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gwf Wasser/Abwasser Memo Sens (Vorschau)

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10/2012<br />

Jahrgang 153<br />

<strong>gwf</strong><strong>Wasser</strong><br />

<strong>Abwasser</strong><br />

Oldenbourg Industrieverlag München<br />

www.<strong>gwf</strong>-wasser-abwasser.de<br />

ISSN 0016-3651<br />

B 5399


Als gedrucktes<br />

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<strong>gwf</strong> <strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> und <strong>gwf</strong> Gas Erdgas erscheinen in der Oldenbourg Industrieverlag GmbH, Rosenheimerstr. 145, 81671 Mü nchen<br />

Oldenbourg-Industrieverlag<br />

www.oldenbourg-industrieverlag.de<br />

Vorteilsanforderung per Fax: +49 (0) 931 / 4170 - 492 oder im Fensterumschlag einsenden<br />

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Nur wenn ich nicht bis 8 Wochen vor Bezugsjahresende kü ndige, verlängert sich der Bezug um ein Jahr.<br />

Die sichere, pü nktliche und bequeme Bezahlung per Bankabbuchung wird mit einer Gutschrift von € 20,-<br />

auf die erste Jahresrechnung belohnt.<br />

Antwort<br />

Leserservice <strong>gwf</strong><br />

Postfach 91 61<br />

97091 Würzburg<br />

Firma/Institution<br />

Vorname/Name des Empfängers<br />

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Branche/Wirtschaftszweig<br />

Telefax<br />

Bevorzugte Zahlungsweise □ Bankabbuchung □ Rechnung<br />

Bank, Ort<br />

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Kontonummer<br />

Widerrufsrecht: Sie können Ihre Vertragserklärung innerhalb von 14 Tagen ohne Angabe von Gründen in Textform (Brief, Fax, E-Mail) oder durch<br />

Rücksendung der Sache widerrufen. Die Frist beginnt nach Erhalt dieser Belehrung in Textform. Zur Wahrung der Widerrufsfrist genügt die rechtzeitige Datum, Unterschrift<br />

PAGWFW0112<br />

Absendung des Widerrufs oder der Sache an den Leserservice <strong>gwf</strong>, Franz-Horn-Str. 2, 97082 Wü rzburg<br />

Nutzung personenbezogener Daten: Für die Auftragsabwicklung und zur Pfl ege der laufenden Kommunikation werden personenbezogene Daten erfasst, gespeichert und verarbeitet. Mit dieser Anforderung erkläre ich mich damit einverstanden, dass ich<br />

vom Oldenbourg Industrieverlag oder vom Vulkan-Verlag □ per Post, □ per Telefon, □ per Telefax, □ per E-Mail, □ nicht über interessante, fachspezifi sche Medien- und Informations angebote informiert und beworben werde. Diese Erklärung kann<br />

ich mit Wirkung für die Zukunft jederzeit widerrufen


Standpunkt<br />

Netzwerk Wissen: Studiengänge im Porträt<br />

Wie lassen sich junge Menschen fürs<br />

<strong>Wasser</strong>fach begeistern? Ganz einfach:<br />

Wir zeigen ihnen, wie vielfältig<br />

und spannend das Thema ist. Und wir vermitteln,<br />

dass der Kreislauf des <strong>Wasser</strong>s, von<br />

der <strong>Wasser</strong>gewinnung bis zur <strong>Abwasser</strong>behandlung,<br />

ein breites Betätigungsfeld mit<br />

besten Zukunftsperspektiven für junge Wissenschaftler<br />

und Ingenieure bietet.<br />

Ein wichtiger erster Schritt dabei ist, über<br />

die vielfältigen Ausbildungsmöglichkeiten<br />

im <strong>Wasser</strong>fach zu informieren und die möglichen<br />

Berufsfelder darzustellen – als gut in<br />

der Branche verankertes Fachmedium besitzen<br />

wir dazu die passende Kompetenz. Deshalb<br />

hat <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong>|<strong>Abwasser</strong> im Oktober<br />

2011 damit begonnen, in einer Reihe von<br />

Beiträgen die Ausbildungsstätten und Studienorte,<br />

Lehrer und Wissenschaftler vorzustellen<br />

und über Wissenswertes rund ums Studium<br />

zu berichten. Der Titel: „Netzwerk<br />

Wissen“.<br />

Im Laufe der vergangenen zwölf Monate<br />

ließen sich im Rahmen der neuen Heftstrecke<br />

schon zahlreiche interessante Einblicke in die<br />

Arbeit von Universitäten und Hochschulen<br />

gewinnen. Lehrstühle und Studiengänge<br />

wurden porträtiert, Einblicke in Labore<br />

und Versuchseinrichtungen gewährt, über<br />

Forschungsprojekte, Initiativen und über<br />

Kooperationen mit in- und ausländischen Institutionen<br />

berichtet.<br />

Angehenden Studenten bietet die Serie<br />

eine Fülle zweckdienlicher Informationen. Sie<br />

erlaubt einen Überblick über die möglichen<br />

Fachrichtungen in der <strong>Wasser</strong>branche und<br />

unterschiedliche Ansätze in Lehre und Forschung.<br />

Zur Entscheidungsfindung dürfte<br />

aber auch beitragen, ob ein Studienort ein<br />

attraktives Umfeld bietet und wie die Beschäftigungsmöglichkeiten<br />

dort aussehen.<br />

Für Universitäten und Hochschulen wiederum<br />

bieten die Veröffentlichungen ideale<br />

Gelegenheiten, einer interessierten Fachöffentlichkeit<br />

das eigene Leistungsspektrum in<br />

Lehre und Forschung darzulegen und den<br />

talentierten Nachwuchs auf das Studienangebot<br />

aufmerksam zu machen.<br />

Nach einem Jahr „Netzwerk Wissen“ lässt<br />

sich feststellen: Die Lehre im <strong>Wasser</strong>fach ist in<br />

der Tat vielfältig und spannend, das Angebot<br />

kann sich sehen lassen und das Projekt findet<br />

großen Anklang. In diesem ersten Jahr konnten<br />

wir nur über einen kleinen Teil aller<br />

wasserrelevanten Studiengänge und Weiterbildungsmöglichkeiten<br />

berichten, deshalb<br />

ge hen wir jetzt in die Verlängerung.<br />

So möchte ich alle Lehrenden – Lehrstuhlinhaber,<br />

Institutsleiter, Professoren und deren<br />

Mitarbeiter – sehr herzlich einladen, ihre<br />

Arbeit in <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> | <strong>Abwasser</strong> vorzustellen<br />

und ihren Beitrag zu einem möglichst um -<br />

fassenden Blick auf die Lehre im <strong>Wasser</strong>fach<br />

zu leisten. Machen Sie mit!<br />

Ihre Christine Ziegler<br />

Hauptschriftleitung <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> | <strong>Abwasser</strong><br />

Oktober 2012<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 993


INhalt<br />

Der Einfluss verschiedener<br />

Prozeduren der<br />

Filterspülung auf die<br />

Aufbereitungsleistung<br />

der Flockenfiltration<br />

wurde hinsichtlich<br />

Produktivität und Einsparpotenzial<br />

von<br />

Ressourcen erfasst<br />

und bewertet.<br />

Ab Seite 1080<br />

Ein neues, membranbasiertes Testverfahren wurde entwickelt,<br />

um damit die Wirksamkeit von 13 Antiscalants für<br />

Kieselsäure bei verschiedenen pH-Werten und verschieden<br />

hohen Kieselsäure-Konzentrationen zu messen.<br />

Ab Seite 1088<br />

Fachberichte<br />

<strong>Wasser</strong>versorgung<br />

1080 I. Slavik, A. Jehmlich und W. Uhl<br />

Vergleich von Spülprozeduren<br />

für Tiefenfilter bei der Trinkwasserproduktion<br />

Comparison of Backwash Procedures for Deep<br />

Bed Filters in Drinking Water Production<br />

1088 G. Braun, W. Hater und Ch. zum Kolk<br />

Zur Wirkung von verschiedenen<br />

Antiscalants zur Vermeidung von<br />

Kieselsäure-Scaling in Umkehrosmose-Anlagen<br />

The Performance of Antiscalants on Silica<br />

Scaling in Reverse Osmosis Plants<br />

Hausinstallation<br />

1098 G. Hofmann<br />

Untersuchungen zum Trinkwasserbedarf<br />

und zur Dimensionierung<br />

der <strong>Wasser</strong>zähler in einem Hotel<br />

und einem Seniorenwohnheim<br />

Investigations of Water Consumption and Sizes<br />

of Water Meters in a Hotel and a Seniors Residence<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaft<br />

1106 H. Tippe<br />

Energieeffizienz zahlt sich aus –<br />

Einführung eines Tools zur Lebenszykluskostenberechnung<br />

bei Investitionsentscheidungen<br />

Energy Efficiency pays off – Introducing a calculation<br />

tool for lifecycle costs when making<br />

investment decisions<br />

Netzwerk Wissen<br />

Aktuelles aus Bildung und Wissenschaft,<br />

Forschung und Entwicklung<br />

1043 Das Studium der <strong>Wasser</strong>wirtschaft an der<br />

Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft<br />

im Porträt<br />

1044 Forschung und Lehre für die Praxis – im Verbund<br />

mit starken Partnern<br />

1047 Neuer Studiengang „Infrastructure Engineering“<br />

legt Fokus auf Betrieb, Erhaltung und<br />

Instandsetzung von Anlagen<br />

1049 Untersuchungen für Forschung, Lehre und<br />

Praxis – Die Versuchsanstalt für <strong>Wasser</strong>bau<br />

der Hochschule Karlsruhe – Technik und<br />

Wirtschaft<br />

Oktober 2012<br />

994 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Inhalt<br />

Zahlreiche Durchflussmessungen in Wohngebäuden sind<br />

bekannt und veröffentlicht. Für Gebäude, die keine reinen<br />

Wohngebäude sind, bestehen noch Unklarheiten über<br />

Spitzendurchflüsse und die Größen von <strong>Wasser</strong>zählern. <br />

Ab Seite 1098<br />

Im Fokus: Produkte und Verfahren in der <strong>Abwasser</strong>behandlung.<br />

Ab Seite 998<br />

1050 Phänomene und Verfahren am praktischen<br />

Modell erlebt – Das Labor für Siedlungswasserwirtschaft<br />

1051 Der unverzichtbare Blick „über den Tellerrand“<br />

– Die <strong>Wasser</strong>-Tagungen an der Hochschule<br />

Karlsruhe – Technik und Wirtschaft<br />

1053 Wenn aus Meerwasser frisches Trinkwasser<br />

wird – Das Institut für Angewandte<br />

Forschung (IAF) stellt sich vor<br />

1055 Die heimliche <strong>Wasser</strong>-Hauptstadt Deutschlands<br />

im internationalen Dialog – Internationale<br />

Kooperationen im Bereich <strong>Wasser</strong>wirtschaft<br />

der Fakultät für Architektur und<br />

Bauwesen<br />

1057 Stadtwerke Karlsruhe – ein Energie- und<br />

Trinkwasserversorgungsunternehmen in<br />

Kooperation mit der Hochschule Karlsruhe<br />

– Technik und Wirtschaft<br />

1058 Eine wichtige Quelle für den ingenieurtechnischen<br />

Sachverstand – Zusammenarbeit<br />

der HsKA mit der Stadt Karlsruhe<br />

1059 Forschung und technisch-wissenschaftliche<br />

Beratung für das <strong>Wasser</strong>fach – DVGW-Technologiezentrum<br />

<strong>Wasser</strong><br />

1060 Der Dienstleister im Verkehrswasserbau –<br />

Die Bundesanstalt für <strong>Wasser</strong>bau<br />

1061 Das Studium Bauingenieurwesen mit<br />

Schwerpunkt <strong>Wasser</strong>wirtschaft aus Sicht<br />

eines Absolventen<br />

Fokus<br />

<strong>Abwasser</strong>behandlung<br />

998 Neue Analysenplattform zur Optimierung<br />

von <strong>Wasser</strong>- und <strong>Abwasser</strong>anlagen<br />

1002 Neuer Drehkolbenverdichter spart rund<br />

15 Prozent elektrische Energie<br />

1008 Auf die richtige Planung kommt es an:<br />

Drehkobengebläse in Kläranlagen<br />

1011 Großauftrag für All-Optiflow Exzenterschneckenpumpen<br />

1012 Transport von konditionierten Schlamm<br />

zu den Vorlagebehältern der Filterpressen-<br />

Beschickungspumpen<br />

1014 Klärschlammvererdung – ein naturnahes<br />

Entwässerungsverfahren<br />

1019 Forschung zu Kurzumtriebsplantagen und<br />

<strong>Abwasser</strong>nutzung in Praxis umgesetzt<br />

1020 Filtration von <strong>Abwasser</strong> in der Therme Wien<br />

1022 TU Berlin: Hauptstadtfluss soll sauberer<br />

werden – Start der Pilotanlage des Projekts<br />

SPREE 2011<br />

1023 Umwelt geschont und Gebühren reduziert:<br />

D-Rainclean® schützt Grundwasser in<br />

Frankenberg<br />

1026 Die neue POLYMAT V8 Polyelektrolyt-<br />

Lösestation für optimale Polymerlösungen<br />

1027 Neue Standards der Prozessoptimierung<br />

Oktober 2012<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 995


INhalt<br />

Bis 1990 war der Stechlinsee Bestandteil des äußeren Kühlkreislaufs des Atomkraftwerkes<br />

Rheinsberg. Zudem wirkt sich die starke Nährstoffbelastung aus<br />

unterschiedlichen Quellen negativ auf das Gewässer aus. Ab Seite 1036<br />

Netzwerk Wissen: Das Studium der <strong>Wasser</strong>wirtschaft an<br />

der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft im<br />

Porträt. Ab Seite 1043<br />

Nachrichten<br />

Branche<br />

1028 Qualität der <strong>Wasser</strong>versorgung in Deutschland<br />

auf internationalen Spitzenniveau<br />

1029 19. Hauptgutachten der Monopolkommission<br />

zur Regulierung der <strong>Wasser</strong>wirtschaft<br />

1030 German Water Partnership präsentiert<br />

erneut in Washington die Expertise der<br />

deutschen <strong>Wasser</strong>wirtschaft<br />

1031 <strong>Wasser</strong>wirtschaft diskutiert Energieeffizienz-Potenziale<br />

1032 Positive Bilanz des 2. Hamburger <strong>Wasser</strong>forums<br />

für die EMA-Region<br />

1034 Fracking nur mit strengen Auflagen<br />

zulassen<br />

1036 Stechlinsee: klares <strong>Wasser</strong> mit trüben<br />

Aussichten?<br />

1038 Gütegesicherte Ausschreibung und<br />

Bauüberwachung<br />

1040 Seccua mit dem Clean Tech Media Award<br />

2012 ausgezeichnet<br />

1042 Geschäftsklima der Kunststoffrohr-Industrie<br />

auf massiver Talfahrt<br />

Veranstaltungen<br />

1064 11. <strong>Wasser</strong>wirtschaftliche Jahrestagung<br />

in Berlin<br />

1064 TZW-Kolloquium am 4. Dezember 2012<br />

in Karlsruhe<br />

1065 Neuer Termin: Erste Geo-R EXPO vom 12. bis<br />

14. November 2013<br />

Leute<br />

1066 Heiko Sieker Honorarprofessor an der<br />

TU Berlin<br />

1066 DVGW verleiht Studienpreis <strong>Wasser</strong> für<br />

herausragende akademische Arbeiten<br />

Recht und Regelwerk<br />

1068 DVGW-Regelwerk <strong>Wasser</strong><br />

1068 Ankündigung zur Fortschreibung des<br />

DVGW-Regelwerks<br />

1069 DVGW-Regelwerk Gas/<strong>Wasser</strong><br />

1070 DWA-Vorhabensbeschreibung<br />

Praxis<br />

1112 Schlosspark von Sanssouci: Historische<br />

Brauchwasserleitung mit REHAU System<br />

saniert<br />

1113 Gefährdungen beurteilen – Gibt es ein<br />

Richtig oder Falsch?<br />

Produkte und Verfahren<br />

1117 Erweiterter Funktionsumfang: Update für<br />

„PumpSizer“ App<br />

1118 Kostensparende Problemsuche mittels einer<br />

Gas-/<strong>Wasser</strong>schleuse für TV-Inspektionskameras<br />

Oktober 2012<br />

996 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Inhalt<br />

Von der Analyse zur Lösung<br />

Im Schlosspark von Sanssouci wurde eine historische<br />

Brauchwasserleitung, die zum Betreiben der Fontänen<br />

und Springbrunnen sowie zur Bewässerung der Gartenanlagen<br />

genutzt wird, schonend saniert. Ab Seite 1112<br />

Information<br />

1087, 1105 Buchbesprechung<br />

1119 Impressum<br />

1120 Termine<br />

Sonderausgabe – nach Seite 1020<br />

<strong>Wasser</strong>Stoff 02/12<br />

Recht und Steuern<br />

Recht und Steuern im Gas- und <strong>Wasser</strong>fach,<br />

Ausgabe 9/10, 2012<br />

Dieses Heft enthält folgende Beilage:<br />

– EW Medien und Kongresse GmbH, 10117 Berlin<br />

– Karlsruher Messe- und Kongress GmbH, 76137 Karlsruhe<br />

<strong>gwf</strong> – <strong>Wasser</strong> | <strong>Abwasser</strong> November 2012<br />

Erscheinungstermin: 16.11.2012<br />

Anzeigenschluss: 18.10.2012<br />

Müssen Sie sich in unterschiedlichste<br />

Installations-, Wartungs- und Bedienkonzepte<br />

einarbeiten? KROHNE löst<br />

dieses Problem.<br />

KROHNE bietet als erster Hersteller ein Messumformerkonzept<br />

an, das sowohl für physikalische<br />

als auch für analytische Parameter einheitlich ist.<br />

In der Durchflussmessung bewährt sich dieses<br />

Konzept schon seit Jahren. Jetzt gilt es auch für die<br />

Analyse – Egal welcher der OPTISENS <strong>Sens</strong>oren<br />

angeschlossen ist, der Messumformer MAC 100<br />

bietet eine einheitliche Handhabung.<br />

Der MAC 100 lässt sich einfach konfigurieren und<br />

ist auch als kostengünstige Zweikanalausführung<br />

erhältlich. Zwei Arten von <strong>Sens</strong>oren können<br />

angeschlossen werden: analoge z.B. für die Messung<br />

von pH, ORP, Leitfähigkeit und freiem Chlor sowie<br />

digitale z.B. für die Messung von gelöstem Sauerstoff,<br />

Trübung und TS-Gehalt.<br />

Mit herausragenden Funktionen wie z.B. automatische<br />

Reinigung leisten unsere <strong>Sens</strong>oren einen aktiven Beitrag<br />

zur Wirtschaftlichkeit Ihres Betriebes.<br />

Was immer Ihre Anwendung verlangt – profitieren Sie<br />

von unserem Portfolio im Bereich der <strong>Wasser</strong>- und<br />

<strong>Abwasser</strong>analyse, das sowohl niedrigste Wartungsals<br />

auch günstigste Gesamtbetriebskosten mit sich<br />

bringt.<br />

KROHNE – <strong>Wasser</strong> und <strong>Abwasser</strong> sind unsere Welt.<br />

Weitere Informationen<br />

finden Sie auf<br />

unserer Website.


Fokus<br />

<strong>Abwasser</strong>behandlung<br />

Neue Analysenplattform zur Optimierung von<br />

<strong>Wasser</strong>- und <strong>Abwasser</strong>anlagen<br />

Dr. Christoph Wolter, Produktmanager Analyse, Weil am Rhein<br />

Plattformen mit Analysenmesstechnik<br />

in der <strong>Wasser</strong>- und<br />

<strong>Abwasser</strong>aufbereitung nutzen<br />

heißt, Gleiches gleich machen, gleiche<br />

Bedienelemente, gleiche Handhabung,<br />

gleiche Menüführung<br />

sowie gleiche Module. Dies entspricht<br />

dem Trend auf den Anlagen<br />

zur Vereinheitlichung und Vereinfachung.<br />

Die Handhabung von Analysenmesstechnik<br />

muss einfach sein,<br />

dies verringert den Aufwand je Analysenmessstelle,<br />

der von der Planung,<br />

Installation, Handhabung bis<br />

zur Instandhaltung getrieben werden<br />

muss. Ebenso verringert es<br />

mögliche Fehlerquellen, was wiederum<br />

zu einem sicheren Betrieb der<br />

Anlagen führt. Im folgenden Artikel<br />

werden anhand von Beispielen die<br />

Vorteile der Nutzung einer solchen<br />

Analysenplattform und der Nutzung<br />

des offenen Standards <strong>Memo</strong>sens<br />

für die <strong>Sens</strong>orkommunikation<br />

dargestellt.<br />

Entwicklung zur Analysenplattform<br />

In der Vergangenheit hatte jedes<br />

Messverfahren ob photometrisch,<br />

amperometrisch oder potentiometrisch<br />

seine eigenen Transmitter,<br />

Messwertverarbeitung und Handling.<br />

Beim Einsatz einer Analysenplattform<br />

ist genau dies vereinheitlicht:<br />

an jeder Messstelle gleiche<br />

Module, freie Wahl der <strong>Sens</strong>oren<br />

und Messparameter, Nachrüstbarkeit<br />

zusätzlicher Eingänge oder<br />

Kommunikation mit anderen Systemen,<br />

Entwicklungsfähigkeit mit<br />

neuen Kommunikationsmöglichkeiten,<br />

Austausch der Systemmodule<br />

sowie die Lagerhaltung von nur<br />

wenigen, da immer gleichen Elementen.<br />

Beispiel hierfür ist die neue<br />

Analysenplattform der Firma<br />

Endress+Hauser. Alle Vorteile der<br />

neuen Plattform rund um den<br />

Messumformer Liquiline CM442<br />

können jetzt für alle wichtigen<br />

Messungen im <strong>Wasser</strong>-/<strong>Abwasser</strong>bereich<br />

genutzt werden:<br />

""<br />

Hot Plug&Play – die Messungen<br />

sind an allen Geräten der Plattform<br />

ohne zusätzliche Eingaben<br />

oder erneutes Hochfahren sofort<br />

betriebsbereit.<br />

""<br />

Einfaches Handling und selbsterklärende<br />

Menüstrukturen<br />

erleichtern das intuitive, unkomplizierte<br />

Arbeiten mit allen Elementen<br />

der Analysenplattform.<br />

""<br />

Schnelle Kalibrierung quasi per<br />

Knopfdruck, Parametersicherung,<br />

Datenspeicherung über<br />

Logbücher und Sicherung auf<br />

SD-Karte.<br />

""<br />

Übertragung der Parametrierung<br />

auf weitere Einheiten.<br />

""<br />

Flexible modulare Erweiterbarkeit<br />

der Plattform.<br />

""<br />

Erweiterung der Plattform auf<br />

weitere Geräte, wie z. B. Probenehmern,<br />

die durch den direkten<br />

Anschluss unterschiedlicher<br />

Sonden zur Messstation werden.<br />

Der Vorteil bei der Verwendung von<br />

Analysenplattformen liegt in der<br />

Übersichtlichkeit auch in komplizierten<br />

Messaufgaben und in der<br />

immer wiederkehrenden einfachen<br />

Handhabung, was nicht nur zu einer<br />

Zeit- und Kostenersparnis, sondern<br />

letztlich zu einer Vermeidung von<br />

Fehlbedienung und zu höherer<br />

Betriebssicherheit auf den Anlagen<br />

führt. Damit kann die Zeit, die nicht<br />

mehr für die Bedienung der <strong>Sens</strong>oren<br />

und Elektronik verwendet wird,<br />

gewinnbringend für effizientere<br />

Aufgaben der Anlagenoptimierung<br />

eingesetzt werden.<br />

Heute überwachen <strong>Sens</strong>oren in<br />

modernen <strong>Wasser</strong>- und <strong>Abwasser</strong>anlagen<br />

kontinuierlich alle Prozesse.<br />

Für solche schnellen <strong>Sens</strong>orsysteme<br />

gelten Anforderungen wie, einfache<br />

Anschlussmöglichkeiten an den<br />

verschiedensten Einsatzorten der<br />

Anlage, gleiche einfache Handhabung<br />

sowie Bedienung aller Elemente,<br />

zuverlässige wartungsarme<br />

<strong>Sens</strong>oren und einfache Erweiterbarkeit<br />

der Systeme und Austausch mit<br />

übergeordneten Systemen, wie beispielsweise<br />

eine PLS.<br />

Genau dies ermöglicht die von<br />

Endress+Hauser entwickelte, aber<br />

inzwischen zu einem offenen Industriestandard<br />

geführte <strong>Memo</strong>sens-<br />

Technologie. <strong>Sens</strong>oren mit <strong>Memo</strong>sens-Technologie<br />

verfügen über<br />

folgende Fähigkeiten: Die Messung<br />

als solche ist bereits im <strong>Sens</strong>or<br />

abgeschlossen. Übertragen werden<br />

allein digitale Daten nach dem einheitlichen<br />

<strong>Memo</strong>sens-Protokoll.<br />

Dank dieser Technologie ist der <strong>Sens</strong>or<br />

autark. Es werden nicht nur<br />

gleichzeitig alle Messsignale übertragen,<br />

sondern alle im <strong>Sens</strong>or<br />

gespeicherten Kalibrierinformationen<br />

und Lebenszyklusdaten des<br />

eingesetzten <strong>Sens</strong>ors mit übermittelt.<br />

Alle <strong>Sens</strong>oren sprechen die<br />

gleiche Sprache. So kann jeder<br />

beliebiger <strong>Sens</strong>or mit <strong>Memo</strong>sens-<br />

Technologie an jeden beliebigen<br />

Transmitter der Plattform angeschlossen<br />

werden und ist mit seinen<br />

individuellen an Bord gespeicherten<br />

Informationen sofort wieder<br />

einsatzbereit.<br />

Beispiel biologische<br />

<strong>Abwasser</strong>reinigung<br />

Schnelle Messungen der Parameter<br />

Sauerstoff, Feststoff und pH sowie<br />

der Schlüsselparameter für die<br />

Stickstoffelimination NH 4 und NO 3<br />

bieten die Basis für eine Regelung<br />

der Prozesse und damit für Kosteneinsparungen<br />

und Leistungssteigerung<br />

in der biologischen <strong>Abwasser</strong>-<br />

Oktober 2012<br />

998 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


<strong>Abwasser</strong>behandlung<br />

FOKUS<br />

reinigung. Die schnelle Messung<br />

mit <strong>Sens</strong>oren hat diskontinuierliche,<br />

nasschemische Analysensysteme<br />

(Analysatoren) weitgehend verdrängt.<br />

Diese spielen nur noch eine<br />

Rolle bei der reinen Grenzwertüberwachung<br />

am Kläranlagenauslauf,<br />

wo durch die langen Aufenthaltszeiten<br />

in der Nachklärung ein Einsatz<br />

des Signals zur Regelung der Prozesse<br />

so oder so nicht mehr in Frage<br />

kommt.<br />

Alle wichtigen Parameter zur<br />

Beherrschung der Prozesse der<br />

<strong>Abwasser</strong>aufbereitung sind mit der<br />

neuen Analysenplattform mit<br />

<strong>Memo</strong>sens-Technologie verfügbar<br />

und können wie dargestellt (Bild 1)<br />

wahlweise an alle Geräte der Plattform<br />

angeschlossen oder nachgerüstet<br />

werden.<br />

Ionenselektive Messung von<br />

Ammonium und Nitrat sind der<br />

Schlüssel zur Biologieoptimierung.<br />

Das Messverfahren ist inzwischen<br />

längst praxiserprobt und zuverlässig.<br />

Es ist bekanntermaßen wartungsarm<br />

und benötigt kaum Verbrauchsmittel.<br />

Zur Verfügung steht<br />

eine kontinuierliche schnelle Messung<br />

von Ammonium und Nitrat,<br />

deren Signale sofort für Regelungszwecke<br />

nutzbar sind.<br />

Die schnellen Messungen legen<br />

bei den heute meist gewählten<br />

intermittierenden Belüftungsstrategien<br />

die Basis für eine energetische<br />

Optimierung der Stufe.<br />

Durch den sehr flexiblen, gegeneinander<br />

austauschbaren und<br />

erweiterbaren Einsatz der <strong>Sens</strong>oren<br />

mit <strong>Memo</strong>sens-Technologie sowie<br />

durch die einfache Bedienung aller<br />

Geräte der neuen Analysenplattform<br />

lassen sich Maßnahmen<br />

schneller und sicherer umsetzen<br />

und damit erhebliche Kosten im<br />

laufenden Betrieb einsparen.<br />

Beispiel Pilotanlagen zur<br />

Untersuchung des<br />

Anammox-Verfahrens<br />

Das Verfahren der Deammonifikation,<br />

auch bezeichnet als Anammox-Verfahren,<br />

ist die effizienteste<br />

Möglichkeit der biologischen Stickstoffelimination.<br />

Hierbei wird in<br />

zwei Teilschritten Ammonium aus<br />

hoch belasteten <strong>Abwasser</strong>strömen<br />

erst partiell zu Nitrit und dann weiter<br />

durch anaerobe Ammoniumoxidation<br />

zu molekularem Stickstoff<br />

abgebaut. Dies spart Energie und<br />

bietet zusätzliche Leistungsreserven<br />

bei der Stickstoffelimination<br />

[1-4].<br />

Am Lehrstuhl für <strong>Wasser</strong>chemie<br />

und <strong>Wasser</strong>technologie, Karlsruher<br />

Institut für Technologie (KIT) werden<br />

Untersuchungen zu den Rahmenbedingungen<br />

der Prozesse, zur<br />

Stabilität der Deammonifikation im<br />

SBR und MBBR unter verschiedenen<br />

Betriebsbedingungen durchgeführt.<br />

Ziel ist es, Informationen zu<br />

Einsatzgrenzen und Eingriffsmöglichkeiten<br />

zu bekommen und damit<br />

den Prozess kontrollierbarer zu<br />

machen. Auf Basis der kontinuierlich<br />

erfassten Prozessparameter sollen<br />

zuverlässige Strategien zur<br />

Regelung der Prozesse entwickelt<br />

werden.<br />

Hierfür wurden im Technikum<br />

insgesamt sechs Pilot-/Laboranla-<br />

Oktober 2012<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 999<br />

Bild 1. Der<br />

schematische<br />

Aufbau der<br />

Analysenplattform<br />

für eine<br />

<strong>Abwasser</strong>reinigungsanlage<br />

zeigt die vielen<br />

Möglichkeiten.<br />

Bild 2. Neue<br />

Analysenplattform<br />

und <strong>Sens</strong>oren<br />

mit<br />

<strong>Memo</strong>sens-<br />

Technologie<br />

erlauben eine<br />

übersichtliche<br />

Kontrolle der<br />

Pilot-/Laboranlagen<br />

zum<br />

Anammox-<br />

Verfahren.<br />

Übersicht über Aufbau und analysenmesstechnische<br />

Ausstattung der Pilot-/Laboranlagen<br />

Unterschiedliche Verfahrenstechnik: SBR, MBBR<br />

Reaktorvolumen: 4 x 10 Liter und 2 x 5 Liter<br />

kontinuierliche Temperierung<br />

kontinuierlich erfasste Parameter:<br />

– NH 4 N, NO 3 N ionenselektiv<br />

– Sauerstoff optisch (5 Liter),<br />

amperometrisch (10 Liter)<br />

– Leitfähigkeit induktiv<br />

– pH, Redoxpotenzial und Temperatur


Fokus<br />

<strong>Abwasser</strong>behandlung<br />

Bild 3. Analysenmesstafeln<br />

mit <strong>Memo</strong>sens-<br />

Technologie im<br />

<strong>Wasser</strong>werk<br />

Maxdorf.<br />

gen (Bild 2 und Kastentext) aufgebaut.<br />

Zur Überwachung und Dokumentation<br />

des Reaktorbetriebs bei<br />

unterschiedlichen Einstellungen und<br />

Fahrweisen kommt die neue Analysenplattform<br />

von Endress+Hauser<br />

zum Einsatz. Jedem Reaktor ist je<br />

ein Mehrkanalmessumformer zugeordnet,<br />

welche alle gleich aufgebaut<br />

sind, sodass im laufenden Versuchsbetrieb<br />

<strong>Sens</strong>oren, Module,<br />

Parametrierung oder ganze Geräte<br />

einfach ausgetauscht werden können.<br />

Der Einsatz einer einheitlichen<br />

Analysenplattform und <strong>Sens</strong>oren<br />

mit <strong>Memo</strong>sens-Technologie ermöglichen<br />

hier eine unkomplizierte und<br />

sehr schnelle Anpassung der Analysenmesstechnik<br />

an veränderte Versuchsreihen<br />

und einen geänderten<br />

Aufbau der Pilotanlage.<br />

Im laufenden Versuchsbetrieb<br />

hat sich der Einsatz der Analysenplattform<br />

bewährt. Handhabung,<br />

Kalibrierung, Austausch <strong>Sens</strong>oren,<br />

Module, Einbindung Steuerung etc.<br />

bereiteten keine Schwierigkeiten.<br />

Alle Einstellungen konnten selbst<br />

vorgenommen werden und es war<br />

sofort ein anspruchsvoller Messbetrieb<br />

möglich. Gerade die Eigenschaft<br />

der <strong>Sens</strong>oren mit <strong>Memo</strong>sens-<br />

Technologie, dass ihre <strong>Sens</strong>oreigenschaften<br />

und Kalibrierdaten im<br />

<strong>Sens</strong>or gespeichert sind und somit<br />

jederzeit an beliebiger Stelle, in<br />

einem beliebigen Reaktor, an einem<br />

beliebigen Messumformer der Plattform<br />

zur Verfügung stehen, hat sich<br />

bei der wissenschaftlichen Arbeit<br />

als sehr nützlich erwiesen. So können<br />

z. B. die ionenselektiven Elektroden<br />

kurzfristig in einem Labor-<br />

Batch-Versuch und anschließend,<br />

ohne jede Neueinstellungen, wieder<br />

in einem der Reaktoren eingesetzt<br />

werden.<br />

Folgende Vorteile konnten im<br />

laufenden Betrieb der Pilotanlage<br />

genutzt werden:<br />

""<br />

einfache Installation und sofort<br />

zuverlässiger Betrieb<br />

""<br />

robustes, einfaches Handling im<br />

Betrieb und bei der Kalibrierung,<br />

Anlage wird zweitweise von Studenten<br />

und wissenschaftlichen<br />

Hilfskräften bedient<br />

""<br />

schneller Austausch von <strong>Sens</strong>oren<br />

und Komponenten im laufenden<br />

Betrieb<br />

""<br />

einfache Erweiterbarkeit<br />

""<br />

mit den internen Datenlogbücher<br />

ist ein Backup aller <strong>Sens</strong>ordaten<br />

möglich<br />

""<br />

alle Arbeiten mit Personal vor<br />

Ort möglich ohne große Einweisung<br />

oder Studium von Betriebsanleitungen<br />

oder Serviceeinsätzen<br />

von externem Personal<br />

Das Anammox-Verfahren steht<br />

zurecht im Blickpunkt, wobei die<br />

Fragen der Stabilität der Verfahren<br />

noch nicht abschließend beantwortet<br />

wurden. Die eingesetzte Analysenplattform<br />

leistet damit einen<br />

wesentlichen Beitrag, das Anammox-Verfahren<br />

besser zu kontrollieren<br />

und optimieren zu können. Die<br />

hier vorgestellte Pilot-/Laboranlage<br />

bietet mit der eingesetzten Analysenmesstechnik<br />

eine hervorragende<br />

Plattform für Forschungseinrichtungen,<br />

Betreiber, Planer und<br />

Anlagenbauer für weitere Untersuchungen.<br />

Beispiel <strong>Wasser</strong>werk<br />

Die positiven Erfahrungen mit der<br />

neuen Analysenplattform im Pilot-/<br />

Laborbetrieb lassen sich unmittelbar<br />

auf großtechnische Anlagen<br />

umsetzen. Beispiel hierfür ist das<br />

<strong>Wasser</strong>werk Maxdorf des ZV WV<br />

Friedelsheimer Gruppe, in dem im<br />

Jahr 2011 die Analysenmesstechnik<br />

auf Liquiline-Plattform umgestellt<br />

wurde. Das <strong>Wasser</strong>werk ist<br />

mit einer Stufe zur Schnellentkarbonisierung<br />

ausgestattet. Neben<br />

der Überwachung der Qualität des<br />

Auslaufes dienen weitere Messpunkte<br />

der Überwachung der<br />

Anlagen zur Ozonierung und<br />

Schnellenthärtung sowie der Regelung<br />

der hierfür benötigten Laugeund<br />

Säuredosierung.<br />

Von insgesamt sieben verschiedenen<br />

Messpunkten im Werk werden<br />

<strong>Wasser</strong>proben zu den vom<br />

Anlagenbauer vorgefertigten und<br />

vor Ort fertig montierten Messtafeln<br />

(Bild 3) geleitet. Jeder Messstelle ist<br />

ein Durchlaufgefäß mit den zugehörigen<br />

<strong>Sens</strong>oren mit <strong>Memo</strong>sens-<br />

Technologie und einem Messumformer<br />

der Analysenplattform zugeordnet.<br />

Die Kalibrierung erfolgt vor<br />

Ort in der Durchlaufarmatur, wobei<br />

der Boden der Armatur gleichzeitig<br />

als Gefäß zur Aufnahme der Kalibrierflüssigkeit<br />

dient.<br />

Die Vorteile der einheitlichen<br />

Analysenplattform mit <strong>Memo</strong>sens-<br />

Technologie konnten schon bei der<br />

Planung und Konzeption durch den<br />

Anlagenbauer genutzt werden:<br />

Gleiche Geräte, die untereinander<br />

beliebig austauschbar sind, führen<br />

zu einfacher und zeitsparender Aus-<br />

Oktober 2012<br />

1000 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


<strong>Abwasser</strong>behandlung<br />

FOKUS<br />

NETZSCH TORNADO ® T2<br />

Drehkolbenpumpen<br />

Bild 4.<br />

Schnelle und<br />

einfach zu<br />

handhabende<br />

ionenselektive<br />

Elektroden<br />

sind der<br />

Schlüssel zur<br />

Optimierung<br />

der biologischen<br />

Stufe.<br />

legung, Montage und Inbetriebnahme<br />

der Tafeln. Es gab kaum<br />

Rückfragen vom Kunden, die Plattform<br />

ist hier ein echter Zeitgewinn.<br />

Im laufenden Betrieb führt die<br />

sehr übersichtliche, einfache Handhabung<br />

zu mehr Betriebssicherheit<br />

bei minimalem Wartungsaufwand.<br />

Fazit: Optimierung und<br />

Kosteneinsparung mit<br />

Analysenplattformen<br />

Einfachheit und Übersichtlichkeit<br />

trotz anspruchsvoller Messaufgaben<br />

bedeuten in der Analysenmesstechnik<br />

einen Mehrwert. Immer<br />

wiederkehrende Elemente, Austauschbarkeit,<br />

wenige Handgriffe,<br />

die zum erwünschten Ergebnis führen,<br />

hierfür wird eine einheitliche<br />

Plattformtechnologie und eine einheitliche<br />

Sprache der Analysenmesstechnik<br />

benötigt, die mit dem<br />

offenen Industriestandard <strong>Memo</strong>sens<br />

immer breiter zur Verfügung<br />

steht.<br />

Die solcherart eingesetzte Analysenmesstechnik<br />

überwacht Anlagen<br />

und kontrolliert Prozesse bei<br />

geringem Zeitaufwand. Die gewonnene<br />

Zeit kann für die weitere Leistungs-<br />

oder energetische Optimierung<br />

der Anlagen effektiv genutzt<br />

werden. Hierfür steht weitere <strong>Sens</strong>orik<br />

wie SAK, ionenselektive Messungen<br />

etc. zur Verfügung, die mit<br />

geringem Aufwand in die Analysenplattform<br />

ergänzt werden kann.<br />

Literatur<br />

[1] Salzgeber, D., Joss, A. und Siegrist, H.:<br />

Autotrophe Schlammwasserentstickung<br />

(Nitritation/Anammox) im<br />

SBR Verfahren. Gas <strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong><br />

(GWA) (2007) Nr. 3, S. 205-209.<br />

[2] Wolter, Ch.: Leitparameter und Regelungsstrategien<br />

für das Anammox-<br />

Verfahren. Messe- und Tagungsverband.<br />

DWA Landesverbandstagung<br />

Baden-Württemberg, 20.-21.10.2011<br />

in Fellbach.<br />

[3] Lackner, S. und Horn, H.: Regelstrategien<br />

für die einstufige Deammonifikation<br />

in SBR. 39. <strong>Abwasser</strong>technisches<br />

Seminar, Berichte aus der Siedlungswasserwirtschaft,<br />

Technische<br />

Universität München, München<br />

2011, Nr. 203.<br />

[4] Lackner, S. und Horn, H.: Evaluating<br />

operation strategies and process stability<br />

of a single stage nitritationanammox<br />

SBR by use of the oxidation-reduction<br />

potential (ORP). Bioresource<br />

Technology 107, p. 70-77 .<br />

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Fokus<br />

<strong>Abwasser</strong>behandlung<br />

Energie-Verschwendung war gestern<br />

Neuer Aerzener Drehkolbenverdichter spart rund 15 Prozent elektrische Energie<br />

In der biologisch arbeitenden Kläranlage in Neufinsing östlich von München erzeugten zwar bereits sechs<br />

Aerzener Drehkolbengebläse mit abgestuften Leistungen die Prozessluft für die Belebungsbecken. Sie konnten<br />

auch schon teilweise über Frequenzumrichter drehzahlgeregelt bzw. mit voller und halber Drehzahl gefahren<br />

werden. Und sie wurden auch schon mit einem vordefinierten, bedarfsbezogen abgestuften Programm bedarfsnah<br />

betrieben. Ein zusätzlicher drehzahlgeregelter Aerzener Drehkolbenverdichter aus der neuen Baureihe Delta<br />

Hybrid ermöglicht seit Mitte 2010 eine optimierte Anpassung der Prozessluft-Erzeugung an den schwankenden<br />

Bedarf. Jetzt sind nicht nur die Zeiten mit einer energiekostenintensiven Sauerstoff-Überproduktion endgültig<br />

Vergangenheit. Die Kläranlage in Neufinsing produziert die Prozessluft für die Belebungsbecken der Straße 1 jetzt<br />

auch mit höherer Energieeffizienz mit rund 15 % weniger elektrischer Energie für die Luftversorgung.<br />

Die Kläranlage des gKu VE München-Ost<br />

in Neufinsing wurde<br />

ursprünglich für 110 000 EGW (Einwohnergleichwerte)<br />

ausgelegt und<br />

1973 in Betrieb genommen. 1995<br />

wurde sie auf 135 000 EGW ausgebaut.<br />

Mittelfristige Planungen<br />

sehen einen Ausbau auf 175 000<br />

EGW vor. Das <strong>Abwasser</strong> der 13 angeschlossenen<br />

Gemeinden in den<br />

Landkreisen München, Erding und<br />

Ebersberg wird in der vollbiologisch<br />

arbeitenden Kläranlage zunächst in<br />

einer Rechenanlage von Grobstoffen<br />

befreit. Im anschließenden<br />

Sandfang werden Sande und Splitt<br />

abgefangen und aus dem <strong>Abwasser</strong><br />

entfernt. Im Anschluss erfolgt die<br />

mechanische Reinigung in einem<br />

Vorklärbecken. Die biologische Reinigung<br />

erfolgt dann in der zweiten<br />

Stufe. Hier erfüllen Mikroorganismen<br />

eine optimale Reinigungsfunktion<br />

der Abwässer, indem sie die<br />

hierin enthaltenen Stoffe – vereinfacht<br />

gesagt – als Nahrung und zur<br />

Fortpflanzung nutzen. Auf diese<br />

Weise werden die Schmutzstoffe<br />

dem <strong>Abwasser</strong> entzogen und über<br />

die Nachklärung als Überschussschlamm<br />

aus dem <strong>Wasser</strong> entfernt.<br />

Ein wichtiger Faktor ist der Abbau<br />

von Nährstoffen aus dem <strong>Abwasser</strong><br />

wie z. B. Ammoniumstickstoff. Dieser<br />

wird in der biologischen Stufe zu<br />

NO 3 N und über ein internen Kreislauf<br />

(Denitrifikation) eliminiert.<br />

Zu diesem Zweck wird das<br />

mechanisch vorgereinigte <strong>Abwasser</strong><br />

im Verhältnis 60:40 auf die zwei<br />

parallel arbeitenden biologischen<br />

Stufen Biologie I und II verteilt. Das<br />

gereinigte <strong>Abwasser</strong> aus beiden<br />

Stufen wird dann über Nachklärbecken<br />

und einen nachgeschalteten<br />

Biofilter mit einem Reinheitsgrad<br />

von 98 bis 99 % in den Vorfluter<br />

(Mittlerer Isarkanal) eingeleitet.<br />

""<br />

Die Biologie I<br />

besteht in Neufinsing aus vier<br />

1100 m³ großen Denitrifikationsbecken,<br />

die ursprünglich zur Nit-<br />

Am Ortsrand der Gemeinde Neufinsing östlich von<br />

München liegt das Klärwerk Neufinsing des <strong>Abwasser</strong>zweckverbandes<br />

München.<br />

Firmenschild am Eingang zur Kläranlage.<br />

Blick in die Verdichterstation, bestehend aus einen Aerzener Drehkolbenverdichter<br />

der neuen Baureihe Delta Hybrid, installiert im Jahr 2010<br />

(im Vordergrund), und sechs Aerzener Drehkolbengebläsen der Baujahre<br />

1972 bis 1995.<br />

Oktober 2012<br />

1002 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


<strong>Abwasser</strong>behandlung<br />

FOKUS<br />

rifikation dienten, einem 1993<br />

oberirdisch gebauten Stahlwickelbehälter<br />

mit einem Volumen<br />

von 2500 m³ und einem 1997<br />

gebauten rechteckigen weiteren<br />

Nitrifikationsbecken mit einem<br />

Volumen von 2800 m³.<br />

""<br />

Die Biologie II<br />

verfügt über ein 4000 m³ großes<br />

Kombibecken mit Denitrifikations-<br />

und Nitrifikationszone<br />

sowie über ein Nachklärbecken<br />

mit 4200 m³ Beckenvolumen.<br />

Diese wurden 1997–1998 als<br />

Erweiterung komplett neu<br />

errichtet.<br />

Drehkolbengebläse<br />

seit 1973<br />

Seit der Inbetriebnahme der Kläranlage<br />

im Jahr 1973 wurde die in den<br />

Belebungsbecken benötigte Prozeßluft<br />

mit Drehkolbengebläsen<br />

der Aerzener Maschinenfabrik<br />

erzeugt. Noch heute sind diese fast<br />

30 Jahre alten Aggregate dort aktiv.<br />

Drei weitere Aerzener Aggregate<br />

wurden 1995 in Betrieb genommen.<br />

Damit verfügte die Kläranlage bis<br />

Mitte 2010 über sechs Aggregate<br />

mit einer Gesamtliefermenge von<br />

472 m³/min (siehe Tabelle). Fünf<br />

Anlagen werden durch einen Elektromotor,<br />

die Anlage GMB 16.13<br />

durch einen Gasmotor angetrieben.<br />

Eine kleine und eine große<br />

Anlage sind mit Frequenzumrichter<br />

ausgerüstet und können deshalb<br />

drehzahl- und damit leistungsgeregelt<br />

gefahren werden. Die übrigen<br />

Anlagen sind über die Antriebsmotoren<br />

in zwei Stufen zuschaltbar.<br />

Alle Aggregate sind für bestimmte<br />

Bedarfsstufen vorprogrammiert. Sie<br />

werden über den in den Belebungsbecken<br />

gemessenen Sauerstoffgehalt<br />

über eine übergeordnete Steuerung<br />

mit vordefinierten Leistungsstufen<br />

gefahren. Als optimaler<br />

Zielwert gilt ein Sauerstoffwert von<br />

2,0 mg/m³.<br />

Neue Spitzenlast-Anlage<br />

Delta Hybrid<br />

„Wir sind seit 1972 Kunden der<br />

Aerzener Maschinenfabrik. Unsere<br />

Aerzener Drehkolbengebläse haben<br />

zum Teil schon mehr als 150 000 Bh<br />

zu unserer vollsten Zufriedenheit<br />

gearbeitet. Deshalb wurde uns 2010<br />

angeboten, in unserer Station ein<br />

drehzahlgeregeltes Aggregat der<br />

neu entwickelten Baureihe Delta<br />

Hybrid zu testen. Die Aerzener<br />

Maschinenfabrik hielt unsere Kläranlage<br />

hierfür als besonders geeignet,<br />

weil das Aggregat bei uns sofort<br />

unter Normalbedingungen in den<br />

Prozessluft-Bedarf eingebunden<br />

und deshalb unter echten Anfor-<br />

Tabelle.<br />

Typ Liefermenge [m³/min] Motorleistung [kW] Antrieb<br />

GMA 13.6 10,5 13,4 elektrisch<br />

GMA 16.12 40,2 50,4 elektrisch<br />

GMB 16.13 143,0 146,0 Gasmotor<br />

GMA 17.14 115,5 113,6 elektrisch<br />

GMC 17.14 113,6 113,5 elektrisch<br />

GMB 16.12 49,2 50,4 elektrisch<br />

2010 wurde der Aerzener Drehkolbenverdichter der neuen Baureihe<br />

Delta Hybrid in Betrieb genommen.<br />

Sechs Aerzener Drehkolbengebläse der Baujahre 1972 bis 1995.<br />

<br />

Oktober 2012<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 1003


Fokus<br />

<strong>Abwasser</strong>behandlung<br />

Zwei Aerzener<br />

Drehkolbengebläse<br />

GMA<br />

17.14 und<br />

GMC 17.14.<br />

derungen der Praxis arbeiten konnte.<br />

Nach einem erfolgreichen Testlauf<br />

sollte für uns zusätzlich die Möglichkeit<br />

bestehen, das Aggregat käuflich<br />

zu erwerben. Weil wir ohnehin<br />

ein neues Aggregat auf dem aktuellen<br />

Stand der Technik für die Erzeugung<br />

unserer Prozessluft anschaffen<br />

wollten, kam uns das Angebot sehr<br />

gelegen“, erinnert sich Betriebsleiter<br />

Anton Lippacher. Das Aggregat des<br />

Typs D 62 S mit einer Lieferbandbreite<br />

von 18 bis 60 m³/min wurde<br />

sofort in die bereits vorher vorhandene<br />

Stufenschaltung aufgenommen.<br />

Sehr schnell erkannte man in<br />

Neufinsing die gravierenden Vorteile<br />

dieses Testaggregates. Deshalb<br />

entschied man sich bereits ca. sechs<br />

Monate nach Inbetriebnahme zur<br />

festen Übernahme.<br />

""<br />

In Schwachlastzeiten deckt das<br />

Delta Hybrid-Aggregat den Prozessluft-Bedarf<br />

mit optimaler<br />

Energieausnutzung alleine.<br />

""<br />

Bei höherem Bedarf deckt das<br />

Aggregat durch seine Einbindung<br />

in die Stufenschaltungen<br />

die Bedarfsspitze mit optimaler<br />

Anpassung an den Bedarf im<br />

Verbund mit einem oder mehreren<br />

Turbogebläsen und ermöglicht<br />

so über die gesamte<br />

Bedarfsbandbreite die harmonische<br />

Anpassung der Förderleistung<br />

aller aktivierten Aggregate<br />

an den schwankenden Prozessluft-Bedarf.<br />

Zwei Aerzener<br />

Drehkolbengebläse<br />

GMB<br />

16.12 und<br />

GMA 16.12.<br />

Aerzener Drehkolbengebläse<br />

GMA 13.6.<br />

Das neue Delta Hybrid-Aggregat<br />

der Aerzener Maschinenfabrik wird<br />

nach folgendem Konzept eingesetzt:<br />

""<br />

Sobald der Sauerstoff-Gehalt in<br />

den Belebungsbecken unter den<br />

angestrebten Optimalwert von<br />

2 mg/m³ sinkt, startet zunächst<br />

das neue Delta Hybrid-Aggregat<br />

und versucht, diesen Optimalwert<br />

schnell wieder zu erreichen.<br />

""<br />

Wenn die Sauerstoff-Produktion<br />

dieser Anlage für einen schnellen<br />

Anstieg auf den Optimalwert<br />

jedoch nicht ausreicht, werden<br />

zusätzliche Gebläse entsprechend<br />

dem vordefinierten Stufen-Programm<br />

bedarfsabhängig<br />

zugeschaltet. Diese Stufen wurden<br />

so vorgewählt, dass die Verdichterleistung<br />

mit jeder Stufe<br />

um rund 20 % zunimmt. Die<br />

Gebläse arbeiten dann als<br />

Grundlast-Anlagen, während<br />

das drehzahlgeregelte neue<br />

Delta Hybrid-Aggregat als Spitzenlast-Anlage<br />

aktiv ist.<br />

Oktober 2012<br />

1004 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


<strong>Abwasser</strong>behandlung<br />

FOKUS<br />

""<br />

Nur wenn eine Bedarfsstufe optimal<br />

ausschließlich durch größere<br />

Drehkolbengebläse abgedeckt<br />

werden kann, geht das<br />

Delta Hybrid-Aggregat in den<br />

Stillstand.<br />

Seit seiner Inbetriebnahme Mitte<br />

2010 hat das neue Delta Hybrid-<br />

Aggregat bis März 2012 in etwa 21<br />

Monaten rund 10 000 Bh absolviert.<br />

Dies entspricht bei Dauerlauf (730<br />

Bh/Monat) einer Laufzeit von etwa<br />

14 Monaten. Mithin war das Aggregat<br />

seit seiner Inbetriebnahme mit<br />

einer zeitlichen Auslastung von<br />

rund 66 % aktiv.<br />

Im zentralen Verdichtergebäude sind alle Prozessluft-Erzeuger<br />

installiert.<br />

Auftraggeber und<br />

Auftragnehmer ...<br />

Ideale Spitzenlast-Anlage<br />

Mit dem in der Kläranlage in Neufinsing<br />

realisierten Konzept bestätigt<br />

sich erneut die Richtigkeit des<br />

von den Aerzener Spezialisten empfohlenen<br />

Konzeptes: Der Prozessluft-Bedarf<br />

einer Kläranlage sollte<br />

durch ein Verbundkonzept mit verschiedenen<br />

Maschinentypen mit<br />

unterschiedlichen Leistungen realisiert<br />

werden. Das heißt im vorliegenden<br />

Beispiel: Die in Neufinsing<br />

zunächst ausschließlich mit Drehkolbengebläsen<br />

betriebene Anlage<br />

konnte mit den Vorteilen eines<br />

Drehkolbenverdichters der neuen<br />

Baureihe Delta Hybrid (er verfügt<br />

über einen großen Regelbereich<br />

und einen guten Wirkungsgrad<br />

auch im Teillastbetrieb) ideal kombiniert<br />

werden. Erst diese Kombination<br />

ergibt – unter der Voraussetzung<br />

optimaler Leistungsabstufungen<br />

für beide Maschinentypen – die<br />

Erzeugung von Prozessluft mit<br />

höchstmöglicher Energieeffizienz.<br />

Der Aerzener Maschinenfabrik<br />

gelang mit den Anlagen der neuen<br />

Baureihe Delta Hybrid eine z. Z.<br />

weltweit einmalige Neukonzeption.<br />

Bisher ließen sich mit herkömmlichen<br />

Drehkolbengebläsen nur Drücke<br />

bis 1 bar Höchstdruck erzielen.<br />

Darüber mussten Schraubenkompressoren<br />

eingesetzt werden, die<br />

einstufig aber für deutlich höhere<br />

Drücke von 2 bzw. 3,5 bar ausgelegt<br />

sind. Sie sind damit für sehr niedrige<br />

<br />

Blick über das Belebungsbecken 1 (im Hintergrund<br />

das Verwaltungsgebäude der Kläranlage<br />

Neufinising).<br />

Detail der Oberfläche des Belebungsbeckens 1.<br />

Detail der Oberfläche des Belebungsbeckens 1.<br />

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Oktober 2012<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 1005


