Berufsfeldstudie Medienpädagogik - Mediaculture online

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Berufsfeldstudie Medienpädagogik - Mediaculture online

Berufsfeldstudie

Medienpädagogik

Eine Studie der AG Medienpädagogik

am Institut für Erziehungswissenschaft

der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Dr. Petra Bauer

Lydia Andres

Silke Hamann

Bachelor-Studierende im Studienschwerpunkt Medienpädagogik


Inhalt

Abbildungsverzeichnis .................................................................................................................................. 1

Tabellenverzeichnis ........................................................................................................................................ 1

1 Einleitung .......................................................................................................................................... 2

2 Bisherige Studien – Veröffentlichungen zum Arbeitsfeld ................................................ 3

3 Konzeption der Studie .................................................................................................................. 8

3.1 Fragestellung .................................................................................................................................................... 8

3.2 Onlinebefragung .............................................................................................................................................. 9

3.3 Leitfadeninterviews .................................................................................................................................... 11

4 Ergebnisse ...................................................................................................................................... 12

4.1 Berufsbiografien........................................................................................................................................... 12

4.1.1 Berufseinstieg ...................................................................................................................................... 12

4.1.2 Praktika .................................................................................................................................................. 13

4.1.3 Lineare Berufsbiografie ................................................................................................................... 14

4.1.4 Flexible Berufsbiografie .................................................................................................................. 15

4.2 Berufsfeld Medienpädagogik .................................................................................................................. 16

4.2.1 Tätigkeitsfelder ................................................................................................................................... 16

4.2.2 Aktuelles Beschäftigungsverhältnis ........................................................................................... 17

4.2.3 Zufriedenheit und Weiterbildung ............................................................................................... 19

4.2.4 Beurteilung des Berufsfeldes Medienpädagogik................................................................... 21

4.2.5 Aufgabenbereiche und medienpädagogische Aspekte ....................................................... 21

4.2.6 Ziele und Zukunftsperspektiven .................................................................................................. 23

4.3 Kompetenzen und Fähigkeiten .............................................................................................................. 24

4.3.1 Modell der beruflichen Handlungskompetenzen ................................................................. 24

4.3.2 Kompetenzbereiche im medienpädagogischen Arbeitsfeld ............................................. 25

4.4 Verbindung von Theorie und Praxis .................................................................................................... 26

4.4.1 Studieninhalte ..................................................................................................................................... 26

4.4.2 Nebenfächer ......................................................................................................................................... 26

4.4.3 Gestaltung des Studiums ................................................................................................................. 27

4.4.4 Studium und Beruf ............................................................................................................................. 27


4.4.5 Empfehlungen für Studiengang und Studierende ................................................................ 28

4.5 Diskussion der Ergebnisse ....................................................................................................................... 30

5 Fazit .................................................................................................................................................. 33

6 Literaturverzeichnis ................................................................................................................... 35


Abbildungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis 1

Abbildung 1: Stichprobe ............................................................................................................................................... 10

Abbildung 2: Einflüsse auf den Berufseinstieg ................................................................................................... 13

Abbildung 3: Dauer bis zum ersten Beschäftigungsverhältnis nach dem Abschluss.......................... 13

Abbildung 4: Absolvierte Praktika ........................................................................................................................... 14

Abbildung 5: Schema der linearen Berufsbiografie in der freien Wirtschaft ......................................... 14

Abbildung 6: Schema der linearen Berufsbiografie in der Universität ..................................................... 15

Abbildung 7: Schema der flexiblen Berufsbiografie ......................................................................................... 15

Abbildung 8: Tätigkeitsfelder der Befragten ....................................................................................................... 16

Abbildung 9: Art der Anstellung ............................................................................................................................... 17

Abbildung 10: Verdienst nach Beschäftigungsverhältnis .............................................................................. 18

Abbildung 11: Arbeitsbelastung ............................................................................................................................... 18

Abbildung 12: Arbeitsbedingungen ........................................................................................................................ 19

Abbildung 13: Zufriedenheit in Abhängigkeit vom Beschäftigungsverhältnis und der Freiheit,

eigene Projekte durchzuführen ................................................................................................................................. 19

Abbildung 14: Gründe für Zufriedenheit bzw. Unzufriedenheit ................................................................. 20

Abbildung 15: genutzte Weiterbildungsmöglichkeiten .................................................................................. 20

Abbildung 16: Bedarf an MedienpädagogInnen ................................................................................................. 21

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Übersicht der Tätigkeitsfelder der InterviewteilnehmerInnen.............................................. 22

Tabelle 2: Vereinfachte Darstellung nach dem Schalenmodell von Thiessen (2005) ........................ 25

Tabelle 3: Benennung und Häufigkeit der Kompetenzen und Fähigkeiten ............................................ 25


1 Einleitung

Einleitung 2

Im Wintersemester 2010/2011 und Sommersemester 2011 wurde in der Arbeitsgruppe Me-

dienpädagogik am Institut für Erziehungswissenschaft der Johannes Gutenberg-Universität

Mainz die „Berufsfeldstudie Medienpädagogik“ durchgeführt. Dabei handelte es sich um eine

Untersuchung im beruflichen Praxisfeld von Medienpädagogen, die einerseits das Ziel hatte, den

beruflichen Werdegang von AbsolventInnen der Studienrichtung zu ermitteln. Anderseits wurde

erfragt, ob die AbsolventInnen durch ihr Studium ausreichend auf die Berufswelt vorbereitet

und ihnen die notwendigen Qualifikationen vermittelt wurden.

Die Studie wurde von einer Seminargruppe Bachelor-Studierender mit dem Schwerpunkt Me-

dienpädagogik und einigen wissenschaftlichen Hilfskräften unter der Leitung von Dr. Petra Bau-

er durchgeführt. Sie konzentrierte sich auf AbsolventInnen der Universität Mainz mit dem Studi-

enschwerpunkt Medienpädagogik und auf Beschäftigte in medienpädagogischen Einrichtungen.

Methodisch setzte sich die Studie aus zwei Teilen zusammen. In einer quantitativen Onlinebe-

fragung wurden MedienpädagogInnen und AbsolventInnen mit dem Studienschwerpunkt Me-

dienpädagogik zu ihren Studien- und Arbeitsbedingungen sowie zum Übergang vom Studium in

den Beruf befragt und um allgemeine Einschätzungen zu dem Thema gebeten. In qualitativen

Leitfadeninterviews wurden Mainzer AbsolventInnen und in der Medienpädagogik tätige Mitar-

beiterInnen ergänzend befragt. Die Interviewleitfäden beinhalteten episodische Interviewpha-

sen zur Berufs- und Bildungsbiografie der TeilnehmerInnen sowie Fragen im Sinne eines Exper-

tenstatus im Berufsfeld. Die Studierenden waren in allen Phasen der Untersuchung beteiligt,

indem sie z.B. beim Entwurf des Fragebogens und der Interviewfragen mitarbeiteten, die Inter-

views durchführten und beim Auswertungsprozess und der Publikation der Ergebnisse mitar-

beiteten.

Ziel dieser Erhebung war die Gewinnung von Aussagen darüber, welche Qualifikationen Medi-

enpädagogInnen heute in der Berufstätigkeit benötigen und ob die vermittelten Inhalte der

Hochschulausbildung sinnvoll und unterstützend sind. Zusätzlich wurden Ideen und Anregung

an die Ausgestaltung und Anpassung der neuen Studiengänge ermittelt, mit deren Hilfe ein gutes

und aktuelles Bildungsangebot für Studierende geschaffen werden kann. Außerdem können

über die Ergebnisse die unterschiedlichen Arbeitsfelder innerhalb der Disziplin festgestellt und

beschrieben werden.


Bisherige Studien – Veröffentlichungen zum Arbeitsfeld 3

2 Bisherige Studien – Veröffentlichungen zum Arbeitsfeld

In der Tätigkeitsbeschreibung von 2005 zum Beruf Medienpädagogen sind bei der Bundesagen-

tur für Arbeit folgende Aspekte festgehalten:

„Medienpädagogen und -pädagoginnen können in den Arbeitsfeldern Medienkunde, Medienerziehung,

Mediendidaktik oder Medienforschung tätig sein. Sie erstellen beispielsweise

Handreichungen für die praktische Medienarbeit in Schulen, Jugendtreffs oder Kindergärten,

erarbeiten schriftliche und audiovisuelle Materialien zu medienpädagogischen Themen

oder publizieren Filmempfehlungen für Lehrer/innen und Eltern. In der Forschung

beschäftigen sie sich beispielsweise mit der Internetnutzung und Medienausstattung Jugendlicher

oder Erwachsener: Wie oft nutzen Jugendliche in ihrer Freizeit den Computer?

Chatten sie, spielen sie Computerspiele, hören sie Sound-Dateien oder schreiben sie E-

Mails? Welche Bedeutung haben Medieninhalte im Alltag von Erwachsenen und Jugendlichen?

Welche Botschaften kommen an? In der Medienerziehung geht es darum, die Medienkompetenz

Jugendlicher und Erwachsener zu fördern. Medienpädagogen und -

pädagoginnen schulen und beraten deshalb Lehrer/innen z.B. über den sinnvollen Einsatz

von Computern, Filmen, Videos oder Lernsoftware, fördern und unterstützen Jugendmediengruppen

oder Medienprojekte in Jugend- und Kindertreffpunkten oder veranstalten

Weiterbildungsseminare, Videokurse und Filmseminare für Erziehungs-, Bildungs- und

Kultureinrichtungen. Weitere Tätigkeitsbereiche ergeben sich in der Werbeforschung z.B.

bei Rundfunkanstalten oder Medien-Vermarktungsgesellschaften, in der Öffentlichkeitsarbeit

von Unternehmen oder in der Medienkontrolle der verschiedenen Landesanstalten

für Rundfunk. Auch die entsprechende Anpassung der verschiedensten Medien für den

Alltag, die Ausbildung, Weiterbildung und das Arbeitsleben behinderter Menschen gehört

zum Aufgabenfeld von Medienpädagogen und -pädagoginnen.“ (Arbeitsagentur 2005, S. 1)

Die Ausbildung im Bereich Medienpädagogik fand bisher größtenteils an Hochschulen, schwer-

punktmäßig im Diplomstudiengang Erziehungswissenschaft, statt. Medienpädagogik findet sich

aber auch z.B. in Wahlpflichtfächern oder Zusatzangeboten anderer Studiengänge wieder, darü-

ber hinaus sind auch einige Ausbildungsschwerpunkte in diesem Bereich möglich (vgl. hierzu

auch Hugger 2004, S. 9f.).

Bereits 1988 wurde bei der Gründung der GMK über ein Berufsbild und die Professionalisierung

diskutiert (Wunden 2003, S. 2). Was hat sich seit dieser Zeit verändert? Im folgenden Abschnitt

werden ausgewählte Veröffentlichungen zum Berufsfeld von Medienpädagogen vorgestellt.

Im Jahre 2001 führten Bernd Schorb und Steffi Kakar (Schorb/ Kakar 2003) eine Studie mit dem

Titel „Medienpädagogik: Das Studium und seine beruflichen Konsequenzen“ durch. Ziel dieser

Untersuchung war die Verbesserung und Verankerung des Faches Medienpädagogik in

den Kommunikations- und Medienwissenschaften. Dies geschah aufgrund der Tatsache,

dass die Medienpädagogik als relativ neuer Bereich in den Wissenschaften Anerken-

nungsprobleme hatte. Die Studie wurde im WS 2001/02 mit einer Studierendengruppe durch-

geführt. Die Zielgruppe setzte sich aus AbsolventenInnen des Teilbereichs Medienpädagogik

zusammen. Mit fünf AbsolventenInnen wurden Interviews geführt. 14 AbsolventenInnen nah-

men an einer Fragebogenerhebung teil. Die Hauptkategorien der Untersuchung waren: Betrach-


Bisherige Studien – Veröffentlichungen zum Arbeitsfeld 4

tung der Phase der Studienwahl, der Verlauf des Studiums sowie Praxiserfahrungen während

der Studienzeit, die Bewerbungsphase und die Zeit der ersten Berufstätigkeit nach dem Studium.

In der letzten Phase waren besonders die Einschätzung des Studiums in Bezug zur aktuellen

beruflichen Tätigkeit, Anregungen für die aktuelle Lehre und die Optimierung des Studiums so-

wie Fakten zu den Arbeitsverhältnissen der Befragten von Bedeutung.

