RK B01 - Kunstwanderungen

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RK B01 - Kunstwanderungen

RK B01

Florenz 1

Santa Maria del Fiore

Dom – Palazzo Vecchio – Uffizien –

Ponte Vecchio – Or San Michele – Baptisterium

Wir beginnen die Stadtbesichtigung von Florenz mit dem Besuch des Doms

***** S. Maria del Fiore.

Der Dom (10-17 Uhr) wurde 1296 nach Plänen des Arnolfo di

Cambio begonnen. Nach langer Baupause errichtete Giotto

von 1334 bis 1337 den Campanile, den Andrea Pisano bis

1348 fortführte; 1357 war der Turm fertiggestellt. Ab 1355

wurde der Bau des Langhauses vorangetrieben, unter Francesco

Talenti und Giovanni di Lapo Ghini, und 1366 der Chor der

Vorgängerkirche S. Reparata abgetragen.

gleichzeitig die Außenwände mit Marmor verkleidet. Filippo

Brunelleschi gewann 1420 den Wettbewerb mit seiner Kuppelarchitektur.

1436 wurde die Doppelschalenkonstruktion der

Kuppel geschlossen. Mit dem Aufsatz der aus statischen Gründen

notwendigen Laterne und der großen goldenen Kugel des

Verrocchio war der Bau 1471 vollendet.

Verrocchio

Andrea de’ Cioni wurde 1435 in Florenz geboren und zählt neben

seinen Zeitgenossen Desiderio da Settignano, Antonio Rossellino,

Antonio del Pollaiuolo und Benedetto da Maiano zu den

bedeutendsten Plastikern der Frührenaissance. Aber auch als

Maler tat er sich hervor. Sein Bild „Taufe Christi“ in den Uffizien

zu Florenz ist vielleicht die bekannteste Darstellung dieses

neutestamentlichen Themas. Das Bild entstand allerdings unter

der Mitarbeit eines seiner Schüler, der später einer der bedeutendsten

Maler der Welt werden wird. Dieser Schüler hatte immerhin

einen ihm würdigen Lehrmeister gefunden gehabt, als

sein Meister 1488 in Venedig starb: Leonardo da Vinci.

*

Der Dom, die viertgrößte christliche Kirche, etwa 160 m lang,

misst im Querschiff 90 m, im Langhaus 40 m Breite. Der 107 m

hohe Kuppelaufbau hat an der breitesten Stelle einen Durchmesser

von 45,52 m.

Heinrich Isaac.

Der flämische Komponist, 1450 geboren, wird kurz nach 1480

von Lorenzo dei Medici il Magnifico zum Organisten an die

Kathedrale bestellt. Nach dem Sturz der Medici komponiert

Isaac für Kaiser Maximilian I. Seine letzten Lebensjahre verbringt

er in Florenz, wo er 1517 stirbt. In Italien nennt man ihn

zu diesem Zeitpunkt schon „Arrigo Tedesco“.

*

Wir gehen hinauf auf den

Campanile mit einer

**** Ansicht von Florenz.


Wir gehen vom Campanile über 400 Stufen hinab, nach rechts, einmal um den

Turm herum, unter der Beachtung der

Hochreliefs über die Entwicklung der menschlichen Kultur,

Wir gehen zwischen Campanile und Kirchenlanghaus hindurch und von nun

an linkshaltend (der besseren Ansicht des Domes wegen auch auf der anderen

Straßenseite) vorbei an der Porta del Campanile, mit segnendem Jesus,

vorbei an der Porta di Canonici, mit einer Muttergottes und

zwei Engeln im Tympanon, vorbei an der Porta della Mandorla,

mit der Gürtelspende Mariens an Thomas, von Nanni di

Banco, 1422, zwei Propheten (der rechte ist von Donatello); im

Emilio de Fabris von 1887 ausgeführt wurde (die Vorgängerfassade

war 1587 abgetragen worden).


Die Skulpturen von oben nach unten: Gottvater; Florentiner

Künstler; Muttergottes zwischen Aposteln; Bischöfe und Papst

Eugen IV. Wir gehen ins Kircheninnere; und dort interessiert uns zuerst:

Das Chorhaus. Mittelkapelle. Gemälde des letzten Abendmahls

des Petrus, von Bandinelli, 16. Jh. – Rechts, eingangs des Chores

an der Wand: Skulptur des Johannes, von B. da Rovezzano,

16. Jh.


Linker Querschiffarm. Neue Sakristei mit einem Bronzeportal

nach Entwürfen des Luca della Robbia.

Luca della Robbia

Luca della Robbia wurde 1399 in Florenz geboren und ist der

Begründer jener berühmten Familie, die die bedeutendsten

Werke in Tonglasurplastik schuf. Die fälschlich als Terrakotten

bezeichneten Majolika-Arbeiten reichen von so großartigen Exponaten

wie die florentinische Domkanzel bis zu Reliefarbeiten

am Campanile des Domes zu Florenz. Dazwischen stehen die

vielen Reliefs, Hochreliefs und Altarretabel in weißer Glasur

oder grün-blau gefasst. Luca arbeitete aber nicht nur als Tonformer

sondern auch als Bronzegießer, so schuf er die Bronze-

Domsakristeitür von Florenz zusammen mit Michelozzo und

Maso di Banco. Luca della Robbia starb 1482 in Florenz.

*

Das Portal wurde 1446 begonnen und unter Mitarbeit von Michelozzo

und Maso di Bartolomeo 1457 beendet, mit der Darstellung

des Jesusknaben im Tempel, der Muttergottes und des

Gregor der Große (unten); darüber: Auferstehung Jesu von

den Toten, Majolikawerk von Luca della Robbia; im Inneren:

vorzügliche Schränke derselben Zeit sowie ein Puttenfries von

1435. – An der Wand: Skulptur des Andreas, von Ferrucci, 16.

Rechter Querschiffarm. Alte Sakristei: In der Lünette über dem

Eingang ist die Himmelfahrt Jesu dargestellt, von Luca della

Robbia. Im Inneren befinden sich Tobias und der Engel, 15. Jh.

(rechts) und der Erzengel Michael, 1523, sowie ein Kruzifix des

: Madonna del Popolo, Freskenfragment der Giotto-Schule. – 3.

Kapelle: Altar von Michelozzo. – An der Wand: Skulptur des

Philippus, von Bandini, 16. Jh.

Das Oktogon. Das Kuppelfresko des Jüngsten Gerichts stammt

von Giorgio Vasari, 1574.


Die Glasfenster des 15. Jhs. sind ausgezeichnet: Marienkrönung,

nach Donatello, frontal und nun weiter von rechts nach

links: Jesu Himmelfahrt, Jesus schwitzt Blut am Ölberg und

auch die Darstellung des Jesusknaben im Tempel, von Ghiberti;

Reliefs von Bandini und Bandinelli. – Rückwärtige Pfeiler:

Skulptur Jakobus des Älteren, von Sansovino, 16. Jh. (links)

und Skulptur des Matthäus, von de Rossi, 16. Jh.

Linke Seitenschiffswand. 1. Aufgang zur Kuppel. – 2. Porta

della Mandorla mit der Madonna des Nanni di Banco, über dem

hin, von Domenico di Michelino, nach einem Entwurf

Baldovinettis, 1465.

Dante Alighieri

Italiens größter Dichter wurde 1265 in Florenz geboren. Wegen

seiner politischen Aktivitäten verbannen ihn die Florentiner im

Jahre 1302. Niemals wird er in die Heimatstadt zurückkehren.

Es beginnt ein von Unruhe geprägtes Wanderleben, das ihm

1317 nach Ravenna führt, wo er 1321 stirbt.

Zwischen 1306 und 1321 entsteht die „Göttliche Komödie“. Die

100 Gesänge bestehen aus 14200 Versen. Es ist die Beschreibung

einer Reise durch das Fegefeuer, in die Hölle und von dort

aus ins Paradies. Dantes Führer sind Vergil und Beatrice. Beatrice

ist die Frau, die Dante lebenslang verehrte. Er lernte die

Florentinerin als Neunjährige kennen und verliebte sich unsterblich.

Dennoch bekam er sie nicht zur Frau. Beatrice hatte

einen anderen zu heiraten. Sie starb aber in sehr jungen Jahren.

Dante weihte ihr seine schönsten Gedichte, die in der „Vita

nuova“ zu finden sind. Dante gilt als der bedeutendste Dichter

des Mittelalters.


*

4. Cosmas und Damian, von Bicci di Lorenzo, 1429.

Bicci di Lorenzo

Bicci di Lorenzo wurde 1373 in Florenz geboren und ging zu

seinem Vater Lorenzo di Bicci in die Lehre. Schon bald übertrumpfte

er den Vater in seinem Können, wenngleich er sich in

seiner Fresko- und Tafelmalerei an Vorbilder wie Angelo

Daddi, Ghiberti oder Lorenzo Monaco hielt. Dennoch ist sein

Stil einzuordnen in einen Kreis von Spätgotikern. Bicci starb

1452 in Arezzo.

*

5. König David, Statue von Ciuffagni, 1434. – Das Fenster darüber

ist aus dem Jahre 1395. – Monument für John Hawkwood

(Giovanni Acuto), von Uccello, 1436.

Paolo Uccello

Paolo Uccello wurde um 1397 in Pratovecchio bei Arezzo geboren.

