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E_1930_Zeitung_Nr.082

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Bern, Dienstag 30.

Bern, Dienstag 30. September 1930 III. Blatt der „Automobil-Revue" No. 82 Die Puppe auf dem zweiten Sattel Von Karl Lütge. Aus einer unwahrscheinlich grossen Staubwolke kam ein blinkendes Etwas hervorgeschossen; es hielt jäh inne, und ein Motorradfahrer wurde sichtbar. Er hatte die Brille emporgeschoben und winkte den Fussgänger herbei. «Darf ich Sie einladen? — Hier hinter mir ist ein Plätzchen frei!» Die Aussicht auf eine sausende Rekordfahrt hatte für den Fussgänger — Viktor Gelling — durchaus nichts Verlockendes; im Gegenteil, da er die Bahn nicht benutzt hatte und gemächlich und im geruhsamen Wandern ans Ziel gelangen wollte, so hatte er allen Grund, entschieden die Zumutung zurückzuweisen, als Ballast mitgenommen zu werden. Das verhehlte er dem wilden Fahrer nicht. Dieser verzog das Gesipht zu einer Fratze, schob die Brille herab, fingerte an den Hebein der Maschine und kommandierte: «Steigen Sie auf!» «Erlauben Sie!» Der Motorradfahrer zog einen kleinen, blitzenden Revolver. «Steigen Sie auf!» Der Wald ertönte vom Gekläff des Motors. Viktor Gelling sass festgeklammert an dem Fahrer, unfähig, sich zu wehren, rettungslos verloren, wenn er durch einen Ruck oder einen Stoss an dem Fahrer Vergeltung hätte üben wollen. In Windeseile stob das Paar auf dem Motorrade dahin. Die ebene, weisse Strasse wurde Kilometer um Kilometer verschluckt. — Die Stadt, in die Viktor Gelling wollte, lag zwanzig, dreissig, vierzig Kilometer zurück. Schneller als er denken konnte, flogen die Kilometersteine vorüber. Viktor Gelling sass zusammengekauert, fassungslos im zweiten Sattel. Er spürte kein Glied mehr. Dumpf war die Hoffnung in ihm, dass der Benzinvorrat bald ein Ende nehmen müsse und damit die rasende Fahrt für ihn zu Ende sei. Allein das Teufelsrad kannte keine Müdigkeit. Es stob über Brücken, kletterte Berge hinan, sauste zu Tal, lärmte durch Wälder, pfiff über Ebenen. Städte kamen und gingen. Dörfer entwichen schemen- Tiaft. — Waren fünfzig, hundert, zweihundert, dreihundert Kilometer verschluckt? Die Nacht brach herein. Das Weiss der Strasse stumpfte ab in ein verschwommenes Grau. Die Bäume an der Strasse nahmen groteske Formen an und das Gekläff des Motors war unheimlicher noch als am Tage. Zweimal hatte man den Benzinvorrat ergänzt. Unter dem Zwange der drohenden Augen des Motorradfahrers war Viktor Gelling dabei behilflich gewesen. Der junge Fahrer wandte sich nicht beider Fahrt. Er blickte nicht links, nicht rechts. Dass er jung war, hatte Viktor Gelling unschwer an der hellen, mädchenhaften Stimme zu erkennen vermocht. Ueberdies fühlte sich der Körper des Fahrers merkwürdig weich, beinahe frauenhaft an. Bei der Dunkelheit kamen Viktor Gelling diese Beobachtungen stärker als am Tage, und sein Entschluss, der unwürdigen Rolle, die er im zweiten Sattel zu spielen hatte, ein Ende zu machen, stärkte sich. Die Strasse verschwamm in den Nebelschleiern des Abends. «Halten Sie endlich ein!», rief Viktor Gelling, als eine Ortschaft sich durch vereinzelte Häuser ankündigte. «Nein!», rief es vorn kalt und kurz. «Sie zwingen mich, die Polizei hier im Ort zu