Fokus<br />

<strong>Abwasser</strong>behandlung<br />

Blick auf das Belebungsbeckens 2.<br />

Detail der Oberfläche des Belebungsbeckens 2.<br />

Drücke bauartbedingt „viel zu<br />

schade“ und deshalb in der Investition<br />

zu teuer. Hier hat die Aerzener<br />

Maschinenfabrik erfolgreich den<br />

Hebel angesetzt. Das Unternehmen<br />

baut seit 1868 Drehkolbengebläse<br />

und seit 1943 Schraubenverdichter.<br />

Mit den neuen ölfrei verdichtenden<br />

Delta Hybrid-Aggregaten wurde<br />

eine Symbiose geschaffen, welche<br />

die Vorteile beider Systeme in idealer<br />

Weise vereinigt. Dabei tendieren<br />

die Anlagen für niedrigere Drücke<br />

eher zu einem Gebläse, für höhere<br />

Drücke eher zu einem Schraubenverdichter.<br />

Weltweite Neuheit<br />

Die neuen Delta Hybrid-Anlagen<br />

wurden für alle Einsatzfälle geschaffen,<br />

bei denen Luft und neutrale<br />

Gase im Druckbereich bis 1,5 bar<br />

gefördert werden müssen, wie z. B.<br />

in Kläranlagen, in der chemischen<br />

Industrie, der Kraftwerkstechnik<br />

oder zum Transport und zum Entladen<br />

staubförmiger Güter. Diese<br />

neue Drehkolbenverdichter-Baureihe<br />

wurde bereits seit drei Jahren<br />

in einem groß angelegten Feldversuch<br />

in verschiedensten Branchen<br />

bei Aerzener Kunden mit Neubedarf<br />

unter härtesten Praxisbedingungen<br />

erfolgreich getestet und<br />

zur Marktreife entwickelt.<br />

Alle Feldtest-Anlagen wurden<br />

über die Aerzener Fernüberwachung<br />

RAT detailliert und kontinuierlich<br />

überwacht. Die neuen Delta<br />

Hybrid-Anlagen stehen in folgenden<br />

Leistungsbereichen zur Verfügung:<br />

""<br />

Volumenströme: 10 bis 100 m³/<br />

min (600 bis 5900 m³/h)<br />

""<br />

Einsatzbereiche: für Luft-Überund<br />

Unterdruck<br />

""<br />

Druckbereich: 0 bis 1,5 bar<br />

""<br />

Saugbereich: bis –0,7 bar<br />

Die neue Delta Hybrid-Baureihe<br />

zeichnet sich durch folgende Vorteile<br />

aus:<br />

""<br />

besonders günstiges Preis-Leistungs-Verhältnis<br />

deutlich unter<br />

den Investitions-, Energie- und<br />

Wartungskosten für einen vergleichbaren<br />

Turbo- oder Schraubenkompressor;<br />

""<br />

gegenüber einem Turbogebläse<br />

nur unwesentliche Leistungsschwankungen<br />

auch bei unterschiedlichen<br />

Eingangstemperaturen<br />

(Sommer-/Winterbetrieb)<br />

oder bei Druckschwankungen;<br />

""<br />

signifikant verbesserte Energieeffizienz<br />

durch Energie-Einsparungen<br />

bis zu 15 % gegenüber<br />

herkömmlichen Anlagen;<br />

""<br />

niedrige Wartungs- und Servicekosten;<br />

""<br />

Zuverlässigkeit und Langlebigkeit;<br />

""<br />

robuste Lagerkonstruktion (Le-<br />

bensdauer 60 000 Bh auch bei<br />

maximaler Belastung);<br />

""<br />

niedrige Druckluft-Austrittstemperaturen<br />

dank hervorragender<br />

thermischer Haushalte, kompakte<br />

Bauweise, Riemenantrieb,<br />

Riemenspannung durch Motorwippe,<br />

Side-by-Side-Aufstellung,<br />

Frontseitenbedienung, Ölkontrolle<br />

und Nachfüllen im Betrieb,<br />

niedriger Schallpegel, optionale<br />

Steuerung AS300 AERtronic, für<br />

Außenaufstellung geeignet;<br />

""<br />

sehr hoher Regelbereich (25 –<br />

100 %), einfach zu bedienen und<br />

zu warten.<br />

Etwa 15 Prozent weniger<br />

Energie<br />

„Bevor wir das neue Delta Hybrid-<br />

Aggregat in Betrieb genommen<br />

haben, war es schwierig, in<br />

Schwachlastzeiten den Sauerstoff-<br />

Gehalt in der Belebung zu optimieren.<br />

Folglich haben wir mehr elektrische<br />

Energie investiert als erforderlich.<br />

Mit dem stufenlos<br />

drehzahlgeregelten Drehkolbenverdichter<br />

aus der neuen Aerzener<br />

Baureihe Delta Hybrid erreichen wir<br />

jetzt immer die optimale Anpassung<br />

unserer Prozessluft-Erzeugung<br />

an den aktuellen Bedarf entweder<br />

alleine oder mit unserem Stufenkonzept<br />

im Verbund mit Turbogebläsen,<br />

sodass wir jetzt immer<br />

mit höchstmöglicher Energieeffizienz<br />

unseren Optimalwert von<br />

2,0 mg/m³ fahren können. Wir<br />

schätzen, dass wir durch den Einsatz<br />

dieses neuen Aggregates den Energie-Einsatz<br />

für die Erzeugung unserer<br />

Prozessluft für die Belebungsbecken<br />

der Straße 1 um etwa 15 %<br />

reduzieren können. Außerdem<br />

haben wir in unseren Belebungsbecken<br />

jetzt immer sehr schnell<br />

den optimalen Sauerstoffwert von<br />

2,0 mg/m³ und damit immer ideale<br />

Arbeits- und Lebensverhältnisse für<br />

die Bakterien“, erklärt Betriebsleiter<br />

Anton Lippacher.<br />

Autor:<br />

Norbert Barlmeyer,<br />

Presse-Arbeit für die Drucklufttechnik,<br />

D-33611 Bielefeld<br />

Kontakt:<br />

Aerzener Maschinenfabrik GmbH,<br />

Reherweg 28,<br />

D-31855 Aerzen,<br />

Tel. (05154) 81-0,<br />

Fax (05154) 81-9191,<br />

E-Mail: info@aerzener.de,<br />

www.aerzen.com<br />

Oktober 2012<br />

1006 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


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© PHOENIX CONTACT 2012


Fokus<br />

<strong>Abwasser</strong>behandlung<br />

Auf die richtige Planung kommt es an:<br />

Drehkolbengebläse in Kläranlagen<br />

Gebläseluft ist für biologische Kläranlagen ein unverzichtbares Betriebsmittel. Dabei sind die wichtigsten Kriterien<br />

die Zuverlässigkeit und Wirtschaftlichkeit der Anlagen – aber natürlich sollten sie auch so energieeffizient<br />

wie möglich arbeiten.<br />

Im <strong>Abwasser</strong>, das in Kläranlagen<br />

landet, befindet sich so einiges,<br />

das unbedingt wieder „raus“ muss,<br />

bevor das Lebenselexier <strong>Wasser</strong> in<br />

den natürlichen Kreislauf zurückgelangen<br />

kann. Ob es z. B. Lebensmittelreste,<br />

Zellstoffe, tierisch-menschliche<br />

Hinterlassenschaften oder<br />

anderes sind – die Bandbreite an<br />

Fremdstoffen ist groß. Der Reinigungsprozess<br />

ist die Aufgabe von<br />

Klärwerken. Um ihn durchführen zu<br />

können, benötigen sie Druckluft,<br />

die idealerweise aus Drehkolbengebläsen<br />

kommt.<br />

Klärwerke imitieren den biologischen<br />

Selbstreinigungsvorgang,<br />

wie er normalerweise in natürlichen<br />

Gewässern abläuft. Nur ein bisschen<br />

schneller als in der Natur. Um den<br />

Ablauf zu beschleunigen, werden<br />

dem <strong>Abwasser</strong> zu Beginn des Prozesses<br />

Bakterien zugesetzt. Winzig<br />

kleine Helfer, die die Reinigung<br />

übernehmen. Damit sie überhaupt<br />

leben und optimal arbeiten können,<br />

brauchen sie Sauerstoff aus der Luft.<br />

Keine Luft, kein Leben, kein sauberes<br />

<strong>Wasser</strong> als Ergebnis. In Kläranlagen<br />

wird der Sauerstoff dem<br />

<strong>Wasser</strong> durch Einblasen feinperliger<br />

Luft zugeführt. Doch was ist die<br />

optimale Methode dafür? Da diese<br />

Anwendung in der Regel einen<br />

Überdruck von etwa 500 Millibar<br />

bedarf, ist Druckluft, die mithilfe<br />

von Drehkolbengebläsen erzeugt<br />

wird, nach wie vor die geeignetste<br />

Lösung für diese Anwendung, weil<br />

es sich hierbei um Verdrängergebläse<br />

ohne innere Verdichtung<br />

handelt. Diese erzeugt nur so viel<br />

Druck, wie wirklich für die Anwendung<br />

benötigt wird. Eine sogenannte<br />

Überverdichtung, das heißt<br />

die Erzeugung von mehr Druck als<br />

notwendig, findet nicht statt –<br />

unnötig viel Druck kostet schließlich<br />

unnötig Geld. Effizienz rechnet<br />

sich.<br />

Oberstes Gebot:<br />

Verfügbarkeit<br />

Am wichtigsten ist aber die zuverlässige<br />

Verfügbarkeit der Druckluft.<br />

Die in der Kläranlage ablaufenden<br />

biologischen Vorgänge brauchen<br />

viel Sauerstoff und zwar ständig –<br />

denn der Erfolg der Reinigung des<br />

<strong>Wasser</strong>s hängt von der Kontinuität<br />

des Prozesses ab: Mikroorganismen<br />

können nur wirken, wenn sie ununterbrochen<br />

am Leben erhalten werden.<br />

Fällt die Luft aus, sterben die<br />

Bakterien ab. Jede Unterbrechung<br />

führt zum Abriss der Klärkette, und<br />

das würde bedeuten, dass die Bakterienkultur<br />

erneut mühsam aufgebaut<br />

werden müsste. Sauerstoff<br />

muss vorhanden sein! Deshalb ist es<br />

besonders wichtig, dass die im Belebungsbereich<br />

eingesetzten Gebläse<br />

absolut zuverlässig arbeiten. Die<br />

Betreiber der Kläranlage müssen<br />

sich auf sie verlassen können. Das<br />

ideale Gebläse sollte also nicht nur<br />

energieeffizient, sondern auch<br />

robust und wartungsfreundlich aufgebaut<br />

sein, um erstens so beständig<br />

und lange wie möglich einsatzfähig<br />

zu sein und zweitens dem<br />

Anwender eine schnelle und kostengünstige<br />

Instandhaltung zu<br />

ermöglichen.<br />

Anschlussfertige Drehkolbengebläse wie zum Beispiel<br />

das der Baureihe EBC von Kaeser Kompressoren<br />

sind eine platzsparende und energieeffiziente<br />

Lösung für die <strong>Abwasser</strong>aufbereitung in Kläranlagen.<br />

Alle Abbildungen: Kaeser<br />

Oktober 2012<br />

1008 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


<strong>Abwasser</strong>behandlung<br />

FOKUS<br />

Damit die<br />

Bakterien in<br />

den Klärbecken<br />

überhaupt<br />

leben<br />

können, wird<br />

durch ein ausgeklügeltes<br />

System mithilfe<br />

von Drehkolbengebläsen<br />

konstant Luft<br />

zugeführt.<br />

Richtige Planung<br />

Generell ist es wichtig, nicht nur die<br />

einzelnen Gebläse für sich zu<br />

betrachten, sondern das ganze System<br />

als solches. Es zeigt sich immer<br />

wieder: Wer die Komponenten entsprechend<br />

optimal aufeinander aufbaut<br />

und abstimmt, fährt am Ende<br />

besser. Ein einzelnes, hocheffizientes<br />

Gebläse, kann nicht effektiv wirken,<br />

wenn es an ungeeigneter Stelle<br />

falsch eingesetzt wird. Es genügt<br />

also nicht nur die Geräte zu installieren,<br />

wichtig ist es auch zu wissen,<br />

wie man diese steuert und wann<br />

man sie zu- und abschalten muss,<br />

sodass sie die Leistung effektiv und<br />

energieeffizient erbringen. Dafür ist<br />

natürlich eine genau Planung im<br />

Vorfeld der Installation sinnvoll. Am<br />

besten gelingt dies mithilfe eines<br />

Luftbedarfsprofils, das den genauen<br />

Verbrauch über das Jahr ermittelt.<br />

Dieses hilft, die richtige Auswahl<br />

bei den Gebläsen zu treffen. Ziel ist<br />

es, das energetische Optimum der<br />

Gebläse-Station zu ermitteln, um<br />

nicht Gefahr zu laufen, es an einen<br />

höchst seltenen Betriebspunkt zu<br />

legen, der nur an wenigen Tagen im<br />

Jahr angefahren wird. Die Gebläse<br />

müssen so ausgelegt sein, dass sie<br />

zwar den maximalen Luftbedarf<br />

erbringen, jedoch insgesamt da am<br />

effizientesten sind, wo in der Realität<br />

am häufigsten gearbeitet wird.<br />

Mithilfe von Computermodellen<br />

kann man im Vorfeld die für den<br />

jeweiligen Bedarf infrage kommende<br />

Gebläse-Kombination in<br />

ihrer Effizienz und auch hinsichtlich<br />

ihres Instandhaltungsaufwands vergleichen,<br />

um die beste Lösung daraus<br />

zu bestimmen.<br />

In Puncto Planung ist es damit<br />

aber noch längst nicht getan. Auch<br />

ein Blick auf die Rohrleitungen<br />

vorab lohnt sich. Der Einfluss von<br />

Rohrleitungen und Maschinenräumen<br />

auf die Energieeffizienz wird<br />

gelegentlich noch unterschätzt.<br />

Liegt beispielsweise bei einer<br />

Druckerhöhung von 500 mbar der<br />

Druckverlust der nachfolgenden<br />

Rohrleitungen und Belüfter bei<br />

50 mbar, so sind das bereits 10 Prozent<br />

der aufgenommenen Gebläseleistung!<br />

Es rechnet sich also, hier in<br />

eine sorgfältige Planung und entsprechend<br />

ausgeführte Rohrleitung<br />

sowie Belüfter zu investieren!<br />

Dies gilt analog auch für die Klimatisierung<br />

des Maschinenraums,<br />

in dem die Gebläse aufgestellt werden.<br />

In diesem Zusammenhang<br />

Mess-, Regel- und Überwachungsgeräte<br />

für<br />

Haustechnik, Industrie und<br />

Umweltschutz.<br />

AFRISO-EURO-INDEX GmbH<br />

Lindenstraße 20 · 74363 Güglingen<br />

Tel. 07135/102-0 · Fax 07135/102-147<br />

www.afriso.de · info@afriso.de<br />

AFRISO-EURO-INDEX<br />

<br />

Oktober 2012<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 1009


Fokus<br />

<strong>Abwasser</strong>behandlung<br />

sollte man sich vergegenwärtigen,<br />

dass die Bakterien in den Klärbecken<br />

keinen Volumenstrom an Luft<br />

(m³/h), sondern einen Sauerstoffeintrag<br />

benötigen – also einen Massestrom<br />

an Sauerstoff (kg/h). Dieser<br />

hängt maßgeblich von der Dichte<br />

der Ansaugluft ab und diese wiederum<br />

von der Ansaugtemperatur des<br />

Gebläses. Je höher die Ansaugtemperatur,<br />

desto geringer ist die<br />

Dichte der Luft, desto weniger Luftund<br />

damit Sauerstoffmasse befindet<br />

sich in jedem angesaugtem<br />

Kubikmeter und desto geringer ist<br />

letztlich der Sauerstoffeintrag in die<br />

Becken. Man kann diesen Effekt im<br />

Sommer anhand der schnelleren<br />

Gebläsedrehzahlen erkennen, die<br />

den reduzierten Sauerstoffgehalt<br />

warmer Luft über einen erhöhten<br />

Ansaugvolumenstrom ausgleichen.<br />

Saugt das Gebläse Luft aus einem<br />

sehr warmen Maschinenraum an, so<br />

hat eine Lufterwärmung von beispielsweise<br />

20 Grad Celsius (°C) auf<br />

35 °C bereits eine Minderung des<br />

Sauerstoffeintrags um mehr als 4 %<br />

zur Folge. Weiterhin können zu<br />

heiße Maschinenräume zu Störungen<br />

an Maschinen oder unzureichend<br />

gedämmte Maueröffnungen<br />

zu Schallaustrag führen. Auch hier<br />

legt eine sorgfältige Planung und<br />

Maschinenauswahl den Grundstein<br />

für den späteren sparsamen und<br />

sorgenfreien Betrieb. Eine gute<br />

Beratung dank umfangreicher<br />

Erfahrung im Bereich der Gebläsebzw.<br />

Drucklufttechnik liefert am<br />

besten der Fachmann. Eine wesentliche<br />

Erleichterung für Planer und<br />

Bauausführende im Bereich der<br />

Klärwerkstechnik gibt es mittlerweile<br />

bei Drehkolbengebläsen. In<br />

modernen Geräten renommierter<br />

Hersteller ist bereits von Anfang an<br />

viel „Intelligenz“ eingebaut. Sie<br />

ermöglichen durch ihre durchdachte<br />

Konzeption von vorn herein<br />

nicht nur erhebliche Einsparungen<br />

bei Energieverbrauch und Instandhaltung,<br />

sondern auch bei Planung,<br />

Bau, Zertifizierung und Inbetriebnahme.<br />

Diese Geräte sind bereits<br />

anschlussfertig mit integriertem<br />

Frequenzumrichter oder wahlweise<br />

Stern-/Dreieck-Anlasser ausgestattet.<br />

Eine zusätzliche Steuerung, wie<br />

zum Beispiel die Omega Control<br />

überwacht maschinenübergreifend<br />

alle relevanten Parameter, die für<br />

den zuverlässigen Betrieb der Drehkolbengebläse<br />

notwendig sind und<br />

steuert sie permanent so, dass das<br />

Druckluftergebnis für die jeweilige<br />

Anwendung optimal ist. Auf diese<br />

Art und Weise lassen sich Schnittstellenprobleme,<br />

suboptimal programmierte<br />

Frequenzumrichter<br />

oder gar falsch ausgewählte Geräte<br />

einfach vermeiden.<br />

Gebläseblock, Kraftübertragung,<br />

Antrieb, Nebenaggregate, Leistungselektrik,<br />

Steuerung usw., das<br />

alles erst bildet im Grunde das fertige,<br />

betriebsbereite Drehkolbengebläse,<br />

Schraubengebläse, das<br />

Turbo-Gebläse oder was auch<br />

immer für den Lufteintrag eingesetzt<br />

wird. Es fällt nicht immer leicht<br />

zu unterscheiden, was aus dieser<br />

Vielfalt das für den jeweiligen Einsatz<br />

effizienteste und robusteste ist.<br />

Eine mögliche Hilfe beim Vergleich<br />

bieten da bestehende Standards,<br />

wie zum Beispiel die Normvorschrift<br />

ISO 1217-C, um sich von<br />

sogenannten „Kupplungsleistungen“<br />

nicht täuschen zu lassen. Denn<br />

letztlich zählt nicht die Aufnahmeleistung<br />

des einzelnen Gebläseblocks,<br />

sondern der gesamten<br />

Anlage.<br />

Auch die Lautstärke, beziehungsweise<br />

die Schallemission der<br />

Geräte, sollte berücksichtigt werden.<br />

Nicht nur in der Station selbst<br />

ist ein möglichst niedriger<br />

Geräuschpegel der Maschinen<br />

wichtig, sondern auch deren Schallemission<br />

ins Freie spielt eine Rolle.<br />

Schallwellen entstehen nämlich<br />

nicht nur durch bewegte Maschinenteile<br />

(Körperschall), sondern<br />

auch durch Pulsationen der Prozessluft<br />

(sogenannter Fluidschall). Wird<br />

dies nicht beachtet, entsteht unter<br />

Umständen unnötiger Lärm im Freibereich<br />

bis zu den Becken, was<br />

gegebenenfalls nachträglich Maßnahmen<br />

zur Schalldämmung erfordert.<br />

In manchen Stationen verursachen<br />

Rohrleitungsschalldämpfer,<br />

die der Fluidpulsationen wegen im<br />

Nachhinein installiert werden mussten,<br />

zusätzliche Druckverluste, die<br />

zu einer anfänglich nicht bedachten<br />

zusätzlichen Leistungsaufnahme<br />

der Gebläse führen. Setzt man in<br />

der Planungsphase auf eine auch in<br />

diesem Punkt durchdachte Maschinenlösung,<br />

so lässt sich dadurch so<br />

mancher unnötige Kostenaufwand<br />

im Nachhinein vermeiden.<br />

Nicht immer ist für die Aufstellung<br />

der Geräte Platz in Hülle und<br />

Fülle vorhanden. Dank platzsparender<br />

Anordnung der Bauteile kommen<br />

zukunftsweisende Drehkolbengebläse<br />

mit sehr wenig Stellfläche<br />

aus. Sie sollten so konzipiert<br />

sein, dass alle Wartungsarbeiten<br />

von der Anlagen-Vorderseite aus<br />

durchgeführt werden können.<br />

Damit wird es möglich, mehrere<br />

Gebläse direkt nebeneinander aufzustellen.<br />

Fazit: Richtige Planung, optimal<br />

eingesetzte Gebläse und zuverlässige,<br />

energieeffiziente Maschinentechnik<br />

zusammen bieten ein<br />

Gesamtpaket, mit dem sich jede<br />

Kläranlage kostengünstig und sorgenfrei<br />

betreiben lässt.<br />

Autorin/Kontakt:<br />

KAESER KOMPRESSOREN AG,<br />

Daniela Koehler,<br />

Postfach 21 43,<br />

D-96410 Coburg,<br />

Tel. (09561) 640-452,<br />

Fax (09561) 640-129,<br />

E-Mail: daniela.koehler@kaeser.com,<br />

www.kaeser.com<br />

Oktober 2012<br />

1010 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


<strong>Abwasser</strong>behandlung<br />

FOKUS<br />

Großauftrag für All-Optiflow<br />

Exzenterschneckenpumpen<br />

Für die neue Großkläranlage Ambarli bei Istanbul liefert Colfax Fluid Handling 36 Pumpen der neuen Allweiler<br />

All-Optiflow-Baureihe. Die Exzenterschneckenpumpen fördern Schlamm und zeichnen sich durch eine sehr<br />

hohe Energieeffizienz aus. Ihre Fördermenge ist bis zu zwei Mal höher als die herkömmlicher Pumpen. All-<br />

Optiflow-Pumpen sind für nahezu alle Flüssigkeiten geeignet, auch wenn diese Faser- und Feststoffe enthalten.<br />

Die neue Großkläranlage entstand<br />

unter Federführung der<br />

PWT <strong>Wasser</strong>- und <strong>Abwasser</strong>technik<br />

GmbH. Es ist eine der größten und<br />

modernsten Kläranlagen Europas.<br />

Sie ist auf 2 000 000 Einwohnerwerte<br />

und einen Tageszufluss von<br />

400 000 m³ ausgelegt. Die 36 Allweiler-All-Optiflow-Pumpen<br />

unterschiedlicher<br />

Größe fördern entwässerten<br />

Schlamm, Faulschlamm und<br />

eingedickten Schlamm. Zusätzlich<br />

sind weitere 54 Allweiler-Kreiselund<br />

Exzenterschneckenpumpen<br />

sowie Mazeratoren in der Anlage<br />

installiert. Die Pumpen wurden Im<br />

Herbst 2011 geliefert und sind seit<br />

August 2012 im Probebetrieb.<br />

Durch die hohe Leistungsdichte<br />

sparen die Pumpen bis zu 15 %<br />

Energie im Vergleich zu herkömmlichen<br />

Exzenterschneckenpumpen.<br />

Der Durchmesser der Steckwellen<br />

ist etwa 30 % geringer und vermindert<br />

so die Reibung um fast 50 %.<br />

Die besonders abriebfesten Werkstoffe<br />

sparen deutlich Wartungskosten.<br />

Diese besonders geringen<br />

Energie- und Betriebskosten waren<br />

für PWT bei der Entscheidung ausschlaggebend,<br />

da PWT auch den<br />

Betrieb der Anlage über fünf Jahre<br />

übernimmt. Dipl.-Ing. Doreen Steingrübner,<br />

PWT: „Die Energieeffizienz<br />

war beim technischen Vergleich<br />

mehrerer Anbieter entscheidend“.<br />

Die All-Optiflow-Baureihe nutzt<br />

innovative Konstruktionsdetails, um<br />

sowohl Energie- als auch Wartungsund<br />

Ersatzteilkosten zu sparen. Beispiele<br />

sind neu entwickelte Förderelemente<br />

mit höherer Leistungsdichte,<br />

Rotoren und Wellen -<br />

dichtungen mit geringerer Reibung<br />

und Statoren mit spezieller Oberfläche.<br />

Zusammen mit der patentier-<br />

Die „All-Optiflow“ ist mit einer max. Fördermenge von 3800 L/min für<br />

alle industriellen Prozesse geeignet. Sie fördert Medien mit einer Viskosität<br />

von max. 300 000 mm 2 /sec mit einem max. Druck von 6 bar. Die<br />

Energie- und Wartungskosten sind durch die weiterentwickelte Konstruktion,<br />

spezielle Werkstoffe und Oberflächen deutlich geringer als bei<br />

herkömmlichen Exzenterschneckenpumpen. © Allweiler GmbH<br />

ten „Haihaut“ der Rotoren führt<br />

diese Wabenstruktur zu geringeren<br />

Anfahr- und Betriebskräften und<br />

damit zu einem höheren Wirkungsgrad<br />

als üblich sowie zu gleichbleibenden<br />

Leistungskurven im Betrieb.<br />

Allweiler als Marke von Colfax<br />

Fluid Handling liefert bereits seit<br />

mehr als 50 Jahren weltweit Exzenterschneckenpumpen.<br />

Speziell in<br />

Kläranlagen kann Allweiler als Systemlieferant<br />

alle benötigten Pumpen<br />

aufeinander abgestimmt installieren<br />

und warten.<br />

Kontakt:<br />

Allweiler GmbH,<br />

Elvis Kovacevic,<br />

Kirchhellener Ring 77-79, D-46244 Bottrop,<br />

Tel. (02045) 966-660, Fax (02045) 966-679,<br />

E-Mail: elvis.kovacevic@colfaxcorp.com,<br />

www.allweiler.de<br />

Oktober 2012<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 1011


Fokus<br />

<strong>Abwasser</strong>behandlung<br />

Transport von konditioniertem Schlamm zu den<br />

Vorlagebehältern der Filterpressen-Beschickungspumpen<br />

Bad Harzburg ist eine Kurgemeinde im Harz, am Fuße des Brocken. Sie hat etwa 30 000 Einwohner. Die Besucherströme<br />

und die zuneh mende Bevölkerungszahl machten eine Erweiterung der kommunalen Kläranlage<br />

erforderlich. Die Erweiterung wurde in den Jahren 1998 und 1999 durchgeführt.<br />

Die erweiterte Kapazität beläuft<br />

sich nun auf 6000 bis 8000<br />

Kubikmeter pro Stunde. Das entspricht<br />

einer Auslegung für 40 000<br />

EGW. Es werden ausschließ lich kommunale<br />

Abwässer behandelt. Der<br />

anfallende Schlamm wird mit Kalk<br />

und Eisen konditioniert.<br />

Die Aufgabenstellung<br />

Förderung von bereits konditioniertem<br />

Schlamm von einem Konditionierbehälter<br />

mit einer Kapazität von<br />

150 m 3 zu den Vorlagebehältern der<br />

Filterpressen-Beschickungspumpen.<br />

Im Rahmen des Gesamtkonzepts<br />

wird eine ABEL Elektromechanische<br />

Membranpumpe Typ EM 100 eingesetzt.<br />

Für die Auswahl dieser Pumpe<br />

sprachen verschiedene Gründe. Die<br />

Kläranlage Bad Harzburg hat bereits<br />

jahre lang gute Erfahrungen mit<br />

ABEL als Lieferant positiver Verdrängerpumpen:<br />

Für die Entwässerung<br />

des Klärschlamms setzt man eine<br />

ABEL-Kompaktmembranpumpe<br />

FQG 452 ein. Für die Filtertuchreinigung<br />

verwendet man eine ABEL<br />

Hochdruckpumpe HP-K-25.<br />

Beide Maschinen haben sich in<br />

ihren Einsatzfeldern bewährt. Ersatzteilversorgung<br />

und Service erfüllen<br />

hohe Standards.<br />

Die ABEL Lösung<br />

Vor diesem Hintergrund zeigte sich<br />

die Kläranlage Bad Harzburg interessiert,<br />

erstmals eine elektromechanische<br />

Membranpumpe im Schlammtransport<br />

einzusetzen.<br />

Sie ist einfach, robust und für<br />

einen harten Dauerbetrieb ausgelegt.<br />

Das gute Preis-/Leistungs -<br />

verhältnis der Investition, die geringen<br />

Verschleißteilkosten und insbesondere<br />

niedrige Betriebskosten<br />

durch günstigen Energieverbrauch<br />

sprachen für den Einsatz dieser<br />

Maschine.<br />

Die ABEL Technik<br />

ABEL Elektromechanische Membranpumpen<br />

EM sind für Drücke bis<br />

0,6 MPa und einen Förderstrom bis<br />

zu 120 m 3 /h ausgelegt. Damit liegen<br />

sie im unteren Druckbereich und<br />

ergänzen die bewährten hydraulischen<br />

Membranpumpen von ABEL<br />

auf kostengünstige Art und Weise.<br />

Für den konkreten Anwendungsfall<br />

werden 30 bis 60 m 3 /h<br />

Kommunalschlamm frequenzgeregelt<br />

gegen etwa 0,3 MPa gefördert.<br />

Für diese Leistung kommt ein Motor<br />

mit 11 kW zum Einsatz.<br />

Membrantechnologie<br />

Die EM 100 ist mit zwei<br />

gegenüberlie genden Pumpengehäusen<br />

ausgerüstet. Diese sind mit<br />

je einer gewebeverstärkten Formmembrane<br />

zur hermetischen Trennung<br />

des Antriebs von der Produktseite<br />

ausgestattet.<br />

Oktober 2012<br />

1012 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


<strong>Abwasser</strong>behandlung<br />

FOKUS<br />

Effizienter Antrieb<br />

Zwischen den Pumpengehäusen<br />

befin det sich der Linearantrieb, der<br />

über eine Kurbel die Drehbewegung<br />

des Motors in eine oszillierende<br />

Bewegung der Membranen<br />

umwandelt.<br />

Pumpendruck und Fördermenge<br />

sind, anders als bei Druckluftmembranpumpen,<br />

über den gesamten<br />

Leistungsbereich nahezu konstant.<br />

Produktgerechte Ventile<br />

Die Eigenschaften von Klärschlamm<br />

machen den Einsatz von Ventilen<br />

mit großen Querschnitten erforderlich.<br />

Um Verstopfungen durch Feststoffe<br />

vorzubeugen, wurden deshalb<br />

Klappenventile mit großem<br />

Öffnungswinkel eingesetzt.<br />

Pulsationsdämpfung<br />

Um einen gleichmäßigen Förderstrom<br />

zu erreichen, wurde ein<br />

druckseitiger Pulsationsdämpfer<br />

installiert.<br />

Die ABEL Vorteile<br />

""<br />

Kurze Filterzyklen<br />

""<br />

Erstklassige Filterkuchenqualität<br />

""<br />

Trockenlaufsicher<br />

""<br />

Keine komplizierte Zusatzelektronik<br />

""<br />

Bypass nicht erforderlich<br />

""<br />

Einfach, effiziente Drehmomentregelung<br />

""<br />

Wenige Verschleißteile<br />

""<br />

Patentiert in der EU, den USA<br />

und anderen Ländern<br />

Kontakt:<br />

Abel GmbH & Co. KG,<br />

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Oktober 2012<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 1013


Fokus<br />

<strong>Abwasser</strong>behandlung<br />

Klärschlammvererdung – ein naturnahes<br />

Entwässerungsverfahren<br />

Von Dipl.-Ing. Stefan Rehfus und Dipl.-Ing. Christian Schloen<br />

Schlammbehandlung und -verwertung gehören zu den größten Kostenfaktoren in der kommunalen <strong>Abwasser</strong>reinigung.<br />

In diesem Zusammenhang spielen Entwässerungsverfahren, die die Flüssigphase des Klärschlamms<br />

(in der Regel 98–99 % <strong>Wasser</strong>gehalt) von den Feststoffen der Klärschlammtrockenmasse abtrennen, eine<br />

bedeutende Rolle. Die Klärschlammvererdung als naturnahes Entwässerungsverfahren tritt hierbei zunehmend<br />

an die Stelle maschineller Schlammentwässerungen.<br />

Klärschlammbehandlungsverfahren<br />

Bild 1 stellt schematisch die Behandlungsschritte<br />

von konventioneller<br />

Schlammbehandlung z. B. durch<br />

Dekanter oder Kammerfilterpresse<br />

und der physikalisch-biologischen<br />

Klärschlammvererdung gegenüber.<br />

Ein üblicher Behandlungs- und<br />

Verwertungsweg besteht in der<br />

Nasschlammabfuhr. Hier werden<br />

(teils voreingedickte) Nassschlämme<br />

ohne weitere Behandlungszwischenschritte<br />

direkt in der Landwirtschaft<br />

verwertet. Durch die aus<br />

der geringen Vorentwässerung<br />

resultierenden hohen Restvolumina<br />

ist dieser Weg jedoch sehr kostensensitiv<br />

gegenüber Preissteigerungen<br />

bei Transport und Verwertung<br />

und funktioniert nur noch dort wirtschaftlich,<br />

wo landwirtschaftliche<br />

Abnahmeflächen im näheren<br />

Umkreis zur Kläranlage vorhanden<br />

sind.<br />

Zur Reduktion der zu verwertenden<br />

Restvolumina werden daher<br />

häufig Entwässerungsverfahren zwischen<br />

geschaltet, die einen deut -<br />

lich höheren Entwässerungsgrad<br />

und damit geringere Restmengen<br />

für Transport und Verwertung erreichen.<br />

Bei der konventionellen<br />

maschinellen Entwässerung durchläuft<br />

der Klärschlamm in der Regel<br />

mehrere mechanische Behandlungsstufen<br />

unter teilweiser Zuhilfenahme<br />

von Zusatzstoffen zur Förderung von<br />

Entwässerbarkeit (Flockungshilfsmittel),<br />

Stichfestigkeit und Hygienisierung<br />

(Kalk).<br />

Demgegenüber wird der Nassschlamm<br />

beim EKO-PLANT Klärschlammvererdungsverfahren<br />

oberflächlich auf schilfbepflanzte<br />

Vererdungsbeete verteilt. Im Unterschied<br />

zur maschinellen Entwässerung<br />

ist eine Zugabe von Zusatzund<br />

Hilfsstoffen nicht nötig.<br />

Die anschließende Entwässerung<br />

in den Vererdungsbeeten erfolgt<br />

zum einen durch eine sta tische Eindickung/Entwässerung<br />

(Abtrennung<br />

des freien <strong>Wasser</strong>s über ein Filter-<br />

und Drainagesystem durch Schwerkrafteinwirkung),<br />

zum anderen<br />

durch die hohe Verdunstungsleistung<br />

der Schilfpflanzen, die in der<br />

Lage sind, das Doppelte der Jahresniederschlagsmenge<br />

an <strong>Wasser</strong> zu<br />

verdunsten. Hierdurch ist eine hohe<br />

Entwässerungsleistung gegeben,<br />

die dazu führt, dass bei der Vererdung<br />

nur rund 30–50 % der Restmenge<br />

einer maschinellen Entwässerung<br />

zur Verwertung gelangen.<br />

Darüber hinaus werden durch<br />

mikrobiologische Abbauprozesse<br />

während des Vererdungsprozesses<br />

organische Bestandteile im Klärschlamm<br />

mineralisiert.<br />

In der Folge kann je nach Qualität<br />

des aufgegebenen Schlamms<br />

die Volumenreduktion in einer Klärschlammvererdungsanlage<br />

bis zu<br />

97 % betragen.<br />

Als Endprodukt geht ein humoses,<br />

krümeliges, braun gefärbtes,<br />

erdiges Substrat hervor, das von seiner<br />

Struktur her mit einem humusreichen<br />

Kompost verglichen werden<br />

kann.<br />

Bild 1.<br />

Behandlungsschritte<br />

der<br />

Klärschlammentwässerung,<br />

konventionell<br />

und mittels<br />

Klärschlammvererdung.<br />

Verfahrensablauf und<br />

-beschreibung EKO-PLANT<br />

Klärschlammvererdung<br />

Bild 2 stellt die Verfahrensschritte<br />

bei der Klärschlammvererdung in<br />

ihrer zeitlichen Abfolge dar.<br />

Der Klärschlamm wird direkt aus<br />

dem Rücklaufschlamm der Kläranlage<br />

oder aus der Schlammvorlage<br />

der Kläranlage entnommen und<br />

gelangt über eine Pumpstation zur<br />

Klärschlammvererdungsanlage, wo<br />

er sich als Nassschlamm oberflächig<br />

verteilt. Die Beschickung erfolgt<br />

Oktober 2012<br />

1014 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


<strong>Abwasser</strong>behandlung<br />

FOKUS<br />

dabei nicht kontinuierlich auf alle<br />

Beete gleichzeitig, sondern aufeinander<br />

folgend jeweils auf einzelne<br />

Beete, ähnlich einer Mehrfelderwirtschaft.<br />

Die nicht beschickten Beete<br />

können in der Ruhephase dann<br />

abtrocknen. Das anfallende Filtratwasser<br />

wird über das Drainagesystem<br />

der Klärschlammvererdungsanlage<br />

abgezogen und über ein<br />

Pumpwerk zurück zur Kläranlage<br />

befördert und dort gereinigt, während<br />

die Feststoffe oberhalb der Filterschicht<br />

in den Beeten verbleiben.<br />

Im Anschluss an die mehrjährige<br />

kontinuierliche Beschickungsphase<br />

(in der Regel 6 – 10 Jahre) wird eine<br />

in der Regel halb- bis einjährige<br />

Trocknungs- und Vererdungsphase<br />

eingeführt, während der das Material<br />

zum einen getrocknet wird und<br />

gleichzeitig eine verstärkte Mineralisation<br />

einsetzt, bei der organisches<br />

Material veratmet wird. Während<br />

des gesamten Zeitraums findet eine<br />

kontinuierliche Nachentwässerung<br />

des Materials statt.<br />

Nach Beendigung der Vererdungsphase<br />

kann das Material entnommen<br />

und je nach Einsatzgebiet<br />

seiner Verwendung zugeführt werden.<br />

Die Verwertung des Materials<br />

erfolgt nach den dann gültigen<br />

gesetzlichen Bestimmungen. Bei<br />

Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften<br />

gemäß Abfall-Klärschlamm<br />

und Düngemittelverordnung<br />

wird meist eine landwirtschaftliche<br />

Verwertung angestrebt,<br />

da das Endprodukt aufgrund seiner<br />

humosen Struktur und hohen Phosphatgehalte<br />

bei Landwirten besonders<br />

große Akzeptanz besitzt.<br />

Die Räumung erfolgt jeweils nur<br />

in einem der Vererdungsbeete, die<br />

übrigen Beete nehmen weiterhin<br />

den Nassschlamm der Kläranlage<br />

auf, sodass jederzeit die Abnahme<br />

der kompletten Klärschlammmenge<br />

gewährleistet ist. Anschließend<br />

wird das Beet sofort wieder in<br />

Betrieb genommen, wobei das<br />

Schilf aus den im Beet verbleibenden<br />

Rhizomen neu austreibt. Eine<br />

Neubepflanzung der Beete ist daher<br />

in der Regel nicht erforderlich.<br />

Verfahrensspezifische<br />

Vorteile der EKO-PLANT<br />

Klärschlammvererdung<br />

EKO-PLANT Klärschlammvererdungsanlagen<br />

weisen gegenüber der landwirtschaftlichen<br />

Nassschlammausbringung<br />

oder maschinellen Entwässerungsverfahren<br />

eine Vielzahl<br />

verfahrensspezifischer Vorteile auf:<br />

1. Niedrige Betriebskosten:<br />

Der Energieverbrauch im laufenden<br />

Betrieb beschränkt sich auf<br />

das Pumpen von Klärschlamm<br />

und Filtrat sowie für die Steuerungs-,<br />

Mess- und Regeltechnik.<br />

Der Primärenergieeinsatz liegt<br />

rund 80–90 % unterhalb des<br />

Energiebedarfs einer mechanischen<br />

Entwässerung [1].<br />

Hilfs- und Betriebsstoffe für den<br />

Betrieb der Anlage (z. B. Kalk<br />

oder polyacrylamidhaltige Flockungshilfsmittel)<br />

werden in der<br />

Regel nicht benötigt.<br />

Die Betreuung ist deutlich weniger<br />

personalintensiv als bei<br />

maschinellen Entwässerungsverfahren.<br />

Da die Schlammbeschickung<br />

ganzjährig erfolgt, sind keine<br />

größeren Vorlagekapazitäten<br />

not wendig.<br />

2. Hohe Entwässerungseffizienz:<br />

Durch den zusätzlichen Abbau<br />

organischer Substanz im Verlauf<br />

des Vererdungs prozesses ist die<br />

tatsächliche Restmenge zur Verwertung<br />

geringer, als der TS-<br />

Gehalt der geräumten Klärschlämme<br />

erwarten lässt. Es<br />

können Trockenrückstandsäquivalente<br />

erreicht werden, die im<br />

Bereich zwischen 30 und 60 % TR<br />

liegen. Diese Werte lassen sich<br />

durch optionale Nachlagerung<br />

des Materials weiter erhöhen.<br />

3. In Klärschlammvererdungsbeeten<br />

herrschen gute Milieubedingungen<br />

für den mikrobiellen<br />

Abbau organischer Substanzen,<br />

auch potenziell vorhandene<br />

organische Schadstoffe im Klärschlamm<br />

werden gut abgebaut.<br />

In einem gemeinsamen Forschungsvorhaben<br />

mit der Universität<br />

Duisburg Essen und der<br />

Bild 2. Verfahrensablauf der Klärschlammentwässerung<br />

und -vererdung in schilfbepflanzten<br />

Schlamm trockenbeeten.<br />

EKO-PLANT GmbH wurde festgestellt,<br />

dass bei einigen wasserwirtschaftlich<br />

relevanten organischen<br />

Schadstoffen (z. B. DEHP,<br />

Triclosan) eine Entlastung der<br />

Umwelt um 50 – 90 % gegenüber<br />

einer Nassschlammabfuhr oder<br />

der konventionellen Klärschlammentwässerung<br />

und -ausbring ung<br />

erreicht werden kann [2, 3].<br />

4. Geringe Rückbelastung der Kläranlage:<br />

Filtratanalysen aus bestehenden<br />

Klärschlammvererdungsanlagen<br />

zeigen, dass die Belastung<br />

des Filtratwassers vergleichbar<br />

ist mit der Belastung aus häuslichem<br />

<strong>Abwasser</strong>. Grund hier für<br />

ist eine Vorreinigung des Sickerwassers<br />

durch die Schilfpflanzen<br />

(vergleichbar mit einem Re -<br />

tentionsboden filter). Damit ist<br />

das Filtrat einer Vererdungsanlage<br />

deutlich ge ringer belastet<br />

als das Zentrat aus einer<br />

<br />

Oktober 2012<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 1015


Fokus<br />

<strong>Abwasser</strong>behandlung<br />

Tabelle 1. Nährstoffkonzentrationen in Kommunalabwasser und Schlammwasser [4].<br />

Parameter<br />

Anzahl Analysenwerte Schlammwasser Analysenwerte Kommunalabwasser<br />

der Analy-<br />

sen<br />

Min – Max [mL/L] Mittelwert<br />

[mg/L]<br />

Min – Max [mL/L] Mittelwert<br />

[mg/L]<br />

BSB 5 66 12 – 3420 690 150 – 500 300<br />

CSB 79 70 – 28500 2.196 300 – 1000 600<br />

N ges 40 258 – 1810 1.025 k.A. k.A.<br />

NH 4 -N 72 66 – 1462 746 20 – 100 60<br />

P ges 64 0,4 – 1169 86 5 – 50 20<br />

Anmerkung: Die Werte der Tabelle beruhen auf begrenzten Umfragen des ATV-BDE/VKS-Fachausschusses<br />

