Z12 Die Frage nach dem Fundament

pischka

Welche Werte prägen unsere Gesellschaft und worauf sind diese gegründet?
Vollversion 60 Seiten

D a s U m d e n k I m p u l s Z u k u n f t s G e s t a l t u n g s M a g a z i n

www.ZfürZukunft.de • ZKZ 21087 • Einzelpreis: 4,95 CH: 7,90 CHF

f ü r Z u k u n f t

► Gottlos glücklich?

Gottesdienste ohne Gott


ARD fürchtet sich vor Christen

mit Fundament

► Ursachen des dramatischen

Identitäsverlusts Europas

► Indischer Philosoph über die

Seele der europäischen Kultur

► Erlösung ohne Erlöser –

Spiritualität einer modernen

Gesellschaft


Abschied vom Reformations-Erbe

Die EKD zum Luther-Jubiläum

► Bröckelnde Fundamente

vom ersten Jahrhundert an

Die Frage

nach dem

Welche Werte prägen

unsere Gesellschaft und

worauf sind diese gegründet?

Z für Zukunft

A u s g a b e # 1 2 N o v e m b e r - D e z e m b e r 2 0 1 4

1


Inhalt

Herausgeber: Zukunft-Europa e.V.

setzt sich für die zukunftstragenden

Werte der Gesellschaft ein und weist auf

wertezerstörende Trends hin.

Vorstand: Peter Ischka, Dr. Martin Fontanri,

Hansjürg Stückelberger, Christa Meves,

Sr. Dogan Hatune, Dr. Bernard Siegfried,

Dr. Udo Ulfkotte

Redaktion: Peter Ischka

Anschrift: Zukunft-Europa e.V.

Postfach 1409 • 73014 Göppingen

Tel. 0171 1200983 • www.ZwieZukunft.de

info@ZwieZukunft.de

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CH 8406 Winterthur, info@zukunft-ch.ch

Z-Kontakt in Österreich:

Z für Austria, Vord.Achmühle 3c,

A 6850 Dornbirn, austria@ZwieZukunft.de

Lektorat: Gabriele Pässler,

www.g-paessler.de

Satz und Gestaltung:

Agentur PJI UG, Adelberg

Druck: Primus GmbH, 56307 Dernbach

Erscheinungsweise

4 x jährlich

Abopreis: € 29,– für 6 Ausgaben, inkl. Versand

in Deutschland. Einzelexpl.: € 4,95

Copyright

Wenn nichts anderes vermerkt ist, liegen

alle Rechte bei Zukunft-Europa e.V.,

Nachdruck und weitere Veröffentlichung

nur auf Anfrage bei der Redaktion.

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Titelbild: Montage, © Agentur PJI,

Joe Belanger/designpics/123RF Stockfoto

Leitthema

Die Fundamente Europas

Die Frage nach den Ursachen des dramatischen

Identitätsverlusts Europas 4

Aufklärung

In der frühen Trennung von Kirche und Staat

hat sich Europa auf einen Sonderweg begeben 7

Spiritualität

Erlösung ohne Erlöser

Über den Wandlungsprozess des Spirituellen

in modernen Gesellschaften 9

Kirche & Gesellschaft

Abschied vom Reformations-Erbe

Über die EKD-Schrift „Rechtfertigung und Freiheit.

500 Jahre Reformation 2017“ einen Grundlagentext

zum bevorstehenden Luther-Jubiläum 12

Bröckelnde Fundamente

von den ersten Jahrhunderten an – Was

hatten die ersten Christen, das heute fehlt? 16

Fundament der Gesellschaft

Fünf Blinde und ein Elefant

Ein indischer Philosoph sieht in der Bibel die

wahre Seele der westlichen Kultur 20

Das Buch, das die Welt verändert

Cunningham fragt: Wird China führende Nation

der Erde werden? Prinzipien, die das ermöglichen,

hat er im Buch der Bücher entdeckt 29

Testimonial

Bei deinem Namen gerufen

Christa Meves erinnert sich, sie als 19-Jährig im

Bombenhagel ihr Ende vor Augen hatte 33

Glauben & Gesellschaft

Zukunftswerte allgegenwärtig

Leben in einer zukünftigen Parallelwelt, in der Gegenwart

und ewiges Leben – nicht nur auf Googleservern 37

Medien & Gesellschaft

Wie der Teufel das Weihwasser

– so fürchtet die ARD Christen mit Fundament.

NDR-Doku „Mission unter falscher Flagge“ 41

Glaube & Gesellschaft

Gottesdienst – ohne Gott

Sonntagsveranstaltungen für Menschen ohne Religion, nun

startet die „Kirche“ für Atheisten, auch in Deutschland 45

Gottlos glücklich

Vor Ostern wirbt eine Initiative für Kirchenaustritte und die

Eliminierung des Glaubens aus dem öffentlichen Raum 46

Der Gottesbeweis

Die Existenz Gottes auszuschließen ist eigentlich

unwissenschaftlich, hier ein Einblick in die Geschichte 49

Interview mit Paulus

AUFERSTEHUNG – MUSS das denn SEIN? 51

GLAUBEN – die große Unbekannte

„Nicht-Wissen“ oder die höchste Dimension des Wissens 55

Werte & Wirschaft

Unsere Beweg-Gründe

Der Weg zu einem werteorientierten wirtschaftlichen

Handeln nach christlichen Maßstäben lohnt sich 56

2

Z für Zukunft


Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser,

über Werte zu sprechen ist chic. Vielen sind Werte wichtig! Aber

nicht immer ist es klar, um welche Werte es sich handelt, und noch

weniger, wo diese eigentlich ihren Ursprung haben. In dieser Ausgabe

versuchen wir zu beleuchten, auf welchem Fundament die europäische Kultur gegründet

ist. Jemand, der auf gutem Fundament baut, hat bekanntlich bessere Aussichten

als jene, die auf Sand gebaut haben.

Für den evolutionären Humanismus haben das Leben und die Natur einen hohen Wert;

den Menschen sieht man aber nur als unbeabsichtigtes Produkt der natürlichen Evolution,

das sich nur graduell, nicht aber prinzipiell vom Tier unterscheidet. Marxismus und

Nationalsozialismus samt ihren entsetzlichen Folgen waren erst möglich, nachdem der

Mensch vom Ebenbild Gottes zum Tier degradiert worden war. Auch eine Gender-Ideologie

kann nur unter dieser Perspektive funktionieren.

Ist es nicht erstaunlich, kaum hatte man sich durch die Aufklärung vom „Ballast“ eines

Gottes befreit, tat sich eine Sinnlücke auf – und gerade die „nüchternen“ Köpfe der

Kämpfer gegen Kirche und Establishment begeisterten sich für fernöstliche Geister sowie

für spiritistische Totenbefragungen. Politisch links und kosmisch erleuchtet, das ist

bis heute kein Widerspruch. Nur wer sich auf die „gestrigen“ christlichen Eckpunkte bezieht,

wird der Lächerlichkeit preisgegeben.

Da muss schon ein indischer Philosoph kommen, um uns zu sagen: „Die Bibel ist die

wahre Seele der abendländischen Kultur. Sie war die Kraft, die die westliche Kultur in

alle Welt trug, auch zu uns nach Indien.“ Ein Prophet gilt ja im eigenen Land bekanntlich

nichts.

Ich wünsche eine inspirierende Lektüre, stehen Sie gut auf festem Fundament,

dann wird auch etwas Gegenwind nicht gleich zum Problem.

Es ist erstaunlich, welche

spooky Dinge in unserer

„modernen“ Welt salonfähig

sind, wenn man

sich aber auf das solide

christliche Fundament bezieht,

wird man ziemlich

schief angesehen. Läuft

da etwas verkehrt?

Peter Ischka

Chefredakteur

PS: Wenn Sie meinen, dass diese Ausgabe Licht bringt in diese Frage des Fundamentes

unserer westlichen Kultur, dann geben Sie diese »Z« an Menschen weiter, die so einen

Impuls auch nützen können. Bestellen Sie dazu einige Hefte nach.

Z für Zukunft

3


Leitthema

Foto: © Montage, Agentur PJI UG

Die Fundamente Europas

Die Frage nach den Ursachen des dramatischen Identitätsverlusts Europas

Hansjürg Stückelberger

Foto: © Joe Belanger/123RF Stockfoto

Pläne für

Bildungssysteme

entpuppen

sich als

gesellschaftszerstörend.

Der

Familie soll der

Boden entzogen

werden

... Hellseher, Astrologen, Hexen

und andere „Helfer“ in den

Lebensnöten unserer Zeit

Grenzenlose Orientierungslosigkeit

Europa verhält sich wie ein Schiff ohne Kompass.

Die Passagiere vergnügen sich, es droht zwar

keine Sturmflut, aber das Schiff fährt ziellos im

Kreis. Wo ist die Orientierung?

Die Bedeutung von Ehe und Familie zerfällt. Immer

wieder tauchen neue Konzepte über Kindererziehung

auf, sorgen für neue Diskussion. Pläne für

Bildungssysteme werden entworfen, als ob die Generationen

vor uns davon nichts verstanden hätten.

Vordergründig menschenfreundlich, entpuppen sie

sich, erwägt man die Folgen, als gesellschaftszerstörend.

Liebe, Solidarität und Verantwortungsgefühl

werden ja vor allem in intakten Familien eingeübt,

aber hier wird der Familie der Boden entzogen.

Man beklagt die schwindende Bereitschaft der

Bürger, in der Öffentlichkeit Verantwortung zu

übernehmen, aber gleichzeitig fördert man die

Bevormundung durch staatlich erzwungene frühkindliche

Betreuung.

Pausenlos wird die unantastbare Würde des

Menschen beschworen, während gleichzeitig

das Recht auf Tötung von Ungeborenen als Menschenrecht

eingefordert wird.

Wenn Kirchen klarmachen, dass es nicht nur

relative, sondern auch absolute Werte gibt, wirft

man ihnen Meinungsdiktatur vor, zeigt sich aber

dennoch empört, wenn Chefetagen von „relativer“

Ethik Gebrauch machen und der Korruption verfallen.

Nach der Ablehnung göttlicher Autorität versucht

man die eigene Ratlosigkeit hinter der unantastbaren

Autorität der veröffentlichten Meinung

zu verstecken und merkt nicht, wie dabei

das eigene Denken abgeschaltet wird.

In der Stadt Zürich gibt es laut Telefonbuch

etwa 250 Geistliche in verschiedenen Kirchen.

Die Zahl der Psychiater, Psychotherapeuten und

anderer akademisch geprüfter Lebensberater beläuft

sich auf über 1600! Hinzu kommen Hellseher,

Kartenleger, Astrologen, Hexen und andere

„Helfer“ in Lebensnöten. Das Bedürfnis nach Beratung

und Orientierung ist gigantisch, und der

finanzielle Aufwand dafür im privaten und staatlichen

Bereich geht in die Milliarden.

4

Z für Zukunft


Leitthema

Die Schadensanalysen-Ohnmacht

Die mit dieser Orientierungslosigkeit verbundene

Ratlosigkeit zeigt sich in der Unfähigkeit, Bedrohungen

der eigenen Freiheit und Identität überhaupt

noch zu erkennen. So lässt sich beispielsweise

der Islam in keiner seiner Ausprägungen

auch nur ansatzweise mit Demokratie und Gedankenfreiheit

vereinbaren. Das beweisen nicht

nur die 1400 Jahre der meist massiv gewaltsamen

Ausbreitung des Islams. Die täglichen Nachrichten

zeigen das grausame Vorgehen des IS und damit das

wahre Gesicht des Islams, aber das wollen unsere

blauäugigen westlichen Politiker eben nicht wahrhaben.

In allen vom Islam dominierten Ländern werden

Christen und Angehörige anderer Religionen

seit jeher als Menschen zweiter Klasse behandelt

und, wenn sie sich nicht der Scharia beugen, bis aufs

Blut verfolgt. Dennoch findet man bei uns kaum

wirksame Mittel, um die Gefahr einer Verdrängung

unserer eigenen kulturellen Fundamente

durch den Islam abzuwenden.

Die zweite Hauptgefahr für unsere Gesellschaft

liegt in der Gender-Ideologie

Hinter diesem Wortgebilde steht die Behauptung,

die angeborene Sexualität müsse durch die freie

Wahl des Sexualverhaltens ergänzt, ja ersetzt

werden. Das geschlechtliche Verhalten sei ein reines

Produkt aus Erziehung und Kultur. Es gebe

kein angeborenes männliches oder weibliches

Verhalten. Kinder sollten sich, so die Gender-Ideologen,

daher früh entscheiden, ob sie hetero-,

homo-, bi- oder transsexuell leben wollen. Schon

im Kindergarten sollten sie darüber aufgeklärt

und zum Ausprobieren der verschiedenen Möglichkeiten

angehalten werden.

Wer das propagiert, plant den größten

und fatalsten gesellschaftlichen Umbau der

Menschheit. Die innere Verunsicherung wird

unermesslich zunehmen. Chaos und Niedergang

werden zum Programm. Dennoch wird diese Ideologie

auch in Deutschland staatlich gefördert und

an Universitäten gelehrt.

Foto: © Honestly Concerned e.V.

Wann begann die Werte-Zerstörung?

Oft wird die 68er-Bewegung für diesen Werte-Zerfall

verantwortlich gemacht. Doch lange, bevor diese

Flut kam, waren die Dämme bereits durchgeweicht.

Es begann mit René Descartes (1596–1650).

Damals befand sich etwa die evangelische Kirche

noch auf dem Weg in die Orthodoxie, wofür u. a. Johann

Sebastian Bach (1685–1750) mit seinem ganzen

Werk steht. Der Katholik Descartes wollte mit

seinem Satz „cogito ergo sum“ (Ich denke, also bin

ich) nicht den Glauben hinterfragen, sondern die

Gotteserkenntnis auf den „sicheren“ Boden des

Verstandes stellen. Damit hat er aber die biblische

Offenbarung als Quelle der Gotteserkenntnis abgelehnt.

Nicht umsonst wurde er von seiner Kirche

bekämpft. Dennoch wurde es im Cartesianismus

Trend, die Fragen „Wer ist Gott?“ und „Wer ist der

Mensch?“ allein mit dem Verstand zu beantworten.

Die Folgen waren dramatisch. Als Darwin 1859

in seinem Epoche machenden Buch „Die Entstehung

der Arten“ den Menschen nicht als Gottes

Ebenbild, sondern als höher entwickeltes Tier

definierte, jubelten ihm viele Intellektuelle zu.

Endlich wurde das Wesen des Menschen als Tier

„wissenschaftlich“ durch eine Theorie bewiesen.

Schließlich hatte schon Immanuel Kant (1724–

1804) den Menschen als Tier bezeichnet. 1

Der Marxismus und der Nationalsozialismus

samt ihren entsetzlichen Folgen wurden erst möglich,

nachdem das Ebenbild Gottes zum Tier gemacht

worden war. Auch die 68er- und die Gender-

Ideologie setzen voraus, dass der Mensch nicht

Gottes Ebenbild ist. Leider waren die institutionalisierten

Kirchen zu schwach, um die Abkehr vom

christlichen Menschenbild als Maßstab öffentlichen

Handelns zu verhindern. Friedrich Nietzsche

(1844–1900) hatte wohl recht, als er in seiner berühmten

Geschichte vom „tollen Menschen“ sagte:

Foto: © Wallarthd.com

Während Christen sich

hinter ihren Kirchenmauern

verstecken, wird der praktizierte

Islam öffentlich zur

Schau gestellt

Der Nationalsozialismus

samt

den grausamen

Folgen wurden

erst möglich,

nachdem das

Ebenbild Gottes

zum Tier gemacht

worden war

Z für Zukunft

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Leitthema

Bild: © Wikipedia

Foto: © Wikipedia/Sandra Buhmann

Werder sind höher

gelegen und daher

vor Hochwasser

geschützt

Dieses Heft finden Sie als

Beilage in dieser Ausgabe.

Weitere erhältlich bei:

www.kirche-in-not.de/shop

kontakt@kirche-in-not.de

089-64 24 888-0

Die Französische

Revolution brachte keine

Demokratie, sondern den

Terror der Guillotine

„Wohin ist Gott? … Wir haben ihn getötet, ihr und

ich!“ 2 Am Zerfall der Werte und der damit verbundenen

Orientierungslosigkeit haben sich die Kirchen

mitschuldig gemacht.

Die Wiedergewinnung unserer Identität

Das Wort „Wert“ stammt vom mittelhochdeutschen

Begriff „Werder“, ein Ort, der bei Hochwasser

nicht überschwemmt wird. Wer auf den Werder

baut, hat nicht auf Sand gebaut. Wir werden

aus unserer Orientierungslosigkeit nur herausfinden,

wenn wir unsere Gesellschaft wieder auf feste

Fundamente stellen.

Im Buch Mose 3 wird der Mensch als Gottes

Ebenbild definiert. Damit wird ihm die höchste

nur denkbare Würde zugesprochen. Nur durch

diese von Gott gegebene Würde lässt sich das Ver-

Worauf gründet sich Demokratie?

Die Demokratie ist aus dem christlichen

Menschenbild entstanden und funktioniert

nur, wenn die Mehrheit der Bevölkerung

diesem Werteverständnis verpflichtet ist.

bot von Misshandlung, Versklavung, Abtreibung

und Völkermord zwingend begründen. Wenn es

keinen Gott gibt und der Mensch ein Tier ist,

dann findet sich immer wieder eine willkürliche

Ideologie, die Misshandlungen und Massenmorde

erlaubt oder sogar gebietet.

Zur Schöpfungsordnung gehört die Freiheit.

Weil Gott absolut frei und zugleich Liebe ist, hat

er auch seinen Ebenbildern dieses große Maß an

Freiheit eingeräumt, damit sich seine Liebe zu

den Menschen in der Gesellschaft widerspiegelt.

Jedes gesellschaftliche System, das diese

Ordnung missachtet oder gar zerstört, schadet

sich selbst und arbeitet langfristig am eigenen

Untergang.

Wir Europäer werden die Zukunft nur gewinnen,

wenn wir uns auf die ewigen Werte besinnen,

von denen wir herkommen, und allen Versuchen,

sie zu verdrängen oder zu zerstören, entschlossen

widerstehen. Von Robert Schumann, einem der

Gründerväter der EU, stammt das Wort: „Die (europäische)

Demokratie wird eine christliche sein

oder nicht bestehen bleiben.“ 4

1 Volker Gerhardt, „Immanuel Kant: Vernunft und Leben”, S. 253 ff.

2 Edith Düsing, „Nietzsches Denkweg”, S. 482.

3 1. Mose 1,26.

4 Jörg Gutzwiller, „Das Herz, etwas zu wagen”, S. 291.

Man könnte die Demokratie mit einem schönen Haus vergleichen. Die Frage ist, welche Menschen

es bewohnen. Demokratie kann missbraucht werden, von Links wie von Rechts. Nicht nur in Afrika

halten sich Diktatoren mit „demokratischen Wahlen“ an der Macht.

Demokratische Staatsformen wurden schon

im alten Athen und in Rom ausprobiert. Aber sie

galten nur für die Freien, also für etwa ein Drittel

der Bevölkerung, und wurden verhältnismäßig

bald wieder aufgegeben. Als Ursprung unserer

Demokratie nehmen viele die Französische Revolution

an und nennen dabei Jean Jacques

Rousseau, dessen 300. Geburtstag vor Kurzem

groß gefeiert wurde. Dem widerspreche ich.

Rousseaus Ideen schufen keine Gleichheit, keine

Brüderlichkeit, keine Freiheit und keine Demokratie,

sondern den Terror der Guillotine. Die

direkte Folge war der Diktator Napoleon; er überzog

Europa mit Kriegen, die Hunderttausende

das Leben kosteten.

6

Z für Zukunft


Leitthema

Daneben gab es die aus dem anglikanischen

England geflohenen Reformierten, die „Pilgerväter“.

1620 zogen sie auf der Mayflower vom englischen

Plymouth aus nach Westen und brachten

die Demokratie nach Amerika. Sie lebten gemäß

den von Calvin eingeführten Werten, bei der zur

Wahl der Presbyter alle Gemeindeglieder stimmberechtigt

waren. Das wurde zum Vorbild für den

politischen Aufbau der amerikanischen Gesellschaft.

Als 1787 – also Jahre vor der Französischen

Revolution – die US-Verfassung angenommen

wurde, war die Demokratie dort schon längst

eine Selbstverständlichkeit. Ebenso selbstverständlich

war die große Mehrheit der Bürger, ob

gläubig oder liberal, dem christlichen Menschenbild

und seinen Werten verpflichtet. Die amerikanische

Verfassung ist bis heute Vorbild für demokratische

Prozesse.

Pfr. Hansjürg Stücklberger, Gründer der Menschenrechtsorg

anisation „Christian Solidarity International“ und Präsident von

„Zukunft CH“

Bild: © Wikipedia

Die Unterzeichnung der Verfassung der Vereinigten Staaten

am 17. September 1787 mit George Washington, Benjamin

Franklin und Alexander Hamilton (v.r.n.l. im Vordergrund), Gemälde

von Howard Chandler Christy.

AUFKLÄRUNG

Die spezifisch europäische Erscheinung der Aufklärung hat ihre Wurzeln in der frühen

Trennung von Kirche und Staat. Damit hat sich Europa aus der Menschheitsgeschichte

herausgelöst und auf einen Sonderweg begeben.

Thomas Bargatzky

Immanuel Kant definierte 1784 „Aufklärung“

mit dem berühmten Satz: „Aufklärung ist der

Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten

Unmündigkeit“. 1 Neben Industrialisierung

und Säkularisierung ist die Aufklärung

ein wichtiges Kennzeichen der Moderne. Wer die

Aufklärung auf den Prüfstand der Kritik stellt,

macht sich höchst verdächtig.

Die Aufklärung ist eine spezifisch europäische

Erscheinung, die ihre Wurzeln tief in der schon

früh einsetzenden Trennung von Kirche und Staat

in Spätantike und Mittelalter hat. Durch die Aufklärung

trat Europa aus der Geschichtsgemeinschaft

der Weltkulturen aus und begab sich auf

einen Sonderweg, heraus aus der Ethik der konzentrischen

Ordnung. Dort gilt der Vorrang der

primären Beziehungen. Am meisten fühlt man

sich dem ‚Nächsten’ verpflichtet: der Familie,

dem Clan, dem Dorf, der ‚Ethnie’ oder dem Volk,

dem man angehört.

Die konzentrische Ordnung wurde in der Moderne

vom Primat des Allgemeinen abgelöst.

Unter diesen Bedingungen veränderte sich in

Europa nicht nur das Gefüge der Beziehungen

der Menschen zueinander, sondern auch die Beziehung

des Menschen zu Gott. Die Forderung

nach Gleichförmigkeit führt zum Verzicht auf

jegliche Unterscheidung zwischen Heiligem und

Profanem.

Aber verdankt sich denn die moderne Wissenschaft

nicht der Aufklärung – und hat sich Europa

denn nicht durch seine Wissenschaft an die Spitze

Bild: © Wikipedia

„Aufklärung ist der Ausgang

des Menschen aus seiner

selbstverschuldeten

Unmündigkeit“, meinte

Immanuel Kant

Z für Zukunft

7


Leitthema

Den säkularen

Utopien von

Hitler, Stalin und

Mao fielen in

kurzer Zeit mehr

als 100 Millionen

Menschen zum

Opfer

Foto: © DigitalGraphics

Man wollte der

Unterdrückung durch die

Kirche entkommen, und das

mit Recht, hat dabei aber

das Kind mit dem

Bade ausgeschüttet

der kulturellen und zivilisatorischen Weltentwicklung

gestellt? Was also sollte an der Aufklärung Klassenvernunft sind derzeit nicht mehr in Mode,

Massenmorde im Namen einer Rassen- oder

kritikwürdig sein?

dafür wird heute im Westen im Namen einer ‚Aufklärung’,

die jegliches Maß verloren hat, den

Ohne die Reformation mit ihrer Wertschätzung

Grundlagen des menschlichen Zusammenlebens

des Individuums und seiner Eigenverantwortung

der Boden entzogen. Im Namen der Utopie von

hätten sich moderner Individualismus, Aufklärung

und Kapitalismus wohl kaum entwickeln

der ‚einen Welt’ werden die natürlichen Unterschiede

der Geschlechter geleugnet. Die Familien

können.

sollen zerstört, die Nationen aufgelöst, die Kulturen

und Traditionen durcheinandergewürfelt

Die Aufklärung trat ursprünglich für die

Emanzipation des Denkens und Handelns von

werden, bis alle Unterschiede ausgelöscht sind.

Kirche und Christentum ein, aber nicht für die

So weit wird es wohl nicht kommen, aber als Gewinner

könnte am Ende der Islam dastehen, dem

„Befreiung“ des Menschen von Religion an

sich. Die meisten Aufklärer strebten nach der

sich Europas spirituell Entwurzelte schon heute

Aufrichtung einer zukünftigen ‚Vernunftreligion’.

in die Arme werfen.

Die Befreiung aus der ‚selbstverschuldeten Unmündigkeit’

lief jedoch ‚aus dem Ruder’. Beim Prof. Dr. Thomas Bargatzky (geb. 1946) ist Professor für

Ethnologie an der Universität Bayreuth (im Ruhestand). Er

Versuch, mit den Mitteln der Vernunft das Paradies

auf Erden zu schaffen, wurde das Tor zur Südwesten durch. Letzte Buchveröffentlichung: „Mythos, Weg

führte Forschungen in Polynesien und im nordamerikanischen

Hölle aufgestoßen, denn an die Stelle der Herrschaft

der Kirche trat nicht die Herrschaft der

und Welthaus“ (Münster 2007).

1 Vgl. Dinesh D’Souza, „The Enemy at Home. The Cultural Left and Its

Vernunft, sondern die Herrschaft der Ideologien. Responsibility for 9/11”. New York: Doubleday 2007, S. 195; Peter

Die Zahl der Opfer der spanischen Inquisition Segl: „Die Inquisition – eine schwarze Legende?“ In: H. Alrichter et

al. (Hrsg.), Mythen in der Geschichte. Freiburg i. Br. 2004, S. 285.

in ihrer 350-jährigen Geschichte wird von der

2 Immanuel Kant: „Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?”

seriösen Geschichtsforschung auf ungefähr Erstmals erschienen im Dezemberheft 1784 der Berlinischen

5000 geschätzt. Jedes Einzelne dieser Opfer ist Monatsschrift. Hier zitiert nach dem Abdruck in Immanuel Kant,

tragisch und zu viel.