benachrichtigen.» «Das werden Sie nicht tun, da es Ihr Schaden wäre, mein Freund!» «Sie sind auf der Flucht, Sie haben irgendein Verbrechen begangen und haben mich mitgenommen, um Ihre Spur zu verwischen!» Der Motorradfahrer stellte die Maschine ab. Er sprang aus dem Sattel. Der zierliche Revolver blitzte im Mondlicht. «Sie verfügen über eine ausgezeichnete Kombinationsgabe. Es stimmt, was Sie da sagen! Ja, ich bin auf der Flucht, ich werde gesucht — alles stimmt!» «Um so mehr habe ich die Pflicht, Sie zur Anzeige zu bringen — ungeachtet Ihres Revolvers, der schwerlich geladen ist.» «Das werden Sie nicht tun! Denn Sie würden als mein Komplize mit mir gemeinsam verhaftet werden.» «Mein Gewissen ist rein.» Ein spöttisches Lachen. «Gewissen! — Ich sage gegen Sie aus — und der Schein ist gegen Sie, mein Herr!» Viktor Gelling reckte sich. «Selbst auf diese Gefahr hin werde ich es tun!» Das helle, spöttische Klirren eines Lachens endete in seufzendem Winseln. Eine Stimme, seltsam verändert, flehte : «Wenn ich Ihnen sage, dass ich eine Frau bin, die diese tolle Flucht ausführte, wenn ich Ihnen sage, dass ich noch in der Nacht bis zur Grenze muss — verweigern Sie mir weiterhin Ihren Beistand?» «Ich bin Ihnen kein Beistand — nur eine Puppe. — Nehmen Sie eine andere Puppe auf, meine verkleidete Dame!» trotzte Viktor Gelling. «Auf!» befahl die Frau. «Ein Wort, meine Gnädigste, warum fliehen Sie?» «Sie sollen es am Ziel erfahren » Schweigend stieg Viktor Gelling auf den zweiten Sattel. Das Motorrad schluckte die nächtliche Strasse. Südwärts ging die. nächtliche Fahrt. Drüben, vom Mondschein übergössen, musste der Rhein fliessen. Die Strasse ging weitab durch Felder, Dörfer und Gärten. Die Frau im ersten Sattel fuhr bei einer Biegung jäh auf. Ein Lichtkegel schob sich hinter ihnen tückisch heran. Beim Umblicken erkannte man ein Polizeiauto. Viktor Gelling sass fiebernd im Sattel. Jeden Augenblick musste die Katastrophe eintreten: Erwischt oder zerschellt. So oder so. Ein Ruck. Die Maschine flog um die Ecke. Die grosse Strasse ging geradeaus. Dort war der Rhein. Mit abgeblendetem Licht ging die Fahrt, auf einer Nebenstrasse, westwärts zum Rhein. Taktmässig arbeitete der Motor. Vorsichtig frass sich das abgeschwächte Licht der Laterne ins Dunkel. «Wir haben nur noch für zwei, drei Kilometer Brennstoff», rief die FTau. Viktor Gelling antwortete nicht, obwohl er den heissen Drang zu helfen hatte. «Sie haben unsere Spur!» Die Strasse ging kreuz und quer. Von einem Loch flogen sie ins andere und schleuderten lebensgefährlich. Das Auto kam näher heran. Sein Licht hatte die Maschine bereits ergriffen. Ein Schuss pfiff hoch durch die Luft. Da schrie die Frau auf: «Der Rhein! Der Rhein!» ' Silbern gingen die Wellen gegen die Ufer an; breit ergoss sich der Strom im Nachtdunkel. Auf Minuten war der Mond verschwunden. Hell fiel das Licht des Scheinwerfers des Polizeiautos auf die Flüchtlinge. «Springen Sie ab!» rief die Frau. Instinktmässig sprang Viktor Gelling ab und fiel'auf Rasen. Ein halber Schrei, ein Plantschen, Zischen, Glucksen — dann war das Polizeiauto heran, und der Scheinwerfer Hess die Ringe auf dem WasseT erkennen, die die Frau und die Maschine aus der Tiefe des Rheins sandten. Viktor Gelling wurde infolge