Er gehörte zu den Schülern Ghibertis in Florenz. 1424

wurde er erstmals als fertiger Maler genannt. 1425 ging er nach

Venedig, kehrte 1431 nach Florenz zurück und malte im Grünen

Kreuzgang von S. Maria Novella. In der Folge arbeitete er

im Dom. 1445 zog er nach Padua, kehrte aber nach weniger als

einem Jahr zurück. – Er wurde von seinen Zeitgenossen als Perspektivträumer

angesehen. In der Tat war er ein großer Fabulierer,

der die seltsamsten Dinge in seine Bilder packte. Vasari berichtet,

das Uccello Tiere über alles liebte. Da er aber kein Geld

hatte, diese zu kaufen, malte er sie einfach zu Hause. Weil er zu

Lebzeiten ziemlich missverstanden wurde, hat er wohl auch darunter

gelitten. 1469 teilte er mit, dass er alt und hinfällig sei

und seine Frau krank. 1475 starb er im Hospital.

*

7. Monument für Niccolò da Tolentino, von Andrea del

Casagno, 1456. – 8. Büste des Organisten Squarcialupi, von

mit Stephanus und zwei Engeln, nach Ghiberti.

Das Mittelschiff. Linker letzter Pfeiler: Zenobius, der Stadtheilige

von Florenz, von Crescentius und Eugenius flankiert, zur

Seite Caritas und Demut, unter seinen Füßen Hochmut und

Stolz, von Giovanni del Biondo, 1380.

Rechte Seitenschiffswand. 1. Abgang von der Kuppel. – 2. Muttergottes,

von d’Ambrogio, über dem Portal außen. – 3. Monument

für den Philosophen Marsilio Ficino, von Ferrucci, 1521.

Rundbild des Benedetto da Maiano, 1490. – 7. Daniel, Statue

des Donatello von 1408. – 8. Büste des Brunelleschi, von seinem

Schüler Buggiano, 1447.

Filippo Brunelleschi

Filippo Brunelleschi wurde 1377 in Florenz geboren. Als Architekt

und Bildhauer gilt er als der Begründer der Italienischen

Renaissance. Dieser Baumeister der Frührenaissance schuf in

Florenz die wichtigsten Kirchen ( z. B. S. Lorenzo, 1423, Santo

Spirito, 1433, die Pazzikapelle an S. Croce) und Paläste ( z. B.

Säulenhalle am Findelhaus, 1444, die Badia Fiesole, Palazzo

Pitti, 1440). Er begann seine Laufbahn als Goldschmied und

Bildhauer, kam durch das Studium der antiken römischen

Denkmäler zu seinem Hauptwerk, der Überwölbung des florentinischen

Domes durch eine gewaltige achtseitige Kuppel. Das

Werk wurde ausgeführt in zwei Gewölbeschalen, also ohne Gerüst.

Als Bildhauer stand er in Konkurrenz zu Ghiberti. Brunelleschi

war nebenher auch noch Ingenieur, Festungsbaumeister

und Mechaniker. Er verschied am 14.4.1446 in Florenz.

*

Brunelleschi

von

August von Platen

Ehrwürdig dünkt euch gotische Kunst mit Recht:


ich selbst, Bewund’rung hab’ ich im reichen Maß

Orvietos, Mailands Dom und deiner

hohen Kartause gezollt, Pavia.

Doch schätz’ ich mehr Einfaches, dem ersten Blick

nicht gleich enthüllbar; aber getreu dem Geist:

Durch Reiz der Neuheit lockt Erhab’nes,

aber das Auge zuletzt ermüdet’s.

Still ist der Schönheit Zauber, unwandelbar,

und stets bedeutsam. Ewiges Lebehoch

sei, Brunelleschi, dir gebracht beim

Feste der Wiedergeburt des Schönen!

Roms alten Schutt durchschritt’st du gedankenvoll,

der unbekannt noch oder verachtet lag,

grubst Säulen aus und mächtig wuchs dir,

während du schaufeltest, Geist und Kühnheit.

„Schatzgräber“ schalt Roms höhnischer Pöbel dich,

dich samt Donato, deinem erprobten Freund,

des Kunst zuerst formlosem Steine

männlichen Seelencharakter eingrub.

Und Schätze dankt euch euer Florenz, wiewohl

ihr arm an Gold wart; herrlicher prangt es nun

als Zier der Nachwelt. Bloß Venedig -

Kämpfe mit ihm um den Rang der Schönheit.

*

Das Mittelschiff. Rechter letzter Pfeiler: Antonius, von Poppi,

1589, in der Predella: Buonomini-Bruderschaftsgründung, 19.

; darunter: Uhr des Paolo Uccello, 1443, mit den Evangelisten

in den Ecken; in der Lünette des Hauptportals: Marienkrönungsmosaik

des 14. Jhs.; rechter Pfeiler: Katharina von Alexandrien,

um 1340. – Wir gehen nun hier vom Mittelschiff aus in: Die

Krypta, S. Reparata besitzt Ausgrabungen im Chor der Vorgängerkirche.

– Wir gehen aus der Krypta hinaus, linkshaltend durchs Kirchenschiff,

durch die Pforte in der linken Schiffwand vorne und hinauf in:

Die Kuppel besitzt ein Fresko des Vasari nach Borghini:

Jüngstes Gericht, und Glasfenstern darunter aus der Zeit um

und von der toskanischen Landschaft.

Wir steigen von der Kuppel hinab, gehen aus dem Dom hinaus, nach links, an

der Kreuzung links. Hier steht die

*** Loggia del Bigallo des Bildhauers Alberto Arnoldi von

1352 mit Petrus Martyr, Muttergottes und Lucia über dem

Nordbogen; in der Lünette der rechten Pforte: Muttergottes, von

1361, des Arnoldi. Das Gebäude birgt das Museo del Bigallo

mit dem Fresko von Bernardo Daddi: Madonna della Misericordia,

1342.

Bernardo Daddi

Der um 1295 in Florenz geborene Daddi war wohl einer der

frühesten Schüler Giottos und erwuchs später selbst zum überragenden

Meister. Bis zum Ende des vorigen Jahrhunderts indes

blieb er fast unbekannt. Seine Werke wurden meistens anderen

Meistern zugeschrieben. Seit seiner „Entdeckung“ ist er dem

breiten Publikum weiterhin unbekannt, unter den Kennern allerdings

eine Größe geworden. Er kann es mit den bedeutendsten

Malern der Protorenaissance und Renaissance aufnehmen. –

Die aufkommende Gotik, die man in Italien nur als ein Aufflackern

eines neuen Stils bezeichnen darf, ging sie doch wie im

Fluge vorüber, und die Geburt des wirklichen „Neuen Stils“,

der Renaissance, wandelten das Werk Daddis – oder wandelte

er es mit? Seine Weichzeichnung, fußend im harten Stil seiner

Jugend, geriet mit zunehmendem Alter zur Vollendung, ohne

Anzeichen von Ermüdung erkennen zu lassen, wenn man von

einem Alterswerk absieht, dass möglicherweise gar nicht von

ihm ist und mittlerweile auch eher seiner Werkstatt zugeschrieben

wird. Im Alter erreichte Daddi die Meisterschaft Giottos. –

Daddi stand seinem Zeitgenossen Maso di Banco nahe, der ihn

möglicherweise beeinflusste oder sein Wirken befruchtete. Das


Werk Daddis zeigt aber auch Anlehnung an die Senesische Malerei,

besonders an Ambrogio Lorenzetti. Insgesamt aber bleibt

Daddi ein Gotiker des weichen Stils. Daddi starb nach 1348.

*

Außerdem kann man hier im Museum bewundern: ein Triptychon

Daddis sowie ein gemaltes Kruzifix, von 1235, florentinisch,

nebst Werken von Ridolfo del Ghirlandaio, Arnoldi und

di Noferi.

Wir gehen in die Nr. 19, die

*** Kapelle der Bruderschaft der Misericordia. Im Altar befindet

sich ein Majolikawerk des Andrea della Robbia, um

1490: Gott sowie Muttergottes mit Cosmas und Damian, Verkündigung,

Geburt, die heiligen drei Könige beten das Jesuskind

an.

Andrea della Robbia.

Der Neffe von Luca della Robbia, der die Majolika-Werkstatt

des Onkels weiterführte, wurde 1435 in Florenz geboren. Andrea

stellte formatmäßig auch größere Werke aus Ton her als

sein Onkel, z. B. Altartafeln mit Rahmen und Predellen; und

das alles mit ekstatisch bewegten Figuren und Gruppen. Er

starb 1525 in Florenz.

*

Links davon: Sebastian, von Benedetto da Maiano, um 1497.

*** Palazzo dei Canonici

auf die „Via S. Elisabetta“, linksversetzt über die Quergasse auf die „Via de’

Cerchi“ und auf die

***** Piazza della Signoria.


mit dem Reiterstandbild Cosimos I., von Giambologna, 1595;

in Siena im Jahre 1557. – Neptunbrunnen mit der Gottfigur,

von Ammanati, 1575, und vorzüglichen Bronzefiguren am

Brunnenrand: vier Meerpferde und drei Tritonen.

Marzocco-Löwe des Donatello, von 1460 (Kopie).

Frontal steht die

*** Loggia dei Lanzi von 1381. Der Name rührt von der

Schweizer Garde Cosimos I. her, den „Lanzichenecchi“.


