db-2021-01 WEB

durchblicksiegen

durch

blick

Nr. 1/2021

kostenlos

zum Mitnehmen

Ostern

als Lebenserfahrung

Seite 15


Siegen-Weidenau

Weidenauer Str. 173

Telefon 0271 - 44022

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Rechtsanwaltskanzlei

Dr. Buß & Coll.

Dr. jur. Annette Buß

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Patientenverfügungen

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Telefon 02738 - 1771

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Inhaltsübersicht

Kurz berichtet

Kurz berichtet4

Aus dem Seniorenbeirat 10

Ausgebremst – was nun 13

Ostern als Lebenserfahrung 14

Veränderungen 15

Renessance der Kirchenfenster 16

Buchbesprechung 20

Ferdinand 22

Als das Bargeld noch lachen konnte 24

Schlichten ist nicht so schlecht 29

Nach ihrem Bild geschaffen 30

Das Portrait 36

Gedächtnistraining 38

Von der Heimatstube zum Johannland Museum 40

Kindheit in Burbach 42

Vor mehr als 650 Jahren 46

Als der Hafermotor noch den Verkehr bestimmte 48

Mundart 51

Osterkartoffeln 54

Die wundervolle Geburtstagsreise 58

Dr. Dralle lässt grüssen 60

Das Amselmännchen 63

Redewendungen aus dem Handwerk 64

Selbstbestimmung 66

Gedanken zur Zeit 67

Wiederkehrende Termine 68

Der Backes in Freudenberg-Hohenhain 70

durchblick verlost Freikarten 70

Veranstaltungen im „Haus Herbstzeitlos“ 71

Veranstaltungen in Siegen-Wittgenstein 72

Leserbriefe 77

Es fiel uns auf / Lösungen / Zu guter Letzt / Impressum 78

Titelfoto: pixabay

Aus der Redaktion

Der Hartnäckigkeit und Ausdauer unserer Kollegin Adelheid Knabe haben

wir zu verdanken, dass der durchblick die Veröffentlichung der Kolumne

„Closing 2015“ des brasilianischen Autors Paulo Coelho (Der Alchimist) drucken

darf. Die Übersetzung auf Seite 15 stammt von unserer Kollegin. Dazu

schreibt Helga Muhl vom Diogenes-Verlag-Zürich u.a.: Die Kolumne ist bei uns

bisher noch nicht erschienen. D.h., die Abdruckrechte sind nicht bei uns. Ich

habe aber Paulo Coelhos Agentur in Barcelona angeschrieben und Ihr Anliegen

kurz geschildert. Da Sie sich nun schon die Mühe gemacht haben, die Kolumne

selber zu übersetzen, erlaubt Ihnen die Agentur ausnahmsweise, diese Kolumne

auf Deutsch in der Seniorenzeitschrift durchblick ... einmalig abzudrucken, kostenlos.

Wir bedanken uns sehr dafür.

Das südliche Siegerland ist in unserer Berichterstattung ab und an etwas

kurz gekommen, das wollen wir ändern. Auf Seite 46 schreibt Heinz Stötzel

über die Geschichte der Snorrenburg. Mit einer Fortsetzungsreihe über

eine Kindheit in der Nachkriegszeit (S. 42) begrüßt die Burbacherin Tilla-Ute

Schöllchen als neue Autorin unsere Leserinnen und Leser.

Ein Unternehmen der

Marien Gesellschaft Siegen

Mehr für

Menschen.

Unsere Wohn- und Pflegeeinrichtungen

möchten mit

Ihnen in den nächsten aktiven

Lebensabschnitt starten.

• Marienheim, Weidenau

• Haus St. Elisabeth, Netphen

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• Haus St. Klara, Friesenhagen

• Haus Mutter Teresa, Niederfischbach

• Haus St. Anna, Netphen

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erhalten Sie unter:

Telefon 0271 231 2126

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1/2021 durchblick 3



Kurz berichtet

Kurz berichtet

Förderung

für MGK Siegen

Zwischen Kunst und Wald

KulturFlecken-Weg ist eröffnet

Lars Peter Dörr verabschiedet

Seniorenbeauftragter geht neue Wege

Onlinevortrag

Hörschädigung

Siegen. Im Rahmen von „NEUSTART

KULTUR“, einer Förderinitiative der

Stiftung Kunstfonds, die speziell für

kunstvermittelnde Akteure ins Leben

gerufen wurde, erhält das Museum für

Gegenwartskunst Siegen 30.000 Euro.

Gefördert wird das Projekt „Museum

in Serie — Kunstwerke in 180 Sekunden“.

Dabei handelt es sich um die

Entwicklung neuer Videoclip-Formate

zur Vermittlung von Kunstwerken, die

in Zusammenarbeit mit Pädagogen,

Künstlern, Filmemachern und Illustratoren

entstehen sollen.

Am Beispiel exemplarischer Museumswerke

sollen in jeweils 180 Sekunden

ein unterhaltsamer, aber ebenso

informativer Einblick in künstlerische

Themen und Arbeitsweisen sowie in

die Museumsarbeit gegeben werden.

Die kurzen Videos richten sich zwar in

erster Linie an Kinder und Jugendliche

weiterführender Schulen, sollen jedoch

auch in die Museumskommunikation

(Website, Social Media) eingebunden

werden und für das allgemeine Publikum

zur Verfügung stehen.

Insgesamt sind zehn Videoclips geplant,

die in Serie veröffentlicht und

im neuen Entdecken-Bereich der Museumswebseite

langfristig abrufbar gemacht

werden.

db

Freudenberg. „Der KulturFlecken-Weg

ist unser zweites zu Hause geworden.“ In

diesem Satz von Conny Corthym-Klein,

Vorsitzende von „Kulturflecken Silberstern

e.V." steckt viel Enthusiasmus, aber

auch die Erinnerung an eine Menge Arbeit,

bis es so weit war, dass der sechseinhalb

Kilometer lange Wanderweg voller Kunst

und Kultur in vollendetem Konzept präsentiert

werden konnte. Maßgeblich an

der Verwirklichung beteiligt war Dr. Brigitte

Limper, die u.a. die Projektleitung

inne hatte. „Neugier und Offenheit sind

die wichtigsten Bedingungen für das

Wahrnehmungserlebnis in der Natur“,

beschreibt die Vereinsvorsitzende weiter,

was diejenigen mitbringen sollten, die

sich auf den Weg machen, um 16 Stationen

im Wald zu erlaufen.

Da wartet beispielsweise der „Mann im

Baum“ von Roger Löcherbach auf Waldbesucher,

die sich für einen Augenblick

liegend zu ihm gesellen oder aus kritischer

Distanz über die Bedeutung der

Holzskulptur nachdenken können.

Oder die Wanderer mischen sich einfach

in die „Schwarmintelligenz“ eines

Feldes installierter Fischobjekte, die

zum Nachdenken darüber anregen sollen,

dass die Mehrheit womöglich nicht

immer im Recht ist. Oder die Waldbesucher

grübeln über „Das Fundstück“ von

Bianca Torrado, das mit verwitterten

Überresten eines Transportwagens und

seiner Ladung an den Raub der französischen

Kriegskasse 1796 in Freudenberg

erinnert.

Kunst passt sich in die Landschaft ein

und thematisiert die Beziehung zwischen

Mensch und Natur sowie regionaler Besonderheiten.

Alleinstellungsmerkmal des Kultur-

Flecken-Wegs ist der dazugehörige Kinderführer

mit dem Titel „Mit Flecki auf

Entdeckertour im Wald“, bei dem das

Eichhörnchen Flecki Kindern ab 8 Jahren

die Wanderstrecke mit „Kunstforscher-

Aufgaben“ verkürzt.

Der Katalog zum KulturFlecken-Weg

sowie der Kinder-Kunstführer sind hilfreiche

Wegbegleiter. „Von der Idee bis zur

Eröffnung hatten wir viel Spaß, haben

eine Menge Erfahrungen bezüglich gesetzlicher

Regelungen und Förderungen

gemacht und sind mit vielen netten Menschen

in Kontakt gekommen“, resümiert

Dr. Limper die anderthalbjährige Vorbereitung

von der Idee bis zur Installation.

Der Katalog zum KulturFlecken-Weg

sowie der Kinder-Kunstführer liegen an

verschiedenen Stellen in Freudenberg

gegen eine Gebühr zum Kauf bereit.

Weitere Informationen gibt es unter

www.kulturflecken.dedb

Siegen. Der

Seniorenbeirat

der

Universitätsstadt

Siegen

bedankt sich

ganz herzlich

bei Lars-Peter

Dörr für die

vielen Jahre

kooperativer

und erfolgreicher

Zusammenarbeit.

Als Leiter der

Regiestelle Leben im Alter war Lars-Peter

Dörr ein wichtiges Bindeglied zwischen

Rat, Verwaltung und Seniorenbeirat. Er

nahm regelmäßig an den Sitzungen des

Vorstandes sowie an Plenumsveranstaltungen

teil. Hier brachte er seine bisherige

Berufserfahrung und sein hohes fachliches

Wissen überzeugend ein. Auch in

Arbeitskreisen gab er wertvolle Impulse.

Empathie für Vertreter der dritten Generation

war Richtschnur für sein Tun.

Lars-Peter Dörr unterstützte erfolgreich

Austauschbesuche zwischen den

Seniorenbeiräten der Partnerstädte

Leeds, Plauen, Ypern und Zakopane.

Besonders hervorzuheben ist weiterhin

die gemeinsame Vorbereitung und

Durchführung der Seniorenveranstaltungen

„Wie einst im Mai“ und „Goldener

Herbst“. Die Programmgestaltung war

vielfältig und abwechslungsreich. Lars-

Peter Dörr führte mit souveräner Leichtigkeit

humorvoll durch das Programm.

Die zahlreichen Rückmeldungen waren

überaus positiv. Beispielhaft war auch

sein vorbildlicher Einsatz bei der Ausgestaltung

und Weiterentwicklung des Begegnungszentrums

„Haus Herbstzeitlos“

in der Marienborner Straße. Dieser agile

Treffpunkt wird jährlich von Tausenden

Gästen besucht, welche das vielseitige

Programmangebot in besonderem Maße

zu schätzen wissen.

Der Siegener Seniorenbeirat bedauert

seinen Abschied, wünscht Lars-Peter

Dörr aber umso mehr alles Gute in

seinem neuen Wirkungskreis. eg

Foto: Bundesinnung der Hörgeräteakustiker

Siegen-Wittgenstein. Das Regionalbüro

Alter, Pflege und Demenz

Südwestfalen planen im März 2021,

gemeinsam mit vielen Senioren-Service-Stellen

aus dem Kreisgebiet, einen

Online-Vortrag zum Thema „Schwerhörigkeit

und Hörschädigungen im Alter“.

Dazu laden sie alle Interessierte ein,

virtuell daran teilzunehmen.

Der genaue Termin wird zeitnah in

den lokalen Tageszeitungen bekannt

gegeben.

Nähere Informationen gibt es im Regionalbüro

Südwestfalen. 57080 Siegen,

Eichertstraße 7. 0271 234 178 149 •

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Der „Mann im Baum“ von Roger Löcherbach wartet auf Besucher, die sich zu ihm

gesellen. Der Kultur-Flecken-Weg in Freudenberg verfügt über 16 Stationen und

erfreut Wanderer mit und ohne Kunstverstand.

Wir beraten Sie gerne – in unserem Kundenzentrum,

am Telefon unter 0271 3307-280 oder im Internet auf

www.svb-siegen.de.

4 durchblick 1/2021 1/2021 durchblick 5



Kurz berichtet

Spielzeitverlängerung im Apollo

Zahlreiche Nachhol- und Ersatzvorstellungen

Mit der AWO

auf Reisen

Kurz berichtet

Wohnberatung Siegen-Wittgenstein e.V.

Neuer Standort im Pfarrhaus der katholischen Kirche Eiserfeld

Opulent wie 2018, so soll die „Gala der Filmmusik“ auch diesmal wieder sein,

wenn sie vom 24. bis zum 31. August ins Apollo kommt.

Siegen. Der Lockdown ist verlängert,

und wieder fragen sich die Apollo-

Freunde, wie es mit dieser Theater- und

Konzertsaison weitergeht. Der Vorhang

muss zwar zunächst noch eine Weile unten

bleiben, und doch steht man dahinter

in den Startlöchern: Auf Winterschlaf

und Frühlingserwachen sollen ein kulturell

reicher Sommer und Herbst folgen,

– darauf richtet sich das Theater ein. Für

Besucher bedeutet das: Die Spielzeit

wird bis Ende Oktober verlängert.

Viele Karten sind verkauft. Die meisten

Vorstellungen, die ausgefallen sind,

sollen nachgeholt werden. Wo das nicht

gelingt, wird eine attraktive Ersatzvorstellung

angeboten. Die große „Gala der

Filmmusik“ mit der Philharmonie Südwestfalen,

die im Februar hätte stattfinden

sollen, hat man in den August

verlegt: Auch andere Vorhaben werfen

lockende Schatten voraus: So kommt

Dieter Hallervorden mit „Gottes Lebenslauf“

im Mai wieder auf die Apollo-Bühne,

um für alle zu spielen, die man zu Spielzeitbeginn

hatte vertrösten müssen.

„Der Menschenfeind“ des Deutschen

Theaters Berlin wird im Juni zu sehen

sein. Alle Nachhol- und Ersatztermine

und alle nötigen Umplanungen werden

im Internet unter www.apollosiegen.de

stets aktuell veröffentlicht, denn eins

haben die vergangenen Monate gezeigt:

Man muss flexibel bleiben! ab

Siegen-Wittgenstein. Der AWO-Kreisverband

organisiert seit vielen Jahren

„Reisen mit Herz“, die sich im Besonderen

an Seniorinnen und Senioren richten.

Nachdem die Corona-Pandemie das

Reisejahr 2020 durcheinandergewirbelt

hat, macht der neue AWO-Reisekatalog

Lust auf Urlaub. Diesmal geht es nach

Norderney, Bad Zwischenahn, Baabe/

Rügen, Bad Wörishofen, Bad Neuenahr,

Prien am Chiemsee und Bad Füssing.

Auch die Tagesfahrten erfreuten sich

bisher immer großer Beliebtheit und

sind ab sofort buchbar. Als besonderer

Höhepunkt gilt am 15. April 2021

die Saisoneröffnungsfahrt mit Unterhaltungsprogramm

zur Almhütte nach

Schanze.

Alle Reisen und Tagesfahrten werden

von ehrenamtlichen Reisebegleitern

betreut, die mit Herz, viel Spaß und

Freude für einen reibungslosen Ablauf

sorgen.

Der Reisekatalog für 2021 kann

beim AWO-Kreisverband Siegen-Wittgenstein

/ Olpe angefordert werden

Telefon: 0271/33 86 – 167 oder per Mail:

reisen@awo-siegen.de.db

Matthias Hess, Abteilungsleiter

AWO-Bürgerdienste.

Siegen-Wittgenstein. Im ehemaligen

Pfarrhaus der katholischen Kirche in

Eiserfeld, Eichertstraße 7, finden Menschen,

die sich über eine barrierearme

und altengerechte Umgestaltung ihrer

Wohnung informieren möchten, Unterstützung.

Ebenfalls in diesem Gebäude

arbeitet das Regionalbüro Alter, Pflege

und Demenz Südwestfalen.

Zuvor war die Wohnberatung acht

Jahre mit in der Geschäftsstelle des

Vereins ALTERAktiv Siegen-Wittgenstein

e.V. untergebracht. „Wir bedanken

uns für die tolle Zusammenarbeit

in den letzten Jahren“, sagen die

Wohnberaterinnen Anna-Lena Krieger

und Sabine Böhmer-Merz, die sich auch

auf den guten Austausch unter einem

Dach mit den Fachkollegen des Regionalbüros

freuen.

Die meisten Menschen teilen im Alter

einen Wunsch: Möglichst lang in

den eigenen vier Wänden leben zu

können. Deshalb ist es sinnvoll, sich

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Herrenkonfektion

und Jeanswaer

Ganzjährig: Weiße Hosen

In ihrem Fachgeschäft „Jeans 66” bietet

Inhaberin Petra Poggel klassische Herrenkonfektion

sowie klassische Jeanswear von

führenden Markenherstellern an.

Hier sind Hosen in allen Größen,

Längen, Schnitten und Formen verfügbar.

In allen Konfektionsgrößen gibt es eine

einzigartige Auswahl von ca. 50 kg bis

ca. 300 kg Körpergewicht, bzw. ca. 160 cm

bis ca. 220 cm Körpergröße.

Die außergewöhnliche Fachkompetenz sowie

das unglaublich umfangreiche und hochwertige

Sortiment vom Slip bis zum Sakko hat sich weit

herumgesprochen: Die Kunden kommen aus

dem gesamten Bundesgebiet.

Zur Schützenfest- und Sommersaison gehören

selbstverständlich auch weiße Hosen in feinster

Strechqualität.

Übrigens: Jeder Kunde wird bei Jeans 66

von der Chefin persönlich von A-Z bedient.

– So soll´s sein!

bei den Mitarbeiterinnen der Wohnberatung

Siegen-Wittgenstein e.V. Hilfe

und Rat zu suchen, um möglichst

rechtzeitig individuelle Lösungen für

die eigene Situation zu erarbeiten.

„Oftmals können schon einfache Änderungen

dem älteren Menschen mehr

Lebensqualität geben“, wissen Krieger

und Böhmer-Merz.

Die Beratung findet im persönlichen

Gespräch, entweder in der Beratungsstelle,

am Telefon, meistens aber vor

Ort bei einem Hausbesuch statt. Auch

im Moment besteht die Möglichkeit eines

Hausbesuchs unter Berücksichtigung

der geltenden Corona-Auflagen.

Als Alternative bietet die Wohnberatung

auch Videogespräche an.

Die Wohnberaterinnen arbeiten unabhängig

und vertraulich. Die Beratung

ist kostenfrei, sie wird aus

öffentlichen Mitteln finanziert. Eine

Terminvereinbarung ist möglich unter

0271/31392751 oder per E-Mail an

info@wohnberatung-siwi.dedb

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Inhaberin Petra Poggel

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Damen-Größen: Größe 34 bis Größe 48

Öffnungszeiten: Montag-Freitag 10 bis 18 Uhr I Samstag 10 bis 13 Uhr

Wegen Lockdown und Betriebsferien wird voraussichtlich am Montag; den 8. März wieder geöffnet.

Seit

1990

Anna-Lena Krieger und Sabine Böhmer-

Merz arbeiten unabhängig.

6 durchblick 1/2021 1/2021 durchblick 7



Volkshochschule

Siegen-Wittgenstein

Partner in Sachen Weiterbildung

Unsere Volkshochschule

in Bad Berleburg, Bad Laasphe, Burbach, Erndtebrück,

Freudenberg, Hilchenbach, Kreuztal, Netphen, Neunkirchen

und Wilnsdorf

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Do. 18. März 20 Uhr

Gebrüder-Busch-Theater

Wildes Holz: Höhen und Tiefen.

Das Trio präsentiert die Blockflöte

als perfektes Rockinstrument,

verblüfft mit spontaner Komik

und mitreißenden Sounds ohne

stilistische Grenzen.

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Training, Qigong, Feldenkrais,

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Welt für Ältere

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So. 9. Mai 17 Uhr

Karten und Informationen:

Gebr.-Busch-Kreis e.V., Tel. 02733/53350

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Februar-Juli 2021

8 Kurse

Englisch für Ältere

Vom Einsteigerkurs bis zu

Fortgeschrittenen

Kultur erleben und mit allen Sinnen genießen –

Hilchenbach und Erndtebrück bieten dazu viele Gelegenheiten.

Do. 25. März 19 Uhr

Gebrüder-Busch-Theater

Roman Salyutov. „Das Schaffen

des Pianisten Frédéric Chopin“

– Vortrag und anschließendes

Konzert in Kooperation mit der

VHS Siegen-Wittgenstein und

dem Gymnasium Stift Keppel.

Sa. 29. Mai 20 Uhr

Turmzimmer der Ginsburg

„Streichtrio auf der Ginsburg.“

Kammermusik mit Für immer Tango - Werke

Gebrüder-Busch-Theater

Musikern der Philharmonie von Astor Piazzolla zum 100.

Südwestf.. Sie präsentieren Geburtstag des Meisters.

Werke von W.A. Mozart, Instrumental, vokal und

J.S. Bach und J.M. Muneta. getanzt – mit „capella cantabilis“

und „Tango Ensemble“.

Birgit Meier-Braun und Christoph Ewers

Burbacher

Gebetsbriefkästen

Kurz berichtet

Burbach. In Zeiten der Corona-Pandemie

brauchen Menschen Gebetsunterstützung,

denn viele kommen an ihre

Grenzen. Die Idee der Gebets-Briefkästen:

Menschen werden an das Beten

an Plätzen erinnert, wo sie nicht damit

rechnen. Ihre Botschaften sind einfach

und ein Hingucker. Hier kann man sein

Leid, seine Sorgen und Nöte, aber auch

Dank und Freude anbringen. Burbacher

Christen beten für ihren Ort und die

Anliegen von Menschen, denn Glauben

und Gebet ist nicht nur Privatsache.

„Ich freue mich, dass unser Familienbüro

diese Aktion, an der sich insgesamt

acht Kirchen und Gemeinden aus Burbach

beteiligen, mit unterstützt“, teilt

Bürgermeister Christoph Ewers mit.

Einige der Gebets-Briefkästen sind

zusätzlich mit einem QR-Code ausgestattet,

so dass man auch die Möglichkeit

hat, sein Anliegen digital weiterzugeben.

Nachfolgend die genauen Standorte,

an denen die Gebets-Briefkästen in den

nächsten Wochen in der Gemeinde Burbach

aufgestellt sein werden: Burbach,

Römerpassage, Nassauische Straße

12; ehemalige Foto-Drogerie Bräuer,

Marktplatz 5; Vereinshaus, Gassenweg

28; Kirche, Fliederweg 2; Dresselndorf,

Tagespflege; Oberdresselndorf, Westerwaldstr.

86; Holzhausen, Gemeindehaus,

Schreinerstr. 4; Lützeln Kirche,

Oranienstraße 34.

Für Fragen steht Birgit Meier-Braun,

Senioren-Servicestelle, Gemeinde

Burbach bereit 02736/4556, E-Mail

b.meier-braun@burbach-siegerland.de).

Lesestoff

Bibliothek geöffnet

Wilnsdorf. Auch wenn die Bibliothek

Wilnsdorf noch geschlossen bleibt,

müssen Bücherliebhaber nicht auf Lesestoff

verzichten. Ab sofort gibt es

wieder die Möglichkeit der kontaktlosen

Ausleihe. Mit einem Bibliotheksausweis

können Sie ganz einfach von zuhause

aus Bücher und andere Medien bestellen

und kontaktlos vor der Bücherei am

Rathausgebäde Gebäude abholen.

Aktuelle Informationen sind online unter

www.wilnsdorf.de/bibliothek zu finden.

Bei Fragen stehen die Mitarbeiter

zu den Öffnungszeiten unter 02739

/ 802200 oder per E-Mail: bibliothek@

wilnsdorf.de zur Verfügung db

Zukunft

neue Perspektiven

Siegen. Neun Senioren und Seniorinnen

denen die Existenz- und Entwicklungschancen

zukünftiger Generationen

besonders am Herzen liegen, haben sich

in Siegen zusammengetan. „Angesichts

des Zustandes unserer Welt ist eine

grundlegende gesellschaftliche Umorientierung

dringend geboten, so ein Mitglied.

„Bekanntlich gibt es keinen Planeten

B. Wir wollen aktiv Verantwortung

für eine gelingende Zukunft übernehmen,

indem wir vorliegende Lösungsansätze

für die Überwindung der eklatanten

Systemschwächen unterstützen und

so neue Perspektiven eröffnen“, so die

Sprecherin.

Eines dieser Alternativ-Modelle wird

in dem von Christian Felber entwickelten

Konzept gesehen: Einer lebensdienlichen

Wirtschaft, der Gemeinwohl-

Ökonomie, in der die Mehrung des

Gemeinwohls an erster Stelle steht und

Geld und Märkte den Menschen dienen,

statt umgekehrt. Felbers Ansatz verfolgt

eine umfassende ethische Umorientierung

der Ökonomie, die sozialer,

verteilungsgerechter, nachhaltiger und

demokratischer gestaltet werden soll.

Es ist beabsichtigt, eine offizielle Regionalgruppe

der „Gemeinwohl-Ökonomie“

in Siegen zu gründen.

Derzeit trifft sich die Vorbereitungsgruppe

14-tägig für cirka zwei Stunden

(z.Zt. in Zoom-Konferenzen).

Wer sich eine Mitarbeit vorstellen

könnte: info@mitweltzukunft.dedb

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1/2021 durchblick 9



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Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der

Tagespflege Villa Bohn möchten, dass ihre

Besucher freudig am Leben teilnehmen.

Jeder Gast bekommt die Hilfe, die er - unter

Einbeziehung der eigenen Fähigkeiten -

benötigt.

Dem Pflegepersonal ist wichtig, die ihnen

anvertrauten Menschen als Einheit von

Körper und Seele zu sehen.

Nicht nur die körperliche Pflege, auch

seelische und geistige Bedürfnisse werden

in der Villa Bohn berücksichtigt und individuell

gefördert.

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Dr. Thomas Gehrke, Sabrina Zwirnlein, Dr.Wolfgang Bauch, Dr. Maria Czell (v.l.)

Siegen. Drei Mitglieder des Seniorenbeirats,

Dr. Maria Czell, Dr. Wolfgang

Bauch und Ernst Göckus, informierten

sich Anfang des Jahres vor Ort im Eiserfelder

Impfzentrum. Sie trafen sich hier

mit dem medizinischen Leiter, Dr. Thomas

Gehrke und Sabrina Zwirnlein von

der Kreisverwaltung (zuständig für organisatorische

Erfordernisse). In einem

außerordentlich offenen und inhaltsreichen

Gespräch erhielten die Vertreter

der dritten Generation umfassende Auskünfte

zu Prioritätenlisten, Einladungsschreiben

und Kontaktaufnahme zur

Vereinbarung eines Impftermins. Der

Zeitpunkt für die zweite Impfung ist genau

21 Tage nach der ersten.

Eine wirklich gute Nachricht gibt es

hinsichtlich der Befürchtung von Impfnebenwirkungen.

So hatten die bisher

in Siegener Pflegeheimen geimpften

Personen ausgesprochen wenige Beschwerden.

Bei manchen tat die Impfstelle

kurzfristig weh, gelegentlich gab

es Klagen über leichte Kopfschmerzen.

Schwere allergische Reaktionen wurden

bisher nicht beobachtet.

Hält man dagegen die schlimmen

Symptome, die die Krankheit verursacht

und die hohe Sterblichkeitsrate gerade

bei älteren Menschen, so kann man nur

dringend empfehlen zur Impfung zu gehen,

betonten die Vertreter des Seniorenbeirats.

Für die Spritze, so Dr. Gehrke,

werden ganz dünne Kanülen verwendet,

welche keine größeren Blutungen im

Gewebe verursachen. Es braucht also

niemand an der Medikamenteneinnahme

etwas zu verändern. Im Zentrum ist

zudem ausreichend medizinisches Fachpersonal

für Voruntersuchung, Impfung

und Nachbetreuung vorhanden. Sportlerinnen

und Sportler sollten nach der

Impfung zwei Ruhetage einlegen.

Im Anschluss an das Gespräch besichtigten

die Gäste noch die einzelnen

Räumlichkeiten und informierten sich

über Sicherheits- und Hygienemaßnahmen.

Dr. Gehrke legt noch Wert auf folgende

Feststellung: „Das Impfzentrum

arbeitet weisungsgebunden. Diskussionen

darüber, was man alles anders machen

könnte und müsste, sind nicht weiterführend.

Wenn sich alle Bürgerinnen

und Bürger an die einschlägigen Regeln

halten und auch Geduld üben, wird Corona

hoffentlich in absehbarer Zeit beherrschbar

sein.“

eg

Helfer ausgestattet

Neunkirchen. Die Hilfe des Betreuungsangebots

„Hand in Hand Neunkirchen

e.V.“ nehmen jene Menschen in

Anspruch, die zur Corona-Risikogruppe

zählen. Damit sie sich sicher, geschützt

und gut aufgehoben fühlen, hat der Verein

alle Helfer mit weiteren Mund-Nase-

Bedeckungen ausgestattet. So gab es

jetzt Alltagsmasken mit aufgesticktem

Logo. „Die Helfer sind so noch besser zu

erkennen“, wissen Leiterin Susanne Melis

und Seniorenberaterin Bettina Großhaus-Lutz.

„Selbstverständlich stellen

wir FFP2-Masken zur Verfügung, die sie

bei Einsätzen mit besonders gefährdeten

Menschen tragen können.“ Neben

dem Team von „Hand in Hand“ ist auch

„Hilda“ Melanie Schmidt ausgestattet

worden. Ihrem Design entsprechend

mit einer rosafarbenen Maske. db

10 durchblick 1/2021

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Der Kommentar

Ausgebremst – und was nun?

So lange wie möglich in den eigenen vier Wänden

Die Senioren- und Pflegeberatung

des Kreises Siegen-Wittgenstein

informiert und berät zu:

• Finanzierungsmöglichkeiten der Pflege und

sozialen Leistungen im Alter

• Vorbereitung auf Pflegegutachten und

Anträge für Pflegeleistungen

• Angeboten und Organisation von Pflege-,

Hilfe und Unterstützungsmöglichkeiten

• Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung

• Altersgerechtem Wohnen

• Entlastungsangeboten für pflegende Angehörige

Ansprechpartnerinnen

Sonja Irle: 0271 333-2729

Heike Dielmann: 0271 333-2728

Katharina Massong: 0271 333-2723

Gaby Jakobs: 0271 333-2722

Dienstgebäude

Kreis Siegen-Wittgenstein

Bismarckstraße 45, 57076 Siegen

(Zugang barrierefrei)

E-Mail: pflegeberatung@siegen-wittgenstein.de

www.siegen-wittgenstein.de/pflegeberatung

Für wen?

Ältere Menschen, Pflegebedürftige,

Angehörige und Bezugspersonen

Was?

Kostenlose, vertrauliche und

anbieterneutrale Beratung

Wann?

Vor Eintritt der Pflegebedürftigkeit

oder bei bestehendem Pflegebedarf

Wo?

Kreisweit in allen Regionen,

bei Bedarf auch zuhause

Eigentlich nervt schon der bloße Gedanke an Corona.

Wer hätte noch vor einem Jahr gedacht, dass uns so

ein fieses kleines Ding wie das Virus COVID 19

derart aus der Bahn werfen könnte und unser ganzes Leben

umkrempeln würde? Nun ist es aber so und es lässt

sich nicht mehr ignorieren. Und doch muss ich gestehen,

dass etwas in mir immer noch nicht wirklich begreifen will,

was da eigentlich abgeht.

Alleinsein ist für mich und viele Rentner der gewohnte

Alltag. Und in der Regel müssen wir uns auch nicht um unsere

Existenz sorgen, weil wir mit unserer Rente ja ein geregeltes

Einkommen haben, zumindest noch, im Gegensatz zu

vielen anderen Menschen, und wir haben Zeit. Den meisten

von uns ist es ein Bedürfnis, diese auch sinnvoll zu nutzen,

jeder auf seine Weise: Die einen tun es mit ihrem Einsatz als

Großeltern, andere mit ihren Hobbies, und wieder andere

mit ehrenamtlichem Engagement, und manche nutzen sogar

all diese Möglichkeiten und haben einen gefüllten Terminkalender

wie in den Zeiten ihrer Berufstätigkeit.

Doch jetzt hat uns das Virus einfach ausgebremst. Der

Corona-Lockdown blockiert unsere Kontakte, gemeinsame

Aktionen sind nicht mehr möglich, und der direkte Austausch

untereinander fehlt. Trotzdem sind die Infektionszahlen

dauerhaft zu hoch. Das verstärkt die Verunsicherung

und die Angst, sich anzustecken und ernsthaft zu erkranken,

vielleicht sogar durch das Virus zu sterben. Da macht der

Lockdown sicher Sinn, aber was hilft uns jetzt, nicht in

tiefste Depression zu fallen? Wir sind nun mal Rudelwesen.

Wir brauchen den Kontakt untereinander und auch sinnvolle

Aufgaben und das Gefühl, noch gebraucht zu werden.

Zum Glück haben wir heute vielfältige Möglichkeiten

der Kommunikation: Das gute alte Festnetz-Telefon und

das Handy zum Telefonieren, oder das Smartphone, um

mal eben schnell kurze Botschaften über WhatsApp zu

schicken oder sogar bei eingeschalteter Kamera mit Blickkontakt

zu telefonieren. Wir können mit dem PC schnelle

E-Mails verschicken, und über Skype können wir sogar

besonders günstig und mit Blickkontakt miteinander

„skypen“, sogar ins Ausland. Gut, wer sich rechtzeitig im

Umgang mit den modernen Medien vertraut gemacht hat

und sie jetzt nutzen kann. So finden auch virtuelle Treffen

in den Gruppen statt. Das stärkt das Gefühl, dass es trotz

allem irgendwie weitergeht und ich immer noch „dabei“

sein darf und Teil einer Gemeinschaft bin.

Was nicht funktioniert ist, zu Hause zu hocken und nur

darauf zu warten, dass die Situation sich wieder ändert,

oder dass die anderen sich bei mir melden und sich um

mich kümmern, bzw. mich aufmuntern. Da wird man nur

enttäuscht und bleibt im Selbstmitleid hängen. Das vermiest

die Stimmung noch mehr. Lieber hinschauen, welche

Chancen sich denn in dieser verrückten Zeit bieten. Da

ist vor allem die durch die gewonnene Zeit entstandene

Entschleunigung des täglichen Lebens, die auch guttut.

Kaum Termine, die wahrgenommen werden müssen, weniger

Zeitdruck, weniger Stress.

Ich gestehe, es hat eine Weile gedauert, bis ich das

überhaupt als angenehme Nebenerscheinung wahrgenommen

habe. Ich kann jetzt zum Beispiel stundenlang lesen,

wenn mir danach ist. Inzwischen habe ich schon so viele

Bücher zusammengekauft, dass ich ein neues Regal anbringen

musste. Und wie wäre es mit Socken für die Enkel

stricken? Richtige Briefe schreiben und vernachlässigte

Beziehungen neu beleben. Oder auch sich intensiver um

die Selbstversorgung kümmern. Während ich mir in Vorkoronazeiten

meist schnell irgendwas für mich zusammengebrutzelt

habe, nehme ich mir heute die Zeit und gestatte

mir sogar, die Lust am Kochen zu entdecken. Was früher

einfach eine notwendige Last für mich war, offenbart mir

jetzt auch seine kreative Seite, super!

Oder nehmen wir das beliebte Shopping als Freizeitbeschäftigung

oder zur Selbstbelohnung: Wenn ich die Situation

richtig bedenke, brauche ich keine neuen Klamotten,

auch wenn es jetzt bald die neuen Frühjahrskollektionen

gibt. Der Schrank ist voll! Gut, für die Händler ist das

natürlich bitter, sie bleiben auf ihren Waren sitzen. Aber

mein Bewusstsein dafür, was ich denn wirklich brauche

und was eigentlich nicht, das verändert sich. Und das geht

ja nicht nur mir so, das wird auf Dauer auch in unserer Gesellschaft

etwas verändern. Der Corona-Lockdown befreit

uns – vielleicht dauerhaft -- von unserem Konsumzwang.

Das wirkt sich ja schon jetzt positiv auf die Umweltverschmutzung

und damit auch auf den Klimawandel aus. Da

unsere Wirtschaft aber vom Konsum abhängig ist, werden

wir wohl dauerhaft unser Leben sozialverträglich umgestalten

müssen.

Nein, ich glaube

nicht, dass sich

durch die bevorstehenden

Impfungen

das Virus ganz ausrotten

lässt, es wird

uns auch weiterhin

in unserem Alltag

begleiten. Aber

wir sind doch mit

Fantasie begabte,

anpassungsfähige

Wesen, vielleicht

ist diese Krise unsere

Chance zu einem

rettenden Paradigmenwechsel.

Heute von Anne Alhäuser

12 durchblick 1/2021

1/2021 durchblick 13



Titel

Gesellschaft

Ostern als Lebenserfahrung

von Adele von Bünau

Veränderungen

von Paulo Coelho

Um den Quilt aus alten Schlipsen zu nähen, mussten

Stoffe zerschnitten und Schlipse aufgetrennt werden.

Um ein genesungsförderndes „Göckslein“ herzustellen,

muss man zunächst ein Ei aufschlagen und es

trennen. Das Eiweiß wird zu steifem Schnee geschlagen,

Eigelb und Zucker gut gemischt. Dann hebt man

die eine Masse unter die andere. Fertig ist der ganz besondere

Leckerbissen, den nur kranke Kinder bekommen!

Ohne Trennung, ohne Schläge, keine Wandlung.

Um den schönen Quilt aus alten Schlipsen zu nähen, der

mein Bett ziert, mussten Stoffe zerschnitten und Schlipse

aufgetrennt werden. Nie wieder werden diese Schlipse

um den Hals gebunden, nie wieder zum Anzug getragen

werden. Der helle Stoff war vielleicht mal eine Tischdecke

oder ein Bettbezug – nie wieder! Ohne beherzten Schnitt

und ohne Trennung keine neue Form, keine Kunst, keine

Schönheit.

Um Puzzle zu spielen, muss man sein Bild vorher in

Stücke zerlegen und die Teile gut mischen. Dann kann

man die Einzelteile mit Spaß, Grips und Geduld wieder

zusammenfügen. Ohne Trennung kein Spiel.

Erde zu Erde, Staub zu Staub: Ohne Trennung und Tod

kein Leben!

Ostern ist nicht nur ein christliches Fest, es ist eine

Lebenserfahrung. Für alles, was neu beginnen soll, muss

etwas anderes enden. Zupacken kann nur, wer eine Hand

frei hat.

Es lohnt sich ein biografischer Blick darauf: Zwischen

den beiden gegensätzlich geladenen Polen Geburt und

Tod liegt das Spannungsfeld des Lebens, aus dem sich

alle Energie speist. Wo gab es österliche Ereignisse? Wo

hast Du Ideen begraben, Träume platzen lassen, Dich von

Überkommenem getrennt, um Neuem eine Chance zu geben?

Wo hast Du Tode und Trennungen erlitten und kleine

Auferstehungen erlebt?