seines guten Leumundes in der Mordsache Camillo Nissen freigesprochen. Das Verhältnis zu der Berliner Tänzerin E. St. wäre zu absurd gewesen. Er galt als Weiberfeind und Sonderling. Nie hatte man ihn nach Berlin fahren,, noch Besuche einer Dame empfangen sehen! So glaubte man, dass er nichts von dem Morde wusste, den die Tänzerin an ihrem Impresario und Geliebten Camillo Nissen ei- ner angeblichen Untreue halber begangen hatte, und glaubte, dass er nur zur Füllung des zweiten Sattels von der resoluten, Sport-, erfahrenen jungen Dame mitgenommen worden war und weder zu Beginn der Fahrt noch später Mut genug zum Entweichen bezeigte. Chicagos Wissenschaften Eine Hochschule des Verbrechens. Das zum Gewerbe gewordene Verbrechen beansprucht heute eigene Techniker, und so haben Anforderungen und leichte Verdienstmöglichkeiten der «Rackets» in Chicago ein© Art Hochschule ins Leben gerufen, in der, wie man der «Frankf. Ztg.» berichtet, die technischen Verfeinerungen der betreffenden Fächer gelehrt werden. Fenstereinschläger sind in Chicago zum Beispiel nicht Leute, die auf primitive Weise irgendwie Ziegelsteine durchs Fenster werfen, sondern Experten, welche durch eine besondere, nach oben gerichtete Wurfart, Scheiben jeder Grosse und Dicke total zertrümmern können. Dynamitlegen ist eine Kunst, die offenbar besondere Schulung verlangt, wenn es heisst, die ganze Fassade eines Miethauses oder die Seitenwand einer Autogarage nach sorgfältiger Drahtlegung mit einer wohlplazierten Bewegung in die Luft zu sprengen. Brandstiftung ist gleichfalls eine ziemlich komplizierte Sache; denn man muss das Geheimnis kennen, Brennstoffe erfahrungsgemäss so gleichmässig zu verteilen, dass vor Ankunft der Feuerwehr das betreffende Gebäude bereits in hellen Flammen steht. Und was Bombenwerfen anbelangt, so gibt es Dutzende von Variationen von der sogenannten «Ananas»-Art an, die nur Furcht und Schrecken hervorrufen soll, bis zum «Grossen Husten» mit beabsichtigtem Mord. Die Säurenwerfer beschäftigen sich hauptsächlich mit der Zerstörung kostspieliger Kleidungsstücke in denjenigen Läden, deren Besitzer sich mit den «Racketeers» nicht geeinigt haben. Ins Gesicht geschleudertes Vitriol ist eine alte Abart. Das «Racketeer»-Geschäft beherrscht demnach offensichtlich auch andere Geschäftszweige als nur den Alkoholschmuggel, wie vielfach angenommen wird; die mit dem Trinkverbot zusammenhängenden Morde erfreuen sich, dank der sie begleitenden Sensation, nur grösserer Publizität. Tatsächlich sind in Chicago über 100 verbrecherische « Rackets » eingetragen, die mit dem Handel mit verbotenen Getränken in keinerlei Beziehung stehen. Mit Ausnahme der Tötung des Zeitungsberichterstatters Alfred Lingle werden die meisten Morde an wohlbekannten Die blaue Wand Von Richard Washbwn Chüd. autorisierte Ueberaetznag aue dem Amerikanischen von Life Landau. (Engelhorns Romanbibliotiek.) (Fortsetzung aus dem HauptblatO Dann plötzlich schwieg der Lärm, so dass nichts zu hören war als das Knattern und Zischen der Flammen, und eine Knabenstimme schrie : « Der Richter klettert vom Balkon herunter ! Er trägt was im Arm !» « Er hat das Kind ! » brüllte der Stationschef und warf seinen Hut in weitem Bogen zur Erde. « Er hat das Baby gerettet! » Ich