BIBER 11_17 ansicht

dasbibermitscharf

Österreichische Post AG; MZ 09Z038106 M; Biber Verlagsgesellschaft mbH, Museumsplatz 1, E 1.4, 1070 Wien

www.dasbiber.at

MIT SCHARF

NEWCOMER

SCHOOL

EDITION

WINTER 2017/18

DIE LETZTEN

ÖSTERREICHER

AFGHANINNEN

ÜBER TABUS

ZU DICK FÜR

DIE LIEBE

+

RAF

CAMORA

GEWINNE

T

I C K E T S

BETEN &

SAUFEN

ZWISCHEN GLAUBE UND VERSUCHUNG


Heute schon

in die Zukunft

geblickt?

Technologische Spitzenleistungen begleiten die gesamte Wertschöpfungskette der OMV. Ob im TECH

Center & LAB in Gänserndorf oder bei Bereitstellung der Rohstoffe für die Entwicklung innovativer

Kunststoffe. So liefern wir täglich, was in der Medizin, der Landwirtschaft, oder auch im Auto- und

Flugzeugbau benötigt wird. Dieses Wissen ist mitverantwortlich, damit Ihnen in Zukunft keine Grenzen

gesetzt sind. Mehr OMV erleben auf: www.omv.com

Die Energie für ein besseres Leben.


3

minuten

mit

Rayouf

Alhumedhi

Rayouf Alhumedhi ist die

Schöpferin des „Kopftuch-

Emojis“. Dafür wurde die

16-Jährige vom TIME-Magazin

unter die 30 einflussreichsten

Teenager der Welt gewählt. Aber

was sagt die Wiener Schülerin

dazu, wenn Frauen gezwungen

werden ein Kopftuch zu tragen?

Interview: Salme Taha Ali Mohamed

Foto: Sophie Kirchner

www.instagram.com/mudi_mahmoud

BIBER: Was sagst du zu Leuten, die dein Emoji als

Islamisierung bezeichnen?

RAYOUF: Ich wusste gar nicht, dass ein Emoji so

was Weltbewegendes machen könnte. Wie soll

das bitte gehen? Das ist ja irrsinnig. Es leben viele

Muslime in Österreich. Was für einen Sinn hat es

also, eine größere Kluft zwischen uns zu schaffen,

anstatt die Vielfalt in unserer Gesellschaft zu

feiern?

Was hältst du davon, dass viele Frauen auch zum

Kopftuchtragen gezwungen werden?

Dass das Unterdrückung von Frauen ist, kann man

nicht leugnen. Aber ebenso ist es Unterdrückung

Frauen zu zwingen, es nicht zu tragen.

Du hast in Saudi-Arabien, Deutschland und Österreich

gelebt. Als was identifizierst du dich?

Nach meinem Reisepass bin ich zwar Saudi, aber

ich habe sehr lange in deutschsprachigen Ländern

gelebt, wo ich internationale Schulen besucht

habe. Ich würde sagen, ich bin eine Saudi, die in

einer internationalen Gemeinschaft in Wien lebt.

Dein Vater ist Diplomat. Was hält er von deinem

Emoji?

Er ist sehr stolz auf mich. Als die Medien letztes

Jahr das erste Mal über mich berichtet haben,

lebten wir noch in Berlin. Eines Tages hat er mein

Gesicht auf der Titelseite einer Zeitung gesehen,

und er hat sich so gefreut, dass er gerufen hat:

„Das ist meine Tochter!“

Wieso hast du mit 13 angefangen, ein Kopftuch zu

tragen?

Das Kopftuch gibt mir das Gefühl, näher zu Gott zu

sein. Das bedeutet aber nicht, dass jemand ohne

Kopftuch nicht ebenso eine enge Verbindung zu

Gott haben kann. Es ist auch Ausdruck meiner

Identität: Ich bin stolz darauf Muslima zu sein, und

dass es das Erste ist, das Menschen über mich

wissen.

Du kickboxst?

Ja! Es gefällt mir zu wissen, dass ich mich in einer

brenzligen Situation verteidigen kann.

Dein Rat an muslimische Frauen?

Gebt nicht auf! Seht die Grenzen, die man euch

setzt, als Antrieb, um die Welt zum Guten zu

verändern.

Alter: 16

Geburtsort: Saudi Arabien

Besonderes: Sie hat Apple davon überzeugt, ein „Kopftuch-Emoji“

einzuführen, besucht die Vienna International School, und will

muslimische Mädchen in der Zukunft dazu ermutigen, mehr in der

Computerbranche Fuß zu fassen.

/ 3 MINUTEN / 3


LAST JOHANNA STANDING

In Wien gibt es immer mehr Klassen, die ohne „echte“

Österreicher auskommen müssen. Ist das ein Problem?

Lehrer, Schüler und Eltern berichten.

16

5 3 MINUTEN MIT

RAYOUF ALHUMEDHI

8 WAS UNS BEWEGT

Über Raf Camora, Selena Gomez und ihre

128.000.000 Follower und den neuen Trend des

„Tindstagramming“

12 IVANAS WELT

Ivanas Verwandte in Serbien sind Profis,

wenn es ums Sterben geht.

POLITIKA

16 DIE LETZTEN ÖSTERREICHER

In vielen Wiener Schulen gibt es kaum noch

autochtone ÖsterreicherInnen – Lehrer, Schüler

und Eltern berichten

22 MEIN BESTER RAT

Der ehemalige NÖ-Landes hauptmann Erwin

Pröll (ÖVP) braucht kein Coaching und nur

zehn Minuten Schlaf

24 SCHÜLERBLOGS:

Melissa ärgert sich, dass sie als Mädchen

schlechter behandelt wird und Rinesa will sich

nicht mehr für ihre Periode schämen müssen.

IN

RAMBAZAMBA

28 „ÜBER SO WAS DARFST DU

NICHT SPRECHEN!“

Drei afghanische Mädchen über ihre sexuelle

Erziehung, ihre Körper und den Druck in der

Community.

34 SCHÜLERBLOGS

Süheda fühlt sich von Lehrern missverstanden

und Mahrab gibt uns Geographieunterricht:

„Pakistan, nicht Persien und nicht Indien!“

50 VON ABDELAZIZ ZU

DIMMEL UND ZURÜCK

Die Autorin wünscht sich sehnsüchtig den

Namen ihres Vaters zurück.

56 WALL OF FAME

Die Liste aller SchülerInnen, die bis jetzt an

unserem NEWCOMER gearbeitet haben.

PRÖLLS BESTER RAT

Erwin Pröll sieht sein Führungstalent

großteils als an geboren und versichert

unserem Chefredakteur Simon Kravagna,

er würde niemals Wutausbrüche haben.

22

4 / MIT SCHARF /


KARRIERE

58 KARRIERE & KOHLE

Andrea gibt Networking-Tipps, rät zum Power-

Napping und hat drei Tipps, um Zeit zu sparen.

60 GEWINNER STATT

BEGINNER

Drei ehemalige Lehrlinge über gerissene Hosen,

benzinzapfende Mitarbeiter und autoritäre Chefs.

HALT WINTER

2017/18

70

28

BETEN & SAUFEN

Sex, drugs & Hip Hop: Wenn keiner hinschaut,

dann greifen manche jungen Muslime zu

Alkohol und Joints.

TABUS

BRECHEN

Junge Afghaninnen

über Sex,

arrangierte Ehen

und die Angst

vor der eigenen

Community

Marko Mestrović, Alexandra Stanić, Zoe Opratko. Cover: Zoe Opratko

TECHNIK

66 ULTRASCHALL

Adam ist kabellos glücklich, zockt nonstop „Need

for Speed – Payback“ und hört Musik bei minus

20 Grad

LIFE & STYLE

68 DEUTSCHRAP

Aleks wünscht sich mehr Frauen in der Musik und

fängt gleich mit DJane „Alecid“ an.

69 QUINOA STATT KEBAB

Artur über die neue Nährstoffbombe Moringa,

gesunde Baumstämme und schnelle Pensionisten.

70 DIE HARAM-SÜNDER

Gerade jene Muslime, die sich als fromm und

gläubig darstellen, treiben es oft am buntesten.

76 ZU FETT FÜR DIE LIEBE

Salme musste Ernährungstipps aus dem Umfeld

ihrer Familie annehmen, ohne danach gefragt zu

haben. Ein Kommentar.

78 SCHÜLERBLOGS

Filip ortet eine Jugend ohne Gott, Jasmin schreibt

über ihre taubstumme Familie und Antonia ist

verärgert, dass „Feminismus“ zum Schimpfwort

mutiert.

KULTUR

80 KULTUR MIT SCHARF:

Kinospezial:“Teheran Tabu“, Interview mit

Regisseurin Sou Abadi und „This Human World“

82 TODOR

Weil er ausländisch klingt, muss Todor im

Krampuskostüm durch Wien laufen.

/ MIT SCHARF / 5


Liebe Leser und Leserinnen, das geht

an alle engagierten Lehrer und Lehrerinnen unter euch:

Es ist 14:30 und ich habe seit sechs Stunden nichts mehr gegessen, nicht aufs

Handy geschaut und war nicht auf der Toilette. Dabei müsste ich dringend

eine Pipi-Pause einlegen. Aber jedes Mal, wenn ich mich auf den Weg zum

WC mache, werde ich aufgehalten. Als ich dann gegen 15h zurück in der

Redaktion bin, fragen meine KollegInnen ob alles ok ist: „Du siehst so müde

aus?“ Ich nicke nur, ich möchte nicht reden. Ich möchte nur die Stille genießen,

nach sechs Stunden durchgehender Geräuschkulisse. Doch ich brauche

eine Stunde bis ich runterkommen kann. In der Zwischenzeit bereite ich

den morgigen Schultag vor. Es ist 18h, mein Magen knurrt, ich habe seit dem

Frühstück noch immer nichts gegessen.

Wenn all das nach einer Woche vorbei ist und ich in den normalen

40-Stunden Redaktionsalltag zurückkehre, merke ich erst, wie anders der

JournalistInnen-Job ist. Ich kann mir einen Kaffee holen, wann ich will, ich

kann jederzeit aufs WC gehen und nicht einmal auf den turbulentesten

Pressekonferenzen reden 25 Leute lautstark durcheinander. Ich muss

niemanden durchgehend entertainen, ich muss nicht 50 Minuten am Stück

jede einzelne Sekunde präsent sein, ich kann auch mal aufs Handy schauen,

meinen Blick aus dem Fenster schweifen lassen.

Deshalb verneige ich mich vor den engagierten LehrerInnen dieses Landes.

Ihr seid SuperheldInnen, ihr leistet Großartiges ohne dafür Anerkennung

von Außen zu erhalten. Nicht nur, weil ihr sechs Stunden lang grundlegende

menschliche Bedürfnisse unterdrücken könnt, sondern weil ihr Vorbilder seid,

weil ihr zuhört, weil ihr vielen Kindern und Jugendlichen gebt, was sie zuhause

nicht bekommen können: Bildung, Interesse, Sicherheit.

Seit fast drei Jahren leite ich nun schon das biber Schulprojekt. Ich bin

nur eine Woche pro Monat an einer Schulklasse und trotzdem habe ich

schon Jugendliche mit Schicksalen kennengelernt, die mich bis heute nicht

loslassen: Jugendliche, die vergewaltigt wurden, Jugendliche, die Krieg erlebt

haben, Jugendliche, die schwerkrank waren, Jugendliche, die Gewalt erfahren,

Jugendliche, die ihre Eltern verloren haben, Jugendliche, die verwahrlost sind,

Jugendliche, die den Glauben an sich und die Gesellschaft verloren haben.

Ihr habt euch um sie gekümmert, diese Jugendlichen gehen trotz allem zur

Schule und der Grund seid ihr, das haben sie mir selbst gesagt: „Die Stimme

von Herr Huber beruhigt mich immer so“, „Frau Mayer steckt mich mit ihrer

guten Laune und Motivation an“, „Frau Lukic hört mir immer zu, auch in den

Pausen.“ Auch wenn ihr deshalb manchmal keine Zeit habt, aufs Klo zu gehen,

ihr lasst es euch nicht anmerken, ihr seid ja schließlich SuperheldInnen.

IMPRESSUM

MEDIENINHABER:

Biber Verlagsgesellschaft mbH, Quartier 21,

Musuemsplatz 1, E-1.4, 1070 Wien

HERAUSGEBER & CHEFREDAKTEUR:

Simon Kravagna

STV. CHEFREDAKTEUR/IN:

Amar Rajković

Delna Antia (karenziert)

CHEFIN VOM DIENST:

Melisa Erkurt

Alexandra Stanić

Jelena Pantic (karenziert)

CHEFREPORTERIN:

Melisa Erkurt

AKADEMIELEITUNG:

Alexandra Stanić

FOTOCHEF:

Marko Mestrović

KOLUMNIST/IN:

Ivana Cucujkić, Todor Ovtcharov

REDAKTION & FOTOGRAFIE:

Bilal Albeirouti, Adam Bezeczky,

Alex Dietrich, Emir Dizdarević,

Susanne Einzenberger, Nada El-Azar,

Martina Gregorova, Andrea Grman,

Mamo Issa, Nour Khelifi, Sophie

Kirchner, Christoph Liebentritt,

Zoe Opratko, Julia Peternell, Adis

Serifović, Salme Taha Ali Mohamed,

Aleksandra Tulej, Artur Zolkiewicz

ART DIRECTOR: Dieter Auracher

LEKTORAT: Christina Gaal

CORPORATE SOCIAL INNOVATION:

Andrea Grman

BUSINESS DEVELOPMENT:

Andreas Wiesmüller

GESCHÄFTSFÜHRUNG:

Simon Kravagna

Wilfried Wiesinger

REDAKTIONSHUND:

Tito

KONTAKT: biber Verlagsgesellschaft mbH

Quartier 21, Museumsplatz 1,

E-1.4, 1070 Wien

Tel: +43/1/ 9577528

redaktion@dasbiber.at

marketing@dasbiber.at

abo@dasbiber.at

WEBSITE: www.dasbiber.at

ÖAK GEPRÜFT 1. HJ 2017:

Druckauflage 85.000 Stück

verbreitete Auflage 80.601 Stück

DRUCK: Druckerei Berger

Danke für eure Arbeit,

Melisa Erkurt (Newcomer-Leiterin)

6 / MIT SCHARF /


AS UNS BEW

Von Aleksandra Tulej

CHANTALS

KLASSIKER

„HALLO,

I BIMS!“

„Hallo, i bims!“ ist das Jugendwort

des Jahres. Zur Auswahl standen

übrigens folgende Kandidaten:

Mit dem Kinostart vom „Final Fack“ hat die

Fack-Ju-Göhte-Trilogie vor ein paar Wochen ihr

Ende genommen. Produzenten und Schauspieler

bestätigten allesamt, dass der dritte auch der letzte

Teil bleiben wird. Wenn euch aber die Sehnsucht

nach Herrn Müller, Danger und Chantal einholt,

müsst ihr nicht leise heulen. Ihr braucht nur auf

Youtube zu gehen und euch „Chantals Klassiker“

ansehen. In diesem Format kommentiert Jella

Haase aka Chantal bekannte Klassiker aus der

Literatur, wie „Romeo und Julia“, „Die Leiden

des Jungen Werther“, oder „der Besuch der alten

Dame“ – auf ihre eigene Art und Weise. Voll süß,

schwör!

ABL

Allerbestes Leben

Cipster

Klischee-Hipster

Disapointinger

jemand, der einen schwer

enttäuscht

Hallo, i bims!

Hallo, ich bin es!

Instagrammen

Instagram nutzen

Lauch

große, dünne Person

Lit

„super“, „schön“ aber

auch „betrunken“

Snitch

Verräter

Vong

von

Ehrlich: Redet überhaupt jemand

von euch so? Oder ist unsere

Redaktion disapointinger vong Alter

her?

Nadim Ahadi, Constantin Film, RAF Camora, pexels.com

8 / MIT SCHARF /


EGT

GEWINNSPIEL:

Take a seat!

#U27

#musikbegeistert

#spontan

Restkarten

€ 12,–

konzerthaus.at/u27

WILLST DU

KARTEN FÜR

RAF CAMORA?

Von West-Wien nach Ost-Wien (ins

Gasometer). Ihr kennt „Palmen aus

Plastik“ in und auswendig? Dann haben

wir geile news für euch: RAF Camora

und Bonez MC kommen zu Jahresende

nach Wien und ihr habt die Chance,

gemeinsam mit ihnen abzugehen! Biber

verlost 2x2 Karten für das RAF Camora

feat. Bonez MC Konzert am 23. 12.

2017 im Gasometer in Wien. Ihr wollt

die Karten gewinnen? Dann schreibt

uns in einem kurzen Reim, warum wir

gerade euch die Tickets geben sollen.

Je kreativer, desto mehr Mörder! –

Einsendungen bitte an

gewinnspiel@dasbiber.at.

schultz+schultz · Foto: Lukas Beck


AS UNS BEWEGT

7

MINUTEN

ZEIT,

UM PEINLICHE

NACHRICHTEN

ZU LÖSCHEN

Darauf haben wir alle schon lange

gewartet: Du hast eine Whatsapp-

Nachricht verschickt, bereust es

aber sofort, nachdem du „Senden“

gedrückt hast, und willst doch nicht,

dass der andere den Text liest? Seit

dem neuesten Whatsapp Update

gibt es eine Lösung: Innerhalb eines

Zeitfensters von 7 Minuten kannst

du die Nachricht löschen – wenn der

andere sie noch nicht gesehen hat,

wird er auch nie erfahren, was drin

stand. Dafür musst du bei „Nachricht

löschen“ einfach auf die neue Option

„Für alle löschen“ drücken – der

andere bekommt allerdings eine

Mitteilung, dass die Message gelöscht

wurde.

TINDSTAGRAMMING – COOL ODER CREEPY?

Mit

128.000.000

Followern ist Selena Gomez

die Person mit der größten

Reichweite auf Instagram.

28.000.000

Mal wurde Britney Spears

erste Single „…Baby One

More Time“ im Jahr 1999

verkauft.

Der Youtuber ApoRed bekam

7 Monate

auf Bewährung wegen seines

Terroranschlag-Pranks.

Caro Daur ist mit

1.200.000

Instagram -Followern eine der

erfolgreichsten deutschen

Influencer

Ghosting, Benching, Stashing und

so weiter sind ja keine Fremdwörter

mehr in der modernen Dating-Welt.

Doch jetzt scheint sich ein neuer Trend

breitzumachen: Tindstagramming. Ja,

ihr habt richtig gelesen – Hinter diesem

Begriff, der sich aus „Tinder“ und „Instagram“

zusammensetzt, verbirgt sich

folgendes: Da heutzutage alle möglichen

Social-Media-Profile miteinander

verbunden sind, ist es nicht schwer,

schnell Informationen über eine Person

herauszufinden. Wenn man also mit

jemandem auf Tinder keinen Match

hat, diejenige oder denjenigen dann

aber auf Instagram anschreibt, wird

das „Tindstagramming“ genannt. Cool

oder Creepy?

2012

gründete Bibi Heinicke aka

BibisBeautyPalace ihren

Youtube Channel.

10 / MIT SCHARF /


KEINE

HALBEN

SACHEN!

GANZTAGSSCHULE

ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG

Wie schön wär’s, wenn Ihr Kind von der Schule heimkommt und Sie die Zeit gemeinsam

voll und ganz genießen könnten? Wenn alles schon ganz erledigt wäre: Hausübungen,

Lernen, Spiel und Spaß mit FreundInnen – rundum bestens pädagogisch betreut.

Das geht ganz einfach: Ganztagsschule. keine-halben-sachen.at


In Ivanas WELT berichtet die biber-Redakteurin

Ivana Cucujkić über ihr daily life.

IVANAS WELT

Foto: Igor Minić

KOMM, LAUTER TOD

Wir Jugos sind wahre Sporttalente. In einer Disziplin

sind wir besonders herausragend: Im Drama

schieben. Der Mensch braucht Luft zum Atmen,

der Jugo das Drama zum Leben. Und zum Sterben.

Ist der Tod in seiner Natur eh dramatisch genug, haut

der Jugo noch einen drauf. Ein bisschen noch mehr

Leid und Tamtam geht immer. Und Tamtam gibt’s

auf einer Jugo-Beerdigung, so lange der Weihrauch

reicht.

Bevor mein Opa starb, kannte ich Beerdigungen nur

aus Filmen und Erzählungen von österreichischen

Schulkollegen: Alle so in elegantem Schwarz, Zweiteiler,

Perlenkette, Anzug und Krawatte. Leises, würdevolles

Trauern, gedämpfte aber stilvolle Stimmung.

Als mein Opa starb, konnte der Kontrast zu dieser

Vorstellung nicht größer sein. Wir machten uns damals

sofort auf den Weg nach Serbien, als es hieß,

Opa macht es nicht mehr lange, er verlange nach

uns. Lädiert von der zehnstündigen Autofahrt, kamen

wir noch rechtzeitig an. Opa steckte da bereits (noch

lebend!) in seinem Sarg-Outfit.

KERZEN, EIMER, BÖSE GEISTER

Das Wohnzimmer meiner Großeltern war mittlerweile

voll mit Dorfmenschen. Kaum hatte mein Opa seinen

letzten Atemzug genommen, krächzte eine Stimme

aus den hinteren Reihen in den überwältigenden Moment

von Trauer und Schmerz. „Die Kerzeeee! Zündet

die Kerze an!“ Der Tote darf ja nicht ohne Kerze

das Zeitliche segnen.

Die im Dorf sind alle Sterbeprofis. Außer uns Angereisten

wusste jeder, was er zu tun hatte. Da war meine

Oma, die zwei Jobs hatte: meinen Opa entsetzlich

in Klageliedern zu betrauern – das war total freestyle

und ging ca. so. „Oh, mein Liebster, wer wird

mir morgen denn bei der Ernte helfen...oh oh oooohhhhh,

Gott, lass mich mit ihm gehen“, - und die

anwesenden Omas zu instruieren.

Deren Aufgabe ist es, den Toten über Nacht zu bewachen,

bei gekochtem Schnaps makabre Witze zu

reißen, „Geh’ Duško, komm, lieg nicht so da, sei nicht

unhöflich!“ und andere herumzukommandieren. Weg

mit Spiegeln und Familienfotos! Wegen der bösen

Geister. Einen Eimer Wasser unter den Sarg stellen!

Böse Geister! Wir sollten uns hinter den Sarg, mein

Opa lag da schon drin, stellen und irgendwas leise

drei Mal aufsagen. Auch irgendwas mit Geistern.

SAG ZUM ABSCHIED LAUT AJDE CAO!

Am nächsten Morgen gesellte sich die halbe Dorfgemeinschaft

zu den Omas aus der Nachtschicht, klagte,

witzelte, trank Schnaps. Als der Traktor mit dem

offenen Sarg in Schrittgeschwindigkeit losrollte, gab

die weibliche Trauergesellschaft auf Kommando ihr

Klagelied-Repertoire zum Besten. – In Serbien kann

man sogar professionelle Klagesängerinnen buchen.

Die melancholischen Töne der Beerdigungsband verbreiteten

allgemeine Todessehnsucht. Mein Bemühen,

meinem Opa würdevoll, im kleinen Schwarzen

und gefasster Haltung, die letzte Ehre zu erweisen,

war völlig deplatziert. Die dortige Traueretiquette verlangte,

möglichst elend und gequält dreinzuschauen

und lautstark Trauerdrama zu schieben. Der Jugo zelebriert

das Drama, wie kein anderer. Im Leben, wie

in der Liebe. Da kann der Abschied auch kein leiser

sein. ●

cucujkic@dasbiber.at

12 / MIT SCHARF /


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POLITIKA

Wenn nur noch wir übrig sind.

Foto: Alex Dietrich


DIE LETZTEN

URÖSTERREICHER

In vielen Wiener Brennpunktschulen gibt es kaum

noch SchülerInnen ohne Migrationshintergrund. Wie

sieht es in den Klassenzimmern, in denen „echte“

Österreicher in der Minderheit sind, wirklich aus?

Von Melisa Erkurt, Fotos: Marko Mestrović, Christoph Liebentritt

16 / POLITIKA /


Paula * überlegt lange,

wie sie das jetzt am

besten formulieren

soll, sie will bloß nicht

ausländerfeindlich rüberkommen.

Sie, die Künstlerin, die ihre Kinder

bewusst an Schulen mit MigrantInnen

geschickt hat. Aber sie muss

es jetzt einfach loswerden: „Die

Migrantenkinder und ihre Eltern

sind nie zu den gemeinsamen

Festen gekommen, egal wie sehr

wir uns bemüht haben.“ Paula war

Elternvertreterin an der Volksschule

ihrer Tochter im neunten Wiener

Bezirk. Die Schule legt viel Wert auf Interkulturalität, viele

SchülerInnen mit nichtdeutscher Muttersprache besuchen

die Volksschule. Es gibt nicht nur Deutschförderung

und Muttersprachenunterricht, sondern auch Türkisch

und Arabisch sprechende SchulpsychologInnen. Sie hat

sehr viel Mühe in diese Arbeit gesteckt. Damit es nicht an

dem Finanziellen scheitert, übernimmt der Elternverein

die Kosten für die Feste. Paula selbst bietet an, andere

von zuhause abzuholen – trotzdem, die Migranten kommen

nicht. „Ich glaube, manche haben die Sorge, dass

Alkohol getrunken wird oder sie fühlen sich unwohl, weil

ihr Deutsch nicht perfekt ist“, sagt Paula. „Die Kinder tun

mir leid, sie sind nie auf den Festen oder Geburtstagsfeiern

dabei.“ Am Anfang hat Paulas Tochter noch ihre

türkischen Klassenkolleginnen zu ihren Geburtstagsfeiern

eingeladen, mittlerweile hat sie aufgegeben. „Die kommen

ja eh nicht“, hat sie zu Paula gesagt.

Auch an der NMS, die Paulas Sohn besucht hat,

zeichnet sich ein ähnliches Szenario ab. Sogar der

Unterricht leidet darunter. „Die Migrantenkinder machen

keine Hausübungen, sprechen schlechter Deutsch, die

Eltern sind nicht dahinter“, sagt Paula.

Ihr Sohn ist unterfordert, die LehrerInnen

wiederholen nur den Volksschul-Stoff.

Mittlerweile besucht ihr Sohn eine andere

Schule mit weniger MigrantInnen. Die

alten Probleme hat er jetzt nicht mehr.

Dafür dreht sich auf einmal alles um

Markenkleidung und Leistungsdruck.

Auch mit den neuen KlassenkollegInnen

kommt ihr Sohn nicht mehr so gut aus.

„In der Ausländerklasse war mein Sohn

etwas Besonderes, die Kinder haben


Mit den österreichischen

Kindern, die an

unserer Schule

bleiben, stimmt

etwas nicht.


ihn beneidet, die LehrerInnen

haben ihn hervorgehoben. Jetzt

ist er nur einer von vielen“, erzählt

Paula nachdenklich. Sie hätte sich

gewünscht, wenn es in seiner

alten Schule geklappt hätte, das

wäre die Art von Integration, die

sie sich eigentlich vorstellt. Aber

gleichzeitig glaubt sie, dass seine

neue Schule ihrem Sohn bessere

Zukunftschancen ermöglicht und

das ist ihr in diesem Fall wichtiger.

Sandra * versteht Eltern, die

ihr Kind lieber in eine Schule mit

weniger MigrantInnen geben. Beim

Wohl ihrer Kinder wird die weltoffene Einstellung oft über

Bord geworfen. Sandra selbst würde ihre Kinder niemals

an eine Wiener NMS mit hohem Migrantenanteil schicken.

Dabei unterrichtet sie an genau so einer Schule. Sandra

ist seit 25 Jahren Lehrerin und unterrichtet an einer

sogenannten Brennpunktschule. Der Anteil von SchülerInnen

mit Migrationshintergrund an ihrer Schule beträgt

95 Prozent. Sie hat viele österreichische Kinder kommen

und gehen sehen. „Alle paar Jahre wagen es ein paar

österreichische Akademiker ihre Kinder an unsere Schule

zu geben, die bleiben aber nicht lange“, sagt Sandra.

Jene österreichischen Kinder, die bleiben, haben ein

Defizit. „Mit den österreichischen Kindern, die an unserer

Schule bleiben, stimmt etwas nicht. Sie haben eine

Lernschwäche, kommen aus sozial schwachen Familien

oder haben irgendein anderes Problem“, so die Lehrerin.

In der vierten Klasse, in der Sandra Klassenvorständin ist,

sitzt ein solches Kind. Jaqueline * , die einzige Schülerin

in dieser Klasse ohne Migrationshintergrund. Jaquelines

Mutter arbeitet als Putzfrau, was der Vater macht, weiß

man nicht genau. Das Mädchen fehlt oft, zuhause gibt es

Probleme, das Geld ist knapp.

Jaqueline ist eine aufgeweckte

13-Jährige. Mit ihren blonden Haaren

und den blauen Augen sticht sie in ihrer

Klasse tatsächlich heraus. Was auch

hervorsticht: Sie ist die einzige in der

Klasse, die ohne Akzent spricht. Ihre

KlassenkollegInnen halten Jaqueline für

etwas Besonderes, dabei ist sie weder

Klassenbeste noch trägt sie coolere

Klamotten als die anderen. Das Thema

um ihre Nationalität ist ihr unangenehm.

/ POLITIKA / 17


Die meiste Zeit über fühlen

sich die ur-österreichischen

SchülerInnen wohl in ihren

Klassen. Nur wenn die anderen

in ihren Muttersprachen reden,

fühlen sie sich ausgeschlossen.

18 / POLITIKA /


Tatsächlich wäre Jaqueline lieber nicht so besonders, es

gibt Situationen, in denen sie gerne einfach nur genauso

wäre wie die anderen. „Es gibt die Türken- und die

Jugo-Gruppe in der Klasse, ich gehöre zu keiner und

fühle mich manchmal ausgeschlossen, wenn sie auf

ihren Muttersprachen reden“, sagt sie. Letztes Jahr ging

noch ein Mädchen ohne Migrationshintergrund in ihre

Klasse, Nicole * . Jaqueline und sie waren beste Freundinnen.

