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gwf Wasser/Abwasser Trinkwasserbehälter aus Edelstahl (Vorschau)

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7-8/2014<br />

Jahrgang 155<br />

DIV Deutscher Industrieverlag GmbH<br />

www.<strong>gwf</strong>-wasser-abwasser.de<br />

ISSN 0016-3651<br />

B 5399<br />

<strong>Trinkwasserbehälter</strong> <strong>aus</strong> <strong>Edelstahl</strong><br />

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Info/Anfragen | sales@hydrogroup.de<br />

www.hydrogroup.de | +49 751 6009 0


Das führende Fachorgan<br />

für das <strong>Wasser</strong>- und<br />

<strong>Abwasser</strong>fach<br />

Mit der technisch-wissenschaftlichen Fachzeitschrift<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> | <strong>Abwasser</strong> informieren Sie sich gezielt zu<br />

allen wichtigen Fragen rund um die <strong>Wasser</strong> versorgung<br />

und <strong>Abwasser</strong> behandlung.<br />

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im Gas- und <strong>Wasser</strong>fach.<br />

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<strong>gwf</strong> <strong>Wasser</strong>/<strong>Abwasser</strong> erscheint in der DIV Deutscher Industrieverlag GmbH, Arnulfstr. 124, 80636 München<br />

WISSEN FÜR DIE<br />

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Alle Preise sind Jahrespreise und verstehen sich inklusive Mehrwertsteuer. Nur wenn ich nicht bis 8 Wochen<br />

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Brief, Fax, E-Mail) oder durch Rücksendung der Sache widerrufen. Die Frist beginnt nach Erhalt dieser Belehrung in Textform. Zur<br />

Wahrung der Widerrufsfrist genügt die rechtzeitige Absendung des Widerrufs oder der Sache an den Leserservice <strong>gwf</strong>, Postfach<br />

9161, 97091 Würzburg.<br />

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PAGWFW2014<br />

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dass ich vom DIV Deutscher Industrieverlag oder vom Vulkan-Verlag per Post, per Telefon, per Telefax, per E-Mail, nicht über interessante, fachspezifische Medien und Informationsangebote informiert und beworben werde.<br />

Diese Erklärung kann ich mit Wirkung für die Zukunft jederzeit widerrufen.


| STANDPUNKT |<br />

Wir brauchen jeden einzelnen<br />

„Employer Branding“, „High Potentials“, „Recruiting“<br />

– das sind Begriffe, bei denen die<br />

meisten von uns sicher ganz unwillkürlich an<br />

die Besetzung offener Stellen im Top-Management<br />

denken. Gut möglich, dass sich das<br />

zukünftig ändert, denn der Fokus könnte sich<br />

verschieben, und zwar von der Ebene der<br />

Führungskräfte auf die der Fachkräfte. Das<br />

legen zumindest die Prognosen des Bundesinstituts<br />

für Berufsbildung (BIBB) und des Instituts<br />

für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung<br />

(IAB) nahe. Denen zufolge wird es gerade auf<br />

der mittleren Qualifikationsebene, also der<br />

Ebene der Fachkräfte mit einer abgeschlossenen<br />

Berufs<strong>aus</strong>bildung, zu Engpässen kommen.<br />

Die aktuellsten Zahlen zu neuen Ausbildungsverhältnissen<br />

untermauern das: Unterm<br />

Strich ging die Zahl betrieblicher wie außerbetrieblicher<br />

Ausbildungsverträge 2013 auf<br />

530 700 zurück – gegenüber dem Vorjahr ein<br />

Minus von 3,7 %. In der Bauwirtschaft gab es im<br />

November 2013 1,9 % weniger Auszubildende<br />

im ersten Lehrjahr. Lediglich 11 585 Jugendliche<br />

begannen 2013 eine Ausbildung in<br />

einem Bauberuf, im Vorjahr waren es noch<br />

11 809 gewesen, und den Rückgang bekommt<br />

natürlich auch der Leitungsbau zu spüren.<br />

Eine Erkenntnis sollte besonders nachdenklich<br />

stimmen: Die erneute Abnahme von<br />

Verträgen ist weder Konjunktur noch de mografischem<br />

Wandel geschuldet – die Konjunktur<br />

ist gut, und 2013 stieg die Zahl der<br />

stu dienberechtigten wie auch der nichtstudienberechtigten<br />

Schulabgänger. Gleichzeitig<br />

kletterte die Zahl der von Betrieben gemeldeten<br />

unbesetzten Berufs<strong>aus</strong>bildungsplätze auf<br />

ein Rekordhoch von 33 500 Stellen, und 2013<br />

haben sich in Deutschland erstmals mehr<br />

junge Menschen für ein Studium entschieden<br />

als für eine duale Berufs<strong>aus</strong>bildung.<br />

Demografischer Wandel und das baldige<br />

Ausscheiden zahlreicher Fachkräfte mittleren<br />

Qualifikationsnive<strong>aus</strong> <strong>aus</strong> dem Berufsleben<br />

werden die Schieflage verstärken. Gerade in<br />

den alten Bundesländern wird die Zahl<br />

nichtstudienberechtigter Schulabgänger langfristig<br />

kontinuierlich sinken. Qualifizierter<br />

Nachwuchs mit <strong>aus</strong>reichend Fach- und Handlungskompetenz<br />

ist im Leitungsbau schon<br />

heute Mangelware. In Zukunft wird er es erst<br />

recht sein, und das Gesetz von Angebot und<br />

Nachfrage lässt erwarten, dass Personalabteilungen<br />

sich zukünftig noch größeren<br />

Her<strong>aus</strong>forderungen gegenüber sehen als heute.<br />

Umso wichtiger ist es, alle Möglichkeiten<br />

zu nutzen, gegenzusteuern; angefangen bei<br />

verstärkter Imagearbeit, die jungen Menschen<br />

die Perspektiven aufzeigt, die unsere Branche<br />

bietet. Für den Rohrleitungsbauverband e. V.<br />

ist das ein wesentliches Thema. Der rbv<br />

er weitert das Instrumentarium, mit dem er<br />

die Verbandsmitglieder bei der Gewinnung<br />

und Weiterqualifikation von Mitarbeitern<br />

unterstützt, kontinuierlich – von zielgruppengerechten<br />

Informationsschriften über den<br />

anschaulichen Imagefilm bis hin zum Leitfaden<br />

„Zukunft Leitungsbau – Auftrag Mensch –<br />

Fachkräftesicherung durch Personalentwicklung.<br />

Für Heute. Für Morgen.“<br />

Die Maßnahmen sind B<strong>aus</strong>teine der intensiven<br />

Arbeit des rbv im Bereich Personalentwicklung,<br />

zu denen auch eine im Frühjahr<br />

2013 durchgeführte Mitgliederbefragung zum<br />

Thema „Ausbildung im Leitungsbau –<br />

Grundqualifikationen und Bedarf“ zählt. Die<br />

mit 31,4 % hervorragende Rücklaufquote belegt<br />

deutlich, welchen Stellenwert das Thema<br />

Nachwuchsgewinnung in den Unternehmen<br />

der Branche hat; gerade die Besetzung von<br />

Stellen im gewerblichen Bereich stellt Personaler<br />

vor große Her<strong>aus</strong>forderungen.<br />

Es hat wenig Zweck, die mangelnde Ausbildungsreife<br />

vieler potenzieller Nachwuchskräfte<br />

zu beklagen – wir werden gemeinsam<br />

Antworten auf die Frage finden müssen, wie<br />

wir gut geeigneten Nachwuchs für uns gewinnen<br />

und auch weniger gut geeignete Kandidaten<br />

für die Her<strong>aus</strong>forderungen unserer<br />

Branche fitmachen können. Denn brauchen,<br />

das zeigen die Zahlen sehr deutlich, werden<br />

wir jeden einzelnen von ihnen. Deshalb wird<br />

jeder von uns in Zukunft das Thema Personalgewinnung<br />

<strong>aus</strong> einem geänderten Blickwinkel<br />

betrachten und vielleicht auch eine<br />

neue Leidenschaft fürs Marketing in eigener<br />

Sache entwickeln müssen. Und beim Blick<br />

nach vorn sollten wir in jedem Fall eine<br />

optimistische Grundeinstellung bewahren.<br />

Gudrun Lohr-Kapfer,<br />

Präsidentin Rohrleitungsbauverband e. V.<br />

Juli/August 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 801


| INHALT<br />

|<br />

Die BDEW­Analyse „Benchmarking Statistik <strong>Wasser</strong>/<strong>Abwasser</strong><br />

2012“ zeigt deutlich, dass sich die Leistungsvergleiche für<br />

die Unternehmen <strong>aus</strong>zahlen. Mehr als zwei Drittel der bei<br />

einer BDEW­Untersuchung befragten Trinkwasserversorger<br />

und <strong>Abwasser</strong> entsorger haben bereits Benchmarkingprojekte<br />

durchgeführt. Ab Seite 866<br />

Die vorliegenden Ergebnisse der gemeinschaftlich vom<br />

BDEW, RWW und Hochschule Ruhr­West durchgeführten<br />

Expertenbefragung zur Umstellung von Preis­ bzw.<br />

Gebührensystemen in der <strong>Wasser</strong>versorgung belegten, dass<br />

die bestehenden Entgeltsysteme einen nicht unmaßgeblichen<br />

Anteil an diesem Dilemma haben. Ab Seite 872<br />

Fachberichte<br />

<strong>Wasser</strong>versorgung<br />

866 Th. Herkner und F. Otillinger<br />

Gute Erfahrungen und viele neue<br />

Erkenntnisse – Benchmarking<br />

<strong>Wasser</strong> und <strong>Abwasser</strong><br />

Good Experiences and Many New Findings –<br />

Benchmarking in Water and Wastewater<br />

Trinkwasserversorgung<br />

888 H. Rüskamp u. a.<br />

Einfluss anthropogener Schadstoffe<br />

auf die <strong>Wasser</strong>qualität eines Grundwasserleitersystems<br />

im Sudd,<br />

Südsudan<br />

Effect of Anthropogenic Pollutants on the Water<br />

Quality of an Aquifer System in the Sudd Wetlands,<br />

South Sudan<br />

872 L. Burs u. a.<br />

Expertenbefragung zur Umstellung<br />

von Preis- bzw. Gebührensystemen<br />

in der <strong>Wasser</strong>versorgung –<br />

Ergebnisbericht, Mülheim an<br />

der Ruhr/Berlin, 14. Juli 2014<br />

Expert Consultation on Tariff Adjustments in<br />

the German Water Sector<br />

880 Ch. Glasenapp<br />

Folgen der Privatisierung –<br />

Betrachtung der britischen und<br />

deutschen <strong>Wasser</strong>versorgung<br />

Beyond Privatization – Comparison of<br />

the British and German Water Supply<br />

Netzwerk Wissen<br />

Aktuelles <strong>aus</strong> Bildung und Wissenschaft,<br />

Forschung und Entwicklung<br />

833 Das Lehrgebiet <strong>Wasser</strong>wesen an der<br />

HTW Dresden im Porträt<br />

Fokus<br />

<strong>Trinkwasserbehälter</strong><br />

806 Fugenbandserie für sichere Gewässer<br />

807 Webbasiertes Portal vernetzt Bauherren<br />

und Leitungsbetreiber<br />

Juli/August 2014<br />

802 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


| INHALT |<br />

Im Jahr 1989 wurde der britische <strong>Wasser</strong>sektor privatisiert<br />

und unter Aufsicht der Regulierungsbehörde OFWAT<br />

gestellt. Die unterscheidet ihn deutlich vom dezentral<br />

organisierten deutschen System. Der Artikel vergleicht<br />

den Zustand der britischen und deutschen <strong>Wasser</strong>versorgung<br />

anhand <strong>aus</strong>gewählter Parameter. Ab Seite 880<br />

Im Rahmen eines humanitären Hilfsprojekte im Südsudan wurden<br />

zur Sicherung der Trinkwasserversorgung der einheimischen<br />

Bevölkerung bis zu 300 m tiefe Brunnen errichtet. Die Trinkwasserversorgung<br />

wird traditionell über flache Bohrbrunnen<br />

bis max. 80 m unter Geländeniveau mit Handpumpen <strong>aus</strong> einem<br />

ober flächennahen Grundwasserleiter sichergestellt. Ab Seite 888<br />

809 Planung und Bau von <strong>Trinkwasserbehälter</strong>n<br />

<strong>aus</strong> <strong>Edelstahl</strong><br />

814 12 ABEL HMD-Pumpen fördern stark<br />

sandhaltigen Schlamm zur Kammerfilterpressenbeschickung<br />

– Dashu, Taiwan,<br />

Terinkwasseraufbereitungsanlage<br />

816 Epoxidharzbeschichtungen – langjährig<br />

bewährte Oberflächenqualität für den<br />

Trinkwasserbereich<br />

Nachrichten<br />

Branche<br />

820 Nürnberger Informations- und Erfahrungs<strong>aus</strong>t<strong>aus</strong>ch:<br />

Fachleute t<strong>aus</strong>chen Erfahrungen<br />

zum Rohrvortrieb <strong>aus</strong><br />

822 Europäische Gewässer stärker durch Chemikalien<br />

belastet als bislang angenommen<br />

824 EEG-Novelle: Kläranlagenbetreiber<br />

schlagen Alarm<br />

824 Online Auswahlprogramm von Xylem<br />

vereint alle Marken<br />

825 Spitzenprojekte gesucht: jetzt bewerben<br />

für Leuchtturm 2015 des Umweltclusters<br />

Bayern<br />

826 Sieger des Huber Technology Prize 2014<br />

„Zukunft <strong>Wasser</strong>“ stehen fest<br />

829 DIN-Spezifikation für die Renovierung<br />

erschienen – Steinzeugrohrverbindungen<br />

gehen in die Verlängerung<br />

830 Sichere <strong>Abwasser</strong>entsorgung für den Preis<br />

eines Brötchens – mit 39 Cent pro Tag fast<br />

stabile Kosten<br />

831 Neue VSB-Empfehlung:<br />

ZTV Nr. 16 „<strong>Abwasser</strong>lenkung“<br />

Veranstaltungen<br />

850 RENEXPO® 2014: Energieeffizienz im Mittelpunkt<br />

der Energiefachmesse für Bayern<br />

851 Energiepotenziale kommunaler Kläranlagen<br />

erkennen, nutzen und kritisch bewerten<br />

852 7. Norddeutsche Geothermietagung:<br />

Kongressprogramm zeigt neue Potenziale<br />

und Anwendungsmöglichkeiten<br />

853 Kanäle kombiniert bewirtschaften –<br />

2. Deutscher Kanalnetzbewirtschaftungstag,<br />

1. Oktober 2014, Geisingen<br />

854 MSR-Spezialmesse für Prozessleitsysteme,<br />

Mess-, Regel- und Steuerungstechnik<br />

Juli/August 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 803


| INHALT<br />

|<br />

© HTW Dresden © Hydro-Elektrik GmbH<br />

Netzwerk Wissen: Das Lehrgebiet <strong>Wasser</strong>wesen an der HTW Dresden<br />

im Porträt. Ab Seite 833<br />

Fokus-Thema im Juli-August: <strong>Trinkwasserbehälter</strong><br />

Ab Seite 806<br />

854 12. Münchner Runde – Expertenforum zur<br />

Kanalsanierung<br />

854 Mitteleuropäische Fließgewässer und<br />

ihre Auen<br />

855 26. Hamburger Kolloquium zur<br />

<strong>Abwasser</strong>wirtschaft<br />

856 5. VDI-Fachkonferenz: Potenziale <strong>aus</strong><br />

Klärschlamm nutzen<br />

856 Mülheimer <strong>Wasser</strong>analytisches Seminar<br />

856 7. OWL-<strong>Abwasser</strong>tag in Steinhagen im<br />

Januar 2015 – Call for Papers<br />

Leute<br />

858 Wechsel in der Hauptgeschäftsführung<br />

vollzogen – Dr. Gerald Linke ist neuer<br />

DVGW-Hauptgeschäftsführer<br />

Verbände, Vereine und Organisationen<br />

858 EU-Richtlinie zur Verlegung von<br />

Breitbandkablen<br />

859 DWA zeichnet verdiente<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaftler <strong>aus</strong><br />

Recht und Regelwerk<br />

860 DVGW-Regelwerk Gas/<strong>Wasser</strong><br />

862 DVGW: Regelwerk <strong>Wasser</strong><br />

864 DWA: Aufruf zur Stellungnahme –<br />

Entwurf Arbeitsblatt DWA-A 147<br />

865 DWA: Aufruf zur Mitarbeit – Ökologische<br />

Durchgängigkeit von Fließgewässern<br />

Praxis<br />

896 Dar Al-Omran hält enge Terminvorgaben<br />

bei der Umstrukturierung und Sanierung<br />

des <strong>Wasser</strong>versorgungsnetzes von Zarqa<br />

ein<br />

899 GFK-Rohr für umweltverträgliche Entwässerung<br />

von Autobahn- und ICE-Trasse<br />

901 Kanalsanierung auf der Autobahn:<br />

Ein „Rohr mit Gedächtnis“ für die A7<br />

Produkte und Verfahren<br />

903 Nicht im Trüben fischen: WAM 235<br />

<strong>Wasser</strong>analyse-Messgerät<br />

903 Lebensmittelabwässer sicher für die<br />

Direkteinleitung aufbereiten<br />

904 PU-Speziallösungen für den<br />

Korrosionsschutz<br />

Juli/August 2014<br />

804 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


| INHALT |<br />

Kanalsanierung auf der Autobahn:<br />

Ein „Rohr mit Gedächtnis“ Ab Seite 901<br />

Information<br />

887 Buchbesprechungen<br />

905 Impressum<br />

906 Termine<br />

<strong>Trinkwasserbehälter</strong><br />

<strong>aus</strong> GFK<br />

Recht und Steuern<br />

Recht und Steuern im Gas- und <strong>Wasser</strong>fach, Ausgabe 7/8, 2014<br />

Dieses Heft enthält folgende Beilage:<br />

– Siemens, Nürnberg<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> | <strong>Abwasser</strong> im September 2014<br />

u.a. mit diesen Fachbeiträgen:<br />

• Charakterisierung von Pektinlösungen in Hinblick auf den<br />

Einsatz zur <strong>Wasser</strong>reinigung<br />

• Systematik und Vorgehensweise bei der Erstellung von<br />

Spülplänen zur Reinigung von <strong>Wasser</strong>verteilungsnetzen<br />

mittels „Spülen mit klarer <strong>Wasser</strong>front“<br />

• Bewertung von Trinkwasserversorgungsnetzen – neue<br />

Kennzahlen: Systemindex Trinkwassernetz (SIT) und<br />

Nachhaltigkeitsindex (I N )<br />

Erscheinungstermin: 19.09.2014<br />

Anzeigenschluss: 21.08.2014<br />

• Variable Durchmesser bis DN 3000<br />

• Mit oder ohne integrierter Bedienund<br />

Schieberkammer<br />

• Parallel angeordnete Behälter<br />

• Gleichbleibende Trinkwasserqualität<br />

• Korrosionsbeständiges Material<br />

• Komplettlösung<br />

• Individuelle Fertigteilbauweise<br />

• Nachträglich erweiterbar<br />

Amitech Germany GmbH<br />

Am Fuchsloch 19 · 04720 Mochau<br />

Tel.: + 49 34 31 71 82 - 0 · Fax: + 49 34 31 70 23 24<br />

info@amitech-germany.de · www.amitech-germany.de<br />

A Member of the Group<br />

Weitere Informationen unter www.amiantit.com<br />

Juli/August 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 805


| FOKUS<br />

|<br />

<strong>Trinkwasserbehälter</strong><br />

Fugenbandserie für sichere Gewässer<br />

Die Verwendung von Fugenabdichtungen<br />

unterscheidet sich<br />

durch die Anforderungen an das<br />

jeweilige Bauwerk. Beim WU-Beton<br />

gilt es üblicherweise den <strong>Wasser</strong>druck<br />

und die Fugenbewegungen<br />

zu beachten, während bei Anlagen<br />

zum Lagern, Abfüllen und Umschlagen<br />

von wassergefährdenden Stoffen<br />

(LAU-Anlagen) die Beständigkeit<br />

des Werkstoffes gegen die<br />

vorkommenden Medien klar im Vordergrund<br />

steht. Die Sika Deutschland<br />

GmbH hat nun ihr Produktsortiment<br />

erweitert und eine zweite<br />

Fugenbandserie für den Gewässerschutz<br />

auf den Markt gebracht – <strong>aus</strong><br />

Spezialpolymer, das eigens für den<br />

Einsatz in LAU-Anlagen entwickelt<br />

wurde.<br />

Weiterhin gibt es noch die<br />

Westec-Fugenbandserie <strong>aus</strong> Polyethylen:<br />

Diese langjährig bewährte<br />

Fugenbandserie besteht <strong>aus</strong> dem<br />

innenliegenden Fugenband Typ 050<br />

und dem Fugenabschlussband Typ<br />

631, mit denen Arbeits- und Bewegungsfugen<br />

bei Ortbeton sowie die<br />

Anschlüsse an Bestandsbauwerke abgedichtet<br />

werden. Sie sind schweißbar<br />

und verfügen über eine hohe<br />

chemische Beständigkeit.<br />

Die neue Fugenbandserie Spezialpolymer<br />

SP setzt sich <strong>aus</strong> den innenliegenden<br />

Fugenbändern D 240-SP/<br />

D 320-SP, einem Fugenabschlussband<br />

F 90/3/3-SP und einem innenliegenden<br />

Klemmprofil D 320 K-SP<br />

zusammen. Die Fugenbänder können<br />

ebenfalls untereinander verschweißt<br />

werden und sind chemisch<br />

beständig. Aufgrund des<br />

flexibleren Werkstoffes können<br />

von den neuen Fugenbändern größere<br />

Verformungen aufgenommen<br />

werden. Das befähigt die Fugenbandserien<br />

für den Einsatz in Umschlagplätzen,<br />

Gefahrgutlagern, Tanktrassen,<br />

Schrott- und Sondermülllagerflächen,<br />

Biodieselanlagen sowie in landwirtschaftlichen<br />

Behälterbauten und in<br />

der chemischen Industrie – für den<br />

zuverlässigen Gewässerschutz.<br />

Die neue Fugenbandserie<br />

Spezialpolymer SP besteht <strong>aus</strong> den<br />

innenliegenden Fugenbändern D 240-SP /<br />

D 320-SP, einem Fugenabschlussband F 90/3/3-SP<br />

und einem innenliegenden Klemmprofil D 320 K-SP.<br />

Alle Abbildungen: © Sika Deutschland GmbH<br />

Die Fugenbänder wurden durch das DIBt geprüft und besitzen die<br />

entsprechenden Zulassungen (Westec Fugenbänder ETA-04/0044;<br />

Sika Spezialpolymer SP abZ Z-74.5-98).<br />

Die Fugenbänder sind durch<br />

das Deutsche Institut für Bautechnik<br />

(DIBt) gemäß den Zulassungsgrundsätzen<br />

„Fugenbänder zur Abdichtung<br />

in Anlagen zum Lagern,<br />

Abfüllen und Umschlagen wassergefährdender<br />

Stoffe“ geprüft und<br />

verfügen über eine entsprechende<br />

Zulassung (Westec Fugenbänder<br />

ETA-04/0044; Sika Spezialpolymer<br />

SP abZ Z-74.5-98). Damit hat die<br />

Sika Deutschland als einziger Anbieter<br />

zugelassene Fugenbänder<br />

für den Einsatz in LAU-Anlagen im<br />

Portfolio.<br />

Kontakt:<br />

Sika Deutschland GmbH,<br />

Kornwestheimer Straße 103–107,<br />

D-70439 Stuttgart,<br />

Tel. (0711) 8009-0,<br />

E-Mail: info@de.sika.com,<br />

www.sika.de<br />

Juli/August 2014<br />

806 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


<strong>Trinkwasserbehälter</strong> | FOKUS |<br />

Webbasiertes Portal vernetzt Bauherren und<br />

Leitungsbetreiber<br />

Leitungs<strong>aus</strong>kunft in Berlin/Brandenburg – Spaziergang in die Cloud statt lästiger<br />

Behördengänge<br />

In einer Metropole wie Berlin liegt unter der Erde verborgen ein schier unüberschaubares Netz an Kabeln und<br />

Rohren. Vor jeder Tiefbaumaßnahme müssen Bauherren deshalb bei den zahlreichen Leitungsnetzbetreibern<br />

und Ämtern Auskunft über den Verlauf von Leitungen einholen, auf die sie bei ihren Bauarbeiten achten müssen.<br />

Bisher bedeutete das, dass sie dafür die verschiedenen Tiefbauämter und Netzbetreiber per Brief oder Fax<br />

anschreiben mussten. Das Cloud-Portal eStrasse hat diesen Prozess seit dem Go-Live im Januar 2011 radikal<br />

vereinfacht: Auskunftssuchende schicken über das Portal eine einzige Anfrage ab, die automatisch an die<br />

betroffenen Antwortgeber wie beispielsweise Trink- und <strong>Abwasser</strong>verbände, Telekommunikations- oder Stromnetzbetreiber<br />

weitergeleitet wird. Der Antragssteller kann im Portal jederzeit den Bearbeitungsstatus einsehen und<br />

die Antworten abrufen. Die vollelektronische Abwicklung spart beiden Seiten erheblichen Aufwand und Kosten.<br />

Das Auskunftsportal eStrasse<br />

wird von der infrest – Infrastruktur<br />

eStrasse GmbH betrieben.<br />

Die infrest ist ein Tochterunternehmen<br />

der NBB Netzgesellschaft Berlin-Brandenburg<br />

mbH & Co. KG, der<br />

Vattenfall Europe Netzservice GmbH<br />

und der Vattenfall Europe Wärme AG.<br />

Im Auftrag von infrest entwickelte<br />

die forcont business technology<br />

gmbh, ein auf Enterprise Content<br />

Management (ECM) spezialisiertes<br />

Softwareh<strong>aus</strong> mit Hauptsitz in<br />

Leipzig, das Internetportal eStrasse.<br />

Hierüber lassen sich mit nur einer<br />

Anfrage alle relevanten Leitungs<strong>aus</strong>künfte,<br />

Stellungnahmen zu den<br />

Planungen Dritter sowie Genehmigungen<br />

für Baumaßnahmen einfach<br />

und komfortabel bei Leitungsnetzbetreibern<br />

und Behörden einholen.<br />

Die technische Grundlage für die<br />

Cloud-Anwendung eStrasse bildet<br />

die webbasierte Business-Software<br />

forcont factory FX. Das erprobte<br />

ECM-System bringt sämtliche Funktionen<br />

zum sicheren, effizienten und<br />

strukturierten Umgang mit geschäftsrelevanten<br />

Daten und Dokumenten<br />

mit und stellt damit ein<br />

zuverlässiges Grundgerüst für das<br />

aufgesetzte Portal bereit. Daneben<br />

bilden die Portaldatenbank und die<br />

Auskunftsdatenbanken das Rückgrat<br />

des Portals: Anfragen werden in die<br />

Portaldatenbank eingetragen und<br />

von dort an die Auskunftsdatenbanken<br />

der zuständigen Leitungsnetzbetreiber<br />

und Behörden verteilt.<br />

Mit einer einzigen Anfrage über das Cloud-Portal<br />

eStrasse erfahren Bauherren, auf welche Leitungen<br />

und Rohre sie bei Tiefbauarbeiten achten müssen.<br />

Sämtliche relevanten<br />

Dokumente werden online<br />

archiviert<br />

Anwender können ihre Anfrage via<br />

selbsterklärendem Webinterface in<br />

die Portaldatenbank einstellen, oder<br />

über einen Webservice, der direkt<br />

in das vorhandene IT-System eingebundenen<br />

werden kann. Dabei<br />

lassen sich alle notwendigen Dokumente<br />

mit in die Public Cloud hochladen<br />

– beispielsweise Lagepläne<br />

des geplanten Bauabschnitts zur<br />

zweifelsfreien Lokalisierung. Sämtliche<br />

Dokumente, die beim Stellen<br />

und Beantworten der Anfragen relevant<br />

sind, werden durch das Dokumentenmanagement<br />

der eStrasse in<br />

der Cloud abgelegt und für mindestens<br />

sechs Jahre entsprechend der gesetzlichen<br />

Anforderungen archiviert.<br />

Damit jedem Nutzer die korrekten<br />

Zugriffsrechte zugewiesennwerden,<br />

implementierte forcont zudem ein<br />

feingranulares Rollenkonzept.<br />

▶ ▶<br />

Sanierung von <strong>Trinkwasserbehälter</strong>n mit Qualität<br />

Eckart Flint, Inhaber<br />

»Wir sanieren Behälter so, dass die<br />

nächste Generation noch davon profitiert.«<br />

Das kostengünstige Sanierungskonzept<br />

für schadhafte Untergründe<br />

in <strong>Trinkwasserbehälter</strong>n<br />

Flint Bautenschutz GmbH Sichterheidestraße 31-33 · 32758 Detmold · Tel (052 31) 96 09-0 · Fax (052 31) 661 02 · www.flint.de · info@flint.de<br />

Juli/August 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 807


| FOKUS<br />

|<br />

<strong>Trinkwasserbehälter</strong><br />

Aktuell sind Behörden und<br />

Leitungsnetzbetreiber in Berlin,<br />

Bran denburg, Mecklenburg-Vorpommern,<br />

Sachsen und Sachsen-<br />

Anhalt an das Portal angebunden.<br />

Für 2014 sind Anbindungen in<br />

Thüringen geplant. In den Gebieten<br />

der Teilnehmer können Anfragende<br />

bereits für ein geringes Entgelt pro<br />

Anfrage und angefragtem Leitungsnetzbetreiber<br />

oder Amt entsprechende<br />

Auskünfte elektronisch einholen.<br />

Auskunfts gebende zahlen<br />

pro Antwort für die Nutzung<br />

des Portals. Auskunfts gebende mit<br />

hohem Antwortaufkommen bietet<br />

infrest aber auch die Möglichkeit,<br />

beispielsweise eine Flatrate zu<br />

buchen.<br />

Lösung musste leicht an<br />

Workflows anpassbar sein<br />

„Bei der Gestaltung des Backends<br />

– also auf der Seite der Antwortgeber<br />

– war es sehr wichtig, dass die<br />

Nutzer ohne großen administrativen<br />

Aufwand ihre individuellen<br />

Antwortprozesse abbilden konnten“,<br />

erklärt Wolfgang Bergmann, Projektleiter<br />

von forcont. Dank der flexiblen<br />

Konfigurationsmöglichkeiten<br />

lassen sich die Auskunftsdatenbanken<br />

unkompliziert in den Workflow<br />

der Unternehmen und Ämter einbinden<br />

und an die Bearbeitungsprozesse<br />

der Antwortgeber anpassen.<br />

Da die Anwendung eStrasse<br />

mandantenfähig <strong>aus</strong>gelegt wurde,<br />

haben Leitungsnetzbetreiber die<br />

Wahl, eine Auskunftsdatenbank in<br />

der Private Cloud bei infrest zu<br />

buchen oder im eigenen H<strong>aus</strong> zu<br />

betreiben.<br />

Auch die Verwendung einer<br />

eigenen Datenbankanwendung zur<br />

Beantwortung von Anfragen und<br />

deren Anbindung per Webservice<br />

an die Portaldatenbank der eStrasse<br />

ist möglich und wird genutzt. Die<br />

automatisierte Weiterleitung und<br />

Entgegennahme von Anfragen und<br />

Auskünften an bzw. von bestehenden<br />

Auskunftssystemen einzelner<br />

Leitungsnetzbetreiber steigert den<br />

Nutzen des Portals eStrasse weiter.<br />

Vernetzen statt nur alte<br />

Strukturen virtualisieren<br />

„Wichtig war uns, dass das Portal<br />

alle Beteiligten miteinander verbindet<br />

und nicht nur die bisherige<br />

bidirektionale Kommunikation ins<br />

Internet verlagert“, sagt Jürgen<br />

Besler, Geschäftsführer von infrest.<br />

„Deshalb kam dafür von Anfang an<br />

nur eine Private-Cloud-Lösung infrage.“<br />

Durch den schnellen interaktiven<br />

Aust<strong>aus</strong>ch senkt das Portal die<br />

administrativen Aufwände auf beiden<br />

Seiten deutlich. Darüber hin<strong>aus</strong><br />

sollen zukünftig mit dem Portal<br />

auch Synergien erschlossen werden,<br />

indem es beispielsweise die<br />

B<strong>aus</strong>tellenkoordination erleichtert:<br />

Planen zwei Leitungsnetzbetreiber<br />

im selben Zeitraum und am selben<br />

Ort Infrastrukturbaumaßnahmen,<br />

soll ihnen dies in Zukunft über die<br />

sogenannte Planungskarte im Portal<br />

automatisch angezeigt werden.<br />

Damit erhalten sie die Möglichkeit,<br />

frühzeitig ein gemeinsames Projektvorgehen<br />

zu planen und so ihre<br />

Kosten erheblich zu reduzieren.<br />

Dank der rein nutzungsbezogenen<br />

Kostenstruktur sowie der Mandantenfähigkeit<br />

und der unkomplizierten<br />

Prozess-Integration sind die<br />

Einstiegshürden sowohl für Leitungsnetzbetreiber<br />

als auch für Behörden<br />

äußerst gering. Das Portal eStrasse<br />

hat damit auch Vorbildcharakter für<br />

andere, verwaltungsübergreifende<br />

Abstimmungsprozesse auf kommunaler<br />

Ebene.<br />

Das Portal wird ständig weiterentwickelt.<br />

Neue Funktionen lassen<br />

sich dank seines generischen Aufb<strong>aus</strong><br />

unkompliziert bei minimalem<br />

Aufwand integrieren. Als nächste<br />

Erweiterungen sollen eine Anfragekarte<br />

und die Planungskarte hinzukommen.<br />

Darüber hin<strong>aus</strong> wird<br />

die Einbeziehung spezifischer Auskunftstools<br />

einzelner Leitungsnetzbetreiber<br />

über eine automatisierte<br />

Kopplung vorbereitet. Aufgrund<br />

der Mandantenfähigkeit können<br />

zusätzliche Netzbetreiber unkompliziert<br />

eingebunden werden. Die<br />

Ausweitung auf weitere Regionen<br />

bzw. die Einbeziehung weiterer<br />

Leitungsnetzbetreiber und Behörden<br />

findet derzeit statt. „Einer deutschlandweiten<br />

Einführung steht inhaltlich<br />

und technisch nichts im Wege“,<br />

sagt Bergmann.<br />

Steigende Produktivität bei<br />

sinkenden Kosten<br />

Das neue Leitungs<strong>aus</strong>kunfts portal<br />

reduziert nicht nur die Kommunikationskosten<br />

für Auskunftssuchende<br />

und Leitungsnetzbetreiber drastisch,<br />

sondern steigert gleichzeitig die<br />

Effizienz durch kurze Antwortzeiten<br />

deutlich. Mit einer einzigen<br />

Anfrage über das Portal erfahren<br />

Bauherren, auf welche Leitungssysteme<br />

sie bei Tiefbauarbeiten<br />

stoßen könnten. Außerdem vereinfacht<br />

die vollelektronische und<br />

medienbruchfreie Übermittlung, Bearbeitung<br />

und Beantwortung der<br />

Anfragen den gesamten Prozess<br />

massiv und spart dadurch Bauherren<br />

und Auskunftsgebenden erheblichen<br />

Aufwand.<br />

„Das Beispiel eStrasse zeigt, dass<br />

cloudbasierte Lösungen auch für<br />

amtliche Verfahren einsetzbar sind<br />

und große Optimierungspotenziale<br />

bergen – insbesondere bei Prozessen<br />

mit zahlreichen beteiligten Stellen“,<br />

sagt Bergmann. Allerdings muss<br />

solch ein System ohne großen<br />

Administrationsaufwand auf die<br />

jeweiligen Bedürfnisse der Nutzer<br />

anpassbar sein. Die technologischen<br />

Vor<strong>aus</strong>setzungen dafür sind bereits<br />

heute gegeben.<br />

Mit einer einzigen Anfrage über<br />

das Cloud-Portal eStrasse erfahren<br />

Bauherren, auf welche Leitungen<br />

und Rohre sie bei Tiefbauarbeiten<br />

achten müssen.<br />

Kontakt:<br />

forcont business technology gmbh,<br />

Nonnenstraße 39,<br />

D-04229 Leipzig,<br />

Tel. (0341) 48503-0,<br />

Fax (0341) 48503-99,<br />

E-Mail: office@forcont.de,<br />

www.forcont.de,<br />

http://www.infrest.de<br />

Juli/August 2014<br />

808 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


<strong>Trinkwasserbehälter</strong> | FOKUS |<br />

Planung und Bau von <strong>Trinkwasserbehälter</strong>n<br />

<strong>aus</strong> <strong>Edelstahl</strong><br />

Als technische Regel für den Bau von <strong>Trinkwasserbehälter</strong>n <strong>aus</strong> Beton gilt in Europa die DIN EN 1508 sowie in<br />

Deutschland das DVGW-Arbeitsblatt W 300 (derzeit in Überarbeitung). Für <strong>Trinkwasserbehälter</strong> <strong>aus</strong> <strong>Edelstahl</strong><br />

sowie andere Systembehälter gibt es derzeit noch kein vergleichbares Regelwerk – vorbereitende Arbeiten zur<br />

Erstellung einer entsprechenden Regel sind aber im Gange.<br />

Dieser Bericht beschreibt den derzeitigen Stand der Technik zum Bau von <strong>Trinkwasserbehälter</strong>n <strong>aus</strong> <strong>Edelstahl</strong><br />

und gibt Hinweise zu den konstruktiven Anforderungen, die bei Planung, Bau und Betrieb solcher Anlagen<br />

zwingend zu berücksichtigen sind.<br />

Die Art der <strong>Wasser</strong>speicherung<br />

hat auf die Qualität des Trinkwassers<br />

einen erheblichen Einfluss.<br />

Nicht ohne Grund fordert die Trinkwasserverordnung<br />

in § 4 Abs. 1:<br />

„Trinkwasser muss so beschaffen<br />

sein, dass durch seinen Genuss oder<br />

Gebrauch eine Schädigung der<br />

menschlichen Gesundheit insbesondere<br />

durch Krankheitserreger<br />

nicht zu besorgen ist. Es muss rein<br />

und genusstauglich sein. Diese Anforderung<br />

gilt als erfüllt, wenn bei<br />

der <strong>Wasser</strong>aufbereitung und der<br />

<strong>Wasser</strong>verteilung mindestens die<br />

allgemein anerkannten Regeln der<br />

Technik eingehalten werden und<br />

das Trinkwasser den Anforderungen<br />

der §§ 5 bis 7 entspricht.“ 1<br />

<strong>Trinkwasserbehälter</strong> <strong>aus</strong> <strong>Edelstahl</strong><br />

bestehen <strong>aus</strong> einem oder mehreren<br />

– in der Regel runden – <strong>Wasser</strong>behältern,<br />

die in einem einfachen<br />

Gebäude mit einem abgesetzten<br />

Rohrkeller aufgestellt sind. Alle Hauptarmaturen,<br />

Rohrleitungen, Pumpen,<br />

Kontroll- und Überwachungseinrichtungen<br />

können ebenfalls in diesem<br />

Gebäude angeordnet werden (Bild 1).<br />

Gestalterische Anforderungen<br />

Die Vielzahl möglicher Varianten im<br />

Bereich der Behälterstandorte macht<br />

es unmöglich, eine standardisierte<br />

Gebäudehülle für alle Einsatzzwecke<br />

zu beschreiben. Durch entsprechende<br />

Wahl von Bauwerksformen,<br />

Fassaden- und Dachmaterialien, Variation<br />

der Höhe oder des Durchmessers,<br />

Anzahl der Behälter sowie<br />

1<br />

Trinkwasserverordnung aktuelle Fassung<br />

2013.<br />

der Gestaltung der Außenanlagen<br />

lassen sich die Bauwerke optimal<br />

bzw. landschaftsgerecht an die jeweilige<br />

Situation vor Ort anpassen.<br />

Die großen Dachflächen der Bauwerke<br />

eignen sich in vielen Fällen<br />

zum Aufbau einer Photovoltaikanlage.<br />

Bei der Standortwahl, der<br />

Gebäude<strong>aus</strong>richtung sowie bei der<br />

Dachkonstruktion ist dies bereits<br />

frühzeitig zu berücksichtigen ebenso<br />

wie der Bedarf für etwaige spätere<br />

Erweiterungen.<br />

Grundsätzlich bestehen die Bauwerke<br />

<strong>aus</strong> einem betonierten Unterteil<br />

und <strong>aus</strong> einem Aufbau (Bild 2),<br />

z. B. als<br />

••<br />

Gebäude in Holzständerbauweise<br />

(universal)<br />

••<br />

Industriehallenkonstruktion mit<br />

gedämmten Paneelen (universal,<br />

insbesondere bei großen Objekten)<br />

••<br />

Halle <strong>aus</strong> Betonfertigteilen<br />

(teuerste Variante)<br />

••<br />

Mauerwerk wie im allgemeinen<br />

Wohnungsbau (eher bei kleineren<br />

Objekten üblich)<br />

Bild 1. Schematischer Aufbau <strong>Trinkwasserbehälter</strong><br />

<strong>aus</strong> <strong>Edelstahl</strong>. Alle Abbildungen: © Hydro-Elektrik GmbH<br />

Bild 2. Prinzipieller Gebäudeaufbau.<br />

Bei der Ausführung der Bauwerke<br />

ist neben der richtigen statischen<br />

Bemessung (Standsicherheitsnachweis<br />

für Behälter, Berücksichtigung<br />

Erdbebenzone und Schneelasten)<br />

insbesondere auf eine winddichte<br />

und insektendichte Konstruktion zu<br />

achten.<br />

Das Naturprodukt Holz ist ein<br />

nachwachsender Rohstoff, der beträchtlich<br />

zur CO 2 -Bindung beiträgt<br />

und zu seiner Herstellung und Verarbeitung<br />

nur einen geringen Energieeinsatz<br />

erfordert. Unter ökologischen<br />

Gesichtspunkten bedeutet<br />

Holznutzung Ressourcenschonung<br />

und Klimaschutz.<br />

Bei Holzständerbauweise sind die<br />

Wände innen mit OSB-Platten verkleidet,<br />

die zugleich auch die innere<br />

Dampfsperre bilden. Die Isolierung<br />

der Wände besteht <strong>aus</strong> einer bis zu<br />

140 mm dicken Mineralwolleschicht.<br />

Die Außenhaut bildet eine winddichte,<br />

diffussionsoffene Folie mit<br />

einer hinterlüfteten Boden-Deckelschalung<br />

(vertikal) oder Stülpschalung<br />

▶ ▶<br />

Juli/August 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 809


| FOKUS<br />

|<br />

<strong>Trinkwasserbehälter</strong><br />

Bild 3. Behälteranlage mit Installation.<br />

(horizontal). Ideal sind hier naturbelassene,<br />

harzreiche heimische<br />

Hölzer wie Lärche oder Douglasie in<br />

sägerauher Qualität nach DIN 18334.<br />

Im Laufe der Zeit vergraut die Oberfläche,<br />

ohne dass dies Auswirkungen<br />

auf die Funktion der Verschalung<br />

hat. Holzgebäude müssen so gebaut<br />

werden, dass keine Staunässe<br />

im unteren Wandbereich entstehen<br />

kann. Grundsätzlich müssen die Gebäude<br />

deshalb mit einem befestigten<br />

Umgang versehen werden.<br />

Beim Anpflanzen von Gehölzen ist<br />

ein entsprechend <strong>aus</strong>reichender<br />

Sicherheitsabstand einzuhalten.<br />

Alternativ zur Holzverkleidung<br />

können die Gebäude – insbesondere<br />

in Stadtrandlage oder Wohngebieten<br />

– mit Putzträgerplatten verkleidet<br />

werden und so ideal in die<br />

bestehende Bebauung integriert<br />

werden.<br />

Dachablaufwasser ist gesammelt<br />

abzuleiten und zu versickern. Bei<br />

Paneeldächern sind entsprechende<br />

stirnseitige Einlaufbleche anzuordnen.<br />

Schneefanggitter schützen<br />

zuverlässig vor herabstürzenden<br />

Schneelasten und schützen zugleich<br />

die Dachrinnensysteme. Die<br />

maximalen Schneelasten sind statisch<br />

zu berücksichtigen.<br />

Neben der klassischen Variante<br />

mit einem Pfettendach werden oft<br />

auch Lösungen mit Bogenbindern<br />

realisiert. Beim klassischen Pfettendach<br />

kommt meist eine Zwischensparrendämmung<br />

zum Einsatz. Der<br />

Dachaufbau entspricht dann prinzipiell<br />

dem Wandaufbau, mit dem<br />

Unterschied, dass die Außenhaut<br />

durch Dachpfannen realisiert wird.<br />

Bei großen Gebäuden wird <strong>aus</strong><br />

statischen Gründen oft eine Variante<br />

mit Bogenbindern vorgezogen. Bei<br />

Dächern mit Bogenbindern erfolgt<br />

i. d. R. eine Aufdachdämmung mit<br />

Metall-Sandwichpaneelen. Bei dieser<br />

Gebäude<strong>aus</strong>führung ist auf eine<br />

besonders sorgfältige Ausführung<br />

und Abdichtung der Übergänge<br />

zwischen Holz und Metallpaneelen<br />

(wind- und insektendicht) zu achten.<br />

Flächige Silikonabdichtungen<br />

insbesondere in den Dehnungsfugen<br />

der Paneele, Verklebungen<br />

mit Klebeband und Holzeckleisten<br />

sind empfehlenswert.<br />

Bei Industriehallen sind unterschiedlichste<br />

Konstruktionen üblich.<br />

Als Tragsysteme kommen Betonfertigelemente,<br />

Stahlträger (Stahlskelettbau)<br />

oder die Kombination<br />

beider Systeme zum Einsatz. Als<br />

Dach- und Fassadenelemente werden<br />

hochgedämmte Sandwichpaneele<br />

verbaut. Die Vielzahl der<br />

Konstruktionen erlaubt keine allgemeine<br />

Systembeschreibung. Die<br />

für Holzgebäude formulierten grundsätzlichen<br />

Anforderungen gelten<br />

deshalb sinngemäß auch für Industriehallenkonstruktionen.<br />

Innenraumtemperatur<br />

<strong>Wasser</strong> gehört zu den Stoffen mit<br />

den höchsten Wärmekapazitäten.<br />

Als Wärmekapazität bezeichnet<br />

man das Vermögen eines Stoffes,<br />

Energie zu speichern. Aufgrund der<br />

enormen Wärmemengen, die im<br />

<strong>Wasser</strong> gespeichert sind, sowie dem<br />

hohen Wärmeschutz der Gebäude<br />

stellt sich im Betrieb eine von<br />

der Außentemperatur unabhängige,<br />

konstante Innenraumtemperatur ein.<br />

Damit kann sich im Normalfall auch<br />

kein Kondenswasser an den Behälterwandungen<br />

und der Installation<br />

bilden. Infolge des stabilen Raumklimas<br />

und der konstanten Temperatur<br />

der Raumluft, welche immer<br />

etwa der <strong>Wasser</strong>temperatur entspricht,<br />

kommt es kaum zur Beanspruchung<br />

der B<strong>aus</strong>toffe. Damit<br />

wird die Lebensdauer der Behälteranlage<br />

gegenüber konventionellen<br />

Bauwerken deutlich erhöht.<br />

Funktionelle Anforderungen<br />

Gemäß DVGW-Arbeitsblatt W 300<br />

müssen <strong>Trinkwasserbehälter</strong> so geplant,<br />

gebaut und betrieben werden,<br />

dass Verunreinigungen oder<br />

sonstige chemische, physikalische<br />

oder biologische Einflüsse, die die<br />

<strong>Wasser</strong>güte beeinträchtigen, vermieden<br />

werden. Zudem muss der<br />

<strong>Wasser</strong>behälter so gestaltet sein,<br />

dass die Bedeutung und der Wert<br />

des Lebensmittels Trinkwasser hervorgehoben<br />

werden. <strong>Trinkwasserbehälter</strong><br />

<strong>aus</strong> <strong>Edelstahl</strong> erfüllen diese<br />

Forderungen optimal.<br />

<strong>Edelstahl</strong> gilt als hygienisch<br />

einwandfrei. <strong>Edelstahl</strong> unterstreicht<br />

den Wert des Lebensmittels Trinkwasser<br />

auch deshalb, weil es in der<br />

Lebensmittelindustrie als Werkstoff<br />

erster Wahl gilt.<br />

Ein <strong>Trinkwasserbehälter</strong> muss<br />

nach W 300 zudem baulich so <strong>aus</strong>geführt<br />

werden, dass eine mögliche<br />

Radonexposition des Wartungspersonals<br />

gering ist. Durch die vollständige<br />

hermetische Kapselung<br />

und die direkt nach außen geführte<br />

Entlüftung der <strong>Edelstahl</strong>behälter ist<br />

Radon im Betriebsraum bei diesem<br />

System <strong>aus</strong>geschlossen.<br />

Einlauf mit <strong>Wasser</strong>zirkulation<br />

Ein spezielles Einlaufsystem mit<br />

belüfteter Zulaufschleife und tangentialer<br />

Einströmung sorgt für<br />

eine hervorragende sowohl tangentiale<br />

als auch horizontale <strong>Wasser</strong>vermischung.<br />

Gleichzeitig werden<br />

durch das Einlaufsystem störende<br />

Ausgasungen minimiert und die <strong>Wasser</strong>oberfläche<br />

optisch klar gehalten.<br />

Juli/August 2014<br />

810 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


<strong>Trinkwasserbehälter</strong> | FOKUS |<br />

Um eine gleichmäßige <strong>Wasser</strong>verteilung<br />

zu erhalten, muss die Einlaufschleife<br />

mittig auf den Zulaufkollektor<br />

geführt werden. Durch die<br />

hervorragende <strong>Wasser</strong>vermischung<br />

kann der Behälterzulauf im Bereich<br />

oder nahe bei der Entnahme liegen.<br />

Die Zulaufleitung wird über den<br />

Rohrkeller geführt, in dem auch<br />

eine <strong>Wasser</strong>messeinrichtung sowie<br />

ein Bypass zur Entnahmeleitung<br />

vorgesehen werden kann (Bild 3).<br />

Lüftung<br />

Jeder <strong>Wasser</strong>behälter muss über ein<br />

eigenes, separates Lüftungssystem<br />

verfügen. So wird im Falle von<br />

Wartungs- und Reinigungsarbeiten<br />

an einem Behälter sichergestellt,<br />

dass es zu keinen nachteiligen Beeinflussungen<br />

kommen kann. Jede<br />

Lüftungsleitung muss direkt nach<br />

außen geführt werden. Außen sind<br />

Fliegengitter anzubringen. Ferner<br />

sind die Lüftungsleitungen gegen<br />

Schnee und Vereisung zu schützen,<br />

gegebenenfalls durch Frostschutzmaßnahmen<br />

(Wärmekabel, etc.).<br />

Ferner sind in die Lüftungslei tungen<br />

mindestens einstufige, <strong>aus</strong>wechselbare<br />

Feinstaubfilter einzubauen. Die<br />

Lüftungssysteme sind so an die Behälter<br />

anzuschließen, dass in den Leitungen<br />

auftretendes Kondenswasser<br />

in den Überlauf geleitet wird und<br />

nicht in die Behälter gelangen kann.<br />

Der Betriebsraum außerhalb der<br />

<strong>Wasser</strong>behälter sollte aufgrund des<br />

konstanten Raumklimas nicht separat<br />

belüftet werden. Der durch<br />

den natürlichen Luftwechsel erzielbare<br />

Luft<strong>aus</strong>t<strong>aus</strong>ch ist <strong>aus</strong>reichend.<br />

Der Überlauf ist stets so zu gestalten,<br />

dass die maximal mögliche<br />

Zulaufwassermenge schadlos abgeleitet<br />

werden kann. Der Überlauf<br />

muss im Bereich des Bedienpodestes<br />

außen am Behälter angeordnet<br />

werden. Bei der Dimensionierung<br />

der Überlaufkante ist darauf zu achten,<br />

dass das Nennvolumen durch<br />

den Überlauf nicht beeinflusst wird.<br />

Die Überlaufleitungen sind mit<br />

Siphon <strong>aus</strong>zustatten. Es müssen<br />

Möglichkeiten geschaffen werden,<br />

das im Siphon stehende <strong>Wasser</strong><br />

regelmäßig zu erneuern bzw. <strong>aus</strong>zut<strong>aus</strong>chen.<br />

