Aufrufe
vor 4 Monaten

E_1931_Zeitung_Nr.070

E_1931_Zeitung_Nr.070

ein Jugendlicher Don

ein Jugendlicher Don Quichotte, den «noch nie bezwungenen Hügel» hinan, kippt ein Meter vorm Gipfel um und klettert, kopfschüttelnd wie ein Alter, wieder herab — um's von neuem zu beginnen. «It müst be done — es muss geschafft werden!» Mitten im Höllenlärm von zweihundert Motoren steht ein Krankenwagen; den haben sie vorsorglich mitgebracht. In der Viertelstunde, die ich dem Schauspiel zusehe, wird dreimal ein Leichtverletzter von Sanitätern verbunden. Die andern sausen und brausen weiter. Sie strahlen, sie haben rote Backen — es ist ein Fest- des Motors, ihrer grossen Liebe. Und wenn der Tag kommt, an dem ein Mädchenname noch schöner klingt als die Auto- oder Motorradmarke — auch dann muss eine Car im Stall stehen, ja, dann erst recht. Eine Liebe ohne Auto ist eine Liebe ohne Chancen. Eine Freundin kann man hierzulande nicht zu Fuss abholen — es muss auf leisen Gummirädern geschehen. Es kann getrost ein bescheidener Ford aus dritter Hand sein. Und dann eilen sie, vom Frühjahr bis in den Spätherbst, nachmittags zum Stadion oder an den Strand zum Schwimmen und, wenn die zwei allein sein wollen, in die Einsamkeit. Manchmal, wenn es Abend wird, sieht man die leeren Autos am Waldrand stehen — weil das Pärchen ausgestiegen ist, um — Blumen zu pflücken. Jeden Sonntag, das ist amerikanische Nationalsitte, fahren Mann, Weib und Kind ins Grüne. Frühmorgens am liebsten, weil dann die Strassen noch nicht verstopft sind, die wundervollen Strassen, die, vier Bahnen breit, das Land durchsausen, möchte man es nennen. Rennbahnen fürs Volk. Aber die Ausflügler rasen nicht, das tun sie hier weniger als in Europa. Sie wandern auf Rädern; oft ist die Reise ganz ohne Ziel, hat ein neues stündlich. Lockt ein Turm, eine Burg, eine Baumgruppe in der Ferne? Ein kleiner Tagesmarsch wär's zu Fuss — im Auto, o Wonne des Siebenmeilenstiefels, sind es Minuten. Und mittags kehrt man nicht etwa ein; es wäre stillos, und man ist sparsam. Fruchtsäfte, gekühlte Milch gibt's an der Landstrasse, die Frühstückskiste enthält alles andre. Am Wasser, auf einer Wiese, in irgendeinem Stück grüner Wildnis, wohin man den Wagen gesteuert hat, wird sie ausgepackt: Familienlundi in der Sonne... Und nachmittags wieder fort über die Höhen. Die Luft singt im Sausen. Die geliebte Car wird sin Zaubermantel: über die fallenden Horizonte trägt er Mann, Weib und Kind. Es sind die guten Stunden ihres Lebens. Die Heimkehr am Abend ist weniger vergnüglich. Wenn man sich der grossen Stadt wieder nähert, wird aus den Wagen ein langsamer Strom, und der Strom staut sich in kilometerlangen Reihen, die ruckweise vorstossen und wieder stoppen; auch die Verkehrspolizisten, auf ihren Motorrädern hin und her eilend wie emsige Hummeln, bringen sie nicht mehr in Fluss. Der Fremde schüttelt den Kopf: das ist ja eine Art Katastrophe. Und zugleich wundert er sich über die Engelsgeduld der Fahrer. Jeden Sonntag erleben sie das, aber es kann ihre Freude an der Car nicht mindern. Ein vorübergehender Uebelstand, wird der Pessimist belehrt; es sind ja neue Strassen im Bau, und zahlreicher werden die Autos hier, wo jeder fünfte Mensch eines hat, nicht mehr werden. Wer sich nicht unbeliebt machen will: kein Wort gegen die Automobile! Es ist des Amerikaners bestes Besitztum; es ist sein Wappenschild oder, weniger