Doch Nicole hat die Schule gewechselt, „ihre

Eltern wollten nicht, dass sie in die Ausländerschule

geht“, sagt Jaqueline. Nicole hat sich nicht so gut mit

den anderen verstanden. Sie ist immer „Artikelkönigin“

(Anm.d.Red: Spiel, bei dem SchülerInnen die richtigen

Artikel erraten) geworden und hat offen gezeigt, dass

sie etwas Besseres ist“, erzählt Jaqueline. Jaquelines

beste Freundin Mehtap * nickt: „Natürlich ist sie besser,

sie ist Österreicherin“, sagt die in

Österreich geborene türkischstämmige

Schülerin ernst.

„DU BIST EH

NICHT SO.“

Wenn man sich die SchülerInnen

ohne Migrationshintergrund an

den „Problemschulen“ ansieht,

fällt auf, dass es zwei Arten von

diesen SchülerInnen gibt: Die

Mehrheit sind sozial schwache

Kinder wie Jaqueline, die aus

einem bildungsfernen Elternhaus

kommen. Doch dann gibt es auch

noch einige wenige Kinder von

Kreativen, Sozialarbeitern und

Intellektuellen wie Paula, die ihre

Kinder bewusst in „Ausländerschulen“

geben. Lisa und Laura

sind solche Kinder. Die zwei Mädchen

sind die einzigen ÖsterreicherInnen

in ihrer Klasse im 15.

Wiener Bezirk. „Mein Nachname

klingt Tschechisch, deshalb glauben manche, ich hätte

Migrationshintergrund“, sagt die Schülerin, die in einer

weltoffenen Akademikerfamilie aufgewachsen ist, stolz.

Davor ist Lisa in ein Gymnasium gegangen, das hauptsächlich

von Ur-Österreichern besucht wurde: „Die Klassenkollegen

waren teilweise sehr rassistisch, ich habe

ständig mit denen diskutiert.“ Unter anderem auch aus

diesem Grund wechselt Lisa die Schule, an eine Schule

mit sehr hohem Migrantenanteil. „Die Schule hat nur

deshalb einen schlechten Ruf, weil viele Migranten hier

sind. Dabei ist die Schule pädagogisch sehr gut und das

Schulklima ist toll“, sagen Lisas Eltern. Trotzdem gibt

es Momente, in denen sich Lisa anders als die anderen

fühlt: „Natürlich mache ich mir manchmal Gedanken, ob

ich dazugehöre, vor allem die türkischen SchülerInnen

reden oft in ihrer Muttersprache und bleiben unter

sich, da fühle ich mich manchmal ausgeschlossen.“ In

diesen Situationen wünscht sich Lisa manchmal, sie

hätte Migrationshintergrund. Doch für sie überwiegen

trotzdem die Vorteile ihrer Multikulti-Klasse. Wenn sie

bei Klassenkolleginnen zuhause ist, gibt es immer außergewöhnliches

Essen, das sie sonst nicht kennengelernt

hätte und ihre besten Freundinnen hat sie erst in dieser

Multikulti-Klasse gefunden. „Ich kann zwischen verschiedenen

Welten switchen, das ist toll“, sagt Lisa.

Laura fallen aber auch Kulturunterschiede auf: „Die

Klassenkolleginnen mit Migrationshintergrund haben

viel strengere Eltern. Sie müssen nach der Schule gleich

nachhause und haben weniger Freiheiten.“ Auch auf

ihre Geburtstagspartys können ihre Klassenkolleginnen

nicht kommen. Trotzdem hätten sie eine sehr gute Klassengemeinschaft,

erzählen die zwei Mädchen. „Wenn

die anderen mal über Österreicher lästern, sagen sie eh

immer dazu, dass sie nicht uns

meinen und wir nicht so sind“,

sagt Laura.

VERARSCHT WIRD

MAN ÜBERALL

Lauras Eltern sind beide Sozialarbeiter.

Sie ist mit einer sehr

offenen Weltanschauung großgeworden.

Heute korrigiert sie

ihre ohnehin schon sehr liberalen

Eltern, wenn sie mal etwas

politisch nicht Korrektes sagen.

„Einmal haben sie gefragt, wieso

Tschetschenen gewalttätig sind,

da habe ich ihnen gesagt, dass sie

das so nicht sagen können. Dass

der tschetschenisch-stämmige

Junge aus meiner Klasse die friedlichste

Person ist, die ich kenne“,

sagt Laura. In letzter Zeit haben

sie ihre Eltern auch öfter gefragt,

ob der Islam ein großes Thema in

ihrer Klasse sei. „Alle fürchten sich

vor dem Islam. Auch ich wusste früher nicht, was ich

beispielsweise von Kopftuchträgerinnen halten soll, die

schauten immer so streng. In unserer Klasse tragen vier

Mädchen Kopftuch, seit ich die kenne, habe ich ein viel

besseres Bild Kopftuchträgerinnen gegenüber“, so Laura.

Laura und Lisa sagen, dass die Herkunft für sie keine

Rolle spielt, sie sind auch nicht stolz darauf, Österreicherinnen

zu sein. Bei ihren KlassenkollegInnen fällt ihnen

dagegen auf, dass die Herkunft eine große Rolle spielt:

„Am ersten Schultag ist ein Mädchen durchgegangen

und hat alle anderen Mädchen gefragt, ob sie auch Türkinnen

sind. Die türkischen Mädchen haben sich dann

tatsächlich auch gleich angefreundet“, sagt Lisa.

Laura und Lisa fällt auch auf, dass sie als Österreicherinnen

von der Turnlehrerin bevorzugt werden: „Die

ist besonders zu Mädchen, die Kopftuch tragen, sehr

gemein“, erzählen die zwei. Durch ihre Klasse sind sie

/ POLITIKA / 19


eim Thema Rassismus sensibilisiert,

sie haben kein Verständnis für rechtes

Gedankengut. Deshalb kränkt es sie

besonders, wenn sie bei Meinungsverschiedenheiten

von Klassenkollegen

als „Nazi“ oder „Rassistin“ beschimpft

werden. „Auch wenn sie es nicht so

meinen und es sehr selten vorkommt,

es verletzt“, sagen beide Mädchen.

Neulich auf der Sportwoche trifft

Lisa mit ihrer „Ausländerklasse“ auf

viele unterschiedliche Schulklassen.

„Manche von denen haben einen aus

unserer Klasse, der schwarz ist, blöd

angeschaut, da haben wir gefragt, wieso

sie so dumm schauen“, erzählt Lisa.

„Dann haben sie erklärt, dass sie noch

nie einen Schwarzen in echt gesehen

haben. Wie kann das gehen, in Österreich?“, fragt Lisa

entrüstet. Da muss Lisa wieder an ihre alte Schulklasse

denken, in die kein einziges Kind mit Migrationshintergrund

ging. Sie schüttelt bei dem Gedanken den Kopf:

„Eine Schule in Wien ohne Migranten? Ich bin froh, dass

ich da weg bin.“ Denn trotz Sticheleien und Kulturunterschieden

an der neuen Schule, Lisa würde nicht zurück

wollen. „An jeder Schule wird man ab und zu verarscht,

in meiner alten „Österreicher“-Schule wurde ich für

meine Kleidung gemobbt“, sagt sie.

Außerhalb der Schule ist Lisa mit zwei Österreicherinnen

befreundet, die eine Privatschule besuchen.

Sie ist überrascht, wie wenig die über andere Kulturen

wissen, obwohl sie in Wien leben: „Die wissen nicht

einmal, was Ramadan (Anm.d.Red.: Fastenzeit im Islam)

ist“, ärgert sie sich. Laura und Lisa fühlen sich in ihrer

multikulturellen Schule sehr wohl, doch ihnen fällt ihr

eigenes privilegiertes Leben schon auf. In den Sommerferien

war Laura in New York, die anderen haben sie

beneidet, sie fahren in den Ferien höchstens in ihre Herkunftsländer.

Aber nicht nur der Luxus, auch scheinbar

Grundlegendes ist nicht für alle KlassenkollegInnen so

selbstverständlich: „Ich bin geschockt, wie normal es für

viele ist, dass sie zuhause geschlagen werden, das gibt

es bei uns nicht“, sagen beide Mädchen.

WIENER SCHNITZEL

Jaqueline dagegen spürt nichts von dieser Privilegiertheit.

Ihre Eltern haben sich getrennt, weil ihr Vater

aggressiv war. „Ich hatte Angst vor ihm“, erzählt die

13-Jährige. Jaqueline war auch noch nie außerhalb

von Österreich. Genauso wie Florian, der eine NMS im

zweiten Bezirk besucht. Auch er ist der einzige in der

Klasse, der keinen Migrationshintergrund hat. Beim

Sprechen hat Florian schon den ausländischen Slang

seiner KlassenkollegInnen übernommen. Wenn in seiner

Klasse gestritten wird, nennen ihn die anderen „Wiener

Schnitzel“. Beim Sport wird er als Letzter in die Mannschaft

gewählt, „weil Österreicher nicht Fußball spielen


Es gibt die

Türken- und die

Jugo-Gruppe

in der Klasse,

ich gehöre zu

keiner und fühle

mich manchmal

ausgeschlossen,

wenn sie in

ihren Muttersprachen

reden.


können“. Trotzdem mag er seine Klasse

und ist mit allen befreundet. Florian

sagt, er würde deshalb niemals Schule

wechseln wollen: „Wenn die so mit mir

reden, nenne ich sie Kanaken und sage,

sie können nicht Ski-fahren und damit

hat es sich erledigt“, sagt der 12-Jährige

grinsend.

In Florians Nebenklasse geht Tina * ,

sie ist in ihrer Klasse die ohne Migrationshintergrund.

Ihre Mutter will, dass

Tina Schule wechselt, weil zu viele

„Ausländer“ an der Schule sind. Doch

Tina weigert sich, sie will ihre Freunde

nicht zurücklassen. Ihre beste Freundin

Era * , eine gebürtige Albanerin,

versteht nicht, wieso ihre Freundin

Schule wechseln soll: „Die stecken uns

in eine Schublade, als wären wir asozial und sie etwas

Besseres, weil sie Österreicher sind“, erzählt Era. Era

bekommt auch mit, dass sich zwei Lehrer am Gang

darüber unterhalten, was für einen schlechten Ruf die

Schule hätte, „eine richtige Ausländerschule“, haben sie

gesagt. Das verletzt Era, die Klassenbeste ist und ihrer

Freundin Tina oft beim Lernen hilft.

Generell bedeutet kein Migrationshintergrund nicht

automatisch bessere Leistung. „Die österreichischen

Kinder an den Problemschulen sind was ihre schulischen

Leistungen angeht, oft schwächer als ihre migrantischen

MitschülerInnen und oft auch verhaltensauffälliger“, sagt

Matthias * . „Sogar in Deutsch haben viele nur durchschnittliche

Noten“, erzählt der Lehrer. „Das Wichtigste

ist, dass die Kinder Eltern haben, die sich kümmern.“

Maria * dagegen hat vollstes Verständnis für Tinas

Eltern. Sie muss nicht lange überlegen, wie sie das jetzt

anspricht – die 50-Jährige hat keine Scheu, offen zu

sagen, dass ihr Sohn etwas Besseres als die „Ausländerkinder“

verdient hat. Die Favoritnerin ärgert sich über

Eltern, die ihr Kind freiwillig, weil sie Diversität schätzen

und fördern wollen, an eine Schule mit hohem Migrantenanteil

schicken. Sie hält wenig von dem „Gutmenschen-Geschwafel“

und hätte sie mehr Geld, hätte sie

ihren Sohn auf alle Fälle in eine Privatschule gesteckt.

Mittlerweile ist Marias Sohn 17 und hat die Schule abgebrochen,

weil er sich gelangweilt hat, das sagt zumindest

Maria. „Unsere Kinder sind demotiviert, sie werden

nicht gefördert, langweilen sich, weil der Unterrichtsstoff

an die Ausländerkinder angepasst werden muss“, sagt

Maria wütend. „Jeder Österreicher, der das Geld hat,

steckt sein Kind in Privatschulen, wer dafür kein Geld

hat, der hat auch keine Chancen auf eine gute Zukunft

für sein Kind“, sagt die Mutter. Sie ist sich sicher: „Nur

unter schwarz-blau kann sich da was ändern. So verblöden

unsere Kinder nur.“ ●

* Alle Namen wurden für diesen Artikel geändert

20 / POLITIKA /


BESSERE

BILDUNG FÜR

ALLE UNSERE

KINDER

Ein Kommentar

von Melisa Erkurt

Würde man der FPÖ und dem Boulevard Glauben schenken,

müsste man davon ausgehen, dass die wenigen ur-österreichischen

Kinder in den "Brennpunktschulen" von den Migrantenkindern

schikaniert und ausgeschlossen werden. Auf oe24.tv

berichtet eine „Wut-Mutter“, dass ihr Sohn als einziger Österreicher

an seiner Klasse vor Langeweile aggressiv geworden

ist. Die FPÖ verbreitet eine Klassenliste, in der nur ausländische

Namen vorkommen und ein Video vom ersten Schultag in

Wien, in dem nur Kopftuchtragende Mütter zu sehen sind.

Aber spricht man tatsächlich mit SchülerInnen ohne

Migrationshintergrund, die in ihrer Klasse in der Minderheit

sind, kommt man schnell drauf, dass das Horror-Visionen

von Erwachsenen sind, dass es vielmehr die Eltern sind, die

sich vor Leistungsverlust, Islamisierung und Deutschdefiziten

fürchten.

Was aber schon auffällt ist, dass an Schulen mit hohem

Migrantenanteil die Leistung tatsächlich niedriger ist. Das hat

aber damit zu tun, dass an diesen Schulen die meisten Kinder

aus sozial schwachen und bildungsfernen Familien kommen.

Würde man alle sozial schwachen ur-österreichischen Kinder in

eine Klasse stecken, würde man zu keinem anderen Ergebnis

kommen.

Eine Lösung wäre eine Gesamtschule, in der mehrere

LehrerInnen kleine Gruppen von SchülerInnen unterrichten. Die

Jugendlichen werden somit durchmischt, aber auch in ihren

individuellen Bedürfnissen gefördert. Überlässt man den Eltern

die Schulwahl, werden die, die es können, ihre Kinder immer

auf die „besseren“ Schulen schicken - Diversität hin oder her.

Und was ist mit den Eltern der Migrantenkinder, die nicht zu

den Schulveranstaltungen kommen und ihre Kinder nicht auf

die Geburtstagsfeste lassen? Zwingen kann man keinen. Man

kann nur versuchen, die Eltern zu verstehen und ihnen ihre

Ängste zu nehmen. Denn oft genieren sich diese Eltern für ihre

Deutsch-Defizite und ihre Bildungslücken - all das, was beim

Smalltalk mit den anderen Eltern auffallen könnte. Andere sind

aber wahrscheinlich wirklich integrationsunwillig und fürchten,

dass ihre Kinder auf den Festen den westlichen Lebensstil

übernehmen könnten. Die Eltern können wir wahrscheinlich

nicht alle integrieren, aber ihre Kinder dürfen wir nicht ausschließen,

indem wir sie an den „Ausländerschulen“ sich selbst

überlassen. Was an diesem Diskurs aber auch auffällt: Es ist

die Rede von österreichischen SchülerInnen und denen mit

Migrationshintergrund – dabei sind sie doch genauso ÖsterreicherInnen

und sie alle haben die bestmögliche Bildung verdient

– sie sind schließlich alle „unsere“ Kinder.

Melisa Erkurt hat Deutsch und Psychologie/Philosophie auf Lehramt studiert

und leitet seit drei Jahren das biber Schulprojekt „Newcomer“.

GEMEINSAM

ETWAS

ÄNDERN!

Findest du das jetzige

Schulsystem unfair?

Wir auch!

Deswegen wird es Zeit,

gemeinsam einen neuen

Weg einzuschlagen.

Wenn du genauere Infos dazu

haben willst, schreib uns

einfach ein kurzes Mail an

newcomer@dasbiber.at

#strongertogether

#newcomer

/ MIT SCHARF / 21


MEIN BESTER RAT

SCHLECHTE RATSCHLÄGE GIBT ES GENUG. FÜR BIBER VERRATEN DAHER TOP-MANAGER UND SPITZENPOLITIKER

JENE ERFAHRUNGEN, DIE SIE IM LEBEN WEITER GEBRACHT HABEN.

Diesmal:

ERWIN PRÖLL

EX-LANDESHAUPTMANN VON NIEDERÖSTERREICH (ÖVP)

Von Simon Kravagna, Fotos: Zoe Opratko

„Das ist größtenteils angeboren.“

BIBER: Sie haben 25 Jahre lang Niederösterreich

geführt. Kann man Leadership

lernen?

ERWIN PRÖLL: Ein guter Teil ist angeboren,

weil es dabei um Charaktereigenschaften

geht. Natürlich kann man das,

was als Erbgut mitgegeben wurde, noch

im Laufe der Arbeit verfeinern.

Haben Sie jemals Führungs-Seminare

besucht oder einen Coach gehabt?

Niemals. Jemand, der es notwendig

hat, sich coachen zu lassen, läuft auch

Gefahr, sich verbiegen zu lassen. Die

Bürgerinnen und Bürger merken schnell,

was authentisch ist. Das ist auch der

Grund, warum ich in 99 Prozent der Fälle

ein Freiredner war.

Das heißt, Sie haben fast alle Ihre Reden

ohne Vorbereitung gehalten?

Ich habe mir entweder alleine oder

gemeinsam mit Mitarbeitern eine

Gedankenskizze gemacht. Ich bin aber

unglaublich sensibel auf die jeweilige

Stimmung, Erwartung und klimatische

Situation im Auditorium eingegangen -

egal wo oder wer das war.

Kann man sich so etwas antrainieren?

Das ist größtenteils angeboren. Ich bin

ob dieser Fähigkeit auch sehr dankbar.

Im Blick zurück weiß ich, dass mir

im wesentlichen zwei Eigenschaften

wahnsinnig geholfen haben. Erstens

diese Sensibilität, Stimmungen intuitiv

zu spüren und darauf minutiös eingehen

zu können. Zweitens mein Talent unter

Tags - zum Beispiel bei einer Autofahrt

22 / POLITIKA /


zwischen zwei Terminen – zehn Minuten

zu schlafen, um danach wieder voll da

zu sein, als hätte ich eine ganze Nacht

durchgeschlafen. Diese Gabe habe ich

von meinem Vater geerbt.

Zu Sebastian Kurz: Er scheint politstrategisch

gesehen viel richtig zu machen.

Aber worauf muss ein erfolgreicher

Politiker denn aufpassen?

Die größte Gefahr erfolgreicher Politiker

ist, – aber da lege ich bitte Wert darauf,

dass dies nicht auf Sebastian Kurz

gemünzt ist – dass man verlernt sich

selbstkritisch zu hinterfragen. Mein wichtigstes

Korrektiv war in den 25 Jahren

als Landeshauptmann immer das Echo

aus der Bevölkerung.

Aber wer sagt schon einem Landeshauptmann

ins Gesicht, was er oder sie

wirklich denkt?

Sie täuschen sich. Die Menschen sind

viel gerader zu Politikern als man meint.

Ein gstandener Bauer, Arbeiter oder eine

Unternehmerin verbiegt sich nicht – auch

nicht vor einem Politiker.

Gibt es Menschen, in denen Sie sich

völlig getäuscht haben?

Ja. Ich glaube, das war für mich schwer

vermeidbar. Mein Zugang zu Menschen

ist ein recht offener. Je offener man ist,

desto größer die Gefahr, dass man sich

auch täuscht.

Woher weiß man als Führungskraft, dass

es Zeit ist abzutreten?

Das ist keine Frage des Wissens, sondern

des Spürens. Jemand, der will, dass

es nach einem gut weitergeht, spürt,

wann es Zeit ist, die Stafette weiter zu

reichen, damit der Stafettenlauf erfolgreich

fortgesetzt werden kann.

In Stories über Sie wurde oft von Wutausbrüchen

berichtet.

Das entspricht nicht der Wahrheit. Man

muss als Politiker damit leben, dass

einem der politische Gegner böse Dinge

andichtet. Aber natürlich war und bin ich

dafür bekannt, mich laut artikulieren zu

können. Es gibt da übrigens einen alten

Spruch, der auch für Politiker gilt:

Steh’ auf, dass dich a jeder sieht.

Red laut, dass dich a jeder hört.

Und red kurz, dass dich a jeder mag.

Worauf sind Sie stolz in Ihrem Leben?

Ich bin eher dankbar. Dankbar dafür,

dass ich das Glück hatte mit vielen

Künstlerinnen und Künstlern, Wissenschaftlerinnen

und Wissenschaftlern

eine sehr gute Beziehung zu haben. Das

hat mir unglaublich viel Input für meine

politische Arbeit gebracht.

Was hat Sie da inspiriert?

Ich habe gespürt, dass sie der gesellschaftlichen

Entwicklung ein Quäntchen

voraus sind. Ich wollte diese Innovationskraft

in meine politische Arbeit transferieren.

Das ist gelungen. Wir haben

heute in Niederösterreich eine wissenschaftliche

und kulturelle Infrastruktur,

die uns zu einem selbstbewussten und

offenen Land gemacht hat. ●

/ POLITIKA / 23


MEINUNG

FEMINISTIN.

TREND ODER SCHIMPFWORT?

Ob in den sozialen Medien, in der Mode oder im alltäglichen

Leben, im Moment kommt man ohne dem Begriff

„Feminismus“ nicht aus. Für mich bedeutet Feminismus

wohl einfach, dass ich alles schaffen kann, was ich will.

Dass Stereotypen, Vorurteile und Regelungen der Vergangenheit

angehören. Dass ich meine eigenen Entscheidungen

treffen kann.

#GRLPWR

Deswegen schockiert es mich auch immer, wie sehr Leute

diesen Begriff missbrauchen. In dem Fall ist es mir egal, ob

das jetzt Leute sind, die auf einmal behaupten, sie wären

Feministinnen, weil es gerade „in“ ist, oder ob sie im

Namen von Feminismus Männer heruntermachen. Taylor

Swift, Lady Gaga und Co. gehören wohl eher zu der ersten

Sorte, wobei mittlerweile jedes zweite Mädchen auch in

einem „GRL PWR“, „Feminist“ oder „Girls League“ T-Shirt

herumlaufen kann – H&M sei Dank. Betonung liegt hier auf

„Girl“, es heißt nie „Woman“. Was wird aus sogenanntem

„female empowerment“, wenn wir uns immer nur klein

machen?

GLEICHHEIT FÜR ALLE

Das andere Extrem sind wiederum Frauen, die alle Männer

über einen Kamm scheren und sie heruntermachen. Das

ist aber weder der Sinn, noch das Ziel der feministischen

Bewegung, bei der es um GLEICHHEIT geht, nicht um

„Wir sind besser als ihr“. Wenn sich die Buben dann aber

bedroht fühlen, schießen sie auf einmal mit Klischees um

sich. „Frauen in die Küche“, sagen sie dann provokant,

auch wenn es nicht ganz ernst gemeint ist; sie wissen,

dass die Mädchen extrem sensibel reagieren werden. So

läuft das jedenfalls bei uns. Aber hoffentlich nicht mehr

lange!

Antonia Anna Frank ist 15 und geht in das BG13 Fichtnergasse.

WARUM SCHÄMEN WIR UNS?

„Einmal ficken, weiter schicken“, „Wie läufst du bitte rum?“,

„Du bist ein Mädchen, du darfst das nicht!“

Das sind Aussagen von Jungs, die meine Freundinnen und

ich jeden Tag zu hören bekommen. Warum ist alles falsch,

was wir machen?

Auf Papier haben Frauen und Männer die gleichen Rechte.

Aber in Wirklichkeit sieht es komplett anders aus. Was mich

am meisten nervt ist dieses „Hast du deine Tage oder was?!“

Nur weil man einmal schlecht gelaunt ist, heißt es nicht

gleich, dass wir unsere Tage haben.

„WÄH, EKLIG!“

Wenn man die Jungs fragt, was das damit zu tun hat, sagen

sie gleich: „Ihr seid nur schlecht gelaunt, wenn ihr eure Tage

habt, zum Glück bin ich keine Frau.“

Letztens hatte ich ein Gespräch in der Schule, ich saß am

Lehrerpult und die Mädchen standen um mich herum. Da kam

das Thema Periode auf. Wir hatten gar nicht gemerkt, dass

wir laut redeten und dass uns überhaupt wer zuhört, bis zu

dem Moment, in dem ein Junge von der anderen Ecke des

Raumes schrie: „Bahh Diggah, euer Ernst, warum redet ihr

über sowas, voll peinlich!“

GLAUBT AN EUCH!

Ich habe mich gefragt, warum wir uns schämen müssen über

solche Sachen zu sprechen. Ich hab meine beste Freundin

darauf angesprochen. Sie meinte, dass ich mal nachdenken

sollte,

dass ich ja selber nie mit meinem Vater oder Bruder über das

Thema Periode rede, weil ich mich ja schäme. Und es stimmt

ja auch, ich habe schon Codewörter mit meiner Mutter,

damit mein Vater oder mein Bruder nicht mitbekommen,

worüber wir reden. Um aber nochmal auf die Frage zurück zu

kommen: WARUM schämen wir uns?

Weil es uns so beigebracht worden ist? Weil wir nichts

anderes kennen? Weil man nie wirklich jemanden gehört hat,

der so offen drüber geredet hat?

Was auch immer es ist, es wird Zeit, dass wir das ändern.

Ich wünsche mir einfach von den Jungs, dass sie uns nicht

runtermachen, von der Gesellschaft, dass wir auch im Alltag

gleich behandelt werden und an all die Mädchen da draußen:

Lasst euch nicht unterkriegen. Ihr seid toll. Glaubt an euch!

Rinesa Maloku ist 14 Jahre alt und besucht die Fachschule in der

Wintzingerodestrasse.

Christoph Liebentritt

24 / RAMBAZAMBA / POLITIKA / /


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RAMBAZAMBA

„Wir Mädchen bleiben

lieber unter uns.“

Foto: Alex Dietrich


„Ich

will mit

Männern

nichts

zu tun

haben.“

Sahar* hat keinen positiven

Asylbescheid. „Mein Leben ist

wie eine Seifenblase“, so die

18-Jährige. „Morgen könnte sie

platzen und alles wäre vorbei.“


Küssende Pärchen in der U-Bahn finden

sie peinlich, bei Sex-Szenen auf Youtube

schauen sie weg. Und wenn sie doch mit

einem Burschen schlafen, bricht eine Welt

zusammen: Junge Afghaninnen über den

Umgang mit ihrer Sexualität und die Angst

vor Männern aus der eigenen Community.

Text und Fotos: Alexandra Stanić

Ich will nichts mit Männern zu

tun haben“, antwortet Sahar *

entschieden auf die Frage, wieso

sie ausschließlich mit Frauen

befreundet ist. Sie wirkt aufgeweckt

und selbstbewusst, als sie die Redaktion

betritt, strahlt sie. Die 18-Jährige hat

einen festen Händedruck, trägt einen

glitzernden schwarzen Pullover, enge

Jeans und Stiefel mit kleinem Absatz.

Vor zwei Jahren ist die Afghanin mit

ihrem elf Jahre älteren Bruder und seiner

Frau nach Österreich geflohen. Nach

kurzem Zusammenleben zieht sie in eine

WG für Frauen mit Fluchthintergrund,

bereitgestellt von der Diakonie. Seither

bestreitet sie ihr Leben selbständig.

Sahar macht ihren Pflichtschulabschluss

nach, geht zur Deutschnachhilfe, nimmt

einmal die Woche Gitarrenunterricht,

besucht einen Fotokurs - sie möchte

gerne Fotografin werden – nimmt an

integrationsfördernden Veranstaltungen

wie Info-Abenden oder Ausstellungen teil

und spielt Fußball in einer Frauenmannschaft.

Ihr Leben konnte sie nicht immer so

selbstbestimmt führen. Sahar wächst

in einem streng konservativen, frauenverachtenden

Umfeld auf. Männliche

Autoritätspersonen werden nicht in

Frage gestellt, Frauen haben zu gehorchen.

„Ich durfte nicht allein vor die

Tür gehen und auf gar keinen Fall mit

Männern sprechen“, erinnert sich Sahar.

Sexualität ist in Afghanistan ein absolutes

Tabuthema, wie Babys auf die Welt

kommen, wird nicht besprochen - nicht

in der Schule, nicht zu Hause. „Höchstens

vor der Hochzeitsnacht sprechen

ältere Frauen mit der Braut und erklären

ihr, was auf sie zukommt“, so Sahar. „Als

ich klein war, habe ich so ein paar Infos

aufgeschnappt, Bescheid wusste ich

aber trotzdem nicht.“ Als Sahar mit 12

ihre Tage bekommt, erzählt sie niemandem

davon. Zu groß ist die Scham. „In

Afghanistan ist die Menstruation eine

schlimme Sache, über die man nicht

spricht.“ Mit Sex verbindet sie ausschließlich

Negatives. Mit neun Jahren

wird sie Opfer eines sexuellen Übergriffs.

Mit „Ich möchte nicht darüber reden“

und einem zu Boden gerichteten Blick

beendet sie die Erzählung über diesen

Teil ihrer Vergangenheit.

DAS LEBEN IN DER

SEIFENBLASE

Sahar hat keinen positiven Asylbescheid.

„Mein Leben ist wie eine Seifenblase“,

so die 18-Jährige. „Morgen könnte sie

platzen und alles wäre vorbei.“ Trotz

der ständigen Angst, abgeschoben zu

werden, versucht sie sich bestmöglich zu

integrieren. „Als Kind war es mein größter

Wunsch, normal in die Schule gehen

zu dürfen“, erzählt Sahar, die insgesamt

nur fünf Jahre zur Schule gehen konnte.

„Hier in Österreich kann ich das endlich

nachholen.“ Das Kopftuch hat sie nach

einem Jahr abgelegt. „Ich wollte nicht,

dass mir Österreicher wegen eines Stück

Stoffs anders begegnen“, erklärt sie.

„Meine Herkunft muss mir nicht auf der

Stirn geschrieben stehen.“ Früher dachte

die 18-Jährige, dass Frauen ohne Hijab

in die Hölle kommen. „So wurde es mir

beigebracht. Heute höre ich auf mein

Herz.“

Sahar knüpft mit ihrer offenen Art

schnell Freundschaften, meist mit anderen

Flüchtlingen aus Ländern wie Nigeria,

Syrien, Somalia oder auch Afghanistan.

