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E_1938_Zeitung_Nr.061

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sein, das von der

sein, das von der Gesellschaft aufzubringende Kapital durch Obligationen zu beschaffen, der Rest müsste vom Bund aus diversen Krediten zur Verfügung gestellt werden»... etc. Die Formel scheint mir in ihrer Struktur auch etwas gar zu einfach zu sein, um vom Bund und den Geldgebern überhaupt in ernstliche Erwägung gezogen werden zu können. Eine Ergänzung der Projektunterlagen in diesem Sinne wird sich daher als unumgängig erweisen. Die zweite Frage, die einer gewissen Abklärung bedarf, betrifft die künstliche Tunnelbelüftungsanlage. kurz. «Ich will versuchen, ihn einzurenken. > Zu mir sagte sie, dass ich dem jungen Mann den Rock unter den Kopf schieben sollte, und hiess ihn, sich wieder hinlegen. Ich hatte den Eindruck, dass er in Ohnmacht fallen würde; aber er war noch kräftig genug, um Nancy anzupöbeln. « Wozu das ? » sagte er. « Wenn mein Arm ausgerenkt ist, muss er wieder an den richtigen Platz gebracht werden. Nein, von Ihnen nicht. Dazu reicht es bei Ihnen nicht. Du musst es machen, Lukas, ich werde dir sagen, wie. Erst zieh die Schuh© aus.» « Unterstehen Sie sich», sagte Nancy, die sehr temperamentvoll und mit ihrer Geduld fast zu Ende war, aufbrausend. «Ich weiss, wie ein Arm eingerenkt wird, und werde es kunstgerecht machen.» « Aber warum wollte er, dass sein Freund die Schuhe auszieht», sprach Tante Betty vor sich hin, «ich bin überzeugt, er phantasiert. » Ich beobachtete Nancy. Sie arbeitete sehr sorgsam und geschickt an dem verletzten Arm. Vor meinen Blicken erstand das Resultat ihres langen, kostspieligen Studiums. Der Projektverfasser schlägt eine sehr komplizierte, in der Anschaffung und im Betriebe gleich teure Belüftungsanlage vor; er bleibt aber dem Leser den Nachweis schuldig über die grundsätzlichen Daten, die jeder derartigen Belüftungsanlage zu Grunde liegen müssen und aus denen die Dimensionierung der Anlage nachgeprüft werden könnte. Es genügt unseres Erachtens nicht, respektive muss zu Fehlschlüssen führen, wenn Betriebsdaten aus amerikanischen Strassentunneln übernommen werden, die unter ganz andern atmosphärischen und verkehrstechnischen Verhältnissen arbeiten. Der Projektverfasser leistet jedenfalls den Nachweis nicht, dass er bei der Berechnung der Ventilationsanlagen der Verschiedenheit des Betriebes und den örtlichen atmosphärischen Verhältnissen Rechnung getragen hat. Es ist dies allerdings ein Punkt, den eindeutig zu erfassen immer Schwierigkeiten machen wird. Ich habe daher schon bei anderer Gelegenheit angeregt, es möchte doch der Bund, in Anbetracht der geplanten Alpendurchstiche durch längere Strassentunnel, die Summen bereitstellen, die nötig sein werden, um im grösseren Stile Voruntersuchungen und Modellversuche durchführen zu können. Es sollten selbstregistrierende Wind- und Temperaturmeßstationen beim Ein- und Ausgang eines der geplanten Tunnel aufgestellt und die Messergebnisse durch die meteorologische Zentralanstalt verarbeitet werden. In Anlehnung daran müssten im aerodynamischen Institut der ETH in Zusammenarbeit mit dem Hygienischen Institut aerodynamische Modellversuche durchgeführt werden, um den Verlauf der natürlichen und künstlichen Luftund Gasluftgemischströmungen im leeren und von Fahrzeugen befahrenen Tunnel genau studieren zu können. Damit dürften wertvolle Fingerzeige für die Dimensionierung der Ventilationsanlagen künftiger Strassentunnel geschaffen werden können, und ausserdem die nötigen Aufschlüsse über das anzuwendende Belüftungssystem. Der Verfasser des Projektes sieht ja — im Gegensatz zu den bisherigen Belüftungen — die Zuführung von Frischluft von oben und das Absaugen der gasgeschwängerten Luft .nach unten vor. Es geht aber aus seinen Ausführungen nicht klar hervor, ob er die Luftwirbel und damit auch Gas-Luftwirbel, welche sich hinter jedem schnellfahrenden gummibereiften Fahrzeug bilden, und die das Bestreben der Kohlenoxydgase, in die Höhe zu steigen — weil heiss und leichter als Luft — noch ganz wesentlich unterstützen, respektiv dem Absaugen nach unten hindernd entgegenarbeiten, auch richtig eingeschätzt hat bei der Berechnung seiner Belüftungsanlage. — Es wird durch ein Absaugen der Luft nach unten diese Wirbelbildung höchstens gestört, aber, wenn nicht sehr überdimensioniert wird, nicht unterbunden und damit wenigstens ein teilweises Durchschwängern der Luft mit Auspuffgasen der höheren Partien des Tunnelquerschnittes nicht verhindert, höchstens wird der Gasluftgemischanstieg verzögert zum Nachteil der Autofahrer. Die Richtigkeit der vorgesehenen Anordnung und deren Wirtschaftlichkeit müsste jedenfalls auf Grund genauer Berechnungen zunächst noch nachgewiesen werden. Die U. M. S. gegen die Benzinzonen. Wie wir schon in unserer letzten Nummer