Werke in sechs Bänden, Band 6, S. 162–170, herausgegeben von

Rolf Tomann, Köln (Könemann) 1995. S. 162.

Aber den säkularen Utopien von Hitler,

Stalin und Mao fielen in kurzer Zeit mehr als

100 Millionen Menschen zum Opfer. 2

8 Z für Zukunft


Spiritualität

Foto: © flickr/T2C, Susanne Bowling & Amanjeev Montage

Erlösung ohne Erlöser

DER SPIEGEL 31/2013 brachte einen Beitrag von Manfred Dworschak zu Ergebnissen des Anthropologen Peter

van der Veer vom Göttinger Max-Planck-Institut zur Erforschung multireligiöser und multiethnischer Gesellschaften

über den Wandlungsprozess des Spirituellen in modernen Gesellschaften. Lesen Sie hier eine Zusammenfassung.

Roland Andergassen

Massen-Yoga auf dem

Time Square, New York

Für van der Veer gehört Spiritualität mit allen

anderen säkularen Ideen von Gleichheit,

Demokratie und Menschenrechten, die in

der Aufklärung entstanden sind, zu den zentralen

Elementen der Moderne, die sich gegen die althergebrachten

Gesellschaftsordnungen und Wertevorstellungen

richten. Auf der Suche nach Alternativen

zu den institutionalisierten Religionen haben

sich westliche Intellektuelle, Künstler oder Vordenker

bald nach östlicher Spiritualität und

Mystik ausgestreckt, womit sie eine Sinnlücke

füllen wollten, die sich durch die Aufklärung für

viele aufgetan hatten. Die Liste derer, die dieses

Gedankengut in ihrer Werke einfließen ließen, liest

sich wie ein Who´s who der europäischen Geisteswissenschaft:

von Voltaire über Herder, Humboldt und

Schlägel bis hin zu Schopenhauer oder Goethe, der in

seinen „Faust“ altindische Elemente eingebaut hat.

Der Göttinger Wissenschaftler befasst sich

auch mit dem indischen Mönch, der die eigentlich

abschreckenden okkulten Traditionen des Hinduismus

für den Westen kompatibel zu machen versucht

hatte, Swami Vivekananda. Ausgerechnet an

einem 11. September, allerdings bereits im Jahre

1893, trafen sich tausende Gefolgsleute aller möglichen

Götter zum Weltparlament der Religionen

in Chicago. Der Inder betrat ungebeten die Rednerbühne

und erklärte, viel zu lange schon hätten

Fanatiker die Welt beherrscht. Sein Glaube

hingegen lehre die Menschheit allumfassende

Toleranz. Für ihn seien alle Religionen gleich

wahr – so wie alle Ströme ins Meer münden.

Mit dieser Rede öffneten sich für den Hindu

in den USA alle Türen, später auch in Europa.

Was wir irrtümlich für uralte indische Spiritualität

halten, ist eine Erfindung dieses Mannes –

Foto: © Universität Göttingen

Peter van der Veer,

Anthropologe am

Göttinger Max-Planck-

Institut

Z für Zukunft

9


Spiritualität

Foto: © claudiasbazar.com

Foto: © Wikipedia/Thomas Harrisan, 1893

Seine

grausame

Göttin Kali hat

der Guru dem

Westen schön

verpackt

untergejubelt

Was wir irrtümlich für uralte

indische Spiritualität halten,

ist eine Erfindung dieses

Inders: Swami Vivekananda

dem Westen auf den

Leib geschneidert. Peter

van der Veer geht

der Frage nach, wie es

möglich war, dass der

Westen sich so von der

asiatischen Spiritualität

bezaubern ließ. Vivekananda

wusste offensichtlich,

was die

Menschen hören wollten.

Andererseits verschwieg

er ihnen wohlweislich,

was sie nicht

hören sollten, nämlich

wes Geistes Kind seine

Spiritualität war:

allen voran die Göttin

Kali, die mit langgestreckter

Zunge auf

dem Gott Shiva herumtrampelt,

um den Hals eine Kette geköpfter

Schädel, in einer der vielen Hände ein frisch

geköpftes bluttriefendes Haupt. Erinnert uns

das nicht an Vertreter einer anderen „friedlichen“

Religion, die gerade im Blutrausch köpfend durch

den Nord-Irak und Syrien ziehen?

Die geistigen Wurzeln Vivekanandas führen zu

dem Mystiker Ramakrishna, einem Priester in einem

Tempel der Göttin Kali. Ramakrishna praktizierte

und lehrte eine ekstatische Form des Tantra-Yogas.

Vivekananda war sein Lieblingsschüler;

später entwickelte er eine moderne, überarbeitete

Version der religiösen Ideen und Praktiken seines

Meisters.

„Was wir heute unter asiatischer Spiritualität

verstehen“, fasst der Anthropologe van der Veer

zusammen, „ist vor allem das Produkt von Vivekananda.“

„Überall in Europa suchten Menschen

nach einer Alternative zur vorherrschenden Religion.

Die Christenkirchen erschienen als zu

dogmatisch und unfroh. Wer aber nicht ganz

ohne höheren Sinn auskommen konnte, litt

unter dieser Lücke.“ Bei vielen Denkern war das

indische Angebot bald große Mode.

In seinen Vorträgen stellte Vivekananda seine

Heimat als die Wiege der Spiritualität und religiösen

Hingabe dar – im Gegensatz zur Zivilisation

des Westens, die bei allem technischen Fortschritt

dem Materialismus verfallen sei. Dabei passte er

die Spiritualität des Hinduismus dem westlichen

Materialismus, dessen Lebensstil und Zeitgeist,

so hervorragend an, dass diese in Yogaübungen

verpackte Religion als Weg der Selbstoptimierung

für moderne Arbeitnehmer auch für Markt

und Wirtschaft salonfähig wurde.

Erlösung ohne Erlöser – das große Versprechen

dieses Hinduismus

„Du kannst ein anderer Mensch werden durch Experimente

mit dem Leib“, stellte der Anthropologe

fest. Die Yogis und Fakire bewiesen, was man mit

seinem Körper alles anstellen konnte. Auch das

Yoga machte Vivekananda für den Westen salonfähig.

Denn die heiligen Nichtsnutze in Indien, die

sich auf Kosten der Allgemeinheit durchbettelten,

gingen selbst ihren Landsleuten auf die Nerven –

das machte sie nicht gerade zu einem guten Aushängeschild

für den Westen.

Vivekananda versteckte die unattraktiven Götter

und die umständlichen Rituale und ließ nur

die Meditation übrig, die Kunst der Versenkung.

Die unschönen Götter sind nicht zu zimperlich,

um undercover in einer neuen verwestlichten

Yoga-Variante Einzug in das Innere der Menschen

zu halten. Das ursprüngliche Yoga bestand aus

einem Wirrwarr erlösungsdienlicher Übungen;

Vivekananda erklärte Yoga zu einer indischen

Wissenschaft, die zu einem höheren Bewusstsein

führe. Van der Veer bezeichnet Yoga als eine Art

„Spiritualität light“.

Im Westen schlug dieses „Yoga-West“-Konzept

total ein – interessant: Gerade aufgeklärte Köpfe

ließen sich bezaubern, unter ihnen auch Kämpfer

gegen Kirche und Establishment. Man warf Gott

hinaus, ließ dafür aber jede Menge Geister herein.

„Politisch links“ und „kosmisch erleuchtet“

war kein Widerspruch. Der sozialistische Klassenkampf

hinderte nicht daran, sich gleichermaßen

für fernöstliche Geister wie für „moderne“

Wissenschaft zu begeistern – Spiritismus wurde

kurzerhand zur „modernen Wissenschaft“ ge-

10

Z für Zukunft


Spiritualität

zählt und schon war die Erde wieder rund. „An

dem einen Abend luden sie einen Forscher zum

Vortrag über die Evolutionstheorie“, so van der

Veer, „und am nächsten Abend kam das Beschwören

von Geistern an die Reihe.“ Auch wer radikal

gegen die alte Ordnung auftrat, versuchte sich

mit übersinnlichen Kräften zu verbünden. Gläserrücken

galt bei linken Spiritisten als moderne

Errungenschaft. Die Toten sollten ihnen sagen,

was nach dem Tode kommt. Man erhoffte sich aus

dem Jenseits die Weisheit alter Meister. Insider

wissen aber, dass dabei nicht die Toten sprechen,

sondern destruktive dämonische Mächte, die sich

u. a. in der blutrünstigen Göttin Kali zeigen.

Die Aufklärung hat nicht einfach die Welt

entzaubert. Viele wollten nun selber zaubern,

wollten mit den übersinnlichen Mächten ihre

eigenen Erfahrungen machen. „Zwar kommt

nur selten das heraus, was man sich erhofft hat“,

sagt Religionsforscher van der Veer, „aber im

Zweifelsfall war eben das Experiment falsch angelegt.“

Dieser spirituelle Eigensinn war kennzeichnend

für den Übergang in die Moderne. Esoteriker

lösten sich von der kirchlichen Lehre.

Freimaurer, Rosenkreuzer, Illuminaten, sie alle

nahmen sich die Freiheit heraus, ihr Weltbild

selbst zu basteln.

Führende Aufklärer sympathisierten mit den

Esoterikern – ein religiöses Grundmuster schien

sie beide anzutreiben: Sie studierten uralte

Schriften, versuchten sich an der Beschwörung

von Toten. Dabei erhoffte man sich die Vervollkommnung

des Menschen aus eigener Kraft, eben

die Erlösung ohne Erlöser.

Auch namhafte Wissenschaftler begeisterten

sich für das Übersinnliche. Alfred Russel Wallace

etwa, neben Darwin ein Mitbegründer der Evolutionstheorie,

sprach mit den Geistern von Toten.

Der Philosoph Peter Sloterdijk verweilte im indischen

Pune, bei dem cleveren Menschenfischer

Bhagwan, dessen Aschram unter gebildeten Sinnsuchenden

des Westens damals als die Weltzentrale

der Erleuchtung galt.

Foto: © YouTube-screenshot/ kessthebest1

In der Aufklärung hatte man sich nach Immanuel

Kant (1784) von der „selbstverschuldeten

Unmündigkeit“ befreien wollen; so bezeichnete

dieser die Bevormundung durch die Kirche

und letzten Endes durch Gott. Man wollte sich

von der Ethik der konzentrischen Ordnung verabschieden.

„Nichts mehr über mir! Der Mensch

das Maß aller Dinge!“ Früher hatte man sich dem

Nächsten verpflichtet gefühlt: der Familie, dem

Dorf, dem Volk, am Ende Gott. Aber kaum hatte

man sich durch die Aufklärung von dem „Ballast“

eines Gottes befreit, tat sich eine Sinnlücke auf,

die es nun wieder zu füllen galt. Man hatte sich

Gottes entledigt, aber die Geister, die man daraufhin

rief, die bekommt man nun nicht mehr

los, wie es schon Goethe in seinem „Zauberlehrling”

festgestellt hat.

Jeder Fluss mündet in ein Meer. So weit, so gut.

Doch das bedeutet noch lange nicht, dass jede Religion

bringt, wonach der Mensch so sehnlich

sucht – eine Erlösung. Schon Münchhausen hat

bekanntlich sich selbst samt seinem Ross am eigenen

Schopf aus dem Sumpf gezogen – doch jedes

Kind weiß, dass das eine Lügengeschichte ist.

Möglicherweise hat die Erlösung mit

Erlöser größere Chancen auf Erfolg.

Dr. Roland Andergassen, Jurist, leitende Funktion in der

Verwaltung einer Stadt in Österrreich, Brückenbauer zwischen

Konfessionen und Religionen. Glücklich verheiratet und Vater

von zwei Töchtern.

Quelle: Zusammenfassung von Ausschnitten aus Spiegel 31/

2013, Seite 96–101.

Foto: © Bodenwerder, Tourismus

„Politisch links“ und

„kosmisch erleuchtet“

war kein Widerspruch –

Spiritismus wurde

kurzerhand zur „modernen

Wissenschaft“ erklärt

Münchhausen –

Kinder wissen,

es sind Lügengeschichten

Z für Zukunft

11


Kirche & Gesellschaft

Foto: © Montage Agentur PJI

Abschied vom Reformations-Erbe

Mit der Schrift „Rechtfertigung und Freiheit. 500 Jahre Reformation 2017“ veröffentlicht der Rat der

Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) einen Grundlagentext zum bevorstehenden Jubiläum.

Johann Hesse hat diesen Text analysiert, hier eine Zusammenfassung seiner Schlussfolgerungen.

Peter Ischka

Luther

bunt als

Gartenzwerg?

Das große Jubiläum der Reformation Martin

Luthers steht vor der Tür. Die Führung

der Evangelischen Kirche in Deutschland

bereitet sich darauf vor, dieses Ereignis zu feiern,

und sucht sich gleichzeitig der wesentlichen Errungenschaften

der Reformation zu entledigen.

Mit dem Grundlagentext will man laut Ex-Ratsvorsitzendem

Nikolaus Schneider „wesentliche

theologische Einsichten der Reformationszeit im

aktuellen Kontext” erläutern – oder: sie dem säkularisierten

Denken unserer Zeit anpassen.

Mit der Auflösung der zentralen Rolle der Bibel,

der Preisgabe des Alleinstellungsmerkmals

von Jesus Christus, der Unterschlagung des stellvertretenden

Sühnetodes Christi und der Vernachlässigung

der Ewigkeitsdimension machen die Autoren

von „Rechtfertigung und Freiheit” das Erbe

der Reformation zunichte – gaben doch gerade

solche Deformationen von Lehre und Leben

der Kirche vor fünfhundert Jahren Anlass zu

dieser Reformation, die Europa so wesentlich

geprägt hat. Man gibt Grundlegendes preis, um

so möglicherweise kirchenamtliche Fehlentwicklungen

als zeitgemäß hinzustellen. Man erfüllt

Forderungen der Gesellschaft in der Hoffnung,

dadurch verlorengegangenes Publikum

zurückzugewinnen. Wünscht dieses, dass zwei

plus drei vier sein möge, dann kommt die EKD ihm

entgegen und lässt die fünfe gerade sein, wie dem

„Grundlagentext” zu entnehmen ist.

Reformatorisches Verständnis good-bye

Das „Sola scriptura” war eine der Säulen der Reformation.

Die Bibel galt als die Richtlinie für

Lehre und Beurteilung schlechthin.

Dieses Schriftverständnis versucht man im

Grundlagentext zwar historisch zu würdigen,

stellt dann aber fest: „Seit dem siebzehnten Jahrhundert

werden die biblischen Texte historischkritisch

erforscht. Deshalb können sie nicht mehr

so wie zur Zeit der Reformatoren als Wort Gottes

verstanden werden.” 1

Die Reformatoren waren ja noch davon ausgegangen,

dass die biblischen Texte wirklich von

Gott gegeben waren. Diese Überzeugung wird

von den Autoren der EKD-Schrift abgelehnt.

12

Z für Zukunft


Kirche & Gesellschaft

Ihrer Meinung nach enthält die Bibel Texte, in denen

„menschliche Erfahrungen mit Gott” so verdichtet

wurden, „dass andere Menschen sich und

ihre Erfahrungen mit Gott darin wiederentdecken

können”. 2 Daher sei sie nicht mehr Gottes Wort

im objektiven Sinne, sondern der menschlichen

Beurteilung unterworfen; nach dem humanistischen

Denkansatz „Der Mensch ist das Maß aller

Dinge” wird der Mensch so auch zum Maß für die

Beurteilung des Wortes Gottes.

Löst man subjektive Erkenntnis von der objektiven

Autorität der Bibel, macht sich der Ausleger

zur letzten Instanz in der Frage, was Gottes Wort

ist und was nicht. Da wundert es nicht, wenn Landesbischof

Ralf Meister (Hannover) auffordert,

damit ernst zu machen, dass die Bibel „ein ganz

normales Stück Literatur” sei.

Ralf Meister meint denn auch zur Beurteilung

praktizierter Homosexualität: „Natürlich

findet sich in der Bibel nicht eine Stelle, die homosexuelle

Praktiken positiv oder auch nur neutral

werten würde. Daraus folgt aber eben nicht

automatisch, dass wir dem Urteil der biblischen

Schriften hier folgen müssten.” 3

Die Abkehr vom Schriftverständnis der Reformatoren

wird dem Leser als „segensreiches“ Endprodukt

einer „offenen Lerngeschichte“ der Reformation

verkauft. 4 Er erfährt dagegen nicht, dass die

vermeintlichen Erben der Reformation deren Grundpfeiler

„Allein die Schrift” längst zu Fall gebracht haben

und somit das Erbe völlig verspielt wurde.

Genügt Christus?

Die Reformatoren proklamierten „Solus Christus”.

Christus allein bedeutete für sie: Jesus ist der Weg

zu Gott, er ist die Wahrheit und das Leben, 5 denn

kein anderer hat durch sein Leiden und Sterben am

Kreuz die Errettung der Welt vollbracht. So schrieb

Luther: „Gott will nicht, dass man auf einem anderen

Wege zu ihm gehe, ihn erkenne und liebe.” 6

Foto: © screenshot/Lutherfilm

Natürlich ist es legitim, dass die Verfasser die

Zweifel und Bedenken unserer Zeit zur Sprache

bringen: „Ist diese Exklusivität Jesu Christi nicht anmaßend?

Wie kann man so auftreten und andere religiöse

Gründe für ein heilvolles Leben bestreiten?” 7

Aber anstatt einer Antwort im Sinne der Reformation

präsentiert man dem Leser Wege an

Christus vorbei. Der Christ möge zwar weiterhin

in der Vielstimmigkeit einer „multireligiösen

Gesellschaft” sein Bekenntnis vertreten und seine

„Eigentümlichkeiten” nicht verbergen, aber er

solle im interreligiösen Dialog den Glauben des

anderen nicht für unwahr erklären. 8

Noch deutlicher hat es Nikolaus Schneider auf

dem Kirchentag in Dresden 2011 ausgedrückt:

Die Religionen müssen sich von dem Gedanken

verabschieden, die Wahrheit allein zu besitzen.

Gott ist immer größer als unsere Wahrheitserkenntnis.”

9 Offensichtlich vertritt die EKD 500

Jahre nach dem Thesenanschlag die Ansicht,

dass es neben Christus auch andere Erlösungswege

geben könne. Sie hat das „Solus Christus”

aufgegeben und damit jede missionarische

Stoßkraft verloren.

Was ist eigentlich Sünde?

Wenn man über den Tod Jesu am Kreuz spricht, muss

auch geklärt werden, was Sünde ist. Die Verfasser

der EKD-Schrift stellen fest, dass man heute nicht

mehr gern über Sünde spricht. Das ist richtig. Heute

lebt man, wie es einem gefällt, da würde es einengend

wirken, etwas als „Sünde” zu bezeichnen.

Aber der Knackpunkt des reformatorischen

Sündenbegriffs ist, dass alle Menschen in gleicher

Weise Sünder sind – die vielbeschworene

Gleichstellung wäre durchaus gegeben.

Die Reformatoren haben die Sündhaftigkeit aller

Menschen in Folge der Erbsünde betont. Sehr

viel klarer und schärfer als wir heute sahen sie,

dass der Mensch „von Mutterleib an voll böser

Lust und Neigung” und „ohne wahre Gottesfurcht

und Glauben” ist. 10 Kann man das nicht auch heute

sehen? Man schlage nur die Tageszeitung auf,

um sich von der Sündhaftigkeit des Menschen zu

überzeugen. Wenn die EKD-Führung nicht mehr

Bild: © Wikipedia

Deformationen von Lehre

und Leben der Kirche war

vor fünfhundert Jahren

Anlass zur Reformation

Über Sünde

spricht man

nicht gerne,

das könnte

engstirnig

wirken

Z für Zukunft

13


Kirche & Gesellschaft

Foto: © Montage Agantur PJI

Man schlage

nur die Tageszeitung

auf,

um sich von

der Sündhaftigkeit

des

Menschen zu

überzeugen

Auf die

Frage, ob Gott

ein Sühnopfer

brauche, geantwortet

Nikolaus

Schneider:

„Gott braucht

es tatsächlich

nicht.” 15

Foto: © flickr/sekfeps

den Mut hat, Sünde beim Namen zu nennen, wird

ihr bald jegliches Profil abhandengekommen sein.

Könnten Sünden Folgen haben?

Zumindest nehmen die Verfasser der Jubiläumsschrift

zur Kenntnis, dass jeder Mensch sich

einmal für sein „Tun und Lassen” verantworten

muss. Aber: „Uns ist auch das übersteigerte spätmittelalterliche

und auch in der reformatorischen

Bewegung meistens beibehaltene Bild von Gott

als einem Gerichtsherrn, der wie ein absolutistischer

Monarch unumschränkt herrscht, tief problematisch

geworden.” 11

Wer sind nur diese Herren, die über Gott befinden

dürfen? Man versucht offensichtlich mit

viel Schlauheit, sich einen Gott zu basteln, der

der eigenen Beschränktheit entspricht. Nur:

Wenn Gott Gott ist, wird er sicher nicht jemanden

in der EKD um Rat fragen, ob er die, die von seinem

Angebot keinen Gebrauch gemacht haben,

nun wohl richten dürfe. Die Reformatoren verkündigten

Gott als strengen Gerichtsherrn, aber sie

kannten denselben Gott auch als den liebenden

Vater. Sie lehrten, dass Sünde Folgen

hat – „ewige Gottesferne”, man

kann es auch Selbstverdammung

nennen, weil man das in Jesus

Christus angebotene Errettungsgeschenk

Gottes ausgeschlagen

hat. Wer es

hingegen im Glauben annimmt,

wird errettet und

vor dieser selbst zu verantwortenden

Verdammnis bewahrt.

Die Hölle wird ins Diesseits verlegt

Die Autoren des Grundlagentextes versäumen es,

mit Nachdruck zu bestätigen, dass der Sünder,

der Christus ablehnt, mit den Folgen der ewigen

Verdammnis zu rechnen hat. Stattdessen wird die

Hölle von ihrer ewigen Dimension ins Diesseits

verlegt. Die Einstellung Luthers zur Hölle und die

damit verbundene Rechtfertigungsbotschaft werden

bei der Übertragung auf unsere Zeit grundlegend

verändert: „Was kann das für Menschen des

21. Jahrhunderts bedeuten, die nicht so sehr von

Ängsten vor einer Hölle nach dem Tod geprägt

sind, sondern eher die Hölle auf Erden fürchten,

die Menschen füreinander sind?” 12

Man folgt Bultmanns Interpretation: „Die neutestamentlichen

Aussagen sollten in einer solchen

Weise interpretiert werden, dass der mythische

Rahmen wegfällt und nur der existentielle

Inhalt als etwas Bleibendes festgehalten wird.” 13

Die Hölle wird nicht als tatsächlich existierende

Konsequenz der Gottesferne verstanden, sondern

existenziell als Chiffre für das Leid, das Menschen

einander antun.

Was wird aus dem Tod am Kreuz?

Werden die Sünde und die Folgen der Sünde unterschätzt,

hat dies Auswirkungen auf das Verständnis

des Kreuzes. Die Verfasser der Jubiläumsschrift

meinen, das Leiden und Sterben Jesu

Christi dürfe nicht so verstanden werden, „als

müsse Gott durch Christus erst gnädig gestimmt

werden. Christi Leben und Sterben bewirken keinen

Gesinnungswandel in Gott, der durch ein

wie auch immer zu verstehendes Opfer milde gestimmt

werden müsste.” 14

Die Verfasser der Jubiläumsschrift zeigen

mit ihrer Interpretation des Kreuzes,

dass ihnen der zentrale Inhalt des

Neuen Testaments, die Bedeutung

des Sühnetods Christi, fremd ist.

Gott vertritt die ganze Bibel hindurch

einen klaren Standpunkt: Sünde

hat Tod zur Folge. Als Jesus

Christus am Kreuz

starb, stellte er sich dieser

Konsequenz. Er bezahlte

für die Sünde

der ganzen Mensch-

14

Z für Zukunft


Kirche & Gesellschaft

heit; das konnte er, weil er selbst ohne Sünde war.

Jesu Leiden und Sterben geschah stellvertretend

für alle Menschen, die das im Glauben annehmen.

Die Aussage, Gott habe sich „in Christus auf

das Leben, Leiden und Sterben der Menschen

eingelassen”, höhlt das, was Jesus getan hat, völlig

aus und beraubt den, der diese Sinnverdrehung

übernimmt, des eigentlichen Inhalts des

Neuen Testaments.

In einem Interview der evangelischen Monatszeitschrift

Chrismon hat der EKD-Ex-Ratsvorsitzende

Nikolaus Schneider auf die Frage, ob

Gott ein Sühnopfer brauche, geantwortet: „Gott

braucht es tatsächlich nicht.” 15 Weiterhin meinte

Schneider, Jesus sei „nicht im Sinne einer stellvertretenden

Übernahme von Strafe“ für uns

Menschen gestorben. Er sei stattdessen der Ansicht,

Jesus „teile mit seinem Leiden und Sterben

menschliche Leidens- und Todeserfahrungen”. 16

Ein verflachter Horizont

Kann der Mensch sich durch „gute Werke” Gottes

Gnade und damit den Zugang zum Himmel verdienen?

Die Antwort auf diese Frage war doch

das Markenzeichen der Reformatoren. Allein der

Glaube an Christus und seinen stellvertretenden

Tod macht uns gerecht vor Gott und öffnet so die

Tür ins Himmelreich.