Burschen sind keine dabei. „Afghanische

Männer denken nicht gut über

Frauen“, so Sahar. Mädchen wie Sahar

wird oft zu wenig Aufmerksamkeit von

der Öffentlichkeit geschenkt – weil sie

nicht auffallen, kaum Probleme bereiten

und für keine Schlagzeilen sorgen. Doch

gerade sie bräuchten Unterstützung.

Denn die eigene Community ist oft keine

Stütze, eher eine Bedrohung. Das weiß

auch Sexual- und Psychotherapeutin Elia

Bregagna. Sie unterstützt Flüchtlinge bei

/ RAMBAZAMBA / 29


Die Mädchen auf den Fotos sind Models

und kommen nicht in der Geschichte vor.


der Integration und nimmt unter anderem

die junge Afghanin Nesrin * bei sich zu Hause

auf. „Ich musste ihr versprechen, dass ich sie

nie, unter keinen Umständen, in Kontakt mit

afghanischen Männern bringe“, so die Therapeutin.

Das Leben mit einer österreichischen

Familie hilft Nesrin sich zu öffnen. Anfangs

noch scheu und ängstlich, entwickelt sich

die 19-Jährige schnell weiter. Sie nimmt sich

ein Vorbild an der vier Jahre älteren Tochter

der Sexualtherapeutin. „Wir selbst gehen zu

Hause offen mit tabuisierten Themen wie Sex

oder Menstruation um und das hat Nesrin

geholfen“, so Bregagna. „Nach einer Zeit hat

sie verstanden, dass Sex etwas Natürliches

ist und die Regel etwas, wofür man sich nicht

schämen muss.“

Trotzdem bricht Nesrin vor der Sexualtherapeutin

in Tränen aus, als sie ihr „gesteht“,

dass sie zum ersten Mal Sex mit einem

jungen Afghanen in Wien hatte. „Sie war

vor allem deswegen verzweifelt, weil sie

nicht den ‚Mut‘ hatte, sich das Leben zu

nehmen“, so Bregagna. „Ihrer Ansicht nach

war ihr Leben nichts mehr wert, jetzt, wo sie

keine Jungfrau mehr war.“ Es braucht viele

Gespräche, um Nesrin klarzumachen, dass

sie sich weder schämen noch umbringen

muss, nur weil sie mit einem Jungen geschlafen

hatte. „Zunächst sind neue Erkenntnisse

wie diese schwer zu fassen, dann aber erlösen

sie die Mädchen von dem Druck und der

Angst“, beschreibt Bregagna den Entwicklungsprozess.

DER WUNSCH NACH EINEM

NORMALEN LEBEN

Auch Ayise * kommt aus einer strengen Familie.

Aufgewachsen in einer kleinen Stadt in

Afghanistan, flieht sie gemeinsam mit ihren

Eltern und Geschwistern vor etwa zwei Jahren

nach Österreich. Hier geht sie das erste

Mal richtig zur Schule, hier lernt sie lesen und

schreiben.

Anders als Sahar trägt Ayise ein Kopftuch

und weite, lockere Kleider. Alle paar Minuten

zupft sie ihr Kopftuch zurecht, die Schülerin

spricht leise und unsicher. Nach kurzer Zeit

entwickelt sich das Gespräch in eine andere

Richtung. Man merkt Ayise an, dass sie

froh ist, sich mit jemandem über Tabuthemen

unterhalten zu können. So erzählt sie,

dass sie sich nicht mit Jungs aus der Klasse

anfreunden möchte. Körperkontakt ist strengstens

untersagt, auch wenn es um harmlose

Berührungen am Arm geht. Auf die Frage, ob

sie schon einmal verliebt war, schüttelt sie

zunächst peinlich berührt den Kopf, später

erzählt sie von einem jungen Syrer, den sie

in einem Jugendzentrum kennengelernt hat.

„Sie sagen das aber nicht weiter, oder?“,

fragt sie erschrocken. Erst das Versprechen,

dass das Gespräch anonymisiert wird,

beruhigt sie. „Meine Eltern wissen nicht, dass

ich im Verein auch mit Jungs Computer oder

Tischfußball spiele.“ Ayise vermeidet Augenkontakt,

während sie über ihr Geheimnis

spricht und rutscht auf ihrem Sessel hin und

her. Einer Erwachsenen kann sie sich aber

auch mit diesem Anliegen anvertrauen: einer

der Betreuerinnen im Jugendtreff. „Ihr habe

ich gesagt, dass ich mich in den Syrer verliebt

habe und als ich traurig deswegen war,

hat sie mich getröstet.“

Noch verläuft das Gespräch entspannt,

Aiyse * erzählt immer weiter. Bis es plötzlich

um ihre Zukunftsträume geht. „Abends liege

ich im Bett und wünsche mir, ein ganz normales

Mädchen zu sein“, gesteht die 14-Jährige.

Sie wirkt jetzt nicht mehr ausgelassen, sondern

nachdenklich, fast traurig. „Ich möchte

auch so leben wie Mädchen hier, gut in der

Schule sein und österreichische Freundinnen

haben.“ Manchmal, so Ayise, frage sie sich,

warum sie das Kopftuch eigentlich trägt und

was sie von anderen Mädchen unterscheidet.

Verliebt sein und vor der Ehe sexuelle

Erfahrung sammeln, kommt nicht in Frage –

sie würde Gegenteiliges niemals vor anderen

zugeben. Sie geht davon aus, dass ihre Eltern

einen Ehemann für sie organisieren. „Ich

kenne ja keine Jungs, da kann ich auch nicht

selbst suchen“, erklärt die Schülerin. „Mama

und Papa werden mir sicher einen guten

Mann finden.“

KEIN SEX, KEINE LIEBE

Von einer arrangierten Ehe ist auch Meska *

überzeugt, auch wenn sie es nicht so nennt.

Ihr sei es lieber, wenn ihre Eltern einen Mann

für sie finden. „Weißt du, wenn du in Afghanistan

mit einem Jungen redest, musst du

ihn heiraten“, erzählt die 15-Jährige lachend.

„Hier in Österreich ist das ja egal.“ Männliche

Freunde möchte sie keine, noch nicht einmal

Kontakt zu Klassenkameraden strebt sie an.

„Burschen sind gemein und rufen Mädchen

komische Sachen nach“, so Meska. „Einmal

haben Männer bei einer Straßenbahnstation

einer Frau hinterhergepfiffen und als sie

ihnen gesagt hat, sie sollen still sein, haben

sie sie beschimpft.“ Deswegen sei sie froh,

auch in Österreich ein Kopftuch zu tragen.

KULTUR

SCHOCK

„Ich kann die Erzählungen

und Empfindungen der

Mädchen gut verstehen. Ich

bin vor 18 Monaten nach

Österreich gekommen und

habe auch einen kulturellen

Schock erlebt. Als Männer

sich mit mir unterhalten

haben, musste ich erst lernen,

dass nichts Schlimmes

passieren wird und sie nur

höflich sind. In Afghanistan

wäre es undenkbar gewesen,

dass ich Männern die Hand

schüttle, ihnen direkt in die

Augen sehe oder öffentlich

mit ihnen spreche. Ich

wäre sofort als Schlampe

beschimpft worden. Kurzer

Augenkontakt hätte gereicht

und Männer hätten das

sofort als Einladung verstanden.

Auch ich war das erste

Mal, als ich ein küssendes

Pärchen in der U-Bahn in

Wien gesehen habe, überrascht.

Ich selbst bin in den

Öffis in Kabul oft sexuell

belästigt worden, sicher habe

ich mich als Frau nie gefühlt.

Besser wurde die Situation

auch nicht, als ich mein

Studium begonnen habe.

Gynäkologie ist kein angesehenes

Fach, deswegen habe

ich nach vier Semestern

abgebrochen. In Afghanistan

werden Frauenärztinnen

nicht als wichtig empfunden.

All das und noch viel mehr

ist in Österreich ganz anders.

Das zu verstehen, braucht

Zeit. Ich tue mir mit diesen

Veränderungen mit Anfang

20 manchmal auch noch

schwer. Ich kann mir also gut

vorstellen, dass das für Teenager

noch schwieriger ist.“

Leila* (23) ist vor 18 Monaten

nach Österreich geflohen.

Zu ihrem Schutz haben wir ihren

Namen geändert.

/ RAMBAZAMBA / 31


Eine Frage zu ihrer Periode versteht

sie zunächst nicht. Menstruation, Tage,

Periode, monatliche Blutung - Begriffe,

die Meska nicht nutzt. „Ich habe keine

Ahnung, warum ich die Tage habe“,

gesteht sie. Die 15-Jährige kauft, als

sie ihre Menstruation das erste Mal

bekommt, heimlich Binden. Mit ihrer

Mutter hat sie nie darüber gesprochen.

Auch nicht, als sie ihren ersten BH

gekauft hat. „Über sowas redet man bei

uns nicht“, war ihre Erklärung.

Sex ist ein Thema, dem Meska

ausweicht. „Wenn ich mir ein YouTube-

Video ansehe, in dem eine Sexszene

vorkommt, spule ich entweder ganz

schnell weiter oder schaue weg“, erklärt

die junge Afghanin. „Pärchen, die sich

in der U-Bahn küssen, finde ich auch

komisch und peinlich.“ Im Biologie-

Unterricht wurde Sex zwar thematisiert,

Meska hat aber aufgrund sprachlicher

Barrieren kaum etwas verstanden. „Und

es war mir ehrlich gesagt auch sehr

unangenehm mit Jungs in der Klasse

zu sitzen, während der Lehrer darüber

spricht.“

Alte Denkmuster aufbrechen, den

eigenen Körper bewusst wahrnehmen

und sich fallen lassen: Das ist

für geflohene Mädchen oft schwierig.

Welche Wertigkeit eine Frau in unserer

Gesellschaft hat, müssen sie erst lernen.

Die 18-jährige Sahar ist auf dem

Weg, diese Wertigkeit zu verstehen. In

kleinen Schritten arbeitet sie an ihrer

Selbstwahrnehmung. Weg von dem

Mädchen, das keine Rechte hat und

hin zu einer Frau, die ihr Leben selbstbestimmt

führt. Während des Interviews

fällt es ihr zunehmend leichter,

tabuisierte Themen anzusprechen. Sie

beschreibt, dass sie erst lernen musste,

wie man den Druck aus der eigenen

Community überwindet. Dass sie nun

versteht, dass sie sich nicht für ihre

Menstruation schämen muss. Dass sie

die gleichen Rechte wie Männer hat und

so leben kann, wie sie möchte. Gegen

Ende des Gesprächs verrät Sahar, dass

sie in Österreich doch einmal Kontakt zu

einem jungen Mann hatte. „Wir haben

uns kurz geküsst“, sagt sie schüchtern

und sieht weg. Für mehr war sie aber

noch nicht bereit.

* Alle Namen wurden von der Redaktion geändert

„Pärchen, die sich in der U-Bahn küssen, finde ich komisch und peinlich.“

„Ein Haufen Sünde, Schmutz und Verführung.“

Interview mit Ärztin und Sexualtherapeutin Dr. Elia Bragagna

BIBER: Wie wichtig ist sexuelle Aufklärungsarbeit

bei geflohenen Mädchen?

DR. ELIA BRAGAGNA: Sehr wichtig.

Sexualpädagogen müssen in allen

Altersgruppen regelmäßig eingesetzt

werden. Die Mädchen sollen verstehen,

was mit und in ihrem Körper

passiert, zum Beispiel bei sexuellen

Begegnungen oder während ihrer

Menstruation. Sie sollen Freude mit

ihrem Körper spüren und wissen,

was sich gut und was sich nicht gut

anfühlt.

Welche Schwierigkeiten können sich

ergeben?

Diese Mädchen sind oft in einem

konservativen Umfeld aufgewachsen,

das ihnen suggeriert hat, dass Frauen

nichts als ein Haufen Sünde, Schmutz

und Verführung sind. Wer so großgeworden

ist, braucht viel Zeit und Unterstützung,

um sich selbst annehmen

und öffnen zu können. Es darf kein

Druck ausgeübt werden, jede Veränderung

ist anfangs irritierend. Positive

Vorbildwirkung von uns ist wichtiger

und wirkt stärker.

Welche schulischen Maßnahmen

sollten ergriffen werden?

Ich bin für Ganztagsschulen für alle.

Es braucht viel Kontakt zu Österreicherinnen.

Das passiert nur, wenn sie

den ganzen Tag zusammen sind. Sie

müssen beim Turnunterricht ihren Körper

spüren, im Aufklärungsunterricht

lernen, wie natürlich Sexualität ist und

erfahren welche Wertigkeit eine Frau

in unserer Gesellschaft hat.

Ricardo Herrgott

32 / RAMBAZAMBA /


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Stromkennzeichnung des Lieferanten: Gemäß § 78 Abs. 1 und 2 ElWOG 2010 und

Stromkennzeichnungsverordnung hat die Wien Energie Vertrieb GmbH & Co KG

im Zeitraum 1.1.2016–31.12.2016 auf Basis der in der nebenstehenden Tabelle

angeführten Primärenergieträger Strom an Endverbraucher verkauft. Die Herkunftsnachweise

stammen aus Österreich (86,65 %) und Norwegen (13,35 %). Das

Erdgas wird mit höchster Effizienz in modernen KWK-Kraftwerken zur gleich zeitigen

Erzeugung von Strom und Fernwärme eingesetzt. Gemäß § 78 Abs. 2 ElWOG

2010 und Stromkennzeichnungsverordnung entstanden bei der Stromerzeugung

in diesem Zeitraum nebenstehende Umweltauswirkungen. Unsere Lieferungen

sind frei von Atomstrom. Bei der Erzeugung entstehen keine radioaktiven Abfälle.

1

Die 30 FreiEnergie-Tage werden vom Kooperationspartner Wien Energie Vertrieb GmbH & Co KG (WEV) gewährt. Die 30 FreiEnergie-Tage gelten für jene Mobilfunk-Kundinnen und -Kunden, welche zum Zeitpunkt

des Abschlusses eines OPTIMA Float Cap-Stromliefervertrags mit der Wien Energie Vertrieb GmbH & Co KG über einen aufrechten SIMfonie-Mobilfunkvertrag verfügen. Die FreiEnergie-Tage werden von

WEV nur für das erste Vertragsjahr gewährt. FreiEnergie ist ein Nachlass auf den Energiepreis. Der Wert eines Tages FreiEnergie ergibt sich aus der Division der Energiekosten durch 365 Tage. Die Höhe ist

damit verbrauchsabhängig, beträgt aber mindestens 25 Cent (exkl. USt.) für 365 Tage. Aktion gültig bis 31.12.2018. ² Die reduzierte monatliche Grundgebühr gilt in den ersten zwei Rechnungsperioden des

Mobilfunkvertrags für sämtliche Mobilfunk-Kundinnen und -Kunden. Für Mobilfunk-Kundinnen oder -Kunden, die innerhalb dieses Zeitraums durch Eintragung der Kundennummer im SIMfonie Kontomanager/

der SIMfonie-App nachweisen, dass sie Strom- bzw. Erdgas-Kundin oder -Kunde der Wien Energie Vertrieb GmbH & Co KG (WEV) sind, gilt die reduzierte monatliche Grundgebühr auch über die ersten zwei Rechnungsperioden

des Mobilfunkvertrags hinaus. Erfolgt keine Eintragung einer WEV-Kundennummer innerhalb der ersten zwei Rechnungsperioden des Mobilfunkvertrags oder fällt die WEV-Kundeneigenschaft

der Mobilfunk-Kundinnen und -Kunden aufgrund der Beendigung des Strom- bzw. Erdgasvertrags weg, kann mit Beginn der dritten Rechnungsperiode des Mobilfunkvertrags bzw. ab dem Zeitpunkt des Wegfalls

der WEV-Kundeneigenschaft die reguläre monatliche Grundgebühr für die Vertragslaufzeit des Mobilfunkvertrags verrechnet werden. ³ Die in einem Monat nicht verbrauchten Mobilfunk-Einheiten werden

in Punkte umgewandelt, die über 12 Monate gesammelt werden. Mobilfunk-Kundinnen und -Kunden erhalten jährlich einen Gutschein, der je nach Anzahl der gesammelten Punkte, einen einmaligen prozentuellen

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MEINUNG

ABER DU BIST DOCH

EIN MÄDCHEN

Nur, weil ich ein Mädchen bin, muss es nicht heißen, dass

ich weniger darf als ein Junge. Jeder hat doch die gleichen

Rechte – so sollte es zumindest sein.

„NUR WEIL ICH EIN MÄDCHEN BIN, DARF ICH NICHT

DEN MUND AUFMACHEN?“

Bei mir Zuhause ist es so, dass mein Bruder mir gegenüber

bevorzugt wird. Und das nicht, weil er jünger ist. Meine

Cousine ist z.B. jünger als ihr Bruder und trotzdem wird

er bevorzugt. Es liegt einfach an unserer Kultur. Ich

schmeiße jetzt nicht alle in einen Topf und sage, dass es

bei jedem so ist. Aber ich erlebe es nun mal so. Wenn wir

bei Bekannten oder Familie sind, und ich dann beginne am

Tisch mitzureden, gefällt das meinem Vater nicht – weil ich

eben ein Mädchen bin. Bei meinem Bruder ist das anders.

Ich antworte dann häufig mit den Worten „ Nur, weil ich ein

Mädchen bin, darf ich nicht reden, oder was?!“ So war das

auch dieses Jahr, als wir im Urlaub in Italien waren. Mein

Bruder hat so viel Blödsinn geredet und geschimpft, mein

Vater fand das immer lustig. Meine Mutter fand es allerdings

nicht lustig, und ich auch nicht. Ich selber durfte nie so

reden wie mein Bruder, weil ich Ärger bekommen hätte,

und habe es auch nie, weil es mir peinlich war und ich das

respektlos fand und noch immer finde.

ICH WERDE ES BEI MEINEN KINDERN

ANDERS MACHEN

Als ich jünger war, hat mein Vater meinen Bruder immer

überallhin mitgenommen und mich nicht. Mit der Zeit

wurde mir das aber egal. Was mich aber schon stört, ist die

Tatsache, dass ich nicht lange draußen bleiben darf – wenn

ich mit Freunden unterwegs bin, muss ich immer schon

zuhause sein, sobald es dunkel wird. Wenn ich im Sommer

im Kosovo bin, darf ich nichts Kurzes anziehen, weil es dann

gleich heißt, dass die Tochter von XY das und das anhatte.

Mein Bruder ist noch jünger, aber ich bin mir sicher, dass er

in meinem Alter länger draußen bleiben dürfen wird. Meiner

Meinung nach sollte man seine Kinder gleich behandeln

– egal ob Mädchen, Junge, älter, jünger, schlauer oder

weniger schlau. Ich selber sage mir immer, dass ich keine

Unterschiede bei meinen Kindern machen werde.

Melissa Gjoka ist 16 und geht in die 7G des Gymnasiums Brigittenau.

„DIE WÜRDEN PERFEKT IN DIE

TAUBSTUMMENGASSE PASSEN!“

Ich bin die Einzige in meiner Familie, die hören kann. Meine

Mutter war 10, als sie taub wurde. Es war die Nebenwirkung

einer Zeckenimpfung (die Medizin war damals nicht so

gut). Mein Vater ist seit Geburt an taub, er kann aber mit

Hörgeräten hören.

MUTTERSPRACHE: GEBÄRDENSPRACHE

Als Kind habe ich neben Deutsch auch die österreichische

UND die polnische Gebärdensprache gelernt. Mit Anfang

drei konnte ich alle drei Sprachen ein bisschen reden bzw.

gebärden. Mein Vater hat es mir beigebracht. Meine Mutter

hat auf Polnisch gebärdet, und mein Vater hat es mir auf

Deutsch übersetzt, und dann mit der Österreichischen

Gebärdensprache gebärdet. In der Mittelschule konnte

ich schon fließend gebärden. Ich lerne aber immer mehr

dazu. Zum Beispiel weiß ich seit 2014, dass es eine alte

Gebärdensprache, und eine neue gibt. Bei der alten gebärdet

man mit beiden Händen, und bei der neuen nur mit einer. Ich

kann beides.

NICHT LUSTIG!

Es gibt immer noch Menschen, die sich über gehörlose

Personen lustig machen. Im April habe ich mit meiner Mutter

ganz normal gebärdet. Eine Gruppe von Menschen hat uns

angestarrt, und laut ausgelacht. Sie dachten, sie könnten

uns beschimpfen, und wir würden es nicht mitbekommen.

„Die würden perfekt in die Taubstummengasse passen!“,

lachten sie. Ich hatte es satt, dass sich andauernd Menschen

über mich und meine Familie wegen unserer Sprache lustig

machen. Da ich sie sehr wohl hören konnte, und wütend war,

wollte ich sie blöd dastehen lassen. Ich nahm mein Handy

heraus und tat so, als ob ich mit jemand telefonieren würde.

Nach dem gefakten Telefonat hat mich die Gruppe nur dumm

angestarrt. Sie haben sich so geschämt, dass sie uns nicht

mehr anschauen konnten.

Ich finde es respektlos, dass sie sowas sagen, und nicht

überlegen, wie es ist gehörlos zu sein. Es ist traurig, dass

sie sich erst schämten, nachdem sie wussten, dass ich alles

gehört hatte.

An alle gehörlosen Menschen da draußen: lasst euch von

solchen Menschen nicht einschüchtern!

Jasmin Fellner ist 13 Jahre alt und besucht die NMS Feuerbachstraße.

Christoph Liebentritt

34 / RAMBAZAMBA /


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2 · Vorwort www.faszination-leben.at

Tabubrüche enttabuisieren

Wir leben in einer Parallelgesellschaft, die sich selbst belügt. Was uns nicht in unser Bild passt, ignorieren

wir. Und die, die das offen ansprechen, was uns nicht ins Bild passt, ächten wir. Das ist nichts Neues.

Lena Leibetseder - Youth Reporterin beim Österreichischen

Jugendportal und Schülerin im Musikgymnasium in Linz

www.jugendportal.at/youth-reporter

„Probleme lösen sich

nur durch offenen

Diskurs. Brecht euer

Schweigen! “

Wir im Westen, zwangsbeglückt

und selbstermächtigt

durch Aufklärung und

demokratisierende Revo-

Wlutionen, brauchen keine Tabus mehr. Man

möchte meinen, dass diese unausgesprochenen

Gesetze, die ein nicht zu hinterfragendes

Regelwerk formen, weit hinter uns

liegen. Nein. Die Themen, über die nicht gesprochen

wird, haben sich im gesellschaftlichen

und historischen Kontext natürlich

verändert. Wir werden nicht mehr schief

angeschaut, wenn wir offen über Sex reden,

doch Tabus existieren nach wie vor.

Es passiert nichts, wenn wir

uns trauen, zu helfen

Junge Mädchen verheimlichen aus Scham

ihre Schwangerschaft. Fünf Prozent der

ÖsterreicherInnen haben Aids, aber trauen

sich nicht, darüber zu reden. Ehefrauen

überschminken ihre blauen Flecken. Und

wir tun so, als würden wir das alles nicht

sehen. Der Unterschied im Umgang mit

Tabuthemen von heute zur Vergangenheit

ist, dass den Menschen in letzterer das Verbot,

Tabuthemen anzusprechen, von Autoritäten

auferlegt wurde. Aber jetzt sind wir in

Europa stolz auf unser besonders liberales

Mindset. Wir dürfen fast alles, können fast

alles, machen fast alles. Nur reden wir nicht

über alles. Und auch berichtet wird nicht

über alles, denn wer von uns hat mitbekommen,

dass im Kongo derzeit 400.000 Kinder

hungern? Wenn wir den Mund aufmachen,

uns einsetzen, dann droht uns statt Gefängnisstrafen

der vermeintliche Akzeptanzverlust

innerhalb der Gesellschaft.

Wir erlegen uns das Sprechverbot selbst

auf. Die im Grunde genommen vollkommen

unbegründete Angst vor Tabubrüchen lenkt

unser Leben in scheinbar geordnete Bahnen.

Denn wir vergessen oft, dass uns ja eigentlich

nichts passiert, wenn wir uns trauen zu

helfen und auf Menschen zuzugehen.

Schalter in den Köpfen umlegen

Niemand redet gern über Depressionen,

häusliche Gewalt, Essstörungen oder Mobbing

und es gibt mit Sicherheit ästhetischere

Themen, die bessere Stimmung verbreiten.

Aber genau diese unangenehmen

Angelegenheiten offen anzusprechen, um

nicht zuletzt Betroffenen zu signalisieren,

dass sie nicht allein sind und dass es Leute

gibt, die sich ihrer Probleme annehmen, wäre

ein Schritt in die richtige Richtung.

Der Anfang ist schon getan. Der Weltaidstag

findet am ersten Dezember zum

29. mal statt. Es gibt Selbsthilfegruppen,

Frauenhäuser und Magazine wie dieses,

die einen wichtigen Schritt in die richtige

Richtung wagen, indem sie Prekäres thematisieren.

Aber all diese Initiativen sind

zwecklos, wenn wir es nicht bald schaffen,

den Schalter in den Köpfen der Menschen

umzulegen.

Es ist nicht 1940, Hitler ist lange tot und

Metternich noch viel länger. Über Dinge zu

reden, die niemand hören will, erzeugt nicht

mehr Gefahr, verhaftet zu werden. Über Dinge

zu reden, die niemand hören will, wirkt

präventiv. Probleme lösen sich nur durch offenen

Diskurs. Brecht euer Schweigen! ■

Foto: Leo LeiBetseDeR

Tabu, 5. Ausgabe, Dezember 2017

Bleiben Sie in Kontakt: facebook.com/MediaplanetAUSTRIA @MediaplanetAUT

Projekt Manager: Claudia Auer, MA · Business Developer: Isabella Scheinecker, MSc · Editorial Manager: Buket Akkaya · Layout: Daniel Pufe

Managing Director: Alexandra Folwarski · Medieninhaber: Mediaplanet GmbH · Bösendorferstraße 4/23 · 1010 Wien · ATU 64759844 · FN 322799f FG Wien

Impressum: http://sites.mediaplanet.com/de/de-de/mp-impressum · Kontakt bei Mediaplanet: Tel: +43 1 236 3438 28 E-Mail: redaktion.at@mediaplanet.com

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Hoffnung für Thalente

Fast 40 Prozent der BewohnerInnen der südafrikanischen Region KwaZulu Natal sind HIV-positiv.

Die 13-jährige Thalente erhält nun Hilfe, unzählige andere benötigen diese noch.

Fotos: © manFReD FesL

Thalente lebt mit ihrem Vater, ihrer

Großmutter und den vier Geschwistern

in einer Baracke im

südafrikanischen Township Cato

Manor. Hier, zehn Kilometer entfernt vom

Zentrum Durbans, wohnen rund 93.000

Menschen dicht an dicht in einfachen Hütten

– die Hygienebedingungen sind unzureichend,

Arbeitslosigkeit, Drogen und Gewalt

gehören zum Alltag. Thalentes Mutter

ist an Aids gestorben, ihr Vater ist todkrank.

Die Kinder und die gebrechliche Großmutter

sind auf sich allein gestellt.

Kein Einzelschicksal für die Region Kwa-

Zulu Natal im Osten Südafrikas: Fast 40 Prozent

der Menschen sind hier HIV-positiv,

viele davon Kinder und Jugendliche. Täglich

kommen neue HIV-positive Babys zur Welt,

täglich bleiben Kinder durch den Tod beider

Elternteile als Aidswaisen zurück. Das Thema

müsste also allgegenwärtig sein. Doch

das ist es nicht. Vielmehr ist die schwere

Krankheit immer noch ein Tabu.

iThemba Lethu –

„Ich habe eine Bestimmung“

Hier setzt die lokale Hilfsorganisation

iThemba Lethu, übersetzt „Ich habe eine

Bestimmung“, an: In sechs Schulen des

Townships Cato Manor wird intensive Aids-

Aufklärung betrieben – mehr als 500 Schüler

zwischen 10 und 15 Jahren erhalten zwei

Stunden wöchentlich speziellen Unterricht.

Die Themen: HIV/Aids, Beziehungen,

Sexualität.

In einer dieser Schulen sitzt auch Thalente.

Dicht gedrängt lauschen die 13-Jährigen

den Worten der Sozialarbeiterin.

Ihr geht es nicht darum, den Jugendlichen

zu vermitteln, wie HIV/Aids übertragen

wird und wie man sich davor schützt

– denn das wissen die meisten ohnehin.

Vielmehr geht es darum aufzuzeigen, wie

man selbstverantwortlich lebt. Wie man

sich selbst wertschätzt, seine Meinung

vertritt, auch wenn andere Gleichaltrige

vielleicht anderer Meinung sind, wie man

seine Grenzen definiert und auch klar aufzeigt.

Es geht um die Weitergabe von Werten.

„Wir müssen den Kindern zeigen, dass

sie – entgegen allem, was sie täglich erleben

– eine Hoffnung und eine Zukunft haben“,

betont Projektdirektorin Karen Brokensha.

„Und wir vermitteln den Kindern,

dass sie Einfluss auf ihr Leben haben. HIV

wird nicht von Moskitos übertragen, man

ist dem Virus nicht ausgeliefert.“

Nachmittags haben die Kinder in offenen

Treffen die Möglichkeit, sich mit ihren

Problemen und Fragen zur Sexualität

persönlich an die ProjektmitarbeiterInnen

zu wenden. „Seit vier Jahren bin ich

Teil von iThemba Lethu“, erzählt Thalente.

„Die Projektmitarbeiter sind immer für

uns da, wenn wir etwas brauchen,

sie sind wie unsere Eltern“, betont

die 13-Jährige. Ihr Leben hat

sich durch das Projekt deutlich

verändert. „Ich habe wieder Hoffnung.

Ich bin, wer ich bin – durch

iThemba Lethu.“ ■

von Redaktion

1 WG. 1 Patenkind.

Gemeinsam Pate sein.

Paula Augustin, Florian Plakolm, Giulia Staudacher,

Paten seit 2017.


4 · #WeltAidsTag

aM 1.12. ist

WeLt-aids-taG!

KNOW

YOUR

STATUS!

