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40plus Herbst 2023

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Für Dich.<br />

A U S G A B E<br />

HERBST <strong>2023</strong><br />

<strong>40plus</strong> ist das Magazin für<br />

jeden, der aus dem immerwährenden<br />

Kreis ausbrechen möchte und mit<br />

einem lauten »JA!« seiner Zukunft<br />

entgegenläuft. Don’t wish it, do it!<br />

06 Die besseren Trüffel. 08 Überall nachhaltig. 10 Die Welt vor 20 Jahren. 12 Schifoan! 17 <strong>40plus</strong> Talk:<br />

Die Vermessung der Nachhaltigkeit. 23 Neue Sichtweisen auf den Sehnsuchtsort Triest. 24 Biodiverses mit<br />

dem LH. 27 <strong>40plus</strong> goes KI. 28 Die 7 Todsünden. 30 Steirische KI-Spezialisten. 32 Wege mit Kunststoff.<br />

34 Neue Stars bei Herz! 36 Techniktrends für Mensch & Umwelt. 38 Energiewende zuhause. 39 Auf der<br />

Suche nach Heimat. 40 Goldsuche im Vulkanland. 41 Kulinarik & Musik mit der MCG. 44 Schauspieler<br />

als Schriftsteller. 46 Saisonstart der Bühnen Graz. 47 Teppich Wonderland. 49 Die Bilder ohne Namen.<br />

51 Liaunigs Privatmuseum. 54 Schachners Steuertipps. 55 Heckes Abgesang.<br />

<strong>Herbst</strong> <strong>2023</strong><br />

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die Therme Loipersdorf<br />

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© JOSEF WURM<br />

1


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© THERME LOIPERSDORF<br />

6<br />

Trüffel.<br />

12<br />

Schifoan.<br />

49<br />

Wurm.<br />

© UNSPASH | KLARA KULIKOVA<br />

© STMK TOURISMUS | TOM LAMM<br />

© JOSEF WURM<br />

KI-Spezial<br />

04 Editorial.<br />

05 Vom Ottitsch!<br />

06 Die besseren<br />

Trüffel.<br />

08 Überall<br />

nachhaltig.<br />

10 Die Welt vor<br />

20 Jahren.<br />

12 Schifoan!<br />

17 <strong>40plus</strong> Talk: Die<br />

Vermessung der<br />

Nachhaltigkeit.<br />

24 Biodiverses<br />

mit dem LH.<br />

27 <strong>40plus</strong> goes KI.<br />

28 Die 7 Todsünden.<br />

30 Steirische KI-<br />

Spezialisten.<br />

32 Wege mit<br />

Kunststoff.<br />

34 Neue Stars<br />

bei Herz!<br />

36 Techniktrends für<br />

Mensch & Umwelt.<br />

38 Energiewende<br />

zuhause.<br />

39 Auf der Suche<br />

nach Heimat.<br />

40 Goldsuche im<br />

Vulkanland.<br />

41 Kulinarik & Musik<br />

mit der MCG.<br />

44 Schauspieler als<br />

Schriftsteller.<br />

46 Saisonstart der<br />

Bühnen Graz.<br />

47 Teppich<br />

Wonderland.<br />

49 Die Bilder<br />

ohne Namen.<br />

51 Liaunigs<br />

Privatmuseum.<br />

54 Schachners<br />

Steuertipps.<br />

55 Heckes<br />

Abgesang.<br />

3


In der<br />

Zukunft<br />

gelandet!<br />

Wie geht eigentlich »Nachhaltig Urlaub machen«?<br />

Indem man sich auch im Urlaub von zu Hause nicht<br />

wegbewegt und in Totenstarre verfällt. Ich warne nur,<br />

wenn man das als Familie mit Kindern macht, bekommen<br />

die Jungen einen ziemlichen Schaden, weil in der<br />

Schule fragt man untereinander noch immer, wo man<br />

war. Ich kann alle beruhigen, Urlauben gleicht einem<br />

Grundbedürfnis, bloß 4 % der Österreicher bleiben in<br />

den eigenen vier Wänden, die anderen fahren in ferne<br />

Länder und das gerne. Zuerst sucht man sich ein nachhaltiges<br />

Hotel aus. Hat man eines gefunden, ist das wie<br />

frischer Atem, da hat man gleich ein gutes Gefühl. Da<br />

hat man sich einmal mit 90%iger Sicherheit gegen ein<br />

Hochhaussilo an einer Küste entschlossen.<br />

Uns trieb es ins Elsass. Das Hotel, eine Villa aus den<br />

1920er-Jahren, hatten auf booking.com 3 Sterne für<br />

Nachhaltigkeit – mehr darüber im Blattinneren – aber<br />

nur so viel: Man kommt hier als Geläuterter wieder<br />

raus. Und wie kommt man ins Elsass? Am besten wie<br />

die Araber, die ich in München gesehen habe: Vor dem<br />

(Hotel) Kempinski, sehe ich, wie aufgefädelt, eine ganze<br />

Armada aus Lamborghini und Ferrari, mit Kennzeichen<br />

aus Katar. Wo sich Durchschnittsmenschen<br />

fragen, ob sie jetzt mehr mit dem Rad oder den Öffis<br />

fahren sollen, lassen die ihre Autos nach Europa einf<br />

liegen, geben mit ihnen und den Nummerntafeln hier<br />

an und f liegen mit ihnen wieder zurück.<br />

Ja, spinnen die? Ja, natürlich spinnen die. Darf man<br />

selber spinnen? Ja eh, aber sehr wenig. Nach wie vor<br />

zahlt sich Urlaub in sinnvoller Entfernung aus. Skifahren<br />

in den steirischen Bergen, ein paar Tage in<br />

unseren Thermen verbringen – wir haben da auf den<br />

nächsten Seiten einiges vorbereitet. In der Gondel<br />

hat man dann auch einige Zeit zum Nachdenken.<br />

Zum Beispiel, ob ein Auto nachhaltig sein kann, das ist<br />

nämlich bei genauerem Nachdenken gar nicht so einfach<br />

zu beantworten. Oder wie geht es uns eigentlich<br />

mit den Todsünden? Darüber habe ich mich mit Gudrun<br />

Isak aus der Diözese Graz-Seckau, Josef Wurm und<br />

einem Wesen namens KI ausgetauscht. Apropos Josef<br />

Wurm: Der steirische Ausnahmekünstler stellte uns für<br />

das Cover eines seiner Bilder zur Verfügung, darüber<br />

hinaus wird er in dieser Ausgabe porträtiert.<br />

Vielleicht noch einige Worte zu KI? Haben Sie sicher<br />

schon ausprobiert. Und, das was rauskam, ist jetzt eher<br />

durchschnittlich, zerstreut oder ganz einfach Nonsens?<br />

Stimmt. Man sollte sich jetzt nicht zu viel und nicht<br />

zu wenig mit ihr beschäftigen, sondern ganz einfach<br />

mit ihr leben und am Ball bleiben. Dagegen sein hilft<br />

nix. Es hat bekanntlich auch eine Bewegung gegeben,<br />

die Computer verhindern wollte. Der PC hat sich eben<br />

nicht abschaffen lassen, die Bewegung schon. Wir<br />

haben im Innenteil des Magazins ein kleines <strong>40plus</strong>-<br />

Spezial gebastelt, wo sich der TU Graz-Forscher Roman<br />

Kern damit auseinandersetzt. Sehr gescheit und gar<br />

nicht künstlich.<br />

Martin G. Wanko, Chefredakteur<br />

© MARTIN G. WANKO<br />

Medieninhaber und Herausgeber: Madison Werbeagentur Marketing- und Werbeberatungs-GmbH, Stiftingtalstraße 60, 8010 Graz,<br />

www.madison.at Herausgeber: Martin G. Wanko und Gerhard Kroell. Herstellungsort: Walstead Leykam Druck GmbH, Zweigniederlassung<br />

NP Druck, Gutenbergstraße 12, 3100 St. Pölten, walstead-npdruck.com. Entwicklung und Konzept: Madison Werbeagentur GmbH<br />

und Martin G. Wanko. Coverbild: ©Josef Wurm (Bildausschnitt / 2018 Mixed Media/Paper 80x60). Editorial Design: Ewald Domitner.<br />

Chefredaktion: Martin G. Wanko. Redaktion: Julia Strempfl, Martin G. Wanko. Gastbeiträge: Clarissa Berner, Georges Desrues, Bernd Hecke,<br />

Petra Schachner-Kröll. Fotos: Die Bildhinweise befinden sich direkt beim jeweilig verwendeten Foto. Entgeltliche Beiträge sind gem. § 26 MedienG<br />

als »entgeltliche Einschaltung« gekennzeichnet. Ein Hinweis vorab: Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung<br />

männlicher und weiblicher Sprachform verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für beiderlei Geschlechter.<br />

4


Vom Ottitsch!<br />

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5


Georges Desrues<br />

»Istrien und Rijeka für<br />

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Die<br />

eigentlichen<br />

Trüffel-<br />

Kaiser.<br />

Text: Georges Desrues<br />

© UNSPASH / KLARA KULIKOVA<br />

6


Sollte man diesen <strong>Herbst</strong><br />

einen Abstecher nach<br />

Istrien wagen, wird man<br />

an den Trüffeln kaum<br />

vorbeikommen.<br />

© MARTIN G. WANKO<br />

Als ich vor bald 20 Jahren ins Piemont<br />

zog, in eine Kleinstadt nahe der berühmten<br />

Stadt Alba, warnten mich<br />

Bekannte wiederholt vor den Trüffeln,<br />

die in der Region verkauft werden. Das<br />

seien gar keine echten Alba-Trüffel,<br />

hieß es da meistens, sondern Trüffel<br />

von ganz anderswo, vermutlich aus<br />

Istrien. Nun, dass die Pilze aus Istrien<br />

kamen, ist durchaus denkbar. Gesichert<br />

ist indessen, dass sie nicht aus<br />

Alba stammen. Denn in Alba gibt es<br />

gar keine Trüffel. Ganz einfach, weil<br />

Alba eine gepflegte piemontesische<br />

Kleinstadt ist, mit hübschen Piazze,<br />

mit engen Gassen und schicken Fußgängerzonen.<br />

Aber ohne Wälder, in<br />

denen Pilze wachsen würden.<br />

Albeser Erfindungsreichtum.<br />

Dass die begehrteste unter den Trüffelsorten,<br />

nämlich die weiße (Tuber<br />

magnatum pico), dennoch den Namen<br />

der Stadt trägt, ist einem gewieften Albeser<br />

Hotelier zu verdanken. Er kaufte<br />

in den 1950er Jahren die Exemplare auf<br />

den Märkten rund um Alba auf und<br />

verkaufte sie in seiner Heimatstadt<br />

weiter. Zudem gebar er die Idee, jedes<br />

Jahr das größte Exemplar darunter an<br />

eine international prominente Person<br />

zu verschenken, die dann auch nach<br />

Alba eingeladen wurde und in seinem<br />

Hotel abstieg. Und so entstand der Mythos<br />

der Alba Trüffel. Und es begann<br />

ein regelrechter Trüffeltourismus,<br />

der etliche Besucher aus aller Welt ins<br />

herbstliche Piemont lockte, um dort<br />

den begehrten Pilz zu essen, beziehungsweise<br />

im Rahmen von organisierten<br />

Touren zu suchen.<br />

Zu der Zeit war Istrien noch Teil des<br />

sozialistischen Jugoslawiens – und an<br />

so was wie »Trüffeltourismus« folglich<br />

gar nicht zu denken. Weswegen es<br />

durchaus plausibel ist, dass sich, vor<br />

allem in sammeltechnisch weniger<br />

guten Jahren, die Händler vom Albeser<br />

Trüffel-Markt mit den billigeren Pilzen<br />

von der Adria-Halbinsel versorgten,<br />

nur um sie um teures Geld in ihrer<br />

Heimat weiter zu verkaufen. Doch<br />

diese Zeiten sind längst vorbei.<br />

Denn auch nach Istrien reisen inzwischen<br />

Trüffel Begeisterte aus aller<br />

Welt, um in den Monaten von Oktober<br />

bis Januar in den lokalen Konobas<br />

Fleisch- und Pasta-Gerichte mit der<br />

begehrten Weißen Trüffel zu essen.<br />

Zudem werden auch hier längst Kurse<br />

angeboten, bei denen man lernt, wie<br />

damit in der Küche umzugehen ist,<br />

beziehungsweise die beliebten Trüffel-<br />

Touren mit trainierten Hunden.<br />

Trüffel ist nicht gleich Trüffel.<br />

Gründe, um ihre Pilze an die piemontesischen<br />

Kollegen zu verkaufen,<br />

haben die Istrier also keine mehr. Zumal<br />

die Ausbeute gerade in den letzten<br />

Jahren nicht gerade ausgiebig ausfiel.<br />

Das wiederum liegt an den trockenen<br />

<strong>Herbst</strong>en und Wintern, die in Istrien,<br />

wie im gesamten Mittelmeerraum,<br />

immer öfter vorkommen. Zu wissen<br />

ist aber auch, dass es von den knapp<br />

hundert Trüffelsorten, die es weltweit<br />

gibt, gleich vier auf der Adria-Halbinsel<br />

heimisch sind. Was bedeutet,<br />

dass man hier nahezu das ganze Jahr<br />

über Trüffel essen kann.<br />

Unter diesen gilt die Weiße Trüffel,<br />

also die sogenannte Alba-Trüffel, freilich<br />

als die geschmacklich intensivste,<br />

seltenste und teuerste. Sie kommt<br />

ausschließlich von Oktober bis Ende<br />

Dezember, in manchen Jahren und je<br />

nach Witterung auch noch im Jänner<br />

vor. Gekocht werden darf sie nicht.<br />

Vielmehr entfaltet sie ihren Geschmack<br />

am besten, wenn sie roh<br />

über warme Speisen gehobelt wird.<br />

Mit ihren weitaus billigeren schwarzen<br />

Verwandten, von denen sich eine<br />

(Tuber aestivum) auch in den Sommermonaten<br />

findet, verhält es sich<br />

indessen völlig konträr. Sie gehören<br />

erhitzt, beziehungsweise mitgekocht,<br />

um ihren Geschmack an die Speisen<br />

abzugeben. Und wenn man das richtig<br />

macht, werden auch sie zu einer absoluten<br />

Delikatesse. Und zwar zu einer,<br />

im Vergleich zur Weißen, bisweilen<br />

ums zehnfache billigeren. Wird sie<br />

allerdings, wie das immer wieder vorkommt,<br />

einfach nur über die Speisen<br />

gehobelt, dient sie lediglich dazu, den<br />

unwissenden Gast zu beeindrucken<br />

und ist ihr Geld nicht wert. Denn diese<br />

Art des Umgangs ist ausschließlich<br />

jener edlen Sorte vorbehalten, die sie<br />

Alba-Trüffel nennen. Auch wenn die in<br />

Alba – im Unterschied zu Istrien – gar<br />

nicht vorkommt.<br />

7


8<br />

Text: Martin G. Wanko


Die Nachhaltigkeit alleine wird<br />

nicht reichen, wenn wir die<br />

Klimaziele 2030 erreichen wollen.<br />

Die Radikalen sperren zu. In Graz haben die Unverpacktläden<br />

»Das Gramm« und »Das Dekagramm« ihre Pforten<br />

geschlossen, in Wien folgte nun die »Fleischloserei«, die<br />

einzige Fleischerei Österreichs ohne Fleisch – aber die<br />

Zukunft lauert bereits und lächelt uns ins Gesicht. Zwei<br />

sehr konsequente Unternehmen, die es nicht geschafft<br />

haben, in die schwarzen Zahlen zu kommen. Zwar wird<br />

es bestritten, aber die Nachfrage dürfte nicht ausreichend<br />

gewesen sein, oder die Affinität gerade junger Leute, mit<br />

zu geringer Kaufkraft, war als Hauptkundschaft nicht<br />

ausreichend.<br />

E-Autos: Die Reichweite macht das Rennen.<br />

Andererseits ist die Idee der Nachhaltigkeit bei der breiten<br />

Masse längst angekommen. Die Neuzulassungen der<br />

strombetriebenen Autos machen im Frühjahr <strong>2023</strong> rund<br />

20 % aus, damit übersteigt man bereits die dieselbetriebenen<br />

Fahrzeuge. Und natürlich darf die Frage gestattet sein,<br />

ob ein Auto jemals nachhaltig sein kann, nimmt doch die<br />

Erzeugung gewaltig Ressourcen in Anspruch und ist der<br />

Individualverkehr mit dem PKW eigentlich einer der größten<br />

Sargnägel einer ausgeglichenen Klimabilanz. Aber die<br />

Zeiten des strikten Öko-Fundamentalismuses sind einer<br />

gesunden Realitätswahrnehmung gewichen. Grüne Steiermark<br />

Klubobfrau Sandra Krautwaschl dazu im <strong>40plus</strong>-<br />

Gespräch: »Für mich ist das ›nachhaltigste‹ Auto derzeit ein<br />

E-Carsharing-Auto. Ich nutze e-Carsharing, wenn ich keine<br />

Möglichkeit habe, mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit dem<br />

