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E_1930_Zeitung_Nr.105

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AUTOMOBIL-REVUE

AUTOMOBIL-REVUE 1930 — N° 105 »••••••»•»••••»••»••••••••••••••»••••••••»••»•»••«»•»»•»•••••»»••••••••••••»•»••••. •••••»•••••••••••••»•••••••»•»•••••3 für den Automobil - Kalender 1931 mit Verzeichnis der Personenwagenbesitzer Ü Am 20. Dezember erscheint im Verlag der Automobil-Revue der Automobil-Kalender für das Jahr 1931 Wir legen damit unsern Freunden, und solchen, die es werden wollen, wiederum das Resultat monatelanger Arbeit unserer technischen und administrativen Mitarbeiter in die Hände. Als betriebswirtschaftlicher Mentor bietet unser Werk zunächst in zweckmässiger Darstellung die Unterlage zur Erfassung der vielgestaltigen Betriebsspesen. In prägnanten, alphabetisch angeordneten Einzelartikeln wird ferner das ganze technische Wissen vom Automobil unter Heranziehung aller konstruktiven Neuerungen rekapituliert und eine Fundgrube an Winken zur Verbilligung des Fahrbetriebes und zur raschen Behebung von Betriebsstörungen geboten. Technische Tabellen und Zeichnungen sowie alle mit dem Automobilwesen in Zusammenhang stehende Informationen erweitern die Dienstleistungen des Automobilkalenders als automobilistisches Notiz- und Nachschlagewerk. — Mit einem bedeutenden Kostenaufwand haben wir sodann wiederum das Namenverzeichnis der Personenwagenbesitzer der Schweiz revidiert. Mehr als 30,000 Zu- und Abgänge, Domizil- und Firmenänderungen waren dieses Jahr zu verarbeiten. Wir sind nun aber in der Lage, die aktuellen Adressen der am 1. Dezember 1930 in den amtlichen Registern geführten _ Ä _ ÄÄ _ .

Bern, Dienstag, 16, Dezember 1930 III. Blatt der „Automobil-Revue" No. 105 Skiweihnachten in den Bergen Von Winfried Fricke. langsam arbeiteten wir uns bergauf. Ein böser Anstieg. Aber es wäre eine noch bösere Abfahrt. Braunes Moorwasser rieselt unter Schnee und Eis zu Tal. Es taut. Die gefrorene Erde ist lebendig geworden. Sprudelnd und glucksend rinnt das Wasser in einzelnen Löchern. Dunkel, unheimlich fast schimmert es da und dort durch die Weisse des Schnees. An manchen Stellen spritzt dunkler Torfbrei über die Bretter. Wir fahren über das Hochmoor. Schweigend Sahren wir. Da tauchen vor uns Gestalten auf. Eins, zwei, drei. In scharfer Fahrt sausen sie zu Tal. Zünftige Fahrer. Der erste Blick zeiit es. Nur sie dürften heute solche Abfahrt auf den vereisten Hängen und der durchbrochenen Schneedecke wagen. Skiheil! Ihr Ruf kommt von oben wie eine 'Fantare. Beim Telemark fliegt der Dritte uns vor die Füsse. Im Augenblick ist er wieder auf den Brettern. Ein etwas verlegenes Lachen geht über das frische Gesicht: n-Bei dem Schnee!» Ein kurzes Anspringen. Er gleitet talabwärts, den anderen nach. Skiheil! Unser Ruf schallt hinter ihm her. Den Bruchteil einer Minute haben wir sie gesehen. Aber ein seltsam freundschaftliches Fühlen über die Unbekannten springt in uns auf in dieser Einsamkeit. Schon hören wir das gleitende Scharren Ihrer Bretter weit unter uns. Zünftige Fahrer und Männer. Ihnen nur gehört heute abend der Berg. Schritt um Schritt geht es weiter. Seit langem wandern wir in immer dichterem Vebd. Plötzlich erschallt lautes, sorgloses Singen über uns. Staunend hören wir es. Welcher Skitäufer singt bei solcher Abfahrt? — Zwei Fassgänger! Junge Menschen. Frohgemut ziehen sie Fuss auf Fuss aus dem Schnee. Oft sinken sie bis an die Knie und 'darüber ein. Sie wolten zum Torfhans wandern und haben im Nebel den gefährlichen Weg über das Moor genommen. Ich ver- Kuche vergeblich, sie zur Umkehr zu be- Die Jagd nach der roten Rose Weihnachtsskizze von Anna Bure. (1. Fortsetzung) Und nun gab es eine seltsame Fahrt. Das Automobil glitt in gleichmässigem Tempo durch die verschiedensten Strassen, nahm