fing an zu weinen und wunderte mich, dass die Menschen ihm nicht zujubelten. Aber es wurde nur ein© Art Gemurmel und hier und da ein leiser Ausruf hörbar, und die Leute stoben nach beiden Seiten auseinander, als der Richter auf mich zukam. « Stehen Si© auf, Margaret», sagte er. Ich blickt© auf und sah, dass er vor Rauch und Russ ganz schwarz war, bis auf ein paar weisse Streifen, wo ihm der Schweiss heruntergelaufen war. Sein Gesicht war ganz nahe dem meinen. « Stehen Sie auf! Hören Sie ! » sagte er. «Ich glaube, si© ist unverletzt, aber wir müssen nachsehen. Wir wollen hinübergehen zum Nachbar Danforth. Hier können wir nichts machen. Ich habe Julianna wieder ! » Als ob das Feuer ihm antworten wollte, so kam ein starkes Krachen und Knattern von drüben her, wie wenn irgend etwas zusammengestürzt. Ein Flammenmeer brach aus dem Dach hervor — wie eine feuerrote Knospe, die zu einer riesigen Blüte mit vielen Staubfäden wird. Es sah grässlich aus, wie di© Schieferplatten sich bogen und hi einem feurigen Strom zu Boden stürzten, als wären sie Tropfen heissen Metalls. Ich kann mich nicht mehr erinnern, wie wir in das Haus des Nachbars gelangten oder wer uns begrüsste, und wie wir in das Zimmer des zweiten Stockes kamen, wo auf dem Schreibtisch eine Kerze brannte. Ich bemerkte nur, wie klein und komisch die Flamme aussah und lachte auf. Und ich glaube, da erwacht© ich erst — erwachte jetzt erst richtig aus meinem Schlaf. « Ich war spazieren gegangen >, sagte der Richter. < Ich hatte Kopfweh und konnte nicht schlafen. Ich hatte die Lampe auf den Spieltisch gestellt, der Fenstervorhang muss hineingeweht haben. Wir müssen Gott danken. Wir können von Glück, wirklich von Glück sagen.» Er ging dabei auf und nieder wie ein Löwe im Käfig. «Ich dank© Gott, dass Eleanor, meine Frau, nicht dabei war», fuhr er hastig fort. «Sie ist immer zart gewesen. Hat viel Sorge — viel Kummer gehabt. Ein Schreck würde sie töten — so ein Schreck. Grosser Gott, wir können von Glück sagen !» Ich stand auf und strich mir das wirre Haar aus dem Gesicht. « Jetzt ist alles gut », fuhr er mit schwerer Zunge fort. < Julianna ist gerettet. Der kleine Spitzbub© ist voller Russ, aber heil. Blasen Sie das Licht aus. Es wird draussen hell. Es dämmert.» Das Kind auf dem Bett streckte die rosigen Füsschen aus den langen Kleidern hervor und Hess ein Lallen hören, wir um zu zeigen, dass es erwacht sei Der Klang Hess mich aufschreien. Ich hatte mein Bewusstsein zurückerlangt. « Das andere Kind ! » schrie ich auf. « Das andere ? » fragt© er. « Welches andere ? » (Fortsetz, folgt.) Was ist das? Nun, mancher weiss nicht,, dass gewöhnlicher Kaffee eine Droge, „Coffein" genannt, enthält, die natürlich mitgetrunken wird. - Dieses Coffein, täglich unfreiwillig dem Körper zugeführt, kann bei vielen Menschen lästige Reizwirkungen auf Herz, Nerven und Nieren ausüben. Meistens wird der Grund hiefür überall gesucht, nur nicht dort, wo er zu finden ist: im täglichen Kaffee, im Coffein. - Wer aber die Heimtücke des Coffeins durch Selbstbeobachtung kennt, der wird es meiden und den coffeinfreien Kaffee Hag trinken, der ihm alles gibt, was er von einem guten Kaffee verlangt, aber ohne die Coffeinwirkungen. Kaffee Hag ist sein Kaffee, der Kaffee des Wissenden.