Oben: Relief der vier Tugenden. In den Loggienbögen, 1: Perseus

mit Medusenhaupt, von Benvenuto Cellini, 1554,


mit Danae und Jupiter - Minerva - Merkur - Andromedas Befreiung

(Kopien) im Sockel; Raub der Polyxene, 1866, von Pio

Fedi;

mitte, zwischen linkem Löwen des 16. Jhs.


und rechtem Löwen der griechischen Antike: Menelaus mit

dem toten Patroklus, römisch, 4. Jh.; rechts: Raub einer Sabinerin,

von Giambologna, 1583;

Herkules’ Kampf mit dem Kentauren, von Giambologna, 1599.


Im Hintergrund: sechs antike Frauengestalten.

Wir gehen vor der Loggia nach links, her zwischen

*** Herkules und Cacus des Baccio Bandinelli von 1534

und dem


**** David des Michelangelo (Kopie; Original in der Accademia).

Michelangelo.

Michelagniolo Buonarroti wurde 1475 (nach florentinischer

Zeitrechnung 1474) in Caprese über dem Tiber, als Sohn des

florentinischen Podestà dort geboren. – Michelangelo gab sich

vom Wesen her als unleidlicher Mensch, mit dem nicht guten

Kirschenessen war. Schon in früher Jugend bekam er dafür

ganz kräftig eins auf die Nase. So schreibt ein zeitgenössischer

Biograph: „Die Nase ist ein wenig eingedrückt, nicht von Natur

aus, sondern weil ihm in seiner Jugend ein gewisser Torrigiano

di Torrigiani, ein brutaler und frecher Bursche, mit der Faust

beinahe den Nasenknorpel herausgeschlagen hat, so dass er wie

tot nach Hause getragen wurde... – Michelangelo trat 1488 bei

den Brüdern Davide und Domenico Ghirlandaio in die Lehre

ein, wo er aber nur ein Jahr lang blieb, denn Lorenzo de’ Medici

(Il Magnifico = Der Prächtige) wurde auf ihn aufmerksam

und nahm ihn in seine neu gegründete Kunstschule auf. Es

bleibt aber zu vermuten, dass der Fortgang von den Ghirlandaios

auch auf Differenzen, besonders mit Ridolfo, dem Sohn

Domenicos, zurückzuführen ist. – Mit zunehmender Berühmtheit

des Meisters hub um ihn unentwegter Streit an. Jeder wollte

ihn haben, ob Florenz, ob Rom, ob Geistlichkeit, Weltlichkeit.

Als Zeitgenosse Savonarolas versuchte er die Demokratie in

Florenz zu retten. Er mischte sich ein, hielt sich draus – und

blieb am Ende einsam. Der Dichter Pietro Aretino versuchte in

seiner Überheblichkeit und Eitelkeit, mit der er bei Michelangelo

nicht landen konnte, von dem er sich ein – natürlich bedeutendes

Bild erhoffte, aber enttäuscht wurde –, den Maler unmöglich

zu machen: er dichtete ihm Homosexualität an. Michelangelo

reagierte überhaupt nicht – und huldigte weiter seiner

einzigen zweiten Liebe, der Dichterin Vittoria Colonna, die er

1536 kennenlernte. Der schriftliche Verkehr und Michelangelos

Gedichte geben ein Zeugnis großartigen Miteinanders. Dass der


von Vittoria verehrte, geliebte und geschätzte Michelangelo sie

nicht heiratete, wird daran gelegen haben, dass seine erste Liebe

der Bildhauerei galt. – Michelangelo pendelte zwischen Rom

und Florenz und natürlich auch Carrara, wo es den benötigten

Marmor gab und wo er über alle Maßen unbeliebt war, hin und

her. 1501 kehrte er von Rom nach Florenz zurück. Da lag in der

Dombauhütte ein Marmorblock herum, in dem er schon immer

eine seiner Figuren sah, den David. Vierzig Jahre vorher hatte

ein anderer Bildhauer einen David für den Dom dort heraushauen

sollen. Das ist aber nie geschehen. Selbst ein Antonio Rossellini

war an dem Block gescheitert. Michelangelos Ehrgeiz

war bis aufs Letzte gereizt. Nun gab es eine Kommission, die zu

bestimmen hatte, wie die Piazza Signoria zu bestücken sei und

was mit dem Stein anzufangen sei und wem er zu übergeben

sei, dass derjenige, der ihn erhält, einen David daraus forme. In

dieser Kommission saßen (man stelle sich die das einmal vor):

Luca della Robbia, Leonardo da Vinci, Sandro Botticelli, Piero

di Cosimo, Antonio da Sangallo, Simone del Pollaiuolo und Lorenzo

di Credi. Da trafen also drei der fünf größten Maler der

Welt mit einem Mal aufeinander. – Vier Tage lang brauchte

man, um den vollendeten David von der Dombauhütte auf die

Piazza zu schaffen, wo er dann original bis 1783 stand.

*

Wir gehen schließlich auf dieser Piazza in den dominanten Palast, den

***** Palazzo Vecchio.

(Di-Sa 9-14, 16-19, So 9-13 Uhr). Der mittelalterliche Palast mit

dem Turm von 1314 und späteren Erweiterungen war Amtssitz

Der Innenhof wurde 1454 von Michelozzo neu gestaltet, 1565

verändert und im 19. Jh. restauriert, wobei der ursprüngliche

Renaissance-Eindruck zerstört worden ist.


Zu Ehren der Johanna von Österreich, Frau des Prinzen Francesco

de’ Medici, zeigen die Wandbilder Städteansichten des

Habsburger Reiches, und zwar links vom Eingang beginnend:

Prag - Passau - Stein - Kloster Neuburg - Graz

- Freiburg im Breisgau - Linz an der Donau - Preßburg - Wien -

Innsbruck - Ebersdorf - Konstanz - Wiener Neustadt - Hall in

des Vasari, 16. Jh.,


in den ersten Stock und dort in den

Saal der Fünfhundert. Der Saal wurde 1496 von Cronaca und

Antonio da Sangallo als Raum für die fünfhundert Bürgervertreter

errichtet, die nach dem Willen Savonarolas, der Piero de’

Medici vertrieben hatte, die Stadtrepublik zu vertreten hatten.

Unter Cosimo I. oblag Giorgio Vasari zu größten Teilen die

Ausmalung des Saales, 1571.

Frontwand von rechts nach links: Cosimo gründet den Stephansorden

- Schlacht von Marciano, in der die florentinischen

Krönung durch Papst Pius V. zum Erzherzog der Toscana.

Rückwand von links nach rechts: Der Florentinische Senat

wählt Cosimo zum Herzog - In der Schlacht bei Torre San Vincenzo

fliehen die Pisaner vor der florentinischen Kavallerie -

und Eroberung Pisas - Papst Bonifaz VIII. empfängt florentinische

Botschafter.

Die Deckengemälde. Oberhalb der Frontwand von rechts nach

links: Fiesole und Mugello (oben) sowie Romagna und Poppi

(unten) - Einnahme von Monistero - Cosimo erwägt Krieg mit

Borgo San Sepolcro, mit Anghiari und Cortona (unten). Nun betrachten

wir von hier aus zur anderen Seite die mittlere Reihe:

Die florentinischen Stadtviertel S. Croce und S. Spirito - Vereinigung

von Florenz und Fiesole - Stadtmauererweiterung in

Florenz - Papst Eugen IV. landet in Livorno - Triumph Cosimos

I. - Papst Clemens IV. übergibt den Guelfen die Insignien - Die

römische Kolonie Florenz - Sieg über den Gotenkönig Radagais

- Die florentinischen Stadtviertel S. Giovanni und S. Maria

Novella.

Oberhalb der Rückwand (dazu umdrehen) und nun von links nach

rechts: Pistoia und Valdarno di Sotto (oben) sowie Prato und

Pescia (unten) - Einnahme von Cascina - Rede des Antonio

Giacomini - Einnahme von Vico Pisano - Sieg über Pisa - Erstürmung

Pisas - Sieg über die Venezianer im Casentino - Florentinische

Galeeren entern Brigantinen Pisas - Certaldo und


Volterra (oben) sowie Chianti und S. Gimignano mit Colle di

Val d’Elsa (unten).

Die Skulpturen vor den Wänden sind mit den Autorennamen

Clemens VII., sämtlich von Bandinelli, krönt Kaiser Karl V. -

Francesco I., die beiden letzten Figuren schuf Caccini. –

Skulpturen der rechten Fensterwand: Genius des Sieges, von

Michelangelo, nach 1516; seitliche antike Nischenfiguren:

Merkur - Apollo - Bacchus - Ganymed. Wir gehen vor der Michelangelo-Skulptur

links und aus dem Saal in den

Saal Leo X. Dieser Raum des „Quartiere Leone X.“ ist der einzig

zugängliche des nach dem Medici-Papst Leo benannten Appartements,

das Giorgio Vasari zusammen mit Giovanni

Leo X., im Kreise seiner Kardinäle (Vor dem Hintergrund der

Stadt Rom mit der Engelsburg; auf einer Art Balkon: Michelangelo,

Giuliano de’ Medici, Lorenzo de’ Medici und Leonardo

da Vinci). – An der Fensterseite mehrere Mediceer. - Nach seiner

Wahl zum Papst zieht Leo X. in Florenz ein. Darunter:

Überreichung von Hut und Schwert an die Signoria. Wir gehen

links neben diesem Bild aus der Pforte hinaus, auf der Scala Grande des Vasari

hinauf und auf dem Treppenabsatz links in den

Saal der Elemente mit Fresken von Vasari und Cristofano

Gherardi. Zentrales Deckengemälde: Saturn (Zeit) entmannt

Uranus (Himmel) mit der Sichel.