Fahrrad zu fahren.« Ein Trend, dem junge, urbane Stadtbewohner<br />

folgen, die ansonsten bewusst auf ein Auto<br />

verzichten.<br />

Das größte Hindernis scheinen sicher noch die Langstrecke,<br />

verbunden mit dem Netz der Ladestationen, zu<br />

sein, aber auch hier gehen die Entwicklungen rasant in<br />

die richtige Richtung: Laut Europaparlament will man das<br />

ehrgeizige Vorhaben, die CO2-Emission durch Verbrennermotoren<br />

bis 2025 um 50 % zu reduzieren, mitunter durch<br />

eine Million Ladestationen in ganz Europa realisieren.<br />

Bleibt noch die Reichweite: Beim ÖAMTC verweist man auf<br />

eine Studie des Fraunhofer-Instituts, die besagt, dass durch<br />

eine Verringerung des Energieverbrauchs durch Elektronik,<br />

Leichtbau etc., es bei gleichem Batterieplatzbedarf zu<br />

einer Verdopplung der Reichweite bis 800 Kilometer in den<br />

kommenden zehn Jahren kommen könnte.<br />

Eineinhalb Blatt Wurst.<br />

Natürlich kann man jetzt fragen, ist ein Urlaub im Ausland<br />

jemals nachhaltig, geht er doch mit einer längeren Anreise,<br />

zumeist mit Flugzeug und einer Zerstörung von Ressourcen<br />

(Hotels und Infrastruktur) einher. Andererseits lehnen<br />

nur 4 % aller Österreicher*innen der Umwelt zur Liebe<br />

Urlaubsreisen ab. Als sinnvolle Alternative zum Massentourismus<br />

bringen immer mehr Touristiker den sanften<br />

Tourismus ins Spiel.<br />

Es sollte also ein nachhaltiges Hotel anvisiert werden. Ich<br />

hatte die Ehre letzten Sommer eines im französischen<br />

Elsass zu besuchen, welches auf der Booking.com Seit,e<br />

bezüglich der Nachhaltigkeit mit drei Sternen bewertet<br />

wurde. Das fängt bei einem unversiegelten Gästeparkplatz<br />

an, Aufzug gab es keinen, geht mit einer Photovoltaik-Anlage<br />

weiter und hört bei einem Frühstück auf, welches<br />

ausschließlich aus Demeter-Produkten bestand, aber nicht<br />

nur das: Zum Frühstück gabs (neben reichlich Obst, Brot<br />

und Joghurt) pro Gast eineinhalb Blätter Wurst und zwei<br />

Stückchen Käse, in der Größe von Manner-Schnitten.<br />

»Unsere Überzeugung bezüglich der Nachhaltigkeit muss auch<br />

in der Reduktion spürbar sein«, antwortete mir die Leitung<br />

freundlich, aber bestimmt. Ich stelle mir hier den<br />

durchschnittlichen europäischen Pauschaltouristen<br />

vor und habe sofort ziemlich krasse Bilder im<br />

Kopf. Beobachtete ich hingegen die anderen<br />

Hotelgäste, sie benehmen sich relativ<br />

natürlich, und im Grunde fand ich das<br />

Hotel auch richtig gut so.<br />

Es wird wichtig sein, die Allgemeinheit<br />

nicht nur von<br />

nachhaltiger, biologischer<br />

Nahrung, Demeter, BIO<br />

oder sonst noch etwas,<br />

zu überzeugen, Levels<br />

gibt es ja genug, die<br />

Reduktion, vielleicht<br />

nicht so extrem wie erlebt,<br />

wird zukünftig eine<br />

elementare Rolle spielen. Sich<br />

mit Billigfood bis zum Umfallen<br />

vollfressen, wird es nicht spielen.<br />

Das ist nur der halbe Weg.<br />

9


Text: Martin G. Wanko<br />

© ORIGINALFOTO: PEXELS/COTTONBRO STUDIO<br />

10


Wenn die Zeiten herausfordernder<br />

werden, wird der Ruf nach<br />

der »guten alten Zeit« laut.<br />

Seit der Industriellen Revolution wird<br />

von der »guten alten Zeit« gesprochen.<br />

Das nur vorab. Ich finde, 20 Jahre<br />

zurückzudenken hat etwas, das wäre<br />

aus heutiger Sicht 2003. Da wären wir<br />

jetzt in Graz zum Beispiel, mitten im<br />

Kulturhauptstadtjahr 2003. Ob man<br />

jetzt dieses Großevent mag oder nicht<br />

– man muss zugeben, dass in Sachen<br />

Kultur hier sehr viele nach Graz geschaut<br />

und Graz besucht haben. Auch<br />

die nächsten Jahre ist noch eine auffallende<br />

Zahl an Besuchern, aufgrund des<br />

Kulturjahres, nach Graz gekommen.<br />

Das Marketing-Konzept ist also wirklich<br />

aufgegangen. Das war nachhaltig.<br />

2003 wurde das Wort Nachhaltigkeit<br />

noch nicht so oft verwendet, so gesehen<br />

war es auch noch nachhaltig.<br />

Aus One wurde Orange<br />

und aus Orange wurde 3<br />

Was war noch? Der GAK ist in der<br />

Saison 2003/04 Österreichischer Fußballmeister<br />

geworden und Sturm als 9.<br />

fast abgestiegen. Ob das jetzt wirklich<br />

gut oder schlecht für die Roten war, ist<br />

schwierig zu beurteilen. Tatsache ist,<br />

der GAK ist ja wieder auf dem Weg zurück<br />

zu alter Stärke und Sturm wieder<br />

ganz oben. Damals hat es bereits SMS<br />

gegeben, aber noch nicht »fast« kostenlos<br />

von der Stange, doch Bluetooth<br />

war so gut wie neu. Es gab noch keine<br />

Smartphones, zumindest nicht so weit<br />

verbreitet, so auch nix zum Wischen,<br />

es war eher die Zeit, wo die Handys<br />

noch klein gehalten waren. Telefoniert<br />

habe ich damals mit dem Anbieter One.<br />

Aus dem wurde dann Orange und aus<br />

Orange wurde 3.<br />

Dramen in der Telefonzelle<br />

Es hat noch Telefonzellen gegeben,<br />

in denen tatsächlich telefoniert<br />

wurde. Für die Jüngeren: Das sind<br />

diese Kästen mit Schwingtür, wo ein<br />

Telefonapparat mit einem Hörer angebracht<br />

ist. Will man telefonieren,<br />

hebt man ihn ab, wirft Geld in den<br />

vorgesehenen Schlitz und wartet auf<br />

das Freizeichen. Dann wählt man die<br />

gewünschte Nummer. Falls es eine<br />

Festnetznummer ist, braucht man<br />

eine Vorwahl dazu. Manchmal war ein<br />

regelrechter Run auf Telefonzellen.<br />

Hörte einer auf zu telefonieren, betrat<br />

schon der nächste das Häuschen und<br />

sprach in den gleichen Hörer, wie die<br />

vor ihm, ohne da viel mit Desinfektiontüchern<br />

herumzuwischen. Damals<br />

hatte man auch noch eine geringere<br />

Angst vor Keimen und Viren. Ich sag<br />

das nur so, in Zeiten von Covid und Co.<br />

Vielleicht standen sich die Menschen<br />

damals noch näher, als es heute von<br />

Nöten ist. Vielleicht grauste man sich<br />

auch weniger von einander oder dachte<br />

einfach nicht mit.<br />

Bevor das Handy erfunden wurde,<br />

spielten sich manchmal auch echte<br />

Dramen in der Telefonzelle ab. Es war<br />

ja oft der einzige Ort, an dem man<br />

sich zurückziehen konnte, wenn das<br />

einzige Telefon im Haushalt, ein Festnetz,<br />

auf einem zentralen Platz stand<br />

und Telefonate von jedem mitgehört<br />

wurden. Fast unangenehm war einem<br />

dann das Warten außerhalb der Zelle,<br />

da man regelrecht spürte, dass hier<br />

etwas zu Ende ging und schon stand<br />

eine Person mit Tränen in den Augen<br />

vor einem. No jo. Taschentuch gefällig?<br />

Mehr Zeit zum Zeit haben<br />

Also WLAN gab es keines und Internet<br />

(fast) nur auf dem PC. Die Laptops<br />

waren noch Mangelware und oft gab<br />

es pro Haushalt nur einen PC, wenn<br />

überhaupt. Das riecht alles nach der<br />

einen Sache: Zeit haben. Damals hatte<br />

man noch mehr Zeit, zum Beispiel<br />

zum »Profil« und »Spiegel« lesen,<br />

Magazine für Politik, Gesellschaft,<br />

Wirtschaft und Kunst. Gibt es auch<br />

heute noch, nur schaut (fast) keiner<br />

mehr hinein. Wahrscheinlich weil<br />

Entertainment gegenüber Wissen gesiegt<br />

hat. Heute ist es schon viel, wenn<br />

orf.at gelesen wird, das gab es übrigens<br />

2003 auch schon. Also, ich glaube, man<br />

wurde 2003 weniger abgelenkt. Anders<br />

ausgedrückt: Die Industrie hatte noch<br />

nicht so gute Möglichkeiten uns vom<br />

Denken abzulenken.<br />

1.000 Dinge fallen mir mittlerweile<br />

ein. Früher durfte man noch fast überall<br />

rauchen. Gedampft hat es maximal<br />

aus der Kühlerhaube im Sommer.<br />

Fleisch aß man, wie verrückt: Motto:<br />

Zuviel ist nie genug und günstiger geht<br />

immer. Greenpeace fuhr mit Schiffen<br />

über das Meer und hielt Walfischfänger<br />

auf, heute klebt man sich auf<br />

der Straße fest. Die Liste kann endlos<br />

fortgesetzt werden.<br />

Damals wartete man auch noch auf<br />

eine neue Software bei den Anbietern,<br />

oder auf Hüllen, ließ das Handy<br />

schnell richten, oder kaufte diverses<br />

Zubehör, das heute per Post ins Haus<br />

kommt. Da hatte man tatsächlich noch<br />

mehr Kontakt zum Mobilfunkanbieter.<br />

In diesem Umfeld ist mir eine Beziehung<br />

aufgefallen, zwischen einem Mitarbeiter<br />

bei One und einer Mitarbeiterin<br />

beim Saturn, der mittlerweile im<br />

Media Markt aufgegangen ist. Die zwei<br />

trafen sich immer auf Rauchpausen<br />

im Café neben dem One-Shop. Das<br />

ging jahrelang so, bis eines Tages der<br />

One-Shop weg war und der Typ auch.<br />

Das Mädchen war dann noch manchmal<br />

alleine rauchen, nicht mehr im<br />

Café, sondern vor dem Dacheingang<br />

des Shoppingcenters, wo bis heute ein<br />

großer, glosender Aschenbecher steht.<br />

Dann war das Mädchen auch dort<br />

nicht mehr zu sehen. Vielleicht hat sie<br />

auch nur zum Rauchen aufgehört.<br />

11


© STEIERMARK TOURISMUS | TOM LAMM<br />

ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG<br />

12


ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG<br />

Die Steiermark,<br />

eine wahrhaftige<br />

Gastgeberin.<br />

steiermark.com<br />

Vielseitig – einzigartig, geradlinig –<br />

kurvenreich, energisch – introvertiert:<br />

Die Steiermark ist ein Land<br />

der Gegensätze und Gegensätze<br />

ziehen sich bekanntlich an. Vom<br />

Dachstein bis in die Südsteiermark,<br />

von Bad Aussee bis Bad Radkersburg:<br />

Einatmen, inhalieren, in sich<br />

aufnehmen, sich wohlfühlen.<br />

So geht die Steiermark.<br />

Schöner geht es nicht, oder? Hinein in den Schnee und<br />

ab geht die Post, inklusive Hüttenzauber und Genusskulinarik.<br />

Aber die Zeiten sind im steirischen Bergland<br />

lange nicht stehengeblieben. Der Nachhaltigkeit wird hier<br />

nach Möglichkeit Rechnung getragen; so kann man in die<br />

größeren Skigebiete mit der Bahn anreisen und auch die<br />

letzte Meile ist infrastrukturell top ausgestattet. Skier und<br />

Ausrüstung kann man vor Ort mieten und sorgt so für eine<br />

angenehmere Anreise. Mit nachhaltig gebauten und betriebenen<br />

Unterkünften steht dem Skibegeisterten nichts<br />

mehr im Wege. Natürlich auch ein gutes Gefühl für den<br />

Skiurlaub, einen großen Bogen um den Flughafen gemacht<br />

zu haben und so den persönlichen CO 2<br />

-Abdruck gering zu<br />

halten.<br />

Aber das ist noch lange nicht alles! In einer urbanisierten<br />

Gesellschaft ist der regionale Winterurlaub oft die einzige<br />

Möglichkeit, mit einer winterlichen Landschaft, Brauchtum<br />

und Kultur im ländlichen Raum in Kontakt zu treten<br />

und so die Steiermark als Gesamtes wahrzunehmen.<br />

Auch hier machen die örtlichen Tourismusregionen<br />

einen Schritt in die gelebte Nachhaltigkeit. Ressourcenschonende<br />

Beschneiungssysteme auf der Planai sowie<br />

ein ökologisch abgestimmter Pistenbau, oder dem<br />

Wasserkraftwerk in Donnersbach, das die gesamte<br />

Infrastruktur mit Strom versorgt und sogar ins Netz<br />

eingespeist, bis hin zu umweltfreundlichen Berghütten…<br />

Hier steht längst ein System aus Geben und Nehmen im<br />

Vordergrund.<br />

Schafalm auf der Planai.<br />

© STEIERMARK TOURISMUS | HARRY SCHIFFER<br />

13


AUFGUSSLITER 1.263:<br />

WOHLTUEND WIE BEIM<br />

ERSTEN TROPFEN.<br />

ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG<br />

Das ist rekordverdächtig: Tausende wohltuende<br />

Aufgussliter verdampfen in unseren Saunen, und<br />

mit jedem Tropfen verdampfen auch Stress und<br />

Anspannung. Was bleibt: Erholung pur, zusätzlich<br />

unterstützt von unserem heilenden Thermalwasser.<br />

Thermenresort Loipersdorf: Ein Ort,<br />

der rekordverdächtig wunschlos glücklich macht.<br />

14


ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG<br />

EINE NEUE ÄRA<br />

BEGINNT<br />

Interview: Julia Strempfl<br />

AM SALZSTIEGL<br />

© SALZSTIEGL TOURISMUS GMBH<br />

Mitmachen<br />

und gewinnen!<br />

Mit etwas Glück gewinnen Sie eine von<br />

30 Liftkarten für die bevorstehende<br />

Skisaison. Die <strong>40plus</strong>-Redaktion drückt die<br />

Daumen. Jetzt mitspielen unter:<br />

<strong>40plus</strong>-magazin.com/salzstiegl-gewinnspiel<br />

Nach 30 Jahren wurde das weststeirische Skigebiet verkauft und dem<br />

neuen Eigentümer Robert Hammerl anvertraut. Mit der <strong>40plus</strong>-Redaktion<br />

spricht er über seine Pläne für die Zukunft des »sanften« Tourismusgebiets.<br />

