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E_1936_Zeitung_Nr.027

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20 Äutomoml-Revue N»27

20 Äutomoml-Revue N»27 I April Vorfrühling Kommende Ereignisse Zürich Genf Montreux St. Gallen Zürich Davos 600]ähriges Jubiläum- der. Zunftverfassung ZUrichs. — Zentralbibliothek: Historische Ausstellung zur Erinnerung der Einführung der Zunftverfassung (1336). III. Internat. Hunde-Ausstellung. Internat. Tennisturnier. Palm-Sonntags-Konzert (St. Laurenz-Kirche). Fussball-Länderspiel Schweiz/Italien. Meierhofertälli-Abfahrtsrennen (Ski). i 9.—19. Nencnttel 10. Zürich 10. u. 12. Axosa 12. 13. Engelberg Flums 13. 16. Oberiberg Zürich 18.—28. Basel 21. • Zürich 21./22. Saas-Fee 26. Baiel 26. 30. Trogen Zürich (Photo Rumbucher) Comptoir für Handel und Industrie. Konzeit des Gemischten Chors Zürich. Oster-Skirennen: Abfahrt und Sprunglauf. Osterskirennen auf Trübsee. Oster-Abfahrtsrennen. Club- und Gästeskitour nach Drusberg. Extrakonzert unter"' Leitung v. K. Rothenbühler. Schweizer Mustermesse. Konzert des Orchesters der British Broadcaating Corporation. Leitung: Adrian Boult. Oster-Sldrennen Fussball-Länderspiel Schweiz/Spanien. Landsgemeinde von Appenzell A. Rh. Klavierabend Rud. Serldn. Der goldene Tag Das dralle Spatzen-Ehepaar Pip und Peppchen hat seinen goldenen Hochzeitstag. Die beiden sitzen in der Sonne auf einem Ast und lassen sich so recht gemütlich durchwärmen. Es ist Herbst, der böse Winter ist nahe und die Vogelbeeren an den Bäumen sind diesmal spärlicher denn je. ' • «Tja, das Leben ist recht ernst geworden», meint Pip und hängt tiefsinnig den Kopf. Das kleine Frauchen nickt: «Wer hätte das gedacht, damals, als wir heirateten! — : Da machte sich, alles so spielend leicht, so einfach, natürlich. Auch das Glück. Heutzutage besteht die Welt aus Problemen und Kompromissen. Die meisten Spatzen -wissen überhaupt gar nicht; was glücklich sein heisst. Glück :ist für sie eine Märchenblume, von der wir Alten in Mondscheinnächten, träumen.» «Ja, die Welt hat ein ganz-anderes Gesicht bekommen. Kein liebliches, kein.sehr liebenswürdiges. Und es ist merkwürdig, dass man trotzdem am Leben hängt, obschon es ein leichtes wäre, sich an einen Telephondraht zu knüpfen und eins, zwei, drei, hast du nicht gesehen, seine Seele wegzuspucken.> «Wie drastisch du doch redest, Mann, man haucht eine Seele aus, man spuckt sie nicht weg. Und da weisst du, ein solcher Tod ist kein Heldentod, ist alles andere als das. Unser Vater im Himmel wird wissen, wozu er uns leben lässt.» «Schon gut! Heute, an unserem Hochzeitstag, wollen wir wieder einmal lustig sein wie in unseren guten alten Zeiten und nicht philosophieren. Sieh* mich an: Wie gefalle ich dir? Ich bin heute früh beim Coiffeur gewesen. Der Mann ist recht a}t geworden. Sagt er mir nicht mit einer Nonchalance ohnegleichen: «Was ich da zurechtstutzen soll, ist mir nicht ganz klar. — Ich sehe einzig noch eine kleine Feder, die, sowie ich sie anrühren werde, dünkt mich, auch noch dahinfaljen wird.» Unglaublich! Wie findest du das?» Die Gattin wird von ganz innen her ein bisschen geschüttelt. Sie nimmt sich jedoch zusammen und streicht sachte mit der Hand die geschmähte Schwanzfeder entlang. «Offen gestanden, ich find's eine direkt unnötige Ausgabe, bei der Sorgfalt, die du stets an deine Toilette wendest, eines Coiffeurs Dienste in Anspruch zu nehmen. Die Feder ist schön wie sie ist, ja