3.2 bei Klärwerksbetreibern<br />

Tabelle 2. Übliche Nährstoffkonzentrationen von Filtrat<br />

aus Vererdungsanlagen [5].<br />

Parameter Filtrat aus Ver erdungsanlagen<br />

BSB 5 < 300<br />

CSB 200 – 600<br />

NH 4 -N < 100 – 200<br />

NO 3 -N < 150<br />

P ges < 20<br />

Anmerkung: Die Werte der Tabelle geben die üblichen<br />

Bereiche im Normalbetrieb von Klärschlammvererdungsanlagen<br />

an. In der angegebenen Bandbreite werden<br />

sowohl Anlagen mit aerob als auch mit anaerob stabilisierten<br />

Schlämmen berücksichtigt [5]<br />

Bild 3. Räumung des Schilfbeets.<br />

maschinellen Entwässerung.<br />

Außerdem fällt das Filtratwasser<br />

aus der Vererdung nicht stoßweise<br />

an, sondern kann kontinuierlich<br />

in geringen Mengen auf<br />

die Klär anlage zurückgenommen<br />

werden; bei geeigneter<br />

Mess- und Steuerungstechnik<br />

sogar in vorgegebenen Zeitfenstern,<br />

die sich optimal an den<br />

Tagesgang der Belastungssituation<br />

der Kläranlage anpassen<br />

lassen.<br />

In Tabelle 1 und 2 sind exemplarisch<br />

die Nährstoffkonzentrationen<br />

ungereinigten häuslichen<br />

<strong>Abwasser</strong>s denen von Prozesswässern<br />

aus mechanischen Entwässerungsanlagen<br />

und dem<br />

Filtrat aus Vererdungsanlagen<br />

gegenübergestellt.<br />

Lediglich beim Phosphat kann<br />

es zu Rücklösungen biologisch<br />

gebundenen Phosphats und<br />

daraufhin zu höheren Rücklaufbelastungen<br />

kommen, ein Effekt,<br />

der nicht vererdungsspezifisch<br />

ist, sondern z. B. auch schon bei<br />

der Stapelung von Bio-P-Schlämmen<br />

im Stapelbehälter auftritt<br />

und der bei der Planung berücksichtigt<br />

werden sollte.<br />

Ein zusätzlicher Filtratspeicher ist<br />

bei der EKO-PLANT Klärschlammvererdung<br />

nicht erforderlich, da<br />

aufgrund der baulichen Voraussetzungen<br />

im Filter- und Drainagesystem<br />

der Anlage Filtrat zwischengespeichert<br />

und nach<br />

Bedarf dosiert an die Kläranlage<br />

zurückgegeben werden kann.<br />

5. Qualitätssicherung „im System“:<br />

Die EKO-PLANT Klärschlammvererdung<br />

ist ein durch eine HDPE-<br />

Kunststoffdichtungsbahn zum<br />

Untergrund abgeschlossenes<br />

System. Potenzielle Schadstoffe<br />

werden von einer direkten und<br />

unkontrollierten Ausbringung in<br />

die Umwelt fern gehalten. Durch<br />

die Beprobung der Beete vor<br />

einer jeden Räumung erfolgt<br />

somit eine lückenlose Qualitätssicherung<br />

der zu verwertenden<br />

Klärschlämme.<br />

6. Verwertung:<br />

Der humose Charakter des Materials<br />

und seine hohe Pflanzenverträglichkeit<br />

führen zu einer<br />

hohen Akzeptanz des Endprodukts<br />

bei einer Verwertung in<br />

Landwirtschaft und Landschaftsbau<br />

(Bild 3).<br />

Inzwischen liegen EKO-PLANT<br />

Räumungsergebnisse aus mehr<br />

als 50 durchgeführten Beeträumungen<br />

und der Verwertung<br />

von rund 100 000 t Räumguts<br />

vor. Dabei wurden neben der<br />

landwirtschaftlichen Verwertung<br />

auch andere Verwertungswege<br />

wie die Kompostierung,<br />

die Verbrennung oder die Verwendung<br />

als Substrat im Bereich<br />

der Rekultivierung oder im Garten-<br />

und Landschaftsbau begangen.<br />

Aufgrund der stofflichen<br />

Qualität des Materials stehen in<br />

der Regel alle gesetzlich zugelassenen<br />

Verwertungswege offen.<br />

7. CO 2 -Einsparung:<br />

Die Entwässerung mittels Klärschlammvererdung<br />

verläuft ressourcenschonend.<br />

Da hier<br />

wesentlich geringere Restmengen<br />

zur Verwertung anfallen,<br />

entfällt ein großer Teil der Klärschlammtransporte<br />

und die<br />

damit verbundenen Emissionen.<br />

Zusätzlich entfallen durch den<br />

Verzicht auf Hilfs- und Betriebsstoffe<br />

die Transporte für Kalk<br />

oder Polymere sowie deren<br />

energieaufwendige Herstellung.<br />

So beträgt das Treibhauspotenzial<br />

der Klärschlammvererdung<br />

über einen betrachteten Lebenszyklus<br />

von 36 Jahren nur etwa<br />

1/5 des Treibhauspotenzials<br />

einer maschinellen Entwässerung.<br />

Dabei werden sowohl die<br />

Herstellung als auch die<br />

Betriebs- und Verwertungsaufwendungen<br />

berücksichtigt [1].<br />

Zudem wird eine mehrere tausend<br />

Quadratmeter große Schilf-<br />

Oktober 2012<br />

1016 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


<strong>Abwasser</strong>behandlung<br />

FOKUS<br />

fläche angelegt, wodurch ein<br />

künstliches Feuchtbiotop entsteht,<br />

das auch von Vögeln und<br />

Amphibien als Lebensraum<br />

genutzt werden kann. Eigene<br />

Untersuchungen haben gezeigt,<br />

dass in einem etablierten Schilfbestand<br />

einer Vererdungsanlage<br />

pro m² Vererdungsfläche rund<br />

7 m² grüne Blattfläche vorhanden<br />

sind. Die daraus zu erwartende<br />

CO 2 -Assimilation ist ebenfalls<br />

beträchtlich, aber schwierig<br />

zu bilanzieren. Untersuchungen<br />

von Lissner und Schierup [6] lassen<br />

erwarten, dass dadurch eine<br />

zusätzliche CO 2 -Assimilation in<br />

Höhe von bis zu 20 kg CO 2 /m²<br />

Vererdungsfläche bei mehrjährigem<br />

Schilfbestand stattfinden<br />

kann. Diese potenzielle Assimilationsleistung<br />

wurde in den bisherigen<br />

ökobilanziellen Untersuchungen<br />

noch nicht berücksichtigt.<br />

8. Kostenstabilität und -sicherheit:<br />

Die Vererdung hinterlässt nach<br />

Abschluss des Entwässerungsprozesses<br />

die geringste zu verwertende<br />

Restmenge, und dies<br />

bei sehr niedrigen Betriebskosten.<br />

Ein großer Teil der verfahrensspezifischen<br />

Gesamtkosten<br />

ist im Invest des Bauwerks festgelegt<br />

(rund 60 – 70 % der<br />

Gesamtkosten). Dadurch ist systemimmanent<br />

ein Großteil der<br />

Gesamtkosten des Verfahrens<br />

stabil gegenüber Preissteigerungen,<br />

denn nur rund 10 % der<br />

Gesamtkosten sind Betriebskosten.<br />

Dabei handelt es sich in der<br />

Regel um eigene Personalaufwendungen<br />

für die Auslösung<br />

des Beschickungsvorgangs,<br />

gelegentliche Kontrollgänge<br />

und die Pflege des Geländes.<br />

Zusätzliche Aufwendungen für<br />

Hilfs- und Betriebsmittel, die<br />

stark den Marktpreisen unterworfen<br />

sind, fallen abgesehen<br />

von den geringen Energieaufwendungen<br />

nicht an. Lediglich<br />

rund 20 – 30 % der Gesamtkosten<br />

fallen für die Räumung und<br />

Verwertung der Restmengen an<br />

und sind somit flexibel vom<br />

Marktgeschehen abhängig.<br />

Hohe Verwertungskosten wirken<br />

sich angesichts der geringen<br />

Restmengen nicht so stark aus<br />

wie bei Verfahren, bei denen<br />

größere Mengen zu entsorgen<br />

sind. Außerdem kann bei mehrjährigen<br />

Räumungsintervallen<br />

langfristig die Verwertung<br />

geplant werden, was sich ebenfalls<br />

günstig auf die Verwertungskosten<br />

auswirken kann.<br />

Zusammenfassung<br />

und Ausblick<br />

Das naturnahe Verfahren der<br />

Klärschlammentwässerung durch<br />

schilfbeplanzte Klärschlammverer-<br />

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Ausgezeichnete Technik<br />

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Fokus<br />

<strong>Abwasser</strong>behandlung<br />

dungsbeete ist als großtechnische<br />

Lösung seit 1991 (erste Anlage für<br />

die Nordseeinsel Norderney, Kläranlagenkapazität<br />

50 000 EW) etabliert.<br />

Somit liegen EKO-PLANT Betriebserfahrungen<br />

aus 20 Jahren großtechnischen<br />

Praxisbetriebs auf<br />

kommunalen Kläranlagen vor. Seit<br />

1991 wurden in Deutschland mehr<br />

als 100 Klärschlammvererdungsanlagen<br />

errichtet, mit Anschlussgrößen<br />

zwischen wenigen hundert EW<br />

bis hin zu rund 100 000 EW. Ebenso<br />

liegen bereits langjährige Erfahrungen<br />

aus den Betriebsphasen Räumung,<br />

Verwertung und Wiederinbetriebnahme<br />

vor, bei einigen An -<br />

lagen erfolgt bereits der zweite<br />

Räumzyklus. Somit konnte auch die<br />

Langlebigkeit und Wirtschaftlichkeit<br />

des Verfahrens über lange<br />

Betriebsperioden bestätigt werden.<br />

Begleitende Forschung und Entwicklungsvorhaben<br />

zur Charakterisierung<br />

und Verwertbarkeit des<br />

Endprodukts Klärschlammerde<br />

haben aufgezeigt, dass das Material<br />

in allen gesetzlich zulässigen Verwertungspfaden<br />

einsetzbar ist. Bisher<br />

wurden rund 50 Beete geräumt<br />

und 100 000 t Material verwertet.<br />

Dabei steigt die wirtschaftliche<br />

Vorteilhaftigkeit des Systems Klärschlammvererdung<br />

gegenüber<br />

anderen Entwässerungsverfahren<br />

umso mehr, je höher die Transportund<br />

Verwertungskosten liegen. Dies<br />

ist durch die geringen Restmengen<br />

am Ende des Vererdungsprozesses<br />

begründet. Mit erreichten TR-Äquivalenten<br />

von 30 – 60 % aus den<br />

bilanzierten Beeträumungen werden<br />

die Leistungen technischer Entwässerungsaggregate<br />

erreicht oder<br />

deutlich übertroffen.<br />

Durch die Behandlung in schilfbepflanzten<br />

Beeten, die Lebensgemeinschaften<br />

von Mikroorganismen<br />

gute Wachstumsbedingungen ermöglichen,<br />

durch die Langfristigkeit<br />

des Prozesses und zusätzliche UV-<br />

Einstrahlung der Sonne hat das Verfahren<br />

ein hohes Potenzial, im Klärschlamm<br />

vorhandene organische<br />

Schadstoffe zu reduzieren. Dabei<br />

wurde nachgewiesen, dass es sich<br />

um echte Abbauprozesse handelt<br />

und nicht etwa um Auswaschungen<br />

oder Entzug durch die Biomasse des<br />

Schilfbewuchses [2, 3].<br />

Die Klärschlammvererdung lässt<br />

sich in der Regel gut mit vorhandener<br />

Klärwerkstechnik kombinieren<br />

und sinnvoll steuerungstechnisch<br />

anbinden, sodass der betriebliche<br />

Aufwand weitgehend automatisiert<br />

werden kann. Im Zusammenhang<br />

mit Umbau- oder Erweiterungsplanungen<br />

von Kläranlagen lassen sich<br />

bei gleichzeitiger Projektierung<br />

einer Klärschlammvererdungsanlage<br />

verfahrenstechnische Synergien<br />

nutzen, z. B. können vorhandene<br />

Stapelvolumina sinnvoll integriert<br />

werden, auf Filtratwasser -<br />

speicher verzichtet werden o. ä.<br />

Wichtig ist in jedem Fall eine jeweils<br />

an die Kläranlagenbedürfnisse an -<br />

gepasste Planung, die berücksichtigt,<br />

dass <strong>Abwasser</strong>reinigung und<br />

Klärschlammbehandlung zwei Seiten<br />

einer Medaille sind und für ein<br />

erfolgreiches und wirtschaftliches<br />

Miteinander eng aufeinander abgestimmt<br />

sein müssen.<br />

Voraussetzung für die Errichtung<br />

einer Klärschlammvererdungsanlage<br />

ist das Vorhandensein ausreichender<br />

Flächen (Bedarf je nach<br />

Schlammqualität etwa 0,75 – 1,5 m²/<br />

EW). Dabei ist eine unmittelbare<br />

Nachbarschaft zur Kläranlage zwar<br />

wünschenswert, aber nicht unbedingt<br />

erforderlich, sondern sollte im<br />

Rahmen eines Wirtschaftlichkeitsvergleichs<br />

geprüft werden. In der<br />

Praxis wurden bereits auch großtechnische<br />

Anlagen in Entfernungen<br />

bis zu 6 km realisiert.<br />

Darüber hinaus sollte berücksichtigt<br />

werden, dass es sich bei der<br />

Klärschlammvererdung um ein<br />

naturnahes, ökologisches Verfahren<br />

handelt, das umfassende Kenntnisse<br />

sowohl der abwassertechnischen<br />

Verfahrenstechnik als auch<br />

der systemspezifischen physikalischen<br />

und grundlegenden biologischen<br />

Fragestellungen erfordert [7].<br />

Aus diesem Grund ist die<br />

betriebliche Begleitung durch<br />

erfahrenes, mit dieser Technik vertrautes<br />

Fachpersonal unerlässlich.<br />

Literatur<br />

[1] Vergleichende Ökobilanz Klärschlammvererdung<br />

vs. Maschinelle<br />

Entwässerung, (HAWK 9/2011). Studie<br />

der HAWK beim Vergleich verschiedener<br />

Klärschlammbehandlungsmethoden.<br />

[2] Gemeinsames Forschungsvorhaben<br />

von Universität Duisburg Essen und<br />

EKO-PLANT GmbH: Abbau von<br />

organischen Schadstoffen im Rahmen<br />

der Klärschlammvererdung,<br />

2006 – 2009, gefördert durch Pro-<br />

INNO II der AiF „Otto v. Guericke e. V.“<br />

[3] Abbau von organischen Schadstoffen<br />

bei der Klärschlammbehandlung<br />

in Pflanzenbeeten. KA Korrespondenz<br />

<strong>Abwasser</strong>, Abfall 58 (2011) Nr.<br />

10, S. 1050-1057.<br />

[4] Arbeitsbericht des ATV-BDE/VKS-<br />

Fachausschusses 3.2 „Stabilisation,<br />

Entseuchung, Eindickung, Entwässerung,<br />

und Konditionierung von<br />

Schlämmen“, Maschinelle Schlammentwässerung.<br />

Korrespondenz<br />

<strong>Abwasser</strong> 42 (1995) Nr. 2, S. 271-285.<br />

[5] Filtratuntersuchungsergebnisse aus<br />

70 Klärschlammvererdungsanlagen<br />

der EKO-PLANT GmbH im Normalbetrieb;<br />

1991 – 2011, EKO-PLANT<br />

GmbH, unveröffentlicht.<br />

[6] Lissner, Jørgen; Schierup, H.-H.; Comín,<br />

F.A.; Astorga, V.: Effects of climate on<br />

the salt tolerance of two Phragmitis<br />

australis populations. Aquatic<br />

Botany 64 (1999), p. 335-350.<br />

[7] Jordan, Rayko: Vegetative Behandlung<br />

anaerob stabilisierter Klärschlämme.<br />

Institut für Siedlungswasserwirtschaft,<br />

TU Braunschweig,<br />

Heft 73, Braunschweig 2006, S. 171.<br />

Kontakt:<br />

EKO-PLANT Entwicklungs- und Betriebsgesellschaft<br />

für ökotechnische Anlagen mbH,<br />

Karlsbrunnenstraße 11,<br />

D-37249 Neu-Eichenberg,<br />

Tel. (05542) 9361-0, Fax (05542) 9361-68,<br />

E-Mail: info@eko-plant.de,<br />

www.eko-plant.de<br />

Oktober 2012<br />

1018 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


<strong>Abwasser</strong>behandlung<br />

FOKUS<br />

Forschung zu Kurzumtriebsplantagen und<br />

<strong>Abwasser</strong>nutzung in Praxis umgesetzt<br />

Forschung zu erneuerbaren Energien<br />

und Energieholzanbau verknüpft<br />

mit der Nutzung von geklärten<br />

Abwässern setzen derzeit Wissenschaftler<br />

des Projekts ELaN in<br />

Zusammenarbeit mit den Berliner<br />

Stadtgütern GmbH um: Auf den<br />

ehemaligen Rieselfeldern Wansdorf<br />

im Nordosten von Berlin, nahe Henningsdorf,<br />

wurden im April diesen<br />

Jahres fünf Hektar Kurzumtriebsplantagen<br />

angelegt. Seit Anfang<br />

Mai werden dort verschiedene Teilabschnitte<br />

der an sich sehr trockenen<br />

Versuchsfläche unterschiedlich<br />

stark, aber bedarfsgerecht mit<br />

gereinigtem <strong>Abwasser</strong> des nahegelegenen<br />

Klärwerks Wansdorf beregnet.<br />

Das Pilotprojekt wurde am 23.<br />

August 2012 feierlich gestartet.<br />

Auf der Versuchsfläche in Wansdorf<br />

wird einerseits untersucht, ob<br />

sich die ehemaligen Rieselfelder als<br />

belastete Standorte für den Anbau<br />

von Kurzumtriebsplantagen eignen<br />

und welche <strong>Wasser</strong>menge die Pflanzen<br />

für ein optimales Wachstum<br />

benötigen. Dazu wird in regelmäßigen<br />

Abständen das Wachstum in<br />

den verschiedenen Bewässerungsstufen<br />

gemessen. Nach mehreren<br />

Jahren wird das Holz auf Inhaltstoffe<br />

untersucht, um festzustellen, ob die<br />

Pflanzen durch Schadstoffbindung<br />

zur Bodensanierung des Standorts<br />

beitragen können.<br />

Andererseits wird durch Grundund<br />

Sickerwasseruntersuchungen<br />

geprüft, ob die Bewässerung mit<br />

Klarwasser aus dem Vorfluter des<br />

Klärwerks Wansdorf keine negativen<br />

Auswirkungen auf den Grundwasserleiter<br />

unterhalb der Pflanzung<br />

hat. <strong>Sens</strong>ible Bewässerungssteuerung<br />

und Feuchtefühler im<br />

Boden sollen sicherstellen, dass<br />

nicht mehr <strong>Wasser</strong> auf der Fläche<br />

ausgebracht wird, als die Weiden,<br />

Pappeln, Erlen und Robinien aufnehmen<br />

können.<br />

Eigentümer wie Betreiber der<br />

Kurzumtriebsplantagen und der<br />

neu installierten Bewässerungsanlage<br />

auf den ehemaligen Rieselfeldern<br />

Wansdorf ist die Berliner Stadtgüter<br />

GmbH in Kooperation mit der<br />

Co:bios Energie GmbH und der Klärwerk<br />

Wansdorf GmbH. Die wissenschaftliche<br />

Betreuung findet in<br />

Zusammenarbeit mit der Hochschule<br />

für Nachhaltige Entwicklung<br />

(FH) Eberswalde (HNE) im Rahmen<br />

des Projekts ELaN statt, das vom<br />

Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung<br />

(ZALF) e. V. koordiniert<br />

wird.<br />

Kurzumtriebsplantagen – kurz<br />

KUP – sind Pflanzungen schnellwachsender<br />

Baumarten wie Pappel<br />

und Weide, aber auch Erle und Robinie,<br />

die in wenigen Jahren mehrere<br />

Meter hoch wachsen können. Das in<br />

Wansdorf produzierte Holz soll<br />

nach voraussichtlich drei Jahren<br />

<strong>Wasser</strong>aufbereitung GmbH<br />

Grasstraße 11 • 45356 Essen<br />

Telefon (02 01) 8 61 48-60<br />

Telefax (02 01) 8 61 48-48<br />

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geerntet und zu Hackschnitzeln verarbeitet<br />

werden. Anschließend<br />

nutzt es das Biomasseheizkraftwerk<br />

Henningsdorf zur Energieproduktion<br />

durch Verbrennung. Nach der<br />

Ernte treiben die Pflanzen wieder<br />

aus und können in der Folge wiederholt<br />

genutzt werden.<br />

Das Verbundprojekt ELaN<br />

beschäftigt sich mit der Entwicklung<br />

neuer Landmanagementkonzepte<br />

für das Berliner Umland und<br />

Brandenburg durch eine nachhaltige<br />

<strong>Wasser</strong>- und Stoffnutzung.<br />

Kontakt:<br />

Leibniz-Zentrum für<br />

Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e. V.,<br />

Eberswalder Straße 84,<br />

D-15374 Müncheberg,<br />

Tel. (033432) 82-0,<br />

Fax (033432) 82-212<br />

Beregnung der<br />

Pilotfläche in<br />

Wansdorf.<br />

Oktober 2012<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 1019


Fokus<br />

<strong>Abwasser</strong>behandlung<br />

Filtration von <strong>Abwasser</strong> in der Therme Wien<br />

Die Therme in Oberlaa ist das größte Thermalbad Wiens. Neben der großzügigen Thermenlandschaft gibt es<br />

auch ein medizinisches Therapiezentrum und ein modernes Fitnesszentrum. Die Therme Wien wurde im Herbst<br />

2010 eröffnet und ist mit 75 000 m² eine der modernsten Stadtthermen in Europa. Seit kurzem sorgt ein patentierter<br />

automatischer Rückspülfilter von Lenzing Technik für Betriebssicherheit und ein sauberes <strong>Abwasser</strong>.<br />

Plattenwärmetauscher der Therme.<br />

Verschmutzte Wärmetauscher-Platten/Schmutzablagerungen.<br />

Derzeit sind zwei schwefelhaltige<br />

Thermalquellen in Betrieb. Um<br />

den Bade- und Therapiebetrieb aufrecht<br />

halten zu können, ist eine<br />

umfangreiche und sichere <strong>Wasser</strong>aufbereitung<br />

erforderlich. Bei der<br />

Inbetriebnahme der Anlage stellte<br />

sich heraus, dass der Plattenwärmetauscher<br />

in der Wärmerückgewinnung<br />

nach 14 Tagen Betrieb verlegt<br />

war. Grund für die Verblockung war<br />

der Schwefel, der in Verbindung mit<br />

dem Luftsauerstoff in verschiedenen<br />

chemischen Verbindungen<br />

ausfällt und sich an die Platten<br />

angelagert hatte. Dazu kommen<br />

Verschmutzungen aus dem Bade -<br />

betrieb. Diese reichen von Haaren,<br />

Schuppen, Fett bis hin zu Kaugummi<br />

und anderen Verunreinigungen.<br />

Da die Reinigung eines solchen<br />

Wärmetauschers manuell durchgeführt<br />

werden muss, ist sie sehr zeitaufwendig.<br />

Weiterhin ist bei jedem<br />

Öffnen ein Dichtungswechsel erforderlich.<br />

Daraus resultieren sehr<br />

hohe Kosten. Mit einem Ausfall des<br />

Wärmetauschers während der Wartung<br />

von mindestens einer Woche<br />

muss gerechnet werden.<br />

Seitens des Betreibers der<br />

Therme wurde nun nach einer<br />

Lösung gesucht, um den Wärmetauscher<br />

zukünftig vor Verblockung<br />

schützen zu können.<br />

Automatischer Rückspülfilter<br />

Lenzing OptiFil<br />

Für eine mehrmonatige Testphase<br />

wurde deshalb ein patentierter<br />

automatischer Rückspülfilter vom<br />

Typ OptiFil der Lenzing Technik für<br />

diese Applikation installiert. Die<br />

maximal anfallende <strong>Wasser</strong>menge<br />

liegt bei rund 270 Kubikmetern in<br />

der Stunde. Die eingesetzte Filterfeinheit<br />

beträgt 30 Mikrometer.<br />

Bei Volllast erfolgt etwa alle 15<br />

Minuten eine automatische Rückspülung.<br />

Das Lenzing System zeichnet<br />

sich bedingt durch die einzigartige<br />

Technologie mit einer äußerst<br />

geringen Rückspülmenge von rund<br />

0,6 % der Durchsatzmenge aus.<br />

Zusätzlich zur sehr ressourcenschonenden<br />

Filtration des Thermalabwassers<br />

wurde während des gesamten<br />

Testzeitraumes kein Anstieg des<br />

Differenzdruckes über den Wärmetauscher<br />

festgestellt. – Dies ist ein<br />

Beweis für die perfekte Ausschleusung<br />

von Verunreinigungen.<br />

So kann ein sicherer Betrieb der<br />

Wärmerückgewinnung sichergestellt<br />

werden. Die Investition des Filters<br />

rechnet sich über den gesparten<br />

Manipulationsaufwand beim<br />

Reinigen des Wärmetauschers in<br />

kürzester Zeit.<br />

Weitere Vorteile dieses Filtersystems<br />

sind der geringe Platzbedarf<br />

und sehr niedrige Betriebskosten.<br />

Der Lenzing OptiFil ist besonders<br />

gut für Applikationen einsetzbar,<br />

bei denen stark schwankende<br />

Durchsätze und Feststoffkonzentrationen<br />

herrschen. Durch die differenzdruckgesteuerte,<br />

automatische<br />

Abreinigung stellt er sich auf den<br />

vorherrschenden Betriebszustand<br />

ein und sorgt so für einen sicheren<br />

Betrieb bei gleichbleibender Qualität<br />

des filtrierten Mediums. Der Filter<br />

wurde in der Zwischenzeit von<br />

der Therme Wien übernommen und<br />

ist fest in die Anlage eingebunden.<br />

Filtrations- und Separationstechnik<br />

der Lenzing Technik<br />

Die Filtrationsexperten der Lenzing<br />

Technik sind mit ihrem breiten Wissen<br />

und ihrer Erfahrung in den<br />

unterschiedlichsten Anwendungen<br />

Oktober 2012<br />

1020 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


<strong>Abwasser</strong>behandlung<br />

FOKUS<br />

Kontakt:<br />

Ing. Mag. Robert Canins,<br />

Marketing Manager,<br />

Lenzing Group – Business Unit Engineering,<br />

Tel. +43 (0) 7672 701-2311,<br />

E-Mail: r.canins@lenzing.com<br />

Ing. Klaus Brandt,<br />

Vertrieb Filtrations- und Separationstechnik,<br />

Lenzing Group – Business Unit Engineering,<br />

Tel. +43 (0) 7672 701-3816,<br />

E-Mail: k.brandt@lenzing.com,<br />

http://www.lenzing.com/technik<br />

Der Lenzing OptiFil im Dauerbetrieb.<br />

Mehrmonatige Testphase für<br />

sicheren Echtbetrieb.<br />

und Märkten gefragt – egal ob es<br />

die Filtration von Entfettungsbädern<br />

bei Volkswagen, die Herstellung<br />

von Flachbildschirmfolien, die<br />

Abscheidung von Partikeln aus Prozesswässern<br />

oder eine andere kundenspezifische<br />

Filtrationsaufgabe<br />

ist.<br />

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INNOVATIVE FILTERTECHNOLOGIE<br />

Sphärische Hochleistungsadsorbenzien für maßgeschneiderte Filtrationslösungen.<br />

FILTRATION VON FLÜSSIGKEITEN<br />

· Reinstwasser<br />

· TOC<br />

· Dechlorierung<br />

· MTBE- und Schwermetallentfernung<br />

· Entfernung von Röntgen kontrastmitteln<br />

FILTRATION VON GASEN<br />

· Kabinenluftfiltration<br />

· Toxische Luftbestandteile<br />

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Oktober 2012<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 1021


Fokus<br />

<strong>Abwasser</strong>behandlung<br />

TU Berlin: Hauptstadtfluss soll sauberer werden<br />

Start der Pilotanlage des Projekts SPREE 2011<br />

In den zwanziger Jahren erfreuten<br />

mehr als 30 Badeanstalten an der<br />

Spree die Herzen der Berliner, die<br />

sich in den Sommermonaten eine<br />

Abkühlung gönnten. Doch aufgrund<br />

einer starken <strong>Wasser</strong>verschmutzung,<br />

durch Industrieabwässer<br />

verursacht, wurde das Baden im<br />

Fluss 1925 endgültig verboten. Der<br />

Traum vom Baden in der Spree<br />

könnte aber bald wieder wahr werden.<br />

Denn am 14. September 2012<br />

wurde eine fast 50 Meter lange<br />

Pilotanlage, die das Mischwasser<br />

daran hindern soll, in die Spree zu<br />

fließen, am Osthafen in der Nähe<br />

der Oberbaumbrücke eingeweiht.<br />

Die TU Berlin wird nach dem Startschuss<br />

den Betrieb der Anlage wissenschaftlich<br />

begleiten.<br />

Starke Regenfälle bringen die<br />

Berliner Kanalisation regelmäßig<br />

zum Überlaufen. Über die Notausläufe<br />

gelangt das dreckige Mischwasser,<br />

das sich aus Regenwasser,<br />

Abwässern, Fäkalien und Straßenschmutz<br />

zusammensetzt, in die<br />

Spree und trägt stark zur Verschlechterung<br />

der <strong>Wasser</strong>qualität<br />

bei. Die Pilotanlage der Firma LURI.<br />

watersystems.GmbH der Initiative<br />

SPREE 2011 wird direkt an eine<br />

Mischwasserentlastungsstelle un -<br />

ter halb der <strong>Wasser</strong>linie angeschlossen<br />

und soll das Mischwasser, das<br />

eigentlich in die Spree eingeleitet<br />

wird, zwischenspeichern. Wenn die<br />

Kanalisation wieder ausreichend<br />

Aufnahmekapazität besitzt, kann<br />

das <strong>Wasser</strong> zurück in die Kanalisation<br />

gepumpt und im Klärwerk<br />

gereinigt werden.<br />

Das Mischwasserspeichersystem<br />

aus Glasfaserrohren und Stahlträgern<br />

hat ein Speichervolumen von<br />

rund 460 Kubikmetern und besteht<br />

aus drei parallel liegenden Strängen,<br />

die jeweils aus vier Modulen<br />

zusammengesetzt sind. Die Konstruktion<br />

besteht aus Röhren, die<br />

in einer Stahlrahmenkonstruktion<br />

Die TU Berlin wird den Betrieb des Mischwasserspeichersystems wissenschaftlich<br />

unter der Leitung von Prof. Dr.-Ing. Matthias Barjenbruch<br />

vom Fachgebiet Siedlungswasserwirtschaft begleiten. © Kober<br />

fixiert sind. Die gesamte Anlage ist<br />

48,5 Meter lang, 9,2 Meter breit und<br />

4,3 Meter hoch. Das System lässt<br />

sich schnell konstruieren und ist<br />

kostengünstiger als der Bau zusätzlicher<br />

unterirdischer Behälter. Zwei<br />

Jahre lang soll die Anlage getestet<br />

werden. Die Spree fließt sehr langsam,<br />

was die Verschmutzung fördert.<br />

Im Extremfall kommt es zu<br />

Fischsterben. Um die Spree zwischen<br />

Allianz-Gebäude am Treptower<br />

Park und Mühlendamm in Berlin<br />

Mitte wieder zum Badefluss zu<br />

machen, wären 14 Anlagen mit der<br />

neuen Technologie nötig.<br />

Die TU-Fachgebiete Siedlungswasserwirtschaft,<br />

Baustoffe und<br />

Baustoffprüfung, Grundbau und<br />

Bodenmechanik sowie <strong>Wasser</strong>wirtschaft<br />

und Hydroinformatik waren<br />

an der Vorbereitung des Projekts<br />

beteiligt. Die TU Berlin wird den<br />

Betrieb der Anlage wissenschaftlich<br />

unter der Leitung von Prof. Dr.-Ing.<br />

Barjenbruch vom Fachgebiet Siedlungswasserwirtschaft<br />

begleiten<br />

und zum Beispiel die Einstellungen<br />

der Spülklappen, welche für die Reinigung<br />

der Anlage verantwortlich<br />

sind, optimieren.<br />

Das Bundesministerium für Bildung<br />

und Forschung sowie die Stiftung<br />

Zukunft Berlin fördern das Projekt.<br />

An der Entwicklung der Anlage<br />

waren neben der TU Berlin die Berliner<br />

<strong>Wasser</strong>betriebe, das Kompetenzzentrum<br />

<strong>Wasser</strong> Berlin und acht<br />

Ingenieurbüros beteiligt.<br />

Im Rahmen des Projekts SPREE<br />

2011 hat das Fachgebiet Siedlungswasserwirtschaft<br />

der TU Berlin<br />

außerdem das Actiflo®-Verfahren<br />

der Firma Veolia Krüger Wabag<br />

getestet. Es ist ein weitergehendes<br />

Verfahren bei der Mischwasserbehandlung<br />

und beruht auf einer mikrosandunterstützten<br />

Flockung mit<br />

anschließender Sedimentation, also<br />

dem Ablagern am Boden.<br />

Kontakt:<br />

Paul Kober, Fachgebiet Siedlungswasserwirtschaft<br />

der TU Berlin,<br />

Tel. (030) 314 - 72038,<br />

E-Mail: paul.kober@tu-berlin.de<br />

Oktober 2012<br />

1022 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


<strong>Abwasser</strong>behandlung<br />

FOKUS<br />

Umwelt geschont und Gebühren reduziert:<br />

D-Rainclean® schützt Grundwasser in Frankenberg<br />

Bei großen versiegelten Flächen<br />

mit Verkehrsaufkommen ist die<br />

Entwässerung ein wichtiges Thema.<br />

So auch bei der Erweiterung eines<br />

Firmenparkplatzes im hessischen<br />

Frankenberg, bei der die bestehende<br />

Fläche mit 301 Stellplätzen<br />

um 118 Parkplätze erweitert worden<br />

ist. Für die Versickerung des<br />

anfallenden Oberflächenwassers<br />

wurde das D-Rainclean®-System der<br />

Funke Kunststoffe GmbH eingesetzt.<br />

Das Besondere an dem Produkt:<br />

Die PP-Sickermulde mit dem<br />

dazu gehörigen Substrat stellt eine<br />

professionelle und wirtschaftliche<br />

Lösung für den Umgang mit belastetem<br />

Oberflächenwasser dar.<br />

D-Rainclean® nimmt das mit Schadstoffen<br />

verschmutzte Regenwasser<br />

auf und gibt es nach der Filterung<br />

und Adsorption in unbedenklichem<br />

Zustand an den Boden ab. Es erfüllt<br />

somit die Anforderungen des DWA-<br />

Arbeitsblattes A 138 und hilft dem<br />

Betreiber, langfristig Kosten zu sparen:<br />

Die Einleitung in das öffentliche<br />

Kanalnetz entfällt.<br />

Ein vernünftiger und moderner<br />

Umgang mit Niederschlagswasser –<br />

das war das ausdrückliche Ziel des<br />

Bauherrn bei der Erweiterung des<br />

Bestandsparkplatzes am Standort<br />

Frankenberg. Bis dato war das<br />

Regenwasser von dem bestehenden,<br />

9120 m² großen Areal natürlich<br />

über eine Schotterrigole und die<br />

angrenzende Wiesenfläche versickert<br />

worden. Mit der vorgesehenen<br />

Erweiterung um 2591 m² und<br />

118 Stellflächen war jedoch ein<br />

neues Konzept notwendig geworden.<br />

Das Niederschlagswasser sollte<br />

ortsnah versickert werden, so die<br />

Grundüberlegung. „Bei Parkplätzen<br />

dieser Größenordnung ist eine<br />

detaillierte Abstimmung mit der<br />

zuständigen <strong>Wasser</strong>behörde erforderlich,<br />

die über die Erlaubnis der<br />

Einleitung in den Untergrund entscheidet“,<br />

erläutert Otmar Wolff<br />

vom <strong>Abwasser</strong>werk Frankenberg,<br />

Eigenbetrieb der Stadt Frankenberg<br />

(Eder). Für Wolff ist „Regenwasser<br />

ein Gut, das geschützt werden<br />

muss. Da das Oberflächenwasser<br />

auf Parkbereichen oft verschmutzt<br />

ist, mussten wir hier die entsprechenden<br />

Vorkehrungen treffen.“<br />

Gemeinsame Entscheidung<br />

Der Experte ließ den Bauherrn deshalb<br />

auch sprichwörtlich „nicht im<br />

Regen stehen“, als diese sich zusammen<br />

mit Planer Dipl.-Ing. Architekt<br />

Gerd Eitelberger von der RSE Planungsgesellschaft<br />

mbH an ihn<br />

wandte. Nach Rücksprache mit dem<br />

Technischen Leiter des <strong>Abwasser</strong>werkes,<br />

Dipl.-Ing. Volker Ashauer,<br />

prüfte Wolff die Gegebenheiten vor<br />

Ort am Druck- und Spritzgusswerk.<br />

Wolff: „In einem weiteren Schritt<br />

haben wir den Funke-Fachberater<br />

Martin Ritting zu den Diskussionen<br />

hinzugezogen. Er hat ein Entwässerungskonzept<br />

mit D-Rainclean ®<br />

erstellt.“ Es folgte ein Bodengutachten,<br />

das grundsätzlich die Versickerungsfähigkeit<br />

auf dem Gelände<br />

gem. technischem Regelwerk<br />

(DWA-A 138) bestätigte. „Ein in diesem<br />

Zusammenhang kritischer<br />

Parameter stellt der Mindestabstand<br />

von 1,0 m zwischen der unte-<br />

<br />

130 m der D-Rainclean ® -Sickermulde sorgen auf<br />

dem erweiterten Parkplatz in Frankenberg für die<br />

Entwässerung und die umweltfreundliche Einleitung<br />

von Niederschlagsabflüssen in das Grundwasser.<br />

Alle Abbildungen: Funke Kunststoffe GmbH<br />

Oktober 2012<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 1023<br />

Die Sickermulde<br />

in der<br />

offenen Variante<br />

kann<br />

nachträglich<br />

begrünt werden.<br />

Insgesamt<br />

werden 11 700<br />

m² Parkplatzfläche<br />

über<br />

D-Rain clean ®<br />

entwässert.


Fokus<br />

<strong>Abwasser</strong>behandlung<br />

Zwei Säcke<br />

Substrat<br />

werden pro<br />

Sickermulde<br />

eingesetzt.<br />

dafür, dass nun weniger Substrat<br />

dieselbe Wirkungsweise hat. Zudem<br />

hat sich gleichzeitig die Anschlussfläche<br />

erhöht. Das alles macht den<br />

Einsatz preislich noch attraktiver“,<br />

erklärt Funke-Fachberater Dipl.-Ing.<br />

Martin Ritting.<br />

ren Begrenzung der Versickerungsanlagen<br />

und dem Grundwasserspiegel<br />

dar“, so Ashauer. Da der<br />

Grundwasserspiegel in der Edertalaue<br />

jedoch starke Schwankungen<br />

und zeitweise geringe Flurabstände<br />

aufweist, kamen nur relativ<br />

flache Rigolen mit maximalen Einbindetiefen<br />

von 1,4 m in Betracht.<br />

Versickerungsschächte hätten auf<br />

dem Gelände zum Beispiel nicht<br />

umgesetzt werden können.“<br />

Erwartungsgemäß passte die<br />

Sickermulde D-Rainclean ® von<br />

Funke mit ihrer Höhe von 37 cm,<br />

ihrer Breite von 40 cm und ihrer<br />

Länge von 50 cm perfekt in das Konzept.<br />

Die Untersuchungen haben<br />

bestätigt: Eine oberflächennahe<br />

Versickerung und der Einsatz der<br />

D-Rainclean ® -Sickermulde stellte<br />

unter den gegebenen Rahmenbedingungen<br />

die wirtschaftlichste<br />

und ökologischste Variante dar.<br />

Jetzt konnte beim Regierungspräsidium<br />

Kassel der Antrag auf Einleitung<br />

von unbelastetem Niederschlagswasser<br />

in den Untergrund<br />

gestellt werden. Mit der Auflage,<br />

dass die Versickerungsmulde regelmäßig<br />

alle sechs Jahre überprüft<br />

wird, kam das „Okay“ aus Kassel<br />

relativ zügig. Für die Beteiligten<br />

nicht überraschend, denn das Muldensystem,<br />

das dem Versickerungskonzept<br />

zugrunde liegt, ist bereits<br />

seit 2002 auf dem Markt und hat<br />

sich seither bei dem sensiblen<br />

Umgang mit belastetem Oberflächenwasser<br />

in der Praxis bestens<br />

bewährt. Erst 2011 ist die DIBt-<br />

Zulassung aufgrund der langjährigen<br />

positiven Erfahrungen um fünf<br />

Jahre verlängert worden. Planer<br />

Eitelberger: „D-Rainclean ® mit dem<br />

dazu gehörigen Substrat filtert und<br />

adsorbiert zuverlässig Schadstoffe<br />

aus dem Niederschlagswasser.<br />

Tropföl wird sogar nahezu komplett<br />

abgebaut. Böden und Grundwasser<br />

werden auf diese Weise von Öl,<br />

Abgasen, Reifenabrieb und was<br />

sonst noch in die Niederschlagsabflüsse<br />

gelangt, geschützt.“ Damit<br />

entspricht D-Rainclean ® den Forderungen<br />

gemäß Regelwerk DWA<br />

A-138 für belastetes Oberflächenwasser.<br />

Produkt weiter optimiert<br />

Nicht nur für die Umwelt, sondern<br />

auch für den Betreiber ist das System<br />

ein Gewinn. Und das im wahrsten<br />

Sinne, denn im Vergleich mit<br />

einer Entwässerung über das kommunale<br />

Kanalnetz werden die<br />

erheblichen Einleitungskosten eingespart.<br />

Dabei sind die Wartungskosten<br />

der Sickermulde gering. Die<br />

Standzeit des Substrats liegt laut<br />

Hersteller selbst bei starker Belastung,<br />

wie sie auf Parkplätzen mit<br />

häufigem Fahrzeugwechsel vorkommt,<br />

bei 15 Jahren. „Außerdem<br />

haben wir das Produkt weiter optimiert.<br />

Eine neue Rezeptur sorgt<br />

Einbau ein Kinderspiel<br />

Der Einbau sei denkbar einfach<br />

gewesen, sagt Erich Muth,<br />

Geschäftsführer der Heinrich Naumann<br />

GmbH & Co. KG Bauunternehmung,<br />

die zunächst den Auftrag für<br />

die Erstellung des Parkplatzes erhalten<br />

hatte und später dann auch die<br />

Mulden eingesetzt hat: „Nach der<br />

Ausschachtung haben wir den<br />

Unterbau mit etwa 5 cm Splitt<br />

erstellt. Danach wurden die Mulden<br />

höhen- und fluchtgerecht aufgestellt.<br />

Ihre breite Auflagefläche und<br />

ein einfacher Verbindungsmechanismus<br />

haben ebenfalls zum reibungslosen<br />

Einbau beigetragen,<br />

der nach Vorgabe des Herstellers<br />

mit einer entsprechenden Betonrückenstütze<br />

ausgeführt wurde. Pro<br />

Mulde haben wir zwei Säcke Substrat<br />

eingefüllt. Mit etwas Abstand<br />

haben wir dann das Tiefbord erstellt.<br />

Der Zwischenraum ermöglicht es,<br />

dass das <strong>Wasser</strong> von der Asphaltfläche<br />

des Parkplatzes in die Sickermulde<br />

fließen kann.“<br />

Die an dem Bauvorhaben in<br />

Frankenberg Beteiligten haben sich<br />

für die offene Variante der Sickermulde<br />

entschieden, die nachträglich<br />

noch begrünt werden kann. 130<br />

Einheiten der D-Rainclean®-<br />

Sickermulde sind auf diese Weise in<br />

Frankenberg verbaut worden. In<br />

solch großen Mengen hat der Lieferant,<br />

die Balzer GmbH & Co. KG, die<br />

Sickermulde allerdings nicht auf<br />

Lager. Laut Gerd Dehnert von der<br />

Balzer GmbH war dies allerdings<br />

überhaupt kein Problem. Er ist mit<br />

dem Service von Funke sehr zufrieden:<br />

„Wir bestellen nach Auftragseingang<br />

und den Angaben des ausführenden<br />

Unternehmens. Funke<br />

hat das Material dann schnell und<br />

zuverlässig direkt auf die Baustelle<br />

geliefert.“<br />

Oktober 2012<br />

1024 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


<strong>Abwasser</strong>behandlung<br />

FOKUS<br />

Die Beteiligten sind sich nach<br />

Abschluss der Arbeiten einig, dass<br />

D-Rainclean® eine wirtschaftliche<br />

und umweltfreundliche Lösung zur<br />

Entwässerung des Parkplatzes in<br />

Frankenberg ist.<br />

Baubesprechung: Dipl.-Ing. Volker Ashauer und Otmar Wolff vom<br />

<strong>Abwasser</strong>werk Frankenberg, Eigenbetrieb der Stadt Frankenberg (Eder),<br />

Funke-Fachberater Dipl.-Ing. Martin Ritting, Planer Dipl.-Ing. Gerd Eitelberger<br />

und D-Rainclean ® -Lieferant Gerd Dehnert (v. l.).<br />

Kontakt:<br />

Funke Kunststoffe GmbH,<br />

Siegenbeckstraße 15,<br />

D-59071 Hamm-Uentrop,<br />

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die eine exakte Erfassung des Lösewassers<br />

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gleichbleibende Lösungskonzentra-<br />

tion gewährleistet. Die zudosierte<br />

Polymermenge ist proportional zu<br />

der erfassten <strong>Wasser</strong>menge. Der<br />

Schaltschrank ist mit einer speicherprogrammierbaren<br />

Steuerung zur<br />

Steuerung und Überwachung der<br />

kompletten Anlage ausgestattet.<br />

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Ansetzkonzentration durch die<br />

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Oktober 2012<br />

1026 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


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Oktober 2012<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 1027


Nachrichten<br />

Branche<br />

Qualität der <strong>Wasser</strong>versorgung in Deutschland<br />

auf internationalem Spitzenniveau<br />

© Messe Dresden.<br />

Die Qualität der Trinkwasserversorgung<br />

in Deutschland befindet<br />

sich in puncto Sicherheit, Qualität<br />

und Nachhaltigkeit im europäischen<br />

wie weltweiten Vergleich auf<br />

einem Spitzenniveau. Dies muss<br />

gehalten und ausgebaut werden –<br />

auch in Zeiten, in denen mehr über<br />

den Preis als über die Qualität diskutiert<br />

wird.“ Dies bekräftigte der Vizepräsident<br />

<strong>Wasser</strong> des DVGW Deutscher<br />

Verein des Gas- und <strong>Wasser</strong>faches,<br />

Dr.-Ing. Georg Grunwald, auf<br />

dem Pressegespräch zur Eröffnung<br />

der 66. <strong>Wasser</strong>fachlichen Aussprachetagung<br />

(wat 2012) am 24. September<br />

2012 in Dresden.<br />

In diesem Sinne gelte es, die<br />

neuen Herausforderungen zu<br />

erkennen, die sich mit Blick auf den<br />

Schutz der Ressourcen, die Qualität<br />

des Trinkwassers und den abnehmenden<br />

<strong>Wasser</strong>gebrauch stellen.<br />

Zudem sei es von entscheidender<br />

Bedeutung, Maßstäbe und Instrumente<br />

zu entwickeln und zu etablieren,<br />

um die Leistungsfähigkeit<br />

und die Wirtschaftlichkeit der <strong>Wasser</strong>versorgung<br />

objektiv bewerten<br />

und diskutieren zu können, machte<br />

Grunwald deutlich.<br />

Angesichts einer weiter zu<br />

erwartenden Steigerung der Biomasseproduktion<br />

sei mit einer weiteren<br />

Zunahme von Nährstoffeinträgen,<br />

Belastungen durch Pflanzenschutzmittel<br />

und Einträgen<br />

organischer Schadstoffe in die<br />

Gewässer zu rechnen. Hier bedürfe<br />

es aus Sicht des DVGW einer Überprüfung.<br />

Denn ohne Korrekturen sei<br />

der nachhaltige Schutz des Grundwassers<br />

gefährdet.<br />

Ähnlich wie beim Biogas hat die<br />

Geothermie, also die Nutzung von<br />

Erdwärme, in den letzten Jahren<br />

gleichfalls einen enormen Zuwachs<br />

erlebt. Derzeit gibt es für die Nutzung<br />

der oberflächennahen Geothermie<br />

rund 265 000 Anlagen in<br />

Deutschland. Allein 2011 gab es<br />

einen Zuwachs von über 24 000<br />

Neuanlagen. Der DVGW-Vizepräsident:<br />

„Natürlich steht auch hier der<br />

positive Effekt als regenerative<br />

Energiequelle zunächst im Vordergrund.<br />

Gerade bei der oberflächennahen<br />

Geothermie sind jedoch<br />

auch die Gefährdungen für die<br />

Grundwasserqualität zu beachten.<br />

Aus Sicht des DVGW ist es zwingend<br />

erforderlich, dass bei den Bohrungen<br />

qualifizierte Unternehmen eingesetzt<br />

werden. Der DVGW setzt<br />

sich dafür ein, dass der vorbeugende<br />

Gewässerschutz auch in den<br />

Genehmigungsverfahren zum Ausdruck<br />

kommt.“<br />

Die stärkste öffentliche Wahrnehmung<br />

beim Thema „Trinkwasserqualität“<br />

erfahren derzeit die<br />

anthropogenen Spurenstoffe.<br />

Zwangsläufig fänden sich viele der<br />

in einer Industriegesellschaft produzierten<br />

und verwendeten Stoffe<br />

auch im Rohwasser und in Spuren<br />

auch im Trinkwasser, betonte Grunwald.<br />

Selbstverständlich kollidiere<br />

die Existenz anthropogener Spurenstoffe<br />

mit dem Leitbild des reinen<br />

Trinkwassers. Diese Stoffe gehörten<br />

nicht ins Trinkwasser. Die Frage sei:<br />

Wird das Trinkwasser auch weiterhin<br />

dem Anspruch des bestkontrollierten<br />

und sichersten Lebensmittels<br />

gerecht? Die klare Antwort<br />

laute: Ja. Es sei notwendig, zwischen<br />

Unerwünschtheit und gesundheitlicher<br />

Relevanz zu unterscheiden.<br />

„Der DVGW ist sehr daran interessiert,<br />

das Spektrum der im Grundwasser<br />

und im Trinkwasser vorkommenden<br />

Verbindungen systematisch<br />

auf ihre humantoxikologische<br />

Relevanz zu bewerten. Dazu brauchen<br />

wir eine unabhängige zentrale<br />

Stelle in Deutschland, die künftig<br />

bundesweit verbindliche Bewertungen<br />

der gesundheitlichen Relevanz<br />

zu Krankheitserregern und Spurenstoffen<br />

in Trinkwasser vornimmt“,<br />

bekräftigte Grunwald. Dadurch sollten<br />

alle Akteure – <strong>Wasser</strong>versorger,<br />

Vollzugs- und Aufsichtsbehörden<br />

und auch die Verbraucher – Bewertungs-<br />

und Handlungssicherheit<br />

erhalten.<br />

Als objektive Instanz der technischen<br />

Selbstverwaltung beteilige<br />

sich der DVGW nicht an der politischen<br />

Diskussion der <strong>Wasser</strong>preise,<br />

so Grunwald. Es gehe vielmehr<br />

darum, die zum Teil erheblichen<br />

strukturellen Unterschiede zwischen<br />

den Einzelversorgungsunternehmen<br />

objektiv beschreiben zu<br />

können, damit eben nicht „Äpfel mit<br />

Birnen“ verglichen würden. Es seien<br />

inzwischen Strukturmerkmale entwickelt<br />

und veröffentlicht worden,<br />

die standardmäßig bei Preisvergleichen<br />

berücksichtigt werden sollten.<br />

Aktuell sei ein Projekt beschlossen,<br />

Hauptkennzahlen zu definieren, die<br />

dann mit den Organisatoren der<br />

verschiedenen Benchmarkingprojekte<br />

vereinbart werden sollten, um<br />

die Gesamtheit der Ergebnisse besser<br />

nutzen zu können. „So trägt der<br />

DVGW in einem stark politisch orientierten<br />

Thema zu Objektivität<br />

bei“, erklärte Grunwald abschließend.<br />

Weitere Informationen:<br />

www.dvgw.de<br />

Oktober 2012<br />

1028 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Steckfittings Serie 19<br />

Branche<br />

Nachrichten<br />

19. Hauptgutachten der Monopolkommission<br />

zur Regulierung der<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaft<br />