Herr Hammerl, Sie planen einige<br />

Modernisierungen. Worauf darf<br />

man sich in Zukunft bei einem<br />

Besuch am Salzstiegl freuen?<br />

Die Familie Kaltenegger hat das Erlebnisgebiet<br />

30 Jahre lang erfolgreich<br />

geführt und zu dem gemacht, was es<br />

heute ist. Wir sehen unsere Aufgabe<br />

nun darin, das Resort ganzjährig zu<br />

erhalten und laufend zu erweitern. Wir<br />

haben 10 Monate im Jahr geöffnet. In<br />

dieser Zeit soll für alle Besucher die<br />

beste Versorgung – von der Bergspitze<br />

bis ins Tal – gewährleistet sein. Gerade<br />

haben wir die Genehmigung erhalten,<br />

den Trialpark für die Sommermonate<br />

zu vergrößern und auch ein zweites<br />

Windrad wird installiert werden.<br />

Zudem arbeiten wir an vielen kleinen<br />

Verbesserungen. Schon im letzten Jahr<br />

wurde der Moasterboden erneuert und<br />

dieses Jahr legen wir mit der Renovierung<br />

der Almhütte »Kochhube« los.<br />

Die urige Hütte wird komplett neu<br />

ausgestattet und möbliert. Mit ihrer<br />

idealen Lage, nur etwa einen Kilometer<br />

vom Skigebiet entfernt, der gemütlichen<br />

Feuerstelle und einer Sauna, die<br />

in den Berg hinein gebaut ist, bietet<br />

sie eine einzigartige Eventlocation für<br />

Familienfeste oder Polterabende.<br />

Das Salzstiegl ist als Winterdestination<br />

bekannt, aber auch in den<br />

Sommermonaten stellt es ein<br />

beliebtes Wander- und Frischlufterholungsgebiet<br />

dar. Welche<br />

Attraktionen werden geboten?<br />

Ein großer Vorteil eines Skiurlaubs am<br />

Salzstiegl ist, dass sowohl für Klein als<br />

auch Groß, Anfänger als auch Könner,<br />

jede Menge Spaß geboten wird. Auf der<br />

einen Seite gibt es den Zwergenlift, wo<br />

Kinder das Skifahren erlernen während<br />

sich die Eltern in der Zwergenhütte<br />

wärmen. Auf der anderen Seite gibt es<br />

unsere Speedstrecke mit Geschwindigskeitsmessung<br />

für schnelle Abenteurer.<br />

Eine weitere Attraktion ist die<br />

Rodelbahn, die sich im Sommer in eine<br />

Rollerbahn verwandelt.<br />

Apropos Sommer, dank der günstigen<br />

Lage erwartet einen hier das perfekte<br />

Klima, um der drückenden Hitze in den<br />

Städten zu entkommen. Tagsüber erleben<br />

wir am Salzstiegl 27 °C und abends<br />

kühlt es auf angenehme 16 °C herunter.<br />

Somit bieten wir als Frischluft- & Abkühlungs-Refugium<br />

einen Ort, an dem<br />

Körper und Geist binnen kurzer Zeit<br />

zur Ruhe kommen.<br />

Wie machen Sie das Salzstiegl zu<br />

einem nachhaltigen Skigebiet?<br />

Zusätzlich zur Nutzung erneuerbarer<br />

Energie durch unser Windrad heizen<br />

wir ausschließlich mit heimischem<br />

Hackgut. Das heißt, sämtliches Holz,<br />

das nicht für industrielle Zwecke<br />

geeignet ist, wird zum Beheizen des<br />

gesamten Areals verwendet. Meine<br />

Vision ist es, auch eine Photovoltaikanlage<br />

zu installieren und ich hoffe, dass<br />

wir damit schon im nächsten Jahr in die<br />

Umsetzung gehen können.<br />

Salzstiegl<br />

Tourismus GmbH<br />

Hirschegg 241<br />

A-8584 Hirschegg<br />

info@salzstiegl.at<br />

www.salzstiegl.at<br />

15


VIELFALT<br />

DES<br />

LEBENS<br />

Entgeltliche Einschaltung des Landes Steiermark<br />

Tierwelt<br />

Herberstein<br />

29. Apr. bis<br />

5. Nov. 2O23<br />

16


Damit die Gurke<br />

nicht zur Wurst wird.<br />

Moderation:<br />

Martin G. Wanko<br />

Nachhaltigkeit geht uns alle etwas an. So sieht<br />

das auch die französische Atomkraft-Lobby. So<br />

gesehen ist es interessant, dass die Definitionen<br />

unterschiedlich sind und die Prioritäten subjektiv<br />

unterschiedlich wahrgenommen werden.<br />

Definieren Sie »Ihre« Nachhaltigkeit<br />

in maximal 50 Worten.<br />

Sandra Krautwaschl:<br />

Privat lebe ich Nachhaltigkeit,<br />

indem<br />

ich möglichst<br />

»verschwendungsfrei«<br />

lebe: Ich vermeide<br />

Müll,<br />

wo immer es<br />

geht, repariere<br />

Dinge, bevor<br />

ich sie neu kaufe,<br />

fahre mit öffentlichen<br />

Verkehrsmitteln, kaufe<br />

überwiegend Second-Hand-Ware<br />

und regional. Politisch nachhaltig<br />

sind für mich wiederum Maßnahmen,<br />

die über die Legislaturperiode hinaus<br />

ökonomisch, sozial und ökologisch<br />

sinnvoll sind.<br />

Gregor Seberg:<br />

Nachhaltigkeit ist zunächst einmal<br />

eine Frage des Bewusstseins dafür,<br />

was es braucht. Und dann kann ich<br />

Tag für Tag die Liste abarbeiten, mal<br />

mehr, mal weniger. Autofahrten reduzieren,<br />

Ressourcen sparen, Fleischkonsum<br />

eindämmen. Ziel ist es, nicht<br />

den Verzicht als etwas Besonderes zu<br />

sehen, sondern die Verschwendung.<br />

Michi Lorenz:<br />

Landwirtschaft. Ernährung. Als<br />

Demeter Winzer produziere ich zwar<br />

Sandra Krautwaschl • Abgeordnete zum Steirischen Landtag<br />

© C ROGNER/DIE GRÜNEN STMK<br />

kein Grundnahrungsmittel, versuche<br />

aber, meine Arbeit und meine<br />

Eingriffe immer fertig zu<br />

denken und als Ganzes<br />

zu sehen.<br />

Julia Zotter:<br />

Man darf<br />

nicht mehr<br />

nehmen, als<br />

nachwächst.<br />

Der Begriff<br />

ist nicht neu<br />

und kommt ursprünglich<br />

aus der<br />

Forstwirtschaft, man<br />

darf nicht mehr Holz<br />

entnehmen, als der Wald wieder<br />

nachproduzieren kann. Eigentlich<br />

ganz einfach auch auf andere Bereiche<br />

übertragbar.<br />

Markus Tomaschitz:<br />

Nachhaltigkeit bedeutet für mich,<br />

möglichst viel in Folgenabschätzung<br />

zu investieren und die bestehenden<br />

Technologien zu nutzen sowie auf das<br />

aktuelle Wissen zurückzugreifen. Es<br />

bedeutet eben nicht nur kurz- sondern<br />

mittel- und langfristig an die Folgen<br />

von Aktionen und Entscheidungen zu<br />

denken. Ich definiere Nachhaltigkeit<br />

als Sicherstellung von Zukunft.<br />

Rainer Stelzer:<br />

Nachhaltigkeit ist nicht nur die Angelegenheit<br />

Einzelner, sondern es ist das<br />

gemeinsame Wirken vieler Akteure.<br />

Sie fußt auf dem Zusammenspiel<br />

von Umwelt, Mensch und Wirtschaft.<br />

Das Verständnis für Nachhaltigkeit<br />

spiegelt sich bei Raiffeisen etwa in den<br />

eigenen Bankprodukten, der Wertschätzung<br />

langfristiger Kundenbeziehungen<br />

und im Engagement für<br />

Vereine und Organisationen wider.<br />

An welchen Bereich (betreffend<br />

Nachhaltigkeit) denken Sie als<br />

Erstes?<br />

Sandra Krautwaschl:<br />

An erster Stelle steht für mich die<br />

Kreislaufwirtschaft, für die ich mich<br />

auch politisch einsetze. Eine starke<br />

Kreislaufwirtschaft würde wesentlich<br />

dazu beitragen, dass wir deutlich weniger<br />

Ressourcen verbrauchen, weniger<br />

Treibhausgase produzieren und trotzdem<br />

unsere Lebensqualität erhalten.<br />

Gregor Seberg:<br />

Verkehr und Industrie.<br />

Julia Zotter:<br />

Nachhaltige Wirtschaft, denn damit<br />

beschäftige ich mich ja täglich. Wobei<br />

bei uns als Produktionsbetrieb die<br />

Nachhaltigkeit nicht bei der Rohstoffbeschaffung<br />

endet – klar, alle Zutaten<br />

für unsere Produkte sind Bio und fair,<br />

aber wir gehen noch einen Schritt weiter.<br />

Wir produzieren bereits 60 % des<br />

Energiebedarfs selbst, sind unabhängig<br />

von fossilen Brennstoffen und sind<br />

als Social Enterprise auch sehr bedacht<br />

17


auf das Wohl unserer Mitarbeiter.<br />

Dazu gehört jeden Tag ein gratis<br />

Bio-Mittagessen, gratis Getränke, gratis<br />

Kinderbetreuung in den Ferien und<br />

zusätzliche Sozialleistungen wie<br />

Sonderboni oder Arbeitskleidung.<br />

Markus Tomaschitz:<br />

Lebensmittelerzeugung<br />

und<br />

an Mobilität.<br />

In beiden Bereichen<br />

gab<br />

und gibt es<br />

enorme Fortschritte<br />

in der<br />

nachhaltigen<br />

Ausgestaltung.<br />

Rainer Stelzer:<br />

Nachhaltigkeit ist<br />

nicht nur wirtschaftlich<br />

sinnvoll, sondern mit Blick auf<br />

künftige Generationen sehr wichtig.<br />

Als Bank müssen wir uns mit dem<br />

Thema nicht erst anfreunden, es ist in<br />

unseren Genen tief verwurzelt. Daher<br />

kommen mir etwa ESG-Themen als<br />

erstes in den Sinn. Diese sind für die<br />

Gesellschaft und unsere Kund*innen<br />

essentiell. Hier nehmen wir eine Vorreiterrolle<br />

ein und begleiten unsere<br />

Firmenkund*innen mit Workshops bei<br />

der Transformation.<br />

Ist Bio gleichzusetzen mit<br />

nachhaltig?<br />

Sandra Krautwaschl:<br />

Ein ganz klares Nein, das ich immer<br />

gerne mit einem Beispiel untermauere:<br />

Ehrlich gesagt, wäre es zum Beispiel<br />

nachhaltiger, auf Kaffee zu verzichten,<br />

als Biokaffee zu trinken. Aber mein<br />

Kompromiss im Alltag ist: Weniger Kaffee<br />

als früher – dafür Bio und Fairtrade.<br />

Gregor Seberg:<br />

Gleichzusetzen ist es nicht. Aber es<br />

hängt in der Natur alles zusammen,<br />

somit ist »Bio« ein Teil davon.<br />

Michi Lorenz:<br />

Bio ist nicht gleich nachhaltig. Aber<br />

es ist eine gute Richtung. Jedes Bioprodukt<br />

ist jedem konventionell<br />

Gregor Seberg • Schauspieler<br />

© JAN FRANKL<br />

hergestelltem Produkt vorzuziehen.<br />

Julia Zotter:<br />

Nein, ganz klar nicht – denn echte<br />

Nachhaltigkeit geht noch einen Schritt<br />

weiter, über die Produkte hinaus – in<br />

alle Bereiche des Unternehmens<br />

und des Lebensbereichs.<br />

Bio zertifiziert ein<br />

Produkt, die Qualität<br />

der Rohstoffe, aber<br />

nicht die Herstellungsweise.<br />

Markus<br />

Tomaschitz:<br />

Nicht zu 100 %,<br />

aber grundsätzlich<br />

sollte die<br />

Bezeichnung BIO eine<br />

Richtung und eine Einschätzung<br />

sein, die für Konsumenten<br />

hilfreich sein sollte.<br />

Rainer Stelzer:<br />

Nachhaltig zu denken, heißt auch immer<br />

an morgen und eine lebenswerte<br />

Zukunft zu denken. Wenn Bio-Standards<br />

dazu beitragen, dann sind sie<br />

nachhaltig. Zumal Bio-Produkte oft<br />

ressourcenschonender produziert werden<br />

und daher die Umwelt schonen.<br />

Dennoch gilt es vor diesem Hintergrund<br />

auch immer die Transportwege<br />

im Auge zu behalten.<br />

So nebenbei: Ist die Bio-Flug-<br />

Mango noch nachhaltig?<br />

Sandra Krautwaschl:<br />

Für mich gibt es kein nachhaltiges<br />

Produkt »per se«. Es kommt immer auf<br />

die Alternative an. Wissenschaftlich<br />

unumstößlich ist jedenfalls: Pflanzliche<br />

Ernährung ist um ein Vielfaches<br />

nachhaltiger als tierische Ernährung<br />

– in Bezug auf Flächenverbrauch,<br />

Wassernutzung oder CO 2<br />

-Emissionen.<br />

Gregor Seberg:<br />

Natürlich nicht. Mangos aus Übersee<br />

sind ein vertrotteltes Verbrechen.<br />

Michi Lorenz:<br />

Was den Boden in dem jeweiligen Erzeugerland<br />

betrifft schon. Ob wir sie<br />

hier bei uns brauchen, ist eine andere<br />

Frage. Man sollte sich sowieso fragen,<br />

ob man alles immer braucht. Früher<br />

hatten die Leute nur das am Tisch, was<br />

gerade im Garten gewachsen ist. Viele<br />

Top-Gastronomiebetriebe arbeiten<br />

wieder nach diesen Prinzipien und das<br />

ist gut so.<br />

Julia Zotter:<br />

Ganz klar nein, ist sie nicht. Da muss<br />

man auch nichts beschönigen. Wir<br />

testen gerade eine Transportalternative<br />

per Segelfracht für Kakaobohnen aus<br />

Belize, das ist CO 2<br />

-neutral, dauert allerdings<br />

mehrere Monate bis das Schiff<br />

wieder in Hamburg einläuft, das ist keine<br />

Option für Frischware wie Früchte.<br />

Markus Tomaschitz:<br />

Nein, und das wird es auf lange Sicht<br />

auch nicht sein.<br />

Rainer Stelzer:<br />

Die Aufgabe den Klimawandel zu stoppen,<br />

ist für viele Menschen oft mit dem<br />

Gefühl von Einschränkung und Verzicht<br />

verbunden. Vielmehr sollten sich<br />

Entscheidungsträger die Frage stellen,<br />

wie man Lebensstandards halten kann,<br />

ohne dabei den Planeten zu belasten.<br />

Viele Menschen arbeiten bereits aus<br />

einer eignen Motivation heraus daran.<br />

Es werden etwa schon viele Tropenfrüchte<br />

wie Melone oder Kiwi von<br />

findigen Landwirt*innen in Österreich<br />

auf nachhaltige und innovative Weise<br />

angebaut – vielleicht folgt bald die<br />

nachhaltige Bio-Mango aus Österreich.<br />

Es gibt teilweise Internet-Seiten,<br />

die weisen auf über 30 verschiedene<br />

Siegeln hin, nicht alle sind<br />

einwandfrei. 75 % der Bevölkerung<br />

ist das zu viel. Soll es ein national/international<br />

anerkanntes<br />

Nachhaltigkeitssiegel geben?<br />

Sandra Krautwaschl:<br />

Wenn man dafür klare und nachvollziehbare<br />

Kriterien definieren könnte,<br />

wäre das auf jeden Fall sinnvoll.<br />

Gregor Seberg:<br />

Das ist dann genau so unzuverlässig<br />

wie die vielen anderen. Nein, der<br />

18


Mensch sollte nachdenken und letztlich<br />

ohne Siegel auskommen.<br />

Michi Lorenz:<br />

Greenwashing ist ein großes Problem.<br />

Beim Einkauf ist es auch ganz schwierig<br />

zu erkennen, wie und wo gewisse<br />

Dinge produziert bzw. verarbeitet<br />

wurden. Ich achte bei vielen Dingen<br />

auf das EU-Bio-Siegel und bevorzuge<br />

natürlich Demeter-Produkte. Diese<br />

gibt es auf der ganzen Welt. Nicht<br />

überall leicht zu finden, aber zur Not<br />

kann man auch am Computer recherchieren.<br />

Julia Zotter:<br />

Nein, denn das wäre der kleinste gemeinsame<br />

Nenner, damit möglichst<br />

viele das Siegel bekommen. Das macht<br />

aber keinen Sinn. Ein Siegel macht<br />

nur dort Sinn, wo nachweislich nach<br />

messbaren Kriterien zertifiziert wird.<br />

Wie bei Bio. Da kann man sich darauf<br />

verlassen, dass keine Pestizide oder<br />

andere Verunreinigungen im Produkt<br />

sind. Der beste Weg ist Transparenz,<br />

wenn Unternehmen deklarieren, wo<br />

Rohstoffe herkommen, Lieferanten<br />

nennen und Fragen von kritischen<br />

Konsumenten ehrlich beantworten.<br />

Wir gehen mit diesen Informationen<br />

sehr offen um und stehen gerne für<br />

Rückfragen unserer Kunden zur Verfügung.<br />

Markus Tomaschitz:<br />

Ja, man muss die Komplexität hier<br />

reduzieren und es den Konsumenten<br />

leichter machen. Die Gütesiegelindustrie<br />

verdient zwar prächtig mit immer<br />

neuen Bezeichnungen, wertschöpfend<br />

und wertschätzend ist das aber alles<br />

nicht. Weniger wäre hier mehr.<br />

Rainer Stelzer:<br />

Ich denke, wir sollten uns weniger auf<br />

Siegel stützen und vielmehr allgemein<br />

gültige Richtlinien für die verschiedenen<br />

Bereiche festlegen. Im Finanzbereich<br />

schafft etwa die EU-Taxonomie<br />

ein einheitlichen Nachhaltigkeitsverständnis.<br />

Sie legt Definitionen fest, bei<br />

denen wirtschaftliche Tätigkeiten als<br />

ökologisch nachhaltig geregelt werden.<br />

Kann ein Automobil nachhaltig<br />

sein?<br />

Sandra Krautwaschl:<br />

Es kommt darauf an, wie und wofür<br />

man es einsetzt und welche Alternativen<br />

es gibt. Um das wieder mit einem<br />

persönlichen Beispiel zu erklären: Für<br />

mich ist das »nachhaltigste« Auto derzeit<br />

ein E-Carsharing-Auto. Ich nutze e-<br />

Carsharing, wenn ich keine Möglichkeit<br />

habe, mit öffentlichen Verkehrsmitteln<br />

oder mit dem Fahrrad zu fahren.<br />

Gregor Seberg:<br />

Ich bin kein Experte, aber ich glaube<br />

nein. Vielleicht in Zukunft?<br />

Michi Lorenz:<br />

Ich denke, da gibt es viele Fehler im<br />

System. Ob Verbrenner, Elektro,<br />

Wasserstoff ist nicht das<br />

größte Problem.<br />

Muss man jeden<br />

einzelnen Teil<br />

von A nach<br />

B transportieren,<br />

um eine Beschichtung<br />

zu machen<br />

oder bei<br />

einem Scheinwerfer<br />

einen<br />

kleinen Teil einzubauen,<br />

um es dann<br />

wieder tausende Kilometer<br />

zur nächsten Station zu bringen?<br />

Julia Zotter:<br />

Nein, jeder nicht gefahrene Kilometer<br />

im Individualverkehr ist besser. Verkehr<br />

ist immer kritisch zu betrachten,<br />

denn es werden immer Ressourcen<br />

verbraucht. Dennoch sollte Mobilität<br />

möglich sein. Der Ausbau des öffentlichen<br />

Verkehrs ist ein wichtiger Schritt,<br />

das Bahnnetz muss viel stärker ausgebaut<br />

werden. Alternativen schaffen,<br />

anders geht es nicht.<br />

Markus Tomaschitz:<br />

Das hängt von der Entstehung und<br />

der Nutzung ab. Es gibt heute eine<br />

weitgehend emotionalisierte Debatte<br />

über ein Verbrennermotor-Verbot, die<br />

Michi Lorenz • Demeter-Winzer<br />

nicht hilfreich ist. In der Stadt werde<br />

ich andere Verkehrsmittel nutzen<br />

als am Land. Nachhaltigkeit bedeutet<br />

auch Eigenverantwortung in der<br />

Nutzung – muss ich jeden Meter mit<br />

dem Auto fahren und wann nutze ich<br />

Fahrrad, Öffis oder gehe zu Fuß? Die<br />

größte Nachhaltigkeit beim Automobil<br />

erreiche ich über eine Technologieoffenheit<br />

und nicht über Verbote, denn<br />

der Wunsch der Menschheit nach<br />

individueller Mobilität bleibt ja.<br />

Rainer Stelzer:<br />

Ja, ein Auto kann nachhaltig sein,<br />

Raiffeisen beschäftigt sich seit geraumer<br />

Zeit daher mit Green Mobility.<br />

Wir sind etwa Partner vom<br />

Mobilitätscluster ACstyria, der sich<br />

mit zukunftsweisenden Mobilitätskonzepten<br />

beschäftigt. In diesem Feld<br />

hat sich auch Raiffeisen-Leasing<br />

stark positioniert. Und wir<br />

unterstützen ferner<br />

Start-ups bei der Umsetzung<br />

Ihrer Geschäftsidee<br />

sofern<br />

es uns möglich ist<br />

und sind somit<br />

ein wichtiger<br />

Multiplikator<br />

und Pionier für<br />

die E-Mobilität und<br />

E-Mobilitätskonzepte<br />

in Österreich.<br />

© APRESVINO.AT<br />

Kann Ihrer Ansicht »PET<br />

Recycled« jemals nachhaltig<br />

sein? Immerhin sind Mineralöle<br />

ihre Ausgangsbasis. (Wird auf<br />

ISPO als nachhaltig gehandelt)<br />

Sandra Krautwaschl:<br />

Wenn ich – aus welchen Gründen auch<br />

immer – PET verwenden möchte,<br />

dann ist die recycelte Variante sicher<br />

besser. Wirklich nachhaltig wäre es<br />

aber erst, wenn wir ein dauerhaftes<br />

Kreislaufsystem hätten, in dem keine<br />

neuen Mineralöle mehr zugeführt<br />

werden müssen.<br />

Gregor Seberg:<br />

Wohl nicht. Aber besser recyclen als<br />

wegwerfen.<br />

19


Michi Lorenz:<br />

Ich kenne mich zu wenig mit PET-<br />

Recycling aus bzw. habe da keinen<br />

Einblick. Im Weinbau wird oft über<br />

die Flasche diskutiert. Die sind schwer<br />

und verbrauchen in der Produktion viel<br />

Energie. Auch der Transport hinterlässt<br />

einen Fußabdruck. Deswegen haben<br />

wir uns entschlossen nur mehr Leichtflaschen<br />

zu verwenden, um zumindest<br />

einen Teil zu reduzieren. Bag in Box und<br />

Dosen sind da sicher besser in der Ökobilanz.<br />

Da gibt es schon erste Versuche.<br />

Julia Zotter:<br />

Nachhaltig muss auch heißen, dass<br />

Materialien wiederverwendet werden<br />

können und idealerweise in<br />

die Kreislaufwirtschaft<br />

Eingang finden.<br />

Plastik, wenn es<br />

gut wiederverwertbar<br />

ist, ist<br />

ein tolles, versatiles<br />

Material.<br />

Aber die<br />

Problematik<br />

des Recycling<br />

muss gelöst<br />

werden.<br />

Markus Tomaschitz:<br />

Solange man auf Plastik<br />

im Allgemeinen zurückgreifen<br />

muss, weil es ja auch Vorteile hat, ist<br />

es jedenfalls die bessere Alternative.<br />

Aber nachhaltig im engeren Sinne ist<br />

es wohl nicht.<br />

Rainer Stelzer:<br />

Hier kann das Nachhaltigkeitskonzept<br />

»Reduce, Reuse, Recycle« angewendet<br />

werden. Wiederverwendung und<br />

Aufbereitung sind grundsätzlich<br />

immer zu befürworten – es ist wichtig,<br />

Materialien im Kreislauf zu halten, das<br />

reduziert Müll und mindert Ressourcenverbrauch.<br />

Ist eine Durch- und Durch-Nachhaltigkeit<br />

bei Handelsgütern<br />

(Erzeugung, Verpackung,<br />

Transport) realistisch?<br />

Sandra Krautwaschl:<br />

Meines Erachtens ist der Begriff<br />

Markus Tomaschitz • AVL-Konzernsprecher<br />

©TONI MUHR<br />

»Nachhaltigkeit« zu unscharf, um diese<br />

Frage seriös beantworten zu können.<br />

Jedenfalls ist es nicht zielführend, die<br />

heutige Form des Wirtschaftens, die<br />

eine unglaubliche Verschwendung<br />

von Ressourcen und Energie mit sich<br />

bringt, beizubehalten. Damit berauben<br />

wir uns unserer Lebensgrundlagen<br />

und bereiten den Boden für Verteilungskämpfe<br />

auf.<br />

Gregor Seberg:<br />

Nein, aber wir müssen uns das als Ziel<br />

stecken, um dieser Vorstellung möglichst<br />

nahe zu kommen. Nachhaltigkeit<br />

ist lebensnotwendig, also muss sie<br />

sexy werden bei jenen, die die Hebel<br />

in der Hand haben. Schade, ist aber<br />

wohl so.<br />

Michi Lorenz:<br />

Wir exportieren<br />

mittlerweile über<br />

80 %. Von Japan,<br />

über Mexiko, bis<br />

nach Brasilien.<br />

Klar wäre es<br />

mir lieber, wir<br />

produzieren in<br />

der Südsteiermark<br />

und unsere Produkte<br />

werden in der gesamten<br />

Steiermark konsumiert, doch<br />

leider müssen auch wir wirtschaftlich<br />

denken und so unsere Märkte finden.<br />

Wir achten darauf, dass wir hier einen<br />

guten fruchtbaren Boden für die<br />

nächsten Generationen hinterlassen<br />

und versuchen, wie bereits erwähnt,<br />

bei Flaschen den Fußabdruck zu<br />

reduzieren.<br />

Julia Zotter:<br />

Ja!!! – ganz sicher – und bitte auch den<br />

Aspekt Reparierbarkeit und Wiederverwertung/Recycling<br />

berücksichtigen.<br />

Markus Tomaschitz:<br />

Nein, aber das Prinzip des geringsten<br />

Mitteleinsatzes führt zumindest<br />

in die richtige Richtung. Regionale<br />

Einkaufsverbünde haben da viel Positives<br />

bewirkt. In Summe muss jedes<br />

Unternehmen heute die Lieferketten<br />

im Auge haben – Corona sowie die<br />

Schwierigkeiten im Suez- und jüngst<br />

im Panamakanal zeigen die Fragilität<br />

auf. Ich kenne aber kein Unternehmen,<br />

dass sich derzeit keine Gedanken über<br />

die Lieferketten macht und nicht versucht,<br />

die Vorgaben zu mehr Nachhaltigkeit<br />

aktiv zu leben.<br />

Rainer Stelzer:<br />

Die Kreislaufwirtschaft wird noch ein<br />

wichtiger Aspekt in diesem Bereich<br />

werden, die Produktion muss vornherein<br />

geplant und konstruiert werden.<br />

Generell sind lokalproduzierte Waren<br />

zu bevorzugen, da sie einerseits die<br />

heimische Wirtschaft unterstützen<br />

und gleichzeitig das Klima schonen.<br />

Klimawandel, Nachhaltigkeit,<br />

Regionalität, das geht ja alles<br />

Hand in Hand. Wo soll zuerst<br />

angepackt werden?<br />

Sandra Krautwaschl:<br />

Wir müssen dort ansetzen, wo wir<br />

soziale, ökonomische und ökologische<br />

Vorteile für die Menschen direkt<br />

sichtbar und attraktiv machen können.<br />

Hier sehe ich Potenziale im öffentlichen<br />

Verkehr oder in der Erhaltung<br />

von Naherholungsgebieten. Auch<br />

Zusammenschlüsse von regionalen<br />

Bio-Direktvermarktern, wie es sie vereinzelt<br />

schon gibt, sind ein gutes Beispiel.<br />

Was für mich auf Landesebene<br />

ganz entscheidend ist: Wir brauchen<br />

ein strengeres Bodenschutzgesetz,<br />

damit wir in Zukunft überhaupt noch<br />

regionale Produkte erzeugen können.<br />

Das ist gleichzeitig ein wesentlicher<br />

Hebel, um auf Landesebene dem Klimawandel<br />

entgegenzuwirken.<br />

Gregor Seberg:<br />

Überall gleichzeitig.<br />

Michi Lorenz:<br />

Alles ist ein Teil des Ganzen. Überall<br />

mit kleinen Schritten zu großen Ergebnissen.<br />

Julia Zotter:<br />

Bei den Themen, die rasch umgesetzt<br />

werden können. Jeder Betrieb sollte z.B.<br />

verpflichtet werden, seinen Firmensitz/<br />

Lagerhallen/Produktionsräume mit<br />

20


Photovoltaikanlagen auszustatten. Viele<br />

Private rüsten ihre Häuser auf – nur<br />

die Gewerbebetriebe mit den großen<br />

Dachflächen lehnen sich ganz aus<br />

der Diskussion zurück. Das<br />

darf nicht sein, gerade<br />

dort sollte angesetzt<br />

werden und bestehende<br />

Flächen<br />

viel stärker<br />

genutzt werden.<br />

Wir haben einen<br />

neuen Stall<br />

gebaut mit PV-<br />

Dachflächen, damit<br />

wird Strom für<br />

60 Familien produziert.<br />

Auch unser Fabrikgebäude<br />

wurde mit PV-Flächen ausgerüstet<br />

und wir streben auch als Produktionsbetrieb<br />

die 100%ige Energieautarkie an.<br />

Markus Tomaschitz:<br />

Bei der Klimaanpassung und weg<br />

vom der täglichen Apokalypse. Von der<br />

Dämonisierung bis zur Banalisierung<br />

und von dort zur Fiktionalisierung der<br />

Gegenwartsprobleme ist es oft nur ein<br />

kurzer Weg. Daher Schritt für Schritt<br />

und mit Impulskontrolle. Auch Wirtschaftswachstum<br />

und Wohlstandsmehrung<br />

ist mit Nachhaltigkeit vereinbar<br />

– mich wundert oft, dass dies<br />

manchmal falsch eingeordnet wird.<br />

Rainer Stelzer:<br />

Wir sehen eine nachhaltige Lebensweise<br />

als die essenzielle Herausforderung<br />

für Gesellschaft und Wirtschaft. Daher<br />

ist es wichtig, dass Regionen, Unternehmen<br />

und die Bevölkerung gleichermaßen<br />

nachhaltig handeln und im<br />

Zusammenspiel miteinander agieren.<br />

Daher können diese Bereiche nicht getrennt<br />

voneinander betrachtet werden<br />

Kinder wachsen oft noch in einer<br />

»Super RTL«-Glitzerwelt auf,<br />

die sie prägt. Wie macht man<br />

nachhaltige Produkte poppiger,<br />

ohne dass sie an Nachhaltigkeit<br />

verlieren?<br />

Sandra Krautwaschl:<br />

Für mich liegt die Lösung nicht in<br />

nachhaltigen Produkten, sondern in<br />

Rainer Stelzer • Vortstandsdirektor RLB Steiermark<br />

©RLB STEIERMARK/KANIJAJ<br />

nachhaltigem Handeln. Dazu bräuchte<br />

es noch mehr »coole Vorbilder«! Stellen<br />

Sie sich vor, Lionel Messi würde<br />

öffentlich verkünden, dass er aus<br />

Klimaschutzgründen ab<br />

sofort nicht mehr fliegt<br />

und kein Fleisch<br />

mehr isst: Ich<br />

glaube, das hätte<br />

eine viel größere<br />

Wirkung auf –<br />

nicht nur junge<br />

– Menschen als<br />

ein neues nachhaltiges<br />

Produkt.<br />

Gregor Seberg:<br />

Mit genau den Methoden,<br />

mit denen man die Glitzerwelt in die<br />

Kinderköpfe gebracht hat: ihre Helden<br />

(und aber auch das Umfeld) müssen es<br />

nur vorleben.<br />

Michi Lorenz:<br />

Bei unserer Schule in Kitzeck, also am<br />

Land, wird sehr darauf geachtet, dass<br />

die Kinder lernen, mit Ressourcen<br />

sparsam umzugehen. Wenn ich mit<br />

meinem kleinen Neffen einkaufen<br />

gehe, bin ich immer wieder überrascht,<br />

wie genau er nachsieht, woher<br />

die Produkte kommen und wie sie<br />

produziert werden.<br />

Julia Zotter:<br />

Wir sehen das bei uns sehr oft, wenn<br />

engagierte Lehrer mit ihren Klassen<br />

auf Exkursion kommen und Bio und<br />

Fair erlebbar wird, intensiv diskutiert<br />

wird – und im Sommer oft Kinder<br />

wieder mit ihren Eltern kommen und<br />

ihnen zeigen, was sie bei uns erlebt<br />

haben. Auch hier wirkt Ehrlichkeit<br />

und Transparenz. Wenn die Botschaft<br />

eines Produkts glaubhaft ist, dann<br />

glitzern die Augen der Kinder und<br />

das Produkt dann auch ein bisserl.<br />

Markus Tomaschitz:<br />

Indem man die Designer ranlässt und<br />

klarstellt, dass cool und poppig mit<br />

Nachhaltigkeit vereinbar ist. Gerade<br />

die Generation Z und Alpha sind aber<br />

ohnehin sehr genau und achten auf<br />

Nachhaltigkeit. Thrift Stores, wo man<br />

bereits getragene Kleidung im<br />

Second Hand Gedanken kaufen<br />

kann, feiern tolle Erfolge. Es muss<br />

daher nicht immer nur poppig sein.<br />

Rainer Stelzer:<br />

Studien und Klimabewegungen<br />

zeigen, dass die junge Generation<br />

bereits ein starkes Bewusstsein für<br />

Nachhaltigkeit entwickelt hat. Für sie<br />

ist Nachhaltigkeit kein kurzfristiger<br />

Trend, sondern oftmals eine Lebenseinstellung.<br />

97 % der Bevölkerung ist<br />

eine hohe Lebensdauer bei<br />

Elektrogeräten wichtig. Haben<br />

Sie den Reparaturbonus der<br />

Bundesregierung schon benutzt?<br />

Sandra Krautwaschl:<br />

Nein. Ich bin in der glücklichen Lage,<br />

dass mein Mann alles selbst reparieren<br />

kann. Außerdem nimmt er regelmäßig<br />

teil an Repair Cafés, die zum Glück<br />

immer beliebter werden.<br />

Gregor Seberg:<br />

Selbstverständlich.<br />

Michi Lorenz:<br />

Haben wir natürlich schon genutzt.<br />

Leider ist eine Reparatur nur bei einem<br />

geringen Prozentsatz möglich. Denke,<br />

dass hier der wirtschaftliche Aspekt<br />

da im Weg steht.<br />

Julia Zotter:<br />

Ja, tatsächlich. Bei meinem Umzug<br />

ist mir die Waschmaschine vom Transportwagen<br />

gerutscht und war kaputt,<br />

zum Glück konnte sie repariert werden.<br />

Der Reparaturbonus wurde gleich<br />

von der Rechnung abgezogen, darüber<br />

habe ich mich sehr gefreut.<br />

Markus Tomaschitz:<br />

Ich versuche so oft es geht, defekte<br />

Geräte zu reparieren. Den Reparaturbonus<br />

habe ich aber nicht genutzt.<br />

Wenn aber ein altes Elektrogerät ein<br />

echter Stromfresser war, sind neue<br />

Produkte dann wahrscheinlich doch<br />

die besseren.<br />

21


Viele Modelabels produzieren<br />

noch immer »an den Grenzen<br />

des Erlaubten«. Das sei dem<br />

Konkurrenzdruck geschuldet.<br />

Gibt es Auswege?<br />

Sandra Krautwaschl:<br />

Ja, indem sich die Gesellschaft<br />

weigert, solche Marken zu kaufen!<br />

Außerdem braucht es klare politische<br />

Rahmenbedingungen für eine<br />

ökologische und faire Produktion von<br />

Kleidung. Das hätte meiner Meinung<br />

nach einen doppelten Effekt: »Fast<br />

Fashion Labels« würden zunehmend<br />

verschwinden, dafür würde die Produktion<br />

von Qualitätskleidung einen<br />

Aufschwung erleben und auch die Reparatur-<br />

und Änderungsschneiderei<br />

würde davon profitieren.<br />

Gregor Seberg:<br />

Diese Fetzen einfach nicht mehr<br />

kaufen. Profitgier ist ja eine der Ursachen<br />

für die verheerende Situation,<br />

in der wir sind. Die rücksichtslose<br />

Industrialisierung ab Anfang des vergangenen<br />

Jahrhunderts hatte nur ein<br />

Ziel: Gewinn.<br />

Michi Lorenz:<br />

Aufklärung, Aufklärung, Aufklärung!<br />

Dazu muss es Institutionen geben,<br />

die alles kontrollieren und öffentlich<br />

machen.<br />

Julia Zotter:<br />

Ja, weniger kaufen. Punkt. Mehr ist<br />

dazu gar nicht zu sagen. Es wird<br />

nicht nur grauslich produziert, sondern<br />

auch erschreckend entsorgt.<br />

Markus Tomaschitz:<br />

Die Auflagen werden deutlich strenger<br />

und auch die neuen Lieferkettengesetze<br />

verpflichten Unternehmen<br />

zur Nachhaltigkeit. Da hat sich viel<br />

verbessert. Aber ja, Auswege gibt es<br />

immer, in dem man besonders auf<br />

die Herstellung achtet.<br />

Inwieweit soll der Staat in<br />

die Nachhaltigkeit lenkend<br />

eingreifen dürfen?<br />

Sandra Krautwaschl:<br />

Staatliche Eingriffe halte ich in allen<br />

Bereichen für sinnvoll, die unsere Lebensgrundlagen<br />

erhalten und unser<br />

Überleben sichern. Insbesondere<br />

beim Bodenschutz, bei der öffentlichen<br />

Mobilität, bei der Wasser- und<br />

Grundversorgung sowie bei gesetzlichen<br />

Vorgaben für Produktionsweisen.<br />

Gregor Seberg:<br />

Dort, wo einzelne Unternehmen<br />

sich auf dem Rücken der Bevölkerung<br />

nichts scheißen, sollte der<br />

Staat durchaus die Reißleine ziehen<br />

können. Extreme Auswüchse<br />

sollten<br />

nicht mit<br />

Strafzahlungen<br />

(das<br />

fällt denen<br />

leicht),<br />

sondern<br />

mit Freiheitsentzug<br />

geahndet<br />

werden.<br />

Julia Zottt er • Chocolatière<br />

© GRAEME KENNEDY<br />

Michi Lorenz:<br />

Wie bereits erwähnt,<br />

der Staat kann Geld in Produktprüfung<br />

investieren und diese dem<br />

Konsumenten vorlegen. Natürlich<br />

ist mir bewusst, dass die Wirtschaft<br />

auch ihren Einfluss auf die Politik<br />

hat und somit wird es wohl bei einer<br />

Illusion bleiben.<br />

Julia Zotter:<br />

Anreize schaffen und ev. sogar entsprechende<br />

Steuermodelle schaffen.<br />

Wer PV-Anlagen errichtet (Dachflächen<br />

oder Fassadenflächen), sollte<br />

diese über mehrere Jahre steuerlich<br />

geltend machen können, sodass es<br />

für Unternehmen attraktiv ist. Wer<br />

keine Investitionen in diese Richtung<br />

tätigt, sollte sogar höhere Steuern<br />

bezahlen. Anders wird man keine<br />

Trendwende erzielen.<br />

Markus Tomaschitz:<br />

Durch Gesetze und Verordnungen –<br />

da tut sich gerade in der EU sehr viel.<br />

Aber ein Zuviel an Bürokratie schadet<br />

unserem Standort, daher braucht<br />

es Augenmaß. Ich würde mir daher<br />

ein globales, einheitliches Vorgehen<br />

wünschen. Österreich ist eines jener<br />

Länder, die im Vergleich schon heute<br />

nachhaltig produzieren – deutlich<br />

nachhaltiger als in vielen anderen<br />

Regionen. Ansonsten wünsche ich<br />

mir einen Staat, der sensibel bei lenkenden<br />

Eingriffen ist, um Übergriffigkeiten<br />

zu vermeiden.<br />

Ist Nachhaltigkeit Erziehungssache?<br />

Sandra Krautwaschl:<br />

Erziehung zu nachhaltigem Verhalten<br />

ist sicherlich wichtig, kann aber<br />

klare politische Rahmenbedingungen<br />

nicht ersetzen.<br />

Gregor Seberg:<br />

Ich hoffe, dass es das<br />

ist. Und bemühe<br />

mich.<br />

Michi Lorenz:<br />

Definitiv. Eltern<br />

haben eine Vorbildfunktion.<br />

Wie sollen<br />

Kinder anders sein,<br />

wenn sie zu Hause nur<br />

Massenproduktion am Tisch<br />

stehen sehen? Andererseits liegt<br />

es an der Bildung. Man kann da aber<br />

schon eine Kehrtwende erkennen.<br />

Die Frage ist zu welchem Aufwand.<br />

Das Einfache, Bequeme ist und bleibt<br />

dann doch das Beliebteste.<br />

Julia Zotter:<br />

Nein, das ist mir zu autoritär, ich<br />

denke, es ist eher eine Veränderung<br />

unserer Gewohnheiten. Leichter und<br />

schneller geht es sicher mit Anreizen,<br />

nicht mit Strafen.<br />

Markus Tomaschitz:<br />

Alles ist Erziehungssache – also auch<br />

Nachhaltigkeit. Das gute Beispiel der<br />

Eltern und ein aktiver Erziehungsansatz<br />

hilft. Ein »Auslagern« dieser<br />

Erziehungsverantwortung an die<br />

Schulen halte ich für grundfalsch<br />

– da machen es sich viele Eltern zu<br />

einfach.<br />

Rainer Stelzer:<br />

Es ist wichtig, den eigenen Kindern<br />

die Wertigkeit unserer Natur und<br />

ihrer Lebewesen in der Erziehung<br />

zu vermitteln. Die Welt, in der wir<br />

leben, dürfen wir nicht als eine<br />

Selbstverständlichkeit ansehen, daher<br />

gehört sie tagtäglich mit Respekt<br />

behandelt.<br />

22


© RUDI TISCHLER<br />

ZWEI STEIRISCHE<br />

AUTOREN AUF<br />

TUCHFÜHLUNG<br />

MIT TRIEST.<br />

Heraus kommt ein literarisches Triestbuch, das durch Lyrik und Reiseerzählungen<br />