Mutig sein heißt auch, andere

zu ermutigen! Life Ball Chef

Gery Keszler geht mit gutem

Beispiel voran. Im Interview teilt

er seine Erfahrungen, Sorgen und

Ratschläge mit.

Gery Keszler

Gründer und Organisator des Life Ball

■■Das Motto des letzten Jahres war

„Know your Status“, denn weltweit

wissen etwa 40 Prozent aller HIVpositiven

Menschen nichts von ihrer

Infektion. Merkt man da schon einen

Impact der Kampagne?

Weltweit kennt fast jeder Zweite seinen

Immunstatus nicht, in Europa ist das wa jeder Siebte. Der erste Schritt im

etdafür

zu sorgen, dass jeder seinen eigenen

Immunstatus kennt. So schützt

man nicht nur andere vor einer Infektion,

sondern kann auch selbst rechtzeitig

eine Therapie erhalten. Deshalb

haben wir mit unserer Kampagne versucht,

eine klar verständliche Botschaft

zu senden: Know your Status! Sprich darüber

und ermutige auch andere, sich

testen zu lassen!

Dafür haben wir auch eng mit den

Kampf gegen HIV/AIDS ist es daher,

Aidshilfen Österreichs zusammengearbeitet

und unter anderem landesweit mobile

Teststationen aufgestellt, wo sich die

Menschen sichtbar in der Öffentlichkeit

testen lassen konnten. Die Rückmeldungen

der einzelnen Aidshilfen auf die Kampagne

waren toll: In der Aids Hilfe Wien

gab es beispielsweise einen Testanstieg

von über 20 Prozent während der Kampagne.

Wie lange dieser Effekt anhält, ist

schwer zu sagen. Deshalb ist es notwendig,

dass die Botschaft auf Dauer präsent bleibt.

■■Was bedeutet es im 21.

Jahrhundert, mit HIV bzw.

AIDS zu leben?

Im Vergleich zu der Situation vor 25 Jahren,

als wir den ersten Life Ball ausrichteten,

hat sich die medizinische Situation

deutlich gebessert. HIV ist von einer tödlichen

Krankheit zu einer behandelbaren,

chronischen Krankheit geworden. Das ist

ein enormer Fortschritt, dennoch macht

sich dadurch auch eine gefährliche Sorglosigkeit

breit, weil einige die Krankheit

nicht mehr ernst genug nehmen. Geblieben

sind auch das Stigma und soziale AIDS.

■■Sie haben sich selbst in ihren

Zwanzigern infiziert. Was hat für

Sie den Ausschlag gegeben, Ihre

Erkrankung 2015 öffentlich zu

machen? Was hat sich dadurch

verändert?

Es war der unerwartete Tod eines langjährigen

Freundes kurz vor dem Life Ball

2015, der den letzten Ausschlag gab, dem

Bedürfnis nachzugeben, offen über meine

Erkrankung zu sprechen. Ich will vor

allem den Betroffenen Mut machen. Ich

habe lange nicht über meine Erkrankung

gesprochen, weil ich nicht wollte, dass die

Leute und Sponsoren sich aus Mitgefühl

oder Mitleid für den Life Ball engagieren,

sondern für die Sache selbst.

Fotos: oBen: JÜRGen HammeRscHmiD; LinKs: RapHaeL LUGassY


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Fotos: LiFe BaLL

■■In den letzten beiden Jahren

sind die Neuninfektionen wieder

angestiegen. Sind die Menschen

zu wenig informiert oder einfach nur

leichtsinnig?

Dadurch, dass HIV/AIDS zu einer behandelbaren

Krankheit geworden ist, sind tatsächlich

viele zu leichtsinnig. Gleichzeitig

gibt es aber auch erschreckend große

Wissenslücken bei vielen ÖsterreicherInnen,

die meisten kennen nicht einmal den

Unterschied zwischen HIV und AIDS. Zugleich

ist auch solide Aufklärung von Jugendlichen

wichtig. Daher haben wir uns

auch entschlossen, den Life Ball Next Generation

ins Leben zu rufen. Damit wollen

wir gezielt junge Menschen ansprechen

und informieren. Im Rahmen dessen bieten

wir gemeinsam mit dem Jugend gegen

AIDS e.V. Aufklärungsworkshops an, in

denen Jugendliche sich zu Peer Educators

ausbilden lassen können, um dann in ihren

Schulen selbst tätig zu werden.

■■Das erste Mal, Verliebtsein, Lust,

Neugierde, aber auch Druck, Angst

und Unwissenheit – gerade in der

Pubertät ist Sex ein schwieriges

Thema. Welche Unterstützung und

welches Umfeld brauchen Jugendliche,

um sicher ihre Sexualität entdecken

und ausleben zu können?

Über Sexualität im Unterricht zu reden,

fällt LehrerInnen leider häufig schwer und

ist oft unangenehm. Jugendlichen fällt es

leichter, mit Gleichaltrigen auf Augenhöhe

zu sprechen, und das in einem entspannten

Rahmen, wo auch Fragen gestellt werden

können. Mit unseren Peer-Educator-

Workshops versuchen wir genau das zu

erreichen. Denn jeder junge Mensch hat

das Recht auf solide Aufklärung. Um die

eigene Sexualität ausleben zu können,

braucht es aber auch eine offene und tolerante

Gesellschaft, die den jungen Menschen

den Freiraum lässt, dies zu tun.

■■Dinge die man zum ersten Mal

macht, können ja ganz besonders

schön sein, wirklich souverän ist

man dabei aber selten. Was würden

Sie jungen Menschen mit auf den

Weg geben – außer einem Kondom?

Sich Zeit, nicht unter Druck setzen oder

durch falsche Erwartungen und Vorstellungen

stressen lassen. Und vor allem

auch: den Spaß beim Spaß haben nicht

vergessen.

■■Was kann ich machen,

wenn ich mich auch abseits

des Life Ball für den Kampf

gegen AIDS engagieren

möchte?

Der Kampf gegen HIV/AIDS ist

so facettenreich wie die Menschen,

die davon betroffen sind.

Es gibt Einrichtungen, wie die sieben

Aidshilfen in Österreich, die

sich immer über helfende Hände

freuen. Oder andere Projekte

wie der Buddy Verein oder Diversity

Care in Wien. Wer sich engagieren

will und ein bisschen

sucht, wird schnell fündig.

Auch im Alltag mit

Freunden und Bekannten

über das Thema HIV/

AIDS zu sprechen und es

lebendig im Bewusstsein

zu halten, ist wichtig.

■■Was inspiriert Sie zu

den Themen des Balls?

Ich sammle meine Inspirationen

überall. Meine großen

Lieben sind die Oper,

Musik, Geschichte und auch

Mythologie. Hier werde ich

meist fündig. Die Themen des

Life Ball sind immer sehr vielschichtig

und es schwingen

stets viele Bedeutungsebenen mit.

■■Der Life Ball hat sich immer auch

für die Rechte Homosexueller eingesetzt.

Etwa mit der Wedding Chapel,

wo Paare jeglicher sexuellen Orientierung

getraut wurden. Was steht

da in den nächsten Jahren auf der

Agenda des Life Ball?

Das ist richtig. Neben dem Kampf gegen

HIV/AIDS und der damit verbundenen Diskriminierung

hat sich der Life Ball schon

immer zahlreicher gesellschaftspolitischer

Themen angenommen. Ob dies eine

Wedding Chapel war oder das viel diskutierte

Plakat „Ich bin Adam. Ich bin Eva. Ich

bin ich“ von David LaChapelle. Auch beim

letzten Life Ball mit dem Motto „Recognize

the Danger“ haben wir uns mit der eigenen

Geschichte der 1920er- und 1930er-Jahre

auseinandergesetzt: Erkenne die Gefahr

und das in jedem Bereich, ob in der Gesundheit

oder der Gesellschaft. Und natürlich

werden wir auch beim kommenden Jubiläumsball

am 2. Juni 2018 überraschen. ■

„Der Kampf gegen

HIV/AIDS ist so

facettenreich wie

die Menschen, die

davon betroffen sind.“

entgeltliche Anzeige


6 · #BrichDeinSchweigen ▶ Poster für deine Klasse!

Du bist

nicht

allein!

Wie aus einem Song ein

länderübergreifendes

Sozialprojekt zur Aufklärung zum

Thema physische, psychische

und sexuelle Gewalt an Kindern

und Jugendlichen wurde.

Falco Luneau

Musiker und Songwriter

Nähere Infos auf www.wolfsrachen.com

■■Wie bist du zu diesem sehr schwierigen

Thema der Gewalt an Kindern

und Jugendlichen gekommen?

Das Ganze ist sehr spontan und versehentlich

entstanden. Wir haben den Song

„Frieden ist kein Wintergarten“ mit dem

Schülerchor meiner früheren Musikmittelschule

aufgenommen. Während der Aufnahmen

waren die Schüler sehr schüchtern. Ich

habe dann einfach – eigentlich ohne Grund –

die 60 Schüler gefragt, wer von Ihnen schon

mal gemobbt wurde. Zuerst ist ein Kind aufgestanden,

später sogar 85 Prozent. Somit

wurde aus dem Song nicht etwas für Flüchtlingsorganisationen,

sondern eine Schulbildungsinitiative

zum Thema Menschenrechte

und europäische Werte.

■■Sind denn tatsächlich so

viele Kinder betroffen?

Ich habe die Information bekommen, dass

pro Klasse im Durchschnitt zwei SchülerInnen

Opfer sexueller Misshandlungen

sind, jedes dritte Mädchen und jeder fünfte

Junge von psychischer und physischer

Gewalt betroffen ist. Hierbei spreche ich

nicht von der „gesunden Flausen“, die man

ab und zu bekommt. Der Jugendsuizid ist

um dreißig Prozent gestiegen.

■■Wie möchtest du dem mit deinem

aktuellen Projekt „Brich dein

Schweigen“ entgegenwirken?

Das ganze Projekt wurde von der Kinderund

Jugendanwaltschaft und von PsychologInnen

begleitet. Jeder einzelne Schritt

wurde zwanzigmal durchdacht. Ich habe

hierbei mit vielen PsychologInnen von

Frauenhäusern und Kinderauffangzentren

in Holland telefoniert. In Holland ist dieses

Thema viel öffentlicher. Es wird vielmehr in

Talkshows und Radios kommuniziert. Bei

uns gibt es das ja eigentlich gar nicht. Aus

diesem Grund ist die Hemmschwelle auch

so groß. Es geht vor allem darum, sich regelmäßig

mit dieser Thematik zu beschäftigen.

■ ■... darum möchtest du direkt

an die Schulen gehen?

Es wäre schön mit dieser Aktion die jungen

Leute so zu erreichen, dass sie so früh

wie möglich den Mut finden, sich zu öffnen.

Sie haben noch ihr gesamtes Leben

vor sich und es ist unerträglich so eine Bürde

alleine herumtragen zu müssen. Es gibt

so viele, mit denen sie das Schicksal teilen

können, ohne es gleich in einer Zeitung zu

erwähnen. Darum ist es wichtig, dass man

dieses Thema nicht nur zuhause, sondern

im Kollektiv und teilweise auch im Gruppenzwang

in der Schule anspricht.

Die Idealvorstellung

wäre hierbei, dass man sich

gemeinsam in der Klasse den

Werbespot ansieht und die

Kinder und Jugendlichen animiert,

selbst eine Geschichte daraus zu

machen. Da wird bei vielen sehr viel aufbrechen.

Was daraus entsteht, das weiß niemand.

Aber wichtig ist, dass man weiß, an

wen man sich wenden kann.

■■Sind Eltern und Lehrer

keine Ansprechpersonen?

Sicher, aber wieviel Kinder gehen zum Lehrer,

zur Mutter oder zum Vater und erzählen

einfach drauflos? Die Schwelle ist einfach zu

hoch. Ein anonymes Whats App zu schicken

ist da viel leichter! Dazu braucht man aber

eine Kontaktadresse. Ich habe auch schon

viele Jugendliche gefragt: ."Würdet ihr unter

dem Motto "Jugendliche für Jugendliche"

einen Euro von eurem Taschengeld

hergeben, um euren eigenen Kinder- und

Jugendnotruf zu finanzieren?"

■■Und die Antwort war?

„Ja, klar. Ein Euro pro Woche oder pro Monat?“

Und ich habe daraufhin gesagt: „Nein

ein Euro pro Jahr“. „Ja, sicher.“

Wir haben es mit dem Projekt "Brich

dein Schweigen!" in die breite Medienlandschaft

geschafft, jetzt soll es direkt die

Schulen und Jugendsozialzentren erreichen.

Hierfür benötigen wir noch unbedingt

UnterstützerInnen! Bitte helft mit! ■

von Redaktion

Weitere Eindrücke zum Projekt, zum

Österreichischen Jugendpreis 2017 und vieles mehr

online unter: www.faszination-leben.at

Denn es ist leider bittere Realität...

Ein Vater, der seine Tochter missbraucht. Eine

Mutter, die wegsieht. Ein Mädchen, das am Schmerz

fast zerbricht, dann aber die Mauer des Schweigens

einreißt. „Brich dein Schweigen“ heißt die neue

Kampagne des Kinder- und Jugendnotrufs „Rat

auf Draht“ (147). Das Drehbuch stammt von Falco

Luneau. Die Tochter seiner Freundin, Lea, spielt

darin das Missbrauchsopfer. Schauspieler Harald

Krassnitzer steigt in die Rolle des bösen Vaters.

Der dazugehörige Song „Dein Lachen“ wurde von

Oliver Pinelli (Produzent von u.a. Unheilig, Nena)

geschrieben und produziert.

Spendeninformationen:

SOS – Kinderdorf

IBAN: AT10 2011 1827 1734 4400

BIC: GIBAATWWXXX

Aktion / Verwendungszweck: 238116

entgeltliche Anzeige

Fotos: HUmmeR pHotoGRapHY

42 / MIT SCHARF /


Anzeige #gegenGewalt · 7

Es gibt immer Hilfe!

Raufen, Mobbing oder sexueller Missbrauch? Hedwig Wölfl ist Psychologin und erklärt dir,

was du dagegen tun kannst und warum Gewalt nie okay ist.

Mag.a Hedwig Wölfl

Klinische Psychologin und

Gesundheitspsychologin

„Es gibt immer Hilfe und

Schutz! Habt Mut, etwas

zu sagen, denn Gewalt

ist nie in Ordnung!“

■■Wie erkenne ich eigentlich

Gewalt?

Es gibt vier Arten von Gewalt: körperliche,

psychische und sexuelle Gewalt sowie

Vernachlässigung. Oft verschwimmen die

Grenzen zwischen Konflikt und Gewalt,

wie zum Beispiel beim Raufen. Wenn du

Angst hast oder dich bedroht fühlst, dann

ist das Gewalt. Wenn intime Situationen

oder Gewalt gefilmt und über soziale

Medien verbreitet werden, dann kann das

demütigend sein und psychische Gewalt

bedeuten. Auch hier ist die Bandbreite

von beleidigend und abwertend bis

hin zu therapiewürdigen seelischen

Verletzungen groß.

■■Was können seelische

Verletzungen sein?

Zum Beispiel, wenn du dich entwürdigt

fühlst, wenn dir etwas in der Seele wehtut

oder wenn du das Gefühl hast, dass du

in der Welt und unter diesen Menschen

nicht geliebt oder akzeptierst wirst. Oder

wenn zum Beispiel niemand mehr mit dir

spricht. All das kann psychische Gewalt

sein. Auch Vernachlässigung kann dich

verletzen. Schließlich müssen wir als Erwachsene

für euch Kinder und Jugendliche

Sorge tragen und euch fördern und unterstützen.

■■Was ist sexuelle Gewalt?

Dazu gehören zum Beispiel sexualisierte

Bemerkungen über deinen Körper,

sexistische Aussagen, aber auch

„angrabschen“ oder wenn dich jemand

betrunken macht, um mit dir Sex zu haben.

Und es gibt noch sexuellen Missbrauch,

bei dem Personen dich zur Befriedigung

ihrer Bedürfnisse ausnutzen. Sexueller

Missbrauch geschieht zumeist im sozialen

Umfeld durch Menschen, die du kennst

und denen du vertraut hast. Sexuelle und

körperliche Gewalt sind zugleich immer

auch psychische Gewalt.

■■Und ab wann ist Gewalt strafbar?

In der Erziehung gibt es ein Gewaltverbot.

Eltern, aber auch LehrerInnen dürfen dich

nicht ohrfeigen oder prügeln. Wir haben

auch Gesetze gegen sexuellen Missbrauch,

Pornographie oder auch gegen Ausnutzung

von Autoritätsverhältnissen. Wenn dir

jemand Gewalt nun in einem bestimmten

Ausmaß oder in einer bestimmten Dauer

zufügt, dann ist das strafbar und du oder

andere Personen können das auch bei der

Polizei anzeigen.

■■Warum ist Gewalt einfach

nicht okay?

Kinder und Jugendliche haben Rechte

und Erwachsene können Fehler machen!

Ihr seid die echten ExpertInnen für euch

selbst. Wenn ihr Gewalt erlebt, sucht euch

jemanden, der oder dem ihr vertraut. Das

können zum Beispiel FreundInnen, LehrerInnen

oder SchulpsychologInnen sein.

Ihr könnt aber auch zum Beispiel gemeinsam

mit einer Freundin zu einer Beratung

gehen. Und es gibt Menschen, die darauf

spezialisiert sind und euch helfen können,

wenn ihr euch unsicher seid. Es gibt immer

Hilfe und Schutz! Habt Mut, etwas zu sagen,

denn Gewalt ist nie in Ordnung! ■

Magdalena Reitbauer

Foto: saBine KLimpt

Kinderschutz hat einen Namen

Betroffene von Gewalt und Missbrauch

brauchen Aufmerksamkeit

Telefonberatung: 01 532 15 15

Mo - Do 09:00-17:00, Fr 09:00-14:00

Zuhören

www.die-moewe.at

/ MIT SCHARF / 43


8 · #Menschenrechte www.faszination-leben.at

Das Recht, Rechte zu haben!

Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Doch was sind diese Rechte? Nur wenige sind in der

Lage, überhaupt welche zu nennen. Hier die „Menschenrechts-Basics“ auf einen Blick.

Menschenrechte sind weltweit

anerkannte Rechte eines jeden

Menschen zur Sicherung seiner

Menschenwürde. Der Gedanke

von Freiheit und Gleichheit spielt dabei

eine zentrale Rolle, ebenso wie die Ausstattung

des Einzelnen mit Rechten zum

Schutz vor Machtmissbrauch und Ausbeutung.

Sie sollen Antwort auf die uralte Frage

geben, wie unser Zusammenleben unter

größtmöglicher Freiheit des Einzelnen

gestaltet und wie ein Interessenausgleich

zwischen Einzelnen untereinander sowie

gegenüber der Allgemeinheit hergestellt

werden kann. Menschenrechte gelten als

Bedingung für nachhaltigen Frieden, Sicherheit

und Entwicklung.

Wer hat Menschenrechte?

Alle Menschen! Menschenrechte können

weder abgelegt, entzogen oder verwirkt

werden. Jedem Menschen stehen diese

Rechte aufgrund der Menschenwürde zu,

unabhängig von Wohnort, Herkunft, Geschlecht,

Alter oder Einkommen.

Welche Menschenrechte gibt es?

Um ein menschenwürdiges Dasein führen

zu können, müssen unterschiedliche Mindeststandards

erfüllt sein. Menschenrechte

umfassen daher sowohl bürgerliche und

politische Rechte als auch wirtschaftliche,

soziale und kulturelle Rechte:

■■Bürgerliche und politische Rechte

Recht auf Leben

Verbot der Folter

Recht auf persönliche Freiheit

Recht auf Familie und Privatleben

Recht auf ein faires Verfahren

In vielen Teilen der Welt riskieren Menschen, die sich

für die Einhaltung der Menschenrechte stark machen,

ihre Freiheit, ihre Sicherheit oder sogar ihr Leben. Beim

Amnesty International Briefmarathon setzen wir uns für

genau diese Menschen ein.

Wir erheben unsere Stimme für Menschenrechtsverteidiger*innen

aus der Türkei, Jamaika und China.

Werde Teil des größten Menschenrechtsevents der Welt,

dem Amnesty International Briefmarathon, und beteilige dich auf

www.briefmarathon.at. Deine Stimme zählt, nutze sie!

Recht auf Religionsfreiheit

Meinungsäußerungsfreiheit

Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit

Recht auf politische Mitbestimmung u.a.

■■Wirtschaftliche, soziale

und kulturelle Rechte

Recht auf Arbeit

Recht auf Gesundheit

Recht auf soziale Sicherheit

Recht auf Nahrung und Wasser

Recht auf Wohnung

Recht auf Bildung u.a.

Quasi „über“ allen diesen Rechten steht das

Diskriminierungsverbot: Alle Menschenrechte

sind in nicht-diskriminierender

Form zu gewährleisten. Das Gleichbehandlungsgebot

ist für alle Menschenrechte relevant

und zieht sich wie ein roter Faden

durch das Menschenrechtsystem.

Weiters gibt es sogenannte kollektive

Menschenrechte, die nur in Gemeinschaft

mit anderen wahrgenommen

werden können, wie z.B. das Recht auf

Entwicklung, Selbstbestimmung und

das Recht auf eine gesunde Umwelt.

Wer ist verpflichtet, rechte zu schützen?

Primärer Adressat der Pflicht zum

Schutz der Menschenrechte ist der

Staat. Er ist rechtlich (aufgrund völkerrechtlicher

und innerstaatlicher

Verpflichtungen) dazu angehalten,

Menschenrechte innerhalb seines

Wirkungsbereiches zu achten (nicht

unverhältnismäßig einzugreifen), zu

schützen (vor den Angriffen Dritter)

Menschenund

zu gewährleisten. ■

entgeltliche Einschaltung

Briefe verändern Leben

... nehmen an

verschiedenen

Aktivitäten teil...

... zugunsten

von Menschen in

Gefahr ...

... den Betroffenen

und deren Familien ein

Zeichen der Solidarität

und Anerkennung zu

geben ...

Menschen in über

200 Ländern und

Territorien...

... bei denen

Unterstützer*innen

gemeinsam Millionen

von Briefen, E-Mails,

Postkarten, Tweets und

Petitionen schreiben ...

... und dadurch Druck

auf die Entscheidungsträger*innen

auszuüben

und ...

... und dadurch

positive

Veränderungen

bewirken!


Anzeige #Essstörungen · 9

Ein Apfel für Mia

Was tust du, wenn deine beste Freundin nur noch einen apfel am tag isst und

vor deinen augen zusehends verschwindet? Wie hilfst du ihr?

Foto: istocKFoto/ VaDimGUZHVa

Krachend beißt Lea in ihren Apfel.

Der Saft läuft ihr aus dem Mund.

Mia kann den Anblick kaum ertragen.

Sie wendet sich ab und kramt

nach ihrem eigenen Apfel. Den hat sie in

unzählige Würfel geschnitten. Sie nimmt

einen und lutscht ihn wie ein Bonbon. Nur

mit halbem Ohr hört sie, was Lea sagt. Sie

konzentriert sich voll und ganz auf das saftige

Apfelstückchen. Viel zu schnell ist es

gegessen. Sie gönnt sich noch ein zweites,

ein drittes. Dann ist Schluss. Mia trinkt

Wasser, um ihren Magen zu füllen. Als sie

sich aufmacht, um zurück in die Klasse zu

gehen, stellt sich ihr Lea in den Weg: „Mia,

wir müssen reden. Ich weiß, was du da

tust.“ Mia will davon laufen. Doch Lea ist

ihre beste Freundin. „Lea, nicht, bitte.“ Lea

rührt sich nicht. „Gut“, seufzt Mia, „reden

wir. Nach der Schule.“ Lea nickt und gibt

den Weg frei.

***

„Mia, du isst nicht. Du bist so blass und so

dünn! ... Ich mache mir Sorgen um dich“,

sagt Lea, als die Mädchen auf einer Bank in

der Schulhofecke sitzen. Mia wagt nicht,

Lea anzuschauen. Doch die bleibt hartnäckig.

Sie lässt Mia nicht aus den Augen. Als

Mia endlich aufschaut, steht Lea ihre

Sorge ins Gesicht geschrieben. Sorge

und … Liebe?

Mia schluckt. Dann stürzt es aus

ihr heraus. Sie erzählt Lea, dass sie zu

dick sei, zu dick, um sich noch gerne

anzuschauen. Dass nichts helfe, die

plötzlich aufgetauchten Rundungen

wieder loszuwerden. Nichts. Außer

weniger zu essen. Doch obwohl sie

nur noch einen Apfel am Tag esse, sehe

sie im Spiegel nur eine dicke Mia.

Eine hässliche Mia. Flüsternd beichtet

sie Lea, dass sie sich sogar schon

den Finger in den Hals gesteckt habe,

weil sie sich manchmal nicht mehr

beherrschen könne und viel zu viel in

sich hineinstopfen musste ... und wie eklig

das war. Sie gesteht ihrer Freundin, dass

sie nicht mehr weiter wisse … Angst habe ...

und wohl Hilfe brauche.

Lea hört zu. Sie umarmt Mia. Das hatte

Mia lange nicht mehr zugelassen. Lea fühlt

unter den vielen Kleiderschichten eine sehr

magere Mia. Sie erschrickt. Und macht sich

Vorwürfe, Mia nicht früher zur Rede gestellt

zu haben. Dann erzählt sie Mia von

Juliet, einer Freundin ihrer Mutter, die sich

um essgestörte

Jugendliche kümmert. Juliet arbeitet in einem

Ambulatorium, in das viele Mädchen

und Burschen regelmäßig zu Gesprächen

kämen.

***

Einige Wochen später erzählt Mia ihrer

Freundin, dass sie im Ambulatorium angerufen

hat und jetzt öfter dort hingehen

möchte. Und Lea ist beruhigt, weil sie spürt,

dass Mia sich dort verstanden fühlt. ■

Doreen Brumme

Sowhat: hier findest du

Unterstützung und Hilfe

bei Essstörungen

Hast du eine Frage oder ein Anliegen? Ruf uns an – gerne auch anonym!

Tel.: 01/406 57 17 - Wir sind täglich für dich da.

www.sowhat.at

Foto: istock/ KatarzynaBialasiewicz

Sowhat in Wien:

Gerstnerstraße 3

1150 Wien

(gleich hinter dem Westbahnhof)

Sowhat St. Pölten:

Grenzgasse 12/3. Stock

3100 St. Pölten

Sowhat in Mödling:

Bahnstraße 4/301

2340 Mödling

Die Kosten sind meistens über die

Krankenkassa abrechenbar.

Details erzählen wir dir persönlich.


10 · #Hautprobleme

Nesseln auf der Haut

Urtikaria (Nesselsucht) ist sehr viel weiter verbreitet, als gedacht. Dr. Christine Bangert,

Oberärztin der Allergie Ambulanz an der Klinik für Dermatologie der Universität Wien und im

Juvenis Medical Center, gibt Auskunft.

Bist du auch

davon Betroffen?

Mehr Informationen erhältst du auf

www.faszination-leben.at

■■Woran erkennt man

Nesselsucht im Unterschied zu anderen

Hautkrankheiten?

Die Nesselsucht besteht aus flüchtigen

Quaddeln, die an solche erinnern, die man

auch von Brennnesseln bekommt. Diese

Quaddeln treten ganz spontan mit wahnsinnig

starkem Juckreiz auf, sind aber nur

kurz auf der Haut. Nach ein paar Minuten

oder mehreren Stunden verschwinden sie

und die Haut kann wieder völlig unversehrt

sein. Möglicherweise erscheinen die Quaddeln

dann später an anderer Körperstelle

erneut.

Dr. Christine Bangert

Oberärztin der Allergie Ambulanz der Klinik

für Dermatologie an der Universität Wien

■■Gibt es verschiedene Formen dieser

Hautkrankheit?

Ja. Ein akuter Nesselausschlag hält weniger

als sechs Wochen an und kommt sehr

häufig vor. Jeder vierte Mensch hat einmal

so einen Ausschlag als Reaktion auf einen

Infekt, ein Medikament oder einen anderen

Auslöser. Länger bleibt die chronische Urtikaria.

Sie betrifft nur ein Prozent der Bevölkerung

und kann entweder spontan auftreten,

also ohne erkennbaren Auslöser, oder

ganz verschiedene Ursachen haben, wie

Kälte, Wärme, Druck, Stress u.a.

■■Wie geht man mit so

einer Krankheit um?

Aufgrund ihrer Unvorhersehbarkeit ist die

Urtikaria eine der belastendsten Hauterkrankungen

überhaupt. Auch ist es häufig

schwierig, beim Arztbesuch akute Symptome

aufzuweisen. Es können Quaddeln, aber

auch sogenannten Angio-Ödeme, also tiefe

Schwellungen unter der Haut irgendwo am

Körper, auftreten. Betroffene sollten deshalb

ihre Schübe unbedingt fotografieren,

um dem Arzt deren Ausmaß und Zeitpunkt

mitteilen zu können. Die Krankheit an sich

ist aber harmlos und weder lebensbedrohlich

oder ansteckend.

■■Was kann man gegen den

Juckreiz und das entstellende

Aussehen tun?

Man nimmt ein Antihistamin ein, das diesen

entzündlichen Botenstoff (Histamin),

der bei einem Nesselausschlag ausgeschüttet

wird, blockiert. Die Urtikaria sollte

nicht erst nach einem Schub, sondern

besser täglich behandelt und regelmäßig

ein Antihistamin eingenommen werden.

Wenn Antihistamine nicht ausreichen,

gibt es derzeit relativ neue Medikamente,

die helfen.

■■Gibt es eine Aussicht auf

Symptomfreiheit oder Heilung?

Die Dauerbehandlung macht im Idealfall

Symptomfreiheit, aber sie heilt die Erkrankung

nicht, sie unterdrückt sie nur. Jedoch

bleibt die Urtikaria nie ein Leben lang – sie

kommt ganz spontan und genauso spontan

geht sie auch wieder. Nur ihre Dauer ist

sehr variabel: in ihrer akuten Form weniger

als sechs Wochen, in der chronischen selten

länger als fünf Jahre. ■

Simone Welk

Brennen, Jucken,

Hautschwellungen?