Um dieses Mittelbild herum: Sonnen- und Mondwagen. In den

Ecken: vier allegorische Gestalten. Rückwand: Saturn, der die

auf einer Muschel entsteigt dem Wasser. Grazien am Gestade

Zyperns beobachten die Geburt.

Linke Wand: Vulkan schmiedet Liebespfeile auf dem Feuer für

die bei ihm sitzende Venus. Wir gehen durch die Tür rechts von der Venusgeburt

und links der Fenster in die


Loggia des Saturn mit einer Ansicht von Santa Croce, San Miniato,

Belvedere. Im zentralen Rundbild der Decke. Saturn

Stunden. Die Skulptur des Teufelchens in der Ecke ist von

Giambologna. Wir gehen aus der Tür nahe der Balustrade hinaus, durch

einen Vorraum mit dem Deckengemälde: Geburt der Minerva

aus dem Kopf des Jupiter, in den

Saal des Herkules. In Vasaris zentralem Deckenbild: Der junge

Herkules, neben seinen Eltern Jupiter und Alkmene, erwürgt die

von Juno gesandten Schlangen. Die rundherum geordneten Bilder

sowie die Wandteppiche zeigen Begebenheiten aus der

Herkulessage. Wir gehen durch die andere Tür hinaus, nach rechts in den

Saal des Jupiters. Im Deckenbild: Kindheit Jupiters mit Nymphen

des Ida-Berges. Im Fries: Vier Landschaften. Darüber:

Kuh. Über der anderen Tür: Juno verwandelt Kallisto in eine

Bärin. Wir gehen weiter in den

Saal der Ops. Im Deckengemälde: Die Göttin Ops thront auf

dem Löwenwagen, welchem Priester vorangehen. Rundherum

allegorische Figuren der Jahreszeiten. Im Tierkreiszeichenfries

ringsum ländliche Szenen der zwölf Monate. Der Boden mit

dem Wappen Cosimos ist von 1556.

Wir gehen aus der gegenüber liegenden Tür hinaus in den

Saal der Ceres. Im Deckenbild: Ceres im von Schlangen gezogenen

Wagen, umgeben von mehreren Gestalten des Geschehens

um Prosperina. Von hier aus hat man den Blick ins

Zimmer der Calliope, von Vasari ausgemalt. Wir kehren um, gehen

durch den Saal der Elemente, an gekommener Treppe vorbei, auf dem Balkon

durch den Fünfhunderten-Saal ins

Grüne Zimmer mit Deckenfresken von Ridolfo Ghirlandaio,

schauen links ins


Schreibzimmer der Herzogin, mit Deckendekorationen von

Salviati, 16. Jh., und wandern nun rechts in die

sowie dem Evangelisten Johannes. – Altargemälde der Kreuzabnahme

mit Gabriel und Maria. – Linke Wand: Mannasegen,

und Moses schlägt Wasser aus dem Felsen. – Rechte Wand:

Zug durchs Rote Meer. – Rückwand: Anbetung der Ehernen

Schlange. Wir kehren ins Grüne Zimmer zurück, gehen geradeaus hindurch,

in den

Saal der Sabinerinnen. Im Deckenoval: Sabinerinnen stiften

Frieden zwischen den Sabinern und Römern. Wir kommen in den

Saal der Esther. Im Deckenbild von van der Straet (Giovanni

Stradano): Ahasver verzeiht Esther den Frevel, zur Rettung ihres

Volkes den Thronsaal betreten zu haben, um für die Juden

zu flehen. – An der Wand ein Waschbecken des 15. Jhs. Wir gehen

durch den

Saal der Penelope. Im zentralen Deckenbild: Penelope (in toskanischer

Kleidung des 16. Jhs.) webt an der endlosen Leinwand.

Im Fries unter der Decke: Odyssee-Szenen. Die Gemälde

schuf van der Straet. Wir gehen nun durch den

Saal der Gualdrada. Im achteckigen Mittelbild der Decke verweigert

Gualdrada Kaiser Otto IV. den Begrüßungskuss. Im

Kapelle der Prioren, von 1514. Im Gewölbe umgeben die vier

Evangelisten und Engel den Gnadenstuhl, von Ridolfo Ghirlandaio.

In der Lünette über dem Altar: Bernhard. – Altarbild mit Maria,

Jesus, Johannes und Elisabeth, 1620.


Rückwandlünette: Verkündigung des Ridolfo Ghirlandaio. Wir

gehen durch den

Saal der Audienzen mit einer Kassettendecke von 1470 des

der Frieden verbrennt die Waffen (mitte); Camillus überfällt

den gallischen Anführer, der das Gold wiegt, das die Römer zu

zahlen haben. – An der Wand zur Kapelle: Camillus vernichtet

das gallische Heerlager (links); Camillus überlässt einen unwürdigen

Lehrer der Strafe der Schüler. Wir gehen weiter in den

Saal der Lilien mit kostbarer, geschnitzter Decke von 1480 und

1484. Über dem linken Portal: Brutus, Mucius Scaevola,

Camillus. – In der Mitte: der florentinische Bischof Zenobius

zwischen Stefan und Laurentius, unter einer gemalten Muttergottes

der della Robbia, und flankiert von einem Löwen mit

dem Kreuz des Volkes bzw. der Lilie der Herrschenden. – Über

Portal mit Johannes-Skulptur, von Benedetto da Maiano, 1481.

Vor der links an den Saal stoßenden

Kanzlei, ein kreuzgewölbtes Amtszimmer des Sekretärs der

Republik, gehen wir rechts und dann noch links in den

Saal der Landkarten. Wir gehen aus dem Landkartensaal hinaus, im Liliensaal

nach links, treppab und aus dem Palazzo hinaus. Auf der Piazza della

Signoria gehen wir nach links in den Säulengang der


***** Galleria degli Uffizi

(Di-Sa 9-19, So 9-13 Uhr). Der Palazzo degli Uffizi wurde zwischen

1560 und 1580 unter Cosimo I. nach Plänen Vasaris errichtet.

Da Cosimo den Palazzo Vecchio für seine Familie und

den Hofstaat beanspruchte, waren diese neuen Amtsräume für

die Verwaltungsbehörde notwendig geworden. Vasari, dem

Buontalenti und Parigi zur Seite standen, einverleibte in den

Halbedelsteinwerkstätten, Künstlerateliers und Räume für naturwissenschaftliche

Studien sowie das Theater durch einen

Gang mit dem Palazzo Vecchio, und er führte den Gang auf

dem Ponte Vecchio über den Arno bis zum Palazzo Pitti.

Die heutige Sammlung der Uffizien geht aus den Schätzen der

zu machen. Von der Kasse gehen wir geradeaus in die Kirche

S. Piero Scheraggio aus dem 11. Jh., die Vasari in den Palast

mit einbezog, mit einem Freskenzyklus des Andrea del Castagno:

Porträts bedeutender Männer. Wir gehen aus dem Raum hinaus,

linkshaltend die prächtige Treppe hinauf, ganz oben in den Korridor,

im Korridor links und links durch den Eingang in die Säle.

2. Toskanische Malerei des 12., 13. und 14. Jhs., u. a.: Cimabues

Maestà, um 1280;

Cimabue

Der Maler und Malerbiograph Giorgio Vasari nimmt an, dass

Cimabue um das Jahr 1240 geboren wurde. Cenni di Pepo, wie

Cimabue eigentlich heißt, ist zwischen 1272 und 1302 nachweisbar

und gilt als die zentrale Persönlichkeit der italienischen

Malerei der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. In früher Zeit

hat er in Rom und Pisa gearbeitet. Der Stil Cimabues geht natürlich

auf die Traditionsmalerei im Abendland zurück. Er erkannte

aber die neue Strömung, die sich breitmachte – besonders

in Italien – und nahm diese – einschließlich der romanischen

Formengebung – nicht nur auf sondern vervollkommnete

sie, ohne die orientalische Herkunft verleugnen zu wollen. Sein

Frühwerk zeigt deutliche Spuren pisanischen Byzantinismus’.

Stark beeinflusst wurde sein Schaffen von Coppo di Marcovaldo,

dessen Monumentalität und Weiträumigkeit Cimabue in

seine Entwürfe mit einbezog, aber auch von der Ausstrahlung

der Skulpturen, die Niccolò Pisano geschaffen hatte. Ab 1272

arbeitete Cimabue an den Mosaiken der Kuppel des Baptisteriums

von Florenz, in den Achtziger Jahren in Assisi, wo er sein

Meisterwerk schuf. Cimabues Werk beeinflusste die Malerei

Duccios, wurde von diesem übertroffen, noch mehr aber von

einem ihm nachfolgenden Künstler, den der berühmteste Dichter

Italiens, Dante Alighieri, in seiner Göttlichen Komödie erwähnt,

nämlich im elften Gesang des „Purgatorio (=Fegefeuer):

Giotto di Bondone.

*

Duccio di Buoninsegna, Maestà, 1285. Das Werk wurde erst

1311 fertiggestellt und gilt als das absolute Meisterwerk

Duccios.