Ein automatisierter Aust<strong>aus</strong>ch<br />

ist dem manuellen Aust<strong>aus</strong>ch<br />

vorzuziehen. Die Überlaufleitung ist<br />

in einen Schacht zu führen, in dem<br />

eine Trennung mittels Luftstrecke<br />

von mindestens 300 mm gewährleistet<br />

ist.<br />

Entnahme und Grundablass<br />

Die <strong>Wasser</strong>entnahme <strong>aus</strong> den Behältern<br />

erfolgt durch einen am tiefsten<br />

Punkt unter dem Bodenblech angeschweißten<br />

Entnahmetopf (Bild 4).<br />

Der Entnahmekollektor verbindet<br />

beide Behälter und sorgt so stets<br />

für gleichen <strong>Wasser</strong>stand. Eine oder<br />

mehrere Entnahmeleitungen im<br />

vertieften Rohrkeller leiten das <strong>Wasser</strong><br />

über <strong>Wasser</strong>messeinrichtungen<br />

ins Versorgungsnetz.<br />

Druckerhöhungsanlagen werden<br />

ebenfalls direkt am Entnahmekollektor<br />

angeschlossen.<br />

Der Grundablass erfolgt über den<br />

tiefsten Punkt am Entnahmetopf. So<br />

wird gewährleistet, dass etwaige<br />

Ablagerungen im Behälter nicht ins<br />

Entnahmerohr gelangen können.<br />

Innen im Entnahmetopf kann im<br />

Bedarfsfall ein Steckseiher installiert<br />

werden.<br />

Für die Entnahme von <strong>Wasser</strong>proben<br />

sind in jeder Zulauf- und<br />

Entnahmeleitung sowie an jedem<br />

Behälter<strong>aus</strong>lauf abflammbare Probeentnahmeventile<br />

anzuordnen.<br />

Zugang, Sicherheit und<br />

Beleuchtung<br />

Zur optischen Kontrolle müssen die<br />

<strong>Wasser</strong>behälter über Schaugläser<br />

und eine künstliche Beleuchtung<br />

verfügen. Die Beleuchtung erfolgt<br />

idealerweise durch einen oder mehrere<br />

in das Kegeldach eingebaute<br />

Strahler, die so bemessen sein müssen,<br />

dass eine gute Ausleuchtung<br />

des vollständig gefüllten <strong>Wasser</strong>behälters<br />

möglich ist. Im Kegeldach<br />

ist ferner ein Domdeckel mit Sicherung<br />

gegen Einsturz vorzusehen.<br />

Für Wartungs- und Inspektionsgänge<br />

ist ein druckdichtes Mannloch<br />

oder eine Drucktüre im unteren<br />

Behälterbereich einzubauen.<br />

Alle Treppen, Geländer und Podeste<br />

sind grundsätzlich gemäß der gültigen<br />

Unfallverhütungsvorschriften<br />

<strong>aus</strong>zuführen. Gegebenenfalls ist auch<br />

ein Dachgeländer zu berücksichtigen.<br />

Überdruck-/Unterdrucksicherung<br />

Zur Absicherung der Behälter gegen<br />

unzulässigen Überdruck bzw. Unterdruck<br />

sind geeignete Sicherungsmaßnahmen<br />

zu treffen. Im Normalfall<br />

reicht ein siphonierter Überlauf<br />

<strong>aus</strong>. Bei hoch liegenden <strong>Wasser</strong>behältern,<br />

großen Entnahme- bzw.<br />

Füllleitungen und Entnahme mittels<br />

Pumpen sind spezielle Sicherheitsventile<br />

an den <strong>Wasser</strong>behältern<br />

zwingend erforderlich.<br />

Bild 4. Grundablass mit Entnahmetopf.<br />

▶ ▶<br />

Juli/August 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 811


| FOKUS<br />

|<br />

<strong>Trinkwasserbehälter</strong><br />

Bild 5. Trinkwasser im <strong>Edelstahl</strong>behälter.<br />

Bild 6. Integriertes Reinigungssystem.<br />

Edelstähle für die Trinkwasserversorgung<br />

Die dauerhafte Sicherung höchster<br />

Trinkwasserqualität erfordert den<br />

Einsatz geeigneter, langlebiger und<br />

inerter Werkstoffe mit hervorragenden<br />

hygienischen und korrosionsbeständigen<br />

Eigenschaften (Bild 5).<br />

Edelstähle sind aufgrund ihrer<br />

Korrosionsbeständigkeit in einem<br />

weiten Anwendungsbereich einsetzbar.<br />

Vor<strong>aus</strong>setzung für eine lange<br />

Lebensdauer sind neben der Wahl<br />

des richtigen <strong>Edelstahl</strong>s, die fachgerechte<br />

Konstruktion, die fachgerechte<br />

Verarbeitung sowie die<br />

sorgfältige Nachbehandlung. Im<br />

Rahmen der Endbehandlung müssen<br />

alle Schweißnähte gründlich gebürstet,<br />

gestrahlt und mediumseitig<br />

im Sprühbeizverfahren gebeizt und<br />

passiviert werden. Vor der Endbehandlung<br />

werden alle erforderlichen<br />

Rohrleitungsanschlüsse, Mannlöcher<br />

und sonstigen Öffnungen am<br />

Behälter angebracht. Ein Strahlen<br />

der Behälteroberflächen wird nicht<br />

empfohlen.<br />

Vor Inbetriebnahme werden die<br />

Behälter mit peroxidhaltigen Reinigungsmitteln<br />

gereinigt und desinfiziert.<br />

Integriertes Reinigungssystem<br />

Mit einem integrierten Reinigungssystem<br />

können die Behälter in kürzester<br />

Zeit mittels Einsatz eines<br />

Hochdruckreinigers gereinigt und<br />

bei Bedarf desinfiziert werden. Im<br />

Normalbetrieb ist die Reinigungseinrichtung<br />

im Behälter oberhalb<br />

des <strong>Wasser</strong>spiegels fixiert. In den<br />

meisten Fällen erfolgt die Reinigung<br />

mit kaltem Trinkwasser. Ein Betreten<br />

der Behälter ist dazu i. d. R. nicht<br />

erforderlich (Bild 6).<br />

Betriebliche Anforderungen<br />

„<strong>Trinkwasserbehälter</strong> müssen gut<br />

erreichbar und in allen Teilen leicht<br />

zugänglich sein und außerdem<br />

während ihrer ganzen Betriebszeit<br />

systematisch überwacht, unterhalten<br />

und gereinigt werden.“ 2 Das<br />

Personal, das mit diesen Aufgaben<br />

beschäftigt ist, muss unterwiesen<br />

und fachlich entsprechend <strong>aus</strong>gebildet<br />

sein sowie über die nötigen<br />

Kenntnisse über Hygiene und<br />

Arbeitssicherheit verfügen.<br />

Für Kontrolle und Betrieb einer<br />

Trinkwasserspeicheranlage sind – unabhängig<br />

von der Tageszeit – stets<br />

gute Lichtverhältnisse erforderlich.<br />

Deswegen ist grundsätzlich eine<br />

elektrische Beleuchtung zu installieren.<br />

Auf Fenster ist wegen der Gefahr<br />

der Algenbildung und <strong>aus</strong> Gründen<br />

des Objektschutzes zu verzichten.<br />

Für die Gebäudebeleuchtung<br />

werden (aufgrund der tiefen Raumtemperaturen)<br />

Wand- und Deckenleuchten<br />

mit energiesparenden,<br />

schnellstartenden Leuchtstoffröhren<br />

oder moderne LED-Hochleistungsstrahler<br />

empfohlen. Diese Leuchten<br />

führen sofort zu einer hellen und<br />

tageslichtähnlichen Raumbeleuchtung.<br />

2<br />

Merkl, G.: <strong>Trinkwasserbehälter</strong>, 2. Auflage.<br />

Die Beleuchtung der <strong>Wasser</strong>behälter<br />

erfolgt durch auf das<br />

Kegeldach aufgebaute Strahler. Je<br />

nach Behältergröße sind 1 bis max.<br />

4 Strahler erforderlich. Die Strahler<br />

ermöglichen eine sehr gute Ausleuchtung<br />

des Behälterinnenraumes.<br />

Objektschutz<br />

Die rundum geschlossenen Gebäude<br />

erlauben eine hervorragende, elektronische<br />

Überwachung des kompletten<br />

Innenraumes mit z. B. aktiven<br />

oder passiven Bewegungsmeldern.<br />

Mit zusätzlich angebrachten<br />

Türkontakten ist bereits eine weitgehend<br />

vollständige Innenraumüberwachung<br />

gewährleistet. Es ist<br />

empfehlenswert, die Objektschutzanlage<br />

mit einer Notfallalarmfunktion<br />

für den Personenschutz zu<br />

kombinieren.<br />

<strong>Trinkwasserbehälter</strong> müssen mit<br />

einer elektrischen Mess-, Steuerund<br />

Regelanlage (EMSR) <strong>aus</strong>gerüstet<br />

werden. Das Steuerungssystem<br />

regelt die Bewirtschaftung sowie<br />

den Pumpenbetrieb und den<br />

Be hälterzulauf. Mengenmessungen<br />

(Zulauf und Entnahme) werden <strong>aus</strong>gewertet<br />

und registriert.<br />

Reinigung und Desinfektion<br />

Vor der Inbetriebnahme ist die komplette<br />

Behälteranlage gründlich zu<br />

reinigen. Beim Einsatz von chemischen<br />

Mitteln ist darauf zu achten,<br />

dass metallische Werkstoffe und vor<br />

allem <strong>Edelstahl</strong> durch die Mittel<br />

nicht angegriffen werden. Es dürfen<br />

nur zulässige, geprüfte Mittel eingesetzt<br />

werden. Chloridhaltige Reinigungsmittel<br />

(z. B. Salzsäure) dürfen<br />

keinesfalls eingesetzt werden.<br />

Beim Einsatz von chemischen Reinigungsmitteln<br />

ist insbesondere darauf<br />

zu achten, dass alle Reinigungsmittelrückstände<br />

restlos entfernt<br />

werden. In vielen Fällen wird allein<br />

durch Abspritzen mit Trinkwasser<br />

ein <strong>aus</strong>reichendes Reinigungsergebnis<br />

erzielt.<br />

Zur Desinfektion wird <strong>Wasser</strong>stoffperoxid<br />

empfohlen. Alle Innenflächen<br />

des Behälters und die zu ge hörigen<br />

Rohrleitungen sind gründlich zu<br />

Juli/August 2014<br />

812 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


<strong>Trinkwasserbehälter</strong> | FOKUS |<br />

desinfizieren Desinfektionsmittelhaltige<br />

Abwässer dürfen ohne Neutralisation<br />

nicht in Gewässer eingeleitet<br />

werden. Der Desinfektionsvorgang<br />

ist zu protokollieren.<br />

Wartung und Unterhalt<br />

Die Betreuung eines <strong>Trinkwasserbehälter</strong>s<br />

<strong>aus</strong> <strong>Edelstahl</strong> darf nur durch<br />

<strong>aus</strong>gebildetes, sachkundiges Personal<br />

erfolgen. In jedem Falle müssen<br />

die gesetzlichen Anfor derungen beachtet<br />

werden. Die Führung eines<br />

Betriebsbuches wird empfohlen.<br />

Das Betriebsbuch sollte beinhalten:<br />

••<br />

Ergebnisse der regelmäßigen <strong>Wasser</strong>analysen<br />

zur Dokumentation<br />

••<br />

Ergebnisse der Überwachung<br />

und Inspektion<br />

••<br />

Dokumentation der Behälterreinigung<br />

•<br />

• Sichtprüfung der Luftfilter und<br />

Dokumentation der Wechselintervalle<br />

der Filter<br />

••<br />

Anweisungen für Außerbetriebnahme<br />

und Inbetriebnahme der<br />

Behälteranlage<br />

••<br />

Anweisungen zur Reinigung<br />

und Desinfektion der Anlage<br />

••<br />

Anweisungen für die Bedienung<br />

und Instandhaltung der elektrischen<br />

und maschinellen<br />

Einrichtung<br />

Zusätzlich wird eine regelmäßige<br />

bzw. planmäßige Sichtkontrolle<br />

der Behälteranlage mit Funktionskontrolle<br />

aller sicherheitsrelevanten<br />

Bauteile empfohlen. Die<br />

Sichtkontrolle muss eine äußere<br />

und innere Zustandskontrolle bei<br />

vollem <strong>Wasser</strong>behälter einschließen.<br />

Kontakt:<br />

HydroGroup / Hydro-Elektrik GmbH,<br />

Manfred Brugger,<br />

Angelestraße 48/50, D-88214 Ravensburg,<br />

Tel. (0751) 6009-47, Fax (0751) 6009-33,<br />

E-Mail: mb@hydrogroup.de,<br />

www.hydrogroup.de<br />

Viega Geopress K<br />

Innenabdichtend im Außenbereich:<br />

Kunststoffpressverbinder für<br />

erdverlegte Versorgungsleitungen.<br />

viega.de/GeopressK<br />

Sicherheit im Erdreich<br />

Flexibel, langlebig, robust – nur einige der vielen Anforderungen, denen erdverlegte Versorgungsleitungen<br />

gerecht werden müssen. Mit Geopress K bietet Viega ein neues, besonders wirtschaftliches Kunststoffpresssystem<br />

speziell für die Verlegung von Gas­ und Trinkwasserleitungen. Die innenabdichtenden und elastomerfreien<br />

Verbinder <strong>aus</strong> hochfestem Kunststoff bieten ideale Vor<strong>aus</strong>setzungen, um den rauen Bedingungen im<br />

Erdreich zu trotzen. Zusätzlich verfügen sie über die bewährte Viega SC­Contur, mit der unverpresste<br />

Verbindungen bei einer Druckprüfung sofort sichtbar werden. Mit der Viega Presstechnik entsteht so eine<br />

sichere und schnelle Verbindung zwischen der Versorgungsleitung und dem H<strong>aus</strong>anschluss.<br />

Viega. Eine Idee besser!<br />

Juli/August 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 813


| FOKUS<br />

|<br />

<strong>Trinkwasserbehälter</strong><br />

12 ABEL HMD-Pumpen fördern stark sandhaltigen<br />

Schlamm zur Kammerfilterpressenbeschickung<br />

Dashu, Taiwan, Trinkwasseraufbereitungsanlage<br />

Im Jahr 2000 erhielt die Firma Commander<br />

Engineering <strong>aus</strong> Taipei<br />

den Auftrag für eine Überholung<br />

und den Ausbau der Trinkwasseraufbereitungsanlage<br />

Pin Din in<br />

Dashu, Taiwan. Dabei handelte es<br />

sich um ein Turnkey Projekt, das sich<br />

in zwei Phasen gliedert.<br />

••<br />

Phase1<br />

war die Überholung der Anlage,<br />

••<br />

Phase 2<br />

war der Ausbau der Anlage auf<br />

einen Ausstoß von 1 000 000 m 3<br />

Trinkwasser pro Tag<br />

(Start der Phase 2 war 2006).<br />

Bis zur Überholung der Anlage<br />

wurde der bei der Trinkwasseraufbereitung<br />

anfallende, stark<br />

abrasive, weil sandhaltige Schlamm<br />

auf Trockenbeete zur Entwässerung<br />

verbracht. Im Zuge der Überholung<br />

wurden dann Filterpressen zur<br />

Schlammentwässerung installiert.<br />

Die ABEL-Lösung<br />

Commander Engineering hat große<br />

Erfahrungen im Bau schlüsselfertiger<br />

Anlagen für den <strong>Wasser</strong>und<br />

<strong>Abwasser</strong>bereich.<br />

Das Unternehmen suchte nach<br />

einem Ersatz für bislang eingesetzte<br />

ABEL Patent: Regelvorrichtung für eine Membranpumpe. Europäisches<br />

Patent Nr. 105 50 71.<br />

Die Aufgabenstellung<br />

12 x Abel Hydraulische Membranpumpen,<br />

Typ HMD-G-32-0250,<br />

36 m 3 /h, 12 bar,<br />

Filterpressenbeschickung.<br />

Endkunde: Taiwan Water Corporation.<br />

Installation auf der Trinkwasseraufbereitungsanlage Pin Din in Dashu,<br />

Provinz Kaoshiung, Taiwan.<br />

Die Anlage dient der Trinkwasseraufbereitung <strong>aus</strong> dem Kaopin River.<br />

Täglich werden etwa 500 000 m 3 Trinkwasser produziert.<br />

Die Anlage ist derzeit sogar für 800 000 m 3 <strong>aus</strong>gelegt.<br />

Juli/August 2014<br />

814 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


<strong>Trinkwasserbehälter</strong> | FOKUS |<br />

rotierende Verdrängerpumpen, weil<br />

es sich gezeigt hatte, dass der hohe<br />

Sandanteil in Verbindung mit dem<br />

bei der Filterpressenbeschickung<br />

notwendigen hohen Förderdruck<br />

zu starkem Verschleiß führt. Dadurch<br />

erhöhen sich die Ersatzteilkosten<br />

und gleichzeitig verringert<br />

sich die Verfügbarkeit der Pumpen.<br />

Die Zuverlässigkeit und Haltbarkeit<br />

der ABEL HMD-Pumpen überzeugte<br />

die Firma Commander Engineering.<br />

Da es sich um Kolbenmembranpumpen<br />

handelt, bei denen eine<br />

speziell vorgeformte Membrane den<br />

abrasiven Schlamm von den Regeleinrichtungen<br />

und Kolben der<br />

Pumpen hermetisch trennt, arbeiten<br />

diese Pumpen fast verschleißfrei.<br />

Dies wurde seit der Inbetriebnahme<br />

im Jahr 2002 eindrucksvoll unter<br />

Beweis gestellt. Die Betriebsdauer<br />

der Pumpen liegt bei sechs Stunden<br />

täglich.<br />

Die Pumpen werden energiesparend<br />

über Frequenzumrichter<br />

geregelt.<br />

Dabei wird die Abhängigkeit<br />

des Motordrehmoments vom Förderdruck<br />

der Pumpe genutzt, um die<br />

Fördermenge der Pumpe bei zunehmendem<br />

Gegendruck herunterzuregeln.<br />

Es wird also keine separate<br />

Steuerung benötigt.<br />

Die ABEL-Vorteile<br />

Hydraulische Kolbenmembranpumpen<br />

dieser Baureihe sind:<br />

••<br />

selbstansaugend und trockenlaufsicher,<br />

••<br />

sie zeichnen sich durch ihre<br />

Laufruhe und die hohe Verfügbarkeit<br />

<strong>aus</strong>,<br />

••<br />

zusammen mit einem sehr guten<br />

Wirkungsgrad und der Drehzahlregelung<br />

per Frequenzumformer<br />

bleiben die Betriebskosten erfreulich<br />

niedrig,<br />

••<br />

die produktberührten Pumpenteile<br />

sind in einer Reihe von Werkstoffqualitäten<br />

lieferbar (Sphäroguss,<br />

Sphäroguss gummiert,<br />

<strong>Edelstahl</strong>, Polypropylen, weitere<br />

Materialien auf Anfrage),<br />

••<br />

Logistik-Beratung für Verschleißteile,<br />

••<br />

integrierte Wartungspläne.<br />

Kontakt:<br />

Abel GmbH & Co. KG,<br />

Abel-Twiete 1,<br />

D-21514 Büchen,<br />

Tel. (04155) 818-0,<br />

Fax (04155) 818-499,<br />

E-Mail: mail@abel.de,<br />

www.abel.de<br />

DIN EN ISO<br />

9001:2000<br />

certification.<br />

<strong>Wasser</strong>aufbereitung GmbH<br />

Grasstraße 11 • 45356 Essen<br />

Telefon (02 01) 8 61 48-60<br />

Telefax (02 01) 8 61 48-48<br />

www.aquadosil.de<br />

Juli/August 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 815


| FOKUS<br />

|<br />

<strong>Trinkwasserbehälter</strong><br />

Epoxidharzbeschichtungen – langjährig bewährte<br />

Oberflächenqualität für den Trinkwasserbereich<br />

Allgemeines<br />

Epoxidharze sind hochwertige Polymerwerkstoffe,<br />

die sich seit den<br />

späten 1950er-Jahren aufgrund ihrer<br />

variablen Eigenschaftsprofile viele<br />

technisch anspruchsvolle Anwendungsbereiche<br />

erobert haben. Ihre<br />

Anwendung in flüssiger Form ermöglicht<br />

die Verwendung in spachtelbarer,<br />

streichbarer und spritzbarer<br />

Form sowie auch als selbstverlaufende<br />

Bodenbeschichtungen und<br />

Bindemittel für hochwertige Faserverbundwerkstoffe.<br />

In Kombination<br />

mit der Eigenschaft, dass die Epoxidharze<br />

als 2-komponentige Additionskunststoffe<br />

auch in dicken Schichten<br />

ohne Probleme schnell <strong>aus</strong>härten,<br />

eröffnet sich ein weitgefächertes<br />

Spektrum an Werkstoffen für die<br />

Sanierung und das Erstellen trinkwasserberührter<br />

Oberflächen. Die<br />

erwünschten glatten und resistenten<br />

Oberflächen von Folien- und Platten<strong>aus</strong>kleidungen<br />

lassen sich bei Epoxidharzsystemen<br />

mit den Vorteilen von<br />

Bild 1. Schäden an Beschichtung und Bewehrung.<br />

Bild 2. Oberflächenprofil nach Höchstdruckwasserstrahlen.<br />

Vollverbundsystemen (keine Hinterläufigkeit,<br />

Untergrund- und Oberflächenschutz<br />

im System enthalten<br />

und kontrollierbar) kombinieren. Die<br />

niedrige Eigenspannung durch die<br />

insgesamt geringe Gesamtschichtstärke,<br />

den Mehrschichtaufbau und<br />

den im Gelzustand abgebauten Reaktionsschrumpf<br />

ermöglicht technisch<br />

den Einsatz dieser Systeme<br />

auch bei grenzwertigen Untergrundqualitäten.<br />

Uneingeschränkte Modellierfähigkeit<br />

und Haftung auf unterschiedlichsten<br />

Materialien wie Beton, Stahl,<br />

<strong>Edelstahl</strong>, Aluminium und Kunststoffen<br />

bedingen ideale Anschlussmöglichkeiten<br />

bei Einbauten <strong>aus</strong> anderen<br />

Materialien und optimale Überarbeitungseigenschaften<br />

bestehender Beschichtungen<br />

z. B. bei baulichen Veränderungen.<br />

Dauerhafter und umfassender<br />

Schutz des Unter grundes<br />

und der Bewehrung vor den physikalischen<br />

und chemischen Einwirkungen,<br />

die sich <strong>aus</strong> den unterschiedlichen<br />

Betriebsbedingungen ergeben,<br />

komplettieren die posi tiven Eigenschaften<br />

dieser Systeme.<br />

In den letzten Jahrzehnten der<br />

Anwendung wurden Erfahrungen<br />

gesammelt, die in Vorgaben für die<br />

technischen Anforderungen an die<br />

Materialien (W 300-5), die Verarbeitung<br />

der Systeme (W 316) und die<br />

Entwicklung neuer Systeme für den<br />

Trinkwasserbereich eingeflossen sind.<br />

Mittlerweile existieren Systeme,<br />

die eine deutlich höhere Toleranz<br />

gegenüber ungünstigen Untergrundund<br />

Verarbeitungsbedingungen zeigen.<br />

Bereits die älteren lösemittelfreien<br />

Systeme, die von der Fa.<br />

Vorrink seit Ende der 1970er-Jahre<br />

entwickelt und eingesetzt wurden,<br />

zeigen die technischen Vorteile und<br />

die Dauerhaftigkeit dieser Materialklasse,<br />

die sie zu einem weitverbreiteten<br />

Material für höchste<br />

Ansprüche gemacht haben. Am<br />

Beispiel eines Projektes <strong>aus</strong> dem<br />

Jahr 1998 sollen die wesentlichen<br />

Entscheidungsprozesse aufgezeigt<br />

werden, die einen Kunden aufgrund<br />

der erzielten Ergebnisse trotz<br />

anfänglicher Vorbehalte von den<br />

Vorteilen der Epoxidharz<strong>aus</strong>kleidung<br />

überzeugten.<br />

Langzeiterfahrungen am<br />

Praxisbeispiel<br />

Die <strong>Wasser</strong>speicher des <strong>Wasser</strong>verbandes<br />

Garbsen-Neustadt a.<br />

Rbge. in Garbsen (WVGN) wurden<br />

1964/1965 erstellt und 1967 nach<br />

dem Auftreten massiver Korrosionsprobleme<br />

aufgrund mangelnder<br />

Betonüberdeckung im Boden- und<br />

Deckenbereich (1100 m²/Behälter)<br />

mit einer ca. 0,5 mm dicken Chlorkautschukbeschichtung<br />

<strong>aus</strong>gestattet.<br />

Die Wandflächen (1000 m²/Behälter)<br />

erhielten eine Kunstharzspachtelung<br />

in einer mittleren Schichtstärke von<br />

ca. 5 mm und eine anschließende<br />

Chlorkautschukbeschichtung. Nach<br />

30 Jahren Betriebszeit zeigte die<br />

Chlorkautschukbeschichtung im Boden<br />

und Deckenbereich zunehmend<br />

Fehlstellen und im Wandbereich<br />

traten teilweise die alten Bewehrungsschäden<br />

erneut auf, weil die<br />

Beschichtung partiell nicht dicht<br />

genug aufgebracht war (Bild 1).<br />

Der WVGN stellte intern den<br />

Sanierungsbedarf fest und beauftragte<br />

das „Ingenieurbüro für Technik“,<br />

ergebnisoffen zu untersuchen,<br />

mit welchem System die hygienischen<br />

und bautechnischen Ziele<br />

einer dauerhaften und pflegeleichten<br />

trinkwasserberührten Oberfläche<br />

wirtschaftlich zu realisieren sind.<br />

Entscheidungsfindung<br />

Neben dem optischen Eindruck und<br />

der technischen Beurteilung der<br />

vorhandenen Situation ist die Bewertung<br />

der Oberfläche, wie sie<br />

nach der Untergrundvorbehandlung<br />

vorliegen wird, maßgeblich für<br />

eine fundierte Systementscheidung.<br />

Juli/August 2014<br />

816 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


<strong>Trinkwasserbehälter</strong> | FOKUS |<br />

Aus diesem Grunde entschieden sich<br />

AG und Planer für Strahlversuche im<br />

Vorfeld.<br />

Strahlversuche<br />

Zur Ermittlung des geeigneten<br />

Entschichtungs- und Untergrundvorbehandlungsverfahrens<br />

wurden<br />

Vorversuche mit Hochdruckwasserstrahlen<br />

bei ca. 1900 bar und<br />

Trocken-Granulat-Strahlen durchgeführt.<br />

Die Entfernung der vergleichsweise<br />

dicken Chlorkautschuk- und<br />

Kunstharzbeschichtung mit dem<br />

Hochdruckwasserstrahlverfahren<br />

führte zu einem großen Materialabtrag<br />

und einer stark strukturierten<br />

Oberfläche, bei der erhebliche Reste<br />

der Altbeschichtung auf dem Untergrund<br />

verblieben (Bild 2 und 3). Im<br />

Vergleich dazu konnte die Beschichtung<br />

durch das Festkörperstrahlen<br />

nahezu komplett entfernt werden,<br />

der Untergrund wurde erheblich<br />

weniger geschädigt und wies eine<br />

relativ ebene Oberflächenstruktur<br />

auf (Bild 4), die als Folge der vorhandenen<br />

Betonqualität aber in vielen<br />

Bereichen Kavernen und Kiesnester<br />

zeigte. Die erzielten Oberflächenhaftzugfestigkeiten<br />

lagen stellenweise<br />

mit Werten um 1 N/mm² unterhalb<br />

der gewünschten 1,5 N/mm²<br />

(Bild 5). Für den nachfolgenden<br />

Aufbau ist bei dieser Ausgangslage<br />

ein spannungsarmes System vorteilhaft.<br />

Aus den Strahlrückständen der<br />

Versuche wurden die Zusammensetzung<br />

der Abfälle und die zu erwartenden<br />

Abfallmengen ermittelt.<br />

1. Hochdruckwasserstrahlen<br />

mit Trinkwasser<br />

– 600 m³ Strahlabwasser<br />

– 1 to Strahlschlamm (Deckenund<br />

Bodenflächen)<br />

– 10 to Strahlschlamm<br />

(Wand flächen)<br />

ca. 1 : 1 Beschichtungsund<br />

Untergrundanteil<br />

2. Trocken-Granulat-Strahlen mit<br />

Hochofenschlacke<br />

– ca. 11 to Strahlabfall (Deckenund<br />

Bodenflächen)<br />

Bild 3. Ergebnis der Strahlversuche,<br />

links Granulatstrahlen, rechts<br />

Höchst druckwasserstrahlen.<br />

Bild 5. Haftzugprobe des ursprünglichen<br />

Untergrundes mit Lunkern.<br />

Die <strong>aus</strong>gelösten Kiesel und die<br />

Färbung deuten auf einen<br />

chwachen Untergrund hin.<br />

– ca. 110 to Strahlabfall<br />

(Wandflächen)<br />

930 : 45 : 25 = Strahlmittel :<br />

Beschichtung : Beton<br />

Die Rückstände enthielten EOX-,<br />

BTX- und PCB-Anteile <strong>aus</strong> den alten<br />

Beschichtungen und waren als Sondermüll<br />

zu entsorgen.<br />

Vor diesem Hintergrund wurden<br />

sowohl Angebote zur Ausführung<br />

mit mineralischen Auskleidungssystemen<br />

als auch auf Basis von Epoxidharzbeschichtungen<br />

eingeholt.<br />

Aufgrund des höheren Bekanntheitsgrades<br />

bestanden zu Beginn Präferenzen<br />

für mineralische Systeme,<br />

um das Ziel einer dauerhaften und<br />

hygienischen Trinkwasseroberfläche<br />

effizient zu erreichen.<br />

Nach Abwägung aller Aspekte fiel<br />

die Entscheidung für das Trinkwasserepoxidharzsystem<br />

der Fa. Vorrink.<br />

Die <strong>aus</strong>schlaggebenden Kriterien<br />

waren der niedrigere Preis im Gesamtpaket,<br />

die Abdichtungsfunktion<br />

Bild 4. Oberfläche nach Granulatstrahlen.<br />

Bild 6. Aufbau des Beschichtungssystems<br />

mit Beschichtung der<br />

Bewehrung, Untergrund primer,<br />

Mörtel, zwei Spachtelungen und<br />

der Deckbeschichtung.<br />

von Epoxidharz gegenüber Altbeschichtungsresten<br />

auf dem Untergrund,<br />

die geringe Eigenspannung<br />

des Systems und die überzeugende<br />

Oberflächenqualität. Unter dem Gesichtspunkt<br />

der Nachhaltigkeit punkten<br />

die Epoxidharzbeschichtungen<br />

durch den deutlich gerin geren<br />

Materialeinsatz, die hohe Dauerhaftigkeit,<br />

die unproblema tische und<br />

schnelle Instandsetzung bei zukünftigen<br />

baulichen Modifizierungen,<br />

▶ ▶<br />

Bild 7. Heißspritzarbeiten auf 2-fach gespachteltem<br />

Untergrund.<br />

Juli/August 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 817


| FOKUS<br />

|<br />

<strong>Trinkwasserbehälter</strong><br />

Bild 8. Die Beschichtung zeigt nicht mehr Ablagerungen<br />

als der inerte <strong>Edelstahl</strong>. Zustand nach 16 jähriger<br />

Betriebszeit und 1,5 Jahre nach der letzten Reinigung.<br />

Bild 9. Modellierbarkeit und Anschluss an<br />

verschiedene Materialien.<br />

Bild 10. Helle<br />

gleichmäßige<br />

Färbung<br />

ermöglicht gute<br />

Kontrolle von<br />

Ablagerungen.<br />

Zustand nach<br />

16 jähriger<br />

Betriebszeit<br />

und 1,5 Jahre<br />

nach der<br />

letzten<br />

Reinigung.<br />

Bild 11. Zustand nach 19 Jahren Betriebszeit in<br />

einem <strong>Wasser</strong>turm. Links oben Anlagerungen an<br />

ein <strong>Edelstahl</strong>rohr. Darunter beschichtetes Eisenrohr<br />

mit nur leichten Anlagerungen, die wie in der<br />

Rinne angedeutet einfach zu entfernen sind.<br />

die niedrigen Folgekosten durch<br />

effektiv und sicher durchzuführende<br />

Reinigungen sowie die Unbedenklichkeit<br />

der eingesetzten Materialien.<br />

Heute zugelassene organische Beschichtungen<br />

dürfen nur <strong>aus</strong> toxikologisch<br />

positiv bewerteten Zusatzstoffen<br />

bestehen und müssen<br />

sehr umfangreiche Migrationsuntersuchungen<br />

mit niedrigen Grenzwerten<br />

bestanden haben, sodass<br />

diese Systeme sehr gut kontrolliert<br />

und damit zukunftssicher sind.<br />

Ausführung<br />

Die Untergründe wurden mit Festkörperstrahlen<br />

vorbereitet und zeigten<br />

nach dem Strahlen Kavernen<br />

und Kiesnester bis zu 5 cm Tiefe,<br />

teilweise wurde der Bewehrungsstahl<br />

freigelegt. Die Menge der tatsächlich<br />

angefallenen Strahlabfälle<br />

lag geringfügig unterhalb der angenommenen<br />

Mengen. Alle verwendeten<br />

Materialien stammen <strong>aus</strong><br />

dem abgeprüften Trinkwasser<strong>aus</strong>kleidungssystem.<br />

Die Bewehrungsstähle<br />

wurden mit Epoxidharz beschichtet<br />

und die Vertiefungen<br />

nach Primern des Untergrundes<br />

mit Mörtel/Spachtel <strong>aus</strong> dem Trinkwassersystem<br />

verschlossen. Anschließend<br />

erfolgte eine zweimalige<br />

Spachtelung der Gesamtfläche mit<br />

Epoxidharzspachtel, auf die dann<br />

eine Deckbeschichtung im Heißspritzverfahren<br />

aufgebracht wurde<br />

(Bild 6 und 7).<br />

Ergebnis<br />

Im Verlauf der nachfolgenden Jahre<br />

erfüllte die Beschichtung alle in sie<br />

gesetzten Erwartungen. Es gibt bis<br />

heute keine hygienischen Probleme<br />

und der Eisen-Mangan-Niederschlag<br />

auf der Oberfläche ist nicht höher<br />

als auf den <strong>Edelstahl</strong>einbauten<br />

(Bild 8). Der Anschluss an verschiedene<br />

Materialien gestaltete sich<br />

unproblematisch und die helle und<br />

gleichmäßige Färbung ermöglicht<br />

eine einfache Kontrolle von Ablagerungen<br />

(Bild 9 und 10).<br />

Nach mittlerweile 16 Jahren Betriebszeit<br />

sieht die Beschichtung<br />

<strong>aus</strong> wie neu. Sie ist sehr einfach zu<br />

reinigen und es ergaben sich keine<br />

Veränderungen in der Oberfläche.<br />

Die gleichen Erfahrungen wurden<br />

bei zahlreichen anderen Projekten<br />

mit anderen Trinkwassersystemen<br />

der Fa. Vorrink gemacht (Bild 11).<br />

Beschichtung Neubau<br />

In den folgenden Jahren wurden<br />

weitere Alt- und Neubehälter des<br />

WVGN ebenfalls mit Epoxidharz beschichtet.<br />

Die Argumentation für die Entscheidung<br />

des Verbandes, auch neu<br />

erstellte Behälter zu beschichten,<br />

gründet sich zum einen auf die positiven<br />

praktischen Erfahrungen mit<br />

der Epoxidharzoberfläche und zum<br />

anderen auf den Fakt, dass das<br />

Ziel, eine porendichte Oberfläche in<br />

Betonbauweise zu erstellen, in der<br />

Praxis oft hinter den theoretischen<br />

Erwartungen zurückbleibt. Bei dem<br />

Neubauprojekt „Erneuerung des<br />

<strong>Trinkwasserbehälter</strong>s des <strong>Wasser</strong>werkes<br />

Forst Esloh des <strong>Wasser</strong>verbandes<br />

Garbsen-Neustadt a. Rbge.“<br />

(Bild 12) wurde im Zuge der Betonierarbeiten<br />

eine Musterbetonwand<br />

(Bild 13) mit unterschiedlichen<br />

Schalungen erstellt, um die real<br />

erzielbaren Oberflächenqualitäten<br />

zu beurteilen. Es wurden folgende<br />

Schalungen eingesetzt:<br />

••<br />

glatte, nicht saugende Schalung<br />

(Beton gut und weniger gut<br />

verdichtet)<br />

••<br />

Entwässerungsspannbahn<br />

••<br />

saugende Glattholzschalung<br />

Nach dem Ausschalen waren folgende<br />

Ergebnisse zu beobachten:<br />

Die Oberflächen der glatten, nicht<br />

saugenden Schalung zeigten in den<br />

Abschnitten mit mangelnder Verdichtung<br />

große Lunker und Fehlstellen.<br />

Bei sorgfältiger Verdichtung<br />

konnte man gelegentliche Lunker und<br />

viele kleine Poren an der Oberfläche<br />

beobachten (Bild 14). Die Flächen<br />

der Entwässerungsspannbahn hatten<br />

optisch eine gute Qualität, ganz vereinzelt<br />

waren Lunker und Poren zu<br />

erkennen. Die saugende Glattholzschalung<br />

zeigte eine porige, jedoch<br />

fast lunkerfreie Oberfläche (Bild 15).<br />

Juli/August 2014<br />

818 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


<strong>Trinkwasserbehälter</strong> | FOKUS |<br />

Die erzielte Oberflächenqualität<br />

ist neben den eingesetzten Schalungsmaterialien<br />

abhängig von<br />

Verarbeitungsparametern und der<br />

spezifischen Einb<strong>aus</strong>ituation vor<br />

Ort (Dichte der Bewehrung, Betonrezeptur,<br />

Transportbedingungen,<br />

Verdichtung u. a.). Unabhängig vom<br />

anschließend aufgebrachten Vollverbund<strong>aus</strong>kleidungssystem<br />

muss der<br />

Untergrund von der anhaftenden<br />

Zementschlämme befreit werden.<br />

Die Beurteilung der gestrahlten<br />

Oberflächen ergab folgendes<br />

Ergebnis:<br />

Die glatte, nichtsaugende Schalung<br />

zeigte Lunker und Poren. Die<br />

mit Entwässerungsspannbahn erzeugten<br />

Oberflächen zeigten unter<br />

der ursprünglich geschlossenen<br />

Oberfläche vermehrt Lunker und<br />

Poren und die Oberfläche ist<br />

deutlich rau. Die saugende Glattholzverschalung<br />

führte zu einem<br />

gut geeigneten Untergrund für<br />

eine anschließende Beschichtung<br />

mit wenigen Poren, gleichmäßig<br />

rauer Oberfläche und ohne starke<br />

Abweichungen in der Struktur<br />

(Bild 14).<br />

Neben den Überlegungen und<br />

Ergebnissen zu den morphologischen<br />

und betontechnischen Eigenschaften<br />

der Betonoberfläche spielten<br />

auch grundsätzliche Betrachtungen<br />

zur Hygiene der B<strong>aus</strong>toffe eine Rolle.<br />

Wenn die geschalte Betonoberfläche<br />

für den direkten Kontakt mit dem<br />

Trinkwasser vorgesehen ist, muss<br />

die komplette Betonmasse zwangsläufig<br />

in einer trinkwassertauglichen<br />

Qualität erstellt werden. Sicherzustellen,<br />

dass unter realistischen<br />

Bedingungen angefangen vom Waschen<br />

des Kieses, das idealerweise<br />

mit Trinkwasser passieren sollte, über<br />

die verwendeten Brennmaterialien<br />

beim Brennen des Zementes bis hin<br />

zu Einflüssen von Schalung, Schalungshilfsmitteln<br />

und Nachbehandlungseinflüssen<br />

die hygienische<br />

Kette nicht unterbrochen wird, ist<br />

schwierig. Wo kann ggf. ein Bruch in<br />

dieser Kette akzeptiert werden?<br />

Eine Auskleidung mit Materialien,<br />

deren Trinkwassertauglichkeit nachgewiesen<br />

ist, mindert die Relevanz<br />

dieser Überlegungen.<br />

Regelung und Materialentwicklung<br />

In naher Zukunft wird die überarbeitete<br />

Version vom W 300 und<br />

vom W 316 in Kraft treten. Im W 300<br />

werden im Teil 4 (Ausführungsgrenzen)<br />

und im Teil 5 die technischen<br />

An forderungen an die Typprüfung<br />

der Materialien festgelegt.<br />

Unter anderem werden die Produkte<br />

unter den Mindestverarbeitungs-<br />

und Aushärtebedingungen<br />

geprüft und müssen unter diesen<br />

Vor<strong>aus</strong>setzungen die entsprechenden<br />

Anforderungen bestehen. Im<br />

W 316 sind die organisatorischen<br />

und personellen Anforderungen an<br />

die Planer und <strong>aus</strong>führenden Fachbetriebe<br />

festgelegt. Ziel der Regeländerungen<br />

ist es, die am Markt<br />

bereits etablierten Systeme in das<br />

Regelwerk einzuführen und harmonisierte<br />

Standards für Materialien<br />

und deren Verarbeitung zu schaffen.<br />

Durch die Zusammenführung<br />

von Materialanforderungen nicht<br />

nur in hygienischer, sondern auch<br />

in technischer Hinsicht sowie Regelungen<br />

für Planung und Verarbeitung<br />

wird ein hohes und<br />

sicheres Ausführungsniveau für die<br />

unterschiedlichen Systeme erzielt.<br />

Damit wird ein Stand der Technik<br />

definiert, der sowohl dem Auftraggeber<br />

die Unsicherheit bezüglich<br />

der Auswahl geeigneter Systeme<br />

nimmt als auch die Auswahl<br />

geeigneter Planer und Fachunternehmen<br />

erleichtert.<br />

Kontakt<br />

Dr. Ludger Boonk,<br />

Vorrink Stahl- und Betonschutz GmbH & Co. KG,<br />

Marschallstraße 6, D-48599 Gronau,<br />

Tel. (02562) 7007-32,<br />

E-Mail: boonk@vorrink.de,<br />

www.vorrink.de<br />

Dipl. Ing. Volker Cseke,<br />

Ingenieurbüro für Technik GbR,<br />

Denecken Heide 9,<br />

D-30900 Wedemark,<br />

Tel. (05130) 6078-0<br />

Bild 12. Neubau des <strong>Trinkwasserbehälter</strong>s des <strong>Wasser</strong>werkes<br />

Forst Esloh des <strong>Wasser</strong>verbandes Garbsen<br />

Neustadt a. Rbge.<br />

Bild 13. Musterwand beim Strahlversuch.<br />

Bild 14. Oberfläche mit glatter, nicht saugender<br />

Schalung vor dem Strahlen.<br />

Bild 15. Oberfläche mit saugender Glattholzschalung<br />

nach dem Strahlen. Vorteil des Festkörperstrahlens:<br />

Kiesel werden mit angeraut.<br />

Juli/August 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 819


| NACHRICHTEN<br />

|<br />

Branche<br />

Fachleute t<strong>aus</strong>chen Erfahrungen zum<br />

Rohrvortrieb <strong>aus</strong><br />

Auch in diesem Frühjahr traf<br />

sich die Fachbranche beim<br />

Nürnberger Informations- und Erfahrungs<strong>aus</strong>t<strong>aus</strong>ch.<br />

Vertreter von Kommunalen<br />

Auftraggebern, Ingenieurbüros,<br />

Rohrvortriebsunternehmen,<br />

aber auch von Rohr- bzw. Vortriebsmaschinenhersteller<br />

diskutierten dort<br />

aktuelle Entwicklungen zu Regelwerken,<br />

technische Neuerungen<br />

und aktuelle Vortriebsthemen. Bei<br />

der mittlerweile 9. Auflage der gemeinsamen<br />

Veranstaltung der Kooperationspartner<br />

TÜV Rheinland<br />

LGA Bautechnik GmbH und Güteschutz<br />

Kanalbau e. V. referierten<br />

Fachleute in vier Themenblöcken<br />

über „Neue Regelwerke und Entwicklungen<br />

– Berechnungsgrundlagen“<br />

(Themenblock 1), „Qualitätssicherung<br />

bei Rohrvortriebsmaßnahmen“ (Themenblock<br />

2) sowie über Grundlagen<br />

für die Vortriebspraxis – Planung, Ausschreibung,<br />

Überwachung und Vortriebssystem“<br />

(Themenblock 3). Mit<br />

dem Themenblock 4 „Praxisberichte<br />

und ein Ausblick auf neue Themenfelder“<br />

endete die Veranstaltung.<br />

Eine begleitende Ausstellung der<br />

beteiligten Industrie gab Auftraggebern<br />

und Fachfirmen die Gelegenheit,<br />

den Erfahrungs<strong>aus</strong>t<strong>aus</strong>ch zu<br />

intensivieren und das berufliche<br />

Netzwerk zu pflegen.<br />

Der Erfolg von Vortriebsmaßnahmen<br />

hängt maßgeblich von der<br />

Qualifizierung von Auftraggebern,<br />

Planern und <strong>aus</strong>führenden Unternehmen<br />

ab. „Entscheidend ist, ob<br />

auf der B<strong>aus</strong>telle umgesetzt wird,<br />

was Statiker und Planer vorgeben“,<br />

erläutert Dipl.-Ing. Stephan Tolkmitt,<br />

einer der vom Güte<strong>aus</strong>schuss der<br />

Gütegemeinschaft Kanalbau beauftragten<br />

Prüfingenieure. In seinem<br />

Vortrag über „Herstellung und Rückbau<br />

von Start- und Zielbaugruben<br />

bei Vortriebsmaßnahmen“ stellte er<br />

anhand von Beispielen <strong>aus</strong> der Praxis<br />

anschaulich dar, dass sowohl bei<br />

der Planung und Ausschreibung als<br />

Technik und Qualifikation sind wichtige B<strong>aus</strong>teine für den Erfolg einer<br />

Vortriebsmaßnahme. © Güteschutz Kanalbau<br />

auch bei der baupraktischen Ausführung<br />

Fehler passieren können,<br />

die Mensch und Bauwerk in Gefahr<br />

bringen und – unter dem Strich das<br />

gewünschte Ausführungsergebnis<br />

gefährden.<br />

Erfolgsfaktor Qualifikation<br />

„Mit Blick auf dauerhaft intakte und<br />

dichte Kanäle und damit ein nachhaltiges<br />

Ausführungsergebnis ist<br />

eine zuverlässige Qualitätssicherung<br />

deshalb besonders wichtig“,<br />

so Tolkmitt. Auftraggeber berücksichtigen<br />

dies insbesondere durch<br />

Sicherstellung der Qualifikation der<br />

<strong>aus</strong>führenden Unternehmen. Dazu<br />

haben sie als gemeinsames Instrument<br />

die Gütegemeinschaft Kanalbau<br />

geschaffen. In den Güte- und<br />

Prüfbestimmungen RAL-GZ 961 finden<br />

sich detaillierte Anforderungen<br />

an die Fachkunde, technische<br />

Leistungsfähigkeit und technische<br />

Zuverlässigkeit der Bieter sowie<br />

die Dokumentation der Eigenüberwachung<br />

im Rohrvortrieb.<br />

Natürlich finden sich detaillierte<br />

Vorgaben in den einschlägigen<br />

Regelwerken, auf die Prüfingenieur<br />

Tolkmitt in seinem Vortrag exemplarisch<br />

einging. So zum Beispiel im<br />

Arbeitsblatt DWA-A 125 „Rohrvortrieb<br />

und verwandte Verfahren“. Das<br />

Arbeitsblatt weist explizit darauf<br />

hin, dass Rohrvortriebe zu den<br />

schwierigen Bauverfahren zählen,<br />

für deren Planung, Ausschreibung<br />

und Vergabe besondere technische<br />

und vertragliche Kenntnisse sowie<br />

umfangreiche Erfahrung vor<strong>aus</strong>gesetzt<br />

werden müssen. Mit der<br />

Durchführung dieser Aufgaben sollten<br />

entsprechend qualifizierte Ingenieure<br />

betraut werden. Es wird<br />

empfohlen, einen fachkundigen<br />

Gutachter für die Auswahl des<br />

Vortriebsverfahrens hinzuzuziehen<br />

[DWA-A 125:2008-12, Kapitel 7.1,<br />

Grundlagenermittlung, Entwurfs- und<br />

Ausführungsplanung, Ausschreibung<br />

und Vergabe]. Kapitel 7.2.2 geht<br />

speziell auf die Start-, Zwischenund<br />

Zielgruben ein. So müssen<br />

Baugruben unter Beachtung der<br />

DIN 4124 errichtet und <strong>aus</strong>gerüstet<br />

werden und bei der Konstruktion<br />

und Ausführung der Start-, Zwischen-<br />

und Zielgruben muss die<br />

spätere Nutzung berücksichtigt<br />

Juli/August 2014<br />

820 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Anzeige Hygiene_Layout 1 16.07.14 13:35 Seite 1<br />

Branche | NACHRICHTEN |<br />

werden. Insbesondere müssen<br />

Baugruben in allen Bauphasen mit<br />

geeigneten Zugängen sowie Absturzsicherungen<br />

versehen werden.<br />

In DIN 4124:2012-01 „Baugruben<br />

und Gräben, Böschungen, Verbau,<br />

Arbeitsraumbreiten“ ist festgelegt,<br />

was beim Aushub von Baugruben<br />

und Gräben zu beachten ist. So sind<br />

Baugruben und Gräben so abzuböschen,<br />

zu verbauen oder anderweitig<br />

zu sichern, dass sie während der<br />

einzelnen Bauzustände standsicher<br />

sind; weiterhin sind alle Gegebenheiten<br />

und Einflüsse zu berücksichtigen,<br />

welche die Standsicherheit<br />

der Baugruben- bzw. Grabenwände<br />

beeinträchtigen können. Und es ist<br />

darauf zu achten, dass Standsicherheit<br />

und Gebrauchstauglichkeit von<br />

benachbarten Gebäuden, Leitungen,<br />

anderen baulichen Anlagen oder<br />

Verkehrsflächen nicht beeinträchtigt<br />

werden. Des Weiteren werden<br />

im oben genannten DWA-Arbeitsblatt<br />

125 „Ein- und Ausfahrvorgänge“<br />

(Kapitel 7.2.3) und die statische<br />

Berechnung von Vortriebsrohren<br />

und Baugruben (Kapitel 7.2.4) abgehandelt.<br />

Tolkmitt und die anderen vom<br />

Güte<strong>aus</strong>schuss der Gütegemeinschaft<br />

beauftragten Prüfingenieure<br />

prüfen die Umsetzung solcher<br />

Regelungen bei unangemeldeten<br />

B<strong>aus</strong>tellenbesuchen und halten das<br />

Ergebnis in einem Prüfbericht fest.<br />

Dieser Prüfbericht wird dann dem<br />

Güte<strong>aus</strong>schuss zur Bewertung vorgelegt.<br />

Bei festgestellten und dokumentierten<br />

Mängeln steht dem<br />

Güte<strong>aus</strong>schuss ein abgestuftes System<br />

von Ahndungen zur Verfügung.<br />

Die B<strong>aus</strong>tellenbesuche der Prüfingenieure<br />

tragen zum gemeinsamen<br />

Ziel der fachgerechten Ausführung<br />

bei, doch sie ersetzen nicht die Bauüberwachung.<br />

Tolkmitt verweist in<br />

diesem Zusammenhang auf deren<br />

Bedeutung, die im Verantwortungsbereich<br />

von Auftraggeber und Planer<br />

liegt. „Planer und Bauüberwacher<br />

haben unter anderem dafür Sorge<br />

zu tragen, dass geeignete Bauverfahren<br />

nach den Regeln der Technik<br />

ein- und während der Ausführung<br />

umgesetzt werden“, stellt der Prüfingenieur<br />

der Gütegemeinschaft klar.<br />

Vor diesem Hintergrund wurde<br />

auf Initiative der Mitgliederversammlung<br />

der Gütegemeinschaft<br />

Kanalbau ein zusätzlicher B<strong>aus</strong>tein<br />

zur Qualitätssicherung – Ausschreibung<br />

und Bauüberwachung – geschaffen:<br />

Es wurden in die Güte- und<br />

Prüfbestimmungen Anforderungen<br />

aufgenommen für Ingenieurleistung<br />

im Bereich Ausschreibung (A) und<br />

Bauüberwachung (B) beim grabenlosen<br />

Einbau (V) von <strong>Abwasser</strong>leitungen<br />

und -kanälen (Beurteilungsgruppe<br />

ABV). Entsprechende<br />

Gruppen existieren auch für den<br />

Kanalbau in offener Bauweise<br />

(ABAK) und die grabenlose Sanierung<br />

(ABS). Instrumente wie diese<br />

können die Vergabe entsprechender<br />

Aufträge an in diesem Bereich<br />

besonders kompetente Ingenieurbüros<br />

vereinfachen.<br />

Zusätzliche Hilfestellung bieten<br />

die von der Gütegemeinschaft angebotenen<br />

Unterlagen „Rohrvortrieb<br />

– Herstellung von <strong>Abwasser</strong>leitungen<br />

und -kanälen in grabenloser Bauweise“,<br />

„Leitfäden zur Eigenüberwachung<br />

bei Ausschreibung und<br />

Bauüberwachung“ und „Leitfäden<br />

zur Eigenüberwachung bei der Ausführung<br />

von Rohrvortriebsarbeiten<br />

(unterschieden nach Beurteilungsgruppen<br />

VP, VM/VMD, VO/VOD). Vor<br />

allem bei der Dokumentation der<br />

Eigenüberwachung bieten die Leitfäden<br />

eine hervorragende Arbeitsgrundlage.<br />

Kontakt:<br />

RAL-Gütegemeinschaft<br />

Güteschutz Kanalbau,<br />

Postfach 1369,<br />

D-53583 Bad Honnef,<br />

Tel. (02224) 9384-0,<br />

Fax (02224) 9384-84,<br />

E-Mail: info@kanalbau.com,<br />

http://www.kanalbau.com<br />

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Trinkwasser kann beim<br />

Speichern beeinträchtigt werden.<br />

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wirtschaftliche Lösungen und<br />

liefern standardisierte Bauteile,<br />

die das verhindern.<br />

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Juli/August 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 821<br />

WASTE WATER Solutions


| NACHRICHTEN<br />

|<br />

Branche<br />

Europäische Gewässer stärker durch Chemikalien<br />

belastet als bislang angenommen<br />

Großflächige Studie zeigt: Ökologische Ziele der <strong>Wasser</strong>rahmenrichtlinie werden<br />

vermutlich verfehlt<br />

Die Gewässerqualität bis 2015 deutlich zu verbessern, das haben sich die EU-Mitgliedsstaaten nicht zuletzt<br />

durch die <strong>Wasser</strong>rahmenrichtlinie (WRRL) auf die Fahnen geschrieben. Wie eine aktuelle Studie des Instituts für<br />

Umweltwissenschaften Landau und des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) mit Kollegen <strong>aus</strong><br />

Frankreich (Universität Lorraine und EDF) und der Schweiz (EAWAG) zeigt, wird dieses Ziel aufgrund starker<br />

Schadstoffeinträge wohl nicht erreicht werden. Ein Grund: Aktuelle Maßnahmen zur Verbesserung der Gewässerqualität<br />

berücksichtigen Chemikalieneinträge nur unzureichend. Dabei sind die ökologischen Risiken durch<br />

Chemikalien wesentlich höher als bislang angenommen, wie die Studie erstmals auf europäischer Ebene belegt.<br />