Lust auf mehr macht. 3 Triestiner Gastautoren runden das<br />

Werk ab. Die Autoren, Martin G. Wanko und Mike Markart, machen sich<br />

nach Triest auf.<br />

Martin G. Wanko unternimmt eine literarisch<br />

erzählerische Spurensuche<br />

und verknüpft das alte Österreich<br />

der Monarchie mit der Gegenwart<br />

der Stadt. Seine literarischen<br />

Reiseberichte führen mit sich selbst<br />

Rücksprache, denn in Zeiten des<br />

Klimawandels sieht man ein gerade<br />

bereistes Land auch mit anderen<br />

Augen. Als Gegensatz dazu findet<br />

er die Ruhe und Zurückgezogenheit<br />

im Karst. Die Osmize, die Weinbaubetriebe<br />

und die Manufakturen sind<br />

Ankerpunkte, Inseln in einem ursprünglichen,<br />

oft wild anmutenden<br />

Landstrich. Sie sind die Lebensadern<br />

in der Karstlandschaft, zwischen<br />

Italien und Slowenien. Gedankliche<br />

Vergleiche mit der südlichen Steiermark,<br />

beispielsweise zwischen den<br />

Osmize und Buschenschänken liegen<br />

auf der Hand.<br />

Mike Markart trägt fantasievolle<br />

Erzählungen in der ihm eigenen,<br />

unverkennbaren Sprache bei. Er<br />

unternimmt einen Triestiner Spaziergang,<br />

der die Naturgesetze neu<br />

definiert und bereist die Zimmer<br />

seiner Wohnung mit dem Zug. Um<br />

schlussendlich Umberto Saba loszuschicken,<br />

auf die Suche nach seinem<br />

verschwundenen Gehstock. Dazu<br />

findet sich ein Gedichte-Zyklus mit<br />

kargen Texten voller überraschender<br />

Bilder als weiterer Beitrag Mike<br />

Markarts in dem Buch.<br />

Fazit: Mike Markart und Martin<br />

G. Wanko doppeln sich nicht. Die<br />

unterschiedlichen Stilmittel und<br />

auch die verschiedenen Blickwinkel<br />

lassen eine kurzweilige literarische<br />

Mischung entstehen, eine sich einschließende<br />

Gegensätzlichkeit. Einmal<br />

im Karst, einmal in der Stadt.<br />

Einmal Tag, einmal Nacht. Einmal<br />

das Meer, einmal die Felsen.<br />

Stimmige s/w-Fotos von Mike Markart,<br />

Martin G. Wanko und Rudi<br />

Tischler runden das Buch ab und lassen<br />

bereits gedanklich den nächsten<br />

Trip nach Triest entstehen.<br />

©EDITION KEIPER<br />

Mike Markart /<br />

Martin G. Wanko<br />

»Triest – Das Meer. Die Stadt.<br />

Wie die Nacht und der Wind. «<br />

140 Seiten, edition keiper<br />

Jetzt bestellen auf:<br />

editionkeiper.at<br />

Ab<br />

sofort<br />

erhältlich!<br />

23


FOTO LINKS: © MARIJA KANIZAJ<br />

FOTO RECHTS: © UNIVERSALMUSEUM JOANNEUM/J.J.KUCEK<br />

ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG<br />

Moderation: Martin G. Wanko<br />

Artenreiche<br />

Steiermark!<br />

Wolfgang Paill, Leiter der Abteilung<br />

Naturkunde am Universalmuseum Joanneum,<br />

im Dialog mit dem steirischen Landeshauptmann<br />

Christopher Drexler.<br />

24


ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG<br />

Wolfgang Paill:<br />

Sie haben die STEIERMARK SCHAU<br />

ins Leben gerufen und auch das<br />

Thema der diesjährigen Schau rund<br />

um Biodiversität und Artenvielfalt<br />

mit ausgewählt. Welchen Anspruch<br />

haben Sie an ein solch zukunftsorientiertes<br />

Format und konnte dieser<br />

erfüllt werden?<br />

LH Christopher Drexler:<br />

Mit der STEIERMARK SCHAU haben<br />

wir ein Format geschaffen, das zukunftsweisend<br />

ist. Als ich das Kulturressort<br />

in der Steiermärkischen<br />

Landesregierung übernommen habe,<br />

war eigentlich rasch klar, dass wir ein<br />

neues Format finden müssen, um die<br />

Lücke zu schließen, die die früheren<br />

Landesausstellungen hinterlassen haben.<br />

Meine Erwartungen sind natürlich<br />

hoch, weil wir mit dem Thema »Vielfalt<br />

des Lebens« ein großartiges Generalthema<br />

gefunden haben, das wirklich<br />

am Puls der Zeit ist. Wir haben mit dem<br />

Tierpark Herberstein einen prächtigen<br />

Hauptausstellungort und ich freue<br />

mich, dass mit dem Haus der Biodiversität,<br />

wo die Vielfalt der Natur entdeckt<br />

und bewundert werden kann, ein<br />

feinsinnig gestaltetes und nachhaltiges<br />

Herzstück der Schau entstanden ist.<br />

LH Christopher Drexler:<br />

Der Klimawandel und damit auch<br />

die Bedrohung unserer Biodiversität<br />

sind die größten Herausforderungen<br />

unserer Epoche. Was kann jede<br />

Einzelperson im täglichen Leben<br />

beitragen, um unser bestehendes<br />

Ökosystem zu schützen?<br />

Wolfgang Paill:<br />

Der Beitrag jedes Einzelnen ist wichtig!<br />

Die Palette der Möglichkeiten ist<br />

sehr umfangreich und allgemein gut<br />

bekannt: Rad oder Öffi anstatt Auto<br />

und Flieger, regionale Bio-Lebensmittel<br />

anstatt konventionell gezogenen,<br />

weniger fleischliche Ernährung,<br />

Kleidung aus nachhaltiger und fairer<br />

Produktion, Verzicht auf Pestizide<br />

im Garten. Gehen Sie hinaus, begeistern<br />

Sie sich an der Natur und lernen<br />

Sie die Vielfalt mit ihren Funktionen<br />

kennen, schätzen und lieben – letztlich<br />

kommen Sie automatisch ins Schützen<br />

und Bewahren! Ergänzend sollten wir<br />

uns meinungsbildend bis aktivistisch<br />

engagieren, damit sämtliche politische<br />

Entscheidungen sowie das Regelwerk<br />

unseres Zusammenlebens künftig stärker<br />

nach dem Schutz von Biodiversität<br />

und Klima ausgerichtet werden.<br />

Wolfgang Paill:<br />

Viele Menschen sind angesichts<br />

von Biodiversitäts- und Klimakrise<br />

verunsichert. Um passive Schicksalsergebenheit<br />

in zuversichtliche<br />

Aktivität zu wandeln, braucht es vertrauenserweckende<br />

und vor allem<br />

realistische Zukunftsvisionen, die<br />

auch unpopuläre, aber unbedingt<br />

erforderliche Maßnahmen wie die<br />

massive Einsparung von Energie und<br />

anderer Ressourcen thematisieren.<br />

Mit welchen Visionen wollen Sie die<br />

Menschen mitnehmen?<br />

LH Christopher Drexler:<br />

Die Steiermark soll im europäischen<br />

Vergleich eine Musterregion - ein<br />

Klimaschutzvorbild – sein. Wir haben<br />

in der Steiermark bereits wesentliche<br />

Weichenstellungen vorgenommen, was<br />

den Ausbau der erneuerbaren Energien<br />

betrifft. Etwa mit dem Sachprogramm<br />

Photovoltaik und unserem präzisierten<br />

Ziel, 250 Windkraftanlagen bis<br />

2030. Insgesamt steht die steirische<br />

Energiewende auf vier Säulen: Sonne,<br />

Wind, Wasser und Biomasse sind<br />

unsere Energiequellen der Zukunft, die<br />

wir deutlich ausbauen und verstärkt<br />

nutzen werden. Der Klimaschutz muss<br />

täglich auf der Agenda stehen und es<br />

gilt das Tempo noch weiter zu erhöhen.<br />

Mit dem Ausbau der erneuerbaren<br />

Energieträger wollen wir die Energiegewinnung<br />

in der Steiermark zunehmend<br />

unabhängiger machen.<br />

LH Christopher Drexler:<br />

Im Zuge der STEIERMARK SCHAU<br />

wurde das Haus der Biodiversität in<br />

der Tierwelt Herberstein geschaffen.<br />

Sie waren federführend an der<br />

Gestaltung und Umsetzung beteiligt.<br />

Welche Präsentationsformen<br />

braucht es, um ein so komplexes<br />

Thema greifbar zu machen?<br />

Wolfgang Paill:<br />

Ressourcenschonend und nachhaltig<br />

konzipiert, wurde das Haus der<br />

Biodiversität in einer jahrhundertealten<br />

Tenne errichtet. Heizung und<br />

Energieversorgung setzen auf Tiefenbohrungen<br />

und Photovoltaik, die<br />

Einbauten basieren auf heimischem<br />

Holz, verzichten auf Verbundwerkstoffe<br />

und wurden von regionalen Firmen<br />

umgesetzt. Inhaltlich war uns eine<br />

klare und stringente ökopädagogische<br />

Erzählung wichtig, die den Besuchenden<br />

von der Vielfalt der Natur, dem<br />

Verborgenen und Faszinierenden hin<br />

zu den umfangreichen Funktionen der<br />

Biodiversität leitet, uns Menschen als<br />

Teil des Ganzen und als Weichensteller<br />

für die Zukunft platziert und zum<br />

eigenen positiven Handeln animiert.<br />

Ein buntes Nebeneinander aus Museumspräparaten,<br />

überdimensionalen<br />

Nachbauten und Modellen, aber auch<br />

klassischen Grafiken und Filme sowie<br />

interaktiver Computerstationen und<br />

Hands On-Spielen ermöglicht es, die<br />

Themen in verschiedenen Ebenen und<br />

Komplexitäten zu erfassen und damit<br />

Klein und Groß gleichermaßen am<br />

Narrativ teilhaben zu lassen.<br />

LH Christopher Drexler:<br />

Die Steiermark ist bekanntlich<br />

das grüne Herz Österreichs. Die<br />

Feistritzklamm etwa könnte man<br />

als einen Hotspot der Artenvielfalt<br />

bezeichnen. Als Naturwissenschaftler,<br />

was macht Orte wie die Klamm<br />

besonders?<br />

Wolfgang Paill:<br />

Trotz ihrer Kleinflächigkeit zählt die<br />

Feistritzklamm tatsächlich zu den<br />

artenreichsten Schutzgebieten der<br />

Steiermark! Aufgrund unterschiedlicher<br />

Klimate und Böden hat sich hier<br />

ein eng verzahntes Nebeneinander<br />

zahlreicher Lebensräume entwickelt.<br />

Das Spektrum reicht von nassen, nährstoffreichen<br />

Auwäldern an der Feistritz<br />

bis zu trockenen, mageren Felstrockenrasen<br />

am Oberhang. Auch die jahrhundertelange<br />

behutsame Bewirtschaftung<br />

hat zur extrem hohen Artenvielfalt des<br />

Gebietes beigetragen. So beherbergt<br />

der Dachstuhl des Schlosses Herberstein<br />

eine große Fledermauskolonie, die<br />

Trockenwiesen profitieren von regelmäßiger<br />

Mahd und Beweidung und die<br />

uralten Eichen, die als Lebensstätten<br />

tausender Insektenarten fungieren,<br />

wurden bewusst eingebracht und erhalten.<br />

25


Im Zeichen<br />

der Biodiversität.<br />

Werter Herr Paill, danke, dass Sie<br />

mit uns dieses Gespräch führen. Das<br />

Magazin <strong>40plus</strong> versteht sich als<br />

Magazin, welches die Nachhaltigkeit<br />

propagiert. Darf ich Ihre persönliche<br />

Meinung zum Thema Nachhaltigkeit<br />

wissen?<br />

Sich dem Einfluss des eigenen Lebens<br />

und Handelns (und damit jeder einzelnen<br />

Entscheidung) auf das restliche<br />

und zukünftige Leben aller Organismen,<br />

inklusive ihrer ökosystemaren<br />

Funktionen, bewusst sein, bedeutet für<br />

mich nachhaltig zu denken.<br />

Drei Sätze zu Ihrem Job<br />

im Joanneum.<br />

Ich bin Leiter der Abteilung Naturkunde<br />

am Universalmuseum Joanneum.<br />

Damit bin ich für das Naturkundemuseum<br />

genauso verantwortlich, wie für<br />

die dahinterstehenden Sammlungen<br />

im Studienzentrum Naturkunde in<br />

Andritz. Hier arbeiten meine Mitarbeiter*innen,<br />

sie pflegen die Sammlungen,<br />

forschen an ihnen und tragen Erkenntnisse<br />

über unterschiedliche Formate<br />

(Ausstellungen, Indoor-Veranstaltungen,<br />

Exkursionen) in die Öffentlichkeit.<br />

Darf ich Sie bitten, in einigen<br />

Worten die STEIERMARK SCHAU<br />

<strong>2023</strong> »Vielfalt des Lebens« für<br />

unsere Kärntner Leser*innen<br />

zu konkretisieren?<br />

Die zweite Ausgabe der von Landeshautmann<br />

Christopher Drexler<br />

initiierten STEIERMARK SCHAU findet<br />

in der Tierwelt Herberstein in der<br />

Oststeiermark statt. Das Haus der<br />

Biodiversität und der Weg der Vielfalt,<br />

beide langfristig angelegt, widmen<br />

sich dem brisanten und hochaktuellem<br />

Thema des Verlustes der biologischen<br />

Vielfalt. Im bis Anfang November <strong>2023</strong><br />

aufgebauten mobilen Pavillon<br />

wird der Klimawandel in<br />

Kombination mit Weltraumforschung<br />

und Bildender<br />

Kunst thematisiert.<br />

Sind Sie mit dem Erfolg zufrieden?<br />

Die Rückmeldungen der Besucher*innen<br />

sind durchwegs sehr positiv. Besonders<br />

gefreut hat mich das E-Mail<br />

einer Grazer Lehrerin: »Da müssen alle<br />

hin! Alle unsere Schüler*innen – am besten<br />

alle steirischen Schulen – sollen dieses<br />

wichtige, vielleicht zukunftswichtigste<br />

Thema, bei dieser wertvollen Ausstellung<br />

erleben dürfen.«<br />

Sind die Besucher im Grunde<br />

wissbegierig?<br />

Die durchschnittlich hohe Verweildauer<br />

im Haus der Biodiversität ist<br />

ein Hinweis darauf, dass das Thema<br />

die Menschen interessiert und auch<br />

berührt. Viele Besucher*innen lassen<br />

sich auf unser ökopädagogisches Narrativ<br />

ein und sind von der unglaublichen<br />

Biodiversität der Steiermark<br />

begeistert. Während im mittleren<br />

Abschnitt eine stille Betroffenheit<br />

spürbar wird, steigt insbesondere am<br />

Ende der Ausstellung, durch die positiven<br />

Ausblicke, die Mitteilsamkeit der<br />

Besucher*innen.<br />

Ein wesentlicher Punkt ist die Biodiversität.<br />

In welchen Punkten<br />

sehen Sie die Biodiversität in<br />

der Steiermark gefährdet?<br />

Die Intensivierung sämtlicher Landnutzungsformen<br />

in den letzten 30-50<br />

Jahren haben dazu geführt, dass heute<br />

mehr als 50 % der heimischen Fauna<br />

gefährdet ist. Doch weiterhin werden<br />

zu viele Gewerbeparks gebaut, Quellen<br />

gefasst, Flüsse gestaut, Wiesen<br />

umgebrochen oder aufgeforstet und<br />

alte Bäume aus Sicherheitsgründen<br />

entfernt, als dass diese laufenden<br />

Eingriffe durch die Bemühungen des<br />

Naturschutzes (inkl. unzähliger Idealisten)<br />

kompensierbar wären.<br />

Eine Frage zu den invasiven Arten:<br />

Können wir unsere Gewässer gegen<br />

die Blaukrabbeninvasion schützen?<br />

(Sie wurden bereits in einem Zufluss<br />

im Gardasee gesichtet.)<br />

In der Steiermark lebt bereits eine<br />

erhebliche, stetig steigende Zahl invasiver,<br />

gebietsfremder Arten. Häufige<br />

Ursache ihres Auftretens ist passive<br />

Verschleppung durch den exorbitanten<br />

Waren- und Personenverkehr.<br />

Oft wird die dauerhafte Etablierung<br />

durch die Folgen des Klimawandels<br />

begünstigt. Die Blaukrabbe dürfte in<br />

den Süßgewässern Österreichs allerdings<br />

wohl kaum stabile Populationen<br />

aufbauen können.<br />

Für ein ausgestorbenes Lebewesen<br />

gibt es so gut wie keinen<br />

Weg zurück in die Biosphäre und<br />

ist ein fehlendes Glied in unserem<br />

Ökosystem, oder?<br />

Korrekt. Global gingen schon unzählige<br />

Elemente des eng verwobenen<br />

Netzwerkes des Lebens für immer<br />

verloren. Für uns Menschen überlebensnotwendige<br />

Leistungen der<br />

Biodiversität, wie Ernährung und<br />

sauberes Trinkwasser, geraten damit<br />

zunehmend unter Druck.<br />

Interview: Martin G. Wanko<br />

© MORITZ SITZENFREY ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG<br />

26


A U S G A B E<br />

HERBST 20XX<br />

KI versteht alles, aber hat keinen Humor.<br />

<strong>40plus</strong> ist das Magazin<br />

welches Nachhaltigkeit mit Würze<br />

verbindet und eine neue Realität für<br />

uns alle schafft! Entdecke mit uns,<br />

wie du deinen gewohnten Lebensstil<br />

beibehalten und gleichzeitig<br />

Verantwortung für unseren Planeten<br />

übernehmen kannst.<br />

06 Genussreise ans Mittelmeer. 08 Die Geschichte der faulen Menschen. 10 Rezepte für den perfekten<br />

Grillabend. 11 Musik, die den Zeitgeist trifft. 12 Schlaflosigkeit als Volkskrankheit. 14 Neue Ausstellungen<br />

zum Thema Nachhaltigkeit. 16 Kunstausstellungen, die neue Wege gehen. 20 Gespräch über die Zukunft der<br />

Wirtschaft. 23 <strong>40plus</strong> Talk: Tipps für eine gesunde Work-Life-Balance. 28 Die 7 Todsünden. 30 KI macht unser<br />

Leben einfacher. 32 KI für mehr Nachhaltigkeit. 34 Investition in die Zukunft. 35 Wein, Käse und mehr…<br />

<strong>Herbst</strong> 20XX<br />

KI:<br />

Die Maschinen<br />

übernehmen<br />

die Welt!<br />

(Oder nicht.)<br />

TEXTE GENERIERT MIT CHATGPT. BILD GENERIERT MIT NIGHTCAFE (TEXT PROMPT: »PAINTING OF A COLORFUL ROBOT CONTEMPLATING IN THE STYLE OF DON ROSA AND MOEBIUS.«<br />

