Stahlreport 2017.04

markushuneke

Das Magazin des Bundesverbands Deutscher Stahlhandel für die Stahldistribution

72. Jahrgang | April 2017

STAHLREPORT

Das BDS-Magazin für die Stahldistribution

4|17

Feinheiten – Services und Dienstleistungen in Sachen Stahl


Herausgeber:

Bundesverband Deutscher Stahlhandel

Herausgeber:

Bundesverband Deutscher Stahlhandel

Herausgeber:

Bundesverband Deutscher Stahlhandel

Herausgeber:

Bundesverband Deutscher Stahlhandel

Dipl.-Ing. Jochen Adams

Dr. rer. nat. Peter Drodten

Dipl.-Ing. Jochen Adams

Dr. rer. nat. Peter Drodten

1. Auflage

27. Auflage

Herausgeber:

Bundesverband Deutscher Stahlhandel

Herausgeber:

Bundesverband Deutscher Stahlhandel

Herausgeber:

Bundesverband Deutscher Stahlhandel

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Dipl.-Ing. Jochen Adams

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Dipl.-Ing. Jochen Adams, Dr. rer. nat. Peter

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BDS AG – Bundesverband Deutscher Stahlhandel – www.stahlhandel.com


„(Nicht nur semantische)

Feinheiten: Services und

Dienstleistungen in Sachen Stahl“

EDITORIAL

INHALT

Liebe Leserinnen und Leser,

dass es in diesem Heft den Schwerpunkt

„Stahl Service Center“ gibt (S. 6ff) lädt

geradezu zwangsläufig dazu ein, auch

semantisch zu werden: Denn es geht um

Feinheiten – und das gleich zweimal in

doppeltem Sinn:

z Einmal in Materialangelegenheiten, denn die Lieferungen

aus den entsprechenden Häusern sind nun wirklich vom

Feinsten.

z Zum anderen hinsichtlich des sich aufdrängenden Begriffspaares

aus Service und Dienstleistung.

Nicht nur für die unter Stahlhandel, Stahlverarbeitung und

Stahlproduktion vorgestellten Unternehmen (S. 6 bis 18), auch

für die in Anarbeitung und Logistik, z.B. in Sachen „Messen &

Prüfen“ (S 18ff), tätigen Häuser muss es in diesem Zusammenhang

um den im allgemeinen Sprachgebrauch üblichen Unterschied

zwischen kostenlosem Service und bezahlter Dienstleistung

gehen. Insofern ist dies nicht nur ein semantisches Problem,

geht es nicht nur um sprachliche Feinheiten.

Auch auf Messen werden die entsprechenden Fragen

regelmäßig thematisiert. Dazu gab und gibt es in diesen

Wochen vielfach Gelegenheit – von der Intec/Z Anfang März

in Leipzig (S. 24ff) über die LogiMAT eine Woche später in

Stuttgart (S. 29ff) und – wieder in Wochenfrist – die CeBIT

in Hannover (S. 32ff) bis hin zu der ab dem 24.4.17 anstehenden

Hannover Messe (S. 35).

Und erst recht sind diese Überlegungen ein Thema der

Berufsbildung, die in diesem Heft in ihrer verbandlichen Ausprägung

(S. 42ff) einen breiten Raum einnimmt. Gerade vor

diesem Hintergrund wird deutlich, wie viel Arbeit dazu für

die beteiligten Branchen noch ansteht. Vielleicht bringt die

Jahrestagung der Kaufmännischen Ausbildungsleiter Ende

April in Achern (S. 46) die Distribution ja auch dazu weiter.

Auf jeden Fall wird über dieses Event im nächsten Heft

des Stahlreport ebenso berichtet wie über den Flachproduktetag

Ende März in Düsseldorf.

Jetzt aber wünsche ich Ihnen erst einmal eine ertragreiche

Lektüre dieses Heftes!

Mit den freundlichsten Grüßen aus der Redaktion,

Dr. Ludger Wolfgart

Chefredakteur Stahlreport

PERSÖNLICHES

4 Kurznachrichten

STAHLHANDEL

Schwerpunkt: Stahl-Service-Center

6 Knauf Interfer – Automotive-Lösungen im Verbund

8 SAZ Dortmund: neuer Anfrageassistent

Berichte & Nachrichten

9 Klöckner & Co schreibt wieder schwarze Zahlen

11 Topp Stahl lagert mit Remmert, u. a.

STAHLVERARBEITUNG

12 Günther + Schramm – passgenaue Materiallogistik

STAHLPRODUKTION

14 Salzgitter AG – Geschäftsbereich Handel erzielt Gewinn

Dillinger-Gruppe – Erwartungsgemäß schwieriges 2016

Schmolz + Bickenbach – Weniger Umsatz, mehr Marge

16 ArcelorMittal – Stahl innovativer herstellen

ANARBEITUNG & LOGISTIK

Schwerpunkt: Messen & Prüfen

18 Mobile Analysetechnologie – Werkstoff bitte nicht

verwechseln

20 Aktualisierte Norm für Metallzugversuche

WERKSTOFFE & PRODUKTE

Schwerpunkt: Edelstahl

22 Düsseldorfer Edelstahltage

MESSEN UND MÄRKTE

24 Schwerpunkt: Intec/Z

29 Logimat – Schauplatz für Intralogistik

32 CeBIT – vom Ort zur Fläche

35 Hannover Messe – Siebenfach

BDS

36 Research: Mit Schwung ins neue Jahr

38 Recht: Reform der Insolvenzanfechtung –

mehr Rechtssicherheit für den Handel

40 Recht: Neue Informationspflichten für Unternehmer

41 Kommunikation: Einladung zu BDS-Infoveranstaltungen

Compliance u. a.

42 Berufsbildung: Auslandsaufenthalte in der Ausbildung …

44 Berufsbildung: Entscheidende Anmeldephase zum

BDS-Fernstudium …

LIFESTEEL

48 u.a. Stahl-Architekturwettbewerb, „Spiral-Sessel“

50 Nachgehakt: Hartmut Böttche und Michael Allexi zur

Erweiterung der rff-Geschäftsführung

Stahlreport 4|17

3


XXXXXXXXXX

Persönliches

XXXXX Kurznachrichten Bezeichnung A XXXXX | XXXXX

Foto: REMAG AG

Foto:Mapudo

Thomas Gebhardt

verstärkt als ein weiteres Mitglied den Vorstand

der REMAG AG, Muttergesellschaft der

REMAG Unternehmensgruppe. Im Vorfeld

bereits als Geschäftsführer diverser Tochtergesellschaften

zuständig, hat er jetzt die Verantwortung

für große Teile des operativen

Geschäftes der Gruppe übernommen und

unterstützt damit Britta Hübner, die weiterhin

als Vorstandsvorsitzende das Unternehmen

leitet. Thomas Gebhardt war nach acht Jahren

bei Thyssen Krupp Schulte 2009 zu der

Gruppe gewechselt. Die ist ein mittelständischer

Konzern mit Standorten in ganz

Deutschland, der sich auf den Verkauf sowie

die An- und Verarbeitung

von Stahlprodukten

aller Sorten und

Güten spezialisiert

hat. Die Gruppe

erzielte im Geschäftsjahr

2016 mit fast 500

Mitarbeitern einen

Umsatz in Höhe von

gut 182 Mio. €.

Christian Lindner

war jetzt bei der Mapudo GmbH zu Gast, um als

FDP-Bundesvorsitzender mit Unternehmern

über den Einfluss von Politik auf Startups zu

sprechen. Die Düsseldorfer Räumlichkeiten von

Mapudo – einem Marktplatz für Stahl – waren

Schauplatz vom #founderstalk. Bei der Veranstaltung

geht es um einen Austausch zwischen

Politik und Unternehmertum. Martin Ballweg (r.),

Gründer und Geschäftsführer von Mapudo,

begrüßte das Konzept des Events: „In Deutschland

werden immer noch vergleichsweise

wenige Startups gegründet. … Der regelmäßige

Austausch von Politikern und Gründern ist wichtig,

damit die Politik versteht, was Gründer

bewegt.“ Ein Gesprächsthema u.a. war die

Gewinnung von ausländischen Fachkräften. Die

„post-materielle Sattheit in Deutschland“, so

Christian Lindner, schrecke viele High-Potentials

ab. Auch Sebastian Grethe (l.), Geschäftsführer

von Mapudo, wünscht sich noch mehr internationalen

Zulauf von Fachkräften.

Foto: TOP JOB

Alexander Kolodzik

ist ein neuer Geschäftsführer im Bundesverband

Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen

(BGA). Die Ernennung des Juristen erfolgte Ende

des vergangenen Jahres im engeren Präsidium

des Berliner Dachverbands. Kolodzik leitet

zudem die neue Abteilung „Arbeit, Recht und

Dienstleistungen“, in der die Themenbereiche

Arbeit und Soziales, Recht und Wettbewerb

sowie Dienstleistungen zusammengeführt worden

sind.

Matthias und Stephan

Remmert

(M.) freuen sich, dass die Friedrich Remmert

GmbH jetzt für ihre vorbildlichen Arbeitgeberqualitäten

vom ehemaligen Bundeswirtschaftsminister

Wolfgang Clement (r.) in Berlin mit dem

TOP-JOB-Siegel ausgezeichnet worden ist. Damit

gehört das Löhner Unternehmen zu den besten

Arbeitgebern im deutschen Mittelstand. Das

Qualitätssiegel vom Zentrum für Arbeitgeberattraktivität

(zeag GmbH) erhalten Unternehmen,

die sich konsequent für eine gesunde und leistungsstarke

Arbeitsplatzkultur einsetzen. Analysiert

und bewertet werden die Teilnehmer

jeweils in den fünf Kategorien Vision und Führung,

Personalentwicklung, Entlohnung, Kultur

und Kommunikation sowie Familien- und Sozialorientierung.

In diesem Jahr unterzog sich auch

Remmert der umfangreichen Qualitätsprüfung.

Mit Erfolg: Der Lagerspezialist stellte seine

Attraktivität als Arbeitgeber unter Beweis und

punktete auf allen Ebenen.

Florian Hudelmaier und

Thomas G. Baker

(2.u.3.v.l.) konnten jetzt eine besondere Ehrung

entgegennehmen: Als einer von sechs Preisträgern

war die Wieland-Gruppe aus13.000 Lieferanten

ausgewählt und von der Firma Ingersoll

Rand mit dem Preis für „Innovation und Wertschöpfung

2016“ ausgezeichnet worden. Aus

diesem Anlass rahmten mit Xiangjun Yu (l.) und

John Evans gleich zwei Vizepräsidenten des auslobenden

Unternehmens die Ausgezeichneten

(Manager Sales & Technical Marketing bzw.

Foto: Wieland

Chief Executive Officer von Wieland Copper Products)

ein. Wieland erhielt den Preis als Anerkennung

für die enge Zusammenarbeit der Entwicklungsingenieure

der Ingersoll-Rand-Tochter

Trane und Wieland Thermal Solutions für Innovationen

im Bereich von Hochleistungsrohren. Die

Wieland-Gruppe mit Sitz in Ulm ist ein weltweit

tätiger Hersteller von Halbfabrikaten vor allem

aus Kupfer und Kupferlegierungen.

Ralf Bachmann

ist tot. Der in Hamburg tätige Berufsschullehrer

starb am 13.3.17 – an seinem 74-sten Geburtstag.

Viele Jahre hatte der Pädagoge bis zu

seiner Pensionierung gemeinsam mit einem

Kollegen die Arbeitskreise in Hamburg und

Schleswig-Holstein geleitet, vom BDS unterstützte

Einrichtungen zur überbetrieblichen

Begleitung der Ausbildung im Stahlhandel.

Heinz Kriwet

ist im Alter von 85 Jahren verstorben. Der

Stahlmanager hatte seine berufliche Karriere

1960 bei der Wirtschaftsvereinigung

Stahl begonnen. Zwei Jahre später wechselte

er dann in die Dienste des damaligen

Krupp-Konzerns und durchlief dort mehrere

Führungspositionen. Kriwet habe in dem

Unternehmen in ganz besonderem Maße

dazu beigetragen, dass sich der Stahlhersteller

– inzwischen thyssenkrupp – bis zu

seiner heutigen Größe entwickelt habe. So

formulierte es Dr. Ulrich Lehner, Aufsichtsratsvorsitzender

bei Thyssen Krupp, aus

Anlass des Todes von Dr. Heinz Kriwet.

Christoph Kirchlechner

wird mit dem Heinz-Maier-Leibnitz-Preis 2017

der Deutschen Forschungsgemeinschaft geehrt.

Der promovierte Wissenschaftler ist Leiter der

Gruppe „Nano-/Mikromechanik von Materialien“

am Max-Planck-Institut für Eisenforschung (MPIE)

in Düsseldorf. Der Preis ist mit 20.000 € dotiert

und wird im Mai von der Bundesministerin für Bildung

und Forschung, Prof. Johanna Wanka, dem

4 Stahlreport 4|17


Foto: Nordwest

Präsidenten der Deutschen

Forschungsgemeinschaft,

Prof. Peter

Strohschneider, sowie

der Vizepräsidentin

und Vorsitzenden des

Auswahlausschusses,

Prof. Marlis Hochbruck,

in der Berlin-

Brandenburgischen

Akademie der Wissenschaften verliehen. Der

Heinz-Maier-Leibnitz-Preis wird seit 1977 jährlich

von der Deutschen Forschungsgemeinschaft

(DFG) für zehn junge Nachwuchswissenschaftler

ausgelobt. Er ist nach dem Physiker und ehemaligem

Präsidenten der DFG benannt. Zur diesjährigen

Preisausschreibung wurden 154 Kandidaten

vorgeschlagen.

Foto: MPIE

Martin Jung

ist zum Leiter des globalen Geschäftsbereichs

Surface Treatment des Unternehmensbereichs

Coatings der BASF ernannt worden, der das im

Dezember 2016 von Albemarle akquirierte Chemetall-Geschäft

umfasst. Mit Wirkung zum 1.

März ist er auf Joris Merckx gefolgt, der seit

2007 Chemetall leitete. Dr. Martin Jung, Senior

Vice President, hatte die Integration von Chemetall

in die BASF-Gruppe betreut. Vor Antritt seiner

derzeitigen Funktion leitete Martin Jung im

Unternehmensbereich Coatings der BASF den

Geschäftsbereich Automotive OEM Coatings

Solutions Europe. Er studierte Chemie und

Mathematik an der Universität Heidelberg und

im französischen Clermond-Ferrand. Jung wurde

an der Technischen Universität Eindhoven,

Niederlande, in Polymerchemie promoviert.

Bernhard Dressler

wird vorzeitig durch den Aufsichtsrat der Nordwest

Handel AG für eine zweite Amtszeit bis

zum 31. Januar 2021 als Vorstandsvorsitzender

bestellt. Damit soll damit ein deutliches Zeichen

in Richtung Stabilität und Zukunftssicherung der

Einkaufsgesellschaftesellschaft und aller Fachhandelspartner

gesetzt werden. „Ich freue mich

über das Vertrauen und über die Bestätigung

des eingeschlagenen

Wegs …“, sagte Bernhard

Dressler über die

vorzeitige Verlängerung

seines Vertrages

– und kündigte

überraschend an,

„dass sich unser ehemaliger

Geschäftsbereichsleiter

Claudio

Foto: Christoph Kawan/ZHH

Kemper spätestens ab 1.10.17 gemeinsam mit

Christoph Rüther und Bernd Estermann den

wichtigen Aufgaben … stellen wird.“ Darüber

hinaus werde Sven Döring ab 1.5.17 das Stahlteam

verstärken.

Partner des PVH

konnten sich jetzt im nächtlichen Köln bei dem

Branchenabend freuen, zu dem Ende März der

Zentralverband Hartwarenhandel (ZHH) anlässlich

seines Jahreskongresses eingeladen hatte.

Die erstplatzierten „Partner des PVH 2016“ sind

in den jeweiligen Segmenten die Firmen Lemaitre

(Arbeitsschutz), Euroline (Betriebsausstattung),

Famag (Präzisionswerkzeuge), August

Rüggeberg/Pferd (Schleif-/Trennmittel), Stabila

(Messwerkzeuge), Knipex-Werk (Handwerkzeuge)

und GH-Baubeschläge (Befestigungstechnik).

Zum 17. Mal hatte der Arbeitskreis Werkzeuge

(AKW) diesen Wettbewerb durchgeführt.

Der Produktionsverbindungshandel (PVH) mit

einem Werkzeugsortiment war zum Jahresbeginn

aufgerufen worden, seine Industriepartner

des Jahres 2016 hinsichtlich Fachhandelstreue,

realisierter Marge/Marktpflege, Abverkaufsunterstützung,

Produktinnovation und Reklamationsverhalten

zu wählen.

Gregor Soller

übernimmt die Chefredaktion der neuen Zeitschrift

„VISION mobility“. Der 44-jährige Diplom-

Industriedesigner hatte in den vergangenen 14

Jahren für das Haus Springer gearbeitet und

dort u.a. die Objekte „Trucker“ sowie „Verkehrsrundschau“

verantwortet. Der HUSS-VERLAG

hat dieses innovative Fachmagazin für Fuhrparkund

Flottenbetreiber entwickelt, das sich zum

Ziel gesetzt hat, die

immer schneller

voranschreitenden

Trends und Fortschritte

in der sich

verändernden Mobilität

aufzuzeigen, zu

analysieren und seine

Leser über nachhaltige,

effiziente Lösun-

Foto: Huss-Verlag

gen für den gesamten Personen- und Straßengüterverkehr

zu informieren. Dazu bestehe ein großes

Informationsbedürfnis, da der klassische

Fuhrpark mit Verbrennungsmotor in Zukunft

deutlich weniger genutzt werden wird und die

betrieblichen Flotten neben der E-Mobilität auf

Hybrid-, Gas- sowie Brennstoffzellenfahrzeuge

umgestellt werden.

Reiner Blaschek

ist seit Anfang des Jahres neuer CEO von ArcelorMittal

Bremen. In seiner letzten Funktion für

diesen Stahlhersteller

war er als CMO (Chief

Marketing Officer) als

Vertriebsleiter für den

Bereich der Industriekunden

in Nordeuropa

verantwortlich. Davor

war Blaschek Mitglied

des Vorstands in Bremen

und für den

Bereich Technik Finishing

zuständig. Er arbeitet seit 2002 in Bremen

und kennt das Werk daher genau. Davon soll

er nun als Nachfolger von Dr. Dietmar Ringel

profitieren, der in das Team von Geert Van

Poelvoorde, VEO ArcelorMittal Europe –

Flat Products – gewechselt hat und Mitglied

des Aufsichtsrats von ArcelorMittal Bremen

geworden ist.

Foto: ArcelorMittal

Stefan Müller-Bernhardt

hat im Februar 2017 im Hause Damstahl GmbH

im rheinischen Langenfeld seine Tätigkeit

aufgenommen und ist dort seitdem für die

Geschäftsentwicklung und Strategie in allen von

der Damstahl GmbH betreuten Marktsegmenten

verantwortlich. Mit 29 Jahren wird der Neue bei

Damstahl als Führungskraft im Bereich Edelstahl

eingesetzt und als „ein Kenner und Könner

unserer Branche” bezeichnet.

Volker Bouffier

hat die regionale Verbundenheit der Friedhelm

Loh Group und ihr Bekenntnis zum

Standort Deutschland gelobt. Der hessische

Ministerpräsident (r.) äußerte sich bei einer

feierlichen Grundsteinlegung. Mit dem Neubau

in Haiger sowie der Modernisierung der

Werke in Rittershausen und Hof richtet der

Schaltschrank- und Systemanbieter Rittal

seine Produktion in Deutschland auf die

Zukunft aus. Darüber hinaus wird in den

kommenden Jahren ein weiteres Werk in

Mittelhessen entstehen.

Stahlreport 4|17

5


Stahlhandel

Schwerpunkt Stahl Service Center

Die modernste

Spaltanlage Europas

bei Walter Patz in

Mudersbach: Die

2015 in Betrieb

genommene Anlage

ist eine gemeinsame

Investition des

Geschäftsfelds Stahl

Service Center der

Knauf Interfer

Gruppe und wird von

allen seinen fünf

Standorten genutzt.

Fotos: Knauf Interfer

Stahl Service Center der KNAUF INTERFER

Automotive-Lösungen im Verbund

Der Automotive-Sektor gilt als attraktiver, aber auch anspruchsvoller Markt für Stahl Service Center.

Bei durchgängig hohen Anforderungen an Logistik, Lagerhaltung und Liefertreue ist für jeden

Produktionsschritt das Know-how spezialisierter Lieferanten gefragt. Die Knauf Interfer Gruppe

bündelt daher in ihrem Geschäftsfeld Stahl Service Center die Kompetenzen von fünf Spezialisten.

Die jeweiligen Standorte

der Stahl Service Center der Knauf

Interfer Gruppe können auf die Ressourcen

und Maschinen des gesamten

Geschäftsfeldes zurückgreifen.

So kann jederzeit die gesamte Bandbreite

an hochwertigen Automobilgüten

in individuellen Losgrößen

für die Produktion und den Prototypenbau

just in time geliefert werden.

Angesichts der anspruchsvollen

Rahmenbedingungen seien standortübergreifende

Kompetenzen

erforderlich, um das Geschäftsfeldkonzept

erfolgreich umzusetzen.

Stefan Weber z.B. ist technischer

Kundenberater der Knauf Interfer

Stahl Service Center. Er kennt die

hohen Ansprüche der Automotive-

Branche und definiert gemeinsam

mit den Kunden die meist weit über

die Normen hinausgehenden Materialspezifikationen

und Anarbeitungstiefen

der Stahlmarken, die

von den Stahl Service Centern der

Gruppe eingekauft, verarbeitet und

als Spaltband oder Tafeln beim Kunden

angeliefert werden. Die Produkte

finden u.a. Anwendung in

Befestigungs- und Klemmteilen, Sitzkomponenten

und Sitzschienen,

Sicherheitskomponenten, Strukturund

Außenhautteilen sowie der

Abschirmtechnik. „Welcher Standort

dabei im Einzelfall produziert

und liefert, ist sowohl eine geografische

Frage – Stichwort Kundennähe

– als auch der jeweiligen Stärken“,

so Stefan Weber.

Back-ups für Spitzenzeiten

Die Delta-Stahl GmbH mit Sitz in

Barsinghausen ist besonders spezialisiert

auf hochwertige Automobilgüten

in passgenauen Einsatzbreiten.

Diese werden u.a. für die

Entwicklung und Fertigung innovativer

Sitzsysteme benötigt. Wie bei

vielen anderen Automotiveprodukten

auch, steht dahinter eine leistungsfähige

Logistik, die als „Service-Puffer“

die Leistung der Stahlerzeuger

mit dem Produktionsbedarf

der Kunden in Einklang bringt.

Hier kann Delta Stahl von Synergien

im Geschäftsfeld profitieren.

6 Stahlreport 4|17


Das beginnt beim Einkauf und

schließt auch redundante Maschinen

ein, die als Back-up bei Ausfällen

oder zum Ausgleich von Spitzenlasten

dienen.

Die beiden Spaltanlagen an den

Standorten Delta Stahl in Barsinghausen

und in Mudersbach bei der

Walter Patz GmbH zählen zu den leistungsstärksten

ihrer Art in Europa

und verfügen über besondere Bremsaggregate,

die eine besonders oberflächenschonende

Produktion zulassen

– ideal für die hohen Ansprüche

der Zielgruppe Automotive, beispielsweise

für Außenhautteile.

Die 2015 in Betrieb genommene

Anlage bei Walter Patz ist eine

gemeinsame Investition und wird von

allen fünf Standorten des Geschäftsfelds

genutzt. Mit kurzen Rüstzeiten,

variablen Schnittaufteilungen und

schnellen Messerwechseln ermöglicht

sie die besonders zügige und

wirtschaftliche Verarbeitung individueller

Kundenaufträge.

Lagerung Spaltband bei Delta Stahl in Barsinghausen: Das Unternehmen ist spezialisiert

auf hochwertige Automobilgüten in passgenauen Einsatzbreiten.

Individuelle Losgrößen

Allein aus Barsinghausen geht ein

großer Anteil der Produktion in die

Automotive-Branche. „Delta Stahl

liefert das richtige Material zur richtigen

Zeit an den richtigen Ort, nicht

zuletzt, da wir für viele Kunden zum

Beispiel Konsignationslagerung

betreiben“, sagt Ralf Henkelmann,

Geschäftsfeldleitung Stahl Service

Center.

Deutlich kleiner aber nicht minder

komplex sind die Lose im Prototypenbau.

Die Materialbestellung

dafür erfolgt projektbezogen, die

komplette Logistik bis zum Wareneingang

überlassen die Kunden in

der Regel ihren Lieferanten, die sich

dadurch gleich mit einer Reihe von

Herausforderungen konfrontiert

sehen: kleine bis kleinste Losgrößen,

individuelle Materialien, Güten

und Maße auf der einen, kurze Lieferfristen

und eine ausgeklügelte

Logistik auf der anderen Seite. Eilund

Sonderlieferungen sind hier

keine Seltenheit. Die Max Baum

Stahl Service GmbH der Knauf Interfer

Gruppe hat das zum Prinzip erhoben

und sich innerhalb des Ge -

schäftsfeldes und auf dem Markt als

Lieferant und Sparringspartner für

die Lieferung von Stahl in Sondergüten

und Zwischendicken für den

Protoypenbau etabliert.

Kurze Wege sind gerade in der

eng getakteten Automotive-Branche

von Bedeutung, um die hohen Anforderungen

an Liefer- und Termintreue

zu erfüllen, aber auch an die

persönliche Abstimmung mit dem

Vertrieb oder den Ansprechpartnern

direkt an den Standorten zu

ermöglichen. Mit den weiteren

Standorten in Nürtingen und Wenden

kann das Geschäftsfeld Stahl

Service Center der Knauf Interfer

Kunden von fünf leistungsstarken

Standorten in Deutschland beliefern.

„Die dezentrale Struktur mit

gemeinsamen Synergien innerhalb

eines Geschäftsfeldes und der Knauf-

Interfer-Gruppe verschafft uns speziell

im Automotivesektor einen

wichtigen Wettbewerbsvorteil“, so

Guido Müller-Späth, ebenfalls

Geschäftsfeldleitung Stahl Service

Center bei Knauf Interfer. 2

[ Kontakt ]

Knauf Interfer SE

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45141 Essen

Tel. +49 201 8317-0

www.knauf-interfer.de

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Stahlhandel

Schwerpunkt Stahl Service Center

Der neue Anfrage -

assistent von SAZ-

STAHL berechnet

alle wichtigen Parameter

einer Anfrage

sofort online.

Bild: SAZ-STAHL

Stahl Service Center relauncht Webseite

Anfragen übersichtlich online abgeben

Die Onlinepräsenz des Stahlanarbeitungszentrums SAZ-STAHL erstrahlt in neuem Glanz. Im

Vordergrund stand beim Relaunch der Webseite neben einem modernen, klaren Design vor

allem die Nutzerfreundlichkeit. So können Anfragen mit allen nötigen Auftragsdaten über den

neuen Assistenten nun komfortabel direkt online abgegeben werden.

[ Kontakt ]

SAZ Stahlanarbeitungszentrum

Dortmund

GmbH & Co. KG

44147 Dortmund

Tel. 0231 982302-0

www.saz-stahl.de

Nach über zehn Jahren sei es

an der Zeit gewesen, SAZ-STAHL in

einem neuen Gewand zu präsentieren.

Ob bestehender oder potenzieller

Kunde: Auf der neuen Webseite

der SAZ Stahlanarbeitungszentrum

Dortmund GmbH & Co. KG soll jeder

sofort finden, wonach er sucht. Die

Homepage bietet u.a. eine überarbeitete

Darstellung der umfangreichen

Dienstleistungen des unabhängigen

Stahlbearbeitungsbetriebs und

stellt wichtige Informationen, Daten

und Dokumente in neuem Look

bereit.

Komfortable Berechnung

aller Parameter

Den Anarbeitungsleistungen des

Dortmunder Lohnbearbeiters wurde

bei der Gestaltung des neuen Webauftritts

besondere Aufmerksamkeit

gewidmet. Ziel war es, eine neue

kundenfreundliche Art der Kommunikation

aufzubauen. So entstand

der neue Anfrageassistent.

Der Assistent erlaubt, sofort

online und ohne große Umwege relevante

Berechnungen für die Anfrage

durchzuführen sowie Materialgü-

ten, Abmessungen und weitere Parameter

festzulegen. Nach Eingabe

aller nötigen Daten kann die Anfrage

direkt an den Stahlbearbeiter übermittelt

werden.