„Wachstumsschmerzen“ hat man nicht nur in den Knochen,

sondern im übertragenen Sinne bei jeder Weiterentwicklung.

Niemand verlässt gerne seine vertraute „Komfortzone“.

Aber die Evolution macht vor niemandem Halt.

Es gibt Momente, in denen der Anpassungsdruck so groß

ist, dass man sich verändern muss, um zu „überleben“ bzw.

sinnvoll weiterzukommen – auch darin steckt Österliches.

Gewohnheiten müssen gebrochen, Routinen verlassen

werden, um sich dem unbekannten Neuen zu stellen, das

man eigentlich scheut. Ein Beispiel dafür ist die technische

Entwicklung: Der Umgang mit Computer, Smartphone,

e-Banking und Online-Handel. Hast Du Dich rechtzeitig

der Entwicklung gestellt oder kämpfst Du immer noch

ums „Überleben“, froh, im Notfall einen Enkel zur Hand

zu haben, der helfen kann?

Die Auferstehung ist wesentlich populärer als der Tod.

Deshalb neigen wir dazu, immer mehr Neues zu beginnen,

ohne das Alte abzuschließen. Neues zu kaufen, ohne Altes

auszusortieren. Neue Termine anzunehmen, ohne alte abzusagen

und schließlich den Überblick zu verlieren. Dann

wird es Zeit für ein persönliches Ostern als Neuausrichtung:

Was von dem Vielen, was unerledigt blieb, will ich auferstehen

lassen? Und was will ich dafür sterben lassen, ohne

es weiter mitzuschleppen? Ohne Trennung kein Leben. ●

Man sollte immer wissen, wann ein Lebensabschnitt

zu Ende geht. Wenn wir darauf beharren,

länger zu bleiben als unbedingt nötig, verpassen

wir den Sinn und das Glück der folgenden Abschnitte.

Zyklen abschließen, Türen zu machen, Kapitel beenden,

wie wir es auch immer benennen, wichtig ist, die

Geschehnisse, die zu Ende gingen, in die Vergangenheit

einzuordnen. Hast du deine Arbeit verloren? Ist eine Liebesbeziehung

zu Ende gegangen? Hast du dein Elternhaus

verlassen? Um ins Ausland zu gehen? Ist eine lang dauernde

Freundschaft plötzlich zu Ende gegangen?

Du kannst eine lange Zeit damit zubringen, herauszufinden,

warum das geschehen ist. Du kannst dir vornehmen,

keinen Schritt weiter zu gehen, bis du langsam herausgefunden

hast, warum manche Dinge, die für dich so

wichtig und verlässlich in deinem Leben waren, so ganz

einfach zu Bruch gingen. Aber eine solche Einstellung

wird alle, die davon betroffen sind, enorm belasten. Deine

Eltern, deinen Ehemann, -frau, deine Freunde, deine Kinder,

deine Schwester. Jedermann beendet Kapitel, schlägt

neue Seiten auf, um weitermachen zu können im Leben,

und alle werden darunter leiden, dich in einer solchen Blockade

zu sehen.

Dinge gehen vorüber, und das Beste was wir tun können

ist, sie wirklich gehen zu lassen. Das ist auch der

Grund, warum es so wichtig ist, auch wenn es schmerzlich

ist, Andenken zu vernichten, umzuziehen, viele Dinge

wegzugeben, an Waisenhäuser z. B. die Bücher, die du

zuhause hast, zu verkaufen oder zu verschenken.

Alle Dinge in der realen Welt sind Manifestationen der

unsichtbaren Welt, das, was in unserem Inneren geschieht,

und um manche Erinnerungen los zu werden, bedeutet

Foto: wikimedia

auch, Platz zu machen für neue Erinnerungen.

Lass die Dinge gehen, verabschiede sie, trenn

dich von ihnen.

Niemand spielt dieses Leben mit gezinkten

Karten, und daher gewinnt man manchmal,

und dann verliert man wieder. Erwarte keinen

Dank. Erwarte nicht, dass man deine Mühen

wertschätzt, dass man dein Genie entdeckt,

deine Liebe versteht. Hör auf, dein emotionales

Fernsehen anzustellen, um dir das gleiche

Programm anzusehen, immer und immer

wieder, das Programm, das anzeigt, wie sehr

du durch einen gewissen Verlust gelitten hast.

Das vergiftet dich nur, sonst nichts .

Nichts ist gefährlicher als nicht akzeptieren

zu wollen, dass eine Liebesbeziehung zerbrochen

ist, dass eine Arbeitsstelle versprochen

wurde, aber nie die Zeit des Beginns bekanntgegeben

wurde. Entscheidungen immer wieder verschoben

wurden, um einen idealen Zeitpunkt abzupassen.

Bevor ein neues Kapitel angefangen wird, muss ein

altes abgeschlossen sein. Sag dir, dass Dinge, die vorbei

sind, nicht zurückkommen werden. Erinnere dich an die

Zeit, als du ohne diese Sache, ohne diesen Menschen auskamst.

Nichts ist unersetzlich. Eine Gewohnheit bedeutet

keine Notwendigkeit. Das mag einleuchtend klingen. Es

mag schwierig sein, aber es ist sehr wichtig.

Zyklen zu Ende bringen, nicht aus Stolz, Unfähigkeit

oder Arroganz, sondern weil sie einfach nicht mehr in dein

Leben passen. Schließ die Türen, leg eine andere Platte auf,

feg dein Haus sauber und den Staub raus. Hör auf, der zu

sein, der du warst und werde, der du bist.

© Paulo Coelho / www.paulocoelhoblog.com, Orginaltitel

Kolumne: Closing 2015. Übersetzung: Adelheid Knabe

ICH SCHREIBE GESCHICHTE!

FÜR SIE.

Damit sich Tradition entfalten kann.

Damit Erlebtes Ordnung gewinnt.

Damit Sinn wächst.

Biografie • Portrait

Firmengeschichte

Adele von Bünau

Redakteurin und Biografin

www.ihre-autobiografie.de

Telefon: 02 71-67 34 67 06

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Kultur

Kultur

Renaissance der Kirchenfenster

Zwischen Bilderbibel und Transzendenz

Ein ernster Anlass, die Trauermesse für einen verstorbenen

Kollegen, brachte mich 2014 zum ersten Mal

in die katholische Kirche St. Marien in Freudenberg.

Eine wunderschöne Rundkirche und noch beeindruckender

neben der Architektur: die leuchtenden Glasfenster – hell,

reduzierte Farben, abstrakte Formen. Später informierte

ich mich, dass diese Glasbilder von Georg Meistermann

vor ca. 50 Jahren - nach dem Ende des 2. Weltkriegs -, entworfen

wurden. Man suchte einen Neuanfang, in der Architektur:

weg von der gängigen Form der Basilika. Auch bei

der Gestaltung von Kirchenfenstern galt: weg von der figürlichen

Darstellung. Hin zu einer reduzierten, abstrakten,

Fenster von Georg Meistermann in der Kirche St. Marien in Freudenberg

2 Fotos:

Hartmut Reeh

offenen Kunst, die allen Menschen Raum gibt zur eigenen

Interpretation. Georg Meistermann, ein gläubiger Katholik,

wandte sich nach anfangs figurativen Glasmalereien

bald einer eher geometrisch, abstrakten Formensprache zu.

Er schuf für etwa 70 Kirchen Glasarbeiten. Kirchenfenster

waren für ihn Sinnbilder für den Übergang von der materiellen

zur immateriellen Welt, zur Transzendenz.

Galt es doch im Mittelalter, die Vorgaben der kirchlichen

oder fürstlichen Auftraggeber, nämlich die Vermittlung

der Bibel und ihrer Auslegung und Dokumentation des

christlichen Glaubens zu visualisieren. Erst mit Mosaiken,

Wandmalereien und Bildern später mit Kirchenfenstern, der

sogenannten Glasmalerei, um das Licht einzubeziehen.

Einst waren diese Darstellungen

die „Biblia Pauperum“ (Bibel der Armen) für

Menschen, die nicht lesen konnten. Eine Bilderbibel

zum Sehen - neben der Predigt zum

Hören. Neben der Kirchenmusik, dem Weihrauch

und dem Ritual der Messe. Hier spricht

man von der Synästhesie (gemeint ist eine

Verschmelzung der Sinneseindrücke). Die

meist figürliche Darstellung hielt sich bis ins

19. Jh. und Anfang des 20.Jh.s. und erlebt jetzt

auch wieder mehr Bedeutung.

Die Entwerfer dieser Fenster waren meist

anonyme Handwerker. Erst mit größerem

Selbstbewusstsein der Künstler waren diese

eher gleichberechtigt mit ihren Auftraggebern

in der Gestaltung ihrer Werke. Maler

mit großen Namen in der Kunstgeschichte

des 20. Jh.s machten sich nun auch bewusst

wieder daran Kirchenfenster zu gestalten. Die abstrakte

Art der Fenstergestaltung nach dem 2. Weltkrieg zeigt die

große Sprach- und Bilderlosigkeit nach den großen Katastrophen

der Weltkriege. Wie bei Meistermann in Freudenberg

wurden viele abstrakte Entwürfe geschaffen, die eher

eine ruhige, meditative Atmosphäre schufen, ähnlich den

oft in Klöstern oder nach der Reformation in protestantischen

Kirchen üblichen Glasfenster.

Langsam gab es aber auch wieder figürliche Entwürfe.

Man denkt an die „Blauen Fenster“ von Marc Chagall

in St. Stephan in Mainz, die der hochbetagte Künstler mit

der ihm eigenen Leichtigkeit zu verschiedenen biblischen

Themen visionär gestaltet hatte. Über viele Jahre in den

70er und 80er Jahren des 20. Jh.s bis zu seinem Tod 1985

„brannte“ er für dieses Projekt. Ein zauberhafter Eindruck

umfängt den Besucher der Kirche, die in blaues Licht getaucht

zu sein scheint. Blau wird oft mit Harmonie, Sehnsucht

oder Melancholie assoziiert. Seine Version der biblischen

Geschichte aus altem und neuem Testament hat er

seit 1976 bis zum Lebensende auf einer Glasfläche von

177 qm geschaffen. In vielen Szenen hat er den Personen

geflügelte Wesen zur Seite gestellt, die ihr Schicksal begleiten

und etwas tröstliches ausstrahlen. Ein besonderer

Engel schaut den Betrachtern direkt in die Augen. Ist es ein

Selbstportrait von Marc Chagall?

Ganz anders präsentiert sich das 2007 eingeweihte

neue Fenster des Künstlers Gerhard Richter im Südquerhaus

des Kölner Doms. Er hat hier die Abstraktion auf die

Spitze getrieben: Das Bild besteht aus 11.263 Lichtquadraten

in 72 Farben, die scheinbar nach dem Zufallsprinzip

angeordnet wurden. Alle Farben wurden aber schon vorher

in den bestehenden mittelalterlichen Kirchenfenstern

und denen des 19.jhs verwendet. Richter scheint hier mit

der christlichen Lichtsymbolik zu „spielen“. Das Licht ist

in den Augen der Kirche an sich göttlich. Auftraggeber

war das Kölner Domkapitel. Joachim Meisner, dem Kölner

Kardinal, passte dieses Glasfenster überhaupt nicht:

“Wenn wir schon ein neues Fenster bekommen, soll es

auch deutlich unseren Glauben widerspiegeln. Und nicht

irgendeinen“, sagte er in Anspielung auf den Islam, in dem

bildliche Darstellungen von Gott und Menschen verboten

sind. Dompropst Norbert Feldhoff erläuterte: “Es regt zur

Stille an, es schafft ein von Farben schillerndes Licht, es

animiert, beseelt, regt zur Meditation an und schafft ein

Flair, das für das Religiöse öffnet“. Auf jeden Fall strömten

nun noch mehr Menschen in den Kölner Dom, um das

Skandalfester- den „abstrakten Klangteppich“ - zu sehen.

2020 machte sich Gerhard Richter erneut an die Arbeit:

Für das Kloster Tholey im Saarland entwarf er drei große

Fenster für den Chor der Klosterkirche. Wieder wählte

Richter abstrakte Formen, die diesmal auf älteren Experimenten

mit Mustern seines Buchs „Patterns“ (Muster)

basieren. Natürlich wurden die Fenster im Saarland wieder

ein Publikumsmagnet und wurden in den Medien gefeiert.

„Die Fenster zeigen wild abstrakte Rakelbilder

© Entwurf: Gerhard Richter, Köln / Foto: Hohe Domkirche Köln, Dombauhütte; Matz und Schenk

Köln, Dom, Südquerhausfenster, nach einem Entwurf

von Gerhard Richter, Gesamtansicht.

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Kultur

Kultur

Eins der „Blauen Fenster“ von Marc Chagall, in St. Stephan in Mainz.

an der Bildachse, wodurch, wie bei einem Rorschachtest,

scheinbar realistische Gestalten und Figuren aus der abstrakten

Form entstehen“, schreibt Michael Kohler in seinem

Artikel. Ein Rorschachtest (Tintenkleckstest) dient

der psychologischen Diagnostik bei der die Testperson gefragt

wird, „was könnte das sein?“. Der Test ist umstritten.

Beeindruckend sind aber die bunten Glasfenster. Als ich

die Fenster zum ersten Mal sehen konnte, fiel mir spontan

das Turiner Grabtuch ein, weil ich erst einmal einen

religiösen Bezug suchte. Jeder wird natürlich ganz andere

Dinge hinein interpretieren - die Fantasie ist gefragt. Oder

man freut sich einfach am bunten Licht der Fenster.

Auch in protestantischen Kirchen werden gern moderne

Künstler gebeten, Kirchenfenster zu entwerfen. Der

„Malerfürst“ Markus Lüpertz entwarf 2016 anlässlich des

Jubiläums „500 Jahre Reformation“

2017 zwei Fenster für die Marienkirche

in Lippstadt. In den 70-iger Jahren

waren die damaligen Luther- und

Melanchthon-Fenster während einer

Sanierung zerstört worden. Vorhandene

Fragmente des alten Luther-

Fensters von 1883 wurden erhalten

und durch einen neuen Mittelteil

durch Lüpertz ergänzt. Daneben

wurde dann ein neues Reformationsfenster

gestaltet, das eine abstrakte

Gestalt zeigt, die im Dialog mit dem

neben ihm stehenden Luther zu sein

scheint.

Für einen Eklat sorgte aktuell Altkanzler

Gerhard Schröder mit seiner

Stiftung eines weiteren Reformationsfensters

von Markus Lüpertz für

die Marktkirche in Hannover. Das

Fenster ist ein Feuerwerk der Motive.

Gezeigt wird unter anderem

der Reformator Martin Luther. Im

Vordergrund sind fünf übergroße

schwarze Fliegen zu sehen., die

schnell für heftige Diskussionen

sorgten. Sollen sie die Vergänglichkeit

und das Böse symbolisieren?

Wahrscheinlich ließ sich Lüpertz

von der Legende inspirieren, wonach

Luther auf der Wartburg mit

dem Tintenfass nach einer Fliege

warf, die ihm seiner Meinung nach

vom Teufel geschickt worden war.

Der Architekten-Erbe hatte sich lautstark

gegen den Einbau dieses Fensters

gewehrt. Es handelt sich bei der

Kirche um den Wiederaufbau der ursprünglichen

nach dem Krieg im gotisch

reduzierten Stil durch den Architekten

Dieter Oesterlein. Gemäß Gerichtsbeschluss im

Dezember 2020 darf nun das Fenster doch in die Marktkirche

eingebaut werden. Das kirchliche Selbstbestimmungsrecht

und die Religionsfreiheit wurden höher bewertet als

das Urheberrecht des Architekten.

Viele „alte Wilde“, unbequeme Maler, die völlig neue

Wege in der neuen Kunst gegangen sind, haben erst in späteren

Jahren ihres Lebens - nach der Sturm und Drangzeit

- das Thema Kirchenfenster für sich entdeckt. Quasi als

Krönung ihrer Karriere - als ewiges Vermächtnis? Sigmar

Polke, Neo Rauch, David Hockney und viele andere

aus dem Who´s Who der Malerei folgten. Ob alle an Gott

glauben sei dahingestellt. Man kann ja die Kirche auch als

Raum der Stille und Meditation für alle erleben. Wie werden

wohl Kirchenfenster der Millennials aussehen, also

Foto: wikipedia commons

Für das Kloster Tholey im Saarland entwarf Gerhard

Richter drei große Fenster für den Chor der Klosterkirche

der Generation der um die Jahrtausendwende

geborenen? Ein

Beispiel könnte man meinen:

Der Künstlers Thomas Bayrles

schuf im Kreuzgang des Klosters

Eberbach Glasfenster, wo

blaue Smartphones eine Marienfigur

vor weißem Hintergrund

bilden. Aber - der Berliner Aktionskünstler

gehört nicht zur neuen

Generation, er wurde 1937

in Berlin geboren, also „Old

School“. Es bleibt also spannend

mit den modernen Kirchen- und

Künstlerfenstern. Tessie Reeh

Foto: wikipedia commons

Köln, Dom, Südquerhausfenster, nach einem Entwurf

von Gerhard Richter, Detail: Couronnement.

© Entwurf: Gerhard Richter, Köln / Foto: Hohe Domkirche Köln,

Dombauhütte; Matz und Schenk

Anmerkung der Redaktion: Wegen Urheberrechten von

Künstlern und Fotografen, sowie deren Agenturen und

Verwertungsgesellschaften konnten einige gewünschte Fotos

nicht gedruckt werden. Besonderer Dank gilt dem Metropolitankapitel

Der Hohen Domkirche Köln, das uns freundlicherweise

eigene Fotos zur Verfügung gestellt hat.

Literatur: Michael Kohler „Das Licht der Welt“ in Art, das Kunstmagazin Heft 12/2020,

Wikipedia Stichwort Richter-Fenster

Ihre Lebenserinnerungen festhalten

... und weitergeben!

Ich befrage Sie über Ihr Leben.

Was aufgeschrieben wird, bestimmen Sie.

Sie erhalten das Interview, das Manuskript

mit Fotos oder ein fertiges Buch mit Ihren

Lebenserinnerungen.

Das erste Gespräch ist kostenfrei.

Referenzen vorhanden.

Winfried Hofmann ● 0177 250 75 70 ● lebenserinnerungen@aol.com

18 durchblick 1/2021 1/2021 durchblick 19



Buchbesprechung

Buchbesprechung

Der neunte Arm des Oktopus

Drogerie-König schreibt Science-Fiction Thriller

Ein Sonntag für die Seele

Einfach mal die Welt anhalten

Dirk Rossmann,

der

mit seinem

ersten Buch,

der Autobiografie

„…dann bin ich

auf einen Baum

geklettert“, schon

auf der Bestsellerliste

stand, hat nun

sein zweites Buch

veröffentlich. Es

handelt sich bei

„Der neunte Arm

des Oktopus“ um

einen Umweltthriller.

Von Rossmann

ist auch

400 Seiten, 20,00 Euro aus seinem ersten

ISBN 978-3-7857-2741-6 Buch bekannt,

dass ihm die Umwelt

und der starke Anstieg der Weltbevölkerung ein großes

Anliegen sind. Dass der Milliardär im hohen Alter einen

Sci-Fi-Thriller mit Weltenrettung vorlegt, muss man sich

erst einmal leisten können. Er kann: An seinem Buch haben

mindestens 13 Frauen und Männer mitgewirkt, die er am

Ende des Buches in einer Danksagung nennt. Das ist legitim,

ein solches Buch mit seinen vielen Schauplätzen und Informationen

kann man kaum alleine schreiben.

Die Handlung des Buches spielt in der Zeit 2018 bis

2025 und macht Sprünge in die Zukunft im Jahr 2100. Die

Umweltverhältnise der Erde und der Anstieg der Weltbevölkerung

werden immer bedrohlicher. Dies wird im Buch

an mehreren Beispielen geschildert: So sind die Winter in

Sibirien viel zu warm, sodass die Hirten ihre Rentiere auf

den feuchten warmen Böden nicht zu den Futterplätzen treiben

können. Außerdem bewirkt das warme, den Boden auftauende

Wetter, dass Gaspipelines lecken und Gebäude sich

senken. In Nigeria wird der Kampf gegen Krankheiten und

zu viele Geburten durch die Krankenschwester Lisha Aluko

aufgenommen, die mit ihrem Moped unterwegs ist.

Währenddessen schmieden die großen Drei eine Klimaallianz.

Der chinesische Machthaber Xi, der russische

Präsident Putin und die amerikanische Präsidentin Kamala

Harris bilden eine Art Weltregierung, um gegen die Klimakatastrophe

und den starken Anstieg der Weltbevölkerung

vorzugehen. Europa und Afrika sind dabei außen vor. Ihr

Fokus richtet sich in erster Linie gegen Brasilien und den

dortigen Präsidenten Batista, denn die Hauptursache des

Klimadesasters wird in der Rodung des Regenwaldes durch

dieses südamerikanische Land gesehen. Die Maßnahmen

der G3 greifen gravierend in das Leben der Menschen ein,

und nicht jeder will diese neue Wirklichkeit kampflos akzeptieren.

Es formiert sich heimlich Widerstand, im Buch

durch den chinesischen stellvertretenden Minister Yuan Zhiming,

den russischen Marschall Bykow und den nigerianischen

Waffenhändler Bob Olufunmilayo.

Dann kommt der unbekannte Koch Ricardo da Silva

in Sao Paulo ins Spiel. Er wird unfreiwillig Zeuge eines

Gesprächs über den Angriff der großen Drei auf Brasilien.

Diese haben ihre Streitkräfte schon in Stellung gebracht.

Am Ende wird durch ihn und eine Agentin des brasilianischen

Geheimdienstes die kriegerische Katastrophe abgewendet,

weil Präsident Batista von den eignen Leuten

entmachtet wird und die neue Regierung mit dem Ende der

Rodung des Regenwaldes einlenkt.

Natürlich fragt man sich schon bei dem Titel des Buches,

was das alles mit einem Oktopus zu tun hat. Diese

achtarmige Krake ist ein Tier, das durch seine Multitasking-Fähigkeiten

imponiert. Besonders deutlich wird das

bei einem Besuch Putins im New England Aquarium in

Boston bei der Autorin und Naturforscherin Sy Montgomery.

Als der russische Besucher sie fragt, warum sie gerade

an Oktopoden forsche, kommt die Antwort: “Jedes

Mal, wenn ich diesem Tier begegne, werde ich demütig.

Der Oktopus ist ein Symbol des Ozeans. Und der Ozean

beeinflusst unser Wetter, unseren Sauerstoff, er ist der Ursprung

des Lebens. Und wer veranschaulicht das Geheimnis,

die Kraft, die Notwendigkeit, unseren Ozean zu erhalten,

besser als ein Oktopus? Die Ozeane sind am stärksten

vom Klimawandel betroffen. Der Oktopus ist einzigartig

empfindsam und einzigartig intelligent. Er besitzt so viele

verschiedene Fähigkeiten. Der Oktopus überlebt, weil seine

Arme zusammenarbeiten, auch ohne zentrale Steuerung.

Ich finde, in dieser Hinsicht ist er ein Vorbild.“ Putin ist im

Buch beeindruckt von dem Besuch bei den Oktopoden und

der Forscherin. Deshalb fährt diese fort: „Wenn wir unsere

Fähigkeiten gemeinsam zum Guten einsetzen, können

auch wir überleben. Dann schaffen wir ein Wunder. Einen

neunten Arm des Oktopus.“

Das Buch ist spannend und gut zu lesen. Im Epilog

steht, wie es zur Entstehung des Buches kam. Vieles darin

ist phantastisch, utopisch und kaum vorstellbar, zum Beispiel,

dass sich die großen Weltmächte im Kampf gegen

die Klimakatastrophe zusammentun. Aber es gibt Anstöße

zum Nachdenken. Das Buch endet mit einem Appell an

die Menschheit: „Die Oktopoden brauchen keinen neunten

Arm. Wir Menschen hingegen müssen unsere Demut vor

der Natur wiederfinden, dann ist vieles, vielleicht sogar alles

möglich“.

Horst Mahle

Ein schwungvolles Lob auf den

Sonntag sind diese Texte von

Jörn Heller. Denn der Sonntag

ist mehr als nur ein Tag. Dieser Tag

will gefeiert werden. Er ist der Festtag

neben den Alltagen.

Ein Tag in der Woche, um loszulassen,

neue Kraft zu schöpfen. Um

das Geschenk des Lebens zu feiern.

Sonntagsruhe: innehalten zwischen

dem, was grad so läuft, kürzertreten,

Hände falten, bremsen, wo die

Pflicht sich häuft, Vorschau Präsent

Ein Sonntag für die Seele.

48 Seiten kosten 9,00 Euro.

ISBN-Nr. 978-3-86917-838-7

Bei dir sein

Es gibt Orte auf der Welt,

wo nicht Ruhm zählt oder Geld,

Orte, wo die Zeit nicht eilt,

alles still im Jetzt verweilt,

wo zum Flügelschlag der Hummeln

sorglos die Gedanken bummeln,

Winde dich mit Luft umschmeicheln,

Farben deine Seele streicheln,

wo du wieder bei dir bist,

alles voller Ausblick ist,

wo auf diese dunkle Welt

überreich die Sonne fällt,

Wolken dich mit Licht umhüllen

Und dich neu mit Sinn erfüllen,

gute Geister dich beseelen

und dem Glück die Worte fehlen,

Orte, die dir nahelegen,

in der Welt auf deinen Wegen

fern von allem finstern Schein

selbst ein solcher Ort zu sein.

Jörn Heller

aus „Ein Sonntag für die Seele“

Stundenweise nichts bezwecken,

noch mal nachsehn, wer du bist,

dankbar werden, neu entdecken,

was dir schon gegeben ist,

Schädel lüften, Geist sortieren,

wiederfinden: Lebenssinn,

müßiggehn, um zu kapieren

dein Woher und dein Wohin.

Anzeige

Das Buch ist eine Ergänzung zu den bisher fünf

erschienen Heimatbüchern des Autors übers

Siegerland. Sie können in abgeschlossenen

Geschichten vieles aus der Vergangenheit im

Siegerland erfahren.

Der Geschichten-Band hat 111 Seiten und ist im

Buchhandel erhältlich. ISBN: 978-620-2-47629-4

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Unterhaltung

Unterhaltung

Foto: wikimedia commons

Ferdinand

Er stand kurz vor seinem 80. Geburtstag.

Der Gedanke daran

ließ ihn gar nicht mehr los, denn

er wollte diesen Tag genießen.

Seit gut zehn Jahren lebte er in dieser

renommierten Seniorenresidenz. Sein

Domizil galt als gehobener Standard,

war nicht gerade billig und

zeichnete sich damit aus, dass man

auf alle Annehmlichkeiten großen

Wert legte. Als „Mann von Welt“

war er auch hier bemüht als Gentleman

und Charmeur der alten

Schule aufzutreten, sah immer

noch sehr gut aus und pflegte

ein dementsprechendes Erscheinungsbild.

Er hatte es sich

verdient! Krankheiten und den

allgemeinen Altersbeschwerden

war er bisher stets aus dem Wege

gegangen, hatte sie einfach ignoriert.

Grundsätzlich beteiligte er

sich nie an derartigen Gesprächen,

wie er sie zuweilen aus der

näheren Umgebung seiner Mitbewohner

vernahm. Seine Devise war: Hast du deinen

Körper gern, halte dich von Ärger und Ärzten

fern. Damit war er bisher gut gefahren und es gab

auch keinen Anlass über sein Alter nachzudenken.

Wenn! Ja, wenn!

Es war nur ein Name, der ihn so aufgeschreckt

hatte. Plötzlich wurde er von unliebsamen Ereignissen

seiner formidablen Vergangenheit

eingeholt. Es traf ihn so arg, so als stünde er

dem Jüngsten Gericht gegenüber. Und ja, es

befielen ihn recht zermürbende Ängste und

Gewissensbisse.

Unverhofft und im Vorbeigehen hatte

er vor einigen Tagen ihren Namen aufgeschnappt

und in dem Moment war es ihm wie

Schuppen von den Augen gefallen. Bei Gott:

SIE war es und er hatte sie nicht erkannt. Er

konnte sich aber sehr gut vorstellen, dass

sie sofort wusste, wer er war. Mit einem

Schlage fühlte er sich steinalt!

80 Jahre! Wie in einem Revuefilm liefen

so nach und nach die vergangenen Jahre vor

ihm ab.

Gerda Schneidereit! Er hatte sie, so zwei,

drei Tage schon bei verschiedenen Gelegenheiten

gesehen, sie aber kaum wahr genommen

oder beachtet. Bei den Mahlzeiten saß sie etwas entfernt

und er war ja viel zu sehr mit seinen, ihm wohlgeneigten

Tischdamen beschäftigt.

Doch jetzt war er aufgeschreckt.

Gerda Schneidereit wirkte nun – bei näherer und ganz

diskreten Betrachtung – noch recht jugendlich und beschwingt.

Ja, er musste zugeben, sie hatte sich trotz des

Alters top gehalten und naja. Er war dagegen noch wesentlich

attraktiver, gar nicht gealtert, und doch: Seit er ihren

Namen wusste, empfand er plötzlich sein Leben ganz entsetzlich

offen gelegt. Er sah sich in einer für ihn äußerst

unbehaglichen Lage. Er fühlte sich als sei ihm der Boden

unter den Füssen entrissen worden, außerdem beobachtet.

Es wurde ihm peinlich. Er hatte plötzlich den Eindruck,

heimliche Blicke von ihr zu spüren, in denen er einen

leichten Anflug von Spott oder ein hinterlistiges Grinsen

zu erkennen vermochte. Seine gute Laune, sein ihm angeborener

Frohsinn waren mit einem Schlage dahin

Gerda Schneidereit! Von all seinen amourösen Begegnungen

hatte sie einen niederschmetternden Eindruck hinterlassen.

Sie hatte ihn damals ganz schnöde abblitzen lassen, ihn

bloßgestellt, gedemütigt, ihn einen Weiberhelden genannt

und sein Weltbild für einige Wochen total aus den Fugen geworfen.

Sie hatte ihn wie einen jungen ungehobelten Bengel

behandelt. Er hatte sich so entsetzlich erniedrigt gefühlt.

Erinnerungen an all die anderen Damen waren vom Winde

verweht. Die zahlreichen Liebschaften und Begegnungen

wie Schall und Rauch vergangen. Aus Prinzip hatte er

die ihm so sehr zugewandten Damen nie ernst genommen,

was bei der Vielzahl seiner Amouren auch zu unnötigen

Komplikationen geführt hätte. Er liebte stets weit von einer

anderen entfernt, achtete akribisch auf Diskretion um allen

Risiken aus dem Wege zu gehen. In seinen zum Teil gleichzeitig

laufenden Affären hatte er sich eine gewisse Logistik

anerzogen. Ihm war durchaus bewusst, oftmals nicht als Ehrenmann

gehandelt, auch so manches zarte Herz unglücklich

zurückgelassen zu haben. Vor gehörnten Ehemännern

lebte er auf der Hut, sie waren ihm zu gefährlich, nannten

ihn einen Schürzenjäger. Wie unsensibel und schnöde!

Er fühlte sich beileibe nicht als Casanova oder Don

Juan. Er war ein Boheme, ein Schöngeist und die holde

Damenwelt hatte es ihm leicht gemacht. Sie lechzten regelrecht

nach seelischem Schutz und Beistand. Er stand

immer parat als liebevoller, charmanter Tröster. Allerdings

seiner Devise treu: Alles mitnehmen was sich bietet,

doch sobald es kritisch wird, sich rasch zurückziehen. Nur

nicht mit unnötigen Gedanken belasten. Nun ja, dafür hatte

es sich häufig auch finanziell gelohnt, dafür musste er

schließlich auch Opfer bringen. Im Allgemeinen blieb er

finanziell immer auf der sicheren Seite und es hatte sich

in der Regel für ihn auch ausgezahlt. Er war bisher mit

seinem Leben zufrieden.

Gerda Schneidereit! Er fühlte sich wieder in seiner Mannesehre

gekränkt und an unliebsame Situationen erinnert, die

ihn erneut bis ins Mark trafen. Ihn, den Mann von Welt, dem

zuweilen heute noch die Frauenherzen entgegen schmachteten.

Sie hatte ihn durchschaut, ihn abblitzen lassen, ihn bloßgestellt.

Nein, so etwas konnte man nicht vergessen.

Zugegeben, mit offenen Karten hatte er nie gespielt –

und wollten sie es hören? Er gab alles, wenn es um Streicheleinheiten

für einsame Seelen und Herzen ging. Er

hatte ein Gespür für die weibliche Psyche, die die Sinne

regelrecht dahin schmelzen ließen. Stets hatte er sehr viel

Hingabe und Zeit geopfert, wenn sich das schwache Geschlecht

nach seinen starken Schultern sehnte. In seinem

Unterbewusstsein tauchten nach und nach die vielen Orte

auf, die ihm seinen unabhängigen Lebensstil bis jetzt gesichert

hatten. Ja, selbst hier in der Seniorenresidenz konnte

er einfach nicht wiederstehen. Er machte immer noch

gerne Komplimente, schmeichelte den weiblichen Wesen,

schaute ihnen immer noch sehnsuchtsvoll hinterher.

Gerda Schneidereit! Brutal und mit einem Schlage hatte

sie ein Weltbild aus den Angeln gehoben. Seit er sie erkannt

hatte, nahm er die Mahlzeiten in seinem Zimmer ein.

Er suchte nach Auswegen dieser Dame nicht zu begegnen.

Er täuschte ein plötzliches Unwohlsein, einige Erkrankungen

vor, bis er sich wirklich malade und ermattet fühlte.

Was, so hämmerte es in seinem Kopf, wenn sie aus dem

Nähkästchen plaudere, wenn sie seine Identität aufdeckt?

Er würde mit einem Schlage den Lästermäulern anheimfallen,

er würde zum Gespött der Residenz werden.

Gerda Schneidereit! Dieser Name verfolgte ihn Tag

und Nacht, ließ seinen Blutdruck ansteigen, rief eigenartige

Schwindelanfälle hervor, ja selbst das Herz geriet ins

Stolpern und er fühlte teilweise Bruder Hein nachts an seinem

Bett stehen.

In einer seiner schlaflosen Nächte schlich er, von Seelenkummer

und Sorgen gepeinigt, in die Bibliothek des

Hauses um sich einen Krimi zu holen. Vielleicht, so dachte

er, bringt mich eine mörderische Lektüre auf andere Gedanken.

Aus dem Stationszimmer grüßte der Nachtpfleger.

„Nanu! Was ist los“, fragte er, „heute Abend zu tief ins Glas

geschaut und nun nicht schlafen können“?

Etwas verwirrt reagierte Ferdinand. „Wieso? Ich

hab nichts getrunken. Ich verstehe nicht, was war heute

Abend“, wunderte er sich.

„Na, waren sie nicht bei der Abschiedsfeier? Sehr spendabel

und großzügig hat sich Frau Schneidereit gegeben

und dass obwohl sie nur zur Kurzzeitpflege hier war. Morgen

holt ihr Sohn sie wieder ab“.

„Dann sollte man doch annehmen, es hat ihr hier sehr

gut gefallen“, stellte Ferdinand erlöst, erleichtert und übermäßig

glücklich fest. Er fühlte sich befreit, vergaß sogar

seine Lektüre und ging beschwingten Schrittes, ein fröhliches

Lied auf den Lippen, in sein Zimmer zurück.

Gerda Schneidereit konnte ihm nicht mehr gefährlich

werden, was für eine göttlich himmlische Fügung.

Sein 80-zigster Geburtstag stand wieder unter einem

guten Stern. Selig und beruhigt schlief er ein.

Eva-Maria Herrmann

22 durchblick 1/2021 1/2021 durchblick 23



Gesellschaft

Gesellschaft

Als das Bargeld noch lachen konnte

Es gab einmal eine Zeit, da wiesen Banken und Sparkassen

– durchaus auch auf den eigenen Vorteil bedacht

– eindringlich darauf hin, dass aller Wohlstand

mit dem Inhalt einer Spardose beginne. Und die in jeder

Beziehung gut gemeinten Empfehlungen wurden – wie erwünscht

– beherzigt. Die meisten Eltern schenkten ihrem

Nachwuchs eine Spardose oder ein Sparschwein. Und mit

Eifer sammelten die jungen Sparer nun ein ganzes Jahr

lang Münze um Münze. Dann schlug alljährlich am letzten

Arbeitstag im Oktober die große Stunde. In einem Geldinstitut

wurde der Inhalt des Sammelbehälters gezählt und

freudestrahlend ließen sich die Nachwuchssparer hinterher

in ihren Familien bewundern, wenn sie mit dem erhaltenen

Sparbuch das Resultat eines ganzjährigen Sammeleifers dokumentieren

konnten. Dieser besondere Tag hieß „Weltspartag“

und wurde 1925 in 27 Ländern gleichzeitig eingeführt.

Auch in meiner Familie spielte der Spargedanke eine

große Rolle. Dabei hätte meine Mutter allen Grund gehabt,

diesen zu verdrängen. Immer wieder einmal berichtete sie

darüber, dass sie bei der Währungsreform

über 3.000 Reichsmark eingebüßt

habe. Konsequent hatte sie viele Jahre

lang mit jedem übrig gebliebenen

Geldschein ihr Sparbuch-Guthaben erhöht.

Als dann die Deutsche Mark das

alleinige Zahlungsmittel wurde, kam

die Ernüchterung. Ihr sauer verdientes

Geld wurde im Verhältnis 100 : 6,5 umgetauscht

und ihr Guthaben war von einem

Tag auf den anderen auf rund 200

DM geschrumpft. Dass man hiermit in

mancherlei Hinsicht mehr anfangen

konnte als mit dem alten Geld, spielte

für sie lange Zeit keine Rolle. Aus über

3.000 waren mickrige 200 geworden –

die Zahlen alleine waren ihr wichtig und

hafteten in ihrem Gedächtnis.

Gleichwohl ging es meiner Mutter

ja noch viel, viel besser als ihren Eltern.

Die waren 1923 bei der mit einer

Hyperinflation verbundenen radikalen

Geldentwertung noch mit einer ganz

anderen Zahl konfrontiert worden. Damals

bekam man eine einzige „Rentenmark“

für eine Billion Mark der alten

Währung. Man stelle sich vor: Eine

Billion! Das ist eine Eins mit zwölf

Nullen dahinter! Viele Menschen – vor

allem in den Städten – fanden sich in

diesen wahrhaft schrecklichen Zeiten

mit einem Mal in Armut wieder. Ihre

finanziellen Rücklagen gab es nicht mehr.