Bislang gingen Umweltbehörden<br />

und Teile der Fachwelt davon<br />

<strong>aus</strong>, dass der Eintrag von Chemikalien<br />

eher ein lokales Problem in<br />

einigen Gewässern darstellt. Die<br />

aktuelle Untersuchung zeigt nun<br />

erstmals im großen Maßstab das<br />

ökologische Risiko durch Chemi -<br />

kalieneinträge für mehrere T<strong>aus</strong>end<br />

europäische Gewässer: Die chemische<br />

Belastung stellt für rund die<br />

Hälfte der europäischen Gewässer<br />

ein ökologisches Risiko dar. Bei<br />

rund 15 % könnten sogar akut<br />

toxische Effekte auf Gewässerorganismen<br />

auftreten.<br />

Reale Situation europäischer<br />

Gewässer vermutlich noch<br />

schlechter<br />

Untersucht haben die Wissenschaftler<br />

<strong>aus</strong> Landau und Leipzig mit den<br />

französischen und schweizerischen<br />

Kollegen EU-weite Überschreitungen<br />

von Risikoschwellen in den Einzugsgebieten<br />

großer Gewässer wie<br />

Donau und Rhein. Für diese Flussgebietseinheiten<br />

wurde berechnet, in<br />

welchem Maße die Risikoschwellen<br />

für die drei Organismengruppen<br />

Fische, Wirbellose und Algen/Primärproduzenten<br />

in den vergangenen<br />

Jahren überschritten wurden. Die<br />

analysierten Daten stammen <strong>aus</strong><br />

der behördlichen Überwachung. Die<br />

Probenabdeckung ist daher räumlich<br />

und zeitlich sehr unterschiedlich,<br />

sodass direkte Vergleiche zwischen<br />

den Ländern teilweise schwierig sind.<br />

Dass etwa Frankreichs Gewässerqualität<br />

laut der Studie am schlechtesten<br />

dasteht, liegt vermutlich daran,<br />

dass die Behörden dort über ein<br />

sehr engmaschiges Messnetz verfügen<br />

und viele Substanzen analysiert<br />

werden. In anderen Ländern werden<br />

Risiken durch unzureichende Überwachung<br />

dagegen gar nicht erkannt.<br />

„Generell haben wir in unserer Analyse<br />

das Risiko eher unter – als überschätzt“,<br />

so Studienleiter Jun.-Prof.<br />

Dr. Ralf B. Schäfer vom Institut für<br />

Umweltwissenschaften Landau. „Die<br />

reale Situation der europäischen<br />

Gewässer ist wahrscheinlich noch<br />

schlechter“.<br />

Der Eintrag der Chemikalien in<br />

die Gewässer erfolgt größtenteils<br />

durch die Landwirtschaft und städtische<br />

Kläranlagen. Pestizide stellen<br />

mit Abstand die stärkste Belastung<br />

für die Gewässer dar, allerdings treten<br />

auch Organozinnverbindungen,<br />

bromierte Flammschutzmittel und<br />

polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe,<br />

die <strong>aus</strong> Verbrennungsprozessen<br />

resultieren, in bedenklichen<br />

Konzentrationen auf. Aktuell<br />

fokussieren die EU-Vorgaben zur<br />

Gewässerqualität vor allem auf Einträge<br />

von sogenannten prioritären<br />

Stoffen, d. h. rund 40 Chemikalien,<br />

die als besonders gefährlich eingestuft<br />

wurden. „Glücklicherweise sind<br />

viele dieser prioritären Substanzen<br />

heute nicht mehr zugelassen und<br />

ihre Konzentrationen gehen vielerorts<br />

zurück. Das Problem ist aber,<br />

dass viele aktuell verwendete Chemikalien<br />

bei der Überwachung der<br />

Gewässer gar nicht berücksichtigt<br />

werden“, so Dr. Werner Brack vom<br />

Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung<br />

in Leipzig. Zudem zeigen<br />

neuere Erkenntnisse, dass die angenommenen<br />

Wirkschwellen für einige<br />

Stoffe zu hoch angesetzt sein<br />

könnten.<br />

Konkretere Rahmenvorgaben<br />

und Koordination<br />

unabdingbar<br />

Um der Vielfalt möglicherweise<br />

schädlicher Stoffe in der Umwelt<br />

gerecht zu werden, empfehlen die<br />

an der Studie beteiligten Wissenschaftler<br />

daher eine intelligente<br />

Verknüpfung von ökologischen,<br />

wirkungsbasierten und chemischen<br />

Scree ning-Methoden. Nur so kann<br />

mit vertret baren Kosten das ganze<br />

Spektrum an ökotoxikologisch relevanten<br />

Substanzen erfasst werden.<br />

„Gefährliche Stoffe können auch<br />

dann aufgespürt werden, wenn sie<br />

noch nicht auf die Prioritätenliste<br />

gesetzt wurden“, verdeutlicht Werner<br />

Brack. Allerdings zeigt die aktuelle<br />

Studie, dass auch auf Grundlage der<br />

heute bereits überwachten Stoffe<br />

Handlungsbedarf besteht. „Für die<br />

Praxis bedeutet das, dass sich auf<br />

allen Ebenen dringend etwas bewegen<br />

muss zum nachhaltigen Schutz<br />

der Gewässer“, so Schäfer. Das reicht<br />

von der generellen Vermeidung von<br />

Chemikalieneinträgen in Gewässer<br />

und dem Ersetzen von besonders<br />

problematischen Substanzen über<br />

die Verringerung der Ausbringung<br />

Juli/August 2014<br />

822 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Branche | NACHRICHTEN |<br />

von landwirtschaftlichen Chemikalien<br />

bis hin zur verbesserten Klärung von<br />

Abwässern. Die Forschergruppe ist<br />

sich einig: Es ist zu befürchten, dass<br />

die Ziele der <strong>Wasser</strong>rahmenrichtlinie<br />

aufgrund der massiven chemischen<br />

Belastung verfehlt werden,<br />

sollte sich an der aktuellen Situation<br />

nichts ändern. Längerfristig habe<br />

das auch Risiken für den Menschen<br />

zur Folge, wenn beispielsweise<br />

Funktionen des Ökosystems, wie<br />

die Selbstreinigungskraft des <strong>Wasser</strong>s,<br />

beeinträchtig werden.<br />

Die Studie:<br />

„Organic chemicals jeopardize the health of<br />

freshwater ecosystems on the continental<br />

scale“, Egina Malaj, Peter C. von der Ohe,<br />

Matthias Grote, Ralph Kühne, Cédric P. Mondy,<br />

Philippe Usseglio-Polatera, Werner Brack,<br />

Ralf B. Schäfer.<br />

Die Studie wurde am 16. Juni 2014 in der<br />

Fachzeitschrift Proceedings of the National<br />

Academy of Sciences (PNAS, Early Edition)<br />

zunächst online veröffentlicht und ist unter<br />

diesem Link abrufbar: http://www.pnas.org/<br />

cgi/doi/10.1073/pnas.1321082111<br />

Die Untersuchungen wurden gefördert von<br />

Electricité de France (EDF), der Französischen<br />

Nationalen Forschungsagentur (ANR) und der<br />

Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).<br />

Beteiligte Institutionen:<br />

Institut für Umweltwissenschaften Landau<br />

der Universität Koblenz-Landau, Helmholtz-<br />

Zentrum für Umweltforschung (UFZ),<br />

Electricité de France (EDF) in Frankreich,<br />

Universität Lorraine in Frankreich und EAWAG<br />

in der Schweiz.<br />

Weitere Informationen:<br />

Universität Koblenz-Landau,<br />

Institut für Umweltwissenschaften Landau,<br />

Jun.-Prof. Dr. Ralf B. Schäfer,<br />

Tel. (06341) 280-31536,<br />

E-Mail: schaefer-ralf@uni-landau.de<br />

Helmholtz-Zentrum für<br />

Umweltforschung (UFZ),<br />

Department Wirkungsorientierte Analytik,<br />

Dr. Werner Brack,<br />

Tel. (0341) 235-1531,<br />

http://www.ufz.de/index.php?de=17477<br />

Seminare für die Energie- und <strong>Wasser</strong>wirtschaft<br />

Technik der Trinkwasserversorgung für Kaufleute<br />

23. bis 24. September 2014, Düsseldorf<br />

In diesem Grundlagenseminar vermitteln wir Ihnen<br />

technisches Praxiswissen der Trinkwasserversorgung,<br />

damit Sie Ihre Kundengespräche sowie die Zusammenarbeit<br />

mit Ihren technischen Kollegen noch einfacher,<br />

professioneller und effizienter gestalten können!<br />

Unsere Fachleute erklären Ihnen u. a., wie Trinkwasser<br />

gewonnen, aufbereitet, verteilt und verwendet wird.<br />

Zudem erhalten Sie einen Überblick über die aktuellen<br />

rechtlichen Rahmenbedingungen sowie das technische<br />

Regelwerk für die öffentliche Trinkwasserversorgung.<br />

www.bdew-akademie.de<br />

Programmschwerpunkte<br />

» Rahmenbedingungen der öffentlichen<br />

<strong>Wasser</strong>versorgung<br />

» <strong>Wasser</strong>gewinnung und –aufbereitung<br />

» Trinkwasserverteilung<br />

» Trinkwasserinstallationen und<br />

Kundenanlagen<br />

» Gewässerschutz<br />

Kontakt<br />

Annkathrin Hohmann<br />

Telefon 0 69.710 46 87-346<br />

Telefax 0 69.710 46 87-9346<br />

annkathrin.hohmann@ew-online.de<br />

Organisation und Durchführung:<br />

EW Medien und Kongresse GmbH<br />

Kleyerstraße 88 | 60326 Frankfurt am Main<br />

Juli/August 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 823


| NACHRICHTEN<br />

|<br />

Branche<br />

EEG-Novelle: Kläranlagenbetreiber schlagen Alarm<br />

Kläranlagenbetreiber erklären: Die EEG-Novellierung führt durch die geplante Erhebung der EEG-Umlage auf<br />

Eigenstromnutzung in Kläranlagen zu Gebührenerhöhungen.<br />

In immer mehr Kläranlagen wird<br />

<strong>aus</strong> Klärgas Strom produziert und<br />

<strong>aus</strong> der bei der <strong>Abwasser</strong>reinigung<br />

entstehenden Wärme Strom erzeugt.<br />

Dieser Strom wiederum wird<br />

in den Kläranlagen sofort als Eigenstrom<br />

genutzt. Damit steigt die<br />

Energieeffizienz enorm und es muss<br />

weniger Strom für die <strong>Abwasser</strong>reinigung<br />

eingekauft werden. So<br />

konnten die <strong>Abwasser</strong>betriebe mit<br />

<strong>aus</strong>geklügelter Technik und effizienten<br />

Verfahren in den letzten Jahren<br />

trotz steigender Energiepreise und<br />

zusätzlicher Aufgaben für den Umweltschutz<br />

die Gebühren stabil halten.<br />

Gleichzeitig wurde Kohlendioxid<br />

eingespart. Das dient dem Klimaschutz<br />

und den Gebührenzahlern.<br />

Für diese Eigenstromerzeugung haben<br />

die Kläranlagenbetreiber keine<br />

Förderung nach dem Erneuerbare-<br />

Energien-Gesetz (EEG) erhalten.<br />

Nun sollen sie aber mit den Änderungen<br />

nach der EEG-Novelle auf<br />

den in den Kläranlagen erzeugten<br />

und <strong>aus</strong>schließlich dort genutzten<br />

Strom mit der EEG-Umlage belastet<br />

werden, damit der Strompreis<br />

davon entlastet wird. So wird eine<br />

Erhöhung der <strong>Abwasser</strong>gebühren<br />

vom Gesetzgeber bewirkt, die mit<br />

der <strong>Abwasser</strong>reinigung nichts zu<br />

tun hat. „Das ist das Prinzip von der<br />

linken Tasche in die rechte Tasche“,<br />

erklärte Christa Hecht, Geschäftsführerin<br />

der Allianz der öffentlichen<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaft (AöW) e. V. in Berlin.<br />

„Eine Entlastung ist das für die<br />

Stromkunden definitiv nicht, weil<br />

sich die EEG-Umlage versteckt wieder<br />

in der Gebühr findet“, so Hecht<br />

weiter. „Wir sind enttäuscht, dass<br />

die Bundesregierung die Beschlüsse<br />

des Bundesrates, der das auch bemängelt<br />

hatte, vom Tisch gewischt<br />

hat!“<br />

Die Allianz der öffentlichen<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaft fordert daher,<br />

die Erzeugung von Strom für den<br />

Eigenbedarf bei <strong>Abwasser</strong>anlagen<br />

von der EEG-Umlage freizustellen, sie<br />

aber mindestens den Kraftwerken<br />

diesbezüglich gleichzustellen.<br />

Weitere Informationen:<br />

www.aoew.de<br />

Online Auswahlprogramm von Xylem<br />

vereint alle Marken<br />

Das Online-Pumpen<strong>aus</strong>wahlprogramm<br />

Xylect wurde erweitert<br />

und beinhaltet nun alle Produktmarken<br />

von Xylem. Xylect ist eine<br />

umfassende Produktdatenbank mit<br />

Neue Startseite mit direktem Link<br />

zu allen Markenprodukten.<br />

verfeinerten Suchfunktionen, die<br />

den Kunden bei der Auswahl der<br />

richtigen Produkte unterstützt. Alle<br />

vorhandenen Produkte aller Marken<br />

wurden nun in einem einzigen<br />

System zusammengefasst, damit<br />

bietet das Auswahlprogramm alles<br />

<strong>aus</strong> einer Hand.<br />

Die Software vereint die Pumpen<strong>aus</strong>wahl<br />

von Marken wie Flygt,<br />

Lowara, Godwin, Goulds Water<br />

Technology und Vogelpumpen. Die<br />

Nutzer werden automatisch zu<br />

www.xylect.com weitergeleitet. Alle<br />

Konten und Projekte werden in das<br />

neue, alleinige System übertragen.<br />

Projekte, die bisher zusammen mit<br />

anderen Personen bearbeitet wurden,<br />

sind nach der Übertragung<br />

erneut mit diesen zu teilen. Eine<br />

Registrierung aller Personen, die gemeinsam<br />

an einem Projekt arbeiten,<br />

ist ebenfalls erforderlich.<br />

Für den Kunden bedeutet die<br />

Zusammenführung der Daten eine<br />

Verkürzung der Projektzeiten und<br />

eine bessere Entscheidungsgrundlage,<br />

da ihm alle erforderlichen<br />

Informationen vorliegen.<br />

Kontakt:<br />

Xylem Water Solutions Deutschland GmbH,<br />

Biebigheimer Straße 12,<br />

D-63762 Großostheim,<br />

Tel. (06026) 943-0, Fax (06026) 943-210,<br />

E-Mail: info.lowarade@xyleminc.com,<br />

www.lowara.de,<br />

www.xylemwatersolutions.com/de<br />

Juli/August 2014<br />

824 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Branche | NACHRICHTEN |<br />

Spitzenprojekte gesucht: jetzt<br />

bewerben für Leuchtturm 2015<br />

des Umweltclusters Bayern!<br />

Bayern ist spitze – vor allem Vorreiter im Bereich Umwelttechnologie. Besonders<br />

begeisternde Projekte mit Visionen, innovativen neuen Ideen und Produkte<br />

mit Potenzial werden vom Umweltcluster Bayern als Leuchtturmprojekte <strong>aus</strong>gezeichnet.<br />

Die neue Bewerbungsrunde für den Leuchtturm 2015 ist eröffnet<br />

– bis zum 30. September 2014 können sich bayerische Umwelttechnologie-<br />

Projekte mit Signalwirkung beim Cluster bewerben.<br />

Starke Unternehmen und Unternehmer<br />

mit Visionen haben der bayerischen<br />

Umwelttechnologie zu nationalem<br />

und internationalem Ansehen<br />

verholfen. Doch wird immer noch viel<br />

Potenzial verschenkt: leider werden<br />

viele innovative Ideen und Produkte<br />

nicht oder nur sehr spät öffentlich.<br />

Manchmal werden <strong>aus</strong> falscher Scheu<br />

Visionen und erste Ver suche nicht bekannt<br />

gemacht und in der Fachwelt<br />

nicht diskutiert. Wertvolle Impulse zur<br />

Weiterentwicklung werden so nicht<br />

genutzt – und so bleibt manche<br />

Innovation auf halbem Weg stecken.<br />

Um aufmerksam zu machen auf<br />

besondere Projekte, um für Ideendiskussionen<br />

Mut zu machen und<br />

um Innovationen bekannt zu machen,<br />

gibt es seit 2008 die Auszeichnung<br />

„Leuchtturm projekt des Umweltclusters<br />

Bayern.“ Die <strong>aus</strong>gezeichneten<br />

Projekte profitieren vom Marketing<br />

durch den Cluster (z. B. auf Messen und<br />

Veranstaltungen) und werden durch<br />

eigens erstellte Werbe materialien und<br />

Veröffentlichungen in Fach- und Printmedien<br />

bei der Öffent lichkeitsarbeit<br />

unterstützt.<br />

„Wir sind stolz darauf, Vorzeigeprojekte<br />

<strong>aus</strong> Bayern oder mit bayerischer<br />

Federführung mit unserem<br />

Umweltcluster Leuchtturm <strong>aus</strong>zuzeichnen“<br />

so Dr. Claudia Reusch, Geschäftsführerin.<br />

„Die Projekte pro fitieren<br />

von der öffentlichkeitswirk samen<br />

Auszeichnung und <strong>aus</strong>gezeichnete<br />

Ideen können mehrfach Verwendung<br />

finden. Zum einen mit Vorteilen wie<br />

reduziertem Planungsaufwand und<br />

geringeren Kosten durch Erfahrungs<strong>aus</strong>t<strong>aus</strong>ch<br />

und Übertragung von<br />

Technologieanwendungen auf andere<br />

Projekte. Aber auch andererseits mit<br />

Vorteilen für die Umwelt und die Gesellschaft<br />

– denn unsere Leuchtturmprojekte<br />

sind in jedem Bereich ein<br />

Gewinn. Wir zeichnen mit unserem<br />

Leuchtturm Projekte <strong>aus</strong>, die einen<br />

vorbildlichen Beitrag zur Entwicklung<br />

der Umwelttechnologie in Bayern<br />

leisten und national, wie auch international<br />

ein Zeichen setzen. Wir würden<br />

uns sehr freuen, wenn wir auch in<br />

diesem Jahr wieder zahlreiche Bewerbungen<br />

erhalten würden.“<br />

Bislang wurden folgende Projekte<br />

mit dem Leuchtturm des Umweltclusters<br />

Bayern <strong>aus</strong>gezeichnet: Kläranlage<br />

Markt Bad Abbach für die energetische<br />

Op timierung der Kläranlage (2014),<br />

Tropenh<strong>aus</strong> Klein Eden in Kleintettau<br />

für energie effiziente Abwärmenutzung<br />

(2012), Wärmerückgewinnung <strong>aus</strong> <strong>Abwasser</strong><br />

in Straubing (2010), Optimierung<br />

eines Waschprozesses einer<br />

Wäscherei durch Abwärmenutzung in<br />

Coburg (2009), sowie eine dezentrale<br />

<strong>Wasser</strong>aufbe reitungsanlage in Brasilien<br />

(2008) und sludge2energy® – Energie<br />

<strong>aus</strong> Klärschlamm in Straubing (2008).<br />

Weitere Informationen zur Bewerbung:<br />

Umweltcluster Bayern,<br />

Dr. Barbara Giehmann,<br />

Tel. (0821) 455789-20,<br />

www.umweltcluster.net/leuchtturm/bewerbung<br />

QUALITÄT, SICHERHEIT, HYGIENE:<br />

KLARE WERTE<br />

FÜR KLARES<br />

WASSER<br />

• Quellsammelschächte<br />

• Trinkwasserspeicher, ober- und<br />

unterirdisch<br />

• Auskleidung und Sanierung von<br />

Trinkwasserspeichern <strong>aus</strong> Beton etc.<br />

• Rohrleitungsbau<br />

• Behälterbau<br />

DA<br />

IST<br />

BÜENFELD<br />

TANK- UND<br />

BEHÄLTERBAU<br />

MEHR<br />

DRIN!<br />

Hubert Büenfeld GmbH<br />

Im Schlahbruch 18<br />

59872 Meschede<br />

Telefon 0291 20040-0<br />

www.bueenfeld.com<br />

Juli/August 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 825


| NACHRICHTEN<br />

|<br />

Branche<br />

Sieger des Huber Technology Prize 2014<br />

„Zukunft <strong>Wasser</strong>“ stehen fest<br />

© Franziska Dietrich<br />

Mechanische, chemische und<br />

thermische Energie im <strong>Abwasser</strong><br />

können einen wichtigen Beitrag<br />

im Sinne erneuerbarer Energie liefern.<br />

Und selbst die in Kläranlagen produzierten<br />

„Abfälle“ werden immer<br />

häufiger als Ausgangsbasis für die<br />

Produktion wertvoller Substanzen<br />

herangezogen. Der von der Huber-<br />

Technology-Stiftung für das Jahr<br />

2014 international <strong>aus</strong>geschriebene<br />

Huber Technology Prize mit dem<br />

speziellen Thema „Ressourcen und<br />

Energie <strong>aus</strong> <strong>Abwasser</strong>“ war deshalb<br />

auf diese Aufgabenstellung <strong>aus</strong>gerichtet.<br />

Zahlreiche Studierende <strong>aus</strong><br />

dem In- und Ausland hatten dazu<br />

Ideen, Vorschläge und <strong>aus</strong>gearbeitete<br />

Projektarbeiten eingereicht. Die<br />

<strong>aus</strong> den Professoren Dr. Wilderer<br />

(TU München, Institute for Advanced<br />

Study), Dr. Drewes (TU München)<br />

und Dr. Bischof (Technische<br />

Hochschule Amberg-Weiden), sowie<br />

dem Vorstand Technologien und Innovation<br />

der HUBER SE, Dr. Grienberger<br />

zusammengesetzte Jury hatte<br />

es nicht leicht, <strong>aus</strong> dem Kreis der<br />

zahlreichen Einsendungen ihre Wahl<br />

zu treffen.<br />

Am 28. Juli 2014 wurden im Rahmen<br />

einer feierlichen Preisverleihung<br />

im Rath<strong>aus</strong> der Stadt Berching die<br />

Sieger durch den Festredner, den<br />

Bayerischen Umweltminister Dr. Marcel<br />

Huber, im Rahmen einer feierlichen<br />

Zeremonie mit Grußworten<br />

von Bürgermeister Eisenreich und<br />

Landrat Gailer sowie vom Vorsitzenden<br />

des Vorstands der HUBER SE,<br />

Georg Huber, bekannt gegeben<br />

und <strong>aus</strong>gezeichnet. Umweltminister<br />

Huber betonte: „<strong>Abwasser</strong> ist eine<br />

Wärme- und Energiequelle, die<br />

künftig immer mehr an Bedeutung<br />

gewinnen wird. Diesen flüssigen<br />

Rohstoff müssen wir nutzen. Um<br />

bisher ungenutzte Potentiale zu<br />

heben, unterstützt das Bayerische<br />

Umweltministerium die praktische<br />

Umsetzung zukunftsweisender Technologien<br />

und innovativer Ideen.“ So<br />

wird derzeit beispielsweise in Bad<br />

Abbach ein bayernweit bedeutsames<br />

Pilotprojekt zur energetischen<br />

Optimierung von kleineren Kläranlagen<br />

durchgeführt: Durch die<br />

sauerstofffreie Klärschlammstabilisierung<br />

wird Faulgas erzeugt. Damit<br />

können auf der Anlage knapp zwei<br />

Drittel des benötigten Strombedarfs<br />

selbst gedeckt werden.<br />

Den Sinn und Zweck der Stiftung,<br />

sowie die erstmalige Einteilung des<br />

Wettbewerbs in die Kategorien „Studierende“<br />

sowie „Doktoranden“ erläuterte<br />

Prof. Dr. Wilderer. Die Laudatio<br />

auf die Sieger hielt Prof. Dr. Bischof.<br />

Aufgrund der teilweise sehr hochwertigen<br />

und vielfach überzeugenden<br />

Beiträge wurde der Preis jeder Kategorie<br />

auf jeweils zwei Sieger geteilt.<br />

In der Kategorie Doktoranden<br />

teilen sich das Preisgeld von jeweils<br />

2500 Euro Sabine Sané <strong>aus</strong> Freiburg<br />

und Qilin Wang <strong>aus</strong> Brisbane, Australien.<br />

Sabine Sané ist Doktorandin in der<br />

Forschungsgruppe Bioelektrochemische<br />

Systeme am Institut für Mikrosystemtechnik<br />

der Albert-Ludwigs-<br />

Universität in Freiburg. Sie hat<br />

mit dem Thema „Energieeffiziente<br />

Entfernung von Mikroschadstoffen<br />

<strong>aus</strong> Abwässern mit hybriden mikrobiellen/enzymatischen<br />

Bioelektrochemischen<br />

Systemen“ ein bioelektrochemisches<br />

Verfahren zur Entfernung<br />

von Mikroschadstoffen vorgestellt.<br />

Das Konzept ist hoch innovativ und<br />

greift Ideen auf, die für sich alleine<br />

schon teilweise untersucht wurden<br />

(enzymatischer Abbau von Spurenstoffen<br />

mithilfe von Pilzen; elektrochemischer<br />

Abbau von Spurenstoffen<br />

und Energiegewinnung). Aus<br />

Sicht der konventionellen <strong>Abwasser</strong>technik<br />

werden moderne, interdis ziplinäre<br />

Themen in Ansatz, gebracht<br />

und miteinander kombiniert. Die<br />

Idee zeigt neue Wege auf, die<br />

wissenschaftlich sehr interessant<br />

sind und bei Erfolg für einen starken<br />

Wandel der <strong>Abwasser</strong>reinigung<br />

stehen könnten.<br />

Qilin Wang, Doktorand am Advanced<br />

Water Management Centre<br />

der University of Queensland <strong>aus</strong><br />

Brisbane, beschreibt einen Ansatz<br />

wie mithilfe von salpetriger Säure<br />

die Energiebilanz einer Kläranlage<br />

verbessert werden kann. Das Konzept<br />

erscheint für eine wirtschaftliche<br />

Schlammbehandlung sehr<br />

innovativ, gut durchdacht und<br />

auch in der Praxis umsetzbar. Einzelne<br />

Schritte des Verfahrens hat<br />

Wang durch eigene Vorarbeiten<br />

belegt.<br />

In der Kategorie Studierende<br />

teilen sich das Preisgeld von jeweils<br />

2500 Euro Alexandra Fumasoli <strong>aus</strong><br />

der Schweiz und das studentische<br />

Juli/August 2014<br />

826 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Branche | NACHRICHTEN |<br />

Team Barbara Eschlbeck und Dominik<br />

Peter <strong>aus</strong> Amberg.<br />

Alexandra Fumasoli vom Swiss<br />

Federal Institute of Aquatic Science<br />

and Technology <strong>aus</strong> Dübendorf in<br />

der Schweiz, beschreibt eine Möglichkeit<br />

auf einfache Weise Struvit<br />

(einen Pflanzendünger) <strong>aus</strong> Urin mithilfe<br />

einer Elektrode zu produzieren<br />

und damit das wertvolle Phosphat<br />

rückzugewinnen. Die Idee ist sehr<br />

innovativ und könnte ein gutes<br />

Verfahren für dezentrale Anwendungen<br />

– auch im kleineren Maßstab<br />

darstellen.<br />

Barbara Eschlbeck und Dominik<br />

Peter, beides Studierende im Masterstudiengang:<br />

Umwelttechnologien<br />

an der Technische Hochschule Amberg-Weiden<br />

überzeugten mit ihrem<br />

Beitrag mit dem Thema „Einbindung<br />

der Kläranlage in die Energiewende;<br />

MembranBioReaktor und Power-to-<br />

Gas – eine Kombination mit Zukunft“.<br />

Beschrieben wird eine sehr innovative<br />

Idee, die sowohl <strong>aus</strong> Sicht der<br />

Energiewende und des dar<strong>aus</strong> folgenden<br />

Überangebots an Strom<br />

(„viel Wind und viel Sonne gleichzeitig“)<br />

sowie der <strong>Abwasser</strong>reinigung<br />

eine sinnvolle Ergänzung darstellen.<br />

Sehr innovativ ist auch die Kombination<br />

mit modernen Membranverfahren<br />

sowie die Nutzung des Permeats<br />

als Ausgangswasser für die<br />

Elektrolyse.<br />

Üblicherweise haftet dem Begriff<br />

<strong>Abwasser</strong> ein negatives Image an. Es<br />

kann krank machen, unangenehme<br />

Gerüche verbreiten und die Umwelt<br />

verunreinigen. Eine <strong>Abwasser</strong>reinigung<br />

soll derart negative Effekte<br />

vermeiden und den natürlichen<br />

Kreislauf des <strong>Wasser</strong>s ohne Schäden<br />

an der Umwelt fördern. Unter diesem<br />

Gesichtspunkt wurde teils Jahrzehnte<br />

lang die <strong>Abwasser</strong>reinigung<br />

betrieben. Dabei wurde den einzelnen<br />

Inhaltsstoffen zumeist wenig Bedeutung<br />

geschenkt und mit Ausnahme<br />

der Nährstoffe zog der<br />

Mensch bislang selten und wenig<br />

Nutzen <strong>aus</strong> der Ressource <strong>Abwasser</strong>.<br />

Klimawandel und weltweit steigende<br />

Bevölkerung sorgen für einen<br />

Paradigmenwechsel. <strong>Abwasser</strong> als<br />

Senke aller zivilisatorischen Aktivitäten<br />

beinhaltet nämlich mehr als<br />

nur <strong>Wasser</strong> und Nährstoffe. Seltene<br />

Erden, begrenzt verfügbare Metalle<br />

und wertvolle Elemente können im<br />

<strong>Abwasser</strong> verschiedener Industriebranchen<br />

und Kommunen enthalten<br />

sein. Der Huber Techno logy<br />

Prize motiviert junge Wissenschaftler<br />

und Studenten, neue Wege im<br />

Sinne der Umwelt zu gehen.<br />

Weitere Informationen:<br />

www.huber.de<br />

Weitere Informationen:<br />

www.norddeutsche-geothermietagung.de<br />

Hotspot Hannover<br />

7. norddeutsche<br />

Geothermietagung<br />

Ermäßigte<br />

Preise für<br />

Vertreter von<br />

Kommunen!<br />

15. – 16.10.2014 | Geozentrum Hannover<br />

Hintergrund- und Praxisinformationen zur<br />

Nutzung oberflächennaher bis tiefer Geothermie<br />

im Norddeutschen Becken.<br />

veranstalter<br />

Juli/August 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 827


www.di-verlag.de<br />

Die <strong>Wasser</strong>versorgung im<br />

antiken Rom<br />

Jetzt bestellen!<br />

Sextus Iulius Frontinus, Leiter der antiken römischen<br />

<strong>Wasser</strong>versorgung<br />

Sextus Iulius Frontinus wurde im Jahre 97 n. Chr. durch Kaiser Nerva zum Leiter der<br />

<strong>Wasser</strong>versorgung der Stadt Rom (curator aquarum) berufen. Aus diesem Anlass verfasste er<br />

eine Schrift, die unter dem Titel „De aquaeductu urbis Romae – Die <strong>Wasser</strong>versorgung der Stadt<br />

Rom“ überliefert worden ist. Frontin gibt darin einen Überblick über den Stand des Wissens<br />

bezüglich Management, Technik und Organisation der öffentlichen <strong>Wasser</strong>versorgung. Er<br />

begegnet uns als moderner Manager einer großstädtischen <strong>Wasser</strong>versorgung; seine Schrift<br />

kann als erstes Lehrbuch des Faches gelten. Die zweisprachige Ausgabe basiert auf einer<br />

sorgfältigen Überprüfung des lateinischen Textes sowie einer neuen Übersetzung ins Deutsche.<br />

Dreizehn begleitende Aufsätze, verfasst von international renommierten Vertretern der Alten<br />

Geschichte, Altphilologie und Literaturgeschichte, Archäologie und Ingenieurwissenschaften<br />

behandeln die Editionsgeschichte des Werkes, die Gestalt Frontins in ihrer politischen und<br />

sozialen Umwelt, die Organisation und Administration der <strong>Wasser</strong>versorgung, diskutieren<br />

Messtechnik und hydraulische Kenntnisse, Rohrnormung und bautechnische Fragen, und<br />

gehen ein auf die öffentlichen Bäder, Brunnenanlagen, Toiletten und <strong>Abwasser</strong>leitungen zur<br />

Zeit Frontins. Abbildungen, Karten und Tabellen ergänzen das Buch.<br />

Hrsg.: Frontinus Gesellschaft e.V.<br />

4. völlig neu bearbeitete Auflage 2013<br />

284 Seiten, vierfarbig, Hardcover mit Schutzumschlag<br />

DIV Deutscher Industrieverlag GmbH, Arnulfstr. 124, 80636 München<br />

ISBN: 978-3-8356-7107-2<br />

Preis: € 89,80<br />

WISSEN FÜR DIE<br />

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Bestellung per Fax: +49 201 / 820 Deutscher 02-34 Industrieverlag oder GmbH abtrennen | Arnulfstr. und 124 im | Fensterumschlag 80636 München einsenden<br />

Ja, ich bestelle gegen Rechnung 3 Wochen zur Ansicht<br />

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Die <strong>Wasser</strong>versorgung im antiken Rom<br />

4. Auflage 2013 – ISBN: 978-3-8356-7107-2<br />

für € 89,80 (zzgl. Versand)<br />

Vorname, Name des Empfängers<br />

Straße / Postfach, Nr.<br />

Land, PLZ, Ort<br />

Antwort<br />

Vulkan-Verlag GmbH<br />

Versandbuchhandlung<br />

Postfach 10 39 62<br />

45039 Essen<br />

Telefon<br />

E-Mail<br />

Branche / Wirtschaftszweig<br />

Telefax<br />

Widerrufsrecht: Sie können Ihre Vertragserklärung innerhalb von zwei Wochen ohne Angabe von Gründen in Textform (z.B.<br />

Brief, Fax, E-Mail) oder durch Rücksendung der Sache widerrufen. Die Frist beginnt nach Erhalt dieser Belehrung in Textform.<br />

Zur Wahrung der Widerrufsfrist genügt die rechtzeitige Absendung des Widerrufs oder der Sache an die Vulkan-Verlag GmbH,<br />

Versandbuchhandlung, Friedrich-Ebert-Straße 55, 45127 Essen.<br />

Ort, Datum, Unterschrift<br />

PAWVAR2014<br />

Nutzung personenbezogener Daten: Für die Auftragsabwicklung und zur Pflege der laufenden Kommunikation werden personenbezogene Daten erfasst und gespeichert. Mit dieser Anforderung erkläre ich mich damit einverstanden, dass ich<br />

vom DIV Deutscher Industrieverlag oder vom Vulkan-Verlag per Post, per Telefon, per Telefax, per E-Mail, nicht über interessante, fachspezifische Medien und Informationsangebote informiert und beworben werde.<br />

Diese Erklärung kann ich mit Wirkung für die Zukunft jederzeit widerrufen.


Branche | NACHRICHTEN |<br />

DIN-Spezifikation für die Renovierung erschienen<br />

Steinzeugrohrverbindungen gehen in die Verlängerung<br />

Im Juni dieses Jahres hat das Deutsche<br />

Institut für Normung (DIN)<br />

die DIN SPEC 19544 „Renovierung<br />

von Rohrverbindungen an <strong>Abwasser</strong>leitungen<br />

und -kanälen <strong>aus</strong> Steinzeug“<br />

veröffentlicht. Damit ist ein<br />

entscheidender Schritt zur Festlegung<br />

der Material anforderungen für<br />

die Etablierung solcher Renovierungsverfahren<br />

erfolgt.<br />

Was ist eine DIN SPEC?<br />

Eine DIN SPEC ist „keine Norm sondern<br />

eine Spezifikation. Während<br />

Normen durch einen umfangreichen<br />

Erarbeitungsprozess gekennzeichnet<br />

sind, geht es bei der Entwicklung<br />

von Spezifikationen hauptsächlich<br />

um Schnelligkeit. So kann Wissen<br />

schnell allen zugänglich gemacht<br />

werden. Die Anwendung von Normen<br />

und Spezifikationen ist freiwillig“,<br />

so die Definition des DIN.<br />

Diese DIN SPEC wurde nach dem<br />

PAS-Verfahren in Workshops (temporäre<br />

Gremien) unter Beratung<br />

von DIN erarbeitet. Entscheidungen<br />

durch Konsens aller Be teiligten und<br />

die Einbeziehung aller interessierten<br />

Kreise sind dabei nicht vorgeschrieben.<br />

Sie ist eine öffentlich verfügbare<br />

Spezifikation (PAS, Pub licly Available<br />

Specification), die Produkte, Systeme<br />

oder Dienstleistungen beschreibt,<br />

indem sie Merkmale definiert und<br />

Anforderungen festlegt.<br />

Geprüfte Verlängerung<br />

der Nutzungsdauer<br />

Die DIN SPEC 19544 dient als Ergänzung<br />

zum be stehenden Normenund<br />

Regelwerk und gilt für die<br />

Renovierung von Verbindungen in<br />

Steinzeugrohrsystemen älterer Bauart.<br />

Beschrieben sind darin Anforderungen,<br />

Leistungskriterien und<br />

Prüfverfahren, „die für die Renovierung<br />

bestehender Steinzeugrohrleitungen<br />

angewendet werden, bei<br />

denen bestehende Rohrverbindungen<br />

mittels grabenloser Verfahren<br />

und spezieller Werkstoffe durch<br />

neue, dauerhaft wirkende Dichtungen<br />

ersetzt werden und das vorhandene<br />

<strong>Abwasser</strong>rohr <strong>aus</strong> Steinzeug<br />

als bestimmendes Leitungsmaterial<br />

erhalten bleibt“. Übersetzt<br />

heißt das: Bei einer systematischen<br />

Anwendung werden damit die<br />

Kriterien einer Renovierung nach<br />

DIN EN 15886 erfüllt, die statischen<br />

Eigenschaften der Leitung bleiben<br />

bei erhöhter Nutzungsdauer unverändert.<br />

Teil-Renovierung statt<br />

Voll-Sanierung<br />

Gültigkeit hat die DIN SPEC 19544<br />

für Steinzeugrohrsysteme mit Steckmuffe<br />

der Nennweiten DN 150 bis<br />

DN 600, bei denen die Dichtung der<br />

Rohrverbindung seinerzeit noch<br />

nicht werksseitig hergestellt wurde.<br />

Selbstverständlich entbindet die<br />

Anwendung der DIN SPEC 19544<br />

den Nutzer nicht von seiner Pflicht<br />

des verantwortungsvollen Handelns.<br />

Bezugsquelle für die DIN SPEC<br />

19544 ist der Beuth-Verlag (http://<br />

www.beuth.de/).<br />

Kontakt:<br />

Fachverband Steinzeugindustrie e.V.,<br />

Bauass. Dipl.-Ing. Karl-Heinz Flick,<br />

www.fachverband-steinzeug.de<br />

GWF_28-7_KGS-TK-Flon_188-58_Layout 1 04.03.14 21:17 Seite 1<br />

Juli/August 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 829


| NACHRICHTEN<br />

|<br />

Branche<br />

Sichere <strong>Abwasser</strong>entsorgung für den Preis eines<br />

Brötchens – mit 39 Cent pro Tag fast stabile Kosten<br />

Ergebnisse einer gemeinsamen Umfrage zu den Wirtschaftsdaten der<br />

<strong>Abwasser</strong>beseitigung veröffentlicht<br />

Die jährlichen Ausgaben der Bürgerinnen<br />

und Bürger für die Ableitung<br />

und Behandlung von <strong>Abwasser</strong> sind<br />

seit 2002 stabil. Dies zeigen die<br />

Ergebnisse einer deutschlandweiten<br />

Umfrage zu den Wirtschaftsdaten<br />

der <strong>Abwasser</strong>beseitigung, die die<br />

Deutsche Vereinigung für <strong>Wasser</strong>wirtschaft,<br />

<strong>Abwasser</strong> und Abfall<br />

(DWA) gemeinsam mit dem Deutschen<br />

Städtetag und dem Deutschen<br />

Städte- und Gemeindebund<br />

durchgeführt hat. Danach zahlen die<br />

Deutschen pro Jahr knapp 143 Euro<br />

pro Person, das entspricht 39 Cent<br />

täglich, für die Entsorgung ihres<br />

<strong>Abwasser</strong>s. Verschiedene Rahmenbedingungen<br />

führen jedoch dazu,<br />

dass sich die Kosten für den Bürger<br />

regional stark unterscheiden. Die<br />

Untersuchung ergab auch, dass die<br />

Gesamtinvestitionen der <strong>Abwasser</strong>entsorger<br />

im Jahr 2013 vor<strong>aus</strong>sichtlich<br />

4,6 Mrd. € betragen werden. Ein<br />

erheblicher Anteil davon fließt in<br />

die regionale Wirtschaft. Das bedeutet,<br />

dass die zumeist in öffentlicher<br />

Organisationsform tätigen<br />

<strong>Abwasser</strong>betriebe in Deutschland<br />

einen wichtigen Beitrag zu einem<br />

gleichbleibend hohen Auftragsund<br />

Beschäftigungsniveau in der<br />

Branche, im B<strong>aus</strong>ektor und der<br />

Zulieferindustrie leisten.<br />

Pro Kopf 143 Euro jährlich<br />

für die <strong>Abwasser</strong>entsorgung<br />

In Deutschland werden die <strong>Abwasser</strong>gebühren<br />

nach dem Kostendeckungsprinzip<br />

erhoben. Dies bedeutet,<br />

dass der Bürger verursachungsgerecht<br />

nur die Kosten trägt, die<br />

dem <strong>Abwasser</strong>beseitiger für die Ableitung<br />

und Behandlung entstehen.<br />

Die durchschnittliche jährliche Gebühren-<br />

und Beitragsbelastung des<br />

Bürgers beträgt knapp 143 Euro. Trotz<br />

geringer Schwankungen blieben die<br />

<strong>Abwasser</strong>gebühren stabil. Bei der<br />

Berechnung der Gebühren kommt<br />

auch bei mittleren und kleinen Betrieben<br />

zunehmend der getrennte<br />

Gebührenmaßstab zur Anwendung.<br />

Ein Trend, der auch aufgrund einer<br />

geänderten Rechtsprechung in einzelnen<br />

Bundesländern besteht und<br />

sich zukünftig weiter fortsetzen wird.<br />

Privatwirtschaft profitiert<br />

von Investitionen<br />

Insbesondere profitieren der Mittelstand<br />

und der Anlagenbau von dem<br />

erheblichen Investitionsvolumen der<br />

<strong>Abwasser</strong>branche von rund 4,6 Mrd. €<br />

im Jahr 2013. Bezieht man Reparaturen<br />

und ähnliche Leistungen in<br />

die Betrachtung ein, fällt die Summe<br />

deutlich höher <strong>aus</strong>. Etwa 56 %<br />

aller Leistungen für die <strong>Abwasser</strong>beseitigung<br />

werden – gemessen an<br />

den Gesamt<strong>aus</strong>gaben – von privatwirtschaftlichen<br />

Unternehmen erbracht.<br />

Die spezifischen Investitionen<br />

der Betriebe im Jahr 2013<br />

liegen im Mittel bei knapp 57 Euro<br />

pro Einwohner und Jahr.<br />

Hohe Fixkosten<br />

Die Investitionen werden in Form<br />

von Zinsen und Abschreibungen<br />

wiederum zu Kosten der Betriebe.<br />

Diese Art der Kosten – ebenso wie<br />

zum Beispiel Personalkosten – fällt<br />

bei den Entsorgern unabhängig<br />

davon an, wie viel <strong>Abwasser</strong> eingeleitet<br />

und später gereinigt wird.<br />

Der mit 75 bis 85 % sehr hohe Anteil<br />

fixer Kosten ist besonders charakteristisch<br />

für die <strong>Wasser</strong> wirtschaft.<br />

Daher wirkt sich das <strong>Wasser</strong>sparen<br />

nur in vergleichs weise geringem<br />

Umfang auf die Kosten <strong>aus</strong>. Je mehr<br />

angeschlossene Nutzer <strong>Wasser</strong> sparen,<br />

umso ge ringer ist der Gebührenvorteil<br />

für den Einzelnen.<br />

Regional unterschiedliche<br />

Belastung des Bürgers<br />

Auffällig ist, dass sich die finanziellen<br />

Belastungen der Bürger regional sehr<br />

stark unterscheiden. Ursächlich sind<br />

hierfür insbesondere abweichende<br />

Kalkulationsgrundlagen, Unterschiede<br />

bei der zeitlichen Investitionstätigkeit,<br />

deren Finanzierung und<br />

bei Zuschüssen. Zudem wirken sich<br />

Strukturunterschiede, der schwankende<br />

<strong>Wasser</strong>verbrauch und Unterschiede<br />

in der örtlichen Geländetopografie<br />

<strong>aus</strong>.<br />

Repräsentanz der Umfrage<br />

Die Repräsentanz der von der DWA<br />

regelmäßig durchgeführten Umfrage<br />

ist hoch. An der im Jahr 2013 durchgeführten<br />

Datenerhebung haben<br />

sich überwiegend mittlere und<br />

größere <strong>Abwasser</strong>betriebe mit<br />

deutlich über 40 Millionen in den<br />

Ent sorgungsgebieten gemeldeten<br />

Einwohnern beteiligt.<br />

Kontakt:<br />

DWA, Dr. Frank Bringewski, Pressesprecher,<br />

Tel. (02242) 872-190<br />

Deutscher Städtetag, Volker Bästlein,<br />

Pressesprecher, Tel. (030) 37711-130<br />

Deutscher Städte- und Gemeindebund,<br />

Franz Reinhard Habbel, Pressesprecher,<br />

Tel. (030) 77307-225<br />

Juli/August 2014<br />

830 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Branche | NACHRICHTEN |<br />

Neue VSB-Empfehlung:<br />

ZTV Nr. 16 „<strong>Abwasser</strong>lenkung“<br />

Die <strong>Abwasser</strong>lenkung ist eine elementare<br />

Grundlage für eine<br />

fachgerechte Ausführung von Kanalsanierungsverfahren.<br />

Es handelt<br />

sich dabei um eine vergütungspflichtige<br />

Nebenleistung, die für<br />

Firmen kalkulierbar sein muss.<br />

Dementsprechend sind für die Ausschreibung<br />

entsprechender Leistungen<br />

kalkulationsrelevante Angaben zu<br />

machen, die i. d. R. einer vorbereitenden<br />

Ausführungsplanung bedürfen.<br />

Die VSB-Empfehlung Nr. 16 –<br />

<strong>Abwasser</strong>lenkung enthält Hinweise<br />

zu den in der Leistungsbeschreibung<br />

zu benennenden kalkulations- und<br />

<strong>aus</strong>führungsrelevanten Angaben.<br />

Darüber hin<strong>aus</strong> werden durch die<br />

als zusätzliche technische Vertragsbedingung<br />

konzipierte Empfehlung<br />

Anforderungen an das <strong>aus</strong>führende<br />

Personal, die Geräte- und die Betriebstechnik<br />

definiert und Mindeststandards<br />

sowie Leistungsziele<br />

benannt.<br />

Mit der VSB-Empfehlung Nr. 16<br />

wird eine weitere Lücke im Regelwerk<br />

der Kanalsanierung geschlossen. Anwender<br />

erhalten Rechtssicherheit<br />

und schaffen die Grundlagen für die<br />

Einhaltung von Qualitätsstandards,<br />

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Tel. (0511) 84 86 99 55,<br />

Fax (0511) 84 86 99 54,<br />

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Finanzierung, Kostenstrukturen und Kostenkenn daten der Bereiche Kanal,<br />

Sonderbauwerke und Kläranlagen<br />

In diesem Buch werden aktuelle spezifische Kostendaten der Bereiche Kanal, Sonderbauwerke<br />

und Kläranlagen dargestellt. Die Angaben basieren auf eigenständig erhobenen<br />

Daten. Insgesamt wurden bayernweit 608 Kanalbaumaßnahmen erfasst. Im Bereich Sonderbauwerke<br />

waren es 151 Maßnahmen, bei den Kläranlagen wurden 38 Gesamtkläranlagenmaßnahmen<br />

sowie 138 Kläranlagenbauteilmaßnahmen erhoben. Als Bezugsgröße für<br />

die Auswertung wurden hauptsächlich der Meter Kanal und die Ausbaugröße gewählt, die<br />

unter Anwendung von Boxplots, Medianen, Regressionsformeln und Balkendiagrammen<br />

anschaulich dargestellt werden. Zusätzlich wurden die Einflüsse auf die Kosten genauer<br />

untersucht. So wurden im Kanalbereich u.a. der Ausschreibungszeitpunkt, die Art der<br />

<strong>Wasser</strong>haltung und die Bodenklasse als kostenverursachende Parameter identifiziert. Des<br />

Weiteren werden die Finanzierung, der Investitionskostenbedarf, die Kostenstrukturen und<br />

die Organisationsformen in der <strong>Abwasser</strong>behandlung betrachtet.<br />

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Zur Wahrung der Widerrufsfrist genügt die rechtzeitige Absendung des Widerrufs oder der Sache an die Vulkan-Verlag GmbH,<br />

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Nutzung personenbezogener Daten: Für die Auftragsabwicklung und zur Pflege der laufenden Kommunikation werden personenbezogene Daten erfasst und gespeichert. Mit dieser Anforderung erkläre ich mich damit einverstanden,<br />

dass ich vom DIV Deutscher Industrieverlag oder vom Vulkan-Verlag per Post, per Telefon, per Telefax, per E-Mail, nicht über interessante, fachspezifische Medien und Informationsangebote informiert und beworben werde.<br />

Diese Erklärung kann ich mit Wirkung für die Zukunft jederzeit widerrufen.


<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong>|<strong>Abwasser</strong><br />

NETZWERK WISSEN<br />

Aktuelles <strong>aus</strong> Bildung und Wissenschaft,<br />

Forschung und Entwicklung<br />

© HTW Dresden<br />

Das Lehrgebiet <strong>Wasser</strong>wesen an der HTW Dresden im Porträt<br />

• „Die Freizeit wird zur Forschungszeit“ – Interview mit Prof. Dr.-Ing. Thomas Grischek<br />

• Alle Aspekte rund ums <strong>Wasser</strong> – <strong>Wasser</strong>wirtschaft in Lehre und Forschung<br />

Aktuelle Projekte und Ergebnisse<br />

Uferfiltration im Bergland von Uttarakhand, Indien<br />

Reaktionszonen bei der unterirdischen Enteisenung in Khabarovsk<br />

Dynamisches Energiemanagement in der <strong>Wasser</strong>wirtschaft<br />

KUROF-Technologie zur Grundwasseranreicherung in Dresden<br />

Forschung und technisch-wissenschaftliche Beratung für das <strong>Wasser</strong>fach<br />

• 24/7-Grundversorgung, die für große Teile der Welt noch immer Luxus bedeutet –<br />

ein Praktikumsbericht


| NETZWERK WISSEN |<br />

Portrait<br />

Der Campus<br />

der HTW<br />

Dresden.<br />

© Wikipedia /<br />

Peter Sebb<br />

„Die Freizeit wird zur Forschungszeit“<br />

Interview mit Prof. Dr.-Ing. Thomas Grischek<br />

Das Lehrgebiet <strong>Wasser</strong>wesen an der Fakultät Bauingenieurwesen/Architektur der Hochschule für Technik<br />

und Wirtschaft (HTW) Dresden wird geleitet von Professor Dr.-Ing. Thomas Grischek. Im Interview mit der<br />

<strong>gwf</strong> <strong>Wasser</strong> | <strong>Abwasser</strong> sprach er über aktuelle Themen und Her<strong>aus</strong>forderungen in Wissenschaft, Lehre und<br />

Forschung und den eigenen Beitrag zur Energiewende in Deutschland.<br />

<strong>gwf</strong>: Herr Professor Grischek, in der<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> | <strong>Abwasser</strong> Ausgabe Mai<br />

2013 hatten wir bereits die TU Dresden<br />

vorgestellt. Was sind die Unterschiede<br />

in der wasserwirtschaftlichen Ausbildung<br />

an der TU Dresden und der HTW<br />

Dresden?<br />

Prof. Grischek: In der HTW Dresden<br />

werden keine <strong>Wasser</strong>wirtschaftler,<br />

sondern Bauingenieure <strong>aus</strong>gebildet.<br />

Die Bauingenieurstudenten können<br />

zusätzlich zu den Pflichtmodulen<br />

Grundlagen der <strong>Wasser</strong>wirtschaft,<br />

Technische Hydromechanik und<br />

<strong>Wasser</strong>bau 1 in der Vertiefungsrichtung<br />

Verkehrs- und Tiefbau die<br />

Module <strong>Wasser</strong>bau 2 und Siedlungswasserwirtschaft<br />

wählen. Möglich<br />

sind auch ein einsemestriges Praktikum,<br />

ein Projekt und eine Diplomarbeit<br />

in der <strong>Wasser</strong>wirtschaft. Im<br />

Unterschied zur TU Dresden dominieren<br />

Fächer des Bauwesens, dagegen<br />

werden verfahrenstechnische<br />

und naturwissenschaftliche Aspekte,<br />

z. B. Hydrochemie, Hydrobiologie und<br />

<strong>Abwasser</strong>behandlung, nicht behandelt.<br />

Die Absolventen der HTW mit<br />

einer Spezialisierung <strong>Wasser</strong>wirtschaft<br />

wissen vor allem etwas über bauliche<br />

und hydraulische Aspekte, über<br />

Bauwasserhaltung, Grundwasserströmung,<br />

Brunnenbau, Rohrnetzsimulation,<br />

Behältersanierung, Kanalnetzberechnung<br />

und Kanalsanierung.<br />

<strong>gwf</strong>: Gibt es auch Unterschiede in<br />

der Forschung?<br />

Prof. Grischek: Im Lehrgebiet <strong>Wasser</strong>wesen<br />

an der HTW werden keine<br />

Grundlagenforschungsthemen bearbeitet,<br />

sondern Projekte der angewandten<br />

Forschung, meist im Verbund<br />

mit <strong>Wasser</strong>versorgern, Ingenieurbüros<br />

und anderen Hochschulen.<br />

Wir konzentrieren uns auf drei Forschungsschwerpunkte.<br />

Dabei kann<br />

man die Uferfiltration und die unterirdische<br />

<strong>Wasser</strong>aufbereitung eher<br />

als „Nischen“-Forschung sehen. Der<br />

seit zwei Jahren neu gesetzte dritte<br />

Schwerpunkt Energieeffizienz in der<br />

<strong>Wasser</strong>versorgung gewinnt stark an<br />

Bedeutung und soll unser Beitrag<br />

zur Energiewende in Deutschland<br />

sein.<br />

<strong>gwf</strong>: Wie kam es zu der Spezialisierung<br />

auf die von Ihnen als „Nischen“-<br />

Themen genannte Uferfiltration und<br />

unterirdische <strong>Wasser</strong>aufbereitung?<br />

Prof. Grischek: Mit der Uferfiltration<br />

beschäftige ich mich seit meiner<br />

Juli/August 2014<br />

834 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Portrait<br />

|<br />

NETZWERK WISSEN<br />

|<br />

Diplomarbeit im Jahr 1989. Und<br />

ich halte diese in Deutschland seit<br />

mehr als 140 Jahren erfolgreiche<br />

<strong>Wasser</strong>gewinnung immer noch für<br />

sehr nützlich und unterschätzt. Als<br />

Berliner wurde ich in meiner Kindheit<br />

mit Uferfiltrat versorgt, als<br />

Dresdner seit meiner Studentenzeit.<br />

Zudem ist Dresden mit drei Uferfiltratwasserwerken<br />

und unterschiedlichen<br />

Gewinnungsanlagen gleichzeitig<br />

eine Art Museum und ein<br />

wunderbares Beispiel für eine moderne,<br />

gut überwachte Uferfiltratgewinnung<br />

mit Maß. Mit den umfangreichen<br />

Erfahrungen <strong>aus</strong> Dresden,<br />

aber auch Torgau und Görlitz,<br />

unterstützen wir viele Partner im<br />

Ausland bei einer stärkeren Nutzung<br />

der Uferfiltration, z. B. in Indien,<br />

Ägypten, Thailand, Brasilien, oder<br />

warnen vor einer Missachtung der<br />

Kolmation beim Bau gewaltiger<br />

Horizontalfilterbrunnen in den USA<br />

und Südkorea.<br />

Zur Beschäftigung mit der unterirdischen<br />

Enteisenung wurden wir von<br />

der Arcadis Deutschland GmbH<br />

angeregt, mit der es seitdem eine<br />

enge Kooperation bei Projekten in<br />

Russland gibt.<br />

<strong>gwf</strong>: Können Sie noch Forschungsprojekte<br />

zur Uferfiltration einwerben,<br />

wenn Sie sich schon so lange damit<br />

befassen? Gibt es noch offene Fragen?<br />

Prof. Grischek: Die bei der Uferfiltration<br />

und der unterirdischen<br />

Enteisenung ablaufenden Prozesse<br />

sind sehr komplex und stark vom<br />

Standort und den sich teilweise<br />

ändernden Randbedingungen abhängig,<br />

wie z. B. der Flusswasserbeschaffenheit,<br />

dem <strong>Wasser</strong>bedarf und<br />

der dar<strong>aus</strong> resultierenden Änderung<br />

der Entnahmemengen. Während es<br />

in Deutschland eher um Fragen der<br />

Optimierung und Sicherheit der<br />

Versorgung geht, ergeben sich für<br />

Standorte in Indien und anderen<br />

Ländern Fragen zur Übertragbarkeit<br />

der Kenntnisse und Planungsansätze<br />

auf teilweise extreme Randbedingungen.<br />

Sicher, in der <strong>Wasser</strong>versorgung<br />

in Indien werden meist uns<br />

bekannte, kostengünstige Ansätze<br />

benötigt, weniger die innovativen,<br />

teureren Techniken. Sinnvolle und<br />

förderfähige Projekte ergeben sich<br />

Zur Person<br />

dann <strong>aus</strong> der Zusammenarbeit – die<br />

grundlegenden Arbeiten übernimmt<br />

die HTW, die innovativen Beiträge<br />

Prof. Dr.-Ing. Thomas Grischek<br />

hat seit 2003 die Professur <strong>Wasser</strong>wesen<br />

an der HTW Dresden<br />

inne. Nach zwei Jahren als<br />

Anlagenfahrer im Kabelwerk<br />

und Maschinist im Zwischenpumpwerk<br />

Lindenberg des<br />

WAB Berlin studierte Thomas<br />

Grischek an der Technischen<br />

Universität Dresden (TUD)<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaft. Er wählte die<br />

Vertiefungsrichtung <strong>Wasser</strong>erschließung,<br />

absolvierte ein Teilstudium<br />

Hydrogeologie an der<br />

Staatlichen Lomonossov-Universität<br />

in Moskau (MGU) und © Thomas Grischek<br />

parallel das Weiterbildungsstudium<br />

zum Fachingenieur Grundwasser. Nach dem Studium war Thomas Grischek wissenschaftlicher<br />

Assistent im Institut für Grundwasserwirtschaft der TUD Dresden, folgte<br />

Prof. Nestler als Projektmitarbeiter an die HTW Dresden, Lehrbereich Geotechnik &<br />

<strong>Wasser</strong>wesen, arbeitete fünf Jahre unter Prof. Worch als wiss. Mitarbeiter im Institut für<br />