18 AUTOMOBIL-REVUE 1930 - NO 82 «Gangsters» durch und für solche Banditen begangen. Mit schauerlich wenigen Ausnahmen suchen sich die «Racketeers» friedliche Bürger aus, die sie zuerst bedrohen, dann terrorisieren und schliesslich durch «Mayhem», Mord oder beides, völlig erledigen. «Mayhem» ist der technische Ausdruck für Verstümmelung, die dem Opfer jede Verteidigung oder seine weitere gewerbliche Betätigung unmöglich macht. Als die Versuche, zahnärztliche Laboratorien unter die «Rakket»-Gewalt zu bringen, ihren Höhepunkt erreicht hatten, war ein Plan ausgearbeitet worden, demzufolge mittels besonderer Schleuderer gewisse Knochen in den Händen der Laboratoriumsarbeiter zerquetscht werden konnten. Dieser schöne Plan wurde jedoch verhindert, und einer der «Handzermalmer» gelangte, reichlich mit Polizeikugeln gespickt, ins Hospital. Oefters sind bereits gleichzeitig mit den Mordaffären im ungesetzmässigen Alkoholhandel Bomben-, Verstümmelungs- und andere Attentate ans Licht gekommen. Gewalt erweckt stets weitere Gewalt, und nicht selten bestehen direkte Verbindungen zwischen den grossen Alkoholschmugglern und dem «Mokker», dem Finanzmann der Banditen. Wer jedoch glaubt, dass diese «Rackets» sich lediglich aus dem Trinkverbot entwickelt hätten, und an dem noch in nebelhafter Ferne liegenden glückhaften Tage der Regulierung der Trinkfrage gleichfalls unter gesetzmässige Kontrolle gebracht werden könnten, ist durchaus im Irrtum. Unbestreitbar hat der Getränkeschmuggel die Bestechung im Polizeiwesen ungemein vergrössert, bis es in Chicago so weit gekommen ist, dass der Bedrohte sich fürchtete, polizeiliche Meldung zu erstatten, da er nicht nur auf geringen Schutz rechnen kann, sondern vermuten muss, dass er sich womöglich an einen Verbündeten des von ihm Angeklagten wendet. Die «Geheimen Sechs», eine Chicagoer Handelsvereinigung, ebenso wie die «Lohngebervereinigung» haben daher, um dem Einschüchterungs-System entgegenzuarbeiten, ein eigenes Korps von Geheimagenten angestellt. Bombardements gehören übrigens in Chicago so sehr zu den alltäglichen Dingen wie Feuersbrünste, so dass ein in finanziellen Schwierigkeiten sich befindlicher unehrlicher Geschäftsmann die Wahl hat, sein Geschäftslokal entweder anzustecken oder in die Luft fliegen zu lassen, da er eine Versicherung für beide etwaige Fälle besitzt. Es wurde vielfach angenommen, dass die Ermordung Lingles viel zur Wiederherstellung der Ordnung in Chicago beitragen würde, aber obgleich sich zur Zeit sieben Zeitungen verschworen haben, unablässig an diesem Ziele zu arbeiten, und Tausende dem Begräbnis beiwohnten, kann man höchstens von einem kleinen Anfang sprechen. Der Mord an sich mag aufgeklärt werden, aber wer da meint, dass die Ueberführung und Verurteilung des Mörders — so eigenartig ein solcher Fall wäre, falls der Schuldige der Bande angehört — tatsächlich die herrschende Lage verbessern würde, der irrt sich gewaltig. Die Wiederherstellung der Ordnung in Amerika, kann sich nur aus dem Inneren des amerikanischen Volkes heraus vollziehen. Happy-End! Handtäschchen-Besitzerin gefunden Fast musste man den letzten verzweifelten Mut aufgeben, dass sich für das arme verwaiste Handtäschchen, das an dieser Stelle vor vier Wochen Anlass gab zu Betrachtungen über die Frau im allgemeinen und die Besitzerin der spielerischen Herrlichkeiten im besonderen, die Eigentümerin noch melden würde. Die Tasche versank von Tag zu Tag in ein immer düstereres Brüten; sie träumte irgendwo in einer Schublade des Zürcher A. G. S.