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E_1936_Zeitung_Nr.030

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Jn dct Wcdftatt de* d>|krba!cn Automobfl-Revne — N« SO Eine Reportage aus der Schokoladefabrik Lindt & Sprüngli, Kilchberg. (Photo Wirth.) Die Blechformen werden mit flüssiger Schokolade abgefüllt. So sehen die Gussfortnen aus. Linkss Aus der erkalteten Blechform springt der Osterhase fix und fertig heraus — hat er einen Bruch, so wird er gleich wieder eingeschmolzen. Rechts: Jeder Osterhase muss gewogen werden, auch wenn er in der Uniform eines strammen Verkehrspolizisten auftritt. «0 Die einzige Armbanduhr Keine Abdichtung mit Gummi, Kork, leder oder onderen Substanzen, welche nach kurzer Zeit eintrocknen. Dos Präzisionswerk ist extra gro» und widerstandsfähig, vollkommen antimagnetisch. Eine Elinvar-Spirale und Balance wirken temperoturkompensierend, und der Gong der Uhr ist in 6 Lagen reguliert und geprüft. Dos Glas ist unzerbrechlich. In Edelstahl f«. 135._ Dito mit grosser Sekunde in der Mitte Fr. M5.— Dito mit automatischem Selbsraufzug • Fr. 168.— BEYER dann Prözisionswerk dauernd vor Wasser geschützt bleibt, ist die O Y S T E R CHRONOMETRIE BAHNHOFSTRASSE 31 ZÜRICH VERLANGEN SU DIN tOIIIN IRSCHKNININ NIUIN KATALOS und Staub GEGR. 1800 Wer hat es erfunden? Wer hat die Schlacht bei Waterloo verloren? Jedermann weiss es. Wer hat das Auto erfunden? Das wissen sehr viele nicht. Zu diesen vielen, die es nicht wissen, gehöre auch ich. • Ich könnte im Lexikon nachsehen. Ich könnte meine Söhne fragen. Aber ich sehe im Lexikon nicht nach. Und frage meine Söhne nicht. ^ Warum eigentlich sollte ich es tun? Bin ich nicht ohnehin gebildet genug? Genügt vielleicht nicht, was ich ohnehin weiss? Es möge... Es möge für den Menschen auch ein ewiges Geheimnis bleiben. Etwas von den Welträtseln. Eine letzte Frage auf den Lippen. Eine niemals ausgesprochene, niemals gestellte Frage. Wer hat es erfunden? Es möge.... Das Auto möge bleiben, was es ist. Ein Epos ohne Dichter. Ein Drama, das keinen Autor hat. Ein Fluss, der keinem Quell entspringt. In der Geschichte des menschlichen Geistes der anonyme Papyrus. Und ... (Wer hat den Wald gepflanzt?) Das Auto möge das kollektive Meisterwerk der Menschheit sein. Denn das ist an ihm das Schöne. Nicht nur die Tatsache, dass es rasch fährt. Sondern dies. Dass an ihm so viele, gearbeitet haben. Millionen Mitarbeiter. Und kein einziger hat einen Namen. Nur das Werk. Auto. Von Ladislaus Lakatos. Aber: Montgolfier. Aber: Bleriot. Aber: Zeppelin. Aber: Caproni. Sie kennen wir. Die Erfinder, die Konstrukteure, die Erbauer. Ihre Namen sind in den Büchern der Geschichte und auf den Kaffeehaustischen verewigt. Zeppelins Name lebt in jeder Setzmaschine. Man denke meinetwegen nur an die vielen Druckfehler. An die vielen «pe-s» die hier und auch dort ausgelassen wurden. Das alles würde für eine Unsterblichkeit genügen. Jedoch ... Jedoch das Fliegen ist eine Bravour. Eine individuelle Leistung ... Höchste Anerkennung für Posts Selbstlosigkeit, für Posts Mut, aber dem Ziel bringt uns vorläufig das Auto näher. Und das Ziel ist: dass die Erde enger werde, dass die Menschen einander näher kommen und kürzer werde die furchtbarste Entfernung, die Zeit, denn ihr entspringen: Fremdheit, Nichtverstehen, Hass. Und die Zukunft der Menschheit liegt vorläufig in den Gummirädern und nicht in den Propellern. Ich bin fürs Auto. Denn ich bin für den Fortschritt. Das Flugzeug gehört einzelnen. Das Auto der Allgemeinheit. Denn jeder hat an ihm gearbeitet. Jeder hat an ihm* gebaut. Jeder hat es erfunden. Und ä jeder fährt mit ihm. Auch das ist wichtig. Ja sogar... das wichtigste. Wie vielen Menschen hat es Freude bereitet, Erleichterung gebracht. Besserung. Lebensbesserung. Sein Erfinder wird kein Denkmal haben. Aber: auch kein Grab! Er hat keinen Geburtstag. Aber: auch keinen Todestag! Er hat keinen Namen. Aber: sein Name wird auch niemals vergessen werden! Die wahre Unsterblichkeit ist die Anonymität. Und vor dem undankbaren Vergessen bewahrt ausschliesslich die Unbekanntheit. Und es existieren ja doch nur zwei wirklich grosse Menschen. Der Niemand. Und der Jedermann. (Wer hat den Wald gepflanzt?) Auto: ein Kapitel aus dem Pantheismus der Technik. (Aus dem Ungarischen von Stefan J. Klein.)