27


DIE SIEBEN<br />

TODSÜNDEN<br />

Ein Blick in die<br />

menschliche<br />

Seele.<br />

28


Googles KI »Bard«, der Künstler Josef Wurm und Mag. Gudrun Isak,<br />

Referentin für Sakramentenpastoral von der Diözese Graz-Seckau,<br />

über die dunklen Seiten der Menschheit und wie wir<br />

ihnen entkommen können.<br />

MAG. GUDRUN ISAK KI BARD JOSEF WURM<br />

Es handelt sich bei der Auflistung<br />

der sieben Laster NICHT um<br />

Sünden im eigentlichen Sinne, weil<br />

Sünden Handlungen darstellt, die<br />

umgangssprachlich Todsünden<br />

genannten, aber innere Haltungen<br />

des Menschen sind, die die Ursache<br />

für sündhafte Handlungen, die<br />

wiederum lässlich oder schwer sein<br />

können, sind.<br />

Als Todsünde werden in der katholischen<br />

Kirche jene Handlungen bezeichnet,<br />

durch welche ein Mensch<br />

die Beziehung zu Gott bewusst und<br />

willentlich abbricht. Eine Sünde ist<br />

dann als schwer oder eben auch als<br />

Todsünde zu bezeichnen, wenn ein<br />

Mensch eine Handlung,<br />

1. die eine schwerwiegende Materie<br />

zum Gegenstand hat – insbesondere<br />

einen Verstoß gegen<br />

die 10 Gebote,<br />

2. im vollen Bewusstsein über<br />

die Schwere der Sünde<br />

3. und aus freiem Willen gesetzt<br />

wird.<br />

Papst Johannes Paul II. konkretisiert<br />

den Begriff der Todsünde in seinem<br />

Apostolischen Schreiben »Reconciliatio<br />

et paenitentia« (Über Versöhnung und<br />

Buße) aus dem Jahr 1984 folgendermaßen:<br />

»Mit der ganzen Tradition der<br />

Kirche nennen wir denjenigen Akt eine<br />

Todsünde, durch den ein Mensch bewusst<br />

und frei Gott und sein Gesetz sowie den<br />

Bund der Liebe, den dieser ihm anbietet,<br />

zurückweist, indem er es vorzieht, sich<br />

selbst zuzuwenden oder irgendeiner<br />

geschaffenen und endlichen Wirklichkeit,<br />

irgendeiner Sache, die im Widerspruch<br />

zum göttlichen Willen steht.«<br />

Neid ist eine natürliche menschliche<br />

Emotion, die jeder von Zeit zu<br />

Zeit empfindet. Er kann jedoch zu<br />

negativen Verhaltensweisen führen,<br />

wie zum Beispiel Hass, Rache oder<br />

Gewalt.<br />

Die Todsünde Völlerei ist ein Laster,<br />

das sich durch maßloses Essen und<br />

Trinken äußert. Es ist ein Zeichen<br />

von Unmäßigkeit und mangelnder<br />

Selbstbeherrschung.<br />

Die Todsünde Habgier ist das übersteigerte<br />

Streben nach materiellem<br />

Besitz. Es ist ein Zeichen von Gier,<br />

Egoismus und mangelnder Zufriedenheit.<br />

Die Todsünde Wollust ist ein Laster,<br />

das sich durch übermäßige sexuelle<br />

Begierde äußert. Es ist ein Zeichen<br />

von Unmäßigkeit, mangelnder<br />

Selbstbeherrschung und fehlender<br />

Kontrolle über die eigenen Triebe.<br />

Die Todsünde Hochmut ist ein<br />

Laster, das sich durch übermäßige<br />

Selbstüberschätzung und Geringschätzung<br />

anderer äußert. Es ist ein<br />

Zeichen von Egoismus, Arroganz<br />

und mangelnder Demut.<br />

Die Todsünde Trägheit ist ein Laster,<br />

das sich durch Untätigkeit und mangelnde<br />

Willenskraft äußert. Es ist ein<br />

Zeichen von Faulheit, Gleichgültigkeit<br />

und mangelndem Engagement.<br />

Die Todsünde Zorn ist ein Laster, das<br />

sich durch Wut, Hass und Rachsucht<br />

äußert. Es ist ein Zeichen von Wut,<br />

Aggression und mangelnder Kontrolle<br />

über die eigenen Emotionen.<br />

Todsünden finde ich generell einen<br />

falschen Begriff. Man sollte den Tod<br />

weglassen, dann bleibt die Sünde.<br />

Sünde eigentlich auch.<br />

Lebt man diese Sünden zu sehr, kann<br />

es passieren, dass man brachialerweise<br />

das ganze soziale Gefüge auseinanderdividiert.<br />

Wollust ist zum Beispiel grundsätzlich<br />

nichts Negatives. Es kommt immer<br />

auf die Dosis an. Es sollten halt<br />

keine Dritten geschädigt werden.<br />

Bei Neid, Habgier und Hochmut wird<br />

es wirklich schwierig. Die zerstören<br />

nicht nur sozial, sondern auch zwischenmenschlich.<br />

Sind No-Gos!<br />

Zorn lass ich überhaupt weg. ist für<br />

mich ein Produkt, auch Neid und<br />

Habgier. Chronisch zornig sind nur<br />

Choleriker und Narzissten.<br />

Trägheit: Find ich nicht so schlecht.<br />

Wenn die Menschen mehr entspannen<br />

würden, gäbe es weniger<br />

Burnouts. Trägheit ist was wie<br />

Meditation.<br />

Müßiggang: Stört keinen sozialen<br />

Zusammenhalt. Solange wir nicht<br />

ausbeuterisch sind, können wir auch<br />

10 Stunden im Wald sitzen und es<br />

genießen. Völlerei ist für mich das<br />

Gleiche. Ich fress mich an, ich tue<br />

damit niemandem was. Muss immer<br />

aufpassen, dass niemand darunter<br />

leidet.<br />

Mich wundert, dass Suizid nicht<br />

dabei ist. Wer hat etwas davon, wenn<br />

sich ein Familienvater suizidiert?<br />

Das ist für mich eher eine Sünde.<br />

BILD GENERIERT MIT NIGHTCAFE, TEXT-PROMPT:<br />

»A ROBOTIC/FUTURISTIC ILLUSTRATION OF THE<br />

SEVEN DEADLY SINS IN THE STYLE OF »THE GARDEN<br />

OF EARTHLY DELIGHTS« BY HIERONYMUS BOSCH«<br />

HEADLINE & EINLEITUNG GENERIERT MIT CHATGPT.<br />

ANTWORTEN »KI BARD« GENERIERT MIT GOOGLE BARD.<br />

29


Künstliche Intelligenz<br />

kann erkennen,<br />

aber nicht<br />

denken.<br />

Interview: Martin G. Wanko<br />

Im spannenden Interview mit Martin G. Wanko erläutert KI-Experte<br />

Roman Kern von der TU Graz anschaulich die Funktionsweise und<br />

beeindruckenden Fähigkeiten der künstlichen neuronalen Netzwerke.<br />

Grundsätzlich unterliegt man mit<br />

dem Begriff KI einem Irrtum. Die KI<br />

kann nicht denken, sondern »nur«<br />

erkennen. Stimmt das soweit?<br />

Ja, denken ist nicht der richtige Ausdruck,<br />

weil die KI (aktuell) nicht in<br />

der Lage ist, Schlüsse zu ziehen oder<br />

logische Zusammenhänge korrekt zu<br />

erfassen. Allerdings versteht die KI<br />

Konzepte, sogar menschliche Konzepte,<br />

und auch geographische und zeitliche<br />

Zusammenhänge und ist in der Lage,<br />

plausible Sätze zu bilden oder fotorealistische<br />

Bilder zu generieren.<br />

Wie würden Sie einem Kind die KI<br />

erklären?<br />

ChatGPT: Ein Computerprogramm hat<br />

das Internet gelesen und hat so gelernt,<br />

Sätze in menschlicher Sprache nachzubilden.<br />

Danach hat das Computerprogramm<br />

gelernt, auf menschliche Fragen<br />

passende Antworten zu generieren.<br />

Dabei kann dieses Computerprogramm<br />

sehr hilfreich sein, um schnell Antworten<br />

zu finden, allerdings kann man<br />

dem Computerprogramm nicht blind<br />

vertrauen, weil die Antworten oft nicht<br />

passen und teilweise frei erfunden sind.<br />

Was ist der Unterschied zwischen<br />

weak AI und strong AI und wo stehen<br />

wir zurzeit?<br />

Wir leben (noch) im Zeitalter der weak<br />

AI, d.h., der Output der AI ist assoziativ<br />

und die AI kann nicht planen oder<br />

Schlüsse ziehen, die über Gesehenes<br />

hinausgehen. Ob allerdings die aktuelle<br />

AI schon Anzeichen für eine strong AI<br />

oder Artificial General Intelligence (AGI)<br />

hat, ist unter Experten noch eine lebhaft<br />

geführte Diskussion.<br />

Gerade gelesen: Schwache KIs sind<br />

Alexa und Siri. Starke KIs sind der<br />

Terminator und HAL (2001: Odyssee<br />

im Weltraum)<br />

Genau, die aktuellen AI-Systeme<br />

planen nicht, sie »denken« nicht, und<br />

sie haben keinen speziellen Speicher<br />

dafür. Aktuell arbeiten AI-Systeme<br />

nach dem Prinzip Input/Output und<br />

machen keine pro-aktiven Handlungen.<br />

Inwieweit das kontinuierliche Training,<br />

das mit menschlichem Feedback durch<br />

die Benutzung dieser Tools gesammelt<br />

wurde, einen Feedback-Zyklus darstellt,<br />

ist ebenfalls noch eine offene Diskussion.<br />

Wir sehen, dass vermehrt Teile des<br />

Internets auch schon Texte von ChatGPT<br />

verwendet haben, die vermutlich dann<br />

wieder im Training von solchen AIs eingesetzt<br />

werden könnten.<br />

Spätestens seit ChatGPT ist die KI<br />

in aller Munde. Dabei ist sie schon<br />

längst in unser Leben eingetreten,<br />

oder?<br />

Ja, es gibt viele unterschiedliche AI-<br />

Systeme, die schon längst im Alltag<br />

angekommen sind. Beispiele dafür sind<br />

Empfehlungssysteme bei Online-Shopping<br />

Webseiten, oder auch die Tastatur<br />

am Handy, die Vorschläge macht, oder<br />

auch im industriellen Umfeld, in der die<br />

Nachfrage mittels AI vorhergesagt wird,<br />

oder die Produktion mit AI verbessert<br />

wird.<br />

Wie wird die KI in absehbarer Zukunft<br />

unser Leben beeinflussen?<br />

Es ist zu erwarten, dass »intelligente«<br />

Tools mehr und mehr Verbreitung finden<br />

und unsere Arbeits- und Privatwelt<br />

sukzessive bereichern werden. Vermutlich<br />

werden diese Veränderungen zum<br />

Großteil so stattfinden, dass wir das gar<br />

nicht explizit wahrnehmen werden. Beispielsweise<br />

bei Kameras in Handys ist<br />

inzwischen die Verarbeitung der Bilder<br />

fast so wichtig, wie das optische System.<br />

Auf welche Entwicklung dürfen wir<br />

uns freuen?<br />

Auf alle Entwicklungen, die unseren<br />

Alltag erleichtern, insbesondere jene<br />

digitalen Tools, die Routinetätigkeiten<br />

übernehmen. Denke da an die Erstellung<br />

von Mails, Dokumenten, Präsentationen<br />

und dem manuellen Übertragen<br />

von Daten.<br />

Aber die Entwicklung hat rasant<br />

Fahrt aufgenommen und ist jetzt<br />

nicht mehr so schnell zu stoppen.<br />

Verstehen Sie als Wissenschaftler<br />

die Bedenken, die Teile der Bevölkerung<br />

haben?<br />

Pauschal kann man hier keine Antwort<br />

geben. Nicht alle der Fragestellungen,<br />

die sich durch die KI ergeben, sind auch<br />

allen beteiligten Wissenschafter*innen<br />

klar. Beispielsweise wurde das Thema<br />

Copyright anfangs nicht beachtet. Auch<br />

die Implikationen durch automatische<br />

Entscheidungen durch die KI, beispielsweise<br />

Diskriminierung oder Schutz der<br />

Privatsphäre, sind selbst für Leute, die<br />

30


BILD GENERIERT MIT ADOBE FIREFLY, TEXT-PROMPT: »SIMPLE ILLUSTRATION EINES<br />

NEURONALEN NETZPLANES EINER KÜNSTLICHEN INTELLIGENZ IN SCHWARZ WEISS«<br />

HEADLINE & EINLEITUNG GENERIERT MIT CHATGPT.<br />

RAHMEN GENERIERT MIT ADOBE FIREFLY, TEXT-PROMPT: »NEURONALES<br />

NETZWERK ALS NETZPLAN IN SCHWARZ WEISS GEMALEN ALS MUSTER-<br />

ELEMENT EINES RAHMENS«<br />

eng mit dem Thema vertraut sind, oft<br />

nicht ausreichend klar. Eine Umfrage<br />

unter namhaften Wissenschafter*innen<br />

hat ergeben, dass es auch keine<br />

Einigkeit gibt, welche Bedrohungen von<br />

der AI ausgehen. Einzig die Angst, dass<br />

die AI von wenigen Technologiefirmen<br />

dominiert wird, ist eine wiederkehrende<br />

Bedrohung.<br />

Wenn drei Tageszeitungen die KI<br />

zu einem Thema befragen würden,<br />

laufen wir vermutlich Gefahr drei<br />

sehr ähnliche Texte zum Lesen zu<br />

bekommen, oder?<br />

Ja, das ist generell ein Problem, dass<br />

dadurch auch Diversität leiden könnte.<br />

Auch wenn die Texte immer etwas anders<br />

sein können, ist die »Kreativität« der<br />

AI immer noch recht beschränkt. Ein<br />

weiteres Problem ist zudem, dass die KI<br />

(zum Beispiel ChatGPT) mit Daten aus<br />

dem Internet trainiert worden ist. Damit<br />

werden auch die Biases im Datensatz<br />

»mitgeerbt« (Cultural Bias, Groupthink<br />

Bias, etc.). Auch besteht die Gefahr des<br />

»Automation Bias«, d.h., dass hier der KI<br />

automatisch vertraut wird.<br />

Eltern haben Sorge, dass in Zukunft<br />

die KI und nicht mehr ihre Kinder<br />

maturieren. Wie weit ist man mit KI-<br />

Erkennungsprogrammen?<br />

Ja, der gesamte Bildungsbereich muss<br />

hier umdenken und die Ausbildung<br />

so gestalten, dass klar unterschieden<br />

werden kann zwischen der Leistung der<br />

Schülerinnen/Schüler/Studierenden<br />

und der KI. Letztendlich ist die KI ein<br />

Werkzeug, mit dem die Gesellschaft<br />

lernen muss umzugehen. Wenn dies<br />

nicht möglich ist, muss man sich überlegen,<br />

ob man die KI in der Ausbildung<br />

verbieten will. Technisch ist es aktuell<br />

nicht möglich, ausreichend zuverlässig<br />

zu erkennen, ob ein Text von der KI<br />

verfasst worden ist (und dann vielleicht<br />

noch manuell nachbearbeitet wurde),<br />

oder genuin von einem Menschen verfasst<br />

wurde.<br />

Wird KI zu einer weiteren Fragmentierung<br />

der Gesellschaft führen? Da<br />

gibt’s bildungsferne Schichten, die<br />

den Anschluss verlieren könnten.<br />

Es gibt Aussagen, bezogen auf den<br />

Arbeitsmarkt, in die Richtung: »Künstler<br />

mit KI werden Künstler ersetzen ohne KI«.<br />

Das zeigt, dass ein Umgang mit der KI<br />

möglicherweise ein Wettbewerbsvorteil<br />

sein könnte und Personen mit einer zu<br />

kritischen Haltung zur KI könnten hier<br />

negativ betroffen sein. So, wie bei vielen<br />

Themen in Bezug auf die Spaltung der<br />

Gesellschaft, ist auch hier Bildung und<br />

Information zumindest ein Teil der<br />

Lösung.<br />

Immer wieder ist die Rede davon,<br />

dass wir in Österreich bezüglich der<br />

KI den Forschungsanschluss verlieren.<br />

Stimmt das?<br />

In der Tat ist die Forschungsförderung<br />

in anderen Ländern höher und z.B. im<br />

Fall von China Teil einer längerfristigen<br />

Strategie. Ich bin selber aber nicht<br />

nur pessimistisch, weil ich ja auf der<br />

Universität unterrichte und sehe, wie<br />

begeistert und engagiert hier die Studierenden<br />

sind! Auch hoffe ich, dass es<br />

viele Unternehmen gibt, die erkannt haben,<br />

dass sie eine KI-Strategie brauchen<br />

und einfach nur zuwarten, was Google<br />

und Microsoft anbieten, keine positive<br />

Auswirkung auf den Wirtschaftsstandort<br />

haben kann.<br />

An was forschen Sie gerade?<br />

Meine Kollegen und ich forschen daran,<br />

die KI vertrauenswürdig zu machen.<br />

Das umfasst Themen, wie man private<br />

oder sensible Daten schützen kann, wie<br />

man vermeidet, dass die KI einzelne<br />

Personen oder Personengruppen diskriminiert,<br />

wie man die KI besser versteht<br />

und die Entscheidungen erklärbar<br />

macht. Auch steht in unserer Forschung<br />

der Mensch im Mittelpunkt, beispielsweise<br />

wie vorhandenes Wissen in die<br />

KI-Modelle einfließen kann, oder auch<br />

wie man Akzeptanz der KI erreichen<br />

kann. Daneben laufen noch kleine wissenschaftliche<br />

Arbeiten, beispielsweise<br />

arbeiten wir an einem Wasserzeichen<br />

für automatisch generierten Text und<br />

versuchen festzustellen, in welchen Situation<br />

die KI falsche Ergebnisse liefert.<br />

Renommierte Forscher, die aus der<br />

KI-Entwicklung aussteigen, warnen<br />

vor einer unkontrollierten Entwicklung.<br />

Was gehört geregelt?<br />

Hier sollte man zuerst einen Unterschied<br />

machen zwischen der unkontrollierten<br />

Entwicklung einerseits und der<br />

unkontrollierten Verwendung andererseits.<br />

Beide Aspekte wurden zuletzt<br />

diskutiert. Einerseits wurde von einem<br />

Moratorium gesprochen, um zuerst<br />

die bestehende KI besser zu verstehen,<br />

bevor man neue Entwicklungen startet.<br />

Andererseits stehen Initiativen, wie<br />

der AI-Act der Europäischen Union, in<br />

der aktuellen Fassung 4 Risikoklassen<br />

definiert werden und entsprechende Regularien<br />

vorgesehen sind. Der letztere<br />

Ansatz erlaubt eine Weiterentwicklung<br />

der Technologie, allerdings muss diese<br />

bestimmte Kriterien erfüllen.<br />

Wann kann ein Interview wie dieses<br />

sinnerfassend von einer KI beantwortet<br />

werden?<br />

© KNOW CENTER<br />

Heute. Warum ich mir die Mühe gemacht<br />

habe, die Frage ganz ohne Hilfe<br />

der KI zu beantworten, weiß ich jetzt<br />

aber selber nicht.<br />

31


acib.at<br />

bioplasticseurope.eu<br />

Das<br />

Ende des<br />

Plastikmülls?<br />

Im Rahmen des EU-Projektes BIO-PLASTICS EUROPE<br />

arbeiten 22 wissenschaftliche und industrielle Projektpartner<br />

aus 13 Ländern an nachhaltigen Lösungen für die<br />

Herstellung biobasierter und biologisch abbaubarer Kunststoffe,<br />

um nachhaltige und sichere Produkte auf den Markt zu<br />

bringen – von Mehrwegbesteck und Spielzeug über Verpackungen<br />

bis hin zu Landwirtschaftsprodukten. Das Austrian<br />

Centre of Industrial Biotechnology (acib) bringt dabei als<br />

wissenschaftlicher Partner gemeinsam mit Technologieexperten<br />

der Technischen Universität Graz sein materialwissenschaftliches<br />

Know-how in der Polymererzeugung ein.<br />

© UNSPLASH/NAJA BERTOLT JENSEN<br />

32


Kunststoffe sind überall. Als ein<br />

längst wesentlicher Bestandteil des<br />

täglichen Lebens steigt ihr Verbrauch<br />

kontinuierlich. Doch die vielen Vorteile<br />

von Plastik haben auch einen<br />

hohen Preis: Von der Gewinnung der<br />

Rohstoffe über die Polymerproduktion<br />

bis zur Abfallbehandlung sind<br />

mit jedem Teil des Lebenszyklus von<br />

Plastik auch erhebliche negative Umweltauswirkungen<br />

verbunden.<br />

Durch die im Projekt BIO-PLAS-<br />

TICS EUROPE entwickelten nachhaltigen<br />

Strategien und Lösungen<br />

für die Herstellung und Verwendung<br />

biobasierter Kunststoffe, soll die<br />

EU-Kunststoffstrategie unterstützt<br />

und die Kreislaufwirtschaft gefördert<br />

werden. »Unser großes Ziel ist<br />

es, biobasierte, biologisch abbaubare,<br />

nachhaltige und sichere Materialien<br />

für die Herstellung unterschiedlicher<br />

Produkte bereitzustellen«, erklärt Anita<br />

Emmerstorfer-Augustin, Projektmanagerin<br />

und molekulare Biotechnologin<br />

am Austrian Centre of Industrial<br />

Biotechnology (acib) in Graz.<br />

Die Forscher konnten, basierend auf<br />

fünf unterschiedliche, biobasierte<br />

Materialien, neue Kunststoffe entwickeln.<br />

»Die Besonderheit ist deren<br />

Bioabbaubarkeit«, erklärt Emmerstorfer-Augustin:<br />

»Während viele bisher<br />

am Markt verfügbaren Bioplastiksorten,<br />

zum Beispiel Polyyethylen, aus dem<br />

unter anderem Folien und Verpackungen<br />

gefertigt sind, auch biogenen Ursprungs<br />

sein können, heißt das nicht, dass sie auch<br />

bioabbaubar sind. Sie zersetzen sich also<br />

nicht zwangsläufig durch biologische<br />

Aktivität mithilfe von Mikroorganismen<br />

oder Enzymen, damit lediglich Wasser,<br />

Biomasse und Kohlenstoffdioxid zurückbleibt.«<br />

Diese Abbaubarkeit und nachhaltigere<br />

Nutzung von Plastik wäre<br />

jedoch essenziell: Häufig bleiben<br />

Plastiksorten in der Umwelt zurück<br />

in Form von Abfall, Abrieb von Autoreifen,<br />

Kunstrasen und vielem mehr.<br />

Dem nicht genug, belasten auch gefährliche<br />

Stoffe wie Additive, welche<br />

die Eigenschaften von Kunststoffen<br />

verbessern sollen, die Natur und die<br />

Gesundheit der Menschen.<br />

»Unsere neuen Polymer-Materialien,<br />

sogenannte ›Blends‹, müssen neben Bioabbaubarkeit<br />

auch weitere Eigenschaften<br />

mitbringen, welche wir im Labor charakterisieren.<br />

Für die Herstellung variieren<br />

wir unter Einsatz diverser Additive die<br />

Prozessbedingungen, wie zum Beispiel<br />

Temperatur und Druck. Am Endprodukt<br />

erproben wir dann die Bioabbaubarkeit<br />

mittels geeigneter Enzyme und bestimmen<br />

über den Gewichtsverlust und das<br />

Vorhandensein diverser Abbauprodukte,<br />

wie gut das funktioniert«, so Emmerstorfer-Augustin.<br />

Es konnte gezeigt werden, dass die<br />

neuen Materialien, darunter Biopolyester-<br />

(PHB) und Naturkautschuk-<br />

Blends, viel elastischer und flexibler<br />

als herkömmliche Bioplastiksorten<br />

sind.<br />

»Begleitend zur Herstellung haben wir im<br />

Projekt ein Sicherheitsprotokoll erstellt,<br />

um die sichere Verwendung und das Endof-Life-Management<br />

von biobasierten<br />

und biologisch abbaubaren Kunststoffen<br />

zu verbessern.« Derzeit werden diese<br />

Prototypen im Labor und in Feldversuchen<br />

auch auf ihre Toxizität hin<br />

getestet. »Toxizitätstests, welche an der<br />

Medizinischen Universität Graz durchgeführt<br />

wurden, zeigen, dass das von uns<br />

entwickelte Material unbedenklich ist«,<br />

erklärt die Forscherin.<br />

Mehrere hundert Gramm an biobasiertem,<br />

bioabbaubaren Plastikprototypen<br />

konnten bereits hergestellt<br />

werden. Eine Ausweitung der<br />

Produktion auf Industriemaßstab<br />

ist geplant. Die ersten Ergebnisse<br />

werden Ende des Jahres erwartet und<br />

sollen dazu beitragen, viele Produkte<br />

in puncto Umwelt und Gesundheit<br />

zu verbessern. »Ziel ist, dass wir unsere<br />

Erkenntnisse auf Mehrwegbesteck, Spielzeug,<br />

weiche und starre Verpackungen,<br />

landwirtschaftliche Folien und Geomembranen<br />

sowie Fischköder und -kisten<br />

übertragen«, so Emmerstorfer-Augustin.<br />

BIO-PLASTICS EUROPE entwickelt<br />

seit dem Start im Oktober 2019,<br />

mit 22 Projektpartnern aus 13 Ländern,<br />

nachhaltige Lösungen für die<br />

Herstellung und Verwendung biobasierter<br />

Kunststoffe und setzt die<br />

Ergebnisse um. Es wurden bisher<br />

26 Forschungsarbeiten veröffentlicht,<br />

fünf Prototypen biobasierter<br />

Kunststoffe entwickelt und mit der<br />

Erstellung eines Sicherheitsprotokolls<br />

begonnen, um die sichere<br />

Verwendung und das End-of-Life-Management<br />

von biobasierten<br />

und biologisch abbaubaren Kunststoffen<br />

sicherzustellen. Derzeit<br />

werden diese Prototypen im Labor<br />

und in Feldversuchen getestet. Ziel<br />

des Projekts ist es, biobasierte, biologisch<br />

abbaubare, nachhaltige und<br />

sichere Materialien für die Herstellung<br />

verschiedenster Produkte, wie<br />

Spielzeug, Fischkisten oder Mehrwegbesteck,<br />

bereitzustellen.<br />

Das 2010 gegründete Austrian<br />

Centre of Industrial Biotechnology<br />

(acib) entwickelt neue, umweltfreundlichere<br />

und ökonomischere<br />

Prozesse für die Biotech-, Chemieund<br />

Pharmaindustrie und verwendet<br />

dafür die Methoden der Natur<br />

als Vorbild. Das internationale Forschungszentrum<br />

für industrielle<br />

Biotechnologie ist eine Non-Profit-Organisation<br />

mit weltweiten<br />

Standorten und Hauptsitz im österreichischen<br />

Graz. acib versteht sich<br />

als Partnerschaft von mehr als 150<br />

Universitäten und Unternehmen.<br />

acib-Eigentümer sind die Universitäten<br />

Innsbruck und Graz, die TU<br />

Graz, die BOKU Wien sowie Joanneum<br />

Research.<br />

33


© HERZ ENERGIETECHNIK GMBH<br />

ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG<br />

Die HERZ<br />

Energietechnik<br />

GmbH ist für<br />

den Winter<br />

gewappnet<br />

– mit einem<br />

neuen Geschäftsführer<br />

an der Spitze<br />

und innovativen<br />

Produkten, die<br />

nicht nur das<br />

Haus, sondern<br />

auch das Herz<br />

erwärmen.<br />

Die neuen<br />

STARS<br />

der HERZ<br />

Energietechnik<br />

Text: Julia Strempfl<br />

34


ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG<br />

HERZ Energietechnik GmbH<br />

Herzstraße 1 +43 (0)3357 / 42840 – 0<br />

7423 Pinkafeld office-energie@herz.eu<br />

In Zeiten der Inflation, in der auch<br />

die Heizkosten steigen, sucht man<br />

nach Möglichkeiten, die Energieausgaben<br />

zu reduzieren, ohne verzichten<br />

zu müssen. Die umweltfreundlichen<br />

Heizsysteme von HERZ Energietechnik<br />

bieten die Antwort. Dank ihrer speziellen<br />

Technologie versprechen sie einen<br />

warmen und sorgenfreien Winter. Sie<br />

schonen nicht nur die Umwelt, sondern<br />

entlasten auch den Geldbeutel. »Moderne<br />

Technik bedeutet weniger Energieeinsatz<br />

bei unverändertem oder höherem Komfort<br />

und ein behagliches Eigenheim genießen,«<br />

so DI (FH) Karl Pucher, neuer Geschäftsführer<br />

der HERZ Energietechnik<br />

und Binder Energietechnik.<br />

Moderne Heizlösungen bieten<br />

unzählige Möglichkeiten<br />

Die HERZ Gruppe ist ein weltweit<br />

tätiges Unternehmen mit 42 Produktionsstätten<br />

in 12 europäischen<br />

Ländern und über 3.500 Mitarbeiter*innen.<br />

Die Herz Energietechnik<br />

am Standort Pinkafeld beschäftigt<br />

rund 200 Mitarbeiter und etablierte<br />

sich als Komplettanbieter für erneuerbare<br />

Energiesysteme. Im hauseigenen<br />

Kompetenzzentrum und Labor werden<br />

Neuentwicklungen mit dem Fokus auf<br />

Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein<br />

realisiert. Zusammen mit der<br />

Binder Energietechnik ist sie Spezialist<br />

für erneuerbare Energiesysteme und<br />

blickt auf jahrzehntelange Erfahrung<br />

und Know-how zurück. Zudem etablierten<br />

sich die beiden Unternehmen<br />

mit Lösungen für Sonderbrennstoffe<br />

sowie Transport- und Fördertechnik.<br />

Alle Produkte werden vorwiegend in<br />

Österreich hergestellt, um den höchsten<br />

Qualitätsstandards gerecht zu<br />

werden. »Wir bieten eine breite Palette an<br />

modernen, kostengünstigen und effizienten<br />

Heizsystemen.« erzählt der Geschäftsführer.<br />

Dazu zählen Pellets- und<br />

Hackgutanlagen bis 1500 kW, sowie<br />

Holzvergaserkessel und Wärmepumpen<br />

bis 40 kW. Die jahrelange<br />

Erfahrung und Expertise ermöglicht<br />

es den Unternehmen auch, verschiedene<br />

Lager- und Austragungssysteme für<br />

Pellets und Hackgut anzubieten. »Die<br />

beliebtesten Optionen im Lagerraum sind<br />

das f lexible Schnecken- oder Saugsystem.<br />

Ist kein separater Lagerraum vorhanden,<br />

können Sacksilos direkt im Heizraum<br />

aufgestellt werden,« fährt DI (FH) Karl<br />

Pucher fort.<br />

Neu: Der pelletstar-H/HE 10-30 kW<br />

Das neue Herzstück des Unternehmens<br />

wird nicht umsonst »pelletstar«<br />

genannt, denn es zeichnet sich durch<br />

modernste Technologie und höchster<br />

Bedienerfreundlichkeit aus. Der Pelletkessel<br />

mit integriertem Elektrofilter<br />

kann mit drei verschiedenen Komplettierungspaketen<br />

vervollständigt<br />

werden. Zudem steht eine Vielfalt an<br />

Austragungsvarianten zur automatischen<br />

Brennstoffzufuhr zur Verfügung.<br />

Durch die eingebaute Lambdasonde<br />

werden Abgaswerte laufend<br />

überwacht und konstant für perfekte<br />

Verbrennungswerte bei geringsten<br />

Emissionswerten gesorgt – auch bei<br />

unterschiedlichen Brennstoffqualitäten.<br />

Die Regelung per Touch-Display<br />

weist ein übersichtliches Menü mit<br />

schematischer 3D-Darstellung auf und<br />

ist somit äußerst einfach zu bedienen.<br />

Die modulare Betriebsweise der T-Control<br />

Regelung bietet bis zu 30 Erweiterungsmöglichkeiten.<br />

Ein besonderer<br />

Vorteil ist die Regelung per Fernvisualisierung<br />

am Smartphone, PC oder<br />

Tablet. »Vom stromsparenden Standby-Betrieb<br />

über die energiesparende Verbrennung<br />

bis hin zum komfortablen Fernzugriff über<br />

myHERZ, spiegelt der pelletstar-H/HE<br />

10-30 kW die Kernwerte des Unternehmens<br />

klar wider – zuverlässig, innovativ, nachhaltig<br />

und effizient in allen Bereichen,«<br />

ergänzt DI (FH) Karl Pucher.<br />

Neuer Geschäftsführer<br />

mit Herz für Herz<br />

Seit Juli <strong>2023</strong> ist DI (FH) Karl Pucher<br />

Geschäftsführer der HERZ Energietechnik<br />

in Pinkafeld sowie der Binder<br />

Energietechnik in Bärnbach. Dem<br />

Diplom-Ingenieur für Umweltund<br />

Energiewirtschaft sind enorme<br />

© SISSI FURGLER FOTOGRAFIE<br />

Wertschöpfungstiefe und somit ressourcenschonende<br />

Lösungen für eine<br />

lebenswerte Zukunft besonders wichtig.<br />