romantisch gesagt, seine Visitenkarte. Nach dem Wert seines Wagens wird der Geschäftsmann — und wer ist das nicht hierzulande? — von seinen Mitbürgern eingeschätzt; hier bildet sich in dem vorläufig noch klassenlosen Staat die soziale Rangordnung. Es gibt da eine Stufenleiter nach Wagenmarken, deren kostbarste etwas wie ein staatsbürgerliches Ehrendokument bedeutet. Das stolze civis Romanus sum heisst hier: ich fahre' einen —• folgt der Name eines Achtzylinders. Die Zeiten sind schlecht. Aber das Letzte, von dem ein Amerikaner sich trennt, ist sein Auto. Es erhält ihm den Sonntag, und wenn, einmal alles gescheitert ist, mit seinem Wägen kann er auswandern, um in irgendeiner fernen Stadt sein Glück wieder zu versuchen. Nachdem die Grundstücksmakler das Land aufgeteilt haben, sind die Amerikaner sesshafter geworden, aber dieses Aufbrechen mit Kind und Kegel, ich weiss es von Freundeni geschieht noch heute. Da wird das Nomadenblut der Pioniere von vorgestern wieder wach. Vielleicht ist es nicht zuletzt die Entwicklung des Autoverkehrs, die hier etwas wie eine europäische Traditionsbildung, die ja von der Sesshaftigkeit nicht zu trennen ist, verzögert. In vielen jungen Städten meint man, sie seien nur zu .kurzem Aufenthalt zwischen Ost und West erbaut worden. Manchmal, wenn ich an verlassenen, in Windund Wetter verfallenden Häusern vorbei, durch die Einöden zwischen einer solchen Stadt und der nächsten fuhr, hatte ich den Eindruck, diese Landschaft sähe anders aus, gäbe es nicht 26 Millionen Autos.. Durch sie erhält der Mensch eine Art neue Lebensform: das Geschöpf Mensch geht nicht mehr — es fährt. Man kann stundenlang über die Highways sausen und begegnet keinem mehr, der seine Beine braucht. Dem Menschen sind Räder gewachsen. Den ersten und den letzten Meilenstein seiner Reise zwischen den beiden Dunkelheiten — sieht er durchs Autofenster. Ich hatte in einer grossen Stadt des mittlern Westens ein seltsames Erlebnis. Mitten im dichten Verkehr des Hauptboulevards gellen plötzlich Pfiffe. Das Signal «Bahn frei» — für ein Leichenauto. Und da sauste auch schon, von Motorrädern geleitet, der schwarze Wagen mit sechzig, siebzig Kilometer Geschwindigkeit über die Strasse dahin. Nicht jeder, Hess ich mir sagen, darf auf seiner letzten Fahrt dieses Tempo anschlagen — nur Prominente. Und weil ich in einer Droschke sass und es sehen wollte, an welche Himmelspforte sie mit ihrem Prominenten rasten, hiess ich den Fahrer folgen, Schnell! Aber der Tote war schneller. Später bin ich einmal auf seinen Friedhof gekommen. Die zementierte Autostrasse führte mitten zwischen den Kreuzen'hindurch — es ist hier nichts Ungewöhnliches. Da liegt er nun also: das leise Motorenbrausen, das ihm zeitlebens Musik war, schwebt über ihm und hört nimmer auf: " Er wird Tühig schlafen. Bunte Chronik^ Hinter den Kulissen eines berühmten Zaubertricks. ; Der indische Seiltrick; Fohl das berühmteste Zauberkunststück der Welt, ist jetzt von einem Mann namens Bofeys in London vor einem kleinen Kreis berufsmä§siger «Magier> mit Erfolg ausgeführt worden. Die Vorführung geschah in der bekannten Weise. Zuerst wurde ein Seil in die Luft göworfen; das aufrecht oben stehen blieb, obwohl das obere Ende an nichts befestigt schien. Dann hatte man den Eindruck, dass ein siebenjähriges Mädchen, die Tochter eines der geladenen Gäste, an dem Strick hinaufkletterte und dann in der Nähe