in schön berechnetem Bogen alle Ecken, wich mit eleganter Schwenkung aus, wenn Unvorhergesehenes ihm entgegenkam, schien wie von unbeirrbar gesundem Pulsschlag bewegt. Hastig, aufgeregt, ungeduldig, drängend folgte ihm das kleine Auto manchmal Abstand behaltend, dann plötzlich wieder dicht auf seinen Fersen. Die rote Böse leuchtete durch den dichter fallenden Schnee dem Verfolger voran, es war als leuchte sie immer röter. Wenigstens kam es Armand so vor, der sie nicht aus den Augen verlor. Auf einmal war sie verschwunden. Wie •war das zugegangen? Man hatte gerade einen Platz überquert, auf dem sich die verschiedensten Fahrzeuge stauten. Man Weihnachthch leuchten am Baum die Kerzen, Jubel tönt laut aus kindlichen Herzen. Alte Lieder und uralte Mären wegen. Sie haben den Abstieg erst:, begonnen und der moorige Teil des Weges liegt noch vor ihnen. Am späten Abend bringt ein Skiläufer Nachricht von ihnen auf den Gipfel. Fast völlig erschöpft schleppen sie sich zu Tal. Wir steigen höher und höher. Der Boden unter der Schneedecke wird fester. Jetzt nur noch Schnee und wieder Schnee. Und Eis an sich steilenden Hängen. Wieder und wieder rutschen wir auf dem Glitsch eines eben eroberten Stückes in schnellster Fahrt zurück. Von neuem setzen wir an und haben es hinter uns. Mit Brettern und Stöcken arbeiten wir uns zäh nach oben. Meine Begleiterin schüttelt die Bretter von den Fassen und kordelt sie an. Lieber gehen auf dem Eis als das ewige Zurückrutschen war durch einen wild daherschiessenden Motorfahrer zum Stoppen gezwungen worden; der Taxiführer hatte sich genötigt gesehen, seine ganze Aufmerksamkeit für einige Atemzüge lang von der Limousine abzulenken, um den um ihn drängenden Verkehr zu überblicken — und als er wieder aufsah, war sie verschwunden. Er fuhr langsamer, blickte sich rund um — umsonst Er hielt, Armand sprang aus dem Wagen. «Haben Sie das Automobil verloren?» rief er wütend. Der Chauffeur zuckte die Schultern. «Er ist wie vom Erdboden weggewischt,» sagte er. «Ich kan mir nicht denken, wohin er geraten ist.» «Suchen Sie,» rief Armand, «es muss hier in der Nähe eine Einfahrt sein, denn wenn er dort in die Fehlerstrasse eingebogen wäre, so hätte ich es gesehen.» «Suchen Sie!» Der Chauffeur nahm seinen Sitz ein, machte Kehrt, fuhr die ganze Rundung des Platzes ab, schaute in alle Strassen, die darauf mündeten, und fand endlich eine grosse Toreinfahrt zu einem Hotel. «Es muss hier sein», sagte er. Armand befahl ihm, hineinzugehen, und Mi \*s\ £ f.' tf Weihnachten Photo Steiner, St. Moritz. Bringen die Weihe des Tages zu Ehren. Ewige Wiederkunft heiliger Zeit Glauben an Leben und Seligkeit. Ko. auf den Schneeschuhen. Bis über die Knie sinkt sie an den Schneestellen ein. Wir müssen bald oben sein. Immer dichter wird der Nebel. Weisse, im Schneesturm zu den sonderbarsten Gestaltungen erstarrte Bäume tauchen gespensterhaft auf und tauchen zurück in das Nichts. So unwirklich ist das alles. Standen wir tatsächlich noch gestern in der niedrigen Enge der Asphaltwüsten? In Patsch und Matsch? Und sind heute hier oben an den Steilen des Brockens, weit ab von den Menschen, in weisser Oede? Allein auf der Welt. Dunkelheit bricht herein. Es ist etwas Rätselhaftes darum, in der brodelnden Grauheit dichten Wolkennebels zu wandern. Nur wenige Schritte weit in der Runde kann man sehen. Manchmal schreitet man wie durch eine Mauer, *So wandeln die meisten Men- sich nach der Limousine zu erkundigen. Der Chauffeur kam zurück mit der Meldung, dass kein solcher Wagen hier stationiert sei. Man suchte nochmals den Platz ab. Eine düstere, schmale Einfahrt zu einem Miethäuserkomplex wurde besichtigt. Sie endete in einem Hof, in dem kaum ein Wagen Raum gefunden hätte. Es stand auch keiner dort. Armand war sehen durch die Nebel ihres Lebens?» wiu ich