IV. Blatt Automobil-Revue • Nr. 30 BERN, 7. April 1936 Die malerische Kirche Santa Mafia in Cugnasco. Die ganze Formenfolge der italienischen Kunst, vom frühesten romanischen Stil, über die Gotik, zur Vollblüte der Renaissance und bis zum Barock musste naturgemäss einen ganz besonders starken Einfluss auf die heutige italienische Schweiz ausüben. Nicht allein haben die gesegneten Lande am Südfusse des Gotthards der italienischen Kunst namhafte Meister geschenkt, deren Können die bedeutendsten Städte Italiens: Rom, Florenz, Genua, Venedig, Neapel, Mailand, Turin, Como und andere mehr mit hervorragenden Kunstwerken schmückten. Auch grosse italienische Künstler kamen in unser Land, um hier Zeugnis von ihrem unvergänglichen Wirken zurückzulassen. Von den erstem sei vor allem Domenico Fontana, der 1534 in Melide geborene geniale Meister, genannt, der die herrliche Fassade des Lateranpalastes in Rom und den Apostolischen Palast errichtete; ferner eine Reihe hochgeschätzter privater Palazzi. Auch die Aufrichtung des gewaltigen Obelisken vor dem Petersdom ist sein Werk. Im Dienste der spanisch-neapolitanischen Regierung schuf er später auch in Neapel bewunderungswürdige Werke und starb als ein Meister von europäischem Rufe. Auch der jüngere Bruder Domenicos, Giovanni Fontana, der Schöpfer des wundervollen Brunnens S. Pietro in Montorio und sein Neffe Carlo Maderna von Bissone, der Nachfolger des Guglielmo della Porta in der Bauleitung der Peterskirche, waren Baumeister und Architekten von grosser Bedeutung und nachhaltiger Wirkung auf ihre Zeit. Francesco Borromini (geboren 1599 in Bissone) baute in Rom einige Kirchen und Paläste, war auch am Petersdom tätig und in seiner Frühzeit hoch geschätzt. Seine Hauptwerke sind die Kirche nebst der Schule und der innere Hof der Sapienza, die Kirche und das Kloster der Philippiner, das Kollegium der Propaganda, sowie die Paläste Barbarini, Falconieri und Spada. Es würde in diesem Zusammenhang zu weit führen und für den Nichtfachmann des Interesses entbehren, alle Tessiner Maler, Bildhauer und Architekten, die in Italien, Frankreich, Deutschland und sogar Russland gewirkt haben, mit Namen aufzuführen und eine Uebersicht ihrer Werke zu geben. Genannt seien von den hervorragenden noch die Rodari aus Maroggia, deren Arbeiten zum (Photo Steinemann. Locarno.) Kirchen und Kunst im Tessin Von Johannes Vincent Yenner. (der Hinkende) dl Lugano, Giovanni Serodino von Ascona, der in Rom wirkte und dessen schmuckes Haus, von ihm selbst mit wertvollen Stukkoarbeiten verziert, heute noch wohlerhalten zu sehen ist (heute Casa Börrani genannt). Dann die Torriahi von'Mendrisio, die Molo von Coldrerio, Giuseppe Pedrini von Carvua, der auch im tessinischen Sottoceneri mehrere Kirchen ausgemalt hat — erwähnenswert sind besonders die Wallfahrtskirche Madonna d'Ongero auf der Arbostora und die Pfarrkirche San Abbondio von Gentilino auf der Collina d'Oro — und schliesslich die Orelli von Locarno. Auch diese Aufzählung müsste, um allen gerecht zu werden, noch lange forgesetzt werden. Mit Recht schrieb einst Hardmeyer: «Aus diesem Volke ist eine solche Zahl von Künstlern, besonders Bildhauer und Architekten hervorgegangen, dass man behaupten darf, es sei ein mit ganz besonders künstlerischen Gaben ausgestattetes Geschlecht. Der klare Himmel, der die Gegend überwölbt, die