Anlässlich der Anhörung zum<br />

19. Hauptgutachten der Monopolkommission<br />

im September 2012,<br />

erklärte Martin Weyand, Hauptgeschäftsführer<br />

<strong>Wasser</strong>/<strong>Abwasser</strong> des<br />

BDEW, zu den Forderungen nach einer<br />

Regulierung der <strong>Wasser</strong>wirtschaft und<br />

zur Einschätzung des Benchmarkings<br />

in der <strong>Wasser</strong>wirtschaft: „Der BDEW<br />

sieht die pauschale Forderung nach der<br />

Einführung einer Regulierung in der<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaft weder als zielführend<br />

an noch würden Aufwand und Nutzen<br />

in einem angemessenen Verhältnis<br />

zueinander stehen. In der <strong>Wasser</strong>wirtschaft<br />

ist – anders als in der Energiewirtschaft<br />

– eine Trennung der Wertschöpfungsstufen<br />

weder sinnvoll noch<br />

gewollt. Eine Regulierung würde daher<br />

nicht nur das Netz, sondern die<br />

gesamte Wertschöpfungskette von der<br />

Ge winnung bis zum Zähler betreffen<br />

und hätte damit eine große Spannweite.<br />

Bei einer Regulierung sind 6211<br />

<strong>Wasser</strong>versorgern in Deutschland un -<br />

mittelbar betroffen – darunter viele<br />

sehr kleine Unternehmen – mit unterschiedlichsten<br />

personellen, materiellen<br />

und organisatorischen Ressourcen. Der<br />

bürokratische Aufwand und die damit<br />

verbundenen Kosten für die Versorger<br />

und für eine entsprechende Regulierungsbehörde<br />

wären mit erheblichen<br />

Mehrkosten für die Verbraucher/Endkunden<br />

verbunden.<br />

Während jeder Gesetzentwurf auch<br />

die Abschätzung von Kosten enthalten<br />

muss, fehlt bei der Monopolkommission<br />

eine volkswirtschaftliche und ökologische<br />

Kosten-/Nutzen-Analyse. Qualität<br />

und Versorgungssicherheit sind<br />

unabdingbare Kernelemente der <strong>Wasser</strong>versorgung,<br />

da jede Verschlechterung<br />

der Qualität unmittelbar zu<br />

Gesundheitsschäden führen kann. Die<br />

bei einer Regu lierung, bei der es<br />

zwangsläufig vornehmlich um monetäre<br />

Aspekte gehen wird, zu befürchtende<br />

nachteilige Auswirkung auf die<br />

Qualität müsste durch komplizierte<br />

Mechanismen verhindert werden.<br />

Erstmals befasst sich die Monopolkommission<br />

auch mit den umfangreichen<br />

Benchmarking- Projekten der <strong>Wasser</strong>wirtschaft.<br />

Dabei unterstellt die<br />

Kommission, dass die überwiegende<br />

Mehrzahl der Betriebe dem Benchmarking<br />

kritisch gegenüber stehe. Gemessen<br />

an den vielfältigen Vergleichsrunden,<br />

die bundeslandbezogen stattfinden,<br />

kann der BDEW diese Einschätzung<br />

nicht nachvollziehen. Hier nehmen teilweise<br />

über 100 <strong>Wasser</strong>versorger pro<br />

Bundesland an den Projekten teil.<br />

Die große Mehrheit von Unternehmen,<br />

die sich verglichen haben, bewertet<br />

das Aufwand-Nutzen- Verhältnis als<br />

vertretbar (bis zu 80 % der Befragten,<br />

siehe BDEW-Sondererhebung Benchmarkingstatistik<br />

2010).<br />

Benchmarking wird in der deutschen<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaft seit über zehn<br />

Jahren erfolgreich durch geführt. Viele<br />

neue Landesprojekte haben stattgefunden<br />

und ihre Ergebnisse wurden anonymisiert<br />

veröffentlicht, teilweise in der<br />

sechsten Vergleichsrunde. Die etablierten<br />

Projekte werden teilweise um neue<br />

Elemente wie Kundenbefragungen<br />

oder Transparenzmodule erweitert.<br />

Der hohe Detaillierungsgrad der Vergleiche,<br />

den die Monopolkommission<br />

fordert, ist bereits gegeben, aber den<br />

Gutachtern anscheinend nicht bekannt.<br />

Die von der Monopolkommission geforderte<br />

Transparenz ist durch die öffentlichen<br />

Projektberichte hergestellt. Neben<br />

dem Branchenbild der deutschen <strong>Wasser</strong>wirtschaft<br />

ist Benchmarking eine der<br />

tragenden Säulen der Modernisierungsstrategie,<br />

die Politik und Bundeswirtschaftsministerium<br />

in den Jahren 2002<br />

bis 2006 ent worfen hatte. Diese Eigeninitiative<br />

der Branche ist von Bundestag<br />

und der Bundeskanzlerin wohlwollend<br />

anerkannt worden.“<br />

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Telefax: (02 81) 9 52 72-27<br />

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Nachrichten<br />

Branche<br />

German Water Partnership präsentiert erneut<br />

in Washington die Expertise der deutschen<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaft<br />

GWP vertieft mit der Weltbank den wasserwirtschaftlichen Dialog<br />

Die GWP-Delegation mit Delegationsleiter Dieter Ernst, Vorstandsmitglied<br />

von GWP (5. v. l.), und Dr. Fritz Holzwarth vom BMU (3. v. l.) überzeugte<br />

mit innovativen Konzepten und nachhaltigen wasserwirtschaftlichen<br />

Lösungen. © GWP<br />

Unter dem Motto „Water and<br />

Innovation, Solutions for Development<br />

– The German Experience“<br />

führte eine GWP-Delegation vom<br />

11. bis 13. September 2012 in<br />

Washington mit über 40 Vertretern<br />

internationaler Organisationen den<br />

im vergangenen Herbst aufgenommenen<br />

Fachaustausch fort.<br />

Im Fokus des Besuches stand ein<br />

Expertendialog beim sogenannten<br />

„Weltbank Water Anchor“ zu deutschen<br />

<strong>Wasser</strong>kompetenzen u. a. bei<br />

Herausforderungen wie Energieeffizienz<br />

und semi- und dezentrale<br />

Lösungen im <strong>Wasser</strong>sektor. Übergreifende<br />

Ansätze wie etwa nachhaltiges<br />

<strong>Wasser</strong>management oder<br />

die partizipative Planung der<br />

Grundversorgung am Beispiel informeller<br />

Wohngebiete in Kairo spielten<br />

ebenfalls eine wichtige Rolle.<br />

Julia Bucknall, Leiterin der <strong>Wasser</strong>abteilung<br />

der Weltbank, Wilhelm<br />

Rissmann, Stellvertreter der deutschen<br />

Exekutivdirektorin bei der<br />

Weltbank und Dr. Fritz Holzwarth,<br />

Unterabteilungsleiter <strong>Wasser</strong>wirtschaft<br />

im BMU, eröffneten diese Veranstaltung.<br />

Darüber hinaus präsentierten<br />

die GWP-Mitglieder innovative Konzepte<br />

und praxisorientierte Lösungen<br />

des deutschen <strong>Wasser</strong>sektors.<br />

Axel Lüdecke (KSB AG) betonte: „Die<br />

Rückfragen der Weltbank zur GWP-<br />

Präsentation waren sehr positiv. Der<br />

Besuch übertrifft meine Erwartungen.“<br />

Ebenso positiv äußerte sich<br />

Stefan Heuser (Lavaris Technologies<br />

GmbH), der im Rahmen der GWP-<br />

Präsentation Methoden zur <strong>Wasser</strong>aufbereitung<br />

und -reinigung präsentierte:<br />

„Wir bekommen hier eine<br />

große Chance geboten.“ Diese und<br />

andere von der GWP präsentierten<br />

Ansätze sind für die internationale<br />

Entwicklungsagenda entscheidend,<br />

wie die Diskussion zeigte.<br />

Außerdem erörterte die Delegation<br />

sowohl mit der International<br />

Finance Cooperation als auch der<br />

Inter-American Development Bank<br />

die Möglichkeiten der Zusammenarbeit<br />

und informierte sich über<br />

Rahmenbedingungen und Bedarfe.<br />

Weitere Gesprächstermine führten<br />

GWP zur Millenium Challenge Corporation<br />

und zur Multilateral Investment<br />

Guarantee Agency.<br />

Bereits am 27. Oktober 2011<br />

hatte GWP mit dem Weltbank Water<br />

Anchor und der Deutschen Exekutivdirektorin<br />

bei der Weltbank,<br />

Ingrid Hoven, zu einer Veranstaltung<br />

eingeladen, bei der GWP deutsche<br />

<strong>Wasser</strong>kompetenzen erfolgreich<br />

vorstellte. Die Fortführung des<br />

Expertendialogs in 2013 ist bereits<br />

vereinbart.<br />

Kontakt:<br />

German Water Partnership e.V.,<br />

Reinhardtstraße 32,<br />

D-10117 Berlin,<br />

Tel. (030) 300199-1220,<br />

www.germanwaterpartnership.de<br />

Oktober 2012<br />

1030 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Branche<br />

Nachrichten<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaft diskutiert<br />

Energieeffizienz-Potenziale<br />

Die Steigerung der Energieeffi zienz<br />

in der <strong>Wasser</strong>- und <strong>Abwasser</strong>wirtschaft<br />

gehörte zu den zent ralen Themen<br />

des Weltwasserkongresses der<br />

„International Water Association“ im<br />

südkoreanischen Busan. „Die Senkung<br />

des Energieverbrauches und damit der<br />

Kosten sowie eine verstärkte Energieerzeugung<br />

auf Basis erneuerbarer Energien<br />

rückt zunehmend auch bei <strong>Wasser</strong>versorgungs-<br />

und <strong>Abwasser</strong>entsorgungsunternehmen<br />

in den<br />

Fokus“, sagte Martin Weyand, Hauptgeschäftsführer<br />

<strong>Wasser</strong>/<strong>Abwasser</strong> des<br />

Bundesverbandes der Energie- und<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaft (BDEW) zum Auftakt<br />

des Kongresses. Der Weltwasserkongress<br />

gilt als eine der wichtigsten internationalen<br />

wasserwirtschaftlichen Veranstaltungen,<br />

auf dem rund 3000<br />

Experten aus den Bereichen Wissenschaft<br />

und Forschung, Was ser versorgungs<br />

unternehmen, Technologieproduzenten<br />

und industriellen <strong>Wasser</strong>nutzern<br />

aktuelle Trends und Entwicklungen<br />

diskutieren.<br />

„Die Bandbreite der Verfahren zur<br />

Energiegewinnung und zum Energiesparen<br />

im <strong>Wasser</strong>- und <strong>Abwasser</strong>bereich<br />

ist inzwischen enorm. Als fast<br />

unumgänglich wird heute beim Energiesparen<br />

im <strong>Abwasser</strong>bereich der<br />

Austausch von Anlagenteilen durch<br />

energieeffizientere Komponenten<br />

angesehen“, so Weyand. Bekanntestes<br />

Beispiel seien die Anlagenteile zur<br />

Belüftung in der Kläranlage, denn diese<br />

können bis zu 40 % der Gesamtenergie<br />

einer Kläranlage verbrauchen. Im <strong>Wasser</strong>werksbereich<br />

komme insbesondere<br />

dem Wechsel von Bauteilen wie Pumpen<br />

eine besondere Bedeutung zu.<br />

Eine deutliche Reduzierung des Stromverbrauches<br />

sei auch durch eine<br />

Umgestaltung und Nutzung der Hochbehälterdrücke<br />

zur Einspeisung von<br />

<strong>Wasser</strong> in das Trinkwassernetz möglich.<br />

In Deutschland wird für die Bereitstellung<br />

von 1000 Litern Trinkwasser<br />

durchschnittlich 0,51 kWh Strom<br />

benötigt. Der spezifische Pro-Kopf-<br />

Martin Weyand, Mitglied der<br />

Hauptgeschäftsführung und<br />

Hauptgeschäftsführer <strong>Wasser</strong><br />

und <strong>Abwasser</strong>. © BDEW<br />

Energiebedarf für die Trinkwasserversorgung<br />

liegt bei 29 kWh pro Jahr.<br />

Zum Vergleich: Der Stromverbrauch<br />

einer modernen Kühl-/Gefrierkombination<br />

der Energieeffizienzklasse A++<br />

liegt bei etwa 170 kWh pro Jahr.<br />

<strong>Abwasser</strong>beseitigungsanlagen gehören<br />

zu den größten infrastrukturellen<br />

Energieverbrauchern, sodass die weitere<br />

energetische Optimierung neben<br />

eigener Energieerzeugung im Mittelpunkt<br />

steht. „Die Kläran lagen in<br />

Deutschland haben sich hier in den<br />

vergangenen Jahren erheblich verbessert,<br />

so etwa bei der Wärmeerzeugung:<br />

Die aus Klärgas erzeugte Wärme<br />

hat einen Anteil von 1,1 % der Wärmeerzeugung<br />

aus erneuerbaren Energien<br />

in Deutschland. Neben bewährten<br />

Verfahren ent wickeln die Unternehmen<br />

neue Technologien, um<br />

Energie einzusparen oder zu gewinnen,<br />

beispielsweise im Bereich der<br />

Wärmerückge winnung aus <strong>Abwasser</strong>“,<br />

erläuterte Weyand abschließend.<br />

Weitere Informationen:<br />

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Nachrichten<br />

Branche<br />

Positive Bilanz des 2. Hamburger <strong>Wasser</strong>forums<br />

für die EMA-Region<br />

Die EMA hat die richtigen Leute<br />

zur richtigen Zeit am richtigen<br />

Ort zusammengeführt“, resümierte<br />

ein Repräsentant der Weltbank das<br />

2. Hamburger <strong>Wasser</strong>forum der<br />

EMA, dem zuständigen Länderverein<br />

für die deutsch-arabische Zu -<br />

sammenarbeit. Unter der Schirmherrschaft<br />

von Peter Altmaier,<br />

Bundesminister für Umwelt, Naturschutz<br />

und Reaktorsicherheit und<br />

SKH Prinz Hassan bin Talal, Haschemitisches<br />

Königreich Jordanien,<br />

kamen mehrere hundert Vertreter<br />

aus Wirtschaft und Politik aus<br />

Deutschland, den Ländern Nordafrikas<br />

und des Nahen Ostens (EMA-<br />

Region) zusammen, um sich über<br />

die zentralen Herausforderungen<br />

und Lösungsansätze der <strong>Wasser</strong>problematik<br />

im arabischen Raum auszutauschen.<br />

„Nach diesem <strong>Wasser</strong>forum<br />

kann ich optimistisch in die<br />

Zukunft blicken“, sagte der jordanische<br />

<strong>Wasser</strong>minister S. E. Mohammed<br />

Al Najjar abschließend über die<br />

Veranstaltung im Hinblick auf die<br />

Bemü hungen der EMA und der vielen<br />

laufenden Partnerschaftsprojekte<br />

im arabischen Raum.<br />

Gerade die Länder des Nahen<br />

Ostens und Nordafrikas stehen<br />

angesichts der Verknappung ihrer<br />

<strong>Wasser</strong>ressourcen vor großen Problemen.<br />

„In 15 Ländern der EMA-<br />

Region ist die zukünftige <strong>Wasser</strong>versorgung<br />

besonders gefährdet“,<br />

verdeutlichte S. E. Prof. Dr.<br />

Mahmoud Abu-Zeid, Präsident des<br />

Arab Water Councils. In Anbetracht<br />

dessen betonten viele Teilnehmer<br />

die große Bedeutung transnationaler<br />

Kooperation. „Vernetzung ist die<br />

halbe Miete“, unterstrich auch Dr.<br />

Dorothee Stapelfeldt, Hamburgs<br />

zweite Bürgermeisterin und Senatorin<br />

der Behörde für Wissenschaft<br />

und Forschung. In diesem Sinne hat<br />

auch das 2. Hamburger <strong>Wasser</strong>forum<br />

Vernetzung zum Ziel gehabt:<br />

Die Veranstaltung bot eine anregende<br />

Plattform für die Suche nach<br />

in novativen und interdisziplinären<br />

Lösungsansätzen für eine effiziente<br />

und nachhaltige <strong>Wasser</strong>wirtschaft<br />

in der EMA-Region und knüpfte<br />

damit an die vor zwei Jahren auf<br />

Die hochrangigen Teilnehmer beim Vorempfang in<br />

der Handelskammer Hamburg.<br />

S. E. Mohammad al-Najjar, <strong>Wasser</strong>minister<br />

Jordaniens, trägt sich in das Goldene Buch<br />

der Handelskammer ein.<br />

Großes Interesse am sozio-politischen Auftaktpanel.<br />

Dr. Dorothee Stapelfeldt, Hamburgs Zweite<br />

Bürgermeisterin, begrüßt im Namen Hamburgs<br />

die Interdisziplinarität des EMA-Forums.<br />

Oktober 2012<br />

1032 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Komplettlösungen in Bestform<br />

Geben Sie sich nicht mit dem Produkt „von der Stange“ zufrieden.<br />

Spezifi sche Anforderungen brauchen passgenaue Rohrsysteme, die Sie<br />

bei uns erhalten.<br />

Wirtschaft, Wissenschaft und Politik<br />

nutzen das Forum zur Vernetzung.<br />

dem ersten <strong>Wasser</strong>forum begonnene<br />

Zusammenarbeit an.<br />

Vor diesem Hintergrund referierten<br />

hochrangige Repräsentanten aus dem<br />

arabischen Raum sowie Vertreter internationaler<br />

Organisationen und Experten<br />

aus Deutschland in insgesamt acht<br />

Panels und drei Workshops. Technische<br />

Innovationen, wirtschaftliche und politische<br />

Rahmenbedingungen sowie<br />

finanzielle Investitions- und Förderungsmöglichkeiten<br />

im <strong>Wasser</strong> sektor<br />

wurden erörtert. Auf der begleitenden<br />

Fachmesse nutzten 22 deutsche KMUs,<br />

Versorgungsdienstleister, NGOs und<br />

auch Institute die Möglichkeit, sich<br />

einem interessierten Publikum zu präsentieren<br />

und durch ihre Expertise weitere<br />

Impulse für eine tiefergehende<br />

deutsch-arabische Kooperation zu setzen.<br />

Das diesjährige Rahmen programm,<br />

eine Besichtigung der VERA Klärschlammverbrennungsanlage,<br />

ermöglichte<br />

einen Einblick in die Verwertung<br />

von Klärabfällen zur Energiegewinnung<br />

und bot wiederum viele Anlässe zur<br />

Diskussion über Möglichkeiten zum<br />

Technologietransfer in den ara bischen<br />

Raum.<br />

Die eigene Formteilmanufaktur bei uns macht es<br />

möglich: schnell und effi zient Systemlösungen zu<br />

schaffen und Ihnen diese nach Bedarf zur Verfügung<br />

zu stellen – und das alles in kompromissloser<br />

Qualität.<br />

Mit unseren Rohrsystemen erhalten Sie alles aus<br />

einer Hand, um Ihre Projekte optimal zu realisieren:<br />

vom Mehrwertrohr bis zu Formteilen, von der technischen<br />

Beratung und dem Aufmaß vor Ort bis zur<br />

bedarfsgerechten Produktion.<br />

Wir schaffen für Sie Mehrwerte.<br />

egeplast international GmbH<br />

Robert-Bosch-Straße 7<br />

48268 Greven<br />

Telefon: +49.2575.9710 - 0<br />

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Werner Rossel<br />

Geschäftsbereichsleiter<br />

Formteile und Industrierohrsysteme<br />

Weitere Informationen:<br />

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unterirdisch gut<br />

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Nachrichten<br />

Branche<br />

Fracking nur mit strengen Auflagen zulassen<br />

Neues Gutachten: Keine Erdgasbohrungen in Trinkwasserschutzgebieten<br />

Die Fracking-Technologie, mit der Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten gefördert wird, kann zu Verunreinigungen<br />

im Grundwasser führen. Besorgnisse und Unsicherheiten bestehen besonders wegen des Chemikalieneinsatzes<br />

und der Entsorgung des anfallenden <strong>Abwasser</strong>s, dem sogenannten Flowback. Zu diesem Schluss<br />

kommt ein aktuelles Gutachten für das Bundesumweltministerium und das Umweltbundesamt, das in Berlin<br />

von Bundesumweltminister Peter Altmaier und dem Präsidenten des Umweltbundesamtes, Jochen Flasbarth,<br />

vorgestellt wurde. Zwar soll Fracking an sich nicht verboten werden. Aufgrund der gegenwärtigen Erkenntnislücken<br />

und der ökologischen Risiken empfiehlt das Gutachten aber strenge Auflagen für den Einsatz der Technologie<br />

sowie ein schrittweises Vorgehen. Die Gutachter plädieren unter anderem für ein Verbot von Erdgas-<br />

Fracking in Trinkwasser- und Heilquellenschutzgebieten. Bundesumweltminister Peter Altmaier begrüßt das<br />

Gutachten: „Die Ergebnisse und Empfehlungen des Gutachtens bringen uns in der Diskussion um Fracking ein<br />

großes Stück voran. Die Risiken für das Grundwasser sind klar benannt. Bevor Fracking zum Einsatz kommt,<br />

müssen sämtliche Bedenken ausgeräumt sein.“ Jochen Flasbarth, Präsident des Umweltbundesamtes: „Den<br />

Vorschlag, eine obligatorische Umweltverträglichkeitsprüfung einzuführen, halte ich für besonders wichtig.<br />

Unsere Trinkwasserressourcen dürfen wir nicht gefährden.“ Beide sprechen sich für eine umfassende Beteiligung<br />

der Öffentlichkeit aus.<br />

Bei der Erdgasförderung aus<br />

unkonventionellen Lagerstätten,<br />

z. B. Kohleflözgas, können mehrere<br />

tausend Tonnen zum Teil<br />

gefährlicher, giftiger, gesundheits-<br />

und umweltgefährdender Chemikalien<br />

pro km² Fläche zum Einsatz<br />

kommen. Diese werden in einer<br />

so genannten Stützmittelflüssigkeit<br />

dazu eingesetzt, um erdgashaltiges<br />

Gestein aufzubrechen. Die derzeit<br />

vorliegenden Fakten reichten nicht<br />

aus, um mögliche Risiken abschließend<br />

bewerten zu können.<br />

Um die konkreten Auswirkungen<br />

bei der Gewinnung von Erdgas aus<br />

unkonventionellen Lagerstätten in<br />

Deutschland benennen zu können,<br />

fehlte es an wissenschaftlich fundierten<br />

Kenntnissen. Dies gilt insbesondere<br />

für potenzielle Auswirkungen<br />

auf das Grundwasser. Eine interdisziplinäre<br />

Gruppe von Gutachtern<br />

hat nun die Risiken von Fracking mit<br />

besonderem Blick auf das Grundwasser<br />

untersucht. Die Gutachter<br />

raten davon ab, Fracking derzeit<br />

Karte Potential für Kohlenwasserstoffvorkommen<br />

Quelle: Bundesanstalt für Geowissenschaften<br />

und Rohstoffe (BGR)<br />

Parlametarische Staatssekretärin Katherina Reiche, Bundesumweltminister<br />

Peter Altmaier und der Präsident des UBA Jochen Flasbarth,<br />

v. l. n. r.<br />

Oktober 2012<br />

1034 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Branche<br />

Nachrichten<br />

großflächig zur Erschließung unkonventioneller<br />

Erdgasvorkommen in<br />

Deutschland einzusetzen. Da es<br />

nach wie vor an vielen Daten zu den<br />

Lagerstätten, den Auswirkungen<br />

von Bohrungen sowie den eingesetzten<br />

Chemikalien mangelt, empfehlen<br />

sie stattdessen im Rahmen<br />

von behördlich und wissenschaftlich<br />

eng begleiteten Einzelvorhaben<br />

schrittweise vorzugehen. Weitgehende<br />

Transparenz fordern die Gutachter<br />

beim Einsatz von Chemikalien.<br />

Über deren Menge und Eigenschaften<br />

sollten vollständige<br />

Information vorliegen. Das gilt im<br />

Besonderen für ihr human- und ökotoxikologisches<br />

Gefährdungspotenzial.<br />

Zudem sollte geklärt werden,<br />

ob die Möglichkeit besteht, besorgniserregende<br />

Stoffe zu ersetzen.<br />

Insofern relevante Daten zu den<br />

beim Fracking eingesetzten Stoffen<br />

fehlen, kann nach Ansicht der Gutachter<br />

auch keine Genehmigung<br />

erteilt werden.<br />

Das Gutachten schlägt weiterhin<br />

mehrere Änderungen im Berg- und<br />

Verwaltungsrecht vor. Demnach soll<br />

es für jede Erdgasbohrung mit<br />

Einsatz der Frackingtechnologie<br />

eine Umweltverträglichkeitsprüfung<br />

geben. Ziel ist es, die Beteiligungsrechte<br />

der Betroffenen und<br />

der Öffentlichkeit zu stärken. Um<br />

den Schutz der Gewässer zu<br />

gewährleisten raten die Gutachter,<br />

das Bergrecht so zu ändern, dass die<br />

wasserrechtlichen Prüfungen unter<br />

Federführung einer dem Um -<br />

weltministerium unterstehenden<br />

Umweltbehörde erfolgen. Die<br />

umwelt- und sicherheitsrechtliche<br />

Genehmigung und Überwachung<br />

bergbaulicher Vorhaben sollte<br />

zudem dem Geschäftsbereich der<br />

Umweltministerien zugeordnet<br />

werden, um einen effizienten<br />

Umweltschutz durch eine funktionale<br />

und organisatorische Trennung<br />

vom Wirtschaftsressort zu gewährleisten.<br />

„Die Vorschläge werden nun<br />

intensiv zu prüfen und mit den<br />

Beteiligten zu diskutieren sein. Ich<br />

bin zuversichtlich, dass wir eine für<br />

Alle akzeptable Lösung der<br />

Fracking-Problematik finden werden“,<br />

so Bundesumweltminister<br />

Peter Altmaier.<br />

Weitere Informationen und Links:<br />

Das Gutachten „Umweltauswirkungen von<br />

Fracking bei der Aufsuchung und Gewinnung<br />

von Erdgas aus unkonventionellen<br />

Lagerstätten“ gibt es unter:<br />

http://www.umweltdaten.de/publikationen/<br />

fpdf-l/4346.pdf<br />

Handlungs- und Verfahrensempfehlungen<br />

des Gutachtens unter:<br />

http://www.umweltdaten.de/publikationen/<br />

weitere_infos/4346-0.pdf<br />

Eine Themenseite des UBA zum Thema<br />

Fracking unter:<br />

http://www.umweltbundesamt.de/wasser/<br />

themen/grundwasser/fracking.htm<br />

ABFLUSS<br />

UND STRÖMUNG<br />

MOBIL MESSEN<br />

wtw.com


Nachrichten<br />

Branche<br />

Stechlinsee: klares <strong>Wasser</strong> mit trüben Aussichten?<br />

Mit seinem Naturreichtum, seiner Tiefe und hervorragender Sicht wurde der Stechlinsee zum „Lebendigen See<br />

des Jahres“ in Deutschland gewählt. Der Zustand des Sees ist aber besorgniserregend. Das ist ein Ergebnis des<br />

Treffens von 16 lokalen Akteuren sowie 10 Experten aus ganz Deutschland.<br />

Bürgermeister und Gemeindevertreter,<br />

Politiker auf der Landesebene,<br />

Naturschutzexperten, Wissenschaftler<br />

des Leibniz-Instituts für<br />

Gewässerökologie und Binnenfischerei<br />

(IGB), Landestauchsportverband<br />

Brandenburg e.V., Fischer<br />

sowie Vertreter der Tourismusbranche<br />

lud der Global Nature Fund am<br />

7. September 2012 zu einer Diskussion<br />

über die Zukunft des Stechlinsees<br />

ein. Laut Messungen des IGB<br />

und Beobachtungen der Sporttaucher<br />

sind die Phosphorwerte im Tiefenwasser<br />

in den letzten Jahrzehnten<br />

kontinuierlich gestiegen. Was<br />

sind die Ursachen einer voranschreitenden<br />

Verschlechterung? Wie geht<br />

es weiter? Diese und viele anderen<br />

Der Stechlinsee im Naturpark Stechlin-Ruppiner<br />

Land. © GNF-Archiv<br />

Stechlinsee (Nordbucht). © GNF-Archiv<br />

Fragen stellten sich die Teilnehmer<br />

des Runden Tisches in der Tauchbasis<br />

Stechlin.<br />

Der Stechlinsee ist ein Teil des<br />

Naturparks Stechlin-Ruppiner Land<br />

und beherbergt eine unzählige Vielfalt<br />

an Unterwasserfauna und -flora,<br />

insbesondere die ausgedehnten<br />

Bestände der seltenen Armleuchteralgenarten<br />

finden hier ideale<br />

Lebensbedingungen. Allerdings<br />

verlor der See in den letzten Jahrzehnten<br />

100 Hektar seiner wertvollen<br />

Unterwasserpflanzengesellschaften,<br />

was etwa 60 % des besiedelbaren<br />

Gebietes auf dem<br />

Seengrund beträgt. Die Entwicklung<br />

verschiedener Planktonarten<br />

nahm massenhaft zu. Noch sind<br />

nicht alle Faktoren, die für diese Veränderungen<br />

verantwortlich sind,<br />

ausreichend analysiert.<br />

Sünden der Vergangenheit<br />

Zwischen 1966 und 1990 war der<br />

Stechlinsee Bestandteil des äußeren<br />

Kühlkreislaufs des Atomkraftwerkes<br />

Rheinsberg. Täglich wurden fast<br />

300 000 Kubikmeter um bis zu 10 °C<br />

erwärmtes und durch Kraftwerksabwässer<br />

verunreinigtes <strong>Wasser</strong> in den<br />

Stechlin gepumpt. 1990 wurde das<br />

Atomkraftwerk abgeschaltet und<br />

wird seitdem zurückgebaut.<br />

Mit dem Ortsteil Neuglobsow<br />

der Gemeinde Stechlin befindet<br />

sich nur eine Siedlung am Ufer des<br />

Stechlinsees. Diese war aber in der<br />

DDR vom Massentourismus stark<br />

geprägt. Allein im Jahr 1977 wurden<br />

21 300 Kur- und Feriengäste mit<br />

317 000 Übernachtungen bei un -<br />

zureichender <strong>Abwasser</strong>reinigung<br />

gezählt. Auch häusliche Abwässer<br />

und intensive Enten- und Karpfenmast<br />

in den 70-er Jahren im Dagowsee,<br />

der in den Stechlin entwässert,<br />

wurden zu weiteren negativen Einflussfaktoren<br />

für das Seeökosystem.<br />

Die Zufuhr von Nährstoffen aus<br />

unterschiedlichen Quellen hat<br />

starke und zum Teil langfristige<br />

negative Auswirkungen auf den<br />

Stechlinsee.<br />

Was tun?<br />

Im Laufe des Runden Tisches am<br />

Stechlinsee sind die Teilnehmer<br />

zum Konsens gekommen, dass die<br />

möglichen, bereits geplanten Maßnahmen<br />

zeitnah umgesetzt werden<br />

müssen. Es darf nicht, wie in der<br />

jüngsten Vergangenheit, große<br />

Mengen nährstoffreiches <strong>Wasser</strong><br />

aus dem Dagowsee direkt in den<br />

Stechlinsee fließen. Es muss für den<br />

Dagowsee ein <strong>Wasser</strong>stand festgelegt<br />

werden, der den Stechlinsee<br />

entlastet.<br />

Es wurde als hilfreich erachtet,<br />

eine Liste der dringenden Forschungsfragen<br />

zusammenzustellen,<br />

die beim investigativen Monitoring<br />

durch das IGB eingesetzt werden<br />

kann. Zunächst muss aber eine<br />

Untersuchung der aktuellen Situation<br />

im Stechlin und Dagowsee<br />

erfolgen, um zu verifizieren, welche<br />

Maßnahmen ökologisch relevant<br />

sind.<br />

Das Landesamt für Umwelt,<br />

Gesundheit und Verbraucherschutz<br />

Brandenburg soll sich bereit erklären,<br />

auf ein verbessertes Fischereimanagement<br />

hinzuwirken sowie<br />

die Frage des illegalen Fischbesatzes<br />

und den gesetzlichen Rahmen<br />

dafür zu überprüfen.<br />

Es besteht ein großer Informationsbedarf<br />

zur <strong>Wasser</strong>qualität in der<br />

Gemeinde und unter den Besuchern<br />

der Region. Die Öffentlichkeit<br />

soll darauf hingewiesen werden,<br />

dass der See nicht mehr oligotroph<br />

ist, sondern schwach mesotroph.<br />

Das Ziel am See soll sein, den<br />

Oktober 2012<br />

1036 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Branche<br />

Nachrichten<br />

Zustand auf einem möglichst hohen<br />

Niveau zu halten.<br />

Eine langjährige Beobachtung,<br />

die am See stattfand, ist wichtig um<br />

die Situation zu überwachen. Diese<br />

bildet die Voraussetzung, um mit<br />

diesen Erfahrungen Lösungen zu<br />

finden. Und die Akteure vor Ort sollten<br />

aus fachlichen Gründen und<br />

Überzeugung dahinter stehen.<br />

Die Partner im Netzwerk Lebendige<br />

Seen Deutschland fordern eine<br />

nachhaltige Zukunft für den Stechlinsee<br />

und rufen die zuständigen<br />

Behörden zu einem verantwortungsvollen<br />

und zukunftsorientierten<br />

Blick auf ihre wertvollen Naturschätze<br />

auf.<br />

NABU Brandenburg,<br />

Tom Kirschey,<br />

Lindenstraße 34,<br />

D-14467 Potsdam,<br />

Tel. (0331) 20 155 7-0,<br />

E-Mail: info@NABU-Brandenburg.de,<br />

www.brandenburg.nabu.de<br />

Landestauchsportverband<br />

Brandenburg e.V. (LTSVB),<br />

Dr. Thorsten Grospietsch,<br />

Kopernikusstraße 7,<br />

D-14482 Potsdam-Babelsberg,<br />

Tel. (0331) 7147 03,<br />

E-Mail: info@ltsv-brandenburg.de,<br />

www.ltsv-brandenburg.de<br />

Chara tomentosa – seltene Armleuchteralgenart im<br />

Stechlinsee. © Thorsten Grospietsch<br />

Kontakt:<br />

Global Nature Fund (GNF),<br />

Katja Weickmann,<br />

Hackescher Markt 4,<br />

D-10178 Berlin,<br />

Tel. (030) 2400 867-32,<br />

E-Mail: weickmann@globalnature.org,<br />

www.globalnature.org<br />

Verband Deutscher Sporttaucher e.V. (VDST),<br />

PD Dr. Ralph O. Schill,<br />

Berlinerstraße 312,<br />

D-63067 Offenbach,<br />

Tel. (069) 981902-5,<br />

E-Mail: umwelt@vdst.de,<br />

www.vdst.de<br />

Karpfen-Wühlspuren wo früher Armleuchteralgen<br />

wuchsen.<br />

Hintergrund<br />

Der Global Nature Fund nimmt den Weltwassertag am 22. März zum Anlass, jährlich einen „Lebendigen See“ in Deutschland<br />

zu küren. Diese Aktion soll auf unsere Seen als wertvolle Ökosysteme und einzigartige Naturschätze aufmerksam machen. Die<br />

Initiative beruht auf den langjährigen, erfolgreichen Erfahrungen der internationalen Aktion „Bedrohter See des Jahres“ und<br />

soll zur Lösung von drängenden Problemen an Feuchtgebieten und Seen beitragen. Mit der Ernennung des Stechlinsees zum<br />

Lebendigen See des Jahres wollen die Partner eine Entwicklung fördern, die die ökologische Bedeutung des Gewässers in den<br />

Mittelpunkt stellt. Mehr zum Stechlinsee, seinen Besonderheiten und Problemen sowie aktuellen Entwicklungen am und rund<br />

um den See unter www.globalnature.org/LebendigerSee2012<br />

Das Netzwerk Lebendige Seen Deutschland<br />

Der Stechlinsee ist Mitglied im Seennetzwerk Lebendige Seen Deutschland, das vom Global Nature Fund ins Leben gerufen<br />

wurde. Das Netzwerk ist verknüpft mit der erfolgreichen weltweiten Umweltinitiative „Living Lakes“, die in Deutschland<br />

durch den Global Nature Fund koordiniert wird. Im Mittelpunkt des Netzwerks stehen die dauerhafte und nachhaltige Entwicklung<br />

von Seen und Feuchtgebieten. Das Netzwerk schafft eine Plattform für den Erfahrungsaustausch und die Zusammenarbeit<br />

zwischen den Organisationen, die vor Ort für den Schutz der Gewässer aktiv sind. Unterstützt wird das Seennetzwerk<br />

Deutschland von der Anton & Petra Ehrmann-Stiftung. Mehr Informationen unter www.globalnature.org/Netzwerk-Deutschland<br />

Der Global Nature Fund<br />

Der Global Nature Fund (GNF) ist eine internationale Stiftung für Umwelt und Natur. Die Stiftung ist staatlich unabhängig und<br />

verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke. Eine zentrale, von der Stiftung Global Nature Fund gestartete<br />

Initiative ist das im Jahr 1998 gegründete internationale Seennetzwerk „Living Lakes – Lebendige Seen“, das sich weltweit für<br />

den Schutz von Seen und Feuchtgebieten einsetzt.<br />

Oktober 2012<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 1037


Nachrichten<br />

Branche<br />

Gütegesicherte Ausschreibung<br />

und Bauüberwachung<br />

Auftraggeber, Ingenieurbüros und Auftragnehmer arbeiten Hand in Hand<br />

Das Zusammenspiel der Beurteilungsgruppen<br />

für ausführende Unternehmen (AK, V, S, I, R, D) und<br />

für Leistungen im Bereich Ausschreibung (A) und<br />

Bauüberwachung (B) im offenen Kanalbau (AK),<br />

bei grabenlosem Einbau (V) und der grabenlosen<br />

Sanierung (S) von <strong>Abwasser</strong>leitungen und -kanälen<br />

(ABAK, ABV, ABS).<br />

Der Neubau oder die Sanierung<br />

von <strong>Abwasser</strong>leitungen und<br />

-kanälen erfordern ein ganz spezielles<br />

Know-how, auf Seiten von Auftraggebern<br />

und Bauüberwachern<br />

ebenso wie auf Seiten der ausführenden<br />

Unternehmen. Eine Kanalbau-<br />

oder Sanierungsmaßnahme<br />

kann nur dann gelingen, wenn das<br />

nötige Fachwissen vorhanden ist,<br />

und wenn Auftraggeber, Ingenieurbüros<br />

und Auftragnehmer Hand in<br />

Hand zusammenarbeiten. Politik,<br />

Wirtschaft sowie Institutionen und<br />

Verbände weisen seit vielen Jahren<br />

darauf hin, dass der dauerhaften<br />

Dichtheit von <strong>Abwasser</strong>leitungen<br />

und -kanälen mehr Aufmerksamkeit<br />

gewidmet werden muss. Es liegt im<br />

Interesse aller, dass <strong>Abwasser</strong>leitungen<br />

und -kanäle von erfahrenen<br />

und zuverlässigen Fachleuten<br />

geplant, gebaut oder saniert werden.<br />

Aus diesem Grund wurde die<br />

Gütesicherung RAL-GZ 961 eingeführt,<br />

um eine kontrollierte Selbstverpflichtung<br />

der Unternehmen<br />

und eine Steigerung der Zuverlässigkeit<br />

zu erreichen. Im Fokus steht<br />

dabei der Zustand unserer Kanalisation.<br />

Erfahrung und Zuverlässigkeit<br />

sind Grundlagen für Planungs- und<br />

Ausführungsqualität und somit für<br />

die Langlebigkeit und Wirtschaftlichkeit<br />

der Leitungsinfrastruktur.<br />

Qualität und Funktion von<br />

<strong>Abwasser</strong>leitungen und -kanälen<br />

werden bestimmt durch die Bauausführung<br />

auf Grundlage einer<br />

fachgerechten Ausschreibung und<br />

Bauüberwachung nach den allgemein<br />

anerkannten Regeln der Technik.<br />

Ausführende Unternehmen<br />

belegen ihre Qualifikation mit<br />

einem Gütezeichen zu einer oder<br />

mehreren Beurteilungsgruppen in<br />

den Bereichen Offener Kanalbau<br />

(AK3, AK2, AK1), Vortrieb (VP, VM,<br />

VMD, VO, VOD), Sanierung (S), Inspektion<br />

(I), Reinigung (R) und Dichtheitsprüfung<br />

(D). Firmen, die diesen<br />

Nachweis führen, erfüllen die von<br />

Auftraggebern, Ingenieur-Büros<br />

und Auftragnehmern gemeinsam<br />

definierten Mindestanforderungen<br />

an die Qualifikation.<br />

Gleiche Spielregeln für alle<br />

Allerdings: Was für die Auftragnehmerseite<br />

gilt, sollte auch auf Seiten<br />

des mit Ausschreibung und Bauüberwachung<br />

befassten Ingenieurbüros<br />

selbstverständlich sein. Der<br />

Planer hat unter anderem dafür<br />

Sorge zu tragen, dass die richtigen<br />

Verfahren vor Ort nach den Regeln<br />

der Technik eingesetzt werden.<br />

Wenn also von den ausführenden<br />

Unternehmen Nachweise zur Qualifikation<br />

gefordert werden, ist es<br />

nur konsequent, dass auch ausschreibenden<br />

und bauüberwachende<br />

Stellen ihre Qualifikation<br />

nachweisen – eine Meinung, die<br />

sich in der Branche und bei den<br />

beteiligten Baupartnern mehr und<br />

mehr durchsetzt.<br />

Folgerichtig hat der Güteausschuss<br />

der Gütegemeinschaft Kanalbau<br />

– er ist das zentrale Organ zur<br />

Verwirklichung des Gütesicherungsgedankens<br />

und setzt sich aus Vertretern<br />

der Auftraggeber, Ingenieurbüros<br />

und Auftragnehmer zusammen<br />

– auf Initiative der Mitgliederversammlung<br />

in den letzten Jahren<br />

sukzessive Gütezeichen für die fachtechnische<br />

Eignung von Organisationen<br />

geschaffen, die mit der Ausschreibung<br />

und Bauüberwachung<br />

von Maßnahmen beauftragt sind.<br />

Konsequent umgesetzt<br />

Konsequent wurde die Ingenieurleistung<br />

im Bereich Ausschreibung<br />

(A) und Bauüberwachung (B) im<br />

offenen Kanalbau (AK), bei grabenlosem<br />

Einbau (V) und der grabenlosen<br />

Sanierung (S) von <strong>Abwasser</strong>leitungen<br />

und -kanälen als Beurteilungsgruppen<br />

ABAK, ABV und ABS<br />

in die Güte- und Prüfbestimmungen<br />

aufgenommen. Auftraggeber<br />

und Ingenieurbüros dokumentieren<br />

damit besondere Erfahrung und<br />

Zuverlässigkeit der Organisation<br />

und des eingesetzten Personals,<br />

etwa durch entsprechende Referenzen<br />

und ein Managementsystem<br />

zur Fehlerminimierung. Die Qualifikation<br />

des eingesetzten Personals<br />

wird über Zeugnisse nachgewiesen.<br />

Mit der Verleihung des Gütezeichens<br />

Kanalbau der Beurteilungsgruppen<br />

ABAK, ABV und ABS verfügt<br />

ein Ingenieurbüro über einen<br />

Eignungsnachweis von neutraler<br />

und anerkannter Seite. Die Verleihung<br />

des Gütezeichens signalisiert<br />

die Erfüllung der gemeinsam von<br />

Auftraggebern, Ingenieurbüros und<br />

Oktober 2012<br />

1038 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Branche<br />

Nachrichten<br />

Auftragnehmern definierten Eignungskriterien.<br />

Vor Vergabe entsprechender<br />

Leistungen gemäß Vergabeverordnung<br />

für freiberufliche<br />

Leistungen (VOF) prüft der Auftraggeber,<br />

ob die entsprechenden Organisationen<br />

die Eignungskriterien<br />

erfüllen – hierzu zählen Fachkunde,<br />

Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit.<br />

Der Nachweis kann auf Grundlage<br />

der Gütesicherung RAL-GZ 961,<br />

Beurteilungsgruppen ABAK, ABV<br />

und ABS, erbracht werden.<br />

Schritt für Schritt<br />

Die vom Güteausschuss beauftragten<br />

Prüfingenieure prüfen und<br />

bestätigen dem Antragsteller die<br />

Erfüllung der Eignungskriterien für<br />

Ausschreibung und Bauüberwachung<br />

regelmäßig einmal pro Jahr.<br />

Zu den gemeinsam zwischen Auftraggebern,<br />

Ingenieurbüros und<br />

Auftragnehmern definierten Anforderungen<br />

gehören besondere<br />

Erfahrungen, Zuverlässigkeit, Personal<br />

& Schulungen sowie Sicherheitsausstattung.<br />

Besondere Erfahrungen<br />

der Organisation bzw. des eingesetzten<br />

Personals werden durch<br />

Belege über entsprechende Tätigkeiten<br />

nachgewiesen. Die Zuverlässigkeit<br />

der Organisation wird durch<br />

Vorlage eines zertifizierten Qualitätsmanagementsystems<br />

zur Fehlerminimierung,<br />

die Zuverlässigkeit<br />

des eingesetzten Personals durch<br />

Vorlage entsprechender Referenzen<br />

(z. B. Zeugnisse) nachgewiesen.<br />

Ebenso geprüft wird, ob die<br />

Organisation über Verantwortliche<br />

in angemessener Zahl entsprechend<br />

dem jeweiligen Auftragsumfang<br />

mit erfolgreicher dreijähriger<br />

Tätigkeit in Ausschreibung und Bauüberwachung<br />

sowie über Fachpersonal<br />

in angemessener Zahl entsprechend<br />

dem jeweiligen Auftragsumfang<br />

verfügt. Der Nachweis<br />

der Fachkunde wird durch Vorlage<br />

geeigneter Schulungsnachweise<br />

erbracht. Regelmäßige Schulungen<br />

zur Aufrechterhaltung der Qualifikation<br />

werden wahrgenommen.<br />

Zum Punkt Sicherheitsausstattung<br />

gehört eine persönliche Schutzausrüstung<br />

entsprechend den Vorschriften<br />

der Arbeitsstättenverordnung,<br />

der berufsgenossenschaftlichen<br />

Vorschriften und Regeln und<br />

der Sicherheitsregeln für Arbeiten<br />

in umschlossenen Räumen von<br />

abwassertechnischen Anlagen.<br />

Vorteile für alle<br />

Mit der Verleihung eines Gütezeichens<br />

Kanalbau der Beurteilungsgruppen<br />

ABAK, ABV und ABS verfügt<br />

eine Organisation über einen<br />

Eignungsnachweis von neutraler<br />

und anerkannter Seite, verliehen<br />

von einem System, das gleichzeitig<br />

über größtmögliche Transparenz<br />

verfügt. Über die Zusammensetzung<br />

der Gremien, z. B. des Güteausschusses,<br />

informiert die Homepage<br />

www.kanalbau.com. Der Güteausschuss<br />

der RAL-Gütegemeinschaft<br />

ist das Gremium, das die Güte- und<br />

Prüfbestimmungen unter Mitwirkung<br />

der öffentlichen Auftraggeber<br />

weiterentwickelt. Die Tätigkeit des<br />

Güteausschusses und der beauftragten<br />

Prüfingenieure – etwa die<br />

Anzahl der Firmen- und Baustellenbesuche<br />

und Ahndungen – wird<br />

jährlich ausführlich in einer Broschüre<br />

(Zahlen & Fakten) dargestellt.<br />

Diese steht ebenso auf der<br />

Homepage zum Herunterladen<br />

bereit wie umfangreiches Informationsmaterial<br />

zu den Themen<br />

„Eigenüberwachung“ oder „Regelwerke“.<br />

Die Gütegemeinschaft<br />

bietet Erfahrungsaustausch für<br />

Beim Werkvertrag schuldet der Werkunternehmer<br />

dem Werkbesteller die Herstellung eines Werkes, das<br />

heißt die Herbeiführung des bestimmten Erfolges.<br />

Auftraggeber und Auftragnehmer<br />

sowie ein flächendeckendes An -<br />

gebot von Weiterbildungsmöglichkeiten<br />

an. Über die Suchfunktionen<br />

auf der Website werden Gütezeicheninhaber<br />

schnell von potenziellen<br />

Auftraggebern gefunden.<br />

Kontakt:<br />

RAL-Gütegemeinschaft Güteschutz Kanalbau,<br />

Postfach 1369,<br />

D-53583 Bad Honnef,<br />

Tel. (02224) 9384-0,<br />

Fax (02224) 9384-84,<br />

E-Mail: info@kanalbau.com,<br />

www.kanalbau.com<br />

Oktober 2012<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 1039<br />

Zum umfangreichen<br />

Informationsmaterial<br />

der<br />

Gütegemeinschaft<br />

Kanalbau<br />

zählen die<br />

„Leitfäden für<br />

die Eigenüberwachung“,<br />

die „Güte- und<br />

Prüfbestimmungen“<br />

und<br />

die Broschüre<br />

„Technische<br />

Regeln im<br />

Kanalbau“.