Novartis Pharma GmbH | Stella-Klein-Löw-Weg 17 | 1020 Wien

www.novartis.at | Datum der Erstellung: 08/2017 | AT1708682557

46 / MIT SCHARF /


Anzeige #roteWoche · 11

Hoch die Tassen!

Als Frau bekommst du etwa 500 Mal deine Menstruation. Dafür verbrauchst

du ca. 16.800 Binden und Tampons. Die kosten viel Geld und

machen viel Müll. Eine nachhaltige Alternative: die Menstruationstasse.

Foto: istocKFoto/ m-imaGepHotoGRapHY

Deine Menstruationstasse ist ein

weicher Becher aus Kunststoff,

den du gefaltet in deine Vagina

einführst (saubere Hände sind dazu

ein Muss). Dort öffnet sich der Becher,

um dein Regelblut aufzufangen. Gehalten

wird die Menstruationstasse von der Muskulatur

deines Beckenbodens. Beim Gang

auf die Toilette nimmst du den Becher heraus

und leerst ihn. Ein praktischer Griff am

Becherboden hilft dir dabei, den leichten

Unterdruck zu überwinden.

Deine Menstruationstasse kannst du in

der Drogerie, im Bioladen oder online in

verschiedenen Designs kaufen, die in Form,

Farbe, Weichheit, Becherhöhe und -umfang

(Auffangvolumen) variieren. Die meisten

Hersteller bieten dir ihre Produkte

in mehreren Größen an. Kleine Tassen

sind eher für junge Mädchen geeignet,

größere für Frauen, die bereits ein Kind

natürlich geboren haben.

Deine Menstruationstasse gewährt

dir wie ein Tampon viel Bewegungsfreiheit.

Sie lässt sich Tag und Nacht

tragen, vorausgesetzt, du leerst sie regelmäßig

und spülst sie zwischendurch

mit klarem Wasser ab. Deine Menstruationstasse

ist kein Wegwerfprodukt wie

herkömmliche Binden und Tampons. Du

kannst sie jahrelang benutzen.

Regelmäßig testen unabhängige Verbraucherschutzorganisationen

Binden,

Tampons und Menstruationstassen. So hat

Ökotest gerade

sechs Produkte geprüft und fünf davon für

sehr gut und gut befunden.

Du siehst, mit der Menstruationstasse gibt

es eine gesundheitlich unbedenkliche und

zugleich müllsparende Alternative zu herkömmlichen

Monatshygieneprodukten. ■

Doreen Brumme

Menstruationstasse statt Tampon und Binde

Die Firma Me Luna® fertigt seit 2009 in Deutschland Menstruationstassen. Hier stellt uns der Geschäftsführer,

Frank Krüger, sein gleichnamiges Produkt als nachhaltige Alternative zu Tampons und Binden vor.

SPONSORED

■■Frank Krüger, was ist die

Me Luna®?

Eine Menstruationstasse „Made in Germany“:

ein kleiner, weicher Kelch aus einem

medizinisch zertifizierten Kunststoff (TPE).

■■Für wen ist Ihre Menstruationstasse

gemacht?

Unsere Me Luna® gibt es in verschiedenen

Größen, so findet jedes Mädchen und jede

Frau ein gut sitzendes Modell.

■■Das heißt, die Me Luna® kann

auch benutzt werden, wenn die

Anwenderin noch Jungfrau ist?

Ja. Wir haben für junge Mädchen extra kleine

Tassen im Programm.

■■Warum tut die Me Luna® der

Gesundheit gut?

Die Menstruationstasse sammelt das Blut,

sie saugt es nicht wie ein Tampon auf. So

bleibt die Vagina feucht, während ein Tampon

sie eher austrocknet.

■■Warum tut die Me Luna® der

Umwelt gut?

Unsere Menstruationstasse begleitet einen

mindestens sechs bis acht Jahre. Vorausgesetzt,

sie wird gut gepflegt. Damit ersetzt

sie viele Binden und Tampons. Sie hilft also,

den Müllberg zu reduzieren, den menstruierende

Frauen hinterlassen.

■■Ihre Me Luna® hat gerade einen

Ökotest hinter sich. Wie hat sie abgeschnitten?

Das Testurteil „Sehr gut“ von Ökotest bestätigt

unsere Arbeit: Wir fertigen unsere

Me Luna® vor Ort, aus medizinisch zertifiziertem

Material und unter besten Produktionsbedingungen.

Wir verkaufen immer

mehr Tassen – 2009 waren es drei am Tag,

heute sind es über dreihundert. Vier von

hundert deutschen Frauen sind schon zur

nachhaltigen Alternative zu Tampons und

Binden gewechselt, Tendenz steigend.

Doreen Brumme

/ MIT SCHARF / 47


12 · #50ShadesofGrey Anzeige

Der steile Aufstieg

des Liebesspielzeugs

Die weibliche Sexualität erlebt

aktuell eine Renaissance. Die

Auswahl an hochwertigen Hilfsmitteln

für Sex und Selbstbefriedigung

ist immens gewachsen.

Lange galt die Selbstbefriedigung der

Frau als gesellschaftliches Tabuthema.

Dabei ist es wichtig, dass gerade

junge Frauen ihren eigenen Körper

kennen und lieben lernen. Bei der Masturbation

befriedigt frau sich mit den Händen

oder mit Hilfsmitteln so lange selbst, bis sie

zum Orgasmus kommt.

Hochwertiges Sex-Spielzeug

Bis vor wenigen Jahren war das Sortiment

an Erotik-Hilfsmitteln noch überschaubar.

Heute sind Vibratoren und Dildos aus hochwertigen

Materialien wie Silikon erhältlich,

und zwar in allen Formen und Farben

und mit verschiedensten Funktionen. Einen

ersten großen Hype löste der Paarvibrator

aus, weil er beide Geschlechtspartner

zugleich in Erregung bringt. Fast revolutionär

war die Erfindung des Auflagevibrators,

mit dem Frauen berührungslos die Klitoris

stimulieren und so fast garantiert zum Orgasmus

kommen können.

Erotik in den Medien

Auch Kunst, Filmwesen und Literatur thematisieren

heutzutage verstärkt Themen

wie Erotik oder weibliche Selbstbefriedigung.

Der anhaltende Erfolg der Bestseller-

Buchserie „50 Shades of Grey“ ist der beste

Beweis für den Wunsch nach mehr Offenheit

und Freizügigkeit. Was eigentlich als

Blog angefangen hatte, war bald darauf in

gedruckter Form erhältlich. Nach zwei erfolgreichen

Kinofilmen folgt im Frühjahr

2018 der dritte Teil.

Der offene Umgang mit Sexualität und

ihren zahlreichen Varianten und Ausprägungen

inspirierte weltweit viele Menschen.

Das zeigt sich auch daran, dass in

den USA und Europa die Nachfrage nach

Erotik-Produkten stark anstieg. Auch Frauen

haben seither immer mehr Mut, mit

Sex-Spielzeug zu experimentieren. Dazu

zählen etwa Liebeskugeln, Augenmasken,

Handfesseln oder Peitschen. Sogar ein eigenes

Label für Liebesspielzeug von Shades of

Grey ist erhältlich.

Geschenktipp für Weihnachten

Fazit: Heute muss sich niemand mehr

schämen, wenn er einen Erotikladen betritt.

KundInnen können aus einem breiten

Sortiment wählen und entspannt einkaufen.

Tipp: Die bevorstehende Weihnachtszeit

bietet die Möglichkeit, seinen Partner

mit erotischen Geschenken, zum Beispiel

verpackt in einem Adventskalender, zu

überraschen. ■

von Redaktion

Foto: istocKFoto/ LoLostocK


MIT SCHARF / 49


ICH WILL MEINEN

NAMEN ZURÜCK!

Bianca und Nadine

haben Sehnsucht nach

ihrem alten, „echten“

Nachnamen.


Mit einem österreichischen Nachnamen lebt sich’s

leichter, dachten meine Eltern vor 16 Jahren, als sie ihren

arabischen Nachnamen „Abdelaziz“ ändern ließen und den

österreichischen Namen „Dimmel“ annahmen. Sie wollten

mich davor beschützen, aufgrund meines ausländischen

Namens diskriminiert zu werden, doch ich würde heute

alles dafür geben, um wieder Abdelaziz zu heißen.

Von Nadine Erovic-Abdelaziz, Fotos: Sophie Kirchner

Neun Tage nach dem 11. September 2001

gingen meine Eltern zur Magistratsabteilung

26, zuständig für Personenstand, und

gaben den Antrag zur Namensänderung

ab. Als sie die MA26 an diesem Tag betraten, gingen

sie mit dem Nachnamen „Abdelaziz“ hinein, aber ohne

ihn heraus. Mein Vater und meine Mutter legten ihn ab

und nahmen stattdessen, mit der Hoffnung, dass es für

sie in Österreich besser werden würde, einen österreichischen

Namen an. Den montenegrinischen Namen

meiner Mutter anzunehmen war leider auch keine

Option, denn mit „Erovic“ kommt man zwar vielleicht

etwas weiter als mit „Abdelaziz“, aber Ausländer bleibt

Ausländer. Die Diskriminierung war schon vor 9/11

enorm. Von Behördengängen bis zur Wohnungssuche.

Für meine Eltern war es keine schwierige Entscheidung

ihren Nachnamen zu ändern, eher eine logische

Schlussfolgerung. Fake it until you make it, also. Natürlich

kann man den Akzent nicht wegzaubern, oder das

Aussehen. Aber entscheidend war für meine Eltern vor

allem, dass ich nicht auf Schwierigkeiten stoßen soll.

Sie wollten, dass ich in die besten Schulen gehen und

mich für Jobs bewerben kann, ohne aufgrund meines

Namens sofort abgelehnt zu werden. Es sollte für mich

genau so sein, wie für andere Menschen mit österreichischen

Namen auch: leichter

als für Migranten. Und tatsächlich:

Mit unserem neuen Nachnamen

„Dimmel“ hatte ich nie Probleme, ich

wurde nie anders behandelt, weder

bei Bewerbungsgesprächen noch

bei Behördengängen. Jede Stelle für

die ich mich beworben habe, bekam

Mir ist öfters

Rassismus begegnet,

aber nie wegen meines

Nachnamens.

ich schlussendlich auch. Zwar ist mir trotzdem öfters

Rassismus im Leben begegnet, aber nie wegen meines

Nachnamens – sondern aufgrund meines Aussehens

oder weil die Person bereits wusste, dass ich Migrationshintergrund

habe. Die Frage, die aber stets im Hinterkopf

bleibt, ist, ob ich den Job auch bekommen hätte, wenn

ich mich als Nadine Abdelaziz beworben hätte. Denn im

Endeffekt bin ich ja immer noch Nadine Abdelaziz, auch

wenn der Name nicht mehr da ist.

ÜBERRASCHUNG: ICH BIN NICHT

NUR ÖSTERREICHERIN

Gerade deswegen fühlt es sich nicht richtig an, einen

Namen zu tragen, der nicht mir gehört. Er repräsentiert

nicht meine Wurzeln, meine Familiengeschichte, meine

Eltern und das, was sie durchmachen mussten. Ich bin

nicht alleine mit meiner Sehnsucht nach meinem alten,

„echten“ Nachnamen. Bianca hieß seit ihrer Geburt

„Mayer“ mit Nachnamen, dennoch fühlte sie sich seit

sie denken kann als „Jankovska“, der Mädchenname

ihrer Mutter. Mit 18 nannte sie sich schon auf Facebook

Jankovska. Mit ihrer Cousine in Bratislava scherzte sie

oft: „Typisch Jankovske halt“. „Es war unser gemeinsamer

Nenner, weil sie auch einen anderen Nachnamen

hatte“, erzählt Bianca. „Für uns beide war das schon

immer unser Nachname, ich habe

mich damit identifiziert.“ „Mayer“

stand zwar auf allen Dokumenten

und Ausweisen, aber für Bianca war

das „ein Name der nichts bedeutet“.

Allein schon sich als „Bianca Mayer“

vorzustellen fand sie nicht richtig,

weil es nicht repräsentativ war.

/ RAMBAZAMBA / 51


Irgendwann will man sich einfach

nicht mehr erklären müssen.

Im Juli 2017 wurde aus Bianca Mayer offiziell Bianca Jankovska

– auch wenn sie davor schon immer eine Jankovska war.

Aufgrund ihres österreichischen Namens war es für viele

oft eine Überraschung, wenn sie herausfanden, dass

Bianca Slowakisch spricht. Sie kennt Weihnachten und

Ostern nur aus der slowakischen Perspektive, ihre Sommerferien

verbringt sie jedes Jahr bei ihren Großeltern

in der Slowakei. All das wurde durch „Mayer“ unsichtbar.

Je mehr man über sich selbst reflektiert und über

seine Herkunft nachdenkt, desto mehr wird man sich

der eigenen Identität bewusst. Der Wunsch diese auch

dementsprechend zu benennen, liegt daher sehr nahe.

Bianca nahm im Juli 2017 offiziell den Mädchennamen

ihrer Mutter an und heißt jetzt endlich so, wie sie sich

fühlt, als Bianca Jankovska.

„ES KÖNNTE SICHER

SITUATIONEN GEBEN, WO ICH

MICH ÄRGERN WERDE“

Genau das möchte Lea auch machen. Lea hat väterlicherseits

singhalesische Wurzeln und trägt einen

deutschen Nachnamen, mit dem sie sich nie wirklich

identifizieren konnte. Der Gedanke, den singhalesischen

Namen ihres Vaters, „Dharmasena * “, anzunehmen,

kam aber erst vor kurzem ins rollen. Sie besuchte einen

Workshop, bei dem der Leiter erzählte, dass er den

Namen seines Vaters angenommen hatte. Dadurch

wurde Lea klar, dass das für sie ebenso eine Option sein

kann. Zu dem deutschen Namen ihrer Mutter spürt sie

überhaupt keine Verbindung. Nachdem Lea eineinhalb

Jahre in Mozambique lebte, wurde ihr bewusst, dass der

deutsche Name einfach nicht zu ihr gepasst hat, auch

weil sie öfters auf ihre Herkunft angesprochen wurde.

Sie hatte nicht das Gefühl, dass ihr Name zu ihrem Aussehen

als Halb-Singhalesin passt.

Das einzige, was Lea derzeit davon abhält, ihren

Wunsch in die Tat umzusetzen, ist der bürokratische

Aufwand, der hinter dem Ganzen steckt. Während es

in Österreich recht einfach ist den Namen zu ändern,

ist das in Deutschland, wo die Namensänderung über

1000 Euro kosten kann, nicht der Fall. Sie möchte sich

dafür Zeit nehmen, die sie im Moment nicht hat, da die

Rechtslage kompliziert ist und sie sich noch mehr informieren

möchte. Die hohen Kosten stellen im Gegensatz

dazu kein Problem für sie dar.

Selbst wenn sie mit „Dharamasena * “ mehr Diskriminierung

erfahren würde, wäre es ihr das wert. Bei der

Wohnungssuche macht sie sich schon Gedanken, „da

könnte es sicher Situationen geben, wo ich mich ärgern

werde“. Jedoch ist es Lea egal, wenn sie bei Bewerbungen

dann aufgrund ihres Namens keine Chance auf

ein Bewerbungsgespräch bekommt – „das sagt ja schon

viel über den Arbeitgeber aus, wenn sie nach so einem

Schema aussortieren“. In so einem Unternehmen würde

Lea sowieso nicht arbeiten wollen.

MEHR ALS NUR EIN NAME

Natürlich könnte man meinen, dass es nur ein Name

ist, der auf dem Papier steht und einen nicht weiter

beschreibt. Doch wenn „das dein Rufname ist, du ihn

ständig hörst, aufschreiben und angeben musst, dann

ist es durchaus wichtig, dass man sich mit dem Namen

identifiziert“, meint Lea. Denn es ist schmerzhaft seinen

eigenen Name zu hören und das Gefühl zu haben „das

bin ich nicht“. Oder stutzig angeschaut zu werden, weil

der Gesprächspartner gerade überlegt, wie mein österreichischer

Nachname mit meinem Aussehen zusammenpassen

soll. Irgendwann will man sich einfach nicht

mehr erklären müssen.

Selbst jetzt, wo gerade jeder zweite Hipster versucht

sich wie mein Jugo-Onkel in den 90er-Jahren anzuziehen

und den selben Slang draufhat wie ein Deutschrapper:

es geht nicht darum, dass das Leben spannender

oder interessanter ist, wenn man mehrere Emoji-Flaggen

in der Instagram-Bio hat. Vielleicht ist es jetzt cool,

52 / RAMBAZAMBA /


„Ausländer“ zu sein, aber ein Hipster Uni-Wien-Student,

der in seiner schicken Altbauwohnung lebt, wird

nie wissen, wie es sich anfühlt einen Teil seiner Identität

verloren zu haben, oder wie es war, als Kleinkind

aufgrund der Hautfarbe beschimpft zu werden. Ich will

meinen ausländischen Nachnamen nicht zurück, weil

es gerade modern ist. Es ist einfach eine Herzensangelegenheit

und eine sehr persönliche Entscheidung für

mich – für uns alle drei.

Durch diesen Schritt werden „Identitäten im öffentlichen

Raum sichtbarer“, sagt Bianca am Ende unseres

Gesprächs. Sie ist nun mal auch Slowakin und möchte

so wahrgenommen werden – vor allem als Vorbildfunktion

für andere Frauen.

Wenn sich Bianca heute vorstellt, dann macht sie

das mit ihrem slowakischen Nachnamen, Jankvoska.

Und es passt, weil es sich richtig anfühlt. Vielleicht

stelle ich mich ab jetzt als Nadine Erovic-Abdelaziz vor.

Dann passt es nämlich auch. Für mich. ●

Den Namen zu ändern ist in Österreich grundsätzlich

für alle möglich, die sich das wünschen und die

Staatsbürgerschaft haben.

Wenn der Nachname beispielsweise schwer zu

buchstabieren oder ausländischer Herkunft ist, kann

man ihn schon bereits für 18,20 Euro ändern. Bei

einer Namensänderung, die keinen der gesetzlichen

Gründe erfüllt, wird es wesentlich teurer, mit Kosten

in Höhe von 553,80 Euro.

(s. https://www.help.gv.at/Portal.Node/hlpd/public/

content/233/Seite.2330500.html#Kosten und

https://www.help.gv.at/Portal.Node/hlpd/public/

content/233/Seite.2330300.html)

WienerInnen mit Wunsch zur Namensänderung

müssen sich an die MA63 wenden.

* weil Lea ihrer Familie noch nicht von ihrem Wunsch, ihren

Namen ändern zu wollen, erzählt hat, mussten wir ihren Nachnamen

für diese Geschichte ändern

oland_ Anzeige Biber_207x135mm

Zur Autorin: Nadine Erovic-Abdelaziz ist 18 Jahre alt und besucht

die Schumpeter Handelsakademie.

• AHS-Matura

• Berufsreifeprüfung

Beginn: Frühjahr & Herbst

HÖCHSTE

ERFOLGSZAHL

ÖSTERREICHS

Tel.: 01/523 14 88, www.roland.at


MEINUNG

„ER WIRD MICH SICHER

DRANNEHMEN.“

Kennt ihr diese SchülerInnen, die immer leise im

Unterricht sind? Viele denken, sie würden nichts

verstehen, weil sie nicht reden und sich nie melden. Doch

das stimmt nicht. Denn sie machen alle Hausübungen,

lernen fleißig zu Hause und bekommen im Unterricht

wirklich alles mit. Das einzige Problem ist, dass sie sich

nicht oft melden. Im Unterricht sitzen sie leise auf ihren

Plätzen und hören zu. Aber nur weil sie nicht mitreden,

heißt es: „Du arbeitest nicht mit.“ Die Lehrer glauben,

man arbeitet und redet nicht mit, weil man keine Ahnung

vom Stoff hat. Das klingt logisch, aber trifft nicht auf uns

introvertierte Schüler zu. Ich selber mag es nicht vor der

Klasse zu reden, obwohl ich viel Ahnung habe. Man kann

doch mit Lernzielkontrollen, Hausübungen, Schularbeiten

oder schriftlichen Stundenwiederholungen einschätzen,

ob die/der SchülerIn sich auskennt oder nicht. Aber

genau die leiseren SchülerInnen ständig im Unterricht

dranzunehmen, finde ich gemein. Man sollte sie auch

verstehen. Wenn jemand reden will, zeigt er auf, wenn

jemand nicht aufzeigt, möchte er nicht reden. Wieso ihn

dazu zwingen?

„BITTE NICHT MICH.“

Wann werden die Lehrer endlich aufhören, die

SchülerInnen zum Reden zu drängen? Sie denken, wir

werden mutiger und gewöhnen uns daran ,wenn man uns

öfter drannimmt, aber das Gegenteil trifft zu, wir halten

uns mehr zurück und bitten den Nachbar zu schauen, ob

der Lehrer uns anschaut und jammern herum: „Er wird

mich sicher drannehmen.“

Deswegen empfehle ich allen schüchternen SchülerInnen

zu versuchen mindestens einmal pro Unterrichtsstunde

von alleine aufzuzeigen, damit uns nicht der Lehrer wann

er will drannimmt.

An alle Lehrer: Wir sind nicht unaufmerksam, wir

sind nicht zu faul zum Aufzeigen, wir sind einfach nur

schüchtern und davon muss und kann man uns nicht

heilen, indem man uns gezwungenermaßen drannimmt.

Jeder Mensch ist anders, akzeptiert uns bitte so wie wir

sind.

Süheda Gelen ist 16 und besucht die 7G des Gymnasiums Brigittenau.

ZWISCHEN DREI WELTEN

„Perserin! Nein, warte Serbin… Inderin, oder doch aus

Afghanistan?“ Das sind so die Vorschläge, die ich auf die

Frage „Rate mal, woher ich komme“ kriege. Und alle liegen

falsch. „Hä?? Pakistan? Wo liegt das denn genau?“

WIE ALLES BEGANN

Meine Eltern sind beide in Pakistan geboren. Mama ist als

kleines Kind mit ihrer Familie nach England, Birmingham

gekommen und Papa blieb bis in seine späten 20er dort. Als

Papas Bruder dann auf einmal die coole Idee hatte mit ihm

auf eine Art „Weltreise für Ausländer“ zu gehen, welche by

the way „nur“ zwei bis drei europäische Länder beinhaltete,

war Papa natürlich sofort mit an Bord. Während dieser Reise

verliebten sich die Brüder in Wien und zogen hierhin.

Mama und Papa lernten sich in Pakistan kennen und

beschlossen zu heiraten. Mama verließ daraufhin das

Vereinigte Königreich, um sich eine Zukunft und Familie mit

Papa aufzubauen. Ich kam in England auf die Welt, weil Mama

während der Geburt bei ihrer Familie sein wollte. Papa blieb

in Wien zurück und arbeitete fleißig. Von da an lebte ich

ein halbes Jahr in Wien und ein halbes Jahr in Birmingham.

Als ich das Volksschulalter erreicht hatte, haben wir uns

entschieden in Wien sesshaft zu werden und seitdem bin

ich hier. In meiner Heimat - das ist doch jetzt meine Heimat,

oder?

EINE NEUE WELT

In England gibt es unzählig viele Migranten aus Pakistan

und Indien, daher hatte ich als Kind das Gefühl daheim zu

sein.Somit könnt ihr euch auch vorstellen, was für einen

Kulturschock ich erlebte, als ich mit der Volksschule in Wien

angefangen habe. Gott sei Dank hielt das aber nicht all zu

lange an, denn meine erste beste Freundin war auch eine

„Ausländerin“, und zwar eine Türkin. Das Gefühl von einem

Stückchen Heimat kam wieder hoch und ich fühlte mich wohl.

Auf die Frage, woher ich komme, antworte ich meistens

mit dem üblichen Wortspiel: „Rate mal“, weil ich selber

nicht weiß, welches Land ich mein Zuhause nennen soll. In

Österreich bin ich Engländerin, in England eine Pakistanerin

und in Pakistan nichts. Einfach eine Ausländerin. Und das

habe ich mir mittlerweile zur Identität gemacht: Ich bin überall

Ausländerin.

Mehraab Malik ist 22 und besucht die Abendschule IBC Hetzendorf.

Christoph Liebentritt

54 / RAMBAZAMBA /


BESSERE LERNERFOLGE UND

BESSERE VEREINBARKEIT

VON BERUF UND FAMILIE. DIE

GANZTAGSSCHULE BRINGT

MEHR MOTIVATION FÜR

SCHÜLERINNEN UND STEHT

FÜR EINE VÖLLIG NEUE LERN-

UND FREIZEITKULTUR.

BEZAHLTE ANZEIGE

DAS BRINGT DIE GANZ TAGS SCHULE!

iStock/davidf

Mehr Chancengleichheit, mehr

Abwechslung, mehr Spaß am Lernen,

mehr Erfolgserlebnisse, mehr Förderung,

mehr Freizeit zuhause mit den

Eltern – das sind nur einige Vorteile, die

der Besuch einer ganztägigen Schule

mit sich bringt. Vorteile, die immer mehr

SchülerInnen und Eltern für sich nutzen

wollen. Mit dem Bildungsinvestitionsgesetz

2017 investiert die Bundesregierung

750 Millionen Euro gezielt in den

Ausbau ganztägiger Schulformen, um

bis zum Jahr 2025 allen Eltern einen

Ganztagsschulplatz für ihr Kind im

Umkreis von 20 Kilometern zum Wohnort

zu ermöglichen.

MEHR QUALITÄT

DURCH SCHULISCHES

GANZTAGSANGEBOT

BildungsexpertInnen sehen im Ausbau

der Ganztagsschule den besten Weg,

um SchülerInnen mit unterschiedlichsten

Förderbedürfnissen bessere

Bildungsmöglichkeiten zu bieten. Die

Abwechslung von Lern-, Freizeit- und

Fördereinheiten steigert die Motivation

der SchülerInnen und gibt Pädagog-

Innen mehr Möglichkeiten, die Stärken

und Begabungen der SchülerInnen zu

fördern. Durch die tägliche Betreuung

der Kinder bis mindestens 16:00 Uhr

unterstützt die Ganztagsschule die

Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Hausübungen oder Lernen für Schularbeiten,

all das wird bereits in der Schule

und mit Unterstützung von PädagogInnen

erledigt. Eltern können sich

zuhause ganz der gemeinsamen Zeit

mit Ihren Kindern widmen. Neu ist, dass

an ganztägig geführten öffentlichen

Schulen auch außerschulische Betreu-

ungsangebote während der Ferienzeiten

zur Verfügung gestellt werden können.

Damit wird dem Wunsch vieler Eltern

nachgekommen, auch außerhalb der

Schulzeiten die SchülerInnen qualitativ

bestmöglich betreut zu wissen.

DIE ZWEI FORMEN DER

GANZTAGSSCHULE

Ganztägig geführt werden können alle

allgemein bildenden Pflichtschulen und

die AHS-Unterstufe, angeboten wird

die Ganztagsschule dabei in getrennter

und verschränkter Form. In der getrennten

Form der Ganztagsschule findet

der Unterricht am Vormittag statt, am

Nachmittag ist Zeit für Hausübungen,

ein vielfältiges Lern- und Freizeitangebot

und individuelle Förderung. In der

ganztägigen Schule mit verschränkter

Form wechseln sich über den Schultag

verteilt Unterrichts-, Lern- und Freizeit

ab. Die Anmeldung für die getrennte

Form kann für alle Tage der Woche oder

auch nur für einzelne Tage erfolgen und

gilt für ein Schuljahr. Die Anmeldung für

die verschränkte Form der Ganztagsschule

erfolgt für alle Schultage. Sie gilt

für alle SchülerInnen einer Klasse und

für die Dauer des Schulbesuchs.

DIE SCHULE VON MORGEN

SCHON HEUTE

Ein wesentliches Merkmal ganztägiger

Schulformen ist ein ausgewogenes

Verhältnis von Lernzeit und Freizeit. Die

einzelnen Schulstandorte sind flexibel

in der Tagesgestaltung. Die Lernzeit

teilt sich in die »gegenstandsbezogene«

Lernzeit (Betreuung ausschließlich

durch LehrerInnen) und die »individuelle«

Lernzeit (Betreuung durch LehrerInnen

oder ErzieherInnen). In der Freizeit

kommen LehrerInnen, ErzieherInnen

oder akademische FreizeitpädagogInnen

zum Einsatz. Rundum pädagogisch gut

betreut und gestärkte Motivation durch

ein abwechslungsreiches Programm –

die Ganztagsschule kann einfach mehr!

Weitere Informationen finden Sie unter

www.bmb.gv.at/gts

/ RAMBAZAMBA / 55


DAS SIND UNSERE NEWCOMER!