Schönheit, in der sich die Natur dem Auge darstellt, die Pflanzen- und Blumenfülle, der Wechsel von Tal und Höhen mögen in ungewöhnlicher Weise zur Entwicklung des Schönheitssinns dieses gutangelegten, munteren Volkes beigetragen haben ...» Von den italienischen Meistern, die im Tessin wirkten, wollen wir nur Bernardino Luini anführen, der dort sein vollkommenstes'Werk schuf: die gewaltige Komposition der Passion Christi in der Kirche S. Maria degli Angeli in Lugano. Es ging damals ein unschätzbar wertvoller Austausch und eine gegenseitige Befruchtung vor sich, der zufolge wir uns heute im Tessin einer ansehnlichen Reihe schöner und bedeutender Werke der Architektur, der Malerei und der Stukkatur erfreuen dürfen. Die Mehrzahl der in Italien schaffenden Tessiner Meister kehrten früher oder später in ihre Heimat zurück und errichteten dort — entweder sie selbst oder ihre Schüler — all die würdigen Kirchen und stolzen Paläste, die in ihrer Architektur und ihrer malerischen Ausschmückung neben der italienischen Kunst ihrer Zeit bestehen können. Wer kennt heute alle jene Meister, die mit schöpferischer Hand ihre bescheidenen Dörflein und stillen Städte schmückten? Wer kennt jenen Schönsten gehören, was der herrliche Dom von fefnen, klaren Geist, der die wundervolle Fassade Como aufzuweisen hat. Ferner die Cantoni aus der Kathedrale San Lorenzo in Lugano gliederte, Muggio, die in Genua, Mailand und Como berühmte Werke hinterliessen, die Rusca und die (eine an Leonardo erinnernde Freske) in der ab- wer den Meister des ergreifenden Abendmahls Albertolli. Als Maler genossen grossen Ruf die gelegenen Kirche von Ponte Capriascal Neben Carloni aus Rovio, Giacomo Discepoli, il Zoppo den vielen bekannten waren zahllose unbekannt» Meister am Werke, und es gehörte das volle Mass Forscherarbeit eines Menschenalters dazu, den Spuren dieser Namenlosen nachzugehen und ihre Arbeiten der Vergessenheit zu entreissen. Wer mit offenen Augen und einiger Kunstbegeisterung durch die tessinischen Kirchen und die alten Profanbauten geht, wird immer wieder auf räumlich oft weit auseinanderliegende Werke treffen, die ein und demselben Meister zugeschrieben werden müssen. Wir wollen nachstehend einige Kirchen und Kapellen beschreiben, in denen namenlose Meister Werke von hohem künstlerischem Wert hinterlassen haben. Es wäre natürlich ein müssiges Unterfangen, im Rahmen dieser bescheidenen Arbeit die Tessiner Kirchen und ihr Kunstgut auch nur skizzenhaft abzuhandeln. Wir wollen hier lediglich dem kunstbegeisterten Tessinfahrer in kurzem Ueberblick einige besonders interessante und historisch wie künstlerisch wertvolle Kirchenbauten namhaft machen, sowie auf einzelne Fresken etwas näher eingehen, und zwar in der Reihenfolge, wie der Wanderer sie, vom Gotthard kommend, antrifft; Ich sage absichtlich der Wanderer, denn um die Natur- und Kunstschönheiten des Tessins wahrhaft zu entdecken, sollte man ab und zu auch eine Strecke zu Fuss gehen. Wer nach der langen Tunnelfahrt in Airolo südliches Land betritt, dem bekunden bald die zahlreichen schlanken Campanile, dass er der Wiege des romanischen Stils entgegengeht. Die Leventina, wie das lange Tessintal heisst, das sich in nordöstlicher Richtung von Airolo bis Bellinzona erstreckt, ist denn auch das Land der romanischen Kirchen. In keinem andern Gebiet des Kantons Tessin hat sich dieser innige Stil so rein erhalten. Von der Pfarrkirche S. S. Nazarö und Celso in Airolo bis zur imposanten Stiftskirche von Biasca trifft der Wanderer über ein Dutzend bemerkenswerter romanischer Kirchen an. i besonders schmuckes Gebäude muss die aus 12. Jahrhundert stammende Kirche von Quinto gewesen sein, die mehrmals, zuletzt 1681, umgebaut wurde; und mit ihrem stattlichen Glockenturm •^flgithtn «das Tal beherrscht. 