Nachrichten<br />

Branche<br />

Seccua mit dem Clean Tech Media Award 2012<br />

ausgezeichnet<br />

Seccua GmbH, Technologieführer auf dem Gebiet der gesundheitsrelevanten Trinkwasseraufbereitung, wurde<br />

mit dem deutschen Umwelt- und Medienpreis CLEAN TECH MEDIA AWARD 2012 ausgezeichnet. Seccua<br />

erhielt den renommierten Preis in der Kategorie Lebensstil für das Entwicklungshilfeprojekt „Changing Rural<br />

Life Forever“, bei dem in ländlichen Gebieten Afrikas Rohwasser durch die Ultrafiltrationstechnologie von<br />

Seccua in keimfreies Trinkwasser aufbereitet wird. Seccua war bereits im Frühjahr aus über 100 Bewerbungen<br />

nominiert worden und setzte sich nun in der Endausscheidung gegen die Konkurrenz durch. Das Cleantech-<br />

Unternehmen aus Oberbayern wurde von der unabhängigen Expertenjury im Rahmen einer Jurysitzung als<br />

diesjähriger Preisträger des Clean Tech Media Award 2012 ausgewählt.<br />

Weihnachten<br />

2011 im Dorf<br />

Sidonge im<br />

Westen Kenias.<br />

Jedes Jahr sterben weltweit etwa<br />

fünf Millionen Menschen an<br />

Krankheiten, deren Erreger sie über<br />

das Trinkwasser aufgenommen<br />

haben. Der fehlende Zugang zu<br />

sauberem Trinkwasser ist ein Hauptgrund<br />

für die hohen Sterblichkeitsraten<br />

in vielen Gegenden der Welt.<br />

Das oberbayerische Unternehmen<br />

Seccua hat sich deshalb entschlossen,<br />

sich mit seinen innovativen<br />

Lösungen auf Basis der standardisierten<br />

Membranfiltration am Entwicklungshilfeprojekt<br />

der Organisation<br />

„Changing Rural Life Forever“<br />

zu beteiligen.<br />

Das Pilotprojekt im Dorf Sidonge<br />

im Westen Kenias nennt sich „Rural<br />

Village Energy Hub“ (RVEH) und<br />

setzt sich aus drei technischen Komponenten<br />

zusammen. Neben der<br />

Ultrafiltrationsanlage der Seccua<br />

GmbH zur Aufbereitung von bis zu<br />

2500 Liter Rohwasser pro Stunde in<br />

keimfreies Trinkwasser stehen die<br />

Gewinnung von Biogas zum Kochen<br />

durch eine Biogasanlage sowie die<br />

Erzeugung von Strom durch Photovoltaik<br />

im Mittelpunkt. Die gewonnene<br />

Solarenergie dient nicht nur<br />

zum Betrieb und zur Steuerung der<br />

gesamten Anlage, sondern versorgt<br />

die Familien des Dorfes auch mit<br />

Strom. Mit dem erzeugten Biogas<br />

wird nun gekocht, dadurch wird die<br />

Abholzung ebenso gestoppt wie<br />

der in Afrika weit verbreitete,<br />

gesundheitsschädliche und teure<br />

Einsatz von Kerosin für Kocher und<br />

Lampen. Die ausreagierte Biomasse<br />

aus der Biogasanlage dient den<br />

Bewohnern schließlich als Dünger<br />

für ihre Felder. Ein integriertes System<br />

zur Fernüberwachung und<br />

technischen Steuerung über eine<br />

drahtlose Datenverbindung per<br />

DEUTSCHLANDS GRÜNER TEPPICH<br />

07. SEPTEMBER 2012 // BERLIN<br />

PREISTRÄGER 2012<br />

Die Preisträger 2012 des CLEAN<br />

TECH MEDIA AWARD.<br />

GPRS ermöglicht die Kontrolle und<br />

ggf. eine Eingriffsmöglichkeit für<br />

alle Komponenten. 2012 sollen<br />

weitere 20 Anlagen in ländlichen<br />

Gebieten Afrikas installiert werden.<br />

„Wir freuen uns, für unser Selbsthilfe-Projekt<br />

von „Changing Rural<br />

Life Forever“ den diesjährigen Clean<br />

Tech Media Award verliehen<br />

bekommen zu haben. Das erhöht<br />

die mediale Aufmerksamkeit, um<br />

noch mehr Menschen in ländlichen<br />

Gebieten Afrikas den Zugang zu<br />

sauberem Trinkwasser zu ermöglichen“,<br />

erklärt Michael Hank, Gründer<br />

und Geschäftsführer der Seccua<br />

GmbH. „Doch Trinkwasserqualität<br />

ist nicht nur in Entwicklungsländern,<br />

sondern weltweit und quer<br />

durch alle Gesellschafts- und Bildungsschichten<br />

ein zunehmendes<br />

Oktober 2012<br />

1040 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Branche<br />

Nachrichten<br />

Problem, auch und gerade in unseren hochtechnologisierten<br />

Industrienationen.“<br />

Kein Problem der Entwicklungsländer<br />

Auch wenn die Trinkwasserhygiene in den Entwicklungsländern<br />

besonders prekär ist, betrifft das Problem<br />

zunehmend auch die Industrienationen. In den USA<br />

weisen Studien der US Geologiebehörde USGS die<br />

Belastung von bis zu 35 % aller privat genutzter Brunnen<br />

durch Viren nach. Auch in Deutschland gibt<br />

die Situation kaum Anlass zur Entwarnung: Das Robert-<br />

Koch-Institut registriert jährlich bis zu 10 000 Lungenentzündungen<br />

durch Legionellen, wovon bei gesunden<br />

Menschen 15 %, bei Kranken bis zu 80 % tödlich verlaufen.<br />

Die Gesundheitsämter rechnen damit, dass inzwischen<br />

drei Viertel aller öffentlichen Gebäude und Mehrfamilienhäuser<br />

die Grenzwerte überschreiten. Aber<br />

auch hinsichtlich anderer Krankheitserreger im Trinkwasser<br />

gibt es in Deutschland viel Nachholbedarf.<br />

Doch in der öffentlich-rechtlich organisierten Trinkwasserversorgung<br />

in Deutschland sind Investitionen in<br />

neueste Technologien kaum finanzierbar. Auch Immobilienbetreiber<br />

sehen für die Verbesserung der Trinkwasserhygiene<br />

oft keine Notwendigkeit, Investitionen finden<br />

daher nur unter gesetzlichem Zwang statt. Und<br />

solange die drohenden Strafen die Kosten der Investition<br />

nicht überschreiten oder sowieso keine Überwachung<br />

stattfindet, wird häufig gar nichts unternommen.<br />

Bleibt nur die Eigeninitiative der gesundheitsbewussten<br />

Mieter oder Eigentümer. Allein diese Zielgruppe<br />

ist bereit und in der Lage, für sicheres, hygienisch<br />

einwandfreies Trinkwasser aktiv zu werden.<br />

Das führende Fachorgan<br />

für <strong>Wasser</strong> und <strong>Abwasser</strong><br />

Informieren Sie sich regelmäßig über alle technischen<br />

und wirtschaftlichen Belange der <strong>Wasser</strong>bewirtschaftung<br />

und <strong>Abwasser</strong>behandlung.<br />

Jedes zweite Heft mit Sonderteil R+S -<br />

Recht und Steuern im Gas und <strong>Wasser</strong>fach.<br />

NEU<br />

Jetzt als Heft<br />

oder als ePaper<br />

erhältlich<br />

Innovative<br />

Umwelttechno logie:<br />

Ultrafiltration<br />

Ultrafiltration entfernt Krankheitserreger und Partikel<br />

ohne Bestrahlung oder den Einsatz von Chemikalien<br />

und Desinfektionsmitteln. In umfangreichen Studien<br />

hat die Ultrafiltrationstechnologie ihre Zuverlässigkeit<br />

bei der Entfernung von Krankheitserregern bewiesen:<br />

Mehr als 99,99 % aller Viren, Bakterien und Parasiten<br />

sowie Trübungen und Rotfärbungen werden durch das<br />

Ultrafiltrationsverfahren in einem einzigen Schritt aus<br />

dem <strong>Wasser</strong> entfernt, sodass es hinterher in mikrobakteriell<br />

einwandfreiem Zustand ist. Gelöste Bestandteile<br />

des aufzubereitenden <strong>Wasser</strong>s wie beispielsweise Pestizide<br />

oder Arzneimittelrückstände können durch Kombination<br />

mit weiteren von Seccua angebotenen Verfahren,<br />

wie z. B. einem Aktivkohlefilter, wirksam entfernt<br />

werden.<br />

Weitere Informationen:<br />

www.seccua.de<br />

www.gruenewellepr.de<br />

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das Ihnen zusagt!<br />

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Computer, Tablet-PC oder Smartphone<br />

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finden Sie im Online-Shop unter<br />

www.<strong>gwf</strong>-wasser-abwasser.de<br />

Oldenbourg Industrieverlag<br />

www.<strong>gwf</strong>-wasser-abwasser.de<br />

<strong>gwf</strong> <strong>Wasser</strong>/<strong>Abwasser</strong> erscheint in der Oldenbourg Industrieverlag GmbH, Rosenheimerstr. 145, 81671 München


Nachrichten<br />

Branche<br />

Geschäftsklima der Kunststoffrohr-Industrie<br />

auf massiver Talfahrt<br />

Einbruch bei Geschäftslage und Geschäftserwartungen<br />

Der Geschäftsklimaindex der<br />

Kunststoffrohrhersteller trübt<br />

sich im 2. Quartal 2012 massiv ein<br />

und fällt mit einem Wert von –11,1<br />

im 2. Halbjahr um 21 Punkte gegenüber<br />

dem 1. Quartal. Auch der Index<br />

für die Geschäftslage liegt mit –13,9<br />

im deutlich negativen Bereich und<br />

ist damit im Vergleich zum Vorquartal<br />

um 24,4 Punkte gesunken.<br />

Insbesondere Rohstoffpreiserhöhungen,<br />

verschobene oder<br />

gestrichene Bau- und Großprojekte<br />

sowie Auftragsrückgänge aufgrund<br />

veränderter Preisanforderungen<br />

seitens des Marktes wirkten sich im<br />

2. Quartal negativ auf die Absatzmengen<br />

der Kunststoffrohrhersteller<br />

aus. Von Rückgängen sind<br />

sowohl Ver- und Entsorgung als<br />

auch Industrierohre betroffen. Einzig<br />

die Haustechnik weist im<br />

2. Quartal einen positiven Index aus<br />

und bewegt sich damit weiterhin<br />

auf einem stabilen Niveau.<br />

Nach dem unerwartet starken<br />

Einbruch der Geschäftslage liegen<br />

auch die Geschäftserwartungen<br />

hinsichtlich des 3. Quartals 2012 auf<br />

einem eher niedrigen Niveau. Im<br />

Index von –8,3 äußern sich nach<br />

Angaben der Unternehmen eine allgemein<br />

zunehmende Zurückhaltung<br />

bei Anfragen und Ausschreibungen<br />

sowie zu erwartende<br />

Rückgänge bei Groß- und Industrieprojekten.<br />

Die Kunststoffrohrhersteller<br />

rechnen demnach in allen<br />

Bereichen – mit Ausnahme der<br />

Haustechnik – weiterhin mit Absatzzahlen<br />

unter Vorjahresniveau.<br />

Der KRV-Geschäftsklimaindex<br />

wird seit Ende 2008 vom Kunststoffrohrverband<br />

erhoben. Im Auftrag<br />

des KRV ermittelt das Beratungsunternehmen<br />

Consultic GmbH vierteljährlich<br />

einen aktuellen, belastbaren<br />

und regelmäßigen Indikator<br />

über die Entwicklung und Erwartung<br />

der Geschäfte. Teilnehmen<br />

können alle Hersteller von Kunststoffrohren<br />

und Formstücken bzw.<br />

(im Bereich Haustechnik) Kunststoffrohr-Systemanbieter<br />

zum Preis<br />

von € 950,00 p. a. Darin enthalten<br />

sind vier Quartalserhebungen mit<br />

jeweiliger Detailauswertung und<br />

Bericht.<br />

Kontakt:<br />

KRV,<br />

Dr. Elmar Löckenhoff,<br />

Tel. (0228) 91477-0,<br />

E-Mail: kunststoffrohrverband@krv.de<br />

Geschäftsklimaindex<br />

der Kunststoffrohrhersteller.<br />

Consultic GmbH,<br />

Christoph Lindner,<br />

Tel. (06023) 94 75-13,<br />

E-Mail: lindner@consultic.com<br />

Ihre Hotlines für <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> | <strong>Abwasser</strong><br />

Redaktion<br />

Mediaberatung<br />

Dipl.-Ing. Christine Ziegler, München<br />

Inge Matos Feliz, München<br />

Telefon (089) 45051-318 Telefon (089) 45051-228<br />

Telefax (089) 45051-207 Telefax (089) 45051-207<br />

e-mail: ziegler@oiv.de<br />

e-mail: matos.feliz@oiv.de<br />

Abonnement/Einzelheftbestellungen<br />

Anzeigenverwaltung<br />

Leserservice <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong>|<strong>Abwasser</strong><br />

Brigitte Krawczyk, München<br />

Postfach 9161, 97091 Würzburg Telefon (089) 45051-226<br />

Telefon +49 (0) 931/4170-1615 Telefax (089) 45051-300<br />

Telefax +49 (0) 931/4170-492<br />

e-mail: krawczyk@oiv.de<br />

e-mail: leserservice@oldenbourg.de<br />

Wenn Sie spezielle Fragen haben, helfen wir Ihnen gerne.<br />

Oktober 2012<br />

1042 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong>|<strong>Abwasser</strong><br />

NETZWERK WISSEN<br />

Aktuelles aus Bildung und Wissenschaft,<br />

Forschung und Entwicklung<br />

© Hochschule Karlsruhe<br />

Das Studium der <strong>Wasser</strong>wirtschaft an der Hochschule Karlsruhe –<br />

Technik und Wirtschaft im Porträt<br />

""<br />

Prof. Dr.-Ing. Clemens Wittland im Interview:<br />

Forschung und Lehre für die Praxis – im Verbund mit starken Partnern<br />

""<br />

Der neue Studiengang „Infrastructure Engineering“ legt Fokus auf Betrieb, Erhaltung<br />

und Instandsetzung von Anlagen<br />

""<br />

Untersuchungen für Forschung, Lehre und Praxis – die Versuchsanstalt für <strong>Wasser</strong>bau<br />

""<br />

Phänomene und Verfahren am praktischen Modell erlebt – das Labor für SIWAWI<br />

""<br />

Der unverzichtbare Blick „über den Tellerrand" – <strong>Wasser</strong>tagungen an der HsKA<br />

""<br />

Wenn aus Meerwasser frisches Trinkwasser wird – das IAF stellt sich vor<br />

""<br />

Die heimliche <strong>Wasser</strong>-Hauptstadt Deutschlands im internationalen Dialog<br />

""<br />

Hochschulausbildung entlang der <strong>Wasser</strong>werkspraxis – die Stadtwerke Karlsruhe<br />

""<br />

Eine wichtige Quelle für den ingenieurtechnischen Sachverstand –<br />

die Zusammenarbeit mit der Stadt Karlsruhe<br />

""<br />

Forschung und technisch-wissenschaftliche Beratung für das <strong>Wasser</strong>fach –<br />

das DVGW-Technologiezentrum <strong>Wasser</strong><br />

""<br />

Der Dienstleister im Verkehrswasserbau – die Bundesanstalt für <strong>Wasser</strong>bau<br />

""<br />

Ein ehemaliger Student berichtet: „Ich kann mir kein interessanteres Thema vorstellen“


NETZWERK WISSEN Porträt<br />

Forschung und Lehre für die Praxis –<br />

im Verbund mit starken Partnern<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaft an der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft<br />

Die Bereiche „Bauen im Bestand“ und „Sanierung von bestehender Infrastruktur“ werden im öffentlichen<br />

Bewusstsein immer wichtiger, der Bedarf nach qualifizierten Nachwuchskräften in der <strong>Wasser</strong>wirtschafts-<br />

Praxis wächst. Vor diesem Hintergrund stellt Prof. Dr.-Ing. Clemens Wittland, seit 2005 an der Hochschule<br />

Karlsruhe (HsKA) für das Fachgebiet Siedlungswasserwirtschaft und Umwelttechnik verantwortlich und seit<br />

2010 Prodekan der Fakultät für Architektur und Bauwesen, die Bandbreite der Lehr- und Forschungsaktivitäten<br />

der Hochschule Karlsruhe im Bereich der <strong>Wasser</strong>wirtschaft vor. Er verdeutlicht, wie wichtig sowohl<br />

innovative Lehrangebote als auch regionale und internationale Netzwerke mit kompetenten Partnern der<br />

Forschung und Praxis der <strong>Wasser</strong>wirtschaft sind.<br />

Alle Bilder,<br />

falls nicht<br />

anders<br />

vermerkt:<br />

© Hochschule<br />

Karlsruhe<br />

<strong>gwf</strong>: Herr Wittland, wie ist der<br />

Themenbereich <strong>Wasser</strong>wirtschaft an<br />

der Hochschule Karlsruhe aufgestellt<br />

bzw. organisiert? Wo finden Studieninteressierte<br />

oder auch Fachleute aus<br />

Forschung und Praxis ihre Ansprechpartner?<br />

Clemens Wittland: Die „klassische“<br />

öffentliche oder kommunale <strong>Wasser</strong>wirtschaft<br />

mit ihren beiden<br />

Standbeinen <strong>Wasser</strong>bau (Prof. Dr.-<br />

Ing. Norbert Eisenhauer) und Siedlungswasserwirtschaft<br />

(Prof. Dr.-Ing.<br />

Clemens Wittland) ist in der Fakultät<br />

für Architektur und Bauwesen<br />

beheimatet und hat an der Hochschule<br />

Karlsruhe eine lange Tradition.<br />

So firmierte die heutige Versuchsanstalt<br />

für <strong>Wasser</strong>bau (VAW)<br />

bereits seit Mitte des letzten Jahrhunderts<br />

als <strong>Wasser</strong>baulabor der<br />

ehemaligen staatlichen Ingenieurschule<br />

Karlsruhe. Weitere Themenbereiche<br />

im Kontext der <strong>Wasser</strong>wirtschaft<br />

wie etwa die Messtechnik<br />

und <strong>Sens</strong>orik sind in der Fakultät für<br />

Elektro- und Informationstechnik<br />

angesiedelt. Besondere Erwähnung<br />

verdient das hochschul-übergreifende<br />

Institut für Angewandte<br />

Forschung (IAF), in dem unter anderem<br />

Forschungsaktivitäten zum<br />

Thema Membranfiltration zur Trinkwasseraufbereitung<br />

und zum Ab -<br />

wasserrecycling (Prof. Dr.-Ing. Jan<br />

Hoinkis) durchgeführt werden. Im<br />

Rahmen der Einrichtung des neuen<br />

Bachelor-Studienganges „Infrastructure<br />

Engineering“ wird in Kürze<br />

in der Fakultät für Architektur und<br />

Bauwesen eine weitere Professur<br />

im Themenbereich „Infrastruktur –<br />

<strong>Wasser</strong> und Energie“ besetzt werden.<br />

<strong>gwf</strong>: Was ist das Neue, das Besondere<br />

am Studiengang „Infrastructure<br />

Engineering“? Wie unterscheidet er<br />

sich vom Studiengang Bauingenieurwesen?<br />

Clemens Wittland: Eine Vielzahl<br />

öffentlicher und privater Infrastruktur-Einrichtungen<br />

wie etwa<br />

der Trinkwasserversorgung oder<br />

der <strong>Abwasser</strong>entsorgung stammt<br />

aus den ersten Jahrzehnten nach<br />

dem Zweiten Weltkrieg. Während<br />

das klassische Bauingenieurwesen<br />

eher auf Planung und Umsetzung<br />

von Neubau-Maßnahmen ausgerichtet<br />

ist, setzt der im Wintersemester<br />

2012/2013 startende neue<br />

Studiengang „Infrastructure Engineering“<br />

seinen inhaltlichen<br />

Schwerpunkt in den Betrieb, den<br />

Erhalt und in die Instandsetzung<br />

von Bauwerken und Anlagen. Der<br />

Begriff Infrastruktur umfasst dabei<br />

neben der <strong>Wasser</strong>wirtschaft auch<br />

die Energiewirtschaft, das Verkehrswesen<br />

und den Hoch- und Ingenieurbau.<br />

Die Studierenden erlangen<br />

somit deutlich mehr Kenntnisse<br />

und Kompetenzen im Bereich<br />

Bauen im Bestand und der Sanierung<br />

von bestehenden Bauwerken.<br />

Der neue Studiengang reagiert<br />

somit auf den in der Praxis zu beobachtenden<br />

Bedarf nach qualifizierten<br />

Nachwuchskräften in diesem<br />

Sektor.<br />

Prof. Dr.-Ing. Clemens Wittland<br />

<strong>gwf</strong>: Im Vergleich zu den deutlich<br />

wissenschaftlicher ausgerichteten<br />

Universitäten werben die ehemaligen<br />

Fachhochschulen gern mit starkem<br />

Praxisbezug. Wie wird dieser im<br />

Bereich der <strong>Wasser</strong>wirtschaft an der<br />

HsKA deutlich?<br />

Clemens Wittland: Neben den typischen<br />

Fachhochschul-Merk malen<br />

wie Professoren mit expliziter einschlägiger<br />

Berufserfahrung und kleineren<br />

Gruppengrößen in Vorlesungen<br />

und Übungen setzt der Themenbereich<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaft bei uns in<br />

der Lehre sehr gezielt auch Labore,<br />

insbesondere die Versuchsanstalt für<br />

<strong>Wasser</strong>bau und das Labor für Siedlungswasserwirtschaft<br />

ein. In Form<br />

von studentischen Übungen und<br />

Oktober 2012<br />

1044 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Porträt NETZWERK WISSEN<br />

eigenverantwortlich in Gruppen<br />

durchgeführten Projekten können<br />

Studierende das in den Vorlesungen<br />

erlernte theoretische Wissen in<br />

Modellen erleben und im kleinen<br />

Maßstab in Projekt-Arbeiten anwenden.<br />

Die hauptamtlichen Professoren<br />

werden in der Lehre in vielen<br />

Themengebieten wie zum Beispiel<br />

den numerischen Strömungsmodellen,<br />

der Hydrologie, der Trinkwasseraufbereitung,<br />

der Kanalsanierung,<br />

der Altlastensanierung, der Abfallwirtschaft<br />

oder der Gewässerökologie<br />

von ausgewiesenen Fach leuten<br />

aus der <strong>Wasser</strong>wirtschaftspraxis und<br />

weiterer Karls ruher Forschungseinrichtungen<br />

unterstützt. Ergänzt wird<br />

die Lehre dabei stets durch regelmäßige<br />

Exkursionen.<br />

Steckbrief Prof. Dr.-Ing. Clemens Wittland<br />

geb.: 1963<br />

1982: Abitur<br />

1990: Diplom Chemie-Ingenieur (Universität Dortmund)<br />

1991 bis 2005: <br />

GKW CONSULT GmbH, Mannheim, Ingenieurbüro für<br />

<strong>Wasser</strong>-<strong>Abwasser</strong>-Abfalltechnik (heute LAHMEYER GKW CONSULT<br />

GmbH), zuletzt Leiter des frankophonen Regionalbereichs,<br />

Prokurist und Mitglied der Geschäftsleitung<br />

2000: Promotion zum Dr.-Ing. (Universität Karlsruhe,<br />

Institut für Siedlungswasserwirtschaft, heute KIT),<br />

Dissertation im Themenbereich Industrieabwasserreinigung<br />

2005: Professur für Siedlungswasserwirtschaft und Umwelttechnik<br />

(Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft)<br />

2010: Prodekan der Fakultät für Architektur und Bauwesen<br />

(Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft)<br />

<strong>gwf</strong>: Profitieren davon auch die<br />

wissenschaftlichen Mitarbeiter, Do ­<br />

zenten und Professoren?<br />

Clemens Wittland: Ja, auch die Mitarbeiter<br />

und Professoren arbeiten<br />

an aktuellen, praxisrelevanten Aufgabenstellungen.<br />

Sie profitieren<br />

dabei von einem seit vielen Jahren<br />

entwickelten Netzwerk von Partner-<br />

Institutionen. Vor dem Hintergrund<br />

der Vielzahl in Karlsruhe angesiedelter<br />

hochkarätiger Forschungs-,<br />

Lehr-, Beratungs- und Betreiberinstitutionen<br />

im Bereich der <strong>Wasser</strong>wirtschaft<br />

nenne ich Karlsruhe gern<br />

die heimliche <strong>Wasser</strong>-Hauptstadt<br />

Deutschlands. Zu diesen Firmen<br />

und Einrichtungen zählen nicht nur<br />

einzelne Institute des Karlsruher<br />

Instituts für Technologie (KIT), sondern<br />

insbesondere das DVGW-Technologie-Zentrum<br />

<strong>Wasser</strong> (TZW), die<br />

Bundesanstalt für <strong>Wasser</strong>bau (BAW),<br />

die Stadtwerke Karlsruhe (SWK), das<br />

Tiefbauamt (TBA) der Stadt Karlsruhe<br />

sowie das Heinrich-Sontheimer-Laboratorium<br />

(HSL). Diese sind<br />

sozusagen „strategische“ Partner<br />

der Hochschule Karlsruhe. Viele<br />

Absolventen der ehemaligen Fachhochschule<br />

Karlsruhe sind heute in<br />

verantwortungsvollen Positionen<br />

innerhalb dieser Institutionen tätig,<br />

sodass diese Kooperationen vielmals<br />

nicht nur durch die fachliche<br />

sondern auch durch persönliche<br />

Verbundenheit geprägt sind. In<br />

Form von gemeinsam betreuten<br />

Abschlussarbeiten oder gemeinsam<br />

durchgeführten Forschungs- und<br />

Projektarbeiten stehen die Mitarbeiter<br />

und Professoren im engen<br />

fachlichen Austausch zu aktuellen<br />

drängenden Fragestellungen aus<br />

der <strong>Wasser</strong>wirtschafts-Praxis.<br />

<strong>gwf</strong>: Beschränkt sich dieses Kooperations-Netzwerk<br />

nur auf Karlsruhe<br />

bzw. die Region?<br />

Clemens Wittland: Nein. Gerade im<br />

Juni 2012 haben unter der Federführung<br />

der HsKA und der Stadtwerke<br />

Karlsruhe mehrere der oben<br />

genannten Partner-Institutionen<br />

mit der renommierten englischen<br />

University of Surrey eine Kooperationsvereinbarung<br />

unterzeichnet.<br />

Thematischer Schwerpunkt ist dabei<br />

zunächst die <strong>Wasser</strong>aufbe reitung<br />

und <strong>Abwasser</strong>behandlung in Entwicklungsländern,<br />

eine Thematik,<br />

der ich auch persönlich – aufgrund<br />

meiner jahrelangen, welt weiten<br />

Beratungstätigkeit in <strong>Wasser</strong>projekten<br />

der Ent wicklungszusam menarbeit<br />

– große Bedeutung beimesse.<br />

Auch die Studie renden werden am<br />

Ende wieder von diesen internationalen<br />

Netzwerken und Projekten<br />

profitieren. So konnten zum Beispiel<br />

in den letzten Jahren einige Ab -<br />

schluss arbeiten im Bereich <strong>Wasser</strong>wirtschaft<br />

im Ausland erstellt werden,<br />

neben der University of Surrey<br />

in England unter anderem in Luxemburg,<br />

in Frankreich, in der Schweiz,<br />

aber auch im entfernteren Ausland<br />

wie etwa in Jordanien, in Tunesien<br />

und in Südafrika. Darüber hinaus<br />

entwickelt der Studiengang Bauingenieurwesen<br />

zurzeit mit der Ryerson<br />

University in Toronto/Kanada<br />

einen gemeinsamen Doppel-<br />

Master-Studiengang, dessen inhaltlicher<br />

Schwerpunkt im Bereich<br />

Infrastruktur, <strong>Wasser</strong>wirtschaft und<br />

Verkehrswesen liegen wird.<br />

<strong>gwf</strong>: In welcher Form fließen die aus<br />

diesen Kooperationen gewonnenen<br />

Erkenntnisse dann wieder in die Praxis<br />

der <strong>Wasser</strong>wirtschaft?<br />

Clemens Wittland: Indem wir zum<br />

Beispiel die in der <strong>Wasser</strong>wirtschafts-Praxis<br />

tätigen Fachleute in<br />

regelmäßigen Abständen in Form<br />

einer Tagung an die HsKA einladen.<br />

Dies haben wir in den Jahren 2009<br />

und 2011 gemeinsam mit dem<br />

DVGW, den Stadtwerken Karlsruhe<br />

und dem Tiefbauamt getan. Im Jahr<br />

2009 war dies eine englischsprachige<br />

Tagung mit begleitender<br />

Fachausstellung zum Thema der<br />

Notwasserversorgung, an der sich<br />

<br />

Oktober 2012<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 1045


NETZWERK WISSEN Porträt<br />

rund 150 Experten, Fachleute, aber<br />

auch Studierende anderer Hochschulen<br />

über rechtliche, organisatorische<br />

und technische Aspekte der<br />

<strong>Wasser</strong>qualität und <strong>Wasser</strong>aufbereitung<br />

in Katastrophensituationen<br />

informierten. Im Jahr 2011 haben<br />

wir das Themenspektrum in Richtung<br />

der <strong>Abwasser</strong>ableitung ergänzt<br />

und die Tagung unter das Motto<br />

„<strong>Wasser</strong>wirtschaftliche Infrastruktur<br />

in Extremsituationen“ gestellt. Wiederum<br />

besuchten mehr als 100 Teilnehmer<br />

die HsKA, um sich über<br />

die Auswirkungen des Klimawandels<br />

auf die Trinkwasserversorgung und<br />

die Entwässerung auszutauschen.<br />

Wir planen, diese <strong>Wasser</strong>tagungen<br />

als regelmäßige Veranstaltung im<br />

2-Jahres-Turnus an der Hochschule<br />

Karlsruhe zu etablieren.<br />

<strong>gwf</strong>: Spannende Dinge, die sich da an<br />

der HsKA im Bereich der <strong>Wasser</strong>wirtschaft<br />

tun. Wo erfährt man mehr<br />

darüber?<br />

Clemens Wittland: Zunächst einmal<br />

in den nachfolgenden Artikel, die die<br />

meisten der oben genannten Punkte,<br />

wie den neuen Studiengang „Infrastructure<br />

Engineering“, die Labore<br />

und Forschungstätig keiten im<br />

Bereich der <strong>Wasser</strong>wirtschaft, die<br />

lokalen, regionalen und internationalen<br />

Kooperationen sowie die jeweiligen<br />

Kurz-Profile der strategischen<br />

Partner-Institutionen aufführen. Darüber<br />

hinaus stehen wir und alle<br />

jeweils am Ende der Artikel genannten<br />

Ansprechpartner natürlich gern<br />

für Rückfragen, Anregungen und<br />

künftige Kooperationen zur Verfügung.<br />

Ich wünsche allen Leserinnen<br />

und Lesern viel Spaß und einige neue<br />

Erkenntnisse bei dieser Lektüre.<br />

<strong>gwf</strong>: Herr Wittland, vielen Dank für<br />

dieses Gespräch.<br />

Steckbrief Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft<br />

Die Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft<br />

(HsKA) ist eine der größten Hochschulen<br />

für angewandte Wissenschaften in Baden-Württemberg.<br />

Gegründet: 1878<br />

Trägerschaft: staatlich<br />

Rektor:<br />

Prof. Dr. rer. nat.<br />

Karl-Heinz Meisel<br />

Studierende: ca. 7000<br />

Wissenschaftliche<br />

MitarbeiterInnen: 591<br />

ProfessorInnen: 183<br />

Internet:<br />

www.hs-karlsruhe.de<br />

Mögliche Abschlüsse:<br />

Bachelor<br />

Master<br />

Fakultäten:<br />

Architektur und Bauwesen (AB)<br />

Elektro- und Informationstechnik (EIT)<br />

Informatik und Wirtschaftsinformatik (IWI)<br />

Informationsmanagement und Medien (IMM)<br />

Maschinenbau und Mechatronik (MMT)<br />

Wirtschaftswissenschaften (W)<br />

International:<br />

Die HsKA pflegt Kontakte zu rund<br />

100 Partnerhochschulen in 30 Ländern.<br />

Dabei sind internationale Doppelabschlüsse möglich<br />

in den folgenden Studiengängen:<br />

Bauingenieurwesen (trinational)<br />

Elektrotechnik<br />

Fahrzeugtechnologie, Maschinenbau<br />

und Mechatronik<br />

Geomatik<br />

Informatik<br />

International Management<br />

<strong>Sens</strong>orsystemtechnologie<br />

Die Studiengänge umfassen<br />

Technisch-ingenieurwissenschaftliche,<br />

Informatik-,<br />

Wirtschafts- und<br />

bauspezifische Disziplinen<br />

Forschung:<br />

Die HsKA ist die drittmittelstärkste Hochschule<br />

für angewandte Wissenschaften in<br />

Baden-Württemberg.<br />

Ihre Forschungsaktivitäten werden gebündelt<br />

in den zentralen Forschungseinrichtungen<br />

Institut für Angewandte Forschung (IAF)<br />

Institute of Materials and Processes (IMP)<br />

Oktober 2012<br />

1046 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Porträt NETZWERK WISSEN<br />

Ein Studium mit Perspektive<br />

Neuer Studiengang „Infrastructure Engineering“ legt Fokus auf Betrieb, Erhaltung und<br />

Instandsetzung von Anlagen<br />

Ein Großteil der Infrastruktur im Hoch- und Ingenieurbau, im Verkehrswesen und in der <strong>Wasser</strong>- und Energiewirtschaft<br />

stammt noch aus den ersten 20 bis 30 Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg. Doch für eine Erneuerung<br />

sind die finanziellen Ressourcen vor allem aus öffentlicher Hand stark begrenzt. Erhalt und Ertüchtigung<br />

bestehender Brücken, Straßen, Kanäle, <strong>Wasser</strong>- oder Gasleitungen werden daher im Vergleich zum Neubau<br />

immer wichtiger. Dieser Entwicklung und dem geänderten Tätigkeitsfeld für Bauingenieure trägt die Fakultät<br />

für Architektur und Bauwesen Rechnung und startet im Wintersemester 2012/2013 den neuen Bachelor-<br />

Studiengang „Infrastructure Engineering“.<br />

Wie der Mensch so altern auch<br />

Häuser und Städte. Der<br />

Lebenszyklus von Anlagen und Leitungsnetzen<br />

– insbesondere auch<br />

für die Trinkwasserversorgung und<br />

<strong>Abwasser</strong>entsorgung – rückt immer<br />

stärker in den Mittelpunkt der Baubranche.<br />

Deshalb konzentriert sich<br />

der deutschsprachige Bachelorstudiengang<br />

„Infrastructure Engineering“<br />

speziell auf die neuen Anforderungen<br />

der Erhaltung und Instandsetzung<br />

bestehender Infrastruktur.<br />

Der Studiengang, der im Wintersemester<br />

2012/2013 startet, vermittelt<br />

wertvolle Antworten und technische<br />

Lösungen auf drängende,<br />

aktuelle Problemstellungen:<br />

<strong>Wasser</strong><br />

Im Zeichen des Klimawandels wird die<br />

Ressource <strong>Wasser</strong> als Lebensgrundlage<br />

des Menschen immer bedrohter.<br />

Weltweit gesehen sind eine sichere<br />

Trinkwasserversorgung und die ordnungsgemäße<br />

<strong>Abwasser</strong>entsorgung<br />

die wohl drängendsten Fragen für<br />

nachhaltige Entwicklung. Mit Blick auf<br />

knappe öffentliche Kassen steigt der<br />

Bedarf an Fachkenntnissen und Kompetenzen<br />

im Bereich der Erhaltung<br />

und Ertüchtigung bestehender Infrastruktur<br />

der <strong>Wasser</strong>wirtschaft. Diesem<br />

Bedarf wird der Studiengang „Infrastructure<br />

Engineering“ in seinen verschiedenen<br />

Themenbereichen der<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaft gerecht.<br />

Energie<br />

Die Energiewende macht sowohl<br />

den Neubau zur Gewinnung erneuerbarer<br />

Energien wie <strong>Wasser</strong>kraft,<br />

Wind-, Sonnen- und Bioenergie als<br />

auch den Erhalt bestehender Bauwerke<br />

und Anlagen wie z.B. der<br />

Netze immer dringender. Deshalb<br />

setzt der Studiengang „Infrastructure<br />

Engineering“ einen seiner<br />

Schwerpunkte in den Bereich der<br />

Energiewirtschaft. Dabei eignen sich<br />

Studierende fundierte Kenntnisse<br />

an zu Betrieb, Unterhaltung und<br />

Erhaltung der energiewirtschaftlichen<br />

Infrastruktur wie etwa der<br />

Energieerzeugung (Gasgewinnung,<br />

Kraftwerke, regenerative Energien),<br />

der Energiespeicherung und -verteilung<br />

(Wärmespeicher, Akkumulatoren,<br />

Pumpspeicherkraftwerke, Kondensatoren,<br />

Stromnetze, Gasnetze).<br />

Mobilität<br />

Nicht nur die Mobilität der Menschen<br />

sondern auch der Gütertransport<br />

kann in Zukunft nur dann<br />

garantiert werden, wenn die bestehende<br />

Verkehrs-Infrastruktur professionell<br />

erhalten, gewartet und<br />

gezielt weiterentwickelt wird. Dies<br />

gilt für Verkehrs-Infrastrukturanlagen<br />

wie Straßen und Brücken<br />

ebenso wie für Schienenverkehrsanlagen<br />

oder Flughäfen. Der neue Studiengang<br />

„Infrastructure Engineering“<br />

widmet sich daher eingehend<br />

auch den Fragen zu Erhalt, Wartung<br />

und Sanierung dieser Anlagen.<br />

Bauen im Bestand<br />

Auch im Bereich des Hoch- und<br />

Ingenieurbaus wird die Erhaltung<br />

<br />

Betrieb, Erhaltung und Instandsetzung von<br />

Rohrleitungs-Netzen, …<br />

… der Infrastruktur der <strong>Wasser</strong>wirtschaft …<br />

… und der Infrastruktur des Verkehrswesens sind<br />

Kernelemente des neuen Studiengangs<br />

„Infrastructure Engineering“.<br />

Oktober 2012<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 1047


NETZWERK WISSEN Porträt<br />

Der Studienverlauf<br />

Der Bachelorstudiengang „Infrastructure Engineering“ dauert in der Regel sieben Semester<br />

und gliedert sich in Grundstudium (zwei Semester) und Hauptstudium (fünf Semester).<br />

Das Praxissemester im fünften Semester bietet den Studierenden die Möglichkeit,<br />

die erlernten Kenntnisse erstmals in der Berufswelt anzuwenden.<br />

Bereits im Grundstudium eignen sich die Studierenden alle unverzichtbaren Grundlagen<br />

eines Ingenieurstudiums an. Die HsKA legt dabei besonderen Wert auf eine umfassende<br />

Ausbildung, die den Absolventen eine universelle Einsetzbarkeit für den Berufseinstieg<br />

garantiert.<br />

Struktur des Grundstudiums:<br />

Semester 1: Mathematik I und Mechanik<br />

Geomatik und Naturwissenschaften<br />

Baustoffe<br />

Semester 2: Mathematik II und Dynamik<br />

Geotechnik und Strömungsmechanik<br />

Bauphysik und Baukonstruktion<br />

Im Hauptstudium werden den Studierenden Kenntnisse und Kompetenzen in den<br />

wesentlichen Aufgabenfeldern zum Betrieb und Erhalt von Infrastrukturanlagen vermittelt.<br />

Dazu gehören:<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaft<br />

Energiewirtschaft<br />

Umwelttechnik und Umweltrecht<br />

Verkehrswegebau und Logistik<br />

Baubetrieb und Baurecht<br />

Im Sinne einer sehr praxisnahen Hochschulausbildung umfasst das Hauptstudium<br />

neben den klassischen Vorlesungen mehrere studentische Projekte, das Praxissemester<br />

im fünften Studiensemester sowie die Bachelor-Thesis im siebten Studiensemester.<br />

Struktur des Hauptstudiums:<br />

Semester 3: Energieinfrastruktur und Ingenieurbau<br />

Verkehrsinfrastruktur und Hydroinfrastruktur<br />

Schadensanalytik<br />

Semester 4: Energiewirtschaft und Sanierung<br />

Verkehrswegebau und <strong>Wasser</strong>wirtschaft<br />

Projekt „Planung von Infrastruktur“<br />

Semester 5: Praxisvor- und -nachbereitung<br />

Praktische Tätigkeit<br />

Semester 6: Energiekonzepte und Baubetrieb<br />

Logistik und Umwelttechnik<br />

Projekt „Betrieb und Erhalt von Infrastruktur“<br />

Semester 7: Umweltrecht/Baurecht und Projekmanagement<br />

Bachelor-Thesis<br />

Weitere Informationen:<br />

Prof. Dr.-Ing. Markus Baumann<br />

Studiendekan Infrastructure Engineering<br />

Fakultät für Architektur und Bauwesen<br />

Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft<br />

E-Mail: markus.baumann@hs-karlsruhe.de<br />

Internet : www.hs-karlsruhe.de/ieb<br />

und Sanierung des bestehenden<br />

Gebäudebestandes immer drängender.<br />

Nicht zuletzt, weil hierfür<br />

deutlich andere Fachkenntnisse der<br />

Baustoffe und Baukonstruktion<br />

nötig sind als für den Neubau von<br />

Gebäuden. Hier bietet der neue Studiengang<br />

eine Fülle an innovativen<br />

und aktuellen Fachkenntnissen und<br />

technischen Lösungen, die auf dem<br />

Markt im Bereich Bauen im Bestand<br />

sehr begehrt sind.<br />

Ein Studiengang mit<br />

Berufsperspektive –<br />

so geht’s danach weiter<br />

Mit dem erfolgreichen Abschluss<br />

des Studiums erhält der Absolvent<br />

den akademischen Grad „Bachelor<br />

of Engineering“ (B.Eng.). Auf diesen<br />

berufsqualifizierenden Abschluss<br />

können die Absolventen zudem ein<br />

vertiefendes Masterstudium an der<br />

HsKA oder einer anderen Hochschule<br />

aufbauen.<br />

Mit dem Bachelor-Abschluss<br />

haben die jungen Akademiker<br />

bewiesen, dass Sie dringende, komplexe<br />

und aktuelle Problemstellungen<br />

selbständig, innovativ und interdisziplinär<br />

lösen können. Das macht<br />

sie auf dem Markt sehr begehrt. So<br />

vielfältig wie die Aufgaben, so weitgefächert<br />

sind auch die Berufseinstiegsmöglichkeiten.<br />

Unter den<br />

Jobangeboten können die Absolventen<br />

hier zum Beispiel wählen aus:<br />

""<br />

<strong>Wasser</strong>versorgungs- und<br />

<strong>Abwasser</strong>entsorgungsunternehmen<br />

""<br />

Ingenieurbüros<br />

""<br />

Baufirmen<br />

""<br />

Verkehrsbetriebe<br />

""<br />

Energieversorgungsunternehmen<br />

""<br />

Behörden bei Bund, Ländern<br />

und Kommunen<br />

Die Hochschule Karlsruhe legt großen<br />

Wert darauf, ihre Studiengänge<br />

auch in Zukunft noch stärker international<br />

auszurichten. Mit einem<br />

Studiensemester oder dem Praxissemester<br />

im Ausland erhöhen die<br />

Absolventen ihre Chancen, beruflich<br />

auch auf internationalem Parkett<br />

tätig zu werden.<br />

Oktober 2012<br />

1048 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Porträt NETZWERK WISSEN<br />

Untersuchungen für Forschung, Lehre und Praxis<br />

Die Versuchsanstalt für <strong>Wasser</strong>bau der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft<br />

Die Versuchsanstalt für <strong>Wasser</strong>bau<br />

(VAW) ist die älteste technische<br />

Lehreinrichtung der Hochschule<br />

Karlsruhe und ging 1973 aus<br />

dem <strong>Wasser</strong>baulabor der ehemaligen<br />

staatlichen Ingenieurschule<br />

hervor. Seit 1999 leitet Prof. Dr.-Ing.<br />

Norbert Eisenhauer die VAW. 2006<br />

wurde sie durch Fördermittel des<br />

Landes und der Deutschen Forschungsgemeinschaft<br />

auf den neuesten<br />

technischen Stand gebracht<br />

und um ein Virtuelles <strong>Wasser</strong>baulabor<br />

(ViWaLa) ergänzt. Das Herz der<br />

Versuchsanstalt besteht aus einer<br />

20 m langen und 4 m breiten Vollmodellrinne,<br />

die es ermöglicht,<br />

hy draulische Modellversuche an<br />

Gesamtmodellen durchzuführen,<br />

und zwei Rinnen (0,6 m × 0,8 m × 20<br />

m und 0,3 m × 0,3 m × 7,0 m als<br />

Kipprinne) für zweidimensionale<br />

Fragestellungen, Grundsatzuntersuchungen<br />

und Lehrdemonstrationen.<br />

Die drehzahlgeregelten Pumpen<br />

arbeiten mit einem Fördervermögen<br />

von rund 250 L/s.<br />

Für die Messtechnik stehen<br />

Piezosonden, Ultraschallsonden,<br />

Acous tic Doppler Velocimeter und<br />

ein PIV–System zur Verfügung. Ein<br />

kleines Rohrversuchsfeld sowie ein<br />

hydrologischer Versuchstand dienen<br />

daneben zu Unterrichtszwecken.<br />

Hierbei entwickelten die Studierenden<br />

im Rahmen einer Projektarbeit<br />

ein transportables Modell zur<br />

Demonstration gewässermorphologischer<br />

Prozesse (Bild 3).<br />

Die VAW arbeitet sowohl an praxisorientierten<br />

Untersuchungen<br />

sowie grundlagenorientiert. Dabei<br />

ist sie thematisch umfassend aufgestellt.<br />

Derzeit wird in Kooperation<br />

mit den Stadtwerken Karlsruhe die<br />

Spülung von Trinkwasserleitungen<br />

(Bild 1) untersucht. In einem<br />

1:10-Modell wird im Auftrag der<br />

Bundesanstalt für <strong>Wasser</strong>bau die<br />

Machbarkeit eines Großversuchsstandes<br />

zur Simulation der Uferbelastung<br />

durch schiffsinduzierte<br />

Wellen (Bild 2) geprüft.<br />

Weitere Informationen:<br />

Prof. Dr.-Ing. Norbert Eisenhauer<br />

Leiter der Versuchsanstalt für<br />

<strong>Wasser</strong>bau (VAW)<br />

Hochschule Karlsruhe –<br />

Technik und Wirtschaft<br />

E-Mail: norbert.eisenhauer@hs-karlsruhe.de<br />

Bild 1. An diesem Modell kann die Spülung von<br />

Trinkwasserleitungen geprobt werden.<br />

Bild 2. Modell zur Untersuchung schiffsinduzierter<br />

Wellen.<br />

Info<br />

Eine kleine Auswahl verschiedener Untersuchungen an der VAW<br />

zeigt die folgende Liste:<br />

Regenklärbecken Lochfeld (RP Karlsruhe)<br />

Retentionsbodenfilter Rheinstetten) (RP Karlsruhe)<br />

Widerstandsverhalten von flexiblem Uferbewuchs (BAW)<br />

Spüldränagen in Umgehungsgewässern (RP Freiburg,<br />

Schweizer Bundesamt für Umwelt, Ing. Büro Gebler)<br />

Retentionsbodenfilter Haarbach (Weber-Ingenieure)<br />

Rückhalteraum Elzmündung –<br />

Standsicherheit Wittenweierer Faschinat (RP Freiburg)<br />

Rückhalteraum Elzmündung –<br />

Leistungsfähigkeit Auslassbauwerk (RP Freiburg)<br />

Sedimentationsprobleme am Pegel Harmersbach (RP Freiburg)<br />

Uferbelastung durch schiffsinduzierte Wellen (BAW)<br />

Spülung von Trinkwasserleitungen (Stadtwerke Karlsruhe)<br />

Bild 3. Von Studierenden entwickeltes<br />

Demonstrationsmodell zur morphologischen<br />

Gewässerentwicklung.<br />

Oktober 2012<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 1049


NETZWERK WISSEN Porträt<br />

Phänomene und Verfahren am praktischen<br />

Modell erlebt<br />

Das Labor für Siedlungswasserwirtschaft<br />

Als klassischer Bereich des Bauingenieurwesens<br />

erschließt sich<br />

die Theorie der Siedlungswasserwirtschaft<br />

(SIWAWI) den Studierenden<br />

am besten durch Demonstration<br />

und selbständige Übungen<br />

und Versuche. Dazu stand dem<br />

Bereich SIWAWI innerhalb der Fakultät<br />

für Architektur und Bauwesen<br />

bis vor wenigen Jahren nur ein vergleichsweise<br />

kleines Analytik-Labor<br />

zur Charakterisierung verschiedener<br />

Wässer zur Verfügung. Allerdings<br />

ohne explizite Versuchsapparaturen,<br />

mit denen die Studierenden<br />

Phänomene und Verfahren der<br />

<strong>Wasser</strong>/<strong>Abwasser</strong>behandlung am<br />

praktischen Modell erleben bzw.<br />

untersuchen konnten. Im Jahr 2009<br />

schließlich wurde das Labor für<br />

Siedlungswasserwirtschaft, seit<br />

2005 von Prof. Dr.-Ing. Clemens<br />

Wittland geleitet, durch gezielte<br />

Investitionen in Versuchsapparaturen<br />

im Bereich der <strong>Wasser</strong>/<strong>Abwasser</strong>behandlung<br />

und durch die finanzielle<br />

Unterstützung aus Studiengebühren<br />

ausgebaut.<br />

Seitdem verfügt das Labor vor<br />

allem über folgende Versuchsstände:<br />

Grundlagen<br />

der Sedimentation<br />

Hier werden Untersuchungen zur<br />

Sedimentation von Feststoffen in<br />

Auch die <strong>Abwasser</strong>analytik erleben Studierende<br />

im Labor SIWAWI im praktischen Einsatz.<br />

Studierende üben am Versuchsstand<br />

Belebtschlammverfahren.<br />

Flüssigkeiten durchgeführt. Vor<br />

allem der Einfluss der Feststoffkonzentration<br />

auf die Sedimentation<br />

steht im Mittelpunkt. Der Aufbau<br />

des Gerätes ermöglicht es, die Sedimentation<br />

von Suspensionen mit<br />

unterschiedlichen Feststoffkonzentrationen<br />

gleichzeitig zu untersuchen<br />

und zu beobachten.<br />

Kuchen- und Tiefenfiltration<br />

An diesem Versuchstand können die<br />

Vorgänge der Tiefenfiltration und<br />

Kuchenfiltration anschaulich studiert<br />

werden. Das Versuchsspektrum<br />

umfasst folgende Gebiete:<br />

""<br />

Tiefenfiltration von<br />

Suspensionen mit<br />

unterschiedlichen<br />

Partikelschichten<br />

""<br />

Kuchenfiltration von<br />

Suspensionen<br />

""<br />

Beobachtung des<br />

Tiefenfiltrationsvorganges<br />

""<br />

Durchflussvorgänge in<br />

Bodenschichten<br />

Belebtschlammverfahren<br />

Folgende Aspekte des klassischen<br />

Verfahrens der kommunalen Ab -<br />

wasserreinigung, des Belebtschlammverfahrens,<br />

können hier<br />

veranschaulicht werden:<br />

""<br />

Aufbau einer klassischen<br />

<strong>Abwasser</strong>behandlungsanlage<br />

und deren Betrieb<br />

""<br />

Einfluss verschiedener<br />

Randbedingungen auf die<br />

Kohlenstoff- und<br />

Stickstoffelimination<br />

""<br />

Bedeutung spezifischer<br />

Parameter der biologischen<br />

<strong>Abwasser</strong>reinigung<br />

""<br />

Beobachtung des Verfahrens<br />

und Erkennen von<br />

Betriebsstörungen<br />

""<br />

Erarbeitung von Lösungen<br />

zur Beseitigung von<br />

Betriebsstörungen<br />

""<br />

Verfahren der Mess- und<br />

Regelungstechnik<br />

""<br />

Umgang mit einer komplexen<br />

Messdatenerfassungssoftware<br />

""<br />

Anwendung gebräuchlicher<br />

Analyseverfahren<br />

Dank dieser umfangreichen Ausstattung<br />

ist der Bereich SIWAWI nun in<br />

der Lage, das Wissen aus der Vorlesung<br />

durch anschauliche Versuche<br />

zu ergänzen und praktisch begreifbar<br />

zu machen. Daneben können Studierende<br />

hier natürlich auch ihre Projekt-<br />

und Studienarbeiten anfertigen.<br />

Zudem stellt das SIWAWI seine<br />

Dienstleistungen auch für externe<br />

Auftraggeber und für Kooperationsprojekte<br />

mit anderen Forschungseinrichtungen<br />

zur Verfügung.<br />

Weitere Informationen:<br />

Prof. Dr.-Ing. Clemens Wittland<br />

FG Siedlungswasserwirtschaft/<br />

Umwelttechnik<br />

Prodekan der Fakultät für Architektur<br />

und Bauwesen<br />

HsKA – Technik und Wirtschaft<br />

E-Mail: clemens.wittland@hs-karlsruhe.de<br />

Oktober 2012<br />

1050 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Porträt NETZWERK WISSEN<br />

Der unverzichtbare Blick „über den Tellerrand“<br />

Die <strong>Wasser</strong>-Tagungen an der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft<br />

Als Hochschule mit ausgeprägtem Praxisbezug legt die HsKA – Technik und Wirtschaft großen Wert auf den<br />

fachlichen Austausch mit Akteuren der <strong>Wasser</strong>wirtschaft aus der planerischen, baulichen und betrieblichen<br />

Praxis. Als ein wertvoller Baustein dieses ständigen Austausches zwischen Wissenschaft und Praxis haben<br />

sich die <strong>Wasser</strong>-Tagungen entwickelt, die an der Hochschule Karlsruhe im Turnus von zwei Jahren und in<br />

Kooperation mit den Stadtwerken Karlsruhe und dem Tiefbauamt Karlsruhe stattfinden.<br />