Die Ergebnisse können wie folgt zusammengefasst werden: die Befragten wählten den Studien-

gang aufgrund verschiedener Aspekte aus. Zunächst wegen des Praxisbezugs, da Medien von

ihnen als gesellschaftlich relevant erachtet werden, aber auch wegen des Interesses an der Ar-

beit mit Kindern und Jugendlichen sowie an Medienforschung. Weiterhin wurde diese Entschei-

dung durch die Sympathie für bestimmte Dozenten und das Angebot an guten Seminaren beein-

flusst. Die Wahl des Fachs Medienpädagogik wurde jedoch auch von manchen Befragten als

Ersatz für ein anderes Fach, für das sie keine Zulassung bekommen hatten, oder aufgrund von

Kontakt zu Medienbereichen über Eltern oder Mediencamps getroffen. Die Befragten erhofften

sich durch ihre Wahl gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Zur Bewerbungsphase und der aktuellen Tätigkeit wurden folgende Informationen gesammelt:

Keiner der Befragten ist arbeitslos und viele hatten eine kurze Bewerbungsphase. Die Berufsbe-

zeichnung „Medienpädagoge“ ist bei Arbeitgebern und dem Arbeitsamt so gut wie unbekannt.

Die Absolventen sind allerdings in unterschiedlichen Berufsfeldern tätig, z.B. im medienpädago-

gischen Bereich, im klassisch pädagogischen Bereich, im redaktionellen Bereich, in der For-

schung sowie in der Öffentlichkeitsarbeit oder Marktforschung.

Praxiserfahrung während des Studiums hat eine hohe Relevanz für die spätere Tätigkeit. Ent-

sprechend finden die Befragten es schade, dass es kein verpflichtendes Praktikum im Studium

gibt, da viele Arbeitgeber großen Wert auf praktische Erfahrungen legen. Sie wünschen sich die

Einführung eines Pflichtpraktikums und die Vermittlung von guten Praktikumsstellen. Viele be-

tonen, dass ihre Nebenjobs im Studium relevant für ihre spätere Berufstätigkeit waren, sie aller-

dings ein Zeitproblem bei der Vereinbarkeit von Studium und Berufstätigkeit hatten.

Hinsichtlich des Studiums wurden folgende Anregungen gegeben: Es sollte ein größerer Praxis-

bezug hergestellt werden und hilfreiches Wissen für spätere Tätigkeiten (Empirie, wissenschaft-

liches Arbeiten, Selbstlernen) vermittelt werden. Zusätzlich sollten die Lehrangebote erhöht

werden, um überfüllten Veranstaltungen zu vermeiden.

Im Jahre 2005 führte die GMK (Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur)

eine Expertenbefragung mit 29 WissenschaftlerInnen und PraktikerInnen aus den wichtigsten

medienpädagogischen Arbeitsfeldern durch. Dabei wurden unter anderem folgende Fragen ge-

stellt: Wo steht die Medienpädagogik heute? Wird die Förderung von Medienkompetenz in den

kommenden Jahren in unserer Gesellschaft noch wichtiger werden? Wie sind eigentlich die-


Bisherige Studien – Veröffentlichungen zum Arbeitsfeld 5

jenigen, die heute in diesem Berufsfeld aktiv sind, dahin gekommen und was empfehlen sie den-

jenigen, die in das Berufsfeld Medienpädagogik streben? Und welche Themen sind nach Ein-

schätzung medienpädagogischer Experten heute brisant? Welche Veränderungen kommen auf

uns zu und wie muss die Gesellschaft reagieren (vgl. Lauffer 2005)?

Im Ergebnisbericht ist festgehalten, dass es im Bereich der Hochschule nach wie vor schwierig

ist, Medienpädagogik, z.B. durch E-Learning-Angebote, fest im Studienverlauf zu verankern. Hin-

zu kommt, dass die Finanzierungsmöglichkeiten vieler Universitäten rückläufig sind und die

begrenzten Mittel oftmals auch eine schlechte technische Ausstattung zur Folge haben. Jedoch

kann auch eine „Aufwertung der Medienpädagogik“ beobachtet werden, da neue medienpädago-

gische Studiengänge aufgebaut oder neue Professuren geschaffen werden. Diese Aufwertung

wird auch im Bereich Weiterbildung festgestellt. Die Umstellung auf Bachelor-Studiengänge an

Universitäten und auch die Modularisierung an den Fachhochschulen erschweren jedoch den

Prozess der Integration von medienpädagogischen Qualifikationen im Studium und führen wei-

terhin zu einer mangelnden kontinuierlichen Verknüpfung. Erfahrungen in medienpädagogi-

scher Praxis werden daher auch von den InterviewpartnerInnen der GMK als wesentlich für

einen späteren Berufseinstieg erachtet. Solide (auch technische) Grundkenntnisse und Interdis-

ziplinarität sind ebenso wichtig wie handlungsorientiertes medienpädagogisches Arbeiten, wes-

halb die gezielte Auswahl von Praktika nahezu unumgänglich ist. Es ist also notwendig, dass

innerhalb der Ausbildung sowohl Theorie als auch Möglichkeiten der praktischen Erfahrung

bereitgestellt werden.

Im Bereich der medienpädagogischen Praxis betonen die InterviewpartnerInnen, dass sich Me-

dienpädagogInnen immer wieder an Veränderungen und Entwicklungen im Bereich der Ziel-

gruppe flexibel anpassen müssen. Hinsichtlich der Tätigkeitsbereiche besteht die Einschätzung,

dass Seniorenarbeit und Jugendmedienschutz an Bedeutung gewinnen werden. Im Bereich der

Schulpädagogik ist Medienpädagogik zwar nicht fest verankert, wird aber seit Jahrzehnten prak-

tiziert, sofern das Curriculum Freiräume wie Projektwochen bietet oder engagierte Lehrkräfte

Medien in Unterrichtsstunden einflechten können.

Die Beschäftigungsverhältnisse sind unterschiedlich: im außerschulischen Bereich gibt es so-

wohl MedienpädagogInnen, die zeitlich befristet in Projekte eingebunden sind, als auch solche,

die bei Institutionen festangestellt sind. Nach Aussagen der ExpertInnen nehmen sichere Finan-

zierungen tendenziell ab, Projektfinanzierungen lassen sich immer häufiger antreffen. Diese

Situation schafft eine zunehmende Unsicherheit bei der Finanzierung der Projekte und der Be-

schäftigungsverhältnisse.

Zu den Qualifikationen der MedienpädagogInnen wird festgehalten, dass es viele „Quereinstei-

ger“ gibt. Vorrangig durch Begeisterung für Medien und Medienpraxis haben sich diese dazu

entschlossen, in das Berufsfeld Medienpädagogik überzugehen. Die Nähe der Medienpädagogik


Bisherige Studien – Veröffentlichungen zum Arbeitsfeld 6

zu Musik, Theater und kulturellem Engagement war für viele der erste Einstieg. Radio oder Vi-

deo wurden oftmals zur Unterstützung von politischen Aktivitäten verwendet.

Viele Institutionen und Träger haben ihr Angebot medienpädagogisch erweitert, da ein erhöhter

Bedarf an Medienpädagogik aufgrund technischer Entwicklungen und steigender Bedeutung

mediatisierter Lebenswelten festgestellt wurde.

Die GMK formuliert einige in Zukunft notwendige Veränderungen. Medienpädagogik sollte auch

verstärkt im Vorschulbereich eingesetzt werden, da dieser davon besonders profitieren könnte,

jedoch bisher noch wenig eingebunden ist. In diesem Zusammenhang wird es auch nötig sein,

Medienpädagogik stärker in der Erwachsenenbildung zu etablieren, denn gerade Eltern müssen

z.B. im Medienumgang unterstützt werden, damit die Medienerziehung der Kinder gewährleistet

werden kann.

Medienpädagogik kann ebenfalls die Funktion haben, gesellschaftliche Randgruppen in die Bil-

dung zu integrieren und damit Bildungslücken zu schließen. Darüber hinaus muss eine Etablie-

rung im Kontext Lebenslangen Lernens stattfinden, da Medienkompetenz zu einer der neuen

Kompetenzanforderungen in unserer heutigen Gesellschaft gehört. Der Einfluss auf die Persön-

lichkeits- und Identitätsentwicklung sowie veränderte Kommunikation muss mehr in den Vor-

dergrund gestellt und untersucht werden. Wichtig ist hierbei jedoch auch, dass Medienkompe-

tenz bedeutet, Medien sinnvoll einzusetzen und zu nutzen, d.h. sie gegebenenfalls auch zu

verweigern. Weiterhin ist eine Verknüpfung der Medienerziehung mit dem Jugendmedienschutz

unumgänglich. Es ist notwendig, dass sich PädagogInnen verschiedenster Richtungen Grund-

kenntnisse in Medienpädagogik aneignen, da auf diese Weise Bildung und Erziehung verbessert

werden können.

MedienpädagogInnen werden als Vermittler verschiedener Bereiche sowie zwischen Medien-

nutzerInnen und Gesellschaft fungieren. Studierende der Medienpädagogik werden sich in Zu-

kunft auf befristete Verträge einstellen und viel Initiative mitbringen müssen, da i.d.R. keine Stel-

lenausschreibungen ausdrücklich an sie gerichtet sind. Ein Einstieg in den Beruf wird eher

weniger nahtlos verlaufen können, wenn keine Praktika und Networking vorausgingen. Von

einem Quereinstieg in den Berufsbereich der Medienpädagogik wird eher abgeraten. Doch ne-

ben dem erworbenen Abschluss muss man auch medientechnisch versiert sein. Softskills und

ein Hervorstechen aus der breiten Masse sind in diesem Berufsfeld, wie auch in anderen, wich-

tig, um den Einstieg zu erleichtern. Auch ein Einstieg in angrenzende Bereiche (wie z.B. Journa-

lismus) ist denkbar, generell sind jedoch vor allem Zusatzqualifikationen notwendig, um den

Anschluss an das Berufsleben zu finden.

Hugger (2004, S. 1-12) betont, dass Medienpädagogik eine „Querschnittsaufgabe“ (ebd., S. 5) ist

und sich daher in den unterschiedlichsten pädagogischen Berufsfeldern finden lässt. Dies kann


Bisherige Studien – Veröffentlichungen zum Arbeitsfeld 7

einerseits mangels eines konkret festgelegten Berufsbildes der Medienpädagogin/des Medien-

pädagogen erklärt werden und andererseits dadurch, dass Berufsausbildung und spätere Tätig-

keit immer weniger in engem Zusammenhang stehen.

Werbeforschung, Öffentlichkeitsarbeit und Medienkontrolle in Rundfunkanstalten gehören bei-

spielsweise zu den Arbeitsfeldern von MedienpadägogInnen. Die Bundesagentur für Arbeit gibt

allgemein die Tätigkeitsfelder der Medienkunde, Medienerziehung, Mediendidaktik und Medien-

forschung an (vgl. Hugger 2004, S. 6f.).

Da die Qualifikationsanforderungen bei Stellenausschreibungen für MedienpädagogInnen sehr

unterschiedlich ausfallen, plädiert Hugger für die Entwicklung von „Rahmenkompetenzen“, die

als „Eckpunkte für Berufswahl, Qualifizierung und Arbeitsmarkt“ (ebd., S. 7) genutzt werden

können.

Hugger stellt das von ihm erarbeitete „Arbeitsmarktmodell für Medienpädagogik“ vor (ebd.,

S. 8), in dem er die drei Sektoren medienpädagogischer Kernbereich sowie den ersten und zwei-

ten Randbereich unterscheidet. Der medienpädagogische Kernbereich umfasst Bildung und Er-

ziehung. Hier steht die Vermittlung von Medienkompetenz an alle Altersgruppen (Kinder, Ju-

gendliche, Erwachsene) für Unternehmen und öffentliche Einrichtungen, die Neue Medien

verwenden, im Mittelpunkt. In diesem Zusammenhang stellt die dortige Tätigkeit der Medienpä-

dagogInnen die „Konzeptionierung, Realisierung und Evaluierung von Bildungs-und Qualifikati-

onsmaßnahmen“ (ebd., S. 7f.) dar.

Der erste Randbereich betrifft Unternehmen im Bereich Medien-und Kommunikationswirt-

schaft, die „Multimediaproduzenten und Anwender zugleich sind“ (Hugger 2004, S. 8). Hierzu

zählen Online-Magazine, Marketing-Unternehmen, Schulbuchverlage mit eigenen Homepages

und/oder mit CD-ROM-Angebot. Daneben sind hierunter auch neue Arbeitsfelder wie z.B. die

(medien-) pädagogische Chat-Betreuung zu nennen.