Duccio

Duccio di Buoninsegna wurde wahrscheinlich um 1255 in Siena

geboren. Vermutlich begann Duccio seine Laufbahn als Miniaturmaler,

der die französische und orientalische Handschrift so

intensiv studiert hatte, dass er seine Fähigkeiten als Kolorist

dann später in seinen Gemälden ausspielen konnte. Beeinflusst

aber auch durch die senesische Malerei Coppo di Marcovaldos,

beeinflusst von der Plastik eines Niccolò Pisano wurde er

schnell ein Anhänger Cimabues. Seine „Madonna Rucellai“ in

S. Maria Novella in Florenz wurde Jahrhunderte lang für ein

Werk Cimabues gehalten, was die Nähe zu diesem und das

Können Duccios beweist. Cimabues „Reform“ der bestehenden

Malerei nahm Duccio auf und verfeinerte die Malerei insgesamt.

1290 hatte Duccio seine Abhängigkeit zu Cimabues Werk

überwunden, schielte nun auf das Werk des florentinischen


Giotto und die Skulptur des Giovanni Pisano. Dennoch: „Vor

allem aus dem Farbenreichtum der byzantinischen Malerei leitete

er eine prunkvolle und märchenhafte Grazie her, die sich

durch den Schwung der gotischen Linie vermenschlichte, das

architektonische Schema Cimabues milderte und zugleich freier

betonte (L. Marcucci). – Duccio starb 1319 in Siena.

*

Giotto di Bondone, Maestà, um 1310.

Giotto

Giotto di Bondone wurde 1266 in der Nähe von Florenz geboren.

Der Name Giotto steht für die Abkehr der italienischen Malerei

vom Byzantinismus und den Wegbereiter der Renaissance-

Malerei schlechthin, wenngleich Giotto selbst Gotiker ist und

nach ihm noch einmal ein Stillstand festzustellen war, der erst

durch die feinfühlige Malerei eines Masaccio aufgebrochen

wurde. Aller Wahrscheinlichkeit nach war Giotto der bedeutendste

Schüler Cimabues. Sehr schnell aber entwickelte er sich

aus dessen Einfluss heraus, indem er sich von Arnolfo di Cambio

und Niccolò Pisano beeindrucken ließ. Er überwand die traditionelle

Bilderwelt und stellte sich in seiner Malerei bewusst

gegen seine Lehrer und Vorläufer. Giotto arbeitete nach Florenz

in Rom (Lateran), in Padua, in Rimini und Assisi, wo die Fresken

in der Oberkirche von ihm sein sollen – sollen deswegen,

weil es immer mehr Forschungsergebnisse gibt, besonders deutsche,

die Giottos Urheberschaft anzweifeln und die Szenen aus

dem Leben des heiligen Franziskus mehreren außergewöhnlichen

Künstlern zuschreibt. Giotto hinterließ an seinen Wirkungsstätten

regelrechte Malschulen, deren Schüler sich aber

meistens von seinem Stil fortentwickelten. Giottos ursprünglich

kraftvolle Dramatik im Ausdruck wich schon bald einem feinen

und schönen Stil, der eine ungezwungene Darstellung von

Mensch und Natur zuließ. Dabei halfen Giotto sein Hang zur

Gotik und seine Empfindsamkeit für das plastische Werk seines

Zeitgenossen Giovanni Pisano. Viele Werke Giottos sind abhanden

gekommen, so vor allem jene, die er in Neapel und Mailand

geschaffen hat. Auch Florenz hat viele seiner Werke einbüßen

müssen. Giotto starb im Jahre 1337 in Florenz. - Die bedeutendsten

Schüler Giottos waren Taddeo Gaddi, Bernardo

Daddi und Maso di Banco.

*

Drei Thronende Madonnen

Diese drei Thronenden Madonnen der drei größten Maler der

Zeit um 1300 reizen zum Vergleich. Die Maria des Cimabue ist

erhöhte Erhabenheit, die Maria des Duccio strahlt in geistiger

Lieblichkeit, die Maria des Giotto strömt wärmende Menschlichkeit

aus. Das Christkind des Cimabue ist schon fast ernster

Weltenrichter und erhebt die drei Finger der Hand nahezu

mahnend. Das Christkind des Duccio ist ein nicht minder klug

dreinschauender Knabe und reckt die drei Finger der Hand

Richtung weisend. Das Christkind des Giotto wirkt vom Gesicht

her ernst und erwachsen; die wie zur Unterstützung des Gesagten

während einer Predigt leicht gekrümmten drei Finger weisen

auf Maria, die Mittlerin. Der Thron bei Cimabue ist ein

Stück eines Kirchenbaues aus Stein. Der Thron bei Duccio mutet

eher wie ein fein gearbeiteter Holzaufbau an, den ein Wandteppich

abschließt. Der Thron bei Giotto ist schmuckvolles Podest,

das sich zu einem Altarretabel öffnet. Die Engel bei Cimabue

präsentieren Mutter und Kind, frontal stehend. Die Engel

bei Duccio neigen sich kniend Mutter und Kind zu. Die Engel

bei Giotto treten trotz vordergründiger Platzierung in eine

Rahmenfunktion zurück und haben den ihnen übergeordneten

heiligen Gestalten den huldigenden Raum überlassen.

3. Sieneser Malerei des 14. Jhs., u. a.: Lorenzetti, S. Martini.

4. Florentiner des 14. Jhs., u. a.: Daddi und Gaddi.

5. Internationale Gotik des 14. / 15. Jhs., u. a.: Monaco da Fabriano.


7. Florentinische Frührenaissance des 15. Jhs., u. a.: Fra Angelico,

Fra F. Lippi, Uccello.

Paolo Uccello

Im Jahre 1457 malte Paolo Uccello die Schlacht von San Romano,

bei der die Florentiner 1432 über Siena und die mailändischen

Truppen siegten. Hier, in den Uffizien hängt nur der

mittlere Teil des dreiteiligen Gemäldes. In diesem Bild hat Uccello,

neben der tatsächlichen Handlung, auch seinen Kampf

mit der Perspektive dargestellt. Der um Plastizität bemühte

Künstler hinterließ dem heutigen Beschauer einen Augenblick

des Schmunzelns. Die mit Rundungen reich versehenen

Pferdchen wirken knetgummigepolstert und unterlassen keine

Verrenkung, um den Zuschauer zu erheitern. Die Lanzen sprengen

alle Proportionen. Anstatt zu kämpfen, jagen bewaffnete

Bürger Vögel und Hasen. Plump verpackte Ritter mit Gasmaskenbrillen

könnte Tolkien in den „Herrn der Ringe“ aufgenommen

haben. Zum Hohn auf die Schlacht prustet ein Pausbäckiger

in sein Instrument.

*

8. Florentin. Frührenaissance des 15. Jhs., u. a.: Filippo Lippi.

9. Florentin. Frührenaissance des 15. Jhs., u. a.: A. Pollaiuolo.

10. Botticelli-Saal mit Werken von Ghirlandaio, Filippino

Lippi, Hugo van der Goes.

Hugo van der Goes

Hugo van der Goes wird vermutlich um 1440 in Ter Goes auf

Zeeland geboren. Seine Jugend bleibt bis heute im Dunkeln.

1465 wird er erstmals erwähnt, und zwar in Brügge. 1474 wählt

ihn die Genter Malergilde zum Dekan. Dürer muss von ihm so

beeindruckt gewesen sein, dass er ihn unter die drei Maler zählt,

die er als würdig empfindet, in seinem Tagebuch aufgenommen

zu werden (die beiden anderen sind Rogier van Weyden und

Jan van Eyck). Nach der Vollendung Portiari-Altares, heute in

den Uffizien zu Florenz, geht Goes als Bruder in das Augustinerkloster

zu Brüssel. Er leidet an Depressionen. Daher erlaubt

man ihm weiterhin eine Weltoffenheit. So empfängt er z. B.

einmal den späteren Kaiser Maximilian. Er unternimmt auch

Reisen. Dennoch, er glaubt ein Sohn der Verdammnis zu sein,

was sein Prior ihm mit Musik auszupauken trachtet. Der

Schwermut verfallen, versucht er sich das Leben zu nehmen.

1482 stirbt Goes geistig umnachtet. – Der Portinari-Altar ist

sein Hauptwerk und wohl mit das Beste, was die Niederländische

Kunst hervorgebracht hat. Die Herstellung des Altares geht

auf eine Stiftung des niederländischen Medici-Vertreters in

Brügge, Tommaso Portinari, zurück. Das Mittelbild stellt die

Anbetung Jesu durch die Hirten dar. Die Flügel zeigen Antonius

und Thomas mit den Herren der Stifterfamilie (links) sowie

Margarethe und Maria Magdalena mit den Damen der Stifterfamilie

(rechts). Das Bild wirkt auf die italienischen Künstler

damals wie eine Sensation. Als ein Vorbild seines Schaffens betrachtet

es kein Geringerer als Domenico Ghirlandaio.

*

Außerdem glänzt dieser Saal mit Werken von Rogier van Weiden

und natürlich Sandro Botticelli.

Sandro Botticelli

Alessandro di Mariano Filipepi wurde 1445 in Florenz geboren.