des oberen Endes verschwand. Ein umgedrehter Korb stand in einiger Entfernung auf dem Boden, und als dieser aufgehoben wurde, lag das Kind zusammengerollt darunter. Auf Fragen sagte es, dass es nicht wüsste, dass irgend etwas mit ihm geschehen wäre. Bofeys erklärte, dass der Trick auf reiner Illusion beruhe, und diese Angabe wurde dadurch bestätigt, dass ein Photograph, der eine Aufnahme machte, selbst mit Bestimmtheit angab, er habe das Mädchen an dem Seil eraporklettern gesehen, während auf der Platte nur das Seil zu erkennen war, aber AUTOMOBIL-KEVUB 1931 — N° 70 Unser Photo Wettbewerb Wir haben — wie unsere Leser bereits ersehen haben werden — auch dieses Jahr wieder, durch die früheren Erfolge ermuntert, einen Photowettbewerb für die Leser der « Automobil-Revue » zur Ausschreibung gebracht. Im Nachstehenden veröffentlichen wir nochmals die Bedingungen. Teilnahmebedingungen: 1. Der Wettbewerb steht allen Lesern der «Automobil-Revue» {Wochenausgabe) und der « Illustrierten Automobil-Revue » (Vierteljahresausgabe) offen. 2. Für die Aufnahme sind betreffend Platten oder Filme keine besonderen Grossen festgesetzt. 3. Jeder Teilnehmer kann beliebig viele Bilder einsenden. 4. Jedes eingesandte Bild muss auf der Rückseite mit einem Kennwort und einer Erklärung, was das Bild darstellt, versehen sein. In einer geschlossenen Enveloppe, die das Kennwort oder — bei Einsendung mehrerer Bilder — die Kennworte trägt, sollen Name und Adresse des Einsenders genau enthalten sein. 5. Für die Prämierung sind folgende Preise ausgeschrieben: Ein erster Preis im Werte von Fr. 50.—. Ein zweiter Preis im Werte von Fr. 40.—. Ein dritter Preis im Werte von Fr. 30.—. Ein Speziaipreis für das beste Auto-Sportbild im Werte von Fr. 25.—. Ein Speziaipreis für das beste touristische Bild im Werte von Fr. 25.—. (Bilder aus nicht das geringste von dem Kinde. Die Kamera hat also die Wahrheit festgestellt, während die Sinne der Zuschauer irgendwie irre geführt wurden. Auf welche Weise, das ist noch Bofeys Geheimnis, das er nicht preisgibt. Er will aber den Trick nächstens öffentlich in London vorführen. Schon verschiedene Versuche sind in England gemacht worden, den Seiltrick einem grösseren Publikum zu zeigen, aber stets ohne Erfolg. Ein indischer Zauberer, der zu diesem Zweck auf der britischen Reichsausstellung in Wembley 1924 auftrat, erklärte sich dazu für ausserstande, während er den Trick in seiner Heimat vor seinen Landsleuten schon oft mit Erfolg ausgeführt hatte. Er meinte, dass es unmöglich sei, vor einem gemischten Publikum von Europäern auf einer gewöhnlichen Bühne die «notwendige Stimmung» hervorzubringen. Danach würde also das Geheimnis in einer gewissen Hypnose liegen, die auf die Anwesenden ausgeübt wird. Die indischen Fakire, die seit uralten Zeiten das Seilwunder zeigen, stehen ja in dem Ruf, besondere hypnotische Kräfte zu besitzen. Dass dieser Macht auch Europäer unterliegen, zeigen die zahlreichen Berichte glaubwürdiger Zeugen, die dem Trick in Indien beigewohnt haben. Der Chef der Polizei von Kalkutta, Oberst Barnard, der den Vorgang mit eigenen Augen zu sehen glaubte, photographierte ihn, aber die Platte zeigte nur einen von Mangobäumen umgebenen Hof und den Fakir. Keine Spur von dem Seil und dem hinaufkletternden Knaben. Lord Federic Hamilton, der dem Schauspiel ebenfals beiwohnte, erzählt in seinem Buch «Hier, dort und anderswo », dass