In meiner Kinder- und Jugendzeit fruchtete der Hinweis

der Sparkasse, dass aller Wohlstand mit den ersten Münzen

in der Spardose beginne, noch bei den meisten Bundesbürgern.

Man hatte verinnerlicht, dass das Sparen eine Tugend

ist; das Wort „Sparen“ selbst hatte in Verbindung mit dem

Wort „Zinsen“ einen beinahe magischen Klang. Mehr als

einmal sagte man mir daheim das Sprüchlein vor: „Spare

in der Zeit, so hast du in der Not.“ Und so ergab es sich wie

von selbst, dass bei Anschaffungen erst einmal das hierfür

erforderliche Geld zusammenzusparen war, bevor man zum

Kauf schritt. Bei der Sparkasse wegen eines Kredits zu fragen,

das war bei Vielen verpönt und kam – mit Ausnahme

der „Häuslebauer“ – kaum jemandem in den Sinn.

Ja, gewiss, den Weltspartag gibt es heutzutage immer

noch. Beinahe ein Jahrhundert lang besaß er den Ruf als

„das Fest für die Sparsamkeit“. Doch diese Tugend wird spätestens

seit der „Quasi-Abschaffung“ der Zinsen als altmodisch

empfunden. Man soll – sagen die Fachleute aus der

Foto: wikimedia commons

Geschäftswelt – ja auch gar nicht mehr sparen, sondern sein

Geld ausgeben. So stütze man die Wirtschaft. Das einst so

hochgehaltene Sparschwein ist zu einer armen Sau geworden.

Und man ist versucht, die Frage zu stellen, warum die

Sparkasse, die eine Filiale nach der anderen schließen muss,

überhaupt immer noch Sparkasse heißt.

Die ersten Münzen wurden – so viel man weiß – in Lydien

geprägt. So nannte man im Altertum eine Landschaft

an der Mittelmeerküste Kleinasiens. Die aus der Bibel bekannte

Stadt Ephesos ist dort ebenso zu finden wie das von

Homer beschriebene Troja. Hier herrschte um 600 v.Chr.

ein König mit Namen Midas. Einige Jahrzehnte lang waren

in seinem Herrschaftsgebiet unförmige Brocken aus

Elektron, einer dort natürlich vorkommenden Gold-Silber-

Legierung, als Zahlungsmittel verwendet worden. Doch

dann ließ König Midas – womöglich der Empfehlung eines

schlauen Ratgebers folgend – die Brocken zu einer runden

Scheibe mit einer bildlichen Darstellung umformen.

Die Wirkung dieser „Erfindung“ war außergewöhnlich

und fand in vielen Regionen im Laufe der Jahrhunderte

Nachahmer. Bis dahin waren Tauschgeschäfte nach

dem Motto „Du lieferst mir eine Ware und ich gebe dir

eine andere Ware“ üblich. Hierbei wechselten Getreide,

Schmuckstücke, Kühe, Frauen und Pfeilspitzen ihre Besitzer.

Nun aber gab es einen höchst erfolgreichen Gegenentwurf.

Dieser bot vor allem den Vorteil, dass der Käufer

ihn nicht wie beim Tauschen auf Gewicht, Volumen und

Güte prüfen musste. Nicht zuletzt war auch die geringe

Größe der runden Scheiben sehr nützlich, denn ihr Besitzer

konnte sein finanzielles Habe nun unauffälliger verwahren.

Seit Midas war es in Herrscherkreisen bekannt, dass

man am Geldmonopol verdienen kann. Und einer, der sich

das wie kein Zweiter zunutze machte, war Gajus Julius Cäsar

(100 – 44 v.Chr.). Dieser hatte als Feldherr nicht nur

Gallien und danach Kleopatra erobert, sondern er erwarb

sich auch als wirtschaftlicher Vordenker große Verdienste.

Im riesigen römischen Reich rund um das Mittelmeer

führte er den Golddenar („Aureus“) als gemeinsame Währung

ein. Es dauerte nicht lange und allerorten entstanden

Banken, die das ihnen von privaten Sparern überlassene

Geld als Kredite – nicht selten mit Wucherzinsen – an Investoren

ausliehen. Die Sparer ihrerseits profitierten durch

Zinsen von ihren Einlagen.

Damals wie heute durften die Banken eines nicht, nämlich

das Geld selbst herstellen. Dieses Recht besaß nur der

Staat. Und das Monopol führte dazu, dass das römische

Imperium einige Jahrhunderte lang praktisch ohne Steuern

auskam. Es waren Roms goldene Zeiten. Doch mit

dem Niedergang des „alten“ römischen Reichs im fünften

Foto: pixabay

Julius Cäsar führte den „Golddenar“ als Währung ein.

Jahrhundert folgte das Debakel. Alle späteren Herrscher

waren nicht Willens und nicht in der Lage, die Prozesse

des Investitions- und Spargedankens aufzunehmen – geschweige

denn fortzuentwickeln. Das Christentum war

hieran nicht unbeteiligt, denn ein Jahrtausend lang durften

Geldgeschäfte beinahe ausschließlich nur noch von nichtchristlichen

Minderheiten ausgeübt werden. Erst mit der

Reformation und der Renaissance kamen Finanzinstitute

langsam wieder zu Ehren und die Errungenschaften der

„alten Römer“ erlebten eine Fortsetzung.

Bei uns machte das Geld als Tausch- und Zahlungsmittel

vor der Gründung des Deutschen Reichs vor 150 Jahren schon

einiges durch. Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts hatten

die Kurfürsten in dem aus über 300 Klein- und Mittelstaaten

bestehenden „Flickenteppich Deutschland“ das Münzrecht.

Geldbezeichnungen wie „Kreuzer“, „Schilling“, „Dukaten“,

„Heller“, „Gulden“ und „Taler“ stammen aus jener Zeit. Wer

die Grenze einer deutschen Region überschritt und ein anderes

Herrschaftsgebiet betrat, musste seine Währung – in der

Regel mit Verlust – in die dort gültige einwechseln.

Dies änderte sich nach der Reichsgründung. Die Währung

für ganz Deutschland war nun die Mark und zu ihr

gehörte der Pfennig. Weil der Wert aller herausgegebenen

Münzen und Geldscheine dem Goldvermögen des

24 durchblick 1/2021 1/2021 durchblick 25



Gesellschaft

Gesellschaft

Foto: Fritz Rudolf Künker

GmbH & Co. KG, Osnabrück, www.kuenker.de

Lübke & Wiedemann KG, Leonberg

Historische Münzen, vorwiegend aus Europa

Reichs entsprach, bezeichnete man das Geld als „goldgedeckt“.

Im Verlauf des 1. Weltkriegs wurde dieser Goldstandard

abgeschafft. Um die Kriegskosten aufzubringen,

druckte man immer mehr Geld ohne Gold als Gegenwert

und leitete damit letztlich die Inflation ein. Der Reichsmark,

von 1924 bis 1948 das gesetzliche Zahlungsmittel,

erging es ähnlich. Sie hatte nach dem letzten Krieg kaum

noch eine Kaufkraft, es wurde mit Tauschmitteln „gehamstert“

und der von einer „Zigarettenwährung“ beherrschte

Schwarzmarkt florierte.

Die von vielen Deutschen herbei gesehnte Währungsreform

wurde am 20. Juni 1948 Realität. Jeder Bürger erhielt

im Eintausch gegen 40 alte Reichsmark ein „Kopfgeld“

von 40 neue „Deutsche Mark“. Die weitaus meisten

Händler hatten ihre Waren bis zu diesem Zeitpunkt versteckt

verwahrt. Und nun füllten sich plötzlich – wie von

Zauberhand bewirkt – die Schaufenster mit Konsumgütern,

die zuvor kaum zu erhalten schienen. Mehr als ein halbes

Jahrhundert lang galten die solide D-Mark und ihre

Hüterin, die Bundesbank, als Garanten für Wohlstand und

Sicherheit. Entsprechend schwer fiel der Abschied und

der 2002 in zwölf Ländern eingeführte Euro war eine Zeit

lang heftig umstritten. Schnell erlangte er – vor allem im

Dienstleistungsbereich und in der Gastronomie – als „Teuro“

eine von der Politik nicht erwünschte Berühmtheit. Die

damalige Grundhaltung hat sich inzwischen bei Vielen gemildert,

denn trotz aller Probleme wirkt der Euro einigermaßen

stabil.

Rund zweieinhalb Jahrtausende lang prägte das Bargeld

den Kreislauf der Wirtschaft. Seit den Münzen des Midas

bis zum Euro machte es viel durch, überstand ungezählte

bewaffnete Konflikte, zeigte gelegentlich auch Defizite.

„Iss und trink solang dir`s schmeckt – schon zweimal

ist uns `s Geld verreckt!“, so lautet die Redensart, die sich

auf die Inflation und die 1948er Währungsreform bezieht.

Doch aus all den Konflikten und Schwächen ging das Geld

erstarkt hervor. Angesichts fehlender realistischer Alternativen

schien es unangreifbar. Aber der Schein war trügerisch!

Foto: pixabay

Seit 2002 gibt es den Euro auch als Bargeld

„Doch mit des Geschickes Mächten ist kein ew`ger

Bund zu flechten“, sagt Schiller im „Lied von der Glocke“

und er fährt fort mit den Worten „…und das Unglück

schreitet schnell.“ Und es sind nicht gerade wenige, die

es als Unglück empfinden, dass sich die Stimmen derjenigen

mehren, die wahrhaftig unser Bargeld abschaffen wollen.

Diese Stimmen kommen nicht nur aus der Politik und

der Industrie, nein,

ausgerechnet die

Banken haben ein

großes Interesse

hieran.

John Cryan, damals

mit einem

Jahresgehalt von

3,8 Millionen Euro

Chef der Deutschen

Bank, startete 2016

beim Weltwirtschaftsforum

in Davos

einen rigorosen

Angriff auf das Bargeld.

Es sei nicht

nur überaus teuer,

Foto: wikimedia commons

John Cryan: „Das Bargeld wird

demnächst abgeschafft“

sondern auch ineffizient. Lediglich Geldwäscher und andere

Kriminelle profitierten hiervon. Deswegen würden Münzen

und Scheine in den nächsten zehn Jahren wohl verschwinden.

Eine solche Aussage hätte meine Mutter in ihrer Siegerländer

Direktheit wohl so kommentiert: „Dä Mah es doch net

meh ze rädde!“ Und Börsenmakler Dirk Müller, international

als „Mister Dax“ bekannt, sagt mit einer ähnlichen Offenheit:

„Wer sich stark macht für Bargeldabschaffung, weil

es so schön bequem ist und weil so wenig Bakterien auf den

Scheinen sind, der hat nicht mehr alle Latten am Zaun.“

Bargeldlos bezahlen konnte man erstmals im Jahr 1950,

als die Kreditkarte eingeführt wurde. Nur wenige bekamen

von diesem harmlos scheinenden Anfang etwas mit. In den

folgenden Jahrzehnten gab es zwar eine ständige Nutzer-

Zunahme, doch erst als die seit 1969 etablierte EC-Karte

(EC = Eurocheque) im Jahr 2007 durch die Girocard ersetzt

wurde, schaffte das bargeldlose Zahlen den eigentlichen

Durchbruch. Vor allem an den Ladenkassen wird das

sichtbar. „Was soll ich noch mit Bargeld?“, fragte mich ein

Gleichaltriger, den ich auf das Thema ansprach. „Anstelle

eines Geldsäckels reicht es mir, wenn ich die Bankkarte in

der Tasche habe. Ich bezahle alles damit.“ Er steht nicht

alleine da und es ist nicht nur die junge Generation, der es

wenig ausmachen würde, wenn es kein Bargeld mehr gäbe.

Die ersten Signale für die Abschaffung sind bereits erfolgt.

So ist das angestrebte „Aus“ der bei Bösewichten

beliebten 500-Euro-Scheine eine Realität, seit drei Jahren

werden schon keine mehr gedruckt. Schwarzmarkt, Drogenhandel,

Waffenkäufe sollen erschwert werden. Derlei

illegale Aktivitäten hinterlassen ja auch tatsächlich auf

einem Kontoauszug einen ziemlich doofen Eindruck. In

einigen Nachbarländern hat man außerdem unterschiedliche

Obergrenzen für das Bezahlen mit Bargeld festgelegt.

Auch in Deutschland soll eine solche eingeführt werden.

Aber kann man deshalb das Bargeld mehr oder weniger in

die Nähe der Kriminalität rücken?

Wenn ich das Wort „bargeldlos“ höre, muss ich beinahe

automatisch an George Orwell denken. Mein Geschichtslehrer

brachte mir dessen Buch mit dem Titel „1984“ zu Beginn

der sechziger Jahre nahe. „Es ist ein Zukunftsroman“,

sagte er, „und aus ihm ist zu ersehen, wie es künftig kommen

kann.“ Als ich den damaligen Bestseller gelesen hatte,

zweifelte ich doch sehr daran, dass es den hier beschriebenen

Überwachungsstaat in nur rund zwei Jahrzehnten geben

würde. Jetzt weiß ich, dass Orwell sich vielleicht lediglich

in der Anzahl der Jahrzehnte verschätzt hatte. Die im Roman

gängige Parole „Der Große Bruder beobachtet dich“

scheint jedenfalls näher zu rücken. Die Schreckensvision

der totalen Überwachung ist keine Utopie mehr.

Versuchen wir, die Sache realistisch anzugehen. Einkäufe

mit der Plastikkarte haben zur Folge, dass digitale Spuren

entstehen, alles Gekaufte wird gespeichert, jede Erwerbung

ist gut nachvollziehbar, jegliche Privatsphäre geht flöten. Das

mag beim Kauf von Zucker, Mehl und Joghurt zu ignorieren

sein. Aber es gibt auch eine Menge Konsumgüter, deren

Kauf man lieber geheim halten würde. Beispiele hierzu erspare

ich mir und überlasse diese der Phantasie der Lesenden.

Der oben genannte Engländer an der Spitze der Deutschen

Bank drückte vor fünf Jahren nur das aus, was sich

in der gesamten Branche sehr viele wünschen. Jede Bank

profitiert nämlich von den Gebühren, die bei einem Kauf

per Karte fällig werden. Bei den meisten Kreditinstituten

zahlt der Händler die Gebühr, bei manchen wird der

Kunde ebenfalls zur Kasse gebeten. Die Kaufsumme mit

Scheinen und Münzen zu entrichten, ist für die Händler in

der Regel günstiger – sieht man einmal von dem Aufwand

für das Zählen und den Transport des Bargelds ab.

Senioren- und Pflegeeinrichtungen

Vermittlung von Seniorenwohnungen

und Service-Wohnen

Haus Höhwäldchen

Höhwäldchen 3

57234 Wilnsdorf

Telefon 0 27 39 4 78-0

57 Pflegeplätze

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Altenzentrum Freudenberg

Lagemannstraße 20-24

57258 Freudenberg

Telefon 0 27 34 2 77-0

96 Pflegeplätze

51 Seniorenwohnungen

Fliedner-Heim

Luisenstraße 15

57076 Siegen

Telefon 02 71 48 84-0

74 Pflegeplätze

26 Seniorenwohnungen

Sophienheim

Südstraße 11

57074 Siegen

Telefon 02 71 66 03-0

117 Pflegeplätze

24 Seniorenwohnungen

Haus Obere Hengsbach

Hengsbachstraße 155

57080 Siegen

Telefon 02 71 7 70 19-0

98 Pflegeplätze, davon

12 Plätze im beschützenden

Bereich für Demenzerkrankte

www.diakonie-sw.de

26 durchblick 1/2021 1/2021 durchblick 27



Gesellschaft

Gesellschaft

Der weitaus wichtigste Grund für die Banken ist aber

sehr vielen Menschen noch nicht bewusst. Wer beispielsweise

für sein Alter vorgesorgt und hierfür auch eine gewisse

Summe angespart hat, der muss hellhörig werden,

wenn der Begriff „Negativzinsen“ genannt wird. Diese

würden zur Folge haben, dass er für die Aufbewahrung

seines Ersparten anstatt Zinsen zu bekommen an die Bank

Zinsen zahlen muss. „Wenn es soweit kommt, dann werde

ich mein Geld abheben und an einem anderen Ort deponieren“,

wird die spontane Reaktion sein. Das wissen die Banken.

Deshalb gibt es für Sparer noch keine Negativzinsen.

Und nun kommt ein Weckruf und ich kann die Buchstaben

gar nicht so groß schreiben, wie es zum Aufrütteln

eines Jeden nötig wäre: Wenn das Bargeld abgeschafft

wurde, dann kann ich mein Geld nicht mehr abheben, es

gibt ja keine Scheine und Münzen mehr. Die Geldinstitute

haben freie Hand und wer soll sie daran hindern, ihre

Möglichkeiten mangels einer Alternative gnadenlos mit

hohen und höheren Gebühren ausnutzen! Die Freiheit,

die ich durch das Bargeld habe, ist dann abgeschafft, eine

schleichende Enteignung setzt ein! Basta! Kein Bürger

sollte hieran ein Interesse haben.

Bei Gesprächen zu dem Thema werden mitunter viele

Fragen gestellt, über die hier nicht näher spekuliert

werden soll. Beispielsweise: „Was passiert, wenn es kein

Bargeld mehr gibt und die elektronischen Zahlungssysteme

fallen aus?“ Oder: „Wie sicher ist das Geldsystem

gegenüber einem ‚Hacker-Angriff‘?“ Oder: „Kann die

Chipkarte so programmiert werden, dass ich bestimmte

Waren gar nicht mehr kaufen kann?“ Oder: „Kann ich bei

einer Abschaffung auf ein anderes Währungssystem umsteigen?“

Oder: „Wenn es kein Bargeld mehr gibt, wird

dann wie bei Methusalem wieder der Tauschhandel zur

Geltung kommen?“

…und dann kam der Tag, an dem ich meine Überzeugung

verriet. Es war zu Beginn der Pandemie. In einem

Supermarkt vor der Ladenkasse wartend, fiel mein Blick

auf ein Schild mit der Bitte, zum Schutz der Kassiererin

nach Möglichkeit bargeldlos zu zahlen. Das leuchtete

mir ein und ich dachte mir, dass es für meinen eigenen

Schutz auch gut sein würde. Und ich schob kurz darauf

erstmals meine Bankkarte in den Schlitz eines Kartenlesegeräts.

Und noch beim Eingeben der Geheimzahl vernahm

ich in meinem Kopf deutlich das Zitat: „Auch du,

mein Sohn Brutus.“ Und es war mir in diesem Moment

völlig egal, ob es tatsächlich die letzten Worte des eingangs

erwähnten Cäsars waren, als man ihn abmurkste.

Vielmehr wurde mir klar, dass ich nun auch zu der Gruppe

der „Bargeld-Abtrünnigen“ gehörte. Aber ich werde

es – hoffentlich sehr, sehr bald – wieder gutmachen und

ändern. Versprochen!

Ulli Weber

„HEIHO, HEIHO, BALD SIND WIR WIEDER FROH ...“

www.lyz.de

KABARETT

THEATER

MUSIK

LITERATUR

... demnächst wieder im kulturhaus

Schlichten ist nicht so schlecht

Wie Schiedsverfahren Probleme lösen helfen

Sie kennen das: Eigentlich könnte

das Leben so schön sein, wenn

nicht die Äste von Nachbars Baum

so weit in mein Grundstück ragten, das

verliehene Geld oder Gerät immer noch

nicht zurück gegeben wäre, meine Bekannte

angefangen hätte, mich auf Facebook

zu beleidigen. Meine Gespräche,

meine Proteste, meine Mahnungen – alle

erfolglos. Und ehrlich gesagt: Ich verliere

auch schon mal die Nerven und vergreife

mich dann im Ton. Aber dafür gleich

vor Gericht ziehen? Das kostet auch Zeit,

Geld und Nerven. Und ob mir der Richterspruch

zusagen würde, ist auch noch

nicht sicher. Und überhaupt – Was sagt

meine Frau dazu?

Genau für diese Fälle gibt es seit mehr

als 150 Jahren Schiedsämter; auch an Ihrem

Wohnort.

Wie fängt man denn so was an?

Sie rufen einfach die für Ihren Wohnbezirk

zuständige Schiedsperson an.

Dann haben Sie ab sofort die notwendige Begleitung und

Beratung für alle weiteren Fragen.

In der Regel lädt die Schiedsperson zu einem Gespräch,

bei dem Sie Ihren Antrag auf Einleitung eines Schiedsverfahrens

zu Protokoll geben können. Sie können natürlich

auch gleich selbst einen Antrag schreiben, in dem Sie formulieren,

welchen Vorwurf Sie erheben und welchen Anspruch

Sie stellen; und natürlich gegen wen.

Ach, Sie kennen die zuständige Schiedsperson nicht?

Das geht nicht nur Ihnen so. Rufen Sie einfach beim Ordnungsamt

Ihrer Gemeinde- oder Stadtverwaltung an. Die

geben Ihnen Auskunft. Wenn Sie lieber über das Internet

gehen, klicken Sie die Startseite Ihres Wohnortes an und suchen

Sie unter Schiedsamt. Da werden Sie auch fündig.

Foto: wikimedia commons

Senioren auch –

mobil unterwegs!

Und wie läuft das dann?

Die Schiedsperson nimmt Ihren Antrag

an sofern das Schiedsamt örtlich

und fachlich zuständig ist.

Sie lädt beide Seiten zum Schiedstermin.

Hierbei ist wichtig, dass Antragsteller

dem Termin fernbleiben können.

Antragsgegner müssen erscheinen,

sofern das nicht schwerwiegende

Gründe verhindern, z. B. Krankheit

(nur mit ärztlichem Attest) Auslandsaufenthalt.

Berufliche Gründe, wie

etwa Schichtdienst, sind kein Hinderungsgrund.

Jeder Arbeitgeber

muss bei Vorlage der amtlichen Ladung

beurlauben.

Alle setzen sich zum anberaumten

Termin zur Schiedsverhandlung

zusammen an einen Tisch. Das ist

eine gute Situation. Ping – Pong –

Kommunikation mit gegenseitigen

Vorwürfen ist kaum möglich, weil

eine neutrale Person das Gespräch

leitet. Man hört sich gegenseitig zu.

Man spricht miteinander, nicht gegeneinander.

So lässt sich ein Kompromiss

finden. Diesen Kompromiss handeln

die beiden Parteien einvernehmlich

aus. Das ist der Schlichtungsspruch,

den beide Parteien

unterschreiben und die Schiedsperson

amtlich bestätigt.

Sollte sich – was wirklich selten

vorkommt – eine Partei nicht an

diesen Schlichtungsspruch halten, so ist er 30 Jahre lang

gerichtlich einklagbar.

Carl Spitzweg: Justitia (1857)

Und wenn man sich nicht einigt?

Dann stellt die Schiedsperson der Antrag stellenden Partei

eine Erfolglosigkeitsbescheinigung aus und damit steht

der Klageweg offen.

Die finanzielle Aufwand für ein Schiedsverfahren ist

gering! Bei der Antragstellung müssen 50,00 € Kostenvorschuss

hinterlegt werden. Bei einem Schlichtungsspruch

teilen sich beide Partner die Kosten nach eigener Absprache.

Jede Partei kann sich einen Beistand mitbringen. Das

können Bekannte, Freunde, Juristen sein, dann wird es erfahrungsgemäß

meistens deutlich friedlicher.

Tilla-Ute Schöllchen

Ob PC, Tablet oder Smartphone...,

diese Geräte werden auch für die

ältere Generation immer wichtiger.

Sie halten mit Ihren Freunden

und Bekannten ganz leicht Kontakt.

Nützliche Apps helfen Ihnen

auf verschiedene Weise, sich zu

informieren.

Wir helfen Ihnen bei der seniorengerechten

Einarbeitung in die

neue Technik und zeigen, wie Sie

diese richtig nutzen können.

Kommen Sie zu uns ins

„Senec@fé,

Treffpunkt neue Medien“

des Vereins

ALTERAktiv Siegen- Wittgenstein e.V.

Haus Herbstzeitlos,

57080 Siegen,

Marienborner Str. 151

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Kurzgeschichte

Nach ihrem Bild geschaffen

Wie das mit den Erfindungen ist,

man findet sie nicht,

sondern sie finden uns.

Claudius

Wir waren eine glückliche Gesellschaft. Der Fortschritt

hatte die sozialen Unterschiede, die frühere

Generationen häufig ins Unglück gestürzt hatten,

völlig abgeschafft. Jeder konnte sich jeden Wunsch erfüllen,

denn die Maschinen sorgten dafür, dass alles im Überfluss

vorhanden war. Das Geld hatte man schon lange aus dem

Verkehr gezogen. Diebstähle und Raubmorde waren sinnlos

geworden. Jeder konnte sich das nehmen, was er brauchte.

Es gab keine Verbrechen mehr. Anfangs hatten sich manche

noch mit allem möglichen Überfluss ausgestattet, als es geheißen

hatte, jeder könne bekommen, was er wolle. Doch

diese verständliche Raffgier, die aus einem früheren Mangel

geboren war, wirkte bald schon so dumm, dass es selbst dem

verstocktesten Geizhals aufging, wie kleingeistig er sich benahm.

So einer stapelte nämlich die ganzen Waren in seinem

Haus, so dass er sich kaum noch zu bewegen vermocht,

und konnte doch nichts damit anfangen. Im Gegenteil erwuchs

ihm daraus der Nachteil, dass er seine Wohnung in

ein Warenlager verwandelte und somit seinen Lebensraum

einschränkte. Ergo dauerte es nur kurze Zeit, bis auch der

Letzte erkannte, dass es alleine darauf ankam, das Lebensnotwendige

zu besitzen.

Natürlich blieben in unserer Gesellschaft noch gewisse

Arbeiten zu tun übrig, die von uns verrichtet werden mussten.

Die wichtigste Aufgabe bestand darin, die Reparaturmaschinen,

die die Herstellungs- und Versorgungsmaschinen kontrollierten

und gegebenenfalls ersetzten oder instand setzen,

zu überwachen und darauf zu achten, dass das Ersatzteillager

immer gut gefüllt war. Doch dazu bedurfte es nur noch

einiger weniger Spezialisten, die das einmal in der Woche

für zwei Stunden besorgten. Sie hatten praktisch die Funktion

der früheren Regierung übernommen, denn Regierungen

im althergebrachten Sinn gab es schon lange nicht mehr. Die

Entscheidungen wurden alle von einer großen Denkmaschine

getroffen, die darauf programmiert war, das Wohl und die

Bequemlichkeit der Menschen weitestgehend zu berücksichtigen.

Die breite Masse lebte natürlich in den Tag hinein, da

ein intellektueller oder körperlicher Einsatz an den Lebensumständen

ohnehin nichts zu ändern vermochte. So gab es

nur wenige, die sich nicht mit von Maschinen erdachten Spielen

unterhielten. Zu den wenigen gehörte der rastlose Erfinder

Tong Mo, der immer wieder neue Pläne für Maschinen

entwickelte und in dieser Disziplin die Erfindungsmaschine

an Unnützem und Nützlichem weit übertraf.

Tong Mo hatte sich bereits in seiner Kindheit mit Computern

beschäftigt. Siebzehnjährig entwickelte er eine Maschine,

die selbst Bücher schreiben konnte. Er brauchte ihr

nur gewisse Daten einzugeben – Umfang und Art der gewünschten

Geschichte –, und schon konnte sie einen ganzen

Roman mit Kapiteleinteilungen ausdrucken. Da in seinem

zwanzigsten Lebensjahr viele seiner Zeitgenossen die Kunst

des Lesens nicht mehr beherrschten, die sich - wie auch das

Rechnen und Schreiben – angesichts der Maschinen als

überflüssig erwiesen hatte, verband er seine Maschine mit

einem Lesecomputer, der den konzipierten Text mit einer

angenehmen, weiblichen Altstimme vorlas. Doch selbst diese

Weiterentwicklung stellte sich mit der Zeit als zu unattraktiv

für die verwöhnten Konsumenten heraus.

So machte Tong Mo in seinem dreißigsten Lebensjahr

den nächsten Schritt zur Perfektion. Er entwickelte ein Dialogisier-

und Raffungsgerät, den so genannten Diraffer, der

den Romantext zu einem Filmdrehbuch umarbeitete. Dieser

Text konnte einem Computer eingegeben werden, der in der

vorgeschriebenen Weise einen Digitalaufzeichner beeinflusste.

Nach den Beschreibungen in dem Roman gestaltete

er selbst die Personen aus Einzelkomponenten und stellte

den visuellen Eindruck von Wohnungen, Häusern, Straßen,

ja ganzen Städten her, die in der Geschichte eine Rolle spielten.

Diese erste Verbindung zwischen Drehbuch und Film

war jedoch nicht fehlerfrei. So war der Handlungsort eines

Romans Köln, aber da nur gewisse Gebäude von Bedeutung

in diesem Text erwähnt waren, zeigte sich ein seltsam

verfremdetes Stadtbild von Köln, bei dem die Sehenswürdigkeiten

wie der Dom, der Zoologische Garten, das Opernhaus

und der Rheinpark direkt nebeneinander lagen. Außerdem

waren nur die wenigen Straßen und Häuser zu sehen,

die das Drehbuch erwähnte. Das kleine Köln wirkte auf

dem Monitor reichlich merkwürdig. Diese Kinderkrankheit

war jedoch mit Leichtigkeit zu beheben. Tong Mo gab dem

Computer die vollständigen Stadtbilder aus den verschiedenen

Jahrhunderten ein, und so spielten die Ereignisse bei der

Erwähnung des Ortes und der Zeit gleich in der richtigen

Kulisse. Nach Datum und Ort entschied der Computer ebenfalls,

welche Kleidung und Fortbewegungsmittel seine Darsteller

zur Verfügung hatten. Und selbst wenn diese nicht im

Text erwähnt wurden, so konnte sie doch die Atmosphäre im

Hintergrund mit dokumentarischer Echtheit gestalten.

Tong Mo war selbst ein begeisterter Cineast. Er besaß

ein umfangreiches Archiv alter Filme, die früher noch auf

ganz konventionelle Weise mit Darstellern und einem riesigen

Apparat von Technikern und Ausstattern hergestellt

wurden. Er hatte seine Lieblingsschauspieler unter dem Heer

Damals waren lebenden Menschen noch in der Lage, irgendetwas schauspielerisch darzustellen.

der Agierenden, und er gab auch diese Gesichter und Bewegungen

durch die Filme in seinen Computer ein, der dann

Gary Cooper, Henry Fonda, Marilyn Monroe, James Dean

und anderen längst verstorbenen Hollywoodgrößen neue

Rollen in neuen Filmen gab. Der Computer hatte jeden Gesichtsausdruck

der Schauspieler gespeichert, und selbst in der

Großaufnahme merkte man nicht, dass das Lachen von Gary

Cooper lediglich vom Computer produziert worden war. Es

war die perfekte Illusion.

Es war aber auch die einzige Möglichkeit, einen Film

zu produzieren. Denn die inzwischen lebenden Menschen

waren nicht mehr in der Lage, irgendetwas schauspielerisch

darzustellen. Dazu besaßen sie auch keinerlei Ehrgeiz mehr,

sieht man einmal von der mangelnden Begabung ab. Sie

konnten nur noch leben und genießen. Und sie waren alle

nur zu froh, dass sich Tong Mo derart erfolgreich um ihre

Unterhaltung bemühte.

Bald schon trafen die ersten Wünsche bei Tong Mo ein, der

seine Filme über Kabel und Satelliten direkt in alle Fernsehhaushalte

übertrug. Man entwickelte gewisse Vorstellungen

von den Filmen, die man sehen wollte, und schlug sogar vor,

wer bestimmte Rollen übernehmen sollte. Dabei offenbarten

manche Wünsche einige recht merkwürdige Vorlieben. So

wollte jemand die kleine Shirley Temple als Gangsterbraut in

einer Art „Bonnie und Clyde“-Variante erleben. Die meisten

Begehren landeten im Papierkorb,

denn Tong Mo wollte sein Programm

weitgehend selbst bestimmen,

aber einige fand er so gut,

dass er die Romanschreibmaschine

in Bewegung setzte, die aus den

Stichworten eine stimmige Geschichte

entwickelte.

Allmählich wollten die Leute

mehr über ihre Stars wissen. Sie

wollten die Lebensgewohnheiten

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kennenlernen, sie wollten wissen, wer mit wem liiert war,

und sie vergaßen darüber ganz, dass diese bereits einige

Jahrzehnte tot waren. Da sie sie agieren sahen - was auch

noch dreidimensional geschah - war es für sie ganz selbstverständlich,

dass sie existierten. Damit hatte Tong Mo nicht

gerechnet. Es bedeutet für ihn eine neue Aufgabe.

Anfangs fasste er den Plan, die wirkliche Lebensgeschichte

der Stars, wie sie in Biographien präsent war, von

seinem Computer übertragen zu lassen, wovon man dann

nach und nach Filmausschnitte herstellen konnte. Nachdem

er die Biographie von James Dean und Marilyn Monroe

gelesen hatte, verzichtete er darauf. Der frühe Tod der beiden

Stars würde bei seinen Zuschauern sicher Depressionen

und Trauer hervorrufen, und es wäre sehr unbefriedigend

gewesen, in der Folge immer wieder ihr frühes Ableben zu

beklagen. Natürlich hätte Tong Mo beider Leben beliebig

verlängern können. Aber er sah voraus, dass die begeisterten

Zuschauer ihre Stars bald schon nicht mehr nur auf der

Fernsehwand sehen wollten. Dieser Wunsch konnte nur auf

eine Weise seine Erfüllung finden: sie mussten existieren!

Tong Mo dachte lange über das Problem nach. Theoretisch

war es durchaus möglich, sie auf der Basis der zahlreichen

Filme, die sie in verschiedenen Stimmungen zeigten,

sehr lebensecht zu kopieren. Eine Schwierigkeit bestand allerdings

darin, dass kaum Szenen aus dem Privatleben

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Kurzgeschichte

Kurzgeschichte

der Filmstars vorhanden waren. Die Filme

zeigten die Stars ausschließlich in ihren

Rollen; aber so wollten die Zuschauer

sie ohnehin sehen. Der menschliche Körper

bestand aus chemischen Verbindungen,

die sich problemlos kopieren ließen.

Auch die Bewegungen und die Sprache

waren ohne Schwierigkeiten auf physikalische

und chemische Reaktionen zurückzuführen.

Das Äußere wurde durch

die Filmaufnahmen in einem Idealbild

vorgegeben.

Von diesen theoretischen Überlegungen

bis zur Ausführung war es bei Tong

Mo nur ein kleiner Schritt. Er konstruierte

eine Maschine, die zuerst den noch ungeschlechtlichen

Prototyp eines Menschen

erschuf. Dieser konnte dann – je nach

Eingabe – als männlich oder weiblich definiert

werden und bekam anschließend

die individuellen Züge und die Figur des

jeweiligen Stars. Das Ergebnis verblüffte

selbst Tong Mo, der den Erfolg seiner Arbeit

bereits einkalkuliert hatte. Als er aber

dann den leibhaftigen Hollywoodgrößen

James Dean, Henry Fonda und Marilyn

Monroe gegenüberstand, da raubte der

Anblick ihm doch den Atem. Jeder der

Stars bekam nun eine luxuriös im Stil

der sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts

eingerichtete Villa zugewiesen. Von den

Massen bestaunt konnten sie ihr verschwenderisches

Leben führen.

Alles schien in Ordnung. Die Stars

trugen ihre Kostüme, die man aus den

Filmen kannte, und ließen sich widerspruchslos

im Liegestuhl oder im Swimmingpool

von den Massen begaffen, die

an ihren Häusern vorbeipilgerten. Sie

schienen gar nicht groß auf die Menschen

zu reagieren, und man erwartet es auch

nicht von ihnen, denn die Stars waren

für die Masse Götter, die hoch über ihr

standen, die man zwar anbeten durfte, die

sich aber nicht herabließen, mit dem gewöhnlichen

Volk in Kontakt zu kommen.

Dennoch lechzte man natürlich danach,

ihre Aufmerksamkeit zu erregen

und von ihnen in einem Gespräch Näheres

über ihre Lebensumstände zu erfahren.

Schließlich kam Tong Mo auf die Idee,

ein Interview mit einem von ihnen zu organisieren.

Er wählte Henry Fonda aus

und übernahm selbst den Part des Interviewers,

da er am besten Bescheid wusste.

Garry Cooper

Henry Fonda

Marilyn Monroe

James Dean

Anfangs ging alles gut. Ton Mo stellte

die üblichen Interviewfragen, und Henry

Fonda, der seine Cowboykluft mit dem

Colt an der Seite trug, antwortete in der

lässigen, herablassenden Art, die man so

gut aus seinen Filmen kannte. Tong Mo

beherrschte die Rolle des Interviewers

hervorragend, und es wäre sicherlich alles

gut gegangen, wenn er nicht plötzlich

übermütig geworden wäre. Vielleicht hatte

er in alten amerikanischen Talkshows

gesehen, wie der Moderator seine Gäste

mit gewissen Fragen reizte, damit diese

die Beherrschung verloren. Wie dem

auch sei, jedenfalls fragte Tong Mo sein

Gegenüber Henry Fonda ganz unvermittelt:

„Haben Sie eigentlich ein Verhältnis

mit ihrer Tochter?“

Henry Fonda starrte ihn an, wir Zuschauer

glaubten, wir hätten uns verhört,

aber Tong Mos selbstsicheres Lächeln

verriet uns, dass den Ohren noch zu trauen

war. Henry Fondas Reaktion war schnell

und heftig: „Diese Frage stellst Du mir

nicht noch einmal, män!“ fauchte er zwischen

den Zähnen und schneller, als man

es zu sehen vermochte, zog er den Revolver

und schoss auf Tong Mo. Ein kleines

Loch erschien auf Tong Mos Stirn, das

nicht sehr gesund aussah, sein Lächeln

erstarrte zur Grimasse, er sank allmählich

auf seinem Sessel vornüber, und sein Körper

pendelte kraftlos in gebeugter Stellung.

Henry Fonda hob den Revolverlauf, blies

die herauskräuselnden Rauchwölkchen

zur Seite und ließ das Eisen wieder in seinem

Halfter verschwinden. Dann stand er

auf, stieß den Sessel zur Seite, warf noch

einen letzten Blick auf sein Opfer und

verließ das Studio, wobei er verächtlich

auf das Kabelgewirr spuckte.