Vorgaben und Gewichte

Über den Anfrageassistenten lassen

sich nicht nur Spalt-, Tafel- und Walzeinteilungen

vornehmen, sondern

darüber hinaus auch die unterschiedlichsten

Gewichts- und Verpackungsvorgaben

festlegen. Alle wichtigen

Informationen erscheinen während

der Eingabe direkt im Überblick, so

dass die Abmessungsvorgaben,

Paketgewichte und Verpackungsvorgaben

sofort geprüft werden können.

Ebenso werden z.B. Coilgewichte

und deren Durchmesser gleich mit

berechnet. Alle Ergebnisse werden

umfangreich und übersichtlich dargestellt

und bei der Übermittlung

der Anfrage an SAZ-STAHL an den

Anwender per Mail mitgesendet.

SAZ-STAHL mit Sitz im Dortmunder

Hafengelände wurde 1994 ge -

gründet und hat sich seitdem als

unabhängiges Stahl-Dienstleistungszentrum

einen Namen gemacht. Insbesondere

ist der Stahldienstleister

in den Bereichen Spalten, Tafeln,

Walzen und Logistik für Stahlwerke

und deren Tochterunternehmen in

Europa als verlängerte Werkbank

tätig. Darüber hinaus zählt die weiterverarbeitende

Industrie – Kaltwalzer,

Rohrhersteller, Profilierer,

der klassische Stahlhandel und viele

andere Unternehmen – zu den Kunden.

Das bearbeitete Material wird

in der Möbel-, Elektro- und Autoindustrie

sowie vielen anderen Branchen

weiterverarbeitet.

Der Stahlbearbeitungsbetrieb ist

nach DIN EN ISO 9001:2008 zertifiziert.

Im Dortmunder Hafengebiet

in der Mitte Deutschlands gelegen,

bietet die trimodale Anbindung des

Unternehmens an Straße, Gleis und

Gewässer Kunden und Speditionen

günstige logistische Bedingungen

sowohl für Anlieferungen wie Abholungen.

Im Zeitalter der Digitalisierung

habe man mit der neuen Homepage

einen weiteren Schritt in Richtung

kundenorientierte Auftragsabwicklung

getan. Zu finden ist die neue

Website unter www.saz-stahl.de 2

8 Stahlreport 4|17


Stahlhandel

Bericht

Erläuterte die Zahlen von 2016: Gisbert Rühl,

Vorsitzender des Vorstands der Klöckner & Co

SE, bei der Bilanzpressekonferenz des Unternehmens

Anfang März.

Foto: BDS/oe

Bestes operatives Ergebnis seit fünf Jahren

Klöckner & Co schreibt

wieder schwarze Zahlen

Klöckner & Co hat sein EBITDA und Konzernergebnis 2016 deutlich gesteigert. Das hat der Konzern

Anfang März auf seiner Bilanzjahrespressekonferenz gemeldet. Die im Durchschnitt im vergangenen

Jahr niedrigeren, unterjährig aber gestiegenen Stahlpreise haben den Umsatz dabei negativ, das

Ergebnis jedoch positiv beeinflusst, teilte der Konzern mit.

Der unabhängige Stahldistributionskonzern steigerte

seinen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen

demzufolge 2016 auf 196 Mio. € (Vorjahr:

86 Mio. € vor Restrukturierungsaufwendungen), das

Konzernergebnis stieg auf 38 Mio. € (Vorjahr:

-349 Mio. €). Zwar ging der Umsatz dabei um 11,1 % von

rd. 6,4 Mrd. € auf rd. 5,7 Mrd. € zurück. Das Ergebnis

sei aber positiv beeinflusst worden, so der Konzern.

Zusätzlich sei der Umsatz durch restrukturierungsbedingte

Absatzrückgänge belastet worden.

Cashflow 2016 rückläufig, aber deutlich positiv

Der operative Cashflow von Klöckner & Co war dabei

rückläufig, mit 73 Mio. € (Vorjahr: 276 Mio. €) sei er

jedoch erneut deutlich positiv gewesen. Die Netto-Finanzverbindlichkeiten

sind dabei, den Angaben zufolge im

Wesentlichen währungsgetrieben, von 385 Mio. € auf

444 Mio. € angestiegen – jedoch auf einem niedrigen

Niveau verblieben. Die Eigenkapitalquote sei zum Bilanzstichtag

mit 40 % weiterhin sehr solide gewesen.

„Vor dem Hintergrund der erreichten Rückkehr in

die Gewinnzone und der verbesserten Rahmenbedingungen

werden Vorstand und Aufsichtsrat der Hauptversammlung

die Ausschüttung einer Dividende von 20

Cent je Aktie vorschlagen“, sagte Gisbert Rühl, Vorsitzender

des Vorstands der Klöckner & Co SE.

Digitale Transformation weiter vorangetrieben

Bei der Digitalisierung der Liefer- und Leistungskette

im Rahmen der Strategie „Klöckner & Co 2020“ habe

der Konzern erhebliche Fortschritte erzielt. Die von

dem unternehmensinternen Start-up kloeckner.i entwickelten

digitalen Lösungen seien einem größeren Kundenkreis

verfügbar gemacht worden. Zudem war die

Serviceplattform „Kloeckner Connect“ live gegangen,

die Kunden den zentralen Zugriff auf das digitale Angebot

von Klöckner & Co ermöglicht.

Umsatz über digitale Kanäle 2016

sukzessive gestiegen

Als Folge stieg der über digitale Kanäle erzielte Umsatzanteil

von 9 % im 1. Quartal sukzessive auf 12 % im

Schlussquartal 2016 an, teilte das Unternehmen mit. Für

das laufende Jahr sei, durch die schrittweise Integration

von Wettbewerbern in das Online-Angebot von

Klöckner & Co, der Aufbau einer Industrieplattform

geplant.

Geschäft mit höhermargigen Produkten

weiter ausgebaut

Auch das Geschäft mit höherwertigen Produkten und

Services habe man 2016 mit einem Umsatzanteil von

46 % nach 39 % im Vorjahreszeitraum weiter ausbauen

3

Stahlreport 4|17

9


Stahlhandel

Berichte/Nachricht

3

können. Damit werde das ursprünglich für 2020 ausgegebene

Ziel von über 50 % voraussichtlich bereits

im Jahr 2018 erreicht werden. Zu dem weiteren Anstieg

beitragen werde das neue Service-Center zur Verarbeitung

von Aluminium-Flachprodukten, das Klöckner

& Co über seine Tochtergesellschaft Becker Stahl-

Service (BSS) am Standort in Bönen, Nordrhein-Westfalen,

errichtet. Die Fertigstellung der mit 35 Mio. €

größten Investition in der Firmengeschichte von BSS

ist für das kommende Jahr geplant, wobei eine erste

Fertigungslinie bereits in diesem Jahr in Betrieb gehen

soll.

„One Europe“-Programm gestartet

Die neue Organisationsstruktur des Klöckner-Optimierungsprogramms

„One Europe“ sei zum Jahresbeginn

2017 umgesetzt worden. Im Rahmen des Programms

werden die Aktivitäten in den Landesgesellschaften in

Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, den

Niederlanden, und Österreich noch stärker zusammengefasst.

Durch das Programm sollen Kosten eingespart,

Synergien – insbesondere in den Bereichen Logistik

und Einkauf – gehoben sowie eine schnellere Umsetzung

der Strategie „Klöckner & Co 2020“ gewährleistet

werden. Bis 2019 soll „One Europe“ einen EBITDA-Beitrag

von insgesamt rund 30 Mio. € erbringen – davon

bereits 10 Mio. € im laufenden Jahr.

Weiter steigende Ergebnisse erwartet

Für das laufende Geschäftsjahr erwartet Klöckner & Co

in den wesentlichen Absatzmärkten Europa und USA

einen leichten Anstieg der realen Stahlnachfrage. Unterstützt

durch weitere Optimierungsmaßnahmen werde

zudem eine leichte Steigerung des operativen Ergebnisses

(EBITDA) erwartet. Dabei werde der Anstieg im 1.

Quartal 2017, unterstützt durch zu Jahresbeginn weiter

gestiegene Stahlpreise, voraussichtlich sehr deutlich

ausfallen, erwartet der Konzern. 2

Große Spender-Registrierung bei Carl Pohle

Aktion gegen Blutkrebs

Eine große Registrierungsaktion der DKMS gemeinnützigen

GmbH (ehemals Deutsche Knochenmarkspenderdatei) hat Anfang

März hat bei der Carl Pohle GmbH & Co. KG stattgefunden. Konkretes

Ziel der Aktion war, eine geeignete Knochenmarksspende für

den sechsjährigen Finn zu finden – einen an Blutkrebs erkrankten

Jungen aus Mönchengladbach, dem Unternehmenssitz der Carl

Pohle GmbH & Co. KG.

Die Typisierungsaktion sei ein voller Erfolg gewesen, berichtete das

Unternehmen der Heinrich-Schmidt-Gruppe im Anschluss. So haben

sich allein aus den eigenen Reihen knapp 50 Mitarbeiter registrieren

und typisieren lassen. Mitarbeiter und Unternehmen haben darüber

hinaus gemeinsam 3.600 € gespendet.

Auch über die Carl Pohle GmbH & Co. KG hinaus ist die Aktion auf

großes Interesse gestoßen. Der Besucherraum des Stahlhändlers

war dem Unternehmen zufolge zumindest dicht mit freiwilligen Kandidaten

für die Registrierung gefüllt. Auch Kunden habe man für

diese Aktion gewinnen können.

Blutkrebs ist eine bösartige Erkrankung des Knochenmarks bzw. des

blutbildenden Systems. Blutkrebspatienten können die Krankheit

häufig nur mithilfe einer Stammzellspende eines passenden Spenders

besiegen. Oft ist die Übertragung gesunder Stammzellen sogar

die einzige Aussicht auf Heilung.

Die DKMS ist ein gemeinnütziges Unternehmen, das – oft mit Hilfe

privater Initiativen und Unternehmen – Typisierungsaktionen für

Knochenmarkspenden durchführt und die Daten in eine zentrale

Datenbank überführt. Neben freiwilligen Teilnehmern an den Typisierungsaktionen

ist die DKMS auch auf Geldspenden angewiesen.

Foto: Carl Pohle GmbH & Co. KG

Haben sich über den Erfolg ihrer Typisierungsaktion gefreut (v.l.): Dorothé

Schneider (Sekretariat Fa. Carl Pohle), Dilek Cicek (Buchhaltung Heinrich

Schmidt Holding) und Paul Roemer (Niederlassungsleiter und Prokurist der

Fa. Carl Pohle)

Denn obwohl die Kosten, die für die Registrierung anfallen, im Laufe

der Zeit deutlich gesunken sind – von anfänglich 600 DM auf heute

40 € – müssen sie dennoch aus Spenden generiert werden.

[ Info ]

Weitere Infos zu Typisierung und Spendemöglichkeiten unter www.dkms.de

10 Stahlreport 4|17


Topp Stahl lagert mit Remmert

Brückenlager schafft Platz

Der Ausbau der Lagerkapazitäten, ein effizienteres Materialhandling

sowie die Erweiterung des Produkt- und Leistungs -

spektrums – das waren die Hauptanforderungen von Topp Stahl

an ein neues Lagersystem. Gemeinsam mit der Friedrich Remmert

GmbH war die Lösung für den Hagener Stahlhändler schnell

gefunden: Ein Brückenlager.

Foto: Remmert

Dank der Integration des neuen

Automatiksystems lagert der Hagener

Stabstahlspezialisten heute rund 4.000

t Stahl auf 370 m² Grundfläche. Im

Gegensatz zu früher bedeutet das eine

Verdreifachung der Lagerkapazität

sowie eine Platzersparnis von 80 %.

Unter dem Geschäftsmotto „Stabstahl

à la carte“ bietet die Topp Stahl

GmbH seit 1995 ihren Kunden ein

umfangreiches Produkt- und Serviceangebot.

Egal ob Flach-, Vierkant-, Breitflach-

oder Rundstahl angefordert wird

– der Stahlhändler hat alle Produkte

auf Lager. „Wir liefern alle Stähle in

verschiedenen Güten und Längen

deutschlandweit innerhalb von nur 48

h. Darüber hinaus wird das Material

auf Wunsch angearbeitet“, erklärt Martin

Gelfuß, Geschäftsführer bei der Topp

Stahl GmbH.

Alte Lagerlösung stieß an Grenzen

Um den anspruchsvollen Kundenanforderungen

gerecht zu werden und

Aufträge schnell und effizient abzuwickeln,

kommt es vor allem auf die richtige

Lagerstrategie an. Bis vor kurzem

bevorratete der Betrieb das breite Produktspektrum

verteilt auf Hürden in der

zentralen Lager- und Fertigungshalle

sowie in einem Außenlager. Der Materialnachschub

wurde via Gabelstapler

besorgt. Zeitintensive Umlagerungen

gehörten zum Alltag von Topp Stahl.

Ein weiterer Nachteil der Außenlagerung:

Die Stahlprodukte waren stets

der Witterung ausgesetzt. Die so entstandenen

Rostspuren stellten für die

robusten Werkstoffe zwar kein Problem

dar – entsprachen aber nicht dem Qualitätsgedanken

von Topp Stahl.

Auch der Platzverlust war enorm.

Die alte Lagermethode beanspruchte

eine Fläche von insgesamt mehr als

5600 m². Da die Lagerhaltung durch

das breite Produktspektrum bereits an

ihre räumlichen Grenzen stieß, machte

sich der Stahlexperte auf die Suche

nach einer effizienteren Lagerlösung.

Ein Brückenlager für Topp Stahl

Mit der Friedrich Remmert GmbH,

einem der führenden Hersteller von

Lagersystemen für Langgüter und Bleche

im Markt, war der richtige Partner

schnell gefunden. „Insbesondere die

Langlebigkeit der Systeme und das

umfangreiche Serviceangebot von Remmert

haben uns auf Anhieb überzeugt.

Durch die Standortnähe ist außerdem

schnell ein Mechaniker vor Ort“, erklärt

Robin Topp, ebenfalls Geschäftsführer

bei Topp Stahl.

Schnell war klar, dass ein Brückenlager

die geeignete Lösung für die komplexen

Anforderungen der Topp Stahl

GmbH war. Bereits nach sieben Monaten

wurde das Automatiklager in Betrieb

genommen. Auf über 17 Gassen bietet

das System mit seiner kompakten Bauform

Platz für 841 Lagerplätze à 5 t

Traglast. Bis zu 4.000 t Stahl lagern

heute auf nur 370 m² Fläche.

Optimierte Lagerung

Um den bestmöglichen Materialfluss zu

gewährleisten, verfügt die Anlage über

zwei Lagerstationen: Eine Schnellwechselstation

für die Ein- und Auslagerung

sowie für die Kommissionierung. Eine

Einfachwechselstation beliefert die

Info: Das Brückenlager bei Topp Stahl

Lagerkennzahlen: 43 m x 8,8 m x 13 m (L x B x H)

841 Lagerplätze à 5 t Traglast, verteilt auf 17 Gassen

1 Schnellwechselstation

1 Einfachwechselstation

1 fahrwegoptimiertes RGB

Pro WMS Enterprise (inkl. Schnittstelle zu SAP)

Inbetriebnahme: Sommer 2014

nahegelegene Anarbeitung. Die Werkstoffe

werden bei dem neuen Lagersystem

mit dem Hallenkran vom Lkw geladen

und direkt neben dem Brückensystem

bereitgestellt. Im Anschluss

erfolgt die Einlagerung über die Schnellwechselstation

in das System.

Einsortiert wird nach dem chaotischen

Prinzip. Die eingehende Ware

wird dabei fahrwegoptimiert auf dem

Lagerplatz gelagert, der dem anstehenden

Auslagerungsauftrag am nächsten

liegt. Die Lagerbewegungen erfolgen

dadurch wesentlich schneller.

Steht ein neuer Kommissionieroder

Anarbeitungsauftrag an, lagert

das Regalbediengerät (RBG) die Kassette

mit den angeforderten Produkten

an der entsprechenden Station aus.

Gesteuert wird der gesamte Vorgang

über die Remmert-Software Pro

WMS Enterprise. Das Lagerverwaltungssystem

gewährleiste einen durchgängigen

Materialfluss und dokumentiert

zugleich alle Bestände.

Mit dem neuen Lagersystem schlägt

der Stahlhändler heute rund 600 t Stahl

pro Monat um – und damit etwa 200 t

mehr als vor der Umstrukturierung.

„Durch das neue System verkürzen sich

unsere Reaktionszeiten noch weiter. Beispielsweise

benötigen wir für eine

Abmessung in der Anarbeitung heute

weniger als 2 min – knapp 18 min weniger

als früher“, resümiert Robin Topp. 2

Ansicht des

Brückensystems bei

Toppstahl

[ Kontakt ]

Topp Stahl GmbH

58099 Hagen

Tel. +49 2331

62458-0

www.topp-stahl.de

Friedrich Remmert

GmbH

32584 Löhne

Tel. +49 5732 896-0

www.remmert.de

Stahlreport 4|17

11


Stahlverarbeitung

Bericht

MAG CORCOM liefert ein

modulares Produktportfolio,

bestehend aus Kernkomponenten

wie Spindeln,

Rundtischen und

Werkzeugwechselsystemen,

in die MAG-Gruppe

und an externe Kunden.

Foto: MAG CORCOM

MAG setzt auf Günther + Schramm

Materiallogistik passgenau zugeschnitten

Die verarbeitende Industrie sucht ständig neue Möglichkeiten, die Entwicklung neuer Produkte zu

beschleunigen und Kosten zu senken. Wie Produktionsplaner diese Herausforderung meistern, zeigt

sich beispielhaft bei MAG CORCOM. Das Unternehmen entwickelt und produziert Module für die

Produktionsmaschinen von MAG, einem der führenden Anbieter von Lösungen für die Fräs- und Drehbearbeitung.

Die Materiallogistik hat der Systemdienstleister Günther + Schramm übernommen.

Von der Beschaffung über die

Bevorratung bis zum Sägezuschnitt

– seit 2015 hat der Systemdienstleister

für Stahl, Edelstahl und Aluminium

Günther + Schramm die

gesamte Materiallogistik bei MAG

CORCOM übernommen. Umfangreiche

und für das Maschinenbauunternehmen

kostenintensive Lagerbestände

werden laut Günther +

Schramm so komplett vermieden.

Zudem erfolge die Bereitstellung des

Materials effizient und webbasiert

und auch der administrative Aufwand

werde minimiert.

Materialprozesse im Wandel

Schlüsselfertige, individuell konfigurierte

Produktionstechnologie ist

eine der Kernforderungen, die z.B.

die Automobilindustrie an den

Maschinenbau heranträgt. Nur mit

passgenauen Spezialanfertigungen

können OEMs und Zulieferer ihre

zunehmend komplexer werdenden

Bauteile effizient, fehlerfrei und präzise

fertigen.

Dass diese Entwicklung die internen

Materialprozesse des Maschinenbaus

verändert, liegt auf der

Hand. Insgesamt nimmt der Aufwand

rund um die Bereitstellung von passgenauen

Werkstoffen eher zu.

MAG CORCOM hat darauf bereits

im Jahr 2009 reagiert und die

Beschaffung, die Bevorratung und

den Sägezuschnitt von nahezu allen

benötigten Stahlprodukten an einen

Dienstleister ausgelagert. „Zuvor gab

es im Bereich unserer Sonderfertigung

große Herausforderungen zu

bewältigen. Hier produzieren wir

Bauteile in sehr kleinen Stückzahlen,

für die verhältnismäßig wenig

Werkstoff benötigt wird. In der Folge

entstanden Material-Restbestände,

die wir länger am Standort zwischenlagern

mussten. Dieser Kostenfaktor

ist durch das Outsourcing von

Beschaffung und Lagerung der benötigten

Stahlprodukte entfallen“, so

Nina Hummel, Projektverantwortliche

bei MAG CORCOM.

Da sich im Laufe der letzten Jahre

der Werkstoffbedarf und somit die

Anforderungen an die vorgelagerte

Logistik jedoch geändert haben, hat

das Unternehmen diese Dienstleistung

2015 erneut ausgeschrieben.

„Letztlich sollte die gesamte Abwicklung

noch schneller und unkomplizierter

erfolgen und auch die Preiskalkulation

vereinfacht werden“,

erläutert Hummel.

Sägezuschnitte in

passender Zahl und Größe

Der Auftrag hat Outsourcing-Spezialist

Günther + Schramm erhalten.

12 Stahlreport 4|17


Foto: MAG CORCOM

Die Stahlprodukte werden als Sägezuschnitte in der passenden

Stückzahl und Größe sowie mit beigelegten Fertigungspapieren

von Günther + Schramm nach Rottenburg geliefert.

Foto: Günther + Schramm

Günther + Schramm verfügt über eine vollautomatische Lager- und Sägezelle. Zudem

stehen für die Produktion verschiedene Sägeautomaten zur Verfügung, die unterschiedliche

Bearbeitungsschritte an Vollmaterial, Rohren, Profilen oder Platten zulassen.

Mit dem baden-württembergischen

Systemdienstleister profitiere MAG

CORCOM von einem ausgeklügelten

logistischen Gesamtsystem, das die

punktgenaue Bereitstellung von 154

verschiedenen Stahlprodukten

sicherstelle. Diese werden als Sägezuschnitte

in der passenden Stückzahl

und Größe nach Rottenburg

geliefert – zweimal in der Woche.

Ein Vorteil sei dabei, dass MAG

fast nur Artikel benötigt, die Günther

+ Schramm in seinem umfangreichen

Lagerportfolio ohnehin bereithält.

Folglich entfällt eine Beschaffung

und Bevorratung speziell für

MAG. Gleichzeitig profitierten die

Maschinenbauer vom umfassenden

Säge-Know-how bei Günther +

Schramm, denn die gelieferten Artikel

seien „perfekt“ vorbereitet.

Dafür schickt MAG zunächst

seine Anforderungen an den Stahldienstleister.

Die gelieferten Stückzahlen

eines solchen Zuschnitts variieren

dabei sehr stark und reichen

von eins bis 300. „Einerseits sind

die von MAG geforderten Passungen

und Toleranzen an den Zeichnungsteilen

minimal. Wir arbeiten

fast schon mit Fertigungsmaßen auf

dem Niveau eines Endproduktes.

Andererseits handelt es sich um sehr

viele verschiedene Teile mit ganz

unterschiedlichen Losgrößen. Trotzdem

garantieren wir dem Kunden

jede Lieferung innerhalb von nur

zwei Tagen“, betont Annika Herm,

Projektleiterin bei Günther +

Schramm.

Eine Grundvoraussetzung dafür

ist der Einsatz moderner Lager- und

Bearbeitungstechnologien bei Günther

+ Schramm. Das Unternehmen

verfügt z.B. über eine vollautomatische

Lager- und Sägezelle, die im

mannlosen Dreischichtbetrieb hochpräzise

Sägeabschnitte produziert.

Zudem stehen für die Produktion verschiedene

Sägeautomaten zur Verfügung,

die unterschiedliche Bearbeitungsschritte

an Vollmaterial, Rohren,

Profilen oder Platten zulassen.

Einfache Prozesse

Ein weiterer Pluspunkt für MAG

CORCOM ist die zur Verfügung

gestellte administrative Infrastruktur,

die den gesamten Bestellvorgang

massiv vereinfacht. So können die

Mitarbeiter des Maschinenbauers

nicht nur direkt im Online-Portal

des Dienstleisters nach den benötigten

Artikeln suchen, sondern dabei

sogar die hauseigenen Materialnummern

eingeben – sie wurden im Vorfeld

mit den Materialnummern von

Günther + Schramm verknüpft.

In der Folge finden MAG-Mitarbeiter

die benötigten Daten den

Angaben nach völlig unkompliziert

und können dann den Preis für einen

Artikel bestimmen. Die eigentliche

Bestellung wird anschließend über

das SAP-System ausgelöst.

Aktuell in Planung bei den beiden

Partnern ist zudem der Einsatz

eines EDI-Systems: Dabei erfolgt die

komplette Auftragsabwicklung von

der Bestellung bis zum Wareneingang

komplett papierlos. Günther +

Schramm liefert die Sägezuschnitte

dann gewissermaßen direkt an die

Maschine. 2

[ Kontakt ]

Günther + Schramm GmbH

73447 Oberkochen

Tel. +49 7364-24-110

www.gs-stahl.de

Stahlreport 4|17

13


Stahlproduktion

Berichte

Salzgitter AG steigert Ergebnis

Geschäftsbereich Handel erzielt Gewinn

Der Salzgitter-Konzern hat das Geschäftsjahr 2016 mit einem signifikant verbesserten Gewinn vor

Steuern abgeschlossen. Das meldete der Stahlproduzent Ende Februar. Wesentlich beigetragen

zu dem Ergebnis haben dem Unternehmen zufolge interne Maßnahmenprogramme und die handelspolitischen

Schutzmaßnahmen der EU. Von einer „Festigung“ der Stahlpreise haben in der zweiten

Jahreshälfte 2016 insbesondere die Geschäftsbereiche Flachstahl und Handel profitiert.

Während der Außenumsatz des

Salzgitter-Konzerns auf rd. 7.9 Mrd. €

gesunken ist (2015: rd. 8.6 Mrd. €),

stieg der Vorsteuergewinn auf 53,2

Mio. € (2015: 4,1 Mio. €). „Das positive

Vorsteuerergebnis des Geschäftsjahres

2016 spiegelt nicht zuletzt

unsere eigene Leistung im Zuge der

stringent verfolgten Maßnahmenprogramme

wider“, sagte der Vorstandsvorsitzende

Prof. Dr.-Ing. Heinz Jörg

Fuhrmann.

Der Geschäftsbereich Handel der

Salzgitter AG hatte im vergangen Jahr

einen deutlichen Umsatzrückgang zu

verzeichnen (2.855,0 Mio. €; 2015:

3.210,7 Mio. €). Ursache hierfür seien

die im Jahresdurchschnitt spürbar

niedrigeren Preise sowie rückläufige

Absatzmengen gewesen.

Während die Ertragslage des

Lagerhandels in den ersten drei

Monaten 2016 noch schwach gewesen

sei, habe man über die Folgemonate

bis einschließlich Herbst temporär

ausgeweitete Margen verzeichnet.

Verbunden mit dem Resultat des

internationalen Tradings sei ein

Ergebnis vor Steuern von „sehr vorzeigbaren“

45,2 Mio. € (2015: 32,2

Mio. €) erzielt worden.

Für 2017 rechnet die Salzgitter

AG im Geschäftsbereich Handel mit

einem deutlichen Umsatzzuwachs.

Dies führt der Konzern auf eine Belebung

des internationalen Projektgeschäfts

sowie den zunehmenden Vertrieb

angearbeiteter Produkte zurück.

Unterstützend werde auch die Erweiterung

des Kundenstamms im Rahmen

der intensiveren Digitalisierung

des Vertriebs wirken, so der Konzern.

Da nicht davon ausgegangen werden

könne, dass sich die 2016 infolge der

Stahlpreisentwicklung temporär eingetretene

Margenausweitung im

Geschäftsjahr 2017 wiederhole, gehe

man im Geschäftsbereich Handel zwar

von einem „sehr zufriedenstellenden“,

aber merklich unter Vorjahr auskommenden

Gewinn vor Steuern für 2017

aus.

Insgesamt erwartet der niedersächsische

Stahlhersteller für 2017

eine Umsatzsteigerung auf etwa

9Mrd. €. Für das Vorsteuerergebnis

rechnet das Unternehmen mit 100

bis 150 Mio. €. 2

Geschäftsbereiche in Mio. € Außenumsatz Vorsteuerresultat

2015 2016 2015 2016

Flachstahl 1.922,5 1.814,6 -41,9 -2,3

Grobblech/Profilstahl 908,8 741,8 -74,1 -32,1

Mannesmann 1.062,6 999,4 2,2 -22,4

Handel 3.210,8 2855 32,2 45,2

Technologie 1.309,4 1.300,3 24,6 28,4

Industrielle Beteiligung/Konsolidierung 204,5 194,6 45,2 36,3

Gesamt 8.618,4 7.905,7 4,1 53,2

Quelle: Salzgitter AG

Dillinger-Gruppe zum Geschäftsjahr 2016

Erwartungsgemäß schwieriges Jahr

Trotz der Neuzustellung des Hochofens 4 konnte die Dillinger-Gruppe im vergangenen Jahr eine gute

Auslastung ihrer Anlagen verzeichnen. Insgesamt hat der saarländische Stahlhersteller jedoch ein

erwartungsgemäß besonders schwieriges Geschäftsjahr mit einer schwachen Erlösentwicklung hinter

sich, wie das Unternehmen anlässlich der Jahrespressekonferenz mitteilte.