Trinkwasser ist ein lebenswichtiges<br />

Gut und kann nicht ersetzt<br />

werden – dies wird besonders dann<br />

deutlich, wenn Naturkatastrophen<br />

wie Erdbeben oder Überschwemmungen<br />

eine sichere <strong>Wasser</strong>versorgung<br />

verhindern. In Krisensituationen<br />

wird in den mitteleuropäischen<br />

Ländern durch vorausschauende<br />

Planung und präventive logistische<br />

Maßnahmen sauberes Trinkwasser,<br />

aus Notbrunnen, durch den Verbund<br />

mit anderen <strong>Wasser</strong>versorgungsunternehmen<br />

oder als abgepacktes<br />

<strong>Wasser</strong> zur Verfügung<br />

gestellt. Ganz anders stellt sich die<br />

Situation in vielen Schwellenländern<br />

und <strong>Wasser</strong>mangelgebieten<br />

dar. So müssen bereits jetzt rund<br />

1,1 Mio. Menschen ohne sauberes<br />

Trinkwasser auskommen. Bei über<br />

einem Drittel der Weltbevölkerung<br />

sind die Voraussetzungen für eine<br />

geordnete <strong>Abwasser</strong>entsorgung<br />

nicht mehr gegeben. Um Epidemien<br />

zu verhindern, steigt deshalb<br />

im Katastrophenfall in kurzer Zeit<br />

der Bedarf an Trinkwasseraufbereitung<br />

gewaltig an. Dabei kommt der<br />

Koordination der einzelnen Hilfsmaßnahmen<br />

eine besondere<br />

Bedeutung zu, da die Verbreitung<br />

wasserbedingter Krankheiten über<br />

den Trinkwasserpfad verhindert<br />

werden muss.<br />

International Conference on<br />

Water Supply in Emergencies<br />

Zu diesem Themenkomplex fand am<br />

7. Mai 2009 an der HsKA – Technik<br />

und Wirtschaft in Zusammenarbeit<br />

mit den Stadtwerken Karlsruhe und<br />

der Deutschen Vereinigung des Gasund<br />

<strong>Wasser</strong>faches e.V. (DVGW, Bonn)<br />

eine Internationale Konferenz mit<br />

dem Thema „Water Supply in Emergencies“<br />

statt. Rund 150 Experten<br />

und Fachleute informierten sich in<br />

den Vorträgen international renommierter<br />

Wissenschaftler und Vertreter<br />

von Behörden und Hilfsorganisationen,<br />

von <strong>Wasser</strong>versorgungsunternehmen<br />

und von Anlagenbau-Firmen<br />

im <strong>Wasser</strong>sektor.<br />

Die Referenten zeigten praxisnah<br />

den richtigen Umgang mit Notsituationen<br />

und erklärten, wie eine<br />

koordinierte, fachlich sichere und<br />

hygienisch einwandfreie Trinkwasserversorgung<br />

auch in Extremsituationen<br />

hergestellt werden kann.<br />

Gerade die Erfahrungen verschiedener<br />

Hilfsorganisationen wie des<br />

„Technischen Hilfswerks (THW)“, des<br />

„arche noVa e.V.“ oder auch der<br />

„Engineers without Borders“ zeigten<br />

sehr anschaulich, wie wichtig<br />

angepasste Konzepte und technische<br />

Lösungen werden. So wurde<br />

etwa auch die Trinkwasserhilfe nach<br />

dem Tsunami in Sri Lanka beschrieben,<br />

sowie die Choleraepidemie in<br />

Simbabwe.<br />

Durch die Konferenz konnten<br />

sich Verantwortliche in der <strong>Wasser</strong>versorgung,<br />

Behördenvertreter und<br />

Hilfsorganisationen untereinander<br />

austauschen und von den unterschiedlichen<br />

Erfahrungen in Krisengebieten<br />

und in Mitteleuropa profi-<br />

<br />

Das<br />

interessierte<br />

Auditorium<br />

der<br />

„International<br />

Conference on<br />

Water Supply<br />

in<br />

Emergencies“<br />

2009 in der<br />

HsKA –<br />

Technik und<br />

Wirtschaft.<br />

Oktober 2012<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 1051


NETZWERK WISSEN Porträt<br />

Prof. Dr.<br />

Wittland<br />

begrüßt die<br />

Teilnehmer-<br />

Innen der<br />

Tagung<br />

„<strong>Wasser</strong>wirtschaftliche<br />

Infrastruktur<br />

in Extremsituationen“<br />

am 26. Mai<br />

2011 in der<br />

HsKA –<br />

Technik und<br />

Wirtschaft.<br />

tieren. Auch interessierte Nachwuchskräfte<br />

wie Studierende der<br />

Vertiefungsrichtung <strong>Wasser</strong>wirtschaft<br />

nutzten die Möglichkeit und<br />

gewannen einzigartige Einblicke<br />

und Erkenntnisse über die <strong>Wasser</strong>versorgung<br />

außerhalb privilegierter<br />

Regionen wie Deutschland.<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaftliche<br />

Infrastruktur<br />

in Extremsituationen<br />

Mehr denn je muss auch die wasserwirtschaftliche<br />

Infrastruktur mit<br />

Blick auf sich ändernde klimatologische<br />

Daten geplant und betrieben<br />

werden. Hierzu zählen Anlagen der<br />

öffentlichen Trinkwasserversorgung,<br />

der Regen- und <strong>Abwasser</strong>ableitung<br />

sowie die <strong>Abwasser</strong>behandlung<br />

in Kläranlagen. Diesem Ziel<br />

widmete sich die Veranstaltung<br />

„<strong>Wasser</strong>wirtschaftliche Infrastruktur<br />

in Extremsituationen“ der HsKA –<br />

Technik und Wirtschaft im Mai 2011.<br />

Die Konferenz wurde gemeinsam<br />

mit dem Tiefbauamt der Stadt Karlsruhe<br />

und den Stadtwerken Karlsruhe<br />

durchgeführt und vom Deutschen<br />

Verein des Gas- und <strong>Wasser</strong>faches<br />

e.V. (DVGW) unterstützt. Rund<br />

100 Experten aus Ingenieurbüros,<br />

Behörden, Unternehmen, Wissenschaft<br />

sowie viele Studierende<br />

informierten sich hier über die aus<br />

dem Klimawandel resultierenden<br />

Herausforderungen für Trinkwasserversorgung<br />

und <strong>Abwasser</strong>entsorgung.<br />

Über die in Süddeutschland<br />

gemessenen und zukünftig erwarteten<br />

Änderungen im <strong>Wasser</strong>haushalt<br />

referierte dabei Burkhard<br />

Schneider von der Landesanstalt für<br />

Umwelt, Messungen und Naturschutz<br />

Baden-Württemberg (LUBW).<br />

So wurde in Süddeutschland seit<br />

1930 eine mittlere Temperaturzunahme<br />

in der Größenordnung von<br />

1 °C gemessen. Auf der anderen<br />

Seite wurde auch eine Zunahme<br />

winterlicher Starkniederschläge<br />

beobachtet. Auch Für die Zukunft<br />

müsse mit einer Fortsetzung dieser<br />

Trends gerechnet werden, erklärte<br />

Schneider.<br />

Über den „Tellerrand“ blickte<br />

Heinz Knoll von der International<br />

Water Aid Organisation (IWAO) und<br />

zeigte die Herausforderungen für<br />

eine ordnungsgemäße Trinkwasserversorgung<br />

und <strong>Abwasser</strong>entsorgung<br />

in Entwicklungsländern<br />

anhand einiger Hilfseinsätze zur<br />

Notwasserversorgung nach Naturkatastrophen<br />

wie nach der Tsunami-<br />

Katastrophe 2004 in Sri Lanka. Das<br />

Tiefbauamt Karlsruhe stellte Planungsgrundsätze<br />

der Straßengestaltung<br />

und der Straßenentwässerung<br />

vor, die über die Vorgaben des<br />

Regelwerks hinausreichen, aber<br />

zwingend beachtet werden sollten,<br />

um die von Starkregenereignissen<br />

ausgehende Gefährdung zu minimieren.<br />

Die abschließenden Diskussionen<br />

zeigten, wie brisant die Inhalte<br />

der Konferenz waren. Gerade die<br />

Integration von Themen aus <strong>Wasser</strong>versorgung<br />

und Siedlungsentwässerung<br />

erregte bei Behörden<br />

und Ingenieurbüros starkes Interesse.<br />

Wegen der durchweg positiven<br />

Resonanz planen die Organisatoren<br />

auch für 2013 eine Folge-Veranstaltung.<br />

Das<br />

Starkregen-<br />

Ereignis als<br />

Herausforderung.<br />

Weitere Informationen:<br />

Prof. Dr.-Ing. Clemens Wittland<br />

FG Siedlungswasserwirtschaft/<br />

Umwelttechnik<br />

Prodekan der Fakultät für Architektur<br />

und Bauwesen<br />

HsKA – Technik und Wirtschaft<br />

E-Mail: clemens.wittland@hs-karlsruhe.de<br />

Oktober 2012<br />

1052 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Porträt NETZWERK WISSEN<br />

Wenn aus Meerwasser frisches Trinkwasser wird<br />

Das Institut für Angewandte Forschung (IAF) stellt sich vor<br />

Das Institut für Angewandte Forschung (IAF) ist die zentrale, wissenschaftliche und themenübergreifende Forschungs-<br />

und Entwicklungseinrichtung der Hochschule Karlsruhe. Seit 2008 ist Prof. Dr.-Ing. Jan Hoinkis<br />

geschäftsführender Direktor des Instituts. Die derzeitigen Forschungsschwerpunkte konzentrieren sich auf die<br />

Gebiete: Angewandte Informatik und Informationssysteme, Bau- Umwelt- und Verfahrenstechnik, sowie intelligente<br />

Messsysteme und <strong>Sens</strong>ortechnologien. Im Themenbereich <strong>Wasser</strong>/<strong>Abwasser</strong> liegt der Forschungsschwerpunkt<br />

des IAF auf dem Gebiet der Membranfiltrationstechniken (Mikro-, Ultra- und Nanofiltration,<br />

Umkehrosmose) zur Trinkwasseraufbereitung und zum <strong>Abwasser</strong>recycling. Seit vielen Jahren beteiligt sich das<br />

IAF an zahlreichen Projekten, die auch Studierende im Rahmen ihrer Bachelor- und Masterarbeiten involvieren.<br />

Zudem werden auch kooperative Doktorarbeiten betreut.<br />

Aktuell koordiniert das IAF ein<br />

EU FP7-Projekt „Development<br />

of the next generation membrane<br />

bioreactor system“ (BioNexGen)<br />

mit insgesamt elf Partnern u. a.<br />

aus sogenannten MENA-Ländern<br />

(Middle East and North Africa). Vor<br />

allem in den Mittelmeer-Anrainerstaaten<br />

bzw. den nordafrikanischen<br />

Ländern wird die Wiederverwendung<br />

von gereinigtem <strong>Wasser</strong>/<br />

<strong>Abwasser</strong> immer wichtiger, da diese<br />

vor allem in den Sommermonaten<br />

unter akutem <strong>Wasser</strong>mangel leiden,<br />

was sich durch den Klimawandel<br />

noch verstärken wird. Ziel des Projekts<br />

ist es daher, neuartige nanostrukturierte<br />

Membranmaterialien<br />

zu entwickeln, die vor Ort in Pilotversuchen<br />

getestet werden. Damit<br />

soll die Reinigungsleistung gegenüber<br />

den bisher in Bioreaktoren eingesetzten<br />

Membranen deutlich<br />

gesteigert werden.<br />

Zum Betrieb der Anlagen und<br />

zur Ausbildung lokaler Experten<br />

werden Trainingskurse entwickelt<br />

und am lokalen Hochschulinstitut<br />

durchgeführt. So können lokale<br />

Fachkräfte diese Anlagen dann<br />

selbständig betreiben. Damit entstehen<br />

nicht nur neue Arbeitsplätze,<br />

es wird auch die Eigenständigkeit<br />

der Betreiber gefördert. Insgesamt<br />

leistet das Projekt einen beachtlichen<br />

Beitrag für die Millenium-Entwicklungsziele<br />

der UN für das Jahr<br />

2015. Ein Ziel der sogenannten Millenium<br />

Development Goals (MDGs)<br />

ist es, den Anteil der Menschen<br />

Prof. Dr. Jan Hoinkis (Mitte) im Dialog mit Studierenden.<br />

ohne Zugang zu sicherem Trinkwasser<br />

auf die Hälfte zu reduzieren.<br />

Eine kleine dezentrale Umkehrosmoseanlage<br />

wird auch zur Entfernung<br />

von Arsen aus Grundwässern<br />

Zum Hintergrund:<br />

in Zusammenarbeit mit einem indischen<br />

Institut in Patna, Bihar im Rahmen<br />

einer Pilotierung untersucht.<br />

Arsen ist eine sehr giftige Substanz,<br />

die vor allem in Indien und in Bang-<br />

<br />

Die im Projekt „Development of the next generation membrane bioreactor system“<br />

(BioNexGen) entwickelten Meerwasserentsalzungsanlagen basieren auf dem Prinzip der<br />

Umkehrosmose und werden durch Photovoltaik und Wind mit Energie versorgt. Das<br />

macht sie energieautonom. Sie produzieren etwa 100 Liter Trinkwasser pro Stunde und<br />

werden in Küstennähe aufgebaut. Zur Entnahme des Meerwassers wird ein bereits versalzener<br />

Brunnen genutzt oder mit Hilfe der Bevölkerung ein neuer Brunnen an der<br />

Küste ausgehoben.<br />

Oktober 2012<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 1053


NETZWERK WISSEN Porträt<br />

Damit die Anlagen vor Ort eigenständig betrieben werden können, bietet das IAF spezielle<br />

Trainingskurse für externe Experten.<br />

Sauberes Trinkwasser wird auch<br />

in den nordafrikanischen Ländern<br />

immer mehr zur Mangelware.<br />

Zum Hintergrund:<br />

Membranen werden heute schon in vielen<br />

Bereichen der <strong>Wasser</strong>aufbereitung eingesetzt<br />

und bieten eine leistungsstarke Alternative zu<br />

herkömmlichen Trennverfahren. Mit zunehmender<br />

globaler <strong>Wasser</strong>knappheit werden<br />

Membrantrenntechniken zukünftig immer<br />

wichtiger, vor allem die Aufbereitung und<br />

Wiederverwendung von <strong>Abwasser</strong> sowie die<br />

Entsalzung von Meerwasser. So gibt es eine<br />

breite Palette von unterschiedlichen Membranmaterialien,<br />

mit denen nicht nur feinste<br />

Partikel, sondern auch gelöste organische Stoffe<br />

und Salze (sogenannte Umkehrosmose) herausgefiltert<br />

werden können. Das Verfahren der<br />

Umkehrosmose wird heute zunehmend im<br />

Bereich der Meerwasserentsalzung zur Gewinnung<br />

von Trinkwasser eingesetzt.<br />

ladesch, sowie in vielen anderen<br />

asiatischen Ländern aus dem natürlichen<br />

Sedimentgestein ausgewaschen<br />

wird. Dadurch werden<br />

Grundwasser und Brunnen verseucht.<br />

Bei der Bevölkerung führt<br />

dies zu chronischen Krankheiten wie<br />

Blasen-, Nieren-, Lungen- und Hautkrebs,<br />

Störungen des Herz-Kreislauf-<br />

Systems oder Veränderungen der<br />

Haut. In diesem Projekt, das im Rahmen<br />

des EU Erasmus Mundus Programms<br />

gefördert wird, konnten vor<br />

Ort bereits fünf Studenten der Hochschule<br />

Karlsruhe ihre Abschlussarbeiten<br />

durchführen.<br />

Ein weiteres Projekt, das in<br />

Kooperation u. a. mit einem mittelständischen<br />

Unternehmen und der<br />

Gesellschaft für Internationale<br />

Zusammenarbeit (GIZ) durchgeführt<br />

wird, befasst sich mit der Verbesserung<br />

der Trinkwasserversorgung<br />

auf Sansibar. Hierbei wurde<br />

zunächst eine Pilotanlage zu<br />

Demonstrationszwecken errichtet,<br />

um unter realistischen Rahmenbedingungen<br />

ein nachhaltiges und an<br />

die Bedingungen vor Ort angepasstes<br />

Betriebskonzept für autarke,<br />

dezentrale Meerwasserentsalzungsanlagen<br />

vorzustellen.<br />

Weitere Informationen:<br />

Prof. Dr.-Ing. Jan Hoinkis<br />

Geschäftsführender Direktor<br />

Institut für Angewandte Forschung<br />

HsKA – Technik und Wirtschaft<br />

E-Mail: jan.hoinkis@hs-karlsruhe.de<br />

Internet: http://www.hs-karlsruhe.de/<br />

forschung/institut-fuerangewandte-forschung.html<br />

part of it! Be part of it! Be part of it! Be part of it! Be part<br />

NETZWERK WISSEN<br />

Universitäten und Hochschulen stellen sich vor:<br />

Studiengänge und Studienorte rund ums <strong>Wasser</strong>fach im<br />

Porträt – in der technisch-wissenschaftlichen Fachzeitschrift<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong>|<strong>Abwasser</strong><br />

Kontakt zur Redaktion:<br />

E-Mail: ziegler@oiv.de<br />

EAZ Netzwerk 1.indd 1 30.7.2012 15:18:18


Porträt NETZWERK WISSEN<br />

Die heimliche <strong>Wasser</strong>-Hauptstadt Deutschlands im<br />

internationalen Dialog<br />

Internationale Kooperationen im Bereich <strong>Wasser</strong>wirtschaft der Fakultät für Architektur<br />

und Bauwesen<br />

Die internationale Vernetzung ist heute wichtiger als je zuvor. Nicht nur für den Austausch zwischen Wissenschaftlern<br />

und Dozenten der Hochschule Karlsruhe (HsKA) mit Kollegen ausländischer Hochschulen und<br />

Forschungseinrichtungen. Sondern auch als fester Bestandteil des Studiums. Deshalb zählt die HsKA zu den<br />

Hochschulen für Angewandte Wissenschaften mit dem stärksten internationalen Profil, was sie in den kommenden<br />

Jahren noch weiter ausbauen wird. Ein gutes Beispiel dafür ist das jüngst initiierte internationale<br />

<strong>Wasser</strong>-Netzwerk.<br />

Unter <strong>Wasser</strong>-Experten gilt Karlsruhe<br />

längst als „die <strong>Wasser</strong>-<br />

Hauptstadt Deutschlands“. Denn<br />

zahlreiche international anerkannte<br />

Lehr-, Forschungs-, Planungs-, Bauund<br />

Betreiber-Institutionen im <strong>Wasser</strong>sektor<br />

haben hier ihren Sitz, darunter:<br />

""<br />

das DVGW-Technologiezentrum<br />

<strong>Wasser</strong> (TZW) (siehe Seite 17).<br />

""<br />

die Stadtwerke Karlsruhe GmbH<br />

(SWK) (siehe Seite 15).<br />

""<br />

das Heinrich-Sontheimer-Laboratorium<br />

(HSL), eine vom TZW und<br />

den Stadtwerken getragene Forschungseinrichtung<br />

im Karlsruher<br />

Institut für Technologie, die<br />

sich intensiv mit Fragen der <strong>Wasser</strong>qualität<br />

und <strong>Wasser</strong>aufbereitung<br />

in Notversorgungs-Situationen<br />

auseinandersetzt.<br />

""<br />

die Hochschule Karlsruhe – Technik<br />

und Wirtschaft (HsKA) mit den<br />

beiden an der Fakultät für Architektur<br />

und Bauwesen angesiedelten<br />

Fachgebieten des <strong>Wasser</strong>baus<br />

(siehe Seite 7) und der Siedlungswasserwirtschaft<br />

(siehe<br />

Seite 8).<br />

Guildford. Deren Centre of Environmental<br />

and Health Engineering<br />

(CEHE) ist seit mehr als 30 Jahren<br />

bekannt als Forschungseinrichtung<br />

und WHO-Kompetenzzentrum bei<br />

<strong>Wasser</strong>projekten in der internationalen<br />

Entwicklungsarbeit und Partner<br />

für viele internationale Institutionen<br />

wie etwa UNICEF, Internationales<br />

Rotes Kreuz und OXFAM<br />

(Oxford Committee for Famine<br />

Relief).<br />

Hochkarätige<br />

Partnerinstitutionen<br />

Ende Juni 2012 unterzeichneten<br />

hier alle Partner eine gemeinsame<br />

Kooperationsvereinbarung, die sich<br />

u. a. folgenden Aufgaben widmet:<br />

""<br />

Austausch von Studierenden im<br />

Rahmen von Studiensemestern,<br />

Praktika und Abschlussarbeiten<br />

""<br />

gemeinsame Exkursionen,<br />

Seminare, Tagungen und<br />

Gast-Professuren<br />

""<br />

Durchführung gemeinsamer<br />

Forschungsprojekte<br />

insbesondere mit Unterstützung<br />

internationaler Förder-<br />

Institutionen (wie z. B. die EU)<br />

Der Fokus liegt zunächst auf angepassten<br />

Technologien der <strong>Wasser</strong>aufbereitung<br />

und <strong>Abwasser</strong>behandlung<br />

in Entwicklungsländern,<br />

soll sich aber schon bald auch auf<br />

weitere Themengebiete der <strong>Wasser</strong>wirtschaft,<br />

des Bauwesens und<br />

anderer Fakultäten der HsKA erweitern.<br />

„Die Hochschule Karlsruhe<br />

freut sich, mit diesem Netzwerk aus<br />

hochkarätigen und weltweit anerkannten<br />

Partnerinstitutionen eine<br />

hervorragende Basis für den Know-<br />

<br />

In enger Abstimmung mit den<br />

Stadtwerken Karlsruhe bündelt die<br />

HsKA nun die langjährig guten bilateralen<br />

Kooperationsbeziehungen<br />

zu den Karlsruher Institutionen der<br />

<strong>Wasser</strong>versorgung in einem umfassenderen<br />

Netzwerk und erweitert<br />

es um einen renommierten, internationalen<br />

Kooperationspartner:<br />

die britische University of Surrey in<br />

Brian Clarke,<br />

Deputy<br />

Director CEHE,<br />

im <strong>Wasser</strong>analytik-Labor<br />

der University<br />

of Surrey,<br />

Guildford<br />

(UK).<br />

© Wittland<br />

Oktober 2012<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 1055


NETZWERK WISSEN Porträt<br />

how-Transfer und für die angewandte<br />

Forschung im Fachgebiet<br />

der <strong>Wasser</strong>versorgung und <strong>Abwasser</strong>entsorgung<br />

zu etablieren, von<br />

der neben den beteiligten Wissenschaftlern<br />

insbesondere auch die<br />

Studierenden der Hochschule Karlsruhe<br />

zeitnah profitieren werden“,<br />

betont Prof. Dr. Clemens Wittland,<br />

seit vielen Jahren selbst weltweit in<br />

zahlreichen <strong>Wasser</strong>projekten der<br />

Entwicklungszusammenarbeit tätig.<br />

Eine erste Master-Thesis eines<br />

Studierenden des Studienganges<br />

Bauingenieurwesen der HsKA an<br />

der University of Surrey wurde<br />

bereits im Sommersemester 2011<br />

abgeschlossen (siehe Interview<br />

Seite 19).<br />

Im internationalen Dialog mit der HsKA (von links): Brian Clarke, Deputy Director CEHE,<br />

Prof. Soon-Thiam Khu, Director CEHE, Prof. Dr. Karl-Heinz Meisel, Rektor der HsKA,<br />

Prof. Dr.-Ing. habil., Dr.h.c. Dietrich Maier, Heinrich-Sontheimer-Laboratorium,<br />

Dr. Josef Klinger, Geschäftsführer des TZW, Prof. Dr. Clemens Wittland, HsKA,<br />

Prof. Dr. Matthias Maier, Stadtwerke Karlsruhe, Prof. Dr. Erwin Schwing, HsKA,<br />

Dr. Joachim Lembach, Leiter AAA der HsKA, Prof. Dr. Norbert Eisenhauer,<br />

Leiter der VAW der HsKA. © Geyer/Christ<br />

Weitere Informationen:<br />

Prof. Dr.-Ing. Clemens Wittland,<br />

FG Siedlungswasserwirtschaft/<br />

Umwelttechnik<br />

Prodekan der Fakultät für Architektur<br />

und Bauwesen<br />

HsKA – Technik und Wirtschaft<br />

E-Mail: clemens.wittland@hs-karlsruhe.de<br />

Der Erftverband ist als sondergesetzlicher <strong>Wasser</strong>wirtschaftsverband in Nordrhein-Westfalen ein Dienst leistungsunternehmen mit Sitz in<br />

Bergheim/Erft. Er hat rund 520 Beschäftigte.<br />

In einem Verbandsgebiet von 2.000 km² betreibt der Erftverband 40 Kläranlagen, rund 600 abwassertechnische Anlagen sowie drei<br />

kommunale Kanalnetze. In der Erftregion ist er für den Hochwasserschutz zuständig, er unterhält 1.250 km Fließgewässer. Darüber<br />

hinaus erforscht der Verband in einem 4.200 km² großen Gebiet die wasserwirtschaftlichen Verhältnisse auch im Grundwasser, hier ist er<br />

u.a. für die Sicherung der <strong>Wasser</strong>versorgung von mehr als 600 Mio. m³/a verantwortlich. Ebenso übernimmt der Verband umfangreiche<br />

Monitoringaufgaben zu den Beeinflussungen und hierzu eingeleiteten Gegenmaßnahmen des Braunkohlenbergbaus. Der Verband ist<br />

auf einen langfristigen, nachhaltigen und zugleich wirtschaftlichen Ressourcen- und Umweltschutz ausgerichtet. Der Jahresumsatz des<br />

Verbandes beträgt 110 Mio. €, die Bilanzsumme 625 Mio. €.<br />

Aufgrund des altersbedingten Ausscheidens des Stelleninhabers ist die Position des<br />

Vorstands m/w<br />

ab dem 01.10.2013 zu besetzen.<br />

Der Vorstand hat Organstellung und wird als Alleinvorstand auf 5 Jahre gewählt. Er ist für die Leitung und zukunftsorientierte<br />

Weiterentwicklung des Verbandes verantwortlich. In Kooperation mit den Bereichs- und Abteilungsleitern führt der Vorstand die<br />

Beschäftigten ziel- und leistungsorientiert. Er bereitet die Beschlüsse der Delegiertenversammlung und des Verbandsrates vor. Neben einer<br />

vertrauensvollen Zusammenarbeit mit den Organen des Verbandes ist eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Verbandsmitgliedern,<br />

anderen <strong>Wasser</strong>wirtschafts verbänden, Institutionen der Lehre und Forschung sowie den Behörden erforderlich.<br />

Gesucht wird eine Persönlichkeit mit mehrjähriger ziel- und ergebnisorientierter Führungserfahrung in einer entsprechend verantwortlichen<br />

Tätigkeit. Eine abgeschlossene universitäre Ausbildung und berufliche Erfahrungen in der <strong>Wasser</strong>wirtschaft sind erforderlich. Die fachliche<br />

und menschliche Kompetenz zur Weiterentwicklung des Verbandes als ein effizientes und zukunftsorientiertes Dienstleistungsunternehmen<br />

werden erwartet.<br />

Die Vergütung erfolgt außertariflich und richtet sich nach den persönlichen Voraussetzungen.<br />

Der Erftverband engagiert sich für die Gleichstellung von Frauen und Männern im Beruf. Es werden daher besonders Frauen aufgefordert<br />

sich zu bewerben. Es existiert ein Frauenförderplan.<br />

Menschen mit Behinderung werden im Rahmen des Sozialgesetzbuches IX gesondert berücksichtigt.<br />

Bewerbungen mit aussagefähigen Unterlagen sind bis zum 10.11.2012 zu richten an:<br />

Herrn Landrat W. Stump, Vorsitzender des Verbandsrates, Am Erftverband 6, 50126 Bergheim<br />

Wir haben das Grundzertifikat zum audit berufundfamilie ®<br />

für unsere familienbewusste Personalpolitik erhalten


Porträt NETZWERK WISSEN<br />

Hochschulausbildung entlang<br />

der <strong>Wasser</strong>werkspraxis<br />

Stadtwerke Karlsruhe – ein Energie- und Trinkwasserversorgungsunternehmen<br />

in Kooperation mit der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft<br />

Die Zusammenarbeit mit den<br />

ansässigen Hochschulen hat<br />

bei den Stadtwerken Karlsruhe im<br />

Trinkwasserbereich eine lange Tradition.<br />

Schon vor über 65 Jahren<br />

erkannten die damaligen Akteure<br />

die Notwendigkeit der Kooperation<br />

zwischen Theorie und Praxis der<br />

<strong>Wasser</strong>versorgung und schufen<br />

gemeinsame Einrichtungen für<br />

<strong>Wasser</strong>forschung und <strong>Wasser</strong>technologie<br />

in Karlsruhe. Dabei stellten<br />

die Stadtwerke Karlsruhe beispielsweise<br />

schon damals Räumlichkeiten<br />

in den eigenen Anlagen für Forschungsaufgaben<br />

zur Verfügung.<br />

Gemeinsam betreute Abschlussarbeiten<br />

und Praktika gewährleisten<br />

heute, dass die Ausbildung entlang<br />

der Fragestellungen aus der<br />

<strong>Wasser</strong>werkspraxis erfolgt und zu<br />

praxisnah umsetzbaren Lösungen<br />

führt. Die Arbeitsbereiche, die Studierende<br />

in ihren Abschlussarbeiten<br />

bei den Stadtwerken Karlsruhe im<br />

Trinkwasserbereich bearbeiten können,<br />

sind vielfältig. Sie reichen vom<br />

Ressourcenmanagement und der<br />

Grundwassermodellierung, der<br />

<strong>Wasser</strong>gewinnung und <strong>Wasser</strong>aufbereitung,<br />

dem Betrieb von Rohrleitungsnetzen<br />

sowie deren numerischer<br />

Modellierung bis hin zu<br />

Fragen der Trinkwasserversorgung<br />

in Katastrophensituationen. Zur<br />

Untersuchung einer angepassten<br />

Spülstrategie für Trinkwassernetze<br />

errichtete das Unternehmen zudem<br />

bei der HsKA einen Versuchstand,<br />

um das Transportverhalten von<br />

Ablagerungen in der Rohrleitung zu<br />

untersuchen. Ein weiterer Aspekt<br />

der Kooperation ist die Durchführung<br />

gemeinsamer Veranstaltungen,<br />

wie der „International Conference<br />

on Water Supply in Emergencies“<br />

im Mai 2009 (siehe S. 9).<br />

Die Zusammenarbeit zwischen<br />

Hochschulen und Stadtwerke zeigte<br />

sich bis heute für beide Seiten als<br />

großer Gewinn. Auf der einen Seite<br />

haben die Studierenden die Möglichkeit,<br />

unter Praxisbedingungen<br />

Abschlussarbeiten anzufertigen<br />

und ihr Wissen anzuwenden. Auf<br />

der anderen Seite genießen die<br />

Stadtwerke Karlsruhe als regionaler<br />

<strong>Wasser</strong>versorger den großen Vorteil,<br />

dass Fragestellungen aus der<br />

Praxis eingehend und umfassend<br />

untersucht werden. Auch werden so<br />

innovative Verfahren entwickelt<br />

Information Stadtwerke Karlsruhe:<br />

bzw. getestet und bewertet, bevor<br />

sie praktisch angewendet werden.<br />

Eine gute Zusammenarbeit zwischen<br />

Hochschule und Praxis wird<br />

auch zukünftig wichtig sein, damit<br />

der hohe Standard der deutschen<br />

<strong>Wasser</strong>versorgung erhalten bleiben<br />

kann.<br />

Weitere Informationen:<br />

Prof. Dr. Matthias Maier<br />

Leiter Trinkwassergewinnung, Stadtwerke Karlsruhe<br />

Honorarprofessor der Hochschule Karlsruhe<br />

E-Mail: matthias.maier@ stadtwerke-karlsruhe.de<br />

Internet: www.stadtwerke-karlsruhe.de<br />

Laborübungen<br />

zur <strong>Wasser</strong>aufbereitung<br />

an der HsKA.<br />

© Stadtwerke<br />

Karlsruhe<br />

Die Stadtwerke Karlsruhe GmbH ist ein kommunales Energie- und Trinkwasserversorgungsunternehmen.<br />

Rund 1140 Mitarbeiter sorgen dafür, dass die Energieträger Strom,<br />

Erdgas und Fernwärme sowie qualitativ hochwertiges Trinkwasser zu den Kunden<br />

gelangen. Die Trinkwasserversorgung erfolgt aus vier <strong>Wasser</strong>werken, die rund 450 000<br />

Einwohner im Stadtgebiet und in der Umgebung von Karlsruhe jährlich mit ca. 24 Mio<br />

m³ Trinkwasser versorgen. Zur sicheren Deckung des <strong>Wasser</strong>bedarfes stehen elf Hochbehälter<br />

und Vorlage behälter mit einem Speichervolumen von ca. 24 800 m³ zur Ver fügung,<br />

aus denen über ein 860 km langes Verteilungsnetz das Trinkwasser zu den Kunden transportiert<br />

wird.<br />

Oktober 2012<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 1057


NETZWERK WISSEN Porträt<br />

Eine wichtige Quelle für den ingenieurtechnischen<br />

Sachverstand<br />

Zusammenarbeit der HsKA mit der Stadt Karlsruhe<br />

Zwischen der HsKA – Technik und<br />

Wirtschaft und der Stadt Karlsruhe<br />

gibt es seit Langem viele Verknüpfungspunkte.<br />

Einen Schwerpunkt<br />

bildet der Bereich <strong>Wasser</strong>wirtschaft.<br />

Zum einen ist die<br />

Hochschule eine wichtige Quelle für<br />

den ingenieurtechnischen Sachverstand<br />

und den Nachwuchs bei der<br />

Stadt Karlsruhe. Im Tiefbauamt als<br />

klassisches Bau- und Betriebsamt<br />

mit seinen drei Bereichen Straßenwesen,<br />

Stadtentwässerung sowie<br />

Konstruktiver Ingenieurbau und<br />

<strong>Wasser</strong>bau sind zahlreiche Absolventen<br />

der ehemaligen Fachhochschule<br />

Karlsruhe (heute Hochschule<br />

Karlsruhe) tätig, viele davon in<br />

verantwortlichen Positionen. Das<br />

sichert den engen Austausch mit<br />

der Hochschule Karlsruhe.<br />

Zudem besteht seitens der<br />

Hochschule ein großes Interesse an<br />

den baupraktischen Themen im<br />

Stadtgebiet. Bei der Stadtentwässerung<br />

finden deshalb regelmäßig<br />

Exkursionen zu aktuellen Fragestellungen<br />

statt. So wurden im <strong>Abwasser</strong>netz<br />

etwa Maßnahmen zur Inlinersanierung<br />

von Rohrleitungen<br />

und zum unterirdischen Rohrvortrieb<br />

besichtigt, beides Schwerpunkte<br />

der städtischen Bauabteilung.<br />

Dort werden die Projekte im<br />

eigenen Hause geplant, konstruiert,<br />

ausgeschrieben und die Bauleitung<br />

durchgeführt. Die Mehrzahl der<br />

Projektleiter/-innen sind Absolventen<br />

der Hochschule Karlsruhe<br />

und besitzen große Erfahrung in der<br />

Projektabwicklung.<br />

Darüber hinaus hat sich die Stadt<br />

Karlsruhe gemeinsam mit der Hochschule<br />

als wissenschaftlichem<br />

Kooperationspartner bei einem „EU-<br />

Partnerschaftsprojekt zum Wissenstransfer<br />

im Bereich <strong>Wasser</strong>versorgung<br />

und <strong>Abwasser</strong> zwischen einer<br />

Gemeinde in Mali und der Stadt<br />

Karlsruhe“ beworben. Wie schon auf<br />

der gemeinsamen Veranstaltung<br />

„<strong>Wasser</strong>wirtschaftliche Infrastruktur<br />

in Extremsituationen“ im Mai 2011,<br />

arbeiteten die drei Projektpartner<br />

Stadt, Stadtwerke und Hochschule<br />

Karlsruhe auch dort sehr kon struktiv<br />

und engagiert zusammen und<br />

erstellten einen umfassenden,<br />

detaillierten Projektantrag.<br />

Dieser kurze Abriss über wenige<br />

Themenfelder macht deutlich, dass<br />

auf vielen persönlichen und fachlichen<br />

Gebieten ein sehr enger und<br />

fruchtbarer Austausch zwischen der<br />

Hochschule Karlsruhe und der Stadt<br />

Karlsruhe besteht.<br />

Weitere Informationen:<br />

Dipl.-Ing. Martin Kissel<br />

Leiter Stadtentwässerung<br />

Tiefbauamt der Stadt Karlsruhe<br />

E-Mail: martin.kissel@tba.karlsruhe.de<br />

Internet:<br />

www.karlsruhe.de/b3/bauen/tiefbau<br />

Übersichtsplan<br />

zur Erweiterung<br />

der<br />

Kläranlage<br />

Karlsruhe.<br />

© Stadt Karlsruhe<br />

Oktober 2012<br />

1058 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Porträt NETZWERK WISSEN<br />

Forschung und technisch-wissenschaftliche<br />

Beratung für das <strong>Wasser</strong>fach<br />

DVGW-Technologiezentrum <strong>Wasser</strong><br />

Das DVGW-Technologiezentrum<br />

<strong>Wasser</strong> (TZW) ist eine organisatorisch<br />

selbstständige, gemeinnützige<br />

Einrichtung des Deutschen Vereins<br />

des Gas- und <strong>Wasser</strong>faches e.V.<br />

(DVGW) und beschäftigt an seinem<br />

Hauptstandort in Karlsruhe ca. 150<br />

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.<br />

Darüber hinaus ist es mit seinen<br />

Außenstellen auch in Dresden und<br />

Hamburg vertreten. Es fungiert als<br />

Bindeglied zwischen Forschung<br />

und Praxis. Für <strong>Wasser</strong>versorger,<br />

Kommunen, Unternehmen und<br />

Behörden erarbeitet das TZW Konzepte<br />

und Lösungen zu aktuellen<br />

Fragestellungen aus dem Bereich<br />

der gesamten Prozesskette des<br />

Trinkwassers unter Berücksichtigung<br />

des gesamten <strong>Wasser</strong>kreislaufs.<br />

Darüber hinaus wirkt das TZW<br />

bei den satzungsgemäßen Aufgaben<br />

des DVGW wie beispielsweise<br />

bei der Fortschreibung des DVGW-<br />

Regelwerkes mit. Forschungsprojekte<br />

mit Finanzierung öffentlicher<br />

Mittel durch den DVGW, das Land<br />

Baden-Württemberg, das Bundesministerium<br />

für Forschung und<br />

Technologie oder die Europäische<br />

Union werden praxisnah im Sinne<br />

des <strong>Wasser</strong>faches in Kooperation<br />

mit <strong>Wasser</strong>versorgern, Universitäten<br />

und Forschungseinrichtungen<br />

bearbeitet. Auch am Lehrbetrieb<br />

der Hochschule Karlsruhe ist das<br />

TZW mit Lehraufträgen in den Themengebieten<br />

„Altlastensanierung“<br />

und „Gewässerökologie“ beteiligt.<br />

Aufgrund der vielfältigen Arbeitsschwerpunkte<br />

bietet das TZW somit<br />

Studierenden die Möglichkeit, praxisnahe<br />

Themen im Rahmen von<br />

Studien-, Bachelor-, Master- und<br />

auch Promotionsarbeiten durchzuführen.<br />

Durch die internationale Zusammenarbeit<br />

kann gemeinsam mit<br />

ausländischen Partnern schnell auf<br />

Das Karlsruher DVGW-Technologiezentrum <strong>Wasser</strong> (TZW). © DVGW-Technologiezentrum <strong>Wasser</strong><br />

Für unseren Klienten, ein<br />

Unternehmen der <strong>Abwasser</strong>technik<br />

innovativ, klein aber ausbaufähig,<br />

mit langjährigen internationalen Referenzen<br />

suchen wir<br />

Partner/Käufer<br />

Zuschriften unter Chiffre gww09112 an<br />

Oldenbourg Industrieverlag GmbH,<br />

Rosenheimer Straße 145, 81671 München<br />

neue Entwicklungen reagiert werden.<br />

Lösungen könnten gemeinsam<br />

effizient erarbeitet und ausgetauscht<br />

werden. Neben vielfältigen<br />

bestehenden Partnerschaften<br />

wurde daher im Juni 2012 gerade<br />

die Vereinbarung zur intensiven<br />

Zusammenarbeit auf dem Gebiet<br />

der Ausbildung und Forschung vom<br />

TZW mit der Hochschule Karlsruhe<br />

– Technik und Wirtschaft, den Stadtwerken<br />

Karlsruhe und der University<br />

of Surrey offiziell unterzeichnet.<br />

Weitere Informationen:<br />

Dr. Josef Klinger<br />

Geschäftsführer<br />

DVGW-Technologiezentrum <strong>Wasser</strong><br />

E-Mail: josef.klinger@tzw.de<br />

Internet: www.tzw.de<br />

Oktober 2012<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 1059


NETZWERK WISSEN Porträt<br />

Der Dienstleister im Verkehrswasserbau<br />

Die Bundesanstalt für <strong>Wasser</strong>bau<br />

Die Bundesanstalt für <strong>Wasser</strong>bau<br />

ist die wichtigste Beratungsund<br />

Dienstleistungseinrichtung in<br />

Deutschland für alle Fragen des Verkehrswasserbaus<br />

und unentbehrlich<br />

für Planung, Bau und Betrieb<br />

der Bundeswasserstraßen. Zu dieser<br />

Einschätzung kam der deutsche<br />

Wissenschaftsrat im Rahmen seiner<br />

Evaluierung der wissenschaftlichen<br />

Leistungen der Bundesanstalt für<br />

<strong>Wasser</strong>bau (BAW) im Jahr 2008. Als<br />

technisch-wissenschaftliche Bundesoberbehörde<br />

im Geschäftsbereich<br />

des Bundesministeriums für<br />

Verkehr, Bau und Stadtentwicklung<br />

(BMVBS) berät und unterstützt die<br />

BAW die Dienststellen der <strong>Wasser</strong>und<br />

Schifffahrtsverwaltung des<br />

Bundes (WSV) auf dem Gebiet<br />

des Verkehrswasserbaus. Sie trägt<br />

wesentlich dazu bei, dass die<br />

<strong>Wasser</strong>straßen in Deutschland den<br />

wachsenden technischen, wirtschaftlichen<br />

und ökologischen<br />

Anforderungen gerecht werden.<br />

Hauptsitz der BAW ist Karlsruhe. Insgesamt<br />

arbeiten in der BAW ca. 400<br />

Beschäftigte. Der Haushalt 2012<br />

umfasst ca. 40 Mio. Euro.<br />

Als Ressortforschungseinrichtung<br />

des Bundes arbeitet die BAW<br />

an der Nahtstelle zwischen der wissenschaftlichen<br />

Grundlagenforschung<br />

der Universitäten und Hochschulen<br />

und der praxisbezogenen<br />

Anwendung in der WSV. In dieser<br />

Funktion pflegt die BAW eine<br />

Vielzahl an Kooperationen mit<br />

anderen Forschungseinrichtungen<br />

und Fachinstituten. Mit der Hochschule<br />

Karlsruhe – Technik und Wirtschaft,<br />

Fachgebiet Hydromechanik,<br />

<strong>Wasser</strong>bau – verbindet die BAW<br />

eine langjährige, vielfältige, und<br />

ver trauensvolle Partnerschaft. Für<br />

die Studierenden liefern diese Kontakte<br />

praxisnahe Themen für ihre<br />

Stu dienarbeiten und in Einzelfällen<br />

die Möglichkeit, nach Studienabschluss<br />

direkt in der BAW beschäftigt<br />

zu werden. Auch am Lehrbetrieb<br />

ist die BAW mit einem Lehrauftrag<br />

zum Thema „Technische<br />

Strömungsmodelle“ beteiligt. Nicht<br />

zuletzt bearbeitet die Hochschule<br />

wissenschaftliche Aufträge für die<br />

BAW. Beispielsweise finden derzeit<br />

wasserbauliche Voruntersuchungen<br />

für eine großmaßstäbliche Versuchseinrichtung<br />

der BAW zur<br />

Unter suchung schiffsinduzierter<br />

Wellenbelastungen statt.<br />

Rhein-Staustufe Iffezheim. © WSA Freiburg<br />

Weitere Informationen:<br />

Prof. Dr.-Ing. Christoph Heinzelmann<br />

Leiter der Bundesanstalt für <strong>Wasser</strong>bau<br />

E-Mail: christoph.heinzelmann@baw.de<br />

Internet: www.baw.de<br />

part of it! Be part of it! Be part of it! Be part of it! Be part<br />

NETZWERK WISSEN<br />

Universitäten und Hochschulen stellen sich vor:<br />

Studiengänge und Studienorte rund ums <strong>Wasser</strong>fach im<br />

Porträt – in der technisch-wissenschaftlichen Fachzeitschrift<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong>|<strong>Abwasser</strong><br />

Kontakt zur Redaktion:<br />

E-Mail: ziegler@oiv.de<br />

EAZ Netzwerk 2.indd 1 30.7.2012 15:17:37


Porträt NETZWERK WISSEN<br />

„Ich kann mir kein interessanteres Thema vorstellen!“<br />

Das Studium Bauingenieurwesen mit Schwerpunkt <strong>Wasser</strong>wirtschaft aus Sicht<br />

eines Absolventen<br />

2011 beendete Bernd Hemmerle erfolgreich sein Masterstudium des Bauingenieurwesen an der HsKA. Für<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong>|<strong>Abwasser</strong> spricht er über seine Zeit und Erfahrungen in Karlsruhe und wie für ihn die <strong>Wasser</strong>wirtschaft<br />

nach und nach zur Herzensangelegenheit wurde.<br />

<strong>gwf</strong>: Herr Hemmerle, Sie stammen<br />

ursprünglich aus Kempten. Warum<br />

haben Sie sich für das Studium an der<br />

weit entfernten Hochschule Karlsruhe<br />

entschieden?<br />

Bernd Hemmerle: Mein Bruder hat<br />

ein Jahr vor mir in Karlsruhe begonnen,<br />

Vermessung und Geoinformatik<br />

zu studieren. Durch ihn habe ich<br />

Stadt und Hochschule kennen<br />

gelernt. Karlsruhe ist eine sehr<br />

schöne Stadt, die HsKA hat einen<br />

sehr guten Ruf im Bereich Bauingenieurwesen.<br />

Daher habe ich mich<br />

hier beworben.<br />

<strong>gwf</strong>: Wie beurteilen Sie heute die Rahmenbedingungen<br />

wie etwa Gruppengrößen,<br />

Praxisbezug etc. Ihres Diplom-Studiums<br />

?<br />

Bernd Hemmerle: Sehr gut, im Diplom-Studiengang<br />

waren wir nur<br />

etwa 25 Studierende im Semester<br />

und im Master waren wir in der Vertiefungsrichtung<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaft<br />

nur rund zehn. Bei dieser Semestergröße<br />

war der Professor/ Dozent<br />

immer für Fragen ansprechbar. Der<br />

Praxisbezug war auch sehr gut. Die<br />

Theorie wurde in fast allen Vorlesungen<br />

durch sehr anschauliche<br />

und passende Praxisbeispiele erläutert.<br />

Auch waren die Studiena beiten<br />

immer sehr praxisbezogen. Meist<br />

waren es konkrete, reale Projekte<br />

der Professoren/Dozenten aus<br />

ihrem Berufsleben bzw. Projekte<br />

der Institute.<br />

<strong>gwf</strong>: Warum haben Sie im Verlauf<br />

Ihres Diplom-Studiums die Vertiefungsrichtung<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaft gewählt?<br />

Bernd Hemmerle: Weil es mich am<br />

meisten interessiert hat. Der Hochbau<br />

war mir zu „statisch“ und für<br />

meinen Geschmack gibt es dort zu<br />

viele Vorgaben, die eingehalten<br />

werden müssen. Alles muss nach<br />

DIN gerechnet werden. Der Straßenbau<br />

war da schon interessanter.<br />

Aber ich konnte mich nie so richtig<br />

für Straßenbau bzw. Stadtplanung<br />

begeistern. Ich fahre nicht mal gern<br />

Auto. Dagegen hat die Vertiefungsrichtung<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaft mich<br />

sofort angesprochen. Dort ist nicht<br />

so viel durch Normen geregelt, es<br />

zählt mehr das logische und kreative<br />

Denken. Es gibt viele empirische<br />

Formeln und dreht sich um<br />

Natur- und Umweltschutz wie z. B.<br />

ökologischer Gewässerausbau,<br />

<strong>Abwasser</strong>reinigung, Altlastensanierung.<br />

Des Weiteren habe ich mich<br />

auch immer sehr für die Geotechnik<br />

interessiert und diese ist ein wichtiger<br />

Bestandteil dieser Vertiefungsrichtung.<br />

<strong>gwf</strong>: Wie kam es zur Wahl des Themas<br />

Ihrer Diplomarbeit „Pilotversuch<br />

zur Ermittlung der Möglichkeiten und<br />

Randbedingungen einer zentralen<br />

Enthärtung im <strong>Wasser</strong>werk Kastenwört?“<br />

Bernd Hemmerle: Das war eher<br />

Zufall, aber im Nachhinein gesehen<br />

auch ein großes Glück, denn ich<br />

hätte mir kein interessanteres Thema<br />

vorstellen können. Ich kam Mitte des<br />

Semesters aus Brasilien zurück und<br />

da standen nur zwei Themen zur<br />

Auswahl. Das eine bei den Stadtwerken<br />

Karlsruhe (SWK) und eins bei der<br />

Versuchsanstalt für <strong>Wasser</strong>bau<br />

(VAW). Nachdem das Forschungs-<br />

Projekt in der VAW nicht realisiert<br />

werden konnte, blieb nur noch eins<br />

übrig. Ich hätte mir natürlich auch<br />

ein Thema bei einem Unternehmen<br />

in der freien Wirtschaft suchen können,<br />

jedoch interessierte mich der<br />

Bereich Forschung mehr. Allerdings<br />

hatte ich ein bisschen Angst davor,<br />

da das Thema Trinkwasserenthärtung<br />

in meinem gesamten Studium<br />

nur einmal kurz angesprochen<br />

wurde. Damals war der Bereich Trinkwasseraufbereitung<br />

im Allgemeinen<br />

noch sehr kurz gehalten, was sich<br />

übrigens mittlerweile geändert hat.<br />

Es war zu Beginn schon etwas hart<br />

und trocken, sich vor allem in die<br />

Schnellentcarbonisierung einzuarbeiten,<br />

aber nach ein bis zwei Monaten<br />

intensiver Literaturrecherche<br />

konnte ich mit der Arbeit beginnen.<br />

30 000 Euro teure Versuchsanlage<br />

ohne Bauplan<br />

Die zweite Herausforderung war der<br />

Aufbau der etwa 30 000 Euro teuren<br />

Versuchsanlage, wofür es keinen<br />

Bauplan gab. Dabei wurde ich vom<br />

Technologiezentrum <strong>Wasser</strong> TZW<br />

und den SWK unterstützt. Meine<br />

Ausbildung als Industriemechaniker<br />

Bernd<br />

Hemmerle,<br />

ehemaliger<br />

Student des<br />

Bauingenieurwesens<br />

an der<br />

HsKA, spricht<br />

über seine<br />

Erfahrungen<br />

mit Studiengang<br />

und<br />

Branche.<br />

Bild: Privat<br />

<br />

Oktober 2012<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 1061


NETZWERK WISSEN Porträt<br />

Steckbrief<br />

geb.: 10. Februar 1980<br />

1996: Mittlere Reife<br />

1996–2000: Ausbildung/Berufstätigkeit<br />

Industriemechaniker<br />

2002: Fachabitur<br />

2004–2009: Diplom-Studiengang<br />

Bauingenieurwesen HsKA<br />

Praktische Studiensemester:<br />

2006: Fa. Wald + Corbe in Hügelsheim;<br />

Ingenieurbüro für <strong>Wasser</strong>bau,<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaft und Tiefbau<br />