Daher hat er die neue und spannende<br />

Herausforderung angenommen,<br />

die Marken Herz und Binder weiterhin<br />

weltweit auszubauen und zu stärken.<br />

Er verfügt über langjährige Erfahrung<br />

in Spitzenpositionen und hat sich<br />

bereits in verschiedenen Unternehmen<br />

als Geschäftsführer bewährt. Aufgrund<br />

seiner bisherigen beruflichen Laufbahn<br />

bringt er wertvolles Know-how und<br />

fundierte Führungskompetenzen mit.<br />

DI (FH) Karl Pucher<br />

Die Energiewende mitgestalten<br />

Mit neuen Ideen blickt er optimistisch<br />

in die Zukunft: »Die vergangenen Jahre<br />

haben gezeigt, dass die Themen Nachhaltigkeit<br />

eng mit dem Biomasse- und Wärmepumpen-Sektor<br />

verbunden sind und auf<br />

der Agenda ganz oben stehen, auch wenn<br />

die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen<br />

aktuell schwierig sind. Herz und Binder<br />

Energietechnik werden bei der Energiewende<br />

eine große Rolle spielen, dazu sind<br />

wir an beiden Standorten in Bärnbach und<br />

Pinkafeld personell wie auch technologisch,<br />

bestens aufgestellt. Da sind sehr viele spannende<br />

Aufgaben und Entwicklungen am<br />

Laufen. Ich freue mich darauf, die Herz und<br />

Binder Energietechnik weiter zu stärken<br />

und einen Beitrag zu leisten, indem wir unsere<br />

Kund*innen mit innovativen Lösungen<br />

und den neuesten Technologien bestmöglich<br />

im nachhaltigen Tun unterstützen.«<br />

www.herz-energie.at<br />

35


Technik-Trends für<br />

Mensch & Umwelt<br />

»Haushaltsgeräte bis zum Gehtnichtmehr<br />

zu nutzen, ist nicht immer ratsam. Das<br />

liegt daran, dass die Technologie heute viel<br />

besser entwickelt ist – und das ist wiederum<br />

besser für die Umwelt«, so Michael<br />

Röggla. Kommen<br />

Heizstrahler,<br />

Kühlgerät,<br />

Herd oder<br />

Waschmaschine<br />

aus einer<br />

Zeit, in der der<br />

Stromverbrauch<br />

noch nicht im<br />

Fokus stand,<br />

dann können sie<br />

zu regelrechten<br />

Energiefressern<br />

werden.<br />

»Dabei fressen sie<br />

auch ein Loch in<br />

die Geldbörse«,<br />

schmunzelt<br />

der Experte<br />

von Media-<br />

Markt, in der<br />

Shopping City<br />

Seiersberg.<br />

BetterWay-<br />

Kriterien<br />

Kühlgefrierkombination LG ELECTRONICS – GBP62PZNBC<br />

Bei MediaMarkt legt<br />

man besonderen Wert<br />

auf Produkte, die energieeffizient<br />

arbeiten und hohe Nachhaltigkeitsstandards<br />

erfüllen. Haushaltsgeräte<br />

werden von unabhängigen Prüfungsorganisationen<br />

sowie von der hauseigenen<br />

Abteilung auf alle relevanten<br />

Kriterien hin überprüft. Dabei<br />

befasst man sich mit Fragen wie: Was<br />

ist gut für unsere Umwelt? Wie kann<br />

ich effizient Ressourcen sparen? Ist<br />

ein Produkt fair hergestellt? »Mittlerweile<br />

führt MediaMarkt bereits<br />

1.200 Produkte, die mit<br />

dem ›BetterWay‹-Label ausgezeichnet<br />

sind. Diese sind<br />

besonders langlebig und<br />

zeichnen sich durch eine<br />

optimale Energieeffizienzklasse<br />

aus«, versichert<br />

Michael Röggla.<br />

Kühl- & Gefrierkombi<br />

»Insbesondere bei Gefrierund<br />

Kühlschränken ist<br />

die Effizienzklasse entscheidend.<br />

Damit können<br />

Einsparungen im Stromverbrauch<br />

bis zu 50 %<br />

erreicht werden«, fährt<br />

er fort. Ein Beispiel<br />

dafür ist die Kühl- &<br />

Gefrierkombination<br />

von LG Electronics.<br />

Die ausgeklügelte<br />

LINEARCooling®-<br />

Funktion sorgt für<br />

eine präzise Temperaturregelung.<br />

Die<br />

DoorCooling+®-Funktion gewährleistet<br />

eine schnellere und gleichmäßigere<br />

Kühlung im gesamten Gerät und das<br />

FRESHConverter®-Fach reguliert die<br />

Luftzufuhr via Schiebeschalter<br />

für wahlweise Fisch, Fleisch oder<br />

Gemüse. So bleiben alle Lebensmittel<br />

länger knackig und frisch. Zudem<br />

bietet das Produkt höchsten Komfort,<br />

dank großzügigem Stauraum<br />

und »Total No Frost«-Technik – eine<br />

optimierte Luftzirkulation, die dem<br />

mühsamen Abtauen ade sagt.<br />

PowerCare-Waschmaschine<br />

Der Technik-Held im Badezimmer ist<br />

die PowerCare-Waschmaschine von<br />

AEG. Mit der einzigartigen ÖkoMix-<br />

Technologie ausgestattet, werden<br />

Waschmittel und Weichspüler gleichmäßig<br />

auf der Kleidung verteilt, wodurch<br />

bereits bei 30 °C hervorragende<br />

Waschergebnisse in weniger als einer<br />

Stunde erzielt werden. Durch das<br />

PowerClean-Programm werden selbst<br />

Flecken bei gleicher Temperatur in<br />

nur 59 Minuten vollständig entfernt.<br />

»Früher hörte man oft, dass Kurzprogramme<br />

zu einem höheren Stromund<br />

Wasserverbrauch führen. Das<br />

ist hier nicht der Fall. Die ProSense®<br />

Waschmaschine AEG – LR8E75695<br />

ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG<br />

36


Text: Julia Strempfl<br />

Der Kühlschrank ist bereits in die Jahre gekommen und das<br />

merkt man. Doch solange er noch kühlt und das Gemüse frisch<br />

hält, besteht kein Grund für eine Neuanschaffung. Richtig?<br />

Stimmt nicht ganz, weiß Michael Röggla, Customer Sales &<br />

Solution Manager bei MediaMarkt.<br />

ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG<br />

Mengenautomatik ermittelt automatisch<br />

die Wäschemenge für einen maßgeschneiderten<br />

Waschzyklus. Unsere internen<br />

Tests haben gezeigt, dass dadurch<br />

nicht nur Zeit, sondern auch Wasser- und<br />

Energieverbrauch bis zu 40 % eingespart<br />

werden«, erzählt Michael Röggla<br />

begeistert.<br />

Eine zweite Chance:<br />

Reparatur-Service<br />

»Apropos Einsparungspotential: Um<br />

Ressourcen zu schonen, bieten wir einen<br />

umfassenden Reparaturservice an – auch<br />

für Produkte, die nicht bei uns gekauft<br />

wurden«, betont er. Kund*innen erhalten<br />

eine transparente Beratung,<br />

bei der sorgfältig abgewogen wird,<br />

ob sich eine Reparatur lohnt. Dabei<br />

verfolgt das Service-Team die Philosophie,<br />

dass jedes Gerät eine zweite<br />

Chance verdient – und das zu einem<br />

fairen Preis.<br />

Ankaufservice nutzen<br />

& Beitrag leisten<br />

Nutzt man den Ankaufservice,<br />

leistet man mit minimalem Aufwand<br />

einen wertvollen Beitrag für die<br />

Umwelt und sichert sich zudem eine<br />

MediaMarkt-Geschenkkarte. Mithilfe<br />

weniger Fragen wird der Wert<br />

gebrauchter Elektrogeräte ermittelt.<br />

Kurz darauf erhält man schon den<br />

Wertgutschein.<br />

Apple Watch Series 9<br />

presented by<br />

Shopping City Seiersberg 9<br />

8054 Seiersberg<br />

Smart in<br />

die Zukunft<br />

Die Smartwatch von Apple ist das erstes<br />

CO₂-neutrales Produkt von MediaMarkt und<br />

markiert damit einen Meilen stein auf dem Weg,<br />

bis 2030 alle Produkte CO₂-neutral zu machen.<br />

Ziel des Unternehmens ist es, den Großteil<br />

der Emissionen durch innovative Materialien,<br />

sauberen Strom und CO₂-armen Versand zu<br />

reduzieren. Was übrig bleibt, wird durch Investitionen<br />

in naturbasierte Projekte kompensiert.<br />

Denn die Erde wartet nicht.<br />

www.mediamarkt.at<br />

Salzburger Straße 1<br />

8940 Liezen<br />

Bahnhofplatz 1<br />

9400 Wolfsberg<br />

FOTOS: © MEDIAMARKT<br />

37 37


© PROPELLETS/GEORG WILKE<br />

Christian Rakos:<br />

»Die Energiewende<br />

im eigenen Heim<br />

umsetzen!«<br />

ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG<br />

Herr Rakos, herzlichen Dank<br />

für Ihre Zeit. Kann ein einzelner<br />

Haushalt wirklich nennenswert<br />

beitragen zur Energiewende?<br />

Ich denke ja, wichtig ist, dass man dabei<br />

aber auf die Prioritäten achtet. Rund<br />

80 % des Energieverbrauchs eines Haushalts<br />

werden für die Wärmeversorgung<br />

und das Warmwasser benötigt. Hier<br />

muss man also ansetzen, wenn man<br />

die Energiewende im eigenen Haus<br />

realisieren will.<br />

Wie sieht es mit den verschiedenen<br />

Möglichkeiten aus, die Haushalte<br />

dabei haben?<br />

Wenn ein Anschluss an ein Fernwärmesystem<br />

möglich ist, das erneuerbare<br />

Energie nutzt, ist das die erste Wahl.<br />

Gibt es diesen nicht und das Haus ist gut<br />

isoliert und verfügt über eine Fußbodenheizung,<br />

dann macht eine Wärmepumpe<br />

Sinn, wobei eine Erdwärmepumpe<br />

weniger Strom verbraucht als eine<br />

Luftwärmepumpe. Handelt es sich um<br />

ein Gebäude, das nicht über eine erstklassige<br />

Wärmedämmung verfügt, dann<br />

ist eine moderne Pelletheizung die beste<br />

und auch kostengünstige Alternative.<br />

Sie ist nicht nur wirtschaftlich attraktiv,<br />

sondern auch ausgesprochen umweltfreundlich.<br />

Es gibt immer wieder Debatten<br />

über die Kosten für Brennstoffe,<br />

besonders in Zeiten von Energiekrisen<br />

wie im Jahr 2022.<br />

Wie schneiden Holzpellets im<br />

Vergleich zu Heizöl ab?<br />

In der Tat war Heizöl extraleicht in den<br />

letzten 20 Jahren durchgängig teurer<br />

als Holzpellets. Selbst während der<br />

Energiekrise im Jahr 2022 hat sich diese<br />

Tendenz fortgesetzt, obwohl Pellets im<br />

vergangenen Jahr auch deutlich teurer<br />

waren. Ein durchschnittlicher Haushalt<br />

hat im Vergleich zu Heizöl im Jahr 2022<br />

über 1.800 Euro eingespart, wenn er auf<br />

Pellets gesetzt hat. Gas kostet aktuell<br />

mehr als doppelt so viel wie Pellets.<br />

Das klingt attraktiv, aber gibt<br />

es überhaupt genügend Pellets,<br />

wenn viele weitere Haushalte<br />

umsteigen?<br />

Absolut. Wir erleben momentan eine<br />

regelrechte Investitionswelle, 10 neue<br />

Pelletwerke sind in Österreich gebaut<br />

worden oder stehen kurz vor der Fertigstellung.<br />

Damit wird es auch langfristig<br />

eine ausgezeichnete Versorgung mit<br />

diesem heimischen Brennstoff geben.<br />

Könnten Sie für unsere Leserinnen<br />

und Leser ein wenig mehr über<br />

diese Technologie erklären?<br />

Natürlich, sehr gerne. Pelletheizungen<br />

nutzen Holzpellets als Brennmaterial.<br />

Diese kleinen, in Zylinderform gepressten<br />

Energiebündel werden in Österreich<br />

aus Nebenprodukten der Sägeindustrie<br />

hergestellt. Man nutzt also Material, das<br />

ohnehin anfallen würde, und verwandelt<br />

es in wertvolle Wärmeenergie für den<br />

Haushalt. Das ist Recycling in seiner besten<br />

Form. Nicht nur der Brennstoff selbst<br />

hat viele Vorteile, auch die Heizung lässt<br />

sich einfach installieren und funktioniert<br />

vollautomatisch. Dort wo der Ölkessel<br />

stand, kann der Pelletkessel stehen und<br />

anstatt des Öltanks wird das Pelletlager<br />

eingerichtet. So eine Umstellung der<br />

Heizung kann in drei Tagen erfolgen.<br />

Wie sieht es mit den Investitionskosten<br />

aus?<br />

Diese sind natürlich von vielen Faktoren<br />

abhängig. Was ich sagen kann ist, dass<br />

die Investition, wenn man die hohen<br />

Förderungen von Land und Bund berücksichtigt,<br />

kaum höher sind, als die in<br />

einen neue fossile Heizanlage. Dafür hat<br />

man aber dauerhaft deutlich niedrigere<br />

Heizkosten und das gute Gefühl, etwas<br />

für den Klimaschutz zu tun.<br />

Dabei emittiert eine Pelletheizung<br />

doch ebenfalls CO 2<br />

?<br />

Das ist richtig, es handelt sich aber um<br />

dieselbe Menge an CO 2<br />

, die der Baum<br />

davor aus der Luft aufgenommen hat,<br />

zur Bildung von Holz. Das bedeutet,<br />

dass kein zusätzliches CO 2<br />

in die Atmosphäre<br />

gelangt und deshalb fördert das<br />

Klimaschutzministerium auch Pelletheizungen<br />

mit bis zu 7.500 Euro.<br />

Würden Sie also sagen, dass<br />

Pelletheizungen ein wichtiger<br />

Schritt in Richtung einer nachhaltigeren<br />

Gesellschaft sind?<br />

Ich denke ja. Wir müssen in Zukunft<br />

mehr in regionalen Kreisläufen wirtschaften<br />

und eine Pelletheizung passt<br />

da sehr gut dazu, wenn man bedenkt,<br />

dass kein Österreicher weiter als 50 km<br />

vom nächsten Pelletwerk entfernt ist.<br />

propellets.at<br />

38


Auf der Suche<br />

nach Heimat.<br />

Tess Gunty seziert den Amerikanischen Traum, Goran<br />

Vojnovic wirf einen radikalen Blick auf Slowenien.<br />

Viel verändert sich, wenn man<br />

nach zehn Jahren in die Heimat<br />

zurückkehrt, manches bleibt gleich.<br />

Marko ist Serbe, ein Teil seiner Familie<br />

lebt in Bosnien, der andere Teil in dem<br />

slowenischen Städtchen Fužine, in dem<br />

er aufgewachsen ist – Marko hat schon<br />

immer mit seiner Zugehörigkeit zu<br />

kämpfen. Als 18-Jähriger beschließt er,<br />

seine Karriere als Basketballspieler zu<br />

beenden, Slowenien zu verlassen und<br />

zu seinen Großeltern nach Bosnien zu<br />

ziehen. Zehn Jahre später kehrt Marko<br />

zu seinen Eltern und Freunden nach<br />

Fužine zurück. In Fužine angekommen,<br />

merkt Marko sofort, dass das Städtchen<br />

nicht mehr das ist, was es einmal war.<br />

Aus mitteleuropäischer Sicht würde man<br />

sagen, Fužine verliert seinen Balkan-Ostblock-Scham:<br />

Die Lifte sind nicht mehr<br />

vollgekritzelt, ein Einkaufszentrum nach<br />

dem anderen wird gebaut und anstatt in<br />

einem Trainingsanzug – dem osteuropäisch-jugoslawischen<br />

Symbol schlechthin<br />

– abzuhängen, muss jeder Familienvater<br />

hart schuften, um die Kreditraten fürs<br />

Eigenheim abzuzahlen. Konfrontiert<br />

mit den Veränderungen, der Suche nach<br />

seiner Heimat, reitet sich Marko sofort in<br />

illegale Geschäfte: Für 200 Euro soll Marko<br />

mit einem Freund gemeinsam eine<br />

mysteriöse Fuhre von der bosnischen<br />

Grenze nach Slowenien schmuggeln. Und<br />

wäre das nicht genug, erfährt Marko,<br />

dass sein Vater an Darmkrebs leidet und<br />

operiert werden soll.<br />

Mit »18 Kilometer bis nach Ljubljana«<br />

schafft es Goran Vojnović den Leser mit<br />

frech f lottem, sarkastischem Jugendslang<br />

mit Wiedererkennungswert, in<br />

Markos Alltag als »Tschefur«, einem in<br />

Slowenien lebenden Serben, zu entführen<br />

und in seinen Bann zu ziehen. Dabei<br />

spricht Vojnović große Themen, wie die<br />

Diskriminierung der »Tschefuren«, ihre<br />

Auswirkung und die religiösen Konf likte<br />

im ehemaligen Jugoslawien, an. Mit<br />

Marko erzeugt der slowenische Autor<br />

einen sympathischen, jungen, greif baren<br />

Mann mit Identifikationspotenzial. Nach<br />

»Tschefuren raus!« ist »18 Kilometer bis nach<br />

Ljubljana« eine durchaus gelungene Fortsetzung,<br />

die auch als Einzelwerk in sich<br />

schlüssig ist.<br />

Radikales Sommermärchen<br />

Hier kommt aus dem Off eine wilde<br />

Stimme. Tess Gunty hat sie erhoben.<br />

Wie mit einer Kreissäge fährt sie durch<br />

die Gewohnheiten und den Einheitsbrei<br />

der Literatur. »Der Kaninchenstall« nennt<br />

sich der Roman der Newcomerin des<br />

Jahres. Als Kaninchenstall wird eine ehemalige<br />

Industriehalle im US-Bundesstaat<br />

Indiana benannt, die notdürftig, mit<br />

dünnen Wänden, zu einem schäbigen<br />

Appartementblock umgewandelt wurde<br />

und dort spielt es sich nun ab.<br />

Zum Setting: Joan, eine extrem gläubige<br />

Online-Nachrufe-Dienst-Betreuerin,<br />

Moses Blitz, Sohn einer verstorbenen<br />

Kinderstarikone aus den 1950er-Jahren,<br />

Hope, die seit sie Mutter ist, nicht<br />

mehr in ihr Leben zurückfindet und in<br />

ihrer Bude mit einer Mäuseinvasion zu<br />

kämpfen hat, ein alterndes Ehepaar,<br />

das sich rühmt, im Kaninchenstall ein<br />

Eigentum gefunden zu haben und »der<br />

Mann«, der schon gleich zu Beginn einen<br />

bedrohlichen Schatten über Blandine<br />

wirft. Blandine? Blandine schleppt diesen<br />

Karren voller Originale über 416 Seiten,<br />

glaubt selbst eine Auserwählte zu sein,<br />

mit einem Spleen für Hildegard von Bingen<br />

und anderen Mystikerinnen aus dem<br />

Mittelalter, die im Grunde nur eines will,<br />

den eigenen Körper verlassen. Und das<br />

alles nun irgendwo im Mittleren Westen,<br />

wo sich Fuchs und Hase Gute Nacht<br />

sagen. Zum herausragenden Stilmittel<br />

wurde die Attacke auf den Lesenden und<br />

die Überraschung auserkoren: Comedy-<br />

Einschübe, das Gefühl an einer entgleitenden<br />

Late-Night-Show teilzunehmen,<br />

Assi-TV, Serienklamauk, das alles hat im<br />

Kaninchenstall Platz und ist quasi eine<br />

Verarbeitung der amerikanischen Realität<br />

abseits der betuchten Plätze. Wäre<br />

dieser Roman in einem einschlägigen<br />

Kleinverlag herausgekommen, er hätte<br />

das Feuilleton nicht wachgerüttelt, aber<br />

Tess Gunty durchschritt gekonnt die<br />

Wege, studierte Kreatives Schreiben auf<br />

der NYU, schaffte es in den renommierten<br />

New Yorker Alfred A. Knopf Verlag und<br />

ergatterte als Außenseiterin den National<br />

Book Award 2022 und befindet sich im<br />

deutschsprachigen Raum bereits jetzt,<br />

nach einem Blitzstart in der zweiten<br />

Auf lage. Klingt alles nach einem Märchen,<br />

aber warum jetzt einmal nicht.<br />

Goran Vojnovic<br />

»18 Kilometer bis Ljubljana«<br />

319 Seiten<br />

Folio Verlag<br />

Tess Gunty<br />

»Der Kaninchenstall«<br />

416 Seiten<br />

KiWi Verlag<br />

© FOLIO VERLAG<br />

© KIEPENHEUER & WITSCH<br />

Text: Martin G. Wanko & Clarissa Berner<br />

39


© BROBOTERS<br />

ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG<br />

GOLDSUCHE<br />

IM VULKANLAND<br />

Text: Martin G. Wanko<br />

Das Gold im Vulkanland ist von<br />

flüssiger Natur und nennt sich<br />

Grauburgunder. Kupfern schimmernd,<br />

einzigartig im Bouquet<br />

und unschlagbar im Geschmack<br />

ist er der Star am Weingut Stefan<br />

Krispel.<br />

Wohl getrost kann man über die Dreifaltigkeit<br />

des Zusammenspiels zwischen<br />

den mineralhaltigen Böden im<br />

Vulkanland, dem Mikroklima und der<br />

stilistischen Vinifizierung am Weingut<br />

Krispel sprechen, die einen Grauburgunder<br />

zum Grauburgunder von Stefan<br />

Krispel macht. Zum einen sind die<br />

basalthaltigen Böden im Vulkanland<br />

das Erbe aus der Zeit, als die Südoststeiermark<br />

noch von aktiven Vulkanen<br />

übersät war, das Land mit Magma<br />

überdeckten, bei dessen Abkühlung<br />

verwittertes, basalthaltiges Gestein entstand.<br />

Die neu entstandene Gesteinsschicht<br />

überzog auch die Meeresablagerungen<br />

unzähliger Muscheln, was<br />

sich heute als Kalk darstellt. Der Basalt<br />

und der Kalk sorgen in Verbindung für<br />

ein einzigartiges Terroir: So vereint<br />

dann die Grauburgunder-Traube die<br />

Eleganz des kalkhaltigen Gesteins mit<br />

der Opulenz des Basalts zu einem einzigartigen<br />

Geschmackserlebnis. Gerade<br />

das Vordringen in die tiefsten Gesteinsschichten<br />

sorgt für den einzigartigen<br />

Charakter der alten Rebstöcke.<br />

Die optimale Mischung aus<br />

Terroir, Klima und Vinifizierung<br />

Als zweite Säule der Dreifaltigkeit<br />

kommt das einzigartige Mikroklima in<br />

Straden zum Tragen: Straden zählt zu<br />

den niederschlagsärmsten Regionen<br />

Österreichs. Heiße Tage wechseln mit<br />

kühlen Nächten ab, die für den Säuregehalt<br />

der Beeren verantwortlich sind.<br />

In mühsamer Kleinarbeit werden hier<br />

die Trauben, beispielsweise in der Grauburgunder-Lage<br />

Hochstrandl im Steilhang<br />

von Hand gelesen und in kleinen<br />

Lesekisten zum Weingut gebracht. Dort<br />

steht nun der neu erdachte Weinkeller<br />

für die dritte Säule der Dreifaltigkeit.<br />

Im Mai <strong>2023</strong> eröffnete Stefan Krispel<br />

seinen neu erbauten Weinkeller, der mit<br />

einer in der Steiermark einzigartigen<br />

Traubensortieranlage das optimale<br />

Weingut von den fehlerhaften Beeren<br />

trennt. So schnell schaut kein Auge,<br />

so präzise arbeiten nicht die flinksten<br />

Hände. Auch das Traubengut für den<br />

Grauburgunder durchläuft mit dem<br />

<strong>2023</strong>er-Jahrgang erstmals dieses Förderband<br />

sowie alle weiteren Vinifizierungsschritte,<br />

bis er im Holzfasskeller<br />

zur vollendeten Komplexität ausreifen<br />

kann. Dennoch bleibt man im Weingut<br />

Krispel demütig vor der oft nicht<br />

zu berechnenden Zukunft und freut<br />

sich inständig über die Falstaff-Auszeichnungen<br />

für den Grauburgunder<br />

Vulkanland Steiermark DAC und dem<br />

Grauburgunder Ried Hochstrandl<br />

Große Lage Alte Rebe 2020 als<br />

sortenbester Grauburgunder.<br />

Genussgut Krispel<br />

Neusetz 29, A-8345<br />

Hof bei Straden<br />

+43 3473 7862<br />

office@krispel.at<br />

www.krispel.at<br />

Öffnungszeiten »Genusstheater«<br />

ab 02. November <strong>2023</strong> bis 16. Dezember<br />

Donnerstag - Samstag:<br />

14:00 - 23:00 Uhr<br />

ab 02. November bis 17. Dezember<br />

Donnerstag - Samstag:<br />

10:00 - 12:00 Uhr &<br />

14:00 - 18:00 Uhr<br />

Sonntag:<br />

09:00 - 12:00 Uhr<br />

oder 24/7 im Webshop<br />

auf www.krispel.at/shop<br />

Küche:<br />

14:00 - 20:00 Uhr<br />

Öffnungszeiten »Ab-Hof-Verkauf«<br />

40


© MCG/WIESNER ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG<br />

LA<br />

DOLCE<br />

VITA<br />

im Stefaniensaal.<br />

41


FOTOS © ULRIKE RAUCH<br />

ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG<br />

MUSICA & GUSTO | 30.11.<strong>2023</strong> | Stefaniensaal Congress Graz<br />

Die Veranstaltungsreihe »Musica &<br />

Gusto« entführt am 30. November ins<br />

Sehnsuchtsland Italien. Unser südlicher<br />

Nachbar weiß wohl am besten,<br />

wie man »La Dolce Vita« zelebriert. In<br />

Italien liebt man gutes Essen, sowie<br />

gute Musik und so tragen nicht zuletzt<br />

auch die vielen kulinarischen<br />

Genüsse des Landes dazu bei, das<br />

Leben leidenschaftlich zu feiern.<br />

Neben der Verkostung hochwertiger<br />

Produkte Siziliens, wird ein stimmungsvolles<br />

Konzert von Vucciria &<br />

Banda del Mare den Abend zu einem<br />

Erlebnis machen. Messe Congress<br />

Graz und die Ivents Kulturagentur<br />

laden zum zweiten Mal in Folge zu<br />

»Musica & Gusto« und möchten auch<br />

Ihnen Gusto machen: auf einen stimmungsvollen<br />

Abend mit italienischer<br />

Kultur und Kulinarik. Beschwingte<br />

Musik und ausgewählte kulinarische<br />

Genüsse, im wundervollen Ambiente<br />

des Stefaniensaals im Congress<br />

Graz, versprechen einen gemütlichen,<br />

unterhaltsamen Abend.<br />

Vucciria & Banda del Mare<br />

Die Band Vucciria ist nach dem täglichen<br />

Altstadtmarkt von Palermo<br />

benannt und macht dem Namen<br />

mit ihrem vielfältigen und enthusiastischen<br />

Musikprogramm alle<br />

Ehre. Giuseppe Perna, Toti Denaro,<br />

Nicoló Loro Ravenni und Manu Mazé<br />

überzeugen mit feinsinnigen Eigenkompositionen<br />

und traditionellen<br />

Volksweisen nebst Gesang auf der<br />

Gitarre, Mandoline, Maultrommel,<br />

Klarinette, Akkordeon, Saxophon<br />

sowie auf verschiedenen Flöten und<br />

Trommeln. Das Publikum wird<br />

nicht nur vom mediterranen Charme<br />

der Musik vereinnahmt, sondern<br />

insbesondere auch, wenn die vier<br />

kreativen Traditionalisten aus dem<br />

italienischen Nähkästchen plaudern.<br />

Ansteckende Fröhlichkeit und<br />

italienisches Lebensgefühl machen<br />

sich durch den pulsierend, heiteren<br />

Rhythmus und humorvollem Geplauder<br />

zwischen den Stücken rasch im<br />

Publikum breit.<br />

Kulinarik und Degustation<br />

Die herausragenden Produzenten aus<br />

Sizilien präsentieren ihre exquisiten<br />

Produkte und versprechen einen<br />

Hochgenuss. An mehreren Stationen<br />

können die Gäste ausgewählte<br />

Produkte, die von Spitzenköchen der<br />

Region zubereitet werden, verkosten.<br />

Die Produzenten selbst sind vor<br />

Ort und erklären die Eigenschaften<br />

und Qualitäten ihrer Erzeugnisse.<br />

Sizilien, die größte Insel im Mittelmeer,<br />

hat eine reiche kulinarische<br />

Tradition, die sich aus Einflüssen verschiedener<br />

Kulturen entwickelt hat.<br />

Sonne, Berge und das Meer bieten die<br />

optimale Bedingung für eine Vielzahl<br />

von Lebensmitteln, wie den Pistazien,<br />

Mandeln, Kapern, Zitrusfrüchten,<br />

Fisch, sowie auch noch unentdeckten<br />

Schätzen, wie der Manna aus der<br />

Madonie. Die sizilianische Küche ist<br />

bunt, kreativ und bietet einzigartige<br />

Spezialitäten voller Geschmack.<br />

Tickets und Info unter:<br />

www.musicaegusto.at<br />

42


ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG<br />

LINKS OBEN © HIGHLIGHT CONCERTS GMBHRAUCH / LINKS UNTEN © THOMAS KARSTEN / RECHTS © MARTIN WIESNER<br />

WE DO NOT REMEMBER DAYS. WE REMEMBER MOMENTS.<br />

Die Winter-Highlights @ MCG<br />

Zahlreiche Künstler*innen brachten die MCG-<br />

Locations – so unter anderem die Stadthalle Graz,<br />

den Congress Graz und auch die Freiluftarena B –<br />

im ersten Halbjahr <strong>2023</strong>, im Rahmen von fulminanten<br />

Live-Konzerten, so richtig zum Beben. Nun<br />

dürfen wir uns auch auf die kommende <strong>Herbst</strong>und<br />

Winterzeit freuen: Es warten viele tolle Acts<br />

und Events auf ihren Startschuss. Große Namen<br />

und grandiose Shows stehen am Programm, so<br />

zum Beispiel Nik P. mit seiner 25-Jahr-Jubiläumstour,<br />

Sido, die Schlagerparty des Jahres <strong>2023</strong>, die<br />

österreichischen Hitgiganten Seiler & Speer, die<br />

Seer im Rahmen ihrer Stad-Tour, Konstantin Wecker<br />

sowie Mario Barth. Auch ein wahrer Megastar besucht<br />

uns im Dezember in Graz: Bryan Adams wird<br />

sowohl mit seinen altbekannten als auch neuen<br />

Hits abrocken. Und ab Mitte Dezember erlebt man<br />

das neue Programm des magischen Zirkuserlebnisses<br />

vom Kontinent des Staunens, AFRIKA!<br />

AFRIKA! wird viele Augen zum Funkeln bringen.<br />

Als Jahresabschluss tauchen wir noch in die<br />

fabelhafte Musikwelt von Sir Elton John und Hans<br />

Zimmer ein: mit Orchester, Solist*innen, Chor und<br />

Leinwand-Animationen wird »König der Löwen –<br />

The music live in concert« begeistern.<br />

Nik P.<br />

20.10.<strong>2023</strong> | Stadthalle Graz<br />

Sido<br />

02.11.<strong>2023</strong> | Stadthalle Graz<br />

Martina Schwarzmann<br />

02.11.<strong>2023</strong> | Congress Graz<br />

Die Schlagerparty des Jahres<br />

03.11.<strong>2023</strong> | Stadthalle Graz<br />

Mountainfilm Festival<br />

14. - 18.11.<strong>2023</strong> | Congress Graz<br />

Musica & Gusto<br />

30.11.<strong>2023</strong> | Congress Graz<br />

Die Seer – Stad-Tour<br />

03.12.<strong>2023</strong> | Congress Graz<br />

Seiler & Speer<br />

09.12.<strong>2023</strong> | Stadthalle Graz<br />

Veranstaltungs-<br />

Highlights <strong>2023</strong><br />

Konstantin Wecker<br />

10.12.<strong>2023</strong> | Congress Graz<br />

Bryan Adams<br />

14.12.<strong>2023</strong> | Stadthalle Graz<br />

AFRIKA! AFRIKA!<br />

15.12.<strong>2023</strong> - 14.01.2024 |<br />

Zeltpalast Messe Graz<br />

Mario Barth<br />

16.12.<strong>2023</strong> | Stadthalle Graz<br />

Die Paldauer<br />

17.12.<strong>2023</strong> | Congress Graz<br />

Saso Avsenik<br />

& seine Oberkrainer<br />

21.12.<strong>2023</strong> | Congress Graz<br />

Der König der Löwen –<br />

the music live in concert<br />

29.12.<strong>2023</strong> | Stadthalle Graz<br />

Alle Infos zu den kommenden Shows gibt's unter: www.mcg.at<br />

43


Interview & Text: Martin G. Wanko<br />

Der Schauspieler<br />

aus Sankt Stefan ob Stainz.<br />

©MANFRED WEIS<br />

Arbeit kann auch Spaß machen. Workaholic August Schmölzer<br />

geht gerne ans Limit. Zeit für ein Gespräch, meint <strong>40plus</strong>.<br />