Auch im vergangenen Jahr war

der Grobblechmarkt stark umkämpft

und von hohen Überkapazitäten und

niedrigen Erlösen gekennzeichnet, so

die Aktien-Gesellschaft der Dillinger

Hüttenwerke (Dillinger) mit ihren Tochtergesellschaften.

„In dem sehr ungünstigen

Marktumfeld ist es uns dennoch

gelungen, eine gute Auslastung der

Anlagen und einen höheren Absatz zu

verzeichnen“, erklärte Fred Metzken,

Sprecher des Vorstandes von Dillinger,

bei der Jahrespressekonferenz.

Insgesamt musste die Gruppe einen

rückläufigen Umsatz hinnehmen

(1,762 Mrd. €, 2015: 1,838 Mrd. €).

Bei einer sinkenden Kapazitätsauslastung

der europäischen Grobblechwerke

(2016: 58 %) und steigenden

Grobblechimporten in die EU

habe der anhaltend aggressive Verdrängungswettbewerb

zu einem

enormen Erlös- und Margendruck

geführt. Die im zweiten Halbjahr

2016 einsetzenden Preiserholungen

hätten nicht ausgereicht, um die ab

Jahresmitte einsetzenden Rohstoff-

14 Stahlreport 4|17


kostensteigerungen zu kompensieren.

Um den technologischen Vorsprung

der Dillinger-Gruppe zu sichern

und einen zunehmend anspruchsvolleren

Produktmix zu entwickeln, hat

Dillinger im vergangenen Jahr 120

Millionen € (Vorjahr: 154 Millionen €)

investiert. Im Fokus stand dabei die

neue Stranggießanlage CC 6, die 2016

in Betrieb gegangen ist.

Auf dem Grobblechmarkt sei aufgrund

der aktuellen Rahmenbedingungen

auch für 2017 nicht mit einer

grundlegenden Verbesserung der

Aussichten zu rechnen. Die anhaltende

Strukturkrise, gekennzeichnet

durch Überkapazitäten und stetig

wachsende Mengen billigen Importmaterials,

werde den Preiswettbewerb

unter den Lieferwerken in

Europa weiterhin prägen.

Dank einer insgesamt guten Nachfrage

aus wichtigen Verbrauchersegmenten

sei die Dillinger-Gruppe mit

einer guten Auslastung deutlich über

dem Marktdurchschnitt in das Jahr

gestartet. Die Gruppe erwartet für 2017

dank höherer Produktions- und Absatzmengen

sowie der entsprechenden

Preisanpassungen insgesamt einen

Anstieg der Umsatzerlöse. 2

Dillinger-Gruppe: 2016/2015 in Zahlen (in 1.000 t, in Mio. €) 2015 2016

Rohstahlproduktion (in 1.000 t) 2.401 2.267

Grobblechproduktion (in 1.000 t) 1.856 1.882

– davon in Dillingen (in 1.000 t) 1.296 1.284

– davon in Dunkerque (Dillinger France, in 1.000 t) 560 598

Versand/Absatz Grobbleche (in 1.000 t) 1.843 1.898

EBITDA (konsolidiert – Dillinger Gruppe) (in Mio. €) 118 31

EBIT (konsolidiert – Dillinger Gruppe) (in Mio. €) 10 - 80

Umsatzerlöse (konsolidiert – Dillinger Gruppe) (in Mio. €) 1.838 1.762

Quelle: Dillinger-Gruppe

Schmolz+Bickenbach: Geschäftsbericht 2016

Weniger Umsatz, mehr Marge

SCHMOLZ + BICKENBACH meldete für das Geschäftsjahr 2016 einen Rückgang der Absatzmengen

um 2,2 %. Als Folge der gesunkenen Mengen und niedrigerer durchschnittlicher Verkaufspreise

ist dementsprechend auch der Umsatz des Stahlherstellers im vergangenen Jahr um 13,6 %

zurückgegangen. Während ebenfalls das bereinigte EBITDA gesunken sei, konnte jedoch die

entsprechende Marge um 0,3 % auf 6,6 % gesteigert werden.

2016 sei ein Jahr mit zwei

Gesichtern gewesen, bilanzierte der

Stahlhersteller bei der Präsentation

seiner Jahresergebnisse für 2016. So

habe sich das bereits gegen Ende

2015 gedämpfte Marktumfeld in den

ersten Monaten von 2016 als noch

herausfordernder dargestellt. In dieser

Phase sei der Markt von einer auf

niedrigem Niveau verharrenden

Nachfrage und weiter nachgebenden

Rohstoffpreisen geprägt gewesen.

Zu einer Verbesserung der

Marktstimmung sei es gekommen,

als gegen Ende des ersten Halbjahrs

die Rohstoffpreise begannen, sich

zu erholen.

Das Ergebnis des Konzerns sowie

die Entwicklung der Verkaufspreise

reflektierten diese Dynamik des Jahres,

so der Stahlhersteller. Insgesamt

seien die durchschnittlichen Verkaufspreise

für das Gesamtjahr 2016 mit

1.342 €/t um 11,7 % hinter dem Vorjahresniveau

zurückgeblieben.

Im vergangenen Jahr ist der

Umsatz in allen drei Produktgruppen

Edelbaustahl, rost-, säure- und hitzebeständiger

Stahl (RSH-Stahl) und

Werkzeugstahl im Vorjahresvergleich

gesunken: zwischen 15,2 % für Edelbaustahl

und 9,5 % für Werkzeugstahl.

Der Umsatz in der Produktgruppe

RSH-Stähle war 2016 um 13,2 % niedriger.

Dass das bereinigte EBITDA im

vergangenen Jahr auf 153,2 Mio. €

gesunken ist (2015: 169,6 Mio. €),

dabei aber die entsprechende Marge

von 6,3 % im Vorjahr auf 6,6 % gestiegen

sei, unterstreiche die Wirksamkeit

des Programms zur Performanceverbesserung,

welches wie geplant

Kennzahlen 2016/15 2016 2015 +/– (%)

Absatzmenge in 1000 t 1724 1763 -2.2

Umsatz in Mio € 2.314,7 2.679,9 -13.6

Bereinigtes EBITDA in Mio € 153.2 169.6 -9.7

Bereinigte EBITDA-Marge in % 6.6 6.3 0.3

Konzernergebnis (EAT) 1 in Mio € -80.0 -166.8 k.A.

Free Cash Flow 2 in Mio € 92.0 179.0 -48.6

1

Earnings after taxes

2

Aus fortzuführenden Geschäftsbereichen

42 Mio. € an Einsparungen einbracht

habe.

Schmolz + Bickenbach erwartet

für das laufende Jahr ein stabiles wirtschaftliches

Umfeld – trotz „großer

politischer Unsicherheiten“. Die Automobilindustrie

werde sich voraussichtlich

weiterhin auf einem robusten

Wachstumspfad bewegen, während

sich die Maschinen- und Anlagenbauindustrie

seitwärts entwickle. Aus der

Öl- und Gasindustrie rechnet Schmolz

+ Bickenbach mit mehr Bestellungen.

Für 2017 ist Schmolz + Bickenbach

zuversichtlich, das Ergebnis deutlich

verbessern zu können. 2

Quelle: Schmolz + Bickenbach

Stahlreport 4|17

15


Stahlproduktion

Bericht

ArcelorMittal investiert in Forschung & Entwicklung

Stahl innovativer herstellen,

verarbeiten und verkaufen

ArcelorMittal treibt die digitale Entwicklung im eigenen Haus voran und investiert in neue Konzepte

und Lösungen. Die Kunden-Interaktion soll verbessert, die Produktion wettbewerbsfähiger gestaltet

und emissionsarme Technologien weiterentwickelt werden. Ganz analog will der Konzern aber auch

die Stahlanwendung im Gebäudebau weiter stärken. Das wurde auf dem deutschen Pressetag des

Stahlproduzenten in Düsseldorf Ende März deutlich.

350 Mio. € – über diese Sum -

me hat ArcelorMittal kürzlich ein

Finanzierungsabkommen mit der

Europäischen Investitionsbank (EIB)

unterzeichnet. Fließen soll das Geld

von 2017 bis 2020 in die Forschungsund

Entwicklungsprogramme des

Konzerns. Ganz oben auf der Agenda

stehen dabei die Weiterentwicklung

von Produkten mit hoher Wertschöpfung,

von wettbewerbsfähigen Herstellungsprozessen

und emissionsarmen

Technologien.

Die eigenen Anstrengungen in

Sachen technologische Entwicklung

sind für den Stahlhersteller aber nur

eine Seite der Medaille. Wenn es um

„Wir sind in Deutschland gut

aufgestellt und investieren in

unsere Produktionsstandorte.“

Frank Schulz, Vorsitzender der Geschäftsführung der

ArcelorMittal Holding GmbH

die Zukunft der Branche in Europa

geht, blickt Frank Schulz, Vorsitzender

der Geschäftsführung der ArcelorMittal

Holding GmbH, sorgenvoll

auf die europäische Politik. "Wir

brauchen politische Rahmenbedingungen,

die uns faire Wettbewerbsbedingungen

ermöglichen, insbesondere

im internationalen Handel und

beim EU-Emissionsrechtehandel,

damit wir uns auf unsere eigentliche

Aufgabe konzentrieren können:

unsere Kunden mit innovativen Stahlprodukten

zu versorgen“, sagte

Schulz.

Auch die protektionistischen Tendenzen,

die derzeit weltweit zu beobachten

seien, betrachtet Schulz aufmerksam.

Zwar seien die europäischen

Antidumpingmaßnahmen

nötig und hilfreich gewesen. Doch

auch sie könnten letztendlich nur

eine Übergangslösung sein: „Im

Ergebnis muss der Protektionismus

eines Tages aufhören, da weltweit

die unwirtschaftlichen Kapazitäten

abgebaut werden müssen.“

Für die weitere Erholung der

Stahlnachfrage in Europa und in

Deutschland blieb Schulz dennoch

optimistisch gestimmt. „Wir sind in

Deutschland gut aufgestellt. Wir

arbeiten kontinuierlich an der Kostenverbesserung

und investieren in

unsere Produktionsstandorte",

erklärte er. Seit 2010 hat der Konzern

mehr als 800 Mio. € in Deutschland

investiert, dieses Jahr soll der

Hochofen 2 in Bremen für 44 Mio. €

neu zugestellt werden.

Weniger Emissionen dank

neuer Produktionstechnologie

„Ein guter Stahl zu wettbewerbsfähigen

Preisen reicht zum Überleben

nicht mehr aus“ unterstrich auch

16 Stahlreport 4|17


Lutz Bandusch, Sprecher der

Geschäftsführung im ArcelorMittal-

Werk Hamburg. Um dem „Abenteuer

Energiewende“ zu begegnen, setze

der Konzern in seinem Hamburger

Stahlwerk bei der Stahlherstellung

auf die DRI-Produktionstechnologie

(Direct Reduced Iron). Damit liege

man bei den CO 2

-Emissionen im

deutschlandweiten Vergleich um ein

Drittel unter den Vergleichswerten.

Zu einem gesenkten Energieverbrauch

trüge in Hamburg auch eine

Reihe von Innovationen bei den Produkten

bei – zum Beispiel bei hochfestem

Walzdraht und Bewehrungskäfigen.

Um die Energiebilanz am Standort

zu optimieren, hat ArcelorMittal

in Hamburg das Stahlwerk auf ein

Timeshift-Verfahren umgestellt, das

die Leistungsaufnahme am Elektrolichtbogenofen

zeitlich reguliert. Für

2017 ist zudem die Anschaffung eines

neuen Hubbalkenofens und die Inbetriebnahme

einiger eigener Windkrafträder

auf dem Werksgelände

geplant.

Vorteile von Bauen mit Stahl

sichtbarer machen

Die Vorteile des Bauens mit Stahl

sind zwar grundsätzlich bekannt

(Recyclingfähigkeit, Kosten,

Geschwindigkeit). Dennoch müssten

diese Vorzüge am Markt wahrnehmbarer

gemacht werden, sagte Amit

Sengupta, Marketingchef von ArcelorMittal

Long Products Europe. Mit

der Initiative „Steel in modern construction“

setze ArcelorMittal daher

dieses Jahr Akzente, um die Stahlanwendung

im Gebäudebau weiter zu

stärken. Kürzere Bauzeiten, vergleichbar

niedriger Energieverbrauch

und geringe CO 2

-Emissionen, hohe

Wiederverwendbarkeit und hohe

Recyclingraten machten Stahl zu

einem äußerst umweltschonenden

Werkstoff.

Lars Pfeiffer, CEO der Arcelor-

Mittal Construction Deutschland

GmbH, wies auf die ökonomischen

und ökologischen Vorteile der Stahl-

Sandwichbauweise hin: Aufgrund

der „idealen Kombination“ mechanischer

und bauphysikalischer Eigenschaften

erhielten Sandwichpaneele

„Bestnoten in Statik, Wärmedämmung,

Brandverhalten und Design“.

Eine sogenannte „Breakthrough“-

Technologie stellte Rainer Böse, Marketingleiter

von ArcelorMittal Europe

Flat Products Business Divison

North, vor. Mit der neuartigen Jet-

Vapor-Deposition-Beschichtung (JVD-

Verfahren) von Stahlprodukten

könne sowohl der Energie- als auch

der Wasserverbrauch gesenkt und

damit die Umweltbelastung reduziert

werden.

Wachsende Datenmengen müssen

bewertet werden

Immer mehr Daten stehen Unternehmen

zur Verfügung. Das hob Van

Schooten hervor, der bei ArcelorMittal

Europe Flat Products Business

Divison North für die Digitalisierung

zuständig ist. So seien allein 2015

weltweit mehr Daten generiert worden

als in den letzten 5.000 Jahren

auf der Erde insgesamt.

Um das wachsende Datenumfeld

im digitalen Zeitalter für ArcelorMittal

erfolgreich zu erschließen, müssten

zunächst alle Interessensgruppen

wie Kunden und Unternehmen,

aber auch die Umwelt und das soziale

Umfeld identifiziert und bewertet

werden, sagte Antoine Van Schooten,

der bei ArcelorMittal Europe Flat

Products Business Divison North für

die Digitalisierung zuständig ist.

Bei ArcelorMittal geschehe dies

mit diversen Projekten im Bereich

„Statik, Wärmedämmung, Brand -

verhalten, Design: Sandwichpaneele

aus Stahl kombinieren mechanische

und bauphysikalische Eigenschaften

auf ideale Weise“,

sagte Lars Pfeiffer, CEO der ArcelorMittal Construction Deutschland GmbH.

„Die ,digitale Interaktion‘ mit Kunden

wird dafür sorgen, dass die gesamte

Lieferkette digitalisiert ist“,

so Antoine Van Schooten, ArcelorMittal Europe Flat Products Business

Divison North.

Stahlherstellung und Logistik: So

gehe es beispielsweise um Verbesserungen

bei der Arbeitssicherheit, um

neue Sensoren zur Optimierung der

Instandhaltung, den Einsatz von

Drohnen zur Bestandsverwaltung

oder um den Austausch qualitätsbezogener

Daten mit Kunden.

Im Ergebnis werde die „digitale

Interaktion“ mit Kunden dafür sorgen,

dass die gesamte Lieferkette

vollständig digitalisiert sei, so Van

Schooten. Dies beginne mit der

Anwendungsberatung bei der Auswahl

von Stahlsorten und gehe über

entsprechende Apps („Steel Advisor“)

und die Abwicklung mittels

Tracking-&-Tracing bis hin zur

Rechungsdatenversendung über den

„Elektronischen Datenaustausch“

(electronic data interchange, EDI)

bzw. EDI-Light für Kleinkunden. 2






Stahlreport 4|17

17


Anarbeitung

und Logistik

Schwerpunkt Messen & Prüfen

Technologien für die Positive Material Identifikation (PMI): Laser, Röntgenfluoreszenz, optische Emission

Mobile Analysetechnologie von Oxford Instruments

Werkstoff bitte nicht verwechseln

Weit über 3.500 verschiedene Werkstoffe gibt es allein im Stahlbereich – und die Entwicklung

geht rasant weiter. Mit dem bloßen Auge sind diese jedoch nicht zu unterscheiden. Um mögliche

Verwechslungen auszuschließen sowie Qualität und Sicherheit zu gewährleisten ist die

chemische Analyse der Werkstoffe das beste Mittel. Im betrieblichen Alltag kommt es dabei

auf Geschwindigkeit, Präzision und Zuverlässigkeit an. Oxford Instruments rüstet Kunden dabei

für jeden Anwendungsfall – und hat die ganze Bandbreite mobiler Analysegeräten im Programm.

Immer wieder kommt es

durch Materialverwechslungen zu

schweren Unfällen. Insbesondere zu

Beginn der Industrialisierung waren

solche Katastrophen, z.B. die Explosion

eines Dampfkessels, nichts

Ungewöhnliches. Im 19. Jahrhundert

wurden daher erste technische Überwachungsvereine

gegründet. Doch

noch in den 1960er- und 1970er-Jahren

erschütterten schwere Unfälle

in petrochemischen Anlagen die

Öffentlichkeit.

Gefahr durch

Werkstoffverwechslung

Neben menschlichem Versagen und

mangelndem Sicherheitsbewusstsein

spielten dabei auch ungeeignete

Materialien eine bedeutende

Rolle. Bei der Erforschung des Materialversagens

wurden im Laufe der

Jahre Wirkmechanismen erkannt,

die selbst Hochleistungswerkstoffe

wie austenitischen Stahl innerhalb

kurzer Zeit zum Versagen bringen.

Erste Systeme der Materialüberwachung

versuchten durch Begleitscheine

und das Markieren der Materialien

eine sichere Verfolgbarkeit

zu gewährleisten. Einfache mechanische

Prüfungen (Härte, Kerbschlag,

etc.) erlaubten die Überprüfung

grundlegender mechanischer

Eigenschaften. Trotzdem kam es

immer wieder zu Materialverwechslungen

oder der Kombination ungeeigneter

Materialien. Immer deutlicher

wurde die Notwendigkeit, vor

Ort und letztendlich oft im eingebauten

Zustand das einzelne Bauteil

zu prüfen und das Material eindeutig

zu bestimmen – mittels

positiver Identifikation des betref-

fenden chemischen Elements (Positive

Material Identification – PMI).

Analysegeräte für die

mobile Identifikation

Dieses Verfahren basiert auf der chemischen

Analyse mittels Auswertung

von Spektren, die entweder

über Röntgenstrahlung, Funken-,

Bogen- oder Laseranregung mit tragbaren

Geräten erzeugt werden.

Oxford Instruments bietet dafür drei

Gerätegruppen an: tragbare Röntgenfluoreszenzgeräte

(RFA), mobile

und tragbare optische Emissionsspektrometer

(OES) und tragbare

laserinduzierte Plasmaspektroskopen

(LIBS).

„Der PMI-MASTER Smart von

Oxford Instruments bietet als tragbares

OES niedrige Nachweisgrenzen

(bis zu


igkeit und Präzision“, erläutert Wilhelm

Sanders, Product Manager OES, Oxford

Instruments. Mit dem Analysegerät können

alle technisch relevanten Elemente

bestimmt werden – u.a. Kohlenstoff (Unterscheidung

von niedrigkohlenstoffhaltigen

austenitischen Stählen). Der PMI-Master

Smart ermittelt zudem die Schweißbarkeit

des Werkstoffs – etwa Stickstoff für die einfache

Duplexidentifizierung oder Begleitelemente

wie Phosphor, Schwefel und Bor.

Während OES-Geräte auf dem Material

einen kleinen Brennfleck hinterlassen, prüfen

die tragbaren RFA zerstörungsfrei –

z.B. das X-MET8000. Das X-MET8000 ist

schnell und sehr einfach sowie mit einer

unkritischen Probenvorbereitung zu bedienen.

Elemente unterhalb der Ordnungszahl

12, wie Kohlenstoff, sind damit jedoch

nicht bestimmbar. Das RFA-Handgerät ist

nicht auf Metalle beschränkt, es unterliegt

aber Strahlenschutzauflagen. Das X-

MET8000 ist Oxford Instruments zufolge

die einzige Technologie, die standardlos

verwendet werden kann und somit für unbekannte

wie spezielle Legierungen geeignet

ist.

Das tragbare LIBS-Gerät Vulcan schließlich

analysiert Proben in nur 1 s und erzeugt

dabei eine minimale Spur an der Oberfläche,

die sich jedoch leicht wegpolieren

lasse. „Vulcan kann leichte Elemente

bestimmen, wie Aluminium-, Magnesiumund

Titanlegierungen, für die Elemente C,

B, P und S ist das Gerät nicht geeignet“,

so Jochen Meurs, Method & Application

Scientist OES, Oxford Instruments.

Fazit

Nahtlose Qualitätskontrolle und Verwechslungsprüfung

ist heute unerlässlich für

die Metallverarbeitung, insbesondere beim

Einsatz für sicherheitsrelevante Teile und

Anlagen. Um mögliche Verwechslungen

auszuschließen, ist die chemische Analyse

die beste Versicherung, um Qualität

sicherzustellen und Katastrophen zu vermeiden.

2

[ Kontakt ]

Oxford Instruments Analytical GmbH

47589 Uedem

Tel. +49 2825 9383-0

www.oxford-instruments.com

Laseroptische

Dickenmessung

Leistungsfähige, laserbasierte Dickenmessung

ist ein Schlüssel für die Wettbewerbsfähigkeit

vieler Herstellungsprozesse, z.B. in der

Stahl- und Aluminiumproduktion und -verarbeitung.

Im Zeitalter von Industrie 4.0 steigen

die Anforderungen an die Digitalisierung der

Produktionsdaten. Höhere Datendichten führen

zu immer besserem Prozessverständnis,

effizienterer Produktion und höherer, dokumentierter

Qualität. alpha.ti 4.0 des Spezialisten

für Lasermesssysteme nokra Optische

Prüftechnik und Automation GmbH ist den

Angaben zufolge ein Meilenstein in der laserbasierten

Dickenmessung u.a. für Bänder,

Grobbleche oder Platten. Zu den wichtigsten

Neuerungen gehören dabei die temperaturunabhängige

Messgenauigkeit, flexible Messbereiche

mit werkzeuglosem Sensortausch im

Feld ohne Einstellarbeiten sowie die Sensorschnellwechselscheiben

und unsichtbare

Abblasung zur Freihaltung der optischen

Wege. Durch die Einfachheit und Kompaktheit

von alpha.ti 4.0 ist es erstmals möglich, das

System als Offline-Anlage im Laboreinsatz zu

nutzen.

Bauwerke mobil vor Ort prüfen

Stahlbeton-Analytik mit dem Laserstrahl

Die Bundesanstalt für Materialforschung

und -prüfung (BAM) hat ein nach

eigenen Angaben bisher einzigartiges mobiles

Verfahren entwickelt, um Stahlbetonbauwerke

vor Ort auf mögliche Schädigungen

der Bausubstanz zu prüfen. Mittels laserinduzierter

Plasma-Spektroskopie (LIBS) kann

demnach quasi zerstörungsfrei und ohne

größeren Aufwand in kurzer Zeit der

Zustand von Baustoffen getestet und beispielsweise

der Chloridgehalt exakt gemessen

werden.

Foto: BAM

Stahlbetonbauwerke

vor Ort auf Schädigungen

prüfen: mit

dem mobilen LIBS-

System ist das mit

vergleichsweise

geringem Aufwand

möglich.

Dieses Verfahren könnte für eine Reihe von

Anwendungsfällen relevant sein. Stahlbetonbauwerke

– z.B. Autobahnbrücken –

müssen nicht nur großen mechanischen

Belastungen standhalten, sie sind durch

Witterungseinflüsse auch der Korrosion

ausgesetzt. Besonders das bei Schnee und

Eis verwendete Streusalz dringt in den

Beton der Brücke ein. Der in dem Beton

verbaute Bewehrungsstahl kann durch die

Verbindung von Salz (Chloridionen), Feuchtigkeit

und Sauerstoff korrodieren. Mit

regelmäßigen Baustoffprüfungen muss

daher die Lebensdauer solcher Bauwerke

prognostiziert werden.

Laserinduzierte Plasma-Spektroskopie (LIBS)

erlaubt es, detaillierte Aussagen über die

Zusammensetzung des Betons und letztlich

den Schädigungsgrad des Gebäudes treffen

zu können. Bei dem Verfahren, das im Fachbereich

8.2 – Zerstörungsfreie Schadensdiagnose

und Umweltmessverfahren der BAM

unter Leitung von Dipl.-Phys. Gerd Wilsch

entwickelt wurde, werden nur winzige Mengen

der Bausubstanz verdampft und damit

ein Plasma erzeugt. Die im Plasma enthaltenen

Elemente können dann mit dem spektroskopischen

Analysegerät genau bestimmt

werden. Für ein kontinuierliches Tiefenprofil

eines Bauwerks ist allerdings nach wie vor

die Entnahme eines Bohrkerns nötig.

Kooperationspartner der BAM bei der Entwicklung

und Testung des mobilen LIBS-Systems

war u.a. das Ingenieurbüro Specht Kalleja +

Partner Beratende Ingenieure GmbH (SKP).

Hergestellt werden die mobilen Analysegeräte

in Zusammenarbeit mit der Secopta GmbH.

Stahlreport 4|17

19


Anarbeitung

und Logistik

Schwerpunkt Messen & Prüfen

Erhöhte Anforderungen an Dehnungsmessungen

Aktualisierte Norm für Metallzugversuche

Im Februar 2017 ist die zweite Ausgabe der Norm DIN EN ISO 6892-1 für den Metallzugversuch als

nationale Norm veröffentlicht worden. Sie ersetzt mit sofortiger Wirkung die Ausgabe von 2009. Die

aktualisierte Norm stellt dabei u.a. höhere Anforderungen an Dehnungsmessungen. Prüfmaschinenhersteller

Zwick erfüllt mit seinem Produktportfolio die neue Ausgabe ohne technische Änderungen.

Zwick-Prüfmaschinen

erfüllen die

neue Ausgabe der

Norm DIN EN ISO

6892-1 für Metallzugversuche

ohne

technische Modifikationen.

Foto: Zwick

[ Kontakt ]

Zwick GmbH & Co.

89079 Ulm

Tel. +49 730510-0

www.zwick.de

Die zweite Ausgabe der DIN

EN ISO 6892-1 bringt verbesserte

Beschreibungen zur Einstellung

normgerechter Prüfgeschwindigkeiten

nach den Verfahren A und B. Darüber

hinaus enthält die aktualisierte

DIN EN ISO 6892-1 einen neuen

Anhang G, der die Bestimmung des

Elastizitätsmoduls im Zugversuch

regelt. Im Kern ändert die aktualisierte

Norm den Metallzugversuch

sowie den Prüfprozess jedoch nicht,

so der Universalprüfmaschinenhersteller

Zwick GmbH & Co.

Zwei Verfahren zur Regelung der

Prüfgeschwindigkeit

Die erste Ausgabe der DIN EN ISO

6892-1 von 2009 hatte der bis dahin

normativ geregelten Methode zur

Einstellung der Prüfgeschwindigkeit

bei Metallzugversuchen eine weitere

hinzugefügt. Seitdem regelt die

Norm nicht nur das Einstellen der

Prüfgeschwindigkeit auf Basis der

Spannungsgeschwindigkeit (Verfahren

B in der Norm), sondern auch auf

Basis der Dehngeschwindigkeit (Verfahren

A).

Verfahren A soll Unterschiede in den

Prüfgeschwindigkeiten bei der Kennwertbestimmung

und somit Messunsicherheiten

der Prüfergebnisse minimieren

– insbesondere bei dehngeschwindigkeitsabhängigen

Kennwerten.

Empfehlung für Verfahren A

Die zweite Ausgabe der DIN EN ISO

6892-1 von 2017 spricht sich mit ihrer

Empfehlung für Verfahren A deutlich

für das Einstellen der Prüfgeschwindigkeit

auf Basis der Dehngeschwindigkeit

aus. So hebt sie u.a. hervor,

dass es bei Metallzugversuchen nach

Verfahren A darauf ankommt, die

Dehngeschwindigkeit (Dehnrate) in

den vorgegebenen Toleranzgrenzen

der Kenngrößen zu halten – insbesondere

für Streck- und Dehngrenzen.

Ergänzt wird die neue Ausgabe

der Norm durch einen neuen Anhang

G. Dieser neue Anhang stellt erhöhte

normative Anforderungen an die Dehnungsmessung,

die Datenaufnahme

und die Datenauswertung bei der

Bestimmung des Elastizitätsmoduls

im Zugversuch.