-Sekretariates von zarten Händen und hauchenden Düften, die sie einst umschmeichelten; sie war ein einziger kleiner ungehörter Schrei nach den sorgenden Armen, die sie behutsam zwischen den wiegenden Körper und die Seide des Oberarmes pressten. Doch auf dem Klausen oben, wo die kleine Tragödie sich ereignet hatte und die Tasche, einsam auf einem Steine liegend, vorgefunden wurde, herrschte längst wieder olympische Ruhe, und die Sonne sank schon früher, das erste Laub wurde gelb und der Vorherbst hängte seine Schleier •über die Berge, da — da geschah es, dass uns ein kleines, ein dünnes Briefchen erreichte, worin sich als wunderbare Ueberraschung die Besitzerin des Handtäschchens verkündete. Hier ist zu lesen, was sie dem Verfasser mitzuteilen hatte: Bern, den 23. September 1930. Sehr geehrter Herr Journalist! Sie werden sicher schon angenommen haben, dass Ihre Bemühungen umsonst gewesen sind, und doch ist dies nicht der Fall! Es bereitet mir sogar Freude, Ihnen nachträglich danken zu können, und ich darf Ihnen auch gestehen, dass ich so richtig von Herzen gelacht habe, als ich Ihren Sprung in die Niagara-Fälle. Mister Bobby Leach ist der einzige Mensch, der die Niagarafätte lebendigen Leibes durchquert hat. Er tat es vor etwa 20 Jahren. Zu diesem Zweck setzte er sich in eine Stahlröhre, der Strömung und dem Schicksal gleichennassen ausgeliefert. Es war eine aufsehenerregende Fahrt. Und ein gutes, finde nahm sie auch. Aber heute spricht" kein Mensch mehr von Bobbys Wagnis, so dass Bobby ein begründetes Recht hat, das Leben langweilig zu finden. Um aber wieder ein berühmter Mann zu werden, muss er ein neues Heldenstück vollbringen. Bobby lässt sich das nicht zweimal sagen. Er weiss auch, dass wir in punkto Tollheiten verwöhnt worden sind. Deshalb bedarf es diesmal eines ganz besonderen Tricks. Bobby hat es wieder auf die Niagarafälle abgesehen. Aber diesmal stellen sich dum- Artikel las. Wie zutreffend alle Ihre Vermutungen sind! Noch einmal auf die Einzelheiten des Verlustes einzugehen, hat ja keinen Zweck, jedenfalls kann ich aus Ihrem Feuilleton klar erkennen, dass es sich um meine verlorene Tasche handelt. Ich liatte sie erst vermisst, als ich unten beim Hotel auf dem Urnerboden anlangte. Zurückzugehen war ja natürlich attssichtslos; ich glaubte die Tasche längst gefunden, und damit also für mich verloren. Da sie keine grossen Werte enthielt, unternahm ich auch keine weiteren Schritte, sie wieder zu finden. Um so mehr freut es mich nun. dass die Tasche in die Hände eines ehrlichen Finders geraten ist, der sich noch die grosse Mühe nahm und alles tat, um die Besitzerin wieder ausfindig zu machen. Die Tasche ist mir jetzt um so wertvoller geworden, und wenn ich wieder in ihrem Besitze bin, werde ich wohl noch öfters an Ihren lustigen und schmeichelhaften Artikel erinnert werden. Ich werde mir erlauben, die Tasche in nächster Zeit auf der angegebenen Stelle durch meinen Mann abholen zu lassen. Ich versichere Sie nochnwls meines besten und aufrichtigsten Dankes. Ihre Mme Bern. Nun also die beiden Verlorenen glücklich wieder gefunden sind und der Journalist das tiefbefriedigende Gefühl hat, mit Hilfe seines ach so schwachen Wortes geeint zu haben, was zusammengehört, mag der Vorhang vor der kleinen Tragödie fallen, die wie man sieht — sich in eitel Wonne aufgelöst hat. bo. Bunte Chronik aus aller Welt dem Niagara hinfliegen und im rechten Augenblick in die Stromschnellen springen. Natürlich da, wo sie am fürchterlichsten sind. Ungelöst ist einstweilen noch das Rätsel, ob Bobby hernach an das kanadische oder an das amerikanische Ufer schwimmen soll. Bobby