2007: Ingenieurgesellschaft Kärcher in<br />

Weingarten; Ingenieurbüro für<br />

Geotechnik<br />

2008: UNESP – Universidade Estadua<br />

Paulista, Brasilien Campus de<br />

Guaratinguetá, Faculdade de<br />

Engenharia<br />

Diplom-Arbeit:<br />

2008–2009: Stadtwerke Karlsruhe; Bereich<br />

Trinkwasseraufbereitung<br />

2009–2010: Master-Studiengang<br />

Bauingenieurwesen HsKA<br />

Wissenschaftlicher Mitarbeiter:<br />

2009–2010: Aufbau des Labors für<br />

Siedlungswasserwirtschaft und<br />

Durchführung/Betreuung von<br />

Studienarbeiten<br />

Master-Thesis:<br />

2010:<br />

University of Surrey, Guildford,<br />

England; CEHE – Centre for<br />

Environmental Health Engineering<br />

in Zusammenarbeit mit den<br />

Stadtwerken Karlsruhe<br />

Berufseinstieg:<br />

2011: Tiefbauamt Karlsruhe, Bereich<br />

Stadtentwässerung<br />

war dafür auch sehr hilfreich. Die<br />

dritte Herausforderung waren dann<br />

die Versuche. Aber ich hatte sehr<br />

gute Betreuer bei den SWK und<br />

TZW. Wegen der komplexen Aufgabenstellung<br />

dauerte die Arbeit gut<br />

acht Monate, aber am Ende war ich<br />

dann schon ein kleiner „Fachmann“<br />

auf dem Gebiet der Trinkwasserenthärtung/<strong>Wasser</strong>chemie.<br />

<strong>gwf</strong>: Sie haben auch Ihr anschließendes<br />

Master-Studium an der Hochschule<br />

Karlsruhe absolviert?<br />

Bernd Hemmerle: Ja, ich hatte<br />

nach dem Diplomstudium noch<br />

nicht das Gefühl, genug gelernt zu<br />

haben. Ich hatte mir auch überlegt,<br />

die Hochschule für den Master zu<br />

wechseln, da ich ja auf Diplom studiert<br />

hatte und im Master einige<br />

Vorlesungen inhaltlich ähnlich zu<br />

den früheren Diplom-Vorlesungen<br />

angeboten wurden. Außerdem<br />

dachte ich mir, eine neue Stadt und<br />

eine neue Hochschule, mit anderen<br />

Professoren erweitert sicherlich<br />

meinen Horizont. Karlsruhe hat mir<br />

allerdings sehr gut gefallen. Die<br />

Professoren in dem Fachbereich<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaft sind hervorragend<br />

und renommiert – und ich<br />

habe mich auch toll mit ihnen verstanden.<br />

Die Entscheidung fiel<br />

schließlich aus pragmatischen<br />

Gründen: Da ich meinen Eltern nicht<br />

weiter auf der Tasche liegen wollte<br />

und ich die Stelle als akademischer<br />

Mitarbeiter angeboten bekam, entschied<br />

ich mich für Karlsruhe.<br />

<strong>gwf</strong>: Sie waren neben Ihrem Master-<br />

Studium als wissenschaftlicher Mitarbeiter<br />

tätig. Was waren Ihre Aufgaben?<br />

Bernd Hemmerle: Meine beiden<br />

Hauptaufgaben waren der (Wieder-)Aufbau<br />

des Labors für Siedlungswasserwirtschaft<br />

(SiWaWi)<br />

und die Betreuung von studentischen<br />

Übungen bzw. Studienarbeiten.<br />

Ich richtete das SiWaWi-Labor<br />

so her, dass darin wieder wissenschaftlich<br />

gut gearbeitet werden<br />

konnte. Außerdem konnte Professor<br />

Wittland aus Mitteln der Studiengebühren<br />

Versuchsstände für<br />

dieses Labor neu anschaffen. Der<br />

größte und bedeutendste war eine<br />

Versuchskläranlage. Die Versuchsstände<br />

nahm ich mit der Herstellerfirma<br />

in Betrieb und arbeitete ein<br />

Versuchsprogramm für Studienarbeiten<br />

aus. Als dies fertig war,<br />

betreute ich dann auch die Studienarbeiten<br />

dazu.<br />

Trotz Dreadlocks<br />

nur Zusagen<br />

<strong>gwf</strong>: War es nach erfolgreichem<br />

Abschluss Ihres Master-Studiums<br />

schwierig, einen passenden Arbeitsplatz<br />

zu finden?<br />

Bernd Hemmerle: Nein, ganz und<br />

gar nicht. Ich habe sowohl das Diplom-<br />

als auch das Master-Studium<br />

mit der Note „Sehr Gut“ abgeschlossen<br />

und da die Baubranche gerade<br />

boomt, bekam ich nur Zusagen,<br />

obwohl ich lange Dreadlocks habe.<br />

Es war eher schwierig, was zu finden,<br />

das mich wirklich interessierte.<br />

Da ich mich in meinem Studium<br />

schon sehr auf die Trinkwasserversorgung<br />

und <strong>Abwasser</strong>entsorgung<br />

spezialisiert habe, gab es nicht so<br />

viele freie Stellen. Die Entscheidung<br />

für das Tiefbauamt fiel hauptsächlich<br />

durch die vielseitigen Möglichkeiten,<br />

mich weiter zu entwickeln.<br />

So beginne ich im Klärwerk Karlsruhe<br />

in einem Jahr mit dem Bau<br />

einer Sandfiltration und einer Aktivkohleadsorption<br />

für 700 000 Einwohnerwerte.<br />

Das Bauvolumen<br />

liegt etwa bei 50 Mio. Euro. Diese<br />

Möglichkeit bekommt man als<br />

Berufseinsteiger nicht so oft.<br />

<strong>gwf</strong>: Wie beurteilen Sie im Nachhinein<br />

Ihr Studium an der Hochschule<br />

Karlsruhe?<br />

Bernd Hemmerle: Es war sehr interessant<br />

und hat mich fachlich wie<br />

menschlich sehr viel weiter in meinem<br />

Leben gebracht. Ich hatte eine<br />

sehr schöne Zeit, die ich nicht missen<br />

möchte. An dieser Stelle: „Danke<br />

an alle“.<br />

<strong>gwf</strong>: Herr Hemmerle, vielen Dank für<br />

dieses Gespräch.<br />

Oktober 2012<br />

1062 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


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wissenschaftlich fundiert ü ber die technischen<br />

und wirtschaftlichen Belange der <strong>Wasser</strong>bewirtschaftung<br />

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Antwort<br />

Leserservice <strong>gwf</strong><br />

Postfach 91 61<br />

97091 Würzburg<br />

Land, PLZ, Ort<br />

Telefon<br />

E-Mail<br />

Branche/Wirtschaftszweig<br />

Widerrufsrecht: Sie können Ihre Vertragserklärung innerhalb von zwei Wochen ohne Angabe von Gründen in Textform (z.B. Brief, Fax, E-Mail) oder<br />

durch Rücksendung der Sache widerrufen. Die Frist beginnt nach Erhalt dieser Belehrung in Textform. Zur Wahrung der Widerrufsfrist genügt die Datum, Unterschrift<br />

XFGWFW2012<br />

rechtzeitige Absendung des Widerrufs oder der Sache an Leserservice <strong>gwf</strong>, Franz-Horn-Str. 2, 97082 Wü rzburg<br />

Nutzung personenbezogener Daten: Für die Auftragsabwicklung und zur Pfl ege der laufenden Kommunikation werden personenbezogene Daten erfasst, gespeichert und verarbeitet. Mit dieser Anforderung erkläre ich mich damit einverstanden, dass ich vom<br />

Oldenbourg Industrieverlag oder vom Vulkan-Verlag □ per Post, □ per Telefon, □ per Telefax, □ per E-Mail, □ nicht über interessante Fachangebote informiert und beworben werde. Diese Erklärung kann ich mit Wirkung für die Zukunft jederzeit widerrufen.<br />

✘<br />

Telefax


Nachrichten Veranstaltungen<br />

11. <strong>Wasser</strong>wirtschaftliche Jahrestagung in Berlin<br />

Das traditionelle Branchentreffen der <strong>Wasser</strong>wirtschaft vom 19. bis 20. November 2012<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaftliche Themen<br />

rücken immer häufiger ins<br />

Blickfeld von Politik und Öffentlichkeit.<br />

Die Vielzahl ordnungspolitischer<br />

Initiativen aus Berlin und<br />

Brüssel werden auch in diesem Jahr<br />

zu intensiven Diskussionen führen.<br />

Dabei haben Qualitätssicherung<br />

und Versorgungssicherheit oberste<br />

Priorität für die deutsche <strong>Wasser</strong>wirtschaft.<br />

Die Unternehmen stehen<br />

vor der Herausforderung, die<br />

hervorragende Qualität der Trinkwasserver-<br />

und der <strong>Abwasser</strong>entsorgung,<br />

die auf modernen, kommunal<br />

geprägten Strukturen<br />

beruht, auch in Zukunft zu sichern.<br />

Die 11. <strong>Wasser</strong>wirtschaftliche<br />

Jahrestagung bietet gute Gelegenheit,<br />

um mit Spitzenvertretern aus<br />

Politik und <strong>Wasser</strong>wirtschaft die<br />

grundlegenden Zukunftsfragen der<br />

Branche zu diskutieren. Sie ist Treffpunkt<br />

zum regen Erfahrungsaustausch<br />

mit Geschäftsführern, Direktoren,<br />

Fach- und Führungskräften<br />

der <strong>Wasser</strong>- und <strong>Abwasser</strong>wirtschaft<br />

sowie Vertretern aus Politik<br />

und Kommunen und ideale Kontaktbörse.<br />

Um einen intensiven Dialog<br />

zu ermöglichen, gibt es kurze<br />

Thesenvorträge der Referenten<br />

sowie Diskussionsrunden, in die<br />

sich die Teilnehmer der Tagung einbringen<br />

können.<br />

Kontakt/Anmeldung:<br />

EW Medien und Kongresse GmbH,<br />

Kleyerstraße 88, D-60326 Frankfurt am Main,<br />

Projektassistenz: Daniela Baron,<br />

Tel. (030) 28 44 94-205,<br />

Fax (069) 7 10 46 87-95 52<br />

E-Mail: daniela.baron@ew-online.de,<br />

E-Mail: anmeldung@ew-online.de,<br />

www.ew-online.de<br />

TZW-Kolloquium am 4. Dezember 2012 in Karlsruhe<br />

Grundlagen für sichere Entscheidungen in der <strong>Wasser</strong>versorgung<br />

Entscheidungen für Vorgaben,<br />

Maßnahmen und Investitionen<br />

bedürfen heute mehr denn je einer<br />

gründlichen Vorbereitung sowie<br />

Analyse aller notwendigen Daten<br />

und Fakten. Das TZW als Partner der<br />

<strong>Wasser</strong>versorger, Behörden und<br />

Unternehmen liefert hierzu die notwendigen<br />

Grundlagen.<br />

Im Rahmen des 17. TZW-Kolloquiums<br />

werden für ausgewählte Beispiele<br />

die aktuellen Entwicklungen<br />

sowie Lösungsmöglichkeiten dargestellt<br />

und diskutiert. Das Themenspektrum<br />

umfasst dabei den gesamten<br />

<strong>Wasser</strong>kreislauf insbesondere im<br />

Hinblick auf die Nutzung der Ressource<br />

<strong>Wasser</strong> zur Gewinnung, Aufbereitung<br />

und Verteilung von Trinkwasser<br />

mit bester Qualität. Neben<br />

der Bedeutung von Spurenstoffen<br />

und der Identifizierung von <strong>Abwasser</strong>einflüssen<br />

an hand geeigneter<br />

Tracersubstanzen werden insbesondere<br />

Maßnahmen und Aktivitäten<br />

für den Ressourcenschutz, der auch<br />

durch die verstärkte Nutzung von<br />

regenera tiver Energie noch weiter<br />

an Bedeutung gewinnen wird, ausführlich<br />

behandelt. Darüber hinaus<br />

bedarf gerade die aktuelle Diskussion<br />

über die mikrobiologische<br />

Qualitäts sicherung und die Relevanz<br />

von Krankheitserregern bei der<br />

Trinkwasserverteilung im Kontext<br />

mit dem über die Trinkwasserverordnung<br />

bewährten und etablierten<br />

Überwachungsverfahren einer vernünftigen<br />

und fundierten Darstellung.<br />

Hierzu gehören unter anderem<br />

auch Fragen zur Leistungsfähigkeit<br />

von einzelnen Aufbereitungsschritten<br />

wie beispielsweise Filtrationsverfahren.<br />

Ergänzend wird auf neue<br />

Erkenntnisse zur Festlegung von<br />

Anforderungen an Kornaktivkohlen<br />

für die Qualifizierung und Sicherstellung<br />

einer ausreichenden Adsorbtionskapazität<br />

eingegangen. Ebenso<br />

dürfen mögliche Einflussfaktoren<br />

auf die Trinkwasserqualität bei der<br />

<strong>Wasser</strong>verteilung nicht unberücksichtigt<br />

bleiben. Hierzu zählen die<br />

Anforderungen an Produkte und insbesondere<br />

Rohrleitungen aus Kunststoff,<br />

welche auch in der Trinkwasser-Installation<br />

an Bedeutung deutlich<br />

gewonnen haben. Durch den<br />

Blick über die nationalen Grenzen in<br />

Gebiete, die von <strong>Wasser</strong>mangel<br />

gekennzeichnet sind, wird das Themenspektrum<br />

abgerundet.<br />

Die Anmeldung sollte bis zum<br />

20. November 2012 beim DVGW-<br />

Technologiezentrum <strong>Wasser</strong> in<br />

Karlsruhe eingehen.<br />

Weitere Informationen:<br />

www.tzw.de<br />

11. <strong>Wasser</strong>wirtschaftliche Jahrestagung<br />

19. bis 20. November 2012, Berlin Jetzt informieren und anmelden:<br />

www.ew-online.de<br />

BDEW_AZ_176x30_11WWJT.indd 1 23.07.12 16:45


Veranstaltungen<br />

Nachrichten<br />

Neuer Termin: Erste Geo-T EXPO<br />

vom 12. bis 14. November 2013<br />

Geothermiekongress DGK des Deutschen Geothermieverbandes parallel<br />

zur Messepremiere<br />

Die internationale Geothermie-<br />

Industriemesse Geo-T EXPO findet<br />

zum ersten Mal vom 12. bis 14.<br />

November 2013 statt. Den neuen<br />

Messetermin vereinbarten die<br />

Messe Essen und der GtV-Bundesverband<br />

Geothermie, der im Jahre<br />

2013 seinen renommierten Geothermiekongress<br />

„DGK“ parallel zur<br />

neuen Essener Geothermie-Messe<br />

durchführen wird.<br />

„Gemeinsam mit dem GtV-Bundesverband<br />

Geothermie als starkem<br />

Partner werden wir nicht nur in der<br />

Fachöffentlichkeit die Bedeutung<br />

der Geothermie für die Energiewende<br />

weltweit unterstreichen“,<br />

betont Frank Thorwirth, Vorsitzender<br />

der Geschäftsführung der Messe<br />

Essen. „Die Parallelität von Messe<br />

und Kongress ist eine riesige<br />

Chance, Wissenschaft, Anbieter und<br />

Anwender zusammenzubringen und<br />

so eine ganzheitliche Kommunikationsplattform<br />

zu diesem wichtigen<br />

Thema zu bieten.“<br />

Mit der parallelen Durchführung<br />

von Messe und Kongress optimale<br />

Rahmenbedingungen für alle Teilnehmer<br />

zu schaffen, ist auch Waldemar<br />

Müller-Ruhe überzeugt. „Allein<br />

der Kongress mit über 150 Fachbeiträgen“,<br />

so der Präsident des GtV-<br />

Bundesverbandes Geothermie,<br />

„wird mehrere 100 Besucher nach<br />

Essen ziehen.“<br />

Zur Messe werden im Herbst<br />

2013 rund 100 Aussteller in Essen<br />

erwartet. Darunter insbesondere<br />

Hersteller von Bohranlagen und<br />

-ausrüstungen sowie die Produzenten<br />

von Anlagen- und Kraftwerkstechnik<br />

und ihre jeweiligen Zulieferer.<br />

Als Besucher angesprochen<br />

werden vor allem Ingenieure und<br />

Anlagenbauer, aber auch Energieversorgungsunternehmen,<br />

Stadtwerke<br />

und Investoren. Der Veranstalter,<br />

Messe Essen in Kooperation<br />

mit Lorenz Kommunikation, geht<br />

von bis zu 1000 Besucherinnen und<br />

Besuchern für die Erstveranstaltung<br />

aus.<br />

Weitere Informationen:<br />

www.messe-essen.de<br />

Internationaler Kongress mit<br />

begleitender Fachausstellung<br />

Das aktuelle Kongressprogramm und<br />

weitere Informationen finden Sie unter<br />

www.iwrm-karlsruhe.com<br />

Interactions of Water with Energy and<br />

Materials in Urban Areas and Agriculture<br />

21. – 22. November 2012<br />

Kongresszentrum Karlsruhe | Stadthalle<br />

Alle Informationen und Onlineanmeldung unter:<br />

www.iwrm-karlsruhe.com<br />

Veranstalter<br />

Mitveranstalter<br />

Schirmherrschaft<br />

Oktober 2012<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 1065


Nachrichten<br />

Leute<br />

Heiko Sieker Honorarprofessor an der TU Berlin<br />

Dr.-Ing. Heiko Sieker, geschäftsführender<br />

Gesellschafter der<br />

Ingenieurgesellschaft Prof. Dr. Sieker<br />

mbH, Hoppegarten, wurde am<br />

24. Juli 2012 als Honorarprofessor<br />

für Urbane Hydrologie an der Technischen<br />

Universität Berlin berufen.<br />

Dr. Sieker hat Bauingenieurwesen<br />

an der Universität Hannover<br />

studiert. Nach einer einjährigen<br />

Tätigkeit als Projektingenieur in<br />

einem Hamburger Ingenieurbüro<br />

arbeitete er seit 1993 im Institut für<br />

technisch-wissenschaftliche Hydrologie<br />

Prof. Sieker und Partner mbH<br />

in der Niederlassung Berlin, seit<br />

1995 als Niederlassungsleiter und<br />

seit 1998 als geschäftsführender<br />

Gesellschafter des dann umbenannten<br />

Unternehmens (siehe oben). Es<br />

ist besonders bemerkenswert, dass<br />

er neben seiner beruflichen Tätigkeit<br />

im Jahr 2000 extern an der TU<br />

Darmstadt mit dem Thema Generelle<br />

Planung der Regenwasserbewirtschaftung<br />

in Siedlungsgebieten promoviert<br />

hat.<br />

Dr. Sieker hat neben seinen<br />

umfangreichen beruflichen Tätigkeiten<br />

stets sehr große Anstrengungen<br />

unternommen, in Lehre und<br />

Forschung Kontakte zu Hochschulen<br />

zu halten. Seit dem Jahr 2006<br />

bringt er sich kontinuierlich in vertiefende<br />

Lehrveranstaltungen des<br />

Fachgebietes <strong>Wasser</strong>wirtschaft und<br />

Hydrosystemmodellierung im Diplom-<br />

und Masterstudiengang Bauingenieurwesen<br />

als Lehrbeauftragter<br />

ein. So führt er zusammen mit<br />

Prof. Hinkelmann die Lehrveranstaltung<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaft durch und<br />

deckt dabei die Bereiche Hochwasser-<br />

und Gewässerschutz ab.<br />

Diese Lehrveranstaltung wird seit<br />

einigen Jahren in Kooperation mit<br />

dem internationalen Masterstudiengang<br />

Euro Hydro-Informatics and<br />

Water Management angeboten und<br />

in englischer Sprache gehalten. Zu -<br />

künftig ist geplant, dass Dr. Sieker<br />

mit seiner speziellen Expertise in<br />

der urbanen Hydrologie das Kompetenzfeld<br />

<strong>Wasser</strong>wesen im Masterstudiengang<br />

Bauingenieurwesen,<br />

das von Prof. Barjenbruch vom<br />

Fachgebiet Siedlungswasserwirtschaft<br />

und Prof. Hinkelmann angeboten<br />

wird, erweitert.<br />

Die Ingenieurgesellschaft Prof.<br />

Dr. Sieker mbH mit derzeit rund<br />

20 Mitarbeitern hat ihre Tätigkeitsschwerpunkte<br />

in den Bereichen<br />

Stadtentwässerung, allgemeine<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaft und <strong>Wasser</strong>bau<br />

sowie in der Softwareentwicklung<br />

für die <strong>Wasser</strong>wirtschaft. Dr. Sieker<br />

und sein Team haben neben klassischen<br />

Ingenieurprojekten in den<br />

letzten Jahren an vielen nationalen<br />

und internationalen Forschungsprojekten<br />

mitgewirkt (u. a. 5., 6. und<br />

7. EU Rahmenprogramm), in denen<br />

z. T. auch weitere TU Professoren<br />

eingebunden waren. Speziell im<br />

Bereich der Regenwasserbewirtschaftung<br />

ist sein Büro in der Praxis<br />

deutschlandweit und in der Forschung<br />

international profiliert. Wir<br />

möchten in diesem Zusammenhang<br />

ganz besonders betonen, dass<br />

wir in den letzten Jahren bereits<br />

mehrere Forschungsprojekte ge -<br />

meinsam mit Dr. Sieker bearbeitet<br />

haben bzw. bearbeiten (z. B. Einbau<br />

leitbildkonformer Ersatzstrukturen<br />

in die Panke und Optimierung ihrer<br />

Wirksamkeit, Blue Green Dream im<br />

Rahmen von Climate-KIC) und dass<br />

sich weitere gemeinsame Projekte<br />

in der Planung befinden. Wir sehen<br />

in der Honorarprofessur für Urbane<br />

Hydrologie vertreten durch Dr.<br />

Sieker eine ideale Verbindung von<br />

forschungsorientierter wasserwirtschaftlicher<br />

Ingenieurpraxis mit der<br />

<strong>Wasser</strong>forschung an der TU Berlin<br />

im Sinne beidseitiger Synergien.<br />

Konsequenterweise hat die TU<br />

Berlin in Anerkennung seiner Leistungen<br />

in Lehre und Forschung und<br />

seiner Verdienste um die TU die<br />

Honorarprofessur für Urbane Hydrologie<br />

verliehen. Wir freuen uns auf<br />

eine weitere gute Zusammenarbeit.<br />

Prof. Reinhard Hinkelmann /<br />

Prof. Matthias Barjenbruch<br />

DVGW verleiht Studienpreis <strong>Wasser</strong><br />

Zwei Hochschulabsolventen für heraus ragende akademische Arbeiten geehrt<br />

größten wasserfachlichen Branchentreffens<br />

von DVGW-Vizepräsident<br />

Dr. Georg Grunwald geehrt.<br />

Jonathan Schmidt hat in seiner<br />

an der Hochschule für Technik Stuttgart<br />

erstellten Bachelorarbeit die<br />

grundsätzlichen Zusammenhänge<br />

der Funktionsweise einer doppelexwww.wassertermine.de<br />

Der DVGW Deutscher Verein des<br />

Gas- und <strong>Wasser</strong>faches hat auf<br />

der 66. <strong>Wasser</strong>fachlichen Aussprachetagung<br />

am 24. September 2012<br />

in Dresden zwei junge Hochschulabsolventen<br />

für ihre herausragenden<br />

akademischen Arbeiten mit<br />

dem Studienpreis <strong>Wasser</strong> ausgezeichnet.<br />

Die zwei Nachwuchsingenieure<br />

wurden bei der Eröffnungsveranstaltung<br />

des bundesweit<br />

Oktober 2012<br />

1066 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Leute<br />

Nachrichten<br />

Available<br />

as print volume<br />

or as e-paper<br />

Prof. Thomas Wegener (li.), Vorsitzender des Instituts<br />

für Rohrleitungsbau, betreute den Preisträger Sebastian<br />

Cichowlas bei der Anfertigung der Masterarbeit.<br />

© Katrin Keller<br />

zentrischen Rückschlagklappe und der Randbedingungen<br />

im Druckstoßfall anschaulich dargestellt. Darüber<br />

hinaus beschreibt er in seiner Arbeit ein Verfahren, wie<br />

Rückschlagklappen in der untersuchten Bauart optimal<br />

auf ihr Verhalten im Druckstoßfall eingestellt werden<br />

können. Das in der Bachelorarbeit vorgestellte Berechnungsmodell<br />

ermöglicht es, die Rückschlagklappen auf<br />

ihr optimales Verhalten hin zu überprüfen und die Parameter<br />

neu einzustellen.<br />

Sebastian Cichowlas hat in seiner an der Jade Hochschule<br />

erstellten Masterarbeit ein Zielnetz der Trinkwasserversorgung<br />

für die Stadt Cuxhaven unter Berücksichtigung<br />

des demografischen Wandels sowie struktureller<br />

und stadtplanerischer Änderungen erarbeitet. Cichowlas<br />

greift dabei ein hochaktuelles Thema der <strong>Wasser</strong>wirtschaft<br />

auf, das sowohl technisch als auch politisch<br />

eine hohe Relevanz aufweist und in der Öffentlichkeit<br />

einen breiten Diskussionsraum einnimmt. Aufgrund des<br />

demografischen Wandels müssen sich Versorgungsunternehmen<br />

mit den Auswirkungen dieser Veränderungen<br />

auf die bestehenden Netze und den Anforderungen<br />

an eine zukünftige Gestaltung ihrer Netze auseinandersetzen.<br />

Der DVGW-Studienpreis wird jährlich zur Förderung<br />

des Nachwuchses im Energie- und <strong>Wasser</strong>fach an herausragende<br />

Diplom-, Master- oder Bachelorarbeiten<br />

verliehen. Er ist insgesamt mit 10 000 Euro dotiert. Voraussetzung<br />

ist u. a., dass die Arbeiten einen praktischen<br />

Bezug zu technisch-wissenschaft lichen Fragestellungen<br />

im Energie- und <strong>Wasser</strong>fach haben und mit „sehr gut“<br />

bewertet worden sind.<br />

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Recht und Regelwerk<br />

Regelwerk <strong>Wasser</strong><br />

W 372-B1 zu DVGW-Prüfgrundlage W 372 Rohre, Formstücke und Zubehörteile aus<br />

duktilem Gusseisen und ihre Verbindungen für die <strong>Wasser</strong>verteilung – Serie DN/OD;<br />

Anforderungen und Prüfungen, 8/2012<br />

Vorwort<br />

Dieses Beiblatt wurde vom Technischen<br />

Komitee „Bauteile <strong>Wasser</strong>versorgungssysteme“<br />

erarbeitet. Es<br />

beinhaltet eine Änderung der<br />

Grenzabmaße in Tabelle 1 der Vorläufigen<br />

Technischen Prüfgrundlage<br />

DVGW W 372:2012-09.<br />

Dieses Beiblatt gilt in Verbindung<br />

mit der Vorläufigen Technischen<br />

Prüfgrundlage DVGW<br />

W 372:2012-09.<br />

Vorwort<br />

Dieses Beiblatt wurde vom Projektkreis<br />

„Metallische Werkstoffe in <strong>Wasser</strong>versorgungssystemen“<br />

im Technischen<br />

Komitee „BAuteile <strong>Wasser</strong>versorgungssysteme“<br />

erarbeitet. Es<br />

beinhaltet eine Präzisierung der<br />

DVGW-Prüfgrundlage GW 337:2010-<br />

09 bzgl. Tabelle 2 Nr. 1, hinsichtlich<br />

der Prüfung des Werkstoffes.<br />

Dieses Beiblatt gilt in Verbindung<br />

mit der DVGW-Prüfgrundlage GW<br />

337:2010-09<br />

Preis:<br />

€ 11,10 für Mitglieder;<br />

€ 14,80 für Nichtmitglieder.<br />

W 572: Niveaugesteuerte Absperrarmaturen in der Trinkwasser-Installation –<br />

Anforderungen und Prüfungen, 9/2012<br />

Die vorläufige technische Prüfgrundlage<br />

DVGW W 572 (VP)<br />

wird in Kürze als Weißdruck veröffentlicht.<br />

Die vorläufige technische Prüfgrundlage<br />

beschreibt technische<br />

und hygienische Anforderungen<br />

und Vorgaben zur Prüfung und<br />

Überwachung von niveaugesteuerten<br />

Armaturen in der Trinkwasser-<br />

Installation. Sie gilt für Armaturen<br />

bis DN 100 für versorgte Behälter in<br />

der Trinkwasser-Installation für kaltes<br />

Trinkwasser, wogegen Schwimmerventile<br />

nach DIN EN 14124, die<br />

in Spülkästen verwendet werden,<br />

nicht in den Anwendungsbereich<br />

fallen. Für ein komplettes Bauteil,<br />

bestehend aus Behälter mit niveaugesteuerter<br />

Zulaufarmatur, ist<br />

DVGW W 540 (VP) „Eigensichere<br />

Apparate zum Anschluss an die<br />

Trinkwasser-Installation – Anforderungen<br />

und Prüfungen“ anzuwenden.<br />

Neben den hygienischen<br />

Anforderungen an die verwendeten<br />

Werkstoffe werden in DVGW W 572<br />

(VP) Dichtheits-, Festigkeits- und<br />

Funktionsprüfungen beschrieben,<br />

die einen ordnungsgemäßen und<br />

störungsfreien Betrieb der eingebauten<br />

Armaturen sicherstellen<br />

Ankündigung zur Fortschreibung<br />

des DVGW-Regelwerks<br />

Ankündigung zur Erarbeitung von Regelwerken gemäß GW 100<br />

sollen. Die vorläufige technische<br />

Prüfgrundlage wird nach spätestens<br />

drei Jahren durch das zuständige<br />

technische Komitee auf ihren Zweck<br />

und Inhalt überprüft.<br />

Preis:<br />

€ 16,61 für Mitglieder;<br />

€ 22,14 für Nichtmitglieder.<br />

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Tel. (0228) 9191-40, Fax (0228) 9191-499,<br />

www.wvgw.de<br />

""<br />

W 398 M Praxishinweise zur hygienischen Eignung von Ortbeton und vor Ort hergestellten zementgebundenen<br />

Werkstoffen<br />

Ankündigung zur Überarbeitung von Regelwerken gemäß GW 100<br />

""<br />

W 553 A Bemessung von Zirkulationssystemen in zentralen Trinkwassererwärmungsanlagen<br />

""<br />

GW 15 M Nachumhüllungen von Rohren, Armaturen und Formteilen – Ausbildungs- und Prüfplan<br />

""<br />

W 104 A Grundsätze und Maßnahmen einer gewässerschützenden Landbewirtschaftung<br />

""<br />

W 107 A Aufbau und Anwendung numerischer Grundwassermodelle in <strong>Wasser</strong>gewinnungsgebieten<br />

Bitte wenden Sie sich bei Rückfragen an den DVGW: Josef-Wirmer-Str. 1–3, 53123 Bonn, Internet: www.dvgw.de<br />

Oktober 2012<br />

1068 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Recht und Regelwerk<br />

Regelwerk Gas/<strong>Wasser</strong><br />

GW 337-B1: Beiblatt 1 zu DVGW-Prüfgrundlage GW 337 Rohre, Formstücke und<br />

Zubehörteile aus duktilem Gusseisen für die Gas- und <strong>Wasser</strong>versorgung;<br />

Anforderungen und Prüfungen, 8/2012<br />

Vorwort<br />

Dieses Beiblatt wurde vom Technischen<br />

Komitee „Bauteile <strong>Wasser</strong>versorgungssysteme“<br />

erarbeitet. Es<br />

beinhaltet eine Änderung der<br />

Grenzabmaße in Tabelle 1 der Vorläufigen<br />

Technischen Prüfgrundlage<br />

DVGW W 372:2012-09.<br />

Dieses Beiblatt gilt in Verbindung<br />

mit der Vorläufigen Technischen<br />

Prüfgrundlage DVGW<br />

W 372:2012-09.<br />

Vorwort<br />

Dieses Beiblatt wurde vom Projektkreis<br />

„Metallische Werkstoffe in <strong>Wasser</strong>versorgungssystemen“<br />

im Technischen<br />

Komitee „Bauteile in <strong>Wasser</strong>versorgungssysteme“<br />

erarbeitet.<br />

Es beinhaltet eine Präzisierung der<br />

DVGW-Prüfgrundlage GW 337:210-<br />

09 bzgl. Tabelle 2, laufende Nr. 1,<br />

hinsichtlich der Prüfung des Werkstoffes.<br />

Dieses Beiblatt gilt in Verbindung<br />

der DVGW-Prüfgrundlage GW<br />

337:2012-09.<br />

Preis:<br />

€ 11,10 für Mitglieder;<br />

€ 14,80 für Nichtmitglieder.<br />

Bezugsquelle:<br />

wvgw Wirtschafts- und Verlagsgesellschaft<br />

Gas und <strong>Wasser</strong> mbH,<br />

Josef-Wirmer-Straße 3,<br />

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S1 / 2011<br />

Volume 152<br />

<strong>gwf</strong><br />

INTERNATIONAL<br />

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for water and wastewater<br />

ISSN 0016-3651<br />

B 5399<br />

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1/2012<br />

Jahrgang 153<br />

ISSN 0016-3651<br />

B 5399<br />

Established in 1858, »<strong>gwf</strong> – <strong>Wasser</strong> | <strong>Abwasser</strong>« is regarded<br />

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Recht und Regelwerk<br />

Vorhabensbeschreibung<br />

Erarbeitung des Merkblattes DWA-M 109 „Hinweise zu hydraulischen Kriterien<br />

bei der Berechnung von Sonderbauwerken in Entwässerungssystemen“<br />

Die Erarbeitung des Merkblattes<br />

DWA-M 109 ist notwendig, da<br />

u. a. in den Arbeitsblättern DWA-<br />

A 111 „Hydraulische Dimensionierung<br />

und betrieblicher Leistungsnachweis<br />

von Anlagen zur Abflussund<br />

<strong>Wasser</strong>standsbegrenzung in<br />

Entwässerungssystemen“, Arbeitsblatt<br />

DWA-A 112 „Hydraulische<br />

Dimen sionierung und Leistungsnachweis<br />

von Sonderbauwerken in<br />

<strong>Abwasser</strong>leitungen und -kanälen“,<br />

Arbeitsblatt ATV-A 128 „Richtlinien<br />

für die Bemessung und Gestaltung<br />

von Regenentlastungsanlagen in<br />

Mischwasserkanälen“ und Arbeitsblatt<br />

ATV-A 166 „Bauwerke der zentralen<br />

Regenwasserbehandlung und<br />

-rück haltung“ merkblattrelevante<br />

Ausführungen zu hydraulischen Kriterien<br />

bei der Berechnung von Sonderbauwerken<br />

nicht aufgenommen<br />

werden konnten. Diese sollen nun<br />

im Merkblatt DWA-M 109 niedergeschrieben<br />

werden.<br />

Das Merkblatt soll Hilfestellung<br />

zur Berechnung folgender hydraulisch<br />

wirksamer Systeme und Bedingungen<br />

geben:<br />

""<br />

Einlaufgestaltung,<br />

""<br />

Verwirbelungen im Bauwerk,<br />

""<br />

Klärbedingungen,<br />

""<br />

Nachweise für Überläufe,<br />

""<br />

Tauchwand,<br />

""<br />

Wehrschwellenbeschickung,<br />

""<br />

Einleitung ins Gewässer,<br />

""<br />

Absturzbauwerke.<br />

Es sollen Bewertungskriterien zur<br />

Beurteilung der Wirkung rechnerisch<br />

ausgelasteter Sonderbauwerke formuliert<br />

werden. Außerdem sollen<br />

weitere praxisrelevante hydraulische<br />

Aspekte näher erläutert werden.<br />

Das Merkblatt wird durch die<br />

Arbeitsgruppe ES-2.2 „Hydraulische<br />

Grundlagen“ im FA ES-2 „Systembezogene<br />

Planung“ überarbeitet.<br />

Hinweise für die Überarbeitung<br />

nimmt die DWA-Bundesgeschäftsstelle<br />

entgegen.<br />

Der Bearbeitungszeitraum ist von<br />

Mitte 2012 bis Ende 2014 geplant.<br />

Aktualitätsprüfung des Merkblattes DWA-M 160 sowie normenbegleitende Arbeiten<br />

zur DIN EN 1610 und Machbarkeitsstudie ZTV „Kanalbau“<br />

Derzeit wird die DIN EN 1610<br />

„Verlegung und Prüfung von<br />

<strong>Abwasser</strong>leitungen und -kanälen“<br />

in der europäischen Arbeitsgruppe<br />

WG 10 „Einbau von Entwässerungssystemen<br />

als Freispiegelsysteme“<br />

im CEN/TC 165 „<strong>Abwasser</strong>technik“<br />

unter deutscher Beteiligung überarbeitet.<br />

Aus Sicht der DWA sind<br />

durch technische Fortschritte im<br />

Bereich der Verfüllmaterialien und<br />

Einbauarten sowie im Bereich der<br />

geltenden Normen und Arbeitsschutzvorschriften<br />

Anpassungen an<br />

den Stand der Technik der DIN<br />

EN 1610 notwendig. Die neu zu<br />

gründende Arbeitsgruppe wird<br />

diese Arbeiten begleiten und die<br />

Notwendigkeit der Fortschreibung<br />

des Arbeitsblattes DWA-A 139<br />

„Einbau- und Prüfung von <strong>Abwasser</strong>leitungen<br />

und -kanälen“ prüfen.<br />

Das Merkblatt DWA-M 160<br />

„Fräs- und Pflugverfahren für den<br />

Einbau von <strong>Abwasser</strong>leitungen und<br />

-ka nälen“ (veröffentlicht: Oktober<br />

2003) ist nunmehr knapp 9 Jahre alt.<br />

Die Arbeitsgruppe wird den Überarbeitungsbedarf<br />

des Merkblattes<br />

DWA-M 160 „Fräs- und Pflugverfahren<br />

für den Einbau von <strong>Abwasser</strong>leitungen<br />

und -kanälen“ prüfen und<br />

dem Fachausschuss einen Vorschlag<br />

unterbreiten, wie mit dem Merkblatt<br />

verfahren werden soll.<br />

Im Fachausschuss ES-8 „Zustandserfassung<br />

und Sanierung“ wird eine<br />

Merkblattreihe zu „Zusätz lichen<br />

Technischen Vertragsbedingungen<br />

für Sanierungsmaßnahmen erarbeitet.<br />

Die neu zu gründende Arbeitsgruppe<br />

hat den Auftrag des Fachausschusses<br />

ES-5, eine Machbarkeitsstudie<br />

zu einem Merk- oder<br />

Arbeitsblatt zu „Zusätzlichen Technischen<br />

Vertragsbedingungen für<br />

Kanalbaumaßnahmen in offener<br />

Bauweise“ zu erarbeiten.<br />

Die oben genannten Themenkomplexe<br />

werden durch die neu zu<br />

gründende Arbeitsgruppe ES-5.1<br />

„Allgemeine Richtlinien für den Bau<br />

von Entwässerungsanlagen“ im FA<br />

ES-5 „Bau“ bearbeitet werden.<br />

Hinweise zu den genannten<br />

Themenbereichen nimmt die DWA-<br />

Bundesgeschäftsstelle gerne entgegen.<br />

An der Mitarbeit interessierte<br />

Fachleute werden ebenfalls<br />

gebeten, sich an die Bundesgeschäftstelle<br />

der DWA zu wenden.<br />

Der Bearbeitungszeitraum ist<br />

von Anfang 2013 bis Ende 2015<br />

geplant.<br />

Kontakt:<br />

DWA, Dipl.-Ing. Christian Berger,<br />

Theodor-Heuss-Allee 17,<br />

D-53773 Hennef,<br />

Tel. (02242) 872-126,<br />

Fax (02242) 872-184,<br />

E-Mail: berger@dwa.de<br />

Oktober 2012<br />

1070 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


ABWASSERWÄRMENUTZUNG<br />

SONDERAUSGABE<br />

<strong>Wasser</strong>Stoff<br />

02/12<br />

D e r e . q u a N e w s l e t t e r<br />

Netzwerk Energierückgewinnung<br />

und Ressourcenmanagement<br />

Das e.qua Netzwerk berichtet<br />

Im Gespräch<br />

Veranstaltungen<br />

Aus der Branche:<br />

Vorstandschef der Berliner <strong>Wasser</strong>betriebe zeigt Perspektiven auf<br />

Interview mit Jörg Simon, Vorstandschef der Berliner <strong>Wasser</strong>betriebe, über die Kostenentwicklung in<br />

der <strong>Wasser</strong>wirtschaft und die Möglichkeit der Kostensenkungen durch Energierückgewinnung und<br />

Energieeffizienzsteigerung ..............................................................................................................Seite 2<br />

en 3 – der energiegeladene Fachkongress:<br />

Countdown für Energieeffizienz<br />

Am 12. und 13. November versammeln sich die Fachleute der <strong>Wasser</strong>- und Energiewirtschaft zum<br />

Branchengipfel und Kongress en 3 in Berlin. Der Countdown läuft... ...................................................Seite 3<br />

Willkommen in der Energie-Stadt<br />

Herr Nicolas Zimmer, Staatssekretär in der Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft,<br />

Technologie und Forschung, grüßt die en 3 ........................................................................................Seite 4<br />

Aus dem Netzwerk<br />

Das Netzwerkmitglied NIVUS stellt sich vor:<br />

Die Nivus GmbH ist e.qua-Mitglied und der Messtechnik Spezialist für die <strong>Wasser</strong>wirtschaft ...........Seite 5<br />

Kooperation der Stadtentwässerung Dresden GmbH:<br />

Die Frankfurter <strong>Wasser</strong>- und <strong>Abwasser</strong>gesellschaft mbH und die<br />

Stadtentwässerung Dresden GmbH vereinbaren Zusammenarbeit ....................................................Seite 5<br />

Themenallianz <strong>Abwasser</strong>wärmenutzung<br />

THEMENALLIANZ<br />

<strong>Abwasser</strong>wärme: Entlang der Erwartungen und Vorurteile<br />

Andreas Koschorreck, Geschäftsführer des e.qua Netzwerks, im Interview über<br />

Herausforderungen, Vorurteile und Potenzial der <strong>Abwasser</strong>wärmenutzung ......................................Seite 6


Im Gespräch<br />

Aus der Branche:<br />

Jörg Simon, Vorstandsvorsitzender der Berliner <strong>Wasser</strong>betriebe, zeigt Perspektiven auf<br />

J. Simon: Es ist richtig, dass in den letzten<br />

Jahren das öffentliche Interesse an<br />

Gebühren und Preisen der <strong>Wasser</strong>versorger<br />

zugenommen hat. Es ist Aufgabe<br />

jedes <strong>Wasser</strong>ver- und <strong>Abwasser</strong>entsorgers,<br />

effizient die natürlichen und finanziellen<br />

Ressourcen einzusetzen und<br />

deren Einsatz kontinuierlich weiter zu<br />

optimieren. Die Unternehmen stellen<br />

sich klar dieser Herausforderung. Die<br />

Preisdiskussion greift meines Erachtens<br />

aber zu kurz: Das, was die <strong>Wasser</strong>versorger<br />

für Umwelt und Gesellschaft<br />

leisten, findet leider zu wenig Beachtung.<br />

Als Teil der Daseinsvorsorge dürfen<br />

bei der Gestaltung der Trinkwasserversorgung<br />

und <strong>Abwasser</strong>entsorgung<br />

ökonomische Aspekte nicht allein im<br />

Vordergrund stehen. Hier muss es einen<br />

Gleichklang mit ökologischen und<br />

sozialen Interessen geben. Darin sehe<br />

ich den Schlüssel für eine nachhaltige<br />

Entwicklung der Unternehmen der <strong>Wasser</strong>wirtschaft.<br />

So darf sich das Gleichgewicht<br />

nicht zu Lasten der künftigen<br />

Generation verschieben, um die finanzielle<br />

Belastung der heutigen <strong>Wasser</strong>kunden<br />

zu begrenzen.<br />

versorgen – und das vollständig aus erneuerbaren<br />

Energieträgern. Jede dieser<br />

Maßnahmen ist wirtschaftlich und stellt<br />

damit ein gutes Beispiel für den Gleichklang<br />

ökologischer, ökonomischer und<br />

sozialer Interessen dar.<br />

Herr Simon, wir danken Ihnen für dieses<br />

Gespräch!<br />

<strong>Wasser</strong>Stoff: Herr Simon, die <strong>Wasser</strong>wirtschaft<br />

ist nicht mehr dieselbe wie<br />

vor 10 Jahren und steht unter einem<br />

enormen Kostendruck. Welches sind - in<br />

aller Kürze - aus Ihrer Sicht die Schlüssel<br />

für eine erfolgreiche Ausrichtung der<br />

wasserwirtschaftlichen Betreiber?<br />

<strong>Wasser</strong>Stoff: Längst sind Energieprojekte<br />

mehr als nur eine Imageaufbesserung,<br />

sie sind vielmehr ein wichtiger<br />

Baustein für Kostensenkungen und<br />

Wirtschaftlichkeit der Unternehmen.<br />

Wie bewerten Sie den Stellenwert des<br />

Faktors Energie im Gesamtgefüge des<br />

Unternehmens?<br />

J. Simon: Die Energiekosten machen<br />

rund 5 % unserer Gesamtkosten aus.<br />

Seit 2005 sind unsere Energiekosten<br />

um fast 50 % gestiegen. Wir haben uns<br />

da klar positioniert und verbindliche<br />

Klimaschutzziele formuliert. Diese Ziele<br />

sehen eine Senkung des Energieverbrauchs<br />

kombiniert mit wirtschaftlichen<br />

Maßnahmen zur Nutzung von alternativen<br />

Energieträgern vor. Beispielsweise<br />

haben wir mehrere Projekte zur Nutzung<br />

von Wärme aus <strong>Abwasser</strong> ins Leben<br />

gerufen.<br />

<strong>Wasser</strong>Stoff: Welches Energieprojekt<br />

beschäftigt die Berliner <strong>Wasser</strong>betriebe<br />

ganz aktuell?<br />

J. Simon: Anfang Oktober ist es soweit:<br />

Unsere drei Windräder werden an drei<br />

Wochenenden im Herbst errichtet. Jedes<br />

Windrad wird eine Leistung von 2<br />

Megawatt haben. Mit der Windenergie<br />

wird sich unser Klärwerk in Schönerlinde<br />

zu mehr als 80 % selbst mit Energie<br />

- 2 -<br />

<strong>Wasser</strong>Stoff 02/12


Veranstaltungen<br />

en 3 -<br />

Der energiegeladene Fachkongress<br />

A<br />

m 12./13.November 2012 ist es soweit:<br />

e.qua veranstaltet zum dritten<br />

Mal den jährlichen Branchengipfel en 3 ,<br />

der die Entscheider aus <strong>Wasser</strong>- und<br />

Energiewirtschaft zusammenbringt.<br />

Energie ist unbestritten DAS dominierende<br />

Thema der letzten Jahre... egal<br />

in welcher Branche... egal ob in Politik,<br />

Wirtschaft oder Wissenschaft.<br />

Auch in der <strong>Wasser</strong>wirtschaft spielt das<br />

Thema dementsprechend eine immer<br />

größere Rolle.<br />

Es gibt wohl keinen wasserwirtschaftlichen<br />

Akteur mehr, der sich nicht schon<br />

mit Energieeffizienzpotenzialen oder<br />

Rückgewinnung von Energie beschäftigt<br />

hat.<br />

Passend dazu: der Fachkongress en 3 , mit<br />

dem die energetischen und wirtschaftlichen<br />

Herausforderungen rund um das<br />

Thema Energie in der <strong>Wasser</strong>wirtschaft<br />

aufgegriffen und die entscheidenden<br />

Akteure aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft<br />

zusammengebracht werden.<br />

Die Referenten, die auf der en 3 - energy,<br />

environment, engineering -<br />

sprechen werden, sind handverlesen.<br />

So wird beispielsweise MinR<br />

Wilfried Kraus, Unterabteilungsleiter<br />

im Bundesministerium<br />

für Bildung und<br />

Forschung, zu Gast sein, um über Projektförderungen<br />

und Unterstützungsmöglichkeiten<br />

für Energieprojekte in der<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaft zu sprechen.<br />

Jörg Simon, Vorstandsvorsitzender<br />

der Berliner <strong>Wasser</strong>betriebe, und Otto<br />

Schaaf, Vorstandsmitglied der Kölner<br />

Entwässerungsbetriebe, werden schildern,<br />

welchen Herausforderungen sich<br />

große wasserwirtschaftliche Entsorgungsbetriebe<br />

zukünftig werden stellen<br />

müssen.<br />

Christoph Ontyd, Hauptabteilungsleiter<br />

<strong>Abwasser</strong> der Gelsenwasser AG, wird<br />

strategische Instrumente und Verfahren<br />

zur wasserwirtschaftlichen Energieoptimierung<br />

vorstellen.<br />

Prof. Dr. Jens Wagner, Ostfalia Fakultät<br />

Versorgungstechnik,<br />

wird über<br />

Möglichkeiten und<br />

Potential der Energiegewinnung<br />

aus<br />

Trinkwasser referieren.<br />

energy environment engineering<br />

Innovationen in der <strong>Wasser</strong>wirtschaft<br />

darstellen. Und das Unternehmen Solon<br />

Energy GmbH wird einen Beitrag zu Möglichkeiten<br />

des Photovoltaik-Einsatzes in<br />

der <strong>Wasser</strong>wirtschaft bieten.<br />

Auch für eine Einordnung in das Große<br />

und Ganze ist gesorgt. Prof. Dr. Ernst Ulrich<br />

von Weizsäcker wird abschließend<br />

zu den globalen Herausforderungen einer<br />

nachhaltigen Entwicklung sprechen<br />

und dabei insbesondere die Rolle von<br />

innovationsfähigen Branchen beleuchten.<br />

Die Besucher dürfen sich also auch in<br />

diesem Jahr wieder auf ein anspruchsvolles<br />

Programm, abwechslungsreiche<br />

Themen und charismatische Referenten<br />

freuen.<br />

Fragen oder Buchungen unter<br />

www.e-qua.de. Jetzt Ticket sichern.<br />

Dr. Oliver Weinmann,<br />

Geschäftsführer<br />

der Vattenfall<br />

Europe<br />

Innovation GmbH,<br />

wird die Perspektive<br />

der Energieunternehmen<br />

auf<br />

<strong>Wasser</strong>Stoff 02/12 - 3 -


Veranstaltungen<br />

Willkommen in der Energie-Stadt<br />

Staatssekretär Nicolas Zimmer grüßt die en 3<br />

N<br />

un schon zum 3. Mal kündigt sich<br />

der Fachkongress en 3 (energy. environment.<br />

engineering) hier in Berlin an.<br />

Berlin bietet den passenden Rahmen für<br />

das Thema des Branchentreffens. Denn<br />

wo passt er besser als in dieser Stadt.<br />

Berlin hat alles, was eine Energiemetropole<br />

ausmacht. Starke Energieversorger.<br />

Eine Vielzahl von Großverbrauchern und<br />

eine Menge Potenzial, um Teile der eingesetzten<br />

Energie wieder zurück zu gewinnen<br />

und daneben energieeffizient zu<br />

wirtschaften. Forschungseinrichtungen,<br />

die sich mit energetischen Fragen innovativ<br />

auseinandersetzen. Mittelständische<br />

Unternehmen, die innovative und wegweisende<br />

Technologien und Leistungen<br />

anbieten.<br />

Darüber hinaus verfügt Berlin über ein<br />

kompetentes und innovatives Management<br />

seiner <strong>Wasser</strong>ver- und -entsorgung,<br />

bei der das Thema Energie als integrales<br />

Element angesehen wird.<br />

Nicht zuletzt hat unsere Hauptstadt eine<br />

Reihe von Netzwerken, die als Treiber<br />

und Initiator sowie Wirtschaftsmotor<br />

enorm wichtig sind. Eines davon, das<br />

Berliner Netzwerk e.qua, beschäftigt<br />

sich seit über 3 Jahren ausschließlich mit<br />

dem synergetischen Verhältnis von <strong>Wasser</strong><br />

und Energie.<br />

Und das außerordentlich erfolgreich. So<br />

ist es der e.qua gelungen, wesentliche<br />

Treiber der deutschen <strong>Wasser</strong>wirtschaft<br />

und eine Vielzahl von fachspezifischen<br />

Klein- und mittelständischen Unternehmen<br />

(KMUs) in die Facharbeit einzubinden.<br />

Und so ist auch in diesem Jahr<br />

wieder zu erwarten, dass dem Ruf des<br />

energiegeladenen Netzwerkes zum diesjährigen<br />

Branchengipfel der <strong>Wasser</strong>- und<br />

Energiewirtschaft en 3 viele Fachexperten<br />

und Branchengrößen aus dem gesamten<br />

Bundesgebiet und darüber hinaus folgen<br />

werden.<br />

Berlin selbst hat neben dem Charme<br />

als Tagungsort auch eine Vielzahl von<br />

praktischen Beispielen des bewussten<br />

Umgangs mit Energie im Bereich <strong>Wasser</strong><br />

aufzuweisen: Energiegewinnung auf den<br />

Berliner Klärwerken, Anlagen zur Gewinnung<br />

von <strong>Abwasser</strong>abwärme und Lösungen<br />

zu einem bewussten Umgang mit<br />

Ressourcen.<br />

Nicht umsonst haben wir daher unser Engagement<br />

im Netzwerk e.qua für weitere<br />

3 Jahre verlängert und wünschen den Kolleginnen<br />

und Kollegen und Mitgliedern<br />

eine weitere positive Entwicklung und<br />

einen erneut erfolgreichen Branchengipfel<br />

en 3 .<br />

Ihr Nicolas Zimmer<br />

Im Überblick: Die Themen und Referenten der en 3 am 12./13.11.2012<br />

12.11. Vorabendveranstaltung ab 18:00 Uhr<br />

Prof. Dr. med. Dr. phil. Manfred Spitzer, Universitätsklinikum Ulm<br />

„Mentale Stärke für Führungskräfte: Gedanken, Gefühle, Bilder und<br />

Handlungen“<br />

13.11. Fachkongress 9:00 – 16:00 Uhr<br />

Moderation: Jens-Erik Wegner<br />

Grußwort<br />

Roland Schäfer, Präsident Deutscher Städte- und Gemeindebund<br />

„Energiewende aus Sicht der Städte und Kommunen“<br />

Block <strong>Wasser</strong>versorgung<br />

Dr . Christoph Donner, technischer Leiter RWW Rheinisch-Westfälische<br />

<strong>Wasser</strong>werksgesellschaft mbH<br />

„SMART Water Management und Energie“<br />

MinR Wilfried Kraus, Bundesministerium für Bildung und Forschung<br />

„Energieeffizienz und Förderprogramme in der <strong>Wasser</strong>wirtschaft“<br />