Die Reformatoren hatten ein Verständnis von

Rechtfertigung, das auf die Ewigkeit bezogen

war. Die Autoren der Jubiläumsschrift sind hingegen

sehr diesseitsbezogen; einen Ewigkeitshorizont

gibt es kaum. Der „moderne” Mensch,

durch den Materialismus und ein naturalistisches

Weltverständnis im Diesseits gefangen, bräuchte

aber Hinweise auf die weit geöffnete Tür zum

Himmel. Rechtfertigung bringt Freiheit: Freiheit

von Sünde, Freiheit vom Tod, Freiheit von ewiger

Verdammnis, Freiheit in ewiger Gemeinschaft mit

Gott – himmlische Freiheit.

Beharrt die EKD weiterhin auf dieser Fehlentwicklung,

müsste das 500. Reformationsjubiläum

ehrlicherweise abgesagt werden. Grund

zum Feiern gibt es erst, wenn die EKD diese

fatalen Verirrungen auf allen Ebenen erkennt,

als Schuld bekennt und sich wieder bedingungslos

zu Christus und seinem Wort bekehrt.

Foto: © nevsepic.com

Wahrscheinlich braucht es neue 95 Thesen an

den Kirchentüren – und statt eines Jubiläums

eine umfassende neue Reformation.

Der gute alte Apostel Paulus hat das schon kommen

sehen. In einem Brief schrieb er: „Ich wundere

mich, dass ihr euch so schnell von den Grundlagen

des Glaubens abwendet zu einem anderen Evangelium,

wo es doch kein anderes gibt; einige verwirren

euch nur und wollen das Evangelium des Christus

auf den Kopf stellen. Ich mache die Gnade Gottes

nicht ungültig; denn wenn es die Gerechtigkeit Gottes

auf irgendeinem anderen Wege gäbe, dann wäre

Christus umsonst gestorben.” 17

Die ausführliche Broschüre mit dem ungekürzten Text von

Johannes Hesse erhalten Sie bei www.gemeindehilfsbund.de

(eMail: info@gemeindehilfsbund.de).

1 Rechtfertigung und Freiheit. 500 Jahre Reformation 2017. Ein

Grundlagentext des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland

(EKD), Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2014, S. 84.

2 Ebd., S. 85.

3 Landesbischof Ralf Meister, Vortrag bei der AMD-Delegiertenversam

mlung,20. Mai 2014 im Geistlichen Rüstzentrum Krelingen.

4 Rechtfertigung und Freiheit, a.a.O., S. 34–37.

5 Johannes 14,6.

6 Martin Luther, WA Br 1,329.

7 Rechtfertigung und Freiheit, a.a.O., S. 51–52.

8 Ebd., S. 58.

9 www.kirchentag2011.de.

10 Unser Glaube. Die Bekenntnisschriften der evangelischlutherischen

Kirche, 3. Auflage, Gütersloher Verlagshaus,

Gütersloh 1991, S. 61.

11 Rechtfertigung und Freiheit, a.a.O., S. 69.

12 Ebd., S. 28.

13 Bengt Hägglund, Geschichte der Theologie – Ein Abriß, 3.

Auflage, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 1997, S. 322.

14 Rechtfertigung und Freiheit, a.a.O., S. 62.

15 Präses Nikolaus Schneider, Chrismon plus Rheinland, 04/

2009, S. 46.

16 Ebd., S. 44.

17 Brief an die Galater 1,6–7; 2,21.

Gibt es sie

tatsächlich?

Ist es dann

ungünstig,

keine „Raus-

aus-der-Hölle“-

Karte

zu haben?

Was würde

Luther heute

an die Kirchentüre

nageln?

Z für Zukunft

15


Kirche & Gesellschaft

Foto: © Argentur PJI

Ephesus war im ersten

Jahrhundert eine

christliche Metropole. Die

Christen hatten die ganze

Gesellschaft geprägt

Bröckelnde Fundamente

von den ersten Jahrhunderten an – Was hatten die ersten Christen,

das heute abhandengekommen scheint?

Peter Ischka

Foto: © Wikipädia/Gustave Doré

Ephesus:

Zauberbücher

werden

verbrannt

Spannend, die Erfolgsgeschichte der frühen

Christenheit: „Die nun an das Wort glaubten,

ließen sich durch Untertauchen taufen;

an jenem Tag waren es etwa dreitausend. Sie

blieben aber in der Lehre der Apostel und in der

Gemeinschaft, im Brechen des Brotes und im Gebet.

Es kam aber über jeden eine Ehrfurcht gegenüber

Gott, und es geschahen viele Wunder

und Zeichen durch die Apostel.“ 1

Am Ende des ersten Jahrhunderts war die damals

bekannte Welt vom Christentum durchdrungen

– ohne Internet, Radio oder Fernsehen. Der

Einfluss der Christen in manchen Bereichen der

Gesellschaft war unübersehbar. Denken wir an den

Aufstand der Silberschmiede in Ephesos, die Abwendung

von der Götzenverehrung hatte eine ganze

Branche in Existenznöte gebracht. Wie ist es heute?

Es ist legitim zu fragen: Was hatten die ersten

Christen, das heute abhandengekommen scheint?

Keine Frage, wir sind Kinder unserer Zeit. Wir

haben aus vielen Quellen getrunken und schon

mit der Muttermilch wurde uns reichlich Zeitgeist

verabreicht. Wir betrachten daher alles durch

eine humanistisch gefärbte Brille, allerdings ohne

uns dessen wirklich bewusst zu sein.

Was Jesus Christus in seinem Werk am Kreuz, in

seiner Auferstehung und der Ausgießung des Heiligen

Geistes vollbracht hat, wurde nicht nur vom

Denkkonzept der Aufklärung überschattet („Der

Mensch ist das Maß aller Dinge“), es wurde bereits

vom ersten Jahrhundert an von philosophischen

und heidnischen Strömungen durchzogen,

was einer näheren Betrachtung wert sein dürfte.

16

Z für Zukunft


Kirche & Gesellschaft

Was ist eigentlich „Kirche“ ?

Wenn man zur Kirche geht, denkt man an ein bestimmtes

Gebäude. Die ersten Christen hatten

das anders verstanden. Für sie war „Kirche“ die

Zusammenkunft von gläubigen Menschen, egal

an welchem Ort und in welchem Gebäude.

Das griechische Wort ekklesia, das mit „Gemeinde“

oder „Kirche“ übersetzt wird, ist bereits

das Ergebnis traditioneller Prägung. Ekklesia

war ursprünglich kein frommer Begriff, sondern

ein sozio-politischer. Ekklesia, so nannte man die

säkulare Versammlung der Vertreter einer Stadt,

die über die politischen und rechtlichen Angelegenheiten

der Stadt zu entscheiden hatten – also

die Versammlung der Volksvertreter.

Die ekklesia als die Versammlung der Vertreter

des Reiches Gottes entsprach dem ursprünglichen

Verständnis; im Laufe der Zeit gab es aber

Verschiebungen und schließlich baute man Kirchen

aus Stein und Mörtel.

Jesus selbst gibt zu ekklesia eine Stellungnahme

ab: „Ich werde meine ekklesia bauen, und die Pforten

der Hölle werden diese ekklesia nicht überwinden.

Ich werde dir die Schlüssel des Reiches Gottes

geben ...“ 2 Hier spricht Jesus von der Versammlung

derer, die die Herrschaft Gottes vertreten, er bezeichnet

sie sozusagen als Parlament, das in einer

Stadt die geistliche Vertretung des Reiches Gottes

ist. „Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie

im Himmel so auf Erden ...“ – aus der ekklesia-Perspektive

erhält das, was wir im Vaterunser nachsprechen,

plötzlich eine neue Dimension.

Jesus hatte auf der Erde den größten Konflikt

nicht mit Huren und Halsabschneidern, sondern

mit den Frommen seiner Zeit, mit den Pharisäern

und Sadduzäern. Die Pharisäer waren bekannt

dafür, dem Wort Gottes eine Fülle menschengemachter

Gesetze hinzuzufügen. Die Sadduzäer

machten es genau umgekehrt: Sie entfernten

Teile daraus. Geschichte wiederholt sich:

Im Laufe der Kirchengeschichte wurden eine Reihe

von Traditionen hinzugefügt und andererseits

einige essenzielle Inhalte entfernt.

„Leib“ ist naturgemäß etwas Organisches

Im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung waren

die Christen ein organisches Gebilde, ein vor

Foto: © Wikipedia/Pricilla

Leben strotzender Organismus, ganz anders als

die institutionellen Kirchen heute. Es galt die

allgemeine Priesterschaft aller Gläubigen und

Christus war das Haupt.

Nach der Zerstörung Jerusalems durch die Römer

im Jahr 70 n. Chr. stellten die Christen mit

heidnischem Hintergrund bald die Mehrzahl.

Griechisch-römische Philosophien und Rituale

flossen in den neuen Glauben ein. Viele Elemente

wurden von den Christen übernommen, besonders

unter Kaiser Konstantin.

Wie war es im ersten Jahrhundert?

Die Gläubigen trafen sich in den Häusern. (Kirchen

oder andere sakrale Gebäude gab es zu

der Zeit noch nicht.) 3

• Das Abendmahl wurde als richtige Mahlzeit gefeiert.

4

Die Gottesdienste waren offen, alle waren daran

aktiv beteiligt, man traf sich meistens täglich

in Privathäusern. 5

• Jeder kannte seine Berufung und war es gewohnt,

übernatürliche Fähigkeiten auszuüben. 6

Die Christen stellten eine Einheit dar; sie waren

nicht in unterschiedliche Denominationen geteilt. 7

• Sie verwendeten keine Ehrentitel ... 8

• ... und waren auch nicht hierarchisch organisiert.

9

Die christliche Versammlung des ersten Jahrhunderts

war etwas Einzigartiges. Sie unterschied

sich von allen umgebenden Religionen: Die Christen

hatten keinen Tempel, keine Priester und

kein Opfer.

Foto: © Agentur PJI

Die ersten

Christen trafen sich

in den Häusern,

sakrale Bauten

gab es nicht

Die christliche Versammlung

des ersten Jahrhunderts war

etwas Einzigartiges. Den

drei Elementen Tempel,

Priester und Opfer setzte

Jesus ein Ende, indem er

sie in sich erfüllte

Z für Zukunft

17


Kirche & Gesellschaft

Foto: © Wikipedia

Foto: © Agentur PJI

Die ersten

Christen hatten

keinen Tempel,

keine Priester

und kein Opfer

Nach dem fünften Jahrhundert

musste im Altarraum eine

Reliquie vorhanden sein, damit

eine Kirche als ordnungsgemäß

geweiht gelten konnte

Diese drei Elemente – Tempel, Priester und

Opfer – hatten im Alten Testament im Vordergrund

gestanden. Jesus setzte ihnen ein Ende,

indem er sie in sich erfüllte. Seit damals besteht

Gottes Tempel auf Erden aus lebendigen Steinen,

ohne Hände gebaut. Jesus hat eine neue, allgemeine

Priesterschaft eingeführt. Er ist selbst das

perfekte und endgültige Opfer.

Bis die Vermischung mit dem Heidentum dies in

Frage stellte. Heidnische Religionen hatten Tempel,

Priester und Opfer. „Bis zu Konstantin im vierten

Jahrhundert errichteten die Christen für den

Gottesdienst keine speziellen Gebäude. Es sind historisch

keine Gebäude bekannt, die vor dem Jahre

300 ursprünglich als Kirche gebaut wurden.“

Im Römischen Reich war die Verehrung

von Toten die stärkste gemeinschaftsbildende

Kraft. Bereits im zweiten Jahrhundert begannen

die Christen, sich dafür zu öffnen. Man

wollte der Märtyrer gedenken. Aus dem Gebet für

die Heiligen entwickelte sich das Gebet zu den

Heiligen. In dieser Zeit kam ein neuer Versammlungsort

hinzu, die Friedhöfe. So fing man an,

kleine „heilige“ Grabmäler zu bauen, ebenfalls

eine heidnische Praxis.

Dann begann man, Reliquien zu sammeln. Reliquere

bedeutet soviel wie „zurücklassen“. Man

glaubte, die Heiligen hätten auf diese Weise etwas

von ihrem Segen zurückgelassen.

Kaiser Konstantin (285–337) wird gerne dafür

gewürdigt, dass er den Christen die Glaubensfreiheit

gewährte. Aber mit Konstantin

beginnt auch ein dunkles Kapitel der Kirchengeschichte.

Er löste einen Kirchen-Bauboom aus,

um den Stand der Christen gegenüber Juden und

Heiden zu stärken. Auch nach seiner Bekehrung

zum Christentum wandte er sich nie vom Sonnengott

Mithras ab. Konstantin führte den Sonntag

als gesetzlichen Ruhetag ein. Er behielt den Titel

des Pontifex Maximus bei, so nannte man bis dahin

das Oberhaupt der heidnischen Priester. Wie

seine heidnischen Vorgänger auf dem Kaiserthron

wurde auch Konstantin nach seinem Tod vom Senat

in den Stand eines heidnischen Gottes erhoben

– ohne Widerspruch.

Die größten Kirchengebäude entstanden meist

über den Grabstätten von Märtyrern. Die bekannteste

dieser Stätten ist die Peterskirche in Rom,

sie wurde über dem vermeintlichen Grab des Petrus

errichtet. Bei Konstantins Kirchen handelte

es sich um geräumige Prachtbauten, die eines

Kaisers würdig schienen. Sie waren so prunkvoll,

dass sogar nichtchristliche Zeitgenossen

bemerkten, diese riesigen Gebäudenachbildungen

nähmen sich wie heidnische Tempel aus. Der

Philosoph Porphyrios (233–301) bezeichnete die

Christen als inkonsequent, da sie einerseits heidnische

Gottesdienste kritisierten und andererseits

Gebäude errichteten, die heidnischen Tempeln

glichen.

Durch die sakralen Bauten wurden die Versammlungen

in den Häusern, bei denen jeder

aktiv beteiligt gewesen war, abgelöst. Welch

elementare Beraubung! Nach dem fünften Jahrhundert

musste im Altarraum eine Reliquie vorhanden

sein, damit eine Kirche als ordnungsgemäß

geweiht gelten konnte.

Die Christen des ersten Jahrhunderts lehnten

die weltlichen Systeme ab und hielten sich vom

Heidentum fern. Die Trennung von Kirche und

Staat war ganz normal. Auch dies änderte sich im

vierten Jahrhundert, als die Kirche als offizielle

Institution in Erscheinung trat und heidnisch-religiöse

Praktiken zu christianisieren begann.

Die Kirche als Immobilie, als Gebäude, wurde

zum enormen, riesige Ressourcen verschlingenden

Kostenfaktor.

18

Z für Zukunft


Kirche & Gesellschaft

Der Klerus, Hindernis für das allgemeine

Priestertum aller Gläubigen

Mit dem Bau von Kirchen entwickelte sich auch

die Vorrangstellung des Priesters, Pfarrers oder

Pastors.

Die Bibel gebraucht den Begriff des Hirten

für den Dienst des Pastors nur in einem einzigen

Vers. 10 Der Hirtendienst steht hier in der Mehrzahl!

In diesem Vers werden aber noch weitere

Dienste genannt, die in einer Versammlung in

Funktion sind (oder sein sollten): Apostel, Propheten,

Evangelisten und Lehrer – im Zusammenspiel

sollen sie den Organismus zur vollen Entfaltung

bringen.

Als der Mensch sich im Paradies von Gott abwandte,

wuchs in ihm das Verlangen nach einem

sichtbaren Leiter, der eine Art Mittler zu Gott darstellt.

So traten in der Menschheitsgeschichte in

verschiedenen Formen religiöse Führer hervor:

Medizinmänner, Schamanen, Magier, Priester. Auch

das Volk Israel verlangte nach einem König, wie die

Heiden einen hatten. 11 Wieder entschied sich der

Mensch gegen die direkte Königsherrschaft Gottes.

Diese Fehlentscheidungen stecken der Kirche wohl

immer noch in den Knochen.

Ignatius von Antiochien (35–107) war der Erste,

der den gefährlichen Weg in Richtung eines

einzelnen Leiters einschlug. Er überhöhte die Position

eines Einzelnen, dem bedingungsloser Gehorsam

geleistet werden sollte.

Clemens von Rom, der etwa 100 n. Chr. starb,

war der Erste, der in der ekklesia einen Standesunterschied

einführte zwischen christlichen

Leitern und Nicht-Leitern. Er war der Ansicht,

in der christlichen Gemeinde solle die alttestamentliche

Priesterordnung ihre Erfüllung finden.

Die Gläubigen schauten nur noch zu, was der Bischof

tat.

Tertullian und Clemens von Alexandrien führten

den Begriff „Klerus“ ein (im Neuen Testament

tauchen die Begriffe „Klerus“ und „Laie“ kein einziges

Mal auf). Der Bruch mit dem allgemeinen

Priestertum aller Gläubigen war vollzogen. Der

Organismus wurde seiner Kraft beraubt und die

Glieder lahmgelegt.

Foto: © Wikipedia

Gegen Ende des vierten Jahrhunderts verkehrten

die Bischöfe mit den Oberen der weltlichen

Herrschaft und gewannen Einfluss in der Politik.

Diese zunehmende Machtdominanz wurde später,

Ende des 16. Jahrhunderts, zum Auslöser der

Aufklärung, die ursprünglich für die Emanzipation

des Denkens und Handelns von Kirche und Christentum

eintrat, aber wie ein überzogener Pendelschwung

in die sogenannte „Befreiung” des Menschen

von der Religion überhaupt führen sollte.

Die fatale Zweiteilung in Geistliche und Laien

ist bis heute tief in den Köpfen der Gläubigen

verankert. Diese Fehlentwicklung hat bisher noch

jede Reformation überstanden; sie ist auch in sogenannten

„Freikirchen“ anzutreffen.

So werden bis heute Kirchenbesucher zu passiven

Konsumenten degradiert. Dass jedes Gemeindemitglied

im Gottesdienst etwas zu geben

hätte, kann so nicht praktiziert werden. Aber „nur

wer sich gibt, empfängt auch“. Deshalb ist es für

einfache Mitglieder oft schwer, aus solchen Veranstaltungen

etwas mitzunehmen.

„Wenn ihr zusammenkommt, so hat jeder etwas

zu geben.“ 12

Damit das möglich wird, sind neben einigen

Pastoren ursprünglich auch mehrere Apostel sowie

einige Propheten, Evangelisten und Lehrer in einer

Versammlung vorgesehen. Auf ein so vielköpfiges

Team würden sich die Lasten gut verteilen lassen.

Natürlich stellt sich die Frage: Wie kommt man

von „solus pastorus“ wieder zu dem Konzept, bei

dem Christus selbst das Haupt sein darf?

Foto: © Wikipedia/Erell

Kaiser Konstatin (Mitte)

trieb den Kirchenbau

voran. Wer das Geld

gibt, hat die Macht

Kirchenmitglieder

zum Zuschauen

verurteilt

Z für Zukunft

19


Kirche & Gesellschaft

Foto: © Wikipädia/Theodora , San Vitale

Das Markenzeichen

der

ersten

Christen war

ihre Liebe

Die ersten Christen wurden von der Welt als

ganz besonders wahrgenommen: „Seht, wie sie

einander lieben!“ Dieses Markenzeichen wiederzugewinnen

könnte der Schlüssel für diese

Zeit werden. In einem bis heute überlieferten

Brief aus dem 1. Jahrhundert nach Christus an die

ekklesia in Ephesos heißt es: „Aber ich habe gegen

dich, dass du deine erste Liebe verlassen hast.

Denke daran und tue Buße; wenn nicht, so werde

Sie könnten ein Buch schreiben

... ja, warum eigentlich nicht?

Lektorat und Übersetzung

Translation – Переводы

Gabriele Pässler

Lektorat & Übersetzung

Manuskript-Bearbeitung

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Richtiges und gutes Deutsch für wertvolle Gedanken

Das bringt Ihr Manuskript auf Hochglanz

ich deinen Leuchter von seiner Stelle wegrücken.

Es könnte finster werden! Wer hingegen überwindet,

dem werde ich vom Baum des Lebens zu essen

geben, der im Paradiese Gottes steht.“ 13

Die Vermischung mit heidnischen und philosophischen

Elementen hat diesen „Leib“ der an

Christus Gläubigen von seinem Haupt Christus

weitgehend abgetrennt. Man muss sich das nur

bildlich vorstellen – geköpft –, und man versteht,

dass ein Leib so nicht lebensfähig ist.

Wo sind heute die Früchte, die die ersten

Christen begleitet haben? An dem einen Tag wurden

damals dreitausend neue Gläubige „hinzugetan“!

In den Großkirchen erfreuen sich heute nur

die Austrittszahlen steigender Tendenz.

Es wäre an der Zeit, dass die ekklesia in die

Pötte kommt. „Dein Reich komme, dein Wille geschehe

– auf Erden genauso, wie er im Himmel

geschieht.“ 14

Wenn wir die Entwicklung unserer Gesellschaft

aufmerksam beobachten, erkennen wir: Nur eine

ekklesia, wie Jesus sie vorgesehen hat – die etwas

öffnen oder schließen kann –, wird in den aktuellen

Strömungen Bestand haben. „Werdet nicht gleichförmig

der Welt“, empfiehlt Paulus. 15

Zitate und Informationen stammen aus „Heidnisches

Christentum? Über die Hintergründe mancher unserer

vermeintlich biblischen Gemeindetraditionen“ von Frank Viola

und George Barna, GloryWorld Medien 2010, erhältlich bei:

http://shop.agentur-pji.com/heidnisches-christentum.html

(ab 19,- Bestellwert kostenloser Versand).

1 Apostelgeschichte 2,41–43.

2 Matthäus 16,18–19.

3 Apostelgeschichte 20,20; Römer 16,3.5; 1. Korinther 16,19.

4 1. Korinther 12,21–34.

5 1. Korinther 14,26; Hebräer 10,24–25.

6 1. Korinther 12–14.

7 Apostelgeschichte 8,1; 13,1; 18,22; Römer 16,1; 1. Thessalonicher 1,1.

8 Matthäus 23,8–12.

9 Matthäus 20,25–28; Lukas 22,25–26.

10 In Epheser 4,11.

11 1. Samuel 8,19.

12 1. Korinther 14,26.

13 Offenbarung 2,7.

14 Matthäus 6,10.

15 Römer 12,2.

20

Z für Zukunft


Fundament der Gesellschaft

Fotos: © Wikipedia/Library of Congress

Fünf Blinde und ein Elefant

Ein indischer Philosoph findet heraus, dass die Bibel die wahre Seele der westlichen Kultur ausmacht.

Er hat ein beachtenswertes Buch geschrieben, eine eindrucksvolle Analyse des westlichen Wertegefüges.

Offensichtlich muss uns jemand aus einem anderen Kulturkreis die Schätze unserer eigenen Kultur zeigen.

Vishal Mangalwadi

Nach einer buddhistischen Parabel versuchten

fünf Blinde, einen Elefanten zu

beschreiben. Einer betastete seine Füße

und verkündete: «Der Elefant ist wie eine Säule.»

Der Zweite lehnte an der Flanke des Elefanten

und spottete: «Das ist Unsinn. Der Elefant ist wie

eine Mauer.» «Überhaupt nicht», warf der Dritte

ein. «Der Elefant ist wie ein Seil», und hielt den

Schwanz. Der Vierte erklärte zornig: «Keiner von

euch hat die Wahrheit erfasst! Der Elefant ist wie

ein Fächer», und kühlte sich mit dessen Ohr. Der

Fünfte hielt alle vier für übergeschnappt. «Der

Elefant ist wie ein spitzer, polierter Stein», sagte

er und strich über den Stoßzahn des Elefanten.

Unser begrenzter Verstand ist wie diese

Blinden. Während unseres kurzen Lebens können

wir nur einen kleinen Ausschnitt der Wirklichkeit

kennen lernen. Dürfen wir dann noch

von irgendetwas außerhalb unseres begrenzten

Erfahrungshorizonts behaupten, es sei wahr?

Sind diese fünf Männer in der Lage, die eigentliche

Wahrheit zu erkennen, wenn sie alle ihre gesammelten

Informationen zusammenfügen? [...]

Was wäre, wenn in unserem Beispiel ein sechster

Mann dabei gewesen wäre, der sehen konnte?

Er hätte dann dem ersten Blinden sagen können:

„Mein Herr, Sie halten gerade den Fuß des

Elefanten. Aber wenn Sie sich aufrichten und an

dem Bein entlang nach oben

tasten, dann werden Sie den

Teil an der Flanke des Elefanten

spüren, der als Mauer bezeichnet

wurde.“

Das käme dann einer Offenbarung

gleich. Der größte

Teil unseres Wissens wird

Dr. Vishal Mangalwadi, 1949

in Indien geboren, wurde auf

Grund seiner philosophischen

Vergleiche Christ

Foto: © YouTube Screenshot

Z für Zukunft

21


Fundament der Gesellschaft

Tatsächlich weist jedes Buch der Bibel die Spuren

seiner menschlichen Autoren auf. [...] Jeder von uns

Studenten machte sich Notizen von dem Stoff, den

uns unsere Professoren in den Vorlesungen weitergaben.

Meine Aufzeichnungen unterschieden sich

von denen meiner Freunde [...]. Trotzdem stammten

die Wörter und Gedanken von ein und demselben

Professor. Warum sollten dann die Worte, die die

Handschrift verschiedener Autoren trugen, nicht

die Worte des einen Gottes sein? [...]

Foto: © Wikipedia/Damien Halleux Radermecker

Foto: © ESO/L. Calçada

Ohne Licht

könnten wir

überhaupt

nichts

sehen

Ohne Offenbarung

ist die Vernuft so

gut wie

blind

uns persönlich von anderen offenbart. Sind wir

doch ganz und gar nicht imstande zu beweisen,

dass die Erde sich dreht und dazu noch um die

Sonne kreist. Ich selbst glaubte es, weil Erwachsene

mir sagten, dies sei die Ansicht der Wissenschaftler.

[...]

Ein Blinder kann vieles prüfen, was die sehende

Person behauptet, und es für wahr oder falsch

erklären. Doch wenn ihm gesagt wird, der Stoßzahn

sei weiß, dann muss er das im Glauben akzeptieren.

