Aufrufe
vor 5 Jahren

Aspekte der Hygienisierung.pdf - Ingenieure ohne Grenzen

Aspekte der Hygienisierung.pdf - Ingenieure ohne Grenzen

Tabelle 7:

Tabelle 7: Zusammenfassung der Behandlungsmöglichkeiten von Fäzes Verfahren Zeit Temperatur Weitere wichtige Mögliche verbleibende Parameter Pathogene Trocknung 1-2 Jahre Wassergehalt Wurmeier Basische Be- handlung Aerobe Kom- postierung Stunden bzw. Monate 70 ◦ C bzw. Umgebung- stemperatur pH>9 bis 12,5 Mehrere Tage 50-55 ◦ C Wurmeier, Bakterien- sporen Pasteurisierung 10-30 min. 65-95 ◦ C Bakteriensporen, Vi- Auskochen 15 min. 100 ◦ C Bakteriensporen Thermische Konditionierung 45-60 min Hochtherm. 180-210 ◦ C; 3 Sanitäre Versorgungssysteme 3.1 Herkömmliche Ansätze Niedertherm. 80-90 ◦ C, Autoklavieren 120-130 ◦ C ren 2-20 bar keine Unter ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten betrachtet sind die meisten bestehenden sanitären Versorgungsstrukturen nicht nachhaltig. Dies gilt insbesondere für angewandte Techniken in industrialisierten Ländern, die eine Fäkalienbeseitigung durch Wassertoiletten, Kanalisation und Klärwerk, d.h. basierend auf dem sog. ” Flush- and-discharge“ Prinzip (siehe Abbildung 7) realisieren. In ärmeren Ländern wird meist aus Mangel an Alternativen das ” Drop-and-store-Prinzip“ (siehe Abbildung 8) angewendet und die Fäkalien in Löchern o.ä. unter der Erde deponiert werden. Abbildung 7: Die Toilettenabfallhandhabung nach dem flush-and-discharge bzw. end-of-pipe Ansatz[1] Beide Varianten sind als nachteilig zu bewerten, da sie A) in großen Mengen Trinkwasser verschmutzen und B) die in Fäkalien enthaltenen Nährstoffe nicht nutzen. In Industrieländern werden durch ” Flush-and-discharge-Systeme“ ca. 15.000 Liter Trinkwasser pro Person und Jahr verunreinigt um die Toilettenabfälle abzutransportieren. Die Aufberei- tung der am Ende der Rohrleitungen anfallenden Mengen mit Fäkalien verschmutzten Trinkwassers ( ” End-of-pipe“) ist sehr energieaufwendig und teuer. In Deutschland wird zur Rückführung der Nährstoffe auf landwirtschaftliche Flächen zwar eine Hygienisierung des Klärschlamms angestrebt, jedoch ” aufgrund der geringen Auswahl geeigne- 14

ter Hygienisierungsverfahren für Kläranlagen“ noch nicht vorgeschrieben[9]. Außerdem stellt das Umweltbundesamt fest: ” Aus Kostengründen wird derzeit eine Klärschlammhygienisierung praktisch nicht eingesetzt, auch dort nicht, wo Aggregate bereits installiert sind. Im Hinblick auf eine Gleichbehandlung von Düngemitteln sollte jedoch der Klärschlamm vor einer landbaulichen Verwertung grundsätzlich einer hygienisierenden Behandlung unterworfen wer- den“[9]. Hierfür sei es jedoch notwendig, ” neue Methoden der Klärschlammhygienisierung, insbesondere für kleinere Anlagen“ zu erforschen. Auch die Nährstoffrückgewinnung aus Klärschlamm durch eine entsprechende Aufbereitung, so dass die darin enthaltenen Nährstoffe wieder in pflanzenverfügbarer Form vorliegen, ist immer noch im Bereich der Forschung und wird praktisch noch nicht umgesetzt. Bei den meist in ärmeren Ländern angewandten ” Drop-and-store-Systemen“ findet eine Verunreinigung des Grund- wassers durch Sickerwasser aus den Gruben statt; über das Grundwasser können die Verunreinigungen anschließend in Wasserquellen bzw. Fließgewässer gelangen und werden dort zu Infektionsrisiken. Abbildung 8: Das drop-and-store-Prinzip und seine Probleme am Beispiel ein sog. Grubenlatrine bzw. Pit-latrine[10] Ein Beispiel für herkömmliche ” Drop-and-store-Systeme“ sind septische Tanks. Hier werden die Fäkalien nicht direkt in der Erde sondern in einem Behälter gesammelt und dort meist biochemisch aufbereitet und die festen Partikel setzen sich ab. Damit die Tanks nicht zu schnell voll sind, wird die flüssige Phase anschließend weitergeleitet und im Boden versickert. Der Boden soll dabei die Aufgabe eines Filters übernehmen. Im Effekt wird ein Großteil der wertvollen Nährstoffe in der Erde deponiert, so dass sie für Pflanzen nicht weiter zugänglich sind und durch Auswaschungen von Stickstoff und Krankheitserregern kommt es zu erheblichen Verschmutzungen von Grund- bzw. Trinkwasser. Während sich die herkömmlichen Ansätze weiter verbreiten nimmt weltweit die Degradation der Böden zu und deren Humusversorgung ab. Außerdem steigen gleichzeitig die Preise für die Grundelemente von künstlichem Mineraldünger (NPK) aufgrund deren Knappheit stetig und rasant an. Ziel ist es deshalb, zu den vorherrschenden linearen Strategi- en neue Alternativen zu finden, die Wasserressourcen schonen und eine Kreislaufführung der in Fäkalien enthaltenen Wertstoffe ermöglichen. Toilettenabfälle sollten zu ” Human Manure“ bzw. ” anthropogenem Wirtschaftdünger“ um- definiert werden. Im Folgenden sollen zwei innovative Konzepte aus dem Bereich der Abfall- und Abwasserentsorgung bzw. -verwertung vorgestellt werden. 3.2 Innovative Ansätze: Ecological Sanitation ” Ecosan provides human health and environmental protection using affordable and appropriate technologies to match the needs of the entire world. (. . . ) Ecological sanitation provides alternative solutions with or without water, while 15

Einladung Lehrgang Muenster Okt09.pdf - Ingenieure ohne Grenzen
Grenzen von Wunsch- und Wahlrechten unter dem Aspekt der ...
Präsentation Ingenieure ohne Grenzen - Elli
Das verbreitet grenzenlose Freude. - Ingenieure ohne Grenzen
IngoG_Projektsteckbrief_Khanh Hoa.pdf - Ingenieure ohne Grenzen
Das verbreitet grenzenlose Freude. - Ingenieure ohne Grenzen
Hilfe für die Entwicklungshilfe.pdf - Ingenieure ohne Grenzen
Fundraisingideen für RGs.pdf - Ingenieure ohne Grenzen
Presse-Information | euro engineering AG - Ingenieure ohne Grenzen
TTT_Bauanleitung (englisch-deutsch)_300dpi.pdf - Ingenieure ohne ...
Freie Lüftung - Möglichkeiten, Grenzen, rechtliche Aspekte