der Zauberer in dem Hof eine Anzahl von Brandgefässen aufgestellt hatte, und vermutet, dass diese Haschisch oder Opium enthielten, dessen Geruch die an- wesenden Europäer in eine für die Hypnose geeignete Geistesverfassung versetzte. Der Mann mit dem besten Gedächtnis. Als der Besitzer des besten Gedächtnisses der Welt wird von römischen Blättern ein italienischer Physikprofessor, Dr. Vincenzo Mancini, bezeichnet, der erstaunliche Proben der Schweiz erhalten bei Qualitätsgleichheit den Vorzug.) Ein Speziaipreis für das beste autogewerbliche Bild aus einer Reparatur wer kstätte oder einer Garage im Werte von Fr. 25.— (Reklamebilder ausgeschlossen.) Das Preisgericht erwartet ferner auch eine rege Beteiligung an dem ausgezeichneten photographischen Motiv « Strandbad », Je nach der Quantität und Qualität der eingegangenen Bilder behält sich die Jury vor, noch eine Reihe weiterer Preise auszusetzen. Es gelangen zudem noch 10 Trostpreise in Form von Buchgaben zur Verteilung. 6. Sämtliche Preise sind Naturalpreise. Sie können von den Gewinnern nach ihrer Wahl von einer der Firmen bezogen werden, welche in der gleichen Nummer der «Illustrierten Automobil-Revue » inserieren, in der die Reproduktion der besten Aufnahmen erfolgt, 7. Als letzter Einsendetermin gilt der 15. September 1931. 8. Das Preisgericht besteht aus zwei Mitgliedern unserer Redaktion, sowie drei weiteren photographischen und automobilistischen Fachleuten. 9. Die Publikation der Resultate des Photowettbewerbes erfolgt in der «Illustrierten Automobil-Revue», gleichzeitig mit der Reproduktion der erstprämiierten Bilder. 10. Die Redaktion bedingt sich das Recht aus, neben den prämiierten auch weitere für den Wettbewerb eingegangene Bilder unter Namensnennung kostenfrei zu veröffentlichen. Die Redaktion der « Automobil-Revue ». „seiner Begabung abgelegt hat. Er ist ein älterer Herr und bereits ausser Dienst, der in seinem Bekanntenkreis schon immer den Ruf einer fabelhaften Erinnerungsfähigkeit besass. Im Verlaufe einer Prüfung, die mit ihm vorgenommen wurde, beantwortete Dr. Mancini alle Fragen über Einzelheiten, die ihm aus dem italienischen Reichskursbuch vorgelegt wurden. Er wusste die Abfahrtsund Ankunftszeiten aller Züge, sowie die Haltestellen der einzelnen Strecken. Er zählte die Namen aller Maultiere auf, die von den Artilleriebrigaden des italienischen Heeres gehalten werden, wusste die Bevölkerungsstatistik, sowie andere statistische Angaben in jedem Landbezirk, die Namen der Kapellmeister aller Regimenter und aller Regimentsmärsche und konnte ebenso mit Telephonnummern und Daten, die sich auf ferne Länder bezogen, aufwarten. Man hatte den Eindruck, wie wenn sein Gehirn ein ganzes grosses Lexikon darstellt. Um diese Begabung auch praktisch auszunutzen, wurde ihm eine Kiste mit 150 alten zerrissenen Büchern aller Art vorgelegt, deren Blätter durcheinandergemengt waren. Die Bücher hatten keine Titelseiten, keine Kapitelangaben, waren in Format und Aussehen gleichförmig und hatten auch keine Seitenüberschriften. Trotzdem gelang es Mancini, bei all diesen Büchern sofort die Titel und Verfasser anzugeben und die Seiten der Reihe nach zu legen. Die Hochzeit heilt einen Stummen. In Hüll in England fand dieser Tage ein junger Mann, der als Kind durch einen Schreck stumm geworden war, in dem Augenblick die Sprache wieder, als der Geistliche an ihn und seine Braut