Muhamed Acer

Bekir Arslan

Stefan Budak

Sami Erbas

Lazar Jankovic

Ahmad Jawhar

Nemanja Marinkovic

Zlatko Mitrovic

Mahdi Muhebi

Mato Mutapcic

Ivan Neskovic

Hamzat Okuev

Dejan Radanovic

Murat Yalcin

Aleksandra Djordjevic

Natasa Grahovac

Dajana Knezevic

Gloria Mbala

Merjem Morina

Zorica Peric

Mihaela Petrovic

Khanzad Salaschor

Arzo Sediqi

Dijana Vasiljkovic

Mejrema Zejnelovic

Mariem Abdelazez

Selma Delkic

Zeynep Ersöz

Alikhan Ezhiyev

Benjamin Fritz

Amro Hassan

Bilal Kilic

Mustafa Kilic

Jelena Knezevic

Ivana Mladinovic

Safete Naipi

Elham Omari

Alexandra Paunovic

Nermin Pepik

Melisa Sadic

Qendrim Shatri

Aman Siddiqi

Szymon Skibinsky

Lejla Spahovic

Djordje Stojanovic

Natasa Stojanovic

Andjelina Strbac

Helin Süner

Sinem Tanrikulu

Jarina-Sophia Woloschtschuk

Ishak Yüksel

Simona-Maria Capatina

Marijana Corikic

Sabrina Derp

Margarete Fischer

Jovana Jeremic

Milica Jovanovic

Kristina Jovicic

Laura Lemac

Natascha Marousek

Robert Molnar

Corinna Neckar

Katarina Peric

Jasmin Petschning

Janine Salenka

Maria Todorovic

Miroslav Vukman

Aleyna Acar

Zeynep Can

Lena Gharwal

Samantha Kirnbauer

Erelinda Krrakay

Helena Stojanovic

Büsranur Yücel

Parham Azaresh Karkan

Hasan Bakir

Berat Cakir

Ali El Shebli

Florian Gmeilbauer

Paul Goldner

Aleksandar Latinovic

Kevin Obradovic

Salih Önsoy

Adrian Radosavljevic

Tarik Sahin

Kubilay Soyyigit

Lukas Stoch

Beynur Syuleymanov

Nenad Tesanovic

Yasar Vural

Yusuf Yildiz

Türkü Yilmazkaya

Jasmine Rebh Ben Cheikh Taieb

Serhat Tas

Julian Pflüger

Carmen Kalata

Ehlimana Sahbegovic

Max Eschlböck

Viktoria Varga

Tatjana Sargic

Olimpia Nowak

Sarah Chaaban

Fatih Yalcin

Theodora Steiner

Ibrahim Adouni

Lara Renner

Asli Mete

Melike Yahsi

Robert Höfer

Dina Lebed

Bella Haltrich

Nicolina Mitevski

Sabine Mayer

Rebecca Pfeiler

Tijana Stojadinovic

Theodor Geischläger

Sarah Nadj

Olivia Di Meglio

Asiye Arslan

Alina Cakaj

Dorsaf Chakabkab

Margarita Daloglanian

Alikan Ezhiyev

Omar Hajdarpasic

Selimhan Harmankaya

Martin Jaksic

Aleksander Lukic

Florian Malek

Krysia Mendoza

Adam Mohammed

Gabriel Mosberger

Ruzhdi Ollomani

Yusuf Özcan

Dusko Rakic

Janika Riha

Melisa Sadic

Havanur Semiz

Matea Sisic

Szymon Skibinski

Zuzanna Sokalska

Peter Tseng

Vanesa Vlainic

Alena Wacenovsky

Esmanur Yazan

Samah Asskar

Osama Abd Alla

Osman Aktas

Mohannad Altai

Yusuf Altuntup

Daniel Brcic

Emre Caliskan

Mert Cansever

Fatih Dikici Muhammed

Enes Er

Vladan Gergic

Ebu Bekir Gündogan

Slavko Jovanovic

Mahmut Kasap

Dino Kurbegovic

Mario Oroz

Sepehr Pahlevan

Muharrem Tosun

Dogmara Dschabrailova

Vanessa Nikolic

Ummal Nisa

Rijalda Ramovic

Dusica Zivkovic

Uriba Abdul

Osama Ahmad

Tamara Arapovic

Muhammed Ates

Anica Avramovic

Bojan Bjelic

Markus Brix

Matea Buric

Ayse Cetin

Hatice Deniz

Elvis Djordjevic

Khadizmat Dukurbalaeva

Lucian Haas

Danijel Kamenko

Sophie Korenzhan

Anja Kostadinovic

Diana Kycko

Nikolett Lakatos

Edona Loshaj

Magdalena Madzarevic

Nicole Steinböck

Barbara Stojanovic

Dilan Talu

Ayten Yigit

Nina Onyemauwa

Victor Bervoets

Simon Ramsbacher

Jovana Jovanovic

Aleksandar Jovanovic

Maria Poljak

Marija Bosnjak

Lea Karschigijew

Melisa Kurt

Alena Ijaz

Nour Saber

Marlin Buchner

Josephin Bauer

Emilie Han

Mikail Cakir

Leonard Corfaru

Dejan Huszarek

Ahmet Özdemir

Alexander Radosavljevic

Ali Sahin

Emre Sahintürk

Ilhan Tazi

Lidija Andrejic

Elena Atanasovski

Dejana Huszarek

Lydija Jovanovic

Katarina Juric

Laura Juric

Vanessa Markovic

Fatma Öztürk

Jale Palta

Laura Petrovic

Eliona Rragamaj

Dida Vasileva

Lorenzo Aleksic

Bat-Itgel Amgalanbayar

Manuel Ates

Yusuf Halici

Elvir Ibrahimovic

Damir Jagodic

Dawid Jedrzejczyk

Yusuf Karakaya

Stefan Kolm

Fernando Matusic

Ionut Merca

Nazir (Omed) Mohammadi

Erwin Obojkovits

Kevin-Gabriel Soporan

Michelle Aschauer

Romana Casny

Milena Dimitrijevic

Viktorija Dordevic

Arberita Hakaj

Yasamin Hasani

Denise Pils

Besjana Shala

Patricia Stankovic

Andzelika Swierzewska

Sara Yildiz

Adrijana Mosic

Viktoria Balint

Lulav Haweri

Vanessa Dziba

Jaqueline Groschke

Döndu Caglar

Yagmur Bozkurt

Aida Mahmic

Julia Erlbeck

Viktoria Walli

Mirlind Krasniqi

Jaqueline Pregler

Hava Sivgin

Emre Ünlü

Seda Tankrikulu

Mert Gencyigitoglu

Enes Ariöz

Hanin Mahmud

Dominik Zhang

Olivia Christopher

Elif Duygu Sahan

Viktor Bervoets

Joanna Zhelyazkova

Asli Mete

Karina Trauner

Zakia Nazari

Ibrahim Adouni

Madeline Gromann

Matthias Balmetzhofer

Lydia Mitterbauer

Alena Wacenovsky

Margarita Daloglanian

Victoria Serth

Simon Ergin

Sabrina Holzer

Kevin Kostecki

Cyprian Masiarek

Emanuel Sas

Katharina Skola

Florian Skola

Sonja Lechner

Antonio Kristic

Nika Chubinidze

Armin Schwarz

Emanuel Dobre

Silvana Filipovic

Simon Ergin

Sabrina Holzer

Kevin Kostecki

Cyprian Masiarek

Emanuel Sas

Katharina Skola

Florian Skola

Sonja Lechner

Antonio Kristic

Nika Chubinidze

Armin Schwarz

Emanuel Dobre

Silvana Filipovic

Moritz Höllbacher

Izabela Adamczyk

Julie Aigner

Ega Arikan

Dominik Biesaga

Juan De Souza

Ahmed El Degwy

Zeyad Elsabagh

Faris Hendy

Yasemin Irik

Tatjana Jovicic

Mertcan Koza

Kacper Koziol

Aleksandar Lukic

Florian Malek

Gabriel Mosberger

Ahmed Moustafa

Christopher Müller

Ilir Naipi

Ummal Msa

Nomin Odonchimmeg

Sabrina Putzlager

Eda Sakizci

Safaa Sewilam

Julian Winkler

Seda Zeyrek

Iclal Yilmaz

David Jeremic

Jan Drazyk

Andrej Zdenkovic

Clara Zimmermann

Alejandro Burgos

Deyna Huaccha Correa

Dilara Özdemir

Edanur Öztürk

Kenan Özuckun

Julia Zubek

Daniel Lutzky

Timo Steyer

Roya Rezai

Armin Benes

Ömer Özcan

Bahtinur Capaci

Stefanie Jaksch

Yasin Belhaj

Majid Gazii

Dalibor Guskovic

Antonio Misic

Kristijan Mratinkovic

Gabriel Orlowski

Valentino Petrovic

Adam Pikusa

Milos Predic

Daniel Radosavljevic

Albian Sisianu

Muhammed Ünal

Oliver Uwira

Ismail Yormaz

Rana Cavdaoglu

Kiraz Celik

Madlen Demirovic

Silvia Dinkic

Monika Djordjevic

Zahra Husseini

Kristina Ilic

Aneta Joklova

Rinesa Maloku

Seda Mise

Maximilian Schlosser

Patrick Hauptmann

André-Darius Khazai-

Moghadam

Stefan Dichtl

Yijun Qian

Jessica Düll

Christopher Tuma

Kristiana Mikova

Ella-Margareta Lahner

Bianca Letsch

Michael Novak

Anna-Maria Pinter

Annabell Janik

Dominic Posekany

Adelaide Piba

Uriba Abdul

Mervenur Congar

Jonathan De Chavez

Hatice Deniz

Tolga Eroglu

Jasmeen Guron

Lucian Haas

Serhat Hasil

Nenad Ilic

Ertan Islami

Andreas Lindauer

Tatijana Mihajlovic

Ivan Miladinovic

Nemanja Miladinovic

Aleksander Mujkovic

Cosmo Pammer

Senanur Safak

Fitim Shabani

Dilan Talu

Caglar Ulusoy

Cem Üstündag

Miranda Volsa

Elida Yürümez

Nikola Zivkovic

Aleksandar Zivotic

Arya Zöhrer

Rina Abdulahi

Riona Abdulahi

Acelya Ayhan

Melisa Bejera

Jana Dimic

Felix Georg Franz Gaszczyk

Svetlana Gekimyants

David Goldin

Tamino Raphael Hasler

Ina Nuhu

Vildan Ören

Thomas Purgstaller

Sally Schamat

Julian Zachenhofer

Alba Clara Zuna-Kratky

Tahae Abdelazez

Florian Ahmeti

Musa Altinöz

Burak Arslan

Maninder Atwal

Stefan Baumgart

Daniel Buzle

Suayip Catak

Marco Firlovic

Alexandar Grbic

Musa Kubaev

Sascha Marinovic

Justin Nigitz

Christian Vernica

Gülizar Akpinar

Rabia Aksoy

Michelle Bruckner

Dilara Erdem

Jennifer Jovanovic

Jovana Jovic

Amina Khamagomadova

Rabia Kiymaz

Lara Mayer

Nicole Pock

Alisha Sharma

Selenay Congar

Bengü Benal Fidan

Dominik Güney

Anna Ianchis

Irina Ilievska

Ilias Joya

Joel Karakkattu

Arslan Kaya

Georg Mansour

Tamara Milovanovic

Arianit Nimanaj

Patrick Parth

Iva Pelic

Hakan Sabri

Rosa Said

Aleksandar Savic

Michelle Schwiegelhofer

Viktoria Vexelberg

Izabela Adamczyk

Julie Aigner

Ega Arikan

Dominik Biesaga

Juan De Souza

Ahmed El Degwy

Zeyad Elsabagh

Faris Hendy

Yasemin Irik

Tatjana Jovicic

Mertcan Koza

Kacper Koziol

Aleksandar Lukic

Florian Malek

Gabriel Mosberger

Ahmed Moustafa

Christopher Müller

Ilir Naipi

Ummal Msa

Nomin Odonchimmeg

Sabrina Putzlager

Eda Sakizci

Safaa Sewilam

Julian Winkler

Seda Zeyrek

Iclal Yilmaz

David Jeremic

Jan Drazyk

Andrej Zdenkovic

Clara Zimmermann

Alejandro Burgos

Deyna Huaccha Correa

Dilara Özdemir

Edanur Öztürk

Kenan Özuckun

Julia Zubek

Daniel Lutzky

Timo Steyer

Roya Rezai

Armin Benes

Ömer Özcan

Bahtinur Capaci

Stefanie Jaksch

Yasin Belhaj

Majid Gazii

Dalibor Guskovic

Antonio Misic

Kristijan Mratinkovic

Gabriel Orlowski

Valentino Petrovic

Adam Pikusa

Milos Predic

Daniel Radosavljevic

Albian Sisianu

Muhammed Ünal

Oliver Uwira

Ismail Yormaz

Rana Cavdaoglu

Kiraz Celik

Madlen Demirovic

Silvia Dinkic

Monika Djordjevic

Zahra Husseini

Kristina Ilic

Aneta Joklova

Rinesa Maloku

Seda Mise

Maximilian Schlosser

Patrick Hauptmann

André-Darius Khazai-

Moghadam

Stefan Dichtl

Yijun Qian

Jessica Düll

Christopher Tuma

Kristiana Mikova

Ella-Margareta Lahner

Bianca Letsch

Michael Novak

Anna-Maria Pinter

Annabell Janik

Dominic Posekany

Adelaide Piba

Helin Eren

Dilara Arac

Vanessa Slap

Patrick Kramer

Vladimir de Rosas

Rana Amer-Khel

Sebastian Eder

Alexandra Dumitras

Betül Tekinus

Kadife Celik

Will Dibo

Daniel Jevremovic

Eray Öztürk

Aleksandra Borisova

Petty Palkovics

Aleksandra Sajin

Calvin Gruber

Aleksabdar Dimitrijevic

Negah Abdulsatar

Filip Buna

Fatma Calisgan

Manpreet Kaur Cheema

Gui Chen

Yi Wen Chen

Süheda Gelen

Gamze Genc

Melissa Gjoka

Silvana Gligoric

Songül Kahraman

Ilirjana Kastrati

Martina Matic

Sarinha Mischka

Samah Mohamed

Tanjina Mohammad

Shanaira Montoya

Frida Schreiner

Hakan Wozniak

Anna Zuser

Ali Ahmadi

Denis Bogdanovic

Endrit Bujari

Ramil Chasujew

Toma Jovanovic

Yunus Karabulut

Ahmet Kelmendi

Slaven Miladinovic

Nemanja Miletic

Ahmet Öztürk

Christofer Tomik

Ugur Yildirim

Albion Zeqiraj

Aleyna Bozkil

Juliana Draganovic

Meryem Duyar

Khava Ersanukaeva

Jasmin Fellner

Ksenia Gherman

Melda Kaya

Hamassa Niazai

Shamila Niazai

Sudenaz Özkol

Jasmina Rajevic

Janette Zurzevic

Uriba Abdul

Mervenur Congar

Jonathan De Chavez

Hatice Deniz

Tolga Eroglu

Jasmeen Guron

Lucian Haas

Serhat Hasil

Nenad Ilic

Ertan Islami

Andreas Lindauer

Tatijana Mihajlovic

Ivan Miladinovic

Nemanja Miladinovic

Aleksander Mujkovic

Cosmo Pammer

Senanur Safak

Fitim Shabani

Dilan Talu

Caglar Ulusoy

Cem Üstündag

Miranda Volsa

Elida Yürümez

Nikola Zivkovic

Aleksandar Zivotic

Arya Zöhrer

Die Blogs von den

Jungredakteuren

liest du auf

www.dasbiber.at/

schueler/blog

56 / NEWCOMER /


DIE PARTNER DER „NEWCOMER“

Um Österreichs größte Schülerredaktion aufzubauen, braucht es mehr als nur guten

Willen. Es braucht enorm viel Zeit, Geduld und Know-how sowie verlässliche Partner, die

das Projekt begleiten. Wir danken folgenden Institutionen und Firmen für ihre Unterstützung:

OMV, ORF, ÖBB, SPAR, Bundesministerium für Bildung (BMB), Arbeiterkammer

Wien, Industriellenvereinigung (IV) und der Roland Maturaschule.

Thomas Ramstorfer / First Look / picturedesk.com, SPAR/Johannes Brunnbauer, Markus PRANTL, HBF/ Franz HARTL, Andreas Jakwerth, heute, Phillips, SSR / Johannes Zinner

„Verlässlicher Qualitätsjournalismus,

wie ihn der ORF

täglich liefert, wird in einer

zunehmend fragmentierten

Welt immer wichtiger. Uns

ist es daher ein Anliegen,

auch Jugendliche für den

Journalismus zu begeistern.“

Alexander Wrabetz

ORF-Generaldirektor

„Wien steht für Vielfalt. SPAR

steht für Vielfalt. biber steht für

Vielfalt. Es ist schön, Partner für ein

Jugendprojekt zu sein, das diese

Vielfalt auch abbildet.“

Alois Huber,

SPAR-Geschäftsführer

„Als Partner des Projekts

,Newcomer‘ möchten wir

Jugendliche vor allem ermutigen

ihre Kreativität zu nutzen,

sich gesellschaftlich und

bildungspolitisch einzubringen.“

Christoph Neumayer

Generalsekretär der

Industriellenvereinigung

„Seriöse Information ist ein

wichtiges Gut. Es ist großartig,

dass junge Menschen auf

diesem spannenden Weg

demokratiepolitisch aktiv sind.“

Rudi Kaske

AK-Präsident

„Journalismus ist ein wichtiges

Werkzeug, um eine offene und

zugleich kritische Sicht zu

entwickeln. Wir unterstützen

das Projekt ‚Newcomer’ sehr

gerne, weil es die Fähigkeiten von

Schülerinnen und Schülern abseits

der klassische Bildung stärkt.“

Rainer Seele

OMV Generaldirektor

„Jugendlichen Ziele und

Perspektiven für die Zukunft

zu geben, ist eine Aufgabe die

wir sehr ernst nehmen. Es hat

großen Spaß gemacht das Projekt

‚Newcomer‘ zu unterstützen.“

Mario Aigner

Lehrlingsbeauftragter BAWAG PSK

„Der Stadtschulrat unterstützt

das Projekt ,Newcomer‘, weil es

SchülerInnen die Gelegenheit

bietet, mehr über Medien zu

erfahren und das außerhalb des

klassischen Unterrichts.“

Heinrich Himmer

Wiener Stadtschulrats-Präsident

„Die Biber-Redakteure

engagieren sich im Newcomer-

Projekt, um Jugendlichen

aus oft sozial benachteiligten

Familien neue Perspektiven und

Selbstbewusstsein zu geben.

Das ist eine Idee, die die ÖBB

gerne unterstützen.“

Andreas Matthä

Vorstandsvorsitzender

ÖBB-Holding AG

„Die Maturaschule Roland hat

sehr gerne den ,Newcomer‘

unterstützt, weil es eine

Abwechslung zum Schulalltag

darstellt und den SchülerInnen

einen exklusiven Einblick hinter

die Kulissen eines dynamischen

Mediums erlaubt.“

Matthias Roland

Schulleitung Dr. Roland

/ WALL OF FAME / 57


3 FRAGEN AN:

Karriere

& Kohle

Studieren statt

saunieren.

Von Andrea Grman

Adrian

Almasan

Co-Founder

des Wiener

Uhrenlabels

KEINZEIT

Keine Zeit für Unsinn

NETWORKING-

TIPP

Sindbad vernetzt

durch sein Mentoring-Programm

Neue Mittelschüler

mit jungen Erwachsenen,

die schon

voll im Berufsleben

stehen. Bereits

jetzt gibt es 300

Mentees und Mentoren

in Wien. Das

nächste Programm

startet im April.

Nächster Infoabend:

17.01.2018.

Infos auf

sindbad.co.at.

„Ich hab’ keine Zeit.“ – Wie oft habe ich

das schon gehört? Aber seien wir uns

ehrlich: Das ist nur die halbe Wahrheit.

In Wirklichkeit meinen wir: „Ich habe keine

Lust.“ Oder „Ich habe andere Prioritäten.“

Prioritäten. Das ist das Stichwort.

Falls du tatsächlich keine Zeit findest für

die Dinge, die dir wichtig sind, solltest

du dein Zeitmanagement überdenken.

Dabei helfen drei einfache Regeln. Kleiner

Tipp vorweg: Wenn du nicht gerade

YouTube-Star bist und deine Kohle damit

verdienst, gehört Social Media nicht zu

den Prioritäten.

Regel #1: Schreibe eine Liste mit all den

Dingen, die dir wichtig sind – sowohl

beruflich als auch privat. (Grundsätzlich

gilt: Listen sind immer eine gute Idee!)

Danach überlege dir: Wie kannst du

deine Ziele erreichen? Was hindert dich

daran? Welche Zeitfresser solltest du

streichen?

Regel #2: Planung! Je mehr Zeit du in

Planung steckst, desto mehr Zeit sparst

du dir am Ende. Klingt absurd, ist aber

so. Denn dann lässt du dich nicht von

Kleinigkeiten ablenken. Tipp: Vergiss

nicht, mit ausreichend Pausen und Puffern

zu rechnen. Wenn du deinem Plan

hinterherhinkst, kann es sonst schnell

frustrierend werden.

Regel #3: Genieß deine Zeit und verbringe

sie mit den Menschen, die dir

wichtig sind! Keine Zeit für falsche

Freunde.

Was ist die Philosophie von KEINZEIT?

Wir wollen mit KEINZEIT ein Problem

unserer Generation ansprechen. Viele von

uns haben ihr gesundes und angeborenes

Zeitgefühl verloren. Zeit ist in unserer

Generation zur Mangelware geworden. Da

stimmt unserer Meinung nach etwas nicht.

Wofür sollte man sich Zeit nehmen?

Das sollte jeder für sich selbst entscheiden.

Wir wollen erreichen, dass sich die Menschen

wieder bewusster mit dem Thema

Zeit auseinandersetzen. Dazu gehört es

eben auch, in sich zu gehen und sich zu

fragen: Was ist Zeit für mich? Wofür hätte

ich gerne mehr Zeit?

Was macht euch erfolgreich?

Das fragen wir uns auch jeden Tag. Wir

stehen schließlich noch am Anfang. Unsere

Uhren wurden erst zur Zeitumstellung am

29.10. gelauncht. Wir haben aber bereits

jetzt festgestellt, dass sich viele Menschen

mit der Idee, die hinter KEINZEIT steht,

stark identifizieren. Das ist für uns eine

ganz besondere Erfahrung, die uns zeigt,

dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Energy-Boost

Power Naps sind in. Ein kurzes

Schläfchen hilft dir, neue Energie

zu tanken und produktiv zu sein.

Unternehmen wie Google oder

Nike haben in ihren Büros eigene

Schlafräume eingerichtet. Möge

dieser Trend auch bald nach

Österreich kommen!

David Pan, Sindbad, Marko Mestrović

58 / KARRIERE /


ENTGELTLICHE SCHALTUNG DES BMF

DAS ZAHLT SICH AUS!

Gute Nachrichten vom Finanzamt:

Die Steuergutschrift für 2016 erhält

man in der zweiten Jahreshälfte

2017 erstmals völlig automatisch.

Von nun an ist der alljährliche Gang

zum Finanzamt und das Ausfüllen

der Formulare Geschichte. Die

antragslose Arbeitnehmerveranlagung

ist da, ein neues Service des Finanzamts.

Klingt kompliziert, funktioniert aber

ganz einfach. Wer bis Juni 2017 keine Arbeitnehmerveranlagung

eingereicht hat, erhält in

der zweiten Jahreshälfte 2017 ganz automatisch

ein Informationsschreiben, in dem

man lediglich seine Kontodaten überprüfen

muss. Stimmt alles, so landen schon fünf bis

sechs Wochen später zu viel bezahlte Steuern

sicher auf deinem Konto. Alle Steuerangelegenheiten

und Datenänderungen lassen sich

auch bequem von Zuhause aus unter

www.finanzonline.at erledigen.

Die Zeit arbeitet für dich

Wer profitiert davon? Alle, die im

Jahr 2016 lohnsteuerpflichtige

Einkünfte bezogen haben und 2015

und 2016 weder Werbungskosten,

noch Sonderausgaben oder sonstige

außergewöhnliche Belastungen geltend

gemacht haben. Warum ab Juli

2017? Bis dahin wurden die meisten

Arbeitnehmerveranlagungen abgegeben.

Pro Jahr sind es übrigens

rund 3,5 Millionen Anträge! 200

Millionen Euro an Steuergutschriften

werden überhaupt nie abgeholt.

Abwarten und Informieren zahlt sich

also buchstäblich aus.

Was du über die antragslose

Arbeitnehmerveranlagung

wissen musst:

Die automatische Steuergutschrift

gibt es seit

2017 als ein Service des

Bundesministeriums

für Finanzen, um Bürgerinnen

und Bürger zu

entlasten.

Wurde bis Juni 2017

für das Jahr 2016 noch

keine Arbeitnehmerveranlagung

beantragt,

erfolgt die automatische

Steuergutschrift.

Weitere Informationen

findest du unter

bmf.gv.at/aanv


VOM BEGINNER ZUM GEWINNER

Karriere mit Lehre: Und ob das möglich ist! Drei Top-Angestellte erzählen von ihrem

lustigsten Moment in der Arbeit, wieso sie sich für eine Lehre entschieden haben und

welchen Tipp sie ihrem 16-jährigen Ich geben würden:

Von Salme Taha Ali Mohamed und Martina Gregorova


Was war der dümmste

Fehler, den Sie je

begangen haben?

Im ersten Sommer meiner

Lehre konnte ich mir

nicht merken, dass ich die

Erdbeeren immer ins Kühlhaus

stellen muss. Ich habe jeden

Tag darauf vergessen und Schimpfen

dafür bekommen. (lacht)

Welches Bild hatten Sie als Lehrling von

Managern?

Ich habe sie respektiert und probiert, mir

positive Eigenschaften von ihnen abzuschauen.

Nicht lange nachdem ich meine

Lehre begonnen hatte, wurde mein Ehrgeiz

geweckt und ich wollte mich hocharbeiten.

Welche war die peinlichste Situation in Ihrer

Karriere?

Mir ist einmal mitten im Geschäft die Hose

gerissen und meine Mutter musste kommen,

um mir eine neue Hose zu bringen.

Das war mir in dem Alter wirklich peinlich.

Was war die schwierigste Entscheidung, die

Sie je treffen mussten?

Die Entscheidung zwischen Schule und

Lehre. Ich hatte damals keine Lust mehr auf

die Schule, war aber auch nicht überzeugt

davon, arbeiten zu gehen. Aber es war die

beste Entscheidung, die ich treffen konnte.

Welchen Tipp würden Sie Ihrem 16-jährigen

Ich geben?

Verkaufe dich nicht unter deinem Wert.

Was hätten Sie in der Vergangenheit

anders gemacht?

Ich würde mich selbst nicht mehr unterschätzen

und hätte mehr Selbstbewusstsein.

Aber es gehört zum Leben, dass wir

uns weiterentwickeln. Erst bei der Arbeit ist

mir klar geworden, was ich kann und was

ich werden kann, wenn ich es möchte.

Verkauf

dich nicht

unter deinem

Wert!


Alina Papadopoulous (25)

ist Marktleiterin bei Spar.

Nach Abschluss der Unterstufe

hat sie eine Lehre als

Einzelhandelskauffrau bei

dem österreichischen Handelsunternehmen

begonnen

und arbeitet seither dort.

Sophie Kirchner

60 / KARRIERE /



Arbeite

im Hier und

Jetzt!


Christoph Liebentritt

Wie war Ihr erster Chef?

Als ich ein Lehrling war, hat alles noch

sehr hierarchisch, formalistisch, etwas

militärisch funktioniert. So war auch mein

Vorgesetzter – sehr bedacht auf Disziplin

und Zuverlässigkeit –aber auch sehr

korrekt.

Welches Bild hatten Sie als Lehrling von

Managern?

Meine Vorgesetzten hatten ganz unterschiedliche

Führungsstile. Die einen

waren sehr kooperativ und fortschrittlich,

während die anderen ziemlich autoritär

und machtbewusst handelten.

Haben Sie als Lehrling Vorurteile erlebt?

Als ich meine Ausbildung begonnen

habe, waren Lehrberufe sehr angesehen

und die Gesellschaft hatte keine Vorurteile.

Für mich war klar, dass ich so früh

wie möglich anfangen werde, Geld zu

verdienen. Meine Eltern hatten es nicht

einfach, ich habe noch drei Brüder.

Welche war die schwierigste Entscheidung,

die sie je treffen mussten?

Einmal wurde ein Mitarbeiter erwischt,

wie er Benzin für sich selbst abzapfte.

Als ich ihn am frühen Morgen besucht

habe, stand er mit seiner Frau und

seinen zwei Kindern vor mir - mit Tränen

in den Augen. Wie sich herausgestellt

hat, konnten die beiden jahrelang keine

Kinder kriegen und haben all ihr Geld in

den Versuch gesteckt, Eltern zu werden.

Deswegen hatten sie finanzielle Probleme.

Damals musste ich über seine

Zukunft entscheiden. Ich habe beschlossen,

dass wir ihn abmahnen, er aber im

Unternehmen bleiben darf.

Norbert Pausch (59) ist Krisenstabsleiter

bei der ÖBB

und Vorgesetzter von zehn

Mitarbeitern. Er arbeitet seit

44 Jahren bei der ÖBB und

hat direkt nach der Schule

dort seine Lehre begonnen.

Welchen Tipp würden Sie Ihrem 16-jährigen

Ich geben?

Versuch das, was du gerade machst, so

gut wie möglich zu machen und arbeite

im Hier und Jetzt!

Was hätten Sie in der Vergangenheit

anders gemacht?

Nichts, ich habe mir schon ziemlich

früh angewöhnt, über meine Entscheidungen

zu hadern. Ich habe mich in dem

Moment für das entschieden, was ich

wollte.

/ KARRIERE / 61



Anna Tokmak ist Versicherungsfachfrau

in der

Außenstelle der Wiener

Städtischen. Sie hat das

Gymnasium nach der siebten

Klasse abgebrochen

und danach ein Praktikum

bei der Wirtschaftskammer

Österreich absolviert. 2011

begann sie ihre Lehre bei

der Wiener Städtischen, seit

2014 ist sie ausgelernt.

Mach alles

Schritt für

Schritt!


Welcher ist der dümmste Fehler,

den Sie je gemacht haben?

Ich weiß, Eigenlob stinkt, aber ich

muss ehrlich gestehen, mir fällt

nichts ein, wo ich sagen kann, das

war ein Wahnsinnsmalheur.

Haben Sie als Lehrling Vorurteile erlebt?

Nein, ich habe in meinem Freundeskreis

und in meiner Familie keine Vorurteile

erlebt. Ganz im Gegenteil, meine Lehre

wurde von allen positiv aufgefasst. Die

Ausbildung in der Versicherungsbranche

ist ja auch eine gute Grundlage für die

weitere Laufbahn.

Welches Bild hatten Sie als Lehrling von

Ihrem jetzigen Beruf?

Ich habe früh sehr viel Einblick bekommen.

Dadurch, dass ich einen Mentor

hatte, der mich vom ersten Lehrlingsjahr

geschult und begleitet hat und mich

immer wieder zu Kundenterminen mitgenommen

hat. So war der Umstieg, nachdem

ich ausgelernt war, sehr einfach. Es

gab keine Überraschungen.

Wie sieht Ihr Alltag aus?

20 Prozent sind reine Back-Office-Arbeit.

Die restlichen 80 Prozent sind völlig

flexibel und richten sich danach, was

die Kunden gerade brauchen. Manchen

Kunden ist es lieber, wenn wir zu ihnen

nach Hause kommen, wo sie eben in

ihrem gewohnten Umfeld sind. Andere

Kunden stört es nicht, wenn sie zu uns

ins Büro kommen. Ich bin zum Glück

im Außendienst und daher nicht an den

Schreibtisch gebunden.