August Schmölzer stammt aus einer<br />

Bauernfamilie, wo man sehr früh aufsteht,<br />

um zu arbeiten und früh schlafen<br />

geht, damit das Land versorgt wird.<br />

Das viele Arbeiten ist ihm geblieben,<br />

obgleich er die Sense gegen die Bühne<br />

oder den Griffel getauscht hat. Was<br />

er in die Hand nimmt, funktioniert<br />

und das ist gut so. Gerade hat er die<br />

Überarbeitung seines Romans »Am<br />

Ende wird alles sichtbar« herausgebracht.<br />

Ab <strong>Herbst</strong> dreht Schmölzer die zweite<br />

Staffel der Netflix Serie »Die Kaiserin«,<br />

in der er Kardinal Rauscher spielt.<br />

Zeit für ein Porträt.<br />

Vom Sohn einer Landwirte-Familie<br />

zu einem Schauspieler ist »a brater<br />

Weg«. Wie ging das?<br />

Ich habe gespürt, dass in mir etwas<br />

steckt, das sich ausdrücken will. Aber<br />

Schauspieler? Meine Großmutter<br />

mütterlicherseits, eine Bäuerin, hatte<br />

einen Kalender an der Wand hängen,<br />

auf dem berühmte Schauspieler abgebildet<br />

waren. Sie hat immer auf dem<br />

Kalender gezeigt und zu mir gesagt:<br />

»Gustl, da fehlt noch einer.«<br />

Wie kamst du auf Schauspiel?<br />

Ich kann nicht mehr genau sagen,<br />

was mich damals wirklich dazu bewogen<br />

hat, aber irgendetwas hat mich<br />

angezogen. Etwas Künstlerisches zu<br />

studieren war damals auch noch ohne<br />

Matura möglich, ich habe ja »nur« die<br />

Volks- und Hauptschule besucht. Also<br />

habe ich mich auf Anraten eines Freundes<br />

an der Kunstuniversität Graz für<br />

Schauspiel eingeschrieben und wurde<br />

zu meiner und aller Überraschung aufgenommen.<br />

Ich muss schon zugeben,<br />

dass ich erst viel später begriffen habe,<br />

was da auf mich zukommt.<br />

Weil es alle so gerne hören:<br />

Schauspieler zu sein ist ein Schritt.<br />

Wie wird man erfolgreicher Schauspieler?<br />

Das hat man eigentlich selbst nicht<br />

wirklich in der Hand. Man muss arbeiten,<br />

arbeiten und nochmals arbeiten<br />

und der Rest ist neben Glück auch die<br />

richtigen Menschen zum richtigen<br />

Zeitpunkt zu treffen, die an einen<br />

glauben.<br />

Warum schreibst du Bücher?<br />

Weil ich überzeugt bin zu glauben, dass<br />

ich etwas zu sagen, etwas zu erzählen<br />

habe. Das Schreiben ist für mich auch<br />

ein Weg, meine kreative Energie frei<br />

zu setzen.<br />

Das Stieglerhaus liegt dir<br />

sehr am Herzen, oder?<br />

Ja, eine wunderbare Einrichtung, die<br />

uns da gelungen ist und der ganzen<br />

Region in und um St. Stefan ob Stainz<br />

geschenkt wurde.<br />

Wie finanziert sich das Haus?<br />

Es ist eine gemeinnützige Privatstiftung.<br />

44


Nach einigen Nominierungen,<br />

endlich ein Preis. Was bedeutet<br />

dir der Grimme-Preis?<br />

Der Grimme-Preis wurde mir von einer<br />

Studentenjury verliehen. Das sind die<br />

Jungen, die nächste Generation der<br />

Filmemacher. Das macht diesen Preis<br />

für mich ganz Besonders.<br />

Was eint den Hobby-Winzer<br />

(der du bist), mit deinem Leben?<br />

Ich keltere den Wein ja nicht selbst, das<br />

macht der Weinbau und Kastanienhof<br />

Klug. Wein ist für mich Genuss und ich<br />

bin ein Genießer. Guter Wein ist für<br />

mich flüssige Poesie. Wein und Poesie<br />

zu machen ist Kunst. Da ich auch<br />

Künstler bin, eint uns das, indem ich<br />

den Wein trinke und genieße.<br />

Macht Erfolg eitel?<br />

Die Verführung ist groß, aber für<br />

mich nicht wirklich gefährlich, da ich<br />

mich dieser Versuchung nicht hingebe.<br />

Wenn ich einmal einen »Rappel«<br />

bekomme, besuche ich das Grab<br />

meiner Eltern und der Spaziergang am<br />

Friedhof, umgeben von Vergänglichkeit,<br />

holt mich schnell wieder auf den<br />

Boden der Normalität zurück.<br />

Warum hat der Roman keinen<br />

realen Ort als Erinnerung?<br />

Weil eine Verortung sofort einengen<br />

würde. Probleme, welche im Roman<br />

die beiden Städte betreffend abgehandelt<br />

werden, stehen für jede Stadt<br />

und jeden Ort. Das gleiche betrifft<br />

Kriege oder Soldaten. Wenn es um<br />

den Zweiten Weltkrieg gegangen wäre<br />

oder die Nazis, hätte das eingeengt.<br />

Alles kommt wieder, nur eben in einem<br />

anderen Kleid der Zeit. B. Brecht<br />

fragte K. Valentin einmal: »Wie schaun<br />

Soldaten aus?« Valentin sagte: »Soldaten<br />

san weiß!«<br />

Welcher Charakter im<br />

Roman ist dir der nächste?<br />

Sie sind mir alle gleich lieb und wert.<br />

Fast jede Figur hat etwas in abstrahierter<br />

Form von mir, einfach um »diebisch«<br />

zu schauen, wie sich die Figur damit<br />

entwickelt.<br />

Welche Projekte kommen als<br />

Nächstes?<br />

Ich schreibe an einem ziemlich umfassenden<br />

Roman, der in der Steiermark<br />

spielt. Ab <strong>Herbst</strong> drehe ich die zweite<br />

Staffel der Netflix Serie »Die Kaiserin«<br />

in der ich Kardinal Rauscher spiele.<br />

Am 4. November hat mein Kindertheaterstück<br />

»Tusnelda Nieselbrimm« im<br />

Next Liberty in Graz Uraufführung.<br />

Als Highlight findet am 15. September,<br />

um 19 Uhr, die Premiere des Singspiels<br />

»VULGO«, im Stieglerhaus in St.<br />

Stefan ob Stainz, statt, eine Gemeinschaftsarbeit<br />

des »Stieglerhaus Teams«.<br />

Weitere Vorstellungen sind dann am<br />

16. und 17. September.<br />

Zeit einmal ruhiger zu treten?<br />

Ich arbeite zwar sehr viel und das<br />

braucht seine Kraft und Zeit, aber ich<br />

empfinde es als großes Privileg und<br />

bin demütig, dankbar, spielen und<br />

schreiben zu dürfen, was ich möchte.<br />

Meine Eltern haben sich auf unserem<br />

Hof noch körperlich abgerackert.<br />

Angst vor dem Tod?<br />

Nein, eigentlich nicht. Solange ich da<br />

bin, ist er nicht da, und umgekehrt.<br />

Vor langem Leiden hätte ich Angst und<br />

davor, dass andere, die ich liebe, vor<br />

mir gehen müssen.<br />

Wo steht dein Buchsbaum?<br />

Den gibt es nicht mehr, leider. Er stand<br />

neben dem großen Bauernhaus auf<br />

dem Hof meiner Großeltern mütterlicherseits.<br />

Er war für einen Buchsbaum<br />

gewaltig groß, sodass ich als Bub in<br />

ihm sitzen und mich in die große weite<br />

Welt hinaus schwingen und träumen<br />

konnte…<br />

August Schmölzer<br />

»Am Ende wird alles sichtbar«<br />

140 Seiten, edition keiper<br />

©EDITION KEIPER<br />

»Josef, der 45-jährige Held der Geschichte,<br />

kehrt nach vielen Jahren, die er draußen in der<br />

Welt als Fotograf verbracht hatte, nach Hause<br />

zurück, um seine Vergangenheit zu ordnen.<br />

Und um die Frage zu beantworten, die ihn<br />

schon sein verflossenes Leben begleitet: Was ist<br />

aus seiner Kindheitsliebe Ragusa geworden?«,<br />

fragt sich Peter Keglevic, der Regisseur<br />

des verfilmten Romans, der nun überarbeitet<br />

ein zweites Mal veröffentlicht<br />

wird, im Nachwort des Romans.<br />

»Wenn das Glück nochmals<br />

anklopft, mach die Tür auf, pack<br />

es, wo du es erwischst, egal, zieh<br />

es rein und schließ gut ab.«<br />

Zitat aus dem Roman<br />

»Am Ende wird alles sichtbar«, ist ein<br />

Roman zwischen Kommen und Gehen,<br />

vor dem Krieg ist nach dem Krieg und<br />

umgekehrt. August Schmölzer schreibt<br />

aus der Seele heraus. Aus einer Wunde?<br />

Kann sein. Muss nicht sein. Er kippt die<br />

Zeit des Geschehens heraus, auch die<br />

Orte soll es in Wirklichkeit nicht so geben.<br />

Sind es Sehnsuchtsorte, nein, eher<br />

Orte, die er besuchen hat müssen, die er<br />

für sich und so dem Leser ausleuchten<br />

hat müssen. Das Wirtshaus, der Wald,<br />

das Haus, Alltagserinnerungen, barfuß<br />

in den Frühling laufen, der Teich mit<br />

Fröschen und Ringelnattern und dann<br />

doch wieder der Druck auf der Brust<br />

und die Tabletten. A.S. Roman ist wie<br />

das Eintauchen in einen unbekannten<br />

See, wo man Schreckenserfahrungen<br />

macht und sich in den nächsten Momenten<br />

wieder an sichere Ufer rettet,<br />

zu Ragusa und Josef.<br />

45


© LUKE GOODLIFE<br />

ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG<br />

Applaus!<br />

Saisonstart 23/24<br />

Wie auch schon im Vorjahr wird KLANGLICHT, das Kunstfestival der Bühnen Graz, den Uhrturm bespielen.<br />

Neuer Glanz, leidenschaftliche Inszenierungen<br />

und die beeindruckendsten<br />

Momente, die das Herz der steirischen<br />

Kulturlandschaft zum Pulsieren<br />

bringen: Die Theatersaison der Bühnen<br />

Graz ist eröffnet! Die ganze Stadt wird<br />

zur Bühne, und auf dieser Bühne spielen<br />

die Bühnen Graz die Hauptrolle.<br />

Mit ihrem vielfältigen Angebot bieten<br />

sie Kulturerlebnisse, die berühren,<br />

inspirieren und herausfordern. Treten<br />

Sie ein in diese Welt, in der Träume<br />

lebendig werden, in der Geschichten<br />

erzählt werden, die uns bewegen und<br />

in der die Kunst in all ihren Facetten<br />

zelebriert wird. Lassen Sie sich von den<br />

nachfolgenden Statements inspirieren<br />

und tauchen Sie tief ein in das pulsierende<br />

Kulturleben der Bühnen Graz.<br />

BÜHNEN GRAZ – Geschäftsführer<br />

Bernhard Rinner freut sich auf die neue<br />

Saison: »Bei den Bühnen Graz sehen wir<br />

Kultur als Nahrung für die Seele an – sie<br />

bereichert, nährt und verbindet uns. Ebenso<br />

wie die Kulinarik ist die Kunst ein Fest<br />

für die Sinne und ein Spiegelbild unserer<br />

gemeinsamen Werte und Traditionen.<br />

Beide sind Ausdruck unseres kulturellen<br />

Erbes und bieten uns eine einzigartige<br />

Möglichkeit, unsere Geschichten, Träume<br />

und Visionen zu teilen.«<br />

OPER GRAZ – Neo-Intendant Ulrich<br />

Lenz über seinen Zugang zur Oper: »350<br />

Jahre Musiktheatergeschichte umfasst der<br />

Musiktheater-Spielplan der Oper Graz in<br />

der neuen Saison. ›Oper, öffne Dich‹ hat<br />

sich die Oper Graz auf die Fahnen geschrieben<br />

und will mit ihrem breitgefächerten<br />

Angebot ein offenes Haus für alle sein.«<br />

SCHAUSPIELHAUS GRAZ – Neo-<br />

Intendantin Andrea Vilter über Ihr<br />

Programm: »Mit einem starken spielfreudigen<br />

Ensemble und den programmatischen<br />

Schwerpunkten Kanonerweiterung,<br />

österreichische Dramatik und Erforschung<br />

digitaler Theaterformen wollen wir Zuschauer*innen<br />

in Graz, der Steiermark<br />

und darüber hinaus erreichen.«<br />

NEXT LIBERTY – Intendant Michael<br />

Schilhan bereichert Kinder, Jugendliche<br />

und Familien: »Unser diesjähriges<br />

Spielzeitmotto ›DA SCHAU HER:‹ ist eine<br />

herzliche Einladung, hierher, zu uns und bei<br />

uns vorbeizuschauen, eine Aufforderung,<br />

aufmerksam zu bleiben und genau(er)<br />

hinzuschauen … wir freuen uns auf euren<br />

Blick!«<br />

KLANGLICHT <strong>2023</strong>:<br />

Licht aus, Klanglicht an: Vom 25. bis<br />

27. Oktober <strong>2023</strong> erstrahlt die Grazer<br />

Innenstadt wieder in einem völlig<br />

anderen Licht. Klanglicht, das temporäre<br />

Gesamtkunstwerk aus Licht und<br />

Klang, stellt in diesmal die künstlerische<br />

Spurensuche in den Mittelpunkt.<br />

Von Schauspielhaus über Schlossberg<br />

bis Burggarten finden sich immersive<br />

Licht- und Klanginstallationen im<br />

öffentlichen Raum.<br />

GRAZER OPERNREDOUTE 2024:<br />

Das Ball-Comeback des Jahres! Am 27.<br />

Jänner 2024 erstrahlen die eindrucksvollen<br />

Räumlichkeiten der Oper Graz<br />

erneut in vollem Glanz. Die Opernredoute,<br />

die glanzvollste Ballnacht des<br />

Jahres, kehrt endlich zurück.<br />

www.opernredoute.com<br />

ORPHEUM GRAZ, DOM IM BERG,<br />

SCHLOSSBERGBÜHNE KASEMATTEN:<br />

Hier begeistern ganzjährig Highlights<br />

aus Rock, Pop, Kabarett, Clubbing,<br />

Open Air und vielem mehr.<br />

© PHILIPP SCHULZ<br />

Alle Informationen unter: www.buehnen-graz.com und www.ticketzentrum.at<br />

46


ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG<br />

Interview: Julia Strempfl<br />

Während einer Entdeckungstour im steirischen Thermen- und<br />

Vulkanland fährt man die Schlösserstraße entlang und trifft auf das<br />

einzigartige Ausstellungszentrum Schloss Kornberg. Seit mehr als 40<br />

Jahren ist es Schauplatz für die größte Teppichausstellung Europas<br />

von Rohani – wo jahrhundertelange Tradition an zeitgenössisches<br />

Design und Nachhaltigkeit knüpft. <strong>40plus</strong> traf sich zum Gespräch<br />