Zum zweiten Randbereich zählen größtenteils Multimedia-Agenturen und Software-Unterneh-

men, die sich durch Spezialisierungen auf pädagogisch relevante Produktionen und Dienstleis-

tungen im Bereich Neue Medien auszeichnen.

Hervorgehoben werden muss das Bestehen von „dynamischen Austauschverhältnisse[n]“ (ebd.,

S. 9) zwischen den benannten drei Sektoren.


3 Konzeption der Studie

3.1 Fragestellung

Konzeption der Studie 8

Die vorliegende Studie hat das Ziel, das Berufsfeld der Medienpädagogik zu untersuchen. Fol-

gende Fragen waren dabei forschungsleitend:

� Welche Berufswege haben MedienpädagogInnen gewählt und wie wurde der Berufsein-

stieg gestaltet?

� In welchen Tätigkeitsfeldern arbeiten MedienpädagogInnen?

� Welche Rahmenbedingungen sind typisch für diesen Tätigkeitsbereich (Arbeitsvertrags-

daten, Arbeitsinhalte, Arbeitszufriedenheit, Verdienst)?

� Welche Qualifikationen werden für eine Tätigkeit als Medienpädagoge/ Medienpädago-

gin benötigt?

� Werden die Studierenden im Studium adäquat auf die spätere Berufstätigkeit als Medi-

enpädagoge/ Medienpädagogin vorbereitet?

� Welche Hinweise werden von in der Praxis tätigen MedienpädagogInnen zur Optimie-

rung des Studienangebotes gegeben?

Die der Studie zugrunde liegenden Befragungen wurden in Hinblick auf vier Kernbereichen aus-

gewertet, anhand derer die Ergebnisse im folgenden Bericht gegliedert sind.

Grundlegend werden zunächst Berufsbiografien herausgearbeitet, um deutlich zu machen, wel-

che Faktoren für die Berufswege wichtig und entscheidend sind. Im Anschluss werden die Tätig-

keitsfelder untersucht, in denen MedienpädagogInnen arbeiten. Hier soll sich zeigen, wo medi-

enpädagogische Inhalte im Zentrum des Aufgabenbereichs stehen, wie zufrieden die Befragten

mit ihrer Arbeit sind und welche Aussichten sie für das medienpädagogische Berufsfeld sehen.

Im dritten Kernbereich stellt sich die Frage nach den Kompetenzen und Fähigkeiten, die im (me-

dienpädagogischen) Berufsfeld benötigt werden. Basierend auf einem Kompetenz-Modell wird

ein Vergleich von Studieninhalten und genannten Anforderungen der Tätigkeitsbereiche erstellt.

Zum Abschluss wird die Verbindung von Theorie und Praxis näher betrachtet. Besonderes Inte-

resse gilt hier den Inhalten und dem Aufbau des Studiums sowie der Übertragung von theoreti-

schem Wissen auf praktisches Arbeiten. Einen Abschluss bilden hier die Empfehlungen der Be-

fragten für den Studiengang und an die Studierenden.

Um mit einer möglichst breit angelegten Datenbasis arbeiten zu können, wurde ein Forschungs-

design gewählt, das qualitativ gewonnene Erkenntnisse mit quantitativen Daten ergänzt. Dies

erwies sich besonders für die Beantwortung der Forschungsfragen in den ersten beiden Kernbe-


Konzeption der Studie 9

reichen als sinnvoll. Die Ergebnisse, die den dritten und vierten Kernbereich betreffen, basieren

ausschließlich auf den qualitativen Erhebungen.

3.2 Onlinebefragung

Mittels einer quantitativen Onlinebefragung wurden AbsolventInnen mit dem Schwerpunkt Me-

dienpädagogik zu ihrem Studium und ihrem derzeitigen Beschäftigungsverhältnis sowie zum

Übergang in den Beruf befragt. Zudem wurden sie um eine allgemeine Einschätzung zum Thema

gebeten. Die Einladung zu der Befragung wurde per Email an alle AbsolventInnen des Diplom-

und des Magisterstudiengangs Pädagogik mit dem Schwerpunkt Medienpädagogik der Universi-

tät Mainz verschickt, soweit die E-Mail-Adressen bekannt waren.

Da der Rücklauf jedoch sehr gering war, wurde die Zielgruppe nach einiger Zeit auf Mitarbei-

terInnen von medienpädagogischen Einrichtungen ausgeweitet und der Link zu der Onlinebe-

fragung über verschiedene Newsletter verschickt. Aufgrund dieser Veränderung der Zielgruppe

musste auch der Fragebogen angepasst werden, da bis dahin keine Frage zum Hauptfach des

Studiums enthalten war. Diese Änderung betraf nur die TeilnehmerInnen, die innerhalb der letz-

ten beiden Wochen an der Befragung teilnahmen. Insgesamt war der Fragebogen für die Dauer

von etwa sechs Wochen freigeschaltet. Um keine Lücken in den Daten der frühen Befragungs-

teilnehmerInnen zu haben, wurden die Studienfächer dieser TeilnehmerInnen, so gut es ging,

nachträglich aufgrund der angegebenen Schwerpunkte und Bemerkungen in den offenen Text-

feldern rekonstruiert.

Der Fragebogen wurde von einer Gruppe Studierender konzipiert und in der Befragungssoft-

ware LimeSurvey angelegt. Durch eine kollektive Mindmap und mehrere Testdurchläufe wurde

die gesamte Seminargruppe in die Konzeption einbezogen.

Der standardisierte Fragebogen enthielt Fragen zu folgenden Teilbereichen:

� allgemeine Angaben: soziodemographische Angaben und private Mediennutzung

� (universitäre) Ausbildung: Studienort, Studienfächer und -schwerpunkte, Abschluss und

genutzte Weiterbildungsangebote

� Berufseinstieg: Übergang in den Beruf, Praktika

� Bedeutung des Berufsfeldes Medienpädagogik: eigene Einordnung in das Berufsfeld, ge-

nerelle Einschätzung der Bedeutung für die Gesellschaft

� Beschäftigungsverhältnis: Angaben zum aktuellen Beschäftigungsverhältnis und den Ar-

beitsbedingungen

� Tätigkeitsbereich: Angaben zur Art der Tätigkeit und der beruflichen Mediennutzung

� Laufbahn: berufliche Aufstiegschancen und bisherige Laufbahn, Bedeutung des Studien-

schwerpunktes


� Abschlussfrage: offenes Feld für Kommentare zum Berufsfeld Medienpädagogik

Konzeption der Studie 10

Die Fragen waren teils geschlossen, teils offen formuliert. Letztere wurden bei der Auswertung

in Kategorien eingeteilt, die anhand des Materials deduktiv gebildet wurden. Die Auswertung

erfolgte mit Hilfe des Statistikprogramms SPSS.

Die Stichprobe bestand aus 50 Frauen und 27 Männern, also insgesamt 77 Befragungsteilneh-

merInnen – 54 von ihnen füllten den Fragebogen vollständig aus. Im Schnitt waren die Befragten

35,2 Jahre alt. Es handelte sich größtenteils um Universitäts-AbsolventInnen (n=61), jedoch hat-

ten auch zwölf Personen einen Fachhochschulabschluss und zwei der Universitäts-Absol-

ventInnen zusätzlich eine abgeschlossene Ausbildung, die jedoch keine medienpädagogischen

Berufszweige erschloss. Unter den Befragten waren 26 AbsolventInnen der Universität Mainz,

acht davon nannten den Schwerpunkt Medienpädagogik. Die vorliegenden Befunde können da-

her nicht, wie ursprünglich beabsichtigt, Auskunft über den Verbleib der Mainzer Medienpäda-

gogik-AbsolventInnen geben. Sie können jedoch einen Einblick in die Arbeitsbedingungen von

Menschen geben, die in der Medienpädagogik tätig sind oder diese studiert haben. Insgesamt

gaben 26 Befragte (knapp die Hälfte derjenigen, die einen Schwerpunkt nannten) Medienpäda-

gogik als (einen der) Studienschwerpunkt(e) an. Die Mehrheit (etwa 85 Prozent) hat einen Ab-

schluss in Erziehungswissenschaft oder vergleichbaren Fächern, wobei aufgrund der bereits

erläuterten nötigen Änderungen in der Auswahl der BefragungsteilnehmerInnen und der damit

verbundenen, leicht verzögerten Änderung des Fragebogens nicht für alle TeilnehmerInnen eine

Aussage über das Hauptfach getroffen werden kann. Es ist davon auszugehen, dass ein Großteil

der 25 TeilnehmerInnen ohne Angabe ebenfalls einen Abschluss in Erziehungswissenschaft oder

in einem vergleichbaren Fach hat. Folgendermaßen setzten sich die Studienfächer der Teilneh-

merInnen und ihre Abschlüsse zusammen:

5,8% 1,9%

7,7%

Studienfächer der Befragten (n=52)

84,6%

Abbildung 1: Stichprobe

Pädagogik/

Erziehungswis./ Soz.

Arbeit/ Bildungswis.

Lehramt

Medienwissenschaften

Psychologie

Bachelor

6

Magister

13

Abschlüsse

Doktor 4

Master 3

Diplom

50


3.3 Leitfadeninterviews

Konzeption der Studie 11

In der qualitativen Erhebung wurden Experteninterviews mit AbsolventInnen eines Studiums

mit dem Schwerpunkt Medienpädagogik geführt. Da über die Anfrage an die TeilnehmerInnen

der Onlinebefragung nur eine geringe Rückmeldung erfolgte, wurde Kontakt zu Personen aufge-

nommen, die im lokalen Umfeld im medienpädagogischen Bereich arbeiten oder deren Studium

an der Universität Mainz erst kurze Zeit zurück liegt.

Bei der Erstellung des Leitfadens wurde zunächst in einer Kleingruppe von Studierenden eine

gemeinsame Mindmap erstellt, welche die Fragebereiche gliederte. Die Bereiche wurden

schließlich nach dem Konzept von Gläser und Laudel zu einem Leitfaden ausgebaut (Gläser/

Laudel 2010, S. 144-153). Nach der Einstiegsfrage war es möglich, das Interview flexibel mit

einem der beiden übergreifenden Themenfelder Beruf oder Studium fortzusetzen. Bei allen In-

terviews wurde zunächst auf den derzeitigen Beruf im Allgemeinen und im Speziellen eingegan-

gen. In allen Teilbereichen des Leitfadens folgte nach der Überleitung eine Pflichtfrage, die mög-

lichst beantwortet werden sollte, und Nebenfragen, die gegebenenfalls zur Motivation der

Interviewten gestellt werden konnten. Der Leitfaden enthielt folgende Bereiche:

� Berufseinstieg: Derzeitiger Arbeitsplatz, Übergang in den Beruf, vorangehende berufli-

che Erfahrung (Praktika, Jobs)

� Beruf allgemein: Entwicklungsweg, Zukunftsaussichten (Selbstständigkeit, Weiterbil-

dung), Fähigkeiten und Kompetenzen

� Beruf speziell: medienpädagogische Aspekte, Klientel und Aufgaben, Zufriedenheit und

Wünsche

� Studium: Vorbereitung auf die Praxis (inhaltlich, positive und negative Aspekte), Rele-

vanz der Nebenfächer, Notwendigkeit des Studiums, Empfehlungen für die Universität

� Abschluss: Wo oder wie wird Medienpädagogik benötigt, Empfehlungen für den Berufs-

weg

Im Anschluss an das Interview wurden zusätzlich die objektiven Daten der Interviewteilnehme-

rInnen im Bezug auf ihren bisherigen beruflichen Werdegang ermittelt.

Nach einem Pre-Test des Leitfadens wurden zwischen März und April 2011 sieben Interviews

durchgeführt. Davon wurden vier bei der Auswertung vollständig genutzt. Bei dreien wurden

Schwerpunkte zu den Kernfragen der Analyse gesetzt. Gleichzeit wurden nachträglich zwei wei-

tere offene Fragen per E-Mail an die TeilnehmerInnen der Online-Studie gestellt. Die Auswer-

tung wurde nach der Methode der qualitativen Inhaltsanalyse von Mayring (2010) durchgeführt.

Die Analyse erfolgte mit Hilfe von MAXQDA, einem Programm zur qualitativen Datenanalyse.


Ergebnisse 12

Bei den sieben Befragten handelte es sich um fünf Frauen und zwei Männer, die zwischen 27 und

37 Jahren alt waren. Sie befinden sich nach dem ersten Studium oder der ersten Ausbildung seit

einem bis vierzehn Jahren im Berufsleben (vgl. Abschnitte 4.1.3 und 4.1.4 Lineare und flexible

Berufsbiografien). Fünf InterviewteilnehmerInnen haben an der Universität Mainz den Diplom-

Studiengang Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt „Erwachsenenbildung und Medien-

pädagogik“ studiert. Eine Person gab an, ihr Magister-Studium in Medien- und Kommunikati-

onswissenschaften und Pädagogik ebenfalls an der Universität Mainz abgeschlossen zu haben.