Wie gehen Sie mit Stress um?

In erster Linie mit Sport, würde ich

sagen.

Welchen Tipp würden Sie Ihrem 16-jährigen

Ich geben?

Mach alles Schritt für Schritt. Mit 16 hab

ich auch nicht wirklich gewusst, was

ich mal werden möchte oder was ich

mal machen werde. Geduld haben, und

mit der Zeit kommen dann wirklich die

Punkte, die wichtig sind für den weiteren

Werdegang.

Susanne Einzenberger

62 / KARRIERE /


DIESES MAGAZIN

WÄRE UNBEDRUCKT,

OHNE IHRE WIENER IT-DIENSTLEISTERINNEN

THIS MAGAZINE

WOULD BE BLANK

WITHOUT THE VIENNESE IT-EXPERTS

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ENTSCHEIDEN SIE SICH JETZT

FÜR DEN BERUF DER ZUKUNFT!

DECIDE NOW AND START YOUR CAREER

IN THE PROFESSION OF THE FUTURE!

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Ultraschall mit

dem iPhone

Technik

& Mobil

Medizinische Geräte müssen nicht die Welt

kosten und retten trotzdem Leben. Das beweist

das US-Start Up Butterfly Network mit dem

Butterfly IQ: ein Ultraschall-Gerät, das über das

Smartphone gesteuert wird und in den USA

bereits die medizinische Zulassung erhalten

hat. Die medizinische Revolution hat begonnen!

Alles auf Reset.

Von Adam Bezeczky

Kabellos

glücklich

NEED FOR

FORTSETZUNG

Pulverschnee

und Benachrichtigungen

Der moderne Mensch ist

dauer haft online. Egal,

ob beim Tacken oder

Skifahren. Damit man auf

dem Hang auch wirklich

nix Wichtiges verpasst,

hat jetzt das Unternehmen

vom Olympiasieger

Lasse Kjus einen Bluetooth-fähigen

Skihandschuh

entwickelt. Anrufe

tätigen, Nachrichten

lesen ohne den Handschuh

auszuziehen:

ein Mini-OLED-Display

und ein wasserdichtes

Mikrofon und Lautsprecher

sorgen für

James Bond-Feeling. Bei

Minus 20 Grad am Berg

ist das sicherlich eine

feine Sache.

Verkaufspreis: 349 Euro

Mit der Schließung von AKG ist

Österreich um ein High-Tech-

Unternehmen in der Audiosparte

ärmer geworden. Umso besser,

dass das heimische Start Up

„OnPro“ jetzt mit dem „eardot“

auf den Markt drängt: das oberösterreichische

Unternehmen hat

Bluetooth-Kopfhörer entwickelt,

die den Produkten aus Cupertino

ebenbürtig sind. Die eardots sind

„In Ear Total Wireless“-Kopfhörer,

die auf der neuen 4.2 Bluetooth-

Technologie basieren und mit

nur 4 Gramm federleicht sind. Im

mitgelieferten Auflade-Dock sind

sie rasch geladen und halten 2.5

Stunden durch. Erhältlich in den

Farben schwarz und weiß sind sie

auch preislich eine gute Alternative.

Auch als Weihnachtsgeschenk!

Weitere Infos unter

https://www.eardot.shop/

bezeczky@dasbiber.at

Need for Speed ist zurück und heizt

durch die Open World-Straßen der

imaginären Stadt Fortune Valley.

Diese sieht Las Vegas sehr ähnlich

– zumindest optisch. Denn Fortune

Valley wird vom Kartell „House“

kontrolliert und hat das Leben des

Hauptprotagonisten Tyler verpfuscht

– aber jetzt ist Zahltag!

TESLA TRUCK

Elon Musk ist ein Visionär. Nach den Elektro-Autos

möchte er alle LKWs unter Strom setzten. Dazu

präsentierte er mit seiner Firma Tesla einen futuristischen

Truck mit LCD-Bildschirmen und Autopiloten.

Einziges Problem: Tesla kämpft gerade

mit der Serienfertigung seines massentauglichen

„Model 3“ und muss erst beweisen, dass das

Unternehmen die Massenfertigung drauf hat.

KJUS, eardots, Marko Mestrović, Tesla, EA

64 / MIT TECHNIK SCHARF / /


Christoph Liebentritt

ROYAL REVOLT 2

ist ein Tower Defender Strategiespiel.

Dieses Spiel ist für Laptops,

Smartphones, Tablets (Android/

IOS) komplett kostenlos. Das Spiel

wurde von Flaregames entwickelt

und am 21. Februar 2014 veröffentlicht.

SPIELBESCHREIBUNG:

Man hat seine eigene Burg

und muss sie auch mit

verschiedenen Türmen,

Barrikaden, Fallen und

Truppen verteidigen. Wenn

man angreift, hat man eine kleine Truppe mit Soldaten,

die mit dir, dem König, an der Seite kämpfen und

alles zerstören, was im Weg zum Burgtor ist. Man kann

Gebäude in der Burg errichten, wie z.B. Kasernen oder

Schatzkammern. Man hat auch Bauern, die das Geld in

einer Taverne verdienen und das Brot auf einer Farm

produzieren. Die Armee kann auch mit Gold verbessert

werden für höhere Chancen auf einen erfolgreichen

Überfall.

GAMING

SPIELETIPPS VON EXPERTEN

Wir sind Emilio und Michi, alias Spieletipps 23. Wir stellen

euch zwei Spiele vor und bevor wir lange herumschreiben,

starten wir doch gleich mit dem ersten Spieltipp:

Emilio Dinkic & Michael Graf sind 13 und besuchen das Polgargymnasium.

FALLOUT SHELTER

ist ein apokalyptisches Bunker-Survivalgame.

Dieses Spiel ist für Laptops,

Smartphones, und Tablets (Android/

IOS) kostenlos. Das Spiel wurde von

Bethesda Softworks entwickelt und am

14. Juni 2015 veröffentlicht.

SPIELBESCHREIBUNG:

Du bist ein Typ in der Apokalypse

und dort draußen warten

abertausende Monster oder

Mutanten, die dich fressen wollen.

Was machst du? Natürlich

dich in einen Bunker schmeißen

und überleben. Aber ohne Essen , um zu überleben, oder

Waffen, mit denen du dich vor radioaktiven riesigen Kakerlaken

verteidigen kannst.

Was kannst du tun, um zu überleben?

Schritt 1: Leute suchen, die bei dir mitmachen. Schritt 2:

Eine eigene Nuka Cola und Wasser Produktion starten.

Schritt 3: Kurz in die Einöde gehen und Waffen suchen, um

sich gegen ,,Raider“ zu verteidigen und ein tolles Leben

führen.

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SCHULE?

STUDIUM?

LEHRE?

Ich geh mal ins BIZ

Im BerufsInfoZentrum bist du richtig,

wenn es um deine Berufswahl geht.

Ob du mit der Schulklasse, mit Freundinnen und Freunden oder

allein kommst – die Berater/innen der BerufsInfoZentren (BIZ)

des AMS Wien informieren und beraten dich gerne rund um deine

Ausbildungs- und Berufswahl. Weitere Infos unter www.ams.at/biz

UNIQUE/Grayling

www.ams.at/biz


„YOUTUBE SCHAUEN KANN JEDER.“

„Lieber Roboter

programmieren als von

Robotern ersetzt werden“:

Martina Friedl von Samsung

Österreich will Jugendliche

ermutigen, später mehr zu

sein als Internet-User ohne

kritisches Verständnis und

technologisches Know-how.

Von Simon Kravagna

Die Jung-Redakteure des biber-Newcomers

gehen ab diesem Semester technologisch

aufgerüstet durch ihre Projektwoche.

Samsung stattete die biber-Schüler-Redaktion

mit 20 Tablets aus. Aus diesem Anlass

sprechen wir mit Martina Friedl, Corporate

Citizenship Manager von Samsung Österreich,

über die „Digital Natives“ und warum

die Welt mehr braucht als passive Konsumenten

digitaler Techniken.

Christoph Liebentritt, Samsung

Eine Information des Landes Niederösterreich.


Martina Friedl,

Samsung Österreich

BIBER: Ich habe mir Argumente

gegen den Einsatz von

Tablets in Schulen angesehen.

Da heißt es etwa, dass

diese Dinger Jugendlichen die

Kreativität rauben.

MARTINA FRIEDL: Ich bin

wirklich dafür, dass die Kinder

eine Schere in die Hand nehmen

und etwas basteln sollen.

Ich bin aber auch dafür,

dass sie mit neuen Technologien

experimentieren sollen.

Das ist ja kein Widerspruch.

Es heißt auch, dass die Kinder

vom vielen Wischen das

Schreiben verlernen.

Natürlich müssen Kinder

Rechnen und Schreiben

lernen. Unsere Geräte sollen

eine Ergänzung sein, den

Unterricht bereichern und

nicht ersetzen. Ein Beispiel:

Sie können im Unterricht Europa

auf einem Globus suchen

oder mit Google Earth eine

Weltreise im Klassenzimmer

machen. Was ist da spannender?

Selbst Apple-Gründer Steve

Jobs ließ seine Kinder kaum

ans Tablet.

Meine Kinder dürfen 30 Minuten

am Tag damit arbeiten

oder spielen. Aber worum

geht`s wirklich? Googeln und

YouTube schauen kann jeder.

Es fehlt der kritische Umgang:

Was sind die Quellen meiner

Informationen? Wie gehe

ich mit meiner Privacy um

und was passiert mit meinen

Daten?

Können die „Digital Natives“

das nicht sowieso alles?

Diese These ist widerlegt.

Digital Natives sind kaum

qualifizierte User, weil sie sich

zwar mit der Bedienung der

Geräte und Sozialen Medien

auskennen, aber zu oft nur

passive Konsumenten sind.

Völlig unterschätzt wird auch,

dass Programmieren eine

Kulturtechnik unserer Zeit

ist. Bereits in der Volksschule

sollte mit einfachen Programmiersprachen

experimentiert

werden.

Warum?

Programmieren fördert die

Problemlösungskompetenz

der Kinder und schärft ihr

logisches Denken. Wir wissen

zwar nicht, in welchen

Berufen unsere Kinder später

arbeiten werden, aber ohne

digitale Tools wird es wohl

schwer gehen. Wir sollten

unsere Kinder darauf vorbereiten,

lieber Roboter zu

programmieren als von ihnen

ersetzt zu werden.

CODING

FOR KIDS

Bei den „Coding for Kids“-

Workshops von Samsung

wird Kindern im Alter von

9–14 Jahren das Programmieren

von Apps und Spielen

am Smartphone spielerisch

nähergebracht. Dabei können

die Kinder Wissen rund um

digitale Technologien erwerben.

Die Teilnahme ist für die

Schulen gratis, jede Schule

kann sich unter http://coding.

digitalebildung.at bewerben.

WIRTSCHAFT

IN BLAU-GELB.

Das ist unser Weg.

WIR HABEN NOCH VIEL VOR.

Die Richtung stimmt, die Zahlen auch: Durch

die Zusammenarbeit von Arbeitnehmern und

Unternehmern in Niederösterreichs Betrieben

entwickelt sich unsere Wirtschaft besser als

im österreichweiten Durchschnitt. Und bei der

Kaufkraft ist unser Bundesland die Nummer 1.

Das ist unser Weg, den wir gemeinsam weitergehen,

denn wir haben noch viel vor.

noe.gv.at


3 FRAGEN AN:

Life

& Style

24

SCHÖN

MACHER

Bock auf Beauty?

Der Kiehl’s

Adventskalender

beinhaltet

24 Bestseller:

Hinter jedem

Türchen versteckt

sich

ein Gesichts-,

Haar- oder Hautpflegeprodukt

der Marke.

Schöner Schein.

Von Aleksandra Tulej

LASST MIR

MEINEN

DEUTSCHRAP!

„Rap ist nicht frauenfeindlich. Selbst

den schlimmsten Text feiern Frauen

heimlich.“ An dieser Zeile aus einem

Deutschraplied ist so viel falsch.

Realtalk: Er ist sexistisch und frauenverachtend.

Und ich feiere ihn nicht

heimlich. Sondern öffentlich und lautstark.

Darf ich das? Haftbefehl, Xatar

und Co. singen über Geld, Waffen und

Mütter ficken. In ihren Liedern sind

Frauen „Fotzen“ und „Bitches“- und

das sind noch die netten Ausdrücke.

Und trotzdem bin ich die Erste, die zu

187Strassenbande mitgrölt und alle

Aggro-Ansagen auswendig kennt. Was

rennt bei mir schief? Mit Sicherheit

einiges, aber im Bezug auf Deutschrap-

Zeilen noch mehr. Aber wenn ich nachts

nachhause gehe, fühle ich mich mit

Bushido im Ohr einfach sicherer als mit

Britney. Und natürlich kann ich Vollpfosten

wie Farid Bang nicht ernst nehmen,

aber ich sehe das ganze distanzierter:

Es ist deren Image, es ist Show. Die

Sache ist die: Wer im Deutschrap nach

Moral und Werten sucht, ist hier überhaupt

falsch. Die Lösung? Es braucht

einfach mehr Frauen im Business.

Politisch korrekter wird es dadurch

nicht, aber immerhin kann man dann

den Spieß umdrehen. Man denke an

die Texte von Deutschrap-Pionierin

Kitty Kat. In dem Sinne:

Lasst mir meinen Deutschrap!

tulej @dasbiber.at

Alecid

DJane aus Wien

Wieso legst du auf? Welche Musik spielst du?

Ich kann mich selbst ausdrücken und habe

Spaß daran. Jedes Set trägt meinen Fingerabdruck

und ist durch meinen Charakter

und Geschmack gefärbt. Wenn man dann

merkt, dass es dem Publikum auch gefällt,

ist das natürlich ein wahnsinnig schönes

Gefühl. Mein Hauptfokus liegt auf härterem

Techno, aber auch 90ies Hits – die reißen

das Publikum mehr mit und die Crowd ist

emotional aufgeladener.

Hat man es als Frau leichter oder schwieriger

im Business? DJ-sein war ja lange nur eine

„Männerdomäne“

In Wien versuchen immer mehr

Veranstalter, eine Frauenquote hinter den

Decks zu erfüllen, von dem her würde ich

sagen, meiner Erfahrung nach: Leichter.

Hast du Tipps an DJanes?

Zwei Sachen: Sich mit andren DJs zusammentun,

und von ihnen inspirieren lassen – und:

Nummern spielen, die einen selber mitreißen

und zu denen man selber tanzen würde.

Das geht dann auf die Leute über und reißt

sie richtig mit.

FANCY FETZEN

Erdem Moraglioglu ist der nächste Designer,

mit dem H&M eine Kooperation eingeht.

In der ERDEM x H&M Kollektion findet ihr:

Florale Stickereien, viktorianische Blusen,

Spitze und knallige Accessoires.

Kiehl’s, Marko Mestrović, bereitgestellt

68 / LIFESTYLE /


FM4.ORF.AT

YOU

Mann

&

Body

Quinoa statt Qebab.

Von Artur Zolkiewicz

bereitgestellt

Fun Fact

Japaner haben mit

85,6 bei Frauen und

78,7 bei Männern

die weltweit höchste

Lebenserwartung.

TIPP!

Moringa

Die Nährstoffbombe

in deinen

Smoothies

Die Superpflanze

Moringa gewinnt in der

letzten Zeitk rasant an

Popularität. Hochwertiges

Eiweiß, sehr hoher

Gehalt an Vitaminen

C, A, B1, B2 und E

sowie Kalzium, Eisen,

Magnesium und Kalium.

Die grünen Blätter des

Wunderbaums enthalten

sechsmal soviel Polyphenole

wie Rotwein.

Zahl des

Monats

8 Stunden, 25

Minuten und 16

Sekunden – so

schnell ist Fauja

Singh einen

Marathon gelaufen

– Singh ist

100 Jahre alt.

Einfach

bewegen!

Wie schnell läufst Du? Wie schwer

hebst Du? Auch im Hobbysport wird

langsam alles gemessen. Diese Ergebnisorientierung

kann zwar sehr motivierend

sein, andererseits kann das

aber auch dazu führen, dass man die

Lust auf Sport verliert.

Man soll meiner Meinung nach lernen,

die Freude an Bewegung zu verspüren

und es nicht nur als Notwendigkeit

sehen. Das ewige Streben nach immer

besseren Resultaten kann uns diese

Freude nehmen. Schlussendlich ist

Sport treiben nichts anderes als ein

Ersatz daür, was wir auf natürliche

Weise tagtäglich machen sollten: uns

bewegen. Unser Lifestyle ist der volle

Gegensatz davon geworden, wofür

der menschliche Körper eigentlich

geschaffen wurde. Wir sitzen mehr

und bewegen uns weniger als je zuvor.

Aus dem Grund ist es wichtig, dass

wir Bewegung, wie Zähne putzen, zur

täglichen Gewohnheit machen.

Gehe manchmal laufen, ohne die

Distanz zu messen oder auf die Stopuhr

zu schauen. Hebe mal einfach

einen Baumstamm, ohne zu wissen,

wie viel er wiegt. Dehne dich am

Abend beim Fernschauen, anstatt zu

sitzen und nichts zu machen. Sport

sorgt für die Auschüttung von Glückshormonen

und ich traue mich zu

sagen, dass man von diesen nie genug

haben kann. zolkiewicz@dasbiber.at

ARE

AT

HOME

BABY

/ LIFESTYLE /

@RADIOFM4


Heimlich

auf

Haram

„Meine muslimischen Freunde würden nie

von mir erwarten, dass ich Erfahrungen mit

Alkohol, Joints und One-Night-Stands habe“

70 / POLITIKA /


Freitags in die Moschee, aber danach in den Club saufen

gehen. Offiziell bis zur Ehe Jungfrau, aber heimlich One

Night Stands. Junge Muslime in Wien erzählen Biber-

Redakteurin Aleksandra Tulej über ihren Zwiespalt

zwischen ihrem Glauben und dem Kick des Verbotenen.

Von Aleksandra Tulej, Fotos: Zoe Opratko

Aus meiner muslimischen

Community weiß das

niemand, das erzähle ich

jetzt nur dir. Oder Freunden,

die selber haram * machen“, erklärt

mir Khaled * grinsend. Khaled ist Ende

zwanzig, wohnt in Wien und ist gläubiger

Muslim, wie er selbst sagt. Trotzdem hat

er Erfahrungen mit Sex, Alkohol und Drogen.

Alles Sachen, die laut seiner Religion

haram, also verboten sind. Khaled*

und ich sind Freunde, wir erzählen uns

viel. Er vertraut mir einiges an, deshalb

frage ich interessiert, wie er das denn

alles mit seinem Glauben vereinbart. „Ich

glaube an Himmel und Hölle und an Allah

und daran, dass Dinge vorbestimmt sind

– dadurch hoffe ich auch, dass meine

haram-Aktionen bald aufhören. Aber das

ist wie wenn du einem Kind sagst, es soll

nicht auf die Herdplatte greifen. Dann

greift es erst recht hin“, rechtfertigt

Khaled sein „Verhalten“. Das schlechte

Gewissen plagt ihn dabei aber jedes Mal.

Vor allem, wenn es um seine Dating-

Geschichten mit Frauen geht. Sex vor der

Ehe ist im Islam nämlich verboten. „Aber

glaub ja nicht, dass nur wir Männer „die

Bösen“ sind. Ich hatte mit vier Frauen

was, die alle vier Mitglieder Österreichischer

Muslimischer Organisationen

waren. Zwei davon tragen Kopftuch, und

man würde nie von ihnen denken, dass

sie so etwas machen würden. Sie haben

dabei immer auf meine Verschwiegenheit

vertraut, auch wenn ich teilweise

mit ihren Brüdern befreundet war“, sagt

Khaled. Ich muss ihn an dieser Stelle

fragen, ob er nur eine Jungfrau heiraten

würde. „Nein! Bist deppat! Wer

haram macht, hat es nicht verdient, so

zu denken“, kommt wie aus der Kanone

geschossen.

Aber offen wird über den „haram-

Lebensstil“ innerhalb der Community

nicht geredet. Sprich: Untereinander

und miteinander wird nicht darüber

gesprochen – mit mir als Nicht-Muslima

schon. Ich als gebürtige Polin kenne

dieses Phänomen von jungen Katholiken,

die aus streng gläubigen Elternhäusern

kommen, aber irgendwann rebellieren –

gegen ihren Glauben, obwohl sie sich als

gläubig bezeichnen.

„Mehr Angst vor

den Eltern, als

vor Allah“

Ich habe in meinem Umfeld auch

einige gläubige Muslime, die meisten von

ihnen leben fromm und so, wie es ihre

Religion besagt. Aber genauso beobachte

ich auch, dass einige gar nicht

so gläubig leben, wie sie nach außen hin

tun. Vor mir geben sie im Gegensatz zu

ihren Community-Mitgliedern alles zu. –

Es fällt mir nicht schwer, schnell mehrere

Gesprächspartner für den Artikel zu

finden. Sie erklären sich bereit, ehrlich

und offen mit mir zu sprechen, unter

einer Bedingung: Dass ich ihre Anonymität

wahre.

„MEINE MUSLIMISCHEN

FREUNDE WISSEN GAR

NICHTS DAVON.“

Auch Leyla * ist ihre Anonymität überaus

wichtig, nicht einmal ich kenne ihren

echten Namen. Leyla ist Mitte zwanzig,

lebt in Wien und stammt aus einer

streng religiösen muslimischen Familie.

Sie spricht ruhig, gefasst und wirkt sehr

reflektiert in dem, was sie erzählt. Leyla

ist gläubige Muslima, und versucht so

gut wie möglich nach ihrer Religion zu

leben. Aber das ist für sie gar nicht so

leicht. Bis jetzt hatte Leyla drei längere

Beziehungen, mit dem Sex hat auch

sie nicht bis zur Ehe gewartet. „Heirat

/ RAMBAZAMBA / 71


ist etwas extrem Ernstes. Vor allem bei

uns Muslimen. Und ich wollte nicht erst

heiraten, um mit meinem Freund zu

schlafen. Dafür war ich eben schon mit

21 bereit, und nicht erst mit 27 oder später.“

Leyla hat bei ihrem ersten Mal nicht

geblutet, und ihr damaliger Freund hat

ihr nicht geglaubt, dass sie davor noch

Jungfrau war – was allerdings gestimmt

hat. „Das hat mich richtig wütend

gemacht, vor allem, weil das schlimm für

ihn war. Er hat ja genauso gegen eine

„Regel“ verstoßen wie ich. Wir leben

im 21. Jahrhundert, und jeder sollte

wissen, dass Sex Frauen und Männern

gleichermaßen Spaß machen darf“, sagt

sie. Leyla ist heute nicht mehr mit ihrem

damaligen Freund zusammen. „Ich finde

nicht, dass ich einen Fehler gemacht

habe. Der Fehler wäre gewesen, ihn zu

heiraten. Ich bin stolz drauf, dass ich

diese Entscheidung so für mich selbst

treffen konnte“, sagt die junge Frau.

Aber nicht nur Sex vor der Ehe steht

auf der Liste von Leylas „Taten“. „Ich

war einmal eine längere Zeit mit einer

gemischten Gruppe unterwegs, es waren

auch nicht-Muslime dabei. Dort habe ich

dann auch zum ersten Mal Alkohol probiert

und auch an einem Joint gezogen.

Einfach aus Neugier.“ Ich frage sie, ob

sie irgendwas davon bereut. „Ja schon,

aber was passiert ist, ist passiert.“ Es sei

auch schwer, Grenzen zu ziehen. „Dass

ich mit meinem Freund, den ich vorhatte

zu heiraten, geschlafen habe, ist eine

Sache. Dass ich Weißwein und Gras

probiert habe auch. Aber dann kommen

so Sachen wie One Night Stands, von

denen ich auch schon ein paar hatte,

das allerdings nicht mit Muslimen – und

das sind dann die Momente, wo ich mit

mir selbst überhaupt nicht mehr zufrieden

bin. Weil es auch keiner von mir

erwartet“, sagt Leyla in einem ernsten

Ton. Vor ihren muslimischen Freunden

isst sie nicht einmal Schokolade, in der

Alkohol drinnen ist. „Sie würden diese

ganzen Sachen auch nie von mir erwarten.

Ich bewundere alle, die so stark in

ihrem Glauben sind, dass sie auf diese

Neugier verzichten können. Ich merke

auch, dass ich ungewollt viel über all

das nachdenke, und es ist einfach ein

Scheißgefühl, wenn es niemand von dir

erwartet, du aber in Wirklichkeit alles

schon gemacht hast.“

„Unsere Mädchen werden so erzogen, dass sie brav und keusch sind.

Das sollten wir Jungs eigentlich auch sein“

„WENN ES JEMAND

HERAUSFINDET, DANN

IST ES VORBEI.“

Ähnlich geht es dem 22-jährigen Tarek * .

Er hat ägyptische Wurzeln, seine Eltern

sind streng gläubig. Auch er ist Muslim.

Auch er hat schon Erfahrungen mit Alkohol,

Gras und Sex gemacht. „Aber das

bleibt alles in einem vertrauten Rahmen,

deshalb habe ich auch kein zu großes

schlechtes Gewissen“, sagt er. Seine

muslimischen Freunde, nicht einmal die

engsten, wissen nicht, wie er eigentlich

lebt. Ich merke bei ihm schnell, dass er

in ausgewählten Kreisen aber locker wird

und sich die „westliche“ Lebensweise

aneignet. Mir scheint auch, als hätten

viele meiner Gesprächspartner mehr

Angst vor ihren Eltern, als vor Allah. Dass

sie sündigen, ist ihnen ja bewusst. Aber

die Furcht vor der Community ist größer

als ihr Glaube.

„Du verstehst das nicht. Unsere

Community ist groß, jeder weiß alles

über jeden. Da geht es nicht mehr um

den Glauben, sondern um die Angst,

72 / RAMBAZAMBA /


KOMMENTAR

von

Adis Serifovic

Vorsitzender der

Muslimischen

Jugend Österreich.

„Alles geschieht heimlich. Vetrauen spielt eine große Rolle.

Wenn es jemand rausfindet, ist es vorbei.“

dass es wer herausfinden könnte. Und

dann wäre es für mich vorbei. Meine

Eltern würden nie wieder mit mir reden“,

erklärt mir Amir * . Amir ist 26, groß,

durchtrainiert und hat funkelnd grüne

Augen. Er studiert Architektur an der

Uni Wien. Er betet fünfmal am Tag, geht

freitags in die Moschee und postet auf

Facebook ständig neue Islam-Zitate und

ist nach außen hin auch der Vorzeigemoslem.

„Meine Freunde glauben, ich

lebe wie ein Hodscha“, lacht er. „Ich will

ja auch so leben, wie es sich gehört.

Aber wenn du in Wien aufwächst, dann

ist das halt schwer, sich an all die Regeln

zu halten. Natürlich haben mir schon

Mädchen gefallen und ich ihnen, aber ich

habe noch nie etwas mit einer Muslima

angefangen, sondern nur mit Österreicherinnen.“

„WENN KEINER

ZUSCHAUT, IST ES

NICHT HARAM.“

„Unsere“ Mädchen werden so erzogen,

dass sie brav und keusch sein sollen

„Unsere Mädchen

sollen brav und

keusch sein“

– sollte ich ja eigentlich auch“ sagt er,

und beißt sich in die Lippe. „Aber weißt

eh, wenn keiner zuschaut, dann ist es

nicht haram“, fügt er mit einem nervösen

Lächeln hinzu. Ich frage ihn, ob

er mit seinen muslimischen Freundinnen

auch so offen sprechen würde, wie mit

mir. „Nein, vor unseren Frauen niemals.

Dann haben sie keinen Respekt mehr

vor mir und meine ganze Ehre ist weg.

Und Respekt ist bei uns extrem wichtig.“

Ich will wissen, was das dann für einen

Unterschied macht, wenn er vor mir,

ebenfalls einer Frau, über Aufrisse und

Alkoholabstürze redet. „Nein, bei dir ist

es egal. Du bist ja keine Muslima. Außerdem

kann man mit dir über alles reden,

wie mit einem Freund“, bekomme ich zu

hören. Ich weiß an dieser Stelle nicht,

ob ich das seltsam finden soll, oder ob

das eine Art Kompliment für mich ist.

Amir redet mit mir wirklich wie mit einem

Kumpel. „Ich könnte dir Geschichten

erzählen, die würdest du nicht packen.

Eigentlich sind die meisten muslimischen

Jungs, die ich kenne, irgendwo Heuchler.

Die einen, die sowieso schon alles

machen, was verboten ist, und dann gibt

es die, die auf halal tun und mit 25 noch

nie eine Frau geküsst haben – aber wenn

man dann über Pornos spricht, sind sie

die großen Kenner. Außerdem verurteilen

sie andere für Dinge, die sie dann eh

selbst tun“, zuckt er mit den Schultern.

Muslimische Jugendliche, die zuerst

zum Freitagsgebet gehen und am selben

Abend Party machen, gibt es hierzulande

schon seit es Moscheen in Österreich

gibt. Junge Menschen haben heute eine

Auswahl an unterschiedlichen Lebensentwürfen

und hierin unterscheiden sich

muslimisch-österreichische Jugendliche

im Grunde kaum von anderen österreichischen

Jugendlichen. Sie alle besetzen

unterschiedliche Rollen und diverse Identitäten

in ihrem Alltag. Problematisch wird

es, wenn über muslimische Jugendliche

in der Öffentlichkeit gesprochen wird, als

würden für sie andere Maßstäbe gelten.

Wenn jemand diesen Artikel liest und sich

fragt: „Wie können diese Muslime nur

widersprüchlich leben, wenn sie daheim

anders sind als mit ihren Freund/innen?!“

Antwort: Junge Menschen versuchen,

ihr eigenes Leben zu gestalten und sich

abzugrenzen. Mitunter stimmt das nicht

mit den Lebenseinstellungen der Eltern

überein. Überraschung? Wohl eher nicht.

Die Frage ist: Warum spielt ihr Muslim/In-

Sein, und in wie weit sie es leben, so eine

große Rolle für irgendjemanden außer

ihnen selbst? Die unterschiedlichen Ausprägungen

und Formen der Praxis sind

für manche Eltern und wahrscheinlich für

ganze Communities noch eine Herausforderung.