Eine der Erste-Hilfe-Maschine, die

immer irgendwo in Bereitschaft standen,

fuhr gemächlich auf Tong Mo zu, prüfte

seine Lebensfunktionen und signalisierte

den Exitus, worauf ein Beerdigungsautomat

mit einer mannsgroßen Kiste kam,

die sterblichen Überrest hineinpackte und

abtransportierte. Die Zuschauer, die nicht

ausgeschaltet waren, da das ganze Studio

automatisch lief, hatten den Vorgang fassungslos

mit angesehen und konnten lange

nicht begreifen, was vorgefallen war:

Mit den Geschöpfen aus der Vergangenheit

war das Verbrechen zurückgekehrt,

und sein erstes Opfer war der unabsichtliche

Verursacher gewesen.

Tong Mo sollte nicht das letzte Opfer

sein. Sein Tod bildete vielmehr den Auftakt

zu einer endlosen Mordserie, deren Täter

ebenso bekannt waren wie die Opfer. Denn

nicht nur Henry Fonda schoss rücksichtslos

auf alles, was sich in seiner Nähe bewegte,

auch Gary Cooper und sogar Grace Kelly

griffen erbarmungslos zum Revolver. Anfangs

glaubte man, man bliebe wenigstens

von James Dean verschont, da der zuerst

nur seine Suche nach Öl im Sinn zu haben

schien, doch bald schon griff er sein Gewehr,

erklärte sein Haus und sein Grundstück

zum Sperrbezirk und erlegte jeden,

der sich nur in die Nähe wagte, mit einem

wohl gezielten Schuss. Die Erste-Hilfe-Maschine

und der Beerdigungsautomat hatten

Hochkonjunktur, und der Produktionscomputer

reagierte auf die Mordserie, indem er

die Produktion von Beerdigungsautomaten

radikal erhöhte. Diese Entscheidung erwies

sich schon bald als sehr weitsichtig.

Großen Spaß hatten die Filmhelden,

wenn sie sich in Wild-West-Manier mit

ihren Revolvern gegenüberstanden und

aufeinander schossen. Da sie ihre Schießkünste

an uns sehr gut geübt hatten, trafen

sie immer ziemlich genau, doch ihnen

entstand daraus kein Schaden. Sie lachten

nur, steckten sich eine Zigarette an und

gingen scherzend ihrer Wege. Offensichtlich

registrierten sie gar nicht, dass ihr

Schießen für uns den Tod bedeutete. Sie

hielten das alles für einen großen Spaß.

Dass ihnen die Munition ausgehen würde,

war nicht zu hoffen. Der Computer hatte

nämlich dafür gesorgt, dass sie selbst wie

auch ihre Kleidung und ihre Ausrüstung

in demselben Zustand blieben, in dem sie

reproduziert waren.

Wir wollten sie bekämpfen! Wir wollten

die große Gefahr für unsere Gesellschaft

beseitigen! Doch die Gewalt hätte

nur mit Gewalt überwunden werden können,

und zur Gewalt waren wir nicht mehr

fähig. Zu lange hatten wir in einem trauten

Frieden dahingeschlummert, hatten

uns bedienen lassen, da zum Leben keine

Tatkraft mehr vonnöten war. Jetzt ging es

ums Überleben! Wir hielten Versammlungen

ab, auf denen wir beratschlagten, was

zu tun sei. Das Äußerste, was auf diesen

Sitzungen zustande gebracht wurde, war

Grace Kelly

Ingrid Bergmann

Steve McQueen

Ronald Regan

ein ohnmächtiger, verbaler Protest voll

sprachlicher Kraftmeierei, die bis hin zu

den Gesten von den Rollen der Filmstars

abgekupfert war.

Nach dem Ende solcher Versammlungen,

die stets in besonders gesicherten

Räumen stattfanden, gingen die Teilnehmer

auf Schleichwegen schnell nach

Hause. Denn bei dem ersten Treffen hatte

man beim Verlassen des Saales eine böse

Überraschung erlebt. In der Straße vor

dem Haus hatten sich die Filmstars verteilt

und hatten aus Jux einen Feuerzauber veranstaltet,

bei dem sie sowohl sich gegenseitig

als auch die verdutzten Verschwörer

beschossen hatten. Natürlich war diese

Aufmerksamkeit als Unterhaltung gedacht,

und man hätte sie auch sehr wohl goutieren

mögen, wenn man nicht ausgerechnet

direkt in der Schusslinie gestanden hätte.

So aber war das Vergnügen mehr als zweifelhaft

und kostete immerhin mehr als

fünfunddreißig Personen das Leben, was

zum großen Teil daran lag, dass sich die

Vorderen nicht zurückziehen konnten, da

die Hinteren neugierig nachdrängten, um

auch etwas sehen zu können. Nachdem

sich ganze fünf Erste-Hilfe-Maschinen

von dem Erfolg der Aktion überzeugt hatten,

räumten zehn Beerdigungsautomaten

nach und nach das Ergebnis beiseite.

Jeder wird verstehen, dass dieser

Zwischenfall und die ständig drohende

Gefahr, selbst so zu enden, mir und meinen

Mitmenschen den Geschmack auf

brutale Filme zuerst einmal verdarben.

Die Wirklichkeit hatte die Fiktion des

Schreckens derart radikal eingeholt, dass

man sich, statt ins Fernsehen zu gucken,

auch ans Fenster stellen konnte, wobei

man allerdings Gefahr lief, Mitspieler

mit einmaligem Auftritt in der alltäglichen

Schießorgie zu werden, die sich

unterdessen auf den Straßen abspielte.

Schon etliche Male war es passiert, dass

ein allzu vorwitziger Beobachter mit

einer Schusswunde im Kopf aus dem

Fenster gestürzt war. Darauf brachten

einige Neugierige zu beiden Seiten ihrer

Fenster große Spiegel aus schuss-sicherem

Glas an, was ihnen aus dem sicheren

Schutz der Wohnung heraus erlaubte,

die Szenen auf der Straße zu beobachten.

Darüber hinaus wurde nichts unternommen,

um die Gefahr zu beseitigen.

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Kurzgeschichte

Kurzgeschichte

Den Filmstars wurde es allmählich langweilig, immer

nur aufeinander zu feuern, besonders da der Effekt so gering

war. Aus ihren Filmen kannten sie das anders. Da macht der

Angeschossene oder Erschossene noch einen malerischen

Luftsprung und verschied unter jämmerlichem Geheul. Das

war immer ein hübsches Echo auf das Knallen des Schusses

gewesen. Aber hier geschah nichts, weil jeder sich weigerte,

auch nur andeutungsweise diesen undankbaren Part zu

spielen. Schließlich waren sie ja alle Helden und als Helden

befanden sie sich prinzipiell auf der Gewinnerseite. Anfangs

hatten Henry Fonda und John Wayne noch einiger der Damen,

so zum Beispiel Ingrid Bergman und Marilyn Monroe, zu einer

gekonnten Darstellung als Opfer überreden wollen, aber

die beiden Damen dachten nicht daran. Die Bergman interessierte

sich überhaupt nicht für den Wildwestfilm, und auch

Marilyn erklärte, sie sei weit mehr von dem modernen Westen

mit Rodeos und Pferdejagden mit dem LKW gefesselt. Daran

hatten nun Henry und John keinerlei Interesse, denn dann

hätten sie auf ihre geliebten Schießduelle verzichten müssen.

Schließlich hatte Steve McQueen eine Idee. Er erinnerte

sich, einmal bei der Verfolgung eines Mörders in ein Haus

eingedrungen zu sein und diesen in einen Pferdekorral getrieben

zu haben. Das sei ein Hauptspaß gewesen! Zwar

gäbe es hier keinen Korral, aber Häuser seien schließlich

genug da, und man werde schon sehen, was man da raus

treibt. Alle stimmten sofort begeistert zu, und James Dean

lief gleich ein schräg nach oben führendes Transportband

hinaus, das zufällig zu einem scheunentoroffenen Fenster

führte und erschreckte die dahinter kauernden Menschen,

die, seine Waffenlosigkeit vor lauter Schrecken nicht achtend,

schreiend und Hände fuchtelnd die Treppe hinunter

auf die Straße liefen, wo sie unter dem Beifall von Grace

Kelly mit einigen wohl gezielten Schüssen von Gary

Cooper in eine ruhigere Welt befördert wurden. Diese

schöne Demonstration überzeugte selbst die Skeptiker

unter den Stars, und man machte sich unverzüglich daran,

auch andere Wohnungen zu besuchen.

Von da an war keiner mehr seines Lebens sicher. Tag

und Nacht musste man damit rechnen, überfallen und erschossen

zu werden. Die Wohnung, die bis dahin noch ein

sicherer Hort gewesen war, konnte jetzt schnell zur Falle

werden. Unsere Existenz stand auf dem Spiel! Es musste

etwas geschehen! Als erstes entschloss man sich dazu,

die Versammlungen zur Bewältigung der Krise nicht mehr

abzuhalten, da eine derartige Menschenkonzentration für

die schießwütigen Helden natürlich eine verlockende Situation

war. Konferenzen wurden jetzt nur noch über das

Fernsehen abgehalten. Die einzige wirkliche Möglichkeit

zu einem sicheren Schutz sah man darin, sich zu verbarrikadieren.

Der Produktionscomputer wurde beauftragt,

Stahltüren und Stahlfenster in großer Stückzahl herzustellen.

Und wirklich schien das zu nützen! Denn die dergestalt

bewehrten Häuser blieben verschont, und als sich das

herumsprach, wollte jeder sein Haus so gesichert haben,

was zu einem zeitlich begrenzten Engpass dieser Waren

führte. Aber schon nach kurzer Zeit verfügte jedes Haus,

in dem noch Menschen lebten, über derartige Sicherungen.

Klugerweise hatte der Produktionscomputer auch an die

Versorgung der freiwillig Eingesperrten gedacht und eine

Stahlklappe an der Türe angebracht, die nur von Innen zu

öffnen war. Durch diese Klappe wurden wir von den Versorgungsmaschinen

mit dem Lebensnotwendigen wie Essen

und Kleidung versehen.

Wir atmeten erleichtert auf. Wir fühlten uns geborgen

und sicher und meinten, dem früher geführten Leben gegenüber

gar nicht so viel eingebüßt zu haben. Zugegeben,

wir konnten nicht mehr auf Versammlungen oder durch die

Straßen gehen. Aber wir konnten einander immerhin durch

den Fernseher sehen und miteinander sprechen, und so groß

schien uns der Unterschied zu der früheren, körperlichen

Anwesenheit bei Gesprächen auch wieder nicht. Einige

waren sogar der Ansicht, so sei das Leben viel besser und

gesünder, die Luft sei angenehm gefiltert, und man habe

schließlich alles, was man wolle.

Vor den stählernen Türen waren sie allerdings nicht untätig

gewesen. Anfangs hatten die Helden noch Wohnungen

gestürmt, die ungesichert waren, doch zum Leidwesen der

Eroberer erwiesen diese sich als verlassen. Bald war auch

dem dümmsten Star klar, dass der Spaß nur weitergehen

konnte, wenn es gelang, die Stahltüren zu überwinden.

Diesmal war es John Wayne, der

den entscheidenden Einfall hatte.

Er erinnerte sich an etliche Episoden,

in denen er sehr effektiv mit

Sprengstoff gearbeitet hatte. Diese

Erinnerung reichte aus. Auf der

Stelle wurde er von den Maschinen

mit Dynamit ausgestattet. Er machte

zusammen mit James Dean eine Probesprengung,

die dieser unbedingt

in den Boden setzen wollte, in der

vagen Hoffnung, auf Öl zu stoßen.

Zwar stieß man nicht auf Öl, doch

das gesprengte Loch war gewaltig

und überzeugte die anderen mit einem

Schlag vom Nutzen dieses Stoffes.

Bei diesem Versuch hatten die

Häuser in der Umgebung ahnungsvoll

gezittert, doch wir ahnten die

drohende Gefahr noch immer nicht

Die Probesprengung hatte gezeigt,

dass man das Dynamit dosieren

musste, um die Stahltüren aufzusprengen. Wenn

man zu viel von dem gefährlichen Stoff nahm, konnte es

geschehen, dass das Haus inklusive der begehrten Zielscheiben

weggeblasen wurde und die Stahltüre stehen

blieb. Steve McQueen kannte sich mit Sprengstoffen aus

und übernahm das Anbringen der Ladungen an den Türangeln.

Und so wurde ein Haus nach dem anderen geknackt.

Die Bewohner hatten keine Chance. Durch die Fenster

entwischen konnten sie nicht, da diese verbarrikadiert waren.

Die Hände zu heben und sich zu ergeben nützte auch

nichts, denn für die Helden war das Ganze nur ein großer

Spaß. Die Erste-Hilfe-Automaten waren den Bedürfnissen

gemäß längst zu Beerdigungsautomaten umgerüstet worden,

und im Verein mit den primären Beerdigungsautomaten

zogen sie hinter den Filmhelden her, um die Kampfstätten

aufzuräumen, damit es nicht zu Suchen kam.

Aber Seuchen schaden ohnehin keinem mehr. Ich bin

der letzte Überlebende. Ich spreche diesen Bericht auf

Ihr Profi für

Komplettbad - Lösungen

und regenerative Energien

Band. Vielleicht wird ihn

eines Tages jemand von einem

anderen Stern abhören.

Sie sind hinter mir her. Sie

werden mich bald gefunden

haben. Ich höre ein Kratzen

draußen an der Türe. Bestimmt

Steve McQueen, der

seine Sprengladung abbringt.

Ich muss Schluss -

Nachdenklich starrte Ronald

Reagan auf den Apparat.

Ja, das war wohl dieselbe Stimme

gewesen, wenn sie auch in

der Verzweiflung schriller geklungen

hatte. Schade, als Darsteller

war der besonders gut

gewesen. Dieser abgebrochene

Todesschrei, als die Kugel

ihn zwischen die Augen traf -

professionell. Zu dumm, dass

keine Komparsen mehr da waren.

Um nicht aus der Übung zu kommen, würden sie nun

wohl auf die Maschinen schießen müssen. Die würden zwar

nicht so schön schreien, aber so ein Scheppern war bestimmt

auch nicht zu verachten. Mal hören, wie es klingt. Er nahm

das Bandgerät, das er gerade abgehört hatte, warf es hoch in

die Luft und schoss schnell dreimal hintereinander aus der

Hüfte und dann noch zweimal auf abgesprungene Einzelteile.

Ja, er war noch gut in Schuss! Das sollte ihm der alte Wayne

mal nachmachen. Drüben rennt Jimmy mit einer Kiste auf

ein Feld zu. Steve hat ihm wohl das übrige Dynamit gegeben,

das sie jetzt ohnehin nicht mehr brauchten. Was der immer

mit seinen Sprengungen nach Öl hatte? Nicht Öl, der Colt

regiert die Welt! Das sollte er doch wissen! Gary Cooper ist

da ein Bursche von ganz anderem Kaliber. Aber was soll es

schon, jeder hat so seine Art. Ronald seufzte und schob sich

den Hut in den Nacken. Ich werde mal bei Marilyn vorbeischauen.

Bei ihr ist es immer so lustig. Dieter Stündel

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Erstmals Erschienen im Raben von Haffmanns-Verlag. Alle Fotos: wikimedia commons

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Das Portrait

Das Portrait

Charles Cattoire

Sabine Heinke

Jahrgang: 1955, geboren in Paris, seit 1978 erst

sporadisch in Siegen später hier zu Hause, Beruf:

Grafiker, Fotograf, Comic-Künstler.

Weshalb kommt ein Franzose nach Siegen und bleibt? Wegen

„l’amour“ erzählt Charles Cattoire augenzwinkernd.

Angefangen hatte alles in einem Vorort von Paris, wo er

als Kind mit seiner Familie aufwuchs. Seitdem er einen Stift halten

konnte, zeichnete Charles mit Leidenschaft alles um ihn herum.

Keiner war vor ihm sicher: erst die Familie, später Freunde, Handwerker

und Originale aus seinem Viertel. Hier wurzeln die Vorbilder

für seine Charaktere, die später Helden in seinen Comics wurden.

In die durchblick-Redaktion bringt er Kostbarkeiten mit: Comic-

Bücher, Einzelblätter, sein Buch „Zinzinsunendliche“, ein Megapanorama-Bilderbuch

von 2016 und sein aktuelles Skizzen- und Ideenbuch,

das seine geniale Zeichenkunst dokumentiert, Menschen,

Landschaften, anatomische Details, auch verwinkelte Häuser der

Siegener Altstadt, wo er schon lange in der Hermannstraße lebt. Im

Buch sieht man erste Skizzen mit Bleistift, scheinbar flüchtig, aber

einfach genial, dann fertige schwarze Reinzeichnungen, die später

gescannt und koloriert werden und vielleicht einmal in die Seiten eines

Comicbuchs eingefügt werden. An einem Buch arbeitet er viele

Jahre, immer sucht er die perfekte Nuance, die beste Kulisse und die

passendsten Sprüche für seine Geschichten.

Als junger Mann absolvierte Cattoire eine Ausbildung zum

Grafiker und Fotograf. Der bekannte Comicautor Georges Pichard

gehörte zu seinen Lehrern. Später arbeitete er erfolgreich für Unternehmen

als Werbegrafiker und Fotograf, am liebsten mit einer

Linhof 9x12. Irgendwann gab er diese Berufe auf und widmete

sich ganz dem Zeichnen und Reisen. Wie seine Figur Zinzin, die

er um 2000 geschaffen hatte, war er immer neugierig auf andere

Länder, die er gern mit Fahrrad, Rucksack, Skizzenbuch und

Zeichenstift bereiste. Cattoire ist ein Sprachgenie und spricht fünf

oder sechs Sprachen. Afrika war der spannendste Kontinent, wo er

sieben Monate unterwegs war. „Ich kam verändert zurück“, sagt

Cattoire. „Nie bin ich so freundlichen, offenen, liebenswerten, ja

glücklichen Menschen begegnet, trotz der vielen Probleme“. Dieses

Lebensgefühl strahlt auch Charles Cattoire aus. Eine seiner

Lieblingsfiguren ist der junge Kilim Andjaho, der mit seiner Familie

mit afrikanischen Wurzeln im gleichen Haus wie Zinzin in

Paris lebt. So könnte man sich den jungen Fußballspieler Mbappé

in den Straßen von Paris vorstellen. Er ist der vorlaute, freche und

liebenswerte Gefährte von Zinzin. Zusammen treiben sie ihre Späße,

nebenbei ist Kilim sehr talentiert im Reparieren von Autos.

Zinzin, Cattoires Comic-Held, ist im wahren Leben sein

Freund Horst. Aus Horst und ich wurde kurzerhand das charmant

französisch ausgesprochene „orstunisch“, und beide haben viel gemeinsam.

Zinzin ist der technikaffine und vom Fliegen begeisterte

Grafiker und Fotograf. Sein Gegenpart im Comic ist Kotz Brocken,

auch Fotograf, aber er lehnt allen digitalen Schnickschnack

ab und ist der rothaarige Besserwisser. Charles Cattoire lebt auch

möglichst in einer analogen und reduzierten Welt. Unter www.

zinzin-orstunisch.eu kann man mehr erfahren.

* Zinzin ist, wenn man sich näher mit der Comicwelt beschäftigt, wohl eine Hommage an seinen belgischen Kollegen

Hergé, den wir als Schöpfer von „Tim und Struppi“ kennen, das im französischen Original „Tintin“ heißt.

Mitten ins Herz traf ihr Bilderbuch „Tierisch“ und bescherte

Dr. Sabine Heinke 2014 im Siegerland und weit

darüber hinaus viele kleine und große Fans. Es ist eine

Sammlung von witzigen Kindergedichten der Autorin im Team

mit der genialen jungen Grafikerin Eva Künzel aus Hamm. Heinke,

selbst Mutter von zwei Kindern und Großmutter von fünf Enkeln,

war als ehemalige Lehrerin schon immer auch als Entertainerin für

die Kids zuständig. 2019 erschien ihre zweite Gedichtsammlung

„Makrele, Meise, Mull und Maus“, diesmal mit Illustrationen der

Kreuztaler Grafikerin Kathrin Klotzki-Progri. Heinkes fantasievollen

Reime und Gedichte verzaubern Leser und Zuhörer zwischen

zwei und 99 Jahren und bringen sie zum Lächeln.

Wie kam es dazu? Sabine Heinke erfüllte sich 1995 einen lang

gehegten Wunsch und startete noch einmal neu mit einem Studium

der Kunstgeschichte in Gießen, das sie mit einer Dissertation

über den Maler Bernhard Heisig beendete. Begeistert erzählt sie

von ihrer persönlichen Begegnung mit dem Künstler, den sie in

seinem Atelier in Strohdehne in Brandenburg besuchen konnte.

Heisig wird der „Leipziger Schule“ zugeordnet. Bekannt ist sein

Portrait von Helmut Schmidt (1986), das sich im Bundestag befindet.

Während der anspruchsvollen Promotionszeit entspannte sich

Heinke in schlaflosen Nächten „nebenbei und zur eigenen Freude“,

wie sie sagt, „mit dem Schreiben von Geschichten in Versform, um

meiner Fantasie freien Lauf zu lassen“. Sie veröffentlichte nach

dem Studium diverse kunstwissenschaftliche Beiträge in Katalogen.

Und erzählt von ihrer spannenden Begegnung mit dem amerikanischen

Bildhauer Richard Serra in der Biegefirma Pickhan in

Siegen-Geisweid, die für den Künstler arbeitete. Seit vielen Jahren

ist Heinke im Vorstand des Freundeskreises im Museum für Gegenwartskunst

Siegen, gründete 2009 die Gruppe der MäZEHNe,

die im Rhythmus von fünf Jahren Gelder für den Ankauf einer

Arbeit des aktuellen Rubensförderpreisträgers der Stadt Siegen

zur Verfügung stellt. Auf diese Weise konnte zuletzt ein Werk der

Nachwuchskünstlerin Lena Henke angekauft werden. Führungen,

Vorträge und Reisebegleitung für das MGK gehörten ebenso zu

Heinkes Aktivitäten. „Wir Silberrücken ziehen uns jetzt aber so

langsam zurück“ sagt die schlanke, agile Frau lachend.

Heinke gehörte 2002 als Vizepräsidentin zu den Gründungsmitgliedern

des „Zonta Club Siegen Area“, ab 2005 übernahm

sie für zwei Jahre die Präsidentschaft. Durch den Verkauf ihres

ersten Kinderbuchs, dessen Gewinn an Zonta ging, wurde das

Autismus-Zentrum in Unglinghausen unterstützt. Der Erlös ihres

neuen Gedichtbands stellt Heinke auch wieder für soziale Zwecke

zur Verfügung.

Die Geschichten etwa von einem Walross mit stiller Liebe

zum Ballett oder einer Klavier spielenden Krake sollen nicht nur

viele Menschen glücklich machen, sondern auch zur finanziellen

Grundlage für Klima- und Umweltprojekte an Kindergärten und

Schulen der Region werden. Die Autistin Greta Thunberg, die

Heinke sehr schätzt, lässt grüßen, denn „Corona ist ein Witz gegen

die Klimakrise.“

Texte: Tessie Reeh; Fotos: Rita Petri

Jahrgang 1943, seit 1971 im Siegerland, Beruf: Lehrerin,

Dozentin an der VHS, promovierte Kunsthistorikern,

verheiratet, zwei Kinder und fünf Enkel.

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Gedächtnistrai ning

Lösungen

Seite 78

Teekesselchen

Sie kennen sicher einige! Ein Wort mit verschiedenen

Bedeutungen wird hier umschrieben. Finden

Sie heraus, um welches es sich jeweils handelt.

1. Mein Teekesselchen braucht man beim Kauen. –

Mein Teekesselchen steht im Wald. –

Mein Teekesselchen bewegt sich beim Essen. –

Mein Teekesselchen bewegt sich bei Wind.

2. Mein Teekesselchen gibt dem Computer Befehle. -–

Mein Teekesselchen kann niedlich aber

auch lästig sein. –

Mein Teekesselchen hat Drucktasten und ein Rad. –

Mein Teekesselchen wird von der Katze gejagt.

3. Mein Teekesselchen ist ein wirres Durcheinander. –

Mein Teekesselchen kommt gerne aus dem

eigenen Garten. –

Mein Teekesselchen wurde gerne mit Tonbändern

und Musikkassetten gebraucht. –

Mein Teekesselchen ist eine vitaminreiche Kost.

4. Mein Teekesselchen ist eine dicke Frucht. –

Mein Teekesselchen trägt man auf dem Kopf. –

Mein Teekesselchen ist sehr wasserhaltig

und erfrischend. –

Mein Teekesselchen wirkt heute etwas altmodisch.

Trainingsziel: Fantasie und Kreativität

Die Übungen wurden zusammengestellt von:

Gedächtnistrainerin

Bernadette von Plettenberg

Mitglied im Bundesverband Gedächtnistraining e.V.

02732 / 590420 bernadette@plettenberg-struwe.de

Gedächtnistrainingskurse auf Anfrage

Tiere in zusammengesetzten

Wörtern

Hier geht es um Hauptwörter,

in denen ein Tier eine Rolle

spielt. Finden Sie die passenden

Tiere, um ein Wort daraus

zu bilden.

1. Ketten

2. Bordstein

3. Nasen

4. Salon

5. Kirchen

6. Schnaps

7. marsch

8. pilz

9. öhrchen

10. nuss

11. stich

Trainingsziel: Formulierung,

Fantasie, Kreativität

und Urteilsfähigkeit

Redewendungen:

Welche Redewendungen kennen Sie, in

denen Körperteile eine Rolle spielen?

Wenn Ihnen nicht auf Anhieb

so viele einfallen,

überlegen Sie später noch

einmal. Sie werden staunen,

wie viele Sprichwörter

/ Redewendungen es

zum Körper gibt.

Lebenslauf

Lesen Sie sich folgenden Lebenslauf nur

einmal möglichst aufmerksam durch.

Decken Sie ihn anschließend ab und beantworten

die anschließenden Fragen.

Herr Martin Ohrndorf erblickte am Ostersonntag,

den 29. März 1970 das Licht der

Welt. Trotz seiner Allergie gegen Katzen

hielt er sich immerhin drei. Hinzu kamen

noch ein Hund, zwei Kanarienvögel, einige

Meerschweinchen und Kaninchen und

schließlich die beiden Wildfang-Papageien,

denen er mit viel Geduld Sprechen

und Kunststücke beigebracht hat. Irgendwann

wurde ihm klar, dass er sein Leben

der Rettung bedrohter Tierarten widmen

will. Heute ist er Vorstand des Tierschutzverbandes

„Herz-für-Tiere“.

1. Welcher Wochentag war am 29. 3. 1970?

2. Wie viele Hunde hielt sich Herr Ohrndorf?

3. Was brachte er seinen Papageien bei?

4. Wie heißt der Verband, in dessen

Vorstand er ist?

5. Wogegen ist er allergisch?

6. Was ist sein Lebensziel?

7. Wie lautet sein Vorname?

Trainingsziel: Merkfähigkeit

Was bin ich?

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38 durchblick 1/2021 1/2021 durchblick 39



Museumsmomente

Museumsmomente

Von der Heimatstube zum Johannland Museum

Geschichte erleben in der Irmgarteichener Volksschule

Alle Fotos: Heimatverein „Oberes Johannland e.V.“

Kinderwagen von1950

Das Hauptanliegen des im Jahr 1988 gegründeten

Heimatvereins „Oberes Johannland e.V.“ war von

Beginn an die Einrichtung einer Heimatstube. Die

22 Vereinsgründer aus Helgersdorf, Werthenbach, Hainchen

und Irmgarteichen hatten auch rasch ein Gebäude

gefunden, in dem ihr Anliegen verwirklicht werden konnte.

Die vorgesehenen Räumlichkeiten befanden sich in der

früheren Irmgarteichener Volksschule in der Glockenstraße

19. Nach dem Neubau der Johannlandschule in Hainchen

waren die Räume frei geworden.

Die Gemeinde Netphen gab zunächst auch „grünes

Licht“ für das Vorhaben, doch als die Heimatfreunde bereits

rund eintausend Renovierungsstunden investiert hatten,

beschloss die Mehrheit im Gemeinderat: „Wir ändern

die Pläne für die Belegung.“ Der bittere Rückschlag bedeutete

zum Glück nicht das „Aus“

für die geplante Dokumentation der

wechselvollen Geschichte des oberen

Johannlands. Nach zähen Verhandlungen

gelang es, wenigstens die oberen

Räume und die Kelleretage im alten

Schulgebäude anzumieten. Im Laufe

der Jahre kamen weitere Räume hinzu

und die Ausstellungsfläche wuchs in

vier Stockwerken auf über zweihundert

Quadratmeter an.

Man sieht, dass der Start ein wenig

holprig war, doch was sich aus

den bescheidenen Anfängen bis heute

entwickelt hat, ist bewundernswert.

Die Triebfeder der Heimatfreunde,

nämlich Vergangenes für die Zukunft

zu verwahren und den hieran Interessierten

zu zeigen, führte bereits direkt

nach der Gründung zu einer regen

Sammeltätigkeit aller Mitglieder. Zusammengetragen wurden

Ausstellungsstücke, die zuvor auf den Speichern, in

Scheunen, Ställen und Waschküchen, gelegentlich auch in

Wohnzimmern unbeachtet herumstanden oder lagen. Aber

auch Privatsammlungen von Ortsansässigen wanderten in

den Bestand und trugen mit dazu bei, dass die Geschichte

der Dörfer lebendig gemacht werden konnte.

Dass die Herrichtung der Räume ungezählte Arbeitsstunden

erforderte, versteht sich von allein. Zum Glück

fand sich ein „harter Kern“ handwerklich Begabter unter

den Mitgliedern, die teilweise die geforderten Tätigkeiten

auch schon beruflich ausgeübt hatten. Ihnen vor allem ist

es zu danken, dass die Umbaumaßnahmen nicht an diverse

Unternehmen vergeben werden mussten, sondern in

Eigenleistung bewältigt wurden. Mit Ausnahme der Vitrinen

und der Beleuchtung, die der Landschaftsverband und

die NRWStiftung beisteuerten, konnte man dazu auch alle

Kosten aus der eigenen Kasse aufbringen. Hilfreich waren

dabei die Einnahmen aus dem vierteljährlich vom Verein

durchgeführten Kleintier-, Bauern-, Öko- und Trödelmarkt.

Die Tatsache, dass derzeit bereits über viertausend Exponate

in den Inventarlisten verbucht sind, unterstreicht die

Richtigkeit einer Umbenennung. Inzwischen ist nämlich

aus der ursprünglich geplanten Heimatstube das Johannland

Museum geworden. Nach und nach kam in die Ausstellungsräume

eine Fülle von Objekten, mit denen Lebens-, Wohnund

Arbeitswelt in den vergangenen Jahrhunderten veranschaulicht

werden. Geprägt war das Leben in allen Dörfern

von der Landwirtschaft, die häufig noch als Haupterwerb

ausgeübt wurde. Die hier verwendeten Gerätschaften und

Maschinen fanden ihren Platz im Museum, dazu natürlich

die Werkzeuge für die Arbeit im Hauberg.

Doch ein Großteil der Ausstellungsfläche ist anderweitig

belegt. Zu nennen sind eine komplette Schusterwerkstatt

sowie die Arbeitsplätze eines Sattlers und eines

Schmieds im Keller, ein Musikzimmer mit diversen Instrumenten,

eine Sammlung technischer Geräte wie Schreib-,

Rechen- und Nähmaschinen, eine Vielzahl alter Radios

und Grammophone. Dass in einer ehemaligen Schule auch

eine Schulstube vorhanden sein muss, ist selbstverständlich.

In diesem Fall handelt es sich um ein Klassenzimmer

aus der Volksschule Irmgarteichen aus dem Jahr 1928. Neben

einer größeren Sammlung alter Blechspielzeuge findet

sich auch ein Modell der Wasserburg Hainchen samt der

Dokumentation ihrer Geschichte.

Die „gute alte Zeit“ und die unentbehrlichen Zeugen

der Vergangenheit leben im Johannland Museum an allen

Ecken und Enden wieder auf. So werden viele wichtige

und interessante Schriftstücke in einem Archiv aufbewahrt.

Neben diesen Dokumenten finden sich auch Karten

und Bücher. Das älteste Stück aus der Region ist ein

Kirchenbuch aus dem Jahr 1551. Nicht zuletzt muss eine

Fotosammlung genannt werden. Über 700 Fotografien

stammen alleine vom früheren Lehrer Siedhoff, der die

dörfliche Entwicklung im oberen Johannland in der Zeit

zwischen 1924 und 1960 festgehalten hat.

Für Sonderausstellungen ist ein spezieller Raum vorgesehen.

Unter anderem wurden in den letzten Jahren

Krippen und Ikonen, Gemälde, Halsgeschirre für Pferde

(Kummets) und auch präparierte Tiere des Waldes gezeigt.

Der im späten Mittelalter nicht unübliche Brauch, in einem

Neubau zum Schutz gegen Hexen und Geister Katzen lebendig

einzumauern, scheint auch im oberen Johannland

praktiziert worden zu sein. Jedenfalls wurden bei Umbauarbeiten

in einem alten Haus und im Backes zwei mumifizierte

Katzen gefunden, die jetzt als gruselige Relikte im

Museum verwahrt sind. Sie wurden sogar schon einmal für

eine „Aberglauben-Ausstellung“ nach auswärts verliehen.

Sobald dies wieder möglich ist, wird das Johannland

Museum an jedem ersten Sonntag im Monat zwischen

14.00 und 17.00 Uhr geöffnet sein. Der Eintrittspreis ist

äußerst moderat, es sind auch Führungen bis zu 20 Personen

bei vorheriger Anmeldung möglich. Ulli Weber

Wohnzimmer von 1898 Musikkreisel von 1959 Küchenherd mit Wasserschiff von 1922 Grammophon von 1951

40 durchblick 1/2021 1/2021 durchblick 41



Erinnerungen

Kindheit in Burbach –

in den Fünfziger Jahren des 20sten Jahrhunderts

Sie kennen Burbach nicht? Sollten Sie aber. Das lässt

sich nachholen. Lassen Sie uns zusammen über den

Römer zur Burbacher Kirche gehen: Wir stellen uns

- mit dem Rücken zum Glockenturm – an die Mauer und

schauen auf das Dorf herunter. Stehen Sie bequem? Gut so.

Sie werden jetzt bekannt mit dem „Hotspot“ unserer

drei Erzählungen.

Wenn Sie langsam von rechts nach links blicken, erkennen

Sie zunächst den Eicher Weg. Das Amtshaus

kommt gleich hinter dem Blickfeldrand. Sehen können wir

es kaum. Zumindest im Sommer verdeckt das Laub der

Bäume den Bau. Auch die „Alte Post“, heute eine Seniorenwohngemeinschaft,

ist verdeckt von einem großen Privathaus.

Dort, wo heute ein Makler seine Dienste anbietet,

saß zwischen 1950 und 1960 Roths Willi in seiner Schusterbude.

Nebenan betrieb er sein Schuhgeschäft. Auf der

gegenüberliegenden Seite erkennen Sie etwas rechts den

Berliner Hof. Weiter nach links, die Straße hoch, genau gegenüber

unserem Standort, sehen Sie den Saynschen Hof.

Er hat sein Gesicht kaum verändert.

Dahinter steht das „Kinderzuhause“. Aber das gab es

damals noch nicht. Es wurde erst später als Müttergenesungsheim

gebaut.

Verirren Sie sich bei Ihrer Suche nicht zu weit nach oben.

Da ist die Saynsche Bitze. Früher liefen wir dort Ski oder

fuhren Schlitten. Suchen Sie lieber weiter links das „Gässchen“.

Es liegt zwischen der Apotheke und einem Geschäft

für Schreibwaren, Spielzeug, Bücher und Geschenke. Das

Foto: Hartmut Reeh

gab es damals schon. Es war nur viel kleiner und die Inhaber

hießen Herrmann und Else Diehl. Ein älteres Ehepaar. Sie

war vor ihrer Ehe Lehrerin. Verheiratete Frauen durften in

ihrer Jugend nicht arbeiten. (Doch, doch, das gab es mal,

auch wenn Sie es nicht glauben wollen, noch in den Fünfzigern

auch nur mit Zustimmung ihres Ehemannes) Also betrieb

sie den Laden zusammen mit ihrem Mann.

Das Gässchen führt hoch zum Burgweg. Den gibt es

heute noch.

Kehren wir zurück zur „Nassauischen Straße“. Die hieß

früher „Freier-Grund-Straße“. Ihr heutiger Name erinnert

an den „Nassauischen Hof“. Er existiert heute nur noch

als Parkplatz der Sparkasse. Bis auf eines – rechts an der

Einfahrt sind alle alten Häuser abgerissen und die Gärten

und Höfe zugepflastert. Sie standen der Dorfentwicklung

im Wege.

Das rote Gebäude des Lebensmittelmarktes sehen sie

aber von hier oben noch zusammen mit der Turnhalle. Hier

stand das Feuerwehrgerätehaus mit Kindergarten im Obergeschoss

und Wohnungen im Dachgeschoss. Links davon

die Schule steht noch, entzieht sich aber unseren Blicken.

Wir wissen, dass die Nassauische Straße in den kleinen

Kreisel mündet und nach links in die Jägerstraße übergeht.

Von hier aus gelangen wir in Gedanken über den Römer

zurück zur Kirche.

Sie haben jetzt schon einen Großteil der Kulisse unserer

Jugenderinnerungen im Blick.

Dann können wir auch anfangen.

Unser Lebensalltag war entscheidend geprägt von

Landwirtschaft und Hauberg. Das Wirtschaftswunder aber

klopfte schon vernehmlich ans Dorftor. Nicht, dass wir etwas

von Ludwig Erhard gewusst hätten. Seine Wirtschaftspolitik

aber erlebten wir hautnah.

Jetzt kommen wir erst mal auf die Welt, wie es sich in

den Fünfziger-Jahren gehörte:

Erzählen Sie uns nichts von Geburtsvorbereitungskurs,

Schwangerschaftsgymnastik, Wöchnerinnenstation, Familienzimmer

oder ähnlich neumodischem Kram.

Wir kamen zu Hause auf die Welt! Nicht selten im „Ollernstübchen“.