Ein Studium an der TU Chemnitz mit dem Schwerpunkt Medienkommunikation, Medienpsycho-

logie und Medienethik wurde von einer bzw. einem TeilnehmerIn absolviert. Beide arbeiten jetzt

im medienpädagogischen Bereich.

4 Ergebnisse

Wie im Abschnitt 3.1 Fragestellung erläutert, werden bei der Auswertung die vier Kernbereiche

näher betrachtet. Zunächst ist es von Interesse, welche Berufswege die Befragten genommen

haben und wie der Berufseinstieg verlief. Anschließend erfolgt eine Ausarbeitung der Tätigkeits-

felder mit Aspekten, wie Branche, Klientel und Aufgabenbereiche. Im darauffolgenden Bereich

wird ein Vergleich zwischen den Kompetenzen und Fähigkeiten, welche die ausgeübten Berufe

erfordern, und entsprechenden Inhalten aus dem Studium gezogen. Der letzte Teil der Auswer-

tung betrifft die inhaltliche Verbindung von Studium und Beruf.

4.1 Berufsbiografien

In der Analyse der quantitativen Daten werden zunächst der Berufseinstieg und die praktischen

Erfahrungen betrachtet. Aus diesen Daten und den Erzählungen in den Interviews lassen sich

zwei Berufsbiografien herauslesen. Auffällig scheint, dass der linear verlaufende Berufsweg nur

bei kurzer Berufstätigkeit zu erkennen ist. Die flexible Berufsbiografie ergibt sich bei einer län-

geren Zeit im Berufsfeld. Bei allen Befragten war eine Nebentätigkeit während der Studienzeit

hilfreich für den Einstieg in das Berufsleben.

4.1.1 Berufseinstieg

In der quantitativen Erhebung wollten wir erfahren, welche Aspekte für den Berufseinstieg der

Befragten von besonderer Bedeutung waren. Bei dieser Frage wurden besonders Berufserfah-

rung und Praktika genannt. Nur 18 Prozent der Befragten gaben an, ihre Note habe einen Ein-

fluss auf die Anstellung gehabt, 34 Prozent der Befragten waren sich nicht sicher.


Berufserfahrung war nötig für Berufseinstieg

Abschlussnote war beeinflussend für Einstellung

Aufgrund eines Praktikums eingestellt worden

Abbildung 2: Einflüsse auf den Berufseinstieg

Ergebnisse 13

Insgesamt fanden die Befragten nach relativ kurzer Zeit eine Anstellung. Alle Absolventen der

Universität Mainz mit Schwerpunkt Medienpädagogik fanden innerhalb des ersten Monats nach

Studienabschluss eine Stelle.

80%

60%

40%

20%

0%

Abbildung 3: Dauer bis zum ersten Beschäftigungsverhältnis nach dem Abschluss

4.1.2 Praktika

79%

bis zu 3

Monate

In folgenden Bereichen haben die Befragten Praktika absolviert. Mehrfachnennungen waren

möglich, die Antworten wurden in Freitextfelder eingegeben und nachträglich kategorisiert. Bis

zu fünf verschiedene Praktikumsstellen wurden von den TeilnehmerInnen genannt. Im Schnitt

wurden 2,5 Praktika absolviert.

9%

18%

29%

59%

0% 20% 40% 60% 80%

Zustimmung

3% 5% 4%

4-6 Monate 7-9 Monate 10-12 Monate mehr als 1

Jahr


Medienunternehmen

freie medienpäd. Einrichtungen

Familienarbeit/ Sozialarbeit

Außerschulische Bildung / Jugendarbeit

Sonstiges (z.B. Museum)

öffentliche, staatliche Einrichtungen

Hochschule/ Forschung

Berufsbildung

Ämter/ Verwaltung

Personal

Erwachsenenbildung

Schule

Vorschule

andere Fachbereiche

Jugendschutz

Seniorenarbeit

(n=49)

Abbildung 4: Absolvierte Praktika

4.1.3 Lineare Berufsbiografie

5

5

4

4

3

3

2

2

1

14

12

12

10

10

9

Abbildung 5: Schema der linearen Berufsbiografie in der freien Wirtschaft

Ergebnisse 14

Wie durch Abbildung 4 deutlich wird, haben die meisten Berufstätigen während ihres Studiums

Praktika absolviert. In den Interviews zeigte sich ebenfalls, dass sowohl freiwillige als auch ver-

pflichtende Praktika über mehrere Monate absolviert wurden. Zwei der Befragten arbeiteten

auch nach der Praktikumszeit in ihrem Betrieb weiter und wurden nach Studienabschluss mit

einem befristeten Vertrag eingestellt. Beide schrieben dem Praktikum eine große Bedeutung für

die Einstellung zu, was in Abbildung 2 bereits eine erkennbare Einflussgröße war.

„Ja und gelandet bin ich da. Ja ich habs Praktikum gemacht dort, im Hauptstudium. Hab dann

noch gejobbt nach dem Praktikum. Bin quasi schon hängen geblieben, war dann teilweise

schon zweieinhalb Tage die Woche dort. Hab dann Diplomarbeit dort geschrieben über das

modulare Lernsystem dort. Und ähm (...) hab dann Prüfung gemacht und hab dann (betont)

direkt dort angefangen zu arbeiten.“ (Transkription 04, Abschnitt 5)

23

0 10 20 30

Anzahl der Nennungen

Studium Studium Berufseinstieg unbefristete

Stelle

Praktikum

WerkstudentIn

/ Nebenjob

befristete

Stelle


Studium Studium Forschungsstelle

Praktikum

Abbildung 6: Schema der linearen Berufsbiografie in der Universität

Ergebnisse 15

„[…] dazu gekommen ist es, dass ich ähm (…) Jetzt muss ich überlegen (...)zweieinhalb Jahre

in der AG Medienpädagogik gearbeitet hab als HiWi und immer schon gerne an eine Universität

wollte.“

Hast du dich dafür beworben?

„Ja und nein. Beworben ähm in dem Sinne nicht wirklich, dass ich, ich hab kein Ausschreiben

gesucht. So was hab ich nicht gemacht, sondern ich hab das Angebot vom Chef bekommen.

Beworben dann doch wieder, weil ich, ich musste schon ein Exposé schreiben. Ich musste

schon Ideen zusammenschreiben, worüber ich promovieren will.“ (Transkription 01, Abschnitt

2-5)

Auch bei einem linearen Verlauf mit Verbleib an der Universität im Forschungsbereich wurde

während der Studienzeit eine Tätigkeit im Bereich der späteren Anstellung ausgeübt.

Bei allen drei Berufsbiografien waren die Befragten erst seit einer relativ kurzen Zeit berufstätig.

4.1.4 Flexible Berufsbiografie

1. Studium /

Ausbildung

Abbildung 7: Schema der flexiblen Berufsbiografie

„Und da war mir ganz schnell klar, dass mit sozialer Arbeit und ich an vorderster Front im

Jugendzentrum, dass das jetzt so nicht gewesen sein kann, dass mir das zu wenig ist. […]

Und dann habe ich […] ein halbes Jahr nachdem ich diese Stelle angefangen hatte, mich neu

eingeschrieben, hab gesagt okay ich studiere noch mal.“ (Transkription 03, Abschnitt 40f)

Drei InterviewteilnehmerInnen sind bereits seit sechs bis vierzehn Jahren berufstätig. Die Be-

rufslaufbahnen wiesen hier eine hohe Inkonstanz auf. Einerseits war eine Nebentätigkeit wäh-

rend des Studiums oder eine Weiterführung einer vorangegangen Ausbildung vorhanden, an die

für den Berufseinstieg nach dem Studium angeknüpft wurde. Zusätzlich wurden nach einer ge-

wissen Zeit der Berufstätigkeit Weiterbildungen aufgenommen, um weitere Ziele zu erreichen.

Daher sind die Verläufe häufig durch Parallelen von Aus- und Weiterbildung und Berufstätigkeit

gekennzeichnet.

Jobs

HiWi-Stelle

im Institut

Selbstständikeit

Dissertation

Teilzeit &

Selbstständigkeit

Nebenjob 2. Studium

Vollzeit


Ergebnisse 16

Zwei der drei Befragten waren eine Zeit lang selbstständig, wobei sich die Selbstständigkeit bei-

de Male aus einer Notsituation ergab.

„Und dann habe ich das so ein bisschen gemacht und habe meine Magisterarbeit geschrieben.

Und war dann erst mal sozusagen arbeitslos und wusste gar nicht, wohin denn jetzt nun eigentlich.

Und hab mich dann mehr oder weniger aus der Not aber auch aus diesem Zufall,

dass da eben ein medienpädagogische Verein ist, der Projekte, mit Projektgeldern arbeitet,

habe ich mich selbstständig gemacht“ (Transkription 03, Abschnitt 42f)

Insgesamt ist auffällig, dass sich eine solche Berufsbiografie nur in der Betrachtung längerer

Berufslaufbahnen ergibt.

4.2 Berufsfeld Medienpädagogik

Im Folgenden wird beleuchtet, in welchen Bereichen MedienpädagogInnen arbeiten. Zunächst

werden die Ergebnisse der quantitativen Befragung in den Bereichen Tätigkeitsfelder, Zufrie-

denheit mit dem aktuellen Beschäftigungsverhältnis und Weiterbildung aufgezeigt. Anschlie-

ßend wird nach der Beurteilung des Berufsfeldes durch die Teilnehmenden gefragt.

Anhand der Aufgabenbereiche und den medienpädagogischen Aspekte wird in der Auswertung

der qualitativen Interviews geklärt, in welchen Tätigkeitsfeldern Medienpädagogik am häufigs-

ten vorkommt. Neben den persönlichen Zielen werden zum Abschluss dieses Kapitels auch die

Zukunftsperspektiven des medienpädagogischen Arbeitsfeldes betrachtet.

4.2.1 Tätigkeitsfelder

Um einen Eindruck zu gewinnen, in welchen Bereichen MedienpädagogInnen tätig sind, wurden

die Befragten gebeten, ihre Tätigkeit einem Arbeitsfeld zuzuordnen. Der Großteil gab an, in der

außerschulischen Jugendarbeit tätig zu sein. Das am schwächsten besetzte Feld ist die Senioren-

arbeit.

Außerschulische Bildung

öffentliche, staatliche Einrichtungen

Weiterführende Schule

Hochschule/ Forschung

Nachmittagsbetreuung in der Schule

(Mehrfachauswahl möglich)

Erwachsenenbildung

Vorschule

Grundschule

freie Wirtschaft

Seniorenarbeit

Abbildung 8: Tätigkeitsfelder der Befragten

5%

8%

13%

12%

16%

20%

22%

28%

28%

34%

0% 5% 10% 15% 20% 25% 30% 35% 40%


4.2.2 Aktuelles Beschäftigungsverhältnis

Ergebnisse 17

Um die Mobilität der Befragten zu ermitteln, wurde das Bundesland, in dem das Studium absol-

viert wurde, mit demjenigen verglichen, in dem die BefragungsteilnehmerInnen heute beschäf-

tigt sind. Von 34 AbsolventInnen in Rheinland-Pfalz arbeiten 27 nach wie vor dort und sechs in

angrenzenden Bundesländern, was für eine eher geringe Mobilität spricht. Es kann dadurch je-

doch kein Schluss darüber getroffen werden, ob die Befragten zu mehr Mobilität grundsätzlich

bereit wären. Die durchschnittliche Entfernung zwischen Wohnort und Arbeitsplatz beträgt

33,5 km, wobei etwa die Hälfte nur eine Strecke von bis zu zehn Kilometern zurücklegt. Zwei

Befragte gaben an, eine Entfernung von 450 km zu ihren Arbeitsplatz zu haben.

Das Beschäftigungsverhältnis der Befragten ist häufig in Vollzeit, aber auch freiberufliche oder

Teilzeitstellen sind stark vertreten. Einige gaben in den offenen Fragen an, sowohl in Teilzeit als

auch freiberuflich beschäftigt zu sein, hier wird jedoch der berufliche Schwerpunkt dargestellt

(Einfachnennung).

selbstständig/ …

Teilzeit

Vollzeit

Abbildung 9: Art der Anstellung

Auch nach dem monatlichen Netto-Verdienst wurde gefragt. Der Vergleichbarkeit halber wurde

die Darstellung nach dem Beschäftigungsverhältnis aufgeschlüsselt. Die Zahlen können jedoch

keine Auskunft darüber geben, ob es sich um Einstiegsgehälter handelt oder in welchen Positio-

nen die Befragten beschäftigt sind. Es ist allerdings eine signifikante Tendenz erkennbar, dass

die höheren Verdienstklassen nicht von Befragten unter 30 Jahren angegeben werden. Das Be-

23%

26%

schäftigungsverhältnis hat darauf keinen messbaren Einfluss.