Aber genauso für alle anderen,

die hier nach alten Mustern bewerten und

urteilen. Letztendlich ist es die Realität –

und damit ist klar zu kommen.

Ja, es gibt islamische Vorstellungen

zum Thema Sexualität und im Umgang

mit Rauschmitteln und - Überraschung:

Nicht alle MuslimInnen halten sich daran.

Schließlich entscheidet jeder Mensch

über sein Leben und seine Taten selbst –

sie oder er allein muss dies verantworten.

Ich finde es deshalb auch falsch, diesen

Jugendlichen eine heuchlerische Lebensweise

vorzuwerfen. Junge Menschen

kämpfen eben manchmal auch mit sich

und ihren Überzeugungen oder den an sie

gestellten Ansprüchen. Als Muslim versuche

ich mir bewusst zu machen, dass

ich meine Taten nur vor Allah verantworten

muss und dass Allah verzeihend und

barmherzig ist.

/ RAMBAZAMBA / 73


REGELN SELBST

AUFERLEGEN

Abdis Aussage fasst das zusammen, was

alle meine Gesprächspartner irgendwie

verkörpern: Sie wollen ja einerseits

„gute“ Muslime sein – andererseits

scheinen sie hin und hergerissen zwischen

halal und haram, zwischen ihrem

Glauben und der Neugier, das Verbotene

auszuprobieren. Ihre Eltern und

Verwandten sind oft Migranten erster

Generation, die nach den „alten“ Regeln

leben, und das so gut wie möglich an

ihre Kinder weitergeben wollen – die Kinder

wollen das auch, aber nicht alle tun

sich leicht damit – wie die. Sie schweben

dann irgendwo zwischen ihrer Religion

und der „westlichen“ Lebensweise. – Sie

sind zwar in Wien aufgewachsen, zur

Schule gegangen, studieren und arbeiten

jetzt hier – aber sie sind hier eben auch

in den Communities aufgewachsen.

Durch diesen Zwiespalt interpretieren sie

die Regeln für sich neu. Eine befreundete

gläubige Muslima erzählt mir, dass viele

junge Muslime die Gebote ihrer Religion

„modernisieren“. Zum Beispiel wenn es

um Sex vor der Ehe geht: Früher war die

Ehe die einzige anerkannte Form einer

„Meine Freunde

glauben, ich lebe

wie ein Hodscha“

„Die jungen Muslime interpretieren die Religion neu für sich und entscheiden,

was erlaubt und was verboten ist.“

AUSSEN HALAL, INNEN

HARAM

„Aus muslimischer Sicht bin ich wohl

schon sehr früh auf die schiefe Bahn

geraten“, sagt der 26-jährige Abdi * . Meine

Mutter hat mich mal mit einem Joint

erwischt – aber meiner Meinung nach ist

kiffen nicht haram.“ Auch er ist Ägypter,

Moslem – und hat, wie er selbst so

schön sagt „seine Sexpartnerinnen öfter

als Unterhosen gewechselt.“ Doch nicht

nur Frauen stehen auf der Liste seiner

Haram-Taten. „Eine Zeit lang fand man

mich in den angesagtesten Clubs Wiens,

immer mit Flasche am Tisch und allem

Drum und Dran. Ich verbrachte auch viel

Zeit in Casinos oder Spielautomaten.“

Als Teenager fing er auch an zu kiffen,

seitdem ist das Gras ein großer Bestandteil

seines Lebens. Bis auf das eine Mal

Erwischtwerden haben seine Eltern nicht

die geringste Ahnung von dem, was sich

in seinem Leben so abgespielt hat. Seine

muslimischen Freunde, die von seinem

Lebensstil erfahren haben, haben sich

von ihm abgewandt. Das gab Abdi zu

denken. Er kennt ja die Werte und Vorstellungen,

die ihm seine Eltern vorgelebt

haben. „Ich kann mich mit dem Islam als

meine Glaubensrichtung voll identifizieren,

und ich glaube auch, dass ich bald

wieder auf den rechten Weg gerate“,

sagt er.

Beziehung. Heute leben viele junge Muslime

in Langzeitbeziehungen, sehen das

als Vorstufe der Ehe und schlafen dann

auch miteinander.

Die jungen Muslime entscheiden also

innerhalb ihrer Religion für sich, was

erlaubt und was verboten ist. Untereinander

wird das alles jedoch totgeschwiegen,

man verurteilt andere für

Dinge, die man selbst tut. Und irgendwie

scheint sich das Ganze ständig im Kreis

zu drehen, denn die selbst auferlegten

Regeln gelten doch sowieso nur im

Geheimen – weil „wenn keiner zuschaut,

dann ist es nicht haram.“ ●

*Alle Namen wurden von der Redaktion geändert

Alle Fotos wurden für die Story nachgestellt.

74 / RAMBAZAMBA /


WAS IST HALAL?

WAS IST HARAM?

Beantwortet von Tarafa Baghajati

Obmann der Initiative muslimischer

ÖsterreicherInnen

Viele junge Muslime sehen Langzeitbeziehungen als eine

Vorstufe der Ehe an, und haben dann auch Sex miteinander.

Ist das erlaubt oder verwerflich?

Die zwei Partner sind in einer Phase der „Vorstufe zur Ehe“.

Außer dem sexuellen Akt an sich sind Küssen und Umarmungen

möglich, auch gemeinsam Ausgehen bis hin zu

einem gemeinsamen Urlaub. Wenn alles gut läuft, dann

feiert man die offizielle Hochzeit und nimmt die staatliche

Registrierung vor. Erst danach leben beide richtig zusammen

und teilen Tisch und Bett. Bei manchen Muslimen ist

diese „Vorstufe“ aber verpönt. Dort wird darauf bestanden,

gleich eine juristisch und staatlich besiegelte Ehe einzugehen.

In Österreich findet man beides. Es gibt auch manche

erwachsene, ältere und finanziell unabhängige Leute, die

sich islamisch trauen lassen und auf das Standesamt verzichten.

Diese wären theologisch Eheleute, aber juristisch

vor dem Staat Lebensgefährten. Für mich ist das Wichtigste

jeglichen Missbrauch im Vorhinein auszuschließen.

Ist Alkohol trinken erlaubt?

Nein. Was in größeren Mengen betrunken macht, ist auch in

kleineren Mengen zu vermeiden.

Ist Marihuana erlaubt?

Haram – „Verboten“ – hat mehrere Stufen. Haschisch

(Marihuana) muss unbedingt vermieden werden, fällt aber

nicht in die gleiche Kategorie wie Alkohol und harte Drogen.

Faustregel: Generell ist von allen Mitteln, die zu einer

Beeinträchtigung des geistigen Vermögens führen und die

gesundheitsschädigend sind (also auch Extasy-Tabletten

und ähnliches) aus islamischer Sicht Abstand zu halten.

Was passiert dem Glauben nach, wenn sie diese Sünden

begehen? Im Christentum gibt es ja die Beichte, wie sieht

das im Islam aus?

Im Islam ist die Beichte ausschließlich zwischen dem/der

Einzelnen und Gott. Eine ehrliche Reue bringt eine Vergebung

der Sünden, wenn damit die Absicht verbunden ist

diese Verfehlung nicht wieder zu begehen. Aber Achtung:

Sünden gegenüber Menschen sind erst mit den Menschen

auszumachen. Bei Verleumdungen, Beleidigungen, Betrug

etc. muss erst die Wiedergutmachung und die Verzeihung

der Beschädigten kommen. Erst danach kann ein Muslim

auch von Allah Vergebung erwarten.

Promille müssen

draußen bleiben.

wienerlinien.at/hausordnung

Fahr Fair!

Rücksicht

nehmen

ist in.


ZU FETT

FÜR DIE

LIEBE

„Hey, Salme! Roll mal rüber!“,

ruft mir ein Mädchen zu. Sie wippt

ausgelassen auf ihrer Schaukel, ihre

Freundin lacht über ihr Kommentar.

Ich bin zu diesem Zeitpunkt zehn

Jahre alt und es ist nicht das

erste Mal, dass mein Körper zur

Zielscheibe des Spotts wird.

Von Salme Taha Ali Mohamed

Heute bin ich 21 Jahre alt und lerne langsam,

meinen Körper und mich zu lieben. Jahrelang

wurde ich für mein Aussehen kritisiert

und gemobbt. Es ist schwer, zu beschreiben,

wie man sich fühlt, wenn man jeden Tag Beleidigungen

und Witze über sein eigenes Aussehen ertragen muss

oder wenn man für die Art, wie man aussieht oder

wie viel man wiegt, gemobbt wird. Es ist schwer, zu

beschreiben, wie man sich fühlt, wenn man unter Menschen

aufwächst, die einem immer wieder sagen, dass

man hübsch sein könnte, würde man bloß abnehmen.

Es ist schwer, zu beschreiben, wie man sich fühlt, wenn

Burschen in deiner Klasse Tag ein Tag aus so tun, als ob

der Boden unter deinem Gewicht gleich zusammenbrechen

würde, weil du darauf gehst und dir suggerieren,

dass dich wegen deines Aussehens niemals jemand

lieben wird.

SPORT WAR EIN SPIESSRUTENLAUF

Irgendwann hat dieser ganze Spott dazu geführt,

dass ich all die Schikane geglaubt habe. Dass ich all

das verdient habe, weil ich fett bin und dafür bestraft

werden muss. Der daraus resultierende Selbsthass und

die Scham haben mich in meinem Leben eingeschränkt

und meine Handlungen, Gedanken und Emotionen

beeinflusst. Ich habe mich lange nicht getraut, Sachen

anzuziehen, die zu eng sein könnten oder zu viel Haut

zu zeigen, geschweige denn mit jemandem offen über

all das zu sprechen. Im Spiegel habe ich mich lange nur

aus der Ferne betrachtet oder jene verwendet, in denen

nur mein Gesicht zu sehen ist, damit ich meinen verhassten

Körper nicht sehen muss. Sport war für mich ein

reiner Spießrutenlauf, weil ich nicht aufhören konnte, die

ganze Zeit, daran zu denken, dass mich wahrscheinlich

alle dabei anstarren und auslachen.

Manche mögen jetzt meinen, dass das normal für Kinder

ist. Jeder weiß doch, wie grausam Kinder sein können.

Aber solche Kommentare kamen nicht nur von Kindern,

sondern auch von Erwachsenen wie etwa LehrerInnen.

Und je älter ich wurde, desto mehr Erwachsene fingen

an, meinen Körper zu kommentieren. Manche waren

entfernte Bekannte meiner Familie, mit denen ich das

erste Mal sprach und die mir nach einiger Zeit Tipps

gaben, wie ich am besten abnehmen kann. Einfach so,

ohne dass ich je gefragt hätte. Andere waren wiederum

Leute auf der Straße, mit denen ich nie ein Wort

gewechselt habe und die dachten, dass ich nicht hören

oder sehen kann, wie sie auf mich zeigen und spotten.

Einige von ihnen waren Freundinnen, die alle Probleme

auf mein Gewicht geschoben haben. „X ist doch gar

nicht dein Problem! Wenn du abnimmst, werden sich all

deine Sorgen in Luft auflösen, du wirst sehen!“

BODYSHAMING BETRIFFT JEDE FRAU

Aber Bodyshaming ist nicht nur ein Problem, das

übergewichtige Frauen betrifft, es ist das Problem

aller Frauen in unserer Gesellschaft. Ich bin noch nie

einer Frau begegnet, die nicht mit ihrem Aussehen

zu kämpfen hatte und der nicht auf irgendeine Weise

beigebracht wurde, dass sie noch viel an sich verändern

muss, bevor sie sich selbst als schön bezeichnen darf. In

der Schule, an der Uni, in öffentlichen Verkehrsmitteln,

in meinem Freundinnenkreis höre ich immer wieder die

gleichen Beschwerden: Die einen reden darüber, dass

sie sich mit ihren kleinen Brüsten nicht weiblich genug

fühlen, während andere bestimmte Körperteile wie ihre

Nase oder ihre Lippen hässlich finden.

Aber wie kann es auch anders sein? In einer Gesellschaft,

in der nur Wert darauf gelegt wird, wie eine Frau

aussieht, und Mädchen von klein auf dazu erzogen werden,

dass hübsch zu sein eines der größten Ziele ist, die

sie im Leben erzielen können, ist der Schönheitswahn

vorprogrammiert. Ich könnte hier eine ganze Liste von

Gründen nennen, wieso der Selbsthass von Frauen die

Schuld unserer Gesellschaft ist. Schminktaschen werden

an kleine Schulmädchen verkauft und dicke Frauen dienen

im Fernsehen nur als Pointe eines geschmacklosen

Scherzes. Jeden Frühling sehen wir die immer gleichen

Werbeplakate und Fernsehwerbungen, die einen daran

erinnern, jetzt schon am „Beach Body“ zu arbeiten.

76 / MIT SCHARF /


Magazine veröffentlichen Schnappschüsse von weiblichen

Stars, die ungeschminkt und unschmeichelhaft

fotografiert wurden, um sie dann dafür zu verurteilen.

Die Liste ist endlos lang.

„ALL BODIES ARE GOOD BODIES“

Mittlerweile habe ich gelernt, meinen Körper zu akzeptieren

und sogar zu lieben – so wie er ist. Dank einer

Therapie und der Body Positivity Bewegung, die ich

online kennengelernt habe, habe ich es geschafft, mein

Körperbild zu ändern und die Schönheitsideale, die mir

eingetrichtert wurden, zu hinterfragen. Was mir vor

allem geholfen hat, war zu sehen, wie Frauen mit einem

ähnlichen Gewicht ihre Körper feiern, indem sie Fotos

von sich selbst in kurzen Kleidern und engen Leggings

auf Social Media Kanälen posten - und dafür mit Komplimenten

überschüttet werden. Worte können nicht

ausdrücken, was für eine Erleichterung man fühlt, wenn

man all diese Fotos von Frauen sieht, die den gleichen

Körper haben, für den man ein Leben lang verhöhnt

wurde, und dann als süß, wunderschön, sexy und

umwerfend bezeichnet werden. Fett hin oder her.

Ich habe mich dann lange gefragt, was eigentlich der

Unterschied zwischen mir und all diesen Frauen ist. Ich

bewundere jede einzelne von ihnen und dennoch fällt es

mir schwer, mich selbst als schön zu sehen. Vielleicht

geht es bei der Schönheit nicht um die Körpergröße

oder –form einer Person. Vielleicht ist Schönheit kein

exklusiver Club, zu dem nur einige Frauen Zutritt haben.

Vielleicht ist ja jede Frau schön, selbst wenn die Gesellschaft

ihr etwas anderes suggeriert.

Eine Sache steht jedoch fest: Diese Selbstliebe war

verdammt harte Arbeit und hat sehr lange gedauert.

Unzähligen Frauen geht es heute noch so und unzähligen

Frauen wird es weiterhin so gehen, wenn sich nicht

bald etwas ändert. Wir müssen das gesellschaftliche

Schönheitsideal endlich verändern. Menschen dürfen

andere nicht für ihre Äußerlichkeiten niedermachen. Uns

macht so viel mehr aus. ●

Salme Taha Ali Mohamed

(21) studiert derzeit Linguistik

und Geschichte an der

Universität Wien.

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MEINUNG

JUGEND

OHNE GOTT?

Viele christliche Jugendliche haben Angst sich zu ihrem

Glauben zu bekennen. „Glaube“ ist für viele junge Christen

etwas Privates, etwas, über das man nicht so viel reden

sollte. Aus Angst, im Alltagsleben von der Gesellschaft

ausgegrenzt zu werden oder keinen Job zu finden, leben

manche Christen ihren Glauben nicht offen aus. Manche

haben Angst, dass die verschiedenen Personen, die rund

um einen sind (Freunde, Familie, Lehrer/innen etc.), es

negativ bewerten. Religion ist uncool, denken sie. Unter

einigen muslimischen Jugendlichen ist es dagegen gerade

im Trend, seine Religion offen zu leben. Das finde ich gut,

solange man niemanden einschränkt.

EIN TEIL VON MIR

Für mich selbst sind die Dinge, an die ich glaube, ein Teil

von mir, eine Eigenschaft, die mich beschreibt, und wer das

nicht akzeptiert, soll es auch einfach nicht tun.

In vielen (meist evangelischen) Gemeinden gibt es viele

Jugendprojekte und Freizeitaktivitäten, wo gläubige

Jugendliche andere gläubige Jugendliche treffen und

meistens etwas miteinander unternehmen können oder

Gesellschaft haben.

GOTT HÄNGT IN DER LUFT

Das heißt natürlich nicht, dass man mit allen anderen

Kollegen/innen jede Konversation mit Jesus anfangen

sollte oder irgendwelche Bibelstellen zitiert; hier geht es

nur um die öffentliche Bekennung zu unserer Religion.

Eine österreichische Jugendwertestudie zeigt, dass 69

Prozent der Jugend zwar an Gott glaubt, aber dies nicht mit

ihrem Alltagsleben verbinden will oder kann. „Gott hängt

in der Luft“, sagt Studienautorin Regina Pollak über ihre

Analyse. Es sei denn, Glaube befindet sich in „Entwicklung“

und das könnte ein Teil davon sein.

WARUM MÄDCHEN UND JUNGS

BEFREUNDET SEIN KÖNNEN

Viele Leute behaupten, dass Jungs und Mädchen nicht

befreundet sein können, das entspricht aber nicht der

Wahrheit. Jeder kann mit jedem befreundet sein. Mein

bester Freund ist ein Junge. Viele fragen uns: ,,Oh, seid

ihr zusammen?“ oder sie geben blöde Bemerkungen ab.

Das nervt uns beide sehr, weil wir beste Freunde sind –

mehr nicht.

FREUNDSCHAFT IST FREUNDSCHAFT

Manche meinen auch, dass Mädchen und Jungs keine

Gemeinsamkeiten haben. Dem kann ich nicht zustimmen.

Wenn man sich mag und sich Dinge anvertraut, dann fühlt

es sich so an, als ob diese Person dich in- und auswendig

kennt. Da ist auch das Aussehen übrigens auch unwichtig.

Freundschaft ist Freundschaft.

Klar gibt es Freunde, die sich ineinander verlieben,

das kann passieren, muss aber nicht sein. Manchmal

passiert es auch, dass sich nur eine Person verliebt

und das Gegenüber das nicht möchte – so könnte eine

Freundschaft im schlimmsten Fall auch enden. Das ist

sehr schade, aber so ist das Leben. Gefühle kann man

nicht kontrollieren.

TROTZDEM

Trotzdem können Mädchen und Jungs Freunde sein. Denn

nicht hinter jeder Freundschaft steckt heimliche Liebe.

Wenn zwei Menschen das gleiche Hobby, den gleichen

Humor oder die gleiche Meinung zu einem Thema haben,

ist das Geschlecht ganz nebensächlich.

Janette Zurzevic ist 13 und besucht die 4C in der NMS Feuerbach.

Meine Empfehlung: Religion sollte euch nicht

einschüchtern, glaubt an was ihr wollt, aber verheimlicht

euren Glauben nicht!

Filip Buna ist 18 und besucht das Gymnasium Brigittenau.

Christoph Liebentritt

78 / / RAMBAZAMBA MIT SCHARF /

/


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KulturaNews

Vergiss verstaubte

Museen.

Von Jelena Pantić

Was darf man sich

noch anschauen?

Man lässt uns einfach keine schönen Dinge haben. Die

#metoo Bewegung hat die widerlichsten Dinge an die

Oberfläche geholt. Irgendwo im Hinterkopf denkt man

sich ja, dass die Hollywood-Elite wahrscheinlich pervers

ist und ihre Macht ausnutzt. Es trifft uns aber härter,

wenn es Leute sind, die wir anhimmeln. In Zeiten wie

diesen kommt die Frage auf: Kann ich mir noch Filme

von Menschen ansehen, von denen ich weiß, dass sie

Frauen sexuell missbrauchen und belästigen? Hm, können

schon. Müssen, nein. Sollen wahrscheinlich auch nicht.

Bei Schauspielern ist ihre Arbeit so sehr mit ihnen selbst

verstrickt, dass ich Parallelen ziehe und ihre Werke auch

nicht mehr genießen kann. Wenn man Umbruch will, muss

man sie nämlich dort treffen, wo es am meisten wehtut:

am Konto. Ich will einfach keine Widerlinge sponsern.

Jetzt würden manche sagen: Aber wenn wir so denken,

dann können wir uns ja nichts mehr anhören oder

ansehen? Dazu kann ich nur sagen: Wenn alle unsere

Idole Widerlinge sind, dann brauchen wir vielleicht einfach

bessere Idole. pantic@dasbiber.at

I WANT TO DISAPPEAR

Im Buch „I want to disappear“ teilen 20 junge

Frauen ihre Erfahrungen mit Essstörungen. Mafalda

Rakoš hat ihre Protagonistinnen jahrelang

begleitet, fotografiert und interviewt. Die intimen

Portraits, Erinnerungen und Erlebnisse der Betroffenen

geben Einblick in die persönlichen Konflikte,

Brüche und Unsicherheiten, die an der Wurzel

dieser Erkrankung liegen. Eines wird dabei schnell

klar: Essstörungen sind definitiv kein Zeichen von

Schwäche. Und man ist keinesfalls damit allein.

TEHERAN TABU

Die Schicksale vier junger Menschen in Teheran

prallen auf ihrer verzweifelten Suche nach Freiheit

und Glück aufeinander. Regisseur Ali Soozandeh

gibt im Animationsfilm “Teheran Tabu” Einblick

in den schizophrenen Alltag des heutigen Iran:

streng religiöse Gesetze und Unterdrückung einerseits,

Sex, Drogen und Korruption andererseits.

Weitere Infos auf teherantabu-film.de

Mafalda Rakoš, Jan Schiefermair, bereitgestellt, Marko Mestrović

80 / KULTURA MIT SCHARF / /


4 FRAGEN AN:

10 th edition

Regisseurin

Sou Abadi

Von Jelena Pantić

Die gebürtige Iranerin und

Regisseurin Sou Abadi lebt

seit ihrem 14. Lebensjahr

in Frankreich und gab mit

der politischen Komödie

„Voll Verschleiert“ ihr

Regie-Debüt.

BIBER: Als Leylas Bruder aus dem Yemen radikalisiert zurückkehrt, drohen

alle ihre Träume zu zerplatzen. Plötzlich wird ihr Leben von jemand anderem

kontrolliert. Hattest du jemals dieses Gefühl?

SOU ABADI: Wenn ich diese Erfahrung gemacht habe, dann ging die Kontrolle

vom Staat aus, nicht von meiner Familie. Ich bin die einzige Tochter meines

Vaters und er sagte bei meiner Geburt: “Die Frauen in unserem Land sind so

unglücklich. Ich will, dass meine Tochter anders aufwächst.” Und so hat er

mich erzogen.

Du selbst bist überhaupt nicht

religiös. Kannst du nachvollziehen,

warum jemand, wie Mahmoud zum

Beispiel, Rückzug und Hoffnung in

der Religion findet?

Ich verstehe ihn absolut und es tut

mir leid, diesen Zugang zu Religion

nicht zu haben. Es ist eine Tatsache,

dass Religion viel Trost spenden

kann, vor allem im Umgang mit dem

Tod.

Hast du die Inspiration aus der

politischen Situation oder aus deinem

persönlichen Umfeld genommen?

Definitiv aus meinem persönlichen

Umfeld. Ich habe 2012 begonnen zu

schreiben, da gab es noch nicht so

viele Attentate. Mein Schreiben wurde

von der Realität eingeholt. Fast als

hätte jemand mein Drehbuch gelesen.

Ich habe als Teenager den Iran

verlassen, um dem religiösen Fanatismus zu entfliehen. Viele Jahre später lebe

ich nun in einem Frankreich, wo dieser Fanatismus Teil des Alltags geworden ist

und mich wieder einholt.

Du hast für deinen Film Humor als Mittel gewählt. Welche Lösungen siehst du

sonst in Deradikalisierung?

Die grundlegende Lösung liegt darin, eine langfristige Lösung zu finden.

Wie bringe ich Bildung in gewisse Bevölkerungsschichten, die am Rande der

Gesellschaft sind? Und das nicht nur in Frankreich und in Europa, sondern im

Nahen und Mittleren Osten. Man hat diese Länder lange in extremer Armut und

mangelnder Schulbildung sein lassen, hat wenig investiert und was erwartet

man von solchen politischen Entscheidungen? Man muss aufhören kurzfristig

zu reagieren und nur die wirtschaftlichen Interessen der europäischen Länder

zu bedenken. Man muss einsehen, dass unsere Politik aus dem Westen

Konsequenzen mit sich zieht.

„Voll Verschleiert“ feiert am 28.12.2017 Premiere.

VOLL VERSCHLEIERT:

Leilas Bruder Mahmoud

kommt radikalisiert aus

dem Yemen und will

zuhause strenge Regeln

für seine Geschwister

einführen. In diese Regeln

passt Leilas Freund

Armand nicht. Um sie

weiterhin zu treffen,

verkleidet er sich unter

einer Niqab. Blöd nur,

dass Mahmoud sich in die

falsche Hijabi verliebt.

schikaneder

gartenbaukino

filmcasino

NOV 30th / DEC 10th 2017

www . thishumanworld . com

THIS

HUMAN

WORLD

top kino

brunnenpassage

stand 129

Zum zehnten Mal werden beim

Filmfestival “This Human World”

die Rechte der Menschen und

deren Durchsetzung in den

Fokus gerückt. Von 30. November

bis 10. Dezember 2017

gibt es zur Jubiläumsausgabe

über 100 Spiel-, Dokumentar-

und Kurzfilme sowie ein

umfangreiches Rahmenprogramm

in Form von Performances,

Workshops, Lectures

und Diskussionen mit führenden

ExpertInnen und FilmemacherInnen

aus aller Welt. Den Auftakt

macht am 30. November die

Doku “Weapon Of Choice” über

die Glock - österreichische Beststeller-Waffe

und Fetischobjekt

von Rappern und Waffennarren

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/ KULTURA / 81


„Die Leiden des jungen Todors“

Von Todor Ovtcharov

Nikolaus und Krampus

Vom Nikolaus erfuhr ich vor ungefähr

10 Jahren. Ich wusste nichts von ihm,

bevor ich nach Wien gezogen bin. In

meiner frühen Kindheit gab es Väterchen

Frost, der zu Silvester kam. Danach, gleichzeitig mit

dem Mauerfall, kam der Weihnachtsmann in seinem

Coca Cola Truck. Später wohnte ich in Berlin und der

Weihnachtsmann flog in seinem Schlitten an unserem

Fenster vorbei, deshalb mussten wir unsere Briefe

daran ankleben.

Ich wollte immer der Weihnachtsmann sein, da

er der meisterwartete Gast auf der Welt ist. In Wien

aber stoße ich auf Nikolaus, der den braven Kindern

Geschenke und Süßigkeiten bringt. Man muss ja

irgendwo anfangen. Wenn ich nicht der Weihnachstmann

sein kann, kann ich wenigstens Nikolaus sein.

Ich bewarb mich für einen Nikolausjob. Eine Agentur

suchte Studenten, die Nikolaus für 8 Euro die Stunde

sein wollten. Ich rief an, um mich zu bewerben. „Es

freut mich sehr, dass Sie sich in unserer Firma als

Nikolaus bewerben, wie heißen Sie denn?“, sagte

eine freundlihe Stimme am Telefon. „Todor Ovtcharov“,

antwortete ich. „Wie?!“ - ich wiederholte

meinen Namen. „Aha“, sagte die Stimme, dieses Mal

nicht mehr so freundlich. „Wollen Sie nicht doch lieber

der Krampus sein, der von Nikolaus verjagt wird?

Sie werden eine Maske mit Hörnern anhaben und Sie

müssen nur knurren, nicht sprechen. Und die Bezahlung

ist nur mit einem Euro die Stunde weniger.“ Es

schien so, dass Nikolaus kein Ausländer sein konnte.

Ich war einverstanden Krampus zu sein.

Am Nikolaustag bekam ich Anweisungen, was

ich als Monster tun soll: ich musste die Kinder

erschrecken, aber nicht zu viel, denn manche Eltern

beschweren sich, wenn ihre Kinder nicht schlafen

können, nachdem sie von Krampus besucht werden.

Ich musste ein moderater Krampus sein. Ich

musste mit meinen Glocken läuten und meine Zunge

zeigen, aber den Kindern nicht zu Nahe treten. Ich

war einverstanden. Ich traf auf meinen Nikolaus, mit

dem wir ein Paar waren. Das war Gerhard. Gerhard

wurde im 10. Wiener Gemeindebezirk geboren. Sein

Horizont reichte bis zum 11. Bezirk. Er war ganz

passend für einen Nikolaus – blond und helläugig,

außerdem sprach er ein einwandfreies Wienerisch.

Ich sagte zu ihm, dass wir wie im Kino seien – er

ist der Good Cop und ich bin der Bad Cop. Gerhard

sagte, dass er keine Filme schaut. Sie seien ihm zu

lang und er schlafe immer ein. Mein Good Cop–Bad

Cop-Witz zeigte keine Wirkung. Ich erzählte ihm, wie

ich mir als Kind vom Väterchen Frost einen LKW mit

blauer Karosserie gewünscht habe, und er brachte

mir einen mit roter, was mich traurig machte. Men

Vater, der als Väterchen Frost angekleidet war und

alle Geschäfte durchstöbert hatte, um mir den blöden

LKW zu finden, zündete fast seinen Bart mit einem

Bengalfeuer an. Das interessierte Gerhard gar nicht.

„Ich will, dass meine Kinder an Nikolaus glauben und

nicht an irgendwelche erfundenen „Väterchen“! Das

hier ist ein christliches Land!“ Ich versuchte ihm zu

erklären, dass Väterchen Frost kein Muslim ist, aber

er hörte gar nicht zu. „Alle mit langen Bärten gehören

zur ISIS!“ In dem Moment zog er seinen Nikolausbart

an. Ich machte dasselbe mit meiner Krampusmaske.

Danach musste ich nur die Kinder erschrecken. Gerhard

sprach lieb zu ihnen und streichelte sie an den

Köpfen und vor mir rannen sie weg. ●

82 / MIT SCHARF /


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