Da war die Kreißende aus dem Weg und

konnte sich ungestört ihrer Aufgabe widmen. Geburtshilfe

leistete „Schuhbrüchersch Marda“. Sie wohnte unmittelbar

unter unserem Standort an der Kirchenmauer neben Roths

Willis Schuhgeschäft. Ihr Haus ist ebenfalls abgerissen

und machte einer Arztpraxis Platz.

In kritischen Fällen kam schon mal der Hausarzt.

Zurück zur Gebärenden. Sie fragen nach dem Vater?

Ach ja. Der durfte nicht im Weg stehen und hatte gefälligst

Angst um seine Frau zu haben und sich Vorwürfe zu machen

wegen seiner Wollust, mit der er die Arme in diese

Lage gebracht hatte. Und die meisten Väter schafften es

auch, sich nicht zu besaufen.

Wenn wir dann den Weg auf die Welt geschafft hatten,

wurden wir gestillt, den Geschwistern als „vom Klapperstorch“

gebracht vorgestellt. (Merke auf, auch hier spielte

der Vater keine große Rolle.) Mama blieb noch eine gute

Woche bei uns im Bett. Den Haushalt übernahmen andere

Frauen. Familienmitglieder oder Nachbarinnen.

Wir wurden meist in Häuser geboren, wo drei Generationen

zusammenlebten, hatten mehrere Geschwister. Aber

das kam allmählich aus der Mode. Unsere Betreuung gestaltete

sich relativ einfach: Irgendwer war immer da. Unsere

Welt ordnete sich in Kleinfamilie, Sippenverband und

Nachbarschaft. Alle hatten ihre festen Rollen und familiären

Zuordnungen: Vadder, Mudder, Ongel, Dande (mit

Vornamen benannt in der Familie, mit Nachnamen benannt

in der Nachbarschaft – Schmids Dande, Wagenersch Obba.

Mit Ortsnamen gekennzeichnet, wenn sie aus anderen

Dörfern kamen – Libber-Lina, Higge-Herrmann)

Besondere Gewichtung erfuhren die kirchlich bedingten

Wahlverwandtschaften der Paten. Sie nahmen ihre

Aufgabe der religiösen Erziehung sehr ernst. Sie wurden

sorgfältig ausgewählt, unter anderem, weil sie im Falle

fehlender eigener Nachkommen ihre Patenkinder als Erben

einsetzten. Insofern waren „Ernst-Padde“ und „Hannche-Gode“

wichtig und einflussreich.

Natürlich waren in erster Linie Frauen und Mädchen

da. Männer gingen arbeiten. Verheiratete Frauen brauchten

ohnehin das Einverständnis ihres Angetrauten, wenn

sie einer Lohnarbeit nachgehen wollten. Das gab es selten.

Zum einen setzen Männer ihren Stolz darein „ihre

Familie ernähren zu können“, zum anderen erwarteten sie,

von Hausarbeit und Kinderkram nicht belästigt zu werden.

Kinderwagen schiebende Männer wären aufgefallen. So

hatten wir die Mama und die Oma und die Tante für uns.

Sie meinen, zehn Quadratmeter seien für Kinderzimmer

zu wenig? Da mögen Sie Recht haben. Wir kamen mit weniger

aus. Einige hatten kein eigenes Bett. Sie schliefen zusammen

mit Geschwistern. Das störte selten. Das Leben spielte

sich in der Küche ab, oder draußen oder in der Scheune.

Die Rollenverteilung war ganz einfach: Männer gingen

„auf die Schicht“, das heißt, sie gingen arbeiten, erledigten

die großräumigen Arbeiten in Kleinlandwirtschaft und Hauberg,

rauchten – meistens Pfeife oder Zigarre – tranken sonntags

Bier, schoben nie einen Kinderwagen, wurden allenfalls

als Erziehungsstütze im Falle als notwendig erachteter

Strafmaßnahmen eingefordert: „Worde, wenn heut Obend

dr Vadder no haam kimmt, dä schnallt der Rieme ab!“ Von

der Mutter gab es meist nur „en um de Schuddel“. Männer

wussten Bescheid über Fußball und Politik oder bestimmten,

was in Kirche und Vereinshaus geschah, gedacht, gemacht

und geredet wurde. (Fußball und Vereinshaus schlossen sich

in der Regel gegenseitig aus.) Sie waren eben oft abwesend.

Frauen bestimmten – wenn der Mann nichts anderes

verlangte – was in der Familie passierte. Sie rauchten nicht,

tranken kein Bier sondern Kaffee, hatten keine politische

Meinung – zumindest keine andere als dr Vadder – und

waren anwesend. Sie hatten zweifellos ihren Einflussbereich,

aber, ob China in die UNO aufgenommen wurde,

bestimmten sie keinesfalls mit. Vielleicht wagten sie mal

ein verwegenes Wort zum „Huderecht“. Mehr aber nicht.

Die patriarchalische Rollenverteilung schlug voll durch

in kindlichen Spielen. Das können Sie sich folgendermaßen

vorstellen:

42 durchblick 1/2021

1/2021 durchblick 43



Wir stehen ja noch immer an der Kirchenmauer und

blicken über das Dorf. Drehen Sie sich jetzt mal um und

gehen die sieben Schritte zur anderen Mauer. Von hier aus

sehen Sie ins Mühlenwäldchen und auf die Gilsbacher Straße.

Wenn Sie aber nach unten blicken, bemerken Sie noch

drei Linden vor einer weiteren Mauer. Stellen Sie sich die

Lücken mit zwei weiteren Linden bedeckt vor und in deren

Schatten zwei gemauerte Bänke mit Holzbohlen als Sitze.

Jetzt blinzeln Sie sich noch 70 Jahre zurück, dann bemerken

Sie einen heißen Sommertag. Aber hier am Ostrand des

Römers ist es kühl. Die Lindenreihe, sorgfältig beschnitten,

breitet ihr Blätterdach aus.

Der Platz vor jeder Bank bietet einen kleinen Raum für

„Vater – Mutter – Kind – Spiele“ Das spielen natürlich nur

die Mädchen. Die Jungen versuchen Frösche zu fangen oder

an der Heller im Tal Forellen mit der Hand unter der Uferböschung

zu erwischen. Oder sie fahren Rad. Dazu nehmen

sie das Herrenrad mit der Längsstange vom Lenker zum

Sattel. Und weil die Beine noch zu kurz sind, um auf dem

Sattel sitzend die Pedale zu treten, fassen Sie den Lenker an,

winden sich um die Längsstange und fahren die Dorfstraße

rauf und runter. Das können Sie auch problemlos. Es fahren

ja kaum Autos und die Pferdefuhrwerke mit Langholz sind

langsam genug. Wenn wir noch auf unserem ursprünglichen

Aussichtsplatz stünden, könnten wir sie vermutlich sehen.

Aber wir beobachten ja gerade auf der anderen Seite

die Mädchen: Gerade verteilen sie die Rollen. Alle wollen

Mutter sein. Die hat nämlich zu Hause am meisten zu sagen.

„Kind komm her!“ „Kind geh da hin!“ „Kind mach das.“

„Kind lass das!“ „Vater, Kinder, essen kommen!“

Vater zu sein ist weniger begehrt. Er hat bei diesem Spiel

nicht viel zu melden. Er kommt in der Regel von der Arbeit

und setzt sich an den Tisch. Gemäß der Wortkargheit

Siegerländer Männer spielt er keine Sprechrolle. Allenfalls

darf er handgreiflich erzieherisch einschreiten. Normaler

Weise geht er nach dem Essen auf die Wiese Heu holen oder

Erinnerungen

Foto: Archiv Schöllchen

Das Wirtschaftswunder klopfte ans Dorftor

und die Bauern bauten Wohnraum in Scheunen.

Die Kinder schufen sich überall Spielmöglichkeiten

„Grummed“ oder in den Hauberg „Stangen holen“.

Jedenfalls tut er, was den Ablauf des Spieles nicht

wesentlich beeinträchtigt. Kind will eigentlich keine

sein. Kind wird in diesem Spiel vorwiegend herumkommandiert

oder kriegt den Hintern versohlt.

Deshalb besteht dieses Spiel auch eigentlich nur

aus Diskussionen um die Rollenverteilung. Und so

verlassen wir jetzt den

Kirchplatz, stören nicht weiter und widmen uns

den dörflichen Erziehungsmaßnahmen.

„Der best erzoge mir us Könner em Haa.“ (Am

leichtesten ließen sich unsere Kinder im Hauberg

erziehen.) sagt schon viel über ländliche Burbacher

Erziehung.

Wir wurden selbstverständlich in alle Tätigkeiten

eingebunden und suchten auf diesem Gebiet

ehrgeizig Anerkennung. Anerkennung tat uns gut,

je ausgeprägter umso besser. Dabei spielte es für

uns keine Rolle, ob das Ausmaß der Anerkennung

angemessen oder liebevoll übertrieben war. Meistens griff

jedoch der Siegerländer Erziehungsleitsatz: „Ned gemeggert

es genochd gelobd.“ – Na, ja.

Und so hüteten wir bei der Heuernte die Kühe und vertrieben

die Bremsen, die die Kühe sonst ins Euter stachen.

Die Aufgabe war unbeliebt, weil sie keinen großen Kraftaufwand

erforderte, aber wichtig, weil die Kühe bei nachlässiger

Arbeit den Heuwagen ruckartig anzogen. Bremsenstiche

ins Euter tun weh und Kühe sind auch nur Menschen.

Aber wer in solch einem Falle oben auf dem Heuwagen

stand und die Ladung verteilte, konnte durch dieses Anrucken

das Gleichgewicht verlieren und vom Wagen fallen.

Das konnte lebensgefährlich sein. Deshalb kam umgehend

die handfeste Rückmeldung: Es gab eins „um de Schuddel“.

Das erklärte mehr als Worte.

Wir halfen beim Abwasch, hackten die Kartoffeln im

Herbst, lasen im Hauberg das ganz kleine Reisig auf, das mit

Stoffstreifen zusammengebunden wurde und – vollkommen

dürr – zum Anfeuern verwendet wurde. Wir fegten den Hof,

wendeten das Heu und gossen die Wäsche auf der Bleiche.

Manche von uns trugen die Siegener Zeitung aus. (Die kam

damals nachmittags.) Sie leisteten einen wichtigen Beitrag

zum Lebensunterhalt, denn das war Familieneinkommen,

kein Taschengeld.

Das alles mag sich nicht kindgerecht lesen aus Sicht des

dritten Jahrtausends. Wir Kinder entwickelten aber auch das

Gefühl, gebraucht und ernst genommen zu werden.

Je älter wir wurden, desto schwerere Arbeit leisteten wir

und desto höher stieg unser Ansehen. Die Kleinen wollten

ebenso wichtig sein und eiferten den Großen nach. Dass

wir bei der Gelegenheit zu Verantwortung, Zuverlässigkeit,

Selbstständigkeit, Ausdauer und Genauigkeit erzogen wurden,

bemerkten wir nicht. Unsere Arbeit wurde gebraucht

und anerkannt. Vandalismus hatten wir nicht nötig.

Tilla-Ute Schöllchen

Fortsetzung folgt

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44 durchblick 1/2021 1/2021 durchblick 45



Historisches

Vor mehr als 650 Jahren:

Zerstörung der Snorrenburg in Burbach

Rondell hinter der Kirche

Foto: Heinz Stötzel

Die Zeit ihrer Erbauung und der Name des Bauherrn

sind urkundlich nicht bezeugt. Vermutlich wurde

sie in der zweiten Hälfte des 13-ten Jahrhunderts

errichtet 1) .

Ein nach beiden Talseiten durch Mauern und Bollwerke

befestigter, auslaufender Bergrücken bildete ihren

Standort. Ungehindert konnte das Hellertal in Richtung

Wahlbach eingesehen werden. All das verhinderte ihre

Vernichtung im Jahr 1367 nicht.

Die Kapitulationsurkunde, ein mehrfach gesiegeltes

Dokument, wurde “Tusent Dreihundert sieben und segzig

ob Fridag for aller Heiligen Tage“ ausgestellt. Das

Datum macht deutlich, dass die Unterzeichnung vor dem

kirchlichen Feiertag “Allerheiligen“ stattfand. Dieser

wird in der weltweiten kath. Kirche am 01. November

eines jeden Jahres gefeiert. Im Jahr 1367 fiel der Gedenktag

auf einen Sonntag, sodass die Erklärung am 30. Oktober

verfasst wurde.

Sie listet die Namen der Burgherren Roderich, Hunold,

Johann und Wolf, Ritter zu Burbach und als Brüder gemeinsame

Eigentümer des “ befestigten Huses“, auf. Der

Name Snorrenburg wird genannt und auch derjenige, der

ihre Zerstörung veranlasste, Kuno von Falkenstein, Fürstbischof

zu Trier 2) .

Heute erinnert ein gleichnamiges Hotel sowie ein gesondertes

Restaurant und die weithin sichtbare ev. Pfarrkirche

an die “Veste auf dem Römer“ . Die Bezeichnung

“ Römer“ soll dem Altdeutschen entstammen und so viel

wie Felsnase oder Felsvorsprung bedeuten 3) .

Kuno von Falkenstein wurde, 42 jährig, in 1362 mit

dem hohen Amt betraut. Einer seiner Vorgänger, Balduin

von Trier, hatte die Schleifung der auf dem Hohenseelbachskopf

bei Herdorf gelegenen

Burg veranlasst und die Eigentümer

verpflichtet, am 22.08.1352 ein

Schriftstück zu unterzeichnen, in

dem auf einen Wiederaufbau verzichtet

wurde. Das Geschlecht der

Adeligen von Seelbach war Eigentümer

beider Burganlagen und musste

innerhalb von 15 Jahren eine zweite

herbe Niederlage hinnehmen. Eine

Ursache der Auseinandersetzung

könnte darin bestehen, dass die Seelbacher

dem erstarkenden Geschlecht

der Grafen von Nassau nahe standen

und deren Einfluss in Grenzen gehalten

werden sollte.

Siegelzeugen der Urkunde aus

1367 waren die Ritter Johann v. Westerburg

und Rorig von Laurenburg. Die Laurenburg, am

Mittelauf der der Lahn gelegen, war Nassauisches Eigentum.

In dem Verpflichtungsschein vom 30.10.1367 erklärten

die Grundstückseigentümer verbindlich, auf eine erneute

Baumaßnahme zu verzichten, keine Vergeltung zu üben

und keinen Schadenersatz zu erheben.

Der als „Sühne“ bezeichnete Friedensvertrag stellt

nach Auffassung des Heimatforschers Gerhard Scholl ein

„Diktat“ dar, welches die unterlegenen Angehörigen des

Siegerländer Landadels unterzeichnen mussten 4) . Das Original

befindet sich im Landesarchiv Koblenz 5) . Es stellt

inhaltlich eine ähnliche Unterwerfung dar, wie sie die Urkunde

vom 22.08.1352 enthält.

Die jetzige Pfarrkirche wurde 1776 erbaut und hatte

vermutlich mehrere Vorgängerinnen 6) . Dies wird auch dadurch

deutlich, dass bereits in 1219 ein Pastor Wiptertus

von Burbach ausdrücklich genannt wird 7) . Der Kirchturm

entstammt einer alten, am gleichen Platz stehenden Kirche

aus früheren Jahrhunderten.

Nichts war bei einer Burganlage wichtiger als die Wasserversorgung

von Mensch und Tier, die auch im Fall einer

Belagerung funktionieren musste. Der heute abgedeckte

und zugewachsene Brunnen der ursprünglichen Anlage

erreichte das Grundwasser der Talsohle. Er befand sich innerhalb

der früheren Burgmauern.

Ausgetretene, steinerne Stufen führen in einen der ehemaligen

Burgkeller hinab. Heute wird er als Tagungsort für

besondere Festlichkeiten des Restaurants genutzt.

Bodo von Falkenstein, der streitbare Verwalter der Diezöse

Trier, verstarb am 21.05.1388. Sein Grab befindet

sich nicht in der alten Römer- Stadt, sondern in der Kastor-

Kirche zu Koblenz. Heinz Stötzel Blick in den ehemaligen Burgkeller der Snorrenburg

Quellen-und Literaturverzeichnis: 1) Scholl, Gerhard, „Heimatland“ 1967, Seite 98. 2)

Kapitulationsurkunde vom 30.10.1367, Landeshauptarchiv Koblenz, Register- Nr.: IIA

6184. 3) Informationsblatt des Heimatvereins „Alte Vogtei“ in Burbach Ohne Jahresangabe,

Seite 7. 4) Scholl, Gerhard, „Burbachs Snorrenburg und ihre Adeligen Bewohner“,

Heimatland 1967, Seiten 93 bis 96 und „Von Burgen und Schlössern im Siegerland“ 1971,

Seite 71, 5) wie 1). 6) Unbekannter Verfasser Informationsblatt der ev. Kirche Burbach,

undatiert. 7) Philippi, Dr. Friedrich Siegener Urkundenbuch, 1887, Teil I, Seite 8 und

Klein/ Knorr “Burbach, Gesichter einer Gemeinde“, 1993, Seiten 14 und 118 mit weiteren

Quellen und Literaturnachweisen.

Foto: Erhard Braas

46 durchblick 1/2021 1/2021 durchblick 47



Historisches

Historisches

Als der Hafermotor noch den Verkehr bestimmte

Es war eine ruhige Zeit als der Pferde-Omnibus noch

fuhr. Die neue Errungenschaft des Fuhrunternehmers

Zahn wartete vor dem Siegener Bahnhof auf

Fahrgäste. Zwei Schimmel – vom Volksmund liebevoll

„Hafermotore“ genannt – waren vor den Bus gespannt.

Siegen-Weidenau-Geisweid stand auf dem Schild über

den Fenstern. Beim Einsteigen wurden die Mitfahrenden

schon auf ihre Pflichten hingewiesen, denn auf einem Aushang

stand: „Beim Einsteigen ist das Fahrgeld sofort zu

zahlen.“ 10 Pfennige kostete die Fahrt nach Weidenau und

15 Pfennige nach Geisweid.

Bestückt mit einer Bimmelglocke, geschmückt mit

einem buntem Anstrich und ausgerüstet mit mächtigen

Rädern war der Bus nicht zu übersehen. Er fasste 12 Personen

und war der Vorläufer des ersten Benzin-Omnibusses

der Welt, der am 18. März 1895 von Siegen über Weidenau

und Netphen nach Deuz fuhr. Neun Jahre später wurde in

Siegen die elektrische Straßenbahn in Betrieb genommen,

die den Pferde-Omnibus weitgehend überflüssig machte.

Neben den Frachtwagen waren in früheren Zeiten die

Postwagen und –kutschen die ältesten Verkehrsmittel

nicht nur im Siegerland. Ein regelmäßiger Postverkehr

wurde hier schon zur nassauischen Zeit eingerichtet. Die

Regierung in Dillenburg hatte mit der Thurnund

Taxischen Postverwaltung 1774 einen

entsprechenden Vertrag abgeschlossen. Danach

fand ein regelmäßiger Verkehr mit Pferden

von Frankfurt über Wetzlar-Herborn-Dillenbug

nach Siegen statt. Es ging dann weiter

über Hachenburg nach Köln. Die Pferde wurden

auf solch einer langen Reise natürlich auf

der Strecke ausgewechselt.

Wollte jemand in Siegen eine Fahrt machen,

so ging er zur Siegbrücke, wo die Droschken

ihren Stand hatten. Kretzers August und Mertens

Christian gehörten um die Jahrhundertwende

zu den bekanntesten Originalen der

Hafertaxis. Wie unterschiedlich sich die Anforderungen

bei den einzelnen Fahrten gestalteten,

dazu nachstehend einige Beispiele.

An einem Morgen im April 1890 stand in

der Pfuhlstraße Nr. 211 schon sehr früh eine

Kutsche. Die Bürger lagen noch alle in den

Betten, nur im Haus des Schäftemachers Engel

war schon reger Betrieb. Er war sehr früh

aufgestanden um sich für die lange Reise ins

Wittgensteiner und ins Hessische Land vorzubereiten.

In der Werkstatt und im Flur standen

die Koffer mit Schuhen, Stiefeln, Schäften und

Pantoffeln. Schon eine Woche vorher hatte er

mit dem Fahrunternehmer Johannes Zahn die

Abmachung getroffen und einen Kutscher mit Einspänner

bestellt. Der Kutscher war ein junger Mann mit blauer

Mütze und Kittel. Er freute sich auf eine vierwöchige Geschäftsreise,

für die er mit Pferd und Kutsche gemietet

war. Der Kutscher half dem Fahrgast beim Aufladen der

Koffer. Dann ging es in aller Frühe los, denn man wollte

noch viele Kunden am ersten Tage treffen. Johannes Zahn,

der Fuhrunternehmer, hatte seinerzeit etwa 80 Pferde in

seinem Stall am Schafhausweg.

Bei Kochs Kesselschmiede auf der Sieghütte wurde am

gleichen Tag ein großer Rollwagen mit einem schweren

Kessel beladen. Vor dem Wagen wurden 30 Pferde angespannt,

um das Ungetüm zum Bahnhof zu fahren. Denn

die Kochs hatten noch keinen Bahnanschluss. Wesentlich

schwieriger wurde es, wenn die Kessel zu den Gruben gebracht

werden mussten. Es waren hier oft zerfurchte und

ausgefahrene Wege, auf denen alle paar Meter Eisenplatten

unter die Räder gelegt wurden, um die schwere Last von der

Stelle zu bewegen. Die Fuhrleute waren raue Gesellen und

sie mussten wie die Pferde oft Gewaltiges leisten.

Die Siegener Firmen Schuss, Spannagel und Georg hatten

es nicht leicht mit ihren Lebensmittelfahrten. lhre Wege

führten jeden Werktag bei Wind und Wetter über oft sehr

schlechte, ausgefahrene Straßen in fast jeden Ort im Siegerland.

Aber die Hilfsbereitschaft und Kameradschaft bei den

Fuhrmännern war sehr groß. Wenn die Firmen in den Freien

Grund über die Schränke fuhren, sammelten sie sich vorher

bei der Wirtschaft Sturm in Eiserfeld und es ging dann in

langer Reihe über den Berg.

Die Hauptkundschaft war die Industrie. So hatten Gontermanns

auf der Sieghütte auch noch keinen Bahnanschluss

und alle ihre Produkte mussten mit den Pferden zum Bahnhof

gefahren werden. Auch für Bertrams waren täglich zwei Doppelspanner

unterwegs. Es waren andere Lasten als in den Kutschen,

die damals die Siegener Zeitung übers Land brachten.

Es gab auch sehr lange Reisen, die unter Umständen ein ganzes

Jahr dauerten. Zum Beispiel wenn die Firmenvertreter

von Ort zu Ort fuhren. Die Kutscher hatten dann kein schlechtes

Leben, denn sie lernten Land und Leute kennen.

Vor dem Haus des Sattlermeisters Sommer an der

Siegbrücke Nr. 981 stand ein Droschkenkutscher und

wartete auf Ablösung. Die ganze Nacht hindurch war er

gefahren. Dreimal hatte er Personen aus der Umgebung

befördert. Zuerst hatte ihn der Oberkellner vom Hotel

„Zum Deutschen Kaiser“ geholt, um einen Gast nach

Buschgotthardshütten zu fahren. Viel Arbeit hatte er mit

dem Betrunkenen gehabt, aber ein gutes Trinkgeld hatte

er eingesteckt. Gegen 12 Uhr wurde er auf die Sandstraße

zu Bertrams Ofenfabrik gerufen, die Männer wollten

„Zum goldenen Löwen“ am Kornmarkt gefahren werden.

Dort wurde er von

deren Kutscher gebeten,

einige Leute

nach Eiserfeld

und Eisern zu fahren,

die im Hotel

gespeist hatten.

Nun musste

der Kutscher noch

vier Herren vom

Zug, der aus Gießen

kam, abholen.

Sie wollten nach

Eisern gekutscht

werden. Vom letzten

Fahrgast wurde

er noch zu einem

lmbiss eingeladen.

Gegen vier Uhr in

der Frühe kam er

erst wieder in Siegen

an. Um sechs

Uhr sollte er abgelöst

werden. Der

Kutscher war so müde, dass er auf dem Kutschbock eingeschlafen

war. Auch in der Nacht vorher hatte er nicht

geschlafen, weil er drei Jagdpächter aus Düsseldorf noch

nach Gernsdorf und Walpersdorf fahren musste. Sie kamen

mit dem Kölner Schnellzug abends um 9:53 Uhr in Siegen

an und hatten es sehr eilig in ihr Revier zu kommen. Sie

hatten es auf Birkhähne abgesehen und die kamen gerne in

der Morgendämmerung.

In den 1880er Jahren wurden erstmals Taxameter auf

Pferdedroschken montiert. Der deutsche Unternehmer

Friedrich Wilhelm Gustav Bruhn erfand dieses Gerät. Es

zählte die Radumdrehungen, woraus sich die Fahrstrecke

und somit der Fahrpreis ergab. Vor allem bei den beliebten

Kremserfahrten zum Rödgen, Hohenroth, Eremitage, zum

Lahnhof oder ins Wittgensteiner Land konnten die Fahrgäste

die Schönheit der Natur richtig genießen. Ein Kremser

ist ein geräumiger Planwagen mit Längsbänken auf beiden

Seiten. Er wurde bereits 1825 von dem Berliner Fuhrunternehmer

Simon Kremers als Pferdeomnibus eingesetzt.

Auch heutzutage werden vielerorts noch Planwagenfahrten

mit einem Gespann vornweg durchgeführt. Ansonsten

sind es vor allem die Rückepferde, die dem Menschen

die Arbeit erleichtern. Aber durch die desolate Lage

auf dem Holzmarkt wurde ihr Arbeitsplatz streitig. Deswegen

kämpft der umweltfreundliche „Hafermotor“ seit

Jahren ums Überleben. Nach Auskunft des Westfälisch-

Lippischen Landwirtschaftsverbandes soll es in NRW

450 Rückepferde sind heute noch in NRW im Einsatz

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Historisches

Mundart

noch 450 Rückepferde geben. Laut Liste der Interessengemeinschaft

sind es weniger. Dort, wo die großen Maschinen

nicht hinkamen, hatten die Rückepferde einen Vorteil. Denn

sie kamen überall hin und schonten auf ihrem Weg dazu

noch den Waldboden. Der Hengst Harry zum Beispiel zieht

mit seinen 16 Zentnern in einer acht Stunden Schicht etwa

20 Festmeter Holz aus dem frostigen Wald. Die starken Kaltblüter

können bis 14 Zentner oder 70 % ihres Eigengewichtes

ziehen. Sie fressen am Tag 4 bis 6 kg Hafer und einen

kleinen Ballen Heu. Ein gut ausgebildetes Rückepferd mit

den dazu gehörigen Arbeitsgeräten kostet etwa 5.000 Euro.

Das Zeitalter der Motorsierung hat den „Hafermotor“

weitgehend verdrängt. Doch die Pferde sind immer noch

Freunde und Helfer der Menschen. Den ganzen Tag schleppen

sie in den Wäldern die abgeholzten Baumstämme zur

Verladestelle und werden dann selbst zum Feierabend nach

Hause in den Stall gefahren. Aus all dem kann man sehen,

dass die wenigen Pferde, die heute noch im Dienst der Wirtschaft

und des Gewerbes stehen, sichtbare Wahrzeichen einer

verflossenen Zeit sind.

Heinz Bensberg

Senioren-Service-Stellen

im Kreis Siegen-Wittgenstein

Stadt Siegen

Rathaus Weidenau 0271/404-2200

Weidenauer Str. 211-213 57076 Siegen

Termine nach Vereinbarung

l.doerr@siegen.de

Stadt Siegen-Geisweid

0271/372199-05

Am Klafelder Markt 20 57078 Siegen

mittwochs 11-12 Uhr

l.doerr@siegen.de

Fürstlich fühlen

im Oberen Schloss

Einst war es die Residenz der Grafen

und Fürsten von Nassau. Heute beherbergt

das Obere Schloss mit dem

Siegerlandmuseum eine bedeutende

Sammlung zur Kunst– und Kulturgeschichte

der Region.

Auf www.siegerlandmuseum.de finden

Sie Informationen zu Dauer- und

Sonderausstellungen, Führungen und

museumspädagogischen Angeboten.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Kontakt: Siegerlandmuseum

Oberes Schloss 3 • 57072 Siegen

Telefon (0271) 23041-0

siegerlandmuseum@siegen.de

www.siegerlandmuseum.de

Öffnungszeiten:

dienstags bis sonntags, 10 bis 17 Uhr,

Sonderöffnungszeiten an Feiertagen.

Gemeinde Neunkirchen

Bettina Großhaus-Lutz 02735/767-200

Bahnhofstr. 3 57290 Neunkirchen

b.grosshaus-lutz@neunkirchen-siegerland.de

Stadt Netphen

02738/603-145

Amtsstr. 6 57250 Netphen

stadt@netphen.de

Stadt Hilchenbach

Gudrun Roth 02733/288-229

Markt 13 57271 Hilchenbach

g.roth@hilchenbach.de

Stadt Bad Laasphe

Maike Thielmann 02752/909-153

Mühlenstr. 20 57334 Bad Laasphe

m.thielmann@bad-laasphe.de

Um 1900 gab es noch zehn weitere Fuhrunternehmer

in Siegen. Es waren Carl Geffert in der

Löhrstraße, Adam Büdenbender in der Austraße,

K. U. F. Hermann in Sieghütte, Adolf Link in der

Häuslingstraße, J. Hermann in der Hammerhütte,

Hermann lpach in der Hinterstraße, Jakob Link,

Am Kohlbett, F. Wienand in der Frankfiurter Straße,

Valentin Seibert Hinterm Rathaus und M. Zöller

in der Frankfurter Straße. Außerdem besaßen viele

gewerbliche Unternehmen ihr eigenes Fahrzeug.

Die Fuhrmänner hatten es schwer, Reparaturen an

den Wagen, Ausbesserungen am Geschirr und auch

die Pflege der Pferde konnte Schwerstarbeit bedeuten.

Dabei musste auf Pünktlichkeit und Ordnung

geachtet werden. Die Fuhrmänner besaßen eine

hohe Anerkennung in der Gesellschaft.

Literaturnachweis: Welt, Waldarbeit mit einem PS. Adolf Müller, Alte Fuhrmanns- und

Pferde Herrlichkeit. Wikipedia, Kremser / Taxameter. Unser Krönchen, Das Verkehrswesen

im Zeitraffer. Siegener AZeitung, Nachhaltige Kombination. Lektorat, Ulli Weber.

Stadt Kreuztal

02732/51-0

Siegener Str. 5 57223 Kreuztal

stadt.kreuztal@kreuztal.de

Gemeinde Burbach

Birgit Meier-Braun 02736/45-56

Eicher Weg 13 57299 Burbach

b.meier-braun@burbach-siegerland.de

Stadt Freudenberg

Heike Weigel 02734/43-174

Mórer Platz 1 57258 Freudenberg

h.weigel@freudenberg-stadt.de

Gemeinde Wilnsdorf

Jutta Schmidt 02739/802-129

Marktplatz 1 57234 Wilnsdorf

j.schmidt@wilnsdorf.de

Di Saujonge fam Vogelsang

Bild: Foto Loos Weidenau

Eimohl mossde ech zesame met nem Freund for os

Lehrer arwe. Mir solle fa d`r „Kohlenhandlung Rudolf

Göbel“ Briketts on Koln no sinem Hus bränge. No d`r

Schoal fuern mir met sinem Bollerwänche d`r Känerberch

ronner no Göbels. Do ha mir di Säcke obgelare on mossde

da dä schwere Wage d`r Berch werrer nof zee. Dohnoh

mossde mir eh sinem Käller di Briketts och noch ackerat

obschechde. On itz kom dat, wat m`r os ferdehnt hadde. Jo,

de Zitt wor schleecht, awer meh als jedem zeh Pänning on

fier Glömbcher hädde hä os doch gä konn. Awer mir wosde

als Kenner jo schue, dat et sparsame Sejerlänner gob.

Dat mir met däm Ferdehnst net zefreere worn, mossde hä

os ageseh ha. D`r anner Dach kräje m`r da doch noch e klai

Düddche met Klömbcher.

En d`r Schoalklasse mossde mir öfdersch Ofsätze schriwe,

dat konn ech good. Awer ech konn mache wat ech woll,

zwai Mädcher eh oser Klasse kräje ömmer bässere Nore

als ech. Ogerechdichkaite brochde mech schue ömmer

schwer „ob de Palme“. Ech heelet eines Dachs net meh

uss on sähde gä dä Lehrer: „Itz ha ech awer genoch; et

machd niks uss wi schwer m`r rackerd, di Mädcher wearn

ömmer forgezoge.“ On itz reefe di annern Jonge: „Jo, jo,

dat es woar!“ Dat wor for dä Lehrer e schdark Schdecke.

Hä wuer ritzeroat em Gesechde on ferdonnerte mech ob

d`r Schdäll, uss osem Läseboch di Geschechde fa däm

Martin Luther on däm Roatkeelche, dat än eh siner Gloasterzell

besochd hadde, eh „Schönschrift“ afzeschriewe. Di

Geschechde kenn ech och ho noch usswennich, ech ha se

dohnoh noch öfdersch afschriewe mosse. D`r Wenkels

Heinz gob mir no d`r Schoal zeh Pänning. Hä wor e Jong

fa ner Kriejerwittwe on et wor et ganze Geld wat hä hadde.

Hä sähde: „Dat Geld satt du ha; du hästet däm Lehrer

ändlech emol rechdech gesähd.“

Ech mossde da och eh de Sonndachschoal,

di wor em Calvin-Huss. Heh woar

ech bi d`r Dande Elisabeth och schor eh

d`r Kennergarde gegange. Eh d`r Boledik

wor et zo där Zitt net aifach, fa mänche

hees et, dat se zo wit lenks woarn. Ainer

fa dän hadde en Jong, on dä wor ainer fa

min bässde Freunde. Mit hadde ömmer

d`r maiste Schbass, wann mir zesame

worn. On so komet, dat ech eh de Sonndachschoal

gescheckt wuer – on hä net.

Et wor em Frejoar, wann di decke

Kröde ömmer huckepackches fa öwerall

huerdich duerch de Gäjend schleche. Se

worn onnerwäjens no nem klaine Wäjjer

am Johannissiffe zom laiche. Min

Mamme hadde mir en wonnerscheane

hellblue Pullower geschdreckt met nem

goldene „V“ ob d`r Brosdsidde. Ech hadde

gar kenn Lost eh de Sonndachschoal ze go on do ze

setze on ze senge. On dearwäje geng ech nom Wäjjer – on

do fonn ech min Freund. Bi nem bolidisch lenke Babbe

bruchde hä jo och net en dat Calvin-Huss. Itz hadde mir

Geläjehaid, massich Huckepack-Kröde ze fenge on en d`r

Wäjjer ze schmisse, dat et nur so schbratzde.

En däm Wäjjer hadden di ällere Jonge en halwe „Verpflegungsbombe“

gefonne. Di wuer mänchmol russgezoge

on als Bödche genotzt – mir sähde Kanu d`rgä. Dat Fahrn

ob däm Wäjjer duerde awer nur so lang, bes d`r Jungs Henner,

dä am Hirschberch wohnde on de Ofsechd fa d`r Fescheräi

hadde, no os Saujonge guckde. Da peff hä orrer hä

kom agelaufe. Dat kom awer nur for, wann hä fa d`r Arwed

d`rhaim wor. Da wuer di „Bombe“ huerdich emgedrähd on

werrer em Wasser fersengd – on mir leefe, so schwinn m`r

nur konne.

Fam Henner wor ah däm Dach niks ze seh, de Sonndachschoal

wor fergässe. Min Freund on ech fersochde,

dat Kanu uss däm Wasser ze zeh, awer et wor ganz aifach

ze schwer for os. Of aimohl retschde ech uss, Kobb derörscht

eh dat Wasser – on dat och noch a d`r seichde Sidde,

wo all di Frösche gelaichd hadde. Ech kom uss däm Wasser

on souw uss wi dat Monster fam Loch Ness – öwer on

öwer met däm schlaimiche Froschlaich behange. Et wor

noch wahne kalt ah däm Dach. Ob ech woll orrer net – ech

mossde nohaim. Ech bruch ou g`wess net ze ferzealn, wat

min Mamme sähde. Derörscht wuer ech emol so rechdech

met däm Teppichklopper ferkloppt. Met de nasse Botze

am Hennern wor dat arich schlemm. Dohnoh mossde ech

zom Wäsche eh dat Zenkfass on da als Schdofe eh det

Bedde. Dä Teppichklopper ha ech d`r anner Dach so god

ferschdoche, dat min Mamme dä net meh fenne konn.

Gerhard Peysar, früher Weidenau

Auch beim Straßenbau lieferte die Firma „Rudolf Göbel“ Baustoffe.

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Mundart

Mundart von Bruno Steuber, Ferndorf

Dä schdrubbiche Hond

Krach im Hüss`che

Bruche mir Störche?

Froschkonzert

Gern sin min Frau on ech em Hearwest of de Bai,

dat Lauf es da so bond, de Loft es gloar on rai,

em Wald es et so schdell, m`r föhld sech wie em Draum,

all di Blömcher lache, zom Freund würd jeder Baum.

Lo a nem Wearkedach genge mir och schbaziern –

doch wann ech do dra denke, fängt mech ah ze friern.

Onnerwäjens worn mir em lechte Bochewald,

do häddet öm e Hoar so rechdech hart gegnalld.

Et wor fa wierem gloar: Mir mosse schwinner go,

sost konn mir niks erkenn, dat süd m`r nur fa no.

On wi mir nöjer kome, do souwe mir dä Grond:

E gröner Jäjerschma, dä zielde of sin Hond.

Dat lange Scheesgewehr, dat wor schue decht bim Kobb –

dat souw gräjjelich uss, mir reefe all zwo: „Stopp!“

On wi mir for em schdonne, forschde mir em Chor:

„Wat häst du Jäjerschma da met däm Höndche for?“

„Ech hadde feel Gedold, doch domet es itz Schluss,

dad Dier krijd ob d`r Schdäll itz glich d`r Gnadenschuss.

Dä würd doch ömmer meh am ganze Balch röm schro –

guggd ou dat Fäll doch ah, ganz schdrubbich on ganz gro.

Dä domme Köder moss noch heut onner de Ear,

dä süd doch kumm noch wat on hörd och wahne schwer.