Da er als Blinder geboren wurde, ist

er nicht in der Lage, die weiße Farbe wahrzunehmen,

noch kann er sie verifizieren. Ist dies deshalb

«blinder Glaube»? Nicht, wenn er auch die

weiteren Aussagen des sechsten Mannes über

den Elefant nachgeprüft und seinen Informanten

als vertrauenswürdig befunden hat. Daher wäre

es anmaßend zu behaupten, alle seien blind und

niemand könne die Wahrheit erkennen. [...]

Gäbe es Augen, wenn kein Licht existierte?

Meine Professoren schienen davon auszugehen,

dass es nur ihnen allein möglich war zu reden,

ihrem Schöpfer hingegen nicht. Während sie Bücher

schreiben konnten, trauten sie es ihrem

Schöpfer nicht zu, seine Gedanken auf dieselbe

Weise darzulegen. Ist eine solche Einstufung

nicht anmaßend? [...]

Einige meiner Freunde beharrten darauf, dass

die Bibel nicht Gottes Buch sein könne, da sie das

Produkt einer bestimmten menschlichen Kultur sei.

«Blindheit» existiert nur, weil es das

Sehen gibt. Wenn niemand sehen würde,

dann könnte man auch nicht von

Blindheit sprechen.

Die frühen Philosophen der Aufklärung wie Descartes

begingen einen einfachen Denkfehler. Sie

nahmen an, weil wir Augen haben, sei es uns

möglich, ohne Hilfe von außerhalb zu sehen. Natürlich

sind unsere Augen und unser Verstand

etwas ganz Wunderbares. Aber um zu sehen,

brauchen die Augen zusätzlich Licht. Gäbe es

Augen, wenn kein Licht existierte? Wenn der

Verstand die Wahrheit nicht erkennen kann,

dann braucht er vielleicht das Licht der Offenbarung.

In der Tat kann der Verstand ohne

Offenbarung nichts erkennen. Mir schien, dass

die Existenz des Intellekts eine bereits bestehende

Existenz von Offenbarung und Kommunikation

erforderte. Wenn man a priori Offenbarung in

Abrede stellt, vertraut man zwar den Augen, lässt

aber das Licht von außen nicht zu. [...]

In einer Zeit, in der einige die Kommunikation

mit außerirdischen Wesen suchten, schien es mir

irgendwie arrogant, eine von Gott ausgehende

Offenbarung auszuklammern. So entschloss ich

mich, die bekanntesten Texte der Welt selber zu

lesen, um herauszufinden, ob der Schöpfer eine

Offenbarung geschenkt hatte.

Mein Professor für indische Philosophie bemühte

sich in unserem Kurs verzweifelt darum,

uns Studenten eine große Achtung vor den hinduistischen

Schriften zu vermitteln. Dennoch bat

er uns niemals, die Veden zu lesen, die ersten und

heiligsten Texte des Hinduismus. Eines Tages

22 Z für Zukunft


Fundament der Gesellschaft

entschloss ich mich aus eigenem Antrieb zu deren

Studium. [...] Zu meinem Erstaunen erhielt ich

zur Antwort, ich könne zwar vedische Kommentare

kaufen, aber die Veden selbst seien nie in Hindi

gedruckt worden! [...]

«Warum?», erkundigte ich mich [...]. «Wollen

die Priester nicht, dass wir Gottes Offenbarung

erfahren?» Man erklärte mir, dass die Veden niemals

übersetzt werden können, sie seien einfach

zu heilig und zu schwer zu verstehen. Es sei darüber

hinaus überhaupt nicht notwendig, sie zu

verstehen, da sie nicht geschrieben worden seien,

um Wahrheit zu vermitteln. Es handele sich

dabei vielmehr um Mantras, die mit sorgfältiger

Aussprache, Artikulation und Intonation gechantet

werden sollten. 1 Ihre Magie liege im Klang und

nicht in ihrer Bedeutung. Um die Veden zu lernen,

müsste ich einen Guru finden und ihm jahrelang

zu Füßen sitzen.

Enttäuscht wandte ich mich dem Koran zu,

denn schließlich bedeutete Allahabad, der Name

meiner Heimatstadt, «Stätte Allahs». Doch wiederum

musste ich erstaunt zur Kenntnis nehmen,

dass der Koran weder in Hindi noch in Urdu publiziert

worden war; Urdu hätte ich auch verstanden,

weil meine muslimischen Freunde es ständig

benutzten. [...] So wandte ich mich wieder der Bibel

zu, die ich bereits gelesen hatte, um zu schauen,

ob man wenigstens sie als Offenbarung Gottes

bezeichnen kann. [...]

Als ich damals in jenem dunklen Zimmer saß,

leuchtete mir durch einen kleinen Satz innerlich

ein Licht auf, der hieß:

«Gott sah, dass es [das Licht] gut war.»

Er lieferte mir eine glaubwürdige Erklärung, warum

wir moralische Urteile fällen.

Moralisches Urteil: Dies ist gut, und jenes ist

böse. Ästhetisches Urteil: Dies ist schön, und jenes

ist hässlich. Erkenntnistheoretisches Urteil:

Dies ist wahr, und jenes ist falsch.

Das zweite Kapitel von 1. Mose erklärt die Schönheit,

wenn davon die Rede ist, dass Gott einen Garten

pflanzte: Er schuf die Bäume, und «sie sahen

prachtvoll aus». Anschließend, in den Kapiteln drei

bis sechs, beschreibt das 1. Buch Mose menschliche

Foto: © flickr/Bala Subs

Entscheidungen und Aktionen, die Gott verurteilte.

Kann es sein, dass wir zu Werturteilen fähig sind,

weil dies wesentlich zu unserem Menschsein gehört

[...] und weil wir eben keine Tiere sind?

Die Intellektuellen in meinem Umfeld behaupteten,

wir würden jedes Mal, wenn wir ein Werturteil

fällen, einen Fehler begehen. Andererseits

waren interessanterweise gerade diejenigen, die

sagten, wir sollten nicht richten, ständig die, die

richteten. Das zeigte auch, dass Werturteile untrennbar

zum Menschsein gehören. Zudem bildet

es in einer Kultur die Grundlage für Kreativität

und schenkt uns die Möglichkeit, Dinge zu verändern.

Im Alltag reparieren wir doch nichts, wenn

es nicht zerbrochen ist. Um etwas verändern zu

können, müssen wir erst einmal beurteilen, was

gut, richtig, wahr ist.

Die ersten Kapitel der Bibel boten mir daher

mehr Wirklichkeitsnähe als die intellektuellen Alternativen,

die mir an der Universität oder von

meinen Freunden präsentiert wurden. [...] Mit ihrer

Hilfe konnte ich mich selbst viel besser verstehen

– mich als Person in der Ebenbildlichkeit

Gottes begreifen, mit der Fähigkeit, das Gute, die

Schönheit und die Wahrheit zu erkennen [...].

[... Die geschichtlichen Teile des Buches brachten

mein Interesse] praktisch auf den Nullpunkt.

[... Da machte ich aber] eine Entdeckung. Während

unsere indische Geschichte stets die großen und

gewaltigen Herrscher [...] herausstellte, berichtete

Foto: © Wikipedia/Lucas-Cranach

Allahabad,

Mangalwadis

Heimatstadt:

«Stätte Allahs»

«Gott sah, dass es gut war.»

Das liefert eine glaubwürdige

Erklärung dafür,

warum wir moralische

Urteile fällen

Z für Zukunft

23


Fundament der Gesellschaft

Foto: © wikipedia/Montage

zahl der Propheten als falsche Propheten bezeichnet

wurden, die guten Propheten hingegen mächtig

unter Druck standen. Sie konnten sich selbst

nicht retten [...], sie mussten mit ansehen, wie ihr

Volk zerfiel. [...] Die Bibel erhob den Anspruch,

Gottes Erklärung dafür zu bieten, warum die ganze

Nation zerschlagen und wann, warum und wie

sie wieder aufgebaut wurde.

Obwohl ich (neben Philosophie) auch Politikwissenschaft

studiert hatte, erfuhr ich von keinem

meiner Professoren, dass man die scheinbar «langweiligen»

Bücher der Bibel als den eigentlichen

Ursprung moderner Demokratie in Betracht

ziehen muss – einschließlich der Demokratie

in Indien. Nach ihrer Überzeugung kam unsere

Demokratie aus Athen, ein säkularer Mythos. Später

in diesem Buch werde ich so manchen säkularen

Mythos näher unter die Lupe nehmen. [...]

Foto: © wikipedia

Die Veden seien einfach

zu heilig und zu schwer zu

verstehen. – Die Bibel, der

Ursprung moderner

Demokratien

Ein übergeordneter

Wahrheitsmaßstab

ermöglichte

Selbstkritik

und entlarvte

die falschen

Ideologien

Die Sünde hatte Fluch über

alle Völker der Erde gebracht

dieses jüdische Buch auch von der Bosheit und den

negativen Seiten ihrer Herrscher. Warum?

Mein nächster Gedanke war: Vielleicht stammt

die Bibel aus der Feder von Priestern? Es ist

durchaus denkbar, dass die Priester (in Indien

nennen wir sie Brahmanen) die Herrscher

(kshatriyas) verabscheuen. Aber nein. Laut der

Bibel war das ganze jüdische religiöse Establishment

schließlich so korrumpiert, dass Gott seinen

eigenen Tempel zerstörte und seine Priester in die

Verbannung schickte.

Oder war die Bibel eine «Geschichte von unten»,

verfasst von Normalbürgern, die von Priestern

wie von den Königen unterdrückt wurden?

Nein, [...] die jüdischen Schriften (das Alte Testament)

beschuldigten die Juden, 2 korrupt, habgierig,

verschlagen, dumm, halsstarrig und voller Rebellion

zu sein.

Ich hielt es auch für möglich,

dass die Bibel das Werk

von Propheten sein könnte.

Waren diese Männer nicht

immer schnell bei der Hand,

jeden zu beschuldigen? Aber

dann ergab ein zweiter Blick

in diese scheinbar langweiligen

Bücher der Könige und

Chroniken, dass die Mehr-

Während wir die Literatur interpretieren, ist

es bei der Offenbarung umgekehrt, da sie es

ist, die uns interpretiert [...]. Offenbarung steht

über uns, bewertet uns und ruft uns auf, wieder

zur Vernunft zu kommen. Wiederholt haben sich

die Juden in der Bibel für das Böse entschieden.

Doch selbst bei einer solchen Entscheidung blieb

die Offenbarung als übergeordneter Wahrheitsmaßstab

bestehen und ermöglichte Selbstkritik

und Veränderung. Sie entlarvte die falschen

Ideologien [...]. Diese prophetische Sitte, das eigene

Volk zu kritisieren und Selbstkritik zu üben,

ließ die Juden zum Segen für die Welt werden. 3

Aufgrund der göttlichen Offenbarung bekam die

Menschheit Kenntnis von Gottes Liebe und von

seinem Gericht. So begriff ich, warum es dem

Westen trotz vieler Phasen moralischen und intellektuellen

Zerfalls immer wieder mit Hilfe der

Bibel gelang, sich zu reformieren und zu verbessern.

[...] Nur der Mensch, der sich einer höheren

Autorität beugt, erfährt echte Veränderung. [...]

Auf den ersten Blick schien die Bibel eine lose

Sammlung von Büchern über Geschichte, Rituale,

Philosophie zu sein, angereichert mit Biografien,

Lyrik und Prophetien [... Doch ich konnte] erkennen,

dass die verschiedenen, scheinbar in keinem

Zusammenhang stehenden Bücher der Bibel eine

klare Aussage hatten und ein roter Faden alle zu

24 Z für Zukunft


Sie haben einige gute Möglichkeiten:

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dem Zeit-Geist.

Leser, die von den etablierten

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erwarten, hoffen vergeblich.

In der Tat: Heute, wo

Meinungsfreiheit geradezu in

den Stand der Heiligkeit erhoben

wird, sind eine Fülle neuer

Tabus errichtet worden. Denken

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TV-Sprecherin die einseitige Verherrlichung

der erwerbstätigen

Frau infragestellt und den Wert

der Mutter öffentlich ausspricht,

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der Wahrheit.“

Christa Meves

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26

Z für Zukunft


Fundament der Gesellschaft

einem Ganzen verband [...] Mir wurde deutlich:

Die Sünde hatte Fluch über alle Völker der

Erde gebracht, aber Gott hatte Abraham aufgefordert,

ihm zu folgen, weil er die Völker der Welt

durch seine Nachkommen segnen wollte. Ich erkannte,

dass Gottes Wunsch, die Menschen zu

segnen, schon im ersten Kapitel des Buchs

Mose zum Ausdruck kommt und im letzten Kapitel

des letzten Buches in einer gewaltigen Vision

von der Heilung aller Völker seinen Höhepunkt

findet.

Die Schlussfolgerung lag auf der Hand: Die

Bibel forderte mich auf, sie zu lesen, weil sie geschrieben

wurde, um mich und mein Volk zu segnen.

Diese Erkenntnis, dass Gott mein indisches

Volk segnen wollte, erstaunte mich. Zudem erkannte

ich, dass ich diese Verheißung überprüfen

konnte. [...] Wurde mein indisches Volk von

den Kindern Abrahams gesegnet? Wenn ja, dann

hatte ich als Inder guten Grund, mich mit diesem

Buch zu befassen.

Meine Nachforschungen, ob Gott die Bibel tatsächlich

gebraucht hatte, um Indien zu segnen,

sollte unglaubliche Entdeckungen zutage fördern:

Die Universität, an der ich studierte; die

Kommunalverwaltung und die Demokratie, in der

ich lebte; das hohe Gericht mit seinem Rechtssystem;

die Tageszeitung, für die ich zu schreiben begonnen

hatte; [...] die öffentliche Bibliothek unweit

unseres Gartens; [...] die medizinische Versorgung

[...] wie auch das Landwirtschaftliche Institut auf

der anderen Seite der Stadt – all dies war allein in

meiner Heimatstadt entstanden, weil einige Menschen

die Bibel ernst genommen hatten.

Bis zu diesem Augenblick lautete meine Information,

die «Indische Renaissance» des 19. Jh.

hätte mit Radscha Ram Mohan Roy begonnen.

Nun sollte ich jedoch mit Erstaunen feststellen,

dass sie begann, als die Bibel nach Indien kam.

Wir hatten immer wieder gesagt bekommen, Mahatma

Gandhi habe Indien befreit, doch nun erfuhr

ich zu meiner Überraschung, dass Indiens

Freiheit in Wirklichkeit eine Frucht der Bibel war.

Bevor die Bibel in unser Land kam, verfügte unser

indisches Volk über kein modernes Konzept von

Staat oder Freiheit. Vielmehr sicherten bei uns

Foto: © Allahabad University

hinduistische Generäle die Herrschaft der Moguln.

Aber das war nur der Anfang.

Die Bibel war die wahre Seele der westlichen

Kultur. [...] Sie war die Kraft, die die westliche Kultur

in alle Welt trug.

Mit diesem kurzen Auszug des 608 Seiten umfassenden

Buches des indischen Philosophen bekommen

wir von „außen“ eine brillante Wertschätzung

dessen, was eigentlich die Grundlage unserer Kultur

ausmacht. Das fordert heraus, nachzudenken,

wie es nur sein konnte, dass sich der Westen von

diesem Segen so massiv abwenden konnte.

Dr. h. c. Vishal Mangalwadi, 1949 in Indien geboren, wurde auf

Grund von philosophischen Vergleichen Christ. Später studierte

er u. a. an indischen Universitäten Philosophie und veröffentlichte

1975 seine Forschungsergebnisse unter dem Titel „A World Of

Gurus”. Von 1976 an arbeitete er in Zentralindien in verschiedenen

Projekten zur Bekämpfung der Armut (landwirtschaftliche

Entwicklungsprojekte, medizinische Hilfsprogramme, Bildungsprojekte);

gleichzeitig war er politisch und publizistisch tätig. Er

ist verheiratet, Vater von zwei Töchtern und vierfacher Großvater.

Buchauszug aus: Vishal Mangalwadi, „Das Buch der Mitte. Wie

wir wurden, was wir sind: Die Bibel als Herzstück der westlichen

Kultur“, ´fontis – Brunnen Basel, 2014. ISBN 978-3-038480-04-4

Online: http://shop.agentur-pji.com/das-buch-der-mitte.html

1 Chanten wird als das Lobpreisen, Singen, Rezitieren oder Murmeln

von Mantras, Namen von Geistern, verstanden. – Anm. d. Red.

2 Das schließt auch die Israeliten ein.

3 Hervorhebungen durch Unterstreichung hinzugefügt.

Diese Buch

lohnt sich

wirklich zu

lesen

Die Universität, an der

Vishal Mangalwadi

studierte, war in seiner

Heimatstadt entstanden,

weil einige Menschen die

Bibel ernst genommen

hatten – so Mangalwadis

Überzeugung

Z für Zukunft

27


Public Relation

• Beratung nicht nur über die Vorteile, sondern unaufgefordert

auch über die wesentlichen Nachteile der

Care-Concept-Produkte

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Die Arbeit an Entwicklungsprojekten wie der Mikrokrankenversicherung

(für die Ärmsten der Armen),

als Auftrag und Berufung vor dem Hintergrund des

Corporate Social Responsibility (Soziales Verantwortungsbewusstsein)

des Unternehmens

Auswahl der Kooperationspartner

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angegliederten Versorgungsverein für Missionare

der Entraide Missionaire (Paris) für Ordensangehörige

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Krankenversorgung an, die auf Gewinnanteile für den

Versicherer verzichtet, weil es sich um ein Selbstversorgungswerk

handelt.

Internationale

Krankenversicherung

auf gutem Fundament

Die Care Concept AG (CCAG) hilft Ausländern

in Deutschland, Deutschen im Ausland und

Reisenden weltweit, für ihre kurz- bis langfristigen

Auslandsaufenthalte die passende Krankenversicherung

zu finden. So können sich z. B. deutsche

Versicherungsnehmer für 1,14 € am Tag ein ganzes

Jahr weltweit (ohne Nafta) im Ausland versichern;

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in den ersten 90 Tagen in Deutschland für nur

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Krankenversicherung aus der Werte-Perspektive

... bedeutet für die CCAG:

• faire und stabile Produktkalkulationen aus der

Überzeugung heraus, dass schon der Produktpreis

an sich einen Wert darstellt

CCAG-Kooperationen und wertorientierte Produkte

im Bereich der gesetzlichen Krankenkassen

• Aufgrund gesetzlicher Vorgaben ist es leider keiner

deutschen gesetzlichen Krankenkasse erlaubt, sich für

das Leben Ungeborener im Mutterleib einzusetzen.

Die BKK family versucht jedoch diesen Spagat, indem

sie Werte wie Nächstenliebe und das christliche Menschenbild

als das Leitbild für ihren auf dem Grundgesetz

beruhenden Auftrag betont. Dies macht Hoffnung

auf mehr. Daher ist die BKK family derzeit der bevorzugte

Kooperationspartner der CCAG für Kunden, die

sich in diesen Wertvorstellungen wiederfinden.

• Für alle anderen Kunden bietet die CCAG durch erleichterte

Online-Beantragungsverfahren und hilfreiche

Übersetzungsdienste mit ihren derzeit 13 verschiedenen

Fremdsprachen im Hause die DAK als

leistungsstarken Kooperationspartner an. Diese Kooperation

ist langjährig erprobt und findet insbesondere

Zuspruch bei ausländischen Studierenden.

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wir mit Roland Assistance einen sogenannten

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der Müttern alle Fragen rund um die Schwangerschaft

neutral beantwortet und werdende Mütter

mutmachend berät – mit dem Ziel einer ausgeglichenen

Schwangerschaft und Geburt.

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durch christliche Werte geprägten Produkte der CCAG

finden Sie unter: www.care-concept.de/ichthys. Für

eine persönliche Beratung zu diesen Themen steht Ihnen

der Vertriebsdirektor Herr Frank Brandenberg zur

Verfügung unter f.brandenberg@care-concept.de.

28

Z für Zukunft


Fundament der Gesellschaft

Foto: © frickr/DaiLuo

Das Buch, das die Welt verändert

Loren Cunningham hat in den letzten 50 Jahren buchstäblich jedes Land dieser Erde besucht. Dabei kam er zu dem

Ergebnis, dass keine Nation zu arm, zu korrupt, zu gespalten durch Krieg, zu düster ist, um nicht zum Guten verändert

werden zu können. Grundlegende Prinzipien, die Lösungen für jedes Problem in sich tragen, hat er im Buch

der Bücher entdeckt. Seinen Einblick und Erfahrungen hat er in einem Buch zusammengefasst: „Das Buch, das Nationen

transformiert – Die Kraft der Bibel, jede Nation zu verändern“. Gönnen Sie sich diese kleine Kostprobe.

Loren Cunningham sieht China auf dem besten

Weg, zur führenden Nation der Erde zu

werden, während der Westen sich in einer

Abwärtsspirale befindet. Diese Tatsache wurde

ihm bei einem Gespräch mit einem Journalisten

aus China bewusst. Es war am Vorabend des neuen

Jahrtausends in Neuseeland. Viele internationale

Pressevertreter hatten sich um Mitternacht

ans Meeresufer von Gisborne eingefunden, jener

Stadt, die als allererste den ersten Sonnenaufgang

des neuen Jahrtausends erleben würde.

In diesem historischen Moment kam Cunningham

mit einem Journalisten einer führenden chinesischen

Zeitung ins Gespräch: „China kann in

diesem neuen Jahrhundert zur führenden Weltmacht

werden, wenn nur zwei Bedingungen erfüllt

würden ...“ Er nannte dem Reporter die beiden

Bedingungen; dieser wurde nachdenklich

und zugleich stimmte es ihn hoffnungsvoll. Cunningham

hingegen fand sich ernüchtert bei dem

Gedanken an die so gefährliche Lage, in die sich

sein eigenes Land, die USA, dabei hineinbewegt.

Wie lauten die beiden Bedingungen?

Die erste Bedingung: China wird zur führenden

Weltmacht, wenn sein Volk weiterhin eine derartig

starke Zunahme an Christen erlebt, die ihr Leben

auf dieses Buch, auf die Bibel gründen.

Um zu verstehen, was heute in China vor sich

geht, müssen wir die jüngere Geschichte betrachten.

In den letzten Jahrzehnten wurden durch den

Kommunismus die traditionellen Religionen Chinas,

der Taoismus und der Buddhismus, radikal

untergraben und aufgelöst. Es entstand ein Vakuum,

in dessen Folge die christliche Kirche ein

erstaunliches Wachstum erlebte – denn trotz aller

Bemühungen seitens der Regierung haben die

Foto: © Ywam

Loren Cunningham,

Gründer von „Jugend mit

einer Mission“, hat jedes

Land dieser Erde besucht

Z für Zukunft

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Fundament der Gesellschaft

Foto: © flickr/tomscy2000

Foto: © cccowe.org

Die Untergrundkirchen

in China sind die

schnellstwachsenden

christlichen Kirchen

der Welt

Trotz

massiver

Verfolgung

wenden sich

jedes Jahr

Millionen

Chinesen dem

Glauben an

Jesus Christus

zu

Chinesen sich geweigert zu akzeptieren, dass es

keine geistliche Dimension des Lebens gäbe. Die

Untergrundkirchen in China sind die schnellstwachsenden

christlichen Kirchen der Welt. Experten

sprechen von einem erstaunlichen drei- bis

vierprozentigem Wachstum pro Jahr. Mittlerweile

schätzt man die Christen auf 110 Millionen, was

8,5 Prozent der Bevölkerung entspricht.

Es ist schwer, sich solche Zahlen vorzustellen.

Wenn man sich die chinesischen Christen als eine

eigene Nation vorstellen würde, dann wären sie

die elftgrößte Nation der Welt! (Alle Deutschen

zusammengenommen wären deutlich weniger, sie

kämen auf Platz 17.)

Die Bibel, das Wort Gottes, schlägt schnell

Wurzeln im Leben des chinesischen Volkes. Interessanterweise

sind viele dieser neuen „Christen“

junge Menschen, denen ihr ganzes Leben lang

eingetrichtert wurde, es gebe keinen Gott. Trotz

massiver Christenverfolgung, die von beruflicher

Diskriminierung und Geldstrafen über Freiheitsverlust

und Folter bis hin zu Mord und Todesstrafe

reichte (und die noch nicht vollständig abgeklungen

ist), wenden sich jedes Jahr Millionen

Chinesen dem Glauben an Jesus Christus zu.

Sie finden Gott und sein Buch. David Aikman

vom Time Magazine, langjähriger Beobachter der

Entwicklung in China, sagte: „China ist dabei, ein

christliches Land zu werden. Ich erwarte, dass

China in den nächsten 20 Jahren zwischen 20 und

30 Prozent Christen haben wird.“

Bei einem Treffen mit Christen in einem Hinterzimmer

einer alten Fabrik am Rand einer chinesischen

Großstadt wurde Loren Cunningham

selbst Zeuge dieser Entwicklung. Alle Fenster

waren mit schwarzer Plastikfolie verklebt. Auf allen

Straßen, die zu diesem Raum führten, waren

eigene Leute mit Handys platziert, die sofort warnen

sollten, falls Polizei auftauchte. Trotz dieser

Sicherheitsmaßnahmen war die Gefahr so groß,

dass die Christen ihre Lieder nur leise und zurückhaltend

sangen.

Cunningham sollte vor der Abschlussklasse einer

geheimen theologischen Ausbildungsstätte in

China sprechen. Er fühlte sich etwas deplatziert.

Die meisten dieser jungen Leute hatten bereits

massive Christenverfolgung erlitten. Zwölf ihrer

Studienkollegen wurden ermordet. Sie waren unerschrocken,

mutig und bereit, egal was es sie kosten

würde. Diese jungen Männer und Frauen dort

sind nur ein winziger Teil einer großen Bewegung,

die Kirchenhistoriker staunen lässt und in so mancher

chinesischen Behörde Furcht auslöst. Wenn

die Chinesen weiterhin ihre Hoffnung auf den Gott

der Bibel setzen und sein Wort ernst nehmen, so

Cunningham, würde ihre Nation an Wohlstand zunehmen

und vielleicht bald die Welt anführen.