Sandro wuchs als kränkelnder Junge heran. Sandro muss zu

Kinderzeiten noch so unbedeutend gewesen sein, dass man ihn

mit dem Spitznamen seines älteren Bruders, eines Maklers,

„Botticelli (=Fässchen)“ rief. Sandro erlernte zunächst die

Goldschmiedekunst. Dabei wurde sein ungewöhnliches zeichnerisches

Talent entdeckt. Der Vater steckte ihn zu Fra Filippo

Lippi in die Lehre. Das Frühwerk Sandros ist von diesem, von

Andrea del Verrocchio und von Antonio del Pollaiuolo geprägt.

Schon sehr zeitig sind Sandros Madonnendarstellungen überragend.

– In seinen übrigen Werken tauchen immer wieder Bildnisse

der Familie Medici auf, was seine starke Bindung an diese


dokumentiert. 1478 wurde im florentinischen Dom von Mitgliedern

der Familie Pazzi der Bruder von Lorenzo des Prächtigen,

Giuliano, ermordet. Sandro erhielt den Auftrag, die Porträts

der vier gehängten Rädelsführer an die Wand des Palazzo

della Signoria zu malen. Diese Aufgabe auszuführen, wird dem

sensiblen Maler äußerst schwergefallen sein. – In den Jahren

1481 und 1482 malte Sandro drei komplexe Gemälde in der

Sixtinischen Kapelle in Rom. Nun folgte ein Jahrzehnt, das ihn

mit Aufträgen überschüttete und in dem er Meisterwerke höchster

Klarheit und Heiterkeit schuf. Hierzu zählen die Madonnen,

besonders jene, die in Tonden gemalt wurden, aber auch mythologische

Gemälde. Seine Bilder wurden immer durchgeistigter.

Der Tod Lorenzos de’ Medici 1492 brachte eine Zäsur in seinem

Schaffen. Die Verunsicherung im Stadtstaate, die durch

Savonarola hervorgerufen wurde, trug dazu bei. Sandro wohnte

im Hause seines Bruders Simone, der ein glühender Anhänger

Savonarolas war. Sandro gab sich weit weniger fasziniert von

den Ansichten des Mönchs, machte sich jedoch – wie viele andere

– mehr Gedanken über Buße und Vergebung, was in seinen

nun in Arbeit genommenen Vesperbildern und den Zeichnungen

zu Dantes Göttlicher Komödie sichtbar wird. Savonarolas

Geißelung der Verweltlichung der Kunst findet in Sandros

Bild der „Verleumdung“ in den Uffizien seinen Niederschlag.

Dieses Bild steht gleichzeitig für die Überwindung des feinen

heiteren, über alle Maße zarten lyrischen Stils als auch für den

Höhepunkt und das Ende der mystifizierenden Malerei des

Quattrocento, also des 15. Jhs. Sandro Botticelli starb im Jahre

1510.

*

Neben so herausragenden Werken wie der Anbetung, von Goes,

der mit diesem Flügelaltargemälde eine Reihe florentinischer

Maler beeinflusste, und Rogiers „Grablegung“ sind in diesem

Saal Botticellis großformatige Werke untergebracht. Die immer

noch Rätsel aufgebende „Primavera“, dieses bedeutende, frühe

Werk Botticellis, 1478, lässt mehrere Deutungen zu. Vielleicht

leuchtet folgende Handlung von rechts nach links ein: Zephir

(Februar) hascht nach der Nymphe (März), die Flora (April)

erblühen lässt; Venus (Mai), die Königin des Frühlings erwacht

unter dem über ihr schwebenden Amor; die drei Grazien (Juni,

Juli, August) tanzen einen Sommerreigen, derweil Merkur (September)

die Nebel zerteilt.

Dieses, unter Lorenzo dem Prächtigen entstandene Werk, ist ein

Zeugnis des kulturellen Höhepunktes im Florenz des 15. Jhs.

Sowohl die Kunst als auch die Literatur standen in hohem

Rang. So wurde Botticelli von Polizianos Gedicht „La Giostra

(= Turnier) zu diesem Bild inspiriert. Botticellis „Frühling“ inspirierte

Pietro Agrano zu einem Gedicht auf seine Geliebte aus

dem Geiste des frühen 16. Jhs., das vielleicht die lyrisch ausführlichste

und genaueste Beschreibung der Flora, der dritten

Gestalt von rechts, darstellt:

Flora

von

Pietro Agrano


1 9

Botticellis Primavera Deine Büste hüllt ein Schleier.

lockt aus Sphären, die sie tarnt, Von der Wölbung deiner Brust

die ihr Lächeln mild umgarnt zeugt ein Beben meiner Lust

bis zum Welken ihrer Ära. und die Hymne zu der Leyer.

2 10

Du, der Frauen Schönste, Flora, Deinem Magen sind entsprungen

deren Körper winterschlief, dünne Zweige, blattbestückt.

bis der Götter Wink dich rief, Und ihr Reigen hält verzückt

trägst die Aura der Aurora. deine Taille eng umschlungen.

3 11

Deinem Kopfe steh’n wie Flocken, An des Gürtels Stelle schonen

die ein Duften schneit und flicht, dich selbst Dornen, die erblüh’n,

farbig Blumen ums Gesicht wo die Schosse, matt und grün,

und als Krone in den Locken. deiner Hüften Form betonen.

4 12

Deiner Haare dichte Mähne Nur ein ahnen heißt mich preisen

ist von Blüten reich durchwirkt. deines Schoßes Zaubergruft,

Buntes Blühen schmückt und birgt wohin Knospen, Lenzes Luft,

an den Wangen jede Strähne. deine Arme ladend weisen.

5 13

Deine Augen reißen Wunden, An den Lenden weh’n und kosen

und die Lider senden Schmerz. seid’ne Hüllen um dein Nest,

Aus den Wimpern tropfen März-, streu’n dem Frühjahr ins Geäst

von den Brauen Maienstunden. deine Hände zarte Rosen.

6 14

Deiner Nase verrocchinisch Aus der Leisten langer Wege,

schmale Flügel, scheint mir, sind, die ein Flattern wild umspannt,

wenn dem Rücken zephirlind werfen Falten das Gewand

flieht dein Atem, florentinisch. deinen Beinen ins Gehege.

7 15

Deine Lippen heiß zu küssen, Tief im Frühling schweben, tanzen,

auf dem Munde zu vergeh’n, von den Zehen auf dem Moos

hieße Wunder zu versteh’n bis zur Fessel völlig bloß,

von der Liebe Überflüssen. deine Füße in den Pflanzen.

8 16

Deinem Halse schmeicheln Ranken; Jeden Weibes Drang zur Blendung

wo die Krause ihn umschwebt, ist ein Mittel deiner Gunst.

Seh’, dem Strauße eingewebt, Und ein Bildnis krönt die Kunst

ich im Kranze Kelche schwanken. jenes Leibes in Vollendung.


17

Filipepis Liebeshera,

meine Freundin, gleicht dir sehr.

Mir zur Freude gleicht dir mehr

Botticellis Primavera.

*

16. Umbr. Meister, u. a. Verrocchio, Leonardo, Signorelli.

17. Saal der Hermaphroditen. Skulpturen u. Werke Mantegnas.

18. Die Tribuna. Griechische Skulpturen, sowie Werke von

Pontormo, Vasari, Bronzino, Salviati.

19. Mittelitalienische Renaissance, u. a.: Signorelli, Perugino.

20. Deutsche Spätgotik. Dürer, Cranach, Kulmbach.

21. Venezianer des 15. Jhs., u. a.: Giorgione, Bellini.

Giovanni Bellini.

Giovanni wird um 1430 in Venedig geboren. Vermutlich ist er

als uneheliches Kind zur Welt gekommen, denn seine beiden

Brüder werden vom Vater vorgezogen und als alleinige Erben

eingesetzt. Giovanni wohnt wohl auch nicht im Haus, wiewohl

er bei seinem Vater in der Werkstatt lernt und arbeitet. Er rangiert

auch in der Öffentlichkeit hinter seinem Bruder Gentile.

Die Benachteiligung gegenüber seinem Bruder Gentile betrifft

nicht sein künstlerisches Vermögen, denn er ist der viel bessere

Maler. Da Giovanni ein zum Guten und Friedfertigen veranlagter

Mensch ist, lässt er es zwischen sich und seinen Brüdern zu

keinen Zwistigkeiten kommen. Im Gegenteil, man versteht sich

ausgezeichnet.

1479, als Gentile von der Signoria zur Arbeit nach Konstantinopel

geschickt wird, arbeitet Giovanni an Stelle seines Bruders

am Dogenpalast. Nun wächst Giovannis Ruhm, und 1484 ist er

Mitglied verschiedener Bruderschaften. Da die Arbeiten am

Dogenpalast nur schleppend vorangehen, wird die Arbeit der

Maler dort unter Polizeiaufsicht gestellt. Bellini kann, des zögernden

Fortgangs am Dogenpalast wegen Anfragen aus Mantua,

wo sein Schwager Mantegna arbeitet, nicht nachkommen.

1488 entsteht seine Maria zwischen zwei Heiligenpaaren, ein

Gemälde, dass Dürer ungemein beeindruckt. Dürers Vier Apostel

sind dem nachgeahmt.

1506 kommt Dürer nach Venedig. Bellini besucht ihn im Atelier.