Dä es sid langer Zitt for niks meh ze gebruche,

mir mache e paar Schree, da esse schue am kruche.

On itz – zo gorer lätzt – on och for alle Denge:

Hä löst sid Woche schue sin Schwänzche nur noch henge.“

Do gresch min Frau for Angst: „Lewer Bädd`genosse,

lauf fort so schwinn de kast, sost würschd du och erschosse.“

Ulli Weber Flammersbach

Ät woar dö Zitt nom Krejch. Dö Lüh woarne wahne

arm, net nur die ih dr Stadt, och ob dä kleine Dörfcher.

Ät wuhr gesse, wat Gaarde on Feld hergoawe.

Mr hehl ö paar Höhnercher, ö Säuche, ön Zeij, die bässergöstallde

hadde och Köh on Orse. Ihkaufe doawe mr

im kleine Dorflahre bim Lenche. Veele Lüh lehse och ahschriewe

on bözahlde erscht, wenn dr Babbe am Erschde

dö Löhnung kräij.

Bim Ihkaufe goaw mr bösonnersch achde, ob net moa

ön schürne leere Schachdel or ön groarse Duhs ömsost zö

krieje woar. Die meiste Sache wurne ih groarse Böhälder,

wie Säcke, Eimer, Duhse or Kesde ahgölewerd on bim

Verkauf ih Dudde or betgöbroachde Schoddeln gödoah.

So hadde och moah dät Seffche grorses Glöcke on hadde

ön schürne ronne Rollmopsduhs ergaddert. Ät doaw sich

no jeden Morje doadren wäsche.

Mänchnmoa geng ät wahne hart her im Hüss`che, wo

ät bet sinner Schwester Hannche wohnde. Sie schannde

on zänkde sich vehl, wärömm woßde awer keiner im Dorf.

Bes ob eimoa, doah koam ät da russ. Im kleine Kapellche

woar dr Pastor on hehl dö Bichde ab.

Och dät Seffche geng eh dö Bichtstohl on sähde sinn Sönn,

doabih schwadde ät Platt on och zemlich hart, sodat jeder bethörn

konn. Ät sähde: „Herr Pastor, ech hann gösönnichd, weil

ech mich bet miner Schwester Hannche ganz veel gözänkt

hah.“ Däh Pastor frouwde noa dem Grond va der Zänkörei on

ät sähde da: „Herr Pastor, det Hannche wäscht sich ömmer ih

minner Heringsduhs, on det well ech garnet hah.“

Däh Pastor hät secher vor lauder Lache net veel Buße

obgögäwe. Die nächsde Duhs, die det Lenche leermachde

on öwerich hadde, kräij no det Hannche on dä Freere woar

im kleine Hüss`che werrer hergöstalld.

Rita Stötzel, Eckmannshausen

Jedet Kend, oft schur em Kingergaardeahler, weiß hö,

dat net dr Storch de kleine Kinger brängt. Irjendwie

scha. Awer Tatsache es, dat hö kä Kend meh e Zuckerwürfelche

ob de Fejsderbank läd öm en Jeschwisderche ze

krijje, so wie mir dat noam Kreech noch jedoa ha.

Moß mr derwäje kolonnewies bet Busse eh Landschafde

fahrn öm die schüerne Vöjjel ze seh? Dat es

Ahsechdssache. Ech si der Meinung, dat mr sech meh öm

die Vöjjelcher kömmern söll, die loa bi os einheimisch

si. (örrer worne) Wann häd mr da dt letzde moal en Feldlerche

jehord? Wo görret da noch Rebhohner örrer Neuntöter?

On wat es bem Guggugg? Sogar de Feldschbatze

wern rar. Ech ha dat Glögge, on ka Gebirgsstelze on Wasseramsel

hinger minnem Hus ah dr Lettfe beobachde. Doazo

bruch ech gottseidank net öwer 650 Kilomeder noam

Spreewald ze fahrn, on bet zwanzich Mah eh einem Boot

zwo Stonne öwer Flußarme jedöjjt wern, oahne irjendwat

Extranes ze seh’, usser dän besüngere Wasserwäje,

on dän em typische Blockbourlnschdel erboude Spreewaldhüser.

Gurge kanech och deheim esse, och die us dm Spreewald.

Störche ha mir em Verbifahrn vam Oberdeck des Panorama

Bistro- Busses us jeseh’. God, dat ech dat kritisch

erläwt ha, on öm so zefrerener werrer deheim eh Lettfe si

darf. Usser Magolweser on Elstern görret hi och’n Masse

Vöjjelcher, vam roure Milan bes zor Heckenbraunelle.

On va minne spezielle Freunde, dän Amphibien, speziell

däm Gloggefrosch well ech erscht garnet afänge, sösd

finge ech dt Äng net.

Dusse döt sech wat ...

Selwerhell hört mr än lüere

dän Gloggefrosch e lauer Nacht,

domb gwaage döt doazo dr Grasfrosch,

bet breirem Mul en Onke lacht!

Dä Laubfrosch meggert wie en Hibbe,

en Öjjel röft Schuhuh, Applaus,

ken Meisderchor ka schüerner singe,

de Sonn giert ob, dat Leed es aus.

Foto: pixabay

Bim Ihkaufe goaw mr bösonnersch achde, ob net moa ön schürne leere Schachdel or ön groarse Duhs ömsost zö krieje woar.

En Ohrouh schbört mr dusseröm,

dr Schnee schmelzt eh dr Sonn,

et döt sech wat eh dr Nadur,

min Herz schliert voller Wonn’.

Meisjer am Flugloch schbeggeliern,

se denke alt at brödde,

verschloafe krüfft en Molch römher,

grad hinger oser Hödde.

De Wierekätzjer driewe alt,

Benn hört mr sachde bromme,

se lurn drob, darret wärmer wüerd,

on dat de Blömcher komme.

Doch halt, wer’t nur net wesbelech,

noch lejjt em Schloaf dr Gaarde,

ob Habbeholz on Guggugsroof

moß mr bes Mai noch waarde.

52 durchblick 1/2021 1/2021 durchblick 53



Ostern

Osterkartoffeln

Im Sieger- und Sauerland ist es in verschiedenen Gegenden

Brauch, die Osterfeuer an verschiedenen Tagen

anzuzünden, so dass man Samstag vor Ostern hier, am

Ostersonntag da und Ostermontag noch woanders Osterfeuer

miterleben kann.

In unserer Gegend war das anders. Da wurde das Osterfeuer

immer am Abend vor Ostersonntag angezündet. Und

das war für uns immer ein Heidenspaß! Schon Wochen

vorher sammelten wir alles Brennbare und schafften es auf

den dafür vorgesehenen Platz. In die Mitte war eine kahle

Tanne in den Boden gespitzt, und darum herum wurden

alte Tannenbäume, die von Weihnachten nicht abgeholt

worden waren, abwechselnd mit altem Buschwerk, Holzstücken

und Ästen verschachtelt aufgetürmt, so dass dieser

gewaltige Haufen nicht umkippen und vielleicht jemanden

verletzen konnte.

Am Samstagabend zogen wir in Scharen auf die Anhöhe,

denn dort oben war ein guter Platz für das Feuer. Man

konnte es weit leuchten sehen. Mama und Jonas kamen

auch mit, aber sie blieben nicht lange, denn Jonas war

noch zu klein und quengelte und war müde. Papa und ich

blieben. Als es dämmerte, wurde der Holzhaufen an drei

Ecken angezündet, damit es schneller brannte, und wir alle

standen darum herum. Einige Männer hatten Bierkästen

und Kästen mit Cola und Limonaden mitgebracht und später

würde es Würstchen geben. Das Feuer loderte hoch in

den Himmel, da stimmten alle ein Osterlied an. Und dann:

„Ein Tag, so wunderschön wie heute“. Die Frauen sangen

leise, die Männer grölten und hielten die Bierflasche in der

Hand und wir taten es ihnen mit Cola und Limonade gleich.

Einer der Männer meinte, dass es morgen bestimmt

wieder schön würde und ob man nicht eine kleine Tour machen

wolle. Die Frauen fanden den Pullunder von Klaus-

Dieter entzückend und fragten, ob man nicht das Strickmuster

haben könne. Wir suchten uns Stöcke, kreuzten sie

wie Schwerter, rannten in der Gegend hin und her, spielten

Fangen und mussten höllisch aufpassen, dass wir dem Feuer

nicht zu nahe kamen.

Dann fingen wir zu balgen an, denn irgendwer hatte

eine Limo-Flasche umgeworfen und der Inhalt sickerte in

die Erde. Keiner wollte es von uns Jungs gewesen sein.

„Aufhören“, brüllte jemand „oder wir gehen nach Hause.“

Das wollten wir natürlich noch nicht, denn wir hatten ja

noch keine Würstchen bekommen, und überhaupt war das

doch klasse hier.

Als wir dann endlich unsere Brötchen mit Wurst hatten,

schlug Sebastian vor, wir könnten doch Wettessen machen.

Das fanden wir alle ganz toll, und aufs Kommando ging es

los. Sebastian wäre beinahe erstickt, so viel hatte er sich

in den Mund gestopft. Seine Mutter klopfte ihm erst auf

den Rücken, bis Würstchen und Brötchen wiederkamen,

und dann eins hinter die Ohren. Das war vor aller Augen

absolut peinlich. Dann wälzten wir uns wieder auf der

Erde und rauften, weil Benno prahlte, dass er zwei Flaschen

Cola gekriegt hatte, dabei stand jedem nur noch eine

zu. Und wir wollten wissen, wie er sich die ergaunert hatte.

Gegen zwölf mahnten Mütter und Väter zum Aufbruch

und Onkel Berti und Klaus-Dieter erklärten sich bereit,

noch Feuerwache zu halten.

Auf dem Nachhauseweg kühlte der Abendwind so langsam

meinen Übermut und als wir dann zu Hause waren,

konnte ich Mama nichts mehr berichten, so müde war ich.

Ich fiel in mein Bett und habe nicht mehr mitgekriegt, dass

Mama mir einen Gute-Nacht-Kuss gegeben hatte.

Am nächsten Morgen weckte mich Jonas in aller Herrgottsfrüh

und kreischte: „Aufstehn, Eier, Eier!“ Ich schickte

ihn fort in Mamas Bett und drehte mich um. Später kam

Papa und weckte mich und meinte, es würde jetzt Zeit, wir

wollten frühstücken und dann Osternester suchen. Ich war

dafür, es umgekehrt zu machen.

Im Garten sah ich schon von weitem etwas leuchten

und rannte darauf zu. „Halt, das ist nicht deins!“, schrie

Mama und bugsierte Jonas darauf zu. Beim nächsten Nest

schrie sie wieder und meinte, ich solle in der anderen Ecke

suchen. Warum sie meinte, dass das nicht meine Nester

wären, sondern die in der Ecke hinten im Garten‚ das

konnte ich nicht verstehen. Schließlich war kein Namensschild

daran und wer als Erster was fand, dem gehörte es

doch eigentlich. Aber ich glaube, dann wäre Jonas ziemlich

leer ausgegangen.

Beim Frühstück gab’s nicht, wie jedes Jahr, ein Osternestchen

mit einem bunten Ei mittendrin auf dem Teller,

nein, diesmal gab’s einen Osterzopf, von dem Mama Jonas

und mir eine Scheibe abschnitt und dick mit Butter

bestrich. Jonas knäuelte an seinem Stück herum und rief

immer wieder: „Eier, Eier.“

Ich schlang meinen Osterzopf herunter und es ging mir

nicht schnell genug, denn ich wollte mit Papa hoch zum

Osterfeuer und Kartoffeln braten, so, wie wir das im vorigen

Jahr gemacht hatten. Das hatte er mir versprochen.

Und heute Morgen nahm er sich viel zu lange Zeit beim

Frühstück.

Endlich war es soweit. Papa nahm ein kleines Säckchen

Kartoffeln mit. Ich stopfte mir in jede Hosentasche

ein Osterei und zum „Nachtisch“ ein paar Schokoladeneier.

Mama blieb mit Jonas daheim. Sie müsse beim Osterbraten

bleiben, meinte sie, und wir sollten rechtzeitig

zum Mittagessen zurück sein. Jonas, den wollte Papa nicht

mitnehmen. Er könne nicht auf zwei so Racker aufpassen.

Auf dem Weg hinauf zum Feuerplatz rief Papa, der hinter

mir her ging, plötzlich, ich hätte da am Wegrand

54 durchblick 1/2021 1/2021 durchblick 55



aber ein Osterei übersehen. Und tatsächlich – ein schönes,

marmoriertes. Und als ich weitergehen wollte, lag da noch

ein Schokoladenei. Jetzt wollte ich aber die Augen offen

halten. Doch so sehr ich auch aufmerksam suchte, ich fand

keines mehr.

Endlich kamen wir am Feuerplatz an. In der Mitte

glimmte es noch und Papa und ich warfen die kleinen Kartoffeln

in die noch heiße Asche. Jetzt hieß es warten.

Die Ostereier waren inzwischen vom vielen Bücken

angeknickt, so konnte ich nicht mehr Eierwerfen mit Papa

machen. Ich pellte eins und verspeiste es mit Genuss.

Papa ging mit mir zum nahen Wäldchen und suchte bei

den Haselsträuchern nach einem passenden Ast, aus dem

er mir eine Pfeife schnitzen konnte. Es musste ein gerades

Stück sein, ohne Ästchenansatz und glatt. Er schnitt ein

etwa 15 cm langes Stück ab und im oberen Drittel eine

Kerbe heraus. Dann beklopfte er es rundherum, bis sich

die Rinde vom Holz löste, und zog den Holzkern unten

ein Stück heraus, so dass die Kerbe oben hohl war. Von

dem Holz schnitt er eine Scheibe ab, davon wiederum ein

Ostern

Stückchen und steckte es in das Teil oberhalb der Kerbe,

so dass ein kleiner Hohlraum entstand, und wenn man hineinblies,

war es eine richtige Pfeife.

Schließlich gingen wir zurück zum Feuer und schauten

nach den Kartoffeln. Eine war zu weit hineingerollt und

vollkommen verkohlt, aber die anderen waren gut. Wir

nahmen kleine Stöcke und spießten sie darauf auf, denn

sie waren höllisch heiß. Papa gab mir sogar sein Taschenmesser,

damit ich die schwarzen Stellen außen abschneiden

konnte. Dann holte ich meine zwei Ostereier, die ich

noch hatte, aus meinen Hosentaschen und wollte sie zu

den Kartoffeln essen. Aber die Schokoladeneier waren

aufgeweicht und klebten in meiner Hosentasche. O je, da

wird sich Mama freuen!

Ich warf sie mit meinen Eierschalen in die Tüte, die

Papa mitgebracht hatte, denn Papa hatte immer eine kleine

Abfalltüte dabei. Er gab mir ein Taschentuch, damit ich

meine Hände abwischen konnte. Wir haben noch genüsslich

gespeist und zwischendrin habe ich immer wieder die

Pfeife ausprobiert. Auf dem Nachhauseweg pfiff ich die

ganze Zeit, so dass Papa endlich meinte, ich solle jetzt mal

aufhören .Zu Hause bin ich ganz schnell in mein Zimmer

gerannt und habe die Pfeife in der Schublade versteckt, damit

Jonas sie nicht sah. Ich holte meinen kleinen Kamm

heraus, legte ein Butterbrotpapier darüber, und spielte

Kammmusik. Jonas kam angerannt. „Auch Musik“, rief er

und ich hielt ihm den Kamm hin. Er biss hinein und verzog

das Gesicht. „Du kannst es eben noch nicht“, meinte ich

und Jonas rannte schreiend zu Mama.

Mama war nicht gut drauf. Wo wir denn so lange blieben,

sie warte schon so lange mit dem Essen. Der Braten

sei jetzt vollkommen ruiniert. Als Mama das Osteressen

aufgetragen hatte, stützte ich meinen Kopf in die Hand und

stocherte im Essen herum. Ich hatte einfach noch keinen

Hunger. Mama schimpfte Papa, dass er bestimmt nicht

aufgepasst und ich zu viele Eier gegessen hätte. Papa aß

auch nur ein Stück Fleisch und nahm kein zweites Mal

nach. Jonas spuckte die Kartoffeln mit Soße in seinen Teller,

schob ihn weg und krähte: „Reismais.“ Er mochte die

Kartoffeln mit Soße nicht zu seinem Gemüse. Zu den Erbsen,

Möhren und Mais wollte er Reis haben. Das war sein

Lieblingsessen.

Dann kam der Nachtisch. Da hatte ich wieder Hunger.

Es gab nämlich Karamellpudding, meinen Lieblingspudding.

Papa maulte, warum es keine Zitronencreme gäbe,

was wiederum sein Lieblingsnachtisch war, und Mama

hätte es doch gesagt, dass es Zitronencreme gäbe. Mama

sagte, sie habe es sich anders überlegt, weil keine Zitronen

mehr da gewesen seien - die habe sie alle für den Kuchen

gebraucht -, fing an zu heulen und ging raus in die

Küche. Jonas brüllte und schlug mit dem Löffel in sein

Tellerchen. Er wollte noch mehr Pudding haben. Ich genoss

meinen Karamellpudding und dachte: Einer ist doch

immer der Verlierer.

Maria Haberland

Erstmals Erschienen im Novum Verlag.

Foto: wikimedia commons

56 durchblick 1/2021

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Unterhaltung

Die wundervolle Geburtstagsreise

Sie schloss die Türe zu ihrem Zimmer, hängte das

selbstgemalte Bild vor die Kamera und löschte das

Licht. Es war der 1. April, ihr Geburtstag. Da sie

niemanden hatte, der ihr an diesem Tag irgendetwas schenken

könnte, so schenkte sie sich, wie in all

den Jahren zuvor, auch diesmal diese

bunte Glaskugel selbst. Sie konnte

die Kugel gerade eben mit den

Armen umfassen. Und nun

saß sie auf ihrem Sofa und

träumte sich in ihre eigene

Welt hinein. Eine

Welt, die völlig anders

aussah als die, die sie

umgab. Es gab Bäume

in ihrer Traumwelt,

klares Wasser

und blaue Seen und

einen wunderschönen

blauen Himmel über

allem.

Ihre Hände glitten ruhig

über die gleichmäßige,

glatte Fläche der Glaskugel.

Es gab nur einen einzigen Widerstand,

eine feine Linie, kaum

zu ertasten. Diese zog sich einmal

um die ganze Kugel herum. Mit ihren Fingerspitzen

fuhr sie auf dieser Linie entlang. Aus

den Erfahrungen der letzten Jahre wusste sie genau, was

gleich passieren würde, doch sie konnte die Finger nicht

von der Linie lassen. Bei dem Gedanken an die erste Berührung

musste sie lächeln. Mit den Jahren hatte sie gelernt,

dass nicht sie darüber bestimmte, wann sie die Kugel zur

Seite legen konnte. Es war die Kugel, die diese Entscheidung

traf. Klebten erst einmal ihre Hände an dem Glas fest,

so entstanden immer neue Bilder , so als wollte diese Kugel

ihr etwas erzählen. Und immer hatte sie das Gefühl, es

gäbe da noch ein anderes Geheimnis. Es war nur ein kurzer

Moment, doch sie glaubte zu spüren, wie diese große bunte

Glaskugel sie anzog. Sie hatte das Gefühl, als würde ihr eigener

Körper sich auflösen und in einen Sog geraten und in

die Kugel hineingezogen werden. Ja, sie hatte schon davon

gehört, dass Menschen von einem zum anderen Moment

plötzlich verschwanden. Doch das waren alles nur Gerüchte

, alte Geschichten, erzählt von alten Menschen, die noch

an Geister glaubten. Aber es gab keine Geister! Sie lebte im

Jahr 3044. Nichts gab es, was nicht untersucht, analysiert

und ständig überwacht wurde. Sie lebte schon, so lange sie

denken konnte, mit den vielen anderen Menschen in dieser

Wohnkolonie. Und sie konnte sich auch nicht erinnern, dass

jemals auch nur einer von ihnen die Kolonie verlassen hatte,

geschweige denn, plötzlich verschwunden war. Da ja jedem,

gleich nach der Geburt, Kennnummer und Registrierung auf

einem Chip unter die Haut gepflanzt worden war, konnte

niemand sich bewegen, ohne dass seine Position

sofort geortet wurde. Überall waren

Sensoren und Wächter, überall

wurde kontrolliert. Jeder hatte

Angst, durch irgendwelche

Fragen aufzufallen. Also

fragte niemand!

Sie hatte sich mit

ihrer Glaskugel in dieser

Zeit ein Geheimnis

bewahrt – ihr Geheimnis.

Und so saß sie nun

wieder da, auf ihrem

Sofa, die große bunte

Glaskugel in den Armen

und wartete. Und

es geschah auch heute.

Ja, es war stärker als

je zuvor, dieses Gefühl.

Neugierig beugte sie sich

näher an das Glas heran. Ihr

wurde unheimlich zumute. Eine

Gänsehaut lief ihr den Rücken hinunter,

aber gleichzeitig drängte die

Neugierde sie weiter. Vorsichtig schob sie beide

Arme nach vorne und sie tauchten bis zum Ellenbogen

in die merkwürdig weiche Glaskugel hinein. Sie schloss

die Augen und dachte: „Nein, so etwas gibt es doch nicht!“

Gleich würde sie ihre Augen wieder öffnen, und alles wäre

wie immer. Sie würde auf ihrem Sofa sitzen und eine einfache

bunte Glaskugel im Arm halten. Doch so war es nicht!

Beinahe meinte sie zu fühlen, wie etwas an ihren Armen

zog. Oh, jetzt bekam sie doch Angst. Sie versuchte sich

dagegen zu wehren, aber es half nichts. Die Arme und der

Kopf waren schon ganz verschwunden. Plötzlich hatte sie

keine Kraft mehr. Wie ein Schwamm das Wasser, so sog

diese große bunte Glaskugel sie auf. Verunsichert öffnete

sie die Augen.

Jetzt saß sie in der Glaskugel. Aber wie konnte das nur

sein? Verwundert blickte sie um sich. Die Kugel war doch

eigentlich nicht groß genug, um sie aufzunehmen. Und ihr

Zimmer war verschwunden. Anstelle des Raumes gab es

Wasser. Egal, nach welcher Seite sie auch schaute, überall

um die Glaskugel herum war Wasser. Panik ergriff sie. Sie

wollte hier wieder heraus. Sie würde sicher ersticken. Sie

musste irgendwie wieder zurück in ihr Zimmer. Die Sensoren

würden sicherlich schon anschlagen und sie als fehlend

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Doch seltsam, sie konnte gut atmen und Luft holen wie

sonst auch. Sie atmete tief ein und aus. Die Luft war angenehm

kühl und frisch. Eine Erschütterung ließ sie zusammenfahren.

Irgendetwas musste gegen die Glaskugel gestoßen

sein. Verunsichert schaute sie nach allen Seiten, doch

nichts war zu sehen. Stattdessen, wie bei einer Seifenblase,

bewegte, drehte und wendete sich die Innenwand der Kugel

und schimmerte in allen Regenbogenfarben. Da, wieder

ein Stoß! Ein heftiger Ruck ging durch die Glaskugel. Sie

drückte die Nase gegen das Glas. Ein riesengroßer Fisch

schwamm direkt vor ihren Augen. Nein, kein Fisch! Er hatte

den Kopf eines Vogels, den Körper eines Fisches, aber

auch Beine und einen langen Schwanz. Und nun wälzte er

sich übermütig im Wasser herum, schlug spielerisch mit

dem Schwanz. Oh nein, jetzt kam der Schwanz ihrer Glaskugel

immer näher. Sie hielt sich an den Seiten fest so gut

es ging. Und schon hatte der Vogelfisch ihrer Kugel einen

Stoß versetzt.

Wie ein Ball kullerte sie durch das Wasser. Wurde dann

aber von etwas Grünem aufgefangen. Nun lag sie mit dem

Kopf nach unten – ihr wurde ganz mulmig. Jetzt rollte sie mit

der Glaskugel ein Stückchen weiter, direkt auf eine wunderschöne

rosafarbene Blüte zu. Sie drückte mit beiden Armen

gegen die Kugelwand. Und schon lag sie auf dem Rücken

in der bunten Glaskugel, umgeben von zartrosa schimmernden

Blütenblättern. Es war ein so schöner Anblick! Wenn

sie das jemandem erzählen würde, es würde ihr sicherlich

niemand glauben. Langsam schlossen sich die Blütenblätter

um die Kugel herum. Sie bedeckten sie ganz sanft, so als

wollten sie sagen, es wäre jetzt an der Zeit, sich schlafen zu

legen. Wie schön diese Welt doch aussah durch diese farbige

Wand hindurch. Und vor allem wie friedlich es hier war.

Mit diesen Gedanken schloss sie die Augen und versuchte

zu schlafen, noch ein bisschen zu träumen, den Moment zu

genießen. Da flog die Glaskugel plötzlich aus der Blüte heraus,

als würde sie wie ein Kirschkern ausgespuckt, schoss

durch das Wasser wie eine Rakete, verlor allmählich an Geschwindigkeit

und kullerte in dem klaren, blauen Wasser herum

wie ein Ball, der durch die Luft geworfen wird.

Erschrocken blickte sie um sich. Sie war wild durch die

Kugel geschleudert worden. Ihr war schwindelig. Wieder

rumorte es in ihrem Bauch. Doch ganz langsam beruhigte

sich alles. Bedächtig trieb sie in ihrer Glaskugel im Wasser

umher wie eine Luftblase. Mal trieb sie durch einen dichten

Wald von langen, grünen Fäden, dann wiederum gab es um

sie herum überall blaues, klares Wasser. Sie drehte sich in

ihrer Glaskugel nach allen Seiten und brachte sie so ins Rollen.

Manchmal hing sie kopfüber in der Luft und lag auch

schon im nächsten Moment auf dem Rücken, so, als könne

sie fliegen. Ja, es war der allerschönste Geburtstag, den sie

je erlebt hatte!

Ulla D'Amico

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58 durchblick 1/2021 1/2021 durchblick 59



Unterhaltung

Unterhaltung

Doktor Dralle lässt grüssen

Heute muss man schon weit vorausschauen und einen

langen Atem haben, wenn man seinen Urlaub plant.

Das war vor gut zwanzig Jahren noch anders. Damals

reichte oft schon eine einfache Anzeige in der Zeitung,

wie jene: „Ferien für kinderreiche Familie an der Nordsee“.

Aus diesen wenigen Worten wurden für uns wahre Abenteuerferien

in Holland.

Wie gesagt, es war eine kleine Anzeige die mir damals

ins Auge fiel. Ohne lange zu zögern griff ich zum Hörer,

wählte die angegebene Telefonnummer und es meldete

sich eine freundliche Stimme. Große Erklärungen um

das Ferienangebot waren nicht nötig, denn es entwickelte

sich ein freundliches Gespräch über Gott und Welt, über

Menschliches und Allgemeines. Gerade so, als würden wir

uns schon ewig lange kennen. Ich gebe zu, ich war von

dem unbekannten Gegenüber recht angetan und erzählte

noch am gleichen Abend der Familie von dieser Begegnung.

„Das hört sich gut an“, war die einhellige Meinung,

in der die Kinder sofort losjubelten „hurra, wir fahren

an die Nordsee“. In froher Erwartung und ohne weitere

Überlegungen rief ich jenen netten Herrn am nächsten Tag

noch einmal an. „Ach, dass freut mich“, vernahm ich am

anderen Ende, aber: „Eigentlich würde ich sie alle gerne

kennenlernen. Wenn es ihnen recht ist, komme ich heute

Abend mit Bildern zu ihnen. Dann können wir alles weitere

besprechen“.

So geschah es. Mit einigen Fotos von den Räumlichkeiten

und der Umgebung stand er abends vor der Tür. Wie

sollte es anders sein, wir wurden uns einig. Außerdem ludt

er uns zu einem Gegenbesuch im Kreis Marburg, zu eigens

gebackenen frischen Vollkornbrötchen, zu denen er auch

extra Schmalz mit Röstzwiebeln und Paprika bereitet hatte,

ein. Wir ließen uns nicht zweimal bitten und fuhren bereits

am nächsten Tag dorthin.

Die Kinder fanden den Pool an seinem Wohnhaus als

Highlight und veranstalteten mit Springen und Tauchen

eine regelrechte Wasserschlacht. Es wurde ein netter

Nachmittag. Wir erledigten alle Formalitäten, erhielten die

Schlüssel und unserer Fahrt nach Julianadorp in Holland

stand nichts mehr im Wege.

Etwas überrascht waren wir allerdings doch, was sich

hinter der Adresse des „Ferienhauses“ verbarg. Es war eines

von vielen bunten Reihenhäusern in einer echten holländischen

Wohnsiedlung, sogar mit Stellplätzen. Von Efeu

und wildem Wein umrankt standen wir vor einem Drei-Etagenhaus.

Unten ein riesengroßes Wohnzimmer mit gemütlicher

Sitzecke, offenem Kamin und angrenzender Küche.

Der große Esstisch bot Platz für acht Personen. Eine Abstellkammer,

ein geräumiger Flur und eine Gästetoilette. In

der ersten Etage fanden wir ein großes Schlafzimmer, dazu

noch zwei kleinere Räume mit Betten und ein Bad mit WC

vor. Dort quartierte sich die Familie meiner Schwester ein.

Mein Sohn und ich fanden die dritte Etage super! Zwei kleine

Schlafräume unterm Dach, ein Regal voller Bücher und

eine rundum verglaste „Turmspitze“, die den Blick über das

gesamte Areal bis zu den Dünen eröffnete. Nach der ersten

Inspektion der Räumlichkeiten, dem Abstellen der vielen

Gepäckstücke, der Koffer und so weiter begannen die Kinder

zu murren „und wo ist nu die Nordsee? Nur Häuser!

Da hätten wir gleich zuhause bleiben können“. Es bot sich

zunächst an die Gegend kennen zu lernen. Wir marschierten

los. Liefen und liefen, fanden einen Supermarkt, etwas

weiter entfernt ein Einkaufszentrum, die Feriensiedlung von

Julianadorp und viele, viele Wegweiser zum Wasser führend,

aber die Nordsee sahen wir nicht.

Zurückgekehrt, einen ersten Kaffee genießend, sahen wir

zur Terrassentür, die uns den Blick auf eine Sitzmöglichkeit

im Dornröschenschlaf eröffnete. „Hier muss auch eine Heckenschere

zu finden sein, gucken wir mal in der Abstellkammer

nach“. Wir fanden ein Eldorado von urigem Krimskram

und ein heilloses Durcheinander vor. Unter anderem

viele, viele Rollen von Klebebändern in verschiedenen Varianten.

Es war nur ein „ah“ und „oh“ und „sieh mal was

hier liegt“ oder „was ist denn das“ und „ach das kann ich

gebrauchen“ zu hören und schließlich entdeckten wir, wonach

wir suchten, eine Gartenschere. Nachdem wir unseren

gärtnerischen Fähigkeiten sehr großzügig nachgekommen

waren, blickten wir in einen großen paradiesischen Garten.

Duftende Kräuter wuchsen wild durcheinander, hinter

Unkraut kamen herrlich blühende Stauden zum Vorschein.

Obstbäume, an denen teils noch Früchte hingen und ganz

hinten in dem Gewusel entdeckten die Kinder einen geheimnisvollen,

großen Holzschuppen. „Da finden wir bestimmt

einen Schatz“, jubelten sie, „lass uns mal nachsehen“.

Die Ferien schienen gerettet. „Guck mal, hier sind Angeln

und hurra! Wie viele Fahrräder hier stehen, Gummistiefel,

ein ganzer Schrank voll Friesennerze und jede Menge

Werkzeug“. Schon am nächsten Tag hatte jedes Familienmitglied

ein passendes Rad rausgesucht und gefunden. Um

drei, vier Ecken hinter dem Garten entdeckten wir die vielen,

in alle Himmelsrichtungen führenden „Fiedspads“. Radelnd

fanden wir hinter den Dünen auch die Nordsee. Spannend

blieben unsere Fahrradtouren allemal, denn die Räder waren

seit ewigen Zeiten nicht genutzt, geschweige gewartet worden.

Luft pumpen, Reifen flicken, Ketten ölen, aus „Zwei

mach Eins" fahrbereit“ und überhaupt waren sie alle verkehrstechnisch

nicht mehr einwandfrei. Wir waren jedoch

beweglich mit ihnen und das war die Hauptsache.

In der von Grachten durchzogenen Umgebung erhofften

die Buben endlich eine Möglichkeit zum Angeln. Im Garten

wurde nach Regenwürmern gebuddelt und abends zogen wir

mit Eimern und Angelruten los. Allerdings hatten die Kinder

keine Ausdauer und die nötige Ruhe fehlte gänzlich. „Sind

hier überhaupt Fische drin? Da beißt ja keiner an“, murrten

sie. Für den nächsten Abend suchten wir eine andere Stelle

und siehe da, dort saßen schon einige Petrijünger. Sie erklärten

uns, es mit Kartoffelstückchen als Köder zu versuchen, um

uns ein angemessenes Abendessen an Land ziehen zu können,

eben einen frischen Fisch! Dem Rat folgend, marschierten

wir wieder zurück zum Haus um das richtige Equipment zu

holen. Aber scheinbar hatten wir unsere holländischen Landsleute

nicht verstanden oder die falsche Materie angewandt,

außer einem alten verrotteten Schuh und einem zerfledderten

Regenschirm hing bei unseren Angelunternehmungen nichts

am Haken. Nicht weiter schlimm, frische Fiche gab es an jeder

Ecke zu kaufen. Soweit so gut.

Irgendwann fielen uns aber in unserem Feriendomizil

auch arg lustige und seltsame Dinge auf. In England wurde

in jenen Tagen die Fußball-Europameisterschaft ausgetragen.

An einem Nachmittag wollten wir das Spiel von

Berti Vogt Jungs, unserer Nationalmannschaft sehen und

wir bekamen kein Bild. Frage: „Wo ist hier eine Antenne?

Antwort: „Dem Kabel nach irgendwo im Garten“ und dann

sahen wir in all dem Gestrüpp einen Eimer, worin an einer

einzementierten Metallstange die Satelitenschüssel hing.

Schon nach wenigen Tagen nannten wir den Eigentümer

des Hauses, jenen netten Herrn nur noch Doktor Dralle. Wir

kombinierten und Schluss folgerten, als ehemaliger, jetzt im

Ruhestand befindlicher Zahnarzt hatte er sicher noch einige

Restbestände an Amalgam gehabt, die er in den Eimern, wie

bei der Satelitenschüssel, für die Wäscheleinen im Garten

oder einigen anderen Dingen genutzt hatte. Des Wei-

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Unterhaltung

Unterhaltung

teren wurde alles, was kaputt ging, mit Klebeband repariert.

Um die Satelitenschüssel richtig auszurichten war die Stange

mit inzwischen brüchig gewordenem Klebeband zusätzlich

an einem Baumstamm „geklebt“.

Als wir die Kunststoffgardinen vor den Fenstern wegen

der Sonneneinstrahlung zuziehen wollten, sahen wir eine

seltsame Reparaturweise. Nun ja! Das Haus war lange Zeit

nicht mehr genutzt worden, so hatte es uns ja Doktor Dralle

gesagt und im Laufe der Jahre war der Stoff schon porös

geworden. Er bröselte in den Händen „dahin“. Alle inzwischen

aufgetretenen Risse wurden mit langen Streifen von

Klebeband zusammengehalten. So nach und nach erblickten

wir immer mehr derartig ausgeführte Reparaturen.

Gesprungene Fensterscheiben, sich ablösende Tapeten,

Risse im Bodenbelag oder Möbelpolsterungen und vieles,

vieles mehr, ließ sich mit durchsichtigem Klebeband wunderbar

wieder instandsetzen. Unsere Ferien waren spannend,

weil wir jeden Tag neue Überraschungen erlebten.

Als eine besondere Attraktion hatte uns Doktor Dralle

seinen offenen Kamin im Wohnzimmer angepriesen, auf

dem wir auch jederzeit grillen könnten. Holzkohle fanden

wir in der Abstellkammer und so brachten wir uns auf einer

unserer Fiedstouren deftiges Grillgut mit. Es war ein kühler

Nachmittag. Alle freuten sich auf ein opulentes Mahl

am wärmenden Kamin. Holz und Pappe wurden in den zuvor

gereinigten Kamin gestapelt, ein Zündholz dran und?

Nach und nach verwandelte sich nicht nur das Wohnzimmer

, nein das gesamte Haus in eine wahre Räucherkammer.

Trotz der kühlen Abendstimmung mussten wir alle

Fenster öffnen. Die enorme Rauchentwicklung breitete sich

bis in unsere Dachetage aus. „Was ist mit dem Abzug los?

Der scheint total verstopft zu sein“, kamen erklärende Worte.

„Lasst uns mal den Kamin erforschen“. Erwartungsvoll

stiegen wir nach oben und klopften die Wände im Bereich

des Kaminzuges ab. „Hier ist eine Klappe“, ertönte unterm

Dach eine Stimme, „hier kann man mal stochern. Bringt mal

einen langen Stock hoch“. Mit einem langen Stecken stocherten

die Jungs in der Reinigungsklappe für den Kaminfeger

rum und auf unserem Grill unten landete eine halbverweste

Elster. Sie war wohl irgendwann mal in den Kamin

gerutscht und hatte dort ihr Leben ausgehaucht. Uns war der

Sinn für einen gemütlichen Grillabend vergangen.

Erkundungstouren durch die Abstellkammer oder den

Holzschuppen gehörten zum täglichen Repertoire der Ferientage.

Freudestrahlend kamen unsere Buben eines Tages

angerannt. „Wir werfen jetzt Wasserbomben“, jubelten sie.

„Womit?“ fragten wir erstaunt, „na mit den bunten Luftballons.

Wir haben jede Menge davon gefunden“. Die Luftballons

entpuppten sich als „Verhüterli“ und Onkel Franz

meinte verschmitzt „Guck an! Bunt und sogar mit Noppen.

Damit wollte sich Doktor Dralle bestimmt noch ein paar

schöne Augenblicke gönnen“. Eva-Maria Herrmann

Unsere Amselmännchen

Foto: wikipedia commons

In unserem Garten brütet alljährlich

ein Amselpärchen. Wie man

ja weiß, können Amseln drei bis

fünf Jahre alt werden. Also müssen

es schon mehrere Generationen

sein, die sich unseren Garten für die

Aufzucht ihrer Nachkommen ausgesucht

haben. Wahrscheinlich haben

alle Amselmännchen den gleichen

Opa oder sogar schon Uropa, weil

alle irgendwie sehr verhaltensauffällig

sind.