<strong>Wasser</strong>chemie der TUD und anschließend als Referent im Referat Grundwasser & Altlasten<br />

im Sächsischen Landesamt für Umwelt und Geologie.<br />

Thomas Grischek beschäftigt sich seit 25 Jahren mit Uferfiltration und Grundwassermanagement.<br />

Dabei geht es um Monitoring, Kolmation von Gewässersohlen, Simulation von<br />

Abbau- und Sorptionsprozessen mittels Testfilter- und Säulenversuchen, Grundwasserströmungs-<br />

und Transportmodellierung, Ermittlung von Fließzeiten und Uferfiltratanteilen<br />

im Rohwasser, Brunnenbetrieb und Risikobewertung inkl. Hochwasserschutz der Fassungsanlagen.<br />

Weitere Forschungsschwerpunkte sind „Eisen im Grundwasser“ – unterirdische<br />

Enteisenung, Brunnenverockerung, Eisenreduktion bei der Uferfiltration – und „Energieeffizienz<br />

in der <strong>Wasser</strong>versorgung“ – Energiemanagement in Versorgungsunternehmen, Effizienz<br />

des Pumpenbetriebs in Brunnen und <strong>Wasser</strong>werken, Einsatz von Pumpen als Turbinen.<br />

Kooperationspartner im Inland sind sächsische <strong>Wasser</strong>versorgungsunternehmen und<br />

Ingenieurbüros, TUD, TZW, LfULG, Umweltamt Dresden, TU Berlin, Arcadis Deutschland<br />

GmbH und Ellmann/Schulze GbR. Langjährige Kooperationspartner im Ausland sind<br />

Prof. Pradeep Kumar (IIT Roorkee, Indien), Prof. Ray (Nebraska Water Center, USA), Dr. Luis<br />

Romero (Instituto Tecnológico de Costa Rica), Prof. Rifaat Wahaab (HCWW, Ägypten),<br />

Prof. Kriengsak Srisuk (Khon Kaen Universität, Thailand) und Prof. Thomas Wintgens<br />

(Fachhochschule Nordwestschweiz). Hilfreich für die Entwicklungsarbeit in Asien und im<br />

arabischen Raum ist, dass Prof. Grischek die gesamte Grundlagen<strong>aus</strong>bildung <strong>Wasser</strong>wesen<br />

an der HTW absichern muss. Somit können – neben der Kooperation bzgl. Uferfiltration<br />

– die <strong>Wasser</strong>versorger, z. B. in Indien und Ägypten, auch zu grundlegenden Fragen zum<br />

Hochwasserschutz, zur <strong>Wasser</strong>aufbereitung und zu Messmethoden vor Ort beraten werden.<br />

Außeruniversitär engagiert sich Thomas Grischek in der DVGW Landesgruppe Mitteldeutschland,<br />

der Commission on Managed Aquifer Recharge der International Association of<br />

Hydrogeologists, im Cooperation Centre for Riverbank Filtration Haridwar (Indien), im arche<br />

nova e. V., als assoziierter Editor der Fachzeitschrift Grundwasser und als Gutachter der<br />

Fachzeitschriften <strong>gwf</strong>, Water Research, Hydrological Processes und Journal of Hydrology.<br />

Juli/August 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 835


| NETZWERK WISSEN |<br />

Portrait<br />

kommen von den Kooperationspartnern<br />

<strong>aus</strong> der Industrie oder<br />

dem TZW und der TU Dresden.<br />

<strong>gwf</strong>: Wie viel Zeit haben Sie für die<br />

Forschung?<br />

Prof. Grischek: Die Lehrbelastung<br />

der Professoren an den Fachhochschulen<br />

ist recht hoch. Viel Zeit für<br />

die Forschung bleibt nicht, so wird<br />

die Freizeit zur Forschungszeit. Solange<br />

es Spaß macht ... Leider wird<br />

die Zeit knapper, da der Verwaltungsaufwand<br />

immer größer wird.<br />

Die Hochschulverwaltung unterstützt<br />

mich ja so gut sie kann. Aber offenbar<br />

führt inzwischen jede irgendwo<br />

in Deutschland oder weltweit festgestellte<br />

Verfehlung eines Projektleiters<br />

zu neuen Regelungen und<br />

Einschränkungen, so dass man sich<br />

immer mehr als Betrüger fühlt, der<br />

kontrolliert werden muss und jeden<br />

Schritt begründen muss. Hinzu<br />

kommt, dass meine Quote, also die<br />

Zahl der bewilligten gegenüber der<br />

Zahl der beantragten Projekte in<br />

den letzten Jahren von 1:2 auf 1:4<br />

deutlich gesunken ist. Das führe ich<br />

auf einen zunehmenden Wettbewerb<br />

zurück, aber auch auf die stark<br />

fokussierten Ausschreibungen mit<br />

möglichst vielen Partnern und bahnbrechenden<br />

Ideen, die kaum noch<br />

mögliche Einreichung von eigenen<br />

Projektanträgen (parallel zu den<br />

großen Ausschreibungen) sowie den<br />

Wegfall der Fachhochschulförderung<br />

FHProfUnt für „Alt“-Professoren. Ich<br />

habe den Eindruck, dass die Ausschreibungen<br />

stärker auf eine eher<br />

internationale oder virtuelle Exzellenz<br />

<strong>aus</strong>gerichtet werden als auf die<br />

eigentlichen Probleme der <strong>Wasser</strong>versorgungsunternehmen.<br />

Sicherlich<br />

ist es schwierig, ein <strong>aus</strong>gewogenes<br />

System zu er reichen, das gilt ja<br />

ebenso für das geplante stärkere<br />

Engagement des DVGW in Europa.<br />

Gleichzeitig bieten das Internationale<br />

Büro des BMBF und der DAAD<br />

Reisekostenzuschüsse für wunderbare<br />

Aust<strong>aus</strong>ch- und Kooperationsprogramme.<br />

Vor<strong>aus</strong>setzung für eine<br />

Bewerbung ist aber, dass es Drittmittelmitarbeiter<br />

gibt, die <strong>aus</strong> anderen<br />

Projekten bezahlt werden.<br />

Teilweise gibt es auch bei Projektträgern<br />

falsche Vorstellungen über<br />

mögliche Vorarbeiten und Eigenleistungen<br />

der Hochschule und<br />

des Hochschulh<strong>aus</strong>halts. Mit einem<br />

jährlichen H<strong>aus</strong>halt von 1100 Euro<br />

je Professur für Fachbücher, Büromaterial,<br />

Kopierkosten, Dienstreisen,<br />

mit dem auch noch der neue Laptop<br />

für die Lehre angespart werden<br />

muss, ist schon die Teilnahme an<br />

der wat kaum realisierbar. Hinzu<br />

kommen noch 3000 Euro pro Jahr<br />

für das <strong>Wasser</strong>baulabor und die<br />

Übungen mit den Studenten und<br />

Mittel für Investitionen. Schwierig<br />

sind vor allem die Absicherung<br />

der Verbrauchsmaterialien und die<br />

Wartung von Geräten, die kostenpflichtigen<br />

Software-Updates, also<br />

die vielen kleinen Ausgaben.<br />

<strong>gwf</strong>: Leidet darunter die Ausbildung<br />

der Studenten?<br />

Prof. Grischek: Wenn ich jetzt nein<br />

sage, erhalte ich im nächsten Jahr<br />

weniger H<strong>aus</strong>haltsmittel. Tatsache<br />

ist, dass die ungenügende Grundfinanzierung<br />

nicht vollständig durch<br />

Einfallsreichtum der Mitarbeiter kompensiert<br />

werden kann. Gleichzeitig<br />

binden wir viele Studenten als studentische<br />

Hilfskräfte in die Forschungsprojekte<br />

ein, arbeiten viel im Feld<br />

und im Labor, vergeben nicht nur<br />

Standardbelege, sondern echte Praxisprojekte,<br />

schicken die Studenten<br />

zu DVGW- und DWA- Veranstaltungen<br />

(mit Dankbarkeit für die Freikarten).<br />

Insgesamt zeigen die jährlichen Evaluationen,<br />

dass die Ausbildung im Lehrgebiet<br />

<strong>Wasser</strong>wesen auch bzgl. der<br />

Praxisnähe als sehr gut bewertet wird.<br />

<strong>gwf</strong>: Und was sind Ihre Visionen?<br />

Prof. Grischek: In der Ausbildung<br />

ist das der Aufbau eines dualen<br />

Studiengangs „Siedlungswasserwirtschaft“<br />

zusammen mit Prof. Dr.-Ing.<br />

Jens Nowak von der FH Potsdam,<br />

um gute Leute auch für die kleinen<br />

Versorgungsunternehmen in der Region<br />

<strong>aus</strong>zubilden und zu halten, und<br />

in der angewandten Forschung vor<br />

allem der Ausbau der Kompetenz<br />

und Aktivitäten zur Uferfiltra tion, so<br />

dass z. B. in zehn Jahren 5 Prozent<br />

der <strong>Wasser</strong>versorgung in Indien durch<br />

Uferfiltration abge sichert werden,<br />

und ein messbarer Beitrag meiner<br />

Arbeitsgruppe zur Energiewende.<br />

<strong>gwf</strong>: Herr Professor Grischek, vielen<br />

Dank für das Gespräch.<br />

Weitere Informationen und Kontakt:<br />

Prof. Dr.-Ing. Thomas Grischek<br />

Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden<br />

Fakultät Bauingenieurwesen/Architektur<br />

Friedrich-List-Platz 1, 01069 Dresden<br />

Tel.: 0351 4623350<br />

E-Mail: grischek@htw-dresden.de<br />

DIV Deutscher Industrieverlag GmbH<br />

www.<strong>gwf</strong>-wasser-abwasser.de<br />

Ihr Kontakt zur Redaktion<br />

Sieglinde Balzereit, München<br />

Telefon +49 89 203 53 66-25, Telefax +49 89 203 53 66-99, E-Mail: balzereit@di-verlag.de<br />

Ihr Kontakt zur Mediaberatung<br />

Inge Spoerel, München<br />

Telefon +49 89 203 53 66-22, Telefax +49 89 203 53 66-99, E-Mail: spoerel@di-verlag.de<br />

Juli/August 2014<br />

836 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Portrait<br />

|<br />

NETZWERK WISSEN<br />

|<br />

Alle Aspekte rund ums <strong>Wasser</strong><br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaft in Lehre und Forschung an der HTW Dresden<br />

An der Fakultät Bauingenieurwesen/Architektur der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Dresden<br />

beginnen jährlich mehr als 120 Studenten ein Bauingenieurstudium. Dies ist weiterhin ein Diplomstudiengang<br />

mit acht Semestern, einschließlich einem Semester Praktikum und einem Semester Diplomarbeit.<br />

Das Lehrgebiet <strong>Wasser</strong>wesen ist für<br />

sämtliche das <strong>Wasser</strong> betreffende Ausbildungsaspekte<br />

im Grundstudium<br />

und in der Vertiefung Verkehrs- und<br />

Tiefbau zuständig. Weiterhin werden<br />

Lehrveranstaltungen für Studenten<br />

des Chemieingenieurwesens/Umwelttechnik,<br />

des Wirtschaftsingenieurwesens<br />

und der Landespflege/<br />

Umweltmonitoring angeboten.<br />

Das Lehrangebot umfasst im<br />

dritten und vierten Semester die<br />

Grundlagen des <strong>Wasser</strong>wesens. Dazu<br />

gehören Grundlagen der Ingenieurhydrologie,<br />

des <strong>Wasser</strong>b<strong>aus</strong>, der<br />

<strong>Wasser</strong>versorgung und der Siedlungsentwässerung<br />

sowie die Technische<br />

Hydromechanik mit Hydrostatik,<br />

Hydrodynamik, Rohr- und Gerinnehydraulik.<br />

Im sechsten Semester bietet das<br />

Modul Geotechnik/<strong>Wasser</strong>bau 1 die<br />

Möglichkeit, Verfahren der <strong>Wasser</strong>haltung<br />

für Baugruben, Brunnenund<br />

Filterbemessung, Kräfteermittlung<br />

an wasserbaulichen Anlagen<br />

sowie Grundlagen des Gewässer<strong>aus</strong>b<strong>aus</strong>,<br />

der Grundstücksentwässerung,<br />

Regenwasserversickerung und<br />

H<strong>aus</strong>installation kennenzulernen. Ab<br />

dem siebten Semester ist eine Spezialisierung<br />

durch Auswahl von Modulen<br />

möglich. Alle Verkehrs- und Tiefbauer<br />

vertiefen ihre Kenntnisse<br />

zur Grundwasserströmung, <strong>Wasser</strong>gewinnung<br />

und Baugrubenentwässerung<br />

und bearbeiten Fallbeispiele<br />

mit den Programmen Processing<br />

Modflow for Windows (PMWin), Hec-<br />

Ras und DWA-VersickerungsExpert.<br />

Für das Wahl-Modul Siedlungswasserwirtschaft<br />

entscheiden sich<br />

jährlich acht bis 19 Studenten.<br />

Dabei befassen sich diese mit der<br />

<strong>Wasser</strong>bedarfsermittlung, Gestaltung,<br />

Entwurf, Bemessung und Sanierung<br />

von Rohrnetzen und Kanalnetzen, der<br />

Rohrnetzberechnung und -optimierung<br />

mit STANET und der Kanalnetzberechnung<br />

mit HYSTEM-EXTRAN.<br />

Jedes Jahr suchen etwa 80 Bauingenieure<br />

für das fünfte Semester<br />

einen Praktikumsplatz. Das Praktikum<br />

umfasst mindestens 20 Wochen im<br />

Zeitraum September bis Januar. Angebote<br />

für Praktikumsplätze sollten<br />

möglichst bis April im Lehrgebiet<br />

vorliegen.<br />

Jährlich wählen vier bis acht<br />

Bauingenieurstudenten, ein bis drei<br />

Chemieingenieure, ein bis zwei Wirtschaftsingenieure<br />

und ein bis zwei<br />

Studenten in Landespflege/Umweltmonitoring<br />

ein Diplomthema bzw.<br />

eine Bachelor- oder Masterarbeit im<br />

Bereich <strong>Wasser</strong>wesen (siehe Tabelle).<br />

Die Diplomaufgabenstellung und<br />

Betreuung erfolgt meist in Kooperation<br />

mit regional ansässigen Unternehmen<br />

und Ingenieurbüros. Die<br />

Bearbeitungszeit beträgt im Regelfall<br />

vier Monate, im Ausnahmefall,<br />

z. B. unverschuldeten Verzögerungen<br />

bei Feldarbeiten und Laborversuchen,<br />

fünf Monate. Beginn der Diplomarbeiten<br />

ist in den Monaten März<br />

oder April, so dass die Arbeiten zum<br />

Abschluss des achten Semesters im<br />

Zeitraum Juli bis September verteidigt<br />

werden. Eine frühzeitige<br />

Absprache ermöglicht bereits während<br />

des siebten Semesters eine<br />

Vorbereitung der Studierenden und<br />

Schwerpunktsetzung in der Ausbildung.<br />

Bevorzugt werden Diplomarbeiten,<br />

die Chancen auf eine<br />

anschließende Anstellung beim<br />

Kooperationspartner verbessern und<br />

gleichzeitig als Einarbeitungszeit<br />

dienen. Bisher wurde durchschnittlich<br />

jeder vierte Absolvent der<br />

Vertiefung <strong>Wasser</strong> wesen von einem<br />

Koope rationspartner der Diplomarbeiten<br />

eingestellt.<br />

Uferfiltrations-Messprofil bei Torgau. © HTW Dresden.<br />

Kooperationspartner <strong>aus</strong> dem<br />

Bereich <strong>Wasser</strong>versorgung waren bisher<br />

das DVGW Technologiezentrum<br />

<strong>Wasser</strong> in Dresden, die Fernwasserversorgung<br />

Elbaue-Ostharz GmbH,<br />

die DREWAG Stadtwerke Dresden<br />

GmbH, die OEWA <strong>Wasser</strong> und <strong>Abwasser</strong><br />

GmbH (Leipzig, Grimma,<br />

Görlitz), das Ingenieurbüro <strong>Wasser</strong><br />

und Boden GmbH, die ARCADIS<br />

Deutschland GmbH, der ZWA „Mittleres<br />

Erzgebirgsvorland“ Hainichen<br />

und Ingenieurbüros in Sachsen.<br />

Im Lehrgebiet <strong>Wasser</strong>wesen arbeiten<br />

derzeit vier Doktoranden.<br />

Cornelius Sandhu beschäftigt sich<br />

mit der Uferfiltration in Indien unter<br />

extremen Randbedingungen (kooperatives<br />

Promotionsverfahren mit der<br />

TU Dresden, Prof. Werner/ Prof. Gräber)<br />

und wird finanziert über ein EU-<br />

Projekt. Johannes Ahrns arbeitet in<br />

einem Projekt zur Uferfiltration und<br />

unterirdischen Enteisenung im Rahmen<br />

der Förderung der Forschung an<br />

Fachhochschulen (FHProfUnt, BMBF)<br />

und befasst sich mit Infiltrationsbrunnen<br />

(kooperatives Promotionsverfahren<br />

mit der TU Dresden, Prof.<br />

Liedl). Marcus Soares wird vom DAAD<br />

gefördert und arbeitet am Thema<br />

Kolmation von Gewässersohlen bei<br />

▶ ▶<br />

Juli/August 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 837


| NETZWERK WISSEN |<br />

Portrait<br />

Praktikum Abflussmessung im <strong>Wasser</strong>baulabor.<br />

© HTW Dresden<br />

Feldarbeiten<br />

im Lehrbereich<br />

der <strong>Wasser</strong>wirtschaft<br />

finden nicht<br />

selten mitten<br />

im <strong>Wasser</strong><br />

statt. © HTW<br />

Dresden<br />

der Uferfiltration in Brasilien (kooperatives<br />

Promotionsverfahren mit der<br />

TU Berlin, Prof. Gunkel). Tom Voltz<br />

beabsichtigt, im Rahmen des im<br />

September 2013 begonnenen BMBF-<br />

Ingenieur-Nachwuchs-Projektes zur<br />

Energieeffizienz in der <strong>Wasser</strong>gewinnung<br />

zu promovieren (kooperatives<br />

Promotionsverfahren mit<br />

der TU Dresden, Prof. Liedl).<br />

Weitere vier kooperative Doktorarbeiten<br />

zur Uferfiltration laufen in<br />

Indien, Thailand, Kolumbien und<br />

Ägypten, alle Doktoranden waren<br />

zu einwöchigen bis zweimonatigen<br />

Aufenthalten an der HTW Dresden.<br />

Von 2011 bis 2013 wurden drei<br />

kooperative Doktorarbeiten zur<br />

Uferfiltration in Brasilien, Indien und<br />

Südkorea erfolgreich verteidigt.<br />

Drei Forschungsschwerpunkte<br />

Forschungsprojekte an Fachhochschulen<br />

zielen vor allem auf die<br />

Nutzung der Ergebnisse in der<br />

Praxis und die Zusammenarbeit mit<br />

Partnern in der Wirtschaft und Industrie.<br />

Im Lehrgebiet <strong>Wasser</strong>wesen<br />

gibt es drei Forschungsschwerpunkte:<br />

Uferfiltration & Grundwasseranreicherung,<br />

Unterirdische Enteisenung<br />

& Brunnenverockerung und seit<br />

zwei Jahren Energieeffizienz in der<br />

<strong>Wasser</strong>versorgung.<br />

Forschungsarbeiten zur Uferfiltration<br />

in Indien laufen im Rahmen<br />

des EU-Projektes SAPH PANI<br />

(www.saphpani.eu). In Ägypten<br />

wurde 2012–2013 eine stärkere<br />

Nutzung der Uferfiltration und so<br />

genannter beach wells in Kooperation<br />

mit der Suez Canal University<br />

und dem staatlichen <strong>Wasser</strong>versorgungsunternehmen<br />

Holding Company<br />

for Water and Wastewater<br />

untersucht. In Thailand wurde 2012<br />

ein Projekt zur Kolmation der Flusssohle<br />

an potenziellen Uferfiltrationsstandorten<br />

beendet (Förderung durch<br />

BMBF und Asian Development<br />

Bank). Veranlassung des Projektes<br />

waren hohe Trübungswerte in den<br />

Flüssen Thailands (bis 800 NTU), die<br />

bei einer Uferfiltratgewinnung eine<br />

starke Kolmation der Flusssohle<br />

erwarten lassen. Mit einer mobilen<br />

Versuchsanlage, dem so genannten<br />

Kolmationsgerinne, wurde nachgewiesen,<br />

dass durch den Partikeleintrag<br />

eine deutliche Verringerung<br />

der Durchlässigkeit der Flusssohle<br />

verursacht wird. Somit wird das<br />

gewinnbare Uferfiltratvolumen pro<br />

Quadratmeter Flusssohle begrenzt.<br />

Die thailändischen Partner haben<br />

diesen erstmals in Thailand nachgewiesenen<br />

Effekt in die Planungsunterlagen<br />

für Uferfiltrat-Gewinnungsanlagen<br />

aufgenommen und<br />

für die Vorplanung die Ermittlung/<br />

Abschätzung der Kolmation (Leakage-<br />

Faktoren) gefordert. In Deutschland<br />

laufen Arbeiten zur Ausweisung von<br />

Fließzeiten bei der Uferfiltration im<br />

Lößnitztal als Grundlage für Trinkwasserschutzzonenverfahren,<br />

zur<br />

Kolmation der Elbsohle in Dresden,<br />

zur Infiltrationsleistung von Grundwasseranreicherungsbecken<br />

in Dresden<br />

und von Fischteichen im Einzugsgebiet<br />

des <strong>Wasser</strong>werks Sdier.<br />

Für die Kopplung der naturnahen<br />

Aufbereitungsverfahren Uferfiltration<br />

(UF) und unterirdische Enteisenung /<br />

Entmanganung (UEE) werden in<br />

einem FHProfUnt-Projekt wissenschaftliche<br />

Grundlagen erarbeitet,<br />

Planungswerkzeuge für Ingenieurbüros<br />

entwickelt und technische<br />

Elemente getestet und weiterentwickelt.<br />

Das Projekt beinhaltet die<br />

in einem vorangegangenen Projekt<br />

entwickelten mobilen Module zur<br />

automatisierten unterirdischen Enteisenung.<br />

Projektpartner sind die<br />

ARCADIS Deutschland GmbH, die<br />

Winkelnkemper GmbH (Fermanox)<br />

und die EDUR Pumpenfabrik GmbH<br />

& Co. KG. Das Ziel der Arbeit liegt<br />

insbesondere darin, den Reaktionsraum<br />

im Grundwasserleiter, der bei<br />

der Kopplung von UF und UEE<br />

entsteht, nicht wie bisher als Black-<br />

Box zu betrachten, sondern wie die<br />

Filteranlagen in den <strong>Wasser</strong>werken<br />

planbar zu machen. Besonderheiten<br />

der Kopplung UF-UEE, die zu<br />

Vorbehalten bezüglich deren Anwendung<br />

geführt haben, werden<br />

analysiert, teilweise in Labor- und<br />

Feldversuchen überprüft und hinsichtlich<br />

einer Optimierung dieser<br />

Technologie bewertet. Im Ergebnis<br />

sollen für eine Vielzahl möglicher<br />

Randbedingungen gesicherte Entscheidungshilfen<br />

für Planung und<br />

Betrieb von gekoppelten Anlagen<br />

vorliegen.<br />

In Forschungsarbeiten mit der<br />

ARCADIS Deutschland GmbH wurden<br />

Einsatzvarianten für technischen<br />

Sauerstoff bei der unterirdischen<br />

Enteisenung weiterentwickelt.<br />

Mit einer von der Firma<br />

Cryotec entwickelten PSA-Anlage<br />

zur on-site Produktion von technischem<br />

Sauerstoff und einer<br />

mobilen Anreicherungsanlage in<br />

einem Container wurden in einem<br />

mehrmonatigen Versuch in der<br />

Torgauer Elbaue bei Fe-Konzentrationen<br />

um 15 mg/L gute Ergebnisse<br />

erzielt.<br />

Juli/August 2014<br />

838 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Portrait<br />

|<br />

NETZWERK WISSEN<br />

|<br />

Tabelle. Ausgewählte Diplom-, Bachelor und Masterarbeiten 2011–2014<br />

Geräte, Versuchsanlagen und Dienstleistungen<br />

Mit dem Institut für <strong>Wasser</strong> und<br />

Boden Dr. Uhlmann wird ein ZIM-<br />

Projekt zur Erweiterung des Einsatzbereiches<br />

der unterirdischen Enteisenung<br />

in schwach sauren und<br />

schwach gepufferten Grundwässern<br />

durchgeführt.<br />

In einem Teilprojekt des BMBF-<br />

Verbundvorhabens „Verockerung<br />

technischer Systeme“ wurde zur<br />

Untersuchung mikrobiell induzierter<br />

Verockerungen von Filterkies unter<br />

verschiedenen Randbedingungen<br />

eine Säulenversuchsanlage entwickelt.<br />

Dabei wird Grundwasser <strong>aus</strong><br />

einer an der HTWD befindlichen<br />

Grundwassermessstelle genutzt. Das<br />

in den Säulen verockerte Filtermaterial<br />

wurde für mikrobiologische und<br />

hydrogeochemische Untersuchungen<br />

genutzt. Außerdem wurden Maßnahmen<br />

zur Vermeidung und Beseitigung<br />

von Verockerungen getestet.<br />

Für weiche Beläge und härtere Verkrustungen<br />

an Brunnenwandungen<br />

wurde ein modulares Feststoffprobenahmegerät<br />

entwickelt.<br />

Seit 2011 unterstützen die HTWD<br />

und die Stadtwerke Heidelberg GmbH<br />

das <strong>Wasser</strong>versorgungsunternehmen<br />

UJS in Indien nicht nur bei der<br />

Planung von <strong>Wasser</strong>gewinnungsanlagen,<br />

sondern auch bzgl. der<br />

Stromversorgung der Anlagen und<br />

Energieeffizienz der <strong>Wasser</strong>versorgung.<br />

So wurde das Potenzial eines<br />

Einsatzes der Photovoltaik in der<br />

Trinkwasserversorgung in kleinen<br />

Siedlungen bewertet. Seit März<br />

2013 läuft ein vom Sächsischen<br />

Ministerium für Wissenschaft und<br />

Kunst gefördertes Projekt zur Energiegewinnung<br />

in Trinkwasserversorgungsnetzen<br />

in Sachsen. Mit dem<br />

ZWA „Mittleres Erzgebirgsvorland“<br />

Hainichen wird ein Energiemanagement<br />

in Zusammenarbeit mit den<br />

Firmen intecsoft GmbH & Co.KG<br />

und wks Technik GmbH aufgebaut.<br />

Alle Arbeiten im neuen Forschungsschwerpunkt<br />

„Energieeffizienz in<br />

der <strong>Wasser</strong>versorgung“ werden eng<br />

mit der Lehre gekoppelt. Als neue<br />

Ausbildungsform und in Mitwirkung<br />

studentischer Hilfskräfte ist seit<br />

2014 das studentische Büro „sting“<br />

in Aktion.<br />

Außerdem laufen kleinere Projekte<br />

in Zusammenarbeit mit re gionalen<br />

Versorgern und Ingenieurbüros,<br />

z. B. zum Monitoring von<br />

Versickerungsbecken an Autobahnen,<br />

zur Veränderung der Grundwasserströmungsverhältnisse<br />

bei der Moorrenaturierung<br />

und im Rahmen des<br />

Projektes Sustainable Campus.<br />

Insgesamt sind acht wissenschaftliche<br />

Mitarbeiter und Doktoranden<br />

über Drittmittel beschäftigt, unterstützt<br />

von Dipl.-Ing. Wolfgang<br />

Macheleidt (h<strong>aus</strong>haltsfinanzierter<br />

La bor ingenieur). Von großem Wert<br />

ist die Beratung der Absolventen<br />

und Doktoranden durch die früheren,<br />

inzwischen im Ruhestand befindlichen<br />

Lehrer Prof. Dr.-Ing. habil.<br />

Wolfgang Nestler und Dr.-Ing. Dieter<br />

Eichhorn.<br />

Das <strong>Wasser</strong>bauliche Versuchslabor in der HTW<br />

Dresden und die mobile Feldversuchstechnik<br />

ermöglichen folgende Arbeiten:<br />

• „Kolmationsgerinne“: Feldversuchsapparatur<br />

zur Untersuchung der Kolmationsentwicklung<br />

in überströmten Säulen, die an einer<br />

Gerinnesohle befestigt sind.<br />

• Teufenorientierte Beprobung des oberflächennahen<br />

Grundwassers und des <strong>Wasser</strong>s in<br />

Flusssohlen mittels „Nestlersonde“ und anderen<br />

Rammsonden sowie Unterdruckeinheit.<br />

• Kfz-Anhänger (Qmax 7 m 3 /h) und Container<br />

(Qmax 40 m 3 /h) zur Durchführung von Feldversuchen<br />

zur unterirdischen <strong>Wasser</strong>aufbereitung<br />

mit Einmischung von Luftsauerstoff<br />

oder technischem Sauerstoff.<br />

• Grundwasserprobennahme mit Grundfos MP 1<br />

und anderen Pumpen inkl. Bestimmung der<br />

Sofortparameter T, pH, LF, O 2 sowie von K S4,3 ,<br />

K B8,2 , Trübung, Fe ges und Nitrat vor Ort.<br />

• <strong>Wasser</strong>untersuchung mittels Colilert (IDEXX)<br />

sowie ICP-OES und IC in Kooperation mit dem<br />

Bereich Chemieingenieurwesen der HTWD.<br />

• Kontinuierliche Messung von Grundwasserstand<br />

und -temperatur mittels Diver, Pumpversuchsdurchführung.<br />

• Brunnenbefahrung mit Brunnenkamera, Entnahme<br />

von Belägen an der Rohrinnenwand<br />

mit speziellem Probenahmegerät.<br />

• Ermittlung von Fließzeiten mit CTD-Leitfähigkeitsmessungen,<br />

Fluoreszenztracern und Messung<br />

der Radonkonzentration in <strong>Wasser</strong> und Luft.<br />

• Durchführung von Säulenversuchen im<br />

Labor und Feldmaßstab, Säulendurchmesser<br />

0,02–1,0 m, Säulenlängen 0,15–2,0 m; kontinuierliche<br />

Durchführung von Versuchen mit<br />

anoxischem, eisenhaltigem Grundwasser.<br />

• Siebanalysen und Bestimmung von k f -Werten<br />

mittels Säulenversuchen (geschlagene Säulen<br />

z. B. für Torfuntersuchungen), Doppelringinfiltrometerversuche,<br />

Niederschlagsmessung.<br />

• Durchflussmessungen mittels MID, Ultraschall<br />

und Messflügel, Druckmessungen und Stromverbrauchsmessungen<br />

an Pumpen.<br />

Weitere Informationen und Kontakt:<br />

Prof. Dr.-Ing. Thomas Grischek<br />

Dipl.-Ing. Wolfgang Macheleidt<br />

Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden<br />

Fakultät Bauingenieurwesen/Architektur<br />

Friedrich-List-Platz 1, 01069 Dresden<br />

Tel.: 0351 4623350<br />

E-Mail: grischek@htw-dresden.de<br />

Juli/August 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 839


| NETZWERK WISSEN | Aktuell<br />

Bild 1. Uferfiltration<br />

zwischen<br />

Ganges und<br />

Upper Ganga<br />

Canal. Foto<br />

vom März 2010<br />

vor der Kumbh<br />

Mela in Haridwar,<br />

die Zelte<br />

beherbergen<br />

Pilger, welche<br />

durch die Leit-<br />

Zäune zu den<br />

Badestellen am<br />

Canal geführt<br />

werden. © HTW<br />

Dresden<br />

Stabile Trinkwasserversorgung durch<br />

Uferfiltratgewinnung<br />

Uferfiltration im Bergland von Uttarakhand, Indien<br />

Die Versorgung der wachsenden Bevölkerung im bergigen nordindischen Bundesland Uttarakhand mit derzeit<br />

10 Mio. Einwohnern mit qualitativ einwandfreiem Trinkwasser ist eine große Her<strong>aus</strong>forderung für das zuständige<br />

staatliche Trinkwasserversorgungsunternehmen Uttarakhand Jal Sansthan (UJS).<br />

Wegen der Vielzahl von Flüssen, die<br />

von den Gletschern des Himalaya<br />

und von Quellen gespeist werden,<br />

wird der Trinkwasserbedarf vorwiegend<br />

<strong>aus</strong> Oberflächenwasser gedeckt.<br />

Dabei ist die <strong>Wasser</strong>gewinnung<br />

aufgrund sehr geringer Abflüsse in<br />

der Trockenperiode (November bis<br />

Mai) und der Extremabflüsse während<br />

des Monsun (Juni bis September)<br />

instabil. Einerseits trocknen die<br />

<strong>aus</strong> Quellen gespeisten Flüsse in der<br />

Trockenperiode fast <strong>aus</strong>, so dass es<br />

an Rohwasser mangelt. Andererseits<br />

bricht die Entnahme und Aufbereitung<br />

von Oberflächenwasser infolge<br />

von Überflutungen und starker<br />

Trübung im Monsun oft zusammen.<br />

Die Zerstörung von <strong>Wasser</strong>leitungen<br />

durch Erdrutsche bzw. Hochwasser im<br />

Monsun ist ein ungelöstes Problem.<br />

Die Nutzung der Uferfiltration (UF)<br />

ist eine nachhaltige Alternative zur<br />

Oberflächenwasseraufbereitung.<br />

Ergebnisse der seit 2005 durchgeführten<br />

<strong>Wasser</strong>beschaffenheitsuntersuchungen<br />

haben gezeigt, dass auch<br />

während des Monsun eine starke<br />

Entfernung der Gesamtcoliforme<br />

und E. coli sowie der Trübung von<br />

90 bis 99,99 Prozent während der<br />

Uferfiltration stattfindet. Deshalb<br />

wurden von der HTW Dresden in<br />

Kooperation mit UJS Projekte zur<br />

Entwicklung neuer urbaner (Srinagar,<br />

Satpuli und Agastmuni) und<br />

ländlicher Uferfiltrationsstandorte<br />

in Uttarakhand durchgeführt und<br />

bestehende Anlagen (Haridwar)<br />

optimiert (Tabelle). Das Uferfiltrat<br />

wird nur mit Natriumhypochlorit desinfiziert<br />

und direkt ins Trinkwasserversorgungsnetz<br />

eingespeist. In<br />

Haridwar, einer der heiligsten Städte<br />

des Hinduismus, steigt die Zahl der<br />

mit Trinkwasser zu versorgenden<br />

Personen während religiöser Feste<br />

von 250 000 auf 1 Million und während<br />

der Kumbh Mela auf bis zu<br />

8 Millionen (Bild 1). Trotz derartig<br />

starker Bedarfsschwankungen kann<br />

eine stabile Trinkwasserversorgung<br />

durch Uferfiltratgewinnung gesichert<br />

werden.<br />

Im Juni 2013 war Uttarakhand<br />

durch das größte bisher aufgezeichnete<br />

Hochwasser betroffen. Im Unterschied<br />

zu den Hochwässern 2002<br />

und 2013 in Deutschland kam es in<br />

den Bergtälern von Uttarakhand zu<br />

<strong>Wasser</strong>standsänderungen um mehr<br />

als 15 m. So wurden auch neue, für<br />

hochwassersicher gehaltene Uferfiltratbrunnen<br />

in Srinagar überflutet.<br />

Jedoch stellte nicht die Überflutung<br />

das größte Problem dar, sondern<br />

die massive Ablagerung von Sediment.<br />

So wurde in Srinagar ein<br />

Brunnen, dessen Brunnenkopf sich<br />

Juli/August 2014<br />

840 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Aktuell<br />

|<br />

NETZWERK WISSEN<br />

|<br />

Bild 2. Ufer filtrations-Brunnen in Srinagar vor dem Hochwasser<br />

im März 2013. © T. Voltz / HTW Dresden<br />

Bild 3. Sedimentablagerung am Uferfiltrations-Brunnen in Srinagar<br />

nach dem Hochwasser, Juli 2013. © C. Sandhu / HTW Dresden<br />

etwa 7 m über Mittelwasserstand<br />

des Flusses Alaknanda befand<br />

(Bild 2), mit 2 m Sand überschüttet.<br />

Die Brunnenanlage inkl. Notstromaggregat<br />

und Hypochlorit-Dosieranlage<br />

musste nach Rückgang des<br />

Hochwassers regelrecht <strong>aus</strong>gegraben<br />

werden (Bild 3).<br />

Für die Festlegung neuer Brunnenstandorte<br />

ist deshalb eine Auswertung<br />

der Ablagerungsmächtigkeiten<br />

geplant. Eine exakte Prognose des<br />

Sedimenttransports in den Bergtälern<br />

ist vermutlich nicht realisierbar.<br />

Neben Machbarkeitsstudien zu<br />

neuen Uferfiltrationsanlagen in Uttarakhand<br />

und der Optimierung von<br />

Uferfiltratfassungen laufen Studentenprojekte<br />

(Praktika, Diplomarbeiten)<br />

zum Brunnenbau, zur Versorgung<br />

kleiner Siedlungen, zur Leckagesuche,<br />

Pumpen<strong>aus</strong>wahl, Desinfektion und<br />

Nachweis von Restchlorgehalten im<br />

Verteilungsnetz.<br />

Weitere Informationen und Kontakt:<br />

MSc Cornelius Sandhu<br />

Dr. Ulrike Feistel<br />

Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden<br />

Friedrich-List-Platz 1<br />

01069 Dresden<br />

Tel.: 0351 462 2681<br />

E-Mail sandhu@htw-dresden.de<br />

Tabelle. Übersicht der neugebauten und optimierten Uferfiltratfassungen in Uttarakhand.<br />

Reaktionszonen bei der unterirdischen Enteisenung<br />

in Khabarovsk<br />

Einer der drei Forschungsschwerpunkte des Lehrgebiets <strong>Wasser</strong>wesen<br />

an der HTW Dresden<br />

In Khabarovsk in Russland wird eines der weltweit größten <strong>Wasser</strong>werke zur unterirdischen Aufbereitung von<br />

Grundwasser gebaut. Im Endzustand soll das von der ARCADIS Deutschland GmbH geplante <strong>Wasser</strong>werk <strong>aus</strong> fünf<br />

Sektionen mit jeweils zwölf Brunnen bestehen und über eine Aufbereitungskapazität von 106 000 m³/d verfügen.<br />

Bei der unterirdischen Aufbereitung<br />

von Grundwasser wird durch Infiltration<br />

von sauerstoffreichem <strong>Wasser</strong><br />

in den Grundwasserleiter eine Reaktionszone<br />

aufgebaut, in welcher gelöstes<br />

Eisen(II) und Mangan(II) adsorbiert<br />

und zu schwer löslichen<br />

Oxidhydraten oxidiert wird (Bild 1).<br />

Die frisch gebildeten Oxidhydrate<br />

besitzen gegenüber Eisen(II)- und<br />

Mangan(II)-Ionen eine hohe Adsorptionskapazität.<br />

Während der<br />

Förderphase ist es somit möglich,<br />

ein Vielfaches der zuvor infiltrierten<br />

<strong>Wasser</strong>menge zu entnehmen, bis<br />

die Adsorptionsplätze aufgebraucht<br />

sind und die Reaktionszone durch<br />

erneute Infiltration regeneriert werden<br />

muss. Die Ergiebigkeit und die Nutzungsdauer<br />

einer solchen Anlage<br />

hängen sowohl von der Größe der<br />

▶ ▶<br />

Juli/August 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 841


| NETZWERK WISSEN |<br />

Aktuell<br />

Bild 1.<br />

Unter irdische<br />

Enteisenung.<br />

© HTW Dresden<br />

Reaktionszone, als auch von den<br />

standortspezifischen Randbedingungen<br />

ab.<br />

Bei der Planung des <strong>Wasser</strong>werks<br />

in Khabarovsk mussten teilweise<br />

schwierige Randbedingungen beachtet<br />

werden. So beträgt etwa die Grundwassertemperatur<br />

im Mittel nur 5,5 ° C,<br />

der pH-Wert des unbeeinflussten<br />

Grundwassers liegt bei etwa 5,7. Mikrobiologische<br />

Untersuchungen der<br />

TU Berlin zeigten, dass sich die dort<br />

nachgewiesenen Bakterien grundlegend<br />

von den bisher bekannten Bakterien<br />

unterscheiden. Diese Faktoren<br />

haben einen wesentlichen Einfluss<br />

auf den Aufbau der Reaktionszonen.<br />

Das Vorhandensein von Methan und<br />

Ammonium erschwert zusätzlich die<br />

Einarbeitung der Reaktionszonen.<br />

Um die Reaktionszonen in ihrem<br />

hydrogeochemischen Aufbau beschreiben<br />

zu können und um<br />

<strong>Wasser</strong>proben für mikrobiologische<br />

Untersuchungen zu gewinnen, wurden<br />

Messstellen an zwei Pilotbrunnen<br />

und zwei Neubrunnen zu unterschiedlichen<br />

Zeiten der Infiltration und Entnahme<br />

beprobt. Die Pilotbrunnen<br />

verfügen über jeweils zwei Grundwassermessstellen<br />

(GWM) in einer<br />

Entfernung von etwa 6,5 m und<br />

10 m zur Brunnenachse und die<br />

Neubrunnen über jeweils drei GWM<br />

in einer Entfernung von etwa 7 m,<br />

14,5 m und 22,5 m. Der zeitliche<br />

Abstand zwischen den Probenahmen<br />

wurde mit zunehmender Dauer<br />

einer Betriebsphase entsprechend<br />

der radialen Verteilung/Entnahme<br />

des <strong>Wasser</strong>s angepasst. So wurden<br />

nach 0 h, 1 h, 2 h, 4 h, ... einer jeden<br />

Betriebsphase Proben entnommen.<br />

Erschwert wurde dies durch teilweise<br />

extreme Witterungsbedingungen,<br />

Nachtarbeit und Insektenplagen.<br />

Insgesamt fanden innerhalb von vier<br />

Wochen über 190 Probenahmen statt.<br />

Die Messergebnisse wurden abhängig<br />

von der Dauer der jewei ligen<br />

Betriebsphase und der Ent fernung<br />

der Grundwassermessstellen vom<br />

Brunnen dargestellt (Bild 2, Bild 3).<br />

Am Ende der Infiltration von<br />

sauerstoffreichem <strong>Wasser</strong> ist das<br />

natürliche Grundwasser weitgehend<br />

verdrängt, die Eisenkonzentration<br />

in Brunnennähe ist gering (Bild 2).<br />

Erst in einer Entfernung von mehr<br />

als 7 m beträgt die Eisenkonzentration<br />

mehr als 2 mg/L. Bei der<br />

Entnahme fließt das natürliche<br />

Grundwasser durch den oxidierten<br />

Bereich der Reaktionszone. In 7 m<br />

Entfernung steigt die Eisenkonzentration<br />

jetzt auf mehr als 18 mg/L<br />

(Bild 3). In 1 m Entfernung ist von<br />

einer deutlich geringeren Eisenkonzentration<br />

<strong>aus</strong>zugehen als in Bild 3<br />

dargestellt, da die Werte linear<br />

interpoliert wurden. Entscheidend<br />

für einen langfristigen Betrieb der<br />

Brunnen ist, dass das Eisen nicht in<br />

unmittelbarer Nähe des Brunnens<br />

(1 bis 2 m Entfernung) abgelagert<br />

wird, sondern in größerer Entfernung<br />

(5 bis 10 m). Dies wurde durch<br />

die Messwerte für die Brunnen in<br />

Khabarovsk bestätigt.<br />

Im Ergebnis der dynamischen<br />

Beprobung konnten die Ausdehnung<br />

der Reaktionszonen in Abhängigkeit<br />

von der jeweiligen Betriebsdauer<br />

abgeschätzt, Sauerstoffbilanzen erstellt<br />

und der Einfluss der Fe(II)-<br />

Oxidation auf den pH-Wert in den<br />

Reaktionszonen ermittelt werden.<br />

Weitere Informationen und Kontakt:<br />

Dipl.-Ing. (FH) Jan Seifert<br />

Dipl.-Ing. (FH) Johannes Ahrns<br />

Dipl.-Ing. (FH) Jakob Ebermann<br />

Hochschule für Technik und<br />

Wirtschaft Dresden<br />

Lehrgebiet <strong>Wasser</strong>wesen<br />

Friedrich-List-Platz 1<br />

01069 Dresden<br />

Tel.: 0351 4622631<br />

E-Mail: wasserwesen@htw-dresden.de<br />

Bild 2. Eisenkonzentration in mg/L am Beginn der Entnahme<br />

(Neubrunnen 1110).<br />

Bild 3. Eisenkonzentration in mg/L am Ende der Entnahme<br />

(Neubrunnen 1110).<br />

Juli/August 2014<br />

842 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Aktuell<br />

|<br />

NETZWERK WISSEN<br />

|<br />

Beitrag zur Energiewende in Deutschland<br />

Dynamisches Energiemanagement in der <strong>Wasser</strong>wirtschaft<br />

Im Zuge der staatlich geförderten Energiewende sind <strong>Wasser</strong>versorgungsunternehmen (WVU) gefordert, ihre<br />

Energienutzung zu überprüfen, Einsparpotenziale zu identifizieren und entsprechende Maßnahmen umzusetzen.<br />

Seit 2013 gibt es im Zusammenhang mit der ISO 50001 von 2011 Änderungen beim EnergieStG und StromStG.<br />

Danach sind Unternehmen des produzierenden Gewerbes (einschl. <strong>Wasser</strong>versorgung) zur Einführung eines so<br />

genannten Energiemanagementsystems (EnMS) verpflichtet, welches gleichzeitig Steuererstattungen ermöglicht.<br />

Die Zertifizierung wird vom DVGW explizit empfohlen.<br />

Während viele große WVU bereits<br />

eine Lösung für diese Problematik<br />

haben, fehlen den kleineren WVU<br />

oft Fachpersonal und Zeit, um ein<br />

Energiemanagement eigenständig<br />

aufbauen zu können. Hier gab es<br />

bisher eine eher unabhängige oder<br />

unvollkommene Betrachtung von<br />

Energie und <strong>Wasser</strong> in der Planung<br />

und Produktion. Diese Schnittstelle<br />

muss durch eine technische und<br />

wirtschaftliche Verknüpfung deutlich<br />

gestärkt werden. Mit dieser Aufgabe<br />

befassen sich derzeit drei Mitarbeiter<br />

und vier Studenten der<br />

HTW Dresden. Seit 2011 laufen Projekte<br />

zur Energieeffizienz von Pumpenanlagen<br />

(Bild 1), Energie(rück)<br />

gewinnung durch Pumpen als Turbinen<br />

(PaT) sowie zum Aufbau von<br />

EnMS in kleineren WVU. Folgende<br />

Kooperationen und Ergebnisse sind<br />

zu verzeichnen:<br />

• Bei dem indischen WVU Uttarakhand<br />

Jal Sansthan wurden 50 Reinwasserpumpen<br />

untersucht, mit<br />

dem Ergebnis eines mittleren<br />

Gesamtwirkungsgrades von 47 %.<br />

Eine realisierbare Effizienzsteigerung<br />

für nur 7 leistungsstarke Pumpen<br />

könnte innerhalb von 10 Jahren<br />

zu einer Einsparung an Energiekosten<br />

in Höhe von 446 T Euro<br />

(indische Strompreise!) führen. Das<br />

Projekt wird von der indischen<br />

Förderagentur UREDA, dem KMU<br />

SIMPLEX, der Stadtwerke Heidelberg<br />

GmbH und Grüner Strom<br />

Label unterstützt.<br />

• Potenzialanalysen im Fernleitungsnetz<br />

der Fernwasserversorgung<br />

Elbaue-Ostharz und <strong>Wasser</strong>versorgungsnetzen<br />

des ZWA Hainichen<br />

ergaben fünf neue Standorte, an<br />

denen PaT zur EEG-vergütbaren<br />

Energiegewinnung wirtschaftlich<br />

eingesetzt werden könnten<br />

mit Amortisationszeiten zwischen<br />

3 und 10 Jahren.<br />

• PaT-Untersuchungen im <strong>Wasser</strong>bau-Labor<br />

der HTW (Bild 2)<br />

wurden mit Pumpen der Firma<br />

Hidrostal begonnen. Eine Brauchwasserpumpe<br />

mit Schraubenlaufrädern<br />

wies im rückwärts durchströmten<br />

Turbinenbetrieb einen<br />

Wirkungsgrad von 50 % auf und<br />

dies sogar bei einer geringen<br />

1,9 kW-Generatorleistung – ein<br />

Indiz für wirtschaftliche Potenziale<br />

ähnlicher Pumpenarten in<br />

größeren Leistungsklassen. Weitere<br />

Untersuchungen werden mit<br />

Pumpen der Firmen Speck und<br />

Grundfos durchgeführt.<br />

• Seit Mai 2014 wird mit den Dresdner<br />

Firmen intecsoft (Softwarelösungen)<br />

und wks (Anlagenbau<br />

und Prozessleittechnik) ein EnMS<br />

für den ZWA Hainichen aufgebaut.<br />

Dabei sollen durch die Auswertung<br />

energetischer und wirtschaftlicher<br />

Kennzahlen der Energiemanager<br />

unterstützt und die<br />

Mitarbeiter zum energiebewussten<br />

Handeln motiviert werden.<br />

Weitere Informationen und Kontakt:<br />

M.Sc. Thomas Voltz<br />

Dipl.-Ing. (FH) Philipp Bahner<br />

Dipl.-Ing. (FH) Fabian Musche<br />

Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden<br />

Friedrich-List-Platz 1, 01069 Dresden<br />

Tel.: 0351 462 2681<br />

E-Mail: voltz@htw-dresden.de<br />

Bild 1. Studenten der HTWD in Diskussion<br />

mit indischen Partnern. © HTW Dresden<br />

Bild 2. PaT­<br />

Versuchsstand.<br />

© HTW Dresden<br />

Juli/August 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 843


| NETZWERK WISSEN |<br />

Aktuell<br />

KUROF-Technologie zur Grundwasseranreicherung<br />

in Dresden<br />

Ein Beispiel <strong>aus</strong> der „historischen“ <strong>Wasser</strong>wirtschaft<br />

Seit mehr als 25 Jahren werden im <strong>Wasser</strong>werk Dresden-Hosterwitz Hochleistungs becken zur Grundwasseranreicherung<br />

genutzt. Eine Besonderheit bei diesen Hochleistungsbecken ist der Einsatz eines sogenannten<br />

KUROF-Gerätes (KUROF: Kurztaktoberflächenfiltration, WAPRO 1.17/03), welches von Eisoldt, Menschel,<br />

Löffler, Böhler, Ott, Baumgardt u.a. Mitte der 80er Jahre entwickelt wurde. Zu der Zeit wurde von einem weiter<br />

steigenden <strong>Wasser</strong>bedarf der Stadt <strong>aus</strong>gegangen. Deshalb sollte auf dem vorhandenen <strong>Wasser</strong>werksgelände<br />

möglichst viel Grundwasser angereichert werden. Ziel war es, eine Infiltrationsrate von 8–10 m/d zu erreichen<br />

und die oberste Filtersandschicht im laufenden Betrieb zu reinigen, um die Kolmation gering zu halten.<br />

Regeneriergerät<br />

KUROF<br />

im Februar<br />

2013. © HTW<br />

Dresden<br />

Infolge der Überflutung der Becken<br />

während des Elbe-Hochwassers<br />

2002 und Schäden an der Technik<br />

wurden die Geräte vor dem Hochwasser<br />

2013 <strong>aus</strong> den Becken entfernt<br />

und an höherer Stelle aufgeständert.<br />

Ob die Geräte erneut<br />

eingesetzt werden, ist fraglich, da<br />

der gesunkene <strong>Wasser</strong>bedarf bei<br />

der vorhandenen Beckenfläche auch<br />

mit geringeren Infiltrationsraten gedeckt<br />

werden kann. Somit ist auch<br />

eine konventionelle Reinigung der<br />

oberen Filtersandschicht möglich<br />

und vor<strong>aus</strong>sichtlich wirtschaftlicher.<br />

Deshalb soll nachfolgend die<br />

KUROF-Technik kurz beschrieben<br />

werden, um auf ein Beispiel für eine<br />

bedarfsorientierte Entwicklung in<br />

der „historischen“ <strong>Wasser</strong>wirtschaft<br />

hinzuweisen und interessierte Kollegen<br />

zu einer vielleicht letztmaligen<br />

Möglichkeit der Besichtigung<br />

zu ermuntern.<br />

Das Elbewasser wird nach einer<br />

Voraufbereitung (Flockung mit Aluminiumsulfat,<br />

Mehrschichtfiltration)<br />

den Infiltrationsbecken zugeführt.<br />

Die Becken haben eine Breite von<br />

17 m, eine Länge von bis zu 190 m<br />

und somit eine Infiltrationsfläche<br />

von bis zu 3 000 m 2 . In der Mitte der<br />

Becken wurden zwei Zulaufrinnen<br />

als Rechteckprofile angeordnet. Auf<br />

einer Mittelwand und den Seitenwänden<br />

wurden Schienen befestigt,<br />

auf denen das Regeneriergerät fährt.<br />

Der Schienenabstand beträgt 8,4 m,<br />

die Arbeitsbreite des Regeneriergerätes<br />

8,0 m.<br />

Waschtrommel<br />

mit Antrieb.<br />

© HTW Dresden<br />

Waschtrommel <strong>aus</strong> <strong>Edelstahl</strong><br />

Die Infiltrationsraten lagen in den<br />

vergangenen Jahren bei 7–10 m/d<br />

bei einer Überstauhöhe von 20–40 cm.<br />

Der Einsatz des Regeneriergerätes<br />

beginnt, sobald über eine Fünffinger<br />

elektrode ein Überstau von<br />

min destens 15 cm gemessen wird.<br />

Die Regeneriertiefe kann durch<br />

die Absenkung der Waschtrommel<br />

Juli/August 2014<br />

844 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Aktuell<br />

|<br />

NETZWERK WISSEN<br />

|<br />

gesteuert werden und beträgt üblicherweise<br />

5–10 cm. Bis zu der max.<br />

Regeneriertiefe von 40 cm wurden<br />

die Becken früher etwa einmal jährlich<br />

gereinigt. Die Reinigung erfolgt<br />

durch die Absenkung und Drehung<br />

einer Waschtrommel <strong>aus</strong> <strong>Edelstahl</strong>streben.<br />

Die obere Filtersandschicht<br />

wird aufgewirbelt. Das trübstoffbeladene<br />

<strong>Wasser</strong> fließt in eine in<br />

vier gleiche Abschnitte unterteilte<br />

Abflussrinne in Fahrtrichtung. Aus<br />

dieser Rinne wird das Spülwasser<br />

durch vier Pumpen mit einer Leistung<br />

von je 20 m 3 /h in einen Sandfang<br />

gepumpt, von dem <strong>aus</strong> es in einen<br />

mittig im Becken angeordneten<br />

Kanal gelangt. Bei einer Regeneriertiefe<br />

von 5 cm liegt die Fahrgeschwindigkeit<br />

des Regeneriergerätes<br />

bei 60 cm/min, bei einer Regeneriertiefe<br />

von 40 cm bei 15 cm/min.<br />

Der gewaschene, sich wieder ablagernde<br />

Sand wird durch einen<br />

Rechen anschließend geglättet. Die<br />

Stromversorgung des Regeneriergerätes<br />

erfolgt über ein Schleppkabel,<br />

welches längs des Beckens in<br />

einem kleinen Kanal mitgeführt wird.<br />

Für den Betrieb des Gerätes ist<br />

eine Person <strong>aus</strong>reichend. Im Normalfall<br />

werden für eine Beckenregenerierung<br />

6–7 Stunden benötigt. Der<br />

Winterbetrieb ist stärker von der<br />

<strong>Wasser</strong>temperatur als von der<br />

Lufttemperatur abhängig. Bis zu<br />

einer Flusswassertemperatur von<br />

3 °C kann die Regenerierung auch<br />

bei Lufttemperaturen < 0 °C betrieben<br />

werden.<br />

Die Vorteile des KUROF-Verfahrens<br />

sind eine hohe Infiltrationsleistung<br />

bei geringem Flächenbedarf, die<br />

Möglichkeit der Regenerierung bei<br />

laufendem Betrieb der Becken und<br />

eine regelmäßige Auflockerung der<br />

obersten Schicht ohne Last eintrag<br />

und partielle Verdichtung. Nachteilig<br />

sind im Vergleich zu einer maschinellen<br />

Entfernung der obersten Schicht<br />

der größere ge rätetechnische Aufwand<br />

und Wartungsbedarf.<br />

Autoren:<br />

Prof. Dr.-Ing. Thomas Grischek<br />

Dipl.-Ing. Rico Bartak<br />

HTW Dresden<br />

01069 Dresden<br />

Tel.: 0351 4623350<br />

E-Mail: wasserwesen@htw-dresden.de<br />

Mit Dank an Herrn Glettnik,<br />

DREWAG Netz GmbH<br />

E-Mail: Thomas_Glettnik@drewag-netz.de<br />

Becken mit<br />

Schienen und<br />

Zulaufrinne<br />

zur Beschickung<br />

der<br />

Becken.<br />

© HTW Dresden<br />

Vor dem<br />

Hochwasser<br />

2013 gesicherte<br />

KUROF-Geräte<br />

im April 2014.<br />

© HTW Dresden<br />

Für eine sichere Trinkwasserversorgung<br />

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Feuerwehr-Kegelmembran-Rückflussverhinderer:<br />

