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MAXIMALE

ANSTRENGUNGEN

Totgesagte leben länger. Vor knapp

einem Jahr war aus dem Mund der

ECC Beratung zu erfahren, dass

sich 70 % der traditionellen Händler

völlig neu erfinden müssten, wenn sie

nicht von der Bildfläche verschwinden

wollten. Das klang plausibel, schließlich

eilte der Online-Handel von Rekord

zu Rekord, während sich immer mehr

Spielzeuggeschäfte verabschiedeten. Einziger Trost war, dass es auch 90% der reinen

Online-Händler erwischen würde. Was man auch immer als bare Münze aus

diesem apokalyptischen Szenario nehmen wollte, gegen das Gefühl, dass früher

alles besser war, nicht nur die eigene körperliche Performance, sondern selbst die

Zukunft, konnte man sich als Spielzeughändler angesichts der Prognose kaum

noch wehren. Jetzt hat die Party-Stimmung unter den Zukunftsarchitekten des

E-Commerce einen erheblichen Dämpfer erhalten. Das E-Commerce-Geschäft

ist im vergangenen Jahr lediglich um 7% gewachsen, während man knapp 25%

anpeilte – eine Entwicklung, wovon sich die Branche selbst überrascht zeigte, aber

sie gleich so umzudeuten vermochte, dass sich der interaktive Handel eben etabliert

habe. Überraschen konnte das eigentlich nicht, vielleicht nur der Zeitpunkt,

an dem die Konsolidierungsphase beginnt. Ob jetzt der stationäre Handel davon

profitiert, dass Verbraucher womöglich wieder „live“ auch „geil“ finden, steht in

den Sternen. In Ulm sieht man nämlich die Nacht über den Fachhandel hereinbrechen,

weil sich „das Geschäft mit Spielwaren einfach nicht mehr lohnt“ und

man sich von der Industrie vorhalten muss, was man alles falsch macht (S.61). Fast

prophetisch mutet hingegen die Aussage des „Zukunftsforschers“ Wieland Sulzer an,

der im Hauptberuf nach wie vor zwei Spielzeuggeschäfte betreibt. Der bekennende

„Sichtfahrer“ kann sich jedenfalls vorstellen, dass der Spaß nicht auf alle Zeiten

aus dem Internet kommen muss – wäre da nur nicht das Elend mit den Spannen.

Weniger Spaß machen ihm nach wie vor die leibhaftigen Verbundgruppen, weil

sie ihm zu viele Chancen liegen lassen (S.22). Daran scheinen diverse „Kapitäne“

(ab S. 62) derzeit hart zu arbeiten, um Segel beim Multichannel-Vertrieb zu setzen

(idee+spiel), die Online- und Offline-Aktivitäten optimal zu verbinden (EK/servicegroup),

den Omnichannel-Ansatz weiter zu stärken (Toys“R“Us) oder gleich neue

Maßstäbe in der Onlinevermarktung zu setzen (duo schreib & spiel). Man kann den

Kapitänen dieser Schwarmbewegung gar nicht genug Wind, Maßstab setzenden

Einfallsreichtum, Verbindungskompetenz und Kraft wünschen. Schaut man sich

derzeit das Ranking der Websites unter Traffic-Aspekten an, dann sind tatsächlich

maximale Anstrengungen nötig, um die nächste Dimension des „Fach-Handelns“

zu erreichen – wo die dann auch immer liegen mag.

Ihr Ulrich Texter

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