52%

0% 10% 20% 30% 40% 50% 60%


Abbildung 10: Verdienst nach Beschäftigungsverhältnis

Ergebnisse 18

Um sich einen Eindruck von der subjektiven Arbeitsbelastung der Befragten zu verschaffen,

wurden diese gebeten, anzugeben, inwieweit sie den folgenden Aussagen zustimmen:

40%

35%

30%

25%

20%

15%

10%

90%

80%

70%

60%

50%

40%

30%

20%

10%

0%

5%

0%

9%

19%

13%

80%

49%

43% 43%

Abbildung 11: Arbeitsbelastung

Es zeigt sich eine relativ symmetrische Normalverteilung, wobei die Beurteilung der Befragten

in Hinblick auf Zeit für die Familie (Mittelwert: 2,6; wobei 1 volle Zustimmung bedeutet) und

eigene Freizeit (Mittelwert: 2,7) tendenziell etwas besser ausfällt als hinsichtlich der Beanspru-

chung durch den Beruf (Mittelwert: 3,2).

Des Weiteren wurde nach der Zustimmung zu verschiedenen Aussagen bezüglich der Arbeitsbe-

dingungen im aktuellen Beschäftigungsverhältnis gefragt. Die Aussagen wurden in Abbildung 12

zusammengefasst. Während der Großteil der Befragten eigene Projekte planen und durchführen

kann, sieht nur die knappe Hälfte gute Aufstiegschancen. 57 Prozent haben ihren Schwerpunkt

aus dem Studium übernommen, die überwiegende Mehrheit gab an, ihren Schwerpunkt inzwi-

schen verändert oder erweitert zu haben.

24%

12%

7% 7% 7%

15%

1-1000 1001-2000 2001-2500 2501-3500 3501+

16%

monatlicher Verdienst (netto)

35%

33%

32%

30%

26%

21% 21%

16%

14%

7%

4%

voll eher teils/teils eher nicht gar nicht

Zustimmung

Vollzeit (n=33)

Teilzeit (n=15)

selbstständig/

freiberuflich (n=14)

Mein Beruf beansprucht mich

nicht mehr als nötig (n=43)

Ich habe genug Zeit für meine

Familie (n=57)

Ich habe ausreichend Freizeit

(n=58)


Schwerpunkt aus dem Studium übernommen

Abbildung 12: Arbeitsbedingungen

4.2.3 Zufriedenheit und Weiterbildung

Ergebnisse 19

Mehr als 80 Prozent der TeilnehmerInnen äußerten Zufriedenheit mit ihrem derzeitigen Ar-

beitsverhältnis. Um mögliche Ursachen zu ermitteln, die dieses Urteil begünstigen, wurde die

Zufriedenheit mit der Art der Anstellung und der Möglichkeit, eigene Projekte durchzuführen,

korreliert, wobei eine Vollzeitanstellung und größere Eigenständigkeit die Zufriedenheit zu be-

günstigen scheinen.

Zufriedenheit und …

100%

80%

60%

40%

20%

0%

Zufriedenheit mit Arbeitsverhältnis

weitere oder ehrenamtliche Tätigkeit

eigene Projekte planen und durchführen

(n=60)

Schwerpunkt erweitert

gute Aufstiegschancen

... Beschäftigungsverhältnis

40%

60%

selbstst./

freiberufl.

29%

71%

Teilzeit Vollzeit

unzufrieden zufrieden

6%

94%

Abbildung 13: Zufriedenheit in Abhängigkeit vom Beschäftigungsverhältnis und der Freiheit, eigene

Projekte durchzuführen

Doch Korrelationen erlauben keine endgültigen Aussagen, da zu viele andere Faktoren Einfluss

haben könnten. Daher wird im Folgenden dargestellt, welche Begründung die Befragten in Frei-

textfeldern angaben. Die Aussagen bestätigten die durch die Korrelationen gewonnenen Vermu-

tungen. Tatsächlich wird die Eigenständigkeit von der Mehrheit hervorgehoben, während die

42%

49%

57%

82%

87%

92%

0% 20% 40% 60% 80% 100%

100%

80%

60%

40%

20%

0%

... Freiheit, eigene Projekte

durchzuführen

6%

94%

zufrieden

(82%)

18%

82%

nicht zufrieden

(18%)

keine eigenen Projekte eigene Projekte


Ergebnisse 20

häufigste Ursache für Unzufriedenheit in den Arbeitsbedingungen liegt, unter anderem im Be-

schäftigungsverhältnis.

Selbstständigkeit/ Freiheiten

Abbildung 14: Gründe für Zufriedenheit bzw. Unzufriedenheit

Welche Weiterbildungsmöglichkeiten die TeilnehmerInnen während ihres Studiums oder auch

während der Berufstätigkeit wahrgenommen haben, wurde ebenfalls offen erfragt und im Nach-

hinein kategorisiert. Die Prozentangaben beziehen sich dabei auf die Anzahl der Personen, die

die jeweiligen Weiterbildungsmöglichkeiten genutzt haben.

Abbildung 15: genutzte Weiterbildungsmöglichkeiten

Die Kategorie „Sonstiges“ beinhaltet größtenteils nicht weiter ausdifferenzierte Nennungen wie

„Praxisworkshops“, „diverse“ etc.

Arbeitsklima

Abwechslungsreichtum

Tätigkeit (inhaltlich & methodisch)

Vernetzungsmöglichkeiten

idealistische/ persönliche Gründe

Verdienst

Sonstiges

zeitliche Flexibilität

Arbeitsbedingungen (Art der Anstellung etc.)

Weiterbildungsmöglichkeiten

päd./ didakt. Weiterbildungen/ …

Medienpädagogische Weiterbildungen

Medienarbeit: Software/ Technik

Medienwissenschaften/ Journalist. Praxis

Software-Kurse (Büro-Software)

kaufmännische Weiterbildungen

(Mehrfachnennungen)

Sonstiges

Technik (allgemein)

Sprachkurse

Forschung

Psychologie/ Medizin

1

1

3

5

5

5

5

7

8

9

16

16

19

0 5 10 15 20 25 30

2%

Anzahl der Nennungen

8%

8%

8%

10%

16%

18%

18%

18%

24%

30

Unzufriedenheit

(n=9)

Zufriedenheit

(n=45)

33%

0% 10% 20% 30% 40%


4.2.4 Beurteilung des Berufsfeldes Medienpädagogik

Ergebnisse 21

Um die gesellschaftliche Bedeutung des Berufsfeldes Medienpädagogik zu ermitteln und zu-

gleich die Arbeitsmarktchancen aus Sicht Betroffener beurteilen zu können, wurden die Teil-

nehmerInnen um ihre Einschätzung dieser Fragen gebeten. Fast 70 Prozent der Befragten gaben

an, dass MedienpädagogInnen auf dem Arbeitsmarkt gesucht werden, 88 Prozent wünschen sich

jedoch, dass mehr Stellen für MedienpädagogInnen geschaffen werden sollten.

Die Bereiche, in denen nach Einschätzung der UmfrageteilnehmerInnen MedienpädagogInnen

gesucht werden, bzw. in denen Stellen geschaffen werden sollten, konnten in einer offenen Frage

aufgezählt werden und wurden nachträglich kategorisiert.

Schule/ Kinder & Jugendliche

Außerschulische Bildung / Jugendarbeit

Medienunternehmen

Erwachsenenbildung

Sonstiges (z.B. Museum)

Jugendschutz

öffentl., staatl. Einrichtungen

Erzieher- & Lehrerbildung

überall

Ämter/ Verwaltung

Freie Wirtschaft

Hochschule/ Forschung

Vorschule

Eltern

Nachmittagsbetreuung in der Schule

Seniorenarbeit

Abbildung 16: Bedarf an MedienpädagogInnen

9%

11%

6%

6%

13%

2%

6%

6%

13%

6%

15%

4.2.5 Aufgabenbereiche und medienpädagogische Aspekte

4%

3%

3%

11%

16%

13%

16%

9%

13%

9%

9%

Von sieben Interviews werden hier nur sechs in die Auswertung mit einbezogen, da eine Person

noch nicht voll berufstätig war. Wie bereits in den eben dargestellten Ergebnissen der Online-

Befragung zu sehen war, sind MedienpädagogInnen in einigen Arbeitsfeldern verstärkt ange-

stellt. Auch die Auswertung der Interviews zeigt, dass die Branchen außerschulische und schuli-

sche Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, Erwachsenen- und Weiterbildung in großen (Wirt-

schafts-) Unternehmen und universitäre Forschung vertreten sind (vgl. Tabelle 1). Interessant

erscheint hier, dass die beiden Befragten mit dem Schwerpunkt außerschulische und schulische

13%

30%

34%

40%

45%

59%

0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70%

Bereiche, in denen Stellen geschaffen werden sollten (n=47)

Bereiche, in denen Medienpädagogen gesucht werden (n=32)


Ergebnisse 22

Bildung von Kindern und Jugendlichen zusätzlich in der Erwachsenen- und Weiterbildung tätig

sind.

Berufsbe- Tätigkeitsfeld Hauptthema Klientel Medienpäd.

zeichnung

Aspekte

DoktorandIn Hochschule/ For- Forschung „LeseUniversitätsbe- 0%

schungkompetenz“trieb/

Kollegium, (keine Praxis,

StudentInnen nur Theorie)

LehrerIn für Berufsbildung Lehre in Pflege- Schulabgänger mit Max. 10 %

Pflegeberufe

berufen

mittlerer Reife;

tlw. Fachhoch-

Erwachsenen-/ Aufbau einer schüler o. Abituri-

Weiterbildung E-Learning- enten

Plattform

Zielgrp.: 17-24 J.

+ MitarbeiterInnen

vor Ort

Keine genauen Erwachsenen-/ Pädagogische Arbeitslose (von Max. 10 %

Angaben Weiterbildung Kursoptimierung Agentur für Ar- (nur Einfüh-

(päd. Mitarbei-

und Planung beit)rung

in PlattterIn)

Tlw. Wachpersonal,Führungskräfteform)Medien-

Erwachsenen-/ E-Learning, Kon- Flugpersonal 80 % (kein

pädago Weiterbildung zeption von

thematischer

gIn/päd.MitTrainingspro- Schwerpunk:

arbeiterIngrammen

MP wird zur

Umsetzung

genutzt)

Medien- Außerschulische Projektarbeit Jugendliche 100 %

pädagogIn Jugendbildung

tlw. Erwachsene

tlw. Erwachsenen-

/ Weiterbildung

und Kinder

Medien- Außerschulische/ Projekt Ganz- 6.-7. Klasse

100 %

pädagogIn schulische Kinderund

Jugendbildung

tagsschule (11-13 J.)

tlw. Erwachsenen-

/ Weiterbildung

Fortbildung für

LehrerInnen und

ErzieherInnen

Lehrkräfte

ErzieherInnen

Tabelle 1: Übersicht der Tätigkeitsfelder der InterviewteilnehmerInnen

Die subjektive Einschätzung der medienpädagogischen Aspekte in der täglichen Arbeit der Be-

fragten zeigt einen deutlichen Kontrast zweier Bereiche auf. Medienpädagogische Praxisarbeit

findet vor allem im Berufsfeld schulischer und außerschulischer Bildung statt, während in der

universitären Forschung nur theoretische, medienpädagogische Inhalte zu finden sind. Im Be-

reich der Erwachsenen- und Weiterbildung scheint Medienpädagogik teilweise stark in den Ar-

beitsaufgaben enthalten zu sein. Der Fokus liegt hierbei meist nicht auf der Vermittlung von me-

dienpädagogischen Inhalten. Medien werden eher als didaktisches Mittel verwendet. Teilweise

erscheinen medienpädagogische Aspekte auch nur als Randbereich oder müssen durch Eigenini-

tiative in das Tätigkeitsfeld integriert werden (vgl. hierzu Abschnitt 4.3 Kompetenzen und Fähig-

keiten), wie folgendes Zitat verdeutlicht:


Ergebnisse 23

„[…] und ich versuche, Interesse zu wecken was E-Learning angeht. Ich will […] dann ein

paar mit ins Boot zu nehmen, […] um da mal so erste Schritte zu machen und das ganz

grundlegend zu gestalten. Also so ja, um die dann einfach neugierig zu machen. Das ist so

grob der Plan, langfristig natürlich mehrere Sachen.“ (Transkription 02, Abschnitt 9)

4.2.6 Ziele und Zukunftsperspektiven

Bei der Nachfrage zu den beruflichen Zielen der TeilnehmerInnen wurden einige Punkte häufi-

ger genannt. So überlegen fünf Personen, in näherer Zukunft den Arbeitsbereich innerhalb des

derzeitigen Berufes zu wechseln. Jedoch wurde nur zweimal von einem größeren Ortswechsel

oder Auslandaufenthalt gesprochen. Drei Befragte streben eine Weiterbildung oder Festanstel-

lungen an und möchten gerne an ihrem derzeitigen Arbeitsplatz bleiben. Alle Interviewteilneh-

merInnen wollen ihre Arbeitsaufgaben erweitern oder ändern. Hier war vor allem der Wunsch

groß, eine lehrende Tätigkeit auszuüben. Auch das Bestreben, ein höheres Maß an (medien-)

pädagogischen Inhalten in der täglichen Arbeit wieder zu finden, wurde geäußert, ebenso wie

die Zusammenarbeit mit einer anderen Zielgruppe.