Dürer schreibt daraufhin an seinen Freund Pirckheimer über

Bellini: „Er ist sehr alt und ist noch der Beste im Malen.“

Giovanni Bellini wird auch „Giambellino“ genannt. Er ist der

Schwager Mantegnas. Sein berühmtester Schüler oder von ihm

lernender Mitarbeiter ist Tizian. – Giovanni stirbt 1416 in Venedig.

*

22. Flamen und Deutsche aus Spätgotik und Renaissance, u. a.:

Holbein, Altdorfer, Memling.

23. Lombarden 15. und 16. Jh., u. a.: Correggio, Mantegna.

25. Raffael und Michelangelo.

Raffaello Santi.

Raffaello Santi wird 1483 in Urbino geboren und lernt wohl bei

seinem Vater Giovanni Santi und ab etwa 1494 bei Pietro Perugino.

Seine ersten Werke schafft er in Perugia, der Hauptstadt

Umbriens. Im Jahre 1504 lässt er sich mit 21 Jahren in Florenz

nieder. Er kommt somit aus einer alten in eine neue Welt, in der

man modern malt. Hier nun lernt er Michelangelo, Leonardo,

Andrea del Sarto, Signorelli, Fra Bartolomeo kennen und wird

von den Eindrücken überwältigt. Er ist aufmerksam, wissbegierig

und fleißig sowie ein Verehrer von Dürer, dessen graphisches

Werk er ausführlich studiert. Als er 1508 von Bramante

nach Rom gerufen wird – dort braucht man Leute wie ihn –

malt er die Stanzen aus. Nach Jahren der Arbeit dort stirbt Raffael

am Karfreitag 1520. Raffael zählt zu den 10 bedeutendsten

Malern der Welt.

*

26. Florenz im frühen 16. Jh., u. a.: Sarto, Pontormo, Raffael.

27. Florentinischer Manierismus, u. a.: Pontormo, Bronzino.


28. Venezianer des 16. Jhs., u. a.: Tizian, Jacopo, Palma.

29. + 30. Maler der Emilia, 16. Jh., u. a.: Parmigiano.

31. + 32. Venezianer des 16. Jhs., u. a.: Lotto, Dossi, Piombo.

33. Korridor der Manieristen, 16. Jh., u. a. Allori, Zucchi.

34. Venezianer des 16. Jhs., u. a.: Veronese.

35. Venezianer des 16. Jhs., u. a.: Tintoretto, Baroccio.

41. Niederländer nach 1600, u. a.: Rubens, van Dyck.

42. Saal der Niobe, klassizistisch, mit römischen Kopien griechischer

Originale des 4. und 5. Jhs. v. C.: Niobe und ihre Kinder.

Außerdem: Vase der Medici, 1. Jh. v. C.

43. Italiener des 17. Jhs., u. a.: Caravaggio, Carracci.

44. Niederländer des 17. Jhs., u. a.: Rembrandt.

46. Französische Schule, 18. Jh., u. a.: Boucher, Chardin.

Wir gehen aus den Uffizien hinaus, im Säulengang, an der Abzweigung vor

dem Portal Nr. 2 links auf die „Via Lambertesca“ und hinter dem Haus Nr. 11

links durch den Hausbogen und nun rechtshaltend vorbei an der Kirche

*** S. Stefano al Ponte. Die Kirche stammt aus dem 14. Jh.

Die Fassade schmückt ein pisanisch gerahmtes Portal. Die

Choranlage ist von 1574, die Chortreppe schuf Buontalenti.

Das Innere. Der Altar ist von 1591, die Gürtelspende Mariens

an Thomas, von Santi di Tito, 1585.

Wir wandern auf der Querstraße links und auf die Brücke, den

**** Ponte Vecchio.

Vor dieser Steinbrücke von 1342 gab es schon einen hölzernen

Übergang über den Arno.

Wie heute, war dieser bereits im 13. Jh. mit Geschäften begrenzt.

Zunächst waren es Fleischer, die ihre Wohnungen und

die Uffizien, über den Arno, durch die Kirche S. Felicità zum

Palazzo Pitti wurde im Jahre 1565 von Cosimo I. dem Vasari in

Auftrag gegeben. Auf diese Weise wurde es den Medici möglich,

ungesehen von einem Palast in den anderen zu gelangen.

Heute sind in dem Gang etwa 700 Gemälde ausgestellt, darunter

415 Selbstporträts bekannter Künstler.

Wir gehen von der Brücke zurück, mit *** Ansichten vom Arno und seinen

Brücken,


geradeaus, an versetzter Kreuzung rechts auf die „Via dei Calimarazza“ und

*** S. Carlo di Lombardi (10-12, 16-19 Uhr). Die Saalkirche ist

aus dem Jahre 1404.

Das Innere. Hinter dem Altar befindet sich eine Beweinung Jesu,

von Niccolò di Pietro Gerini, um 1385. – Nischenfresken

von Matteo Rosselli: Szenen aus dem leben des Karl Borromäus.

Linke Wand: Karl Borromäus in der Glorie, Gemälde von Matteo

Rosselli, 1616.


Wir gehen aus der Kirche hinaus, geradeaus über die Querstraße in die Kirche

*** Or San Michele (10-12, 16-19 Uhr). San Michele in orto (=

Garten), das ehemalige Kornhaus von 1291 wurde, nachdem

das Gebäude abgebrannt war, umgebaut und 1380 fertiggestellt.

Das Äußere. San Michele war das Gotteshaus der Zünfte, wovon

die Skulpturen der Frührenaissance in den Nischen der

Außenwände – von Osten nach Süden und Westen nach Norden

und zurück zum Osten – zeugen: Im Tabernakel der Donatello

Banco: Egidius (Hufschmiede) - Ghiberti: Stephanus (Wollweber)

- Ghiberti und Michelozzo: Matthäus (Weber) - Donatello:

Kopie des Georg (Waffenschmiede) - Nanni di Banco: Vier gekrönte

Heilige (Maurer, Zimmerleute, Steinmetze, Schmiede) -

Nanni die Banco: Philippus (Schuster) - Donatello: Petrus (Fleischer)

- Giambologna: Lukas (Richter und Notare).

Das Innere ist zweischiffig. Linker Altar: Marmorne Anna

Selbdritt, von Francesco da Sangallo, um 1526. – Rechter Altar:

Tabernakel des Andrea Orcagna, von 1359, mit

Marientod. Im Tabernakel befindet sich das Tafelgemälde des

Bernardo Daddi: Madonna der Gnaden, 1347.


Die kostbaren Glasfenster stammen aus dem 15. Jh. und zeigen

Zeit um 1400. – Außer Heiligenfiguren sind am westlichen Mittelpfeiler

zu erkennen: Die Aussendung des Heiligen Geistes

am Pfingsttage sowie Magdalenenverklärung, von Andrea del

Sarto.

Andrea del Sarto.

Andrea del Sarto wird 1486 in Florenz geboren. Er leitet seinen

Namen vom Beruf seines Vaters ab, der Schneider war. Er wird

bei Piero di Cosimo ausgebildet. Mit Franciabigio zusammen

gründet er 1506 eine Werkstatt. Er ist befreundet mit Jacopo

Sansovino und malt u. a. Baccio Bandinelli, den berühmten florentiner

Zeichner und Bildhauer. Der französische König Karl I.

ruft ihn zu sich. Allerdings hält Andrea es dort nicht lange aus.

Er kehrt nach Florenz zurück, wo er fortan bleibt. Sarto verliebt

sich in eine verheiratete, ausgesprochen schöne junge Frau. Als

sie Witwe wird, heiratet er sie und, wie Vasari schreibt: „…

halste er sich für den Rest seines Lebens weit mehr Mühen und

Plagen auf, als er bisher gekannt hatte.“ Und, Vasari fährt fort:

„… lud er sich noch eine besondere Bürde auf, indem er jetzt

die Eifersucht mit all ihren Qualen kennenlernte.“

Sarto bildet den Stil von Leonardo und Michelangelo fort. Dürers

Stiche, die nach Florenz gelangt waren, fördern seine Malerei

ebenso wie sie die des Raffael ihn beeinflussen. Von Dürer

übernimmt er, ähnlich Pontormo, zahlreiche Kompositionsmotive.

Andreas Zeichenkunst ist so qualitativ, dass er auch „Andrea

ohne Fehler“ genannt wird. Andrea wird zum Vorbild aller

Manieristen, wozu man ihn selbst aber nicht zählen kann. Als

Vater der Spätrenaissance bleibt er ein Klassiker der Hochrenaissance.

Er stirbt im Jahre 1530 in Florenz.

*

Wir gehen aus der Kirche hinaus, auf der Querstraße rechts, an der Kreuzung

sofort wieder rechts auf die „Via de’ Lamberti“, an der Kreuzung „Via

Calimala“ rechts und vorbei an der Nr. 16,

*** Palazzo dell’Arte della Lana, 14. Jh.,

rechts auf die „Via Orsanmichele“, an der Kreuzung links auf die „Via dei

Calzaiuoli“ und über die Querstraße zum

***** Battisterio di San Giovanni.


Der Achteckbau der Taufkirche (13-18 Uhr) aus der Zeit von

1060 ist in toskanischer Romanik mit weißem und grünem

Marmor verkleidet, besitzt im unteren Teil Bögen unterfangende

Säulen nebst Rechteckfeldern (unten) sowie Scheinarkatur

(oben). Das Pyramidendach und das darunter liegende Geschoss

entstammen dem 13. Jh. Die Laterne ist aus dem Jahre 1174.