sogar tadellos in ihrer Art, bei deinen Jahren direkt erstaunlich.» • ' ' «Bei meinen Jahren? — Nun ja, Jahre:sind reichlich viel an uns vorbeigegangen, an uns beiden, meine Liebe! Manch' anderem wäre überhaupt kaum eine solche Feder übrig geblieben.» «Du bist ein Held, ich weiss! Und dann: Diese Art Coiffeur! —» Pip ist zufrieden. Nichts wärmt so sehr wie Lob. Nichts tröstet so intensiv wie der Tadel jemandem gegenüber, der uns gekränkt hat. «Auch du, Peppchen, bist gut aus unserem fünfzigjährigen Kampf herausgekommen», revan ; chiert sich jetzt Pip. «Diese Molligkeit, die du noch immer aufzuweisen hast» und er schmalzt mit dem kleinen, spitzen, flinken Zünglein. «Und deine Augen sprühen noch wie damals auf dem Apfelblutast, als wir zusammengekuppelt wurden.» «Zusammengekuppelt —? Pip, benimm dich! Das ist dann doch zu dick. Haben wir uns damals nicht aus Lieber geheiratet? Antwort!» «Schon, schon, natürlich, wir haben ja auch gar nichts anderes gehabt. Da ist Liebe immer noch das, was -versöhnt, was Ersatz schafft für vieles andere. Und dann kamen ja auch die Kinder...» «Auch wenn du Geld gehabt hättest, ich hätte dich trotzdem aus Liebe geheiratet. Liebe ist immer das Höchste gewesen, sogar bei den Menschen, sagt man.» «Ja, ja, natürlich, selbstredend! Und die Menschen, wissen ja alles ganz genau, die verstehen sich auf, solche Dinge. Die sind schlau. Die sagen sogar, ich bete dich an und greifen mit der Hand nach dem Portemonnaie, und wenn etwas drin ist, ist's wahr und sonst eine Redensart. Und trotzdem sagt man, dass der Mensch das gescheiteste Subjekt ist, das auf der Erde existiert.» «Ich glaube, so ein bisschen hättest du es mit ihm aufnehmen können. Wenigstens was Ehrlichkeit anbelangt. Du sagtest da soeben Dinge —.» «Was für Dinge —? Sei bitte nicht plötzlich schlecht gelaunt, heute ist Festtag, also beherrsche dich und mach' nicht aus einer Mücke einen Elefanten.» «Hab' ich so etwas je getan -—? Wie kommst du mir heute vor —?» «Du hast gesagt, ich sei ein Held, also —! Heute, nach fünfzig Jahren Stillschweigen, darf ich mir doch endlich einmal etwas zu sagen erlauben, oder —? Haben Sie etwas dagegen, Madame?» «Ja, aber da ich stets vielzuviel reden musste in den fünfzig verflossenen Jahren und aus demselben Grunde, weil heute Festtag ist, will ich endlich einmal mir zu schweigen gestatten.» Sie blicken sich beide perplex an, erstaunt, paff, erschüttert über des andern unbedingten Willen zum Frieden... «Ein wirklich goldener Tag», sagt Peppchen schwärmerisch und rückt so nahe wie seit vielen Jahren nicht mehr an ihren Gatten heran. «Au, au», meint er, «ein Federchen kitzelt mich. "'"Ich" bin so etwas gar nicht mehr gewohnt. Ja, wirklich ein goldener Tag, mindestens dreissigkarätig, aber ich bin auch so zufrieden.» Pip kommt manchmal nicht mehr so ganz mit den «Finessen» des Lebens zurecht. Nun, das ist des öftern auch in der Jugend schwer. Und gar im Alter, das ja so vieles in klarem, hellen Lichte zeigt. Nur eben — man sollte darüber schweigen können, denn das Schweigen ist die versöhnende, die goldene Brücke, die ins Land des Friedens führt. Gertrud Biirgü Pmirtoloru b0U [ J E iary Pensionat und Haushaltungsschule „le Presbytere" lehrt perfekt Französisch, Italienisch,' Englisch, Haushalt usw. Sport, Musik. Jahreskursbegirtn: Ende April. Vorzügliche Ski-Gelegenheiten. Beste Referenzen. Prospekte. Gebirgslage, 700 m Höhe. Herr u. Frau Pfarrer Voumaxd. Ecole