Angang G ist zwar normativ gültig,

muss aber nicht im normalen Zugversuch

zur Anwendung gebracht werden.

Damit ergebe sich für die Umsetzung

der neuen Ausgabe der Norm in

die Praxis keine Änderung für die Prüflabore

und Prüfinstitutionen.

Zwick-Prüfmaschinen

erfüllen neue Vorgaben

Prüfmaschinen des Herstellers Zwick

erfüllen dem Hersteller zufolge die

neue Ausgabe der Norm DIN EN ISO

6892-1 ohne technische Modifikationen.

Bestehende Anwendungen

unterlägen daher keinen notwendigen

Änderungen. Anpassungen der

Messtechnik und der Prüfsoftware,

welche die höheren Anforderungen

der Norm nach sich ziehen, sind im

Standardportfolio von Zwick bereits

enthalten – etwa bei den Material-

Prüfmaschinen der AllroundLine bis

250 kN bzw. Großlast-Prüfmaschinen

der E-Baureihe bis 2.500 kN

sowie der testXpert III Prüfsoftware

mit „Zug-Masterprüfvorschrift inkl.

Dehngeschwindigkeitsregelung nach

ISO 6892-1 (2016)“. 2

20 Stahlreport 4|17


Bericht

Automobilkunden profitieren von

„Quality Tracking“

Fehler per Barcode auf

Stahlband entdecken

Stahlbänder sind in der Praxis bei der Herstellung

nicht gänzlich ohne stahltypische

Fehlstellen auf den Oberflächen. Für Kunden

wie die Automobilbranche ist es jedoch

von enormer Bedeutung, über solche Unregelmäßigkeiten

und wo sich diese befinden

informiert werden.

Foto: BDS/mh

Will Unitrade-Anwender „Vom Angler zum Jäger“ machen – so das Motto des

IT-Forums: Arnold Katerle-Böhm, Geschäftsführer SE PADERSOFT.

Aus diesem Grund hatten die thyssenkrupp

Steel Europe AG, ArcelorMittal und Tata

Steel vor einiger Zeit eine gemeinsame Forschungs-

und Entwicklungskooperation

gegründet. Ziel dabei ist die Entwicklung

eines europäischen Standards. Kunden soll

in Zukunft mit dem Coil auch die Information

über signifikante Fehlerstellen auf dem

Band geliefert werden.

Um die schadhaften Abschnitte auf dem bis

zu 3 km langen Stahlblech zu lokalisieren,

werden die erkannten Fehlstellen aus den

automatischen Beobachtungen den eindimensionalen

Barcodes auf dem Stahlband

zugeordnet. Diese Strichcodes werden in

Abständen von ca. 50 cm bis zu 2 m fortlaufend

auf das Blech aufgedruckt und enthalten

neben der Positionsangabe u.a.

Informationen zum Hersteller und zur Coilnummer.

Die eigentliche Qualitätsinformation

über die Lage eines möglichen Fehlers

wird dem Kunden über einen separaten

Datensatz mitgeteilt.

Unter dem Dach des europäischen Stahlverbandes

EUROFER haben sich inzwischen

fünf Stahlhersteller zusammengefunden. So

unterstützen neben ArcelorMittal, Tata Steel

und thyssenkrupp Steel Europe auch voestalpine

und Salzgitter Flachstahl die Technologie

und die Umsetzung in einen offenen

europäischen Standard. Auch mehrere

andere Unternehmen, u.a. Zulieferer von

Tafelanlagen und Systemlieferanten, sind

mittlerweile Mitglied des „Quality Tracking“-

Projekts.

Momentan werden bei thyssenkrupp Steel

Europe die ersten Anlagen zur Herstellung

von „Quality Tracking“-Coils umgebaut. Nur

so könne man sich gemeinsam dem Ziel der

Automobilisten nähern, am Ende eine Nullfehler-Lieferung

zu erreichen.

Padersoft-IT-Forum 2017

Virtual Reality in Ostwestfalen

Der ostwestfälische Softwarehersteller SE PADERSOFT hat auf seinem

IT-Forum 2017 aktuelle Weiterentwicklungen des ERP-Warenwirtschaftssystems

UNITRADE® gezeigt. Über einhundert Händler

aus den Branchen Baustoffe, Stahl, Garten und Baumarkt nutzten die

Gelegenheit, die Funktionserweiterungen kennenzulernen. Daneben

ging es auch um die Einsatzmöglichkeiten von Virtual-Reality-

Anwendungen, z.B. bei der Verkaufsunterstützung oder im Lager.

Unter dem Motto „Vom Angler

zum Jäger“ wurden auf dem IT-

Forum 2017 in Bad Lippspringe bei

Paderborn vor allem neue Module

des ERP-Warenwirtschaftssystems

UNITRADE vorgestellt.

Verfügbarkeit hat Priorität

Thema war dabei u.a., wie sich Lagerbestände

– auch standortübergreifend

– über die Funktion DISPO Pro

der Unitrade-Software optimieren

lassen. Deutlich wurde dabei, dass

für Anwender noch vor einer möglichen

Bestandssenkung durch die

Software die Verfügbarkeit der Ware

für die eigenen Kunden im Vordergrund

steht. Mit den automatisierten

Bestellvorschlägen der Dispo-

Pro-Funktion habe man dieses Ziel

deutlich erreicht, berichtete ein

Anwender aus dem Baufachhandel.

Große Datenmengen

nutzbar machen

Vorgestellt wurde auf dem IT-Forum

auch, wie sich mit dem Unitrade-

Tool CUBE große Datenmengen –

Big Data – für Vertriebsaktivitäten

nutzen lassen. Mit dem Controllinginstrument

ist es möglich, viele ver-

schiedene Datengruppen frei miteinander

zu kombinieren, etwa Sortimentsgruppen,

Artikel, Kunden, Lieferanten,

etc. So lassen sich große

Datenmengen aus verschiedenen Perspektiven

neu interpretieren und für

die Unternehmensführung nutzbar

gemacht werden.

Mit großem Interesse wurden auf

dem IT-Forum aber auch die Anwendungsmöglichkeiten

von Virtual Reality

bei der Vertriebsunterstützung

und bei der Produktdarstellung verfolgt.

Die Technik ist schon gegenwärtig

so ausgereift, das sinnvolle Anwendungen

bereits Praxis sind – etwa in

der Produktpräsentation mittels spezieller

VR-Brillen. Mit diesen Brillen

erleben Kunden ein beeindruckendes,

realitätsgetreues Einkaufserlebnis.

Als Moderator führte der DFB

Sportjournalist und Stadionsprecher

Christian Stoll die Teilnehmer durch

das Programm. 2

[ Kontakt ]

SE PADERSOFT GmbH & Co. KG

33100 Paderborn

www.unitrade.com

Tel. +49 5251 3016100

Stahlreport 4|17

21


Werkstoffe

und Produkte

Schwerpunkt Edelstahl

Düsseldorfer Edelstahltage 2017

Der Edelstahlmarkt wächst wieder

Die Edelstahlbranche blickt mehrheitlich positiv in die Zukunft. Das war eine Bilanz

der Düsseldorfer Edelstahltage 2017, zu denen im März rund 150 Teilnehmer

gekommen waren. Neben aktuellen Marktinformationen standen dabei an einem

neuen Veranstaltungsort auch Get-together und Networking im Vordergrund.

Diskutierten, welche

Strategien bei der

Digitalisierung

Erfolg versprechen

(v.l.): Markus Fischer

(Geschäftsführer von

Voß Edelstahlhandel),

Sven Koepchen

(Geschäftsführer

Klöckner & Co

Deutschland GmbH),

Moderator Ferdinand

Linzenich und Yves

Reymond (Miteigentümer

und CEO von

Econoxx.com

GmbH).

Geografisch mussten sich die

Teilnehmer der Düsseldorfer Edelstahltage

2017 in diesem Jahr neu

orientieren – allerdings nur ein

wenig. Die neue „Location“ der Konferenz

in der Düsseldorfer Altstadt

liegt nur zwei bis drei kräftige Steinwürfe

vom alten Veranstaltungsort

am Rhein entfernt. Abgesehen vom

neuen Ort boten die Düsseldorfer

Edelstage – gemeinsam veranstaltet

von der Edelstahlhandels-Vereinigung,

dem Fachmagazin Focus Rostfrei,

der Informationsstelle Edelstahl

Rostfrei und der Edelstahl-Vereinigung

e.V. – auch in diesem Jahr wieder

einen ausgewogenen Mix aus

Marktinformationen und unterhaltsamem

Networking. Moderator war

in diesem Jahr erstmals der rheinische

Kabarettist und Familienunternehmer

Ferdinand Linzenich.

Während am Nachmittag des ersten

Veranstaltungstags CDU-Politiker

Wolfgang Bosbach das Eröffnungsreferat

bestritt, stand der

Abend im Zeichen des informellen

Austauschs.

Foto: BDS/mh

Marktentwicklung 2017

Für die Marktentwicklung im laufenden

Jahr 2017 sieht die Edelstahlbranche

positiv in die Zukunft. Das

machte Wolfgang Lipp, Analyst der

Steel Market Intelligence GmbH, am

22 Stahlreport 4|17


Quelle: Wolfgang Lipp, SMi GmbH, auf den Düsseldorfer

Edelstahltagen 2017 (23.2.2017) SMR GmbH 2017

zweiten Veranstaltungstag in seinem

Überblick über die globalen und

regionalen Märkte deutlich. So rechnet

der Experte für Europa in diesem

Jahr mit einem Wachstum von 2 % –

das entspricht einer Zunahme von

rund 115.000 t.

Einen Faktor der positiven Entwicklung

sah Wolfgang Lipp in den

2015 von der EU verhängten Antidumpingzöllen

gegen Edelstahlimporte

aus China. Steigende Edelstahlimporte

aus China hatten in den

vergangenen Jahren den europäischen

Markt für nichtrostende Flachprodukte

unter Druck gesetzt. Nachdem

die Importe dieser Produkte nach

Europa 2014 einen Höchststand

erreicht hatten, reagierte die EU-

Administration mit der Einführung

von Anti-Dumping-Zöllen. In ihrer

Folge waren die Einfuhren signifikant

zurückgegangen.

Ein Risiko für die Marktentwicklung

könnte Wolfgang Lipp zufolge die

weitere Entwicklung des politischen

Klimas weltweit sein. Mit Blick auf

wichtige Märkte – etwa in den USA

oder in Großbritannien – könnten

sich die Restriktionen für globalen

Handel deutlich verschärfen. Gleichzeitig

sah der Experte für den

deutschen Edelstahlmarkt ein verhältnismäßig

niedriges Risiko für

gravierende negative Entwicklungen,

da dieser nicht in bedeutendem

Umfang von Exporten abhänge.

Ins Radar genommen werden

müsse die technologische Veränderung

der Automobilindustrie. Das allmähliche

Umrüsten der Hersteller

auf Elektromobilität und die jüngst

beschleunigte Abwärtstendenz der

Dieseltechnologie beeinflusse die Verwendung

von nichtrostenden Stahlprodukten.

Über die Automobilmärkte

berichtete ausführlich

Edelstahlmärkte 2017 weltweit

Benjamin Krause vom Verband der

Automobilindustrie.

Eine Chance für die „Wertschöpfungskette

Edelstahl“ in Europa sah

Lipp in den Entwicklungen der sogenannten

„Industrie 4.0“. Am Beispiel

„geschweißte Rohre“ zeigte Lipp auf,

dass vom Rohmaterialproduzenten

über die Hersteller, Weiterverarbeiter

und Händler bis hin zum Endprodukt

höhere Wertschöpfung und

Kosteneinsparungen durch Digitalisierung

und Vernetzung möglich

seien.

Weiter entscheidend: Verfügbarkeit

und Geschwindigkeit

Um das Thema Digitalisierung drehte

sich auch die erste Podiumsrunde

der Düsseldorfer Edelstage am zweiten

Veranstaltungstag. Welche Möglichkeiten

Digitalisierung und vernetzte

Prozesse der Branche bieten,

diskutierten auf der Bühne im Henkel-Saal

des Schlösser-Quartiers

Bohème Klöckner-&-Co-Deutschland-

Chef Sven Koepchen, der Geschäftsführer

von Voß Edelstahlhandel, Markus

Fischer, und Yves Reymond, Miteigentümer

und CEO der schweizerischen

Handelsplattform für

Restmaterial Econoxx.com.

Markus Fischer hob dabei sein

Verständnis des Online-Angebots von

Voß Edelstahlhandel hervor. Es gehe

in die falsche Richtung, wenn Online-

Shops nur als Instrument betrachtet

würden, um kleine Kunden mit möglichst

geringem Aufwand bedienen zu

können. „Online“ ersetze nicht das

physische Geschäft, sondern sei ein

zusätzlicher Vertriebskanal. Die Kundenpflege

werde bei Voß Edelstahlhandel

weiterhin in traditioneller

Weise betrieben. Es komme viel mehr

darauf an, die Prozesse zu digitalisieren,

um Effizienzvorteile schöpfen

2014/15 2015/16 *) 2017 *) Menge

Europa 1 % 0 % 2 % 115.000 t

Amerika -3 % -2 % 2 % 85.000 t

China 2 % 5 % 5 % 1.040.000 t

restliches Asien - 5 % 1 % 2 % 95.000 t

restliche Welt 5 % 4 % 3 % 175.000 t

Welt 1 % 3 % 4 % 1.510.000 t

*)

Prognose

zu können und um Kunden z.B. eine

Verfügbarkeit rund um die Uhr anbieten

zu können. „Das nutzen unsere

Kunden“, sagte Fischer.

Als guten Einstieg in das Thema

Digitalisierung bewertete Yves Reymond

das Engagement vieler Stahlhändler

in Sachen Online-Shops. Digitale

Prozesse böten Unternehmen

den großen Vorteil, aufgrund der

damit generierten Daten fundiertere

Entscheidungen fällen zu können.

Vielen Unternehmen in der Branche

mangele es aber noch an einem

durchgängigen Digitalisierungskonzept.

Digitalisierung, das hob Sven

Koepchen hervor, sei neben ihrem

oftmals disruptiven Charakter aber

auch ein Prozess, der in vielen kleinen

Schritten vollzogen werde.

Unternehmensnachfolge

besser zeitig regeln

Abseits des aktuellen Marktgeschehens

ging es auf den Düsseldorfer

Edelstahltagen auch um ein Thema,

das nicht allzu oft im Rampenlicht

steht: um die Regelung der Unternehmensnachfolge.

Rechtsanwalt

Prof. Dr. Holger Linderhaus von der

Kanzlei Linderhaus Stabreit Langen

Rechtsanwälte erläuterte die wichtigsten

Punkte einer gelungenen

Nachfolge. Einer der entschiedenden

Merksätze: sich rechtzeitig kümmern,

unterstrich Linderhaus.

Wie die Nachfolge in ihren Unternehmen

gehandhabt wird, berichteten

auf dem Podium Hartwig Härtel,

Inhaber und Geschäftsführer der Böllinghaus

Steel GmbH, und Ralf Kallas,

Geschäftsführender Gesellschaft

der Kallas Edelstahl GmbH. Während

Hartwig Härtel einst relativ unvorbereitet

das Unternehmen von seinem

Vater übernommen hatte, führte

er seine eigene Tochter, Nina Härtel,

nach und nach an das Unternehmen

heran. Ähnlich lief es bei Ralf Kallas,

der mit seinem Vater zunächst parallel

im Familienbetrieb arbeitete, um

dann Schritt für Schritt immer weitere

Bereiche zu übernehmen. 2

Die Edelstahlmärkte in den Jahren 2014

bis 2017 – nach Weltregionen.

Stahlreport 4|17

23


Messen

und Märkte

Schwerpunkt Intec/Z

allen Messetagen aktuelle Entwicklungen

und Perspektiven dieser

branchenübergreifenden Technologie

vorstellte. In Halle 5 zeigten

elf Unternehmen entsprechende

Exponate und Demonstrationsobjekte.

Das integrierte Fachsymposium

setzte sich an allen vier

Messe tagen mit Schwerpunktthemen

wie dem metallischer Leichtbau

auseinander. Fast 30 Unternehmen

und Forschungseinrichtungen

legten im Fachsymposium

praktische Erfahrungen sowie neueste

Forschungsergebnisse dar. Die

additive Fertigung war eine weitere

Schlüsseltechnologie, die in

Leipzig breiten Raum erhielt. Das

Technologieforum, das durch das

Dresdner Fraunhofer-Institut für

Fertigungstechnik und Angewandte

Materialforschung IFAM

in Zusammenarbeit mit der Leipziger

Messe konzipiert und orga-

Handelsunternehmen

unter dem

Dach einer Industrievertretung:

Einer

der Kooperationsansätze

auf der Intec/Z

in Leipzig.

Foto: BDS

Doppelmesse zu Maschinen und Metallen in Leipzig

Vernetzte Welten

In ungeraden Kalenderjahren sind die Leipziger Messen Intec und Z die zeitlich ersten großen

Präsentationen in Sachen Metallbearbeitung und Zulieferindustrie. Konjunkturell war dies

heuer Anfang März angesichts der Schwächen im Maschinenbau zwar kein besonderes Highlight.

Deutlich wurde in der sächsischen Metropole aber, wie sehr die beteiligten Branchen von

vernetzten Welten profitieren können.

Zum einen sprach dafür das

Messedoppel als Verbundveranstaltung.

Zum anderen wurden im Rahmen

des Begleitprogramms die aktuellen

Querschnittsthemen bei den

beteiligten Akteuren deutlich, die

zudem auch ganz individuelle Kooperationsfelder

nutzbringend für sich

entdecken und realisieren konnten.

Verbundveranstaltung

In Leipzig präsentierten vom 7. bis

10.3. rund 1.400 Aussteller aus 30

Ländern auf 70.000 m 2 aus der

Metallbearbeitung und der Zulieferindustrie

ihre Produkte und Dienstleistungen:

z In den Intec-Ausstellungshallen

zeigten gut 1.000 Unternehmen ihr

Leistungsspektrum – auf einer

Plattform für die Metallbearbeitung.

Die Besucher erlebten ein

vielseitiges, aber regional auf die

(immer noch) neuen Bundesländer

konzentriertes Angebot an spanenden,

abtragenden und umformenden

Werkzeugmaschinen,

Aggregaten für die Oberflächenbearbeitung,

Lasersystemen sowie

Werkzeugen und Spannmitteln.

z Die zeitlich und räumlich parallel

stattfindende Z bot sich mit ihrer

Spezialisierung auf innovative und

flexible Zulieferleistungen für die

Industrie als ergänzender Partner

in dem Messedoppel an. Mehr als

350 Unternehmen zeigten sich als

Marktakteure für die Fahrzeugindustrie,

den Maschinen-, Werkzeug-

und Anlagenbau sowie für

weitere Industriebereiche, wie die

Kunststofftechnik und -verarbeitung

sowie die Elektrotechnik/Elektronik.

Begleitprogramm

Auf den Messen gab es mehrere

inhaltliche Schwerpunkte (vgl. nachfolgende

Berichte), die sich wie der

berühmte rote Faden auch im begleitenden

Kongressprogramm wiederfanden:

z Bestandteil des Ausstellungsbereichs

war z.B. die Sonderschau

„Intelligenter Leichtbau“, die an

Doppelmesse in Leipzig: Eingeladen war zur Intec/Z.

24 Stahlreport 4|17


nisiert worden war, informierte auf

einer Sonderfläche in Halle 2 über

Technologien, Anwendungen und

Potenziale neuartiger Verfahren

und Einsatzgebiete. Zwölf Firmen

engagierten sich in dem entsprechenden

Technologieforum.

z Zusätzlich gab ein zweitägiges

Fachsymposium anwendungsorientierte

Einblicke zum Stand der

Technik sowie zu Einsatzfeldern

und Perspektiven der additiven

Fertigung. Außerdem gab es den „5.

Kongress Ressourceneffiziente Produktion“.

Fach- und Führungskräfte

aus Wirtschaft, Wissenschaft

und Politik diskutierten gemeinsam

– dieses Jahr unter dem Titel

„Mehrwert digitale Fabrik“ – darüber,

wie die Digitalisierung helfen

kann, Ressourcen einzusparen und

die Produktivität der Industrie zu

steigern.

Kooperationsfelder

Ein besonderes Feld der Vernetzung

wurde zudem auf dem Stand der

Industrievertretung Weigel in der

Halle 5 des Leipziger Messegeländes

deutlich, wo auch Werkstoffdistributeure

wie die SASTA Stahlgesellschaft

mbH aus Hartmannsdorf oder

die Stahlhandel Gröditz GmbH präsent

waren. Dipl.-Ing. Reiner Weigel

klärte darüber auf, dass Händler im

Umfeld von Maschinen, die sie für

die Anarbeitung einsetzen, gerne

einen werblichen Zweitnutzen einfahren

und sich im wahrsten Sinn

des Wortes als Problemlöser profilieren

wollen.

Den selben Effekt hatte im Übrigen

auch der Auftritt der Partner für

Technik-Gruppe in dieser Halle. Die

Maschinenausrüstung von Handwerksunternehmen

stand im Vordergrund,

der Handel mit Werkstoffen

war dann die Zweitbotschaft.

Mehrgleisig ausgerichtet war

schließlich auch der Leipziger Messeauftritt

zahlreicher Ausrüster aus

dem Bereich der Logistik – von Kasto

über Remmert bis Vetter – die auf

der Doppelveranstaltung sowohl die

Industrie als auch den Handel

ansprechen und dabei sogar noch

regionale Schwerpunkte bilden

konnten (vgl. Berichte am Schluss

dieses Schwerpunkts). 2

Eine Datenbank

für alle Leichtbauakteure:

www.

leichtbauatlas.de

Quelle: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie

Leichtbau in Leipzig

Querschnittsthema

Leichtbau (nicht nur mit Metallen) erwies sich in Leipzig als wahres

Querschnittsthema: Betrifft er doch sowohl den Bereich der

Werkzeugmaschinen (Messe Intec) als auch die Zulieferer (Messe Z) –

insbesondere für die Automobilindustrie. Und er spielte sowohl auf der

gleichnamigen Sonderschau als auch im Vortragsprogramm eine Rolle.

Warum es dabei um „intelligenten

Leichtbau“ geht, das hat Prof.

Dr. Andreas Büter deutlich gemacht.

Der Sprecher der Fraunhofer-Allianz

zum Leichtbau wurde dafür historisch:

„Seit der Mensch technische Produkte

erzeugt, denkt er über deren Optimierung

nach. Dabei stellt sich immer die

Frage, wie viel Aufwand kann und wie

viel will er dafür betreiben. Das Können

wird durch die Möglichkeiten und

Werkzeuge definiert, die heute natürlich

um ein Vielfaches größer sind als

in der Vergangenheit. Die Bereitschaft

zur Umsetzung ist dagegen durch den

Markt, aber auch durch den Gesetzgeber

bestimmt. Insofern stellt intelligenter

Leichtbau einen Kompromiss

dar, der Gewichtsreduktion in Kombination

mit höherer Funktionalität

marktfähig auszureizen versucht.“

Intelligenter Leichtbau hat viele

Facetten. Multi-Material-Design ist

eine davon. Bei Mischbauweisen können

Konstrukteure für jedes Bauteil

den Werkstoff verwenden, der bei

möglichst geringem Gewicht die geforderten

Parameter am besten erfüllt. Im

Fahrzeugbau wird dieser Weg schon

seit längerem beschritten. Im Maschinen-

und Anlagenbau eröffnet sich noch

viel Potenzial. Das merkte aus Anlass

der Intec Dr. Thomas Heber an. Er ist

Geschäftsführer der Regionalabteilung

CC Ost des Carbon Composites e.V.

Neue Leichtbaumaterialien und

-bauweisen erfordern allerdings auch

angepasste Methoden zum Nachweis

ihrer Betriebsfestigkeit. Deshalb ging es

in derselben Veranstaltungsreihe auch

um Bauteil- und Prozesssimulation

sowie Prüfung. Ein Akteur in diesem

Bereich ist die Nordmetall GmbH, die

auch auf der Messe vertreten war. Das

Neukirchener Unternehmen mit dem

konservativ klingenden Firmennamen

hat sich auf die neuen Anforderungen

eingestellt und auf die Hochgeschwindigkeitscharakterisierung

von Werkstoffen

und Komponenten spezialisiert.

Weitere Akteure der Szene führt

materialübergreifend und branchenneutral

ein Leichtbauatlas auf, für den

in Leipzig das Bundesministerium für

Wirtschaft und Energie warb. Er bietet

die Möglichkeit, Kompetenz konkret

zu verorten: www. leichtbauatlas.de.

2

Stahlreport 4|17

25


Messen

und Märkte

Schwerpunkt Intec/Z

3D-Drucker im

industriellen

Einsatz

Verbunde und Verbindungen

Messebegleitender Workshop

Foto: gettyimages

Additive Fertigung als Alternative

Disruptive Technik

Additive Fertigung ermöglicht die Herstellung von Geometrien,

die z.B. abtragend nicht zu realisieren sind. Von besonderem

Interesse sind die entsprechenden Verfahren aber vor allem, weil

sie auch bestehende Produktion ersetzen können. Intensiver als

bisher vernetzte Daten ermöglichen dies – und werfen als disruptive

Herstellung auch wichtige juristische Fragen auf. Antworten hatte

das Umfeld der Intec/Z zu bieten.

Unter dem Motto „Von der Idee

zur Anwendung“ informierte ein Ausstellungsareal

auf dem Leipziger Messegelände

über Technologien, Anwendungen

sowie Potenziale neuartiger

Verfahren, Werkstoffe und Einsatzgebiete.

An zwei Tagen gaben außerdem

Referenten aus Industrie und Forschung

in Vorträgen Einblicke in das Thema.

So wurde das mögliche Werkstoffspektrum

für die derzeit anwendungsrelevanten

Technologien beleuchtet. Außerdem

wurde über den Stand und die

Trends in der Anlagenentwicklung

sowie der additiven Fertigung für den

Werkzeugbau berichtet. Ausgewählte

Verfahren, wie das Strahlschmelzen

und der 3D-Siebdruck, wurden vorgestellt.

„Gemäß Ausrichtung unserer Messen

setzen wir den Fokus auf metallbasierte

Technologien und Werkstoffe“,

hatte Kersten Bunke als Projektdirektorin

der Intec und Z vor Beginn der

Messen dazu angekündigt. Und Prof.

Bernd Kieback, Leiter des Dresdner

Institutsteils des Fraunhofer IFAM,

ergänzte: „Im Moment ragen die Pulverbettverfahren

mittels Laser oder Elek-

tronenstrahl klar heraus.“ Sie seien

inzwischen in der industriellen Realität

angekommen, es existierten auch

im Werkzeugbau bereits kommerzielle

Anwendungen. Aber vor allem im Mittelstand

bestünden große Unsicherheiten

über die Möglichkeiten und

Chancen der additiven Fertigung.

Dazu trägt auch bei, dass rechtliche

Aspekte an Bedeutung gewinnen.

„Additive Verfahren verändern etablierte

Prozesse der Produktentwicklung

und -herstellung. Lag früher die

Zeichnung für eine neue Entwicklung

verschlossen im Safe, sind die Daten

heute relativ offen zugänglich und

werden unternehmensübergreifend

genutzt und je nach Prozessschritt

gewandelt. … Welche Rechte und

Pflichten ergeben sich für die Partner

in der Wertschöpfungskette

daraus? … Wer haftet, wenn das Endprodukt

Mängel aufweist?“ Solche und

ähnliche Fragen warf im Umfeld der

Leipziger Doppelmesse Marco Müller-ter

Jung auf. Er ist Fachanwalt für

IT-Recht und für die DWF Germany

Rechtsanwaltschaftsgesellschaft mbH

engagiert. 2

Werkstoffverbunde aus unterschiedlichen

Materialien können bessere

Eigenschaften liefern als homogene Einheiten.

Kunststoff mit Metall ist dafür ein

Beispiel. Den Herausforderungen dazu

hat sich im Rahmen der Intec/Z ein

Workshop gewidmet. Organisiert hatte

den das Kunststoff-Zentrum in Leipzig.

An Stellen eines Bauteils, an denen hohe

mechanische Belastungen zum Tragen

kommen, werden in der Regel Metalle

eingesetzt. An anderen Stellen können

Kunststoffe etwa mit weniger Gewicht

punkten. Die entscheidende Herausforderung

für solche Materialkombinationen

ist die Verbindungstechnik.