• zum Schutz des Trinkwassers vor Verunreinigungen<br />

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nach DVGW W408<br />

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Juli/August 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 845


| NETZWERK WISSEN |<br />

Aktuell<br />

Sanierter<br />

Schachtbrunnen<br />

in<br />

Haridwar.<br />

© HTW Dresden<br />

Forschung und technisch-wissenschaftliche<br />

Beratung für das <strong>Wasser</strong>fach<br />

Erfolgreiche Kooperationen mit der HTW Dresden<br />

Das DVGW-Technologiezentrum <strong>Wasser</strong> (TZW) ist eine organisatorisch selbstständige, gemeinnützige Einrichtung<br />

des Deutschen Vereins des Gas- und <strong>Wasser</strong>faches e. V. (DVGW). Als Bindeglied zwischen Forschung und<br />

Praxis kooperiert es mit <strong>Wasser</strong>versorgern, Kommunen, Unternehmen, Behörden und Hochschulen wie der<br />

HTW Dresden. TZW-Außenstellenleiter Dr.-Ing. Burkhard Wricke erklärt im Interview die Hintergründe.<br />

Dr.-Ing. Burkhard<br />

Wricke<br />

© Dr.-Ing. Burkhard<br />

Wricke<br />

<strong>gwf</strong>: Herr Dr.-Ing. Wricke, das TZW<br />

arbeitet seit vielen Jahren eng zusammen<br />

mit der HTW Dresden. Wie kam<br />

es zu dieser Zusammenarbeit?<br />

Dr.-Ing. Wricke: Die Kontakte<br />

zwischen im <strong>Wasser</strong>fach tätigen Unternehmen<br />

und Institutionen und<br />

den in Dresden ansässigen Hochschulen<br />

sind historisch bedingt sehr<br />

eng. Mit der Gründung der Außenstelle<br />

Dresden des DVGW-Technologiezentrum<br />

<strong>Wasser</strong> Karlsruhe Anfang<br />

der 90er Jahre wurden bestehende<br />

Kontakte genutzt, um<br />

die Zusammenarbeit zwischen dem<br />

TZW und der TU Dresden sowie der<br />

HTW Dresden zu entwickeln. Für<br />

das TZW Dresden waren dabei die<br />

an der HTW laufenden Arbeiten zur<br />

Grundwasserbewirtschaftung und<br />

unterirdischen <strong>Wasser</strong>aufbereitung<br />

von besonderem Interesse. Aus der<br />

Zusammenarbeit auf diesem Gebiet<br />

entwickelte sich dann eine Mitarbeit<br />

an Forschungsprojekten, die<br />

von der HTW in Indien durchgeführt<br />

werden, wobei das TZW hier insbesondere<br />

seine Erfahrungen auf dem<br />

Gebiet der Trinkwasseraufbereitung<br />

und Desinfektion einbringt.<br />

<strong>gwf</strong>: Wie genau sieht diese Zusammenarbeit<br />

in der Praxis <strong>aus</strong>?<br />

Dr.-Ing. Wricke: Neben der gemeinsamen<br />

Bearbeitung von F/E-<br />

Projekten spielt die Kooperation<br />

bei der Bearbeitung von objektkonkreten<br />

Aufträgen eine besondere<br />

Rolle. Hierbei befasst sich die HTW<br />

schwerpunktmäßig mit der Uferfiltration,<br />

Grundwasseranreicherung<br />

und <strong>Wasser</strong>gewinnung während<br />

das TZW Fragen der oberirdischen<br />

Aufbereitung sowie der Trinkwasserverteilung<br />

bearbeitet. Für weitergehende<br />

Untersuchungen bei der<br />

Uferfiltration kommt dabei auch die<br />

Spezialanalytik des TZW zum Einsatz.<br />

Im Rahmen von Praktika und<br />

Abschlussarbeiten werden Studenten<br />

der HTW seit vielen Jahren in<br />

Projekte des TZW eingebunden.<br />

Als aktuelles Beispiel dafür hat<br />

das TZW als Partner im Rahmen der<br />

Forschung die HTW beim Aufbau<br />

eines Kompetenzzentrums Uferfiltration<br />

in Indien unterstützt (siehe<br />

Infokasten). Zur Vorbereitung eines<br />

weiteren Projektes war eine Doktorandin<br />

<strong>aus</strong> dem Indian Institute of<br />

Technology Roorkee in diesem Jahr<br />

für zwei Monate am TZW tätig.<br />

<strong>gwf</strong>: Welche Ziele verfolgen Sie dabei?<br />

Dr.-Ing. Wricke: Uns geht es darum,<br />

bei der Zusammenarbeit mit den<br />

<strong>Wasser</strong>versorgern in Deutschland<br />

auch die an der HTW vorliegenden<br />

Erfahrungen zur Uferfiltration mit<br />

einfließen zu lassen. Letztendlich<br />

geht es um die Optimierung der<br />

gesamten Aufbereitung.<br />

Bei den Projekten in Indien<br />

wollen wir unsere Erfahrungen<br />

zur Trinkwasseraufbereitung einbringen<br />

und dabei innovative Ansätze<br />

und Verfahren für einen möglichen<br />

Einsatz in anderen Regionen<br />

der Welt weiterentwickeln.<br />

<strong>gwf</strong>: Herr Dr.-Ing. Wricke, vielen Dank<br />

für das Gespräch.<br />

Juli/August 2014<br />

846 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Aktuell<br />

|<br />

NETZWERK WISSEN<br />

|<br />

Das DVGW-Technologiezentrum<br />

<strong>Wasser</strong><br />

Das DVGW-Technologiezentrum<br />

<strong>Wasser</strong> (TZW) ist eine organisatorisch<br />

selbstständige, gemeinnützige Einrichtung<br />

des Deutschen Vereins des<br />

Gas- und <strong>Wasser</strong>faches e. V. (DVGW)<br />

und beschäftigt an seinem Hauptstandort<br />

in Karlsruhe ca. 150 Mitarbeiterinnen<br />

und Mitarbeiter. Darüber<br />

hin<strong>aus</strong> ist es mit seinen Außenstellen<br />

auch in Dresden und Hamburg vertreten.<br />

Derzeit arbeiten am TZW<br />

Dresden 20 Mitarbeiter. Zudem sind<br />

zehn Studenten als wissenschaftliche<br />

Hilfskräfte bzw. im Rahmen von<br />

Praktika und Abschlussarbeiten eingebunden.<br />

Das TZW dient als Bindeglied<br />

zwischen Forschung und Praxis.<br />

Für <strong>Wasser</strong>versorger, Kommunen,<br />

Unternehmen und Behörden erarbeitet<br />

das TZW Konzepte und Lösungen<br />

zu aktuellen Fragestellungen <strong>aus</strong><br />

dem Bereich der gesamten Prozesskette<br />

des Trinkwassers unter Berücksichtigung<br />

des gesamten <strong>Wasser</strong>kreislaufs.<br />

Darüber hin<strong>aus</strong> wirkt das<br />

TZW bei den satzungsgemäßen<br />

Aufgaben des DVGW wie beispielsweise<br />

bei der Fortschreibung des<br />

DVGW-Regelwerkes mit. Forschungsprojekte<br />

mit Finanzierung öffentlicher<br />

Mittel durch den DVGW, das Land<br />

Baden-Württemberg, das Bundesministerium<br />

für Forschung und<br />

Technologie oder die Europäische<br />

Union werden praxisnah im Sinne<br />

des <strong>Wasser</strong>faches in Kooperation<br />

mit <strong>Wasser</strong>versorgern, Hochschulen<br />

und Forschungseinrichtungen bearbeitet.<br />

Das TZW entwickelt auf der Basis<br />

seiner umfangreichen Forschungsaktivitäten<br />

und Praxiserfahrungen<br />

Lösungen und Konzepte für alle<br />

Bereiche der <strong>Wasser</strong>branche vom<br />

Ressourcenschutz über die Gewinnung<br />

und Aufbereitung bis hin<br />

zur Entnahmearmatur. Hierzu stehen<br />

flexibel Teams <strong>aus</strong> den Bereichen<br />

Umweltbiotechnologie und<br />

Altlasten, Grundwasser und Boden,<br />

Analytik und <strong>Wasser</strong>beschaffenheit,<br />

Technologie und Wirtschaftlichkeit,<br />

Mikrobiologie und Mole ku larbiologie,<br />

Prüfstelle <strong>Wasser</strong> und<br />

„Indo-German Competence Center for Riverbank Filtration“<br />

Die HTW Dresden ist seit 2004 in Indien<br />

in Sachen Uferfiltration aktiv. Begonnen<br />

hat es mit einer Tagungsteilnahme von<br />

Prof. Grischek am Indian Institute of<br />

Technology Roorkee (IITR) auf Einladung<br />

von Prof. Ray und Prof. Ojha.<br />

Seitdem wurden verschiedene angewandte<br />

Forschungsprojekte vom BMBF,<br />

der EU und GTZ-ASEM gefördert: „EU-<br />

India RBF Network“ (2005–06), „Cooperation<br />

Centre for Riverbank Filtration“<br />

(CCRBF) in Haridwar (2007), „Capacity<br />

Building for RBF“ (2008) & „Indo-German<br />

RBF Network“ (2008–2011), „Saph Pani“<br />

(2011–2014).<br />

Korrosion sowie Verteilungsnetze<br />

und H<strong>aus</strong>installation zur Verfügung.<br />

Damit umfassen die Arbeitsgebiete<br />

des TZW den gesamten <strong>Wasser</strong>kreislauf<br />

und insbesondere die<br />

Trinkwasserversorgung.<br />

Das TZW ist weltweit in Forschungs-<br />

und Wissenscluster eingebunden.<br />

Es ist zentrales Bindeglied<br />

internationaler Arbeitsgemeinschaften<br />

in den Flusseinzugsgebieten<br />

Rhein, Donau und Elbe sowie<br />

Mitglied in der internationalen<br />

Ver einigung für <strong>Wasser</strong>forschung<br />

Bau eines Brunnens im Bergland von Uttarakhand.<br />

© HTW Dresden<br />

Das <strong>Wasser</strong>versorgungsunternehmen Uttarakhand Jal Sansthan (UJS) mit Sitz in<br />

Dehradun war sehr interessiert an einer Kooperation mit deutschen Einrichtungen, so<br />

dass 2007 offiziell das „Kooperationszentrum Uferfiltration“ (Cooperation Centre for<br />

Riverbank Filtration“ als gemeinnütziger Verein angemeldet wurde. Partner sind UJS,<br />

IITR, HTWD und die Stadtwerke Düsseldorf AG. Am Uferfiltrationsstandort Haridwar<br />

sanierte UJS einen Brunnen und stellte dem Verein Ausstellungsflächen und einen<br />

Arbeitsraum für Projektarbeiten der HTW-Studenten zur Verfügung.<br />

Zusätzlich zu den laufenden praktischen Arbeiten des Kooperationszentrums wurde<br />

eine stärkere wissenschaftliche Zusammenarbeit angestrebt. In Indien werden im Unterschied<br />

zu Deutschland Unternehmen wie UJS bisher nicht als Projektpartner in Forschungsprojekten<br />

akzeptiert. Deshalb wurde mit Unterstützung des BMBF und des Indischen<br />

Ministeriums für <strong>Wasser</strong>ressourcen nach vielen administrativen Schwierigkeiten das<br />

„Indo-German Competence Centre for Riverbank Filtration“ (IGCCRBF) gegründet. Das<br />

entsprechende Memorandum of Understanding zwischen der HTWD und dem National<br />

Institute of Hydrology (NIH) wurde am 31. Mai 2011 im Rahmen einer Delegationsreise<br />

der Bundeskanzlerin nach Neu Delhi im Beisein der Ministerin Frau Schavan unterzeichnet.<br />

Die Koordination auf indischer Seite liegt bei Dr. N.C. Ghosh am NIH in Roorkee.<br />

Partner des Kompetenzzentrums sind das IITR, das TZW und das Institut für <strong>Wasser</strong>chemie<br />

der TU Dresden. Das langfristige Ziel des Kompetenzzentrums Uferfiltration in<br />

Indien ist die Stärkung der Forschungskooperation zwischen Deutschland und Indien im<br />

Bereich <strong>Wasser</strong>forschung. Schwerpunkte sind die Information indischer Institutionen<br />

über die Forschungskompetenzen deutscher Einrichtungen sowie Projektanbahnungen<br />

auf dem Gebiet der <strong>Wasser</strong>wirtschaft, insbesondere der <strong>Wasser</strong>gewinnung und Uferfiltration.<br />

GWRC (Global Water Research Coalition).<br />

Zudem wird gemeinsam mit<br />

den Stadtwerken Karlsruhe im<br />

<strong>Wasser</strong>werk Durlacher Wald das<br />

Heinrich-Sontheimer-Laboratorium<br />

(HSL) geleitet.<br />

Weitere Informationen und Kontakt:<br />

Dr.-Ing. Burkhard Wricke<br />

<strong>Wasser</strong>werkstr. 2<br />

01326 Dresden<br />

Tel.: 0351 85211-0<br />

Juli/August 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 847


| NETZWERK WISSEN |<br />

Aktuell<br />

24/7-Grundversorgung, die für große Teile der Welt<br />

noch immer Luxus bedeutet<br />

Praktikumsbericht des Bauingenieur-Studenten Mario Wolf in Indien<br />

Im fünften Fachsemester unseres Studienganges muss jeder Student ein Ingenieurpraktikum absolvieren und<br />

eine Projektarbeit anfertigen. Als es bei mir in die Bewerbungsphase ging, bewarb ich mich bei einigen Baufirmen,<br />

suchte aber eigentlich etwas Spezielleres, etwas Einmaliges. Und ich suchte neue Erfahrungen, wie das<br />

Arbeiten in anderen Ländern und das Kennenlernen anderer Kulturen. Dann erfuhr ich von Prof. Grischek,<br />

dass die HTW Dresden vier Plätze für ein fünfmonatiges Auslandssemester in Indien vergibt, gefördert durch<br />

den Deutschen Akademischen Aust<strong>aus</strong>chdienst und in Zusammenarbeit mit dem indischen <strong>Wasser</strong>versorger<br />

Uttarakhand Jal Sansthan. Das war meine Chance auf etwas Einmaliges. Ich schrieb meine Bewerbung, nahm<br />

am Auswahlgespräch und Test teil und nur wenige Tage danach kam die Zusage.<br />

So reiste ich nach Indien in die Stadt<br />

Dehradun, etwa 200 km nördlich<br />

von Neu Delhi, mit dem Ziel der<br />

Ermittlung der Effizienz von Uferfiltrationsbrunnen<br />

am Standort Haridwar<br />

und einer Begutachtung potenzieller<br />

Standorte zur Nutzung von<br />

<strong>Wasser</strong>kraft im Norden des indischen<br />

Bundesstaates Uttarakhand.<br />

Dort wird bei vielen Pumpenanlagen<br />

zur <strong>Wasser</strong>förderung ein geringer<br />

Wirkungsgrad vermutet. Die Folgen<br />

sind ein höherer Energieverbrauch<br />

und ein Mehrverbrauch finanzieller<br />

Mittel. Daher wurde ein Untersuchungsprogramm<br />

entwickelt, die<br />

Energieeffizienz von Pumpen zu<br />

untersuchen und zu dokumentieren.<br />

Ziel war es, alle relevanten Eigenschaften<br />

der Antriebseinheit einer<br />

Pumpe sowie der Pumpe selbst<br />

während typischer Betriebszeiten zu<br />

erfassen. Diese Daten, zusammen<br />

mit visuellen Eindrücken formten die<br />

Basis des ersten Teils meiner Projektarbeit.<br />

Der zweite Teil bestand darin,<br />

diese Daten <strong>aus</strong>zuwerten und<br />

Empfehlungen für einen effizienteren<br />

Pumpenbetrieb zu planen.<br />

Als Untersuchungsstandorte wählten<br />

wir die Standorte Haridwar und<br />

Dehradun. In Indien wird der Strom<br />

überwiegend <strong>aus</strong> fossilen Energieträgern<br />

gewonnen. Der Strom <strong>aus</strong><br />

den <strong>Wasser</strong>kraftwerken ersetzt Strom<br />

<strong>aus</strong> fossilen Brennstoffen. Indien<br />

verfügt über große <strong>Wasser</strong>läufe, die<br />

sich zur Produktion von Strom <strong>aus</strong><br />

<strong>Wasser</strong>kraft gut eignen. Im kleineren<br />

Rahmen erkundeten wir <strong>Wasser</strong>läufe<br />

im Norden des Bundesstaates Uttarakhand,<br />

führten Abflussmessungen<br />

durch und untersuchten die potenzielle<br />

<strong>Wasser</strong>kraftnutzung. Im Zeitraum<br />

der Projektarbeit wurden viele<br />

nützliche Messdaten gewonnen, die<br />

in Zukunft weiter verwendet werden<br />

für fortlaufende Entwicklungsarbeiten.<br />

Außerdem habe ich, neben<br />

meinem Studium, nach meinem<br />

Auslandssemester eine Stelle als<br />

studentische Hilfskraft im Lehrgebiet<br />

<strong>Wasser</strong>wesen an der HTW<br />

Dresden angenommen. So arbeite ich<br />

auch weiter mit an einer Umsetzung<br />

von Projektideen zur Aufbereitung<br />

von Oberflächenwasser zu Trinkwasser<br />

in Indien, mit der Option einer<br />

<strong>Wasser</strong>kraftnutzung zur Stromversorgung<br />

von Pumpen und Anlagen.<br />

Zur Person Mario Wolf:<br />

Rückblickend empfinde ich im<br />

Laufe des gesamten Projekts besonders<br />

prägend die ersten Momente<br />

nach der Ankunft in Neu Delhi und<br />

unsere Reise zur Unterkunft. Es war,<br />

wie man so schön sagt, der Kulturschock<br />

schlechthin. Nach nur knapp<br />

neun Stunden Flugzeit von<br />

Deutschland war man plötzlich in<br />

einer anderen Welt. Es mussten so<br />

viele Reize verarbeitet werden –<br />

andere Sprache, Hitze, Klima, ständiger<br />

Menschenandrang, Staub,<br />

unübersichtlicher Straßenverkehr …<br />

Das alles war so beeindruckend.<br />

Solche Armut hatte ich noch nicht<br />

gesehen. Aber das waren zum Teil<br />

die erstaunlichsten Momente: Egal<br />

wen man nach etwas fragt, Inder<br />

nehmen sich die Zeit und helfen.<br />

Zurzeit studiere ich an der Hochschule für<br />

Technik und Wirtschaft in Dresden Bauingenieurwesen<br />

im sechsten Semester. Im<br />

Sommersemester 2015 werde ich vor<strong>aus</strong>sichtlich<br />

meine Diplomarbeit schreiben.<br />

Für diese Studienrichtung habe ich mich<br />

entschieden, weil es sich bei dem Berufsbild<br />

Bauingenieur um eine prägende Arbeit<br />

für unsere Lebenswelt handelt – das Bauen.<br />

Mario Wolf © Mario Wolf Dabei muss man vor allem auf komplexe<br />

Themen eingehen wie Entwickeln, Planen<br />

und Verwerten. Gerade bei den immer wichtiger werdenden Themen<br />

Energiebilanz und Bauen im Zusammenhang mit erneuerbaren<br />

Energien besteht noch viel Entwicklungspotenzial, und das weltweit.<br />

Dies sind die Dinge, die mich an diesem Beruf faszinieren.<br />

Juli/August 2014<br />

848 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


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Durchflussmessungen<br />

von mir an wasserführenden<br />

Rohren.<br />

© Mario Wolf<br />

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Ruben Schlese und indischen Kollegen. © Mario Wolf<br />

Auch Dinge, die für uns so selbstverständlich sind,<br />

lernt man dort erst richtig schätzen. Zum Beispiel,<br />

dass 24 Stunden am Tag Strom oder sauberes <strong>Wasser</strong><br />

und warmes <strong>Wasser</strong> zur Verfügung stehen. Es klingt<br />

komisch, aber als ich wieder in Deutschland war und<br />

das erste Mal in meiner Wohnung den <strong>Wasser</strong>hahn<br />

aufdrehte und gleich warmes <strong>Wasser</strong> r<strong>aus</strong>kam, war<br />

das ein komisches Gefühl. Ich habe es plötzlich viel<br />

mehr geschätzt, diese Grundversorgung, die in unserer<br />

Zeit leider noch immer für große Teile der Welt als<br />

Luxus zählt. Es war die ereignisreichste Zeit, die ich je<br />

hatte. Ich würde jederzeit wieder mitmachen und<br />

empfehle jedem, dem sich diese Gelegenheit bietet,<br />

sie zu nutzen. Man hat die Chance, Teil von einem<br />

großen und wichtigen Projekt zu sein. Man lernt mit<br />

den einfachsten Dingen klarzukommen (beim<br />

Arbeiten und in der Freizeit) und selbstständiger zu<br />

werden. Ich wünsche auch den nächsten Studenten<br />

viel Erfolg und vor allem Spaß bei der Zusammenarbeit<br />

mit den indischen Kollegen in einer wundervollen<br />

und bunten Kultur.<br />

Weitere Informationen und Kontakt:<br />

Prof. Dr.-Ing. Thomas Grischek<br />

Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden<br />

Fakultät Bauingenieurwesen/Architektur<br />

Lehrgebiet <strong>Wasser</strong>wesen<br />

<strong>gwf</strong> <strong>Wasser</strong>/<strong>Abwasser</strong> erscheint in der DIV Deutscher Industrieverlag GmbH, Arnulfstr. 124, 80636 München


| NACHRICHTEN<br />

|<br />

Veranstaltungen<br />

RENEXPO® 2014: Energieeffizienz im Mittelpunkt<br />

der Energiefachmesse für Bayern<br />

Zu ihrem 15-jährigen Jubiläum<br />

präsentiert sich die RENEXPO,<br />

die vom 9. bis 12. Oktober 2014 in<br />

der Messe Augsburg stattfindet,<br />

mit einem erweiterten Konzept.<br />

Der neue Titel der Fachmesse mit<br />

Kongress lautet „RENEXPO: Die<br />

Energiefachmesse für Bayern –<br />

Richtig Investieren!“. Von den drei<br />

traditionellen Themenschwerpunkten<br />

Energiesparen, Energieeffizienz<br />

und Erneuerbare Energien stellt der<br />

Veranstalter Reeco GmbH in diesem<br />

Jahr die Energieeffizienz in den Mittelpunkt.<br />

Dabei liegt der Fokus auf<br />

Industrie und Gewerbe. Die Symbiose<br />

dieser beiden neuen Schwerpunkte<br />

ist das „1. Bayerische Industrie-<br />

und Gewerbeforum: Energieeffizienz“<br />

am 9. und 10. Oktober in<br />

Halle 7.2 der Augsburger Messe. In<br />

einer zielgruppenspezifischen Ausstellung,<br />

Workshops und speziellen<br />

Fachtagungen werden hier Energieeinsparpotenziale<br />

in Industrie und<br />

Gewerbe, Dienstleistungsunternehmen<br />

und öffentlichen Einrichtungen<br />

aufgezeigt und technische Lösungen<br />

präsentiert.<br />

„Wir wollen dazu beitragen, dass<br />

Bayern – wie schon bei der Nutzung<br />

der erneuerbaren Energien – eine<br />

Vorreiterrolle in der Energieeffizienz<br />

einnimmt“, sagt Diana Schäfer, Projektleiterin<br />

für die RENEXPO bei der<br />

Reeco GmbH in Reutlingen. Zudem<br />

sei es das Ziel, den Wirtschaftsraum<br />

Impression von der RENEXPO 2013.<br />

Augsburg als Zentrum für Ressourceneffizienz<br />

stärker zu fördern. Rund<br />

350 Aussteller präsentieren auf der<br />

RENEXPO Produkte und Dienstleistungen<br />

zur Senkung des Energiebedarfs,<br />

zur Verwendung energieeffizienter<br />

Technologien und Nutzung<br />

erneuerbarer Energien. 16 000 Messebesucher<br />

und 1200 Kongressteilnehmer<br />

werden erwartet.<br />

Mit dem erweiterten Veranstaltungskonzept<br />

will Reeco die RENEX-<br />

PO als die führende Kongressmesse<br />

im Energiebereich in Bayern weiter<br />

etablieren. Dies wird von der Bayerischen<br />

Staatsregierung, der Industrie-<br />

und Handelskammer (IHK)<br />

Schwaben und anderen Institutionen<br />

tatkräftig unterstützt. So haben<br />

Helmut Brunner, Bayerischer Staatsminister<br />

für Ernährung, Landwirtschaft<br />

und Forsten, sowie Franz<br />

Josef Pschierer, Staatssekretär im<br />

Bayerischen Staatsministerium für<br />

Wirtschaft und Medien, Energie und<br />

Technologie, die Schirmherrschaft<br />

übernommen. Pschierer wird die<br />

Auftaktveranstaltung „Energieland<br />

Bayern“ am 9. Oktober eröffnen.<br />

Auftakt für Energieffizienz-<br />

Forum für Industrie und<br />

Gewerbe<br />

Das „1. Bayerische Industrie- und<br />

Gewerbeforum: Energieeffizienz“ ist<br />

die „RENEXPO im Kleinformat“ mit<br />

Fokus auf Industrie und Gewerbe.<br />

Wie auch bei der gesamten RENEXPO,<br />

gibt es auf dem Energieeffizienz-<br />

Forum eine Ausstellung, Workshops<br />

und Fachtagungen. Rund 50 Aussteller<br />

zeigen in Halle 7.2 Produkte<br />

und Dienstleistungen, die sich speziell<br />

an gewerbliche Investoren <strong>aus</strong><br />

Unternehmen mit hohem Stromund<br />

Wärmeverbrauch richten sowie<br />

an Experten und Entscheider<br />

<strong>aus</strong> Industrie, Handel, Forschung,<br />

Dienstleistung, Politik und Energieversorger.<br />

Die Besucher erfahren,<br />

welche Technologien und Strategien<br />

zur Erhöhung der Energieeffizienz<br />

es gibt, und sie erhalten Entscheidungs<br />

hilfen für ihre Investition.<br />

„Das Angebot an Technologien<br />

und Produkten zur Energieeinsparung<br />

und zur Steigerung der Energieeffizienz<br />

ist immens. Für Unternehmen<br />

wird es immer mehr zu<br />

einer Her<strong>aus</strong>forderung, <strong>aus</strong> dieser<br />

Vielzahl an Lösungen diejenige <strong>aus</strong>zuwählen,<br />

die viel Energie einspart,<br />

die aber auch technisch einfach<br />

im Unternehmen umzusetzen und<br />

wirtschaftlich ist“, sagt Diana Schäfer.<br />

„Für diese wichtigen Investitionsentscheidungen<br />

bieten wir Hilfestellung<br />

an.“ Das „1. Bayerische Industrie-<br />

und Gewerbeforum: Energieeffizienz“<br />

ist eine Kooperation der<br />

Reeco GmbH, der IHK Schwaben,<br />

der Lechwerke AG und des KUMAS<br />

Kompetenzzentrum Umwelt <strong>aus</strong><br />

Augsburg. Die Kooperationspartner<br />

erwarten rund 2200 Besucher der<br />

Energieeffizienz-Fachmesse und<br />

1200 Kongressteilnehmer.<br />

Alle Besucher des Energieeffizienz-Forums<br />

sind eingeladen, auch<br />

die übrige RENEXPO mit Fachmesse<br />

und Kongress zu besuchen. Das<br />

umfangreiche Kongressprogramm<br />

beinhaltet neue und bewährte Fachtagungen,<br />

darunter zum Beispiel<br />

den 14. Fachkongress HolzEnergie<br />

des Internationalen Bundesverbandes<br />

Bioenergie, die 8. Fachtagung<br />

„Dezentrale Mini- und Mikro-Kraft-<br />

Wärme-Kopplung“ und die 2. Fachtagung<br />

Stromspeicherung in Gebäuden.<br />

Die sogenannten Zielgruppentage<br />

gehören ebenfalls zum festen<br />

Programm der RENEXPO. Speziell<br />

an Land- und Forstwirte richtet<br />

sich beispielsweise der 6. Tag<br />

der Forst- und Landwirtschaft. Der<br />

6. Baye rische Bürgermeistertag wird<br />

Vertreter von Kommunen <strong>aus</strong> ganz<br />

Bayern anziehen.<br />

Weitere Informationen:<br />

www.reeco.eu<br />

Juli/August 2014<br />

850 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Veranstaltungen | NACHRICHTEN |<br />

Energiepotenziale kommunaler Kläranlagen<br />

erkennen, nutzen und kritisch bewerten<br />

89. Siedlungswasserwirtschaftliches Kolloquium<br />

Am 9. Oktober 2014 findet das<br />

89. Siedlungswasserwirtschaftliche<br />

Kolloquium des Instituts für<br />

Siedlungswasserbau, <strong>Wasser</strong>güteund<br />

Abfallwirtschaft zum Thema<br />

„Energiepotenziale kommunaler Kläranlagen<br />

erkennen, nutzen und kritisch<br />

bewerten“ statt. Das Erkennen<br />

und Erschließen von Energiepotenzialen<br />

klassischer Reinigungsverfahren<br />

durch Energieverbrauchsoptimierung<br />

und -eigenerzeugung<br />

sowie energiebedarfsminimierende,<br />

alternative <strong>Abwasser</strong>behandlungsmethoden<br />

werden vorgestellt. Gleichzeitig<br />

werden aber auch dar<strong>aus</strong><br />

entstehende Konsequenzen und<br />

potenzielle Risiken für den Gewässerschutz<br />

diskutiert. Darüber hin<strong>aus</strong><br />

werden Möglichkeiten aufgezeigt,<br />

wie eine Kläranlage zukünftig in<br />

kommunale Energienetzwerke eingebunden<br />

werden könnte. Abschließend<br />

werden rechtliche Aspekte<br />

der Verwertung eigenerzeugter<br />

Energie beleuchtet.<br />

Veranstalter ist das Forschungsund<br />

Entwicklungsinstitut für Industrie-<br />

und Siedlungswasserwirtschaft<br />

sowie Abfallwirtschaft e. V. Stuttgart<br />

(FEI) in Zusammenarbeit mit dem<br />

Institut für Siedlungswasserbau,<br />

<strong>Wasser</strong>güte- und Abfallwirtschaft<br />

(ISWA) der Universität Stuttgart.<br />

Kontakt und Informationen:<br />

E-Mail: renate.schill@iswa.uni-stuttgart.de,<br />

http://www.iswa.uni-stuttgart.de/news<br />

Aus dem Inhalt<br />

INFOTAGUNG 10. September 2014, Hamburg<br />

1. TRINK- UND ABWASSERTAG<br />

• Spurenstoffe im <strong>Abwasser</strong> – Grundlagen, aktueller Stand der<br />

Technik, Perspektiven<br />

Dr.-Ing. Maike Beier, Hannover, angefragt<br />

• Besonderheiten bei Planung und Bau<br />

von Anlagen zur Elimination von Spurenstoffen -Energieverbrauch,<br />

Effizienz, Wirkungsgrade-<br />

Dipl.-Ing. Kl<strong>aus</strong> Alt, Düsseldorf<br />

• Einsatz von granulierter Aktivkohle beim<br />

<strong>Abwasser</strong>verband Obere Lutter<br />

Dipl.-Ing. Hubert Burbaum, Gütersloh<br />

• Perspektiven zum Umgang mit Spurenstoffen und<br />

Nanopartikeln im Bereich der <strong>Wasser</strong>wirtschaft<br />

N. N.<br />

• Spurenstoffe und Nanopartikel <strong>aus</strong> Sicht der<br />

Naturschutzverbände, BUND, N. N.<br />

• Relevanz von organischen Spurenstoffen im urbanen<br />

<strong>Wasser</strong>kreislauf<br />

Prof. Dr.-Ing. Mathias Ernst, Hamburg<br />

• Praktische Auswirkungen auf die <strong>Wasser</strong>versorgung an einem<br />

konkreten Beispiel, N. N.<br />

• Aufbau eines Meßsystems für den vorsorgenden<br />

Grundwasserschutz, Dipl.-Ing. Helmut Feldkötter, Hameln<br />

Zielgruppe<br />

Verantwortliche Mitarbeiter/<br />

Innen <strong>aus</strong> den Bereichen<br />

<strong>Wasser</strong>versorung und<br />

<strong>Abwasser</strong>entsorgung<br />

Veranstaltungsort<br />

Privathotel Lindtner<br />

Hamburg GmbH<br />

Heimfelder Straße 123<br />

21075 Hamburg<br />

Teilnahmegebühren<br />

DWA-Mitglieder / Mitglieder DVGW € 225,-<br />

Nicht-Mitglieder € 265,-<br />

einschl. <strong>aus</strong>führlicher Seminarunterlagen sowie<br />

Tagesverpflegung<br />

Anmeldung/Info unter:<br />

http://www.dwa-nord.de/Seminare.html<br />

Information<br />

Information und Anmeldung<br />

DWA Landesverband Nord · Janine Flentje · Tel.: 05121 509-806<br />

DWA . Angelika Schiffbauer Fax: 05121 . Theodor-Heuss-Allee 509-802 · E-Mail: 17 flentje@dwa-nord.de . 53773 Hennef · www.dwa-nord.de<br />

Tel.: 02242 872-156 . Fax: 02242 872-135 . schiffbauer@dwa.de . www.dwa.de<br />

Landesverband Nord<br />

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Juli/August 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 851


| NACHRICHTEN<br />

|<br />

Veranstaltungen<br />

7. Norddeutsche Geothermietagung:<br />

Kongressprogramm zeigt neue Potenziale und<br />

Anwendungsmöglichkeiten<br />

Zu der Veranstaltung werden Mitte Oktober 2014 im Geozentrum Hannover wieder rund 200 Teilnehmer<br />

erwartet. An zwei Tagen bietet das vielfältige Tagungsprogramm mit über 20 Referenten aktuelle Hintergrund-<br />

und Praxisinformationen zu oberflächennaher und tiefer Geothermie speziell im Norddeutschen<br />

Becken.<br />

Vom 15. bis 16. Oktober 2014<br />

findet im Geozentrum Hannover<br />

die 7. Norddeutsche Geothermietagung<br />

statt. Veranstalter sind die<br />

Freiburger Agentur Enerchange, die<br />

Wirtschaftsfördergesellschaft hannoverimpuls<br />

sowie die drei Organisationen<br />

des Geozentrums Hannover:<br />

die Bundesanstalt für Geowissenschaften<br />

und Rohstoffe (BGR), das<br />

Landesamt für Bergbau, Energie<br />

und Geologie (LBEG) und das Leibniz-Institut<br />

für Angewandte Geophysik<br />

(LIAG).<br />

Die Norddeutsche Geothermietagung<br />

bietet an zwei Tagen ein<br />

breites Spektrum an Themen rund<br />

um die Erdwärme-Nutzung in Norddeutschland<br />

und dem angrenzenden<br />

Ausland. Schwerpunkt des ersten<br />

Tages ist die oberflächennahe<br />

Geothermie. In diesem Bereich verzeichnet<br />

das Land Niedersachsen<br />

ein stabiles Wachstum – allein im<br />

Jahr 2013 wurden 2 700 neue oberflächennahe<br />

Geothermiebohrungen<br />

angezeigt. „Eine vielversprechende<br />

neue Entwicklung sind Strategien,<br />

um ganze Wohnsiedlungen bzw.<br />

Ortsteile im Rahmen eines einheitlichen<br />

Gesamtkonzeptes auf oberflächennahe<br />

Geothermie umzurüsten“,<br />

erklärt Dr. Wolfgang Wirth vom<br />

Zentrum für TiefenGeothermie/Oberflächennahe<br />

Geothermie des LBEG.<br />

Nach der Begrüßung durch Prof. Dr.<br />

Ugur Yaramanci vom Leibniz Institut<br />

für Angewandte Geophysik (LIAG)<br />

präsentiert dann auch die Bürgermeisterin<br />

von Bad Iburg, Annette<br />

Niermann, das Konzept des Wärmepumpendorfs.<br />

Dabei können die<br />

Bürger im Rahmen einer gemeinsamen<br />

Strategie bestehende Gebäude<br />

auf die Nutzung von Wärmepumpen<br />

umrüsten und so eine<br />

gemeinschaftliche Wärmequelle<br />

erschließen. Das Nachmittagsprogramm<br />

startet mit Rüdiger Grimm<br />

von GeoEnergiekonzept, der über<br />

die Erfahrungen mit dem größten<br />

Sondenfeld Deutschlands referiert.<br />

Weitere innovative Anwendungen<br />

der Geothermie im Straßen- und<br />

Brückenbau sowie bei der Bahn sind<br />

ebenfalls Thema. Im Fokus steht<br />

dieses Jahr zudem die Frage der<br />

Abdichtung von Erdwärmesonden-<br />

Bohrungen. Am Abend bietet die<br />

„Impuls-Lounge“ den Teilnehmern<br />

die Möglichkeit, sich in einem lockeren<br />

Rahmen <strong>aus</strong>zut<strong>aus</strong>chen und<br />

neue Geschäftskontakte zu knüpfen.<br />

Prof. Dr. Axel Priebs, Umweltdezernent<br />

und 1. Regionsrat der<br />

Region Hannover, eröffnet den<br />

zweiten Tagungstag, der ganz im<br />

Zeichen der mitteltiefen und tiefen<br />

Geothermie steht. Auf den Vortrag<br />

zum neuen EEG von Cornelia Viertel<br />

vom Bundesministerium für Wirtschaft<br />

und Energie folgen Praxisbeispiele<br />

<strong>aus</strong> dem benachbarten<br />

Ausland. Guus Willemsen vom<br />

niederländischen Beratungs- und<br />

Engineering-Unternehmen IF Technology<br />

und Allan Mahler von Dansk<br />

Fjernvarmes Geotermiselskab (DK)<br />

stellen jeweils erfolgreiche Anwendungen<br />

der tiefen Geothermie vor.<br />

Darüber hin<strong>aus</strong> wird über den aktuellen<br />

Stand der Machbarkeitsstudien<br />

in Bad Bevensen und am<br />

Flughafen Hannover-Langenhagen<br />

berichtet. Nicht zuletzt stehen Forschungsergebnisse<br />

zur Verwendung<br />

von Tracern auf dem Veranstaltungsprogramm.<br />

Dr. Jochen Schneider,<br />

Geschäftsführer von Enerchange,<br />

sieht in der Tagung eine gute Gelegenheit,<br />

sich einen fundierten<br />

Überblick über die Branche zu<br />

verschaffen: „Experten und Interessierte<br />

können sich auf der<br />

Norddeutschen Geothermietagung<br />

gezielt über die neuen Entwicklungen<br />

und vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten<br />

der Erdwärme informieren.“<br />

Weitere Informationen/Anmeldung:<br />

www.norddeutsche-geothermietagung.de<br />

Juli/August 2014<br />

852 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Veranstaltungen | NACHRICHTEN |<br />

Kanäle kombiniert bewirtschaften<br />

2. Deutscher Kanalnetzbewirtschaftungstag, 1. Oktober 2014,<br />

Geisingen<br />

Soviel ist bereits sicher: Bundesweit<br />

agierende Spezialisten werden<br />

sich darüber <strong>aus</strong>t<strong>aus</strong>chen, dass<br />

Kanäle mehr können als nur <strong>Abwasser</strong><br />

ableiten. Denn bei einer für<br />

das jeweilige Kanalnetz programmierten<br />

Bewirtschaftung lassen sich<br />

mehrere Funktionen gleichzeitig<br />

steuern – und damit sowohl Energie<br />

als auch Investitionen sparen. Dies<br />

müsste in Anbetracht von Klimaund<br />

demografischem Wandel längst<br />

geschehen. Doch die Umstellung<br />

benötigt Zeit, sie verlangt von den<br />

Mitarbeitern der kommunalen Eigenbetriebe<br />

ein Umdenken. Bisher übliche<br />

Arbeitsvorgänge müssen umgestellt<br />

werden. Synergieeffekte sind<br />

allerdings möglich und sollten erkannt<br />

werden. Mit einer modernen<br />

Netzbewirtschaftung können nicht<br />

nur die <strong>Abwasser</strong>ströme bedarfsorientiert<br />

gesteuert werden, auch<br />

die darin enthaltene Energie lässt<br />

sich zurückgewinnen. Zahlreiche Projekte<br />

belegen, dass die Energiequelle<br />

<strong>Abwasser</strong> immer mehr Nutzer findet<br />

und ein wichtiger B<strong>aus</strong>tein unserer<br />

Energiewende sein kann.<br />

Nach erfolgreichem Auftakt 2013<br />

folgt nun – die Kanalnetzbewirtschaftung<br />

und Sanierung im Fokus<br />

– der 2. Deutsche Kanalnetzbewirtschaftungstag.<br />

Dabei werden wie ein<br />

Jahr zuvor parallel zwei Themenblöcke<br />

angeboten, zwischen denen<br />

die Teilnehmer wechseln können.<br />

Im ersten Block mit dem Titel<br />

„Kanalnetzbewirtschaftung“ geht es<br />

um die folgenden Themen: Konzeption<br />

und Betrieb, Software und<br />

Modellierung, Umgang mit Messdaten,<br />

Steuerung und Steuerbauwerke,<br />

<strong>Abwasser</strong>wärmenutzung. Der<br />

zweiten Block „Kanalsanierung“ behandelt<br />

die ganzheitliche Sanierung<br />

mit den Themen: VOB/C, Zustandserfassung,<br />

Sanierungsverfahren, statische<br />

Betrachtung, Nutzungsdauer<br />

sowie Werterhaltung.<br />

Weitere Informationen:<br />

Technische Akademie Hannover e. V.,<br />

Wöhlerstraße 42, D-30163 Hannover,<br />

Tel. (0511) 394 33 30,<br />

Fax (0511) 394 33 40,<br />

E-Mail: info@ta-hannover.de,<br />

www.ta-hannover.de<br />

Praxisforum<br />

geothermie bayern<br />

8. und 9. Oktober 2014 München<br />

H<strong>aus</strong> der Bayerischen Wirtschaft<br />

Profitieren Sie<br />

von Know-how und<br />

Erfahrungs<strong>aus</strong>t<strong>aus</strong>ch im<br />

Umfeld laufender<br />

Geothermiekraftwerke!<br />

Jetzt anmelden unter<br />

www.praxisforum-geothermie-bayern.de<br />

Juli/August 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 853


| NACHRICHTEN<br />

|<br />

Veranstaltungen<br />

MSR-Spezialmesse für Prozessleitsysteme, Mess-,<br />

Regel- und Steuerungstechnik<br />

17. September 2014 in der Friedrich-Ebert-Halle, Ludwigshafen<br />

Die regionale<br />

Messe: Produkte,<br />

Systeme und<br />

Informationen<br />

vor der<br />

H<strong>aus</strong>tür.<br />

Rund 150 Fachfirmen der Mess-,<br />

Steuer-, Regel- und Automatisierungstechnik<br />

zeigen ihre Geräte<br />

und Systeme, Engineering- und Serviceleistungen<br />

sowie neue Trends<br />

im Bereich der Automatisierung.<br />

Die Messe wendet sich an Fachleute<br />

und Entscheidungsträger,<br />

die in ihren Unternehmen für die<br />

Optimierung der Geschäfts- und<br />

Produktionsprozesse entlang der<br />

gesamten Wertschöpfungskette<br />

verantwortlich sind. Der Eintritt<br />

zur Messe und die Teilnahme an<br />

den Workshops sind für die Besucher<br />

kostenlos.<br />

MEORGA organisiert seit mehreren<br />

Jahren mit großem Erfolg<br />

regionale Spezialmessen für die<br />

Mess-, Steuerungs-, Regelungs- und<br />

Automatisierungstechnik. Durch den<br />

wachsenden Kostendruck in den<br />

Unternehmen und die damit einhergehenden<br />

Restriktionen bei<br />

Dienstreisen finden lokale Messen<br />

– vor der H<strong>aus</strong>tür – immer größeren<br />

Anklang und sind ein Gewinn für<br />

Aussteller wie für Besucher. Sowohl<br />

die Anzahl der Aussteller, als auch<br />

die der Besucher der von MEORGA<br />

organisierten Messen hat sich in<br />

den letzten drei Jahren mehr als<br />

vervierfacht.<br />

Kontakt:<br />

MEORGA GmbH,<br />

Sportplatzstraße 27, D-66809 Nalbach,<br />

Tel. (06838) 8960035, Fax (06838) 983292,<br />

E-Mail: info@meorga.de, www.meorga.de<br />

12. Münchner Runde – Expertenforum<br />

zur Kanalsanierung<br />

16. Oktober 2014 im Bürgerh<strong>aus</strong> Garching<br />

Die Münchner Runde ist ein Expertenforum<br />

speziell für Kanalbetreiber,<br />

Auftraggeber und Auftragnehmer.<br />

Es gibt wirtschaftliche<br />

und nachhaltige Lösungsansätze<br />

mit klaren Aussagen zur Umsetzung.<br />

Es legt Wert auf kontroversen<br />

Dialog im Zwiegespräch – auf der<br />

Bühne gen<strong>aus</strong>o wie bei der Zuhörerdiskussion.<br />

Die Vorträge werden von einer<br />

Ausstellung namhafter Unternehmen<br />

rund um das Thema Kanalsanierung<br />

begleitet.<br />

Weitere Informationen:<br />

Münchner Runde<br />

c/o Ingenieurbüro Dörschel,<br />

Herrschinger Strasse 2 A,<br />

D-82266 Inning a. Ammersee,<br />

Tel. (08143) 447501, Fax (08143) 447502,<br />

www.muenchner-runde.de<br />

Mitteleuropäische Fließgewässer und ihre Auen<br />

Am 31. Oktober 2014 veranstaltet<br />

die Hochschule Osnabrück,<br />

Fakultät Agrarwissenschaften & Landschaftsarchitektur,<br />

die Tagung „Mitteleuropäische<br />

Fließgewässer und<br />

ihre Auen im Spannungsfeld von<br />

Ökosystemdienstleistungen, <strong>Wasser</strong>wirtschaft<br />

und Naturschutz“.<br />

Flussauen zeichnen sich im naturnahen<br />

oder wenig veränderten<br />

Zustand häufig auf engstem Raum<br />

durch ein vielfältiges Standortmosaik<br />

<strong>aus</strong>. Gleichzeitig erfüllen Auen im<br />

morphologisch wenig veränderten<br />

Zustand her<strong>aus</strong>ragende Funk tionen<br />

Juli/August 2014<br />

854 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Veranstaltungen | NACHRICHTEN |<br />

im Landschaftswasserh<strong>aus</strong>halt, sind<br />

z. B. natürliche Retentionsräume für<br />

Hochwässer und haben gleichzeitig<br />

eine enorme Bedeutung als Lebensbzw.<br />

Rückzugsraum für unzählige<br />

stenöke Faunen- und Florenelemente.<br />

Jedoch unterliegen Fließgewässer<br />

und ihre Auen in Mitteleuropa<br />

bereits seit Jahrhunderten einem<br />

enormen Nutzungs- und Veränderungsdruck.<br />

Morphologisch wenig<br />

veränderte oder gar natur nahe<br />

Auen gibt es hier kaum noch.<br />

Seit den 90er-Jahren wird mithilfe<br />

zahlreicher Renaturierungsprogramme<br />

an vielen Flüssen versucht,<br />

einige dieser gewässerbaulichen<br />

Veränderungen wieder rückgängig<br />

zu machen bzw. in ihren Aus wirkungen<br />

zumindest künftig abzumildern.<br />

Die bei solchen Vorhaben<br />

anvisierte Wiederherstellung ökosystemarer<br />

Funktionen bzw. Dienstleistungen<br />

von Fließgewässern und<br />

ihren Auen einschließlich naturschutzfachlicher<br />

Belange einerseits und zu<br />

wahrende wasserwirtschaftliche Interessen<br />

und Aufgaben andererseits<br />

birgt häufig ein erhebliches Konfliktpotenzial.<br />

Diese Spannungsfelder<br />

und auch deren Lösungsmöglichkeiten<br />

bilden den Hintergrund des<br />

diesjährigen Forums in Osnabrück.<br />

Seit 1999 findet Ende Oktober<br />

das „Diskussionsforum Bodenwissenschaften“<br />

an der Hochschule Osnabrück<br />

statt. Mit der Akkreditierung<br />

des neuen Master-Studienganges<br />

(M.Sc.) „Boden – Gewässer – Altlasten“,<br />

der gemeinsam von Hochschule<br />

und Universität Osnabrück entwickelt<br />

wurde und getragen wird und zum<br />

Wintersemester 2013/14 in Osnabrück<br />

startete, wurde auch das<br />

bisherige Diskussionsforum Bodenwissenschaften<br />

entsprechend erweitert<br />

und umbenannt.<br />

Weitere Informationen und Onlineanmeldung<br />

(bis 3. Oktober 2014):<br />

www.al.hs-osnabrueck.de/forum_bga_2014.<br />

html<br />

Rückfragen an:<br />

Prof. Dr. Andreas Lechner,<br />

E-Mail: alechner@uos.de<br />

Prof. Dr. Helmut Meuser,<br />

Tel. (0541) 969-5028,<br />

E-Mail: h.meuser@hs-osnabrueck.de<br />

26. Hamburger Kolloquium zur <strong>Abwasser</strong>wirtschaft<br />

23. bis 24. September 2014, Hamburg<br />

In der Veranstaltungsreihe „Hamburger<br />

Kolloquium zur <strong>Abwasser</strong>wirtschaft“<br />

werden Themen aufgegriffen,<br />

die für Praktikerinnen und Praktiker<br />

<strong>aus</strong> wasserrechtlichen Behörden,<br />

Klärwerken und <strong>Abwasser</strong>zweckverbänden,<br />

Ingenieurbüros und der Industrie<br />

aktuell sind. Die Veranstalter<br />

freuen sich, in diesem Jahr kompetente<br />

Fachleute für die 26. Veranstaltung<br />

dieser Reihe gewonnen<br />

zu haben, die am 23. und 24. September<br />

durch praxisnahe Vorträge<br />

über die Themen Entwässerungskonzepte,<br />

Gewässerschutz, <strong>Abwasser</strong>wirtschaft<br />

und Energie, Schlammbehandlung<br />

und Industrieabwasser<br />

<strong>aus</strong> erster Hand informieren.<br />

Kontakt:<br />

GFEU e.V.,<br />

Eißendorfer Straße 42,<br />

D-21073 Hamburg,<br />

Frau Becker, Frau Petersen,<br />

Tel. (040) 42878-3207, Fax (040) 42878-2684,<br />

E-Mail: g.becker@tuhh.de,<br />

e.petersen@tuhh.de,<br />

www.tuhh.de<br />

PROCESSING FOR A BETTER WORLD<br />

INOX PROCESS<br />

VESSELS<br />

STAINLESS STEEL<br />

CONSTRUCTIONS<br />

HELEON CONSTRUCTION - ICLOD - ROMANIA / WWW.HELEON.RO / INFO@HELEON.RO<br />

Juli/August 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 855


| NACHRICHTEN<br />

|<br />

Veranstaltungen<br />

5. VDI-Fachkonferenz: Potenziale <strong>aus</strong><br />

Klärschlamm nutzen<br />

17. und 18. September in Straubing<br />

Die 5. VDI-Fachkonferenz „Klärschlammbehandlung“<br />

diskutiert<br />

rechtliche Neuerungen für die<br />

Klärschlammverwertung sowie moderne<br />

Verfahren zur Phosphorrückgewinnung.<br />

Klärschlamm lässt sich auf verschiedenen<br />

Wegen verwerten – entweder<br />

stofflich als Grundlage für<br />

Phosphatdünger oder energetisch<br />

in der Mono- oder Mitverbrennung.<br />

Derzeit arbeitet die Bundesregierung<br />

an einer Novellierung<br />

der Klärschlammverordnung –<br />

nach mehr als 20 Jahren. Die<br />

Fachkonferenz in Straubing befasst<br />

sich mit der neuen Verordnung<br />

und gibt einen Ausblick auf neue<br />

Entwicklungen in Forschung und<br />

Praxis.<br />

Anmeldung/Programm:<br />

VDI Wissensforum Kundenzentrum,<br />

Postfach 10 11 39, D-40002 Düsseldorf,<br />

E-Mail: wissensforum@vdi.de,<br />

Tel. (0211) 6214-201, Fax (0211) 6214-154,<br />

www.vdi.de/klaerschlamm<br />

Mülheimer <strong>Wasser</strong>analytisches Seminar<br />

Probenvorbereitung, Chromatographie, Identifizierung und Quantifizierung<br />

Am 10. und 11. September 2014<br />

findet in der Stadthalle Mülheim<br />

an der Ruhr das Mülheimer<br />

<strong>Wasser</strong>analytische Seminar zum o. g.<br />

Thema statt.<br />

In den letzten Jahren hat die<br />

<strong>Wasser</strong>analytik von zahlreichen Innovationen<br />

in der Gerätetechnik<br />

profitiert. Neue Methoden der<br />

Anreicherung und Detektion und<br />

die Kopplung bekannter Verfahren<br />

erweitern das Stoffspektrum, vor<br />

allem im Bereich der polaren Substanzen<br />

und ermöglichen bislang<br />

unerreichbare Nachweis grenzen.<br />

Das diesjährige Seminar richtet<br />

sich an Fachleute und Praktiker<br />

<strong>aus</strong> der <strong>Wasser</strong>analytik, die in<br />

der Forschung und Routine tätig<br />

sind.<br />

Weitere Auskünfte:<br />

Frau Bonorden,<br />

E-Mail: s.bonorden@iww-online.de,<br />

Frau Servatius,<br />

E-Mail: h.servatius@iww-online.de,<br />

Tel. (0208) 40303-101 oder -102,<br />

www.iww-online.de<br />

7. OWL-<strong>Abwasser</strong>tag in Steinhagen im Januar 2015<br />

Call for Papers<br />

Am 22. Januar 2015 findet zum siebten Mal der OWL-<strong>Abwasser</strong>tag in Steinhagen statt. Praktiker und Wissenschaftler<br />

t<strong>aus</strong>chen seit 2009 Informationen rund um das Thema <strong>Abwasser</strong> <strong>aus</strong>. Der „Call for Papers“ soll alle<br />

Referenten/-innen ansprechen, die interessante Beiträge zum Thema Überflutungsschutz und Rückst<strong>aus</strong>icherung<br />

einem hochqualifizierten Publikum präsentieren möchten. Neben der Vortragsveranstaltung findet eine<br />