'Kunstfreunde werden sicbvöerne in die zahlreichen romanischen Ornamente vertiefen. Im Chor sind zwei gute Oelgemälde aus dem Jahr 1732 vorhanden; das eine den heiligen Ambrosius zu Pferd, die dreischwän- :zige Peitsche schwingend, und das andere den heiligen Carlo Borromeo unter den Pestkranken darstellend. Auch die im 17. Jahrhundert errichtete Kanüle bei Lacarno. Pfarrkirche von Prato ist aus einer älteren romanischen Anlage entstanden, wie vorhandene Wandgliederungen beweisen. , In dem entzückenden Kirchlein S. Siro in Mairengo, oberhalb, Faido, sind neben den zahlreichen Ueberresten der romanischen Anlage eine gotisierende Balkendiele und Reste von gotischen Wandgemälden erhalten. Desgleichen ein spätgotisches Schnitzaltärchen. Die benachbarte Kirche Santa ,Marta in Chiggiogna wird schon 1229 erwähnt, und ist wohl das älteste Gotteshaus dieser Talschaft, Es hat sein romanisches Gewand fast rein erhalten, und der äusserst schlanke Campanile gilt als ein unverfälschtes Beispiel romanischer Kirchenbaukunst. Auch hier ist ein spätgotischer Schnitzaltar vorhanden, der vom selben, wohl südbayrischen oder schwäbischen Meister stammt, wie der in Mairengo. Sehr alt ist auch das Kirchlein S. Ambrogio in Chironico, soll doch an derselben Stelle schon im 12. Jahrhundert eine Kapelle gestanden haben, die dann in verschiedenen ' Umbauten sich zur heutigen, aus dem Jahre 1580 stammenden Anlage ausgewachsen hat. ' Besonderes Interesse bietet für jeden Kunst- und Altertumsfreund das entzückend inmitten von Rebbergen gelegene Dorf Giornico, eine der ältesten Siedelungen der Leventina, mit seiner ausserordentlich bewegten Vergangenheit. An der Stelle, auf einer Anhöhe rechts vom Ffuss, wo sich heute das kleine romanische Kirchlein Santa Maria di Castello mit seinem schön gegliederten Glockenturm erhebt, stand vor Zeiten eine Burg von grosser Ausdehnung. Ausgrabungen haben mancherlei Kunstgut zutage gefördert. Grösseres Interesse als dieses mehrfach, umgebaute Kirchlein beansprucht die rein romanische, prachtvoll erhaltene Kirche S. Nicoiao mit ihrer weihevollen Krypta. Dieser — heute der Eidgenossenschaft gehörenden — Kirche, die noch aus dem 12. Jahrhundert stammt, blieb glücklicherweise jede Restauration erspart, so dass ihre innere und äussere Gestaltung ohne das anderswo so störende barocke Beiwerk, in ursprünglicher Schönheit und Erhabenheit tief auf jeden Beschauer wirkt. Nicht weniger schön und gut erhalten, ohne spätere Verballhornungen, steht auch die Stiftskirche von Biasca da, deren Front eines der ältesten Christophorusbilder des Tessins ziert. Im Innern befinden sich sehenswerte Fresken aus dem 16. Jahr- Auch das Bleniotal, das in nord-südlicher Richtung von der Lukmanierstrasse her sich bis Biasca erstreckt und fast parallel mit dem Tessintal verläuft, birgt in mancher schönen alten Dorfkirche wertvolles Kunstgut. Ich nenne nur Olivone mit