Schwerpunkte des Workshops waren

neue Möglichkeiten zur Herstellung langzeitstabiler

Schweißverbindungen im

Apparate-, Behälter- und Rohrleitungsbau,

zuverlässige Verbindungsverfahren

von technischen Kunststoffteilen mit heißen

Sonotroden (Ultraschallwerkzeuge),

bekannte Methoden und neue Ansätze

für das Fügen von Metallen mit Kunststoffen,

das Oberflächentuning von

Kunststoffen für erhöhte Haftfestigkeiten,

Haftmittel und Stoffschluss in der

Verbindungstechnik, die zerstörungsfreie

Prüfung von Schweißnähten mittels passiver

Thermografie sowie das berührungslose

Prüfen von Klebeverbindungen

per Ultraschall.

„Herausforderungen bei der Verbindung

verschiedener Werkstoffe sind beispielsweise

die unterschiedlichen Schmelztemperaturen

oder die unterschiedlichen

thermischen Ausdehnungskoeffizienten

und mechanischen Eigenschaften der

Materialien. Zudem muss auch eine Verbindung,

die aus den verschiedenen

Materialien besteht, den geforderten

Belastungen gewachsen sein, beispielsweise

den entsprechenden Schwingungsbelastungen“,

benannte Dr. Peter Bloß

die entsprechenden Probleme. Er ist

Geschäftsführer der Kunststoff-Zentrum

in Leipzig gGmbH.

26 Stahlreport 4|17


Beim Maschinenbau muss man derzeit genau hinsehen

Widerstandsfähigerer Werkzeugbereich

Die Maschinenbau-Produktion in Deutschland hat 2016 im besten Fall stagniert. Das belastet

derzeit alle Branchenergebnisse und -ereignisse. Bei genauerem Hinsehen schneidet der Teilbereich

der Werkzeugmaschinenindustrie jedoch deutlich besser ab, weshalb die Stimmung auf der

Doppelmesse Intec/Z im März in Leipzig diesbezüglich etwas gelöster war.

Nach Einschätzung des Vereins

Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken

(VDW) ist die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie

optimistisch ins

Jahr 2017 gestartet. „Wir erwarten für

das laufende Jahr einen deutlichen

Produktionszuwachs von 3 %“, sagte

Dr. Heinz-Jürgen Prokop, Vorsitzender

des VDW anlässlich der Jahrespressekonferenz

in Frankfurt am

Main.

Grundlage für die Einschätzung

sind die internationale Industrieproduktion

und die globale Werkzeugmaschinennachfrage,

die sich laut

Oxford Economics, Prognosepartner

des VDW, gut entwickeln sollen.

Gestützt wird die Vorhersage auch

durch das dicke Auftragspolster aus

2016. Bis November waren die Aufträge

der deutschen Hersteller um 7%

gestiegen, getrieben vor allem durch

das Ausland. Die Inlandsbestellungen

verharrten auf gutem Vorjahresniveau.

Insgesamt profitiert die deutsche

Werkzeugmaschinenindustrie

vor allem vom großvolumigen und

automobilgetriebenen Projektgeschäft

weltweit.

Die VDW-Prognose setzt auf dem

Rekordjahr 2016 auf. Die deutsche

Werkzeugmaschinenindustrie produzierte

Maschinen im Wert von

15,2Mrd.€, was einer Steigerung von

rd. 1 % entspricht. „Damit erreichte

unsere Branche abermals einen Produktionsrekord“,

erklärte Prokop.

Mit einer Exportquote von 66 %

sanken die Ausfuhren um 3 % auf nunmehr

rd. 9,1 Mrd. €. Dies lässt sich mit

der ausgeprägten Nachfragedämpfung

in China erklären. China bleibt dennoch

wichtigster Absatzmarkt deutscher

Werkzeugmaschinen. Nahezu

ein Fünftel ging auch 2016 in das Reich

der Mitte.

2016 waren im Jahresdurchschnitt

69.000 Frauen und Männer in der

deutschen Werkzeugmaschinenindustrie

beschäftigt. Die Kapazitätsauslastung

in Deutschland lag im Jahresdurchschnitt

mit 88 % auf

Vorjahresniveau. Der Auftragsbestand

bewegte sich mit 6,9 Monaten leicht

über dem Wert von 2015.

Deutlich anders fallen die Bilanzen

für den gesamten Maschinenbau

aus:

Die Produktion im Maschinenbau in

Deutschland ist im vergangenen Jahr

nach vorläufigen Angaben des Statistischen

Bundesamts um real 0,2 %

im Vergleich zum Vorjahr gesunken.

„2016 hat es für den Maschinenbau

erwartungsgemäß nur für eine Stagnation

gereicht. Dabei hatte es zur

Jahresmitte noch Hoffnung auf einen

besseren Wert gegeben. Doch in

der zweiten Jahreshälfte nahm die

Skepsis der Investoren eher wieder

zu“, erläuterte VDMA-Chefvolkswirt

Dr. Ralph Wiechers die Entwicklung.

Allerdings sei es der Maschinenbauindustrie

in einem herausfordernden

weltwirtschaftlichen Umfeld

abermals gelungen, teils kräftige

Rückgänge beispielsweise in China

oder den USA durch erfolgreiche

Geschäfte in Europa und in vielen

kleineren Märkten zu kompensieren.

„Der Schlüssel für diese vielen

kleinen Erfolge waren Innovation,

Offenheit und Verlässlichkeit. Tugenden,

auf die wir weiter setzen und die

wir auch politisch einfordern – national

wie international“, betonte Wiechers.

2

Dr. Heinz-Jürgen

Prokop, Vorsitzender

des VDW

Auftragseingang Werkzeugmaschinenindustrie

Index, nominal, gleitender 12-Monats-Durchschnitt

240

200

AE Durchschnitt

AE Originalwerte

160

Quellen, 2: VDW

120

80

40

0

1997

1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010

2011 2012 2013 2014 2015 2016

Auftragseingang in der Werkzeugmaschinenindustrie 2016. Kräftiger Anstieg 2016 um 7 %.

Auftragseingang (% zum Vorjahr)

4Q 2016 Jahr 2016

Gesamt -4 7

Inland -4 0

Ausland -3 10

Stahlreport 4|17

27


Messen

und Märkte

Schwerpunkt Intec/Z

Neues Design:

BASIC Tower von

Remmert

Foto: Schäfer

Lagerware: Streckmetall und Lochbleche von Schäfer

Foto: Remmert

Bilanz einer Doppelmesse

Besucher und Aussteller

Fast 25.000 Besucher aus mehr als 30 Ländern meldete die Doppelmesse Intec/Z zum Schluss und

unterstrich damit den Anspruch, Anfang März für vier Tage fast 1.400 Ausstellern ein interessiertes

Publikum geboten zu haben. Das soll sich wiederholen: 2019 vom 5. bis 8. Februar in Leipzig.

Auch dann wird es wieder um Produkte aus Metall

und darum gehen, wie sie optimal gehandelt, bearbeitet

und zugeliefert werden können.

Produkte

So hatten SCHÄFER Streckmetall und SCHÄFER Lochbleche

an der Z in Leipzig teilgenommen. Dort zeigten die

beiden Geschäftsbereiche der SCHÄFER WERKE GMBH

ihre Kompetenzen als Ansprechpartner für industrielle

Serienanwendungen. Gemäß der Mottos „Individuell und

schnell“ sowie „Die richtige Masche für jede Anwendung“

wurde die Vielfältigkeit der Metallbearbeitung hinsichtlich

Material, Maschenart und -größe sowie Lochbild und

Maß präsentiert. Die beiden Geschäftsbereiche boten und

bieten außerdem ein großes Anarbeitungsspektrum sowie

ein breites Portfolio an kurzfristig verfügbaren Lagerlochblechen.

So können Unternehmen mit fehlenden Kapazitäten ihre

Endprodukte oder Halbzeuge auch ohne kostenintensive

Investitionen fertigen, indem sie auf den Schäfer-Anarbeitungsservice

zurückgreifen. Neben dem Lasern, Klinken

und Kanten bieten die Experten für Metallverarbeitung

z.B. auch Oberflächenbehandlungen an.

Krane

Ein anderes Siegerländer Unternehmen, das den Messestandort

Leipzig Anfang März genutzt hat, ist die VETTER

Krantechnik GmbH. Das über 125 Jahre alte Familienunternehmen

war in Sachsen als Hersteller von Schwenkkranen,

PROFI-Portalkransystemen und ROTOMAX ® -Lastwendegeräten

vertreten. Außerdem werden Spezialkrane

gefertigt.

z Die Schwenkkrane verfügen über Tragfähigkeiten von

80 kg bis 20 t und eine Ausladung bis 12 m.

z Die Portalkransysteme weisen Tragfähigkeiten von 80

kg bis 10 t auf. Spannweiten bis 15 und endlos ausbaubare

Feldlängen bis 10 m sind realisierbar.

z Mit den Lastwendegeräten können sperrige und bis 200

t schwere Bauteile gehandelt werden. Angeboten werden

Standardlösungen und individuelle Problembehandlungen.

Lager

Wie das Blechlager der Zukunft aussieht und welche Anforderungen

moderne Lagersysteme heutzutage erfüllen müssen,

zeigte die Remmert GmbH aus dem ostwestfälischen

Löhne auf der diesjährigen Intec. Der System anbieter für

lager- und produktionslogistische Lösungen für Blech und

Langgut präsentierte, wie Unternehmen ihre Güter effizient,

wirtschaftlich und zeitgemäß bevorraten können.

Am Messestand von Remmert gab es für Fachbesucher

u.a. die Möglichkeit, sich über den neu designten BASIC

Tower Blech 4.0 sowie den Laser FLEX 4.0 zu informieren.

Der Hintergrund: In produzierenden Unternehmen

steige der Bedarf an Lagersystemen, in denen kleine Materialmengen

platzsparend und ökonomisch bevorratet werden

können. Deshalb ging es in Leipzig um integrationsstarke

und flexible Systeme, die sich an die individuellen

Anforderungen des Kunden anpassen.

Entsprechende Lagersysteme für den Werkstattbereich

zeigte in der sächsischen Messemetropole auch die KASTO

Maschinenbau GmbH & Co. KG aus dem mittelbadischen

Achern.

Sägen

Zweites Stand- und Präsentationsbein von Kasto in Leipzig

waren Sägemaschinen. Der Anbieter verfügt über ein Portfolio,

das von einfachen Bügelsägemaschinen bis zu Hochleistungs-Bandsägeautomaten

zur rationellen Verarbeitung

von Stabmaterialien und Blöcken aller Qualitäten reicht.

Zu diesem Sägethema auf der Intec unterwegs war auch

die MEBA Metall-Bandsägemaschinen GmbH aus Westerheim

– u.a. mit dem Anspruch, dass die Metall-Bandsägen

der Baureihe MEBAeco kundenspezifische Anforderungen

und feinste Technik mitein ander verbinden. 2

28 Stahlreport 4|17


Bericht

Logimat-Messe in Stuttgart

Schauplatz für Intralogistik

Identifikation und Kommunikation sind die Basis der Logistik, die alle Teile der Wertschöpfungsketten

miteinander verbindet – erst recht in 4.0-Zeiten. Diese Logik war im März einmal mehr das

Erfolgsrezept der 15. Stuttgarter Logimat, die intralogistisch wiederum Messepräsentationen

und Forumsveranstaltungen miteinander verband und zudem mit der Tradeworld eine Plattform für

digitale Handelsprozesse bot.

Querschnittsthemen der Logi-

MAT waren – wie erwähnt – Identifikation

sowie Kommunikation, aber

auch Verpackungen, zudem das

Zusammenspiel von Mensch und

Maschine sowie die Verbindung von

Sicherheitsbedürfnissen und Softwarefunktionen.

Herausforderung – in einer Branche,

in der sehr viele Läger nach wie vor

manuell betrieben werden und sich

der Barcode auch im Verlauf von Jahrzehnten

noch nicht flächendeckend

durchgesetzt hat.

Diese Erkenntnis war gleich am

ersten Messetag der Ansatz für die

Forums-Veranstaltung „RFID & Barcode

– Die Basistechnologien der

Logistik 4.0“. Dabei wurde sehr

schnell deutlich, dass es bei dieser

Art von Identifikation nicht nur um

die technisch besten, sondern auch

immer um solche wirtschaftlich optimalen

Lösungen geht, die nur um den

Preis der Kontrolle von Menschen

durch Maschinen erreichbar ist. Dies

ist z.B. immer dann der Fall, wenn

solche Systeme aufgrund der leichten

und in Echtzeit stattfindenden Identifikation

von Waren auf dem Weg

von A nach B die Leistungen des

Lagerpersonals überwachen können.

Das Forum war in Halle 4 positioniert,

die sich Kennzeichnungs- und

Verpackungsdienstleister teilten.

Diese Nachbarschaft erwies sich auch

deshalb als sinnvoll, weil in vielen

Fällen die Träger- bzw. Verpackungseinheit

– von der Palette bis zur Folie–

die entsprechenden Identifikationsinformationen

transportiert.

Mensch und Maschine

Identifikation und Verpackung

Angesichts der angesprochenen Konfliktpotenziale

zwischen ausführen-

Identifikationsmöglichkeiten per RFID

(radio-frequency identification) auf

den Menschen und überwachenden

der Basis elektromagnetischer Wellen

Maschinen wirkte der erneute Messeauftritt

aus dem Hause Fraunhofer

sowie der optisch funktionierende

Barcode gelten als Basistechnologien

deeskalierend. Diesmal präsentierte

der Logistik 4.0. Diese und weitere

das Dortmunder Fraunhofer-Institut

Ansätze dienen zur Realisierung der

für Materialfluss und Logistik IML

fortschreitenden Automatisierung

u.a. das neuartige Transportsystem

und Digitalisierung. Dabei kommt es

Emili (Ergonomischer, mobiler, interaktiver

Ladungsträger für die Intra-

vor allem auf flexible Lösungen an,

weil sich die entsprechenden Kundenanforderungen

zumeist sehr

z.B. herangewunken oder zum Anreilogistik),

das, mit Gesten gesteuert,

schnell verändern. Deshalb sind Automatisierung

und Digitalisierung

Höhe aufgefordert werden kann. Es

chen in ergonomisch vertretbarer

gerade für kleine und mittelständische

Unternehmen eine enorme wicklung, die von der Gründungsinihandelt

sich dabei um eine IML-Ent-

3

Stahlreport 4|17

29


Messen

und Märkte

Bericht

Aus dem Hause

Fraunhofer: interaktives

fahrerloses

Transportfahrzeug

für die Intralogistik

Kettenzug mit Handkraftsteuerung

von

Demag.

Foto: Fraunhofer

3

Foto: Terex

tiative MotionMiners vermarktet werden

soll.

Berufe in der Logistikbranche

gehören dem Gesundheitsreport 2016

des Dachverbands der Betriebskrankenkassen

in Deutschland zufolge

zu den Jobs mit einem besonders

hohen Krankenstand. Beschäftigte

leiden aufgrund hoher physischer

Belastungen besonders häufig unter

Muskel- und Skeletterkrankungen.

Entsprechende Daten der Entstehung

solcher Belastungen können Dank

der genutzten Fraunhofer-Technologie

nun auch automatisch erhoben

werden – mit mobilen Sensoren, z.B.

einem intelligenten Armband, mit

dem sich auch das in Stuttgart erstmals

vorgestellte Transportsystem

steuern lässt.

Angesichts dieses Dualismusses

betonte Sascha Feldhorst, Leiter der

Gründungsinitiative, aus Anlass der

Messe, dass entsprechende Daten

nur anonymisiert erhoben werden

und eine Integration in die betriebseigene

Infrastruktur nicht vorgesehen

ist. So werde jedem Missbrauch der

Daten zur Überwachung von Mitarbeitern

direkt vorgebeugt.

Vor diesem Hintergrund schien

Fraunhofer IML in Halle 1 gut aufgestellt,

in der – ebenso wie in Halle 3

und in Teilen der Halle 5 – entsprechend

relevante Lager- und Betriebseinrichtungen

den Ton angaben,

gemeinsam mit den Themen des Hallenbaus,

des Regalbaus und der Fördertechnik.

Von dort aus führte eine thematische

Brücke in die Hallen 8 und 9,

in denen deutlich wurde, dass das

Prinzip der Optimierung des Verhältnisses

zwischen Mensch und

Maschine auch für Förderzeuge und

Transportsysteme entdeckt worden

ist. Ein Beispiel dafür lieferte Demag:

Mit dem DCHS ist das Programm

der Demag Kompakthebezeuge um

einen Kettenzug mit innovativer

Mensch-Maschine-Schnittstelle erweitert

worden. Der Bediener bewegt

den D-Grip einfach nach oben oder

unten – und die Last folgt der Bewegung

mit der entsprechenden

Geschwindigkeit.

Der Bediener des neuen Kettenzugs

benötigt keine separate Bedieneinheit.

Er muss nur den Griff der

Handkraftsteuerung umfassen, den

D-Grip. Dieser erkennt, mit welcher

Geschwindigkeit er nach oben oder

unten bewegt wird, und steuert den

Antrieb des Kettenzugs entsprechend.

Die Folge: Die Last bewegt sich nach

den Vorgaben des Bedieners.

In der Praxis erleichtert das den

Anwendern von Kettenzügen die

Arbeit. Sie müssen sich nicht darauf

konzentrieren, die Taster der Bedieneinheit

zu betätigen, wenn sie Lasten

heben und senken möchten. Vielmehr

bewegen sie den D-Grip ganz

intuitiv und einfach in die gewünschte

Höhe. Zusätzlich können sie über

zwei Taster die Hebefunktion beim

Bewegen der Katze deaktivieren (Blockierknopf)

und die Geschwindigkeit

des Antriebs begrenzen.

Die Geschwindigkeit des Kettenzugs

DCHS ist stufenlos regelbar und

wird zurzeit für Traglastbereiche bis

250 kg angeboten. Auch die Anwender

vorhandener Demag-Kettenzüge

mit stufenlos regelbaren Antrieben

können von dieser Innovation profitieren.

Eine Umrüstung dieser Kettenzüge

mit der neuen Handkraftsteuerung

sei problemlos möglich, hieß es

dazu bei der Terex MHPS GmbH im

westfälischen Wetter.

Sicherheit und Software

Der in Halle 9 präsentierte neue Kettenzug

steht für die an diesem Ort

praktizierte thematische Nachbarschaft

von Geräten und Sicherheit,

die durch die intelligente Nutzung

von Software entsteht, für die in Stuttgart

im Übrigen Teile der Halle 5 und

die Halle 7 reserviert war. In denselben

Zusammenhängen präsentierte

sich auf der Logimat auch die Span-

Set GmbH & Co. KG aus Übach-Palenberg

– u.a. mit Zurrsystemen,

Ladungssicherungsnetzen, Anti-

Rutsch-Laminat und einem Schnittschutz.

Für das Niederzurren bietet Spanset

Qualitätsratschen für den professionellen

Einsatz mit unterschiedlichen

patentierten Funktionen:

z Das Anti-Belt-Slip-System ermöglicht

beim Lösen der Gurte die Freigabe

der Spannung in kleinen

Schritten und hält so kippgefährdete

Ladung unter Kontrolle.

z Die Zugratsche ErgoMaster wird serienmäßig

mit der Vorspannanzeige

TFI (Tension Force Indicator) ausgeliefert.

Damit können die tatsächlich

eingebrachten Vorspannkräfte

nachgewiesen und für die Berech-

30 Stahlreport 4|17


nung der Ladungssicherung genutzt

werden. Daraus ergibt sich zweifacher

wirtschaftlicher Vorteil: Die notwendige

Vorspannkraft wird mit

weniger Ratschen erreicht, und die

aufgewendete Arbeitszeit ist kürzer.

Das Telematiksystem Tension Force

Transponder TFT ist die elektronische

Weiterentwicklung der mechanischen

Vorspannkraftanzeige TFI.

Er dokumentiert nicht nur die Sicherungskräfte,

sondern überträgt die

Daten auch drahtlos ins Führerhaus

des Transportfahrzeugs und archiviert

sie. Fällt die Sicherungskraft

eines Spannelementes während des

Transports unter den Sollwert ab, ist

dies für den Fahrer sofort erkennbar.

Neues gibt es auch bei den Hilfsmitteln

zur Ladungssicherung wie

z.B. das secuGrip 90 – Anti-Rutsch-

Laminat. Zum Nachrüsten von Flächen

und Bauteilen hat Spanset jetzt

das secuGrip-90-Laminat zur Eigenmontage

entwickelt. Die Laminatplatten

können selbst geschnitten und in

Form gebracht werden. Die Rückseite

des Laminates ist mit Acrylat-Kleber

beschichtet.

Mit der Produktserie NoCut greift

Spanset das in der Hebetechnik sicherheitsrelevante

Thema der scharfen

Kante auf. NoCut sleeves und NoCut

pads bestehen aus Spezialfasern mit

besonders hoher Schnitt- und Abriebfestigkeit.

Die Wahl zwischen beiden

Produkten hängt von der geplanten

Anwendung ab:

z Der NoCut sleeve Schutzschlauch

wird vor dem Hebevorgang auf das

Anschlagmittel aufgezogen. Er

ermöglicht beim Heben die ausgleichende

Bewegung des Anschlagmittels

im Gewebeschlauch.

z NoCut pad dagegen wird punktuell

montiert, kann schnell angebracht

und umgerüstet werden – selbst

wenn das Anschlagmittel bereits am

Kranhaken hängt.

Das elektronische Produktverwaltungs-

und Identifikationssystem

IDXpert schließlich soll die Verwaltung

prüfpflichtiger Produkte erleichtern.

Foto: SpanSet

Rückblick und Ausblick

Die LogiMAT 2017 hat Mitte März

nach drei Messetagen mit – nach Veranstalterangaben

– „Rekordzahlen

bei Ausstellern, Ausstellungsfläche

und Besucherzuspruch“ geschlossen.

Mehr als 50.000 Logistikexperten

seien nach Stuttgart gekommen.

Die nächste Logimat in Deutschland

findet vom 13. bis 15. März 2018

wiederum in Stuttgart statt. 2

Auf der LogiMAT

präsentierte SpanSet

aktuelle Themen rund

um Ladungssicherung

und Hebetechnik –

darunter Zurrsysteme

mit Vorspannanzeige.

Betonstahl richten, schneiden und biegen

Die neueste Generation der Richtschneideund

Biegemaschinen ist:

flexibel

effizient

wartungsarm

Die MSR 20-Linie bietet zahlreiche

Möglichkeiten zur Automatisierung:

Bearbeitung großer

Drahtdurchmesser vom Coil

schneller Drahtdurchmesserwechsel

raffinierte Rotorrichtsysteme

maßgeschneiderte Lösungen

Progress Maschinen & Automation AG

Julius-Durst-Str. 100

I-39042 Brixen

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Messen

und Märkte

Bericht

Wie sich die CeBIT entwickelt hat und weiter entwickeln wird

Vom Ort zur Fläche

Früher war die CeBIT der Ort, sich über einzelne Fortschritte der Datenverarbeitung zu

informieren. Das geht immer noch (vgl. Kasten auf der übernächsten Seite). Heute aber bietet

die Messe darüber hinaus die Fläche, die vielfältigen Trends zu diesem Thema zu erkennen und

zu nutzen – bis hin zu Erkenntnissen über disruptive Geschäftsmodelle sowie einen generellen

Bildungsauftrag. Und in Zukunft soll alles noch einmal besser, auf jeden Fall anders werden.

Die Nutzung der einleitend

angesprochenen Potenziale ist entscheidend,

wie insbesondere zwei

Studien im Vorfeld der Messe gezeigt

haben:

Zwei Umfragen

Wie wichtig die für Wirtschaft und

Gesellschaft sind, machte gleich zu

Beginn der diesjährigen CeBIT Mitte

März der Branchenverband Bitkom

auf der Basis einer repräsentativen

Umfrage deutlich: Sowohl die Wirtschaft

als auch die Verbraucher sehen

demnach aktuell durch die digitale

Transformation deutlich mehr Chancen

als Risiken. Die Mehrheit der Bürger

erwartet, dass der Wohlstand in

Deutschland durch die Digitalisierung

zunehmen wird. 56 % gehen von einem

Wachstum aus, nur 33 % rechnen mit

einem abnehmenden Wohlstand.

Gleichzeitig sagen fast zwei Drittel

der Deutschen ab 14 Jahre (63%), dass

die Digitalisierung für die deutsche

Wirtschaft eine Chance ist, 33 % sehen

sie als Gefahr. (Vgl. Abb.)

„In den vergangenen Monaten wurde

viel über echte oder vermeintliche

Schattenseiten der Digitalisierung

diskutiert – von intelligenten Robotern,

die uns die Arbeit wegnehmen,

bis zu Fake News, die die Demokratie

gefährden. Die Bundesbürger lassen

sich davon offenbar nicht verrückt

machen und sind mit Blick auf

die Digitalisierung überaus zuversichtlich“,

kommentierte Bitkom-

Präsident Thorsten Dirks. So sagen

86 % der Befragten, die Digitalisierung

sei notwendig, damit Deutschland

in bedeutenden Branchen wie

dem Maschinen- oder dem Automobilbau

seine starke Stellung auf dem

Weltmarkt verteidigen könne. Und

80 % sind der Meinung, wenn sich

Unternehmen der Digitalisierung

verweigerten, würden sie untergehen.

Diese Erkenntnis scheint jedoch

noch nicht überall verbreitet zu sein,

wie ebenfalls Mitte März der BME

verlautbarte: Demnach ist die Mehrheit

der deutschen Unternehmen in

vielen Bereichen weit davon entfernt,

z.B. das im Internet der Dinge

enthaltene Innovationspotenzial für

sich auszunutzen. Das ist ein Ergebnis

der Studie „Digitalisierung, Vernetzung,

Industrie 4.0 in Einkauf &

Supply Chain Management – heute

und morgen“ im Auftrag des Bundesverbands

Materialwirtschaft, Einkauf

und Logistik e.V. (BME).

„Die jüngste Studie hat gezeigt,

dass sich vor allem mittelständische

Betriebe mit der Nutzung digitaler

Prozesse im Geschäftsalltag noch

schwertun,“ betonte Dr. Silvius Grobosch,

Mitglied im geschäftsführenden

Bundesvorstand des BME, und

mahnte damit indirekt den verstärkten

Blick auf die Trends der Digitalisierung

an:

Trends der Digitalisierung

Im Zentrum der Digitalisierung steht

auch weiterhin das Internet of Things

(IoT). Bis 2020 sollen weltweit mehr

als 30 Mrd. Maschinen und Geräte

über das Internet miteinander ver-

32 Stahlreport 4|17


netzt sein – mit weitreichenden Folgen.

Eine davon ist die automatisierte

Auswertung großer Datenmengen,

die für Unternehmen immer wichtiger

wird: Big Data. In seinem Vortrag

auf der CeBIT verriet Johannes

Diebig: „Weniger als ein Prozent der

Kundendaten werden derzeit in

Unternehmen analysiert.“ Dabei

gehe es für die Firmen mehr denn

je darum, den Kunden in den Mittelpunkt

zu stellen.

Einen möglichen Grund für die

noch erkennbare Zurückhaltung

machte ebenfalls die CeBIT deutlich:

Zu den gravierendsten Sicherheitsrisiken

im IoT zählen unzureichend

geschützte Verbindungen zwischen

Produktionsanlagen und dem Web.

Entsprechende Bedenken nähren

sich zudem aus dem erkennbaren

Trend, sensible Daten über die Cloud

nutzbar zu machen.

Dies gilt insbesondere für Unternehmen

mit disruptiven Geschäftsmodellen.

Entsprechende Start-ups

hatten in Hannover Hochsaison. Ein

Beispiel dafür war der Dresdner IT-

Infrastrkturprovider Cloud&Heat,

der den „German Way of Cloud“ lebt

und sichere, automatisierte Privateund

Public-Cloud-Lösungen nach

deutschen Qualitätsstandards bereitstellen

will.

Disruptive Geschäftsmodelle

Solche und weitere Entwicklungen

hat die Software AG analysiert und die

CeBIT dazu genutzt, etablierten Unternehmen

die Entwicklung eigener IT-

Architekturen zu empfehlen und den

jahrzehntelang geübten Weg des Outsourcings

wieder zu verlassen.

Karl-Heinz Streibich, Vorstandsvorsitzender

des Darmstädter Unternehmens,

stellte in einem Vortrag

zunächst fest, dass digitale

Geschäftsmodelle, also die aktuellen

Innovationen, durch Software

abgebildet werden. Entsprechende

Herausforderer würden dann einen

Keil zwischen traditionelle Unternehmen

und ihre Kunden treiben –

im Business-to-Comsumer(B2C)-

Markt ebenso wie in der Businessto-Business(B2B)-Welt.