vor dem Altar die bekannte Frage richtete. Laut und vernehmlich antwortete er «Ja!». Er war über die wiedergewonnene Sprache so glücklich und verwirrt, dass er aufsprang und aus der Kirche lief. Erst nach wiederholten Bemühungen seiner Angehörigen konnte- man ihn wieder an die Seite seiner vor Freude und Aufregung weinenden Braut bringen. Diese Nachricht ist wahrhaft erschütternd. Auto- und Staubmäntel für Damen und Herren in grosser Auswahl und nach Mass Machen Sie es wie die Menschen auf diesem Bilde: Nehmen Sie einen Columbia mit, wenn Sie auf Reisen oder zum Baden gehen. Rud. Schindler & Cie. BERN Bollwerk 31 ZDrioh Lausanne Mühlegasse 9 R FREUDE AN DER MUSIK Reisegrammophone: Hawailan-Stiri Automobilisten RIEDQUELL das radioaktive Mineralwasser und RIEDSTERN das Susswasser mit verschiedenen Fruchtaromen hält Sie beim Fahren frisch und verkehrssicher. Riedquell & Riedstern A.-G., Bern Telephon Bollwerk 77.66. Alpen-Fahrten nur mit einem Auto*Ane?oid (Höhenmesser) OPTIKER BÜCHI, BERN Spitalgasse 18

N° 70 — 1931 AUTOMOBIL-REVUE 19 ODILE DP CP/J^ÜJ Unglückliche Liebe und unsere Zeit Von Marta Rammelmeyer. Wir veröffentlichen den nachstehenden inter- schwieriger, SO dass man meist nicht den essanten Aufsatz unserer geschätzten Mitarbeite- vr, l( i. n ~ na - J;„ T?_I_„_ „;„,,» ..i,,!, ,,„,»~ rta. ohne uns mit den psychologischen Anhand- f ut ^SS, t folgen e r meS , Solch « unge - lungen durchwegs völlig einverstanden zu er- neuerlichen» oennttes auf sich zu nehmen. klären. Das Thema sei indessen an. dieser Stelle Und aus der Not wurde eine Tugend. — zur Diskussion gestern. Die Red. Heute ist es anders. Heute gesteht die Unglückliche Liebe wird nicht mehr «ge- Frau eher irgend ein paar imaginäre Liebtragen». Wenn man doch noch hie und da haber ein, als dass sie zugibt, Schmerz über eine Zeitungsnotiz zu Gesicht bekommt, wie einen ungetreuen Geliebten zu empfins. Zt. über den Fall Boulter in St. Moritz, den (?). Und ein Mann ist in nichts die von Mord oder Selbstmord aus Liebes- empfindlicher, als in seiner männlichen Motiven spricht, so ist man erstaunt über Ehre. Wenn heute ein Herz um der Liebe so viel scheinbare Lebensuntüchtigkeit und willen leidet, so verbirgt es den Schmerz so wenig «vernünftige Ueberlegung.» Wer- hinter Gleichmut oder Zynismus. Warum? ther-Schicksale werden von der Allgemein- Weil Liebesleid heute nicht mehr als Kampf, heit nicht mehr beweint wie vor Jahrzehn- sondern als bereits erlittene Niederlage geten, sondern im besten Falle mitleidig be- wertet wird. Seit unerwidertes Schmachten lächelt. Auch die «Sentiments» mussten ihre nur noch so um das Pubertätsalter herum Umwertung erfahren. Einst wurde alles vorkommt, seit es auch für die Frau keine überstiegene Schwärmen und Anbeten ver- Schande mehr ist, einen Mann zu begehherrlicht. Zu schämen brauchte man sich ren, selbst wenn eine Eheschliessung vorläunur der natürlich ausgelebten Körper-Ge- fig nicht in Frage kommt, hat sich das fühle, denn mit dem Moralkodex der Gesell- Wesen der unglücklichen Liebe gründlich Schaft durfte man unter keinen Umstän- geändert. den in Konflikt geraten. Der Körper wur- Heute wissen wir, dass weder das Einde totgeschwiegen, das Herz aber offen gehen noch das Auflösen eines Liebesverzur Schau getragen. hältnisse an sich besondere Schwierigkeiten Eine Liebe war früher meist deshalb un- bereitet. Innige Freundschaften zwischen