Die zweite Bedingung für China, zur führenden

Nation der Welt zu werden, werde erfüllt,

wenn die westlichen Nationen weiterhin und

mit gleichbleibender Geschwindigkeit sich von

der Bibel abwenden. Amerika und andere westliche

Nationen werden in ihrer Führungsrolle zunehmend

schwächer.

Ist Amerika heute ein unentwickeltes Land?

Diese Frage stellte vor Kurzem der Ökonom

Dr. Michael Schluter, Mitautor des Buches „The

R Factor“ (The Relationship Faktor = Der Beziehungsfaktor)

einer Gruppe von Führungspersönlichkeiten.

Dr. Schluter ist einer der Gründer der

Relationships Foundation (dt. Stiftung für Beziehungen).

Seine Stiftung war einer der Hauptvermittler

für die Schritte zur Versöhnung, die zum

Ende der Apartheid in Südafrika geführt haben.

Als Dr. Schluter diese überraschende Frage stellte,

waren die Zuhörer etwas verwundert. Er erklärte

weiter, dass Gott eine Nation vermutlich nicht

nach ihrem Einkommen beurteilt, sondern auf-

30

Z für Zukunft


Fundament der Gesellschaft

grund dessen, wie genau sie die Bibel befolgt – insbesondere

das größte Gebot, Gott zu lieben und den

anderen wie sich selbst. Wären gesunde Beziehungen

Bewertungskriterium für ein Land und nicht

das Durchschnittseinkommen der Bürger oder das

Bruttosozialprodukt, dann hätten die USA im globalen

Ranking einen ganz anderen Rang inne.

Fakt ist, Amerika hat eine der weltweit

höchsten Scheidungsraten: 43 Prozent aller

Ehen enden innerhalb von 15 Jahren. Amerika

hat zwei Millionen Gefängnisinsassen, das ist

die höchste Pro-Kopf-Rate der Welt, und die Sucht

nach Alkohol, Drogen, Glücksspiel und Pornografie

nimmt immer mehr überhand.

Warum ist die amerikanische Gesellschaft so

zerbrochen, obwohl sich mehr als 84 % der Amerikaner

als Christen bezeichnen? Die Antwort ist

klar. Während fast 70 Prozent der Amerikaner

jede Woche in eine Kirche gehen, hat das Wort

Gottes in ihrem Alltag kaum eine Bedeutung. Laut

einer Umfrage treffen nur sieben Prozent der Erwachsenen

zwischen 18 und 35 Jahren ihre moralischen

Entscheidungen auf der Grundlage der Bibel.

Für ältere Menschen über 35 Jahren liegt der

Prozentsatz etwas höher, bei 18 Prozent. Worauf

stützen sich die Amerikaner, wenn sie Entscheidungen

zu treffen haben? Laut dieser Umfrage

entscheiden die meisten aufgrund ihrer „Gefühle“

oder „dem Nutzen“, den sie sich selbst erhoffen.

Foto: © Sflickr/Rupert Ganzer

Europa gibt sein Erbe auf

Die Nationen Westeuropas wenden sich von Gott und

der Bibel sogar noch schneller ab, als dies in Amerika

der Fall ist. Europäer sehen Kirche und den

Glauben an Gott als altmodisch und unwichtig

an, oder sie halten ihn sogar für fortschrittsfeindlich.

Eine Langzeitstudie über europäische

Werte zeigt, wie weit sich die Europäer mittlerweile

von ihrem christlichen Erbe entfernt haben: Nur

21 Prozent der Europäer sagen, Religion sei für sie

„sehr wichtig“, und nur 15 Prozent nehmen an irgendeinem

Gottesdienst teil. Nur für wenige haben

Himmel, Hölle oder Sünde noch eine Bedeutung.

Andere Studien bestätigen dieses deprimierende

Bild. In England nehmen nur 11 Prozent

der Bevölkerung einmal im Monat an einem Gottesdienst

teil. Kein Wunder, dass die Prozentsätze

für Ehescheidung, alleinerziehende Eltern,

Selbstmord und Drogensucht so hoch sind und

dass die Gewalt in den Städten stetig zunimmt. In

Norwegen wird die Hälfte der Kinder durch unverheiratete

Frauen zur Welt gebracht. Es wird

immer mehr zur Normalität, dass Paare nicht

mehr heiraten. In Deutschland, der Geburtsstätte

der Reformation, gehen nur noch acht

Prozent der Menschen regelmäßig zur Kirche.

Traurigerweise herrscht in diesen einst christlichen

Nationen mittlerweile Feindseligkeit gegenüber

denen, die ihren auf die Bibel gegründeten

Glauben ernst nehmen. Stattdessen ist es

schick, die eigene Spiritualität in New Age, heidnischen

Kulten und okkulten Praktiken oder anderen

Philosophien auszuleben.

Amerika hat

zwei Millionen

Gefängnisinsassen,

das

ist die höchste

Pro-Kopf-Rate

der Welt

Ausbreitung des Islams in Europa

Das verschärft die Situation zusätzlich. Die muslimischen

Geburtenraten übersteigen die nichtmuslimischen

bei Weitem. Europäer bekommen

weniger Babys. Sie haben eine negative Geburtenrate,

sie gebären also nicht genug Kinder, um

die Sterberate auszugleichen. Andererseits hat

Europa Millionen von Gastarbeitern eingeladen,

die meisten aus dem Nahen Osten und Nordafrika.

Diese muslimischen Immigranten haben hohe

Geburtenraten. Wenn dieser Trend anhält, ist der

Islam gegen Ende dieses Jahrhunderts in Europa

die vorherrschende Religion.

Während westliche Nationen den Zuwachs

des Islams in Europa fürchten, scheinen sie für

ihr eigentliches Problem blind zu sein – den Verlust

ihres eigenen Glaubens. Wenn wir im Westen

Foto: © Agentur PJI/Montage

Wenn dieser Trend anhält,

ist der Islam gegen Ende

dieses Jahrhunderts in Europa

die vorherrschende Religion

Z für Zukunft

31


Fundament der Gesellschaft

Foto: © Wikipedia/Bernd Schwabe

Spaßgesellschaft - lebe, wie

es dir gefällt! Alles ist erlaubt

„Wenn wir

im Westen die

Bedeutung

Gottes herunterspielen,

wird

unsere

Führungsrolle

in der Welt

weiter

abnehmen“

Loren Cunningham &

Janice Rogers,

„Das Buch, das Nationen

transformiert – Die Kraft

der Bibel, jede Nation

zu verändern“,

William Carey Verlag,

ISBN 978-3-944108-35-3

weiterhin die Bedeutung Gottes herunterspielen

oder sogar seine Existenz leugnen und uns von

den absoluten Wahrheiten abwenden, die in der

Bibel offenbart werden, dann wird unsere Führungsrolle

in der Welt weiter deutlich abnehmen.

Unsere Kulturen werden sich mehr und mehr dem

Streben nach Vergnügung und Materialismus zuwenden,

wodurch Verantwortungslosigkeit, Unehrlichkeit,

Korruption und Gewalt zunehmen.

Eine neue Form von Armut zeichnet sich ab. Amerika

und der Westen werden zunehmend Zerfallserscheinungen

aufweisen. Und wenn China sein

erstaunliches Wachstum fortsetzt, dann wird es

innerhalb von drei oder vier Generationen zur

führenden Nation der Welt aufsteigen.

Dennoch glaubt Loren Cunningham nicht, dass

Niedergang das unabänderliche Schicksal des

Westens ist. „Wir können sehen und erleben,

dass sowohl China und der Westen – sowie alle

Nationen der Welt – sich zu dem Potenzial erheben,

mit welchem Gott jedes einzelne Land

gesegnet hat. Wir können erleben, dass sowohl

der Westen als auch China in Frieden und Einheit

zusammenleben und demselben Gott dienen. Wir

können unsere Länder transformiert und unsere

geistliche Grundlagen wiederhergestellt sehen.“

Diese Grundlagen befinden sich in einem Buch –

in Gottes Buch, der Bibel! Wagen wir es, an dieses

zu glauben und entsprechend zu handeln?

Können wir den Trend umkehren?

Ist es möglich, eine Gemeinschaft, eine Stadt oder

ein ganzes Land grundlegend umzugestalten?

Wenn wir das Vaterunser beten und uns bewusst

machen, was da über unsere Lippen kommt, fällt

uns vielleicht etwas auf: Darin sollen wir bitten,

dass sein – Gottes – Reich komme und sein Wille

auf der Erde geschehe, so wie er im Himmel

geschieht. Jesus Christus, der dieses Gebet empfahl,

gab seinen Nachfolgern auch den Auftrag,

alle Nationen zu Jüngern zu machen – das heißt,

sie sollten sie anleiten, alles umzusetzen, was er

ihnen vermittelt hatte.

Wäre es unmöglich, Gottes Absichten auf der

Erde auszuführen, könnten nicht ganze Nationen

Gottes weise Anordnungen übernehmen, hätte Jesus

dann diesen Auftrag erteilt? Sicher nicht. Er

würde doch nicht zu etwas auffordern, was nicht

umsetzbar wäre.

Einige vertreten die Auffassung, das Böse auf

der Erde könne man ohnehin nicht aufhalten. Obwohl

Loren Cunningham durchaus auch feststellt,

dass das Böse zunimmt, hält er Jesus dennoch

nicht für einen Fatalisten. Er ist überzeugt, dass

wir dazu beitragen können, dass unsere Länder

umgestaltet, zum Guten verändert werden. Ein

Zitat aus der Bibel: „Wo die Sünde zunimmt,

da nimmt die Gnade umso mehr zu.“ Rückzug,

Resignation – das kann nicht die Lösung sein.

Der Auftrag Jesu, alle Nationen anzuleiten und

zu seinen Nachfolgern zu machen, hat eine gute

Grundlage: „Mir ist alle Macht (Autorität) gegeben

im Himmel und auf Erden, sagt Jesus. Darum

geht nun hin und macht alle Nationen zu Jüngern

und leitet sie an, alles zu bewahren, was ich euch

mitgeteilt habe! Und zu guter Letzt: Ich bin bei

euch alle Tage bis zum Finale.“ 1

1 Matthäus 28,18–20.

32

Z für Zukunft


Testimonial

Foto: © Agentur-PJI/Bundesarchiv_101I-656-6103-07

Bei deinem Namen gerufen

Christa Meves erinnert sich in ihrem langen Leben an einen Moment, in dem sie als

19-jährige Studentin, auf einem Gefechtsstand dem unaufhörlichen Bombenhagel ausgesetzt,

ihr Ende unmittelbar vor Augen hatte.

Es konnte ja nur eine Feuerpause sein; es

war auch gewiss nicht die letzte Welle der

herandröhnenden Bomber. Ich wusste das;

denn ich saß als Flakwaffenhelferin im Gefechtsstand

einer Flakbatterie in der Nähe von Bitterfeld

und hatte die Aufgabe, in der Deutschlandkarte

kleine Holzflugzeuge anzubringen – die

„roten Enten“ kennzeichneten die angreifenden

Bomber –, je nach den mir per Funk übermittelten

Positionsangaben. Draußen, gewissermaßen „auf

der Brücke“, stand der Kommandant der Stellung.

Mit aufmerksamen Augen schaute er durch

einen Sehschlitz in den Bunker hinein und auf diese

Karte, um nach diesen Angaben dem Ring der

schweren Flakgeschütze seinen Schießbefehl zu

geben, die hier zur Verteidigung des größten Benzinwerkes

Deutschland, der Leuna- und Bunawerke,

aufgestellt waren.

In den Winternächten des Jahres 1945 flogen

meine „roten Enten“ immer seltener irgendwo

anders hin – sie nahmen wieder und wieder Kurs

direkt auf unseren Standort zu. Hölle. Das Zischen

und Pfeifen der Bomben, die Feuervulkane

der Explosionen, das fürchterliche Donnern der

schwersten Flakkanonen – Untergang. Es war sicher:

Heute oder morgen würde unweigerlich das

Ende kommen, wie schon für so viele unserer

Freunde … Es gab kein Entrinnen.

Ich hatte eine kleine Taschenbibel bei mir, und die

schlug ich auf, mit einem Stoßgebet in die unheimliche

Stille der Feuerpause hinein. In dieser Ausgabe

waren die wichtigsten Stellen fettgedruckt, und meine

Augen fielen auf einen Satz bei Jesaja 43:

„Fürchte dich nicht; denn ich

habe dich erlöst. Ich habe dich bei

deinem Namen gerufen; du bist

mein! Denn so du durch Wasser

gehst, will ich bei dir sein, dass dich

die Ströme nicht sollen ersäufen; und so du

durch Feuer gehst, sollst du nicht brennen, und

die Flamme soll dich nicht versengen. Denn ich bin

der Herr, dein Gott, der Heilige in Israel, dein Heiland,

… und ich habe dich lieb. …

So fürchte dich nun nicht; denn ich bin bei dir.“

Ich hatte

eine kleine

Bibel bei mir, in

der Stille der

Feuerpause

schlug ich

sie auf

Z für Zukunft

33


Testimonial

Foto: © Bundesarchiv_183-57339-0012

Es ging um die Verteidigung

des größten Benzinwerkes

Deutschlands, der Leunaund

Bunawerke

Christa Meves

feiert demnächst

den

90. Geburtstag

Foto: © Agentur PJI

Ich erspürte, ja, ich erlebte es, fest in Gottes

Hand zu sein!

Merkwürdigerweise überlebte ich das Inferno,

merkwürdigerweise begann das ganze Leben

noch einmal und wurde schön, immer schöner.

Später nahm ich mir diese Bibelstelle ausführlich

vor und erfuhr eine große Ernüchterung: Dem

auserwählten Volk war diese Verheißung damals

von Gott zugesprochen, keineswegs einer kleinen

deutschen Studentin, die ein verzweifelter Diktator,

als er mit dem Rücken zur Wand stand, unter

der Androhung von Gefängnisstrafe zu den Waffen

gerufen hatte. Aber es war doch mitten in der Hölle

wie ein Umschlossen-Werden mit einem Schutzmantel

gewesen – wie etwas ganz Unmittelbares.

Glücklicherweise stellte ich bei einer genaueren

Beschäftigung mit der Bibel (besonders mit

den Evangelien) fest, dass dort der direkte Zuspruch

an gewöhnliche Menschen gar nicht einmal

so selten ist. Im Alten Testament ist z. B. Samuel

so einer; in der Nacht wurde er bei seinem

Namen gerufen. Zuerst dachte er, der Priester

Eli hätte ihn gerufen. Er antwortete gewissermaßen

in einem noch unbewussten Gehorsam: „Hier

bin ich!“; denn natürlich begriff er noch nicht

sofort, worum es hier ging. Er musste sich erst

von seinem Lehrer, dem Priester Eli, davon überzeugen

lassen, dass es sich um einen Ruf durch

Gott selbst handelte. Dann allerdings antwortete

er ohne Wenn und Aber mit einer klaren Entscheidung:

„Rede, Herr; dein Diener hört!“ 1

Auch die Jünger waren schließlich schlichte

Menschen, und die kanaanäische und die samaritische

Frau erst recht. Der Ruf kann offenbar jeden

treffen, von gesellschaftlichen Rängen oder

höherer Schulbildung ist das nicht abhängig. Ja,

ist nicht seit Golgatha jeder von uns ein Gerufener

– gerufen bei seinem eigenen kleinen

Menschennamen? Ist es nicht lediglich nötig,

dass diese Gegebenheit in einer Schicksalsstunde

ins Bewusstsein tritt? Allerdings: Bei wem diese

Erkenntnis einschlägt, wer hinhorcht, der wird –

wie Samuel – geradezu davon hingerissen werden,

nun auch diesem Ruf zu folgen.

Vermutlich wird für viele Menschen, für die

Christsein zum Lebensausdruck geworden ist,

eine solche Ausrichtung nicht im Mindesten spektakulär

sein. Vielmehr wird das Timbre des Alltagslebens

jetzt lediglich ein ganz anderes: Es

wird eine viel tiefere, sinnvollere Färbung bekommen.

So wird jetzt z. B. als ein Gerufen-Sein erlebt,

Kinder aufzuziehen. Es dient jetzt höherer

Nachfolge, sich für andere Menschen einzusetzen,

und es wird jetzt zum normalen Lebensstil,

menschenfreundlich und hilfsbereit zu sein – am

Arbeitsplatz, als Nachbar, im Umfeld, als Ehemann,

als Ehefrau. Es bedeutet, bei Gottes Namen

gerufen zu sein, sich in seinen eigenen Begabungen

zu üben und dann gewissermaßen mit

seinen „Pfunden zu wuchern“. Das macht das Leben

schön und sinnvoll, und es beschenkt mit einem

Frieden, der sogar durch jede Hölle trägt,

wenn wir uns dieser Verheißung nur stellen.

In einer von Gott losgelösten Gesellschaft

scheint dieser Ruf ferne, für viele ist es, als wäre

überhaupt nichts da. Aber nur weil alles lauter

wurde, kann man auf keinen Fall sagen, dieser

Ruf wäre nicht mehr da. Selbst aus weiter Ferne

kann dieser Ruf nie ganz verstummen. Er mag leiser

zu sein scheinen, man muss in dieser schnelllebigen

Zeit vielleicht bewusster zur Ruhe kommen.

Aber dann hört man diesen Ruf auch jetzt: „Fürchte

dich nicht; denn ich habe dich erlöst. Ich habe

dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“

Gott kennt mich bei meinem Namen. Er sieht

mich. Ich bin nicht anonym, irgendwer in einer

34 Z für Zukunft


Das Buch vom unerhörten Sinn des

Leben zum Immer-wieder-lesen

Foto: © Wikipedia/Gerhard van Honthorst

Die

gebundene

Ausgabe

eine ganz

besondere

Geschenks-

Idee

Ein literarisches

Meisterwerk

von Martin Schleske

Feinsinnig

mit Tiefgang,

eines der

bedeutensten

Bücher

dieser Tage

König und Liedermacher: Davids Lieder sind populär seit 4000 Jahren

unüberschaubar großen Masse. Ich bin gewollt,

ich bin erkannt! So viele Einsame in unserer modernen

Gesellschaft sollten davon erfahren.

Der König David hat diese unfassbaren Gedanken

in einem Lied zusammengefasst:

„Denn du hast mich gebildet im Mutterleib.

Ich preise dich darüber, dass ich auf so erstaunliche

und ausgezeichnete Weise gemacht bin. Wunderbar

sind deine Werke, meine Seele erkennt es

sehr wohl. Deine Augen sahen mich bereits, ehe

ich noch bereitet war, und alle Tage waren in dein

Buch geschrieben, die noch werden sollten, bevor

sie waren. Wie schwer sind für mich, Gott, deine

Gedanken! Wie ist ihre Summe so groß!“ 2

Christa Meves, Kinder- und Jugendpsychotherapeutin sowie

Autorin vieler Bücher, die millionenfache Auflagen erreicht

haben. Über den Verein „Verantwortung für die Familie“

erhalten sie weiterführende Informationen: www.vfa-ev.de

1 1. Samuel 3,10.

2 Psalm 139,13–17.

Einer der großen Geigenbauer der Gegenwart nimmt alle

Phasen seines Handwerks als Gleichnis für das Leben. Er beschreibt

darin den christlichen Glauben auf so eindrucksvolle

Weise, dass sich jeder „Denker“ diesen Glauben ernsthaft

in Erwägung ziehen wird.

Die gebundene Ausgabe ist das

beste Geschenk, das Sie machen

können!

Gb, 325 S., 22 x 15 cm,

Best.Nr.: 453.103.711

21,95

Als CD: Martin Schleske, liest

die besten Passagen aus seinem

Buch und gewährt einen akustischen

Einblick in seine Künstler-Werkstatt.

Der Geiger Alban

Beikircher, Solist u.a. bei den

Münchner Symphonikern, bringt

eine Schleske-Geige auf dieser

Doppel-CD zum Klingen.

140 Min. Laufzeit, 12 S. Booklet,

Fotos von Donata Wenders

Best.Nr.: 453.103.709 19,99

Der Klang als Taschenbuch

Pb., 448 S., 13,5 x 20,6 cm

Best.Nr.: 453.103.708 12,99

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Z für Zukunft

35


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Multi-Media-Vortrag in Ihrer Kirche oder Ihrem Stadtsaal

Eine visuelle Reise durch die Geschichte der ersten Kirche in Kleinasien, begleitet von Ereignissen, als wäre man in die Zeit der Apostelgeschichte zurückversetzt

Auf der Suche nach

der Kraft des Glaubens

Außergewöhnliche Erfahrungen auf dem Paulusweg

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Prädikat

besonders

ermutigend

Panorama-Bilder aus dem Multi-Media-Vortrag

Auf der Suche nach der Kraft des

Glaubens hat sich Peter Ischka auf

die Spuren des Apostel Paulus und

der ersten Christen in „Kleinasien“,

der heutigen Türkei, begeben.

Herrliche Panoramabilder auf der

Großleinwand (9 x 3 Meter) zeigen

historische Stätten. Geschichte und

Gegenwart verschmelzen, wenn wir

von der Kraft der Anfänge der Kirche

inspiriert werden.

Orte des Christentums in der Türkei

Die Metropole Istanbul und der

Niedergang Konstantinopels

• Über Ankara zu den 1000 Höhlenkirchen

Kappadokiens und dem

Gebiet der Galeter

Die 7 apokalyptischen Gemeinden

• Das Naturwunder von Pamukkale gegenüber

dem legendären Laodicea

• An der türkischen Südküste fing

die eigentliche Reise für Paulus

an. Gerade dort hat Peter Ischka

nahzu alles erlebt, wovon in der

Apostelgeschichte berichtet wird.

Wie zu Zeiten

der Apostelgeschichte:

• Ein wegen seiner Bekehrung Inhaftierter

wird aus dem Gefängnis

befreit

• Daumennagelgroße Nierensteine verschwinden

nach schlichtem Gebet

• Jesus begegnet Muslimen in Träumen

und Visionen

• Ein Tauber bekommt sein Gehör

zurück.

• sogar ein Esel wird übernatürlich

berührt – u.v.m.

Das war für Peter Ischka nur der Anfang

einer Reihe praktischer Antworten

auf seine Frage nach der ursprünglichen

Kraft des Glaubens.

Dieser Vortrag richtet sich an:

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werden wollen

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36

Z für Zukunft


Leitthema

Foto: © fotolia/Jürgen Fälchle

Zukunftswerte allgegenwärtig

Vom Leben in einer zukünftigen Parallelwelt, vom Leben in der Gegenwart, vom ewigen

Leben – nicht nur auf Googleservern –, vom Wert der Zukunft.

Frank H. Wilhelmi

Von Algorithmen, Orakeln und Offenbarung

Szenario 1: Sie sitzen in einem interessanten Vortrag

und hören dem Sprecher zu. Plötzlich denken

Sie an die anstehende Auseinandersetzung

mit Ihrer Ehefrau oder an das in Kürze fällige

Personalgespräch mit Ihrem Chef. Dann wird Ihnen

bewusst, dass Sie entscheidende Inhalte des

Vortrags verpasst haben. Wo waren Sie mit Ihren

Gedanken?

Szenario 2: Sie führen nach Feierabend ein Gespräch

mit einem Kollegen, der ebenfalls in Ihrem

Unternehmen arbeitet. Er beklagt sich über den

täglichen Stress, den auch Sie zunehmend als

belastend empfinden. Wenn Sie am Abend nach

Hause kommen, stimmen Sie vor Ihrer Frau in

die allgemeine Klage über das „Burn-out-Syndrom“

ein. Verständnisvoll pflichtet sie Ihnen bei,

während Ihre sechjährige Tochter seit acht Uhr

früh unermüdlich und fröhlich herumspringt und

Sie, den „gestressten Mann“, nun auch noch zum

Spielen überreden will.

Sie fragen sich, warum die Kleine, die nur

ein Viertel Ihrer Körperkräfte besitzt, noch

so lebendig ist, und warum Sie müde und genervt

sind? Sie beschließen, der Sache nachzugehen,

und rekapitulieren ihren Arbeitsalltag:

7.30 Uhr aufstehen, eine Runde auf dem Heimtrainer,

Dusche, ausgiebiges Frühstück, im klimatisierten

Auto ins Büro gefahren, mit dem

Kollegen erst mal Kaffee getrunken, dann drei

Meetings (Gespräche bei Kaffee, Saft und Keksen),

dann Nachbereitung am Schreibtisch,

mit der Sekretärin die Dienstreise geplant

und dann Verträge für den Chef vorbereitet.

Anschließend fuhren Sie mit dem

Auto nach Hause und fielen müde auf

die Couch. Was war denn eigentlich

so anstrengend dabei?

Foto: © flickr/Simone Meier

Warum

bin ich so

müde und

genervt, die

Kleine aber

immer noch

so quicklebendig?

Z für Zukunft

37


Leitthema

Foto: © flickr-EladeManu

Foto: © flickr/Bhernandez

Wir leben in der Sorge vor

der Zukunft. Zwei Drittel

unserer Kraft fließen in ein

Leben in einer zukünftigen

Parallelwelt

Ist die

Identität

gefährdet,

reagiert die

Seele mit

Kompensationszwang.

Bedroht

werde ich nicht

vom Leben,

sondern nur

von meinen

Erwartungen

Leben wir in der Zukunft?

Nach Untersuchungen von Arbeitswissenschaftlern

arbeiten wir nur etwa ein Drittel unserer

Arbeitszeit, also durchschnittlich drei von neun

Stunden, wirklich konzentriert an der Lösung unserer

inhaltlichen Arbeitsaufgaben. Wenn wir in

einem 45-minütigen Vortrag sitzen, hören wir maximal

15 Minuten wirklich aktiv zu. Was passiert

in der restlichen Zeit?

Wir sind nicht präsent, leben nicht in der Gegenwart.

Wir leben in der Zukunft. Wie sieht diese

Zukunft aus und was macht die Sache so anstrengend?