Dies sei nur

zu verhindern, wenn die bedrohten

Unternehmen selber so schnell wie

möglich digital würden.

„Holen Sie die volle Zuständigkeit

für Ihre IT-Architektur wieder

zurück ins Unternehmen. Und stellen

Sie sicher, dass Ihr Unternehmen

die IT-Architektur versteht.

Wenn Software heute das Herzstück

von Innovationen ist, sollten Sie die

Fähigkeit haben, Ihre IT-Architektur

selbst zu gestalten.“ Dass Unternehmer

dabei auf die Hilfe der Software

AG zurückgreifen können, sage

zunächst nichts über die Richtigkeit

der Analyse aus.

Bildung als Herausforderung

Schließlich wurde auf der CeBIT einmal

mehr eine Bildungsherausforderung

deutlich:

Mit Blick auf die Bundestagswahl

im Herbst fordert Bitkom des-

halb, auch die Bildungslandschaft

zu digitalisieren und die Weiterbildung

im Berufsalltag zu fördern.

Dirks: „Alle Bildungseinrichtungen

im Schul-, Hochschul-, Aus- und Weiterbildungsbereich

müssen ihre

Lehrpläne auf digitale Bildung ausrichten.

Deutschland muss zum Vorreiter

der digitalen Bildung werden.“

Zudem müsse es gelingen, eine in

weltweitem Maßstab wettbewerbsfähige

digitale Basisinfrastruktur zu

schaffen. „Diese digitale Infrastruktur

muss von Gigabitnetzen bis zu

digitalen Infrastrukturen für Energie,

Verkehr, Gesundheit und Verwaltung

reichen. So können wir hierzulande

Vorreiter beim autonomen

Fahren und etwa der digitalen Medizin

und Gesundheitsversorgung werden“,

sagte Dirks. Schließlich müsse

es gelingen, Deutschland zum Knotenpunkt

der digitalen Transformation

zu machen.

Dabei gehe es nicht allein um

eine Stärkung der Digitalbranche,

sondern um eine Digitalisierung der

deutschen Leitindustrien. „Wir sind

dabei, in Deutschland sogenannte

Hubs der digitalen Transformation

aufzubauen. Sie bringen Start-ups,

Global Player, Mittelstand und Forschung

zusammen“, sagte Dirks.

„Digitalisierung ist kein Naturereignis,

vor dem wir uns verstecken müssen.

Digitalisierung ist eine Gestaltungsaufgabe.“

Die CeBIT in Hannover gilt als

weltweit wichtigste Veranstaltung

für die Digitalisierung in Wirtschaft,

3

Bitkom-Umfrage -

ergebnisse zur

Digitalisierung

Quelle: Bitkom

Stahlreport 4|17

33


Messen

und Märkte

Berichte

Foto: BDS

CeBIT als Treffpunkt von old und new economy

Foto: Deutsche Messe AG

Coole Inszenierungen für den nächsten Sommer verspricht die neue CeBIT.

3

Verwaltung und Gesellschaft. Jedes

Jahr treffen auf der CeBIT gut 3.000

Unternehmen auf rund 200.000 Teilnehmer.

Partnerland in diesem Jahr

war Japan.

Während Deutschland noch auf

dem Weg zur Industrie 4.0 ist, geht

das asiatische Land schon einen

Schritt weiter: Das Regierungsprogramm

„Gesellschaft 5.0“ soll nicht

nur die Wirtschaft stärken, sondern

setzt auch bei der Bevölkerung an –

angesichts wachsender Schwierigkeiten

wegen der Überalterung der

Gesellschaft sowie zunehmender

Umweltprobleme. Dazu müssen laut

einem Thesenpapier des japanischen

Industrieverbands fünf Mauern

durchbrochen werden: die öffentliche

Verwaltung, das Rechtssystem,

Wissenslücken in Sachen Digitalisierung,

der Fachkräftemangel und

die Akzeptanz der Bevölkerung.

Cooles für den Sommer

Unterdessen will sich die CeBIT ab

2018 mit einem neuen Veranstaltungsmuster

fit machen für die Generation

Y. „Wir werden die CeBIT zu

Europas führender Eventplattform

und zum Festival für digitale Technologie,

digitale Innovation und

Geschäftsanbahnung der digitalen

Wirtschaft umbauen“, sagte Oliver

Frese, zuständiger Vorstand der

Deutschen Messe AG. „Wir bringen

die CeBIT in den Juni, weil wir im

Sommer Technologie noch emotionaler

inszenieren und eine coole Campus-Atmosphäre

schaffen können.“

Die nächste CeBIT findet vom 11. bis

15. Juni 2018 in Hannover rund um

das Holzdach auf dem Messegelände

in Hannover statt. Das Freigelände

in der Mitte soll zum großen Digital-Campus

werden.

Rund um den d!campus finden

in den Hallen die drei zukünftigen

Elemente der CeBIT statt:

Aus alt mach neu

z d!conomy vereint Zielgruppen und

Angebote zu allen Themen der Digitalisierung

von Unternehmen und

öffentlichen Auftraggebern.

z Disruptive Technologien, Forschung

und Startups zeigen ihre

Visionen im New-Tech-Festival

unter der Marke d!tec.

z Das inhaltliche Programm in Konferenzen,

Workshops und Keynotes

soll als d!talk Raum für Diskussion

und Wissensvermittlung bieten.

2

Papierrecycling im Büro

Epson hat auf der CeBIT mit PaperLab die nach eigenen Angaben erste

Papier-Recyclingmaschine für das Büro vorgestellt. Sie verarbeitet ohne

Wasserzusätze zunächst Altpapier und stellt dann aus den Resten neue

Blätter her.

Die kleinlastergroße Maschine, die in Japan bereits lieferbar ist, soll im

kommenden Jahr auch in Europa erhältlich sein und will den Datenschutz

erhöhen, die Notwendigkeit zum Neukauf von Papier reduzieren sowie

den Ausstoß von CO 2

-Emissionen eindämmen.

Mit PaperLab können vertrauliche Dokumente zunächst intern vernichtet

werden, ohne sie mittels belastender Transporte externen Dienstleistern

anvertrauen zu müssen. Durch das Zerfasern der Dokumente sollen die

Informationen auf dem Papier vollständig vernichtet werden, argumentiert

Epson. Zweitens steht dann die Produktion von neuem Papier an,

das nach Herstellerangaben unterschiedliche Dicken haben kann. Das

erste Blatt könne nach drei Minuten produziert sein, die folgenden Blätter

mit einer Geschwindigkeit von etwa 720 DIN A4-Seiten pro Stunde.

Dank der speziellen Trocken-Faser-Technologie sei das System besonders

für den Einsatz im Büro geeignet – ohne dass Wasseranschlüsse oder

spezielle Einrichtungen erforderlich würden.

34 Stahlreport 4|17


Ausblick auf die Hannover Messe

Siebenfach

„Integrated Industry – Creating Value“. So lautet das Leitthema

der kommenden Hannover Messe, die vom 24.-28.4.17 in der niedersächsischen

Landeshauptstadt stattfindet. Das Präsentationsevent

fasst insgesamt sieben Leitmessen zusammen und hatte im

vergangenen Jahr deutlich gemacht, dass die Industrie 4.0 in

Deutschland längst Realität ist.

Diese sieben Leitmessen, für

die das gemeinsame Thema gilt, sind:

Industrial Automation, MDA –

Motion, Drive & Automation, Digital

Factory, Energy, ComVac, Research &

Technology sowie – mit besonderer

Bedeutung für die Handelsbranchen

– Industrial Supply, diesmal oberflächentechnisch

sowie mit dem Schwerpunkthema

Leichtbau aufgewertet

und auch politisch bedeutend.

Zulieferer

Die Zulieferunternehmen stehen in

diesem Jahr in den Hallen 4, 5 und

6. Die unmittelbare Nähe zu wichtigen

Schlüsseltechnologien und

Anwendern macht dort auch die

branchenübergreifende Erschließung

neuer Märkte möglich. Ein weiteres

Alleinstellungsmerkmal: Das

Publikum kommt tatsächlich aus

aller Welt. Der Anteil internationaler

Fachbesucher lag 2016 auf der

Industrial Supply bei 36 %.

Wertvolle Kontakte entstehen

dabei auch mit unterschiedlichen

Berufsgruppen. Die Gruppe der Einkäufer

hat Dr. Silvius Grobosch dabei

besonders im Blick. Er ist Hauptgeschäftsführer

des Bundesverbandes

Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik

e. V. (BME). Der BME organisiert

jedes Jahr verschiedene Fachveranstaltungen

auf der Hannover Messe,

darunter den BME-Einkäufertag. „Über

diese Kanäle konnten wir auch 2016

wieder erfreulicherweise eine Vielzahl

neuer … Kontakte generieren“, so

Grobosch. „Über 150 Experten aus

Einkauf, Supply Management und

Logistik haben insgesamt an den BME-

Fachveranstaltungen teilgenommen.“

Für Grobosch ist es gerade die Vielfalt

einander ergänzender Verfahren

und Werkstoffe, die das große Plus der

Industrial Supply ausmacht. „Von der

Schlüsseltechnologie bis zum Hidden

Champion – die enorme Bandbreite

der im Rahmen der Industrial Supply

vertretenen Unternehmen stellt im Vergleich

zu Konkurrenzveranstaltungen

ein absolutes Alleinstellungsmerkmal

dar“, sagte Grobosch. „Eine derartige

Vielzahl innovativer und passgenauer

Supplier in gebündelter Form anzutreffen,

ist überaus effizient. Beschaffungsentscheider

sparen dadurch wertvolle

Zeit und Wege.“

Oberflächen

Die Vielfalt auf Seiten der Aussteller

wird in diesem Jahr sogar noch

erhöht. Mit der SurfaceTechnology

Area zieht die gesamte Oberflächentechnik

in den Zulieferbereich auf

der Hannover Messe. Den Umzug in

Halle 6 begrüßt eine große Mehrheit

der Unternehmen.

Christoph Matheis, Hauptgeschäftsführer

Zentralverband Oberflächentechnik

(ZVO): „Die Investitionsgüterindustrien,

für die die

Hannover Messe ja nach wie vor die

wichtigste Messe weltweit ist, stellen

eine bedeutende Abnehmerbranche

für die galvano- und oberflächentechnischen

Leistungen und

Produkte dar. Die Produkte der etablierten

Aussteller der Industrial Supply

sind alle galvanisch oder anderweitig

oberflächenbeschichtet. Dies

wird den Ausstellern der Surface-

Technology Area weitere Besucherzielgruppen

erschließen.“

Politiker

Schließlich sind es aber nicht nur

die Internationalität und die Branchenvielfalt,

die für Hannover sprechen.

Ein weiterer Aspekt kommt

noch hinzu: Aufgrund ihrer Bedeutung

kommen Größen aus Politik

und Wirtschaft auf die Messe an

der Leine. Und auch das zahlt sich

aus.

„Auf der Industrial Supply bzw.

Hannover Messe treffen wir vor

allem (wirtschafts-)politische Besucher,

die sonst auf keiner anderen

Messe präsent sind“, sagte Frank

Seinsche, Konzernkommunikation

der Salzgitter AG, Ende des vergangenen

Jahres. „Dies ist für uns sehr

wichtig, um gerade im aktuellen politischen

Dialog zu den Themen Chinaimporte/EU-Strafzölle

oder auch

Energieauflagen unseren Standpunkt

gegenüber politischen Entscheidern

darzulegen.“

Auf der Hannover Messe zeigen

Zulieferunternehmen zudem, dass

sie mit den Mitteln der Digitalisierung

Lösungen anbieten können, die

schneller, innovativer und stärker

individualisiert sind als bisher. Diesen

Aspekt der Digitalisierung

berücksichtigt das Leitthema „Integrated

Industry – Creating Value“

ebenfalls:

In der Entwicklung ganz neuer

Geschäftsmodelle und der Erschließung

entsprechender Märkte liege

das größte Wertschöpfungspotenzial

der Digitalisierung, sind sich

die Messeverantwortlichen sicher.

In Hannover würden Kooperationen

zwischen IT und Maschinenbau, zwischen

Startup und Konzern geschlossen.

Tragfähige 4.0-Geschäftsmodelle,

aber auch disruptive

Business-Ideen, würden zum Tragen

kommen.

Polen ist das Partnerland der

Hannover Messe 2017. 2

Stahlreport 4|17

35


BDS

Research

Neueste Zahlen aus dem Bereich Research

Mit Schwung ins neue Jahr

Das Jahr 2016 bescherte dem deutschen Stahlhandel einen leichten Anstieg des Lagerabsatzes

bei Walzstahlfertigerzeugnissen. Viel erwähnenswerter waren jedoch die teilweise äußerst

dynamischen Entwicklungen bei den Rohstoffen und deren Auswirkungen auf die Stahlpreise.

Dieser Schwung hielt über den Jahreswechsel hinweg auch noch im Frühjahr 2017 an. Die

Tonnagen im Stahlhandel sind bei den meisten Produkten ordentlich, das Preisniveau ist durch

die Bank weg signifikant höher als noch vor zwölf Monaten.

Foto: privat

Jörg Feger, Bereichsleiter

Research im

Bundesverband

Deutscher Stahlhandel

(BDS), berichtet

zusammenfassend

angesichts der ihm

für 2016 und Januar,

bzw. Februar 2017

vorliegenden Zahlen.

Wie üblich, hat er

seinen monatlichen

und kommentierenden

Bericht anhand

der Kriterien Lagerabsatz,

-bestand, -

reichweite und -verkaufspreise

gegliedert.

Lagerabsatz

Der Start ins Jahr war bei den meisten

Produkten sehr erfreulich.

Obschon der Winter weite Teile des

Landes in Frost und unter eine

Schneedecke gehüllt hatte, konnten

im Januar die baunahen Produkte

Träger und Betonstahl im Vergleich

zum Vorjahresmonat zulegen. Besonders

stark stieg der Absatz von Bandblechen

und Oberflächenveredelten

Blechen. Als einziges Produkt musste

Quartoblech Einbußen hinnehmen.

Insgesamt wurden im Januar des

laufenden Jahres 919.000 t Walzstahlfertigerzeugnisse

abgesetzt.

Dies sind knapp 7 % als im Vorjahresmonat.

Lagerbestand

Nach dem üblichen Lagerabbau zum

Jahresende 2016 legten die Lagerbestände

im Januar 2017 kräftig zu.

Während bei Trägern der Bestands-

aufbau sehr moderat ausfiel, stieg er

bei Quarto- und Bandblechen im

zweistelligen Prozentbereich.

Ende Januar wurden von der

deutschen Stahldistribution knapp

2,4 Mio. t Walzstahlfertigerzeugnisse

bevorratet. Dies sind rund 8 %

mehr als noch vor zwölf Monaten.

Lagerreichweite

Die Lagerreichweite lag im Januar bei

2,6 Monaten bzw. 78 Tagen. Die

Reichweite lag damit 1,3 % über dem

Vorjahreswert (vgl. Abb. 1).

Lagerverkaufspreise

Den Angaben des BDS-Marktinformationsverfahrens

für durchschnittliche

Verkaufspreise im kleinlosigen

Bereich zufolge setzte sich der

starke Preisanstieg der letzten

Monate des Jahres 2016 Anfang 2017

fort. Im Januar konnten bei fast allen

Produkten Preisanstiege festgestellt

werden. Diese waren bei Flachprodukten

sowie Quadrat- und Rechteckrohren

noch weitaus stärker ausgeprägt

als bei Langprodukten.

Lediglich das Nahtlose Rohr hat im

durchschnittlichen Verkaufspreis

nachgegeben.

Im Februar tendierten Langprodukte

eher seitwärts, Flachprodukte

und Rohre konnten abermals deutlich

zulegen. Alle Produkte lagen

Ende Februar 2017 preislich auf

einem wesentlich höheren Niveau

als noch zwölf Monate zuvor (vgl.

Abb. 2 und 3).

[ Info ]

Fragen zu den genannten statistischen

Größen beantwortet im Bundesverband

Deutscher Stahlhandel (BDS) Jörg Feger,

Bereichsleiter Research:

Feger-BDS@stahlhandel.com

36 Stahlreport 4|17


Quelle Bild 2 u. 3: BDS Quelle: Statistisches Bundesamt/BDS

lagerAbsatz und Lagerreichweite der Stahldistribution Abb. 1

140

120

100

80

60

40

20

0

Preisentwicklung bei Langprodukten Abb. 2

160

150

140

130

120

110

100

90

Index (Januar 2010 = 100)

Formstahl Breitflanschträger Stabstahl Betonstahl in Stäben Betonstahlmatten

Preisentwicklung bei Flachprodukten und Rohren Abb. 3

Index (Januar 2010 = 100)

150

140

130

120

110

100

90

80

n Absatzindex (2007 = 100)

n Lagerreichweite in Tagen

94 91 92 89 90

95 96 99 99

86 91

89

85 90 93 90

92

200

180

160

140

120

68 100

84 81 84 78 78 78 75 72 72 81 72 84 78 72 78 69 99 78

80

60

40

20

0

Ø

2012

Ø

2013

Ø

2014

Ø

2015

Ø

2016

Jan.

2016

Feb.

2016

März

2016

Apr.

2016

Mai

2016

Juni

2016

Juli

2016

Aug.

2016

Sep.

2016

Okt.

2016

Nov.

2016

Dez.

2016

Jan.

2017

1. Q. 2010

2. Q. 2010

3. Q. 2010

4. Q. 2010

1. Q. 2011

2. Q. 2011

3. Q. 2011

4. Q. 2011

1. Q. 2012

2. Q. 2012

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4. Q. 2012

1. Q. 2013

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4. Q. 2013

1. Q. 2014

2. Q. 2014

3. Q. 2014

4. Q. 2014

1. Q. 2015

2. Q. 2015

3. Q. 2015

4. Q. 2015

1. Q. 2016

2. Q. 2016

3. Q. 2016

4. Q. 2016

1. Q. 2017

1. Q. 2010

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4. Q. 2010

1. Q. 2011

2. Q. 2011

3. Q. 2011

4. Q. 2011

1. Q. 2012

2. Q. 2012

3. Q. 2012

4. Q. 2012

1. Q. 2013

2. Q. 2013

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2. Q. 2014

3. Q. 2014

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1. Q. 2015

2. Q. 2015

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1. Q. 2016

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3. Q. 2016

4. Q. 2016

1. Q. 2017

Quartoblech Bandblech Kaltgewalztes Blech OV Blech Quad. & RE-Rohr Nahtloses Rohr

Absatz und Lagerreichweite

der

Stahldistribution

Preisentwicklung

bei Langprodukten

Preisentwicklung bei

Flachprodukten und

Rohren

Stahlreport 4|17

37


BDS

Recht

Reform der Insolvenzanfechtung tritt in Kraft

Mehr Rechtssicherheit

für den Handel

Die langjährigen Bemühungen des BDS gemeinsam mit anderen

Verbänden haben zum Ziel geführt: Am 10. März hat der Bundesrat

das Gesetz zur Reform der Insolvenzanfechtung passieren

lassen, so dass es kurzfristig in Kraft treten kann. Es beschränkt

die Möglichkeiten der Insolvenzverwalter, Zahlungen von Unternehmen

in der Krise später anzufechten. Über die Einzelheiten

berichtet Rechtsanwalt Tim Lieber von Henseler & Partner

Rechtsanwälte mbB.

Foto: Henseler & Partner

Tim Lieber, Rechtsanwalt

Kanzlei

Henseler & Partner

Rechtsanwälte mbB

Die Gesetzesreform zur Einschränkung

der Insolvenzanfechtung

war dringend erforderlich, da

in den letzten Jahren eine regelrechte

Anfechtungswelle durch Deutschland

gerollt ist. Ursache hierfür war

die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs,

die den Tatbestand der

„vorsätzlichen Gläubigerbenachteiligung“

in § 133 Insolvenzordnung

(InsO) zu einem konturlosen Allzweckparagraphen

aufgeweicht

hatte.

Zurück zum ursprünglichen

„Schweinehundparagraph“

Durch die nun beschlossene Gesetzesänderung

wird der Tatbestand

von § 133 InsO wieder seinem

ursprünglichen Zweck angenähert.

Dieser Zweck ist es, unredliche Vermögensverschiebungen

des Schuldners

zu Lasten der Gläubiger rückgängig

zu machen. Bei § 133 InsO

handelt es sich daher um eine allgemeine

Lauterkeitsregelung (in den

Worten des Verfassers: „Schweinehundparagraph“),

durch die krass

missbräuchliches Verhalten verhindert

werden soll.

Dieses Ziel hatte der Bundesgerichtshof

in den letzten Jahren aus

den Augen verloren, weil nach seiner

Auffassung auch bei regulärem

Geschäftsgebaren – wie insbesondere

der Gewährung längerer Zahlungsziele

oder dem Abschluss von

Ratenzahlungsvereinbarungen –

Anfechtungen gemäß § 133 InsO

zulässig sein sollten.

Dieser Auffassung hat der Gesetzgeber

nun einen Riegel vorschoben,

und zwar in mehrfacher Hinsicht: So

wurde nicht nur der Tatbestand der

vorsätzlichen Gläubigerbenachteiligung

gemäß § 133 InsO eingeschränkt,

sondern auch der Anfechtungszeitraum

verkürzt, reguläre Bargeschäfte

anfechtungsfest ausgestaltet

und die Verzinsung des

Anfechtungsanspruchs zurückgeschraubt.

Anfechtungen nur bei eingetretener

Zahlungsunfähigkeit

Nach altem Recht waren Zahlungen

des Kunden gemäß § 133 InsO

anfechtbar, wenn der Händler von

einer „drohenden Zahlungsunfähigkeit“

des Kunden Kenntnis hatte. Da

„drohende Zahlungsunfähigkeit“ in

der Insolvenzordnung sehr unscharf

definiert wird und der BGH zudem

regelmäßig eine „drohende Zahlungsunfähigkeit“

als indiziert ansah, hatte

es der Insolvenzverwalter leicht, seine

Anfechtung darauf zu stützen.

Nach neuem Recht ist dies nicht

mehr möglich. Nunmehr ist eine

Anfechtung gemäß § 133 InsO nur

noch bei eingetretener Zahlungsunfähigkeit

des Kunden und Kenntnis

des Händlers davon möglich, wofür

der Insolvenzverwalter den vollen

Beweis erbringen muss. Dazu wird

der Insolvenzverwalter in einem

Anfechtungsprozess häufig nicht in

der Lage sein, zumal er sich dafür

nicht mehr – wie zuvor – auf allgemeine

Indizien und Vermutungen

zur „voraussichtlichen“ Zahlungsunfähigkeit

des Kunden berufen kann.

Zahlungsvereinbarungen nicht

mehr Indiz für Anfechtbarkeit

Nach der Rechtsprechung des BGH

zum alten Recht wurden Zahlungsvereinbarungen

– insbesondere die

Gewährung von Ratenzahlungen –

als Indiz dafür angesehen, dass eine

drohende Zahlungsunfähigkeit des

Kunden vorlag und der Händler davon

wusste. Bei Ratenzahlungsvereinbarungen

war daher nach dieser Rechtsprechung

fast immer eine Anfechtbarkeit

gegeben. Völlig außer Acht

gelassen wurde dabei, dass der sogenannte

Warenkredit eine unverzichtbare

und anerkannte Funktion des

Handels darstellt, durch die vermieden

wird, dass Kunden bereits bei

vorübergehenden „Engpässen“ zum

Insolvenzgericht müssen.

Der Gesetzgeber hat nun endlich

auf die Bedürfnisse der Branche reagiert

und festgeschrieben, dass Zahlungsvereinbarungen

keinen Grund

für eine Anfechtung gemäß § 133

InsO darstellen. Dabei ist der Gesetzgeber

sogar noch einen Schritt weitergegangen,

indem er bestimmt hat,

dass bei Zahlungsvereinbarungen

vermutet wird, dass der Gläubiger

die Zah lungs un fä hig keit des Schuld -

ners zum Zeitpunkt der an ge foch te -

nen Hand lung nicht kann te. Angesichts

dieser – wenn auch etwas

ungewöhnlichen – Vermutung wird

es für Insolvenzverwalter in diesen

Fällen künftig sehr schwer werden,

38 Stahlreport 4|17


in Raten geleistete Zahlungen wegen

vorsätzlicher Gläubigerbenachteiligung

gemäß § 133 InsO anzufechten.

In Zukunft sollte daher darauf

geachtet werden, Ratenzahlungs- oder

Stundungsvereinbarungen mit Kunden

schriftlich bzw. in Textform zu

dokumentieren, um die oben

genannte Vermutung für den Fall

einer späteren Anfechtung in

Anspruch nehmen zu können. Hinweise

auf die Gründe für die Zahlungsvereinbarung

– oder gar Hinweise

auf eine Zahlungsunfähigkeit

des Kunden – sollten dabei tunlich

vermieden werden, da hierdurch die

Vermutungswirkung erschüttert werden

könnte.

Verkürzung des Anfechtungszeitraums

auf vier Jahre

Anders als nach bisherigem Recht

ist eine Anfechtung gemäß § 133 InsO

jetzt „nur noch“ für Zahlungen in den

letzten vier Jahren vor dem Antrag

auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens

möglich.

Dies ist zwar immer noch eine

lange Zeit, jedoch deutlich kürzer als

der bisherige Anfechtungszeitraum

von zehn Jahren.

Reguläres Bargeschäft

anfechtungsfest

Das Bargeschäft, d.h. Fälle, in denen

der Kunde Vorkasse leistete oder den

Kaufpreis innerhalb eines kurzen

Zeitraums nach Erhalt der Ware zahlt,

war schon nach altem Recht relativ

anfechtungsfest. So kam eine Anfechtung

eines Bargeschäfts nur im Falle

einer vorsätzlichen Gläubigerbenachteiligung

gemäß § 133 InsO in

Betracht.

Angesichts der oben geschilderten

Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs

mussten aber auch in diesen

Fällen Anfechtungen befürchtet

werden. Tatsächlich hat der Bundesgerichtshof

erst kürzlich die Anfechtung

eines Bargeschäfts gemäß § 133

InsO „abgesegnet“ (BGH, Urt. v.

20.02.2015, IX ZR 180/12).

Dies hat der Gesetzgeber nun

geändert und bestimmt, dass Bargeschäfte

nur noch dann anfechtbar

sind, wenn der Kunde unlauter gehandelt

hat und der Händler dies wusste.

Beides muss der Insolvenzverwalter

beweisen, so dass auch hier – Stichwort

„Schweinehundparagraph –

Anfechtungen nur noch dann möglich

sind, wenn in missbräuchlicher Weise

Gelder zulasten anderer Gläubiger

verschoben werden.

Derartiges liegt bei normalen Bargeschäften,

bei denen Waren gegen

Zahlung ausgetauscht werden, selbstverständlich

fern. Das reguläre Bargeschäft

ist daher nach neuem Recht

anfechtungsfest, so dass z.B. durch

Vereinbarung einer Vorkassezahlung

sichergestellt werden kann, dass später

keine Anfechtung möglich ist.

Verzinsung reduziert

Nach bisherigem Recht konnte der

Insolvenzverwalter bereits ab Insolvenzeröffnung

Zinsen auf den angefochtenen

Betrag verlangen, und zwar

zu einem Zinssatz von 5 % über dem

Basiszinssatz der Europäischen Zentralbank.

Dies hat in der Vergangenheit

dazu geführt, dass Insolvenzverwalter

mit der Anfechtung bis kurz

vor Ablauf der dreijährigen Verjährung

gewartet haben, um dann erhebliche

Zinsbeträge als Nebenforderungen

geltend zu machen.

Das neue Gesetz macht Schluss

mit dieser Praxis und bestimmt, dass

der anfechtende Insolvenzverwalter

Zinsen erst dann verlangen kann,

wenn sich der Händler mit der Zahlung

an den Insolvenzverwalter in

Verzug befindet oder von diesem

bereits verklagt worden ist.

Dies ist sehr zu begrüßen – umso

mehr, als die Zinsregelung be reits für

er öff ne te In sol venz ver fah ren Anwendung

findet. Für die se gilt sie al ler -

dings nicht rück wir kend, son dern erst

ab In kraft tre ten des Ge set zes. In laufenden

Verfahren fal len daher noch bis

zum In kraft tre ten der Gesetzesänderung

Zinsen ab Insolvenzeröffnung

an, danach erfolgt eine Verzinsung

nur dann, wenn sich der An fech tungs -

geg ner in Ver zug be fin det.