Im Bezug auf Selbstständigkeit waren alle InterviewteilnehmerInnen im Gegensatz zu den Be-

fragten der Online-Erhebung negativ eingestellt. Die beiden Personen, die bereits selbstständig

waren, empfanden dies entweder als schwierige Zeit oder sind jetzt mit einer Teilselbstständig-

keit zufriedener.

„Selbstständig möchte ich nicht mehr sein.

Und ähm (.) ich hab hier jetzt erst mal also alles was ich brauche. Ich kann neue Sachen ausprobieren,

ich muss nicht immer sagen wir mal „geldtopforientiert“ arbeiten. Wir können mal

Testballons starten und gucken, kommt jemand zur Fortbildung. Das könnte ich mir als

Selbstständige nicht leisten, also als Selbstständige müsste ich zusehen, dass ich mein festes

Geld irgendwie rein bekomme und ich hab in der Zeit, in der ich selbstständig war, schon die

Erfahrung gemacht.“ (Transkription 03, Abschnitt 13 und 16)

Die anderen vier InterviewteilnehmerInnen fühlten sich entweder für eine Selbstständigkeit in

ihrem Beruf noch nicht ausreichend gefestigt oder empfinden sie als zu unsicher, was Auftrags-

lage und Einkommen betrifft.

Wenn jetzt dieses Jahr rum ist, kannst du dir auch vorstellen, irgendwann mal selbstständig

zu sein?

„[…] Im Moment noch nicht so gut, weil mir dazu glaub ich noch die Erfahrung fehlt.“ (Transkription

04, Abschnitt 35f)

Die Nachfrage zur Notwendigkeit von Medienpädagogik in der heutigen Zeit wurde relativ ein-

heitlich beantwortet. Vor allem hervorgehoben wurde der Aspekt des Lebenslangen Lernens im

Bezug auf alle Zielgruppen – von Kindern bis zu Senioren. Für eine Teilhabe an unserer techni-

sierten, digitalen Gesellschaft sei ein reflektierter Umgang mit Medien unersetzbar. Hierzu gehö-

ren unter anderem Bereiche der Medienkompetenz, wie ein vorausschauendes, differenziertes

Handeln mit Medien und eine Genussfähigkeit während dem Medienkonsum. Die Einschätzung


Ergebnisse 24

des Einflusses von Medien auf die eigene Person und das eigene Wirken auf diese wurde beson-

ders stark gewichtet. Medienkompetenz als Grundvoraussetzung für das Leben in unserer Ge-

sellschaft ist somit und durch die ständige Weiterentwicklung der Medien zu einer lebenslangen

Entwicklungsaufgabe geworden. Um diese zu bewältigen braucht es, neben der Erziehung durch

die Eltern, Institutionen, die Medienkompetenz unterstützen und fördern. Jedoch darf die Me-

dienpädagogik nicht den ursprünglichen Bildungsinhalt einer Institution verdrängen, sondern

soll sich in den Gesamtkontext eingliedern. Die Schulung, Begleitung und Beratung von Erzieh-

erInnen und Lehrenden kann an dieser Stelle durch MedienpädagogInnen erfolgen.

Insgesamt muss die Sensibilität für die Bedeutung von Medienpädagogik in der heutigen Zeit in

allen Bildungsbereichen geschärft werden.

4.3 Kompetenzen und Fähigkeiten

Die InterviewteilnehmerInnen wurden nach den Fähigkeiten und Kompetenzen befragt, die sie

für die praktische medienpädagogische Arbeit benötigen. Um die Antworten besser einordnen

zu können, wird an dieser Stelle das Modell nach Thiessen (2005) hinzu gezogen (vgl. Tabelle 2).

Die Begriffe „Kompetenzen“ und „Fähigkeiten“ werden im Folgenden, wie auch von den Teil-

nehmerInnen, synonym verwendet.

4.3.1 Modell der beruflichen Handlungskompetenzen

In ihrer Ausführung zu beruflichen Handlungskompetenzen teilt Barbara Thiessen vier Kompe-

tenzbereiche ein. Die inhaltliche Orientierung geht hierbei auf Erpenbeck/ Heyse (1999) zurück,

welche „an eine Grundlegung des Kompetenzbegriffs bei Roth (1971)“ (Thiessen 2005, S. 256)

anschließt. Die Grenzen zwischen den vier Bereichen sind durchlässig und somit nicht scharf

trennbar. Es liegt keine hierarchische Struktur vor, dennoch wird deutlich, dass die Individual-

kompetenz „den direktesten Bezug zum Individuum hat“ (ebd., S. 257). Das als Vorlage dienende

Schalenmodell wird in folgender Tabelle vereinfacht ohne die Schlüsselqualifikation dargestellt,

welche nach Mertens (1974), die Voraussetzung für die Bildung von Kompetenzen sind. Ein Be-

zug zu Schlüsselqualifikationen war nicht in der Fragestellung enthalten.


Sach-/ Fachkompetenz Methodenkompetenz

Allgemeinwissen

Betriebswirtschaftliche Kenntnisse

EDV-Wissen

Fachwissen

Sprachkenntnisse

Analytisches Denken

Fachbezogene Methodenkenntnisse

Konzeptionelle Fähigkeiten

Lernkompetenz

Medienkompetenz

Planungsfähigkeit

Strukturierendes Denken

Sozialkompetenz Selbst-/ Individualkompetenz

Einführungsvermögen

Kommunikationsfähigkeit

Konfliktlösungsbereitschaft

Konsensfähigkeit

Kooperationsbereitschaft

Teamfähigkeit

Belastbarkeit

Bereitschaft zur Selbstentwicklung

Flexibilität

Konzentrationsfähigkeit

Reflexionsfähigkeit

Verantwortlichkeit

Tabelle 2: Vereinfachte Darstellung nach dem Schalenmodell von Thiessen (2005)

4.3.2 Kompetenzbereiche im medienpädagogischen Arbeitsfeld

Ergebnisse 25

Bei der Sammlung der genannten Kompetenzen und Fähigkeiten in Bezug zum ausgeübten Beruf

fällt auf, dass Inhalte aus allen Hauptbereichen genannt wurden.

Sach-/ Fachkompetenz 9 Methodenkompetenz 16

EDV-Kenntnisse

3 Organisation/ Planung/

6

Hintergrundwissen

3 Zeiteinteilung

Didaktik/ Seminare halten

1 Aktive fachliche Weiterbildung 3

Professionalität

1 Didaktik, Umsetzung

3

Spezialisierung

1 Medienkompetenz

3

Entwicklung eigener Ideen

1

Sozialkompetenz 11 Selbst-/ Individualkompetenz 18

Teamfähigkeit

5 Interesse/ Motivation/ Spaß

7

Außenwirkung

2 Selbstlernkompetenz

4

Begeisterungsfähigkeit

2 Flexibilität

2

Softskills

2 Hohe Frustrationsgrenze/ Geduld 2

Offenheit/ Ehrlichkeit

2

Selbstständigkeit/ Verantwortung 1

Tabelle 3: Benennung und Häufigkeit der Kompetenzen und Fähigkeiten

Am häufigsten wurden Elemente aus den Individualkompetenzen erwähnt, wobei ein eigenes

Interesse insgesamt an erster Stelle steht. Der Bereich Methodenkompetenzen folgt in der Nen-

nung, mit einem deutlichen Schwerpunkt auf Organisation und Planung. Interessant erscheint

hier auch die Betonung von Medienkompetenz, didaktischem Können und aktiver, fachlicher

Weiterbildung, die mit der Selbstlernkompetenz aus dem individuellen Bereich übereinstimmt.

Die Fähigkeiten, welche die Sozialkompetenzen umfassen, sind begrifflich sehr allgemein gehal-

ten. So steht Teamfähigkeit an höchster Stelle und im Weiteren folgen allgemeine Umschreibun-

gen, wie Softskills und Außenwirkung. Die geringsten Nennungen waren im Bereich Fachkompe-

tenzen festzustellen. Hier stehen fachliches Hintergrundwissen und gute EDV-Kenntnisse im

Vordergrund.


Ergebnisse 26

In der Befragung wird deutlich, dass studienbezogene Kompetenzen für die spätere Berufstätig-

keit bedeutsam sind, so scheinen auch durch die reine Struktur des Studierens selbst Fähigkei-

ten für das spätere Berufsleben erlernt zu werden.

„Aber jetzt so für den Alltag würde ich eher (betont) sagen das Lernen fürs (betont) Studium

hat mehr gebracht als das Studium selbst, ja? Also die Selbstorganisation, Zeitmanagement,

wie strukturiere ich mich, was für Lerntechnik habe ich. Das ist eigentlich das was hier jetzt

im Arbeitsplatz mehr bringt.“ (Transskript 02, Abschnitt 36)

4.4 Verbindung von Theorie und Praxis

Im letzten Kernbereich der Auswertung steht die Verbindung von der Theorie des Studiums und

der Praxis des Berufs im Mittelpunkt. Die InterviewteilnehmerInnen sollten zunächst auf ihre

Studienzeit und deren Inhalte zurückblicken. Welche positiven und negativen Aspekte waren für

sie vorhanden und wo könnte die Universität Veränderungen vornehmen? Auch die direkte Ver-

knüpfung von Studieninhalten und Berufsanforderungen war hier von Bedeutung. Wie relevant

sind beispielsweise die Nebenfächer und was macht die Gestaltung der Studienseminare aus?

4.4.1 Studieninhalte

Von den vermittelten Studieninhalten wurden im Allgemeinen vor allem das Erlernen von wis-

senschaftlichem Arbeiten geschätzt sowie die vielfältigen Themen, die Einblicke in viele ver-

schiedene Zielgruppen, Felder und Medien ermöglichten. Insgesamt fehlten der praktische Be-

zug und Informationen zum Themenfeld Handlungskompetenzen mit Inhalten wie Beratung,

technische Kenntnisse und Empowerment. Positiv wurden konkrete Seminarthemen, wie Kom-

munikationsmodelle, Lernprozesse und der Einsatz von Medienpädagogik als didaktisches Mit-

tel hervor gehoben. Einige wenige Seminarinhalte wurden hingegen als nicht notwendig einge-

stuft.

In der Gesamtbetrachtung der Studieninhalte lässt sich die Divergenz von einerseits sehr spezi-

ellen Seminarthemen, wie beispielsweise dem Fernsehverhalten von Kindern, und andererseits

sehr oberflächlichen Inhalten erkennen, die keine Vertiefung ermöglichen (vgl. hierzu Abschnitt

4.4.3 Gestaltung des Studiums).

4.4.2 Nebenfächer

Der Diplomstudiengang Pädagogik an der Universität Mainz war verbunden mit den beiden Ne-

benfächern Psychologie und Soziologie. Fünf Befragte hatten diesen Studiengang gewählt. Bei

der Nachfrage nach der Relevanz der beiden Nebenfächer für den Beruf wurde vor allem Psy-

chologie positiv hervorgehoben. Soziologie wurde entweder nicht erwähnt oder als Basiswissen

beziehungsweise negativ gewertet, wie folgendes Zitat verdeutlicht:


Ergebnisse 27

„Also ich würd sagen Soziologie - gut, ich bin auch nicht so der Soziologie-Typ - das ist so ein;

das ist relativ verschwunden, hab ich das Gefühl, für meinen Beruf. Aber Psychologie ist schon

wichtig. Also grade was - klar, wir hatten ja Psychologie für Pädagogen - das kann man eigentlich

alles gebrauchen.“ (Transkription 04, Abschnitt 98)

Auch der Wunsch nach anderen Nebenfächern wurde geäußert. Für andere Studiengänge wurde

vor allem die freie Wahl von zusätzlichen Studienbereichen positiv bekräftigt.