Block <strong>Abwasser</strong><br />

Otto Schaaf, Vorstand Stadtentwässerungsbetriebe Köln, AöR<br />

„Nutzung von Energie-Potenzialen bei den Stadtentwässerungsbetrieben<br />

Köln, AöR“<br />

Christoph Ontyd, Hauptabteilungsleiter <strong>Abwasser</strong> Gelsenwasser AG<br />

„Strategische Instrumente zur Energieoptimierung“<br />

Prof. Dr.-Ing. Jens Wagner, Ostfalia Fakultät Versorgungstechnik<br />

„Energiepotenziale im <strong>Abwasser</strong> nutzen“<br />

Jörg Simon, Vorstandsvorsitzender Berliner <strong>Wasser</strong>betriebe<br />

„Energie, Stellenwert in der Zukunft der <strong>Wasser</strong>wirtschaft“<br />

Block Energie<br />

Burkhard Woelki, Direktor Unternehmenskommunikation und<br />

Pressesprecher GAZPROM Germania GmbH<br />

„Gas im Kontext der Energiewende“<br />

Dr. Oliver Weinmann, Geschäftsführer Vattenfall Europe Innovation GmbH<br />

„Systemintegration Erneuerbare Energie“<br />

Festredner<br />

Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker, International Resource Panel, UNEP<br />

„Energie und <strong>Wasser</strong>- Bausteine unserer Zukunft“<br />

- 4 -<br />

<strong>Wasser</strong>Stoff 02/12


Aus dem Netzwerk<br />

Das Netzwerkmitglied NIVUS stellt sich vor<br />

NIVUS - Messtechnik für die <strong>Wasser</strong>wirtschaft<br />

D<br />

plettanbieter für Messtechnik in der <strong>Wasser</strong>wirtschaft<br />

am Markt agieren.<br />

Das Ziel von NIVUS ist, aufgrund der<br />

ständig steigenden Anforderungen an<br />

die Messtechnik, hochqualitative und<br />

wirtschaftliche Produkte und Lösungen<br />

bereit zu halten. Um dieses Ziel zu erreichen,<br />

investieren wir kontinuierlich in<br />

Technologie und das Know-how unserer<br />

Mitarbeiter. Derzeit sind ca. 100 Mitarbeiter<br />

in der NIVUS-Gruppe tätig.<br />

Kooperation der Stadtentwässerung Dresden GmbH:<br />

Die Frankfurter <strong>Wasser</strong>- und <strong>Abwasser</strong>gesellschaft mbH und die<br />

Stadtentwässerung Dresden GmbH vereinbaren Zusammenarbeit.<br />

F<br />

ie NIVUS Gruppe ist ein führender<br />

Entwickler, Produzent und Lieferant<br />

von Ultraschallmesstechnik für die <strong>Wasser</strong>wirtschaft.<br />

Das Unternehmen setzt<br />

seit 45 Jahren richtungsweisende Akzente<br />

in der Messtechnik und entwickelt mit<br />

Kontinuität hochqualitative Produkte und<br />

Lösungen. Heute kann NIVUS als Komrankfurt<br />

(Oder) und Dresden. Die<br />

Frankfurter <strong>Wasser</strong>- und <strong>Abwasser</strong>gesellschaft<br />

mbH (FWA) und die Stadtentwässerung<br />

Dresden GmbH (SEDD) wollen<br />

bei der Einsparung und Gewinnung von<br />

Energie eng zusammenarbeiten. Das sieht<br />

eine Vereinbarung vor, die am 2. August<br />

2012 von den Geschäftsführern der Gesellschaften,<br />

Gerd Weber (FWA) und Gunda<br />

Röstel sowie Johannes Pohl (SEDD) unterzeichnet<br />

wurde.<br />

Vereinbart wird eine langfristige Kooperation,<br />

um die Erfolge, die bei der Einsparung<br />

von Energie in Dresden bereits realisiert<br />

bzw. geplant sind, auch bei dem Betrieb<br />

der wasserwirtschaftlichen Anlagen in<br />

Frankfurt zu erreichen.<br />

Die FWA setzt bereits verschiedene Maßnahmen<br />

zur Energieoptimierung ein. So<br />

werden Verfahrensabläufe angepasst und<br />

energieintensive Aggregate und Anlagenteile<br />

durch sparsame Modelle ersetzt.<br />

Darüber hinaus wird auf der Kläranlage<br />

Frankfurt (Oder) das erzeugte Klärgas in<br />

einem Blockheizkraftwerk zu Wärme- und<br />

Elektroenergie verwertet.<br />

Im Rahmen des Dresdner Projektes „Energie<br />

21“ haben die Fachleute der Stadtentwässerung<br />

gemeinsam mit der Technischen<br />

Universität Dresden innovative<br />

Maßnahmen identifiziert und können hierdurch<br />

den Energieverbrauch signifikant<br />

reduzieren. Von dem gewonnenen Knowhow<br />

soll nun auch die Frankfurter <strong>Wasser</strong>und<br />

<strong>Abwasser</strong>gesellschaft profitieren.<br />

Das Engagement der Dresdner wird den<br />

Etat der FWA nicht belasten. Erst wenn es<br />

mit ihrer Hilfe gelingt, die Energiekosten<br />

der FWA weiter zu senken, werden die Beratungsleistungen<br />

entsprechend vergütet.<br />

Die Geschäftsführer, Weber, Röstel und<br />

Pohl, sind sich sicher, dass beide Unternehmen<br />

als Gewinner aus der Kooperation<br />

hervor gehen werden. „Als kommunalwirtschaftlich<br />

geprägte Unternehmen hat unsere<br />

Partnerschaft eine solide Grundlage,<br />

um ökologische und ökonomische Fortschritte<br />

zu erreichen und gemeinsam davon<br />

zu profitieren. Gewinnen werden auch<br />

unsere Kunden und die Umwelt, weil wir<br />

die Kosten senken und den Ausstoß von<br />

CO2 reduzieren.“<br />

Neben dem Ziel geringerer Kosten sieht die<br />

Vereinbarung außerdem vor, den Ausbau<br />

der Erneuerbaren Energien am Standort<br />

Frankfurt (Oder) zu prüfen. So werde man<br />

die Entwicklung einer Co-Vergärung (die<br />

Mitbehandlung von Bio-Abfällen im Faulbehälter<br />

zur Erhöhung der Gasausbeute)<br />

ebenso untersuchen wie den Einsatz von<br />

Windkraftanlagen und die Wärmenutzung<br />

aus <strong>Wasser</strong>/ <strong>Abwasser</strong>. „Und vielleicht“, so<br />

FWA-Geschäftsführer Weber, „werden wir<br />

die eine oder andere Maßnahme umsetzen,<br />

die wir heute noch gar nicht im Auge<br />

haben, sondern bei der gemeinsamen Arbeit<br />

erst entdecken.“<br />

<strong>Wasser</strong>Stoff 02/12<br />

- 5 -


Die Themenallianz <strong>Abwasser</strong>wärmenutzung<br />

<strong>Abwasser</strong>wärme: Entlang der<br />

Erwartungen und Vorurteile<br />

Interview mit dem Geschäftsführer des Netzwerks e.qua, Andreas Koschorreck<br />

<strong>Wasser</strong>Stoff: Wo sehen Sie beim Thema<br />

<strong>Abwasser</strong>wärmenutzung (AWN) derzeit<br />

die größten Herausforderungen?<br />

A. Koschorreck: Aktuell definitiv in<br />

der Erarbeitung solider Kennzahlen zu<br />

Marktpotenzial und Wirtschaftlichkeit.<br />

Darüber hinaus eine sukzessive Weiterentwicklung<br />

der Technologie in Sachen<br />

Leistungsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit,<br />

verbunden mit der Erhöhung der Projektvolumina.<br />

Für uns als Branche gilt: Wir<br />

wollen Projekte entwickeln und zum Abbau<br />

von Vorurteilen gegenüber der AWN<br />

beitragen. Wir wollen vermitteln, welchen<br />

Beitrag die AWN im Kontext der Energiewende<br />

leisten kann.<br />

<strong>Wasser</strong>Stoff: Welche Vorurteile bestehen<br />

denn aus Ihrer Sicht gegenüber der AWN?<br />

A. Koschorreck: Da kommt einiges zusammen:<br />

AWN... das gehe nur in großen<br />

Leitungen ab DN 800, nur in Städten ab<br />

30.000 Einwohnern, rechne sich nur mit<br />

Fördermitteln und würde den Klärwerksund<br />

den Kanalbetrieb beeinträchtigen.<br />

Auch das generelle Potential wird von<br />

vielen Seiten angezweifelt. Das sind nur<br />

einige der Aussagen.<br />

<strong>Wasser</strong>Stoff: Bestehen diese Vorurteile<br />

denn zu Recht?<br />

A. Koschorreck: Keine dieser Aussagen<br />

kann man so pauschal stehen lassen.<br />

Für jedes Projekt ist eine individuelle<br />

Betrachtung nötig. Es gibt bereits realisierte<br />

Anlagen unter DN 200 und ebenso<br />

welche, die sich aufgrund der Rahmenbedingungen<br />

nur in Leitungen über DN 800<br />

realisieren lassen. Gleiches gilt für die<br />

Einwohnerzahl. Wir kennen Kommunen<br />

mit über 30.000 Einwohnern, in denen<br />

die Rahmenbedingungen für eine Projektrealisierung<br />

nicht ausreichten.<br />

Genauso<br />

aber auch Kommunen<br />

mit unter<br />

10.000 Einwohnern,<br />

in denen<br />

wir nahezu optimale<br />

Ausgangsbedingungen<br />

für<br />

eine Umsetzung<br />

haben. Auch<br />

beim Thema Fördermittel<br />

darf deren<br />

eigentlicher<br />

Zweck nicht aus<br />

den Augen verloren werden: Sinn einer<br />

Förderung ist es, die Markteinführung<br />

einer Technologie zu erleichtern. Spätestens<br />

mittelfristig sollte es das Ziel sein,<br />

bei der Umsetzung von Projekten ohne<br />

solche Mittel auszukommen. Es gibt genug<br />

Potential im Markt und eine hohe Innovationskraft<br />

in der Branche.<br />

<strong>Wasser</strong>Stoff: Wie steht es um die Beeinträchtigung<br />

des Klärwerks- und Kanalbetriebes<br />

durch <strong>Abwasser</strong>wärmenutzung?<br />

A. Koschorreck: Es steht außer Frage,<br />

dass ein großer Temperaturabfall des<br />

eingehenden <strong>Abwasser</strong>s Einfluss auf die<br />

Prozesse in der Kläranlage nehmen würde.<br />

Aber: Mit dem Einsatz der AWN wird<br />

die <strong>Abwasser</strong>temperatur nur um wenige<br />

Grade gesenkt, oft in sehr weiter Entfernung<br />

zum Klärwerk. So verwundert es<br />

wenig, dass dies nach den bisherigen<br />

Projekterfahrungen in den jeweiligen<br />

Klärwerken weder spürbar war, noch den<br />

<strong>Abwasser</strong>behandlungsprozess nachteilig<br />

beeinträchtigt hat. Richtig ist, dass Wärmetauscher,<br />

sofern sie im Kanal liegen,<br />

den Kanalquerschnitt verengen. Aber<br />

auch hier sind pauschale Rückschlüsse<br />

falsch: Zum einen erfolgt der Einbau<br />

nur nach Prüfung des Betreibers - ohne<br />

entsprechende Beeinträchtigungen im<br />

Betrieb, zum anderen gibt es auch Lösungen<br />

mit einem externen Wärmetauscher<br />

außerhalb des Kanals sowie eine<br />

Vielzahl von Inhouse-Lösungen. Die technischen<br />

Angebote sind da mittlerweile<br />

vielfältig. Deshalb gilt: Die Rahmenbe-<br />

- 6 - <strong>Wasser</strong>Stoff 02/12


Die Themenallianz <strong>Abwasser</strong>wärmenutzung<br />

dingungen für eine Projektrealisierung<br />

müssen sorgfältig geprüft werden, denn<br />

sie sind mannigfaltig. Die wesentlichen<br />

Fragen sind: Besteht, unabhängig vom<br />

Durchmesser der Leitungen, ein Trockenwetterabfluss<br />

von mehr als 5 l/s? Gibt es<br />

entlang dieser Trasse im Umkreis von ca.<br />

300 m potenzielle Nutzer, also Gebäude,<br />

die neugebaut, gerade saniert oder zukünftig<br />

saniert werden sollen? Sind diese<br />

Rahmenbedingungen erfüllt, sollte man<br />

sich unbedingt tiefergehende Gedanken<br />

machen.<br />

<strong>Wasser</strong>Stoff: Sie sagen, man bezweifelt<br />

das Potenzial der AWN. Wie steht es<br />

darum?<br />

A. Koschorreck: Die letzte deutschlandweite<br />

Studie geht davon aus, dass sich<br />

bis zu 10% des Wärmebedarfs der Gebäude<br />

in Deutschland mit AWN decken ließe.<br />

Das ist ein theoretischer Wert. Wir führen<br />

derzeit einen intensiven Dialog mit allen<br />

Autoren, die bereits Studien zum Potential<br />

der AWN durchgeführt haben. Darüber<br />

hinaus sprechen wir mit Herstellern und<br />

spezialisierten Ingenieurbüros, die sich<br />

mit AWN-Potenzialen beschäftigen, aber<br />

auch mit Stadtwerken und Betreibern.<br />

Ziel ist es hierbei, die aktuelle Potential-<br />

Diskussion zeitnah mit belastbaren Zahlen<br />

zu unterlegen. Wir sagen nicht, dass<br />

sich <strong>Abwasser</strong>wärmenutzungsprojekte in<br />

jeder Kommune hundertfach realisieren<br />

lassen. Aber wir sagen: Jede Kommune<br />

sollte definitiv etwaige Projektpotenziale<br />

prüfen! Dieses Potential darf mit Blick auf<br />

die Energiewende nicht vernachlässigt<br />

werden. Das beginnt auch zunehmend<br />

die Politik zu erkennen.<br />

<strong>Wasser</strong>Stoff: Die Wirtschaftlichkeitsdiskussion<br />

bleibt. Ist AWN wirtschaftlich<br />

konkurrenzfähig?<br />

A. Koschorreck: Hier ist es wichtig herauszustellen,<br />

woran sich diese Konkurrenzfähigkeit<br />

misst. Bedenken Sie dabei folgendes:<br />

Der Gesetzgeber verlangt, dass beim<br />

Neubau von Gebäuden der Wärmebedarf<br />

anteilig über Erneuerbare Energien (EE)<br />

gedeckt wird. Diese Nutzungspflicht ist<br />

nicht zu umgehen. Vielmehr ist anzunehmen,<br />

dass diese Nutzungspflicht<br />

bald auch bei der Gebäudesanierung<br />

ausgeweitet wird. Die Konkurrenzfähigkeit<br />

von <strong>Abwasser</strong>wärme darf sich also<br />

nicht aus dem Vergleich mit herkömmlichen<br />

Gaskesselanlagen ableiten lassen.<br />

Denn dieser Vergleich ist nicht mehr zulässig.<br />

Benchmark für AWN ist der Vergleich<br />

mit EE zur Wärmebereitstellung.<br />

Die Antwort auf Ihre Frage daher ganz klar:<br />

Ja, im Wettstreit mit den bekannten Technologien<br />

Solar-, Bioenergie und Geothermie<br />

ist die AWN bereits konkurrenzfähig.<br />

Wir brauchen zukünftig mehr bezahlbare<br />

EE-Optionen im Wärmemarkt, entsprechend<br />

also einen Innovationsfördernden<br />

Wettbewerb. In diesem Wettbewerb<br />

möchten wir die AWN als innovative EE-<br />

Option etablieren. Wir sagen: Da wo AWN<br />

ökonomisch und ökologisch anderen EE<br />

überlegen ist, da soll sie zum Einsatz<br />

kommen. Und dort, wo andere Technologien<br />

eine bessere Alternative darstellen,<br />

da sollen diese den Vortritt haben.<br />

Nebenbei gibt es noch weitere Vorteile,<br />

welche die übrigen EE nicht haben: Energiegewinnung<br />

aus <strong>Abwasser</strong> hat keine<br />

Gegner. Sie findet unterirdisch, unsichtbar<br />

und konfliktfrei statt. Sie nutzt bereits<br />

vorhandene Infrastruktur und hat damit<br />

keinen Einfluss auf das Landschaftsbild,<br />

wie z.B. Solar- oder Windenergie, bedeutet<br />

keinen Eingriff in Flora und Fauna, wie<br />

z.B. <strong>Wasser</strong>kraft oder Geothermie, und<br />

kennt keine Nutzungskonflikte, wie z.B.<br />

Bioenergie. Für die AWN sprechen also<br />

einige Argumente, die wir zukünftig noch<br />

besser vermitteln müssen und wollen.<br />

<strong>Wasser</strong>Stoff: Was ist also im Kern Ihr<br />

Plädoyer?<br />

A. Koschorreck: Sich frei zu machen von<br />

den eindimensionalen Vorurteilen gegenüber<br />

der AWN. Das Potenzial nicht über-,<br />

aber die enormen Chancen auch nicht<br />

unterbewerten. Der Technologie und entsprechenden<br />

Projekten eine Chance geben<br />

und sich selbst ein Urteil zu bilden.<br />

Diskussionen zu dem Thema redlich führen.<br />

Und am wichtigsten: Eigene Potentiale<br />

prüfen.<br />

Herr Koschorreck, vielen Dank!<br />

<strong>Wasser</strong>Stoff 02/12<br />

- 7 -


Energie aus <strong>Abwasser</strong><br />

eine sinnvolle, ökonomische<br />

und ökologische Alternative zum Heizen und Kühlen!<br />

<strong>Abwasser</strong> ist mehr als nur ein Abfallprodukt<br />

unserer Gesellschaft. Unter unseren Städten<br />

fließt ein Wertstoff und Energieträger mit<br />

viel Potenzial zum Heizen und Kühlen.<br />

Studien belegen, dass min-<br />

destens 10% aller Gebäude<br />

in Deutschland mit Energie<br />

im <strong>Abwasser</strong> wirtschaftlich<br />

und regenerativ klimatisiert<br />

werden können. Der Beitrag<br />

zur CO2 Reduzierung ist<br />

erheblich und das ohne<br />

staatliche Subventionen.<br />

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Senatsverwaltung für Wirtschaft,<br />

Technologie und Frauen<br />

Dieses Projekt wird hälftig mit Bundes- und Landesmitteln<br />

aus der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen<br />

Wirtschaftsstruktur“ (GRW) finanziert.


2. Praxistag am 6. November 2012 in Essen<br />

<strong>Wasser</strong>versorgungsnetze<br />

Programm<br />

Moderation: Prof. Th. Wegener,<br />

iro Institut für Rohrleitungsbau, Oldenburg<br />

Wann und Wo?<br />

Themenblock 1: Netzbetrieb - Analysieren und Optimieren<br />

Hydraulische Rohrnetzberechnung – Erfahrungen bei<br />

Kalibrierung, Ausarbeitung von Löschwasser- und Spülplänen<br />

Dr. E. Osmancevic, Kuhn, RBS Wave GmbH, Stuttgart<br />

Berechnung und Optimierung von <strong>Wasser</strong>verteilungsnetzen<br />

Dr. A. Wolters, 3S Consult, Garbsen<br />

Zielnetzentwicklung eines städtischen<br />

Trinkwassernetzes am Beispiel Cuxhaven<br />

H. Oeltjebruns, S. Cichowlas, EWE NETZ GmbH, Oldenburg<br />

Zustandsbewertung von metallischen Rohrleitungen<br />

der Gas- und <strong>Wasser</strong>versorgung - Konzept und Inhalt der<br />

künftigen GW 18 und GW 19<br />

Dr. H.-J. Kocks, Salzgitter Mannesmann Line Pipe GmbH, Siegen<br />

Unterstützung der Rohrnetzbewertung mittels<br />

materialtechnischer Zustandsbewertungen<br />

Dr. Ch. Sorge, IWW, Mülheim an der Ruhr<br />

Strategie zu Einsatz von optimierten Spülverfahren<br />

am Beispiel des OOWV<br />

A. Frerichs, OOWV, Oldenburg<br />

Themenblock 2: Steuern, Regeln und Automatisieren<br />

in der <strong>Wasser</strong>versorgung<br />

Die Alternative zur Festverdrahtung - Überwachen, Steuern<br />

und Regeln über öffentliche oder nicht öffentliche Funknetze<br />

E. v. Kruedener, vKD Meß- und Prüfsysteme GmbH, Kürten<br />

Netzbetrieb der Zukunft – Kabellose Automatisierung<br />

erdverlegter Armaturen<br />

A. Sacharowitz, 3S Antriebe GmbH, Berlin<br />

Veranstalter:<br />

Veranstalter<br />

3R, ZfW, iro<br />

Termin: Dienstag, 06.11.2012,<br />

9:00 Uhr – 17:15 Uhr<br />

Ort:<br />

Zielgruppe:<br />

Essen, Hotel Bredeney<br />

Mitarbeiter von Stadtwerken<br />

und <strong>Wasser</strong>versorgungsunternehmen,<br />

Dienstleister im Bereich<br />

Netzinspektion und -wartung<br />

Teilnahmegebühr:<br />

3R-Abonnenten<br />

und iro-Mitglieder: 365,- €<br />

Nichtabonnenten: 395,- €<br />

Bei weiteren Anmeldungen aus einem Unternehmen<br />

wird ein Rabatt von 10 % auf den jeweiligen<br />

Preis gewährt.<br />

Im Preis enthalten sind die Tagungsunterlagen<br />

sowie das Catering (2 x Kaffee, 1 x Mittagessen).<br />

Themenblock 3: Monitoring von <strong>Wasser</strong>versorgungsnetzen<br />

und Leckageortung<br />

<strong>Wasser</strong>verluste reduzieren – Monitoringsystem mit<br />

virtuellen Zonen am Praxisbeispiel der DEW21<br />

Dr. G. Gangl, RBS Wave GmbH, Stuttgart; T. Nayda, DEW21,<br />

Dortmund; J. Kurz, SebaKMT GmbH, Baunach<br />

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FachberichtE <strong>Wasser</strong>versorgung<br />

Vergleich von Spülprozeduren<br />

für Tiefenfilter bei<br />

der Trinkwasserproduktion<br />

<strong>Wasser</strong>versorgung, Erstfiltrat, Extended Terminal Subfluidisation Wash (ETSW), Filterlaufzeit,<br />

Filterspülung, Produktivität, Tiefenfiltration<br />

Irene Slavik, Alexander Jehmlich und Wolfgang Uhl<br />

Durch vergleichende Untersuchungen im Pilotmaßstab<br />

wurde der Einfluss verschiedener Prozeduren<br />

der Filterspülung auf die Aufbereitungsleistung der<br />

Flockenfiltration im Sinne von Produktivität und<br />

hinsichtlich des Einsparpotenzials von Ressourcen<br />

erfasst und bewertet. Für die untersuchten Fälle<br />

konnte gezeigt werden, dass die Art und Weise der<br />

Spülprozedur praktisch keinen Einfluss auf die Produktivität<br />

der Flockenfiltration hat. Unter Verwendung<br />

des Extended Terminal Subfluidisation Wash<br />

(ETSW) konnten Verkürzungen der Erstfiltratphase<br />

und damit einhergehend geringere abzuschlagende<br />

Erstfiltratmengen erzielt werden, jedoch keine Produktivitätserhöhung<br />

insgesamt.<br />

Comparison of Backwash Procedures for Deep Bed<br />

Filters in Drinking Water Production<br />

Comparative studies were performed in pilot-scale to<br />

assess and evaluate the impact of different filter<br />

backwash procedures on the efficiency of deep bed<br />

filtration with respect to drinking water productivity<br />

and resource protection. The results of the experiments<br />

showed that the mode of filter backwash has<br />

almost no effect on the productivity of direct filtration.<br />

By applying the extended terminal subfluidisation<br />

wash (ETSW) reductions of the filter-to-waste<br />

time and consequently a decrease in the volumes of<br />

water that has to be discharged was achieved in this<br />

study. However, an enhanced productivity could not<br />

be shown.<br />

1. Problemstellung und Zielsetzung<br />

In der Trinkwasseraufbereitung ist die Tiefenfiltration<br />

eines der am häufigsten zum Einsatz kommenden Verfahren<br />

zur Abtrennung von Partikeln bzw. zuvor gebildeter<br />

Flockenaggregate. Bei der Prozessoptimierung<br />

wird in der Forschung neben der eigentlichen Filtration<br />

auch die Filterspülung berücksichtigt. Die geringe Qualität<br />

des nach der Spülung zunächst anfallenden Erstfiltrats<br />

wurde lange Zeit nur wenig beachtet. Erst durch<br />

epidemiologische Ereignisse wurden in den letzten<br />

Jahrzehnten Forschungstätigkeiten zur Charakterisierung<br />

des Erstfiltrats intensiviert, die dazu führten, dass<br />

das Erstfiltrat seitdem in der Regel abgeschlagen wird.<br />

Durch das Abschlagen des Erstfiltrats können bei der<br />

Trinkwasserproduktion erhebliche Mengen an aufbereitetem<br />

Trinkwasser nicht genutzt werden, was es nach<br />

Möglichkeit zu vermeiden gilt. Im Sinne eines umfassenden<br />

Ressourcenschutzes sowie zur Einsparung von<br />

Kosten sollte die Filterspülung mit geringst möglichem<br />

Einsatz an Ressourcen (<strong>Wasser</strong>, Energie, Chemikalien)<br />

betrieben werden. In der Literatur sind verschiedene<br />

Ansätze zur Optimierung der Filterspülung zu finden.<br />

Für eine Vermeidung des Erstfiltratabschlags wird in der<br />

Literatur der sogenannte „Extended Terminal Subfluidization<br />

Wash“ (ETSW) als neues Spülverfahren empfohlen<br />

[1–4].<br />

Ziel der vorgestellten Arbeit war es, in der Literatur<br />

beschriebene Ansätze zur optimalen Spülung von Tiefenfiltern<br />

miteinander zu vergleichen und den Einfluss<br />

der Spülprozedur auf die Aufbereitungsleistung der<br />

Tiefenfiltration zu ermitteln. Dafür wurden experimentelle<br />

Arbeiten an einer kleintechnischen Versuchsanlage<br />

zur Flockenfiltration durchgeführt. In diesen Untersuchungen<br />

wurden die Spülwassermengen, die Dauer<br />

und das Volumen des Erstfiltratabschlags sowie das Filtratvolumen<br />

erfasst und daraus die Produktivität der<br />

Trinkwasseraufbereitung ermittelt. Dabei sollten vor<br />

allem die Übertragbarkeit sowie Einsatzmöglichkeiten<br />

und Grenzen des ETSW im Vergleich zu anderen Spülverfahren<br />

überprüft bzw. herausgearbeitet werden.<br />

2. Material und Methoden<br />

Die systematischen Untersuchungen unterschiedlicher<br />

Spülverfahren fanden an einer kleintechnischen<br />

Versuchsanlage zur Flockung und Filtration statt<br />

(Bild 1), die im <strong>Wasser</strong>werk Dresden-Coschütz der<br />

Oktober 2012<br />

1080 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


<strong>Wasser</strong>versorgung<br />

Fachberichte<br />

DREWAG NETZ GmbH aufgebaut und betrieben wurde.<br />

Die Versuchsanlage bestand aus zwei Filtersäulen mit<br />

einem Innendurchmesser von 0,3 m, die als Einschichtund<br />

als Zweischichtfilter betrieben wurden. Die Betttiefe<br />

des mit Quarzsand gefüllten Einschichtfilters<br />

betrug etwa 1,20 m. Die Schüttung des Zweischichtfilters<br />

bestand aus einer Quarzsandschicht von 1,00 m<br />

und einer darüber liegenden Anthrazitschicht von<br />

0,42 m. Der Quarzsand wies eine Korngröße von<br />

0,71 … 1,25 mm und eine Dichte von 2650 kg/m 3 auf,<br />

während der Anthrazit in einer Körnung von<br />

1,4 … 2,5 mm und einer Dichte von 1.450 kg/m 3 vorlag.<br />

Für die beiden Filtermaterialien wurden Lockerungsgeschwindigkeiten<br />

von etwa 25 m/h für Quarzsand und<br />

von 18 m/h für Anthrazit nach dem Ansatz von Moll [5]<br />

berechnet.<br />

Das verwendete Rohwasser wurde von der Talsperre<br />

Klingenberg (Sachsen, Deutschland) bezogen und wies<br />

im Untersuchungszeitraum Trübungswerte zwischen<br />

0,65…1,2 FNU auf. Die Zuführung zu den Filtersäulen<br />

mittels Pumpe erfolgte nach einer Flockung mit<br />

Aluminiumsulfat mit einer Konzentration von<br />

1,45 … 1,55 mg/L. Die Temperatur des geflockten Rohwassers<br />

schwankte während der Versuchsdurchführung<br />

zwischen 8 … 14 °C. Die Filtration wurde mit einer konstanten<br />

Geschwindigkeit von etwa 3 m/h und einem<br />

anfänglichen Systemdruck von 0,5 bar betrieben.<br />

Zur Erfassung der Funktion und Betriebsweise des<br />

Filtrationsprozesses war die Pilotanlage mit zahlreichen<br />

Mess- und Probenahmeeinrichtungen ausgestattet. Von<br />

Zu- und Ablauf sowie in unterschiedlichen Höhen des<br />

Filterbettes konnte u. a. die Trübung online erfasst<br />

werden. Über zwei Magnetisch-Induktive Durchflussmesser<br />

(MID) wurde die Durchflussmenge des Filtrats<br />

registriert und an eine Speichereinheit weitergeleitet.<br />

Der durch zwei Volumenstromregler eingestellte Filtratdurchfluss<br />

konnte auf diese Weise kontrolliert und bei<br />

Bedarf nachgeregelt werden.<br />

Die Filterspülung erfolgte mit Trinkwasser sowie Luft<br />

aus einem Kompressor unter Anwendung der in<br />

Tabelle 1 zusammengefassten Spülprogramme und<br />

Optimierungsansätze. Spülprogramm 1 fungierte dabei<br />

als Referenz, da es sich größtenteils an den Angaben<br />

des DVGW-Arbeitsblattes W 213-3 [6] orientierte sowie<br />

auf Erfahrungen aus der Praxis basierte. Einzig die<br />

hohen Geschwindigkeiten für die Luftspülung beruhten<br />

auf eigenen Erfahrungen beim Betrieb entsprechender<br />

Pilotanlagen. Sie hatten sich für die Reinigung der Filter<br />

der in dieser Arbeit verwendeten Versuchsanlage als<br />

besonders geeignet erwiesen.<br />

Mit Fluidisierung wird der Wechsel des Zustandes<br />

eines Filterbettes von einem Festbett hin zu einem Wirbelbett<br />

bezeichnet. Eine Fluidisierung findet genau<br />

dann statt, wenn die Spülgeschwindigkeit die Lockerungsgeschwindigkeit<br />

überschreitet, das Filterbett sich<br />

ausdehnt und die Filterkörner in Bewegung geraten,<br />

d. h. verwirbeln. Der Grad der Fluidisierung wird meist<br />

als Prozentsatz der Filterbettausdehnung angegeben.<br />

Wird mit Spülgeschwindigkeiten unterhalb der Lockerungsgeschwindigkeit<br />

gespült, liegt das Filterbett als<br />

Festbett vor. Diese Spülart wird als Subfluidisierung<br />

bezeichnet. Bei einer Vollfluidisierung wird dagegen die<br />

vollständige Filterbettausdehnung (100 %) bei entsprechend<br />

hoher Spülgeschwindigkeit erreicht.<br />

Der ETSW wurde erstmals von Amburgey et al. [4]<br />

beschrieben und ist eine Prozedur, bei der eine Filterspülung<br />

durch eine zusätzliche Klarspülphase erweitert<br />

wird. In dieser wird die Fließgeschwindigkeit so groß<br />

gewählt, dass sich das Filterbett gerade so im fluidisierten<br />

Zustand befindet. Dabei sollen die bei der Filterspülung<br />

abgelösten Partikel ausgetragen werden, ohne<br />

dass sich durch zu große Scherkräfte weitere Partikel<br />

vom Filtermaterial ablösen. Die am Filtermaterial haften<br />

gebliebenen Partikel werden auf diese Weise nach<br />

Wiederaufnahme des Filterbetriebes nicht mehr ausgetragen.<br />

Sie können daher keine Verschlechterung der<br />

Filtratqualität zu Beginn der Filtration mehr verursachen.<br />

Im Gegenteil tragen sie vielmehr zu einer verbesserten<br />

Filtrationsleistung bei, da sie die Rauigkeit des Filtermaterials<br />

und somit das Abscheidungspotenzial erhöhen.<br />

Das Collapse Pulsing ist eine besondere Form der<br />

Luft-<strong>Wasser</strong>-Spülung, bei der die <strong>Wasser</strong>spülgeschwin-<br />

Bild 1.<br />

Kleintechnische<br />

Versuchsanlage<br />

im<br />

<strong>Wasser</strong>werk.<br />

Oktober 2012<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 1081


FachberichtE <strong>Wasser</strong>versorgung<br />

Tabelle 1. Übersicht der untersuchten Spülprogramme und Optimierungsansätze.<br />

Spülprogramm 1 Spülprogramm 2 Spülprogramm 3 (ETSW)<br />

Ablassen des Überstandes<br />

Luftspülung<br />

t = 1 min<br />

v Luft = 95 … 135 m/h<br />

t = 10 min<br />

v Luft = 54 … 68 m/h<br />

v <strong>Wasser</strong> = 20 m/h<br />

t = 5 min<br />

v <strong>Wasser</strong> = 68 m/h<br />

Verkürzung Luft-<strong>Wasser</strong>-Spülung<br />

Verstärkung der Luft-<strong>Wasser</strong>-Spülung<br />

Luft-<strong>Wasser</strong>-Spülung für MSF<br />

t = 2 min<br />

v Luft = 95 … 135 m/h<br />

Luft-<strong>Wasser</strong>-Spülung<br />

(für ESF; entfällt für MSF)<br />

Collapse Pulsing<br />

t = 3 min<br />

v Luft = 30 m/h<br />

v <strong>Wasser</strong> = 10 m/h<br />

Absetzphase von 30 s<br />

<strong>Wasser</strong>spülung<br />

Vollfluidisierung (vollständige Filterbettausdehnung)<br />

t = 40 s für ESF<br />

t = 60 s für MSF<br />

v <strong>Wasser</strong> = 68 m/h<br />

Fluidisierung<br />

t = 5 min<br />

v <strong>Wasser</strong> = 47 m/h<br />

(10 % Filterbettausdehnung für Quarzsand;<br />

26 % Filterbettausdehnung für Anthrazit)<br />

Absetzphase von 30 s<br />

Variation<br />

Collapse Pulsing auch für MSF<br />

Verzicht auf Collapse Pulsing durch<br />

intensivere Luftspülung<br />

Verkürzung der Fluidisierung<br />

t = 2 min<br />

v Luft = 95 … 135 m/h<br />

Collapse Pulsing<br />

t = 3 min<br />

v Luft = 30 m/h<br />

v <strong>Wasser</strong> = 10 m/h<br />

t = 40 s für ESF<br />

t = 60 s für MSF<br />

v <strong>Wasser</strong> = 68 m/h<br />

t = Zeit, v = Geschwindigkeit, ESF = Einschichtfilter, MSF = Mehrschichtfilter, ETSW = Extended Terminal Subfluidisation Wash<br />

Fluidisierung<br />

t = 5 min<br />

v <strong>Wasser</strong> = 47 m/h<br />

Subfluidisierung<br />

t = 6 min<br />

v <strong>Wasser</strong> = 23 m/h für ESF<br />

v <strong>Wasser</strong> = 17,5 m/h für MSF<br />

(keine Filterbettausdehnung)<br />

Verlängerung Subfluidisierungsphase<br />

Langsamstart nach Spülung<br />

digkeit so gewählt wird, dass sie unterhalb der Lockerungsgeschwindigkeit<br />

für das jeweilige Filtermaterial<br />

liegt. Auf diese Weise können sich am Filterdüsenaustritt<br />

Gasblasen vergrößern und zunächst horizontal<br />

ausdehnen, da der vertikale Druckgradient größer ist<br />

als der horizontale [7]. Gleichzeitig bewirkt die seitlich<br />

an der Gasblase ansteigende Strömungsgeschwindigkeit<br />

des <strong>Wasser</strong>s eine Druckabnahme oberhalb des<br />

luftgefüllten Hohlraums, wodurch es zu einer<br />

Aufwärtsbe wegung der Luft durch engere Porenräume<br />

und zu einer Neubildung einer größeren Gasblase<br />

oberhalb des zuvor eingenommenen Hohlraums<br />

kommt. Diese nahezu schlagartig stattfindende Aufwärtsbewegung<br />

verursacht ein „Hereinstürzen“<br />

und „Aufeinander prallen“ umliegender Filterkörner in<br />

den frei gewordenen Hohlraum. Dieses „Hereinstürzen“<br />

verursacht eine Art Pulsieren im Filterbett und wird<br />

daher als Collapse Pulsing = kollabierendes Pulsieren<br />

bezeichnet. Die Luftblasen steigen auf, expandieren,<br />

kollabieren und formieren sich neu und führen auf<br />

diese Weise zu einer ständigen Bewegung und aufeinander<br />

Prallen der Filterkörner wodurch ein sehr starker<br />

Abrieb erzeugt wird.<br />

Beim Langsamstart wird nach Beendigung der<br />

Spülung der Filter zunächst komplett mit Rohwasser<br />

gefüllt, bevor eine Öffnung des Ablaufs stattfindet.<br />

Anschließend erfolgt die Ablaufregelung so, dass der<br />

Filterdurchsatz stufenweise steigt – pro Minute um 3 %<br />

[8, 9]. Ziel des Langsamstarts ist eine Verminderung der<br />

Partikelkonzentration zu Beginn der Filtration wie von<br />

Bäcker [1], Colton et al. [10] und Suthaker et al. [11]<br />

beschrieben.<br />

Zur Beurteilung und für einen Vergleich der untersuchten<br />

Spülverfahren wurden die jeweils benötigten<br />

Spülwassermenge, die Dauer und das Volumen des<br />

Erstfiltratabschlags und die Filterlaufzeit sowie das Filtratvolumen<br />

erfasst und daraus die Produktivität der<br />

Trinkwasseraufbereitung sowie die tatsächlichen durchschnittlichen<br />

Filtrationsgeschwindigkeit ermittelt. Für<br />

Beginn und Ende der Filtrationsphase wurde als Kriterium<br />

ein Trübungswert von T ≤ 0,2 FNU bzw. T ≥ 0,2 FNU<br />

definiert. Der Beginn der Filtrationsphase entsprach<br />

Oktober 2012<br />

1082 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


<strong>Wasser</strong>versorgung<br />

Fachberichte<br />

dabei dem Ende der Erstfiltratphase. Bei der Auswertung<br />

wurde berücksichtigt, dass während der Filterspülung<br />

und des Erstfiltratabschlags kein Trinkwasser<br />

produziert werden kann.<br />

Aus der Aufzeichnung der Trübung wurden die<br />

Filterlaufzeit und die Dauer der Erstfiltratphase<br />

bestimmt. Ausfallzeiten ergaben sich aus der Dauer des<br />

jeweiligen Spülprogramms sowie aus der Dauer des<br />

Erstfiltratabschlags. Des Weiteren erfolgte eine Berechnung<br />

des benötigten Volumens für den Erstfiltratabschlag<br />

und für die Filterspülung sowie das daraus<br />

resultierende Gesamtvolumen der verworfenen <strong>Wasser</strong>mengen.<br />

Schließlich wurden die durchschnittliche<br />

Produktivität und die durchschnittliche Filtrationsgeschwindigkeit<br />

nach Gleichung (1) und (2) berechnet.<br />

avp Qt V fr<br />

= ⋅ − t<br />

+<br />

t<br />

v<br />

F<br />

avp<br />

=<br />

A<br />

F<br />

fr<br />

dis ,<br />

total<br />

out<br />

(1)<br />

(2)<br />

Darin sind avp die durchschnittliche Produktivität in<br />

(m 3 /min), Q der Volumenstrom in (m 3 /min), t f die Filterlaufzeit<br />

in (min), beginnend nach Unterschreitung und<br />

endend nach Überschreitung des Kriteriums für die Filtratqualität,<br />

t out die Zeit in (min), in der während der Filterspülung<br />

und des Erstfiltratabschlags kein Trinkwasser<br />

produziert wird, und V dis, total die Gesamtmenge verworfenen<br />

<strong>Wasser</strong>s in (m 3 ) aufgrund von Filterspülung und<br />

Erstfiltratabschlag. Weiterhin bezeichnet v F die durchschnittliche<br />

Filtrationsgeschwindigkeit in (m/h), unter<br />

Berücksichtigung, dass während der Filterspülung und<br />

des Erstfiltratabschlags kein Trinkwasser produziert werden<br />

kann. A F ist die Filterfläche in (m 2 ).<br />

Anhand der Ergebnisse konnten letztendlich Einsparpotenziale<br />

für das Erstfiltrat sowie für die Spülwassermengen<br />

erfasst und bewertet werden.<br />

3. Ergebnisse<br />

Eine Auswertung der Versuchsreihen erfolgte, wie zuvor<br />

beschrieben, anhand des Verlaufs der Filtrattrübung<br />

unter Anwendung des Abbruchkriteriums von 0,2 FNU,<br />

was exemplarisch in Bild 2 für das Spülprogramm 2 mit<br />

und ohne Verkürzung der Fluidisierungsphase für den<br />

Einschichtfilter (ESF) dargestellt ist. Dabei ist zu erkennen,<br />

dass die Filtration in beiden Fällen annähernd<br />

gleichzeitig beginnt, es jedoch im Falle einer vorangegangenen<br />

Spülung mit verkürzter Fluidisierung zu<br />

einem vorzeitigen Erreichen des Abbruchkriteriums für<br />

den Filterlauf kommt.<br />

Die Ergebnisse der Versuchsreihen sind in Tabelle 2<br />

werden zusammenfassend dargestellt.<br />

Die Analyse der erforderlichen <strong>Wasser</strong>mengen für<br />

Filterspülung und Erstfiltratabschlag zeigte deutliche<br />

Unterschiede zwischen den einzelnen Spülprogrammen.<br />

Wie die in Tabelle 2 aufgelisteten Werte zeigen,<br />

ergaben sich Spülwasservolumina von 0,23 bis 0,88 m 3 ,<br />

was auf die Filterfläche bezogenen Werten von 3,3 bis<br />

12,5 m 3 /m 2 entspricht. In der Literatur finden sich leider<br />

nur sehr unvollständige Angaben, um die verbrauchten<br />

Spülwasservolumina miteinander vergleichen zu können.<br />

Einzig bei Bäcker [1] sind Spülwasserverbräuche<br />

von 7,5 m 3 /m 2 für das ursprüngliche Spülprogramm<br />

(ohne Erstfiltratabschlag) und 7 m 3 /m 2 für das optimierte<br />

Spülprogramm angegeben. In der Veröffentlichung<br />

von Colton et al. [10] können nur die Volumina<br />

für die <strong>Wasser</strong>spülung während des Collapse Pulsing<br />

aus den angegebenen Daten direkt berechnet werden.<br />

Für die anschließende <strong>Wasser</strong>spülung ist nur die Spülgeschwindigkeit,<br />

jedoch keine Dauer angegeben. Unter<br />

der Annahme, dass beide Spülprozeduren jeweils für<br />

5 Minuten durchgeführt wurden, ergeben sich spezifische<br />

Spülwassermengen von 3,3 bzw. 10,2 m 3 /m 2 für<br />

die beiden untersuchten Filtermaterialien, was ungefähr<br />

dem in dieser Arbeit untersuchten Bereich ent-<br />

0,6<br />

0,6<br />

0,5<br />

ausreichende Fluidisierung<br />

0,5<br />

Trübung in FNU<br />

0,4<br />

0,3<br />

0,2<br />

verkürzte Fluidisierung<br />

Grenzwert (definiert)<br />

Trübung in FNU<br />

0,4<br />

0,3<br />

0,2<br />

0,1<br />

0,1<br />

0<br />

0 50 100 150 200<br />

Filterlaufzeit in min<br />

0<br />

1500 1700 1900 2100 2300<br />

Filterlaufzeit in min<br />

Bild 2. Vergleich des Trübungsverlaufs für Versuche unter Verwendung des Spülprogramms 2 mit und ohne Verkürzung der<br />

Fluidisierung für den Einschichtfilter (ESF). Links: Ende Erstfiltratabschlag, Beginn Filtration. Rechts: Beginn Filterdurchbruch.<br />

Oktober 2012<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 1083


FachberichtE <strong>Wasser</strong>versorgung<br />

Volumen in m³<br />

1,2<br />

1,0<br />

0,8<br />

0,6<br />

0,4<br />

0,2<br />

0,22<br />

0,75<br />

0,0<br />

ESF<br />

(herkömmliche<br />

Filterspülung)<br />

Spülprogramm:<br />

Nr.:<br />

1<br />

1<br />

0,21<br />

0,35<br />

ESF<br />

(verstärkte<br />

Luftspülung)<br />

2<br />

5<br />

0,17<br />

0,88<br />

ESF (ETSW,<br />

2 Filtervolumen<br />

ausgetauscht)<br />

3<br />

10<br />

0,13<br />

0,42<br />

Erstfiltrat<br />

Filterspülung<br />

MSF<br />

(herkömmliche<br />

Filterspülung)<br />

spricht. Auch bei Amburgey und Brouckaert [12] fehlen<br />

Angaben zur Spülgeschwindigkeit während der Luft-<br />

<strong>Wasser</strong>-Spülung, um Spülwasservolumina direkt<br />

berechnen zu können. Unter Annahme einer Spülgeschwindigkeit<br />

von 10 m/h ergeben sich Spülwasservolumina<br />

von 8,3 m 3 /m 2 für eine herkömmliche Spülprozedur<br />

und von 5,5 m 3 /m 2 bei Anwendung des ETSW,<br />

wobei letzterer Wert deutlich unter denen der eigenen<br />

Untersuchungen (9,3 bis 12,5 m 3 /m 2 ) liegt. Für die<br />

Untersuchungen von Amirtharajah [7] beschränken sich<br />

die Angaben zur Spülung auf Empfehlungen der<br />

Geschwindigkeiten für das Collapse Pulsing, es fehlen<br />

jedoch Angaben zur jeweiligen Spüldauer. Suthaker et<br />

al. [11] geben Werte für die Spüldauer an, jedoch fehlen<br />

Angaben zu den Spülgeschwindigkeiten, um Spülwasservolumina<br />

berechnen zu können.<br />

Die in dieser Studie aufgetretenen Unterschiede hinsichtlich<br />

der erforderlichen <strong>Wasser</strong>mengen für Filterspülung<br />

und Erstfiltratabschlag sind exemplarisch in Bild 3<br />

grafisch dargestellt. In dieser Darstellung ist für die herkömmliche<br />

Filterspülung (Spülprogramm 1) das Fehlen<br />

einer Luft-<strong>Wasser</strong>-Spülung für den Mehrschichtfilter an<br />

der viel geringeren <strong>Wasser</strong>menge, die während der Filterspülung<br />

benötigt wurde, deutlich zu erkennen. Des<br />

Weiteren lassen sich Unterschiede im Abscheideverhalten<br />

von Einschicht- und Mehrschichtfilter anhand<br />

der verworfenen Mengen beim Erstfiltratabschlag feststellen.<br />

Bei der Betrachtung der jeweiligen Volumina<br />

entsteht der Eindruck, dass der Mehrverbrauch an Filterspülwasser<br />

durch die erweiterte Klarspülphase des<br />

ETSW nicht durch Einsparungen beim Erstfiltrat abschlag<br />

kompensiert werden kann. Darüber hinaus erscheint<br />

eine Intensivierung der Luftspülung (Spülprogramm 2)<br />

0,17<br />

0,37<br />

MSF<br />

(verstärkte<br />

Luftspülung)<br />

0,11<br />

0,88<br />

MSF (ETSW,<br />

2 Filtervolumen<br />

ausgetauscht)<br />

Bild 3. Vergleich der während der Filterspülung und des<br />

Erstfiltratabschlags benötigten bzw. verworfenen <strong>Wasser</strong>mengen<br />

zwischen verschiedenen Spülprogrammen für Einund<br />

Mehrschichtfilter.<br />