Juni,

August, Oktober und Dezember.

Redaktionsschluss ist der 15. des jeweiligen

Vormonats.

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KulturFenster

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