glücklich, weil sie das Objekt ihrer Anbe- Mädchen und jungen Männern werden sotung nicht erringen konnte. Wenn äussere gar von der Gesellschaft stillschweigend ge- Umstände einer Eheschliessung im Wege duldet, solange sie nicht die Rechte andestanden, gab es nur eines: Verzicht. Aber rer Menschen verletzen. Man sieht ein, dass gleich waren tausend mitfühlende Seelen gerade junge Leute in ihren Gefühlen noch bereit, den Betroffenen mit der Gloriole des zu unsicher sind, als dass man sie gleich unverdient Leidenden zu schmücken und in eine Ehe treiben darf. Sie sollen nicht da alles Sentimentale masslos überschätzt lebenslänglich dazu verurteilt sein, eine wurde, machte man direkt einen Kult dar- Verbindung aufrecht zu erhalten, die vielaus. Man bewunderte sich selbst ob diesem leicht nach kurzer Zeit ihren tieferen Sinn Leid, fühlte sich gross darin und erhaben .. und damit auch ihre Berechtigung verloren vom Schmerz geadelt... Man war ein Mär- hat. Das ist an und für sich ein grosser tyrer der Liebe! Dass ein solcher Verzicht Fortschritt und alles wäre in bester Ordim Grunde nichts anderes war als Feigheit, nung, wenn die Gefühle nun auch bei beiden sah man bei solcher Selbstverblendung na- Partnern zu gleicher Zeit enden wollten, türlich nicht ein. Denn sicher hat man Leider ist dies meistens nicht der Fall. Bei liehen Liebe, jene nämlich, die ihr Objekt wohl besessen, es aber auch wieder verloren hat. Aus diesem Grunde allein könnte ich die Affekt-Handlung von Frau Boulter gegenüber Kuno Hofer einigermassen verstehen. Bleibt eine Liebe unerfüllt, so kann sie sich evtl. vergeistigen. Sie kann das angebetete Wesen zum Idol erheben. Sie kann aber auch zur eigenen Beruhigung annehmen, dass das Temperament des anderen zu lau oder die überlieferten Anschauungen zu tugendhaft sind, um einer solchen Neigung nachzugeben. Kurz, sie kann sich einreden, was sie will. Im seltensten Falle wird da durch die Eigenliebe, gekränkt. Verlassen aber wird man nur aus Ueberdruss oder um einer neuen, stärkeren Leidenschaft willen. Und das ist ein furchtbarer Stoss für das empfindliche Selbstgefühl. Der Verlassene glaubt sich um alles betrogen. Er hoffte auf Einmaligkeit und Endgültigkeit dieser Liebe und siehe, dem anderen war sie nur eine Episode. Nun stellt er sich in selbstquälerischer Weise den Partner in anderer Verbindung vor. Und die Eifersucht, dieses alle vernünftige Gedanken rücksichtslos mordende Gefühl ist sofort zur Hand, dem Unglücklichen die Hölle nur ja recht heiss zu machen. Er gab alles und war doch nicht imstande, das geliebte Wesen zu halten. In der Regel wird dies nun als schmachvolles Unterliegen empfunden. Darum auch das Versenken allen Leides nach Innen. Nichts merken lassen, wenns auch schwer fällt, ist die heutige Parole. Niemand will, dass die Gesellschaft ihn mitleidig belächelt und dem Sieger dieses ungleichen Zweikampfes dafür zujubelt. Trotzdem diese Einstellung also nur dem verletzten Stolz entspringt, ist sie oft gutzuheissen. Sie verhilft zur Selbstbeherrschung und das ist eigentlich schon viel, wenn auch trotzdem nur ein schwacher Ersatz. Unterschiede zwischen Männer- und Frauenmode Einer der — wohlverstanden — tiefen Unterschiede zwischen Mann und Frau verrät sich bereits an der Oberfläche. Otto Julius Bierbaum sprach einmal das Wort, dass das Deckblatt der Zigarre dem Kleid der Frau entspreche. Der Mann zeigt