weiss nicht, von welcher Behörde verhaftet zu werden angenehmer ist. Erkundigungen, welche Strafe er hüben und welche er drüben zu erwarten hat, werden eingeholt. Darnach richtet sich dann seine Entscheidung. Rummelplatz Im Herrschaftspark. Auf dem Gebiet der kleinen Stadt Tring in Hertfordshire hat der englische Zweig der Rothschilds einen wundervollen Besitz. Alljährlich' wird der Jahrmarkt des Nestes auf den « Grounds » des Rothschildschen Parkes abgehalten. Auf den grossen Wiesen wer- merweise ein paar Schwierigkeiten in den den Tanzzelte aufgeschlagen. Schaubuden Weg. Weder die amerikanische noch die haben Umgebungen und Hintergründe wie kanadische Regierung erlaubt es ihm, zu nirgendwo. Der Park mit verschlungenen diesem Unfug die Ufer zu betreten. Folglich denkt sich Bobby eine aparte Sache aus. delnden zur Verfügung. Eine besondere An- und verschwiegenen Pfaden steht Lustwan- Er wird in einen Aeroplan steigen, dich über ziehung für die Kinder sind die vielen Tiere, Glossierte Filmhelden Buster Keaton und Tom Mix. Truthähne, Pfauen und zahmes WlkL Mit Stolz zeigen die Einwohner dem Fremden einen Garten im Elisabethanischen Stil mit eigenartig geschnittenen Pflanzen in der Form von Stühlen, Tischen, Tieren und Vasen. Jedes Jahr einmal zum Jahrmarkt darf jeder sich in diesem wundervollen Park tummeln als Gast des Lord Rothschild. Unnötiges Gepäck. Zu den üblichen, wohlbekannten Hinweisen der Einladungskarten, wie : « Gesellschaftsanzug » und dergl., hat sich jetzt in Frankreich eine neue Formel gesellt, in welcher sich der « Geist der Zeit > in höchst charakteristischer Weise widerspiegelt. Wenn die französische Jugend bei einer Einladung oder Verabredung ausdrücken will, dass man ganz unter sich zu sein wünscht, unbeschwert und anhängselfrei, ohne Eltern und andere unmoderne Anstandswauwaus, so wird die Parole ausgegeben : « Bagage inutile Iaisser sur Ie quai! » Auch in Holland hat, wie ein dortiger Schuldirektor erzählt, dieser Brauch Eingang gefunden. « Geen Bagage ! » (Kein Gepäck !) heisst es auch dort. Die grösste Kirche. Demnächst wird in Liverpool mit den Ausschachtungsarbeiten zu der grössten Kirche der Welt begonnen werden. Die Kirche wird Platz für 10,000 Personen bieten. Von der Kanzel aus werden 12 grosse Lautsprecher die Uebertragung der Predigten besorgen. Die Gesamtkosten sind auf 3,5 Millionen Pfd. Sterling veranschlagt. Venedig will die Tauben ausrotten. Der Magistrat von Venedig hat den Beschluss gefasst, die Taubenschwärme des Markusplatzes abschiessen zu lassen oder anderweitig zu vernichten. Die Wiederhersteüungsarbeiten am Dach des Dogenpalastes und an einer Reihe von Kirchtürmen haben allein im letzten Jahr die Stadtverwaltung eine Million Lire gekostet. Für Uumpers, Pullovers, Jacken I ür Clcharpen, Chäles Kür Pur Oocken, Strümpfe l~ür IVlützen, Be"rets Ixissen, Rollen und I ür r\lle andern Handarbeiten führen wir In grosser Auswahl In erster Linie die besten Schweizermarken und auch verschiedene andere Qualitäten. Besuchen Sie unser Garn- und Handarbeits-Rayon unverbindlich und besichtigen Sie unsere Modelle. Gratis-Unterricht jederzeit. Iselin, Türler&Co.A.-G. Marktgasse 8 - Bern ^S8Ü3 MACHEN SIE EINE HERBSTE» NACH DEM CHÖNEN HEiMEÜGEN Magenschmerzen sind finsserst unangenehm. Dieselb. verschwinden aber nach kurzer Zeit beim Gebranch von Columba-Magenpulver N BO/NCBCb'Te . CClU.UCD^eUDCailPEill Es ist ein anschädliches, sicher wirkendes Mittel gegen Verdauungsstörungen jeder Art gegen Appetitlosigkeit, Magenschmerzen. 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