Begleit<strong>aus</strong>stellung mit kooperierenden Industriepartnern statt.<br />

Inhaltliche Schwerpunkte<br />

Schwerpunkt des 7. OWL <strong>Abwasser</strong>tages<br />

bilden die Inhalte der DIN EN<br />

12056 (Teil 4) und 1986-100 im<br />

Zusammenhang mit dem Überflutungsschutz<br />

und der Rückst<strong>aus</strong>icherung<br />

von Gebäuden. Aber auch<br />

der Rückst<strong>aus</strong>chutz von Außenflächen<br />

steht im Fokus. Es wird dazu<br />

aufgerufen, entsprechende Vortragsvorschläge<br />

über folgende Themengebiete<br />

einzureichen:<br />

••<br />

Inhalte zur DIN EN 12056 –<br />

Abgrenzung Hebeanlage-<br />

Rückstauverschluss<br />

••<br />

Überflutungsschutz und<br />

Regenrückhaltung gem.<br />

1986-100<br />

Juli/August 2014<br />

856 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Veranstaltungen | NACHRICHTEN |<br />

••<br />

Einflussgröße Misch- und Trennkanalisation<br />

••<br />

Regenrückhaltung in Kommunen<br />

– Praxiserfahrungen von<br />

kommunalen und behördlichen<br />

Vertretern<br />

••<br />

Planung und Umsetzung von<br />

Sanierungskonzepten anhand<br />

konkreter Projekte, gerne<br />

auch Verfahrenstechniken<br />

(auch durch Anbieter der<br />

Verfahren)<br />

••<br />

Juristische/rechtliche sowie versicherungstechnische<br />

Aspekte<br />

Zielgruppe<br />

Zielgruppe der Veranstaltung sind<br />

Kommunen und Betreibergesellschaften,<br />

Planer und Berater sowie<br />

<strong>aus</strong>führendes Gewerbe wie Anlagen-<br />

und Tiefbauunternehmer. Die<br />

Veranstaltung ist auf 150 Personen<br />

begrenzt.<br />

Abwicklung<br />

Interessenten/-innen sind aufgefordert,<br />

bis zum 15. September 2014<br />

eine Kurzfassung ihres Referates<br />

unter Angabe des Schwerpunktthemas<br />

sowie eine Kurzvita einzureichen.<br />

Der Vortrag sollte auf 20 bis max.<br />

30 Min. konzipiert sein.<br />

Die eingereichten Unterlagen<br />

sollten nicht mehr als eine DIN A4-<br />

Seite umfassen.<br />

Veranstalter ist die Jung Pumpen<br />

GmbH, Industriestraße 4-6 in 33813<br />

Steinhagen/ Westfalen.<br />

Die Unterlagen sind an den verantwortlichen<br />

Koordinator, Marco<br />

Koch, zu richten: E-Mail: marco.<br />

koch@pentair.com, Tel. (05204) 17261,<br />

Fax (05204) 17133.<br />

Weitere Informationen:<br />

http://www.jung-pumpen.de/service/<br />

seminare/7-owl-abwassertag.html<br />

Richtig investieren<br />

Die Energiefachmesse für Bayern<br />

09. - 12.10.2014<br />

Messe Augsburg<br />

www.renexpo.de<br />

Juli/August 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 857


| NACHRICHTEN<br />

|<br />

Leute<br />

Wechsel in der DVGW-Haupt geschäftsführung<br />

vollzogen<br />

Dr. Gerald Linke ist seit dem 3. Juli<br />

2014 neuer Hauptgeschäftsführer<br />

des Deutschen Vereins des Gas- und<br />

<strong>Wasser</strong>faches (DVGW). Der promovierte<br />

Physiker war am 5. Mai 2014<br />

auf einer Sitzung des DVGW-Bundesvorstandes<br />

in München einstimmig<br />

zum neuen Hauptgeschäftsführer<br />

berufen worden. Linke folgt in<br />

diesem Amt auf Dr. Walter Thielen,<br />

der 15 Jahre an der hauptamtlichen<br />

Spitze des Vereins gestanden hatte<br />

und am 2. Juli im Rahmen der<br />

DVGW-Mitgliederversammlung in<br />

Bonn feierlich verabschiedet wurde.<br />

Das oberste Vereinsorgan des<br />

DVGW fasste gestern weitreichende<br />

Beschlüsse zur Modernisierung der<br />

Vereinsstrukturen. So wird der<br />

Verein zukünftig von einem dualen<br />

Führungssystem <strong>aus</strong> einem ehrenamtlichen<br />

Aufsichtsorgan und einem<br />

hauptamtlichen Geschäftsführungsorgan<br />

geführt. Hierbei wird dem<br />

Aufsichtsorgan über seine Kontrollbefugnisse<br />

hin<strong>aus</strong> eine starke Richtlinienkompetenz<br />

übertragen, um<br />

den Einfluss des Ehrenamtes im<br />

DVGW zu wahren. Dieses Aufsichtsorgan<br />

wird im Wesentlichen der bisherige<br />

DVGW-Vorstand sein, der in<br />

DVGW-Präsidium umbenannt wird.<br />

Hinzu kommen die Vorsitzenden der<br />

Landesgruppen und die Leiter der<br />

Lenkungskomitees. Insgesamt bleibt<br />

es im neuen Präsidium jedoch bei<br />

einer Stärke von 49 Mitgliedern.<br />

Das Präsidium ist dem neuen Geschäftsführungsorgan<br />

übergeordnet.<br />

Das geschäftsführende Vereinsorgan<br />

wird zukünftig hauptamtlich besetzt<br />

sein und DVGW-Vorstand heißen. Den<br />

DVGW-Vorstand bildet eine Doppelspitze<br />

<strong>aus</strong> zwei Per sonen. Diese agieren<br />

im Sinne eines Kollegialorgans<br />

unter dem Grundsatz der Gesamtverantwortung,<br />

um sowohl die fachlichen,<br />

wirtschaft lichen wie rechtlichen<br />

Interessen des Vereins zu wahren.<br />

Linke wird künftig die Funktion des<br />

Vorstandsvorsitzenden wahrnehmen.<br />

www.wassertermine.de<br />

| VERBÄNDE, VEREINE UND ORGANISATIONEN<br />

|<br />

EU-Richtlinie zur Verlegung von Breitbandkabeln<br />

„Regelungen, die die Breitbandversorgung<br />

verbessern sollen, müssen<br />

grundsätzlich die Verwendung von<br />

Trinkwasserleitungen <strong>aus</strong>schließen.<br />

Das Verlegen von Breitbandkabeln<br />

in Trinkwasserleitungen ist mit einem<br />

unkalkulierbaren hygienischen<br />

Risiko für das Lebensmittel Trinkwasser<br />

verbunden und gefährdet<br />

damit die Versorgungssicherheit.<br />

Wir begrüßen daher die Her<strong>aus</strong>nahme<br />

von Trinkwasserleitungen <strong>aus</strong><br />

dem Anwendungsbereich der neuen<br />

EU-Richtlinie zum Ausbau des<br />

Breitbandnetzes. Nationalen Bestrebungen,<br />

die Regelungsinhalte der<br />

EU-Richtlinie zu umgehen und das<br />

Einbringen von Telekommunikationsleitungen<br />

im Trinkwasserbereich<br />

weiterhin zu erwägen, erteilen wir<br />

erneut eine klare Absage.“<br />

Dies erklärte der Hauptgeschäftsführer<br />

des Deutschen Vereins des<br />

Gas- und <strong>Wasser</strong>faches (DVGW), Dr.<br />

Gerald Linke, vor dem Hintergrund<br />

anhaltender Diskussionen, dass über<br />

die nationale Umsetzung der EU-<br />

Richtlinie Trinkwasserleitungen doch<br />

noch für den Ausbau des Breitbandnetzes<br />

genutzt werden sollen. Diese<br />

Möglichkeit wird insbesondere vom<br />

Bundesministerium für Wirtschaft und<br />

Energie (BMWi) sowie von Vertretern<br />

der Telekommunikationsbranche nach<br />

wie vor in Erwägung gezogen.<br />

Für die <strong>Wasser</strong>versorgung gilt<br />

seit Jahrzehnten der Grundsatz,<br />

dass so viele Materialien, Werkstoffe<br />

und Bauteile wie nötig, aber so wenig<br />

wie möglich in das Trinkwassersystem<br />

eingebaut werden sollen.<br />

Mit Blick auf den gesundheitlichen<br />

Verbraucherschutz soll die <strong>Wasser</strong>infrastruktur<br />

als „geschlossenes<br />

System“ betrieben werden. Telekommunikationsleitungen<br />

in Trinkwasserleitungen<br />

bedeuten eine<br />

Abkehr von diesem Grundsatz. Das<br />

Risiko einer hygienischen Beeinträchtigung<br />

des Trinkwassers steigt<br />

dadurch deutlich an. Zudem sprechen<br />

auch technisch-betriebliche<br />

Unwägbarkeiten gegen diese Art<br />

der Verlegung. So entsteht durch<br />

das Aus- und Einführen der Breitbandkabel<br />

vor und nach jeder<br />

Armatur im Verteilnetz eine Vielzahl<br />

möglicher Undichtigkeitsstellen.<br />

Diese bergen ein hohes Gefährdungspotenzial.<br />

Weitere Informationen:<br />

www.dvgw.de<br />

Juli/August 2014<br />

858 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


| VERBÄNDE, VEREINE UND ORGANISATIONEN |<br />

DWA zeichnet verdiente <strong>Wasser</strong>wirtschaftler <strong>aus</strong><br />

Der Vorstand der Deutschen Vereinigung<br />

für <strong>Wasser</strong>wirtschaft,<br />

<strong>Abwasser</strong> und Abfall e. V. (DWA) hat<br />

am 1. Juli 2014 eine Reihe von Ehrungen<br />

und Auszeichnungen beschlossen.<br />

Prof. Dr.-Ing. Max Dohmann<br />

(RWTH Aachen) wird die Max-<br />

Prüss-Medaille verliehen. Dipl.-Ing.<br />

Eberhard Jüngel (früher Landestalsperrenverwaltung<br />

des Freistaates<br />

Sachsen) wird Ehrenmitglied der<br />

Vereinigung. Mit der Ehrennadel<br />

<strong>aus</strong>gezeichnet werden: Prof. Dr.-Ing.<br />

Thomas Grünebaum (Ruhrverband,<br />

Essen), Dipl.-Phys. Norbert Lucke<br />

(Stadtentwässerung Dresden), Dipl.-<br />

Ing. Jürgen Lüddecke (Stadtentwässerung<br />

Hannover), Dipl.-Ing.<br />

Gerald Teutschbein (<strong>Wasser</strong>ver- und<br />

<strong>Abwasser</strong>entsorgungsgesellschaft<br />

Thüringer Holzland, Hermsdorf/<br />

Thüringen). Alle Ehrungen werden<br />

im Rahmen der DWA-Bundestagung<br />

am 30. September 2014 in Baden-<br />

Baden vorgenommen; lediglich Norbert<br />

Lucke und Gerald Teutschbein<br />

werden die Ehrennadeln auf der<br />

Jubiläumsveranstaltung zum 25-jährigen<br />

Bestehen des DWA-Landesverbands<br />

Sachen/Thüringen am<br />

7. Mai 2015 in Chemnitz entgegennehmen.<br />

Weiter vergibt die DWA in<br />

diesem Jahr den Ernst-Kuntze-Preis<br />

an Christian Drothler (Stadt Burgh<strong>aus</strong>en)<br />

und Stefan Schrowange<br />

(Ruhrverband).<br />

Juli/August 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 859


| RECHT UND REGELWERK<br />

|<br />

Regelwerk Gas/<strong>Wasser</strong><br />

GW 335-A5 (P) Entwurf: Kunststoff-Rohrleitungssysteme in der Gas- und <strong>Wasser</strong>verteilung;<br />

Anforderungen und Prüfungen; Teil A5: PE-Mehrschichtrohre mit<br />

Verstärkung (PE gestreckt) sowie zugehörige Verbinder und Verbindungen, 6/2014<br />

GW 335-A6 (P) Entwurf: Kunststoff-Rohrleitungssysteme in der Gas- und <strong>Wasser</strong>verteilung;<br />

Anforderungen und Prüfungen; Teil A6: Rohre <strong>aus</strong> PA-U 160 und<br />

PA-U180 sowie zugehörige Verbinder und Verbindungen, 6/2014<br />

Einspruchsfrist jeweils:<br />

31. Oktober 2014<br />

Die Technischen Prüfgrundlagen<br />

DVGW GW 335-A5 „Kunststoff-Rohrleitungssysteme<br />

in der Gas- und<br />

<strong>Wasser</strong>verteilung; Anforderungen und<br />

Prüfungen – Teil A5: PE-Mehrschichtrohre<br />

mit Verstärkung (PE gestreckt)<br />

sowie zugehörige Verbinder und Verbindungen“<br />

und DVGW GW 335-A6<br />

„Kunststoff-Rohrleitungssysteme in<br />

der Gas- und <strong>Wasser</strong>verteilung; Anforderungen<br />

und Prüfungen – Teil A6:<br />

Rohre <strong>aus</strong> PA-U 160 und PA-U 180<br />

sowie zugehörige Verbinder und<br />

Verbindungen“ wurden parallel in<br />

einem Projektkreis erarbeitet, in<br />

dem Versorgungsunternehmen/Leitungsbetreiber,<br />

Hersteller und Prüflaboratorien<br />

vertreten waren.<br />

Die Konstruktion, Herstellung,<br />

Handhabung und Prüfung der Rohre<br />

und Verbinder <strong>aus</strong> PA, die Anforderungen<br />

für den Einsatz, die Schweißverfahren,<br />

die Verarbeitungsmaschinen,<br />

die Maß-Systeme etc. entsprechen<br />

in fast allen Einzelheiten denen<br />

der etablierten Rohre und Verbinder<br />

<strong>aus</strong> PE 100 – abgesehen von den<br />

höheren Druckstufen. Die Normenreihe<br />

ISO 16486-1 bis 5 für Polyamid<br />

ist den Normenreihen EN 1555-1<br />

bis 5 bzw. ISO 4437-1 bis 5 für PE im<br />

Gasbereich bzw. den entsprechenden<br />

Normen für <strong>Wasser</strong> sehr ähnlich<br />

und die Basis von GW 335-A6.<br />

PE-Mehrschichtrohre, die Verstärkungsbänder<br />

<strong>aus</strong> gestrecktem PE<br />

enthalten, haben deutlich höhere<br />

Festigkeiten als die etablierten<br />

Rohre <strong>aus</strong> PE 100. Dennoch sind<br />

die Übereinstimmungen bei den<br />

Anforderungen so umfangreich, dass<br />

GW 335-A5 in großen Teilen auf<br />

GW 335-A2/B2 verweist, die wiederum<br />

weitestgehend auf EN 1555-1<br />

bis 5 etc. beruhen. Europäische bzw.<br />

internationale Normen sind für<br />

diese PE-Mehrschichtrohre nicht<br />

verfügbar. Eine Besonderheit bildet<br />

hier die Festigkeitsprüfung, denn<br />

aufgrund des Mehrschichtaufb<strong>aus</strong><br />

kann die Bemessung nicht allein anhand<br />

der Festigkeit des Grundwerkstoffs<br />

erfolgen.<br />

Rohre <strong>aus</strong> PE 100 SDR 11 gestatten<br />

Betriebsdrücke bis 10 bar für<br />

Gas bzw. 16 bar für <strong>Wasser</strong>. Rohre<br />

<strong>aus</strong> Polyamid und Polyethylen-<br />

Mehrschichtrohre mit Verstärkung<br />

erlauben Anwendungen für höhere<br />

Druckstufen. Beispielsweise lassen<br />

sich mit PA-U 160 bzw. PA-U 180<br />

SDR 11 Rohrleitungen für Betriebsdrücke<br />

bis 16 bar bzw. 18 bar für<br />

Gas sowie 20 bar bzw. 22,5 bar für<br />

<strong>Wasser</strong> realisieren.<br />

Die zugehörigen Verbinder haben<br />

eine große Ähnlichkeit mit<br />

Verbindern, wie sie für Rohre <strong>aus</strong><br />

PE 100 zum Einsatz kommen. Insofern<br />

ist auf die spezifische Eignung,<br />

Kennzeichnung und Herstelleranleitung<br />

besonders zu achten, damit<br />

auch wirklich nur Rohre und Verbinder<br />

verschweißt werden, die tatsächlich<br />

die gleiche Werkstoffbasis<br />

und Druckstufe aufweisen. So dürfen<br />

verschiedene PA-Typen (PA 11,<br />

PA 12, PA 612) nicht verschweißt<br />

werden, da die wechselseitige<br />

Schweißeignung noch nicht <strong>aus</strong>reichend<br />

untersucht ist.<br />

Die DVGW-Arbeitsblätter G 472,<br />

G 463, W 400-1 und W 400-2 berücksichtigen<br />

solche Rohre nicht, sollten<br />

aber soweit wie möglich sinngemäß<br />

berücksichtigt werden. Das bedingt<br />

eine besondere ingenieurmäßige<br />

Betreuung.<br />

Übergang von<br />

Polyamid auf<br />

Stahl. © Evonik<br />

Industries AG<br />

Preis:<br />

GW 335-A5 (P): € 22,71 für Mitglieder;<br />

€ 30,29 für Nichtmitglieder.<br />

GW 335-A6 (P): € 22,71 für Mitglieder;<br />

€ 30,29 für Nichtmitglieder.<br />

Juli/August 2014<br />

860 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


| RECHT UND REGELWERK |<br />

GW 117 (M): Kopplung von GIS- und ERP-Systemen, 7/2014<br />

In Versorgungsunternehmen ist der<br />

Lagebezug von unternehmensweiten<br />

Informationen ein unverzichtbarer<br />

Schlüssel zum Erfolg. Die<br />

intelligente Verknüpfung dieser<br />

Informationen sowie die Integra tion<br />

in bestehende und zukünftige<br />

IT-Umgebungen optimieren die<br />

Geschäftsprozesse in Unternehmen,<br />

erhöhen deren Transparenz und<br />

Qualität und senken die Kosten.<br />

Dies gilt auch für die Kopplung der<br />

digitalen Netzdokumentation mit den<br />

häufig vorhandenen ERP-Systemen.<br />

Allerdings setzt GIS- und ERP-<br />

Kopplung eine Analyse der zu unterstützenden<br />

Prozesse und Datenstrukturen<br />

vor<strong>aus</strong>. Nachdem die<br />

fachlichen Anforderungen definiert<br />

sind, kann die IT-technische Zuordnung<br />

untersucht und festgelegt<br />

werden. Es ist zu erarbeiten, welche<br />

Objekte <strong>aus</strong> dem GIS- und ERP-<br />

Datenbestand gekoppelt werden<br />

sollen. Auch ist die Frage zu beantworten,<br />

in welchen IT-Anwendungen<br />

eine Visualisierung und<br />

Fortführung der gekoppelten Objekte<br />

erfolgen soll. Das nun als<br />

Weißdruck veröffentlichte DVGW-<br />

Merkblatt GW 117 beschreibt die<br />

bei einer Kopplung von GIS- und<br />

ERP-Systemen zu berücksichtigenden<br />

Anforderungen und Standards.<br />

Sie liefert Beispiele und Vorgehensweisen<br />

<strong>aus</strong> der Praxis. Das Thema<br />

Adressverwaltung, welches in der<br />

alten GW 117 im Vordergrund stand,<br />

wurde in diesem technischen<br />

Hinweis aufgearbeitet. Das DVGW-<br />

Merkblatt GW 117 dient als Grundlage<br />

für die Kopplung von GIS- und<br />

ERP-Systemen in Versorgungsunternehmen.<br />

Mapping Tabelle einer realisierten GIS­ERP­Kopplung.<br />

Preis:<br />

€ 22,71 für Mitglieder;<br />

€ 30,29 für Nichtmitglieder.<br />

Bezugsquelle:<br />

wvgw Wirtschafts- und Verlagsgesellschaft<br />

Gas und <strong>Wasser</strong> mbH,<br />

Josef-Wirmer-Straße 3,<br />

D-53123 Bonn,<br />

Tel. (0228) 9191-40,<br />

Fax (0228) 9191-499,<br />

www.wvgw.de<br />

E I N L A D U N G<br />

Messtechnik Regeltechnik Steuerungstechnik Prozessleitsysteme<br />

Mittwoch, 17. September 2014<br />

8:00 bis 16:00 Uhr<br />

Friedrich-Ebert-Halle<br />

Erzbergerstr. 89<br />

67063 Ludwigshafen<br />

Führende Fachfirmen der Branche präsentieren ihre Geräte und Systeme und<br />

zeigen neue Trends in der Automatisierung auf. Die Messe wendet sich an<br />

alle Interessierten, die auf dem Gebiet der Mess-, Steuer- und Regeltechnik<br />

sowie der Prozessautomation tätig sind.<br />

Der Eintritt zur Messe, die Teilnahme an den Workshops und der Imbiss<br />

sind für die Besucher kostenlos.<br />

Weitere Informationen finden Interessierte auf unserer Internetseite.<br />

www.meorga.de<br />

info@meorga.de<br />

MEORGA GmbH<br />

Sportplatzstraße 27<br />

66809 Nalbach<br />

Tel. 06838 / 8960035<br />

Fax 06838 / 983292<br />

Juli/August 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 861


| RECHT UND REGELWERK<br />

|<br />

Regelwerk <strong>Wasser</strong><br />

W 523 (P) Entwurf: Nickelabgabe metallener Überzüge <strong>aus</strong> Chrom und Nickel von<br />

Armaturen und Bauteilen; Prüfung und Bewertung der Nickelabgabe bei Kontakt<br />

mit Trinkwasser; Anforderungen und Prüfungen, 6/2014<br />

Einspruchsfrist:<br />

30. September 2014<br />

Chrom- und nickelhaltige Überzüge<br />

werden <strong>aus</strong> optischen und <strong>aus</strong><br />

Gründen des äußeren Korrosionsschutzes<br />

insbesondere auf Sanitärarmaturen<br />

und ähnlichen Bauteilen<br />

galvanisch aufgetragen. Abhängig<br />

vom Produktionsverfahren lässt es<br />

sich nicht vollständig vermeiden,<br />

dass dabei auch Chrom und Nickel<br />

auf die inneren, vom Trinkwasser<br />

berührten Oberflächen abgeschieden<br />

werden.<br />

Verchromte und vernickelte Produkte<br />

können Nickel an das Trinkwasser<br />

abgeben. Zur Sicherstellung<br />

der einwandfreien, nach der Trinkwasserverordnung<br />

geforderten Trinkwasserqualität<br />

sind diese Produkte<br />

auf ihre Nickelabgabe zu prüfen.<br />

Die Metallabgabe der Gehäusekörper<br />

von Armaturen und anderen<br />

Bauteilen an das Trinkwasser kann<br />

durch eine Werkstoffprüfung, beurteilt<br />

werden. Geeignete Werkstoffe<br />

sind in der Empfehlung des<br />

Umweltbundesamtes „Trinkwasserhygienisch<br />

geeignete metallene<br />

Werkstoffe“ in einer Werkstoffliste<br />

aufgeführt. Bei der Verwendung<br />

dieser Werkstoffe ist eine Prüfung<br />

der Produkte selbst nicht mehr<br />

notwendig.<br />

Für metallene Überzüge gilt<br />

dieses jedoch nicht, da die Metallabgabe<br />

an das Trinkwasser vom<br />

Produktionsverfahren abhängig ist.<br />

Für diese ist daher eine zusätzliche<br />

Prüfung am Endprodukt und eine<br />

Überwachung des Produktionsverfahrens<br />

notwendig.<br />

Auch gleiche Produkte, die<br />

dasselbe Produktionsverfahren durchlaufen<br />

haben, können sich deutlich<br />

in ihrer Nickelabgabe unterscheiden.<br />

Die Streuung der Ergebnisse<br />

der Prüfung der einzelnen Prüfmuster<br />

muss für die Beurteilung<br />

berücksichtigt werden.<br />

Die Prüfung der Nickelabgabe<br />

erfolgt nach DIN EN 16058 als<br />

dy namischer Prüfstandversuch. Die<br />

Auswertung und Bewertung erfolgt<br />

nach der Technischen Prüfgrundlage<br />

W 523, die hiermit der Fachöffentlichkeit<br />

als Entwurf Juni 2014<br />

vorgestellt wird.<br />

Preis:<br />

€ 17,61 für Mitglieder;<br />

€ 23,49 für Nichtmitglieder.<br />

W 556 (A) Entwurf: Hygienisch-mikrobielle Auffälligkeiten in Trinkwasser-<br />

Installationen – Methodik und Maßnahmen zu deren Behebung, 6/2014<br />

Einspruchsfrist:<br />

31. Oktober 2014<br />

Das DVGW-Arbeitsblatt wurde vom<br />

Projektkreis „Sanierung von Trinkwasser-Installationen“<br />

im Technischen<br />

Komitee „Hygiene in der<br />

Trinkwasser-Installation“ erarbeitet.<br />

Es dient als Grundlage für die<br />

Bewertung und die Beseitigung gesundheitlich<br />

relevanter mikrobieller<br />

Auffälligkeiten und deren Ursachen<br />

und den damit im Zusammenhang<br />

stehenden betrieblichen und technischen<br />

Mängeln in Trinkwasser-<br />

Installationen. Große oder komplexe<br />

Trinkwasser-Installationen bergen ein<br />

besonderes Gefährdungspotenzial<br />

und werden daher eingehender<br />

betrachtet.<br />

Ziel des Arbeitsblattes ist die<br />

Wiederherstellung eines hygienisch<br />

sicheren Betriebes der Trinkwasser-<br />

Installation durch Gewährleistung der<br />

bestimmungsgemäßen Nutzungsfähigkeit<br />

und des bestimmungsgemäßen<br />

Betriebs der Trinkwasser-<br />

Installation. Es richtet sich an alle,<br />

die an der Wiederherstellung beteiligt<br />

sind. Hierzu zählen neben dem<br />

Planer und <strong>aus</strong>führenden Betrieb<br />

auch der Betreiber der Trinkwasser-<br />

Installation sowie der Hygieniker<br />

und die zuständige Überwachungsbehörde.<br />

Das Arbeitsblatt gibt Hinweise<br />

zur Ermittlung, Bewertung und Beseitigung<br />

von hygienischen Mängeln<br />

in hygienischen Problembereichen<br />

einer bestehenden Trinkwasser-Installation,<br />

die aufgrund von<br />

nicht regelkonformer Ausführung,<br />

nicht bestimmungsgemäßem Betrieb,<br />

fehlender Inspektion und<br />

Wartung oder Vernachlässigung von<br />

erforderlichen Instandsetzungsmaßnahmen<br />

entstanden sein können.<br />

Es wird insoweit auf chemische<br />

Veränderungen eingegangen, wie<br />

diese Anzeichen von mikrobiellen<br />

Kontaminationen sein oder Auswirkungen<br />

auf das Auftreten von<br />

Krankheitserregern im Trinkwasser<br />

haben können.<br />

Bei Maßnahmen zur Dekontamination<br />

von Trinkwasser-Installationen<br />

ist immer auch auf <strong>aus</strong>reichenden<br />

Gesundheitsschutz des durchführenden<br />

Fachpersonals zu achten.<br />

Es gibt eine Reihe von Sanierungsgründen;<br />

hierzu zählen:<br />

••<br />

Mikrobielle Mängel: Grenzwert-/<br />

Maßnahmenwertüberschreitungen<br />

§§ 5 bis 7 TrinkwV 2001,<br />

Überschreitung des technischen<br />

Maßnahmenwertes, Auftreten von<br />

Krankheitserregern im Sinne des<br />

Infektionsschutzgesetzes (IfSG).<br />

Von besonderer Bedeutung sind<br />

dabei Mängel durch Kontamina-<br />

Juli/August 2014<br />

862 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


| RECHT UND REGELWERK |<br />

tionen mit Legionellen, die im<br />

DVGW-Arbeitsblatt W 551 <strong>aus</strong>führlich<br />

dargestellt werden, sowie<br />

mit Pseudomonas aeruginosa.<br />

••<br />

Organoleptische/ästhetische<br />

Mängel: übermäßiges Wachstum<br />

des Biofilms, schwarze Beläge.<br />

••<br />

Technische Mängel (anlagentechnisch/gerätetechnisch).<br />

••<br />

Mängel durch nicht bestimmungsgemäßen<br />

Betrieb.<br />

Eine Sanierung der Trinkwasser-Installation<br />

ist erforderlich, wenn die<br />

Funktion „Transport von Trinkwasser“<br />

gestört ist. Die Störung kann die<br />

Transportfunktion (Rohrbrüche, Ablagerungen<br />

etc.) oder die Trinkwasserqualität<br />

(mikrobielle Kontamination,<br />

chemische Veränderung etc.)<br />

oder eine Kombination <strong>aus</strong> beiden<br />

betreffen. Unabhängig von der<br />

Größe einer Trinkwasser-Installation<br />

ist zu Beginn die technische Sanierbarkeit<br />

der Anlage zu prüfen und<br />

zu bewerten, ob die erforderlichen<br />

Sanierungsmaßnahmen oder ob<br />

eine Neuinstallation unter Berücksichtigung<br />

von wirtschaftlichen Gesichtspunkten<br />

sinnvoll ist.<br />

Abhängig von der Art der Auffälligkeit<br />

(mikrobielle Kontamination)<br />

und abhängig von der Größe einer<br />

Trinkwasser-Installation kann die<br />

Durchführung von Sofortmaßnahmen<br />

zum weiteren Betrieb der Anlage<br />

erforderlich sein. Diese werden<br />

ebenso wie die Vorgehensweise bei<br />

der Planung und methodischen Umsetzung<br />

einer derartigen Sanierung<br />

beschrieben. Dabei werden Kriterien<br />

für die Planung und Durchführung<br />

einer Sanierung aufgeführt und<br />

Sanierungsmethoden vorgestellt,<br />

differenziert nach Sanierungsgrund<br />

und Werkstoff/Material der Trinkwasser-Installation.<br />

Einsprüche sind zu senden an<br />

die Hauptgeschäftsführung in Bonn<br />

(www.dvgw.de).<br />

Preise:<br />

€ 34,97 für Mitglieder;<br />

€ 46,63 für Nichtmitglieder.<br />

W 570-1-B2 (P) Entwurf: 2. Beiblatt zur Prüfgrundlage W 570-1 Armaturen für die Trinkwasser-Installation;<br />

Teil 1: Anforderungen und Prüfungen für Gebäudearmaturen, 6/2014<br />

Dieses Beiblatt wurde vom Projektkreis<br />

„Armaturen“ im Technischen<br />

Komitee „Armaturen und Apparate“<br />

erarbeitet. Es dient dazu, die Technische<br />

Prüfgrundlage DVGW W 570-1<br />

hinsichtlich der Prüfung der Einhaltung<br />

der Schallschutzanforderungen<br />

zu korrigieren. Ursprünglich<br />

wurde zum Nachweis, dass die<br />

Schallschutzklasse I oder II nach<br />

DIN 4109 eingehalten wird, ein<br />

allgemeines bauaufsichtliches Prüfzeugnis<br />

(abP) gefordert. Da das abP<br />

eine nationale baurechtliche Forderung<br />

darstellt, wird dies mit diesem<br />

Beiblatt korrigiert und als Nachweis<br />

ein Prüfzeugnis gemäß DIN EN ISO<br />

3822 verlangt. Unabhängig davon<br />

muss ein abP vorliegen, wenn die<br />

nach W 570-1 (P) geprüften Produkte<br />

in Deutschland eingebaut<br />

und verwendet werden.<br />

Preis:<br />

kostenlos.<br />

W 583 (P) Entwurf: Installationsverteiler in der Trinkwasser-Installation; Anforderungen<br />

und Prüfungen, 6/2014<br />

Diese technische Prüfgrundlage<br />

wurde vom Projektkreis „Installationsverteiler“<br />

im Technischen Komitee<br />

„Armaturen und Apparate“<br />

erarbeitet. Die vorläufige technische<br />

Prüfgrundlage VP 644 „Installationsverteiler“<br />

wurde überarbeitet und<br />

wird nun als technische Prüfgrundlage<br />

DVGW W 583 (P) veröffentlicht.<br />

Die Prüfgrundlage wurde im Wesentlichen<br />

strukturell überarbeitet<br />

und an die aktuellen europäischen<br />

Normen sowie das DVGW-Regelwerk<br />

angepasst. Inhaltlich wurden<br />

die Anforderungen an den Volumenstrom<br />

für kleine und große<br />

Nennweiten erweitert. Kugelhähne<br />

werden als Teile von Installationsverteilern<br />

nicht mehr berücksichtigt,<br />

da sie nach DIN 1988-200 in<br />

Trinkwasser-Installationen lediglich<br />

noch als Wartungsarmaturen zum<br />

Einsatz kommen dürfen.<br />

Preis:<br />

€ 17,61 für Mitglieder;<br />

€ 23,49 für Nichtmitglieder.<br />

W 221-3 (A): Rückstände und Nebenprodukte <strong>aus</strong> <strong>Wasser</strong>aufbereitungsanlagen; Teil 3:<br />

Vermeidung, Vermarktung und Verwertung, 7/2014<br />

Dieses Arbeitsblatt wurde vom<br />

Projektkreis „Reststoffmanagement“<br />

im Technischen Komitee „<strong>Wasser</strong>aufbereitungsverfahren“<br />

überarbeitet.<br />

Dabei standen die Aktualisierung<br />

der aufgeführten Verwertungswege<br />

sowie die Anpassung an den geänderten<br />

rechtlichen Rahmen im<br />

Vordergrund. Im Rahmen der Erarbeitung<br />

fanden zwei Erfahrungs<strong>aus</strong>t<strong>aus</strong>che<br />

sowie eine Befragung<br />

der <strong>Wasser</strong>werke zur Rückstandsthematik<br />

statt. Das Arbeitsblatt<br />

dient als Grundlage für eine verfahrensspezifische<br />

Betrachtung der<br />

▶ ▶<br />

Juli/August 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 863


| RECHT UND REGELWERK<br />

|<br />

Rückstände im Hinblick auf deren<br />

Entstehung bzw. mögliche Vermeidung.<br />

Betrachtet werden vorrangig<br />

kontinuierlich anfallende Rückstände<br />

<strong>aus</strong> der chemischen Enthärtung<br />

(Schlamm und Pellets), der Flockung<br />

(Eisen und Aluminium) sowie der<br />

Enteisenung/Entmanganung. Es gibt<br />

Hinweise zur Abschätzung der Rückstandsmengen<br />

sowie deren Zusammensetzung.<br />

In Abhängigkeit<br />

von der Rückstandsbeschaffenheit<br />

werden Vermarktungs- oder Verwertungsstrategien<br />

aufgezeigt. In der Praxis<br />

übliche Verwertungswege sowie<br />

deren Grundzüge werden beschrieben<br />

und standorttypische, saisonale<br />

und andere Randbedingungen<br />

beispielhaft betrachtet. Rückstände<br />

können im rechtlichen Sinne als Nebenprodukt<br />

vermarktet oder „Abfall<br />

zur Verwertung“ verwertet werden.<br />

Preis:<br />

€ 30,46 für Mitglieder;<br />

€ 40,62 für Nichtmitglieder.<br />

Bezugsquelle:<br />

wvgw Wirtschafts- und Verlagsgesellschaft<br />

Gas und <strong>Wasser</strong> mbH,<br />

Josef-Wirmer-Straße 3, D-53123 Bonn,<br />

Tel. (0228) 9191-40,<br />

Fax (0228) 9191-499,<br />

www.wvgw.de<br />

Aufruf zur Stellungnahme<br />

Entwurf Arbeitsblatt DWA-A 147: Betriebsaufwand für die Kanalisation –<br />

Betriebsaufgaben und Häufigkeiten<br />

Die Deutsche Vereinigung für<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaft, <strong>Abwasser</strong> und<br />

Abfall e. V. (DWA) hat mit dem Entwurf<br />

des Arbeitsblatt DWA-A 147<br />

eine Publikation veröffentlicht, die<br />

für den Betrieb und die Instandhaltung<br />

von Kanalnetzen erforderliche<br />

Betriebsaufgaben beschreibt.<br />

Der Betrieb und die Instandhaltung<br />

von Kanalnetzen stellen Kernaufgaben<br />

der <strong>Abwasser</strong>entsorgung<br />

dar. Aus den gesetzlichen Vorgaben<br />

und von den Betreibern selbst definierten<br />

Anforderungen resultieren<br />

Betriebsaufgaben, die rechtssicher<br />

und wirtschaftlich <strong>aus</strong>geführt werden<br />

müssen. Im Arbeitsblatt werden<br />

Betriebsarbeiten benannt und Kriterien<br />

bzw. Bandbreiten zur Festlegung<br />

von Durchführungshäufigkeiten beschrieben,<br />

um den Betreibern eine<br />

auf den Einzelfall bezogene Ausgestaltung<br />

der vorhandenen Spielräume<br />

zu ermöglichen.<br />

Gegenüber der Ausgabe von<br />

2005 wurden folgende Änderungen<br />

vorgenommen:<br />

••<br />

Bezug der Betriebsarbeiten auf<br />

die wesentlichen Instandhaltungsobjekte<br />

der Kanalisation<br />

••<br />

Begrenzung des Anwendungsbereichs<br />

auf öffentliche <strong>Abwasser</strong>kanäle<br />

im Sinne der DIN EN 752<br />

••<br />

Erweiterung des Anwendungsbereichs<br />

auf <strong>Abwasser</strong>pumpanlagen,<br />

besondere Entwässerungsverfahren<br />

und Außenanlagen<br />

••<br />

Differenzierte Kriterien zur Festlegung<br />

der Häufigkeiten, mit<br />

denen Betriebsarbeiten durchgeführt<br />

werden sollen<br />

••<br />

Anpassung an die europäische<br />

Normung und die zwischenzeitlich<br />

eingetretenen Änderungen<br />

von Gesetzen und Verordnungen<br />

DWA-A 147 enthält Anforderungen<br />

an den Betrieb und die Instandhaltung<br />

von öffentlichen Kanalisationen<br />

im Sinne der DIN EN 752.<br />

Anlagen, die nur der Ableitung<br />

von <strong>Abwasser</strong> von einer Anfallstelle<br />

zu einem <strong>Abwasser</strong>kanal dienen<br />

(z. B. Straßen- und Grundstücksentwässerungsanlagen,<br />

verrohrte<br />

Gewässer), werden in diesem<br />

Arbeitsblatt nicht berücksichtigt.<br />

Außerdem werden nur Anlagen<br />

behandelt, die üblicherweise in<br />

Kanalisationen vorhanden sind. Für<br />

besondere Anlagen, wie z. B. Sandfänge,<br />

Rechen usw., lassen sich<br />

aufgrund der sehr unterschiedlichen<br />

Ausführung und Einsatzbedingungen<br />

keine allgemein gültigen<br />

Angaben zu notwendigen<br />

Betriebsarbeiten machen; in diesen<br />

Fällen muss eine Einzelfallbetrachtung<br />

erfolgen.<br />

Das Arbeitsblatt richtet sich an<br />

Betreiber von öffentlichen Kanalisationen.<br />

Es kann sinngemäß auf<br />

große Grundstücksentwässerungsanlagen<br />

übertragen werden.<br />

Frist zur Stellungnahme:<br />

Hinweise und Anregungen zu dieser Thematik<br />

nimmt die DWA-Bundesgeschäftsstelle<br />

entgegen. Das Arbeitsblatt DWA-A 147 wird<br />

bis zum 15. Oktober 2014 öffentlich zur<br />

Diskussion gestellt.<br />

Stellungnahmen bitte schriftlich,<br />

möglichst in digitaler Form, an:<br />

DWA-Bundesgeschäftsstelle,<br />

Dipl.-Ing. Christian Berger,<br />

Theodor-Heuss-Allee 17,<br />

D-53773 Hennef,<br />

Tel. (02242) 872 126,<br />

Fax (02242) 872 184,<br />

E-Mail: berger@dwa.de<br />

Digitale Vorlage für Stellungnahmen<br />

befindet sich unter:<br />

http://de.dwa.de/themen.html<br />

Information:<br />

Juli 2014, 48 Seiten,<br />

ISBN 978-3-944328-72-0,<br />

Ladenpreis: 60,50 Euro,<br />

fördernde DWA-Mitglieder: 48,40 Euro<br />

Her<strong>aus</strong>geber und Vertrieb:<br />

DWA Deutsche Vereinigung für<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaft, <strong>Abwasser</strong> und<br />

Abfall e.V.,<br />

Theodor-Heuss-Allee 17,<br />

D-53773 Hennef,<br />

Tel. (02242) 872-333,<br />

Fax (02242) 872-100,<br />

E-Mail: info@dwa.de,<br />

DWA-Shop: www.dwa.de/shop<br />

Juli/August 2014<br />

864 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


| RECHT UND REGELWERK |<br />

Aufruf zur Mitarbeit<br />

Ökologische Durchgängigkeit von Fließgewässern<br />

Um ein besseres Verständnis<br />

über die ökologische Durchgängigkeit<br />

von Fließgewässern zu<br />

vermitteln und entsprechende Handreichungen<br />

zu erarbeiten, richtet<br />

die Deutsche Vereinigung für<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaft, <strong>Abwasser</strong> und<br />

Abfall e. V. (DWA) einen neuen Fach<strong>aus</strong>schuss<br />

(FA) „Ökologische Durchgängigkeit<br />

von Fließgewässern“<br />

ein. Er wird dem Haupt<strong>aus</strong>schuss<br />

„<strong>Wasser</strong>bau und <strong>Wasser</strong>kraft“ (HA<br />

WW) angehören. Überdies wird die<br />

DWA eine neue Arbeitsgruppe (AG)<br />

„Fischaufstiegsanlagen und fischpassierbare<br />

Bauwerke“ bilden. Dem<br />

FA werden die bestehenden AGs<br />

„Fischschutz- und Fischabstiegsanlagen“<br />

(AG WW-8.1) und „Funktionskontrolle<br />

von Fischaufstiegs- und<br />

Fischabstiegsanlagen“ (AG WW-8.2)<br />

zugeordnet. Die Aufgaben von Fach<strong>aus</strong>schuss<br />

und Arbeitsgruppen umfassen<br />

im Einzelnen:<br />

• FA Ökologische Durchgängigkeit<br />

von Fließgewässern: Der FA hat<br />

koordinierende Aufgaben und<br />

dient als Forum für den breiteren<br />

fachlichen Aust<strong>aus</strong>ch. Ferner<br />

kommt ihm eine Querschnittsfunktion<br />

zu.<br />

• AG Fischschutz- und Fischabstiegsanlagen:<br />

Die AG soll den Themenband<br />

„Fischschutz- und Fischabstiegsanlagen<br />

– Bemessung, Gestaltung<br />

und Funktionskontrolle“<br />

<strong>aus</strong> dem Jahr 2005 überarbeiten<br />

und Lösungen für gesetzliche<br />

Vorgaben entwickeln (§§ 34 und<br />

35 WHG). Die Ergebnisse des<br />

Forums Fischschutz und Fischabstieg<br />

(F+E-Vorhaben des Umweltbundesamtes)<br />

werden einbezogen.<br />

• AG Funktionskontrolle von Fischaufstiegs-<br />

und Fischabstiegsanlagen:<br />

Die Zusammenstellung<br />

und Beschreibung geeigneter<br />

Methoden zur Funktionskontrolle<br />

von Fischaufstiegs- und Fischabstiegsanlagen<br />

ist Gegenstand<br />

dieser AG. Die Funktionskontrolle<br />

ist für die Beurteilung und Verbesserung<br />

von neuen und bestehenden<br />

Anlagen sowie zur<br />

Weiterentwicklung der fachlichen<br />

Grundlagen von zunehmender<br />

Bedeutung. Bisher konnte in<br />

Deutschland keine eindeutige<br />

Bewertungsphilosophie für die<br />

Funktionsfähigkeit entwickelt<br />

werden.<br />

• AG Fischaufstiegsanlagen und<br />

fischpassierbare Bauwerke: Wesentlicher<br />

Inhalt dieser AG wird<br />

die Weiterentwicklung des Merkblattes<br />

DWA-M 509 „Fischaufstiegsanlagen<br />

und fischpassierbare<br />

Bauwerke – Gestaltung, Bemessung,<br />

Qualitätssicherung“ vom<br />

Mai 2014 sein. Aktuell ist die<br />

Übersetzung der Publikation in<br />

andere Sprachen zu betreuen.<br />

Außerdem sind Fortbildungsveranstaltungen<br />

zum Thema zu<br />

entwickeln.<br />

Vertreter wissenschaftlicher Einrichtungen<br />

und von Planungsbüros,<br />

Betreiber wasserwirtschaftlicher Anlagen,<br />

Mitarbeiter von Gewässe r-<br />

unterhaltungspflichtigen und Behörden<br />

oder sonstige Interessierte<br />

sind zur Mitarbeit eingeladen. Sie<br />

sollen jedoch praxiserfahren sein<br />

und ökohydraulische, biologische<br />

und/oder wasserbauliche Expertise<br />

aufweisen.<br />

Interessenten melden sich bitte mit einer<br />

themenbezogenen Beschreibung ihres<br />

beruflichen Werdegangs und unter Angabe<br />

von gewünschtem Fach<strong>aus</strong>schuss oder<br />

Arbeitsgruppe bei:<br />

DWA-Bundesgeschäftsstelle,<br />

Dipl.-Geogr. Georg Schrenk,<br />

Theodor-Heuss-Allee 17, D-53773 Hennef,<br />

Tel. (02242) 872-210, Fax (02242) 872-184,<br />

E-Mail: schrenk@dwa.de, www.dwa.de<br />

DIV Deutscher Industrieverlag GmbH<br />

www.<strong>gwf</strong>-wasser-abwasser.de<br />

Netzwerk Wissen<br />

Universitäten und Hochschulen stellen sich vor:<br />

Studiengänge und Studienorte rund ums <strong>Wasser</strong>fach<br />

im Porträt – in der technisch-wissenschaftlichen<br />

Fachzeitschrift <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong>|<strong>Abwasser</strong><br />

Kontakt zur Redaktion<br />

E-Mail: ewers@di-verlag.de, fiedler@di-verlag.de<br />

Juli/August 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 865


| FACHBERICHTE<br />

|<br />

<strong>Wasser</strong>versorgung<br />

Gute Erfahrungen und viele neue<br />

Erkenntnisse – Benchmarking <strong>Wasser</strong><br />

und <strong>Abwasser</strong><br />

<strong>Wasser</strong>versorgung, Trinkwasserversorgung, <strong>Abwasser</strong>entsorgung, Benchmarking, Statistik, Erkenntnis<br />

Thomas Herkner und Franz Otillinger<br />

Seit mehr als zwölf Jahren gibt es Benchmarkingprojekte<br />

als vergleichende Analysen in der deutschen<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaft. Der Bundesverband der Energieund<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaft (BDEW) empfiehlt seinen Mitgliedern<br />

die Teilnahme und fördert seit Langem die<br />

Umsetzung.<br />

Die BDEW­Analyse „Benchmarking Statistik <strong>Wasser</strong>/<br />

<strong>Abwasser</strong> 2012“ zeigt deutlich, dass sich die Leistungsvergleiche<br />

für die Unternehmen <strong>aus</strong>zahlen. Mehr als<br />

zwei Drittel der bei einer BDEW­Untersuchung befragten<br />

Trinkwasserversorger und <strong>Abwasser</strong>entsorger<br />

haben bereits Benchmarkingprojekte durchgeführt.<br />

Fast alle davon machten gute bis zufriedenstellende<br />

Erfahrungen damit. 74,3 % der Trinkwasser­ und<br />

73,2 % der <strong>Abwasser</strong>unternehmen halten das Verhältnis<br />

von Aufwand und Nutzen beim Unternehmensbenchmarking<br />

für vertretbar.<br />

Die Zahlen belegen, dass die deutsche <strong>Wasser</strong>wirtschaft<br />

die von der Bundesregierung beschlossene<br />

Modernisierungsstrategie für die <strong>Wasser</strong>wirtschaft<br />

umsetzt. Die höheren Teilnahmequoten zeigen, dass<br />

die Branchen Trinkwasser und <strong>Abwasser</strong> den Erwartungen<br />

des Bundesumweltministeriums freiwillig<br />

nachkommen.<br />

Good Experiences and Many New Findings –<br />

Benchmarking in Water and Wastewater<br />

Benchmarking projects have been undertaken in the<br />

German water industry as comparative analyses for<br />

over twelve years. The German Association of Energy<br />

and Water Industries (BDEW) recommends its members<br />

participate in such projects and has long been<br />

supporting their implementation.<br />

The BDEW report, „Benchmarking Statistics Water/<br />

Wastewater 2012“ clearly shows that the companies<br />

benefit from these performance comparisons. More<br />

than two in three of the drinking water suppliers<br />

and wastewater disposal companies questioned in<br />

the scope of a BDEW survey had already conducted<br />

benchmarking projects. Almost all of those reported<br />

good or satisfactory experiences with them. 74.3 % of<br />

drinking water companies and 73.2 % of wastewater<br />

companies consider the cost­benefit relationship of<br />

company benchmarking to be acceptable.<br />

The figures show that the German water industry is<br />

implementing the modernisation strategy decided upon<br />

by the German government. The increasing participation<br />

rates demonstrate that the drinking water and<br />

wastewater industries are voluntarily meeting the expectations<br />

of the German Federal Environment Ministry.<br />

Seit mehr als zwölf Jahren gibt es Benchmarkingprojekte<br />

als vergleichende Analysen in der deutschen<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaft. Der Bundesverband der Energie- und<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaft e. V. (BDEW) empfiehlt seinen Mitgliedern<br />

die Teilnahme und fördert seit Langem die<br />

Umsetzung, wie in den Verbändeerklärungen zum<br />

Benchmarking <strong>Wasser</strong> 2003 und 2005 dargelegt.<br />

Benchmarking heißt: Sich mit anderen vergleichen<br />

und sich verbessern, indem man von den Besten <strong>aus</strong><br />

einer Vergleichsgruppe lernt. Erfolgreiche Methoden<br />

und Prozesse von Benchmarkingpartnern werden<br />

identifiziert, kennengelernt und übernommen. So<br />

werden die eigenen Leistungen gesteigert und Kosten<br />

reduziert.<br />

Bild 1. Spartenzugehörigkeit der erfassten<br />

Unternehmen. Alle Abbildungen: @ bdew<br />

Juli/August 2014<br />

866 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


<strong>Wasser</strong>versorgung | FACHBERICHTE |<br />

So viel zur Theorie, doch wie sehen konkret die<br />

Erfahrungen der Trinkwasserversorgungsunternehmen<br />

und <strong>Abwasser</strong>entsorger mit ihren Benchmarkingprojekten<br />

<strong>aus</strong>? Auskunft hierüber gibt die BDEW-Analyse<br />

„Benchmarking Statistik <strong>Wasser</strong>/<strong>Abwasser</strong> 2012“.<br />

Hierzu wurden in 2012 rund 2000 <strong>Wasser</strong>versorgungsunternehmen<br />

und <strong>Abwasser</strong>entsorger angeschrieben,<br />

sich an der Umfrage zur Benchmarking Statistik zu beteiligen.<br />

Davon haben 415 Unternehmen geantwortet,<br />

das entspricht einer Rücklaufquote von 21 % und ist<br />

als sehr gut einzuschätzen. Bei qualitativen Umfragen<br />

dieser Art gelten Quoten von mehr als 10 % bereits als<br />

Erfolg.<br />

Die Antworten der 415 Unternehmen gingen in die<br />

aktuelle Auswertung ein, wovon bei möglichen Mehrfachnennungen<br />

377 <strong>aus</strong> der Trinkwasser-/Fernwasserversorgung<br />

und 208 <strong>aus</strong> der <strong>Abwasser</strong>entsorgung erfasst<br />

wurden (siehe Bild 1).<br />

Bezogen auf die erste BDEW-Umfrage zu diesem<br />

Thema im Jahr 2010 sind viele Ergebnisse vergleichbar.<br />

Dies trifft insbesondere für die Antworten auf die bewertenden<br />

Fragen wie nach Erfahrungen, Erkenntnissen<br />

und Aufwänden des Benchmarking zu. Allerdings<br />

geht <strong>aus</strong> den Ergebnissen auch hervor, dass inzwischen<br />

deutlich mehr Unternehmen zusätzlich Benchmarkingprojekte<br />

aktiv durchgeführt haben. Somit dürften die<br />

Ergebnisse der aktuellen Untersuchung noch <strong>aus</strong>sagefähiger<br />

sein als die Resultate <strong>aus</strong> 2010. Insgesamt<br />

spiegeln die Ergebnisse der aktuellen Umfrage das<br />

zurzeit vorherrschende Meinungsbild zu Fragen des<br />

Benchmarkings in der <strong>Wasser</strong>wirtschaft und <strong>Abwasser</strong>entsorgung<br />

wider.<br />

1. Viele Wiederholer<br />

Eine große Mehrheit der antwortenden Unternehmen<br />

verfügt sowohl im Trinkwasser- als auch im <strong>Abwasser</strong>bereich<br />

über Erfahrungen mit Benchmarking. Rund<br />

zwei Drittel haben bereits entsprechende Projekte aktiv<br />

durchgeführt.<br />

Im Vergleich 2010 zu 2012 ist im Trinkwasserbereich<br />

der Anteil derjenigen, die mehrfach Benchmarking<br />

durchführten, um 10 Prozentpunkte gestiegen und der<br />

Anteil derjenigen, die noch nie an einem Benchmarkingprojekt<br />

mitgewirkt haben, um 11 Prozentpunkte zurückgegangen.<br />

Im <strong>Abwasser</strong>bereich wurde die Teilnahme an<br />

Benchmarkingprojekten noch deutlicher gesteigert.<br />

Hier wuchs die Zahl der Benchmarkinganwender im<br />

Vergleich 2010 zu 2012 um 17,2 Prozentpunkte. Das<br />

bedeutet, der Anteil der mehrfachen Teilnahme wurde<br />

um 13,1 und der Anteil der einmaligen Teilnahme um<br />

4,1 Prozentpunkte erhöht (siehe Bild 2).<br />

2. Hohe Akzeptanz<br />

Die Akzeptanz von Benchmarking im Trinkwasser- und<br />

<strong>Abwasser</strong>bereich ist also gestiegen.<br />

Bild 2. Vorherige Teilnahme an einem Benchmarkingprojekt?<br />

Bild 3. Vorherige Teilnahme differenziert.<br />

Bild 4. Erfahrungen mit Unternehmens­Benchmarking.<br />

Bild 5. Erfahrungen mit Prozess­Benchmarking.<br />

Juli/August 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 867


| FACHBERICHTE<br />

|<br />

<strong>Wasser</strong>versorgung<br />

Bild 6.<br />

Erkenntnisse<br />

<strong>aus</strong> Unternehmensbenchmarking.<br />

Bild 7.<br />

Erkenntnisse<br />

<strong>aus</strong> Prozessbenchmarking.<br />

Bild 8. Aufwand<br />

Unternehmensbenchmarking.<br />

Bild 9. Aufwand<br />

Prozessbenchmarking.<br />

Diese Zahlen belegen deutlich, dass die deutsche<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaft die von der Bundesregierung beschlossene<br />