Nouvelle „La Chätaigneraie" ob Coppet bei Genf Knaben von 8—19 Jahren. — Gründl. Studium des Französischen und mod. Sprachen. Gymnasium. Realund Handelschule mit Diplom, haboratorien und Werkstättenarbeit. Sommer- und Wintersport. Ferienkurse. Individuelle Erziehung. Frühlingsschulbeginn: 20. April. Dir. £. Schwartz-Buys. Montreux Knaben-Institut chabloz Höhere Handels- und Verkehrsschule. Privat-Anstalt, närmstcns empfohlen. — Gründliche Erlernung des Französischen. Vorbereitung auf Post, Eisenbahn, Zoll, Lehrer-Seminar, kaufmännisch; Berat, Handelsdiplom. Matuntiit. — Sorgfältige Charakterbildung. 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IV. Blatt Automobil-Revue rc Wein JDeben, (Katharina, seif so heiter wie der holde, schone Frühling/ Photo Kurt Melssner orzeiian fla charakteristischen Landschaftsbilder mit Gessners Kunst, anderseits in der hier* nachgewiesenen persönlichen i Verbindung Gessners mit dem Unternehmen im Schooren hat. Trotzdem hierin zweifellos ein wahrer Kern steckt, geht es doch nicht an, alle Landschaftsdekors ohne weiteres als Arbeiten Gessners zu:bezeichnen, denn nachweisbar waren in der Fabrik' mindestens drei Maler für diese Arbeit der Geschirrverzierung tätig.» Unsere" Porzellan-Malerinnen verdienen das Lob und die- Anerkennung des Laien, und dieser wird umso weniger mit seiner Anerkennung kargen, wenn er weiss, wie viel Fleiss und Ausdauer, wie viel Subtilität und Kenntnis das Porzellanmalen und erst recht das Kopieren alter Stücke erfordert. Eine genaue. Kenntnis des Materials, also des Porzellans und der Farben, ist notwendig, eine genaue Kenntnis-der technischen Vorgänge des Brennens und Glasierens ist erforderlich — und sehr viel Zeit., Denn man malt vielleicht eine Tasse in einem Tag, vielleicht ein Plateau in einer Woche! Die' unendlich zarten Schleiertöne, die in See und Berg verwoben sind, oder sich zum Bild eines Schäferpärchens zusammenfügen, haben mit der hastigen Malerei, die heute als modern gilt, nichts zu- tun. Natürlich sind die Wandlungen des Stilempfindens nicht spurlos am Porzellan vorübergegangen, aber das Material schreibt gerade hier eine zarte, feine Technik vor. Und es scheint uns, im Grunde gehöre diese zärtliche Kleinmalerei zum Porzellan wie die kräftigere Pinselmanier zum Steingut. Für die heutigen Menschen, die so gerne geneigt sind, vorwitzig alles für Maschinenarbeit zu halten, was nicht die deutlichen Spuren des Kunsthandwerks trägt, erhebt sich nur die Frage, ob die geduldige:Arbeit des Porzellanmalens auch richtig gewürdigt wird. Wie rasch geht man über die schönsten Gegenstände hinweg, ohne sich in die zierliche und kunstreiche Arbeit zu versenken, die eine kundige Hand ihnen gewidmet hat! Sicher lernt man heute eine solche «Verschönüng des Lebens» wieder schätzen, und gerade für Menschen, die lieber Qualität als Quantität besitzen, ist gutes Porzellan,; das' ausser dem Sachwert auch noch Kirnst- Und Liebhaberwert aufweist, wieder zu einem lebendigen Kulturelement geworden. Nr. 27 BERN, 27. März 1936 Der Schlüsselroman und seine Opfer Ein Schlüsselroman ist ein Roman, in welchem Persönlichkeiten und Begebenheiten so dargestellt sind, dass jedermann, der das betreffende Milieu kennt, auch die Personen wieder erkennen muss. In einem Schlüsselroman porträtiert zu werden, kann unter Umständen sehr schmeichelhaft sein, ist aber bekanntlich doch nicht immer ein Vergnügen. Das Problem des