4.4.3 Gestaltung des Studiums

In diesem Auswertungsbereich liegt der Fokus auf der Einschätzung des Aufbaus von Seminaren

und Vorlesungen bzw. des Studienganges insgesamt. Allgemein wurde der gute Kontakt von

DozentInnen und Studierenden durch kleine Kurse sowie die flexible Zeiteinteilung und ausrei-

chende Wahlmöglichkeiten in den Diplom- und Magister-Studiengängen hervorgehoben. Diese

Wahlmöglichkeit sei allerdings sehr unübersichtlich und zu wenig begleitet. Eine Beratung in

der Studienplanung fehle völlig. Hierzu wurde der Vorschlag für ein Tutoren- und Feedbackmo-

dell gemacht. Insgesamt wurden auch für die Schwerpunkte im Bachelor eine bessere Vertiefung

und die Möglichkeit, einen eigenen Fokus zu setzen, gewünscht.

Bei der Gestaltung der Seminare wurde bemängelt, dass die Inhalte sehr einseitig aufbereitet

werden. Statt Theorien über Referate zu vermitteln, wurden mehr Diskussionen und Exkurse in

die Praxis gewünscht. Auch Team- und Projektarbeit könnten als Gestaltungsmittel häufiger

verwendet werden.

Der Bereich „Praktikum“ wurde positiv hervorgehoben. Vor allem das eigenständige Arbeiten

und die Lerneffekte standen hier im Vordergrund. Die Begleitung des Praktikums, und die damit

verbundene Thematisierung des Theorie-Praxis-Bezuges, wurden unterschiedlich beurteilt. So

wurde mehr Unterstützung bei der Übertragung von theoretischem Wissen auf praktisches Ar-

beiten gewünscht. Der Kontakt zu den Lehrenden während der Praxiszeit wurde als intensiv

bezeichnet. Insgesamt wurde häufig der Wunsch nach einem größeren Praxisanteil in der uni-

versitären Lehre geäußert.

Die genannten Aspekte und Vorschläge werden teilweise in Abschnitt 4.4.5 Empfehlungen für

Studiengang und Studierende nochmals differenzierter betrachtet.

4.4.4 Studium und Beruf

Im Folgenden wurden die nachträglich erhobenen, schriftlichen Antworten der Teilnehmenden

aus der Online-Erhebung mit einbezogen.

Bei der Auswertung der Verbindung von theoretischen Inhalten aus dem Studium und prakti-

scher Umsetzung im Berufsalltag wird deutlich, dass das Studienwissen vor allem als Hinter-

grundwissen genutzt wird.


Ergebnisse 28

„Durch die gute theoretische Fundierung fällt es leichter, sich in neue Themen einzuarbeiten.

Man kann auf schon Vorhandenes aufbauen und sich so weiter in ein Themengebiet einarbeiten.“

(Transkription 08, Abschnitt 4)

Es erfolgt zwar keine direkte Umsetzung von Theorien, sie werden jedoch in Konzeption und

Reflexion mit der Praxis verbunden. Das Wissen um den Einsatz von Medienpädagogik als didak-

tisches Mittel wird beispielsweise im Aufbau von Projekten und Lerneinheiten eingesetzt. Posi-

tiv wurde hier vor allem das Erlernen von Methodenkompetenzen hervorgehoben. Eine direkte

Nutzung von Theoriewissen besteht nur im Bereich der Forschung. Selten sprachen die Teil-

nehmerInnen davon, nichts aus dem Studium mitgenommen zu haben.

Insgesamt fällt auf, dass die Befragten häufiger erwähnten, dass ihnen fachlicher Inhalt zu ihrem

jeweiligen Themengebiet fehle. Zwar können sie ihr pädagogisches Wissen nutzen, jedoch wäre

eine frühere Orientierung und Vertiefung in ein pädagogikfremdes Fachgebiet sinnvoll gewesen.

„Also ich glaub, ich würd eher in die konzeptionelle Ecke gehen, mittlerweile, weil ich eben als

Dozent müsst ich mir noch irgendwie was anderes drauf schaufeln, noch irgendwas Fachliches.

Und ich glaub, da bräucht ich noch ein bisschen Vorlauf.“ (Transkription 04, Abschnitt

76)

Dieses Problem taucht nicht nur in der Erwachsenen- und Weiterbildung auf, sondern ist auch in

rein medienpädagogischen Berufen sichtbar. So scheint hier ein gewisses technisches Wissen

bzw. Hintergrundwissen in Bereichen wie „Film“ und „Computer“ von Vorteil zu sein. Als Lösung

dieses Problems werden unter anderem eine Ausweitung der Praktika (vgl. Abschnitte 4.4.3

oder 4.4.5) bzw. eine Verbindung der universitären Lehre mit Unternehmen vorgeschlagen.

Im Bezug auf die Relevanz des Studiums für den ergriffenen Beruf wurde häufig von einer päda-

gogischen Haltung gesprochen, die durch das Studium vermittelt wurde und für die Arbeit sehr

wichtig ist.

„Und das ist, glaube ich, eher die Mischung mit der sozialen Arbeit und Pädagogik, und wie

ich mit Menschen umgehe oder was meine pädagogische Haltung zu bestimmten Dingen ist.

Das hat‘s eher gebracht, also nicht reines Fachwissen oder reine Analyse von Medien.“

(Transkription 03, Abschnitt 58)

4.4.5 Empfehlungen für Studiengang und Studierende

Einige Empfehlungen sind bereits in vorangehenden Abschnitten näher erläutert worden und

werden hier nicht erneut aufgeführt (vgl. Abschnitt 4.3.2). Hierbei wurde besonders die Integra-

tion der studienbezogenen und berufsbezogenen Kompetenzen in den Studiengängen betont.

Ein wichtiger Kritikpunkt im Bezug auf den Bachelorstudiengang war die Vertiefung in den

Schwerpunkten. Es scheint wenige Möglichkeiten zu geben, einen eigenen Fokus zu setzen.

„Also ich kenn mich im Bachelor natürlich nicht so gut aus. Was ich wahrnehme bei den Studierenden,

mit denen ich Kontakt habe, […] dass diese Bausteine oder Module gar nicht immer

so gut zueinander passen und dass Themen schwer vertieft werden können. […] Und das

würd ich mir schon wünschen, dass man sich ein Spezialgebiet raussuchen kann. Sagen kann:


Das vertief ich. Und ich hab das Gefühl, dass im Bachelorstudiengang diese Vertiefungen

nicht stattfinden“. (Transkription 03, Abschnitt 88f)

Ergebnisse 29

Eine Empfehlung der Befragten lautete, eine breitere Auswahl an Wahlmöglichkeiten innerhalb

von Seminarthemen zu bieten. An dieser Stelle wurde auch die Anregung gegeben, mehr Kurse

zu belegen, als vorgegeben sind.

Für die Umgestaltung des didaktischen Konzepts der Lehre an der Universität wurde vor allem

mehr Team- und Projektarbeit empfohlen. Für die Begleitung des Studienverlaufs, welche sehr

bemängelt wurde (vgl. Abschnitt 4.4.3 Gestaltung des Studiums) wurde ein Mentoren- bzw. Feed-

backmodell vorgeschlagen. Die Studierenden könnten zu Beginn des Studiums eine Mentorin

bzw. einen Mentor zugewiesen bekommen, die bzw. der sie über die gesamte Studienzeit hinweg

begleitet und ihnen Rückmeldung über mögliche Weiterführungen des Studiums gibt.

Wie bereits im Abschnitt 4.4.3 Gestaltung des Studiums aufgezeigt, wurde mehr Praxisbezug im

Studium gewünscht. Als Anregungen wurden häufig ein längeres Pflichtpraktikum bzw. ein be-

gleitetes Praxissemester vorgeschlagen. Ebenfalls möglich wäre ein Austausch mit Berufsanfän-

gerInnen oder ehemaligen Studierenden in einem Seminar oder durch Berufsfelderkundungen.

Insgesamt könnte eine stärkere Verbindung zu Unternehmen und Einrichtungen geknüpft wer-

den, z.B. durch Praxis-Einheiten, Exkursionen und Einladungen von Gastreferenten in Semina-

ren.

Die Empfehlung für Studierende beinhaltet zunächst die generelle Anregung, sich über die eige-

ne Fachgrenze hinaus Wissen anzueignen. Auch im eigenen Arbeitsbereich können so festgefah-

rene Strukturen durch neue, eigene Ideen gelöst werden. Wie bereits in Abschnitt 4.4.4 Studium

und Beruf beschrieben, ist eine fachferne Weiterbildung neben dem Studium sinnvoll. Auch die

Kombination von Medienpädagogik mit einem Bereich, in dem zuvor gearbeitet wurde oder der

im persönlichen Interessensfeld liegt, ist ein möglicher Vorteil für den späteren Berufseinstieg.

„Naja, was ich generell raten kann, wenn jemand irgendwas hat, was er vorher schon gemacht

hat, zu schauen, dass man es kombinieren kann, weil nur Medienpädagoge, dafür ist

das Feld so breit gestreut, da muss man viel mehr vorweisen können, als einfach nur ‘n Diplom

in Medienpädagogik.“ (Transkription 02, Abschnitt 67)

Wird nach dem Abschluss ein Arbeitsplatz an der Universität angestrebt, so sollte das frühzeitig

kommuniziert werden:

„Und, hm, ansonsten hat‘s nicht unbedingt geschadet auch zu kommunizieren, dass man gern

da bleiben will. […] und ich denk, wenn das früh genug, wenn man das irgendwie im anfangs

Hauptstudiums merkt, dass man Interesse hat, dann sollte man […], das mal vielleicht schon

zur Seminarleitung […] kommunizieren und einfach Kontakt herstellen. Ich glaub, das ist

wichtig, weil […] das steht dir ja nicht auf der Stirn geschrieben, das […] denk ich muss man

einfach sagen.“ (Transkription 01, Abschnitt 77)


Ergebnisse 30

Bei der Einstufung der Studienabschlüsse im Bachelor-Master-System, waren die Befragten un-

sicher, ob ein Master für die berufliche Befähigung unbedingt notwendig ist. Für den derzeitigen

Arbeitsmarkt erscheint den TeilnehmerInnen ein höherer Abschluss jedoch anerkannter.

Als zentraler Punkt der Empfehlungen wurde Praxiserfahrung während der Studienzeit stark

betont. Alle Befragten gaben Beispiele für praktisches Arbeiten. So wäre die Umsetzung von the-

oretischem Wissen beispielsweise durch das Anbieten von Kursen und Projekten möglich.

„Schon studienbegleitend, wenn es möglich ist, arbeiten an Volkshochschulen. Es gibt überall

in der Nähe von den Ländern Medienzentralen, wo man auf Honorarbasis arbeiten kann. Auf

jeden Fall nebenbei Praxiserfahrung sammeln, um gleichzeitig aber so den Lebenslauf ‘n

bisschen füllen zu können, dass man schon was vorweisen kann. Also das ist sehr wichtig, einfach

nur dieses Examen, eh das Diplom, das reißt‘s nicht raus.“ (Transkription 02, Abschnitt

67)

Dabei müssen diese Praxisideen nicht zwangsläufig in einer Institution umgesetzt werden, son-

dern können auch durch eigene Organisation getestet werden. Wichtig ist es, die eigenen Inter-

essensfelder zu erkunden und sich selbst auszuprobieren.

„Und sich zu überlegen, also man kann dann ja sich auch in anderen Gruppen organisieren.

[…] Also wo man schon medienbezogen Projekte machen kann. Also sich einfach was vorzunehmen

und das wirklich anzugehen. […] Also sich wirklich mal was zu überlegen, das in die

Hand zu nehmen und auch abzuschließen. Weil vielen medienpädagogischen Projekten fehlt

der Abschluss. […] – also das glaub ich ist ne gute Übung und zu überlegen, ob man Lust hat

auf so Produktion auch. Und das selber machen will.“ (Transkription 03, Abschnitt 111)

4.5 Diskussion der Ergebnisse

Die vorliegende Studie hatte zum Ziel, das Berufsfeld Medienpädagogik zu untersuchen und zu

ermitteln, ob die im Studium vermittelten Inhalte adäquat auf die spätere Berufstätigkeit von

MedienpädagogInnen vorbereiten. Zu diesem Zweck wurde eine quantitative Online-Befragung

mit leitfadengestützten Interviews kombiniert. Die Durchführung war nicht frei von Problemen

und methodischen Mängeln. Diese sollen im Folgenden diskutiert werden.