Modernisierungsstrategie für die <strong>Wasser</strong>wirtschaft<br />

umsetzt. Die höheren Teilnahmequoten belegen,<br />

dass die Branchen Trinkwasser und <strong>Abwasser</strong> den<br />

Erwartungen des Bundesumweltministeriums freiwillig<br />

nachkommen (siehe Bild 3).<br />

Von den befragten Trinkwasserunternehmen haben<br />

91,2 % (davon 59,3 % mehrfach) an einem Unternehmensbenchmarking<br />

teilgenommen. Hierbei gaben<br />

insgesamt 14 % eine mehr als fünfmalige und fast 7 %<br />

sogar eine mehr als zehnmalige Teilnahme am Unternehmensbenchmarking<br />

an.<br />

Prozessbenchmarkingprojekte im Trinkwasserbereich<br />

wurden bisher von insgesamt 42,4 % der befragten<br />

Unternehmen durchgeführt, davon 22,3 % mehrfach.<br />

Im <strong>Abwasser</strong>bereich waren die Ergebnisse ähnlich.<br />

Die Teilnahme am Unternehmensbenchmarking dokumentierten<br />

auch mehr als 90 % der Unternehmen<br />

(davon 54,1 % mehrfach). Die Teilnahmen an mehrfachen<br />

Prozessbenchmarkinganalysen waren im <strong>Abwasser</strong>bereich<br />

mit 27,5 % höher als im Trinkwasserbereich.<br />

3. Gute Erfahrungen<br />

Mehr als 98 % der befragten Trinkwasserversorgungs- und<br />

<strong>Abwasser</strong>entsorgungsunternehmen mit Benchmarkingerfahrung<br />

machten gute oder zufriedenstellende Erfahrungen<br />

mit dem Unternehmensbenchmarking (siehe<br />

Bild 4).<br />

Beim Prozessbenchmarking waren die guten Erfahrungen<br />

mit 52,7 % beim Trinkwasser und 64,6 % im<br />

<strong>Abwasser</strong>bereich (siehe Bild 5) noch höher als beim<br />

Unternehmensbenchmarking.<br />

4. Viele neue Erkenntnisse<br />

Mehr als 80 % der Unternehmen (siehe Bild 6) gaben<br />

beim Trinkwasser an, neue Erkenntnisse <strong>aus</strong> dem<br />

Unternehmensbenchmarking gewonnen zu haben<br />

(<strong>Abwasser</strong>: 79 %). Beim Prozessbenchmarking lagen<br />

diese Anteile mit fast 90 % sogar noch höher (siehe<br />

Bild 7).<br />

5. Aufwand-Nutzen-Vergleich von<br />

Benchmarking<br />

Für mehr als drei Fünftel der Unternehmen ist beim<br />

Unternehmensbenchmarking der Aufwand überschaubar<br />

(siehe Bild 8). Dagegen wird von rund 61 % der Teilnehmer<br />

(Trinkwasser und <strong>Abwasser</strong>) der Aufwand für<br />

das Prozessbenchmarking als hoch eingeschätzt (siehe<br />

Bild 9).<br />

Begründet wird dies insbesondere damit, dass es<br />

sich beim Unternehmensbenchmarking um unternehmensübergreifende<br />

Projekte handelt, die sich im<br />

Wesentlichen auf einen Kennzahlenvergleich auf<br />

Unternehmensebene beschränken. Ziel solcher Projekte<br />

ist die Positionsbestimmung der teilnehmenden<br />

Juli/August 2014<br />

868 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


<strong>Wasser</strong>versorgung | FACHBERICHTE |<br />

Unternehmen sowie die Informationsbereitstellung wie<br />

z. B. für Gremien und Öffentlichkeit.<br />

Dennoch können in solchen Projekten für die Teilnehmer<br />

relevante Untersuchungsbereiche (Prozesse)<br />

identifiziert werden.<br />

Dagegen werden im Prozessbenchmarking einzelne<br />

Prozesse oder Prozessprodukte <strong>aus</strong>führlich untersucht<br />

und verglichen. Der Vergleich ist mit wesentlich mehr<br />

Detailarbeit als im Unternehmensbenchmarking verbunden<br />

und führt somit zu einem erhöhten Aufwand<br />

für die Teilnehmer. Aufgrund der Detaillierung ist es<br />

allerdings möglich, konkrete Maßnahmen zur Prozessoptimierung<br />

abzuleiten und folglich erhöht sich der<br />

Nutzen für die Teilnehmer.<br />

Bild 10. Aufwand gegenüber Nutzen bei Benchmarkingprojekten.<br />

6. Gutes Aufwand-Nutzen-Verhältnis<br />

74,3 % der Trinkwasser- und 73,2 % der <strong>Abwasser</strong>unternehmen<br />

halten das Verhältnis von Aufwand<br />

und Nutzen beim Unternehmensbenchmarking für<br />

ver tretbar (siehe Bild 10). Beim Prozessbenchmarking<br />

sind immerhin noch rund 56 % der Trinkwasser- bzw.<br />

50 % der <strong>Abwasser</strong>unternehmen dieser Meinung. Auffällig<br />

beim Prozessbenchmarking für <strong>Abwasser</strong> ist mit<br />

40 % die relativ hohe Zahl derjenigen, die das Aufwand/<br />

Nutzen-Verhältnis nicht einschätzen können.<br />

7. Benchmarking verbessert<br />

Wirtschaft lichkeit<br />

Bei den Benchmarkingvergleichen werden Kennzahlen<br />

<strong>aus</strong> fünf Leistungsmerkmalen (sogenanntes Fünf-Säulen-<br />

Konzept, siehe Bild 11) erhoben. Hierbei haben sich<br />

nach Angaben der <strong>Wasser</strong>versorgungsunternehmen<br />

insbesondere die Wirtschaftlichkeit durch Benchmarkingprojekte<br />

verbessert (40,6 %), aber auch Nachhaltigkeit<br />

(23,2 %) und Kundenservice (21,6 %). Gerade<br />

die Verbesserung bei der Wirtschaftlichkeit wird mit<br />

40,6 % nochmals stärker als 2010 eingeschätzt (33 %).<br />

Die Leistungsmerkmale Qualität und Sicherheit konnten<br />

durch Benchmarkingprojekte nicht maßgeblich<br />

verbessert werden. Dies untermauert das bereits vorhandene<br />

sehr hohe Niveau in der deutschen <strong>Wasser</strong>wirtschaft,<br />

das im Branchenbild der Deutschen <strong>Wasser</strong>wirtschaft<br />

eindrücklich dokumentiert ist (Kundenzufriedenheit).<br />

Dennoch gab es auch bei diesen<br />

Leistungsmerkmalen Verbesserungen um 17,6 bzw.<br />

13,2 %.<br />

8. Notwendigkeit von Benchmarking<br />

unbestritten<br />

Die befragten Unternehmen führen für die Notwendigkeit<br />

von Unternehmensbenchmarkingmaßnahmen<br />

vorrangig strategische/politische Gründe, aber auch<br />

unternehmensinterne Gründe an (siehe Bild 12). Die<br />

Notwendigkeit von Prozessbenchmarking ergibt sich<br />

dagegen primär <strong>aus</strong> unternehmensinternen Anlässen<br />

(siehe Bild 13).<br />

Bild 11. Vergleichswerte 2010 Verbesserung durch Benchmarking.<br />

Bild 12. Notwendigkeit Unternehmens­Benchmarking.<br />

Bild 13. Notwendigkeit Prozess­Benchmarking.<br />

Juli/August 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 869


| FACHBERICHTE<br />

|<br />

<strong>Wasser</strong>versorgung<br />

9. Weiterführung von Benchmarkingprojekten<br />

43,6 % der befragten Trinkwasserversorgungsunternehmen<br />

bzw. 35,9 % der <strong>Abwasser</strong>entsorger planen<br />

die Teilnahme an einem Unternehmensbenchmarking<br />

in den nächsten drei Jahren. Der große Anteil der noch<br />

abwartenden Teilnehmer (Teilnahme noch nicht absehbar)<br />

von 38,9 % im Trinkwasser- und 42,7 % im<br />

<strong>Abwasser</strong>bereich unterstreicht das hohe Potenzial<br />

weiterer Beteiligungen an Unternehmensbench marking<br />

projekten, da meist erst die Umsetzung von Benchmarkingerkenntnissen<br />

abgewartet wird. Eine Teilnahme<br />

am Prozessbenchmarking in diesem Zeitraum<br />

ist hingegen bei knapp 21 % der Trinkwasser- und gut<br />

26 % der <strong>Abwasser</strong>unternehmen geplant (Bild 14 und<br />

Bild 15).<br />

10. Schlussbemerkungen<br />

Die vorliegende Auswertung der Benchmarking-Statistik<br />

belegt auch, dass die aktive Teilnahme am Benchmarking<br />

abhängig von der Größe des Unternehmens ist, d. h. der<br />

Höhe des <strong>Wasser</strong>aufkommens, der Zahl der versorgten<br />

Einwohner bzw. der Zahl der Mitarbeiter. Die positiven<br />

Erfahrungen mit dem Benchmarking steigen ebenso<br />

mit der Größe der Unternehmen.<br />

Auch das Aufwand-Nutzen-Verhältnis ist größenabhängig.<br />

Größere Unternehmen bewerten in der Regel die<br />

Nutzen der Benchmarkingmaßnahmen höher und den<br />

Aufwand geringer. Fast drei Viertel der Trinkwasser-/ <strong>Abwasser</strong>unternehmen<br />

bewerten das Aufwand-Nutzen-Verhältnis<br />

als vertretbar. Die aktuelle BDEW-Sondererhebung<br />

Benchmarking Statistik 2012 zeigt deutlich, dass sich die<br />

Leistungsvergleiche für die Unternehmen <strong>aus</strong>zahlen.<br />

Eingereicht: 18.06.2014<br />

Autoren und Ansprechpartner für BDEW-Analyse „Benchmarking<br />

Statistik <strong>Wasser</strong>/<strong>Abwasser</strong> 2012“:<br />

Dipl.-Volkswirt Thomas Herkner, Dr.-Ing. Franz Otillinger<br />

Ansprechpartnerin für Benchmarking sowie die BDEW-Projektgruppe<br />

Benchmarking: Vera Szymansky, M.A.<br />

Bild 14. Teilnahme an einem Unternehmens­Benchmarkingprojekt<br />

in den nächsten drei Jahren?<br />

Bild 15. Teilnahme an einem Prozess­Benchmarkingprojekt<br />

absehbar?<br />

Autoren<br />

Dipl.-Volksw. Thomas Herkner<br />

E-Mail: thomas.herkner@bdew.de |<br />

Fachgebietsleiter |<br />

Abteilung Volkswirtschaft |<br />

Geschäftsbereich Strategie und Politik |<br />

BDEW Bundesverband der Energie- und <strong>Wasser</strong>wirtschaft e. V. |<br />

Reinhardtstraße 32 |<br />

D-10117 Berlin<br />

Dr.-Ing. Franz Otillinger<br />

E-Mail: franz.otillinger@sw-augsburg.de |<br />

Stadtwerke Augsburg <strong>Wasser</strong> GmbH |<br />

Betriebsdirektor und Prokurist |<br />

Hoher Weg 1 |<br />

D-86152 Augsburg<br />

Juli/August 2014<br />

870 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


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Das neue, umfangreiche Fachbuch beschäftigt sich mit Quellen zur Trinkwasser<br />

gewinnung und klammert die Mineralwasser-, Thermalwasserund<br />

Heilwasserquellen bewusst <strong>aus</strong>, da hier andere Bewertungsmaßstäbe<br />

und Nutzungskonzepte gelten. Mit dieser Neuerscheinung über den<br />

Bau und Betrieb von Quellfassungen für die Trinkwasserversorgung wird<br />

die Reihe der Standardwerke zur <strong>Wasser</strong>gewinnung im Deutschen Industrieverlag<br />

fortgeführt. Das Buch wendet sich gleichermaßen an Betreiber<br />

wie Planer und Genehmigungsbehörden, die mit der <strong>Wasser</strong>versorgung<br />

beschäftigt sind.<br />

Christoph Treskatis, Horst Tauchmann<br />

1. Auflage 2014<br />

692 Seiten, vierfarbig, 170 x 240 mm, Hardcover<br />

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Brief, Fax, E-Mail) oder durch Rücksendung der Sache widerrufen. Die Frist beginnt nach Erhalt dieser Belehrung in Textform.<br />

Zur Wahrung der Widerrufsfrist genügt die rechtzeitige Absendung des Widerrufs oder der Sache an die Vulkan-Verlag GmbH,<br />

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PAQFAL2014<br />

Nutzung personenbezogener Daten: Für die Auftragsabwicklung und zur Pflege der laufenden Kommunikation werden personenbezogene Daten erfasst und gespeichert. Mit dieser Anforderung erkläre ich mich damit einverstanden, dass ich<br />

vom DIV Deutscher Industrieverlag oder vom Vulkan-Verlag per Post, per Telefon, per Telefax, per E-Mail, nicht über interessante, fachspezifische Medien und Informationsangebote informiert und beworben werde.<br />

Diese Erklärung kann ich mit Wirkung für die Zukunft jederzeit widerrufen.


| FACHBERICHTE<br />

|<br />

<strong>Wasser</strong>versorgung<br />

Expertenbefragung zur Umstellung von<br />

Preis- bzw. Gebührensystemen in der<br />

<strong>Wasser</strong>versorgung<br />

Ergebnisbericht, Mülheim an der Ruhr/Berlin, 14. Juli 2014<br />

<strong>Wasser</strong>versorgung, Entgeltsysteme, Fixkostenanteile, Tarifumstellung<br />

Lukas Burs, Siegfried Gendries, Mark Oelmann, Jörg Rehberg und Ellen Römer<br />

Die <strong>Wasser</strong>versorgungsunternehmen in Deutschland<br />

stehen mehrheitlich vor der Her<strong>aus</strong>forderung, die Entgelte<br />

trotz rückläufiger Absatzmengen und demografischem<br />

Wandel bei hohen Fixkostenanteilen stabil zu<br />

halten und die Qualität nicht zu beeinträchtigen. Die<br />

nunmehr vorliegenden Ergebnisse der gemeinschaftlich<br />

vom BDEW, RWW und Hochschule Ruhr-West durchgeführten<br />

Expertenbefragung zur Umstellung von Preisbzw.<br />

Gebührensystemen in der <strong>Wasser</strong>versorgung belegten,<br />

dass die bestehenden Entgeltsysteme einen nicht<br />

unmaßgeblichen Anteil an diesem Dilemma haben.<br />

Ursächlich hierfür ist zumeist eine Entgeltstruktur mit<br />

hohen variablen Preisbestandteilen, die die hohen Fixkostenanteile<br />

nicht verursachungsgerecht abbildet. Die<br />

Befragungsergebnisse belegen ein großes Interesse an<br />

Tarifumstellungen bei den Verantwortlichen der <strong>Wasser</strong>versorgungsunternehmen.<br />

Die Mehrzahl der Teilnehmer<br />

befasst sich mit Tarifumstellungen. Die Gründe dabei<br />

müssen zwar angesichts der strukturellen Unterschiede<br />

vielfältig sein, im Ergebnis zielt aber die Mehrheit auf die<br />

Beibehaltung von Nachhaltigkeit und Unternehmensstabilität<br />

bei sich ändernden Rahmenbedingungen ab.<br />

In den kommenden Jahren dürfte daher eine größere<br />

Anzahl an Tarifumstellungen zu erwarten sein.<br />

Expert Consultation on Tariff Adjustments in the<br />

German Water Sector<br />

The German Water companies are facing the challenge<br />

to stabilize their water prices despite decreasing<br />

water consumption and demographic changes<br />

accompanied by high levels of fixed costs. The results<br />

deriving from the consultation of water experts on<br />

water tariffs executed by the BDEW, RWW and HRW<br />

has documented that the existing tariffs structures<br />

are insufficient to solve the economic dilemma deriving<br />

from these conditions. Due to high variable price<br />

elements, the structures are insufficient to cover the<br />

high fixed costs. Therefore the results provide an<br />

evidence for the strong interest and need in tariff<br />

changes in Germany. The majority of the participants<br />

are planning or driving changes of their water tariffs.<br />

The reasons for changes vary in a wide range but<br />

most important are a stable volume of sales, decrease<br />

of water delivery and the demographic factor. In the<br />

next years there will be a considerable number of<br />

tariff changes in the German water sector.<br />

1. Vorbemerkung<br />

Die Befragung wurde vom Bundesverband der Deutschen<br />

Energie- und <strong>Wasser</strong>wirtschaft (BDEW), der Hochschule<br />

Ruhr West (HRW) und der RWW Rheinisch-Westfälische<br />

<strong>Wasser</strong>werksgesellschaft gemeinsam mit dem<br />

Ziel durchgeführt, ein aktuelles Stimmungsbild sowie<br />

Ziele, Planungen und Befürchtungen in Bezug auf Tarifumstellungen<br />

1 von Trinkwasserversorgungsunternehmen<br />

zu erfassen.<br />

1 Die Begriffe der Tarif-, Tarifmodell-, Tarifsystem-, Preis- oder<br />

Gebührenumstellungen werden im weiteren Verlauf synonym<br />

verwendet. Sofern die inhaltliche Unterscheidung von Bedeutung<br />

ist, wird sie entsprechend hervorgehoben.<br />

Die Ergebnisse sollen u. a. die Grundlage für eine gezielt<br />

<strong>aus</strong>gerichtete Kommunikation bieten, um jene Unternehmen<br />

zu unterstützen, die von einer Tarif umstellung<br />

Gebrauch machen wollen. Sie sollen die öffentliche Auseinandersetzung<br />

mit Tarifsystemen objektivieren helfen.<br />

Es wurden 1304 Unternehmen der Ver- und Entsorgung<br />

vom BDEW Anfang September 2013 per E-Mail angeschrieben.<br />

Diese konnten mittels eines ebenfalls zugesandten<br />

Links auf einem bereitgestellten Portal ihre<br />

Antworten zu den jeweiligen Fragen eingeben. Insgesamt<br />

haben 354 Personen an der Befragung teilgenommen.<br />

Nach Datenbereinigung konnten 272 Rückmeldungen,<br />

die bis Mitte Oktober eingegangen waren,<br />

berücksichtigt werden.<br />

Juli/August 2014<br />

872 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


<strong>Wasser</strong>versorgung | FACHBERICHTE |<br />

Die Rücklaufquote liegt mit rund 21 % deutlich über<br />

vergleichbaren Befragungen. Dies – sowie die Situation,<br />

dass 95 % der Teilnehmer entweder Geschäftsführer<br />

waren oder der 1. Führungsebene ihres Unternehmens<br />

zuzurechnen sind – spricht für die hohe Bedeutung, die<br />

dem Thema seitens der Unternehmen beigemessen wird.<br />

Bild 1. Notwendigkeit einer Tarifumstellung.<br />

Bild 2. Häufigkeit der Tarifbefassung.<br />

2. Zusammenfassung der Umfrageergebnisse<br />

Die Befragung von <strong>Wasser</strong>versorgungsunternehmen zu<br />

deren Einstellung und Planung in Bezug auf die Umstellung<br />

ihrer Entgeltsysteme hat in großer Deutlichkeit<br />

belegt, dass die bestehenden Preissysteme ungeeignet<br />

sind, den aktuellen Her<strong>aus</strong>forderungen Rechnung zu<br />

tragen und gleichzeitig Preisstabilität und Qualitätssicherung<br />

zu gewährleisten. Schon die mit 21 % gute<br />

Rücklaufquote ohne erneute Nachfassaktion an der<br />

Befragung zeigt, dass den Versorgern das Thema „unter<br />

den Nägeln brennt“. Obwohl es weitgehend Klarheit<br />

und Übereinstimmung in Bezug auf die Gründe gibt<br />

und mit den bereits verfügbaren sowie weiter entwickelten<br />

innovativen Preismodellen <strong>aus</strong>reichend Beispiele<br />

für erfolgreiche Umstellungen vorliegen, gibt es<br />

bei den Verantwortlichen viel Unsicherheit. Dies belegen<br />

geäußerte Risikoeinschätzung und Zeitplanung.<br />

Die Befragungsergebnisse belegen zudem, dass ein<br />

großes Interesse an Tarifumstellungen herrscht und es<br />

einen großen Bedarf für Umstellungen gibt. Die Mehrzahl<br />

der Teilnehmer befasst sich mit Tarifumstellungen.<br />

Ein großer Anteil hat konkrete Planungen, die allerdings<br />

mehrheitlich auf die Zeit nach 2015 abstellen. Das kann<br />

sowohl der Absicht einer sorgfältigen Planung als auch<br />

einer gewissen Unsicherheit in Bezug auf die Reaktionen<br />

der Interessengruppen und Gesellschafter geschuldet<br />

sein. Insbesondere Mehrspartenunternehmen sind<br />

wegen ihrer Wettbewerbssituation im Energiebereich<br />

zurückhaltender bei einer Entscheidung für eine Umstellung.<br />

Insgesamt ist festzustellen, dass nicht nur die<br />

Versorger, sondern auch die Kunden und Gesellschafter<br />

von einer Umstellung profitieren werden.<br />

Die in der Befragung aufgezeigten Nachfragerückgänge<br />

und die Einflussfaktoren <strong>aus</strong> Sicht der Versorger<br />

zeigen eine schwierige Situation. Wenn ein Gegensteuern<br />

mittels Grundpreissteigerung unterbleibt, sind<br />

weitere Mengenpreisanstiege die Folge. Werden die<br />

notwendigen Preisanpassungen unterlassen, sind Investitionskürzungen<br />

zu befürchten, die zu Lasten der<br />

Versorgungssicherheit und Qualität gehen.<br />

Die Befragungsergebnisse zeigen einen weit verbreiteten<br />

Umstellungsbedarf, denn die Einflussfaktoren und<br />

die strukturellen Bedingungen der Unternehmen dürfen<br />

als repräsentativ für die gesamte Branche gelten.<br />

Das bedeutet, dass in den kommenden Jahren eine<br />

größere Anzahl an Tarifumstellungen stattfinden müsste.<br />

Wenn diese, so wie die bisherigen, erfolgreich durchgeführt<br />

sein werden und damit die Risiken sichtbar<br />

bewältigt werden konnten, dürfte die Anzahl der Unternehmen<br />

noch weiter steigen. Diese Entwicklung steht<br />

der <strong>Abwasser</strong>entsorgung und auch anderen Infrastrukturbereichen<br />

dann erst noch bevor.<br />

Es bleibt nun zu hoffen, dass die Öffentlichkeit, allen<br />

voran Kunden, Medien und Politik, die Anpassungsmaßnahmen<br />

an eine nachhaltige und zukunftssichere<br />

Trinkwasserversorgung positiv begleiten. Die Unternehmen<br />

wiederum sind aufgerufen, ihre Maßnahmen <strong>aus</strong>gewogen<br />

zu gestalten und transparent darzulegen. Der<br />

BDEW und jene Mitgliedsunternehmen, die diesen Umstellungsschritt<br />

bereits erfolgreich vollzogen haben, stehen<br />

Interessierten beratend und begleitend zur Seite.<br />

3. Die Ergebnisse im Einzelnen<br />

3.1 Notwendigkeit einer Tarifumstellung<br />

3.1.1 Fragestellung<br />

Die Frage 3 (erste inhaltliche Frage) lautete „Für wie<br />

notwendig halten Sie es, dass Ihr Unternehmen sein<br />

Tarifsystem im Bereich der <strong>Wasser</strong>versorgung umstellt?“.<br />

Die geschlossene Frage konnte mit Abstufungen zwischen<br />

„sehr notwendig“ bis „nicht notwendig“ sowie<br />

„weiß nicht“ und „haben schon umgestellt“ beantwortet<br />

werden.<br />

3.1.2 Ergebnisse und Einschätzung<br />

Die Verteilung der Antworten auf diese Frage dokumentiert,<br />

dass es mehrheitlich als mindestens notwendig<br />

erachtet wird, eine Tarifumstellung vorzunehmen.<br />

152 (56 %) von 272 Teilnehmern haben auf diese Frage<br />

erklärt, dass es mindestens notwendig sei, das System<br />

umzustellen. Unter Einbeziehung jener, die ihr Tarifsystem<br />

bereits umgestellt haben, bekundeten rund<br />

70 % der Teilnehmer die Notwendigkeit einer Tarifsystemumstellung<br />

(Bild 1).<br />

Juli/August 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 873


| FACHBERICHTE<br />

|<br />

<strong>Wasser</strong>versorgung<br />

Bild 3.<br />

Zeitpunkt<br />

der Tarifumstellung.<br />

Wann halten Sie eine Umstellung des Tarifsystems für die<br />

<strong>Wasser</strong>versorgung für notwendig? Stichtag im Jahr …<br />

Zwar muss berücksichtigt werden, dass vorrangig<br />

solche Personen sich von der Befragung angesprochen<br />

gefühlt haben werden, die infolge der Auseinandersetzung<br />

mit der Thematik einer Tarifumstellung sensibilisiert<br />

waren. Eine positive Beantwortung – nicht aber<br />

eine häufige Befassung – mag daher zwangsläufig<br />

gewesen sein. Dennoch dürfte die Verteilung der Antworten<br />

als Beleg dafür angesehen werden, dass Tarifumstellungen<br />

kein Randthema sind. Dafür spricht insbesondere<br />

die Tatsache, dass die 1. und 2. Führungsebene<br />

Adressaten der Befragung waren und infolgedessen die<br />

Befassung in der Unternehmensspitze angesiedelt ist.<br />

Auslöser dafür, dass Tarifumstellungen zunehmend<br />

in den Fokus geraten, dürfte der zunehmende Druck<br />

sein, anstelle von Preiserhöhungen strukturelle Änderungen<br />

bei den Entgelten vorzunehmen. Auch die Erfahrungen<br />

und Empfehlungen des BDEW und anderer<br />

<strong>Wasser</strong>versorger könnten dazu beitragen, eigene Preissysteme<br />

anforderungsgerechter umzustellen.<br />

Bild 4. Risikobewertung nach Unternehmenssitz. Die Bewertung<br />

des Risikos der Bevölkerungsabwanderung wird durch den Sitz<br />

des Unternehmens der Befragten beeinflusst.<br />

Es darf davon <strong>aus</strong>gegangen werden, dass trotz ansonsten<br />

grundsätzlich struktureller Unterschiede zwischen<br />

<strong>Wasser</strong>versorgungsunternehmen die Auslöser für die Tarifumstellungen<br />

auf breiter Front wirken und infolgedessen<br />

eine signifikante Umstellungsnotwendigkeit besteht. Für<br />

diese Einschätzung sprechen auch die vorrangigen Gründe<br />

für die eingeschätzten Umstellungserfordernisse. Diese<br />

sind trotz struktureller Unterschiede weitestgehend gleich.<br />

Die Tatsache, dass es in den vergangenen drei Jahren<br />

eine Reihe großer und öffentlichkeitswirksam erfolgreich<br />

durchgeführter Tarifumstellungen gegeben hat,<br />

dürfte diese Einschätzung unterstützt haben.<br />

3.2 Häufigkeit der Beschäftigung mit der<br />

Umstellung des Tarifsystems<br />

3.2.1 Fragestellung<br />

Die Frage 4 lautete „Wie häufig befassen Sie sich mit der<br />

Umstellung des Tarifsystems ihres Unternehmens im<br />

Bereich der <strong>Wasser</strong>versorgung?“. Die Antwortmöglichkeiten<br />

reichten von „häufig“ bis „nie“.<br />

3.2.2 Ergebnisse und Einschätzung<br />

Von den Teilnehmern an der Befragung haben rund<br />

71 % angegeben, sich „gelegentlich“ oder „häufig“ mit<br />

der Umstellung des Tarifsystems des WVU zu befassen.<br />

Das sind 190 von 272 Teilnehmern. Nur 29 % geben an,<br />

dies selten zu tun. Mit „nie“ antworteten 0 % (Bild 2).<br />

3.3 Zeitplan für eine Umstellung<br />

3.3.1 Fragestellung<br />

Die Frage lautete „Wann halten Sie eine Umstellung des<br />

Tarifsystems für die <strong>Wasser</strong>versorgung für notwendig?“.<br />

Die Antwortmöglichkeiten lauteten von „haben bereits<br />

umgestellt“ in Jahreszeitstufen bis „nach 2015“.<br />

3.3.2 Ergebnisse und Einschätzung<br />

Diese Frage ist von 212 der 272 Teilnehmer beantwortet<br />

worden. Knapp 24 % (n = 50) hatte zum Zeitpunkt der<br />

Befragung bereits umgestellt. Knapp die Hälfte der<br />

Befragten, 43 % (n = 91), halten die Umstellung noch vor<br />

2015 für notwendig. Bereinigt um jene Unternehmen,<br />

die zum Zeitpunkt der Befragung bereits umgestellt<br />

hatten (n = 50), sehen mit 56 % etwa die Hälfte der<br />

Befragten die Notwendigkeit, noch vor 2015 ihr Tarifsystem<br />

umzustellen (Bild 3).<br />

Der Zeitpunkt der Umstellung ist von vielen Faktoren<br />

abhängig. Dazu zählt neben den notwendigen internen<br />

Projektvorbereitungen und erforderlichen Ressourcen<br />

insbesondere die politische Akzeptanz in den Kommunen.<br />

Dabei ist es nicht weiter überraschend, dass ein<br />

entsprechend langer Zeithorizont gewählt wird. Denn<br />

gerade im Hinblick auf die dringend erforderliche politische<br />

Unterstützung spielen Laufzeiten von Konzessionen<br />

und Zeitpunkte von Wahlen – insbesondere Kommunalwahlen<br />

– eine entscheidende Rolle. Damit kann<br />

sich trotz drängendem Handlungserfordernis ein Aufschub<br />

im Hinblick auf die politische Rückendeckung als<br />

sinnvoll erweisen. Eben diese Einschätzung zeigt, wie<br />

wichtig die breite öffentliche Auseinandersetzung mit<br />

der Frage einer Tarifumstellung ist.<br />

Es besteht zudem ein signifikanter Zusammenhang<br />

zwischen dem Ausmaß der kommunalen Beteiligung,<br />

dem Unternehmen und dem Zeitpunkt, zu dem die Umstellung<br />

des Tarifsystems für notwendig gehalten wird.<br />

Juli/August 2014<br />

874 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


<strong>Wasser</strong>versorgung | FACHBERICHTE |<br />

Während 40 % der Befragten in einem 100 % kommunalen<br />

Unternehmen erst nach 2015 umstellen wollen,<br />

sind es bei gemischt-wirtschaftlichen Unternehmen<br />

lediglich 24 %. Die Mehrheit verteilt sich hier gleichmäßig<br />

auf die Jahre 2014 und 2015.<br />

3.4 Ursachen für die Umstellung des Tarifsystems<br />

3.4.1 Fragestellung<br />

Die Frage lautete „Welche Ursachen machen Ihrer Ansicht<br />

nach eine Umstellung des Tarifsystems im Bereich<br />

der <strong>Wasser</strong>versorgung in Ihrem Unternehmen erforderlich?“.<br />

Hierbei wurden sieben mögliche Ursachen<br />

angeboten, die aufgrund vor<strong>aus</strong>gegangener Tests und<br />

der Erfahrungen der Projektleitung gewählt wurden.<br />

Die Antwortmöglichkeiten reichten von „sehr wichtig“<br />

bis „unwichtig“ und wurden von „weiß nicht“ ergänzt.<br />

3.4.2 Ergebnisse und Einschätzung<br />

Von 82 % der Befragten wurden wassersparende H<strong>aus</strong>geräte<br />

der Kunden als wichtigste Ursache bezeichnet.<br />

Ähnlich bedeutend, wenngleich auch mit etwas geringerer<br />

Zustimmung folgen mit 73,8 % bzw. 60,1 % die<br />

ökonomischen bzw. ökologischen Motive der Endkunden<br />

(Verbraucher).<br />

Deutlich weniger Bedeutung haben <strong>aus</strong> Sicht der<br />

Befragten die demografischen Aspekte. Hierbei gilt es<br />

aber zu differenzieren. Denn wie eine entsprechende<br />

Regionalanalyse zeigt, wird das Risiko des demografischen<br />

Wandels als Ursache von Unternehmen in Ostdeutschland<br />

mit 76 % („sehr wichtig“/„wichtig“) signifikant<br />

höher eingeschätzt als im Bundesgebiet mit 47 %.<br />

Insbesondere in Süddeutschland weisen diese Ursachen<br />

im Vergleich mit 33 % die geringste Wichtigkeit auf.<br />

Die Antworten auf diese Fragestellung haben zweifellos<br />

zentrale Bedeutung für die Beurteilung der Nachvollziehbarkeit<br />

und Rechtfertigung der Motivationslage<br />

der <strong>Wasser</strong>versorgungsunternehmen. Im Vordergrund<br />

stehen dabei die dem Nachfragerückgang zugrundeliegenden<br />

Ursachen. Hier ist zu unterscheiden zwischen<br />

den auch von den Endkunden nicht beeinflussbaren<br />

Ursachen, die technisch bedingt („autonomer Nachfragerückgang“),<br />

und jenen Ursachen, die ökologisch<br />

oder ökonomisch verhaltensbedingt determiniert sind<br />

(„verhaltensbedingter Nachfragerückgang“). Gerade bei<br />

den wassersparenden H<strong>aus</strong>haltsgeräten wird aufgrund<br />

der technologischen Entwicklung zu Geräten mit weniger<br />

<strong>Wasser</strong>verbrauch bzw. Warmwasser- und damit<br />

Energieverbrauch ein zunehmender Handlungsdruck<br />

entstehen. Dieser Trend wird durch die hohen Mengenpreise<br />

noch verstärkt. Diese Einschätzung wird von den<br />

Befragten geteilt und folgerichtig als maßgebliche<br />

Ur sache für Tarifumstellungen angesehen. Hier ist<br />

an gesichts der EU-seitig geplanten Maßnahmen, die<br />

auf einer Stärkung der Anreizelemente in den Entgeltstrukturen<br />

abzielen sollen, eine weitere Verschärfung<br />

zu erwarten, sodass Versorger, die nicht in der Lage<br />

Bild 5. Ursachen für die Entscheidung, das Tarifsystem nicht umzustellen.<br />

oder bereit sind, ihre Tarifstrukturen anzupassen, unter<br />

stärkeren Druck geraten werden.<br />

In Ostdeutschland wird aufgrund vorliegender<br />

Auswirkungen in vielen Regionen der Einfluss des demografischen<br />

Wandels stärker bewertet. In Süddeutschland<br />

wird dies als weniger her<strong>aus</strong>fordernd angesehen.<br />

Zwar wird auch hier die Bevölkerung in einigen Regionen<br />

zurückgehen, gleichwohl ist die Auswirkung<br />

sicher weniger dramatisch.<br />

3.5 Gründe für nicht bestehendes Umstellungserfordernis<br />

3.5.1 Fragestellung<br />

Die Frage lautete „Aus welchen Gründen ist Ihrer Ansicht<br />

nach eine Umstellung des Tarifsystems im Bereich<br />

der <strong>Wasser</strong>versorgung in Ihrem Unternehmen NICHT<br />

notwendig?“. Dies wurde als offene Frage formuliert und<br />

sollte die Gründe jener Teilnehmer erschließen, die kein<br />

Handlungserfordernis sahen (rd. 10 % der Befragten).<br />

Auf diese Frage haben 27 Teilnehmer geantwortet.<br />

3.5.2 Ergebnisse und Einschätzung<br />

Die Antworten sind als Korrektiv zu den vorstehenden<br />

Fragen zu verstehen, erschließen dabei aber die Gründe<br />

jener, die nicht umstellen wollen oder müssen. Insbesondere<br />

Letzteres ist bei jenen der Fall, die entweder<br />

schon <strong>aus</strong>reichend hohe fixe Bestandteile haben, keinen<br />

Absatzrückgang verzeichnen oder <strong>aus</strong> rechtlicher Sicht<br />

keine Möglichkeiten zur weiteren Anpassung sehen<br />

(dies ist bei einigen Kommunalabgabengesetzen, z. B.<br />

Sachsen-Anhalt, der Fall), Bild 5.<br />

3.6 Planung in Bezug auf die Umsetzung<br />

3.6.1 Fragestellungen<br />

Zunächst sollten die Befragten angeben, ob sie planen,<br />

bei der Umstellung ihres Tarif- bzw. Preissystems schrittweise<br />

vorzugehen oder aber die Umstellung in einem<br />

einzigen Schritt durchzuführen. Hieran anschließend<br />

Juli/August 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 875


| FACHBERICHTE<br />

|<br />

<strong>Wasser</strong>versorgung<br />

Welchen Anteil der Gesamteinnahmen wollen Sie zukünftig in einem<br />

ersten Schritt <strong>aus</strong> fixen Tarifbestandteilen einnehmen?<br />

Bild 6. Höhe der Grundgebühr im ersten Schritt.<br />

Welchen Anteil der Gesamteinnahmen wollen Sie zukünftig <strong>aus</strong> fixen<br />

Tarifbestandteilen einnehmen?<br />

Bild 7. Höhe der angestrebten Grundgebühr.<br />

wurden folgende Fragen zur Planung in Bezug auf den<br />

festen Entgeltbestandteil gestellt: „Welchen Anteil der<br />

Gesamteinnahmen wollen Sie zukünftig in einem ersten<br />

Schritt <strong>aus</strong> fixen Tarifbestandteilen einnehmen?“. Sowie<br />

„Welchen Anteil der Gesamteinnahmen wollen Sie<br />

zukünftig <strong>aus</strong> fixen Tarifbestandteilen einnehmen?“ Etwa<br />

40 % der Befragten (n = 95) plant eine schrittweise Umstellung.<br />

Weitere 31 % (n = 74) möchten ihr Tarifsystem<br />

direkt umstellen. Befragten, die die Frage nach einem<br />

schrittweisen Vorgehen mit „weiß nicht“ beantworteten,<br />

wurden die Fragen zum prozentualen Anteil der fixen<br />

Tarifbestandteile nicht gestellt.<br />

3.6.2 Ergebnisse und Einschätzung<br />

Mit 29,5 % zielt der größte Anteil der Teilnehmer auf<br />

eine Anhebung auf 21–30 % in einem ersten Schritt ab.<br />

Weiterhin planen 24,2 % der Befragten, 41–50 % ihrer<br />

Gesamteinnahmen <strong>aus</strong> fixen Tarifbestandteilen zu generieren<br />

(Bild 6).<br />

Auch die Befragten, die in einem einzigen Schritt ihr<br />

Tarifsystem umstellen wollen, machen deutlich, dass<br />

ca. 50 % an fixen Tarifbestandteilen ihren Planungen<br />

entsprechen. Mit 27 % gibt fast ein Drittel der Teilnehmer<br />

an, 41–50 % der Gesamteinnahmen <strong>aus</strong> fixen Tarifbestandteilen<br />

einzunehmen. Mehr als ein Fünftel gibt<br />

an, die 50 %-Marke überschreiten zu wollen. Im Vergleich<br />

zu den Befragten, die ein schrittweises Vorgehen planen,<br />

ist dies ein etwas höherer Wert. Hier geben nur rund<br />

16 % der Befragten einen Wert über 50 % an (Bild 7).<br />

Beide Gruppen zeigen eine ähnliche Verteilung. Auffällig<br />

ist, dass relativ geringe Werte für die fixen Bestandteile<br />

neuer Tarifmodelle angegeben werden. Dies kann<br />

zum einen an der Ausgangslage vieler <strong>Wasser</strong>versorger,<br />

die derzeit noch sehr geringe prozentuale Fixpreisanteile<br />

aufweisen, liegen. Zum anderen spiegelt sich hier auch<br />

wider, dass mit der Umstellung verbundene Risiken<br />

gesehen werden und starke Umstellungseffekte vermieden<br />

werden sollen.<br />

Die Kostenstruktur in der <strong>Wasser</strong>versorgung besteht<br />

durchschnittlich zu 80 % <strong>aus</strong> Fixkosten. 2 Demzufolge<br />

wäre bei einer adäquaten Entgeltstruktur ein analoger<br />

Grund- oder Systempreisanteil ökonomisch nachvollziehbar.<br />

In der Preisdiskussion und in der Rechtsprechung<br />

werden 50 % Fixpreisanteil an den Gesamterlösen als<br />

angemessen angesehen. 3 Dieser Wert spiegelt sich als<br />

„Akzeptanzschwelle“ auch in den Antworten wider.<br />

Dessen ungeachtet geht eine sehr wohl als nennenswert<br />

zu bezeichnende Anzahl von Teilnehmern in den<br />

Planungen über diesen Wert hin<strong>aus</strong>.<br />

3.7 Eignung der Bemessungsgrundlage<br />

3.7.1 Fragestellung<br />

Die Frage lautete „Für wie geeignet halten Sie folgende<br />

Bemessungsgrundlagen für die Bestimmung der fixen<br />

Tarifbestandteile?“. Die Auswahl beinhaltete die nach<br />

Erhebungen des BDEW gängigsten Bemessungsgrundlagen.<br />

Diese sollten auf einer Skala in Bezug auf ihre<br />

Eignung bewertet werden.<br />

3.7.2 Ergebnisse und Einschätzung<br />

Der Zähler wird von der überwiegenden Mehrzahl<br />

(79,6 %) der Teilnehmer als geeignetste Bemessungsgrundlage<br />

angesehen. Lediglich 20 % halten ihn für weniger<br />

oder nicht geeignet.<br />

Die Wohneinheiten werden von 53,3 % als mindestens<br />

geeignet angesehen. Ein Drittel (33,3 %) halten sie<br />

für weniger geeignet und jeder Achte (12,5 %) für ungeeignet.<br />

Etwas weniger als die Hälfte der Teilnehmer<br />

(48,3 %) halten den Systempreis für mindestens geeignet.<br />

Etwa jeder Dritte hält ihn für weniger oder ungeeignet<br />

(22,9 % bzw. 12,1 %). 16,7 % können den Systempreis<br />

nicht einschätzen oder bewerten.<br />

Die Anzahl der Personen pro H<strong>aus</strong>halt werden von<br />

einem Viertel der Teilnehmer als mindestens geeignet<br />

angesehen. Knapp drei Viertel (73,3 %) halten diese<br />

Bemessungsgrundlage für mindestens weniger geeignet.<br />

1,3 % fiel es schwer, dessen Nutzbarkeit einzuschätzen.<br />

2<br />

BDEW-Branchenbild 2011<br />

3<br />

BDEW-Leitfaden <strong>Wasser</strong>preismodelle, 1. Aufl., 2013, Seite 32 ff.<br />

Juli/August 2014<br />

876 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


<strong>Wasser</strong>versorgung | FACHBERICHTE |<br />

Die Wohnfläche hält ca. jeder Zwölfte (8,8 %) für mindestens<br />

geeignet. Von 90,4 % wird sie als ungeeignet<br />

angesehen (Bild 8).<br />

Die Bemessungsgrundlage steht in zahlreichen durchgeführten<br />

Tarifumstellungen neben der Höhe des Fixentgelts<br />

im Mittelpunkt der Veränderung. Der Zähler ist<br />

mit 81 % laut einer BDEW-Erhebung die am weitesten<br />

verbreitete Bemessungsgrundlage für den Grundpreis.<br />

Die Zähler behalten demzufolge auch weiterhin breitesten<br />

Zuspruch. Bemerkenswert sind aber die Einschätzungen<br />

zu den Wohneinheiten und noch mehr zum<br />

Systempreis. Während lt. BDEW-Statistik nur 4,5 % der<br />

Versorger die Wohneinheit und nur 0,1 % den Systempreis<br />

4 als Bemessungsgrundlage verwenden, werden<br />

diese Komponenten aber von nahezu der Hälfte der<br />

Befragungsteilnehmer (53,3 % bzw. 48,3 %) als geeignet<br />

oder sehr geeignet angesehen. Da das Systempreismodell<br />

die Wohneinheiten als wichtiges Element beinhaltet,<br />

mag sogar vermutet werden, dass Befragungsteilnehmer<br />

die Wohneinheiten als Bemessungsgrundlage<br />

deshalb als weniger geeignet bewerten, weil sie das<br />

komplexere Systempreismodell favorisieren. Eine zum<br />

Zähler alternative Bemessungsgrundlage scheint damit<br />

bei den Befragten „angekommen“. Möglicherweise<br />

zeichnet sich darin gar ein Wechsel bei den Bemessungsgrundlagen<br />

ab, wenn die Eignung in der Praxis<br />

dokumentiert sein wird. Dass der Systempreis noch eine<br />

höhere Eignungseinschätzung hätte erhalten können,<br />

wird daran deutlich, dass jeder Sechste ihn nicht einschätzen<br />

konnte.<br />

3.8 Beispielhaftigkeit anderer Tarifmodelle<br />

3.8.1 Fragestellung<br />

Die Frage lautete „Wie stark orientieren Sie sich bei der<br />

Umstellung Ihres Tarifsystems an Tarifmodellen anderer<br />

Unternehmen?“. Dabei wurden die vier Alternativen<br />

„andere deutscher <strong>Wasser</strong>versorger“, „Energieversorger“,<br />

„Unternehmen anderer Branchen“ und „<strong>aus</strong>ländische<br />

<strong>Wasser</strong>versorger“ angegeben. Die Frage wurde von<br />

240 Teilnehmern beantwortet.<br />

3.8.2 Ergebnisse und Einschätzung<br />

Wichtigste Referenz für die Planungen bei Umstellungsüberlegungen<br />

der Teilnehmer sind „Tarifmodelle anderer<br />

deutscher <strong>Wasser</strong>versorger“. Dies hat mehr als die Hälfte<br />

(55 %) geantwortet. Offensichtlich setzen die weiteren<br />

28 % auf Eigenentwicklungen oder die Beispiele der<br />

anderen genannten Gruppen. Hier haben nur die<br />

Energieversorger mit 15 % noch nennenswerte Bedeutung.<br />

Nahezu keine Bedeutung haben <strong>aus</strong>ländische<br />

<strong>Wasser</strong>versorger (Bild 9).<br />

Die große Bedeutung anderer deutscher <strong>Wasser</strong>versorger<br />

erklärt sich einerseits mit den großen Ähnlich-<br />

4<br />

Der Systempreis wurde 2012 von RWW entwickelt und eingeführt<br />

(siehe www.rww.de).<br />

Bild 8. Verteilung der Bemessungsgrundlagen.<br />

Bild 9. Referenzgruppen.<br />

Bild 10. Ziele einer Tarifumstellung.<br />

keiten der Grundbedingungen der Tarifsystematiken<br />

der anderen <strong>Wasser</strong>versorger und andererseits mit den<br />

großen Unterschieden zu <strong>aus</strong>ländischen Unternehmen.<br />

Ausschlaggebend sind hier insbesondere rechtliche<br />

Gesichtspunkte wie die Kommunalabgabengesetze<br />

hierzulande bzw. Regulierungen im Ausland. Zwar ist<br />

das Spektrum möglicher Tarifformen in Deutschland<br />

mittlerweile groß, aber dennoch gibt es aufgrund sich<br />

zunehmend ändernder Rahmenbedingungen offensichtlich<br />

Bedarf für Neuentwicklungen. Eine solche Neuentwicklung<br />

stellt das Systempreismodell dar, dessen<br />

Bedeutung als Beispiel für Tarifumstellungen in der vorstehenden<br />

Frage bei der Eignung von Bemessungsgrundlagen<br />

deutlich wurde.<br />

Wie eine Erhebung des BDEW zeigt, findet das<br />

sogenannte Zählermodell bei 81 % der dem BDEW<br />

angehörigen <strong>Wasser</strong>versorger Anwendung. 5 Darüber<br />

hin<strong>aus</strong> gibt es eine ganze Reihe weiterer Grundmodelle<br />

(Wohneinheiten-Modell 6 , Systempreis-Modell 7 ,<br />

5<br />

BDEW-Leitfaden <strong>Wasser</strong>preismodelle, 1. Aufl., 2013, Seite 35.<br />

6<br />

Bspw. <strong>Wasser</strong>werke Zwickau<br />

7<br />

Bspw. RWW<br />

Juli/August 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 877


| FACHBERICHTE<br />

|<br />

<strong>Wasser</strong>versorgung<br />

Bild 11.Spannbreite Nachfragerückgänge.<br />

Bild 12. <strong>Abwasser</strong> – Notwendigkeit einer Umstellung.<br />

Wohnungswasserzähler-Modell 8 u. a.), die neben den<br />

Modi fikationen des Zählermodells den umstellungswilligen<br />

Versorgern Orientierung bei der Auswahl des<br />

geeigneten Modells geben.<br />

3.9 Erwartungen infolge der Umstellung<br />

3.9.1 Fragestellung<br />

Die Frage lautete „Was genau erwarten Sie von einer<br />

Umstellung Ihres Tarifsystems?“. Dabei wurden sieben<br />

Antwortmöglichkeiten zur Auswahl gestellt, die jeweils<br />

zu bewerten waren.<br />

Die Fragen wurden im Vorfeld mithilfe von Hypothesen<br />

und <strong>aus</strong> der Auswertung von in der Vergangenheit<br />

veröffentlichten Umstellungsbegründungen entwickelt.<br />

Die Teilnehmer konnten erläuternde Kommentare abgeben.<br />

3.9.2 Ergebnisse und Einschätzung<br />

Die Deckung der Fixkosten erhält als Erwartung mit<br />

97 % die höchste Zustimmung, eine <strong>aus</strong>drückliche<br />

Zustimmung wird gar von 73 % geäußert. Im Ergebnis in<br />

dieselbe Richtung zielen jene 92 %, die sich stabilere<br />

Umsätze bei zurückgehender Nachfrage erwarten, wobei<br />

hierbei 56 % <strong>aus</strong>drücklich und 36 % eher zustimmen.<br />

Die Zielsetzungen Preis- und Qualitätsstabilisierung<br />

liegen mit 79 % bzw. 67 % Zustimmung in der zweiten<br />

8<br />

Bspw. Hamburgwasser<br />

Gruppe. Die Mittelgruppe der Unentschlossenen liegt<br />

hier bei 13 % bzw. 21 %. Damit sind auch diese Zielsetzungen<br />

zwar etwas weniger stark betont, sind aber<br />

ebenfalls als bedeutend einzustufen (Bild 10).<br />

Sichtbar weniger Bedeutung hat die Zielsetzung<br />

„Verminderung von Anreizen für Kunden, <strong>Wasser</strong> zu<br />

sparen“. Lediglich 42 % stimmen dieser Zielsetzung zu.<br />

23 % sind unentschieden und 33 % lehnen es mit unterschiedlicher<br />

Ausprägung ab. Lediglich 2 bis 3 % der Befragten<br />

können dies nicht einschätzen. Ausnahme sind<br />

die <strong>Abwasser</strong>gebühren. Hier können 56 % nicht beantworten,<br />

ob deren Stabilisierung eine Zielsetzung sein<br />

kann. Dies hängt sicher auch mit dem Aufgabenumfang<br />

der Teilnehmer zusammen. Reine <strong>Wasser</strong>versorger dürften<br />

diese allenfalls <strong>aus</strong> kommunalem Interesse im Fokus<br />

haben oder sich um die Auswirkungen steigender<br />

<strong>Abwasser</strong>gebühren auf die Trinkwassernachfrage sorgen.<br />

3.10 Absatzmengenrückgang<br />

3.10.1 Fragestellung<br />

Die Frage lautete „Wie stark sind die Abnahmemengen<br />

von <strong>Wasser</strong> Ihres Unternehmens in den letzten zehn<br />

Jahren in etwa pro Jahr gesunken?“. Mit den vorge gebenen<br />

Bandbreiten sollte die Betroffenheit und der<br />

Handlungsdruck der Versorger erfragt werden.<br />

3.10.2 Ergebnisse und Einschätzung<br />

Zunächst ist festzustellen, dass bei 31 der 254 (12 %) die<br />

Absatzmengen in den vergangenen zehn Jahren gestiegen<br />

sind. Hiervon begründeten in der Frage nach dem<br />

Bedarf für eine Umstellung wiederum elf Unternehmen,<br />

dass diese notwendig bis sehr notwendig sei. Dies wirkt<br />

nur auf den ersten Blick unlogisch. Es zeigt aber, dass ein<br />

Bewusstsein vorhanden ist, dass auch bei allgemeinem<br />

Nachfragezuwachs – etwa infolge von Bevölkerungszuwanderung<br />

– die Nachfrage pro Anschluss sinkt.<br />

Gelingt es hier, durch Tarifmodellumstellung relativ<br />

mehr Umsatz pro Kunde zu halten, so besteht eher die<br />

Möglichkeit, zukünftige Investitionen mit geringerem<br />

Preisanstieg umzusetzen!<br />

Liegt bei Befragten ein Rückgang der Nachfrage vor,<br />

werden zumeist Umstellungsmaßnahmen als geboten<br />

eingeschätzt.<br />

Dies ist pl<strong>aus</strong>ibel, denn in Abhängigkeit der Kostenund<br />

Entgeltstruktur gefährden rückläufige Absatzmengen<br />

die Kostendeckung. Dem kann zur Vermeidung von<br />

Qualitäts- oder Leistungseinbußen nur mit Preissteigerungen<br />

begegnet werden. Die Umstellung der Tarifsysteme ist<br />

dann eine <strong>aus</strong> Kunden- und Kartellsicht angemessenere<br />

Reaktion, weil sie die Preisspirale <strong>aus</strong> Preissteigerung<br />

und weiterem Nachfragerückgang unterbrechen kann.<br />

Die Spannbreite der Nachfragerückgänge zeigt ein<br />

sehr uneinheitliches Bild. Zwar wird der Nachfragerückgang<br />

pro Jahr in der Größenordnung von 0,6 bis 1,0 %<br />

mit 28 % am häufigsten genannt, die anderen Größenordnungen<br />

sind mit zumeist jeweils 17 % aber ähnlich<br />

Juli/August 2014<br />

878 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


<strong>Wasser</strong>versorgung | FACHBERICHTE |<br />

häufig vertreten. 44 Teilnehmer geben einen durchschnittlichen<br />

Nachfragerückgang über zehn Jahre von<br />

mehr als 2,0 % pro Jahr an (Bild 11).<br />

3.11 <strong>Abwasser</strong>gebühren<br />

3.11.1 Fragestellung<br />

Die Frage lautete „<strong>Abwasser</strong>entsorgung – Sind Tarifumstellungen<br />

auch hier ein Thema?“. Diese Frage wurde an<br />

jene Teilnehmer adressiert, die neben der Trinkwasserversorgung<br />

auch <strong>Abwasser</strong>entsorgung betreiben und<br />

Gebühren erheben. Dies waren mit 109 Teilnehmern<br />

rund 40 % der Gesamtheit.<br />

3.11.2 Ergebnisse und Einschätzung<br />

Die Antworten belegen, dass die Notwendigkeit zur<br />

Umstellung von Entgeltsystemen sich nicht auf den<br />

Trinkwasserbereich beschränkt, sondern auch den<br />

<strong>Abwasser</strong>bereich erfasst hat. Die Antworten ähneln in<br />

gewisser Weise jenen zu Trinkwasser. 17 % haben schon<br />

umgestellt und 45 % sehen es mindestens als notwendig<br />

an. Diese Gruppe bereits tätig gewordener und<br />

umstellungswilliger Unternehmen liegt bei 62 % im <strong>Abwasser</strong>bereich,<br />

während der Wert im Trinkwassersektor<br />

70 % betrug. Es darf davon <strong>aus</strong>gegangen werden, dass<br />

die Einschätzung nicht zuletzt auch deshalb bei Trinkwasser<br />

höher ist, weil dieses Thema in den Medien deutlich<br />

präsenter ist und angesichts der privatrechtlichen<br />

Entgeltformen geringeren Beschränkungen unterliegt,<br />

als es bei den <strong>Abwasser</strong>gebühren und den zugrunde<br />

liegenden Kommunalabgabengesetzen der Fall ist. Die<br />

Gründe für Umstellungen auf höhere Grundgebührenanteile<br />

dürften angesichts der Kostenstruktur und der<br />

überwiegend von variablen Entgelten dominierten<br />

<strong>Abwasser</strong>gebühren 9 noch <strong>aus</strong>geprägter sein (Bild 12).<br />