mit Geschäftsführer Pujan Rohani.<br />

Bei Rohani findet man ausschließlich<br />

Fair Trade-Ware. Wo und vor<br />

allem wie werden die Teppiche<br />

produziert?<br />

Richtig. Nachhaltigkeit wird bei uns<br />

groß geschrieben. Wir sind seit mehr<br />

als zwanzig Jahren Mitglied bei »Label<br />

STEP«, einer internationalen Non-<br />

Profit-Organisation, die sich für bessere<br />

Lebens- und Arbeitsbedingungen<br />

sowie Umweltstandards für die<br />

Teppichknüpferinnen einsetzt. Vor<br />

allem hat sie sich dem Kampf gegen<br />

missbräuchliche Kinderarbeit verschrieben.<br />

Wir legen der Organisation<br />

unsere Einkaufsquellen offen, sodass<br />

sie unsere Lieferanten jederzeit<br />

und unangekündigt überprüfen<br />

kann. Was<br />

die Herkunft<br />

unserer<br />

Produkte betrifft, stammen diese<br />

heute kaum mehr aus klassischen<br />

Manufakturen, sondern von Bauernfamilien,<br />

die im Nebenerwerb<br />

Teppiche in Handarbeit knüpfen.<br />

Das überwiegende Sortiment kommt<br />

aus dem Iran und Afghanistan, aber<br />

auch aus Ländern wie der Türkei,<br />

Indien und Nepal.<br />

Bei den Materialien und Farben steht<br />

der Gedanke zur Nachhaltigkeit ebenfalls<br />

im Vordergrund, weshalb wir<br />

uns um Ware aus handversponnener<br />

Wolle und Pflanzenfarben bemühen.<br />

Zum Großteil wird mit<br />

Schafwolle geknüpft.<br />

Mittlerweile freut<br />

sich auch Alpakawolle<br />

an immer<br />

mehr Beliebtheit.<br />

Diese<br />

erinnert in<br />

der Haptik<br />

an Seide,<br />

speichert jedoch Wärme besser ab.<br />

Apropos Natürlichkeit, bei Rohani<br />

haben wir auch ein breites Sortiment<br />

an ungefärbter Wolle. Die Farbtöne<br />

reichen von beige über braun, bis<br />

naja – zu den schwarzen Schafen<br />

(schmunzelt).<br />

Sie leiten die Rohani GmbH<br />

bereits in zweiter Generation.<br />

Inwiefern hat sich der Teppichhandel<br />

über die Jahre verändert?<br />

Obwohl man in Architekturzeitschriften<br />

immer wieder<br />

Bilder von minimalistisch<br />

designten Räumen ohne<br />

Teppich sieht, sehen wir als<br />

Fachhändler keinen Einbruch<br />

in der Nachfrage. Im<br />

Gegenteil, die Jahre der<br />

Corona-Pandemie haben<br />

die Nachfrage erhöht, da<br />

die Menschen mehr Zeit<br />

© BILDER: ROHANI<br />

47


zuhause verbracht<br />

haben und es sich in<br />

ihren eigenen vier Wänden<br />

gemütlich machen wollten. Einen<br />

Wandel haben wir jedoch bezüglich<br />

Größe und Design wahrgenommen.<br />

Maßanfertigungen sind immer gefragter,<br />

und auch das Design hat sich<br />

in Richtung Minimalismus entwickelt.<br />

Moderne Designerteppiche in unserem<br />

Sortiment weisen kaum noch einen<br />

klassischen Ursprung auf. Das ein oder<br />

andere traditionelle Element ist jedoch<br />

auf jedem Teppich enthalten.<br />

Was unterscheidet die Rohani<br />

GmbH von anderen Teppichhändlern?<br />

Als Familienbetrieb in zweiter Generation<br />

sind wir seit jeher auf den Teppichhandel<br />

spezialisiert und somit – im<br />

Vergleich zu großen Möbelhäusern –<br />

in Bezug auf Beratung und Erfahrung<br />

besser aufgestellt. Mit einer Lagerkapazität<br />

von etwa 2.000 Teppichen können<br />

wir auch eine schnelle Lieferung<br />

garantieren. Außerdem bieten wir<br />

unseren Kund*innen einen kostenlosen<br />

Probier-Service an. Das heißt, die Ware<br />

wird online oder vor Ort ausgewählt,<br />

österreichweit versandfrei zugestellt<br />

und zu Hause ausprobiert. Auf den<br />

Service legen wir ohnehin großen<br />

Wert, weshalb wir auch Teppichreinigung<br />

und -restaurierung anbieten.<br />

Die letzten Jahre wurden Online<br />

Shops für Händler immer wichtiger.<br />

Auf rohani.at wird eine große Auswahl<br />

an Teppichen gelistet, die man<br />

online erwerben kann. Funktioniert<br />

das auch bei Produkten, bei denen<br />

Haptik, Größe und Aussehen eine so<br />

große Rolle spielen?<br />

Bedingt. Mein Bruder Neysan kümmert<br />

sich um die Website und den<br />

Webshop und erstellt sehr schöne Fotos<br />

für unseren Online Shop. Dennoch<br />

können die schönsten Fotos nicht das<br />

Erlebnis ersetzen, einen Teppich vor<br />

Ort anzusehen und zu Hause auszuprobieren.<br />

Für uns ist der Webshop vor<br />

allem wichtig, um das Sortiment und<br />

die Preise transparent zu kommunizieren.<br />

Wenn jemand also von Wien nach<br />

Kornberg kommt, um unsere Teppiche<br />

zu begutachten, hat man schon vorab<br />

einen guten Überblick.<br />

Wie wurde die Idee der Teppichausstellung<br />

geboren und warum fiel<br />

die Wahl gerade auf das Schloss<br />

Kornberg?<br />

Die Wahl fiel auf uns. 1981 hatte der<br />

Schlossbesitzer, Graf Andreas Bardeau,<br />

die Idee einer mehrtägigen Teppichausstellung.<br />

Mittlerweile ist aus dem<br />

damals dreiwöchigen Projekt die<br />

größte Teppichausstellung Europas<br />

geworden. Sie findet jährlich von März<br />

bis Mitte Oktober statt. In den Wintermonaten<br />

sind wir in den Nebengebäuden<br />

des Schlosses zu finden.<br />

rohani GmbH<br />

Schloss Kornberg bei Feldbach<br />

Dörfl 2, 8330 Riegersburg<br />

+43 03152 4200 | office@rohani.at<br />

rohani.at<br />

Öffnungszeiten:<br />

Mittwoch – Sonntag:<br />

10:00 – 18:00 Uhr<br />

ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG<br />

© BILDER: ROHANI<br />

48


Interview/Text: Martin G. Wanko<br />

© MARTIN G. WANKO<br />

Am Anfang sind<br />

alle Leinwände<br />

weiß. Ein Gespräch<br />

mit Josef Wurm<br />

über die Entstehung<br />

seiner Bilder.<br />

Der Maler Josef Wurm (39) wohnt im<br />

malerischen Umfeld der Riegersburg,<br />

wo andere gerne Urlaub machen. Als<br />

er in seiner Sturm- und Drangzeit die<br />

Gegend hier verließ, aufregende Zeiten<br />

u.a. in Graz und Budapest erlebte,<br />

die durch das Orban-Regime ein jähes<br />

Ende fanden, brachten ihn Covid und<br />

die Verantwortung gegenüber seiner<br />

jungen Familie in ein Nebengebäude<br />

des Schlosses Kornberg. Dort lebt er<br />

nun mit seiner Frau, seinem Sohn und<br />

einem sehr agilen Belgischen Schäferhund<br />

namens Molly.<br />

Bis 2013 tat Wurm sehr viel, machte<br />

aber selten etwas fertig, auch nicht<br />

die Ortweinschule. Zu diesem Zeitpunkt<br />

war Graz auch nicht mehr seine<br />

Stadt. Design und Deko machen satt,<br />

aber nicht glücklich, und bürgerliche<br />

Lebensformen so und so nicht.<br />

Er wollte sich nur noch der Kunst<br />

widmen, aber auch am richtigen Ort.<br />

»Das kunstkonforme Ding, Berlin, war<br />

dann auch nicht meins, Berlin wäre nur<br />

Maler Josef Wurm mit Schäferhund Molly.<br />

die Galionsfigur gewesen, wo ich eh schon<br />

drinstecke!«<br />

Die Kunst der Kunst zuliebe<br />

Also, alles neu denken, die sich aufgebaute<br />

Welt mit der Abrissbirne dem<br />

Erdboden gleichmachen und weg.<br />

Diesen Gedanken gefasst, lernte er<br />

in Graz eine ungarische Galeristin<br />

kennen, die ihn auf ein Künstlersymposium<br />

und ein Kunstfestival in<br />

Ungarn brachte, wo Wurm Künstler<br />

und Kunstprofessoren aus Budapest<br />

kennenlernte und sich zugleich in<br />

Budapest ansiedelte: »Das war eine<br />

interessante Zeit. Das Orban-System hat<br />

bereits gewirkt, so gab es die typischen<br />

Spielchen auf Kunstunis nicht mehr, weil<br />

es unter Orban nichts mehr zu holen gab.<br />

Anstatt dessen haben sich Studenten,<br />

Professoren, Künstler einfach nur mit der<br />

Qualität der Kunst und der Philosophie<br />

dahinter auseinandergesetzt. Für mich<br />

war dort eine Art Erleichterung spürbar,<br />

plötzlich verpuffen typische Mechanismen,<br />

wie Neid und Konkurrenzkampf. Da<br />

bin ich schön reingekippt. Bei uns versucht<br />

man ja alles, was man gerade für sich<br />

entdeckt hat, elitär und geheim zu halten.<br />

Und in Budapest: Sharing ohne Ende. Das<br />

war extrem fein.«<br />

Aber dieser idealistische Zustand hielt<br />

nicht lange an. Schlussendlich zeigte<br />

Orban immer mehr seine Wirkung<br />

und vor der Einschulung ihres Kindes<br />

ging es zurück nach Österreich, eben<br />

in die Südoststeiermark.<br />

Trotzdem ist Josef Wurm Maler<br />

geblieben, auf der noch frischen<br />

Leinwand hinter ihm trottet gerade<br />

ein hundeähnliches Wesen. Bleibt<br />

die naheliegende Frage, wie bei ihm<br />

ein Bild entsteht: »Durch Anfangen.<br />

49


© JOSEF WURM<br />

© MARTIN G. WANKO<br />

Nichts im Kopf. Reine Handlung, tun!<br />

Im Skizzenbuch entstehen im Vorfeld<br />

Gedankenmanifeste, aber wenn ich auf der<br />

Leinwand anfangen würde nachzudenken,<br />

was ich genau umsetzen will, kann ich<br />

sofort wieder weggehen.«<br />

Aber natürlich unterliegt auch die<br />

Kreativität einem System: »Wenn mir<br />

das Gemachte nicht gefällt, wird es am<br />

Bild künstlerisch zerstört. Die Entstehung<br />

eines Bildes ist für mich ein kontinuierliches<br />

Anfangen und Zerstören. Im Grund<br />

muss ich mich auf meine Intuition und<br />

Erfahrung verlassen können. Manches<br />

Mal scheitert man auch.«<br />

Die Bilder ohne Namen<br />

Auf Josef Wurms Bildern geht man<br />

als Betrachter mit 100 Details mit 100<br />

verschiedenen Assoziationen und 100<br />

Josef Wurm in seinem Atelier.<br />

Geschichten auf eine Entdeckungsreise.<br />

Jeder Betrachter kommt so zu<br />

einer anderen Geschichte, seiner namenlosen<br />

Bilder: »Bilder brauchen keine<br />

Namen. Ich kann sie gar nicht benennen,<br />

würde sie in ein Korsett reinzwängen. Ich<br />

will, dass meine Bilder die 100 Geschichten<br />

erzählen können, mit einem Titel hätte<br />

ich eine Geschichte mit ein paar Abzweigungen,<br />

darum gibt es auch keinen Titel.«<br />

Trotzdem schwingt in seinen Bildern<br />

immer ein bisserl der Tod mit. Irgendwann<br />

hält der Existenzialismus Einzug.<br />

»Wenn man intensiv lebt, spürt man<br />

auch die Endlichkeit. Mich interessiert<br />

hier jedoch kein spielerischer Umgang damit!<br />

Ich kokettiere mit den Dingen nicht,<br />

bei mir geht es ums Eingemachte.« Beim<br />

Thema angelangt: Es scheint mir fast,<br />

als seien seine Bilder Kombinationen,<br />

wie die eines Kochs, der aus einem<br />

breiten Fundus heraus ein neuartiges<br />

Menü kreieren. Wurm kann damit<br />

etwas anfangen: »Durchaus, weil wir<br />

von der Wählscheibe bis zum Smartphone<br />

noch alles mitbekommen haben. Da<br />

komme ich auf Francis Bacon zurück, tatsächlich<br />

ein Maler, mit dem ich mich viel<br />

auseinandergesetzt habe. War ja auch ein<br />

Eklektiker, der alle Techniken und Wissen<br />

zu seiner Geschichte geformt hat.«<br />

Die Entstehung einer neuen Welt<br />

Wurms Bilder wirken, als wäre im<br />

Vorfeld ein Raum explodiert. Als greife<br />

er nach der Zerstörung einer Welt<br />

zum Pinsel und macht etwas draus:<br />

»Viele meiner Bilder sind Explosionszeichnungen<br />

einer Existenz oder von unserem<br />

Planeten. Ja – zerlegen und wieder<br />

zusammenfügen. Mad-Max-mäßig den<br />

Shit wieder zusammenklauben und zusammenbauen,<br />

was irgendwie wieder eine<br />

schöne Welt ergibt.«<br />

Nach so viel Tod und Verderben<br />

holen wir doch wieder gut Luft und<br />

lassen Sauerstoff durch unsere Adern<br />

sausen. Wie schaut’s mit der Zukunft<br />

aus: »Ich will meinen erzählerischen und<br />

bildnerischen Stil weiterentwickeln. Ich<br />

bin entspannt und offen. Jetzt muss ich<br />

mir da Fallen stellen und selber schauen,<br />

wo ich mich überrasche oder erwische. Ich<br />

glaube, jetzt ist so ein Moment.«<br />

50


© MUSEUM LIAUNIG<br />

Hoch<br />

Text: Martin G. Wanko<br />

Drau.<br />

über der<br />

Über eine Böschung auf die<br />

Kärntner Bleiburgerstraße<br />

ragt ein Betonkonstrukt wie<br />

eine Schanze. Das Objekt wirkt<br />

futuristisch, könnte aber auch<br />

die letzte Bastion Titos sein.<br />

Es ist jedoch ganz anders. Fertiggestellt<br />

2008, steht das Objekt bereits vier Jahre<br />

später unter Denkmalschutz und wurde<br />

mit einigen Architekturpreisen ausgezeichnet.<br />

Die Rede ist vom Museum<br />

Liaunig, dem größten Privatmuseum<br />

Österreichs, die Vision des Industriellen<br />

und Kunstsammlers Herbert W. Liaunig.<br />

Ein Großteil des Museums, also die gesamte<br />

Verwaltung und ein Großteil des<br />

Depots befinden sich unter der Erde, nur<br />

der Ausstellungstrakt ist an der Oberfläche<br />

gehalten, wird so mit Tageslicht<br />

versorgt und bietet eine wunderbare<br />

Aussicht auf die hügelige Landschaft<br />

und auf die Drau, die sich in Richtung<br />

Slowenien windet.<br />

Der Zugang führt an einem Schaudepot<br />

mit einer Fläche von rund 600 m²<br />

entlang, danach gelangt der Besucher<br />

in den Trakt für Malerei und Plastik. Als<br />

White Cube von 160 m Länge und 13 m<br />

Breite, mit Oberlicht konzipiert, bietet<br />

dieser Gebäudeteil eine Ausstellungsfläche<br />

von rund 2.000 m². Von hier aus<br />

gelangt man in einen eigenen Raum für<br />

Grafik (rund 500 m²) sowie einen Annex<br />

für die Präsentation der Gold-Sammlung<br />

(rund 350 m²). Hinter diesem<br />

bereits bestehenden Schauraum wurden<br />

die zwei neuen unterirdischen Sammlungsräumlichkeiten<br />

angeschlossen.<br />

Das Museum zeigt eine Auswahl von<br />

300 Werken aus der Sammlung des<br />

Gründers Herbert W. Liaunig. Etwa<br />

4.000 Kunstwerke umfassen das Depot<br />

im Museum. Die Sammlung gehört<br />

zum Opulentesten, was in Österreich,<br />

von privater Hand finanziert, ins<br />

Leben gerufen wurde. Die Sammlung<br />

beherbergt u.a. die österreichischen<br />

Künstler: Arnulf Rainer, Maria Lassnig,<br />

Cornelius Kolig, Bruno Gironcoli,<br />

Hans Staudacher, Drago Prelog und Helga<br />

Philipp. Hinzu kommen wesentliche<br />

Werke internationaler Maler sowie Plastiken<br />

und Skulpturen – allesamt Arbeiten,<br />

die Herbert W. Liaunig seit den<br />

1960er-Jahren zusammentrug und zu<br />

einer beachtlichen Sammlung wachsen<br />

ließ. Aber die Sammlung ist nach wie vor<br />

lebendig. Die Direktion übernahm Sohn<br />

Peter, der weiterhin mit Ausstellungen,<br />

Veranstaltungen und Ankäufen für neue<br />

Impulse sorgt.<br />

9155 Neuhaus 41<br />

+43 4356 211 15<br />

office@museumliaunig.at<br />

www.museumliaunig.at<br />

Öffnungszeiten:<br />

30.4. - 29.10.<strong>2023</strong><br />

Mi-So: 10:00 - 18:00 Uhr<br />

Mo & Di: geschlossen<br />

© MUSEUM LIAUNIG<br />

51


Interview: Martin G. Wanko<br />

Peter Liaunig:<br />

Sammeln als<br />

Rauschzustand.<br />

Peter Liaunig hat die Leitung des Museums übernommen und schaut,<br />

dass mit aller verfügbaren Energie das Museum weiter Kurs hält.<br />

Nicht immer werden die Kinder<br />

von kunstinteressierten Eltern<br />

vom selben Virus infiziert. Bei<br />

Ihnen war das jedoch so, oder?<br />

Ich hatte das Glück in einer kunstaffinen<br />

Familie aufzuwachsen, aber<br />

letztlich wohnt jedem von uns das Gefühl/Gespür<br />

für das Schöne inne und<br />

es bedarf nur der Weckung. Kinder<br />

sind (ausnahmslos) ungeheuer kreativ,<br />

nur wird durch vielerlei Einflüsse und<br />

Ablenkungen diese Kreativität oft<br />

überlagert.<br />

Wie würden Sie persönlich das<br />

Museum Liaunig in einigen<br />

Sätzen beschreiben?<br />

Großartige Sammlungen in großartiger<br />

Architektur in großartiger<br />

Landschaft, betrieben von vielen leidenschaftlich<br />

Menschen. Eine große<br />

Kulturaufgabe, die viel Arbeit und<br />

Freude macht.<br />

Sie leiten das größte Privatmuseum<br />

Österreichs. Wie herausfordernd<br />

ist es, ein Museum in dieser Größe<br />

zu leiten? (Auch wenn Sie es seit der<br />

Planung kennen.)<br />

Wir sind ein Familienbetrieb. Mein<br />

Bruder hat die Firmenleitungen<br />

meines Vaters übernommen und muss<br />

jenes Geld erwirtschaften, das wir für<br />

den Betrieb des Hauses benötigen.<br />

Zur Verbildlichung erkläre ich immer,<br />

dass man auf jedes 16-Euro-Museumstickets<br />

noch 60 weitere drauflegen<br />

muss, damit es funktioniert. Und<br />

absolut wesentlich ist hier die Museumsmannschaft,<br />

die die erweiterte<br />

Familie darstellt. Wir sind schlank<br />

aufgestellt und jeder Mitarbeiter ist<br />

unerlässlich.<br />

Ich habe nachgelesen, dass Sie<br />

für die Hängung der Bilder im<br />

Museum gerne die Verantwortung<br />

übernehmen. Stimmt das?<br />

Das lasse ich mir nicht entgehen! Ich<br />

bin von Beruf her Architekt und im<br />

Museum bauen wir jedes Jahr die Innenarchitektur<br />

des Hauses um (in der<br />

Haupthalle gibt es nur eine fixe Querwand),<br />

was ich als Lego für Erwachsene<br />

bezeichne. Der Umbau und der<br />

Aufbau einer Ausstellung ist unglaublich<br />

spannend und ich habe hier im<br />

Zusammenspiel mit sehr kompetenten<br />

Kuratoren*innen die Möglichkeit, viel<br />

auszuprobieren. Und es redet kaum<br />

jemand dazwischen – man muss<br />

aber auch mit teilweise sehr direkten<br />

Kommentaren der Familie und anderer<br />

Experten umgehen können. Aber<br />

wie erwähnt macht das viel Spaß und<br />

man lernt auch extrem dabei. Man<br />

kann mit wenigen Handgriffen und<br />

Interventionen den Charakter eines<br />

Raumes diametral umstülpen.<br />

Rund 4.000 Kunstwerke beherbergt<br />

das Museum Liaunig. Wie<br />

behält man hier den Überblick?<br />

Ordnung, Struktur, Gewissenhaftigkeit<br />

und viel Kommunikation sind<br />

unerlässliche Faktoren dabei. Wir haben<br />

ein eigenes Archivierungssystem<br />

(am Computer plus einen analogen<br />

Ausdruck davon) und jedes Bild oder<br />

Objekt hat eine Nummer und einen<br />

Standort. Verschiebungen (Leihverkehr,<br />

Ausstellungen) müssen akribisch<br />

52


© MUSEUM LIAUNIG/BRUNO GIRONCOLI/ZHANG ENLI (XAVIER HUFKENS BRUXELLES)/SUN XUN/<br />

ALFREDO BARSUGLIA/SUSE KRAWAGNA/MA JIA/CHRISTIAN SCHWARZWALD/WANG LEI<br />

dokumentiert werden und jeder im<br />

Team muss sich auf den jeweils anderen<br />

verlassen können. Das lernt man<br />

unfreiwillig schnell, denn eine Suche<br />

nach einem Objekt kostet ein Vielfaches<br />

an Zeit. Unsere Sammlungsleiterin<br />

muss also genau sein, aber meine<br />

Mutter ist es als ehemalige Buchhalterin<br />

ebenso. Doppelt hält besser und<br />

der Hausverstand sollte auch immer<br />

eingeschaltet sein.<br />

Dann und wann wird man wohl<br />

die Depots abgehen und sich fragen,<br />

von welcher Kunst man sich<br />

trennen wird müssen, damit Neues<br />

kommen kann, oder?<br />

Mein Vater sagte völlig zurecht immer,<br />

dass man den wahren Sammler daran<br />

erkennt, dass er immer Platznot hat.<br />

Wir trennen uns im Grunde nie von<br />

Arbeiten. Wir haben einmal vor vielen<br />

Jahren eine Schenkung gemacht und<br />

danach versucht, gleichwertige Stücke<br />

zu bekommen. Bis heute »trauern« wir<br />

den Stücken nach.<br />

Gibt es Kunstwerke (bzw. Künstler),<br />

wo man es verabsäumt hat, sie zu<br />

kaufen?<br />

Eindeutig ja! Aber es gibt keine komplette<br />

Sammlung und das ist letztlich<br />

gut so, denn andernfalls würde<br />

man sich ja auf Lorbeeren ausruhen.<br />

Meine Mutter ist auch jene Person,<br />

die immer wieder in Erinnerung ruft,<br />

dass wir nach vorne sammeln müssen.<br />

Jetzt einen Picasso zu kaufen ist letztlich<br />

eine reine Geldsache, aber den<br />

Picasso von morgen zu finden ist die<br />

Herausforderung.<br />

Ihre Wien-Wohnung wirkt sehr<br />

freundlich – vor allem ist sie mit viel<br />

Licht und vielen Wänden ausgestattet.<br />

Für die vielen Kunstwerke,<br />

oder?<br />

Licht ist ein so elementares Element<br />

im Leben und ich bin absolut der Meinung,<br />

dass man genug davon bekommen<br />

sollte/muss. Ich mag gerne helle<br />

und großzügige Räume und meist tut<br />

das Menschen und der Kunst gut. Man<br />

soll sich halt wohlfühlen. Wir sind als<br />

Museum (leider) auch mittlerweile<br />

eine absolute Besonderheit, denn wir<br />

sind/haben ein Tageslichtmuseum.<br />

Der Leihverkehr ist eine Einbahnstraße<br />

geworden, weil man sich gerne von<br />

uns ausleiht, aber im Gegenzug nur<br />

dann etwas bekommt, wenn man abdunkelt.<br />

Ich halte das für eine absolut<br />

falsche Entwicklung und hoffe, dass<br />

hier bald eine vernünftige Balance<br />

gefunden wird. Auch wir wollen nicht,<br />

dass unsere Kunstwerke Schaden<br />

nehmen und haben daher spezielle<br />

Verglasungen und Schutzmaßnahmen<br />

gesetzt. Und man hängt auch keine<br />

sensiblen Papierarbeiten ins pralle<br />

Sonnenlicht. Aber es ist letztlich ebenso<br />

wichtig, dass ein Weiß ein Weiß<br />

bleibt und kein Eierschalengelb wird.<br />

Aber genau das passiert sehr oft bei<br />

Kunstlicht.<br />

Nach welchen Gesichtspunkten<br />

sammeln Sie Kunst? (Ihre Wohnung<br />

in Hernals ist ja ebenfalls sehr gut<br />

bestückt).<br />

Alles was Freude macht. Alles was<br />

neugierig macht. Alles was einen<br />

irritiert. Das Problem liegt letztlich in<br />

der Selbstdisziplinierung. Manchmal<br />

ist es die Schönheit die einen fängt,<br />

manchmal die Banalität, manchmal<br />

die handwerkliche Perfektion,<br />

manchmal… Freude ist aber immer ein<br />

wesentlicher Bestandteil. Ohne diese<br />

hält man nie lange durch.<br />

Gibt es für das Museum Liaunig<br />

Pläne?<br />

Wir wollen immer besser und zugleich<br />

auch bekannter werden. Wir haben<br />

kein Etat für Werbemaßnahmen, aber<br />

wir wollen mit guten Ausstellungen<br />

Freude bereiten und mit unseren Besuchern<br />

in direkten Kontakt kommen.<br />

Wenn jemand einmal bei uns im Haus<br />

war, dann haben wir meist gewonnen,<br />

aber es gibt keine Zeit zum Ausruhen.<br />

Ich möchte künftig mit vielen anderen<br />

privaten Sammlern zusammenarbeiten<br />

und so den Horizont erweitern.<br />

Es gibt so viel zu entdecken. Mir ist<br />

klar, dass vieles hiervon pathetisch<br />

klingt, aber ich bin davon überzeugt,<br />

dass Kunst eine wunderbare Art der<br />

Kommunikation darstellt, ohne die<br />

wir als Herdentiere auf Dauer nicht<br />

funktionieren.<br />

©WALTER SCHRAMM<br />

© MUSEUM LIAUNIG/YANG HONGWEI (BMCA COLLECTION)/DRAGO J. PRELOG/ZHANG ENLI<br />

(XAVIERHUFKENS BRUXELLES)/MEINA SCHELLANDER/ROMAN SCHEIDL/TONE FINK/<br />

WALTER VOPAVA/LI HUI (BMCA COLLECTION)/WOLFGANG HERZIG<br />

53


Hohe Zinsen<br />

für Steuernachzahlungen<br />

vermeiden<br />

Text: Petra Schachner-Kröll<br />

© FLORIAN LIERZER<br />

Im September <strong>2023</strong> hat die Europäische<br />

Zentralbank zum vierten Mal in<br />

diesem Jahr den Leitzins angehoben.<br />

Entsprechend der Gesetzeslage hebt<br />

auch das Finanzamt die Zinsen ab<br />

20. September <strong>2023</strong> auf 5,88 % an.<br />

Stundungs-, Anspruchs-, Aussetzungs-,<br />

Beschwerde- und Umsatzsteuerzinsen<br />

liegen gemäß<br />

aktueller Rechtslage 2 % über dem<br />

jeweils geltenden Basiszinssatz.<br />

Beginnend mit 1. Oktober <strong>2023</strong> bis<br />

zum Datum des Steuerbescheides<br />

2022, maximal jedoch für 48 Monate<br />

werden »Anspruchszinsen« für den<br />

offenen Betrag an Einkommensteuer<br />

bzw. Körperschaftsteuer<br />

2022 verrechnet. Ab 20. September<br />

<strong>2023</strong> wird sowohl für Nachzahlungen<br />

als auch für Gutschriften ein<br />

Zinssatz von 5,88 % angewendet.<br />

Künftige Erhöhungen der Zinsen<br />

sind nicht ausgeschlossen. Auch bei<br />

Umsatzsteuernachzahlungen ist<br />

eine Zinsenbelastung von 5,88 % zu<br />

berücksichtigen.<br />

Um die Festsetzung von Anspruchszinsen<br />

zu vermeiden, kann<br />

jederzeit freiwillig eine Abschlagszahlung<br />

in Höhe der voraussichtlichen<br />

Nachzahlung an Einkommensteuer<br />

und Körperschaftsteuer für<br />

die Jahre 2022 entrichtet werden.<br />

Für eine korrekte Zuordnung ist<br />

ein entsprechender Verwendungszweck<br />

anzuführen.<br />

Für voraussichtliche Nachzahlungen<br />

an Einkommensteuer ist E<br />

1-12/2022 als Verwendungszweck<br />

anzuführen, für voraussichtlichen<br />

Nachzahlungen an Körperschaf t-<br />

steuer K 1-12/2022. Auch eine Teilzahlung<br />

und/oder spätere Zahlung<br />

reduziert die Anspruchszinsen.<br />

Überhöhte Abschlagszahlungen<br />

führen zu keinen positiven Anspruchszinsen.<br />

Die Zinsen werden<br />

bis zu einem Betrag von EUR 50,00<br />

(Bagatellgrenze) nicht festgesetzt.<br />

Hat man beispielsweise eine Nachzahlung<br />

von EUR 50.000,00 zu<br />

leisten, muss die Vorauszahlung bereits<br />

am 7.10.<strong>2023</strong> beim Finanzamt<br />

einlangen, da ab diesem Tag Zinsen<br />

anfallen. Bei einer Nachzahlung<br />

von EUR 20.000,00 beginnen die<br />

Zinsen ab 16.10.<strong>2023</strong> zu laufen.<br />

Beachten Sie auch, dass die Zinsen<br />

steuerlich nicht abzugsfähig sind!<br />

Andererseits wird Ihr Guthaben<br />

aber auch mit 5,88 % veranlagt.<br />

schachner-partner.at<br />

54


Heckes<br />

©BERND HECKE<br />

Text: Bernd Hecke<br />

Meine kleine Klimabeichte in<br />

der letzten Ausgabe kam gerade<br />

recht: Sie wissen es noch? Ich<br />

habe mir einen alten Dieselbus<br />

gekauft, um den Kindern böse<br />

Langstreckenf lüge zu ersparen.<br />

Paradoxe Intervention halt. Sie<br />

gondelten wochenlang durch<br />

halb Europa. Ich selbst bin noch<br />

davor nach einigen Test-Nächten<br />

zwar in großer Freiheit an<br />

Landstraßen und mitten in<br />

Städten wiederauferstanden,<br />

das aber stets gerädert, vom<br />

ungehobelten Lattenrost unter<br />

zu dünner Matratze. Warum<br />

also kam sie gerade recht, die<br />

Klimabeichte? Weil dieser Sommer<br />

wie ein einziges Buschfeuer<br />

brennende Fragen an unsere<br />

schwitzenden Häupter knallte.<br />

Rekordhitze in den Weltmeeren.<br />

Die 40-Grad-Grenze im<br />

Süden ist in Serie gefallen.<br />

Adriastrände schockgefroren<br />

unter der Wucht monströser<br />

Hagelgeschosse. Ist das schon<br />

der Kippeffekt? Ist Mutter<br />

Erde unserem Elchtest erlegen,<br />

schlägt ihr globales Klimakterium<br />

unauf haltsam zu? Man<br />

soll ja in der Wissenschaft den<br />

Glauben beiseite lassen. Also<br />

glaube ich nicht, dass es schon<br />

so weit ist: Vielmehr fürchte<br />

ich, da ist einfach nichts mehr<br />

zu leugnen. Vielleicht wintere<br />

ich den Bus ein und forciere<br />

wieder den Drahtesel. Den reite<br />

ich in Zeiten des Klimawandels<br />

ohnehin ganzjährig. Und, nein,<br />

ich stehe beim Strampeln nicht<br />

unter Strom. Wozu ein Fahrrad<br />

per Batterie antreiben? Die<br />

Pedale sind doch für kräftige<br />

Beine erfunden worden!<br />

Zugegeben, seit ich in der Liga<br />

»<strong>40plus</strong>plus« antrete, kurble<br />

ich mit deutlich vermindertem<br />

Drehmoment. Früher<br />

schnupfte ich mit meinem<br />

Puch Cavette, also dem Ex des<br />

Herrn Papa, Mopeds und lieber<br />

noch poppige Vespen. Raus aus<br />

dem Sattel, stehend rein in den<br />

Windschatten, vorbeipreschen.<br />

Das polini-geföhnte Selbstbewusstsein<br />

der Vespafahrer im<br />

zwölften Gang zertreten. Ein<br />

Traum in mint-metallic. Mein<br />

grober Umgang mit dem Rad<br />

war des Vaters Albtraum. Heute<br />

ist Puch nicht mehr, was es war.<br />

Mein Vater hat sein Cavette<br />

längst abgeschrieben. Nun<br />

schelte ich an seiner statt eben<br />

meinen Sohn, warum er das<br />

alte Prachtstück so verkommen<br />

lässt. Familientradition halt.<br />

Heute überholen mich sogar<br />

Silberrücken-Senioren mit<br />

Radlpass-Garantie: Mühelos.<br />

Mein Blick schielt stets auf<br />

ihren Alu-Rahmen. Wo ist der<br />

verf luchte Akku? Ja, es ist immer<br />

ein E-Bike, das mich und<br />

mein altes KTM abhängt, also<br />

das Ex meines nun auch schon<br />

älteren Herren. Mit erwachsener<br />

Reife bleibe ich im Sattel<br />

und fahre ruhig weiter. Jetzt<br />

nur nicht schwitzen. Dieses<br />

Rennen mit deren unlauteren<br />

Mitteln ist für mich nicht mehr<br />

zu gewinnen. E-Bikes sind erbärmlich,<br />

merk- und unwürdig.<br />

Frevel und Feind! Eine vernünftige<br />

Option für die Verkehrswende?<br />

Pah, eine Blamage für<br />

jeden echten Pedalritter!<br />

Papas KTM ist jetzt übrigens<br />

a schöne Leich'. Schon zwei<br />

Werkstätten ließen ausrichten,<br />

Patient tot: »A Reparatur zahlt si<br />

nimmer aus!« Dem alten Herrn<br />

hab' ich's schon gebeichtet.<br />

Ein neues Rad muss her. Aber,<br />

Ehrensache, ganz ohne Strom!<br />

Gegen diese Niederlage trete<br />

ich weiter an.<br />

55


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