Reformiertes Gesetz greift nur

für neue Insolvenzverfahren

Bleibt die Frage, ab wann das neue

Insolvenzanfechtungsrecht gilt.

Hierzu hat der Gesetzgeber bestimmt,

dass auf Insolvenzverfahren, die vor

dem Inkrafttreten des neuen Gesetzes

eröffnet worden sind, mit Ausnahme

der Verzinsung (s. o.) weiterhin

die bis dahin geltenden Vorschriften

anzuwenden sind.

Soweit daher bereits in der Vergangenheit

ein Insolvenzverfahren

über das Vermögen des Kunden eröffnet

wurde, können Insolvenzverwalter

weiterhin Anfechtungen nach dem

alten Recht und der insoweit sehr

anfechtungsfreundlichen Rechtsprechung

des Bundesgerichtshofs aussprechen.

Soweit dagegen erst nach Inkrafttreten

des Gesetzes ein Insolvenzverfahren

eröffnet wird, findet das

neue Recht in vollem Umfang

Anwendung. In diesen Verfahren

können daher Vorsatzanfechtungen

gemäß § 133 InsO nur noch unter

deutlich erschwerten Bedingungen

ausgesprochen werden. Eine Anfechtung

von handelsüblichen Bargeschäften

kommt dann nicht mehr in

Betracht.

Fazit

Der jahrelange Kampf der Wirtschaftsverbände

und das zähe Ringen

um eine gesetzgeberische Eindämmung

der „Anfechtungsflut“ haben

sich gelohnt. Endlich hat der Gesetzgeber

seiner Ankündigung im Koalitionsvertrag,

„das Insolvenzanfechtungsrecht

im Interesse der Planungssicherheit

des Geschäftsverkehrs auf

den Prüfstand zu stellen“, Taten folgen

lassen.

Zwar findet das alte Recht noch

auf „Altfälle“ Anwendung. Jedoch

kann schon in Kürze mit einem deutlichen

Rückgang der Anfechtungsfälle

gerechnet werden. Daran wird

auch der Bundesgerichtshof voraussichtlich

nichts ändern können, da

dessen anfechtungsfreundliche Rechtsprechung

zum alten Recht durch die

Gesetzesänderung weitgehend obsolet

wird.

Für den Handel bedeutet das

Gesetz zur Reform der Insolvenzanfechtung

daher einen wichtigen Meilenstein.

Es schafft – endlich! – mehr

Rechtssicherheit und führt dazu,

dass der Handel bei freiwilliger

Gewährung von längeren Zahlungszielen

nicht mehr befürchten muss,

hierfür nachträglich „abgestraft“ zu

werden. 2

Stahlreport 4|17

39


BDS

Recht

Über die Bereitschaft zu Streitbeilegungsverfahren muss informiert werden

Neue Informationspflichten

für Unternehmer

Ab dem 1. Februar 2017 sind neue Vorschriften des Verbraucherstreitbeilegungsgesetzes in Kraft

getreten. Seit diesem Zeitpunkt bestehen besondere Informationspflicht für alle Unternehmen,

die eine Webseite unterhalten und/oder Allgemeine Geschäftsbedingungen verwenden (§§ 36, 37

Verbraucherstreitbeilegungsgesetz) und mehr als zehn Personen beschäftigen. Hintergründe

erläutert Tim Lieber, Rechtsanwalt von Henseler & Partner Rechtsanwälte mbB.

Diese Unternehmen sind nun

verpflichtet, Verbraucher sowohl auf

der Webseite als auch in den Allgemeinen

Geschäftsbedingungen darüber

zu informieren, ob sie an einem

Streitbeilegungsverfahren vor einer

Verbraucherschlichtungsstelle teilnehmen.

Damit soll bewirkt werden,

dass weniger Verfahren von den

Gerichten entschieden werden müssen

und häufiger Streitigkeiten in

außergerichtlichen Verfahren wie

Schlichtung, Schiedsverfahren oder

Mediation ausgetragen werden. Doch

auch die Nichtteilnahme muss

sowohl auf der Webseite und in den

Allgemeinen Geschäftsbedingungen

angegeben werden.

Soweit das Unternehmen die

Bereitschaft zur Teilnahme an einem

Streitbeilegungsverfahren vor einer

Verbraucherschlichtungsstelle er -

klärt, muss das Unternehmen zusätzliche

Informationen wie die Anschrift

und die Webseite der zuständigen

Verbraucherschlichtungsstelle für

den Verbraucher bereitstellen. Für

Stahlhändler ist dies die am Ende

dieses Beitrags angegebene Verbraucherschlichtungsstelle.

Formelle Voraussetzungen

Die nach dem Verbraucherstreitbeilegungsgesetz

verpflichtenden Infor-

mationen müssen für den Verbraucher

klar und verständlich sowie

leicht zugänglich erteilt werden.

Einen klaren und verständlichen

Hinweis sowie einen Hinweis auf die

für sie zuständige Verbraucherschlichtungsstelle

könnten Stahlhändler

z.B. mit folgenden Sätzen

erteilen:

„Wir nehmen zur Beilegung von

Streitigkeiten mit Verbrauchern an

einem Streitbeilegungsverfahren vor

folgender Verbraucherschlichtungsstelle

teil (Adressse siehe unten):

Alternativ ist auch folgende Formulierung

möglich:

„Unsere Gesellschaft ist nicht

bereit und auch nicht verpflichtet, an

Streitbeilegungsverfahren vor einer

Verbraucherschlichtungsstelle teilzunehmen.“

Zur Sicherstellung einer leichten

Zugänglichkeit der oben genannten

Informationen empfiehlt es sich,

diese in das Impressum der Unternehmenswebseite

einzubinden.

Denn auch das Impressum muss

nach den gesetzlichen Vorgaben

unmittelbar erreichbar und ständig

verfügbar zu sein. Für die Aufnahme

in die Allgemeinen Geschäftsbedingungen

empfiehlt es sich, einen

gesonderten Punkt wie „Streitbeilegungsverfahren

vor einer Verbraucherschlichtungsstelle

aufzunehmen.

Achtung: Abmahngefahr!

Auch wenn man sich über die Sinnhaftigkeit

der Informationspflicht

nach dem Verbraucherstreitbeilegungsgesetz

streiten kann, ist es für

Unternehmen ratsam, die o.g. Informationen

in ihre Webseiten und AGB

zu integrieren. Andernfalls müsste

mit unliebsamer Post gerechnet werden,

denn das Fehlen der obigen

Angaben stellt einen Wettbewerbsverstoß

dar. Unternehmen drohen

daher im Falle der Nichtbeachtung

Abmahnungen und/oder Unterlassungsverfahren.

Angesichts dessen, dass der Ausspruch

von Abmahnungen bei manchen

Anwälten ein „beliebter Sport“

– und einfaches Mittel zur Geldbeschaffung

– ist, empfiehlt es sich,

die Umsetzung der o.g. Informationspflichten

so bald wie möglich in

Angriff zu nehmen. 2

Allgemeine Verbraucherschlichtungsstelle

des Zentrums für Schlichtung e.V.

Straßburger Straße 8

77694 Kehl am Rhein

Tel. +49 7851 7957940

Fax +49 7851 7957941

E-Mail: mail@verbraucherschlichter.de

40 Stahlreport 4|17


Kommunikation

Austausch unter Partnern

Europäisches Verbändetreffen in Warschau

Im Vorfeld einer Eurometal-Konferenz

in Warschau trafen sich die Vertreter

führender europäischer Stahlhandelsverbände

auf Einladung des polnischen Verbands

des lagerhaltenden Stahlhandels

PUDS zum Meinungsaustausch.

Dabei stellte der gastgebende polnische

Verband seinen Aufbau, seine Mitgliederstruktur

und seine Hauptaufgaben vor. Es

wurde hervorgehoben, dass sich in den letzten

Jahren die eigenen Aufgabengebiete

stark verändert haben – teilweise sogar von

Jahr zu Jahr. Neben einigen klassischen Verbandstätigkeiten

habe man sich ganz

bewusst von einigen anderen Aufgabenfeldern

getrennt, um sich um die Dinge kümmern

zu können, die für die Mitgliedsunternehmen

jeweils im Fokus standen und

stehen.

Ein weiterer Punkt bei dem Treffen waren

die unterschiedlichen Ansätze von Unternehmen

der Stahldistribution beim Thema

Digitalisierung. Auch der in manchen Baubereichen

spürbare Substitutionsprozess

BDS-Infoveranstaltung

Compliance

Die Sensibilisierung für Compliance-

Themen hat in den vergangenen Jahren stark

zugenommen. Der Bundesverband Deutscher

Stahlhandel (BDS) bietet im Mai 2017 dazu an

drei Terminen Infoveranstaltungen an:

3.5. in Hannover-Lehrte

23.5. in Duisburg

31.5. in Merklingen

(jeweils von 14 bis 16 h)

In dieser Veranstaltungsreihe, die sich exklusiv an die BDS-Mitgliedsunternehmen richtet

und für diese kostenlos ist, soll dafür sensibilisiert werden, wo die Grenzen zwischen einem

guten Miteinander liegen und ab welchem Umfang z.B. Einladungen und Zuwendungen kritisch

angesehen werden können. Darüber hinaus wird vorgestellt, wie man sich bei verbandlichen

Sitzungen verhalten sollte: Welche Themen können bedenkenlos behandelt werden

und welche sind von vornherein auszuklammern?

Eingeladen sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Mitgliedsunternehmen des BDS, insbesondere

die Unternehmensvertreter, die regelmäßig BDS-Veranstaltungen wie Seminare,

Kongresse und Regionalkreistreffen besuchen.

[ Info ]

Weitere Informationen und Anmeldung unter www.stahlhandel.com, per Mail an info-bds@stahlhandel.com

oder unter +49 211 86497-0.

Foto: BDS/fe

Warschau begrüßte die Vertreter der europäischen

Verbände mit kühlen Temperaturen.

von Stahl zu Gunsten von Holz wurde thematisiert,

ebenso der Einfluss der Stahlbaunorm

EN 1090 auf die Stahldistribution.

Einen großen Anteil der Diskussion nahmen

die derzeit laufenden Antidumpingverfahren

und die jüngst von der europäischen Kommission

verhängten Zölle ein. Für und Wider

dieser Maßnahmen wurden aus Sicht der

europäischen Stahldistribution diskutiert.

Foto: BDS

Rosemarie Thust

hat sich Ende März als Mitarbeiterin des

BDS verabschiedet – und ist nach 46 Jahren

Tätigkeit für den Bundesverband

Deutscher Stahlhandel in den Ruhestand

getreten. Dort hatte sich die in Düsseldorf

geborene und in Köln lebende Verbandsmitarbeiterin

insbesondere um die

administrative Betreuung der Mitgliedsunternehmen

gekümmert, von denen

viele bereits in den Vorgängerorganisationen

des 1969 gegründeten BDS engagiert

waren. Nun

ist es an ihrer

Nachfolgerin

Susanne Wagner,

diese Begleitung

auch in Zukunft

zu gewährleisten.

Dazu gehört im

Foto: BDS

Übrigen auch das

Stahlgolfturnier

um den Thoelke-Cup, das Rosemarie

Thust (65) an der Seite unterschiedlicher

BDS-Vorstände jahrelang mit organisiert

hat. Auch daran wurde in einer kleinen

Feierstunde erinnert, mit der sich Rosemarie

Thust an ihrem letzten Arbeitstag

als bis dahin Dienstälteste aus dem Kreis

ihrer BDS-Kolleginnen und -Kollegen verabschiedet

hat.

Nissen & Velten: Zehn

Jahre BDS-Fördermitglied

Auf dem BDS-Betonstahltag im Januar hat

der Bundesverband Deutscher Stahlhandel

(BDS) den Softwarehersteller Nissen

& Velten mit einer Urkunde geehrt.

Anlass der Ehrung am Rande der Fachtagung

war das zehnjährige Jubiläum der

Fördermitgliedschaft von Nissen & Velten.

In Empfang genommen haben die

Urkunde im Namen des gesamten Unternehmens

Christof Biedermann und Gregor

Bonse von Nissen & Velten.

Oliver Ellermann, Vorstand BDS (Mitte),

überreichte die Urkunde für zehnjährige Fördermitgliedschaft

an Christof Biedermann (r.)

und Gregor Bonse – beide Nissen & Velten.

Stahlreport 4|17

41


BDS

Berufsbildung

Wie (nicht nur) Auszubildende von Auslandsaufenthalten profitieren sollen

Reisen bildet

Gibt es einen zusätzlichen Bedarf für die Förderung weltweiter Auslandsaufenthalte von

Auszubildenden? Um dies besser abschätzen und derzeitige Fördermöglichkeiten eventuell

erweitern zu können, hatte das BIBB im Auftrag BMBF eine Bedarfsabfrage gestartet – und

der BDS hat sich daran beteiligt, damit ggf. auch für den Stahlhandelsnachwuchs künftig

mehr solcher Bildungsreisen angeboten werden können.

Drei Gründe führten den Bundesverband

Deutscher Stahlhandel

(BDS) zum Tenor seiner bewusst auf

die gesamte Berufsbildung bezogenen

Stellungnahme:

z Zum einen hat sich in den vergangenen

Jahren auch im verbandlichen

Bereich der Eindruck verfestigt,

dass einem steigenden Interesse

an auslandbezogener Berufsbildung

weniger Angebote aus

Fachkreisen gegenüberstehen.

z Zweitens legt es gerade die inzwischen

intensivere Bezugnahme von

Berufsbildungsaktivitäten auf den

Deutschen/Europäischen Qualifikationsrahmen

nahe, entsprechende

Potenziale zum Erwerb personaler

und interkultureller Kompetenzen

auch zu nutzen.

z Schließlich zeigt ein aktueller Blick

auf die Tourismusbranche, die sich

im März in Berlin auf der ITB präsentiert

hat, dass ein solches Reisethema

im kommerziellen Bereich

noch nicht angekommen und deshalb

auf öffentliche Unterstützung

angewiesen ist.

Auf der Internationalen Tourismusbörse

(ITB) waren außer der klassischen

Länderorientierung inhaltliche

Segmentierungen nur ansatzweise

erkennbar. Man kann sich zwar weltweit

die Zähne richten und sich in

vielen Ländern eine Fahrerlaubnis

ausstellen lassen, im engeren Bildungsbereich

geht das Angebot

jedoch nicht über die Organisation

von Klassenfahren und die typischen

Sprachreisen hinaus. Und zur beruflichen

Bildung reichte das Angebot

nur bis „Erasmus für Jungunternehmer“,

ein europäisches Austauschprogramm

für Existenzgründer.

Vor diesem Hintergrund passte

die neuste Umfrage der Nationalen

Agentur des Bundesministeriums

für Bildung und Forschung (BMBF)

in die Zeit. Bis zum 31. März 2017

konnten interessierte Unternehmen,

Verbände, Kammern und nichtschulische

Berufsbildungseinrichtungen

an der Befragung teilnehmen und

unverbindlich ihr Interesse an weltweiten

Auslandsaufenthalten für

ihre Auszubildenden bekunden.

Zuletzt hatten die Initiatoren dieser

Erhebung festgestellt, dass die

Nachfrage nach Auslandsaufenthalten

während der Ausbildung in

Europa in den letzten Jahren stark

gestiegen ist. Das BMBF verfolgt das

Ziel, dass bis 2020 mindestens 10 %

der Lehrlinge während ihrer Ausbildung

Auslandserfahrung sammeln.

Dieses Ziel hatten die Arbeitgeber

bereits in ihrem Positionsund

Perspektivpapier „Bildung

schafft Zukunft 2012“ formuliert.

Derzeit sind laut Berufsbildungsbericht

etwa 4,5 % der Personen in

beruflicher Erstausbildung international

mobil, 2009 lag der Wert bei

rund 3 %. 2

42 Stahlreport 4|17


Berufsbildungsausschüsse beraten in Berlin

Zahlreiche Neuregelungen

Neuregelungen standen auf den Tagesordnungen der Sitzungen der Berufsbildungsausschüsse von

BGA und HDE Anfang März in Berlin, in denen auch der BDS vertreten war: Die veränderte Ordnung der

Ausbildung für Groß- und Außenhandelskaufleute gehörte ebenso dazu wie die neuen Kaufleute für

den E-Commerce, über ein mögliches DQR-Gesetz wurde informiert und zu elektronisch geführten

Berichtsheften. Geworben wurde zudem für die KWB-Tagung Ende April in Achern.

Tagungsthema sind dann

„Berufliche Karrieren in Zeiten der

Digitalisierung“ und das „Lernen in

vernetzten Arbeitswelten“. Zu dem

Jahrestreffen der kaufmännischen

Ausbildungsleiter hat das Kuratorium

der Deutschen Wirtschaft für

Berufsbildung (KWB) eingeladen.

Die Konferenz am 26./27.4.17 in

Achern hat diesmal der Bundesverband

Deutscher Stahlhandel (BDS)

koordiniert und wird dabei u.a. von

der KASTO Maschinenbau GmbH &

Co KG unterstützt, in deren Firmenzentrale

die Tagung stattfindet.

Die dann anzusprechende Digitalisierung

war auch der Auslöser

für den Plan, die Ausbildung für

künftige Kaufleute im Groß- und

Außenhandel neu zu ordnen. Der

Bundesverband Großhandel, Außenhandel,

Dienstleistungen (BGA) hat

vor einiger Zeit mit entsprechenden

Vorbereitungsarbeiten begonnen

und dabei insbesondere die Entwicklungen

im E-Business in den Blick

genommen. Das offizielle Neuordnungsverfahren

für künftige „Kauf-

leute im Groß- und Außenhandelsmanagement“

(Arbeitstitel) könnte

frühestens 2019 abgeschlossen werden,

war jetzt auf der Sitzung in Berlin

zu hören.

Ein Jahr eher an sein Ziel kommen

könnte das Projekt „Kaufmann/Kauffrau

im E-Commerce“.

Es war in der Vergangenheit sowohl

vom BGA als auch vom Handelsverband

Deutschland (HDE) begleitet

bzw. vorangetrieben worden. Es handelt

sich bei dem Vorhaben um einen

völlig neuen Ausbildungsberuf, dessen

Markteignung sich erst noch zeigen

muss. Vor diesem Hintergrund

wurde bei den Sitzungen in Berlin

auch darüber gesprochen, wie potenzielle

Ausbildungsunternehmen am

besten über die neuen Möglichkeiten

informiert werden können.

Thema der Tagung der kaufmännischen

Ausbildungsleiter in Achern

wird auch der Deutschen Qualifikationsrahmen

(DQR) sein, der seit

mittlerweile zehn Jahren in einem

achtstufigen System unterschiedliche

berufliche, schulische und aka-

demische Bildungsabschlüsse vergleichbar

machen soll. Trotzdem

konnten viele Fragen in diesem

Zusammenhang bisher nicht beantwortet

werden. Das könnte durch

ein DQR-Gesetz anders werden. Zu

entsprechenden Überlegungen

wurde auf der HDE-Sitzung informiert.

Dabei wurde aber auch deutlich,

dass es eine solche Regelung in

der laufenden Legislaturperiode

wahrscheinlich nicht mehr geben

wird.

Durch Gesetzesänderungen noch

in diesem Jahr variiert wird aber

wohl die Regelung zu ausbildungsbegleitenden

Berichtsheften, die

künftig wohl auch in elektronischer

Form zur Prüfung vorgelegt werden

können. Dazu blieben aber Interpretationsspielräume

abzuwarten, kündigte

Katharina Weinert vom HDE

an. Sie ist eine der Referentinnen

auf der Tagung der kaufmännischen

Ausbildungsleiter und übernimmt

derzeit von Wilfried Malcher die

HDE-Geschäftsführung in Sachen

Bildung und Berufsbildung. 2

[ Info ]

Weitere Auskünfte

zur KWB-Tagung und

entsprechende An -

meldemöglichkeiten

bietet auch der BDS:

Wynands-BDS@

stahlhandel.com.

Stahlreport 4|17

43


Fernstudium Betriebswirt Stahlhandel (BDS)

Betriebswirt Metallhandel (WGM)

Betriebswirt Metallhandel (VDM)

BDS

Berufsbildung

Quelle, 2: BDS

Dreijähriges Fernstudium zum Betriebswirt

Entscheidende Anmeldephase

Das Anmeldeverfahren für das dreijährige BDS-Fernstudium zum Betriebswirt/zur Betriebswirtin ab

1.7.17 geht in seine entscheidende Phase: Interessierte, die im vergangenen Jahr nicht zum Zuge

gekommen waren, konnten sich bis zum 30.3.17 verbindlich registrieren lassen. Für die restlichen

Plätze gilt der 31.5.17 als Anmeldefrist. Bis dahin will sich auch die ZFU über die Art der Zulassung des

reformierten und nun digitalisierten Weiterbildungsangebots geäußert haben.

Sie bringen Motivation mit?

Wir liefern das Know-how!

Machen Sie berufliche Karriere

durch ein berufsbegleitendes Fernstudium

fern-studium

Dieser Flyer enthält

alle wichtigen Informationen

zum neuen

Jahrgang in dem

dreijährigen berufsbegleitenden

Fernstudium.

Mit einem Flyer, der dieser

Ausgabe der Fachzeitschrift Stahlreport

beiliegt, informieren der Bundesverband

Deutscher Stahlhandel

(BDS) und die für dieses Projekt mit

ihm kooperierenden Verbände, der

Verband deutscher Metallhändler

(VDM) sowie der Wirtschaftsverband

Großhandel Metallhalbzeug

(WGM), über diese branchenspezifische

Berufsbildung. Inzwischen

haben fast 500 Mitarbeiterinnen und

Mitarbeiter dieses Angebot, das seit

1995 – in damals noch zweijähriger

Form und mit anderen Abschlusstiteln

– im Markt ist, erfolgreich absolviert.

Der nun anlaufende 21. Jahrgang

wird erstmals digital angeboten.

Dafür sind die bisher fast 30 Studienbriefe

in etwa 60 Studienmodule

umgewandelt worden, die mittels

der elektronischen Bildungsplattform

OPAL auch am Bildschirm bearbeitet

werden können.

Dies bedeutet nicht nur eine technische

Umstellung. Bei der Staatlichen

Zentralstelle für Fernunterricht

(ZFU) in Köln hat der BDS mit seinem

Antrag auf eine wesentliche

Änderung des bisherigen Angebots

auch ein angepasstes pädagogisches

Konzept eingereicht. Dieses beinhaltet

zudem eine Stärkung des Kontinuierlichen

Verbesserungsprozesses,

mit dem die unterschiedlichen

Akteursgruppen – wie Autoren, Referenten,

Prüfer usw. – gewährleisten

wollen, dass das Fernstudium inhaltlich

sowie didaktisch und technisch

auf der Höhe der Zeit bleibt. Im Vorfeld

der beantragten wesentlichen

Änderung hatte die ZFU dem BDS

und seinen Partnern erlaubt, auf der

Basis des alten Angebots auch schon

für die neue Variante werben zu dürfen.

Das alte und das neue Fernstudium

haben das Ziel einer branchennahen

und berufsbegleitenden Weiterbildung

von angehenden

Führungskräften, die sich an der

Stufe 7 des Deutschen Qualifikationsrahmens

orientiert.

Eine Betriebswirtin/ein Betriebswirt

BDS/VDM/WGM verfügt demnach

über

z in Prüfungen nachzuweisende

Kompetenzen

z zur Lösung von neuen und komplexen

Aufgaben,

z zur eigenverantwortlichen Steuerung

von Prozessen sowie

Eine Betriebswirtin/ein Betriebswirt BDS/VDM/WGM verfügt über

- in Prüfungen nachzuweisende Kompetenzen

- zur Lösung von neuen und komplexen Aufgaben,

- zur eigenverantwortlichen Steuerung von Prozessen sowie

- zum Umgang mit häufigen und unvorhersehbaren Veränderungen

- in einem strategieorientierten beruflichen Tätigkeitsfeld.

Dieses Profilbild

beschreibt die

Kompetenzen, über

die künftige

Betriebswirte

BDS/VDM/WGM

verfügen.

44 Stahlreport 4|17


z zum Umgang mit häufigen und

unvorhersehbaren Veränderungen

z in einem strategieorientierten

beruflichen Umfeld.

Aus diesen allgemeinen Vorgaben

leiten sich die konkreten Lernziele in

den drei zu unterrichtenden Fachbereichen

der Technik (Werkstoff- und

Produktkunde, Anarbeitung), Wirtschaft

(kaufmännische Kompetenzen

sowie Führungskompetenzen und

Methodik (Selbst- und Sozialkompetenz)

ab. Dabei wird der seit einiger

Zeit in der Berufsbildung praktizierte

Paradigmenwechsel umgesetzt, nicht

mehr nur für spezielle Qualifikationen

auszubilden, sondern zum selbständigen

Erwerb von Kompetenzen

zu befähigen, die dann zur jeweils

erforderlichen speziellen Qualifikation

genutzt werden können.

Die rund 60 Studienmodule müssen

in den drei Studienjahren selbständig

durchgearbeitet werden.

Diese Lerntätigkeit wird in sechs Präsenzphasen

(insgesamt rund 24 Tage)

im Seminarstil vorbereitet. (Das erste

Pflichtseminar findet vom 1. bis 6.7.17

in Soltau statt.) Alle sechs Veranstaltungen

dienen zudem dazu, mit den

anstehenden Prüfungssituationen

professionell umgehen zu können.

Es gibt insgesamt drei Prüfungen

(jeweils schriftlich und mündlich);

außerdem müssen die Teilnehmerinnen

und Teilnehmer eine Studienarbeit

zu einem selbstgewählten Thema

möglichst aus dem eigenen Unternehmen

verfassen.

Studienvoraussetzungen sind

eine abgeschlossene Berufsausbildung,

zum Zeitpunkt der Prüfung

mindestens fünf Jahre Berufspraxis,

während des Fernstudiums eine

Berufstätigkeit in der Branche sowie

– auf der technischen Seite – ein internetfähiger

Arbeits- bzw. Lernplatz.

Weitere Auskünfte und Registrierungsunterlagen

halten die drei

beteiligten Fachverbände bereit:

z BDS AG – Bundesverband Deutscher

Stahlhandel (fernstudiumbds@stahlhandel.com)

z Verband Deutscher Metallhändler

(vdm@vdm.berlin)

z Wirtschaftsverband Großhandel

Metallhalbzeug

(info@wgm-berlin.de) 2

Lernangebote für Auszubildende im

und Quereinsteiger in den Stahlhandel

Werkstoff- und Produktkunde

sowie Verkauf

Die Zielgruppe der Auszubildenden im und der Quereinsteiger in

den Stahlhandel fest im Blick hat der BDS, wenn er in diesen Wochen

besonders zum Lernteam „Werkstoff- und Produktkunde“ nach

Goslar und zum Lernteam „Verkauf“ nach Nürnberg einlädt.

Lernteams sind Seminarveranstaltungen

für die speziellen Berufsbildungsbedürfnisse

von neuen Branchenmitarbeiterinnen

und -mitarbeitern.

Dies gilt beim Bundesverband

Deutscher Stahlhandel (BDS) sowohl

inhaltlich, denn es werden keine

besonderen Vorkenntnisse vorausgesetzt,

als auch didaktisch – hinsichtlich

der Art und Weise, wie die neuen

Wissenskomplexe den Teilnehmern

erschlossen werden.

Vor diesem Hintergrund bietet

der BDS die beiden Veranstaltungen

im Mai bzw. im Juni 2017 an:

z Werkstoff- und produktkundliches

Wissen aus ihrer Branche ist auch

für künftige Kaufleute im Groß- und

Außenhandel als Inhalt des Prüfungsgesprächs

wichtig. Diese Themen

sollten deshalb möglichst ganzheitlich

Gegenstand der Ausbildung

sein. Entsprechend ist das Lernziel

für den dreitägigen Kurs in Goslar

formuliert. Erreicht werden soll es

auch durch eine geführte Betriebsbesichtigung

in der Stahlproduktion

der Salzgitter AG. Das Lernteam

findet vom 22.-24.5.17 statt.

z Neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

des Stahlhandels, seien es Auszubildende

oder Quereinstieger, benötigen

nicht nur dieses technische Wissen,

sondern auch branchennahe Fertigkeiten

im Verkauf. Ihnen diese in

einem komprimierten Kurs nahezubringen,

ist die Aufgabe des Tagesseminars,

das als „Lernteam Verkauf“

am 2.6.17 in Nürnberg angeboten

wird und auch entsprechende Trainingseinheiten

umfasst. 2

[ Info ]

Treffen in Lüneburg

Seminar zu Qualitäts- und Edelstählen

Für weitere Auskünfte und Anmeldungen

ist der BDS zuständig:

Wynands-BDS@stahlhandel.com.