Zwei Drittel unserer Kraft fließen in ein Leben

in einer zukünftigen Parallelwelt. Sie ist ein

Amalgam unserer Lernkurven, Erfahrungen und

Ängste sowie der empfundenen Mängel, die sich

im Gegenbild als Sehnsüchte vor unseren inneren

Augen formieren. Sie werden zu einer Projektionsfläche

für imaginäre Zukunftsszenarios. Während

wir uns in einem Meeting oder Vortrag befinden,

denken wir darüber nach, wohin wir in Urlaub fahren,

ob wir bei der Kollegin Chancen haben oder

wie wir den Job des Chefs ergattern können. Wir

stellen uns vor, wie wir dann bewundert werden

und wie unser Selbstwertgefühl steigt, oder aber:

wie wir beim Scheitern auf den Scherbenhaufen

unseres Lebens blicken und von unseren Freunden

verachtet werden. Das kostet Kraft!

Die sechsjährige Tochter hat deshalb so viel Energie,

weil sie ausschließlich in einer Zeit lebt, in

der Gegenwart. Seine Konzentration ist ganz im

Jetzt. Gefühle und Erfahrungen werden sofort

verarbeitet. Zweitens hat sie Vertrauen in die Liebe,

Wertschätzung und Geborgenheit der Familie.

Sie trägt (noch) keine Altlasten mit sich herum und

muss deshalb auch keine Befürchtungen über mögliche

Zukunftsszenarien haben – sie lebt in der Gewissheit,

dass sie eine gute Zukunft hat. Wo diese

verlässliche Liebe und Geborgenheit in einem familiären

Umfeld fehlt, zeigen auch Kinder Stress-

Symptome wie Hyperaktivität, krampfhaftes Suchen

nach Aufmerksamkeit oder Autismus.

Je nachdem, welche Deutungsmuster ich für das

Leben habe und welchen Wert die erwartete Zukunft

für mich hat – und welche Sehnsüchte, Befürchtungen

und Wünsche mich bewegen, wird das

meine Gefühle, mein Denken, Handeln und meine

Entscheidungen beeinflussen; meine Identität

scheint gefährdet oder aber bestätigt zu sein.

Zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Wenn die Identität gefährdet scheint, reagiert die

Seele mit Kontroll- oder Kompensationszwang.

Dabei ist lediglich eine potenzielle Bedrohung

meiner Erwartungen oder Projektionen – meines

selbsterzeugten Wertesystems „Leben“ – aufgetreten.

Bedroht werde ich nicht vom Leben an

sich, sondern nur von meiner Erwartung. Sie ist

Ergebnis eines unausgesprochenen Anspruchs,

der sich immer wieder als nicht haltbar erweist:

Ich fühle mich als Schöpfer, erlebe aber in der Realität

die Nichterfüllung dieses Anspruchs.

Wenn die Grundhaltung meines Lebens auf dem

Irr-Glauben basiert, dass das Ich (Individualismus)

oder die Gesellschaft (Sozialismus) für die Geschicke

meiner Existenz entscheidend sind, dann fällt

die Deutung jedes Ereignisses auf das Interpretationsmuster

dieses Werte-Kanons zurück. Mein

Glaube an den Ursprung, die Herkunft (religio) und

die Zukunft meines Lebens (das Ziel bzw. Ende =

Tod) ist prägend für die Deutung meines Erlebens.

Insofern bin ich für das, was ich glaube, tatsächlich

selbst verantwortlich – und mithin auch für die

Zukünfte, an deren Entstehung und Aufrechterhaltung

ich mich beteilige (Ur-Sünde) und in die ich

auch meine Kinder führe (Erb-Sünde).

Je weiter die erlebte (interpretierte, geglaubte)

Realität von der Erreichung meiner Wunschwelt

(Zukunft) abzuweichen scheint, umso

stärker fühle ich mich überfordert. Aus dieser

38

Z für Zukunft


Leitthema

Überschätzung (Versuchung) erwächst ein Verhalten,

das für mich und meine Mitwelt zerstörerisch

wirkt. Ich nehme andere Menschen und

die Natur (die Schöpfung) für die Verwirklichung

meiner Ziele in Anspruch – ich benutze sie, um

mein Bildnis von mir zu erzeugen, das der Skizze

des Schöpfers gleicht. Als Geschöpf falle ich nun

diesem Irrglauben gleichermaßen zum Opfer. Ich

bin überfordert und erlebe Burn-out durch Irrtum.

Weil ich die Wirklichkeit fehldeute, verbrenne

ich meine Lebenskraft.

Kennen Sie den Satz: „Wer bin ich –

und wenn ja – wie viele?“

Er ist der Ausruf einer Generation sogenannter

multipler Persönlichkeiten – Menschen, die ihre

Identität suchen. Ein solchermaßen in sich gespaltener

Mensch ist permanent damit beschäftigt,

sich zu (er-)finden. Er sucht sein Drehbuch –

d. h. ein stimmiges Selbstbild als Teil im Ganzen

der Welt. Die Ansprüche vieler Menschen, die nur

etwas für sich erreichen wollen und keine gemeinsame

Bestimmung haben, führen dazu, dass

sie einander als Konkurrenten sehen (in der Jagd

um Zeit und Ressourcen). Verzweifelt versucht

man nun, sich in den unterschiedlichen Rollen auf

den Bühnen der Welt zu inszenieren und eine illusionäre

Identität auszubilden, mit der man dem

permanent drohenden Kontrollverlust entgegenwirken

und sich möglichst lange „im Fahrersitz“

wähnen kann.

Foto: © flickr/Andy G

Das Linsengericht der Unsterblichkeit

Das Internet, die Werbung, virtual reality, video

games, second life, Avatare bieten wie nie zuvor

an, uns in scheinbar „berechenbaren“ Parallelwelten

zu bewegen. Die Drehbücher und Bühnen

dieser Parallelwelten sind Ergebnis einer wachsenden

Datenmenge, die wir alle täglich, ohne es

zu bemerken, ins Netz einspeisen. Wir geben Auskunft

über unsere intimsten Gefühle und Einstellungen,

ohne dass uns dies bewusst wird: meine

persönlichen Daten, mit wem ich kommuniziere,

was ich kaufe, was ich denke, wohin ich in Urlaub

fahre, welche Wege ich zurücklege (GPS),

welchen Partner ich suche – das ist der Stoff

der Drehbücher, die die Groß-Server generieren.

Sie sammeln Daten, bilden daraus Persönlichkeitsprofile

(gesammelte Identitäten, Cyber-DNA)

und verkaufen sie für Werbezwecke. Mithilfe von

Algorithmen (Szenarien, die sich aus Annahmen,

mathematischen Modellen und Datenkombinationen

ergeben) berechnen sie die Deutungsmuster

unseres Verhaltens und entwerfen daraus

Zukunfts-Szenarien. Diese werden uns dann als

Trends, Prognosen oder Analyse-Tools zur Verfügung

gestellt. Sie wirken navigatorisch, das heißt,

sie lenken und steuern uns, aber sie entspringen

nicht unserer eigenen Wahrnehmung oder Erfahrung.

In Ermangelung einer eigenen Bildungsinstanz

für Werte richten wir unser Leben ganz

nach den Maßstäben dieser virtuellen Orakel

aus. Diese bilden dann die „Erfahrungswelt“

der nächsten Generation.

In den Parallelwelten begegnen uns die Werbebotschaften

derjenigen, die uns für ein Linsengericht

unsere Daten entlocken. Sie bieten uns die

Attribute an, mit deren Hilfe wir uns per Flatrate

scheinbar glücklich und erfolgreich durchs Leben

bewegen können. Nach dem Tod verbleibt unser

virtuelles Erbe als Upload auf den Servern.

Unser Glaube an diese Orakel kostet uns alles(!).

Auch unsere Identität als Geliebte, ohne

Vorbedingung Wertgeschätzte, zum ewigen Leben

Berufene. Welch ein Unterschied zu den verzweifelten

Szenarien der Selbstverwirklichung, wenn

wir uns im Glauben an einen liebenden Gott ohne

Bedingungen angenommen wissen könnten. Wenn

wir die Gewissheit haben, dass die uns bevorstehende

Zukunft von Gott gecovert ist, dass alles,

„Burn-out“

in seiner

Vollendung

Virtual

reality, Videogames,

Second

Life, bieten uns

an, in scheinbar

„berechenbaren“

Parallelwelten

zu

leben

Z für Zukunft

39


Leitthema

Foto: © flickr/TheAlieness GiselaGiardino

Wir geben

Auskunft über

unsere intimsten

Gefühle und

Einstellungen

und werden

damit „unsterblich“

in den

Groß-Servern

dieser Welt

Foto: © ARD-Screenshot

Für das Buches:

„Wem gehört die

Zukunft?“ erhielt

Jaron Lanier dem

Friedenspreis des

Deutschen

Buchhandels 2014

was uns begegnet, uns zum Besseren wirkt. In

den Händen eines Gottes, der seinen Sohn geopfert

hat, damit wir Heilung erfahren. In einer Beziehung

zu ihm ist unsere Zukunft sicher und es ist

fazinierend sich bewusst zu werden, dass wir Kreationen

in seinem Ebenbild sind. Unsere Namen stehen

im sogenannten Buch des Lebens, einer weit

höheren Datentechnologie – achten wir nur darauf,

nicht aus Ignoranz die „Delete“-Taste zu drücken.

Das Internet als Gottesersatz?

Am 12. Oktober dieses Jahres wurde Jaron Lanier

mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels

ausgezeichnet. Der Titel seines Buches lautet:

„Wem gehört die Zukunft?“ In seiner Rede anlässlich

der Verleihung in der Frankfurter Paulskirche

führte der renommierte Wissenschaftler, Erfinder

der Virtual Reality, des ersten Avatars, Unternehmer,

Professor in Berkeley und Berater

von Microsoft und anderen prominenten

Internetfirmen aus:

„Es gibt eine allgemeine statistische

Vorhersehbarkeit, aber sie gilt nur für

begrenzte Zeitabschnitte, und ihre Beschränkungen

lassen sich nicht universell

vorhersagen. Cloud-basierte Statistiken

funktionieren also oft am Anfang,

und dann scheitern sie.

Zuerst glauben wir, wir könnten mit

unseren Computern in die Zukunft sehen,

doch dann plötzlich versagen unsere

Systeme.

Wer immer eine dieser Operationen betreibt,

die ich Sirenenserver nenne, kann die Normen

der Gesellschaft festlegen, zum Beispiel beim Datenschutz.

Es ist, als wäre er König.

Innerhalb der winzigen Elite der Milliardäre,

die die Cloud-Computer betreiben, herrscht der

laute, zuversichtliche Glaube, dass die Technologie

sie eines Tages unsterblich machen wird.

Google zum Beispiel finanziert eine große Organisation

mit dem Ziel, ›den Tod zu überwinden‹.

Eine weitere populäre Idee ist, unser Gehirn

in die virtuelle Realität ›upzuloaden‹, damit wir

für immer in einer Software-Form weiterleben

könnten.

Wir behandeln Hoffnungen und Glaube, als

wären sie etablierte Wissenschaft. Wir behandeln

Computer wie religiöse Objekte.

Für manche Techies mag der Glaube an die Besonderheit

des Menschen sentimental oder religiös

klingen, und so etwas können sie nicht leiden. Aber

wenn wir nicht an die menschliche Besonderheit

glauben würden, wie könnten wir dann nach einer

humanistischen Gesellschaft streben?“ 1

Frank H. Wilhelmi (*1958), lebt in Frankfurt am Main, seit 25

Jahren Unternehmer, seit 2008 Mitbegründer und Vorstand

einer mittelständischen Beteiligungsgesellschaft, Mitglied der

Forschungsgruppe Ethisch-Ökologisches Rating an der J.W.-Goethe-

Universität Frankfurt (Leiter Arbeitskreis Wirtschaft), u.a. Mitglied

von CRIC. e.V., Verein für ethische Investoren und ICCC International

Christian Chamber of Commerce.

1 Jaron Lanier, Ausschnitt aus der Rede zur Verleihung des

Friedenspreises des Deutschen Buchhandels am 12. Oktober

2014, veröffentlicht auf http://www.friedenspreis-des-deutschenbuchhandels.de/819312/.

Foto: © ARD-Screenshot

40

Z für Zukunft


Medien & Gesellschaft

Foto: © ARD-Schreenshot

Wie der Teufel das Weihwasser

– so fürchtet die ARD Christen mit Fundament. Lesen wir zwischen den Zeilen

der viel kritisierten NDR-Doku „Mission unter falscher Flagge“

Peter Ischka

Frau Mareike Fuchs und Sinje Stadtlich haben

in ihrem Film genau das gemacht, was

sie den Vertretern einiger „extrem konservativer

Kirchen“ – wie sie sie bezeichnen – angelastet

haben. Sie arbeiten stark mit Emotionen

und setzen subtile Betonungen.

Diese Doku vermittelt dem Fernsehzuschauer:

Der christliche Glaube, der sich auf die Bibel

beruft, darf lächerlich gemacht werden. Auch

Pfarrer der Landeskirche unterstützen das, wie

in dieser Sendung der Krankenhaus-Seelsorger Pfarrer

Joachim Schlecht. Von Sünde und Teufel will niemand

etwas hören. Das wäre nicht tolerant und entspricht

auch nicht einem „aufgeklärten“ Weltbild.

Die Moderation setzt Betonungen, die man in

gedruckter Form nur schwer vermitteln kann:

„Viele Emotionen und immer wieder eine Botschaft.

Für sie ist Jesus (hier klingt in der Betonung

dieses Namens etwas Verächtliches mit)

ein Retter, ein Vorbild – davon wollen sie andere

überzeugen.“ Auch bei „überzeugen“ dieser abfällige

Seitenhieb.

Die Bilder zeigen Ausschnitte von Veranstaltungen

des Gospel-Forums in Stuttgart, einer der größten

charismatischen Freikirchen in Deutschland.

Moderation: „Das Gospel-Forum, eine extrem

konservative christliche Gemeinde. Mit herkömmlichen

Gottesdiensten hat das hier nichts

zu tun.“ Das zumindest ist korrekt beobachtet.

Bei herkömmlichen Gottesdiensten ist die Besucherzahl

aufgrund sinkender Mitgliederzahlen

gut überschaubar. In diesem Gospel-Forum treffen

sich an Sonntagen etwa 4000 Menschen zu

Gottesdiensten.

Wir wollen hier nicht über Formen und theologische

Unterschiede sprechen. Da gäbe es

bei jeder Konfession und Denomination reichlich

Kritikpunkte, aber auch viel Gutes. Man

soll ja alles prüfen und das Gute behalten – wobei

die Betonung auf „das Gute behalten“ liegt.

In diesem Artikel wollen wir uns die spezielle

Betonung in der Doku näher ansehen: „Eine extrem

konservative christliche Kirche“. Der Untertitel

der Doku lautete „Radikale Christen in

Die ARD

promotet mit

dieser Sendung:

Es ist zeitgemäß,

sich über den

christlichen

Glauben, der sich

auf die Bibel

beruft, lächerlich

zu machen

Z für Zukunft

41


Medien & Gesellschaft

Herr Pfarrer Schlecht

erklärt im Laufe der

Sendung, was er alles

nicht glaubt und wozu

er sich nicht von Gott

berufen fühlt

Man preise Jesus wie bei

einer TV-Werbung an: „Mit

dieser Flasche Wein wirst

du glücklich!“ – meint

Pfarrer Schlecht

Deutschland“. Die nachfolgende Sendung brachte

„Sterben für Allah – deutsche Gotteskrieger“.

Was wollte der öffentlich-rechtliche Sender den

Zuschauern damit wohl sagen? Auf die vielen aufgebrachten

Protestschreiben wurde nur lapidar

geantwortet, davon habe man nichts gewusst, es

sei nur ein ungünstiger Zufall gewesen.

Wer heute an die Bibel als das Wort Gottes

glaubt, ist extrem konservativ. Die Doku signalisiert,

das sei gefährlich und deshalb abzulehnen.

Das ist nicht der erste Versuch, den uneingeschränkten

Glauben an die Bibel als radikal

abzustempeln und in der Nähe islamistischer Gotteskrieger

anzusiedeln. Warum das? Die Autorinnen

haben sich wahrscheinlich noch nicht mit den

Unterschieden der Inhalte von Bibel und Koran

auseinandergesetzt.

Moderation: „Jesus, angepriesen wie ein Allheilmittel.

Die dabei sind, glauben das – andere

sehen das kritisch.“ Wieder diese Unterstreichungen

in der Betonung. Das war durchaus keine neutrale

Feststellung. Die, die das glauben, werden

durch den gesetzten Akzent ins Abseits gestellt, zu

Sonderlingen gemacht. Die das kritisch sehen, die

sind die Guten. Zumindest gut für das, was die Autorinnen

mit der Sendung vermitteln wollen.

„Sie glauben an die Unfehlbarkeit der Bibel. Viele

sehen Jesus als Retter, der heute noch Wunder,

wie Heilungen, vollbringt. Die, die Jesus ablehnen,

seien verdammt und sollten errettet, also missioniert

werden.“

Foto: © ARD-Schreenshot

Dass Errettung notwendig sein könnte, ist ein

Anstoß. Das passt nicht eine Welt, in der alles

gleich gültig – also gleichgültig – sein sollte. So

eine Aussage konfrontiert den Pluralismus, der

so leben will, wie es einem gerade gefällt. Ist diese

Doku nicht auch ein subtiler Aufschrei einer

verlorenen Gesellschaft: Ich will nicht verdammt

sein! Aber so ein Schrei wäre uncool, also würgt

man ihn lieber gleich ab.

„An die Bibel als Wort Gottes zu glauben –

das tut man nicht, nicht mehr heute in einer

aufgeklärten Welt.“ Unausgesprochen wird das

in dem Beitrag immer wieder unterstrichen. Das

trifft die breite Stimmung in einer weitgehend

von Gott losgelösten Gesellschaft. So eine Doku

will im Kontrast zu dem unterdrückten Aufschrei

beruhigen und beteuern, dass man an dem Zustand

der Menschen nichts ändern müsse – Gottlosigkeit

sei schließlich Mainstream. Könnte

man nur die paar Stimmen, die noch von Verdammnis

und Errettung reden, zum Schweigen

bringen, wäre doch alles in bester Ordnung.

Der Krankenhausseelsorger Pfarrer Joachim

Schlecht kommt immer wieder zu Wort. Vermutlich

halten die Autorinnen ihn deshalb für kompetent,

weil er sich im Klinikum Bad Cannstatt seelisch

kranker Menschen annimmt. Darunter seien auch

solche, die mit dem „Produkt“ Jesus, wie man sich

hier ausdrückt, nicht glücklich geworden seien.

„Das erinnert mich an Manager-Seminare,

eher an die schlechteren. Wie man eingeschworen

wird, wie man sein Produkt am besten an den

Mann bringt. Wie alle mit diesem Produkt glücklich

sein werden und nur mit diesem. Wie bei einer

TV-Werbung: ›Mit dieser Flasche Wein wirst

du glücklich sein‹,“ so Schlecht.

Später sagt er: „Da haben die Charismatiker

so richtig die Nase vorne. Die sind laut, die sind

auffällig und sie berichten jedenfalls von ihren Erfolgserlebnissen,

von Heilungen. Die verstehen

es, am Markt präsent zu sein, von uns allen am

besten. Wenn ich mich da auch als Marktplayer

sehe ...“ Also Herr Pfarrer, sind das nun die

schlechten Manager-Seminare oder sind die die

Besseren am Markt? Was jetzt?

42

Z für Zukunft


Medien & Gesellschaft

Foto: © ARD-Schreenshot

An der Organisation „Zukunft für dich“ wird

bemängelt: „Die ganze Struktur ist missionarisch,

es geht um die Bibel und deren Inhalt.“ Das ist

ein „schwerwiegender“ Anklagepunkt. „Über die

›harmlosen‹ Spiele transportiert man Glaubensinhalte.

Die Hinwendung zu Jesus inszeniert der

Verein mit simplen Methoden.“

„Missionarisch“ gilt in unserer Gesellschaft

inzwischen als unanständig. Was man selber als

besonders gut erfahren hat, soll man keinem anderen

mitteilen dürfen? Ja, denn es könnte seine

Freiheit einschränken und ihn diskriminieren.

Den Pfarrer irritiert, dass in diesen extrem

konservativen Kirchen Menschen sich mit Sünden

befassen. Sünde, igittigitt!

Da suchte man sich für diese Doku natürlich

die plakativen Sünden heraus, um die Verächtlichkeit

und Lächerlichkeit so richtig hervorzuheben.

„Vorehelichen Geschlechtsverkehr“ – der

ist doch ganz normal, gang und gäbe. Der neue

Bildungsplan sieht doch vor, so früh wie möglich

alle sexuellen Formen auszuprobieren. Vorehelicher

Geschlechtsverkehr unnormal? Da kann sich

die breite Masse vor Lachen sicher nicht mehr

einkriegen. Nur die bibeltreuen Christen können

so rückwärtsgewandt sein! – Wusch, das hat gesessen.

– Damit ist der Doku die breite Sympathie

der Zuschauer sicher. Da bleibt kein Raum,

Sünde, dieses Geschwür unserer Zeit, ernsthaft

zu behandeln.

Natürlich darf auch Homosexualität nicht

fehlen. Wer dazu eine kritische Haltung hat, ist

schon mal triple-out und steht am Pranger unserer

Zeit. Auch der schwule Reporter durfte noch

mal auftreten, der unter Vortäuschung falscher

Auch der schwule NDR-Reporter Christian Deker kam zu Wort, er hat in einer Panorama-

Sendung unter Vortäuschung seelsorgerlicher Anliegen einige gutgläubige Christen aufs

Glatteis geführt

Foto: © ARD-Screenshot

Tatsachen einige gutgläubige Christen aufs Glatteis

geführt hat. Sünde ist so gut wie getilgt aus

dem Sprachgebrauch der „zeitgemäßen“ Gesellschaft.

Bloß die Früchte der Sünde sind noch da –

dafür heftiger denn je.

Nur in der Bibel wird Sünde immer noch als

Sünde bezeichnet. Daran ändert auch eine liberalste

Theologie nichts.

Aber dann kommt es noch dicker. Die Recherche

hat festgestellt: „Hinter der Fassade gibt es strenge

Vorschriften – auch zu Dingen, die als okkult

gelten, also angeblich aus der Hölle stammen.“

Pfarrer Schlecht: „Das entspricht auch den Lebensgefühlen

psychisch Kranker, dass viel Böses

und Dämonen um einen herum sind. Auch der Teufel

gar, oder Engel, die miteinander kämpfen.“

Jobst Bittner aus Tübingen war der Einzige der

„Angeklagten“ in dieser Sendung, der den Mut

hatte, vor die Kamera zu treten. Was bei anderen

nur durch emotional überzogene Film-Ausschnitte

einfloss, konnte er in ruhigen klaren Statements

zusammenfassen. So unterstrich er, dass

die Bibel Auskunft über Sünde, Hölle und Teufel

gibt – wäre das keine Realität, hätte Jesus nicht

sterben müssen.

Moderation, zuspitzend: „Vom Teufel geschaffene

Krankheiten heilen. Betroffene hören solche

Dinge allzu gerne und klammern sich an die Botschaft

der Gemeinde in Tübingen. Es gibt eine Berührung

Gottes. Viele, die diese Berührung nicht

Jobst Bittner aus

Tübingen war der

Einzige der „Angeklagten“

in dieser

Sendung, der den

Mut hatte, vor die

Kamera zu treten

Die Bibel gibt

Auskunft über

Sünde, Hölle und

Teufel – wäre das

keine Realität,

hätte Jesus nicht

sterben müssen

– sagt Jobst Bittner

Z für Zukunft

43


Medien & Gesellschaft

Foto © ARD Screenshot

So spooky zeigte man

einzelne anonyme

Aussteiger. Wer sucht, der

findet „Geschädigte“ bei

jeder Organisation, sicher

auch bei der ARD

Bei der Organisation

„Zukunft für dich“ geht

es um die Bibel und deren

Inhalt. Die ganze Struktur

ist „missionarisch“: Ein

„schwerwiegender“

Anklagepunkt von der ARD

empfinden, fühlen sich schuldig und glauben,

dass ihre Seele vom Teufel besessen sei“, vermuten

die Autorinnen. Dazu zeigte man ausgewählt

„ungünstige“ Ausschnitte von Gottesdiensten, die

die gewünschte Tendenz visuell unterstreichen.

Pfarrer Schlecht dazu: „Diese Erfahrung mache

ich auch. Manche wünschen sich dann, dass

dieser Teufel ausgetrieben wird, und wünschen

das sogar von mir als Seelsorger. Ich kann dann

nur sagen, ich mach das nicht.“

In diesem Abschnitt machte man sich über die

„Weltfremdheit“ der Christen lustig, weil man die

Existenz von Teufel und Dämonen ins Mittelalter

datiert. Aber da sind die Autorinnen nicht ganz

up-to-date. Teufelsanbetungskirchen haben auch

hierzulande Konjunktur. Für deren Mitglieder, die

sich auch in gehobenen Elitekreisen bewegen, ist

Satan eine Realität. Sie weihen ihm ihr Leben, um

im Gegenzug Macht zu erhalten. Auch die Fans

von Horrorfilm-Angeboten in TV und Kino siedeln

deren Inhalte nicht im Mittelalter an.

Aber in dieser Doku

attestiert man den Menschen,

die sich gegen

diese Kräfte des Bösen

stellen, ein „schlichtes“

Weltbild für ihre christliche

Mission. Die Verantwortlichen

werden,

wieder mit der anfangs

erwähnten verächtlichen Betonung, als „selbsternannte“

Pastoren bezeichnet, die sich von Gott

berufen fühlten.

Foto © ARD Screenshot

Wer hat Herrn Pfarrer Schlecht ernannt, der

im Laufe der Sendung erklärt hat, was er alles

nicht glaubt und wozu er sich nicht von Gott berufen

fühlt? Sollte in Zukunft der NDR Pastoren

ernennen?

Das Resümee dieser Sendung:

Es ist zeitgemäß, sich über Christen, die heute

noch an die Bibel glauben, lustig zu machen. In

Verbindung mit dem darauf folgenden Beitrag

über deutsche Islamisten-Gotteskrieger soll die

Angst vor „radikalen“ Christen weiter geschürt

werden – die allerdings, wenn sie ernsthaft das

Achtung! Laut ARD

sehen so die gefährlichen

radikalen Chrsten aus

tun würden, wozu die Bibel auffordert, ihren Mitmenschen

mit radikaler Liebe und Selbstlosigkeit

begegnen würden. Für eine selbstzentrierte, vereinsamende

und lieblose Welt wahrlich eine ernst

zu nehmende Gefahr.