Die Studie wurde im Rahmen eines Seminars mit Hilfe einer Bachelor-Gruppe konzipiert. Inner-

halb dieses Seminars nahm sie vergleichsweise wenig Raum ein, wodurch insbesondere bei der

Online-Befragung einige Schwächen entstanden, die aber erst im Verlauf der Erhebung auffielen.

Der Fragebogen sah zu viele offene Fragen vor, die in der Auswertung unter Verlust der Präzisi-

on standardisiert werden mussten. Diese nachträgliche Kategorisierung ist nicht immer völlig

trennscharf. Auch waren die vorgegebenen Antworten der geschlossenen Fragen oft uneinheit-

lich konzipiert und daher schwer vergleichbar. Es fehlten einige Fragen nach bestimmten Inhal-

ten, weshalb unter anderem der Fragebogen nach vier Wochen geändert werden musste und die

Befragten noch einmal nachträglich per Email angeschrieben wurden. Insgesamt war der Rück-

lauf der TeilnehmerInnen zu gering, um verwertbare statistische Daten zu liefern. Zudem ist die

Stichprobe nicht repräsentativ. Die hier dargestellten Tendenzen sind also nicht ohne Weiteres


Ergebnisse 31

generalisierbar, können aber dennoch einen Einblick ermöglichen und grobe Vorstellungen

vermitteln.

Sowohl für die quantitative, als auch für die qualitative Erhebung ergibt sich das Problem, dass

größtenteils AbsolventInnen des Diplom- oder Magister-Studiengangs befragt wurden. Es be-

steht also die Möglichkeit, dass hier kritisierte oder positiv hervorgehobene Aspekte des Studi-

ums in dem neuen Bachelor-Studiengang bereits umgesetzt oder nicht mehr gewährleistet sind.

Eine Wiederholung der Befragung mit den ersten AbsolventInnen des Bachelor-Studiengangs

könnte daher aktuellere und gewinnbringendere Ergebnisse erzielen. Doch auch hier ist zu be-

achten, dass die Studienordnung noch im Wandel ist und neuere Jahrgänge wieder andere Vo-

raussetzungen haben.

Die Verknüpfung von qualitativer und quantitativer Erhebungsmethoden wurde gewählt, um

Erkenntnisse aus unterschiedlichen Ebenen zu erhalten. Damit konnten z.B. Aussagen der quan-

titativen Fragebogenerhebung durch die Interviews vertieft und erweitert werden. Im Sinne der

Triangulation wurden in der vorliegenden Studie komplementäre Ergebnisse zusammengetra-

gen (vgl. Flick 2009, S. 227). Den Studierenden wurde durch den Methodenmix ermöglicht, sich

mit unterschiedlichen Methoden der Sozialforschung zu beschäftigen. Dies war hinsichtlich der

Erstellung der eigenen Abschlussarbeit im nachfolgenden Semester hilfreich.

Organisatorisch erwies sich die Weiterführung der Untersuchung mit der Seminargruppe nach

Ende der Vorlesungszeit als schwierig. Die Studierenden waren mit ihren Abschlussarbeiten

beschäftigt, sodass die Auswertung mit einer kleineren Gruppe, größtenteils durch wissenschaft-

liche Hilfskräfte, die zum Teil aus der Seminargruppe kamen, erfolgte.

Hinsichtlich der Ergebnisse der Studie werden folgende Aspekte ergänzt und kommentiert.

Die Weiterbildungsbereiche, die von den Befragten angegeben werden, können Anregungen für

zusätzliche Studieninhalte geben oder Ideen für Vertiefungsseminare liefern. Zusätzlich können

Kooperationen mit Weiterbildungsanbietern geschlossen und die Studierenden über deren An-

gebot informiert werden.

Hinsichtlich der Berufsbiografien ist interessant, dass die flexible Biografie nur in der Langzeit-

betrachtung erkennbar ist. So ist zu bedenken, dass über einen längeren Zeitraum betrachtet

eventuell viele Berufsbiografien diesen flexiblen Verlauf annehmen werden. Dies ist ein Phäno-

men, das in vielen Arbeitsbereichen beobachtbar ist und nicht speziell für den medienpädagogi-

schen Arbeitsbereich zutrifft. Hinsichtlich der Gestaltung von Studieninhalten ist zu überdenken,

ob und wie Studierende auf diese Gegebenheit am Arbeitsmarkt vorbereitet werden können. In

diesen Themenbereich fällt auch der Aspekt der selbstständigen Tätigkeit, der von den Befrag-

ten erwähnt wurde. Zum Teil wird die Selbständigkeit zur Überbrückung von Zeiten, in denen


Ergebnisse 32

kein Angestelltenverhältnis möglich ist, gewählt, zum Teil auch als Ergänzung zur Teilzeittätig-

keit. Eine gesellschaftliche Leistungserwartung an Hochschulen ist die Entwicklung der Beschäf-

tigungsfähigkeit (Employability) von Absolventen (vgl. Paetz 2011, S. 111). Die obengenannten

Themenbereiche betreffen die Vorbereitung der Studierenden auf die Anforderungen des Ar-

beitsmarktes.

Zusätzlich könnten die Arbeitsmarktchancen der Studierenden durch einen höheren Theorie-

Praxis-Bezug im Studium, z.B. durch die Ausweitung der Praktika, verbessert werden. Fast alle

Befragten haben einen Berufseinstieg in einem Tätigkeitsbereich gewählt, der mit einer Tätig-

keit während des Studiums zusammenhing. So wurde zum Beispiel aus einem Praktikum eine

Honorartätigkeit und später eine Festanstellung.

Die Anregungen der Befragten hinsichtlich der universitären Lehre sind, dass ein größerer The-

orie-Praxis-Bezug hergestellt werden und die Vermittlung von Theorie durch Referate einge-

schränkt werden sollte. Zusätzlich wird hinsichtlich der benötigten Kompetenzen im Beruf die

hohe Bedeutung von Selbst- und Individualkompetenz sowie der Methodenkompetenz sichtbar.

Auch im Bologna-Prozess vollzieht sich ein Sichtwechsel auf die Lehre, in dem nicht mehr die

Lehrinhalte (Input) sondern die Studierenden und ihre Kompetenzentwicklung (Outcome) im

Mittelpunkt stehen (vgl. Paetz 2011, S. 109). Es geht im Sinne von kompetenzorientierter Lehre

darum, Schlüsselqualifikationen zu vermitteln, welche die Fähigkeit zum selbstgesteuerten Ler-

nen unterstützen und die Eigenverantwortlichkeit der Studierenden fördern. Ausschließlich

dozentenorientierte, rein auf Wissensvermittlung fokussierte Lehrveranstaltungen sind nicht

hinreichend, um die im Berufsfeld abverlangten Handlungskompetenzen zu entwickeln. Es be-

darf der Ergänzung der traditionellen Lehrveranstaltungen um situierte Lehr-und Lernformen.

Dies meint im Sinne des „Shift from Teaching to Learning“ auch die Abkehr vom traditionellen

Rollenverständnis zwischen Lehrenden und Studierenden (vgl. Paetz 2011, S. 110). Umgesetzt

werden kann eine solche kompetenzorientierte Lehre durch den Einsatz von Projektarbeit und

Gruppenarbeit bei Forschungs- und Praxisprojekten. Dabei können neben Fachkompetenzen

auch Methoden-, Sozial- und individuelle Kompetenzen erworben werden, indem z.B. gemein-

sam mit Studierenden Tagungen und Veranstaltungen organisiert und Praxisprojekte zusammen

mit Bildungsträgern und Schulen angeboten werden. Wichtig dabei ist, dass neben dem Training

durch entsprechende Seminarmethoden mit den Studierenden über den Kompetenzerwerb re-

flektiert wird. Themen wie Selbstorganisation, Zeitmanagement, Lerntechniken und wissen-

schaftliches Arbeiten sind im Sinne des Lebenslangen Lernens wichtige Schlüsselqualifikationen

und für die spätere Berufstätigkeit relevant. An der Universität Mainz wird im Bachelor-

Studiengang zu Beginn des Studiums eine Veranstaltung zu allgemeinen Schlüsselkompetenzen

im Studium und zum Ende des Studiums eine Veranstaltung zu berufsbezogenen Kompetenzen

angeboten. Die Themen dieser Veranstaltungen haben nach Aussagen der Befragten eine Bedeu-


tung für die spätere Berufstätigkeit. Den Studierenden sollten Möglichkeiten des Transfers in

den Arbeitsalltag aufgezeigt werden.

Fazit 33

Aus der Analyse der Tätigkeitsfelder der Befragten ist zu entnehmen, dass neben dem außer-

schulischen Bildungsbereich die Erwachsenenbildung einen großen Anteil einnimmt. Hieraus

können inhaltliche Aspekte für die Hochschulausbildung abgeleitet werden. So könnten z.B.

Themenbereiche des E-Learnings, der Gestaltung von Lernumgebungen für die Erwachsenenbil-

dung sowie Tätigkeiten von Teletutoren aufgegriffen werden. Zusätzlich erscheint es sinnvoll,

gemeinsame Studiengänge für Erwachsenenbildung und Medienbildung anzubieten.

5 Fazit

Die TeilnehmerInnen äußerten immer wieder die Bedeutung von Praxiserfahrungen. Wie be-

reits Schorb und Kakar (2003) in ihrer Studie festgestellt haben, haben die schon während des

Studiums erworbenen praktischen Fertigkeiten eine hohe Relevanz für die spätere Berufstätig-

keit. Ebenso wie bei der damaligen Erhebung äußerten auch hier die Befragten den Wunsch

nach mehr Praxiseinbindung ins Studium. Zusätzlich wurde erwähnt, dass eine Berufstätigkeit

neben dem Studium den Berufseinstieg nach dem Studienabschluss erleichtert. Dies ist jedoch

nicht immer leicht zu vereinbaren. Gerade der eher stramme Lehrplan der neuen Bachelor-

Studiengänge erschwert die Berufstätigkeit neben dem Studium.

Des Weiteren könnten berufsbezogene Erfahrungen durch Exkursionen und Praxisprojekte er-

worben werden. Eine enge Verbindung zwischen Theorie und Praxis im Studium erfordert fä-

cherübergreifende Seminarinhalte, praxisorientierte Seminare und Gespräche mit Berufsvertre-

terInnen. Letzteres lässt sich zum Beispiel die Organisation und den Besuch von Berufsmessen

und die Einbindung von Gastdozenten bzw. Kooperationen mit Betrieben und die Integration

von Praxisprojekten in das Studium ermöglichen.

Die vorliegende Studie gibt erste Hinweise auf Aspekte der Lehre, die im Hinblick auf den späte-

ren Nutzen in der Praxis verbesserungswürdig sind. In dieser Hinsicht eröffnen sich noch weite-

re Forschungsperspektiven. Wie bereits erwähnt, wäre eine Wiederholung der Erhebungen un-

ter Korrektur der methodischen Mängel lohnenswert, um gültige Aussagen über das Studium

und den Verbleib der AbsolventInnen der neuen Bachelor-Studiengänge treffen zu können. Im

Rahmen dessen könnte ein Vergleich mit dem medienpädagogischen Studienangebot anderer

Hochschulen eine Einordnung und Beurteilung der eigenen Angebote ermöglichen. Infolgedes-

sen wäre die Anpassung des eigenen Studienangebots möglich. Ein Vergleich zwischen Universi-

täten und Fachhochschulen, die traditionell praxisorientierter sind und diese Ausrichtung trotz

der durch den Bologna-Prozess angestrebten Angleichung oft beibehalten haben, könnte zudem

Hinweise liefern, wie sich der Bezug zwischen Theorie und Praxis verbessern lässt. Ziel dieser


Forschung könnte es sein, eine Plattform zu entwickeln, in der Angebote diskutiert, ausgetauscht

und kollektiv entwickelt werden können. Kooperationen zwischen Hochschulen erlauben die

Fazit 34

Optimierung der Angebote durch Best Practice und vor allem einen „Blick über den eigenen Tel-

lerrand“. Lehrangebote müssen Studierende angemessen auf ihre spätere Berufstätigkeit vorbe-

reiten und sollten deshalb aktuell und flexibel sein.


6 Literaturverzeichnis

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