zu denken anfangen. Aber «es ist keine Zeit zu philosophieren. Dunkelheit und Nebel auf dem Wege. All die alten Geschichten fallen mir ein von den Besuchern dieses Berges, die in dichtem Nebel stundenlang das Berghaus gesucht haben, ohne es zu finden. Ein eisiger Wind hat sich aufgemacht. Wir tappen spurensuchend voran. Nur Dunkelheit und Nebel sind um uns. Eine unendliche Dunkelheit und ein unendlicher Nebel ist es. Und eine unendliche, kalte Einsamkeit. Aber in diese Nebelstimmung blitzt plötzlich das Hochgefühl hinein: wie wunderbar schön und gross ist dieses alles hier oben. Ein Erlebnis. Wir werden das einsame Haus finden. Und wieder suche ich verwehten Spuren nach. Wir dürfen vom Skiweg nicht abkommen. Ich taste mich weiter. Wie lange dauert es eigentlich noch? Wir müssten doch längst oben sein. Da plötzlich, so nah, dass ich es fast mit der Hand greifen kann, taucht etwas aus dem Dunkel auf. Eine Hauswand. Dann blitzt für einen kurzen Augenblick ein Licht auf, um sofort wieder im Nebel zu vertauchen. Wir sind oben! Und die Letzten fast, die am Abend des ersten Weihnachtstages oben ankamen. Weihnachtsfeier in den Voralpen! Ein Harzbaum, edel gewachsen, brennende Wachslichter in allen Zweigen. Lichter auch auf jedem Tisch. Ein altes Weihnachtslied klingt leise von irgendwo her. Es ist Stimmung in dieser Feier. Auf eigenen Fassen hat sich fast jeder Teilnehmer zur Spitze kämpfen müssen. Das bindet. Nichts von dem Rummel der Sommersonntage. Wenige Gäste nur sind versammelt. Die meisten sind vor Wetter und Nebel umgekehrt. ' Das ist das Köstliche. Dass man eben noch in Dunkelheit und Nebel, in Schnee und Sturmwind stand. Einsam und wegsuchend. Jeder Muskel gespannt in zähem Kampf mit Naturgewalten. Und dass man nun entsvannt und träumend in den brennenden Weihnachtsbaum blickt, auf dem höchsten Berge weit umher, in Wärme und Helligkeit. Nur der kann das nachfühlen, der selbst auf den Brettern, den wackeren Freunden, gewandert ist. in Verzweiflung. Er liess sich von dem Chauffeur nach Hause fahren und bestellte ihn für den nächsten Tag um dieselbe Zeit zu seinem Cafe. Dabei hatte er aber die feste Ueberzeugung, dass die rote Rose morgen nicht mehr kommen würde. Es wiederholte sich, was damals geschehen war: Eine Woche lang war sie wie ein Traum in seiner Nähe gewesen, die Frau, die zu ihm gehörte, deren Symbol die rote Rose war; er hatte in unbegreiflicher Träumersucht die Zeit verstreichen lassen — gestern hatte sie ihm wie damals zum Abschied zugelächelt, und nun war sie verschwunden. — Vielleicht, dass sie ihm nach weiteren zehn Jahren wieder erscheinen würde. Er sagte sich das mit höhnischer Bitterkeit. Und es war so. Am folgenden Tag erschien die Limousine nicht. Armand bestieg dennoch den Fiat und liess sich in der Stadt herumfahren mit der Weisung an den Chauffeur, auf den gestern verfolgten Wagen zu achten. Man fuhr alle Strassen ab, die etwa in Betracht kommen konnten. Verschiedene Wagentypen, verschiedene Limousinen in dunkler Farbe machten Armands Herz vorübergehend erschauern in Hoffnung. Aber keine Rose schmückte ihre Scheiben. Und Armands Warten verwandelte sich jetzt in eine Jagd. Aus dem Traum war rasende Wirklichkeit geworden. Jeden Tag fuhr er eine Stunde lang in der Stadt umher. Der Chauffeur begann über ihn den Kopf zu schütteln, weil er nicht von einer Person, die er polizeilich verfolgen, deren Aufenthalt er erkunden musste, sondern nur von einer roten Rose sprach. Nach einer Woche gab er es auf. Er setzte sich wie vorher in sein Caf6 und versuchte dieses Intermezzo zu vergessen. Wenn er allabendlich grosse Stadtteile zu Fuss durchwanderte, so tat er das nur, um sich Bewegung zu geben. So wenigstens erklärte er sich seine unruhigen Spaziergänge. Es war inzwischen ganz Winter geworden. Täglich füllten sich