Aber noch geht es uns in Deutschland ja gut.

Während im Irak und anderswo Christen, die an

die Bibel glauben, auf grausamste Weise hingemetzelt

werden, werden hierzulande Menschen

mit solch „schlichtem“ Weltbild „nur“ diffamiert

und der Lächerlichkeit preisgegeben.

44

Z für Zukunft


Glaube & Gesellschaft

Gottesdienst – ohne Gott

Nachdem von London ausgehend inzwischen weltweit Sonntagsveranstaltungen für

Menschen ohne Religion „gefeiert“ werden, startet „Sunday Assemblies“, die „Kirche“

für Atheisten, nun auch in Deutschland. Die Nachfrage sei groß.

Martin Fontanari

Foto: © sundayassembly.com

Im Januar 2013 hatten der Komiker Sanderson

Jones und Pippa Evans die erste „Sonntagsversammlung“

veranstaltet. Mittlerweile gibt

es weltweit mehr als 30 Versammlungen, darunter

in Belgien, Frankreich, den Niederlanden, den

USA und Deutschland. Ab Anfang 2015 sollen

weitere 15 Assemblys dazukommen.

Die Sonntagsversammlungen folgen weltweit

demselben Konzept. Der Ablauf ist immer

gleich – mit Liedern bekannter Interpreten, philosophischen

Texten, Reflexionen und einer Kollekte;

man möchte soziale Projekte unterstützen und

Gemeinschaft fördern. Es gebe hier keine Religion

und keinen Gott, es gehe nur um ein gemeinsames

Wertesystem – „ein guter Mensch zu sein“.

Diese „atheistischen Gottesdienste“ stehen

weltweit unter dem Motto „Lebe besser, hilf

oft, staune mehr” („Live better. Help often. Wonder

more“).

Gesang, Philosophie, Stille & Gemeinschaft

Die Versammlungen ähneln durchaus bewusst

einem Gottesdienst, gibt es doch immer gemeinsamen

Gesang von Popsongs wie „Über den Wolken“

von Reinhard Mey, Bill Withers‘ „Lean on

me“, „Imagine“ von John Lennon oder „Geboren“

(Die Fantastischen Vier); hier darf kräftig mitgesungen

und geklatscht werden. Vorträge aus

dem Bereich der Philosophie oder der Naturwissenschaft

und Lesungen philosophischer

oder literarischer Texte sorgen für den besinnlichen

Teil. In solchen Versammlungen werden

Themen wie „Jenseits von Gut und Böse“ (Philosoph

Michael Schmidt-Salomon) oder „Gut sein

ohne Gott – Ethik und Weltanschauung für Kinder

und andere aufgeklärte Menschen“ behandelt.

Auch persönliche Berichte, „Zeugnisse“, sollen

nicht fehlen. Gemeinsames Schweigen ist so etwas

wie Meditation.

Rituale sind erwünscht, nur keine religiösen.

Im Zentrum stehen humanistische Werte. Am

Ende geht ein Sektkübel für die Kollekte herum.

„Sunday Assembly ist eine Gemeinde ohne

Gott, die sich trifft, um das Leben zu feiern und

gemeinsam aus der verbleibenden Zeit bis zum

Tod das Beste zu machen.” Bei der Berliner Ver-

Foto: © sundayassembly.com

„Lebe

besser,

hilf oft,

staune

mehr“

Sanderson Jones und

Pippa Evans haben

die erste atheistische

Sonntagsversammlung

veranstaltet

Z für Zukunft

45


Glaube & Gesellschaft

Foto: © sundayassembly.com

Wie ein ganz „normaler“

Gottesdienst, nur

eben ohne Gott.

Berlin

wird als die

Hauptstadt der

Konfessionslosen

gesehen

sammlung will man dem internationalen Modell

folgen. In einem Flyer wird das Vorhaben so beschrieben:

Die positive Energie, die von der Sunday

Assembly ausgeht, die ansteckende Lebensfreude

in den Versammlungen – das ist genau das,

was uns hier in Berlin fehlt. Hier in der Hauptstadt

der Konfessionslosen gibt es zwar viele einzelne

Veranstaltungen für Atheisten, Agnostiker,

‚Nones’ und Skeptiker, aber keinen Ort, an dem

gemeinsam dieses eine Leben gefeiert wird, das

wir haben. Deshalb starten wir hier in Berlin unsere

Sunday Assembly.”

Sanderson Jones, erklärt seine Motivation so:

„Wir sind eine gottlose Versammlung. Wir wollen

besser leben und wollen öfter über das Wunder

des Lebens staunen.”

Andere, die über die Wunder der Natur und

des Lebens staunen, finden dabei Gott – so unterschiedlich

können Wege verlaufen.

Bei einem Weihnachtskonzert hatte er den

zündenden Funken für eine Gottlosen-Gemeinschaft

erhalten: „Da gab es so viel, was ich gern

mochte. Aber leider war der Kern etwas, an das

ich nicht glaube. Wenn ich an Kirchen denke, gibt

es wenig, das schlecht ist. Man singt dort schöne

Lieder, hört Interessantes, denkt darüber nach,

wie man selbst besser werden und anderen Menschen

helfen kann – und das in Gemeinschaft mit

wunderbaren Menschen. Was sollte man daran

nicht mögen?”

Christliche Gottesdienste fand Jones durchaus

positiv, nur von Gott hat er sich ein für alle Mal

verabschiedet. „Wenn ich in meinen Schuhen

einen Stein finde, schmeiß ich ja auch nicht

die Schuhe weg, sondern den Stein“, erklärt

er. „Also flog bei unserer Versammlung einfach

Gott raus.“

Traditioneller Atheismus

– Wenn Religion einfach

nicht mehr interessiert

Diese gottlosen Versammlungen

sollen Menschen ansprechen,

die nicht religiös sein

wollen, aber doch Gemeinschaft

suchen, um sich gemeinsam

für humanistische Werte

zu engagieren. Man geht von

einem Bedürfnis aus. Die „Sunday

Assemblys“ expantieren

weltweit. Traditionelle Kirchen

hingegen verlieren Mitglieder,

gerade in Deutschland.

Die Anhänger dieser Atheisten-Kirchen wollen

keine Lebenszeit mit der Beschäftigung

mit Religion vergeuden. Für die Zielgruppe dieser

Sonntagsveranstaltungen ist Religion bedeutungslos.

Den Initiatoren der Sunday Assembly

geht es, wie sie es ausdrücken, um Wesentlicheres

– um das Leben, um Mitmenschlichkeit, um

humanistische Werte. Ihr Leben ist kurz, denn ein

Leben nach dem Tod ist in ihrem Konzept nicht

vorgesehen. Man bemüht sich um Werte, nach deren

Ursprung und Wurzeln man dort aber lieber

nicht fragt, könnte man sich doch plötzlich dort

wiederfinden, von wo man sich so mühsam losgelöst

hat – bei Gott.

46

Z für Zukunft


Glaube & Gesellschaft

Gottlos glücklich

Eine Initiative will Kirche aus der Öffentlichkeit beseitigen. Ostern ist bekanntlich das

bedeutendste Fest der Christen. Im Vorfeld dazu wirbt diese Initiative für den Kirchenaustritt

und fordert die Eliminierung des Glaubens aus dem öffentlichen Raum.

Martin Fontanari

Foto: © Deutscher Freidenker e.V.

„Hasenfest“ statt Osterfest

Dieses von der Giordano-Bruno-Stiftung unterstützte

Angebot unterschiedlicher atheistischer

und linksorientierter Gruppierungen, vereinigt in

einem „Aktionsbündnis Kirchenaustritt“, gibt es

nun schon seit einigen Jahren. Je mehr Menschen

sich von Kirche und Glauben abwenden, desto

lautstärker werden die Hasen-Jünger.

Die Initiatoren rufen dazu auf, sich in ethischen

Fragen nicht an „heiligen Büchern“ wie

z. B. der Bibel zu orientieren, die in weiten Teilen

reaktionär, antidemokratisch und inhuman seien,

sondern an universellen menschlichen Fähigkeiten:

der Vernunft, Liebe, Toleranz und der Verantwortung

gegenüber sich selbst und anderen. Man

ruft sich gegenseitig zu: „Gut ohne Gott!“

Diesen Angriff auf die Kirche könnten praktizierende

Christen als Provokation empfinden, zumindest

aber als ziemlich intolerant. Müsste man doch

davon ausgehen können, dass wir in einer multikulturellen

Gesellschaft mit Menschen unterschiedlicher

Glaubensrichtungen friedlich zusammenzuleben

wollen – und zu guter Letzt ist auch der

Atheismus eine Glaubensrichtung, eine von vielen,

eben der Glaube an die Nichtexistenz Gottes.

Die Diskussion über die gesetzlich bestimmte

Ruhe an den „stillen“ Feiertagen wie Karfreitag

wird in diesem Zusammenhang immer wieder angefacht.

„Ich lass Dich beten, lass Du mich tanzen”,

so lautet einer der einprägsamen Sprüche

zum „Hasenfest”. Wähnt man doch die Freiheit in

Gefahr, wenn man ausgerechnet an diesem Tag

nicht tanzen darf, wo man an den anderen 364

Tagen im Jahr dazu doch keine Zeit fand. Diese

Regelung im Zusammenhang mit den christlichen

Feiertagen passe nicht

mehr in diese Zeit,

gibt man sich kämpferisch.

Allerdings genießen

auch die tanzenden

Atheisten die freien

Tage an Weihnachten

und zu Pfingsten und

denken nicht im Geringsten daran, konsequenterweise

ihre Abscheu gegen Religion durch einen

Verzicht darauf umzusetzen.

Die Initiatoren

rufen auf, sich in

ethischen Fragen

nicht an „heiligen

Büchern“ wie z. B.

der Bibel zu orientieren,

die wäre

reaktionär, antidemokratisch

und

inhuman

Wer sich beim

„Hasenfest“ zu einem

Kirchenaustritt bewegen

lässt, bekommt die

Gebühr erstattet

Z für Zukunft

47


Glaube & Gesellschaft

Die Initiative ist in mehreren Landeshauptstädten

aktiv. So leuchtet es zum Beispiel an der

Düsseldorfer Friedrichstraße in großen Lettern

von der Auslagenscheibe: „Gottlos glücklich“.

Dort proklamiert der „Düsseldorfer Aufklärungsdienst“

eine religionsfreie Gesellschaft, in

der der Glaube aus dem öffentlichen Raum verschwinden

müsse.

Austrittswillige nicht mehr weit zum Standesamt.

Wer es wünschte, dem wurde Begleitung zum

Austritt angeboten. Für die professionelle Öffentlichkeitsarbeit

wurden Personen gesucht, die sich

bei ihrem Austritt filmen lassen, angekündigt hatte

sich das Bayerische Fernsehen.

In Frankfurt zeichnete der Internationale

Bund der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA)

für das Hasenfest verantwortlich. Ihr Ziel war es

zu zeigen, dass ethisches Verhalten kein religiöses

Fundament benötigt.

Foto: © hasenfest.org

An Infoständen klärt

man Passanten über

die Kirchenaustritts-

Förderung auf

Das Hasenfest an Ostern soll mit „feierlichen“

Kirchenaustritten begangen werden. In den jeweiligen

Städten werden am Gründonnerstag die Austrittsgebühren

(30 Euro) von der Giordano-Bruno-

Stiftung erstattet. Finale des „säkularen Frühlings“

am Karfreitag dieses Jahres war die Vorführung des

Films „Das Leben des Brian“.

Im Herzen von Augsburg hat man für das Hasenfest

den Moritzplatz gewählt. So haben es

Die Giordano-Bruno-Stiftung, die die Hasenfeste

unterstützt, orientiert sich am Leitbild des evolutionären

Humanismus. „Wir sind nicht die Krone der

Schöpfung, sondern die Neandertaler von morgen.“

Man sieht den Menschen als ein unbeabsichtigtes

Produkt der natürlichen Evolution, das sich nur graduell

und nicht prinzipiell von den anderen Lebensformen

unterscheidet. „Der evolutionär denkende

Mensch kann nicht mehr Schutz vor der Einsamkeit

suchen, indem er sich in die Arme einer zum Gott

erhobenen – von ihm selbst geschaffenen – Vatergestalt

flüchtet”, wie der Evolutionsbiologe Julian Huxley

auf der Website der Stiftung zitiert wird.

Prof. Dr. Martin Fontanari ist Geschäftsführer der Stiftung

für Familienwerte und Professor für Unternehmensführung an

einer internationalen Universität. Studien in Innsbruck, Trier, New

Orleans, Philadelphia und Bangkok. Er ist Vater von fünf Kindern.

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Glaube & Gesellschaft

Der Gottesbeweis

Im Zeitalter des Evolutionären Humanismus schließt man die Existenz Gottes aus.

So zu denken ist allerdings völlig unwissenschaftlich, obwohl man dabei die eigene

Wissenschaftlichkeit immer besonders betont.

Gemälde: © Michelangelo/Monage

Dieses Denkmodell hat historische Gründe;

im Zuge der Aufklärung hat man die

Möglichkeit einer Existenz Gottes eben

weitgehend aus allen Betrachtungen gestrichen.

Nach Immanuel Kant hat man sich von aller

„selbstverschuldeten Unmündigkeit“ befreit –

und dabei versäumt, zwischen der Dominanz der

Kirche und der Dimension Gottes zu differenzieren.

Ein fataler Fehler.

Der Evolutionäre Humanismus, der weitgehend

das westliche Denkmodell prägt, sieht sich als konsequente

Umsetzung der Aufklärung durch kritische

Rationalität und Selbstbestimmung – im Gegensatz

zu einer möglichen „Fremdbestimmung“

durch einen Gott. Dabei sieht man den Menschen

nicht als „Krone der Schöpfung“, sondern als unbeabsichtigtes,

zufälliges Produkt der natürlichen

Evolution, das sich nur graduell und nicht prinzipiell

von den anderen Lebensformen unterscheidet.

Dabei nimmt man an, in der Evolution sei rein

zufällig aus einem Einzeller schlussendlich der

Mensch hervorgekommen. Dabei lässt man den

„Reibungsverlust“ des Universums außer Acht,

den das Gesetz der Entropie festschreibt. Demnach

hat das Wasser eines Stausees, nachdem es

durch die Turbine geflossen und im Tal angekommen

ist, weniger Energie als zuvor. Würde man das

Wasser mit dem eben erzeugten Strom zurückpumpen,

würden nur etwa sechzig Prozent des Wassers

wieder im oberen Becken ankommen; die übrigen

vierzig Prozent sind der Wirkungsgradverlust.

Nach der Evolutionsidee müssten aber 100,2 %

ankommen, weil sich das System inzwischen höherentwickelt

hat. Weil das so leider nicht läuft,

sterben jährlich auf unserem Planeten über 50 000

Arten unwiederbringlich aus. Laut Evolutions-Theorie

müssten vielmehr ständig neue, besser angepasste,

höher entwickelte Arten hinzukommen.

Es wäre also durchaus nicht unwissenschaftlich

und nur allzu vernünftig, die Existenz Gottes

in Betracht zu ziehen.

In der vorchristlichen Antike und im christlichen

Mittelalter Europas spielten Gottesbeweise eine andere

Rolle als heute. Die Existenz von Göttern oder

eines Gottes stand damals meist nicht infrage.

Später war man der Auffassung, der Vernunft

sei die Existenz Gottes einsichtig – in diesem Sinne

hatten sich arabische und insbesondere jüdische

Denker darum gemüht, Gottesbeweise zu

entwickeln.

Denker der

Aufklärung glauben

an Selbstbestimmung


im Gegensatz

zu einer „Fremdbestimmung“

durch einen

Gott

Z für Zukunft

49


Glaube & Gesellschaft

Foto: © Wikipedia

Foto: © Wikipedia

Anselm von Canterbury

(1033–1109) formuliert

einen sogenannten

ontologischen

Gottesbeweis

Worüber

hinaus nichts

Größeres und

Vollkommeneres

gedacht

werden kann,

das muss

Gott sein

Anselm von Canterbury

Kurt Gödel entwickelte

die Gottesbeweisformel.

Unter Wissenschaftlern war

er angesehen wie Einstein

In der Epoche der Aufklärung kam es verstärkt

zu der Frage nach einem Gottesbeweis.

Deistische Aufklärer versuchten, damit eine auf

Vernunft gegründete Religion durchsetzen und

ohne „Offenbarung“ auszukommen. Mit Kants

einflussreicher Kritik an den Gottesbeweisen verloren

diese in den philosophischen Diskussionen

an Bedeutung.

Die Gottesbeweise bezogen sich auf einen

Schöpfergott nach abrahamitischer Definition.

Damit sind sie für Religionen wie u. a. den Buddhismus

– die zwar Götter, aber nicht unbedingt

einen Schöpfer kennen –, nicht anwendbar.

Ein erster bekannter Versuch eines sogenannten

ontologischen Gottesbeweises wurde

von Anselm von Canterbury (1033–1109) formuliert.

Die Ontologie befasst sich mit einer Einteilung

des Seienden nach Wirklichkeit und Möglichkeit;

man könnte es auch Metaphysik nennen.

Ausgangspunkt des Beweises bei Anselm ist der

(durch einen das Verstehen suchenden Glauben)

gefundene Begriff Gottes als desjenigen, „worüber

hinaus nichts Größeres (Vollkommeneres) gedacht

werden kann“. Dieser „Begriff“ ist nach Anselm

gedanklich nur nachzuvollziehen, wenn Gott

auch tatsächlich existiert.

Kurt Gödel entwickelte 1941 eine Rekonstruktion

des ontologischen Gottesbeweises in der

mathematischen Sprache der Modallogik, die auf

drei Definitionen und fünf Annahmen beruht. Gödel

wollte zeigen, dass ein Gottesbeweis auch so

geführt werden könne, dass er modernen logischen

Maßstäben gerecht wird.

Im September 2013 veröffentlichte SpiegelOnline

einen Artikel von Tobias Hürter; dort heißt

es: „Ein Wesen existiert, das alle positiven Eigenschaften

in sich vereint. Das bewies der legendäre

Mathematiker Kurt Gödel mit einem komplizierten

Formelgebilde. Zwei Wissenschaftler

haben diesen Gottesbeweis nun überprüft. Das

MacBook des Computerwissenschaftlers Christoph

Benzmüller von der Freien Universität Berlin

hat jetzt die letzten Zweifel ausgeräumt: Ein

Computer hat es mit kalter Logik bewiesen – Gott

existiert tatsächlich.“ 1 In der breiten Öffentlichkeit

ist Kurt Gödel kaum bekannt; unter Wissenschaftlern

hingegen genießt er ähnlich hohes Ansehen

wie Albert Einstein. Den „größten Logiker

seit Aristoteles“ nannte ihn die Philosophin Rebecca

Goldstein.

Der ethnologische Gottesbeweis von Markus

Tullius Cicero (45 v. Chr.) geht davon aus, dass

es so etwas wie ein religionsloses Volk nicht gibt.

Die gemeinsame Gotteserfahrung aller Völker

lässt auf die reale Existenz von Göttlichem schließen:

„Es gibt kein Volk, das so wild, so roh wäre,

dass es in seinem Geiste nicht einen Gedanken

an Göttliches trüge. Viele meinen über die Götter

Verkehrtes (das aber pflegt aus einem schlechten

Lebenswandel zu rühren); dennoch glauben alle,

dass es eine göttliche Kraft und Natur gibt, ohne

Verabredung oder einen Konsens unter den Menschen.

Auch wird die Annahme nicht durch Gesetze

zur Geltung gebracht; die Übereinstimmung

aller Völker in der ganzen Sache muss daher als

ein Naturgesetz angenommen werden.“ 2

Der Versuch, für die Existenz Gottes tragfähige

Argumente zu finden, hat bereits eine lange

Geschichte. Aristoteles führte vor über 2300

Jahren einen Gottesbeweis, später folgten Anselm

von Canterbury, Thomas von Aquin, René Descartes,

Baruch de Spinoza und Gottfried Wilhelm

Leibniz. Eines haben alle gemeinsam: Die Überzeugungskraft

reichte bei keinem aus. Auch wenn

die Existenz Gottes tausendmal bewiesen wäre –

50

Z für Zukunft


Glaube & Gesellschaft

am Ende bleibt Gott immer noch eine Frage des

Glaubens.

Wobei zu bedenken wäre: Wenn Gott Gott ist,

müsste Glauben eine höhere Form des Wissens

sein: „Der Glaube ist wie ein Vertrag, mit dessen Erfüllung

man fest rechnen kann, ein Beweis von Dingen,

die man noch nicht sieht. Durch Glauben verstehen

wir, dass die Welten durch Gottes Logos bereitet

worden sind [Gott sprach und es wurde – das könnte

so laut gewesen sein, dass die Wissenschaft deshalb

heute von einem Urknall spricht. Dieses Echo klingt

bis heute nach; es kann mit hochpräzisen Geräten

gemessen werden], sodass das Sichtbare aus Unsichtbarem

geworden ist.“ 3 So hat es der Autor des

Briefes an die Hebräer erklärt.

Gemälde: © Blaise Pascal von Philippe de Champaigne

Es wäre also vernünftig, anzunehmen, dass

es Gott gibt. Schon alleine aufgrund der Kosten-

Nutzen-Analyse des französischen Mathematikers

und Philosophen Blaise Pascal. Dieser argumentierte,

dass es besser sei, an Gott zu glauben;

wenn er nicht existierte, verlöre man nichts,

aber falls es ihn doch gäbe, sei man auf der

sicheren Seite: „Setzen Sie also ohne zu zögern

darauf, dass es Gott gibt“, empfiehlt Pascal.

Wenn Gott Gott ist, müssen wir davon ausgehen,

dass er sich auf einer deutlich höheren Dimension

bewegt als wir Menschen. Daher ist es

vermessen zu erwarten, dass wir aus unserer Perspektive

Gott irgendwie erklären oder ihm seine

Existenz absprechen könnten. Man kann höchstens

feststellen: „Ich habe keine Ahnung“.

Oder man versucht herauszufinden, ob Gott nicht

über sich etwas mitgeteilt hat. Die Gedanken des

indischen Philosophen Vishal Mangalwadi in

dem Artikel „Fünf Blinde und ein Elefant“ („Das

Buch der Mitte“) in dieser Ausgabe schlagen eine

vernünftige Brücke in diese Richtung:

„Meine Professoren schienen davon auszugehen,

dass es nur ihnen zu reden möglich wäre, ihrem

Schöpfer hingegen nicht. Während sie Bücher

schreiben konnten, trauten sie es ihrem Schöpfer

nicht zu, seine Gedanken auf dieselbe Weise darzulegen.

[...] Vielleicht konnten sie ja nur deshalb

Bücher schreiben, weil sie [...] von jemandem geschaffen

worden waren, der höchstselbst Gedanken

und Kommunikation erfunden hatte?“

Nach dem Vergleich einiger heiliger Bücher

kam Vishal Mangalwadi zum Schluss, dass die Bibel

Gottes Buch sein müsse. – Um einen persönlichen

Gottesbeweis zu erhalten, wäre hier ein

Selbsttest empfohlen: Lesen Sie die Bibel versuchsweise

einmal so, als würde der möglicherweise

existierende Gott Ihnen einen sehr liebevollen

Brief geschrieben haben. Bei der Fülle des

Textes ist es vielleicht ratsam, sich zunächst z. B.

das Evangelium des Johannes zu Gemüte zu führen.

Lesen Sie einen kurzen Abschnitt, dann halten

Sie inne und beobachten Sie, was das mit Ihnen

macht. Versuchen Sie, es ganz persönlich zu

nehmen, so als würde Gott diese Worte, die Sie

lesen, direkt zu Ihnen sprechen. Wer weiß, ob Sie

nicht so Ihren Gottesbeweis bekommen.

1 Tobias Hürter, Formel von Kurt Gödel: Mathematiker

bestätigen Gottesbeweis, Spiegel Online Wissenschaft,

09.09.2013.

2 Cicero, Markus Tullius: Gespräche in Tusculum. I, 30., in:

Gigon, Olof: Gespräche in Tusculum. München, 1992.

3 Hebräer 11,1.

Machen Sie einen Selbsttest, lesen Sie das

Neuen Testament wie einen persönlichen Brief

von Gott an Sie. Mal sehen, was passiert!

„Das lebendige Buch“ in der leicht verständlichen

Übersetzung „Hoffnung für alle“ Gb., 512 S.,

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Wenn Gott Gott

ist, bewegt er sich

auf deutlich höherer

Dimension als

wir Menschen.

Ihm die Existenz

absprechen zu wollen,

wäre einfach

nur vermessen.

Man kann nur feststellen:

„Ich habe

keine Ahnung“

Z für Zukunft

51


Glaube & Gesellschaft

Interview mit Paulus

AUFERSTEHUNG – MUSS das denn SEIN?

Hans-Joachim Eckstein

Foto: © Christustag/Agentur PJI Montage

Der Gedanke

an eine „leibliche

Auferstehung“

erregt Anstoß

in einer

aufgeklärten

Gesellschaft

Foto: © Wikipedia

Eckstein: Herr Paulus, seit Ihren beiden Schreiben

an die Korinther sind nunmehr fast zweitausend

Jahre vergangen, und es fällt vielen von uns

heute sehr schwer, gerade Ihre engagierte Argumentation

zur „Auferstehung von den Toten”

nachzuvollziehen.

Paulus: Das wundert mich freilich nicht, da es

zur Zeit der Abfassung meiner Briefe an die junge

korinthische Gemeinde dort nicht anders war.

So sehr mir selbst – als pharisäisch geprägtem

Juden – die Hoffnung auf die Auferstehung der

Toten grundsätzlich schon vor meinem Damaskus-Erlebnis

vertraut war, so wenig entsprach

sie doch dem hellenistischen Denkkonzept. Ja,

selbst meine sadduzäisch orientierten jüdischen

Freunde teilten die Auferstehungshoffnung nicht,

weil sie nicht schon in der „Thora”, 1 sondern erst

in den Schriften der Propheten ausdrücklich belegt

ist.