Schlüsselromans ist nach dem Bericht englischer Zeitungen in einem Prozess gegen die Romanschriftstellerin Mrs. Beatrice Kean Seymour und den Verlag, in dem ihr Roman «Interlude for Sally» erschienen ist, in breiter Front aufgerollt worden. Eine Legion von Klägern und Klägerinnen war aufmarschiert, sogar ganze Familien hatten sich durch manche Einzelheiten des Romans getroffen gefühlt. Die Phalanx der klägerischen Anwälte begehrte Schadenersatz und Beschlagnahme, der, noch nicht verkauften Exemplare. Die Vertreter der Verfasserin differenzierten zwischen den verschiedenen Gruppen der Kläger. Dem einen billigten sie die Möglichkeit zu, dass durch gewisse Details der Schauplätze und der Handlung des Romans in ihnen unangenehme Assoziationen heraufbeschworen werden könnten. Bei anderen erklärten sie aber auch die leiseste Aehnlichkeit für< ausgeschlossen. Sie vertraten den Standpunkt, Handlung und Figuren des Romans seien frei erfunden, und es sei nur ein peinlicher Zufall, dass sich manche Personen der Gesellschaft darin zu erkennen glauben. Doch seien die Autorin und der Verlag trotzdem zu einer angemessenen Genugtuung an diejenigen Kläger bereit, die wirklich durch den Roman Unannehmlichkeiten erlitten hätten. Nun entspann sich eine lebhafte Debatte darüber, was man unter Unannehmlichkeiten zu verstehen habe, die sich für jemanden durch einen Schlüsselroman ergeben können. Muss es sich um positive und deutlich fassbare Nachteile, wie etwa eine Ehescheidung, eine Enterbung oder gesellschaftlicher Boykott, nandeln? Oder genügen' bereits gewisse Imponderabilien; wie etwa Tratsch, Gerüchte, Nekkereien, Anspielungen? Und wie weit geht die künstlerische Freiheit des Autors? Wo beginnt der unzulässige Eingriff in die private Sphäre anderer Personen? In lebhafter Diskussion bemühte man sich vergebens, Grenzbestimmungen zu fincleru Doch fand der Prozess ein Happy end. (Aufschrift auf einer Zürcher Bonbonniere am dem 18. Jahrhundert) Die Galerie Muralto in Zürich veranstaltet dieser Tage eine Ausstellung von altem und neuem Zürcher Porzellan. Manche Leserin wird erstaunt Tagen: Zürcher Porzellan? Davon habe ich noch jie gehört. Man weiss, dass seit ein paar Jahrcehnten in Langenthai Schweizer-Porzellan hergestellt wird, doch war man in der Hauptsache daran gewöhnt, vom Begriff Porzellan aus die Ideenver- Mndung mit den Namen ausländischer Fabriken zu schlagen — Meissen, Sevres, Nymphenburg und wie sie alle heissen. Und wir schweifen in die Ferne, während auch in der Nähe so viel Gutes liegt, das unsere Würdigung verdient. Das Zürcher Porzellan datiert aus dem 18. Jahrhundert, wie auch die Erzeugnisse der andern schweizerischen Manufaktur von damals, die in Nyön gestanden hat. Zürich zeichnete seine Waren mit-einem Z, Nyon mit einem Fisch. Aber wozu soll man lange erklären? Wesentlich ist, dass man in der Galerie Muralto nebst schönen alten Stücken eine reiche Fülle von Kopien nach altem Zürcher Porzellan findet. Ein paar Zürcher Damen, die sich mit der Porzellanmalerei beschäftigen, haben die Schätze ihrer Arbeit zusammengetragen und zu einer Ausstellung vereinigt; damit der Besucher nicht nur das fertige Produkt sehe, sondern womöglich auch einen Eindruck von der subtilen und feinsinnigen Arbeit des Porzellanmalens erhalte, findet während der Dauer der Ausstellung in einem Saal ein Schaumalen statt. Porzellan ist ein edler und spröder Stoff, vornehm wie Pergament in seiner