Auch wenn die Befragung in erster Linie den Trinkwasserentgeltsystemen<br />

gewidmet war, so dürfen sicher<br />

eine ganze Reihe der Antworten und Erkenntnisse auch<br />

9<br />

Ausnahme Niederschlagswassergebühr als mengenfixes Entgelt<br />

auf <strong>Abwasser</strong> übertragen werden. Denn die Auslöser<br />

des demografischen Rückganges und der rückläufigen<br />

Nachfrage sind sowohl bei Trink- wie auch bei <strong>Abwasser</strong><br />

als Einflussgröße gleichartig wirksam.<br />

Autoren<br />

Eingereicht: 14.07.2014<br />

Prof. Dr. rer. pol. Ellen Roemer<br />

E-Mail: ellen.roemer@hs-ruhrwest.de |<br />

Lukas Burs, B.A.<br />

E-Mail: lukas.burs@hs-ruhrwest.de |<br />

Hochschule Ruhr West |<br />

Dümptener Straße 45 |<br />

D-45476 Mülheim an der Ruhr<br />

Dipl.-Kfm. Siegfried Gendries<br />

E-Mail: siegfried.gendries@rwe.com |<br />

RWE Supply & Trading GmbH |<br />

Am Schloß Broich 1-3 |<br />

D-45479 Mülheim an der Ruhr<br />

Prof. Dr. rer. pol. Mark Oelmann<br />

E-Mail: mark.oelmann@hs-ruhrwest.de |<br />

E-Mail: mark.oelmann@mocons.de<br />

Hochschule Ruhr West |<br />

Dümptener Straße 45 |<br />

D-45476 Mülheim an der Ruhr<br />

Dr. Jörg Rehberg<br />

E-Mail: joerg.rehberg@bdew.de |<br />

BDEW |<br />

Reinhardtstraße 32 |<br />

D-10117 Berlin<br />

Parallelheft <strong>gwf</strong>-Gas/Erdgas 7-8/2014<br />

Scheck/Eberhardt<br />

Bajohr/Schollenberger/Buchholz/<br />

Weinfurtner/Götz<br />

Kohrt<br />

Tetenborg/Brümmer<br />

Hammer<br />

Hydraulic Fracturing<br />

Kopplung der PtG-Technologie mit thermochemischer Biomassevergasung:<br />

Das KIC-Projekt „DemoSNG“<br />

Anforderungen an die BHKW-Zertifizierung<br />

Numerische Untersuchung pulsierender Strömungen in Wirkdruckmesseinrichtungen<br />

am Beispiel einer Blende<br />

Sensorische Verbrennungsoptimierung von Gasfeuerungsanlagen<br />

Juli/August 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 879


| FACHBERICHTE<br />

|<br />

<strong>Wasser</strong>versorgung<br />

Folgen der Privatisierung – Betrachtung<br />

der britischen und deutschen <strong>Wasser</strong>versorgung<br />

<strong>Wasser</strong>versorgung, Privatisierung, England, Rohrnetz, <strong>Wasser</strong>qualität, Investitionen<br />

Christiane Glasenapp<br />

Im Jahr 1989 wurde der britische <strong>Wasser</strong>sektor privatisiert<br />

und unter Aufsicht der Regulierungsbehörde<br />

OFWAT gestellt. Dies unterscheidet ihn deutlich vom<br />

dezentral organisierten deutschen System. Der Artikel<br />

vergleicht den Zustand der britischen und deutschen<br />

<strong>Wasser</strong>versorgung anhand <strong>aus</strong>gewählter Parameter –<br />

Regionale Aufteilung, Alter und Zustand des Rohrnetzes,<br />

Ausstattung mit <strong>Wasser</strong>zählern, Verluste, <strong>Wasser</strong>gebrauch,<br />

-qualität und -entgelte sowie jährlicher<br />

Investitionen – <strong>aus</strong> heutiger Sicht.<br />

Beyond Privatization – Comparison of the British<br />

and German Water Supply<br />

In 1989 the ten British Water Authorities were privatized<br />

by flotation on the stock market and set under<br />

economic regulation by OFWAT which distinguishes<br />

them considerably from the German utilities. The article<br />

presents the status quo of the British and German<br />

water supply by examination of selected features as<br />

supply area, age and condition of mains, water meters,<br />

leaks, water use, quality, costs and investment.<br />

1. Einleitung und Zielsetzung<br />

Für die deutsche und britische <strong>Wasser</strong>versorgung existieren<br />

Untersuchungen einzelner Parameter, die von<br />

verschiedenen Institutionen <strong>aus</strong>geführt wurden. Ein<br />

vergleichender Überblick, der den britischen <strong>Wasser</strong>sektor<br />

nach der Privatisierung betrachtet und in Relation<br />

zum deutschen <strong>Wasser</strong>versorgungssystem setzt, fehlt<br />

bislang. Ziel der Untersuchung ist es, <strong>aus</strong>gewählte<br />

Parameter beider Systeme mittels GIS vergleichend<br />

<strong>aus</strong>zuwerten und zu diskutieren. Grundlagen bilden<br />

veröffentlichte Daten der statistischen Ämter des Vereinigten<br />

Königreichs und Deutschlands sowie der zuständigen<br />

Behörden und Verbände.<br />

Die Untersuchung befasst sich mit den zehn überregionalen<br />

Ver- und Entsorgungsunternehmen, die 1989<br />

während der Amtszeit Margaret Thatchers in Privateigentum<br />

übergingen. Die zwölf regionalen Versorger,<br />

deren Kerngeschäft lediglich die <strong>Wasser</strong>aufbereitung<br />

und -verteilung ist, befanden sich bereits in privatem<br />

Besitz und werden folgend nicht berücksichtigt.<br />

2. Vergleich der deutschen und<br />

britischen <strong>Wasser</strong>versorgung<br />

2.1 Regionale Aufteilung der Versorgungsunternehmen<br />

Die zehn großen britischen 1 Ver- und Entsorgungsunternehmen<br />

bilden einen starken Kontrast zu der vielfältigen<br />

Struktur des <strong>Wasser</strong>sektors in Deutschland.<br />

Dieser Unterschied ist in der Konsolidierung und Privatisierung<br />

des <strong>Wasser</strong>sektors in den 1970er- und 1980er-<br />

Jahren unter Margaret Thatcher begründet.<br />

In den 1960er-Jahren wirtschaften in England und Wales<br />

1579 öffentliche <strong>Wasser</strong>unternehmen. Mit der Umsetzung<br />

des 1973 Water Acts werden sie zu zehn überregionalen<br />

Ver- und Entsorgern konsolidiert, die sich weiterhin<br />

in Staatsbesitz befinden [1]. Im Februar 1986 kündigt<br />

die britische Regierung die Privatisierung des <strong>Wasser</strong>sektors<br />

an, am 12. Dezember 1989 erfolgt der Verkauf in<br />

2,2 Mio. Anteilen zu je 2,40 Pfund Sterling an der Börse [2].<br />

Die Unternehmen agieren auf gesetzlich festgelegten<br />

Territorien und bedienen zwischen 1,2 und 8,5 Mio.<br />

Kunden. Ihre administrativen Grenzen verlaufen entlang<br />

der <strong>Wasser</strong>einzugsgebiete [3]. Daher ergibt es sich,<br />

dass die Zuständigkeitsbereiche in England und Wales<br />

die Landesgrenze mehrfach schneiden (Bild 1) [1].<br />

1 Da Schottland und Nordirland ihre eigene, in öffentlicher Hand<br />

befindliche <strong>Wasser</strong>versorgung betreiben, meint „britisch“<br />

folgend lediglich England und Wales.<br />

Juli/August 2014<br />

880 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


<strong>Wasser</strong>versorgung | FACHBERICHTE |<br />

Der deutsche <strong>Wasser</strong>sektor besteht bis heute auf<br />

kommunaler Ebene. Insgesamt existieren 4663 <strong>Wasser</strong>dienstleister,<br />

die ab der Wertschöpfungsstufe der<br />

<strong>Wasser</strong>gewinnung Ver- und ggf. auch Entsorgungsaufgaben<br />

übernehmen. Knapp 600 davon fördern<br />

weniger als 10 000 m 3 pro Jahr und dienen so der<br />

Versorgung von wenigen hundert Menschen. Allein in<br />

Bayern sind 1829 <strong>Wasser</strong>versorger tätig (Bild 2) [4],<br />

mehr als in England und Wales jemals gleichzeitig aktiv<br />

waren.<br />

2.2 Alter und Zustand des Rohrnetzes<br />

Die Beschaffenheit der Rohrnetze unterscheidet sich<br />

in England und Wales sowie Deutschland. Stammen<br />

Teile des britischen Versorgungsnetzes noch <strong>aus</strong> dem<br />

Viktorianischen Zeitalter, so ist das Durchschnittsalter<br />

des deutschen Rohrnetzes deutlich niedriger. 74 %<br />

der Rohre in England und Wales sind <strong>aus</strong> Gusseisen<br />

und duktilem Gusseisen gefertigt, von den deutschen<br />

Rohren hingegen weniger als 50 %. Werkstoffe, die in<br />

den letzten Jahrzehnten entwickelt und nutzbar<br />

gemacht wurden, finden sich im deutschen Rohrnetz<br />

dafür häufiger, so bestehen ca. 40 % der deutschen<br />

und nur 9 % der britischen Rohre <strong>aus</strong> PE und PVC<br />

[5, 6].<br />

Der Versorgungsdruck, den die britischen Versorger<br />

einhalten müssen, ist mit 0,7 bzw. 1,0 bar und einem<br />

Mindestfluss von 9 [L/min] im Vergleich zu den deutschen<br />

Drücken (2,0 bar am obersten Entnahmepunkt)<br />

nicht besonders hoch [7].<br />

Das Alter der Rohrnetze ist weder in Großbritannien<br />

noch in Deutschland hinreichend auf staatlicher Ebene<br />

dokumentiert. Die Versorger besitzen über ihre Versorgungsgebiete<br />

recht genaue Altersdaten, die allerdings<br />

in keiner übergeordneten Statistik erfasst sind. Bekannt<br />

ist, dass ein Teil des Netzes über 100 Jahre alt ist und in<br />

den nächsten Jahren hohe Investitionen anstehen [8].<br />

Die Betrachtung der Schadensraten zeigt, dass sich<br />

das deutsche Versorgungsnetz in einem deutlich besseren<br />

Zustand befindet als das britische. In Rheinland-Pfalz,<br />

Niedersachsen und Schleswig-Holstein liegen die Schadensraten<br />

zwischen 0,01 und 0,06 Schäden pro Kilometer,<br />

solche geringen Werte finden sich in England<br />

und Wales erst gar nicht (Bild 3) [10–20]. Die höchsten<br />

deutschen Schadensraten weisen Thüringen, Sachsen-<br />

Anhalt und Sachsen mit 0,23 und 0,24 Schäden pro Kilometer<br />

auf (Bild 4) [6]; das vom britischen Thames Water<br />

versorgte Gebiet im Großraum London kommt gar auf<br />

0,34 Schäden pro Kilometer. Allerdings weist es mit<br />

382 km erneuerten Rohren im Geschäftsjahr 2009/10<br />

auch die höchste Sanierungsquote auf [9].<br />

Die Versorger beider Staaten verfügen über strategische<br />

Pläne, die jährliche Reparatur- und Sanierungsquoten<br />

festlegen. So soll durch kontinuierliche Investitionen<br />

der Zustand des Rohrnetzes mittelfristig verbessert<br />

werden.<br />

Bild 1. Versorger in<br />

England und<br />

Wales [1].<br />

Bild 2. Versorger in<br />

Deutschland [4].<br />

Bild 3. Schadensraten in England und Wales [10–20].<br />

Juli/August 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 881


| FACHBERICHTE<br />

|<br />

<strong>Wasser</strong>versorgung<br />

Bild 4. Schadensraten<br />

in Deutschland<br />

[6].<br />

Bild 5. Britische H<strong>aus</strong>halte<br />

mit <strong>Wasser</strong>zähler,<br />

Prognose für<br />

2014/15 [26].<br />

Bild 6. Spezifische<br />

<strong>Wasser</strong>verluste in<br />

England und<br />

Wales [27].<br />

2.3 <strong>Wasser</strong>zähler<br />

Die vom Kunden gebrauchte <strong>Wasser</strong>menge muss für die<br />

gebrauchsgerechte Abrechnung eindeutig erhoben<br />

werden. Im Idealfall sind die Anschlüsse mit <strong>Wasser</strong>zählern<br />

<strong>aus</strong>gestattet, die dem Durchfluss angepasst<br />

sind und genaue Abrechnungen erlauben. Die Europäische<br />

Union schreibt den Mitgliedsstaaten keine<br />

<strong>Wasser</strong>zählerpflicht vor, eingebaute Zähler müssen aber<br />

nach den Vorgaben der Messgeräte-Richtlinie geeicht<br />

werden [21].<br />

In England und Wales existiert keine <strong>Wasser</strong>zählerpflicht,<br />

bislang galt der Einheitswert für die Grundsteuer<br />

und somit die Grundstücksgröße (Rental Value) als<br />

geeigneter Bemessungsparameter für den <strong>Wasser</strong>gebrauch.<br />

1991 verabschiedete der Gesetzgeber die<br />

Einbaupflicht, die 1999 widerrufen wurde [22, 23]. Der<br />

Einbau beruht bei Bestandsbauten auf freiwilliger Basis,<br />

Neubauten werden seit 1990 mit Zählern <strong>aus</strong>gestattet.<br />

Bild 5 zeigt den für 2014/15 prognostizierten Anteil der<br />

H<strong>aus</strong>halte mit <strong>Wasser</strong>zähler. Hier ist deutlich zu erkennen,<br />

dass in Nord- und Mittelengland sowie in Wales der<br />

Ausstattungsgrad bei unter 50 % liegt, wohingegen im<br />

Süden und Südosten des Landes – vor allem aufgrund<br />

des geringen <strong>Wasser</strong>dargebots – bis zu 95,9 % der H<strong>aus</strong>halte<br />

über Zähler verfügen [24]. Der Anteil der H<strong>aus</strong>halte<br />

mit Zähler soll bis 2015 auf 50 % – mit Spitzenwerten bis<br />

zu 90 % in risikobewehrten Regionen – steigen [25]. Dies<br />

soll <strong>Wasser</strong> sparen und eine verbrauchsabhängige Abrechnung<br />

ermöglichen. Die <strong>Wasser</strong>kunden befürchten<br />

dadurch steigende Kosten und nehmen das An gebot<br />

des kostenfreien Zählereinb<strong>aus</strong> seitens der Versorger<br />

nur zurückhaltend an.<br />

In Deutschland regeln die Landesbauordnungen die<br />

Einbaupflicht. Bis auf Bayern existierte in allen Ländern<br />

eine Zählerpflicht für Neubauten, aktuell ist diese in<br />

Sachsen-Anhalt und Brandenburg wieder abgeschafft<br />

worden. Bestandsbauten müssen im Falle von Nutzungsänderungen<br />

in 14 Bundesländern nachgerüstet werden,<br />

ansonsten werden die <strong>Wasser</strong>kosten anhand eines<br />

verbrauchsgerechten Maßstabs ermittelt. Obwohl keine<br />

Daten existieren, kann angenommen werden, dass<br />

<strong>Wasser</strong>zähler in Deutschland nahezu flächen deckend<br />

vorhanden sind.<br />

2.4 Verluste<br />

Die jeweiligen spezifischen Verluste, also der Austritt<br />

eines bestimmten <strong>Wasser</strong>volumens pro Zeit- und Längeneinheit<br />

Leitung (ohne Anschlussleitungen), sind in<br />

Bild 6 [27] und Bild 7 [4, 28] gegenübergestellt.<br />

Bis auf den Süden und Osten Englands weisen alle<br />

Versorgungsregionen sehr hohe Verluste auf, das Maximum<br />

liegt mit 1,05 m³/(km*h) im Gebiet von Thames<br />

Water. In Deutschland überwiegen die geringen und<br />

mittleren Verluste. Die in Bayern auftretenden sehr<br />

hohen Verluste liegen mit 0,28 km/(km*h) bei nur einem<br />

Viertel des Werts von Thames Water.<br />

Juli/August 2014<br />

882 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


<strong>Wasser</strong>versorgung | FACHBERICHTE |<br />

Section 22A des 1991 Water Industry Acts verpflichtet<br />

die britischen <strong>Wasser</strong>versorger, für jedes Geschäftsjahr<br />

ein verbindliches Maß an <strong>Wasser</strong>verlusten festzulegen,<br />

das sie durch zielgerichtete Maßnahmen erreichen müssen.<br />

Ziel dabei ist die Reduzierung der Kosten für den<br />

<strong>Wasser</strong>kunden durch ein wirtschaftliches Versorgungssystem.<br />

Der Regulierer OFWAT (Water Services Regulation<br />

Authority) übernimmt dabei das Monitoring der<br />

angestrebten <strong>Wasser</strong>verluste und Kosten, um einen<br />

wirtschaftlich effizienten Einsatz der Investitionen zu<br />

erreichen. Die Regulierungsbehörde überprüft via<br />

Benchmarking die Zielerreichung der Versorger und<br />

kann im Falle der Nichterreichung empfindliche Strafen<br />

verhängen.<br />

Einige Versorger verfehlten in den letzten Jahren ihre<br />

Zielvereinbarungen. OFWAT verpflichtete Thames Water<br />

im Jahre 2006 zu zusätzlichen Investitionen von 150 Mio.<br />

Pfund Sterling (182 Mio. Euro) und 2007 zu einer Strafe<br />

von 9,7 Mio. Pfund (11,8 Mio. Euro) wegen Verbreitung<br />

von Fehlinformationen sowie schlechten Services an<br />

den Kunden. Southern Water musste im Jahr 2006 <strong>aus</strong><br />

den gleichen Gründen 20,3 Mio. Pfund (24,6 Mio. Euro)<br />

Strafe zahlen, Severn Trent sogar 35,8 Mio. Pfund<br />

(43,4 Mio. Euro) [29]. 2<br />

2.5 <strong>Wasser</strong>gebrauch<br />

Der <strong>Wasser</strong>gebrauch in England und Wales liegt seit den<br />

1990er-Jahren nahezu konstant 20 Liter pro Einwohner<br />

und Tag über dem deutschen Wert (siehe Bild 8)<br />

[30–32]. Beide Regionen zeigen einen negativen Trend,<br />

der in Deutschland ab Beginn der Zeitachse, in England<br />

und Wales erst seit 2003 zu erkennen ist.<br />

In England und Wales lässt sich der Rückgang auf ein<br />

wachsendes Sparbewusstsein durch den Einbau der<br />

<strong>Wasser</strong>zähler und Initiativen der Regierung zum<br />

spar samen Umgang mit <strong>Wasser</strong> zurückführen. In der<br />

deutschen Bevölkerung hat sich dieses seit den 1980er-<br />

Jahren entwickelt. <strong>Wasser</strong>effiziente Technologien in<br />

Spül- und Waschgeräten sowie spezielle Spar-<br />

Armaturen, der demografische Wandel und der Rückgriff<br />

auf Brauch- und Regenwasser im Gartenbereich<br />

führen zu einem kontinuierlichen Rückgang des Bedarfs<br />

in Deutschland [33].<br />

2.6 <strong>Wasser</strong>qualität<br />

Die <strong>Wasser</strong>versorger in allen Mitgliedsstaaten der EU<br />

unterliegen den Vorgaben der Trinkwasserrichtlinie<br />

(Richtlinie 98/83/EG), die präzise Vorgaben zur Durchführung<br />

der Probenahme und qualitativen sowie quantitativen<br />

Auswertung der Proben enthält. Die Mitgliedsstaaten<br />

können diese Vorgaben übernehmen oder<br />

strenger gestalten, eine Lockerung ist nicht zulässig.<br />

2<br />

Umrechnung der Beträge erfolgte am 18. Januar 2014 zum<br />

Tageskurs von 1,213 Euro je Pfund Sterling.<br />

Bild 7. Spezifische <strong>Wasser</strong>verluste in Deutschland [4–28].<br />

Bild 8. Vergleich des deutschen und britischen <strong>Wasser</strong>gebrauchs [30–32].<br />

Bild 9. Vergleich der Einhaltung der Grenzwerte nach Richtlinie<br />

98/83/EG [34–35].<br />

Der deutsche Gesetzgeber legt in der Trinkwasserverordnung<br />

einen Grenzwert von 3 µg/L statt 5 µg/L für<br />

Cadmium fest und beschränkt die Urankonzentration,<br />

die in der Richtlinie nicht enthalten ist, auf 0,01 mg/L.<br />

In Großbritannien gelten die Werte der Richtlinie,<br />

die in den Water Supply (Water Quality) Regulations<br />

2010 umgesetzt wurden. Hier findet sich als Ausnahme<br />

eine höhere zulässige Blei-Konzentration von<br />

25 µg/L, die bis Ende 2013 auf 10 µg/L abgesenkt<br />

werden muss.<br />

Juli/August 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 883


| FACHBERICHTE<br />

|<br />

<strong>Wasser</strong>versorgung<br />

Bild 9 zeigt eine Gegenüberstellung der Quoten<br />

eingehaltener Grenzwerte in England und Wales bzw.<br />

Deutschland [34, 35]. Die betrachteten Parameter<br />

wurden danach <strong>aus</strong>gewählt, dass ihre Erfüllungsquote<br />

in einem der beiden Staaten bei weniger als 99,98 % lag.<br />

Insgesamt zeigen sich sehr gute Ergebnisse. Im Vergleich<br />

stellt sich her<strong>aus</strong>, dass die Qualität des britischen<br />

Trinkwassers für die kritischen Parameter als marginal<br />

besser angesehen werden kann, da die Quote der<br />

eingehaltenen Grenzwerte für fast alle untersuchten<br />

Parameter höher ist. Vor allem für Mangan und Eisen<br />

zeigen sich Qualitätsabweichungen von bis zu 0,4 %.<br />

Die Untersuchung des britischen <strong>Wasser</strong>s auf den<br />

chemischen Parameter Blei zeigt Defizite. Hier genügen<br />

nur 99,1 % der Tests den – bis Ende 2013 sehr niedrigen –<br />

Anforderungen der Trinkwasserrichtlinie.<br />

Bild 10. Durchschnittliche <strong>Wasser</strong>preise in England und Wales [38].<br />

Bild 11. Durchschnittliche Entgelte in Deutschland [40].<br />

Bild 12. Vergleich der deutschen und britischen Investitionen [26, 42–45].<br />

2.7 <strong>Wasser</strong>entgelte<br />

Die Gestaltung der Entgelte erfolgt in Großbritannien<br />

und Deutschland nach verschiedenen Ansätzen. In<br />

Großbritannien gilt mit dem „RPI + K“-Ansatz ein<br />

Top-Down-Ansatz, der <strong>aus</strong>gehend vom langfristigen<br />

Kapitalbedarf der Versorger und den Preissteigerungen<br />

des Warenkorbindexes (Retail Price Index, RPI) die<br />

maximale Erhöhung der <strong>Wasser</strong>preise (K) definiert [2].<br />

Die Preiskontrolle obliegt OFWAT, das alle fünf<br />

Jahre die Preiskorridore für jedes Geschäftsjahr festlegt<br />

und bei nachgewiesenem Missbrauch empfindliche<br />

Strafen in zweistelliger Millionenhöhe verhängt [36].<br />

Die H<strong>aus</strong> halte mit <strong>Wasser</strong>zählern erhalten eine<br />

verbrauchs abhängige Abrechnung, in H<strong>aus</strong>halten<br />

ohne Zähler erfolgt die Bemessung anhand der<br />

Rental Values.<br />

In Deutschland ist die Bildung der Gebühren Ländersache,<br />

die durch die Landesgesetze zur Aufgabe<br />

der Gemeinden wird. Festlegung und Kontrolle der<br />

Ge bühren erfolgt auf Grundlage von kommunalen<br />

Gesetzen und Verordnungen durch zuständige<br />

Behörden, Gremien und ggf. Verwaltungsgerichte. Die<br />

Festlegung der Preise obliegt den Unternehmen und<br />

wird auf Anzeige oder konkreten Verdacht von den<br />

Kartellbehörden überprüft, ggf. geahndet [37].<br />

Die verschiedenen Bemessungsansätze innerhalb<br />

Großbritanniens erschweren einen Vergleich. Grundlegendes<br />

Prinzip der Bemessung anhand der Rental Values<br />

ist, dass die Bewohner von großen Grundstücken, denen<br />

ein gewisser Wohlstand unterstellt wird, mehr <strong>Wasser</strong><br />

verwenden als Bewohner kleiner Wohneinheiten. In<br />

Deutschland existiert kein Pendant zu dieser Art der<br />

Abrechnung. Als Berechnungsgrundlage dienen daher<br />

die durchschnittlichen Gesamtkosten pro H<strong>aus</strong>halt, in<br />

die Daten der britischen H<strong>aus</strong>halte mit und ohne Zähler<br />

eingeflossen sind.<br />

Die höchsten <strong>Wasser</strong>preise finden sich in Südengland<br />

bei dem Versorger Wessex Water. Hier zahlen die<br />

H<strong>aus</strong>halte – ohne Unterscheidung nach <strong>Wasser</strong>zähler –<br />

Juli/August 2014<br />

884 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


<strong>Wasser</strong>versorgung | FACHBERICHTE |<br />

234 Pfund Sterling (283,84 Euro) pro Jahr (Bild 10) 3 , [38].<br />

Die günstigsten Preise finden sich im Südosten Englands<br />

bei Southern Water, das pro Jahr und H<strong>aus</strong>halt 149 Pfund<br />

Sterling (180,74 Euro) erhebt. Die niedrigsten Entgelte<br />

in Deutschland zahlen mit 162,75 Euro pro H<strong>aus</strong>halt<br />

und Jahr die Kunden in Niedersachsen, die höchsten<br />

Beträge von 275,36 Euro pro Jahr zahlen H<strong>aus</strong>halte in<br />

Nordrhein-Westfalen (Bild 11), [40].<br />

Die durchschnittlichen Gesamtentgelte pro H<strong>aus</strong>halt<br />

und Jahr in Deutschland betragen 212,46 Euro, in<br />

England und Wales 182,0 Pfund Sterling (220,77 Euro).<br />

Die Gliederung nach H<strong>aus</strong>halten ist sinnvoll, da jeder<br />

H<strong>aus</strong>halt eine Rechnung erhält. Berücksichtigt man<br />

in der Untersuchung, dass in England und Wales in<br />

jedem H<strong>aus</strong>halt durchschnittlich 2,34 Personen und in<br />

Deutschland nur 2,02 Personen leben, ergibt sich ein<br />

anderes Bild [39, 41]. Jeder britische Konsument zahlt<br />

durchschnittlich 77,78 Pfund Sterling (94,35 Euro) pro<br />

Jahr für Trinkwasser, jeder deutsche Verbraucher zahlt<br />

104,95 Euro.<br />

2.8 Investitionen<br />

Die britische Regulierungsbehörde OFWAT legt neben<br />

den K-Faktoren, die den maximalen Preisanstieg jedes<br />

Unternehmens definieren, auch eine feste Investitionsquote<br />

fest [26]. Bild 12 zeigt, dass diese Quote Schwankungen<br />

im Fünf-Jahres-Zyklus unterliegt, aber einen<br />

positiven Trend aufweist [26, 42–45].<br />

Die absoluten Investitionen unterscheiden sich<br />

kaum voneinander. Seit der Privatisierung investierten<br />

die Versorger in England und Wales jährlich mit durchschnittlich<br />

2,3 Mrd. Euro nur wenig mehr als den Betrag<br />

der deutschen Investitionen von ca. 2,2 Mrd. Euro.<br />

Die spezifischen Investitionen, angegeben in Euro pro<br />

ins Netz eingespeisten Kubikmeter <strong>Wasser</strong>, liegen in<br />

England und Wales ebenso nur geringfügig höher. Hier<br />

stehen Investitionen von 0,44 Pfund (0,54 Euro) jenen in<br />

Deutschland mit 0,49 Euro gegenüber, allerdings ist<br />

deutlich erkennbar, dass die britischen Investitionstätigkeiten<br />

seit der Privatisierung stark gestiegen sind<br />

[26, 42–45].<br />

3. Diskussion und Ausblick<br />

Der Vergleich beider Systeme zeigt, dass jedes dem<br />

anderen in bestimmten Bereichen überlegen ist. Die<br />

deutschen Versorgungsrohre bestehen <strong>aus</strong> moderneren<br />

Werkstoffen, die eine geringere Schadensrate auf weisen<br />

und so zu geringen spezifischen Verlusten beitragen.<br />

Die deutschen Verbraucher zeichnen sich durch ihre<br />

Sparsamkeit <strong>aus</strong>, sie konsumieren pro Tag 20 Liter<br />

weniger als die britischen Kunden.<br />

3 Die Preise in der Region Essex and Suffolk im Osten Englands<br />

weichen stark von den Umgebungspreisen ab und sind gesondert<br />

in der Karte erfasst.<br />

In Großbritannien ist der Zustand des Versorgungsnetzes<br />

schlecht, die Schadensraten sind hoch, die Verluste<br />

ebenfalls. Die <strong>Wasser</strong>qualität aber, gemessen an der Einhaltung<br />

der europäischen Grenzwerte, ist – <strong>aus</strong>genommen<br />

den Parameter Blei – durchweg besser als in Deutschland,<br />

die Investitionen liegen seit den frühen 1990er-Jahren auf<br />

gleichem Niveau und der Preis, den jeder britische Konsument<br />

jährlich zahlt, ist im Durchschnitt 10 Euro niedriger.<br />

Insgesamt ergibt sich also ein differenziertes Bild,<br />

das eine Rangordnung der Systeme nicht zulässt. Die<br />

Autoren deutscher Fachliteratur zum Thema <strong>Wasser</strong><br />

werden nicht müde zu erwähnen, dass das deutsche<br />

Versorgungssystem eines der besten der Welt sei,<br />

einzigartig und effizient. In Großbritannien verbreiten<br />

die Verantwortlichen ein anderes Bild, das System wird<br />

häufig als ineffizient und marode bezeichnet, die<br />

<strong>Wasser</strong>preise gelten als zu hoch und ungerecht.<br />

Ein Blick auf die vorliegenden Ergebnisse zeigt, dass<br />

diese Aussagen zu kurz greifen. Die seit der Privatisierung<br />

gestiegenen Investitionsquoten in England und<br />

Wales belegen, dass der schlechte Zustand der Netze<br />

nicht für immer bestehen wird. Die britischen Versorger<br />

schulden ihren Aktionären wirtschaftliches Handeln<br />

und Wachstum. Trotz der strikten Regulierung durch<br />

OFWAT und ihre Monopolstellung müssen sie den<br />

Anforderungen der Aktionäre und der EU genügen.<br />

Es bleibt abzuwarten, ob und wie sich die Situation<br />

in den nächsten Jahren ändern wird. Schlechtere Qualität<br />

und höhere Preise, wie öffentlich häufig befürchtet,<br />

bringt das Privateigentum dem <strong>Wasser</strong>sektor – wie am<br />

britischen Beispiel erörtert – nicht unbedingt.<br />

Anmerkung<br />

Zusammenfassung der Abschlussarbeit zur Erlangung des Master<br />

of Science. Erstgutachter Prof. Dr. Volker Caspari, Fachgebiet Wirtschaftstheorie,<br />

TU Darmstadt.<br />

Literatur<br />

[1] Sewell, W. and Barr, L.: Evolution in the British institutional<br />

framework for water management. In: Natural Resources<br />

Journal (1977) No. 17, p. 395–413.<br />

[2] http://www.ofwat.gov.uk/publications/commissioned/rpt_<br />

com_devwatindust270106.pdf<br />

[3] 1973 Water Act.<br />

[4] Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Öffentliche <strong>Wasser</strong>versorgung<br />

und öffentliche <strong>Abwasser</strong>entsorgung: Öffentliche<br />

<strong>Wasser</strong>versorgung. Wiesbaden, 2013.<br />

[5] Ratnayaka, D., Brandt, M. and Johnson, K.: Twort’sWater Supply.<br />

5. Ed., London, 2009.<br />

[6] Walther, G., Schroeder, T. und Drescher, D.: DVGW-Schadensstatistik<br />

<strong>Wasser</strong>: Ergebnisse <strong>aus</strong> den Jahren 2006–2009. In:<br />

Energie <strong>Wasser</strong>-Praxis 63 (2012) Nr. 12, S. 110–115.<br />

[7] OFWAT (Hrsg.): June Return Reporting Requirements. O.a.O 2011.<br />

[8] Roscher, H.: Schadensstatistik – Erfassung und Bewertung<br />

von Schadensereignissen. In: H. Roscher (Hrsg.): Rehabilitation<br />

von <strong>Wasser</strong>versorgungsnetzen. 2., überarb. Aufl., Berlin<br />

2008, S. 118–157.<br />

Juli/August 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 885


| FACHBERICHTE<br />

|<br />

<strong>Wasser</strong>versorgung<br />

[9] http://www.ofwat.gov.uk/regulating/reporting/rpt_<br />

los_2009-10.pdf<br />

[10] http://www.anglianwater.co.uk/_assets/media/SMC_AW_<br />

FBP09_B3_v1.4.pdf<br />

[11] http://www.dwrcymru.co.uk/english/library/Reports/companyreports/dwrcymru/Annual\%20Reports/2009/QECReport2009.pdf<br />

[12] http://www.nwl.co.uk/livelink/Table_11_NES_DataId_59960846_<br />

Version_1.pdf<br />

[13] http://www.warwickshire.gov.uk/corporate/rbccomsys.nsf/<br />

0/5f01c624a3e873e1802575a7004696d8/\$FILE/Water\%20<br />

Mains\%2015 th \%20April\%202009.pdf<br />

[14] http://www.southwestwater.co.uk/media/pdf/n/g/Formatted_B3.1_for_Review_IM_excised.pdf<br />

[15] http://www.southernwater.co.uk/pdf/about-us/publications/business-plan/FBPSectionBPub_sec3.pdf<br />

[16] https://www.thameswater.co.uk/wrmp/wrmp-findings-andrecommendations-report.pdf<br />

[17] http://corporate.unitedutilities.com/documents/jr2011-table11.pdf<br />

[18] Wessex Water (Hrsg.): Water Infrastructure. O.a.O 2009.<br />

[19] Yorkshire Water (Hrsg.): Business Case by Asset Group. Part<br />

B3 Section 2. O.a.O 2009.<br />

[20] http://www.ofwat.gov.uk/regulating/reporting/ltr_rd0209_<br />

waterdata.xls<br />

[21] Richtlinie 2004/22/EG (Messgeräte-Richtlinie) des Europäischen<br />

Parlaments und des Rates vom 31. März 2004 über<br />

Messgeräte.<br />

[22] 1991 Water Industry Act.<br />

[23] 1999 Water Industry Act.<br />

[24] DEFRA (Hrsg.): The Independent Review of Charging for<br />

Household Water and Sewerage Services. London 2009.<br />

[25] http://www.waterwise.org.uk/pages/water-companies.html<br />

[26] http://www.ofwat.gov.uk/pricereview/pr09phase3/det_<br />

pr09_finalfull.pdf<br />

[27] OFWAT (Hrsg.): Security of supply. 2006/07 Report. O.a.O 2007.<br />

[28] Hoch, W.: Verfahren zur Früherkennung und Ortung von<br />

Leckstellen auf der Grundlage des DVGW Regelwerkes. In:<br />

<strong>Wasser</strong>verluste in Trinkwassernetzen. ÖVGW – TU Graz<br />

Symposium 2009.<br />

[29] http://www.ofwat.gov.uk/mediacentre/fastfacts/prs_web_<br />

timeline.pdf<br />

[30] http://archive.defra.gov.uk/sustainable/government/progress/national/16.htm<br />

[31] http://www.water.org.uk/home/news/press-releases/sustainable-water/stateofsector2008.pdf<br />

[32] BDEW (Hrsg.): 122. <strong>Wasser</strong>statistik. Bonn, 2010.<br />

[33] http://www.bpb.de/gesellschaft/umwelt/dossier-umwelt/61196/wassersparen?p=all<br />

[34] BMG; UBA (Hrsg.): Bericht des Bundesministeriums für<br />

Gesundheit und des Umweltbundesamtes an die Verbraucherinnen<br />

und Verbraucher über die Qualität von<br />

<strong>Wasser</strong> für den menschlichen Gebrauch (Trinkwasser) in<br />

Deutschland (Januar 2008–Dezember 2010). Bonn, 2011.<br />

[35] http://dwi.defra.gov.uk/about/annual-report/2012/index.<br />

htm<br />

[36] http://www.ofwat.gov.uk/pricereview/setting/<br />

[37] ATT; BDEW; BDVW; DVGW; DWA; VKU (Hrsg.): Branchenbild<br />

der deutschen <strong>Wasser</strong>wirtschaft. Bonn, 2011.<br />

[38] https://www.ofwat.gov.uk/regulating/charges/pap_<br />

tec2012-13metunmetbills.xls<br />

[39] http://www.statistik-portal.de/Statistik-Portal/de_jb01_<br />

jahrtab4.asp<br />

[40] https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesamtwirtschaftUmwelt/Umwelt/UmweltstatistischeErhebungen/<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaft/Tabellen/TabellenEntgelt.html<br />

[41] http://www.ons.gov.uk/ons/publications/re-reference-tables.html?edition=tcm\%3A77-294273<br />

[42] http://www.bdew.de/internet.nsf/id/C125783000558C9FC1<br />

25766C0003CBAF/\$file/<strong>Wasser</strong>fakten\%20im\%20\%20<br />

\%C3\%9Cberblick\%20-\%20freier\%20Bereich\%20April\%202012_1.pdf<br />

[43] OFWAT (Hrsg.): Financial performance and expenditure of<br />

the water companies in England and Wales 2000–2001.<br />

Birmingham, 2001.<br />

[44] OFWAT (Hrsg.): Financial performance and expenditure of<br />

the water companies in England and Wales 2005–2006.<br />

Birmingham, 2006.<br />

[45] OFWAT (Hrsg.): Financial performance and expenditure of<br />

the water companies in England and Wales 2009–2010.<br />

Birmingham, 2010.<br />

Autorin<br />

Eingereicht: 05.02.2014<br />

Korrektur: 18.07.2014<br />

Im Peer-Review-Verfahren begutachtet<br />

Christiane Glasenapp, M.Sc. Wi.-Ing.<br />

E-Mail: christiane.glasenapp@gmail.com |<br />

Technische Universität Darmstadt |<br />

Fachbereich Rechts- und Wirtschaftswissenschaften |<br />

Fachgebiet Wirtschaftstheorie |<br />

Residenzschloss, Marktplatz 15 |<br />

D-64283 Darmstadt<br />

Juli/August 2014<br />

886 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Buchbesprechung<br />

| FACHBERICHTE |<br />

Buchbesprechung<br />

Strömungsberechnung für Rohrsysteme<br />

Berechnung stationärer und transienter<br />

Strömung in Rohrsystemen für <strong>Wasser</strong>,<br />

<strong>Abwasser</strong>, industrielle Flüssigkeiten und Gase.<br />

Auslegung von Dämpfungsmaßnahmen<br />

gegen unzulässige dynamische Drücke.<br />

Mit PC-Übungsbeispielen<br />

Von Hans, B. Horlacher und Horst, J. Lüdecke.<br />

Renningen: expert verlag GmbH. 3., neu bearb.<br />

Aufl. 2012. 328 S., Internetanbindung (Ed.es, 9)<br />

Kt., Preis: € 88,00, ISBN 978-3-8169-2858-4.<br />

Der Transport von Flüssigkeiten und Gasen – wie<br />

<strong>Wasser</strong>, Mineralöl, Erdgas und chemischen Produkten<br />

– ist nur mit Rohrleitungssystemen sicher,<br />

wirtschaftlich und umweltschonend. Diese Systeme<br />

werden heute mithilfe von Computer-Simulationsrechnungen<br />

<strong>aus</strong>gelegt, damit sie die ihnen zugewiesenen<br />

Aufgaben verlässlich erfüllen. Im vorliegenden<br />

Buch werden die erforderlichen Grundgleichungen<br />

der stationären und instationären<br />

Rohrströmung abgeleitet, Simulationsmodelle vorgestellt,<br />

die wichtigsten Randbedingungen für praktisch<br />

einsetzbare Programme hergeleitet und zugehörige<br />

Beispiele <strong>aus</strong> der betrieblichen Praxis vorgestellt.<br />

Daneben werden weiterführende Probleme behandelt,<br />

z. B. die Berechnung dynamischer Auflagerkräfte<br />

infolge von Druckstößen oder die Kavitation<br />

oder die Druckstoßdämpfung in viskoelastischen<br />

Rohrleitungen. Das Buch enthält, auf verschiedene<br />

Kapitel verteilt, kleinere Computercodes zu Übungszwecken.<br />

In einem abschließenden Kapitel werden<br />

eine Reihe von realen Fallbeispielen vollständig,<br />

unter Angabe aller erforderlichen Eingabeparameter,<br />

mit dem Computerprogrammen der beiden Autoren<br />

durchgerechnet und die Resultate miteinander verglichen.<br />

Die vorgestellten Beispiele sind somit zur<br />

Überprüfung eigener Druckstoßprogramme geeignet.<br />

Die beschriebene Theorie sowie die Praxisanwendungen<br />

sind generell auf einphasige Flüssigkeiten<br />

als Strömungsmedien – d. h. vorwiegend <strong>Wasser</strong> –<br />

bezogen. Es wird jedoch auch kurz auf transiente<br />

Vorgänge bei Zweiphasen- und Gasströmungen eingegangen.<br />

Bestell-Hotline<br />

DIV Deutscher<br />

Industrieverlag GmbH,<br />

München,<br />

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Zeitschrift „KA Korrespondenz <strong>Abwasser</strong> • Abfall“<br />

In der Ausgabe 8/2014 lesen Sie u. a. folgende Beiträge:<br />

Schmitt<br />

Möderl u.a.<br />

Schranner<br />

Leptien u.a.<br />

Vestner/Brooke<br />

Starkregenindex zur Kommunikation von Überflutungsursachen und Risiken<br />

Analyse einer hydraulischen Zustandsbewertung von Mischwassersystemen<br />

3. Kleinkläranlagen bewähren sich in der Praxis – Auswertung der Überwachungsdaten<br />

von über 50 000 bayerischen Kleinkläranlagen<br />

4. Wirtschaftsdaten der <strong>Abwasser</strong>beseitigung<br />

5. Verbesserung der Basisinfrastruktur eines informellen Stadtviertels von Cairo mit<br />

partizipativen Projekt-Elementen<br />

Juli/August 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 887


| FACHBERICHTE<br />

|<br />

Trinkwasserversorgung<br />

Einfluss anthropogener Schadstoffe auf<br />

die <strong>Wasser</strong>qualität eines Grundwasserleitersystems<br />

im Sudd, Südsudan<br />

Trinkwasserversorgung, Erdölförderung, Umweltschutz, Grundwasserschutz, Südsudan, Ostafrika<br />

Hella Rüskamp, Christoph Treskatis, Kl<strong>aus</strong> Stieglitz und John Ariki<br />

Im Rahmen eines humanitären Hilfsprojektes im<br />

Südsudan wurden zur Sicherung der Trinkwasserversorgung<br />

der einheimischen Bevölkerung bis zu<br />

300 m tiefe Brunnen errichtet. Die Bevölkerung des<br />

Untersuchungsgebietes versorgte sich <strong>aus</strong> flachen<br />

Bohrbrunnen, deren <strong>Wasser</strong>beschaffenheit sich durch<br />

steigende Salzgehalte verschlechtert. Zur Identifikation<br />

der Ursachen der steigenden Salzgehalte wurde<br />

ein hydrochemisches Untersuchungsprogramm in<br />

Brunnen und an Oberflächenwasseraufschlüssen<br />

durchgeführt. Die Analysenergebnisse ermöglichten<br />

die Identifizierung von sechs hydrochemisch unterscheidbaren<br />

<strong>Wasser</strong>typen, die sich durch signifikant<br />

unterschiedliche Ionenverhältnisse und Salzgehalte<br />

<strong>aus</strong>zeichneten.<br />

Effect of Anthropogenic Pollutants on the Water Quality<br />

of an Aquifer System in the Sudd Wetlands, South Sudan<br />

In context of a humanitarian aid project deep wells of<br />

300 m depth have been drilled for the drinking water<br />

supply of the local population. In the study area the<br />

population got its drinking water mostly from shallow<br />

wells. These wells show significantly increasing<br />

salt contents, so the water quality becomes brackish.<br />

In order to search for potential sources of high salinity<br />

in drinking water a hydrochemical research program<br />

has been started at different boreholes in various settlements<br />

and different depths as well as surface water.<br />

The analysis results indicated six different water types<br />

characterized by its hydrochemistry. Ion balances as<br />

well as salinity degree are varying significantly.<br />

Bild 1. Übersichtskarte<br />

des<br />

Untersuchungsgebiets<br />

in<br />

Unity State,<br />

South Sudan.<br />

1. Einleitung<br />

Das wirtschaftliche Leben im Südsudan ist von einer<br />

Subsistenzlandwirtschaft geprägt sowie durch Fischerei<br />

in den <strong>aus</strong>gedehnten Sümpfen des sogenannten Sudd,<br />

dem größten Sumpfgebiet der Erde. Viehzucht wird<br />

in den Weidegebieten auf den meist trockenen Hochflächen<br />

innerhalb des Überschwemmungslandes des<br />

Nils betrieben (Bild 1).<br />

Seit 1999 wird im Unity Ölfeld und seit 2006 in den<br />

Erdölfeldern Thar Jath und Mala Erdöl <strong>aus</strong> dem „Nubischen<br />

Sandstein“ gefördert, der westlich des Ostafrikanischen<br />

Grabens unter den jungtertiären und quartären<br />

Schwemmlandsedimenten des Niltales in Teufen<br />

< 1000 m ansteht [1].<br />

Durch die Erdölexploration und -förderung veränderte<br />

sich die ursprünglich ländlich geprägte Infrastruktur<br />

in dieser Region. Ein umfassendes Friedensabkommen<br />

(Comprehensive Peace Agreement – CPA)<br />

beendete am 9. Januar 2005 den langjährigen Bürgerkrieg<br />

zwischen Nord- und Südsudan. Seit dem Friedensschluss<br />

nimmt die Bevölkerungsdichte in den ehemaligen<br />

Kampfgebieten auch durch Rückkehrer wieder zu.<br />

Die Trinkwasserversorgung wird traditionell über<br />

flache Bohrbrunnen bis max. 80 m unter Geländeniveau<br />

mit Handpumpen des Typs Ajay, India-Mark II (Bild 2)<br />

<strong>aus</strong> einem oberflächennahen Grundwasserleiter sichergestellt.<br />

Eine leitungsgebundene Trinkwasserversorgung<br />

Juli/August 2014<br />

888 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Trinkwasserversorgung | FACHBERICHTE |<br />

existiert nicht, daher werden weiterhin neue Brunnen<br />

abgeteuft, um den wachsenden Trinkwasserbedarf zu<br />

decken. Seit mehreren Jahren beklagt die Bevölkerung<br />

vor allem einen zunehmenden Salzgehalt und damit<br />

verbundene Unverträglichkeiten sowie eine wachsende<br />

Viehsterblichkeit. Die Ursachen der steigenden Salinität<br />

und deren zeitliche Entwicklung waren aufgrund der<br />

kriegsbedingt fehlenden Daten nicht bekannt.<br />

Im Rahmen des humanitären Hilfsprojektes wurden<br />

acht Bohrungen in den tieferen Grundwasserleiter abgeteuft.<br />

Die Bohrungen wurden mit einer Salzgitter<br />

RB 225 im direkten Spülbohrverfahren abgeteuft, sie<br />

erreichten 200 bis 300 m Teufe, alle wurden zu Brunnen<br />

<strong>aus</strong>gebaut. Alle drei Meter wurde <strong>aus</strong> dem Spülstrom<br />

eine Sedimentprobe zur Aufnahme des geologischen<br />

Profils entnommen, anhand dessen jeweils der Brunnen<strong>aus</strong>bau<br />

mit 4,5”-PVC-Rohren festgelegt wurde [2]. Die<br />

Brunnen wurden entwickelt, hydraulisch getestet und<br />

hydrochemisch analysiert. Das humanitäre Hilfsprojekt<br />

hatte einerseits zum Ziel, der Bevölkerung ein gesundheitlich<br />

unbedenkliches Trinkwasser zur Verfügung zu<br />

stellen und andererseits die Ursachen der zunehmenden<br />

Verschlechterung der Trinkwasserqualität zu<br />

er forschen, um zukünftig eine gesicherte Trinkwasserversorgung<br />

in einem schutzfähigen Grundwasserstockwerk<br />

aufbauen zu können.<br />

Die aufgrund der durchgeführten Faziesanalyse [2]<br />

festgelegte Ausbauart und die Messergebnisse <strong>aus</strong> den<br />

Brunnen können als Bewertungsgrundlage für ein neues<br />

Erschließungskonzept für die künftige Trinkwasserversorgung<br />

der meist weit in den Sümpfen verstreuten<br />

Siedlungen im Südsudan genutzt werden.<br />

Hydrochemische Untersuchungen dienten der Identifizierung<br />

und Erkundung der möglichen Einflussfaktoren<br />

auf die Grundwasserbeschaffenheit im oberflächennahen<br />

Grundwasserleiter (Bild 3). In einem weiteren<br />

Schritt wurde die Existenz und qualitative Eignung<br />

tieferer, bisher nicht erschlossener und erkundeter<br />

Grundwasserleiter untersucht. Die Erkundung tieferer<br />

Grundwasserleiter wurde in den Regionen des Südsudans<br />

begonnen, in denen Ersatzbohrungen für die<br />

nicht mehr nutzbaren Brunnen im gleichen Grund-<br />

Bild 2.<br />

Brunnen mit<br />

Handpumpe<br />

für die ländliche<br />

<strong>Wasser</strong>versorgung,<br />

Typ Ajay,<br />

India-Mark II.<br />

Bild 3. Ionenbilanz<br />

der<br />

verschiedenen<br />

<strong>Wasser</strong>typen<br />

und ihre<br />

Herkunft.<br />

Juli/August 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 889


| FACHBERICHTE<br />

|<br />

Trinkwasserversorgung<br />

wasserleiter keine zufriedenstellende Trinkwasserbeschaffenheit<br />

ergaben. Details über die sedimentologische<br />

Abfolge von tieferen Grundwasserleitern und<br />

-stauern waren im Arbeitsgebiet bisher nicht bekannt<br />

bzw. publiziert worden. Untersuchungen von [3] im<br />

westlich angrenzenden Tschadbecken sowie von [4] in<br />

den Subsaharabecken waren zunächst Grundlagen<br />

für die Entwicklung einer ersten hydrogeologischen<br />

Modell vorstellung und die zu erwartenden Grundwasserzirkulationssysteme<br />

sowie die Neubildungsmechanismen<br />

im Untersuchungsgebiet.<br />

Bild 4. Vereinfachte Geologische Karte des Nil Beckens, Sudd-Sumpfgebiet.<br />

2. Geologische und hydrogeologische<br />

Rahmenbedingungen<br />

Das Projektgebiet liegt im Südsudan, in der Provinz Unity<br />

State (Bild 1). Es erstreckt sich über ca. 15 600 km². Der<br />

nördlichste Punkt liegt bei N 09°51‘37‘‘, der südlichste<br />

Punkt bei N 07°42‘55‘‘. Der östlichste Punkt liegt bei<br />

E 30°13‘22“, der westlichste Punkt liegt bei E 29°34‘47‘‘.<br />

Das Gebiet liegt auf 380 bis 400 m über Meeresniveau<br />

und weist ein <strong>aus</strong>geglichenes Relief auf. In den Senken<br />

bildeten sich <strong>aus</strong>gedehnte Sümpfe, die inselartig von<br />

Weideflächen und Streusiedlungen unterbrochen werden.<br />

Diese höher gelegenen Flächen sind in der Regenzeit<br />

ebenfalls weitflächig überflutet.<br />

Klimatisch zählt das Gebiet zur Zone der äquatorialen<br />

Monsune in der äu ßeren Tropenzone (Randtropen).<br />

Typischerweise liegen hier die mittleren Jahrestemperaturen<br />

>18 °C und die Jahresniederschlagsmengen<br />

>1000 mm [5]. Geomorphologisch kann das Untersuchungsgebiet<br />

in die großräumigen sedimentären<br />

Beckenstrukturen am Westrand des Ostafrikanischen<br />

Grabensystems und des Äthio pischen Hochlandes eingeordnet<br />

werden. Oberflächennah stehen mehrere<br />

hundert Meter mächtige Abfolgen jungtertiärer und<br />

altpleistozäner Lockersedimente an (Bild 4). Es handelt<br />

sich um Flussablagerungen und Seesedimente des<br />

Weißen Nils und seiner Zuflüsse, die sich zwischen den<br />

Festgesteinsaufbrüchen des kristallinen Basements im<br />

oberen Niltal gebildet haben. Im Liegenden des sedimentären<br />

Nilbeckens folgen die kreidezeitlichen Erdöl-Muttergesteine,<br />

die sich in den Rifftstrukturen nahe der<br />

Sudanesischen Scherzone gebildet haben [1]. Darunter<br />

folgt stratigrafisch der präkambrische Festgesteinssockel<br />

Ostafrikas.<br />

Das südsudanesische Becken des oberen Niltals sank<br />

im Tertiär immer weiter ab, sodass sich dort die Schuttund<br />

Erosionsprodukte der umliegenden Festgesteinssockel<br />

in mächtigen Deltaschüttungen in einem See des<br />

Jungtertiärs und Altpleistozäns sammeln konnten. Das<br />

Liefergebiet der im Projektgebiet anzutreffenden Sedimentfolgen<br />

ist in den präkambrischen Festgesteinsaufbrüchen<br />

am Süd- und Ostrand sowie in den vulkanischen<br />

Formationen des Ostafrikanischen Grabensystems<br />

zu suchen. Die letztgenannten Gesteine sind für geogene<br />

Schwermetallanreicherungen in Sedimenten und<br />

erhöhten Fluoridgehalten (>1,5 mg/L) nahe des Ostafrikanischen<br />

Grabens verantwortlich [4]. Die Grundwasserneubildung<br />

beträgt im oberen Nilbecken zwischen<br />

20 und 100 mm bei Niederschlägen >1000 mm pro Jahr<br />

[6, 7]. Der größte Teil des Niederschlags fließt seit dem<br />

Pleistozän über die Seitenarme des Weißen Nils nach<br />

Nordwesten und Norden ab oder verdunstet in der sehr<br />

flach <strong>aus</strong>geprägten Ebene des oberen Nilbeckens. Die<br />

geringe natürliche Grundwasserneubildung der oberflächennah<br />

anstehenden Grundwasserleiter erfolgt im<br />

Projektgebiet im Wesentlichen durch versickernde<br />

Niederschläge in den Wadis und Senken des Flachlands<br />

sowie durch <strong>aus</strong>sickernde, perennierende Flüsse.<br />

Das Grundwasser folgt im Untersuchungsgebiet mit<br />

vermutlich sehr flachem Gefälle dem Lauf der Flüsse und<br />

Senken, die von SE nach NW bzw. von NW nach SE zum<br />

Nil hin entwässern (Bild 5). Nach [8] bilden die<br />

Sedimentbecken des Nord-, Zentral- und Südsudans die<br />

wichtigsten und am weitesten <strong>aus</strong>gedehnten Hauptgrundwasserleiter<br />

des Landes, während die präkambrischen<br />

Sockelgesteine und das mesozoische Basement<br />

nur geringe Leiterfunktion haben. Im Untersuchungsgebiet<br />

ergeben sich nach der hydrogeologischen Modellvorstellung<br />

von [1] unterschiedliche lokale Grundwasserfließrichtungen<br />

(Bild 5). Von SE folgt der Grundwasserabstrom<br />

im oberflächennahen Grundwasserleiter dem<br />

Relief der randlich der Alluvionen auftretenden Festgesteins<strong>aus</strong>bisse<br />

in Richtung Weißer Nil. Von NE folgt das<br />

Grundwasser generell der Streichrichtung (NW-SE) des<br />

South Sudan Rift (SSR) und der tributären Zuflüsse zum<br />

Weißen Nil. Somit treffen im Unter suchungsgebiet nahe<br />

dem Nilbogen östlich der Stadt Bentiu zwei Grundwasserfließrichtungen<br />

aufeinander. Ös