Eckstein: Um uns die Anstößigkeit dieser – dann

wohl schon immer – umstrittenen Hoffnung auf

eine „leibliche Auferstehung” zu ersparen, reden

wir heute gerne davon, dass die Verstorbenen

„im Gedächtnis Gottes” weiterleben und insofern

nicht ganz tot sind.

Paulus: Damit beschreiben Sie gewiss eine entscheidende

Voraussetzung für, aber noch nicht

die Wirklichkeit der Auferstehung! Würde Gott der

„Entschlafenen” nicht gedenken, dann blieben sie

gewiss für immer tot! Wenn er als der Schöpfer des

Lebens sich aber in seiner Liebe seiner verstorbenen

Geschöpfe „erinnert”, „an sie denkt”, dann erschafft

er sie auch neu und erweckt sie zu ewigem

Leben. Denn er will, dass sie für immer mit ihm erfüllt

leben können.

Eckstein: Ließe sich diese Form des Weiterlebens

dann nicht auch mit einem unvergänglichen Bestandteil

des Menschen – z. B. seiner „unsterblichen

Seele” – oder mit einem „göttlichen Funken”

im Menschen erklären? Dann kehrte der göttliche

Funken beim Ableben in das große göttliche Feuer,

das ewige Licht zurück, oder das „Weiterleben”

wäre als Fortbestehen des Geistes, der Energie

oder auch der Materie zu denken.

Paulus: Gibt es solche Vorstellungen etwa heute

immer noch? Damit wurde und wird dem Men-

52

Z für Zukunft


Glaube & Gesellschaft

schen einerseits viel zu viel zugeschrieben und andererseits

viel zu wenig zugesagt. Nein, wenn wir

als Geschöpfe in der Geschichte Adams sterben,

dann sind wir – was unsere eigenen Voraussetzungen

anbelangt – ganz und gar gestorben und

tot. Ich kenne keine unvergänglichen, göttlichen

Anteile im natürlichen Menschen! Das Geheimnis

der Auferstehung gründet allein in Gottes Treue

und in seiner Zusage, dass er seine Menschen der

Vergänglichkeit und dem Vergessen nicht endgültig

preisgeben will. Das „Göttliche” und die „Unvergänglichkeit”

sind also nicht in uns selbst begründet,

sondern ausschließlich in Gott.

Eckstein: Und warum sollen das Fortleben in Gottes

Gedanken oder das Fortbestehen von Energie

oder Geist „viel zu wenig” aussagen?

Paulus: Weil es unaufgebbar um eine „leibliche”

– d. h. persönliche, umfassende und wirkliche

– Auferstehung geht. So wie Christus nicht

bei den Toten blieb, sondern von Gott, seinem Vater,

in ein neues, unvergängliches und herrliches

Leben auferweckt wurde, so sollen auch die, die

an Christus glauben, mit ihm zusammen ewig vor

Gott leben. Auch zwischen Menschen macht es

doch einen wesentlichen Unterschied, ob die Beziehung

nur noch in der Erinnerung besteht oder

in der lebendigen Gegenwart erfahren wird!

Eckstein: Es fällt uns aber schwer zu glauben,

dass „Fleisch und Blut” über das Sterben hinaus

Bestand haben können. Wie sollen wir uns denn

eine Auferstehung der längst verwesten Körper

vorstellen?

Foto: © Urantiansojourn

Paulus: Jetzt argumentieren Sie aber schon wie

meine Skeptiker in Korinth! Weder bei mir noch

bei irgendeinem anderen Apostel war doch je davon

die Rede, dass der Mensch in seine alte, natürliche

Existenz zurückkehren soll oder dass das

„alte Fleisch” – mit all seiner Vergänglichkeit, seiner

Unzulänglichkeit und seinem Leiden – wiederhergestellt

wird. Es geht uns um die Auferstehung

und Verwandlung aus dem alten Leib, nicht

in den alten Leib! Die erste Schöpfung und damit

unser erster Leib sind und bleiben als solche

vergänglich! Bei der Auferstehung von den Toten

handelt es sich vielmehr um Gottes Neuschöpfung,

die er in der Auferweckung seines Sohnes

bereits verwirklicht hat. Allerdings schafft Gott

nicht völlig andere Geschöpfe – was ja theoretisch

auch denkbar gewesen wäre –, sondern seine

sterblichen, doch von ihm geliebten Geschöpfe

als solche völlig neu und anders.

Eckstein: Aber warum reden Sie dann von einer

„leiblichen” Auferstehung? Wäre Ihr Anliegen

nicht doch viel treffender und unmissverständlicher

mit dem Gedanken der Fortexistenz des

„Geistes” oder der „Seele” erfasst?

Paulus: Nun, ich spreche ja in der Tat vom

„geistlichen” Leib – im Unterschied zum natürlichen.

Aber ich bezeichne hier mit „geistlich”

bzw. „pneumatisch” nicht einen unsterblichen

Bestandteil im Menschen, sondern die Herkunft

aus und die Wirkung durch Gottes Geist. Der unvergängliche,

himmlische Leib verdankt sich

ganz dem Geist und der Kraft Gottes. Er ist

nicht mehr wie der erste, der irdische Leib

durch die Vergänglichkeit und Schwachheit

bestimmt, sondern durch die Herrlichkeit

und das himmlische Leben des auferstandenen

Christus.

War das

Grab Jesu

nun leer

oder nicht?

Foto: © Wallpaper-kid.com

Z für Zukunft

53


Glaube & Gesellschaft

meint – und nicht nur etwas an uns! Mit Christus

macht uns Gott, der Vater, in der Auferstehung

ganz neu.

Eckstein: Unter den Theologen, die die Auferstehung

Jesu bestreiten, ist man sich einig: Es gab

kein leeres Grab Jesu. Die biblischen Auferstehungsberichte

könne man nur als Zeugnisse persönlicher

religiöser Erfahrungen sehen, also als

Gleichnisse und Metaphern. Man dürfe sie nicht

zu wörtlich nehmen.

Gemälde: © Caravaggio

Paulus, der vehemente

Bekämpfer der ersten

Christen, wird nach

seinem Damaskus-

Erlebnis zum starken

Vertreter des christlichen

Glaubens

Für uns als Judenchristen, die mit der Schrift

groß geworden sind, ist „Leiblichkeit” an sich

nichts Negatives oder Minderwertiges. Wir wissen,

dass wir als Menschen nicht nur äußerlich

einen Leib haben, sondern grundsätzlich Leib,

d. h. „leibhaftig” sind – oder gar nicht sind! Den

„Leib”-Gedanken und das ganzheitliche Verständnis

vom Menschen kann und will ich keineswegs

aufgeben, weil sonst ein ganz entscheidender Aspekt

des Evangeliums aus dem Blick gerät.

Es geht uns doch bei der Beschreibung des

ewigen Lebens und des Glaubens nicht nur um

die menschliche Sehnsucht, in irgendeiner Weise

unsterblich zu sein! Im Mittelpunkt unserer Hoffnung

steht vielmehr die bleibende Zugehörigkeit

zu Gott und die ewige und persönliche Gemeinschaft

mit unserem Herrn, mit Jesus Christus.

Nur wenn wir „leibhaftig” leben, können wir Gott

lieben und erkennen, ihn sehen und verehren.

Wenn Christus uns bei unserem Namen ruft

und wir den einzigartigen Namen Jesu Christi

anrufen, dann wissen wir, dass Gott uns selbst

Paulus: Wenn es keine Auferstehung der Toten

gäbe, dann müsste man davon ausgehen, dass

auch Christus nicht auferweckt worden ist; wenn

aber Christus nicht auferweckt wurde, so ist alles,

was christliche Kirchen von sich geben, völlig inhaltslos,

und inhaltslos wäre dann auch der Glaube.

Ist aber der christliche Glaube zunichte gemacht,

so wären selbst gläubige Christen immer

noch Gefangene ihrer Sünden und von einer Beziehung

mit Gott weiterhin getrennt – sie wären

die elendesten von allen Menschen. Nun ist aber

Christus aus den Toten auferweckt; ich bezeuge

das, denn ich selbst bin ihm mehrfach begegnet.

Wenn Tote nicht auferweckt werden, bleibt nur

eine sehr bescheidene Perspektive: „Lasst uns essen

und trinken, denn morgen sterben wir!” Diesen

Theologen kann ich nur sagen: Werdet in entsprechender

Weise nüchtern und sündigt nicht! Denn

manche formulieren ihre Gedanken in Unwissenheit

über Gott; das ist zutiefst bedauerlich.

Herr Paulus, ich danke für das Gespräch. 2

Prof. Dr. Hans-Joachim Eckstein ist evangelischer Theologe

und Neutestamentler an der Universität Tübingen mit

Schwerpunkt auf Theologie des Paulus, Christologie sowie

Fragen rund um die Auferstehung Jesu Christi. Einem breiteren

Publikum wurde er durch seine allgemeinverständlichen

Veröffentlichungen bekannt.

1 Thora: die fünf ersten Bücher der Bibel, d. h. Genesis, Exodus,

Leviticus, Numeri und Deuteronomium bzw. die fünf Bücher Mose.

2 Nach 1. Korinther 15,13–18.32–34.

54

Z für Zukunft


Glaube & Gesellschaft

»GLAUBEN« – die große Unbekannte

Umgangssprachlich versteht man unter Glauben „Nicht-Wissen“, aber das ist eines der größten

Missverständnisse, weil Glauben uns weitgehend verloren gegangen ist. Wenn man

ihn hingegen wiederfindet, ist Glauben eine der höchsten Dimensionen des Wissens.

Worte werden missbraucht und erleiden Inflation,

so auch »Glauben«. Hier ein Plädoyer

für den Glauben.

Der Glauben ist wie ein abgeschlossener Kaufvertrag:

Man hat die freudige Erwartung, die Ware in den Händen

zu halten. Glaube ist ein Beweis für Dinge, die man

noch nicht sieht. Durch Glauben verstehen wir, wie die

Welten durch Gottes Logos hervorgerufen wurden,

wie aus Unsichtbarem das Sichtbare geworden ist – so

wie ein Erfinder sein Objekt zunächst in seiner Vorstellung

sieht und ein Komponist sein Werk im Geist hört.

So entsteht Glaube durch Hören, durch das Hören eines

jeden Wortes, das aus dem Munde Gottes kommt.

Durch Glauben wird jemand errettet! Das geschieht

nicht aus eigener Anstrengung; es ist ein bedingungsloses

Geschenk Gottes, damit sich niemand darauf

etwas einbilden kann. Chancengleichheit pur!

Ohne Glauben ist es unmöglich, bei Gott „anzukommen“,

denn wer sich Gott nähern will, muss glauben

(vertrauen), dass er „ist“ und jenen, die nach ihm

suchen, ein gigantischer Belohner sein wird.

Demgegenüber ist alles, was nicht durch Glauben motiviert

ist, Sünde! ... wie z. B. Lüge, Betrug oder Mord.

Andererseits ist ein Glaube, der nichts Übernatürliches

bewirkt, nicht mehr als eine Illusion. Viele sagen:

„Ich glaube schon, dass es einen Gott gibt.“

Aber das ist nichts Besonderes, das glauben die

Teufel auch – und zittern vor Gott.

„Nichts ist unmöglich für den, der glaubt.“ Das hat

Jesus gesagt, schon lange vor Toyota. Deshalb konnte

er einen Blinden auffordern: „Sei sehend, dein Glaube

hat dich geheilt!“

Es ist von Vorteil, sehend zu sein, denn dann erkennt

man, dass das Unsichtbare die höhere Form der

Wirklichkeit ist und dass das Sichtbares nur deshalb daraus

hervorgegangen ist, weil Gott sprach: „Es werde.“

Ein Potpourri aus der Bibel: Hebräer 11,1-3; Römer 10,17; Epheser 2,8;

Hebräer 11,6; Römer 14,22-23; Jakobus 2,17-19; Markus 9,23; Lukas 18,42.

Foto: ©

carsadonation.com

„Nichts ist

unmöglich

für den, der

glaubt.“

Das hat Jesus

gesagt, schon

lange vor

Toyota

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Z für Zukunft

55


Werte & Wirtschaft

Unsere

Beweg-

Gründe

Der Weg zu einem gemeinsamen

werteorientierten wirtschaftlichen

Handeln nach christlichen Maßstäben

ist weit – aber er lohnt sich

Andreas Mankel

Es gibt drei

Kategorien von

Menschen: die

einen, die unbeweglich

sind,

andere, die bewegbar

sind, und jene,

die sich tatsächlich

bewegen.

Benjamin Franklin (1706–1790),

US-amerikanischer Politiker,

Naturwissenschaftler, Erfinder

und Schriftsteller

Ende 2009 – also ein Jahr nach dem Beginn

der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise

– gründete ich das Unternehmen

7x7invest AG, eine „kleine“, nicht börsennotierte

Aktiengesellschaft. Sie war der Kern dessen,

was sich heute zur 7x7 Unternehmensgruppe

entwickelt hat. Deren Entstehung ist untrennbar

verbunden mit der Frage: Was motiviert

Menschen zu handeln – was sind ihre Beweg-

Gründe? Konkret, in unserem Fall: Was hat die

Gründer der 7x7invest AG 2009 motiviert, ihr

Verhalten zu Geld und Reichtum grundlegend zu

überdenken?

Foto: © Wikipedia/David Shankone

Äußere und innere Krise

Nach über 30 Jahren als Finanz- und Vermögensberater

hatte mich die Pleite der drittgrößten

Bank der USA am 15.09.2008 und deren unmittelbare

Auswirkungen auf den Kapitalmarkt aller

Illusionen über die Seriosität und Stabilität der

Finanzprodukte beraubt, mit denen ich täglich

umging. Wenige Tage nach diesem 15.09. waren

in den Investmentfonds tatsächlich Kursverluste

von 40–60 % zu verzeichnen, vor allem auch in

denen mit niedriger Risiko-Einstufung. Der Vertrauensverlust

der Banken untereinander hatte

dazu geführt, dass keine Kurse mehr gebildet

wurden. Das war verheerend.

In dieser bewegten Zeit hatte ich einen

Traum, der sich mehrere Nächte lang wiederholte:

Ich war als Schreiner tätig. Nach getaner

Arbeit schloss ich abends die Werkstatt ab mit der

Genugtuung, fleißig gewesen zu sein – die Werkstücke

waren ihrer Fertigstellung deutlich näher

gekommen. Ein Tisch aus Eichenholz, eine Truhe

56

Z für Zukunft


Werte & Wirtschaft

aus Buche und ein Schrank aus Fichtenholz waren

in Arbeit. Am nächsten Morgen schloss ich

voller Tatendrang wieder auf. Aber was war passiert?

Die Eiche war nicht mehr hart, die Buche

nicht mehr rot und das Fichtenholz zu einem Haufen

Sägespäne zusammengefallen. Die Werkstoffe,

mit denen ich täglich umging, hatten ihre Eigenschaften

verloren, auf die ich mich bisher verlassen

konnte.

Bewegende Fragen und Neuausrichtung

War meine Beratungstätigkeit in den über 30 Jahren

vergeblich gewesen? Habe ich letztlich dazu

beigetragen, dass meine Kunden ihre finanziellen

Lebensziele nicht erreichen konnten? War ich mit

verantwortlich dafür, dass das Vermögen nun verloren

war?

Denn noch schmerzlicher als die verheerenden

Auswirkungen der Krise waren die Anrufe von

Kunden, die ihre Existenzangst äußerten und mir

die Schuld für ihren Verlust gaben. Das rüttelte

an mir und warf die Frage auf, ob wir in unserem

Leben die richtigen Prioritäten haben und

worauf wir uns eigentlich verlassen, wenn es

um das uns anvertraute Vermögen geht.

In dieser Zeit stieß ich auf einen Text von Phil

Bosmans, der meine Situation treffend beschrieb:

„Als ich mich ›für Gott allein‹ entschieden hatte,

verloren viele Dinge ihre Wichtigkeit, die als notwendig

angepriesen wurden. Eine Umwertung

der Werte kam in Gang. Alles geriet durcheinander,

bis es die richtige Stelle einnahm. Ich begann

die Scheinwerte loszulassen. Dieses Loslassen

war täglich ein neuer Anfang.“ 1

Habe ich Geld gehortet, bis es „von Motten

und Rost gefressen“ wurde? Ich machte mich

daran, meine Einstellung als aktiver Christ zu

überprüfen und meinen beruflichen Weg neu auszurichten;

dabei wurde mir ein Bibelzitat wichtig:

„Euer Vater im Himmel weiß ganz genau, dass ihr

das alles braucht. Gebt nur Gott und seiner Sache

den ersten Platz in eurem Leben, so wird er euch

auch alles geben, was ihr nötig habt. Deshalb

habt keine Angst vor der Zukunft.“ 2

Foto : © Caritasverband Steinfurt

Morgens auf der Bettkante

Konnte ich das glauben? Konnte ich darauf vertrauen:

dass, wenn ich Gott alles anvertraue –

mein Leben, meine Frau, meine Kinder, meinen

Beruf, mein Vermögen – ich dann genug zurückbekomme,

um leben zu können? Ich habe es gewagt

und dabei den Rat einer alten Dame beherzigt:

„Wenn Sie morgens aus dem Bett aufstehen,

bleiben Sie noch einen Moment auf der Bettkante

sitzen und richten Sie Ihren ersten Gedanken an

Gott.“ Seitdem halte ich (fast) jeden Morgen inne,

halte Gott meine leeren Hände hin und bete die

beiden Sätze aus dem Vaterunser: „Dein Reich

komme, dein Wille geschehe!“

Werte teilen und gemeinsam handeln

Nachdem ich mich dazu entschieden hatte, merkte

ich: Ich bin nicht allein damit. In Gesprächen

mit Kunden über meine Schlussfolgerungen entdeckte

ich ein Netzwerk von Menschen, die sich

an denselben Werten orientieren. Ich lernte die

„Zehn Gebote für Unternehmer“ des Bundes Katholischer

Unternehmer kennen, ich fand Geschäftspartner

wie das Maklernetzwerk „Mensch

und Mehr“. Kontakte zu gleichgesinnten Unternehmern

erweitern mein eigenes Netzwerk.

Aus gutem Grund bewegt

Heute, mehr als fünf Jahre nach der Krise und der

Neuausrichtung, staune ich, was daraus geworden

ist: ein Unternehmen mit 35 Mitarbeitern, das

unter dem Motto „Sinn+Zinsen“ über 600 Kunden

Die Eiche

war nicht

mehr hart, die

Buche nicht

mehr rot und

die Fichte ein

Haufen

Sägespäne

Z für Zukunft

57


Werte & Wirtschaft

Foto : © lightwave/123RF Stockfoto

Der Rat einer älteren Dame: „Wenn Sie morgens aus dem

Bett aufstehen, bleiben Sie noch einen Moment auf der Bettkante

sitzen und richten Sie Ihren ersten Gedanken an Gott.“














betreut. Gemeinsam mit ihnen erwirtschaften

wir eine 7-fache Rendite und ermöglichen eine

verantwortungsvolle Vorsorge und Vermögensbildung

nach dem Vorbild des biblischen Josefs.

Dieser legte seinerzeit dem Pharao den Traum von

den sieben fetten und sieben mageren Ähren und

Kühen aus und wurde dafür zum obersten Kämmerer

Ägyptens berufen. Das wurde zum Impuls für

7x7, unseren Unternehmensnamen.

Wir können gemeinsam anders handeln, damit

Gutes entsteht: das anvertraute Vermögen einsetzen

– eben mit Sinn und Zinsen für produktive

Sachwerte wie Immobilien, erneuerbare Energien

u. a. m.

Die aktuelle Situation bestätigt dieses Konzept

der alternativen Geldanlage jeden Tag neu.

Denn „die nächste Finanzkrise ist vorprogrammiert“,

schrieb jüngst der Kommentator der Wochenzeitschrift

„Christ in der Gegenwart“. 3 „Welches

Druckmittel aber haben Kleinanleger in der

Hand, um sich gegen ungerecht niedrige Zinsen

zu wehren? Als Einzelne gar keins. Als Viele aber

sind es nicht unerhebliche Mengen, die sie zu den

Banken getragen haben – in der Hoffnung auf

Vermehrung durch Investitionen und Gewinne.“

Wir setzen der Ohnmacht des Einzelnen die

Maxime Friedrich Wilhelm Raiffeisens entgegen:

„Was dem Einzelnen nicht möglich ist, das

vermögen viele.“ Wie damals Josef in Ägypten

wollen wir vorbereitet sein, wenn es turbulent

wird und die Grundlagen für Pläne und Investitionen

nicht mehr gegeben sind. Handlungsfähig

bleiben, also sich tatsächlich bewegen, um die

Früchte zu ernten und zu verteilen, die produktive

Sachwerte abwerfen. Diesen Weg gehen wir

gemeinsam konsequent – und vertrauen dabei

auf Gottes Führung.

Andreas Mankel ist Gründer und Geschäftsführer der 7x7

Unternehmensgruppe mit 35 Mitarbeitern und Sitz in Bonn. Er

ist verheiratet und Vater von drei Kindern.

1 Phil Bosmans: Vergiss die Liebe nicht.

2 Matthäus 6,33-34.

3 Christ in der Gegenwart, Ausgabe 42 vom 19. Oktober 2014, Seite 1.

58

Z für Zukunft


Werte in Anwendung

Was praktisch tun?

Der Einzelne kann sehr wohl etwas erreichen. Durchbrechen Sie die Resignation.

Hier fassen wir einige einfache Möglichkeiten zusammen, die vor Ihren Füßen liegen.

Es gilt, sie aufzugreifen und zu handeln – einfach dort, wo Sie gerade sind.

Informieren Sie sich zusätzlich

Leider informieren Mainstream-Medien nicht immer

umfassend und geben kaum Hintergründe

preis. Nicht selten werden Medien instrumentalisiert

und dienen einer strategischen Meinungsbildung.

Glauben Sie nicht alles, was Ihnen

eine lächelnde Nachrichten-Moderatorin als

Tagesthemen serviert. Es ist daher notwendig,

dass Sie sich aus mehreren unabhängigen Informations-Quellen

selbst ein Bild machen. Die »Z«

hilft Ihnen dabei.

Sprechen Sie mit Gleichgesinnten

Bei dieser Informationsflut ist es sehr hilfreich,

wenn Sie sich mit zwei bis drei Menschen austauschen

können, die sich auch um die Entwicklung

unserer Gesellschaft Gedanken machen

und aktuelle Strömungen nicht einfach

so hinnehmen. Das wird Ihnen helfen, den eigenen

Standpunkt zu festigen, Tendenzen bestätigt

zu bekommen und vor allem sich im Mainstream

nicht so alleine zu fühlen.

Reagieren Sie,

Ihre Stimme ist etwas wert!

Behalten Sie das, was Sie erkannt haben, nicht

nur für sich allein. Reagieren Sie mit Leserbriefen

und schreiben Sie an Politiker. Wenn Sie mit

einer TV-Sendung nicht einverstanden sind, dann

schreiben Sie das gut begründet an den Sender.

Eine Stimme wird wie tausend gezählt. Wenn

Sie sehen, dass politische Richtungen eingeschlagen

werden, die mit unseren Werten nichts mehr

zu tun haben, dann schreiben Sie das Politikern,

die mit diesem Ressort zu tun haben. Im Internet

finden Sie alle Daten der Mitglieder des Bundestages

und der Landtage.

Stecken Sie sich ein Werte-Ziel

Wollen Sie Ihre persönlichen Werte für sich behalten

– oder anderen vermitteln?

• Schenken Sie fünf Menschen (oder mehr)

regelmäßig die »Z« und kommen Sie mit ihnen

darüber ins Gespräch. Damit geben Sie

ganz unkompliziert gute Impulse zum Umdenken.

• Daraus können in Ihrer Stadt ein „Stammtisch“

oder ein Gesprächs-Forum entstehen.

Wenn Sie daran interessiert sind, geben Sie uns

das bekannt und wir stellen den Kontakt zu anderen

her, so vorhanden.

Vernetzung ist angesagt

Es gibt viele gute Initiativen in unserem Land,

aber die meisten erreichen nicht die nötige

Durchdringung, um in der Öffentlichkeit ernst genommen

zu werden. Wenn Sie mit einer solchen

werteorientierten Initiative zu tun haben oder

eine kennen, von der Sie meinen, dass eine

Vernetzung hilfreich und zielführend wäre,

dann schlagen Sie uns diese Organisation vor.

Wirken Sie am größeren Ganzen mit

In Vernetzung mit mehreren Organisationen wollen

wir die »Z« zu einer besser wahrgenommenen

Großauflage führen. Es sollen die Magazine multiplikativ

zu Entscheidungsträgern unseres Landes

gelangen. Wenn viele einen kleinen Beitrag

leisten, werden wir gemeinsam ein deutlich

größeres Ziel erreichen. Mit einer

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unseres Landes. Weiter Infos dazu unter

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Z für Zukunft

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S u c h e n a c h d e n W u r z e l n e i n e r v e r l o r e n e n K u l t u r

Ihr seid!

wenn Ihr es seid

Ihr seid das Salz der Erde; wenn aber das Salz fade geworden ist, womit soll denn

gesalzen werden? Es würde zu nichts weiter taugen, als hinausgeworfen und auf

dem Weg zertreten zu werden. Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht

von neuem geboren ist, kann er nicht Salz sein. Ja, es gibt verschiedene Formen

von Gottes-Diensten, wo aber Gottes Kraft verleugnet wird, da suche das Weite!

Zusammengefasst aus der Bibel: Matthäus 5,13, Johannes 3,3 und 2. Timotheus 3,5

Verkrustung und Verhärtung

nach längerem Nicht-Gebrauch durchbrechen Sie gut mit einem

dieser Zahnstocher – kommen Sie zum Kreuz

Machen Sie reichlich davon Gebrauch, denn es ist dringend nötig, damit wieder etwas Salz in die Suppe kommt!

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Z für Zukunft

Z u k u n f t E u r o p a e . V .

w w w . Z f ü r Z u k u n f t . d e

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