Die Apsis wurde im 13. Jh. umgestaltet.

Das Ostportal (gegenüber dem Domhauptportal), eine vergoldete

bronzene Paradiespforte, hat Lorenzo Ghiberti zwischen

1426 und 1452 geschaffen.

Lorenzo Ghiberti

Lorenzo Ghiberti wurde 1378 in Florenz geboren. Er wurde,

nachdem er zum Maler und Goldschmied ausgebildet war, zum

bedeutenden Bronzeplastiker und Bildhauer der Frührenaissance.

Mit Donatello ist er zu den ersten Großmeistern dieser

Periode zu zählen. Ghiberti wandte sich von der Gotik ab und

frönte einem volkstümlichen Naturalismus, den er mit feingeistig

zierender Phantasie, malerischer Kraft und perspektivischem

Können vereinte. Seine Kunst ist innerlich ruhig, undramatisch

und liebenswürdig. Seine Arbeiten drücken Schwung und Bewegung

aus. Er stirbt 1455 in Florenz.


Die Szenen von links nach rechts und oben nach unten:

1. Erschaffung Adams - Sündenfall (darüber) - Erschaffung

4. Sarah vor dem Zelt - Drei Engel erscheinen dem Abraham -

Abraham gedenkt Isaak zu opfern - Wartende Diener.

5. Rebecca spricht mit Gott (ganz oben rechts) - Vier Frauen …

… diese Gruppe beeinflusste eine Reihe der bedeutendsten folgenden

Renaissance-Maler …


wie hier z. B. Sandro Botticelli:


Geburt der Söhne (ganz klein im Hintergrund) - Isaak schickt

Esau zur Jagd - Esau verkauft sein Erstgeburtsrecht (Mittelbogen)

- Rebecca berät Jakob (Hausbogen rechts) - Jakob empfängt

Isaaks Segen - Jakob verlässt des Vaters Haus (über Rebecca).

zu Moses’ Füßen (oben) - Das jüdische Volk in Erwartung (unten).

8. Josoa nimmt mit Bundeslade und Posaunen Jericho ein

(oben) - Das Volk durchschreitet den trockenen Jordan und

sammelt die zwölf Steine der Erinnerung (unten).

9. Die Stadt Jerusalem (oben) - Saul führt die Juden gegen die

Philister (mitte) - David köpft Goliath (unten).

10. Salomon empfängt die Königin von Saba im Tempel.

Über diesem bedeutendsten der drei Baptisteriumsportale befindet

sich die Taufe Jesu durch den Täufer Johannes, von Andrea

Sansovino, 1505, mit Engeln von 1792.

Das Südportal. Auf den Türflügeln stellte Andrea Pisano Szenen

aus dem Leben Johannes des Täufers dar. 1330 in Wachs

Andrea Pisano

Andrea Pisano wurde um 1290 nahe Siena geboren und zum

Architekten, Goldschmied und Bildhauer ausgebildet. Zwei seiner

bedeutendsten Werke befinden sich hier in unmittelbarer

Nähe: Campanile und Türflügel. Er starb 1248 in Orvieto, wo er

gemeinsam mit Giovanni Pisano die Fassade des Domes mitgestaltet

hatte.

*

Linker Flügel von links nach rechts und oben nach unten: Ankündigung

der Geburt eines Sohnes an Zacharias. - Der stumme

Zacharias spricht mit Händen vor Staunenden. - Maria begegnet

das Volk. - Taufe Jesu durch den Täufer Johannes - Hoffnung -

Glaube - Stärke - Mäßigung.

Rechter Flügel von links nach rechts und oben nach unten: Johannes

beschuldigt Herodes. - Johannes wird gefangen

den Kopf an Herodias. - Jünger tragen den toten Johannes. - Johannes

wird begraben. - Barmherzigkeit - Demut - Gerechtigkeit

- Klugheit.


Über diesem Südportal befindet sich eine Enthauptung des Johannes,

von Vincenzo Danti, 1571.

Das Nordportal. Die Türflügel aus Bronze mit Szenen aus dem

Leben Jesu schuf Lorenzo Ghiberti zwischen 1403 und 1424.

Beide Flügel von links nach rechts und oben nach unten: 17. Jesus

trägt das Kreuz zum Kalvarienberg - 18. Kreuzigung Jesu -

19. Auferstehung Jesu von den Toten - 20. Geistsendung - 13.

Jesus schwitzt Blut am Ölberg - 14. Gefangennahme Jesu - 15.

- 7. Jesus reinigt den Tempel - 8. Jesus geht auf dem Wasser - 1.

Verkündigung - 2. Geburt Jesu 3. Anbetung Jesu durch die Heiligen

drei Könige - 4. Der zwölfjährige Jesus predigt im Tempel

- Johannes Evangelist - Matthäus - Lukas - Markus - Ambrosius

- Hieronymus - Gregor - Augustinus.

Über diesem Nordportal befindet sich die Johannespredigt, von

Francesco Rustici, 1511, in Bronze.

Das Innere der Taufkirche. Im eingelegten Fußboden des 12.

und 14. Jhs. sieht man orientalische Motive und Tierkreiszeichen.

Die Mosaiken der Kuppel stammen von venezianischen Künstlern

byzantinischer Schule des frühen 13. Jhs., aber auch florentinischen

Meistern des späten 13. Jhs., vielleicht Cimabue und

Marcovaldo, möglicherweise dem jungen Giotto.

Im Feld der achteckigen Kuppel über der Apsis: Acht Meter

hoher Jesus als Weltenrichter auf dem Regenbogen thronend. -

die Toten entsteigen ihren Gräbern und wandeln links ins Paradies,

wo sie von Engeln und Propheten erwartet werden, bzw.

stolpern rechts in die Hölle, wo sie der verschlingende Luzifer

mit mordenden, brennenden und quälenden Teufeln sowie

Schlangen und Kröten erwartet.

Rechts des rechten Apsisfeldes beginnen vier Bildstreifen mit

vier Zyklen des Alten wie Neuen Testaments über die übrigen

fünf Achtelfelder hinweg.

Oben: Szenen der Genesis. Erschaffung der Welt; Erschaffung

Lamechs Rede vom erschlagenen Mann und gestriemten Knaben;

Gott rät Noah zum Bau der Arche; Noah lässt die Arche

bauen. - Zug in die Arche; die Arche auf dem Berge Ararat.

Darunter: Szenen um Josef und seine Brüder. Josefs zweiter

Traum; Josef erzählt seinem Vater den Traum; Josef erzählt

seinen Brüdern den Traum und erweckt deren Hass. - Die Brüder

ziehen Josef aus dem Brunnen und verkaufen den Bruder;

dem Vater Jakob erzählen die Brüder vom angeblichen Tod Josefs;

Josef wird nach Ägypten weiterverkauft. - Oberaufsehers

Potifars Weib verklagt Josef beim Pharao; Josef muss ins Gefängnis;

Im Gefängnis weissagt Josef dem Hofbäcker und dem

Darunter: Szenen der Heilsgeschichte. Verkündigung; Heimsuchung

Mariä; Jesu Geburt - Die heiligen drei Könige beten das

Jesuskind an; Der Traum der heiligen drei Könige; Die Reise

der heiligen drei Könige - Beschneidung Jesu; Der Traum Josefs

auf der Flucht nach Ägypten - Der Kindermord zu Bethlehem;

Fußwaschung; Der Verrat des Judas - Kreuzigung Jesu;

Beweinung Jesu, nach dessen Tod am Kreuze; Die drei Marien

am Grabe.

Darunter: Szenen aus dem Leben Johannes des Täufers. Ankündigung

der Geburt des Johannes durch den Engel an Zacharias;

Geburt des Johannes; Johannes zieht in die Wüste. - Predigt

des Johannes; Johannes tauft das Volk; Johannes weist auf

Johannes; Salome überreicht Herodias das Haupt des Täufers;

Grablegung des Johannes.

Im Bildstreifen über diesen Zyklen: Jesus im Kranz der himmlischen

Heerscharen.


Im Abschluss zur Laterne hin, ganz oben: Medaillons, Pflanzen-

und Tiermotive.

In der Apsis von 1202 befinden sich Mosaiken von 1255.

v den Kopf des Johannes herum.

Rechts der Apsis: Grabmal für den Gegenpapst Johannes XXIII.,

um 1426 von Donatello und Michelozzo geschaffen. Der Gegenpapst

Johannes XXIII. wird in der offiziellen Papstgeschichte

nicht als Papst geführt. Er war seit 1410 Gegenpapst, galt als

tilgen, nannte sich im 20. Jh. Angel G. Roncalli Johannes

XXIII. Der Entwurf des Grabmals sowie „Glaube, Hoffnung

und Liebe“ (unten) stammen von Michelozzo, das Muttergottesrelief

(oben) und die Bronzegestalt des Antipapstes schuf Donatello.

- Zwischen Ost- und Südportal befindet sich der Taufstein

von 1371.

Wir gehen aus der Taufkirche hinaus, nach rechts, rechtshaltend am Baptisterium

entlang und vorbei an der

*** Colonna di San Zanobi, zum Gedenken an den heiligen

Zenobius, 1384 her aufgestellt, und geradeaus zum Dom.


Santa Maria del Fiore

Florenz 1

RK B01

Ende

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