Die Amseldamen nennen wir

immer nur „Signorina“ und die

schwarzgefiederten Herren bekommen

immer den Vornamen

„Pino“ Pino Nummer eins fiel

schon vor der Brutsaison auf. Am

Winter-Vogelhäuschen war er sozusagen der Boss. Andere

Vögel hatten wenig Chancen auf ein Leckerchen,

von meiner selbst zusammengestellten Vogelfuttermischung,

die auch Rosinen enthält. Selbst mit Eichhörnchen

versuchte er sich anzulegen. Pino Nummer eins

hatte eine besondere Vorliebe für die Rosinen. Ich glaube,

es war schon eine richtige Zuckersucht.

Als der Winter und damit auch die Fütterungszeit

beendet war, brach für ihn sicher eine schwere Zeit

des Entzugs an. Es kam ihm einfach nicht in den Sinn,

auf seine tägliche süße Ration zu verzichten und so

krakeelte er so lange herum, bis ich ihm einige Rosinen

hinlegte. Und so ergab es sich, dass meine erste

Aktion nach dem Aufstehen, sonn- und werktags, immer

das Bereitlegen von Rosinen war.

Als Pino eine Signorina geehelicht und Kinder mit

ihr in die Welt gesetzt hatte, war er nicht gerade der

perfekte Vogelvater. Das Wichtigste vor dem Füttern

der Jungvögel waren ihm seine Rosinen. Dann kam er

angeflogen, warf die gesammelte „Babynahrung“ aus

dem Schnabel, schlang seine geliebten Rosinen hinunter,

nahm die Würmchen wieder auf und flog erst

dann zum Nest. Doch eines Tages kam der liebenswürdige

Tyrann nicht mehr. Ich machte mir Gedanken,

ob er vielleicht an Diabetes verstorben war oder

Opfer eines Mitstreiters wurde? Wichtig für mich war,

dass seine Kinder flügge und nicht mehr auf die Eltern

angewiesen waren.

Pino Nummer zwei gefiel unser Balkon sehr gut.

Ein Holzstock, den ich als Rankhilfe benutze, war

sein Lieblingsplatz, den er auch nicht verließ, wenn

man den Balkon betrat. Mein Mann fing nach einer

Weile an, Pino anzusprechen und ihm kleine Melodien

vorzupfeifen. Die Beziehung der beiden wurde

von Tag zu Tag enger und endete in einer nur noch

handbreiten Entfernung zwischen Mensch und Tier.

Ich war heilfroh, dass ich Pino-Pause hatte, fragte

mich aber trotzdem, welche Themen die Männer so

unter sich zu besprechen hatten. Ich weiß es bis heute

nicht, ist wohl ein echtes Männergeheimnis.

Pino Nummer drei ist unser aktueller Pino. Er hat

großes Interesse an Gartenarbeit oder an mir. Das

weiß ich noch nicht so ganz genau. Sobald ich im

Garten auftauche, um irgendetwas zu bearbeiten, ist

Pino schon da. Er setzt sich so quasi neben mich und

schaut mir zu. Manchmal überrascht er mich auch

und hat schon vorgearbeitet. Löcher in Pflanzbeete

gegraben oder Aussaaten in Töpfen und Kästen kontrolliert

und wild durchsortiert. Wenn ich dann schon

mal verärgert frage: „Was hast du wieder gemacht?“,

trippelt er beleidigt davon. Seit kurzem ist wieder

eine Signorina im Garten. Vielleicht ist sie Pinos neue

Flamme? Also ich finde sie nicht sehr attraktiv, denn

sie ist ziemlich dürr und ihr Gefieder wirkt ziemlich

zerrupft. Kann sein, dass sie sich in der Jugendmauser

befindet, wie ich bei Wikipedia nachlesen konnte.

Also, wie es mit Pino Nummer drei dieses Jahr

weitergeht, ist noch völlig offen. Vielleicht erfreut er

uns bald mit Nachkommen, vielleicht ist auch wieder

ein würdiger Nachfolger dabei, der die Gene seiner

Vorfahren geerbt hat. Dann sollten wir aber über einen

anderen Namen nachdenken. Gedanklich bin ich

schon mal alle Tiernamen in unserem Umfeld durchgegangen.

Einer unserer Bekannten hat seinen Hund

Adriano genannt – also ich finde, das geht überhaupt

nicht!

Ulla D’Amico

62 durchblick 1/2021 1/2021 durchblick 63



Unterhaltung

Unterhaltung

Ihr Partner fürs

Wohnen und Bauen

Foto: wikipedia commons

Sie waren Schreiner, Maurer, Steinmetz,

Schmied und Zimmermann,

bald tausend Jahre her,

dass ihre Wanderschaft begann.

Silberschmied, Böttcher, Kupferstecher,

aus bitterster Not

zogen sie in die Fremde

und sie suchten Lohn und Brot …

Dieser Text stammt aus der Feder von Reinhard

Mey. In seinem Lied über die wandernden

Handwerksgesellen beschreibt er das Leben jener

zünftigen Burschen, die nach dem Abschluss ihrer Lehrzeit,

der Freisprechung, erst einmal in die Welt ziehen. Es

ist ein beeindruckender Text, der uns eigentlich zum Innehalten

anregt, wenn Mey weiter dichtet:

... ein Weg voller Entsagung,

Leben ohne Überfluss,

in Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit,

ein freier Entschluss, ...

Die Handwerksgesellen möchten auf diese Weise

ihre Kenntnisse über neue Arbeitspraktiken in fremden

Regionen bringen und zugleich natürlich eigene Erfahrungen

sammeln. Heute sind sie selten geworden und

teilweise werden sie – als sonderbare Fremdlinge belächelt,

dabei ist diese Form einer „Weiterbildung“ seit

dem 16. März 2015 als „Übereinkommen zur Erhaltung

des Immateriellen Kulturerbes“ von der UNESCO anerkannt.

Redewendungen

aus dem Handwerk

In ihren jeweiligen eigenen Berufstrachten wurde es als

auf die Walz gehen bezeichnet. Das Verb walzen bedeutete

mundartlich: Schlendern, mäßig hin und her gehen, die

Wanderjahre selbst, als Wanderschaft, Tippellei oder Gesellenwanderung

betitelt.

Unter Landstreichern verstand man den Begriff des auf

die Walz gehen, wenn von Tippelbrüdern die Rede war.

Von einem „Schlitzohr“ sprechen wir, wenn es um eine gerissene

Person oder einem Gauner geht. Die sich auf der Walz

befindlichen Handwerksburschen trugen meist einen goldenen

Ohrring als Zeichen ihrer Zunftzugehörigkeit. Ließ sich

ein Geselle etwas zu Schulden kommen, wurde ihm der Ring

zur Strafe herausgerissen und hinterließ einen Ohrschlitz.

Klappern gehört zum Handwerk ist seit dem Mittelalter

ein Begriff. Wir nennen es heute Werbung oder Marketing.

Wer in früheren Zeiten auf sich aufmerksam machen

wollte, musste dies wohl recht laut tun. Das Klappern von

Webstühlen, von Mühlen oder von Maschinen kann als Ursprung

dieser Redewendung gelten.

Im Mittelalter gab es wahrscheinlich weder ehrliche

noch bestechliche Personen, die sich nicht an die gültigen

Regeln hielten. Der Begriff aus dieser Zeit ist bis in unserem

Sprachgebrauch gültig geblieben, als: Jemanden ins

Handwerk pfuschen.

Die in den Zünften (heute den Innungen) geordneten

Statuten und Vorschriften der einzelnen Berufsstände waren

festgeschrieben. Wer sich nicht daran hielt oder dem

zuwider handelte, wurde ausgeschlossen. Wir kennen diesen

Regelverstoß unter dem Begriff: Jemanden das Handwerk

legen. In der Kriminalistik wird „Spitzbuben“ heute

noch das Handwerk gelegt.

Sein Handwerk verstehen wird einer Person nachgesagt,

die geschickt mit Werkszeug umgehen kann und sich

in kniffeligen Situationen zu helfen weiß. In der Formulierung

des Begriffs „Handwerk“ war eigentlich im Ursprung

das mit der Hand hergestellte Werkstück gemeint. Im Laufe

der Zeit bildete sich daraus die Bezeichnungen für die

einzelnen Gewerbe, die in der betriebliche Ordnung dann

auch ausbilden durften.

Heute wird noch beschworen, dass es sich lohnt ein

Handwerk zu erlernen, denn: Handwerk hat goldenen Boden.

Es ist die Grundlage unserer modernen hochtechnisierteren

Welt, in der wir auf das gute alte Handwerk angewiesen sind.

Meine Bekannte rief an einem der Feiertage an und klagte,

sie säße in der kalten Wohnung. Die Rettung kam mit dem

handwerklichen Notdienst, der notdürftig aushelfen konnte.

Der eigentliche Schaden wurde nach dem Fest repariert.

Damit ein Schmied seine Arbeit nicht immer wieder

unterbrechen musste, hatte er meist mehrere Eisen im Feuer

der Esse um sie stets glühend zu halten. Von meinen

Urgroßmüttern kenne ich es aus der Zeit, als es damals

noch keinen Strom gab. Die Bügeleisen, Oma nannte sie

Plätte, wurden mit Einsätzen aus Eisenkernen bestückt,

die im Herd oder in der Kochstelle erhitzt wurden. Es galt

als Prädikat einer klugen Hausfrau stets mehrere Eisen im

Feuer zu haben. Damit sind natürlich nur die Einsätze gemeint,

die nach dem Abkühlen durch den nächsten Eisenkern

hitzebeständig genutzt werden konnten.

Für umtriebige Männer wird dieser, in diesem Fall gar

nicht handwerkliche Begriff, auch gerne angewandt.

Wir kennen viele Namen, die sich von Handwerksberufen

ableiten lassen. Müller, Schneider, Schmied usw. wie

es hier im Siegener Raum einen Gerberweg und eine Gerberstrasse

gibt. Die Gerber, die sich meistens an Flüssen

ansiedelten, verarbeiteten Felle der Tiere. Die Arbeit war

kraftaufwendig und mühsam, denn Rohfelle mussten in

fließenden Gewässern gereinigt und durchgespült werden.

Bei Unachtsamkeit schwammen die Felle davon. Ebenso

schwammen auch die Hoffnungen dahin. Es bedeutete einen

herben und großen Verlust, man war um die Arbeit und

den Lohn gebracht.

In dieser Aufzählung darf natürlich der Begriff des

pünktlich wie die Maurer nicht fehlen. Wo jedoch der eigentliche

Ursprung liegt, ließ sich nicht finden. Vielleicht

hat der ein- oder andere Leser eine Erklärung dafür. Es

mag sein, dass Otto Reutter mit seinem Text vom „gewissenhaften

Maurer“ genau einen Solchen vor Augen hatte?

Mit Reinhard Meys Text „Drei Jahre und ein Tag“ hatte

ich begonnen, mit diesemText möchte ich auch schließen.

Eva-Maria Herrmann

… und ihre Hände schufen

die Burg zu Eisennach,

die Celler Fachwerkgiebel,

das Innsbrucker Gold`ne Dach!

Und manch Geselle brachte

der Welt ein Meisterstück dar:

Dürer sein Nashorn und

Riemenschneider seinen Altar.

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64 durchblick 1/2021 1/2021 durchblick 65



Selbstbestimmung –

Maßstab für gute Pflege

Welche Auswirkungen hat die andauernde

Pandemie auf die Lebensqualität älterer

Heimbewohner?

Auch Bewohnerinnen und Bewohner von stationären

Pflegeeinrichtungen haben ein Recht auf

gesellschaftliche Teilhabe und soziale Kontakte.

Das gilt ungeachtet der Gefahren, die eine mögliche Ansteckung

mit dem Corona-Virus gerade für sie bedeutet.

Isolation und Kontaktverweigerung dürfen auch aus ethischen

Gründen keine Lösung sein.

Gerade im hohen Alter ist wichtig, dass intensive Kontakte

mit vertrauten Menschen aufrechterhalten werden

können. Daher regte der Deutsche Ethikrat am 18. Dezember

2020 an, dass – trotz der aktuell gebotenen Infektionsschutzmaßnahmen

– den in Einrichtungen der Langzeitpflege

lebenden Menschen ein Mindestmaß an sozialen

Kontakten zugesicher werden kann.

Im privaten Umfeld nutzt eine zunehmende Zahl älterer

Menschen dafür digitale Medien, zum Beispiel über

ZOOM oder Skype. Aber ist das im Kreis Siegen-Wittgenstein

in allen stationären Pflegeeinrichtungen möglich?

„Wer einen Heimplatz braucht, muss nehmen, was gerade

frei ist und kann häufig nicht unter mehreren Angeboten

wählen“. (Siegener Zeitung , 9. Dezember 20).

Daher hat der durchblick die Heimaufsicht des Kreises

Siegen-Wittgenstein um Beantwortung folgender Fragen

gebeten, die Torsten Manges, Pressereferent des Kreises

am 11. Januar 2021 beantwortete.

db Ist der Zugang zum Internet ein Beurteilungs

kriterium für die Heimaufsicht?

Manges: Bereits seit 2014 ist in der Durchführungsverordnung

zum Wohn- und Teilhabegesetz (WTGW DVO)

festgelegt, dass die diesem Gesetz unterliegenden Einrichtungen

über einen Internetanschluss verfügen sollen.

Die Umsetzung dieser Vorgabe ist bei uns außer in

Gesellschaft

drei Einrichtungen bereits abgeschlossen. In den meisten

Einrichtungen bedeutet das inzwischen WLan nicht

nur in den Gemeinschaftsräumen, sondern auch in den

Bewohnerzimmern.

db Warum existiert in diesen Einrichtungen noch kein

stabiler und dauerhafter Internetzugang und ist absehbar,

wann auch diese Einrichtungen z.B. über WLan in Gemeinschaftsräumen

oder Bewohnerzimmern verfügen?

Manges: Die drei Einrichtungen, bei denen die Vorgaben

noch nicht umgesetzt wurden, konnten die für 2020

geplanten Umbau- und Ergänzungsmaßnahmen auf

Grund der aktuellen Corona-Situation nicht vornehmen

und haben diese auf 2021 verschieben müssen.

db Sind die Einrichtungen hier ausschließlich in eigener

Initiative tätig geworden, oder hat die Heimaufsicht dies

auch kontrolliert?“

Manges: Da es sich bei der Vorhaltung eines nutzbaren

Internetanschlusses um eine gesetzliche Vorgabe handelt,

wurde dies bei jeder Regelprüfung der Heimaufsicht

in den Einrichtungen seitens der WTG-Behörde

geprüft und nachgefordert.“

Es ist zu begrüßen, dass hochaltrige Menschen in der Pandemie

als besonders gefährdet angesehen und vorrangig

geimpft werden. Dennoch sind es unzulässige Eingriffe in

die Grundrechte der Bewohnerinnen und Bewohner (auch

der betroffenen An- und Zugehörigen), wenn Besuchs- und

Ausgangsbeschränkungen erzwungen werden. Gleiches gilt

für Beschränkungen persönlicher Freiheiten innerhalb der

Einrichtung. Solche Eingriffe sind nur in Ausnahmesituationen

unter Beachtung des Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit

(Eignung, Erforderlichkeit und Zumutbarkeit) zulässig.

Über freiheitseinschränkende Maßnahmen für einzelne Bewohnerinnen

und Bewohner dürfen allein die zuständigen

Behörden, in der Regel Gesundheits- und Ordnungsämter,

bzw. Gerichte entscheiden.

Erich Kerkhoff

Bismarckschule

Siegen-Weidenau,

Sitz der Heimaufsicht

des Kreises

Siegen-Wittgenstein.

Gedanken zur Zeit

Der englische Staatsmann Winston Churchill war

leidenschaftlicher Raucher. Warnungen über entsprechende

Risiken fand er lästig und meinte „Wer

immer wieder über die Gefahren des Rauchens für die Gesundheit

belehrt wird, hört in den meisten Fällen nicht mit

dem Rauchen auf, sondern mit dem Lesen“. Im Hinblick

auf Nachrichten über das Coronavirus kann ich das nachvollziehen.

Davon möchte ich am liebsten nichts mehr hören

oder lesen und leugne nicht, dass mich das hohe Alter

empfindlicher gemacht hat.

Drei Gefühlslagen belasten mich mehr als früher. Die

erste ergibt sich aus der

Wahrnehmung des Todes.

Ich kann es nicht lassen, beim Zeitunglesen die Todesanzeigen

zu beachten. Wenn der Tod von Kindern oder Jugendlichen

angezeigt wird, rührt es mich. Wenn alte Menschen

„nach langem schweren Leiden“ oder „völlig unerwartet“

aus dem Leben geschieden sind, besonders natürlich alte

Männer (ich bin ja selber einer von ihnen), dann vergleiche

ich ihr Alter mit meinem eigenen. Als „Hochaltriger“ frage

ich ein bisschen nachdenklicher, warum die Endsiebziger es

nicht so weit gebracht haben wie ich. Aber die gleichaltrigen

oder älteren Männer empfinde ich als meine Kameraden;

da zuckt es manchmal in mir: Sehr bald werde ich so tot

sein wie sie, „nach langem schweren Leiden“ oder „völlig

überraschend“, gar auf der Intensivstation oder im Hospiz.

Natürlich wäre es vernünftig und würdig, den Tod anzunehmen

und das Sterben auch. Den Tod ja, da bin ich

mir fast sicher, dass ich das Einvernehmen mit der eigenen

Endlichkeit erreichen kann. Vielleicht kann ich die erforderliche

Haltung üben. Auch das Sterben? Nach qualvollem

Leiden und Siechtum? Noch gelingt es mir, dankbar

zu sein für viele glückliche Erinnerungen die ich aufrufen

kann, aber auch dankbar zu sein für den guten Augenblick.

Das bringt mich zum zweiten aktuellen Alterszustand:

Ernüchterung.

Gemeint ist das „zur Kenntnis nehmen“ zunehmender,

unveränderlicher Einschränkungen. In vielen Zusammenhängen

habe ich mich

getäuscht (auch gegenüber Menschen)

und werde nun Schritt für

Schritt enttäuscht. Es geht um die

Bearbeitung unerwarteter Zurückweisungen,

nicht zuletzt um die

Selbstreflexion, aber auch um die

Reaktion auf ein ungerechtes und

falsches Altersbild.

Damit bin ich beim dritten Alterszustand:

Gesellschaft

Herausgefordert.

Noch immer werden uns „Hochaltrigen“ Merkmale zugeschrieben,

mit denen wir allesamt zu Objekten der Fürsorge

werden; Meinungsmacher in der Politik und in den

Medien vermitteln zu oft ein Altersbild, das uns zu Kostgängern

nachfolgender Generationen macht. Im Gegensatz

dazu braucht die Not der Welt auch uns Ältere. Vielleicht

mehr denn je. Und ihre Bereitschaft – auch die Befähigung

– zur Teilnahme an der Gestaltung der Gesellschaft setzt

sich glücklicherweise immer stärker durch.

Erich Kerkhoff, (83 Jahre)

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Wiederkehrende Termine

montags:

11-12 Uhr Seniorengymnastik mit

Anne Freudenberger, Dr. Ernst-Schuppener-Haus,

Stadtteilbüro Heidenberg,

0271/23418872

13.30 Handarbeitstreff: „Regiestelle

Leben im Alter“, Rathaus Weidenauer

Straße 215, 0271/404-2200

14.00 Montagscafé des DRK–Siegen

Nord e.V., 57076 Siegen-Weidenau,

Schneppenkauten 1, 0271-76585

15.30 und 17.30 Aquafitness,

Hans-Reinhardt-Schule Siegen, Rosterstr.

198 Anm. 0271/3300045

18.00 Lese- und Literaturkreis mit

Gustav Rinder, Lebendiges Haus e.V

Siegen, Melanchtonstr. 61, in der

Bibliothek 0271/7411019

20.30 Tangosalon: Milonga, Tango

Argentino – Gefühle tanzen, Kulturhaus

Lÿz Siegen, St.-Johann-Str. 18

Jeden 1. Montag im Monat

19.00 Trauergruppe der Ambulanten

Hospizhilfe, Stiftung Diakoniestation

Kreuztal, Ernsdorfstr. 3, 02732/1028

20.00 Tango Schnupperkurs (bis 21

Uhr), anschließend Tangosalon, Kulturhaus

Lÿz Siegen, St.-Johann-Str.18

Jeden 2. Montag im Monat

10.00 Trauercafé der Ambulanten

ökumenischen Hospizhilfe Siegen

e.V., städtisches Begegnungszentrum

„Haus Herbstzeitlos“ Siegen,

Marienborner Str. 0271/23602-67

15.15 Montagsgespräch des „Bund

der Vertriebenen“ – Geschäftsstelle

Siegen, Seilereiweg 6 0271/82838

18.30 „Anders Altern“ Gruppe für

gleichgeschlechtlich Lebende und Liebende,

städtisches Begegnungszentrum

„Haus Herbstzeitlos“ Siegen,

0271/404-2200

VdK Soziale Sicherheit in einer

großen Gemeinschaft

Kreisverband

Siegen-Olpe-Wittgenstein

57072 Siegen Morleystr.15-17

Tel.: 02 71 / 30 38 29-0

Fax: 02 71 / 30 38 29-18

e-mail: kv-siegen@vdk.de

www.vdk.de/kv-siegen-olpe-wittgenstein

Falls Sie mehr über den VdK wissen möchten,

wenden Sie sich an den Kreisverband oder direkt

an den für Sie zuständigen Ortsverband

Jeden 3. Montag im Monat

15.00 ALTERAktiv, Lesepaten, städtisches

Begegnungszentrum Haus

Herbstzeitlos Siegen, Marienborner

Straße 151 02739/2290

18.30 Treffen Selbsthilfegruppe:

Sauerstoff-Langzeit-Therapie „Haus

Herbstzeitlos“ Siegen 370354

Jeden 4. Montag im Monat

14.30 Kaffeekränzchen: „AWO-Begegnungsstätte

Rosterberg“, Siegen,

Rosterstr.186

14.30-16.30 Spielenachmittag,

AWO Seniorenzentrum Erndtebrück,

Struthstr. 4, 02753/507740

Letzter Montag im Monat

18.30 Selbsthilfegruppe Asthma und

Bronchitis, städitsches Begegnungszentrum

„Haus Herbstzeitlos“ Siegen,

Marienborner Str. 151 02737/3308

dienstags:

9.30 Malgruppe freies Malen, (außer

1. Di. im Monat) „Haus Herbstzeitlos“

Siegen, Marienborner Straße 151

0271/62400 oder 0271/399245

Jeden 1. Dienstag im Monat

9.00 Die Creativen Siegen, „Haus

Herbstzeitlos“ Siegen, Marienborner

Str. 151 02737/3455

15.00 ALTERAktiv Lesepaten, städt.

Begegnungszentrum „Haus Herbstzeitlos“

Siegen, 02739/2290

15.30-17.00 Smartphone-Treff,

AWO Seniorenzentrum Erndtebrück,

Struthstraße 4, Information: „Aufwind

Jugendhilfe GmbH“, Julia Trettin

0172/4286150

18.00 Treffen der SHG für Hörgeschädigte,

Kreisklinikum Weidenau

Brigitte Schmelzer 02737/93470

Jeden 2.

Dienstag im

Monat

9.00 Smartphonkurs,

„AWO-Begegnungsstätte

Rosterberg“,

Siegen,

Rosterstr.186

0271/3303-603

19.00 Vorwärts-

Chor, städtisches

Begegnungszentrum

„Haus

Herbstzeitlos“

Siegen, Marienborner

Str. 151

Jeden 3.

Dienstag im

Monat

15.00-17.00

Treffen der

Heinzelwerker,

städtisches

Begegnungs-

zentrum „Haus Herbstzeitlos“ Siegen,

Marienborner Straße 151

15.30-17.00 Smartphone-Treff,

AWO Seniorenzentrum Erndtebrück,

Struthstraße 4, Information: Aufwind

Jugendhilfe GmbH, Julia Trettin

0172/4286150

Jeden 4. Dienstag im Monat

9.00 Smartphonkurs, AWO-Begegnungsstätte

„Rosterberg“, Siegen,

Rosterstr.186 0271/3303-603

19.00 Vorwärts-Chor, städtisches Begegnungszentrum

„Haus Herbstzeitlos“

Siegen, Marienborner Straße 151

mittwochs:

9.00 Wandern, Nordic Walking, ab

Wanderparkplatz Siegen, Rosterstraße,

Günter Dickel 0271/334566

9.30 Bewegt ÄLTER werden, Fritz-

Fries-Seniorenzentrum der AWO,

Siegen, Rosterstr.186, Klaus Kuhn

0271/3303-603

10.00-12.00 Heinzelwerker

Sprechstunde, „Regiestelle Leben

im Alter“, Rathaus Siegen-Weidenau

404-2200

10.00 Spaziergang: 3000 Schritte,

Tempo und Strecke sind angepasst,

ab Rathaus Siegen-Weidenau

0271/404-2200

10.00-11.00 Sprechstunde des

Seniorenbeirats, SeniorenService-

Stelle Siegen-Geisweid, Am Klafelder

Markt 20 0271/372199-05

13.00-17.00 ALTERAktiv

Fahrrad-Reparatur-Treff Selbsthilfe

Werkstatt Siegen, Sandstraße 20,

Innenhof, Info: Klaus Reifenrath,

0171-8821420

14.00-16.00 Hilfen für zu Hause des

Diakonischen Freundeskreises Siegen-

Süd, Diakonie Siegen-Eiserfeld,

Mühlenstr. 7

14.00-17.00 Taschengeldbörse

Siegen, MehrGenerationenZentrum

im Haus der der Martinigemeinde

Siegen, St.-Johannstraße 7

0271/2346066

15.30 Geselliger Kaffeenachmittag

Lebendiges Haus e.V Siegen, Melanchtonstraße

61 0271/2316679

Jeden 1. Mittwoch im Monat

10.00 Trauercafé Regenbogen der

ambulanten Hospizhilfe, Diakonistation

Kreuztal, Ernsdorfstraße 3

02732/1028

14.30 Museums-Momente, Führung

für Menschen mit Demenz und ihre

Begleitung, „Museum für Gegenwartskunst“

Siegen, Anmeldung

erforderlich 0271-4057710

15.00 Seniorennachmittag des Heimatvereins

Burbach-Niederdresselndorf,

Alte Schule 0273-67726

15.00 Frauenzimmer, Frauencafé des

DRK-Niederschelden, Mudersbach,

Josefstraße 1 0271/354962

Veranstaltungen finden nur statt, wenn behördliche Beschränkungen das zulassen.

19.30 Treffen der Heimatfreunde Trupach,

Kapellenschule Si.-Trupbach,

Trupbacher Str. 34 0271/371022

Jeden 3. Mittwoch im Monat

14.30 VDK-Siegen-Treff; Frohe

Runde, Christofferhaus Siegen,

Friedrich-Wilhelm-Str. 118

14.30 Wir tanzen wieder! Für

Menschen mit und ohne Demenz,

Tanzschule „Im Takt“, Netphen-

Dreistiefenb., Dreisbachstr. 24

Anm. 0271/234178-17

Letzter Mittwoch im Monat

10.30 Senioren helfen Senioren:

Smartphontreffen des Seniorenbeirats,

Beratungsstelle im Gebäude

der Sparkasse Siegen-Geisweid, Am

Klafelder Markt 20

15.00-16.30 Selbsthilfegruppe Frontotemporale

Demenz im Café Auszeit

Kreuztal, Ernsdorfstr. 5

donnerstags:

10.00-12.00 Seniorenwerkstatt,

des „Interkulturellen Seniorennetzwerkes“.

Spanischsprachige Gemeinde

e.V., kath. Gemeindehaus Siegen,

St.-Michaelstraße 3 0271/42517

10-12 Uhr Diakonischer Freundeskreis

Siegen-Süd, Hilfen für zu

Hause, Eiserfeld, Mühlenstraße

Jeden 2. Donnerstag

15.00-17.00 Selbsthilfegruppe Mitten

im Leben für Menschen mit Gedächtnisproblemen

KSG-Senioren Wohnanlage

Weidenau, Weidenauer Str. 202

Jeden 4. Donnerstag

15.00 Trauercafé der Ambulanten

ökum. Hospizhilfe Siegen e.V., Begegnungsstätte

der Stadt Siegen „Haus

Herbstzeitlos“ Siegen, Marienborner

Str. 151 0271/23602-67

freitags:

15.30 Singkreis Lebendiges Haus

e.V Siegen, Melanchtonstraße 61

0271/7032846

17.00 Tanzen ab der Lebensmitte

auch ohne Partner, TanzZentrum Si.-

Geisweid, Birlenbacher Hütte 16

0271/84999

18.00 Wochenschlussandacht

in der Autobahnkirche

Anmeldung unter: Autobahnkirche-Siegerland.de

21.00 Tango Milonga, Café

Basico Kreuztal, Hüttenstraße

30 (von Buschhütten

kommend vor der

Eisenbahnbrücke links)

Jeden 2. Freit. im Monat

15.00 Wochenausklang der

Seniorenhilfe Siegen e.V.

Begegnungsstätte der Stadt

Siegen „Haus Herbstzeitlos“

Siegen, 0271/6610335

samstags:

Jeden 3. Samstag im Monat

9-12 Uhr Repaircafé, Kath. Gemeindehaus

Erndtebrück, Birkenweg 2,

Information: Wittgenstein im Wandel,

Friederike Oldeleer 02759/2149560

13.00 ALTERAktiv Repaircafé,

Mehrgenerationenzentrum im

Haus der der Martinigemeinde St.-

Johannstraße 7 0171-8821420

Jeden 4. Samstag im Monat

13.00 Klimawelten Repaircafé, Florenburg

Hilchenbach, Kirchweg 17,

Ingrid Lagemann 02733/2366

sonntags:

20.00 Salsa Fiesta,

Café Basico

Kreuztal, Hüttenstraße

30 (von

Buschhütten

kommend vor

der Eisenbahnbrücke

links)

Jeden 1. Sonntag

im Monat

14.00 Johannland-Museum

geöffnet, ab 15

Uhr Kaffee und

Kuchen Netphen

-Irmgarteichen,

Glockenstraße 19

15.00 Führungen

im Wodanstollen

Heimatverein

Salchendorf

e.V., Neunkirchen,

Arbachstr.

28 a

0170 4770666

15.00 Trauercafé

der

Ambulanten

ökumenischen

Hospizhilfe

Siegen e.V.,

Pfarrheim Heilig

Kreuz Siegen,

Im Kalten Born

Siegen, Telefon

0271/23602-67

WAS UNS BESONDERS MACHT?

Fragen Sie die Siegener.

Alte Poststraße 21 • Siegen

0271 52 00 9

Rathausstraße 5 • Wilnsdorf

02739 47 72 07

Jeden 2. Sonntag im Monat

10.00-12.00 Tausch und Plausch,

Treffen der Briefmarkenfreunde

Netpherland, Heimatmuseum

Netphen, Lahnstr. 47

02737/209527 (W. Lerchstein)

14.30 Sonntagscafé, Alten Linde

Wilnsdorf-Niederdielfen, Weißtalstr. 2

15.00 Sonntagscafe, Heimatverein im

Bürgerhaus Siegen-Niederschelden,

Auf der Burg 15 0271/311579

Jeden 3. Sonntag im Monat

14.30 Kaffeeklatsch, Heimatverein

Salchendorf e.V., Haus Henrichs Neunkirchen-Salchendorf,

Hindenburgpl. 1

info@pietaet-siegen.de • pietaet-siegen.de

68 durchblick 1/2021 1/2021 durchblick 69



Veranstaltungen finden nur statt, wenn die behördlichen Ausgangsbeschränkungen das erlauben.

Backestage in Siegen-Wittgenstein

Mai

Sa. 01. ab 11 Uhr, Fbg. Hohenhain

Feier zum 1. Mai

Weitere Termine lagen bei

Redaktionsschluss nicht vor.

Seniorenbegegnungszentrum

der Universitätsstadt Siegen

57074 Siegen • Marienborner Straße 151

www.unser-quartier.de/haus-herbstzeitlos-siegen

Verwaltung:

Regiestelle Leben im Alter 0271/404-2434

ALTERAktiv Siegen-Wittgenstein e.V.

Lesepaten 02739 / 22 90

Senec@fé 0271 / 2 50 32 39

Malgruppe 0271 / 624 00 oder -39 92 45

durchblick - siegen e.V.

Geschäftsstelle 0271/ 6 16 47

Redaktion 0171 / 6 20 64 13

Seniorenbeirat 0271 / 404-22 02

SeniorenServiceStelle 0271 / 38 78 61 62

Seniorenhilfe Siegen e.V.

Geschäftsstelle 0271 / 6 61 03 35

Gruppen

Trauercafé0271 / 23 602-67

Film- und Video-Club 02732 /1 24 60

SHG Sauerst. Therapie 0271 / 37 03 54

Selbstverteidigung 0160 / 830 18 67

Werkstatt0271 / 6 27 76

Englischkurse 0271 / 404-2200

Der Backes in Freudenberg – Hohenhain

Der alte Hohenhainer Backes,

der in unmittelbarer Nähe

des heutigen Backhauses stand,

wurde 1965 abgerissen.

Im Jahr 1999 reifte die Idee, die

alte Backtradition auch in Hohenhain

wieder aufleben zu lassen.

So wurde mit sehr viel Eigenleistung

und Hilfe einer Ofenbaufirma

das alte Spritzenhaus zum Backes

umgebaut. Im Jahre 2000 konnte

er mit einem Backesfest eröffnet

werden. Seit dieser Zeit wird

regelmäßig gebacken – vor Corona

einmal monatlich. Das Angebot von

Bäcker Kalli Rütting und seinem Team

besteht aus Schwarzbrot, Hohenhainer

Kruste, Siegerländer Reibekuchen,

süßem Bäckel und verschiedenen Sorten

Baguette.

Im Jahr 2019 wurde eine Reparatur

des zweistöckigen Backes notwendig.

Um den Strapazen viele weitere Jahre

stand zu halten wurde der zweistöckige

Ofen von einem Ofenbauer komplett

neu ausgemauert.

Am 1. Mai-Fest wird im Backes

der Spießbraten aus eigener Herstellung

gegart und zum Schlachtfest am

letzten Sonntag im Oktober finden

verschiedene Sorten Streuselkuchen

reißenden Absatz. Am Freudenberger

Backtag, der alle 2 Jahre am letzten

Sonntag im September stattfindet,

wird herzhafter Zwiebelkuchen mit

Federweißer zum Verzehr angeboten.

Sollte die Corona-Pandemie es

in diesem Jahr zulassen, werden die

Aktivitäten wieder aufgenommen. db

montags

10.00 - 12.00 Sprechstunde der

Seniorenhilfe Siegen

10.00 - 12.00 Werkstatt geöffnet

14.00 - 18.00 ALTERAktiv-Senec@fé

Computertreff

17.00 - 18.00 Tai Chi unter Anleitung

dienstags

09.00 - 12.00 ALTERAktiv-Senec@fé,

Computertreff

10.00 - 12.00 Redaktionsbüro des

durchblick geöffnet

10.00 - 12.00 ALTERAktiv-Malgruppe

(außer 1. Di. im Monat)

Kostenlose Parkplätze am Haus

Bushaltestelle: Blumenstraße

Busse ab zentraler Omnibusbahnhof Siegen:

B 1-2: Linien R 12, R 13, R 17, L 109.

mittwochs

09.00 - 12.00 ALTERAktiv-Senec@fé

Computertreff

09.30 - 11.00 Englischkurs auf Anfrage

0271 / 404-2200

10.00 - 12.00 Redaktionsbüro des

durchblick geöffnet

11.00 - 12.30 Englischkurs auf Anfrage

14.00 - 18.00 ALTERAktiv-Senec@fé

Computertreff

14.30 - 16.30 Handarbeiten mit der

Seniorenhilfe Siegen

14.30 - 16.30 Werkstatt geöffnet

15.00 - 17.00 Singen mit der

Seniorenhilfe Siegen

19.00 - 22.30 Film und Videoclub

19.00 - 21.00 Regenbogentreff

Spielen und Klönen

donnerstags

09.30 - 10.30 Selbstverteidigung

10.00 - 12.00 Sprechstunde der

Seniorenhilfe Siegen

10.00 - 12.00 Redaktionsbüro des

durchblick geöffnet

11.00 - 12.00 Yoga unter Anleitung

12.15 - 13.15 Yoga auf dem Stuhl

0271 / 404-2200

freitags

11.00 - 13.30 Englischkurs 1

13.30 - 14.00 Englischkurs 2

0271 / 404-2200

samstags

09.00 - 12.00 Wandergruppe der

Seniorenhilfe Siegen

Termine auf Anfrage

durchblick verlost Freikarten

„Meeresrand“, Schauspiel mit Gilla Cremer

Hilchenbach-Dahlbruch. Wenn ein

Veranstalter die Schauspielerin Gilla

Cremer zu einem Gastspiel einlädt,

dann, weil er seinem Publikum große

Bühnenkunst mit anspruchsvoller

Thematik bieten will. Dies ist nicht die

leichte Kost des billigen Lach-Theaters,

auch da nicht, wo Komik durchschlägt.

Gilla Cremer, eine „alte Bekannte“ im

Gebr.-Busch-Theater, wird von Patrick

Cybinski am Violoncello begleitet

Donnerstag, den 5. Mai 2021

Gebrüder Busch-Theater

Hilchenbach-Dahlbruch

Gewinnen können Sie

3 x 2 Eintrittskarten,

wenn Sie bis 15. April eine

Nachricht mit Namen, Telefonnummer

und dem Vermerk Freikarten senden an:

Redaktion durchblick

Marienborner Str. 151

57074 Siegen

oder:

gewinnspiel@durchblick-siegen.de

Gewinner werden telef. benachrichtigt.

Die Tickets werden auf Ihren Namen

an der Abendkasse hinterlegt.

Gewinner der letzten Verlosung:

Je ein Buch von Jörn Heller erhielten:

Elmar Friemann, Steffen Rickert, Christel

Büdenbender, Burkhard Schneider, Lilo

Nickel, Christel Wiederstein-Schneider

70 durchblick 1/2021

Nicola Veit

Rechtsanwältin und Notarin

Rathausstraße 1

57234 Wilnsdorf

02739-1049

info@rechtsanwaeltin-veit.de

www.rechtsanwaeltin-veit.de

Wir haben die passenden Veranstaltungen für Sie:

• Sprachen (von Arabisch bis Türkisch)

• Computerkurse (Grundlagen, Internet, Office u. a.)