durchscheinenden Weisse, behutsam anzufassen in seiner Zerbrechlichkeit, und wieder edel und bezaubernd durch seinen hellen, reinen Klang. Ein aristokratisches Jahrhundert, nämlich das 18., hat dem Porzellan seinen ersten Aufschwung gegeben;, bald nachdem in Meissen seine Herstellung bekannt wurde — Porzellangeschirr haben'zwar die Seefahrer schon aus China nach Europa gebracht ^— verbreiteten sich die Geheimnisse seiner Anfertigung, und fast jeder europäische Fürst setzte seine Ehre darin, eine eigene Porzellan-Manufaktur zu besitzen. Sejbst Republikaner wie 'die Zürcher taten mit. Nachdem die ersten Versuche gelungen waren und man die entlehnten Stilformen der Bemalung abgelegt hatte, schuf sich Zürich seinen eigenen Stil in der Porzellanmalerei unter dem Einfluss von Salomon: Gessner und dem Kupferstecher Bruppbacher. Die Schweizer Landschaft verdrängte die , Ornamente; zierliche Veduten mit See, Berg und Ruinen fugten sich hauchzart auf Teller und Tassen, malerische Winkel blicken uns aus den Gefässen des gepflegten Tisches entgegen — kein Land zeigt auf seinem Porzellan so viele idyllische Motive wie die Schweiz. Daneben wurden viele bemalte Figuren hergestellt, Schäferszenen und Liebespärchen, zierliche Zeugen einer galanten Zeit. Die Zürcher Porzellanmanufaktur im Schooren bei Kilchberg existierte zwischen 1760 und 1791. Ihre Arbeiten sind berühmt, nicht minder einige von den Persönlichkeiten, die sich bei der Gründung und am Betrieb beteiligten, mäniieh der Idyllendichter und Landschaftsmaler Salomon Gessner (1730—1788) und der Vater des Dialektdichters Johann Martin Usteri. So schön die Erzeugnisse des Unternehiriens für die damalige Zeit waren, so anmutig sie auch für unser Empfinden noch sind — ein geschäftlicher Erfolg war es nicht. Nach dreißigjährigem Bestehen musste das Unternehmen liquidiert werden, was für die Beteiligten —- eine Reihe von Kaufleuten aus Zürich und Basel — empfindliche Verluste brachte. Ein Aufsatz von Dr. Karl Frei in dem vom Lesezirkel Hottingen auf den 200. Geburtstag Salomon Gessners herausgegebenen Gedenkbuch «Salomon Gessner 1730— 1930 » berichtet eingehend über die einstige Zürcher Porzellan-Manufaktur, «Den ersten Anstoss zur Gründung gab der Fund einer Erdart bei der Ziegelhütte unterhalb Schollenberg am Rhein (d. h. zwischen Flaach und Rüdlingen), welche im Sommer 1760 der Zürcherischen Naturforschenden Gesellschaft zur Prüfung vorgelegt wurde und sich als «eine mit Eisen mehr oder weniger geschwängerte Lett- und mit Thon vermischte Erde» erwies, aus der "nach Vornahme der nötigen Prozeduren ein «feines rothes Geschirr» verfertigt wurde. «Und dieses gab den Anlass zu der dissmahls etablierten Porcellainfabric», lesen wir auf einem losen, dem Protokoll der Naturforschenden Gesellschaft beigelegten Blatt -— heute im Zürcher Staatsarchiv.» Ob Gessner selbst den Anstoss zur Gründung der Porzellanmanufaktur im Schooren gegeben hat, lässt sich, nur vermuten, nicht aber nachweisen. «In Liebhaber- und Sammlerkreisen», schreibt der Vizedirektor des Schweizerischen Landesmuseums in der erwähnten Publikation über Salomon Gessner, «werden besonders die Erzeugnisse der Fabrik, ; welche die reizenden Landschaftsmotive aufweisen, als Arbeiten 1 Gessners in Anspruch genommen. Diese Annahme beruht auf der lokalen Tradition, die ihren Ursprung einerseits in der offensichtlichen Verwandtschaft der für das Zürcher Porzellan sa Photo Kurt Meisiner