Das nächste BDS-Seminar „Qualitäts- und Edelstähle“ findet am 1. und

2.6.17 in Lüneburg statt. Referent dort ist Dr. Dipl.-Ing. Manfred Feurer. Seminarziel

ist es, den Teilnehmerinnen und Teilnehmern eine Übersicht zu den Sorten

der Qualitäts- und Edelstähle zu verschaffen und Merkmale einer alternativen

Werkstoffauswahl zu vermitteln. Ebenso sollen sie in dem Seminar lernen, den

Aufbau der Stahlwerkstoffe sowie die Eigenschaften der wichtigsten Stahlqualitäten

und deren technische Verwendungseinsätze zu beurteilen. Lernzeile sind

außerdem der Vergleich zwischen alter und neuer Normung in diesem Bereich

sowie das Kennenlernen von Wärmebehandlungsverfahren ausgewählter Werkstoffe,

der Korrosion und des Korrosionsschutzes sowie der Werkstoffprüfung.

Auf dem Programm stehen Vorträge, die Vorstellung von Beispielen aus der Praxis,

die Präsentation von Anschauungsmodellen, Diskussionen – sowie die

Bereitstellung umfangreichen Begleitmaterials.

[ Info ]

Für Auskünfte und Anmeldungen ist der Bundesverband Deutscher Stahlhandel (BDS)

zuständig: Wynands-BDS@stahlhandel.com.

Stahlreport 4|17

45


BDS

Berufsbildung

Ort der diesjährigen KWB-Tagung der

kaufmännischen Ausbildungsleiter:

die Firmenzentrale der KASTO

Maschinenbau GmbH.

Foto: Kasto

Tagung der Kaufmännischen Ausbildungsleiter

Praxisbeispiele in Workshops

„Berufliche Karrieren in Zeiten der Digitalisierung – Lernen in vernetzten Arbeitswelten“ lautet das

Motto der diesjährigen Tagung der kaufmännischen Ausbildungsleiterinnen und Ausbildungsleiter,

zu der insbesondere KWB und BDS einladen. Umgesetzt wird dieser Anspruch vor allem u.a. in fünf

Workshops. In einem davon geht es auch um das Berufsbildungsbeispiel Stahlhandel.

[ Info ]

Weitere Informationen

und Anmeldemöglichkeiten

zu

der Tagung der kaufmännischen

Ausbildungsleiterinnen

und -leiter gibt es

im Internet unter

www.kwbberufsbildung.de/

aktuelles/

veranstaltungen.

„Und wie geht’s weiter nach

der Ausbildung? Perspektiven für

Ausgebildete“ – so lautet das Thema

dieses Workshops, der von Markus

Bell (SAP SE) sowie von Dr. Manfred

Feurer und Dr. Ludger Wolfgart (beide

BDS AG – Bundesverband Deutscher

Stahlhandel) gestaltet wird.

Zum Hintergrund

Die Attraktivität von Ausbildungsunternehmen

für Schulabgänger und

Ausgebildete wird heutzutage neben

den qualitativen Merkmalen der dualen

Ausbildung maßgeblich durch

die betrieblichen und branchenspezifischen

Perspektiven bestimmt.

Anhand von konkreten Beispielen

aus der Praxis sollen unterschiedliche

Karrierepfade, Weiterbildungsmöglichkeiten

sowie Qualifikationswege

vorgestellt und diskutiert werden.

Das gilt auf der einen Seite für

die firmeninternen, aber globalen

Chancen, die das Softwarehaus SAP

bietet. Auf der anderen Seite geht es

um die branchenspezifischen Möglichkeiten

des BDS-Fernstudiums

u.a. zur Betriebswirtin Stahlhandel/

zum Betriebswirt Stahlhandel.

Die weiteren Workshops finden

ebenfalls am ersten Veranstaltungs-

tag zwischen 15:30 und 17:30 Uhr

statt – zu den folgenden Themen:

z „Wie man Auszubildende findet

und Ausbildungsabbrüche vermeidet“

z „Neuordnung von Ausbildungsberufen

in Zeiten der Digitalisierung“

z „Digitalisierung in der Berufsschule

– Das beispiel der Lernfabriken

4.0“

z „Geflüchtete als Azubis: Welche

Möglichkeiten, Herausforderungen

und Unterstützung gibt es?“

Über allen Arbeitsgruppen steht der

Megatrend der Digitalisierung. Von

ihr ist die Berufsbildung gleich doppelt

betroffen. Durch die zunehmende

Vernetzung verändern sich

zum einen immer mehr Lerninhalte,

durch die Technik aber auch die

Lernformen.

Rahmen gesetzt

Den Rahmen auch für die genannten

Workshops haben das Kuratorium

der Deutschen Wirtschaft für

Berufsbildung (KWB) und der BDS

gemeinsam gesetzt, indem sie für

den Eröffnungs- und Abschlussvortrag

einen Wissenschaftler bzw.

einen Praktiker um einen Beitrag

gebeten haben. Zu Beginn referiert

Dr. Georg Wittmann (Research

Director der ibi research an der

Universität Regensburg GmbH)

großhandelsbezogen über das

„Online-Kaufverhalten im B2B-E-

Commerce“, und den Schlusspunkt

setzt Tim Milde (Geschäftsführer

kloeckner.i GmbH) mit seinen Ausführungen

über „Die disruptive

Entwicklung von Geschäftsmodellen

für den Stahlhandel und ihre

Auswirkungen auf die Berufsbildung

– der Weg des Handelshauses

Klöckner“.

Zum Programm gehört auch ein

„Markt der Möglichkeiten“, auf dem

rund ein Dutzend Anbieter ihre Produkte

und Dienstleistungen für die

Berufsbildung insbesondere des

Großhandels präsentieren bzw. in

Kurzvorträgen vorstellen.

Weitere Partner der diesjährigen

KWB-Tagung sind – außer dem

BDS – die IHK Südlicher Oberrhein

sowie die Schwarzwald-Eisenhandel

GmbH & Co. KG. Passend zum Veranstaltungsort

gibt es für die rund

100 erwarteten Teilnehmerinnen

und Teilnehmer zwischen den beiden

Veranstaltungstagen einen

„Badischen Abend“. 2

46 Stahlreport 4|17


Zahlen zum Ausbildungsjahr

Handel stabil im Wandel

Die BA hat Ende Januar u.a. über den Stand der Nachvermittlung

zum neuen Ausbildungsjahr informiert, in dem die Lage für die

Unternehmen angespannt ist. Bei einem Rückblick auf 2016 hatte

der HDE kurz vorher für den Distributionssektor allerdings eine

teilweise bessere Bilanz gezogen – insbesondere auch für den

Groß- und Außenhandel.

Im sogenannten fünften Quartal,

der Nachvermittlung im Berichtszeitraum

von Oktober bis Dezember,

versuchen zahlreiche Betriebe,

ihre noch oder erneut freien Ausbildungsplätze

zu besetzen, und auch

viele junge Menschen sind noch oder

erneut auf der Suche nach einer entsprechenden

Chance.

Konkret konnte die Zahl der am

30. 9. 2016 noch unversorgten Bewerber

(20.500) bis Mitte Januar 2016

um 8.800 oder 43 % auf 11.800 reduziert

werden. Zum gleichen Zeitraum

im Vorjahr gelang dies in ähnlichem

Umfang.

Nach Anhaben der Bundesagentur

für Arbeit (BA) habe sich gezeigt,

dass die Chancen der Jugendlichen

auf einen Ausbildungsvertrag in der

Nachvermittlung sehr gut waren und

weiterhin sind. Die Betriebe hätten

jedoch zunehmend Rekrutierungsprobleme.

Distribution

Mitte Januar hatte der Handelsverband

Deutschland (HDE) für die Distribution

mitgeteilt, dass 2016 die

Zahl neu abgeschlossener Ausbildungsverträge

2016 geringfügig um

0,4 % auf 520.332 gesunken ist. Das

Ausbildungsangebot habe leicht

zugenommen auf 563.808, während

die gesamte Ausbildungsnachfrage

ebenfalls um 0,4 % auf 540.808 ein

wenig abgenommen habe. Zugleich

hätten sich wieder einmal die Passungsprobleme

verstärkt: Ausbildungsangebote

und Ausbildungsnachfrage

passen strukturell (insbesondere

nach Berufen und Regionen)

nicht mehr so gut wie früher

zusammen.

Wiederum habe es am Ende des

Berufsberatungsjahres zum 30. September

2016 mehr noch offene Ausbildungsplätze

(43.478 – so viele

wie nie seit 1995) als noch nicht

vermittelte Bewerber (20.550) gegeben.

Der Handel habe in diesem

Umfeld – gemessen an der Entwicklung

insgesamt, die u.a. das Bundesinstitut

für Berufsbildung (BIBB)

aktuell dokumentiert (vgl. Tabelle)

– ein ordentliches Ausbildungsergebnis

erzielt:

z In den Einzelhandelsberufen wurden

im vergangenen Jahr 49.041

neue Ausbildungsverträge ge -

schlossen, 3,4 % weniger als 2015.

z Kaufleute im Groß- und Außenhandel

verzeichneten mit einem Plus

von 0,01 % auf 14.463 neue Verträge

ein stabiles Ergebnis. 2

Quelle: BIBB, Erhebung zum 30.9.17

Neue Ausbildungsverträge

Beruf 2016 2015 2014 2013 2012 2011 2010 2009 2016 zu

2015 in %

Kaufmann/-frau

im Einzelhandel 25.191 26.175 26.514 26.871 27.288 29.801 29.740 31.257 -3,8

Verkäufer/-in 23.850 24.609 25.209 25.773 26.481 27.697 27.527 26.479 -3,1

Kaufmann/-frau im

Groß- und Außenhandel 14.463 14.454 14.889 14.919 15.996 16.147 14.857 13.467 +0,1

Kaufmann/-frau für

Büromanagement 28.656 28.068 24.387 +2,1

Fachlagerist/-in 5.622 5.626 5.526 5.616 5.853 5.946 6.290 6.069 -0,1

Fachkraft für Lagerlogistik

10.317 10.176 10.167 9.897 10.335 10.688 9.590 8.242 +1,4

alle Berufe 520.322 522.165 522.231 529.542 551.217 570.140 560.037 564.307 -0,1

Neue Ausbildungsverträge

in ausgewählten

Berufen

2009 bis 2016 im

Jahresvergleich.

Stahlreport 4|17

47


Lifesteel

Berichte/Nachricht

Besucherzentrum in Sachen Stahl

Architekturwettbewerb

Das eine Modell sieht aus wie mehrere aufeinander gestapelte

Brammen, ein anderes wie eine aufgestellte Rolle aus Blech.

Ein weiterer Entwurf für ein Besucherzentrum in Sachen Stahl ist

ein roher Betonwürfel mit orangeroten Streifen, die das flüssige

Roheisen symbolisieren sollen. Ausgedacht haben sich diese

Gebäude Architekturstudenten der Fachhochschule Dortmund im

Rahmen eines Wettbewerbs.

Der ist von der Stahlsparte der

thyssenkrupp Steel Europe AG veranstaltet

worden. Aufgabe der insgesamt

18 teilnehmenden Teams war

es, ein neues Besucherzentrum für

den Standort Duisburg zu gestalten.

Am Ende gewannen mit Nele Jungnickel

und Madelaine Wrede zwei junge

Frauen. Sie überzeugten die Fach-

Jury mit einem Konzept, bei dem das

Gebäude an eine Werkhalle erinnert:

außen mit unterschiedlich farbigen

Metall-Lamellen verkleidet, innen mit

modularen Einbauten – wie sie z. T.

in der Stahlproduktion zu finden sind.

Neben guten Noten für ihre Semester-Arbeit

erhielt der Architektur-

Nachwuchs, der beim thyssenkrupp-

Wettbewerb vorne lag, auch kleine

Preise.

„Den Entwürfen der Bestplatzierten

lagen schlüssige und nachvollziehbare

Ideen zugrunde, die eine

inhaltliche bzw. bauliche Verbindung

zur benachbarten Stahlherstellung

geschaffen haben“, lobte Prof.

Dr. Helmut Hachul von der FH Dortmund

die Studierenden. Konkrete

Pläne für den Bau eines neuen Besucherzentrums,

von wo aus u. a. die

Werkführungen starten, gibt es nicht.

Sollte es in der Zukunft aber die

Möglichkeit für ein repräsentatives

Empfangs- und Informations-

Gebäude am Eingang zum Gelände

im Duisburger Norden geben, könnte

sich thyssenkrupp Steel Europe eine

Realisierung auf Grundlage des

Modells der Gewinnerinnen Nele

Jungnickel und Madelaine Wrede

später durchaus vorstellen. „Der Sieger-Entwurf

besticht durch seinen

Pragmatismus und seine leichte

Umsetzbarkeit. So könnte das Besucherzentrum

der Stahlsparte wirklich

mal aussehen“, so Hachul. 2

Fotos, 2: Gerhard Benz

Beim „Spiral-Sessel“ von Gerhard Benz dreht sich

ein Edelstahlrohr durch den Raum.

Die Spirale als Idee für das Sitzen

Ungewöhnlicher Sessel

Gerhard Benz hat auf der Möbelmesse

IMM Cologne im Januar in Köln eine besondere

Sitzkreation präsentiert. Die Form des „Spiral-

Sessels“ ist außergewöhnlich, und dennoch

kommt sie dem Betrachter irgendwie vertraut vor.

Das liegt zum einen an dem verwendeten Edelstahlrohr

mit Leder (und Holz), das man von dem

berühmten Freischwinger-Stuhl aus der Bauhaus-

Ära der 1920er kennt. Zum anderen sieht man

zumindest unbewusst, dass diese Form, die sich

da in zwei ausufernden Windungen durch den

Raum hebt, nichts anders als eine Spirale ist.

Von Haus aus Architekt, betreibt Gerhard Benz

auch ein Studio als Produktdesigner mit dem

Namen „SaallDesign“ und ist in Putbus auf der

Insel Rügen zuhause. Ähnlich zum Joghurt, falls

dieser Vergleich erlaubt ist, gibt es den „Spiral-

Sessel“ in zwei Varianten: rechts- und linksdrehend.

Wie Benz auf die Idee zu der eigentlich

naheliegenden Form gekommen ist? Er sei Bauhaus-Fan,

sagt er, aber bei jenem Stil fehle ihm

gelegentlich „der Schwung in denen Linien“.

Foto: thyssenkrupp

Mit ihrem Modell haben die Nachwuchs-Architektinnen Nele Jungnickel (l.) und

Madelaine Wrede den ersten Preis gewonnen. Ihr Entwurf ist an die Konstruktion

von Produktionshallen in der Stahlherstellung angelehnt.

Dass niemand vorher solch ein Möbel auf dem

Markt gebracht hat, mag auch mit den Tücken der

Technik zusammenhängen. Denn, wie Benz

erzählt, lassen gewöhnliche Biegemaschinen

immer ein Stück im Rohr gerade, nämlich dort wo

sie angreifen. Zwei deutsche Handwerksbetriebe

sind mit den Tischler- und Polsterarbeiten an der

Produktion beteiligt. Das Holz ist mit Hartwachs-

Öl versiegelte Kirsche, der Sitz hat eine Schaumstoffpolsterung

mit einem Überzug aus pflanzlich

gegerbtem, schwarzem Rindsleder.

[ Info ]

www.saalldesign.de

48 Stahlreport 4|17


Quelle: Bundesamt für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen (BADV),

Fotograf: Hans-Joachim Wuthenow, Berlin. Künstlerin : Stefanie Radtke, Leipzig.

Münzen und Metalle

Roter Rand

Münzen bestehen nicht mehr nur aus Metallen. Darauf hatten

Deutschlands Sammler lange gewartet: In Karlsruhe ist Ende des

vergangenen Jahres die Prägung bereits der zweiten Generation der

staatlichen Sondermünzen mit Polymerring angelaufen. In diesem

April kommt das Fünf-Euro-Stück mit zwei Metallkomponenten

und einem rotem Kunststoffring auf den Markt, meldet Schuler.

Neueste Münzpressen-Technologie

aus der Schuler-Gruppe leistet

einen wesentlichen Beitrag zu dieser

Trimaterial-Innovation bei den Zahlungsmitteln

– übrigens mit dem Motiv

„Tropische Zone“. Die erste Auflage

der mit der innovativen Technik produzierten

Fünf-Euro-Sammlermünze,

ausgestattet mit blauem Polymerring

und der Weltkugel als Motiv, war im

Frühjahr 2016 innerhalb von wenigen

Tagen ausverkauft. Zwischen Sammlern

werden die seltenen Exemplare

heute deutlich über Nennwert gehandelt.

Weitere Auflagen der Sammlermünzen

sind für die Jahre 2018 bis

2021 geplant.

Die demnächst neue Sammlermünze

wiegt 9 g und misst 27,25 mm

im Durchmesser. Produziert wird sie

Die neue Sammlermünze mit Polymerring

„Tropische Zone“.

in insgesamt fünf staatlichen Prägeanstalten

in Deutschland. Kern und

Außenring der Münze sind aus einer

Kupfer-Nickel-Legierung, der verbindende

Innenring ist aus rotem, lichtdurchlässigem

Polymer. Die Schuler-

Pressen sorgen u.a. dafür, dass die drei

Material-Komponenten so fest miteinander

verbunden werden, dass sie

nur mit höchstem Kraftaufwand wieder

voneinander getrennt werden können.

Der eingefügte Polymerring soll

die Sicherheit der Münzen deutlich

erhöhen. Weil er mit unterschiedlichen

Farbpigmenten versehen werden

kann, lässt die patentgeschützte

Technologie zudem zur Freude der

Sammler vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten

zu.

Die neue Sammlermünze wird in

der normalen Qualität „Stempelglanz“

mit einer Auflage von zwei Millionen

Stück auf den Markt kommen. Von der

noch höherwertigeren Qualität „Spiegelglanz“

werden nur 300.000 Exemplare

verfügbar sein. 2

[ Info ]

Weitere Informationen zum Verkauf

finden Interessenten auf der offiziellen

Website www.deutsche-sammlermünzen.de.

Feuerverzinkte Fassade

Neubau auf Zollverein in Essen

Auf dem zum UNESCO-Welterbe gehörenden

Zollverein-Gelände in Essen entsteht

derzeit unweit des SANAA-Gebäudes ein Neubau

der dortigen Folkwang-Hochschule für den

Fachbereich Gestaltung – mit einer feuerverzinkten

Fassade.

Das von MGF Architekten, Stuttgart, entworfene

Gebäude besteht aus unterschiedlich

großen Kuben mit eingeschnittenen Höfen

und Atrien. Die Fassade aus feuerverzinkten

Blechen und mit verglasten Bereichen orientiert

sich in ihrer Bündigkeit an der Zeche

Zollverein. Mit ihrer silbernen Oberfläche

hebt sich dieses Erscheinungsbild von den

historischen Backstein-Bauten der Bauhaus-

Zeche ab. Die Planung der feuerverzinkten

Fassade erfolgte durch Rache Engineering,

Aachen. Ab dem Wintersemester 2017 soll

der Lehrbetrieb starten.

Feuerverzinkter Stahl wird nach Beobachtungen

des Industrieverbands Feuerverzinken

und seiner Serviceorganisation, dem Institut

Feuerverzinken GmbH, zunehmend zur Fassadengestaltung

eingesetzt und kann dabei

für die entsprechenden Tragkonstruktion, die

-verkleidung sowie für Verbindungs- und

Befestigungselemente verwendet werden.

Die beiden genannten Organisationen vertreten

die deutsche Stückverzinkungsindustrie.

Im Jahr 2015 wurden in Deutschland mehr

als 1,8 Mio. t Stahl stückverzinkt. Wichtige

Mit ihrer silbernen Oberfläche hebt sich die feuerverzinkte

Fassade von den Backstein-Bauten der

Zeche Zollverein ab.

Anwendungsbereiche des Korrosionsschutzes

durch Feuerverzinken sind u. a. Architektur

und Bauwesen sowie die Verkehrstechnik

und der Fahrzeugbau.

Foto: Institut Feuerverzinken

Stahlreport 4|17

49


Lifesteel

Nachgehakt

Impressum

STAHLREPORT

Das BDS-Magazin für die Stahldistribution

Stahlhandel | Stahlproduktion |

Stahlverarbeitung

Offizielles Organ des BDS-Fernstudiums

Foto: rff

Gesichter eines Generationswechsels: Hartmut Böttche (r.) und Michael Allexi haben

gemeinsam Grund zur Freude.

Bei rff nachgehakt

Warum sich Hartmut Böttche und

Michael Allexi gemeinsam freuen

Kurz und knapp kam sie im letzten Stahlreport daher – die Meldung

auf Seite 5 von einer wichtigen personellen Weichenstellung bei rff:

Das Handelshaus für Rohre und Rohrverbindungen mit Hauptsitz

in Stuhr bei Bremen hatte zu Jahresbeginn Michael Allexi zum

zusätzlichen Geschäftsführer bestellt.

Stahlreport: „Michael Allexi

und Hartmut Böttche haben gemeinsam

Grund zur Freude“, wurde da

als Botschaft transportiert. Warum

ist das so, Herr Böttche?

Hartmut Böttche: Es freut mich,

dass ich vor gut zwei Jahren mit

Michael Allexi einen im internationalen,

lagerhaltenden Handel tätigen

Manager für das Haus rff gewinnen

konnte. Mit seiner Erfahrung

und seinen Ideen wird er das Unternehmen

auch in die Zukunft führen.

Stahlreport: Und Sie …?

Hartmut Böttche: Als Firmengründer

sehe ich mich aber auch im Jahr

2017 weiter in der Verantwortung.

Gerade bei der heutigen Marktsituation

ist es wichtig, dass die strategisch

wichtigen Entscheidungen gemeinsam

getroffen treffen.

Stahlreport: Und wie sieht das

Michael Allexi?

Michael Allexi: Für das Vertrauen,

das die Gesellschaft und Hartmut

Böttche in mich setzen, bin ich sehr

dankbar. Als Geschäftsführer sehe

ich mich in einer Position, in der ich

noch mehr Einfluss auf die positive

Weiterentwicklung des Unternehmens

nehmen werde.

Stahlreport: Meine Herren: Bitte ein

Beispiel! Das heißt konkret?

Hartmut Bötche und Michael

Allexi: Wenn wir die Anforderungen

unserer Kunden weiter in den

Fokus stellen, ist das Haus rff für die

Zukunft gut aufgestellt.

Vorgeschichte

Die Laufbahn bei der rff Rohr Flansch

Fitting Handels GmbH, die heute insgesamt

rund 360 Mitarbeiter an fünf

Standorten in Deutschland beschäftigt,

hatte für Michael Allexi am

1. September 2014 begonnen. Zu -

nächst war er in der Geschäftsleitung

in erster Linie für den internationalen

Vertrieb verantwortlich.

Im September 2015 übernahm

Allexi als Vertriebsleiter zusätzlich

die Gesamtverantwortung für die

Bereiche Verkauf national, Einkauf

und Materialwirtschaft – und ist nunmehr

seit Jahresbeginn an der Seite

von Hartmut Böttche als Geschäftsführer

für die Bereiche Verkauf und

Einkauf sowie den zugeordneten

Abteilungen verantwortlich.

Herausgeber:

Bundesverband Deutscher Stahlhandel

Max-Planck-Straße 1

40237 Düsseldorf

Redaktion:

Dr. Ludger Wolfgart (Chefredakteur)

Telefon (02 11) 8 64 97-11

E-Mail: Wolfgart-BDS@stahlhandel.com

Markus Huneke

Telefon (02 11) 8 64 97-24

E-Mail: Huneke-BDS@stahlhandel.com

Anzeigen:

Ksenija Sandek

Telefon (02 11) 8 64 97-21

E-Mail: Sandek-BDS@stahlhandel.com

Verlag:

BDS AG

Max-Planck-Straße 1

40237 Düsseldorf

Telefon (02 11) 8 64 97-0

Telefax (02 11) 8 64 97-22

Layout:

auhage|schwarz, Leichlingen

Druck:

Hellendoorn, Bad Bentheim

Erscheinungsweise: monatlich (10 Hefte/Jahr)

Bezugspreis:

Jährlich 65 im Inland und 70 im Ausland

zuzüglich Versandspesen und Mehrwertsteuer.

Abbestellungen sind lediglich unter Einhaltung

einer dreimonatigen Kündigungsfrist zum Jahres -

ende möglich. Für die Mitglieder des BDS und die

Teilnehmer im BDS-Fernstudium ist der Bezug

eines Exemplars der Fachzeitschrift „Stahlreport

im Mitgliedsbeitrag bzw. in der Studien gebühr

enthalten. Ein Nachdruck ist nur mit ausdrücklicher

Genehmigung der Redaktion gestattet.

Anzeigenpreis: Zur Zeit gilt die Preisliste Nr. 35.

Für unverlangt eingesandte Manuskripte oder

Fotos übernehmen Herausgeber, Redaktion und

Verlag keine Gewähr. Namentlich oder mit Initialen

gekennzeichnete Beiträge vertreten eine vom

Herausgeber unabhängige Meinung der Autoren.

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird mitunter

auf die gleichzeitige Verwendung mänlicher

und weiblicher Sprachformen verzichtet. Sämtliche

Personenbezeichnungen gelten gleichwohl

für beiderlei Geschlechter.

Außerdem bittet die Redaktion um Verständnis,

dass insbesondere Firmennamen je Artikel in der

Regel nur einmal in ihrer werbeorientierten Form

verwendet und entsprechende Begriffe häufig

eingedeutscht werden.

International Standard Serial Number:

ISSN 0942-9336

Diese Zeitschrift wurde aus umwelt schonendem

Papier hergestellt.

Beilagenhinweis:

Dieser Ausgabe liegen Beilagen von SAZ Stahlanarbeitungszentrum

Dortmund GmbH & Co. KG,

Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und

Logistik e.V. (BME) und BDS AG Bundesverband

Deutscher Stahlhandel bei.

50 Stahlreport 4|17


BDS-Berufsbildung

Seminare und sonstige (BDS-)Veranstaltungen

2017

Seminarthema Termin Tagungsort

Tagung der Kaufmännischen

Ausbildungsleiter (Kooperation) 26.-27.04. Achern/Offenburg

Schulung Compliance (nur für BDS-Mitglieder) 03.05. Hannover

Blankstahl (Seminar) 09.-10.05. Bietigheim-Bissingen

Stahleinkauf (Seminar, Kooperation) 16.-17.05. Duisburg

Schulung Compliance (nur für BDS-Mitglieder) 23.05. Duisburg

Werkstoff- und Produktkunde (Lernteam) 22.-24.05. Goslar

Schulung Compliance (nur für BDS-Mitglieder) 31.05. Merklingen/Ulm

Qualitäts- und Edelstahl (Seminar) 01.-02.06. Lüneburg

Verkauf (Lernteam) 02.06. Nürnberg

Flacherzeugnisse (Seminar) 08.-09.06. Duisburg

Stahlkunde (Seminar) 22.-24.08. Gröditz

Neue A-Kunden gewinnen und Anfragen

professionell managen (Verkauf I) (Seminar) 18.-19.09. Norderstedt

Verkauf (Lernteam) 20.09. Norderstedt

Stahleinkauf (Seminar, Kooperation) 19.-20.09. Duisburg

Stahlhandelstag 28.09. Darmstadt

Rohre aus Edelstählen (Rohre III) (Seminar) 09.-10.10. Monschau

Nichtrostende Stähle (Seminar) 16.-17.10. Aachen

Mehr Aufträge durch professionelle Angebotsverfolgung

und effektive Preisverhandlung

(Verkauf II) (Seminar) 25.-26.10. Nürnberg

Stahlkunde (Seminar) 06.-08.12. Gengenbach

Diese Übersicht gibt den Stand der Planungen für Lernteam- und Seminarveranstaltungen

und zum Fernstudium sowie zu entsprechenden Kooperationen wieder.

Änderungen jeder Art sind vorbehalten, vor allem Ergänzungen. Über weitere Details sowie zu

den Anmeldemöglichkeiten informieren Sie sich bitte im Internet (www.stahlhandel.com) oder

wenden sich telefonisch bzw. elektronisch an den

BUNDESVERBAND DEUTSCHER STAHLHANDEL (BDS)

Max-Planck-Straße 1 · 40237 Düsseldorf

Telefon: 0211/86497-19 · Telefax: 0211/86497-22

E-MAIL: WYNANDS-BDS@STAHLHANDEL.COM

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