• Vorträge | Café-Zeit im KrönchenCenter

• Gesundheitsangebote und vieles Andere mehr.

VHS Siegen, KrönchenCenter, Markt 25, 57072 Siegen

Internet: www.vhs-siegen.de; E-Mail: vhs@siegen.de

Telefon: 0271 404-3000

Tätigkeitsschwerpunkte:

Grundstücksrecht

Verkehrsrecht

Erb- und Familienrecht

HonorarAnwältin

Mitglied im

AnwaltVerein

VertrauensAnwalt



2. Dienstag

19.30 VHS-Wissen-live: Was ist

Technik? KrönchenCenter Siegen,

Markt 25

20.00 Irish Heartbeat Festival: Let's

celebrate St. Patrick's Day, Eichener

Hamer Kreuztal, Am Parkplatz 2

3. Mittwoch

20.00 Lesung, Konstantin Wecker,

Eichener Hamer Kreuztal, Am Parkpl.

4. Donnerstag

14.30 Literaturcafé der Seniorenhilfe,

Begegnungszentrum Haus

Herbstzeitlos Siegen, Marienb. Str. 151

19.30 VHS-Wissen-live: Friedensprojekt

Europa? Krönchen-

Center Siegen, Markt 25

18.00 Annette Rubertus: Ausstellungseröffnung

Textilkunst, Rathaus

Netphen, Amtsstr. 6

18.30 VHS-SIWI: Neues zum

Schwerbehindertenrecht: Vom Antrag

bis zum Bescheid, Kreuztal

Stadtbibliothek, Marburger Str. 10

5. Freitag

20.00 Konzert: Nabil Shehata mit

der Philharmonie Südwestfalen,

Apollo-Theater Siegen, Morleystr. 1

20.00 Musical Voyage: Musical-

Highlight-Show, Heimhof-Theater

Burbach, Heimhofstr. 7a

7. Sonntag

15.30 VHS-Café Literatur-Zeit, Goethe

in Italien: Rom, KrönchenCenter

Siegen, Markt 25

17.00 Multivisionsvortrag: Kanada

- Der Westen, Aula Gymnasium Netphen,

Haardtstr. 35

9. Dienstag

14.30 Senioren-Service-Stelle-Vortrag:

Die Sturzprophylaxe, Gebr.-

Busch-Theater Hi.-Dahlbruch (Anmeldung

02733-288299)

10. Mittwoch

19.30 VHS Siegen-Vortrag: Sein

Leben war Mühlsal und Arbeit,

KrönchenCenter Siegen, Markt 25

März

11. Donnerst.

16.00 VHS-SI-

WI, Führung: Besichtigung

der

Obernautalsperre,

Treffpunkt: Linke

Dammseite.

18.00 VHS Siegen-Vortrag:

El

camino de Santiago

(auf spanisch)

KrönchenCenter

Siegen, Markt 25

18.30 VHS-SIWI-

Vortrag: Einbruch?

Nicht bei mir! Einbruchsschutz

für

Privathaushalte,

Kreuztal Stadtbibliothek

20.00 Komödie am

Kurfürstendamm:

Die Tanzstunde,

Gebr.-Busch-Theater,

Hi.-Dahlbruch

12. Freitag

20.00 Konzert:

Spanish Night mit

Rafael Cortés Trio,

Weiße Villa in Dreslers Park Kreuztal,

Hagener Str.

14. Sonntag

18.00 Filmpalast: Mitternachtsspitz,

Heimhof-Theater Burbach,

Heimhofstr. 7a

19.00 Theater: Fußball.Frauen.

Siegen, Apollo-Theater Siegen

15. Montag

17.00 VHS-SIWI-Vortrag: Selbstbestimmt

wohnen und leben,

Hilchenbach, Trauzimmer in der Wilhelmsburg,

Am Burgweiher 1

16. Dienstag

14.30 Senioren-Service-Stelle-Vortrag:

Selbstschutz für Senioren! Verhalten

bei Überfällen, Gebr.-Busch-

Theater Hilchenbach-Dahlbruch

(Anmeldung 02733-288299)

20.00 Komödie von Molière, Die

Streiche des Scapin, Apollo Siegen,

Musical Voyage, am 5.3. im Heimhof-Theater, Burbach.

18.30 VHS-SIWI-Vortrag: Fake

News und wie man diese erkennt,

Rathaus Erndtebrück, Ratssaal

18. Donnerstag

16.00 VHS-SIWI-Vortrag: Rosen,

Tulpen, Nelken, die Welt von gestern,

Kreuztal Stadtbibliothek

18.30 VHS Siegen, Siegener Forum:

Der Fall Adolf Haas und die Nachkriegsjustiz,

KrönchenCenter Siegen,

Markt 25

19.00 VHS-SIWI-Vortrag: Naturnahe

Insektengärten, Burbach, Bürgerhaus,

Marktplatz 7

19.00 VHS-SIWI-Vortrag: Rechtliche

Hilfe und Unterstützung nach

Vorliegen einer Straftat, Hilchenbach,

Trauzimmer in der Wilhelmsburg,

Am Burgweiher 1

19.30 VHS-Siegen-wissen live: Zwischen

Street-Art und Poesie: Cy

Twombly im Museum Brandhorst,

KrönchenCenter Siegen, Markt 25

Veranstaltungen finden nur statt, wenn die behördlichen Ausgangsbeschränkungen das erlauben.

20.00 Konzert: Wildes Holz, Höhen

und Tiefen, Gebr.-Busch-Theater,

Hilchenbach-Dahlbruch

19. Freitag

20.00 Konzert: British Proms, klassischer

Konzertliteratur, Apollo-

Theater Siegen, Morleystr. 1 eine

weitere Aufführung auch Freitag,

20.3. ab 19 Uhr

20. Samstag

14.00 VHS-SIWI-Schnuppertag:

Imkerei, Kreuztal, Treffpunkt: Bienenhaus,

Parkplatz, Fellingh. Str.

20.00 Reisebericht: Michael Wigge,

„Ohne Geld ans Ende der Welt“,

Heimhof-Theater Burbach, Heimhofstr.

21. Sonntag

15.30 VHS Siegen, Café-Literatur-

Zeit, Mit Goethe in Italien: Neapel,

KrönchenCenter Siegen, Markt 25

15.30 VHS Siegen, Dia-Vortrag in

Überblendtechnnik: Korsika und

Sardinien, KrönchenCenter Siegen

18.00 Lesung: Johann von Bülow

liest Loriot, Der ganz offene Brief,

Krombacher Brauerei, Kreuztal

19.00 Komödie von Stefan Vögel, Das

Brautkleid, Apollo-Theater Siegen

22. Montag

19.00 VHS Siegen, Vortrag: Leben

mit Hochsensibilität-Erlebnisvortrag,

KrönchenCenter Siegen, Markt

20.00 Lustspiel von Jens Exler,

Tratsch im Treppenhaus, Apollo-

Theater Siegen, Morleystr. 1 auch

Dienstag, 23.3.

Konzert mit „Wildes Holz“, am 18.3. im GebrüderBuschTheater, Dahlbruch.

23. Dienstag

14.30 Senioren-Service-Stelle-

Vortrag: Falsche Polizeibeamte

und andere Betrüger, Gebr.-Theater-Busch

Hilchenbach-Dahlbruch

(Anmeldung 02733-288299)

24. Mittwoch

19.00 VHS-SIWI-Vortrag: Erbrecht

verständlich, Rathaus Netphen

25. Donnerstag

18.00 VHS-SIWI,Vortrag: Ätherische

Öle und ihre Anwendung,

Kreuztal Stadtbibliothek, Marburger

Str. 10

20.00 Ladies Night: Frieda Braun,

Sprechpause, Eichener Hamer

Kreuztal, Am Parkplatz 2

Zuhause bei der WGh

26. Freitag

20.00 Konzert: Shaw, Say, Mahler,

Fantastisches Konzertabenteuer,

Apollo-Theater Siegen, Morleystr. 1

27. Samstag

19.00 Konzert: Kantorei Siegen,

Johannes-Passion, Ev. Kirche Hilchenbach,

Kirchplatz 4

19.00 Fußball.Frauen.Siegen,

Apollo-Theater Siegen, Morleystr. 1

28. Sonntag

11.00 Kleintier-Bauern-Öko und

Trödelmarkt, Netphen-Irmgarteichen,

Großer Marktplatz

15.00 Kinderliteratur: Zottelkralle,

von Cornelia Funke, Apollo-Theater

Siegen, Morleystr. 1

Nutzen Sie die Möglichkeit, unabhängig von der Wetterlage und

ganzjährig, komplett gestaltete Grabanlagen zu beichtigen.

Auf über 500 m 2 zeigen wir Ihnen vom klassischen Denkmal bis zur

modernen Grabgestaltung eine Vielfalt von Materiealien, Formen

und Ausführungen.

Ladies Night mit Friede Braun, am 24.3.

in Kreuztal am Eichener Hamer.

WGh - Wohnungsgenossenschaft hüttental eG

Jahnstraße 45 · 57076 Siegen

Telefon 0271 48951-0 · Fax 0271 48951-51

info@wgh-siegen.de · www.wgh-siegen.de

72 durchblick 1/2021 1/2021 durchblick 73



1. Donnerstag

20.00 Kabarett: Django Asül, Offenes

Visier, Heimhof-Theater Burbach,

Heimhofstr. 7a

10. Samstag

20.00 Kabarett: Weber N°5 – Ich

liebe ihn, Philipp Weber, Otto-Reiffenrath-Haus,

Neunkirchen, Bahnhofstr. 1

20.00 Kabarett: Sascha Korff, denn

er weiß nicht, was er tut, Heimhof-

Theater Burbach, Heimhofstr. 7a

11. Sonntag

18.00 Filmpalast: 40 Wagen westwärts,

Heimhof-Theater Burbach,

Heimhofstr. 7a

19.00 Komödie: Die Nervensäge,

Apollo-Theater Siegen, Morleystr. 1

13. Dienstag

14.30 Senioren-Service-Stelle-Vortrag:

Senioren im Straßenverkehr,

Gebr.-Busch-Theater Hi.-Dahlbruch

(Anmeldung 02733-288299)

19.30 VHS Siegen wissen live: Quantentechnologien

— ein Blick in die

Zukunft, KrönchenCenter Siegen

14. Mittwoch

19.00 VHS-SIWI-Vortrag: Insektensterben,

Konsequenzen für

Mensch und Natur, Rathaus Netphen,

Amtsstr. 6

20.00 Wahlverwandtschaften:

nach Johann Wolfgang von Goethe,

Apollo-Theater Siegen, Morleystr. 1

19.30 VHS Siegen wissen live: Eva

Perón - Eine argentinische Ikone,

KrönchenCenter Siegen

15. Donnerstag

14.30 Literaturcafé Seniorenhilfe,

Begegnungszentrum Haus Herbstzeitlos

Siegen, Marienborner Str. 151

15.30 VHS Siegen: Café-Literatur-Zeit,

Hermann Hesse Reise nach Indien,

KrönchenCenter Siegen, Morleystr. 1

18.30 VHS-SIWI-Vortrag: 100 Jahre

April

Lizzy Aumeiner, am 16.4. im Eichener Hamer, Kreuztal.

Allgemeine Relativitätstheorie -

jetzt aber wirklich!, Kreuztal Stadtbibliothek,

Marburger Str. 10

16. Freitag

20.00 Konzert: Lizzy Aumeier, Wie

Jetzt...! Eichener Hamer Kreuztal,

Am Parkplatz 2

20.00 Konzert: Stefan Soltesz und

Philharmonie Südwestfalen, Apollo-Theater

Siegen, Morleystr. 1

17. Samstag

19.00 Fußball.Frauen.Siegen,

Apollo-Theater Siegen, Morleystr.

20.00 Kabarett: Daubs Melanie, Ma

ganz ehrlich, Heimhof-Theater Burbach,

Heimhofstr. 7a

18. Sonntag

18.00 Bernd Stelter: Hurra – Ab

Montag ist wieder Wochenende,

Gebr.-Busch-Theater, Hi.-Dahlbruch

19.00 Konzert: A-cappella-Konzert,

Rajaton, Apollo-Theater Siegen,

20. Dienstag

14.30 Senioren-Service-Stelle-Vortrag:

Sicherheit für Senioren - mit

mir nicht...!, Gebr.-Busch-Theater

Hilchenbach-Dahlbruch (Anmeldung

02733-288299)

18.30 VHS-SIWI-Vortrag: 100 Jahre

Allgemeine Relativitätstheorie —

jetzt aber wirklich!, Kreuztal Stadtbibliothek,

Marburger Str. 10

18.30 VHS-SIWI-Vortrag: Altersrenten

- Wer? Wann? Wie(viel)?

Erndtebrück, Realschule, Ederfeldstraße

3

19.00 VHS Siegen INFOTALK, Stress

gibt es nicht! Oder vielleicht doch?,

KrönchenCenter Siegen, Markt

21. Mittwoch

18.30 VHS-SIWI-Vortrag: Corona-

Krise und ihre Folgen, Rathaus Netphen,

Amtsstr. 6

19.00 VHS-SIWI-Filmzeit: Ein verborgenes

Leben, Widerstandsdrama

über Mut und den Kampf,

Kreuztal, Weiße Villa, Dreslers Park

19.30 VHS Siegen wissen live: Grausamkeit,

Gottesfurcht + Verzweiflung.

Friedrich Wilhelm I. Krönchen-

Center Siegen, Markt 25

22. Donnerstag

18.00 VHS-SIWI-Vortrag: Selbstbestimmt

wohnen und leben, Bad

Berleburg, Bürgerh., Am Marktplatz 1

18.30 VHS Siegen: Graf Johann I.

von Nassau und der Hadamarer

Erbfolgestreit, Ob. Schloss Siegen

18.30 VHS-SIWI-Vortrag: Islam

und Politik — Orient und Okzident,

Kreuztal Stadtbibl. Marburger Straße

19.00 Fußball.Frauen.Siegen, Apollo-Theater

Siegen, Morleystr. 1

23. Freitag

20.00 Mario Mammone Trio: „Old

Love Songs“ Alte Linde, Wilnsdorf-

Niederdielfen, Weißtalstraße 2

20.00 Kabarett: Hagen Rether, Liebe,

Eichener Hamer Kreuztal, Am Parkpl.

24. Samstag

19.00 Konzert: Hörgerät, ... rocken

ohne Strom, Heimhof-Theater Burbach,

Heimhofstr. 7a

19.00 Gitarrenkonzert: Pablo Miró,

„Courage“, Dreisbachhalle Netphen

Dreis-Tiefenbach

Sascha Korff, am 10.4. im Heimhof-Theater in Burbach.

Veranstaltungen finden nur statt, wenn die behördlichen Ausgangsbeschränkungen das erlauben.

19.00 Konzert: Gala der Game-Music,

Philharmonie Südwestfalen, Apollo-Theater

Siegen, Morleystr.1

25. Sonntag

14.00 VHS-SIWI-Wanderung: Märchen,

Sagen, Mythen, Bad Berleburg,

Treffpunkt: Wanderparkplatz

auf der Lenne

17.00 Lindbergh: die abenteuerliche

Geschichte einer fliegenden

Maus, Apollo-Theater Siegen

17.00 Intermezzo — Das „etwas

andere“ Konzert, Turn- und Festhalle

Kreuztal-Buschhütten

27. Dienstag

14.30 Senioren-Service-Stelle-Vortrag:

Erste-Hilfe-Fresh-up, für

Senioren, Gebr.-Theater Hi.-Dahlbruch

(Anmeldung 02733-288299)

18.00 VHS-SIWI-Vortrag: Stressmedizin

- Stress und seine individuellen

Auswirkungen, Kreuztal

Stadtbibliothek, Marburger Str. 10

19.30 VHS Siegen wissen live: Neonazis

+ Antisemitismus: Wie groß

ist die Gefahr von rechts, KrönchenCenter

Siegen

1. Samstag

20.00 Figurentheater: Bestie

Mensch, Apollo-Theater Siegen

2. Sonntag

20.00 Musikalischer Poesie: Jördis

Tielsch, New Mornings, Heimhof-

Theater Burbach, Heimhofstr. 7a

4. Dienstag

14.30 Senioren-Service-Stelle-Vortrag:

Wohnungseinbruch nicht bei

mir, Gebr.-Busch-Theater Hi.-Dahlbruch

(Anmeldung 02733-288299)

5. Mittwoch

18.30 VHS-SIWI-Vortrag: Börse für

alle, Rath. Freudenberg, Mórer Platz

20.00 Schauspiel: mit Gilla Cremer

und Patrick Cybinski, Gebr.-Busch-

Theater, Hilchenbach-Dahlbruch

6. Donnerstag

15.30 VHS Siegen, Café-Literatur-

Zeit Alexandra David-Neel auf

dem Dach der Welt, KrönchenCenter

Siegen, Markt 25

7. Freitag

20.00 Konzert: Philharmonie Südwestfalen,

Wagner, Mercadante,

Berlioz, Apollo-Theater Siegen

8.Samstag

14.00 VHS-SIWI, Wanderung: Von

Wallfahrten, Wällen und wilden

Foto: wikimedia commons (AFD Demo in Jena, Marktplatz 9.3.16,

Wie groß ist die Gefahr von rechts? VHS-Vortrag, 27.4.im KrönchenCenter Siegen

28. Mittwoch

19.30 VHS Siegen wissen live: Der

israelisch-palästinensische Konflikt

um den Tempelberg, KrönchenCenter

Siegen, Markt 25

20.00 Siegener Poetry Slam: Best

Mai

Äpfeln, Hilchenbach, Treffpunkt:

Wanderparkplatz Giller am Turm

19.00 Schwarze Magie: Krabat,

nach Otfried Preußler, Apollo-Theater

Siegen, Morleystr. 1

20.00 Frühlingsball Siegen tanzt

u.a. mit Nelli und Dietmar Ehrentraud

und ihrem Boogie-Woogie, Siegerlandhalle

Siegen, Koblenzer Str. 151

9. Sonntag

14.00 VHS-SIWI, Wanderung: Geheimnisvolle

Orte im Ilsetal, Bad

Laasphe, Treffpunkt Parkplatz auf der

Indel

16.00 Konzert: Sonntagnachmittag

um 4 im Schlossgarten, Oberes

Schloss Siegen

17.00 Kammermusik: Streichtrio

auf der Ginsburg, Turmzimmer,

Für diese Veranstaltung

verlosen wir Freikarten.

Näheres auf Seite 70.

of, Apollo-Theater Siegen, Morleystr.

28. Donnerstag

18.30 VHS-SIWI-Vortrag: Musiker

- Schicksale im 3. Reich, Kreuztal

Stadtbibliothek, Marburger Str. 10

Ginsburg bei Hilchenbach-Lützel

18.00 Filmpalast: Edgar Wallace

– Die seltsame Gräfin, Heimhof-

Theater Burbach, Heimhofstr. 7a

19.00 Big Band Konzert, Swinging

Elephants, Altes Feuerwehrhaus,

Netphen, St. Petersplatz

19.00 A-cappella-Sextett, SLIXS

Apollo-Theater Siegen, Morleystr. 1

11. Dienstag

14.00 VHS-SIWI, Wanderung: Geheimnisvolle

Orte im Ilsetal,

Bad Laasphe, Treffpunkt: Parkplatz

auf der Indel

14.30 Senioren-Service-Stelle-

Vortrag: Medikamente im Alter

sicher einnehmen, Gebr.-Busch-

Theater-Theater Hilchenbach-Dahlbruch

(Anmeldung 02733-288299)

Schauspiel mit Gilla Cremer am 5.5., im Gebrüder Busch-Theater, Dahlbruch.

74 durchblick 1/2021 1/2021 durchblick 75



Mai

11. Dienstag

18.30 VHS-SIWI,Vortrag: Stressregulation

durch Bewegung,

Rathaus Netphen, Amtsstr. 6

19.00 Lesecafé: Karl Kraus: Mit

spitzer Feder Satire und Polemik,

KrönchenCenter Siegen

19.00 VHS-SIWI,Vortrag: Integration

in der Bundesrepublik

Deutschland - 1945 bis heute,

Bad Laasphe, Haus des Gastes, Wilhelmsplatz

3

13. Donnerstag

20.00 Feurige Show: Manche Mögens

Heiss – Henssler live. Siegerlandhalle

Siegen, Koblenzer Str. 151

16. Sonntag

10.00 VHS-SIWI, Wanderung: Auf

Schusters Rappen, Arschleder,

Grube Heinrichssegen,Treffpunkt:

Kreuztal Bahnhof Littfeld

11.00 Kleintier-Bauern-Öko und

Trödelmarkt, Netphen- Irmgarteichen,

Marktplatz und Schützenhalle

16.00 Konzert: Sonntagnachmittag

um 4 im Schlossgarten, Oberes

Schloss Siegen

17. Montag

16.00 VHS-SIWI, Führung: Auf

den Spuren jüdischen Lebens in

Laasphe, Treffpunkt: Alte Synagoge,

Mauerstraße 44

18. Dienstag

14.30 Senioren-Service-Stelle-Vortrag:

Veränderung im Prozess

des Alterns - Auswirkung von

Einsamkeit, Gebr.-Busch-Theater

Hilchenbach-Dahlbruch (Anmeldung

02733-288299)

20. Donnerstag

18.30 VHS Siegen, Siegener Forum:

Die Siegener Hochbunker

im Stadtbild, KrönchenCenter Siegen,

Markt 25

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zu dünn wird

füllen wir es Ihnen

natürlich und

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Christoph Maria Herbst & Moritz Netenjakob am 29.3. im Heimhof-Theater Burbach

21. Freitag

19.00 Stand-Up-Comedy mit Senay

Duzcu, Hitler war eine Türkin, Dreisbachhalle

Netph. Dreis-Tiefenbach

23. Sonntag

16.00 Konzert: Sonntagnachmittag

um 4 im Schlossgarten, Oberes

Schloss Siegen

25. Dienstag

19.30 VHS Siegen wissen live: Regieren

in unsicheren Zeiten: Was

kommt nach Merkel? Krönchen-

Center Siegen, Markt 25

26. Mittwoch

16.00 VHS-SIWI, Führung: Auf

den Spuren jüdischen Lebens in

Laasphe, Treffpunkt: Alte Synagoge,

Mauerstraße 44

19.00 VHS-SIWI, Vortrag: Homöopathie

für die Brennpunkte des

Körpers, Bad Laasphe, Haus des

Gastes, Wilhelmsplatz 3

19.30 VHS Siegen wissen live: Enlightenment

now - Aufklärung

jetzt, KrönchenCenter Siegen

27. Donnerstag

19.30 VHS Siegen wissen live: Navid

Kermani im Gespräch mit

Prof. Michael Brenner, Krönchen-

Center Siegen, Markt 25

19.00 VHS-SIWI, Vortrag: Homöopathie

für die Brennpunkte des

Körpers, Bad Laasphe, Haus des

Gastes, Wilhelmsplatz 3

Die Haar-Spezialisten

bei allen

Haarproblemen!

19.30 VHS-SIWI, Vortrag: Demenz

- eine Diagnose, die alles verändert?!

Hilchenbach, Trauzimmer in

der Wilhelmsburg, Am Burgweiher 1

20.00 Kabarett: Jürgen, B. Hausmann,

Jung, wat biste jroß jeworden!

Siegerlandhalle Siegen, Koblenzer

Str. 151

28. Freitag

20.00 Theater: Fußball. Frauen.

Siegen, Apollo-Theater Siegen

20.00 Paul Panzer Midlife crisis…

Willkommen auf der dunklen Seite,

Siegerlandhalle Siegen, Koblenzer

Str. 151

29. Samstag

20.00 Zum 100. Geburtstag von

Astor Piazzolla, Für immer: Tango,

Gebr.-Busch-Theater, Hi.-Dahlbruch

20.00 Christoph Maria Herbst & Moritz

Netenjakob, Das ernsthafte

Bemühen um Albernheit,Heimhof-

Theater Burbach

20.00 Dale King & Tochter Jessica,

Blues- und Country-lieder, Alte

Linde, Wilnsdorf-Niederdielfen, Weißtalstraße

2

30. Sonntag

14.00 VHS-SIWI, Wanderung:

Fuchshausen und das schöne

Elberndorftal, Erndtebrück, Treffpunkt:

Parkplatz Zinsetal

16.00 Konzert: Sonntagnachmittag

um 4 im Schlossgarten, Oberes

Schloss Siegen

Kompetente Ansprechpartnerinnen für

Alterszahnheilkunde

Dr. Silja Stötzel & Dr. Cynthia Six

57080 Siegen ● Eiserfelder Str. 429 • Tel. 0271 / 35 60 50

Öffnungszeiten: Mo.–Do. 7:30–19:30 Uhr • Fr. 7:30-13:30 Uhr

Hausbesuche sind möglich

76 durchblick 1/2021

db 3-2020 150 Jahre Postkarte.

Mit Interesse lese ich immer Ihre Zeitschrift,

die ich über meine Schwestern,

die mit ihren Familien im Siegerland

leben, erhalte. Ich habe die ersten 20

Jahre meines Lebens im Siegerland

verbracht, lebe aber – beruflich bedingt

– seitdem im „Exil“!

In Ihrer Herbstausgabe hatten Sie

eine kleine Meldung zu „150 Jahre

Postkarte“. Dazu vielleicht eine kleine

Ergänzung: Es gibt seit vielen Jahren

„postcrossing.com“. Auf dieser Internetplattform

kann man sich registrieren

und bekommt Adressen von anderen

Mitgliedern weltweit, denen man

eine Ansichtskarte sendet. Sobald die

Karte dort angekommen ist, wird sie

registriert und man erhält von einem

anderen Mitglied eine Karte zurück.

Derzeit sind weltweit über 800.000

Mitglieder verzeichnet. Dieses Versenden

von Karten ist im Prinzip ein preiswertes

Hobby. Außer den Kosten für

eine Karte und das Porto (derzeit 0,95 €

weltweit) fällt sonst nichts an.

Jeden Tag ist es wieder spannend,

aus welcher Gegend der Welt man wieder

Post bekommt. Beim Registrieren

der Karten erfährt man so manches

über andere Persone n und kann, falls

gewünscht, auch in einen intensivieren

E-Mail-Kontakt einsteigen.

Das Einzige, was man noch benötigt,

sind ein paar Englisch-Kenntnisse, da

die Korrespondenz (von einigen Nachbarländern

einmal abgesehen) auf

Englisch läuft.

Vielleicht können Sie auch darüber

einmal berichten. Als Anlage füge ich

einmal ein Foto von Karten bei, die ich

in den letzten Wochen erhalten habe.

Falls Rückfragen sind, stehe ich gerne

zur Verfügung.

Dr. Dieter Briese, Gladbeck

Leserbriefe

db 3-2020 Di Saujonge fam Vogelsang,

von Gerhard Peysar. Bitte, liebe

Redaktion, vermitteln Sie einem eifrigen

Durchblick-Leser (81) eine Verbindung

mit obigem Herrn, der ihm seit

Jahren „verloren“ gegangen ist. Diesen

seltenen Namen führte nämlich

ein Bekannter aus den 80er Jahren,

er wanderte nach Kanada aus! Vielen

Dank für die hochinteressante letzte

Nummer- und alle der letzten Jahre.

Jürgen Tietze, Siegen

Vielleicht ist es Ihnen möglich, von

Hern Peysar zu erfahren, in welchem

Zeitraum er in die Jungstilling Schule

gegangen ist. Der Grund: Ich war einer

der „Saujonge“ vom Vogelsang und etwas

bei dem Artikel ist für mich unklar!

Erich Dechert, Kreuztal

Anmerkung der Redaktion:

Verbindung zu Autorinnen und Autoren

sowie zu Leserbriefschreibern

stellen wir gerne her. Dazu schreiben

Sie uns bitte eine Mail an:

redaktion@durchblick-siegen.de

db 4-2020 Herzlichen Dank für die wieder

einmal sehr gelungene, informative,

unterhaltsame, interessante, kurzweilige

Ausgabe mit dem wunderbaren Titelbild.

Ganz gleich, was im Corona-Jahr

alles ausfällt, das kuschelige, gemütliche

Zuhause bleibt uns erhalten.

Gudrun Böhr Siegen

b 4-2020 seit langer Zeit bin ich treue

Leserin des durchblick und kann es immer

kaum erwarten, bis das neueste

Magazin ausliegt! Heute nehme ich mal

an der Verlosung teil und bin gespannt.

Ulrike Grimm, Bad Laasphe

In eigener Sache

Für die Verteilung des durchblick

an verschiedene Auslegestellen im

Kreisgebiet suchen wir noch zuverlässige

Hilfen mit eigenem PKW.

Die Zeitung muss vier mal im Jahr an

festgelegte Verteilstellen wie Sparkassen,

Apotheken, Arztpraxen und diversen

Geschäften ausgeliefert werden.

Der Zeitaufwand beträgt jeweils etwa

zwei bis drei Stunden und wird mit einer

Aufwandsentschädigung vergütet.

Hätten Sie Lust, beim durchblick mitzuwirken?

Melden Sie sich einfach

unter 02 71 / 6 16 47 (Di. - Do. von

10 - 12 Uhr) im Redaktionsbüro.

db 4-2020 Ich musste diese Zeilen

schreiben, weil meine Freude sehr groß

war als ich ihre Zeitschrift in meinen

Händen hielt. Ich freue mich eigentlich

immer, aber diesmal habe ich gewartet.

Hier und da geschaut, - nein immer noch

nicht da. Am 3. Dezember habe ich ihn

dann erblickt, in „mittendrin“ an der Talkirche

Geisweid. Gleich vier Stück habe

ich mitgenommen, für mich einen und

drei für Nachbarn, alle über 80 Jahre alt.

Auch sie waren erfreut. Nun wird mehr

gelesen als noch vor Monaten. Weil wir

„coronabedingt“ möglichst zu Hause bleiben

sollen ist es schwer an den „durchblick“

zu kommen. Vielen Dank für Ihre

Mühe und Arbeit.

Ute Setzer, Siegen

Es hat uns

sehr traurig

gemacht, dass

unser früheres

Redaktionsmitglied

Fritz

Fischer am

13. Januar im

Alter von 87 Jahren verstorben ist.

Fritz war ein sehr freundlicher

und stets hilfsbereiter Kollege, der

seit Anfang der 2000er Jahre viele

redaktionelle Beiträge im durchblick

illustriert hatte.

2012 musste er seine Fotoarbeit aus

gesundheitlichen Gründen einstellen,

war aber noch lange Zeit danach

gern gesehener Gast in unseren

Redaktionssitzungen.

Wir werden ihn nicht vergessen.

Vorstand und Redaktionsteam des

„durchblick“

1/2021 durchblick 77



Unterhaltung / Impressum

Es fiel uns auf, …

…dass es in Europa noch einen Urwald gibt. Der Bialowieza-

Urwald in Polen und Weißrussland ist einer der letzten Urwälder

Europas. Er hat eine Fläche von 1500 Quadratkilometer

und bietet als UNESCO-Weltnaturerbe Platz für viele Tiere.

…dass auf der Erde insgesamt etwa 108 Milliarden Menschen

gelebt haben. Aktuell gibt es rund 7,8 Milliarden Menschen

auf der Welt. Wenn man errechnen will, wie viele Menschen

jemals hier gelebt haben, kommt es darauf an, in welcher

Periode der Geschichte man mit dem Zählen anfängt. Das amerikanische

Population Reference Bureau und auch die UNO beginnen

damit im Jahr 50.000 v. Chr. Das Ergebnis: Insgesamt

haben auf der Erde geschätzt 108 Milliarden Menschen gelebt.

…dass man die D-Mark noch tauschen kann. Seit 19 Jahren

gibt es sie schon nicht mehr: D-Mark und Pfennig. Trotzdem

können sich viele offenbar nicht von der alten Währung trennen.

Rund 12 Milliarden D-Mark sollen angeblich noch in deutschen

Haushalten lagern. Aber das Geld ist nicht verloren. Es lässt sich

nach wie vor in Euro umtauschen. Allerdings muss man sich

zum Umtausch an eine der 38 Filialen der Bundesbank wenden.

…dass Filterkaffee das Leben verlängern kann. Mit drei

bis Tassen Filterkaffee pro Tag lassen sich Krankheiten verhindern.

Laut einer US-Ernährungsstudie aus Harvard liefert

das Getränk viele Stoffe, die für eine gute Darmflora sorgen,

den Cholesterinspiegel senken, Entzündungen hemmen und

die Leber schützen.

homa

Gedächtnistraining – Lösungen

Teekesselchen: 1. Kiefer; 2. Maus; 3. Salat;

4. Melone. Tiere in zusammengesetzten

Wörtern: 1. Kettenhund, 2. Bordsteinschwalbe,

3.Nasenbär, 4. Salonlöwe, 5. Kirchenmaus,

6. Schnapsdrossel,7. Gänsemarsch,

8. Fliegenpilz, 9. Schweineöhrchen, 10. Walnuss,

11. Bienenstich. Lebenslauf: 1. Sonntag,

2. 1 Hund, 3. Sprechen und Kunststücke,

4. „Herz-Für-Tiere“, 5. Katzenhaare, 6. Rettung

bedrohter Tierarten, 7. Martin.

Zu guter Letzt:

Nun ja

Was bin ich?

Teekesselchen

Nun ja, was soll man sagen? Man wird älter

und hat gelernt, wie dies und jenes geht.

Die Dinge lassen einen etwas kälter,

weil man sie ohnehin nicht recht versteht.

Man hat schon viel erlebt in seinem Leben,

und leicht macht einem keiner mehr was vor.

Die Dinge, wie sie sind, so sind sie eben.

Man nimmt sie hin und trägt sie mit Humor.

Man kennt sich etwas aus und wähnt sich weise,

man trotzt der Welt mit Lächeln und mit List,

und wird am Ende doch ganz still und leise,

weil unterm Strich man auch nicht schlauer ist.

Jörn Heller

aus „Schluss für heute!" Gedichte nach Feierabend

durch

blick

Gemeinnützige Seniorenzeitschrift

für Siegen und Siegen-Wittgenstein

Herausgeber:

durchblick-siegen Information und Medien e.V.

Anschrift der Redaktion:

„Haus Herbstzeitlos“, Marienborner Str. 151, 57074 Siegen

Telefon 0271 / 6 16 47, Mobil: 0171 / 6 20 64 13

E-Mail: redaktion@durchblick-siegen.de

Internet: www.durchblick-siegen.de

Öffnungszeiten:

dienstags bis donnerstags von 10.00 bis 12.00 Uhr

1. und 3. Dienstag im Monat auch von 15.00 bis 17.00 Uhr

Redaktion:

Anne Alhäuser, Hans Amely (Seniorenbeirat), Maria Anspach, Ulla

D'Amico, Ingrid Drabe (Veranstaltungen), Friedhelm Eickhoff (ViSdP),

Eberhard Freundt, Eva-Maria Herrmann (stellv. Redaktionsleiterin),

Erna Homolla, Erich Kerkhoff, Horst Mahle, Rita Petri (Nachrichten),

Helga Siebel-Achenbach, Tessie Reeh, Ulli Weber.

Bildredaktion:

Thomas Benauer, Rita Petri (Ltg.), Tessie Reeh, Nicole Scherzberg

Bildnachweise: Sofern am Objekt nicht angegeben, stammen die

veröffentlichten Bilder von den Autoren, bzw. den Veranstaltern.

Lektorat:

Anne Eickhoff, Gertrud Hein-Eickhoff, Horst Mahle, Jörgen Meister,

Dieter Moll.

Internet:

Thomas Benauer, Thomas Greiner, Nicole Scherzberg.

An dieser Ausgabe haben ferner mitgewirkt:

Bernadette von Plettenberg, Bruno Steuber, Ernst Göckus, Heinz

Stötzel, Rita Stötzel, Hartmut Reeh, Tilla-Ute Schöllchen, Heinz

Bensberg, Eva Schumacher, Adele von Bünau, Adelheid Knabe,

Dr. Dieter Stündel, Maria Haberland, Gerhard Peysar, Jörn Heller,

Karl-Heinz Ley.

Gestaltung und Herstellung:

Michael Brösel, Friedhelm Eickhoff, Rita Petri, Nicole Scherzberg.

Anzeigenanfrage:

durchblick-siegen e.V. Telefon 0171 / 6 20 64 13 oder 0271 / 6 16 47

E-Mail: anzeigen@durchblick-siegen.de

Es gilt die Preisliste 12/2015

(www.durchblick-siegen.de/Mediadaten)

Druck:

Vorländer, Obergraben 39, 57072 Siegen

Erscheinungsweise:

März, Juni, September, Dezember

Verteilung:

Nadine Gerhard (Ltg.), Wolfgang von Keutz, Christel Schmidt-Hufer,

Jörgen Meister, Marion Ortmann, Birgit Rabanus, Gerd Bombien,

Hans-Rüdiger Schmidt, Renate Titze, Maximilian Großhaus-Lutz,

Rüdiger Zimmermann, Dr. Horst Bach und alle Redakteure

Der durchblick liegt im gesamten Kreisgebiet kostenlos aus: in

Sparkassen, Apotheken, Arztpraxen und Zeitungsverlagen, in der City-

Galerie, in den Geschäften des Siegerlandzentrums und bei unseren

Inserationskunden, in öffentlichen Gebäuden und vielen sozialen Einrichtungen

der Wohlfahrtsverbände und Kirchen, in allen Rathäusern

und Senioren-Service-Stellen des Kreises Siegen-Wittgenstein.

Der durchblick ist kostenlos. Für die Postzustellung werden für vier Ausgaben

jährlich 8,00 € ins Inland bzw. 16,00 € ins Ausland berechnet.

Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion

wieder. Die Redaktion behält sich vor, eingesandte Beiträge und Leserbriefe

zu kürzen. Bei Nichtveröffentlichung von unverlangt eingesandten Beiträgen erfolgt

keine Benachrichtigung. Der Nachdruck ist nur mit schriftlicher Genehmigung des

Herausgebers gestattet.

Gefördert durch

die Universitätsstadt Siegen

und den Kreis

Siegen-Wittgenstein

F r i e d h o f s w a l d S i e g e n

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Wenden Sie sich vertrauensvoll an uns!

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78 durchblick 1/2021



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