im allge- Neue Mode -Schöpfung Ein schickes blassblaiues Abendkleid mit tiefem Rückenausschnitt, dessen Aibschluss eine jrrosse Masche bildet. Zu diesem Abendkleid wird ein mit •weissem Fuchs garnierter Mantel getragen. meinen keine grosse Anteilnahme an modischen -Novitäten und die Männermode hat dann auch kaum merkliche Entwicklungen seit der französischen Revolution gezeigt. Die individuelle Note im Modebild der Männer, die im Zeitalter der Renaissance und des Barocks noch stärkeres Gepräge hatte und den Kavalieren erlaubte, die individuelle Charakteristik oft bis zur Karikatur zuzuspitzen, verschwand mit einmal von der Zeitebene. Man beschloss dazumal in der Nationalversammlung, alle Trachtemmterschiede der Stände im Namen der Gleichheit und der Brüderlichkeit aufzuheben. Damit trat die Herrenmode in einen Zustand von stereotypem Gepräge. Es handelt sich hier um früher auch nicht immer nur einmal dem einen erlischt das Begehren gewöhnlich geliebt. Nur war das Wechseln des Part- etwas früher und damit haben wir die ners infolge konventioneller Vorurteile viel neue, sicher qualvollere Art der xmglück- Lebens- Versicherungen aller Art schliessen Sie vorteilhaft ab bei „WINTERTHUR Unfall-, Haftpflicht- Schweizerische Lebens- Unfall-Versicherung»» Versicherung* Gesellschaft in Gesellschaft WintertKuti das. fdeqle Haarpflegemittel des Herrn! SÄPTE DEP BIßKEN KDÄPTE DIE DKCN tn jeder Apotheke, in allen Droguerien, Parfumerien und „Coiffeurgeschafterv, tn gros; A. Räch, Basel. LEID und UNGLÜCK ist «chon Ober manchen Automobilisten und seine Familie gekommen, weil die Nerven für einen Augenblick versagten. Wenn Sie durch eine schlaflose Nacht od. langes Fahren übermüdet sind, einer bewegten Konferenz beiwohnten, Kopfweh oder sonst Ihren sohlechten Tag haben, dann nehmen Sie eine halbe oder ' ganze Citan-Tablette. Sie gibt Ihnen in kurzer Zeit und für den ganzen Tag klaren Kopf und Frische; Citan- Tabletten begegnen auch den Folgen von Nikotin- und Alkoholgenuss. Ein Bohr« chen mit 12 Stück Citan-Tabletten Fr. 2.50. Bei 2 Röhrchen portofreier Versand durch die Victoria-Apotheke Zürich H. Feinstein vorm. C. Haerlin, Bahnho&tr. 71 Zuverlässiger Stadt- und Postversand Rntnanchnrn (a. Bodensee), i. SEEHOTEL nUmdUinUlil SCHWEIZERHAUS Herrliche Lage direkt am See; grosso Terrassen mit Blick auf See und Gebirge, in unmittelbarer Nähe von Bahnhof und Schiff. Vorzügliche Küche und Keller bei bescheidenen Preisen. Zimmer mit fliessendem Wasser. Grosae Garage. Telephon 6. Das anze Jahr offen. H. Oberlaender f „SILBA" der vorteilhafteste, bewährte Kühlschrank kein Motor Kompressor daher dauernd geräuschlos Schweizerfabrikat in 3 Grossen für Haushaltung und Kleingewerbe hergestellt von SILBA A.G., Fabrik automat. Kühlapparate, BASEL. verlangen Sie Angebot. Eine Neuheit, die Sie interessiert: Looping-Purophon das Grammophon für Sport und Reise, das In jeder Lage, trotz starker Erschütterungen zuverlässig spielt und Jederzeit den natOrllchen Ton stark und rein wiedergibt. Solide gründliche Schwelzerarbeit hat eine grosse Anzahl von Koffernnodellen geschaffen, unter denen Sie gewiss eines finden werden, das Ihren besonderen Wünschen entspricht — und dabei nicht teuer zu stehen kommt. — „Lassen Sie sich den Looping - Purophon hn nichsten Musikhaus vorführen. Sie werden sicher sofort einen kaufen wollen." SprecSi Maschinenfabrik PUROPHON - LOCARNO