gemeldet, hat auch die Vereinigung Schweiz. Motorradfahrer-Clubs gegen das Projekt der Wiedereinführung der Benzinzonen entschieden Stellung bezogen. Die Erwägungen, auf welche sie sich dabei stützt, präzisiert der nachstehend wiedergegebene Brief der Leitung dieses Verbandes an den Präsidenten der CIA: «Unter Bezugnahme auf unser Schreiben. vom 11. dieses Monats bestätigen wir Ihnen, dass unser Verband als einer der ersten die Beibehaltung des gegenwärtigen Einheitspreises für Benzin verlangt und sich gegen die Errichtung von Preiszonen gewendet hat. Seitdem im Jahr 1934 der Einheitspreis eingeführt wurde, haben wir in diesem System immer einen Fortschritt erblickt, dazu angetan, die Touristik zu erleichtern und einer Konkurrenzierung vorzubeugen, deren Folgen sich wahrscheinlich nicht immer in Vorteilen für den Konsumenten und in der Möglichkeit für sie äussern, bei der Regelung der Fragen des Benzinmarktes ein Wort mitzureden. Wäre diese Lösung nicht zustandegekommen, so stünden wir wahrscheinlich schon lange unter dem Monopölregime. Wiewohl sich die Situation seit einem Jahr gebessert, bekennen wir uns auch weiterhin als Anhänger des Einheitspreises, woraus der Tourismus bestimmt Nutzen zieht. Als Verband der Motorradfahrer, dessen Mitglieder sich aus allen Landesteilen rekrutieren, könnten wir zur Einführung eines Systems, das die einen Gegenden benachteiligt, nicht Hand bieten. Ausserdem beurteilen wird die Möglichkeit einer gerechten und dauerhaften Abgrenzung der verschiedenen Preiszonen skeptisch, denn zweifellos würde damit ein neuer Herd der Unzufriedenheit gelegt. Tatsächlich wird es praktisch ausgeschlossen sein, stichhaltige Gründe dafür namnaft zu mäehep.j weshalb die einmal fixierte Grenzlinie einer,gong;t nicht ebensogut anders verlaufen könnte.:' g••• Genehmigen Sie etc. Union Moteeycliste Suiese: = : Der Generalsekretär: KÖhli. Es war nicht umsonst! Die Forclazstrasse wird mit Ausweichstellen versehen. Der junge Mann ertrug tapfer alle Schmerzen, und ich begann darüber nachzudenken, wie er den anstrengenden Weg nach Rockestral zu unserem Wagen zurücklegen sollte. « So», sagte Nancy. « Jetzt brauche ich die Handtücher. Wo sind Sicherheitsnadeln ? > Keiner von uns hatte Sicherheitsnadeln. « Macht nichts >, sagte Nancy, « gib mir deine Brosche, Tante Betty.» « Ich denke nicht daran », erwiderte Tante Betty. «In dieser Brosche befindet sich eine Locke meines Grossvaters;, was er davon gehalten hätte, dass seine Urenkelin einen fremden Mann auszieht und ihm den Arm einrenkt, das wage ich gar nicht auszudenken. Natürlich ist das sehr tüchtig, aber was ist Tüchtigkeit ? Die Aufgabe der Frau in diesem Leben ist, gut zu sein. > : Tante Betty brachte ihre Bemerkung;, die nur für mich bestimmt war, mit halblauter Stimme vor. Aber alle andern hatten sie auch gehört, denn die beiden Männer hatten einen belustigenden Gesichtsausdruok, und Nancy sah drein wie jemand, der das Surren einer Fliege hört, aber zu beschäftigt: ist, um darauf zu achten. AUTOMOBIL-REVUE FREITAG, 29. JULI 1938 — N 61 JJklttimielles Bevor daher die Presse einem solchen Projekte wird ihre Unterstützung angedeihen lassen können, werden zum allermindesten beruhigende Aufschlüsse über diese zwei angeschnittenen Fragen abgewartet werden müssen. Ueber den unhaltbaren baulichen Zustand der Forclazstrasse noch viele Worte zu verlieren, hiesse Wasser ins Meer tragen. Unser Blatt hat sieh in Nrn. 42 und 59 mit diesem" betrüblichen Kapitel der Walliser Strassenund Verkehrspolitik eingehend beschäftigt und dabei mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg gehalten. Heute wird uns die Genugtuung zuteil, dass man sich zuständigen Orts dazu entschlossen hat, endlich einen Schritt vorwärts zu tun, um zu retten, was noch zu retten ist und dem zweifelhaften' Ruf, den die Forclaz namentlich bei denausländischen Automobilisten geniesst, entgegenzutreten. Unter dem Vorsitz von Staatsrat Anthamatten fand nämlich letzter Tage in Martigny eine Konferenz mit den Präsidenten der interessierten Gemeinden und Verkehrsvereine statt, wobei festgestellt wurde, dass die Forclaz unter jenen 6 Walliser Strassen figuriere, deren Ausbau nach dem vom Bund ausgearbeiteten Alpenstrassenprogramm von 1942 an in Angriff genommen werden soll. Aus der Erkenntnis heraus, dass die Verbesserung schon heute keinen Aufschub mehr dulde, hat sich indessen das kantonale Baudepartement entschlossen, bereits in diesem Jahr mit der Anlag© von Ausweichstellen zu beginnen, sobald es die Verkehrsverhältnisse erlauben. Für 1938 stehen 3000 Fr. zur Verfügung, doch ist vorgesehen, für das nächste Jahr einen weitern Kredit ins Staatsbudget aufzunehmen. Grosse Summen sollen nach den Mitteilungen des. Regierungsvertreters nicht erforderlich sein, weil weder Spezialarbeiten noch Landankäufe vorgenommen werden müssten. Bedeuten auch die 3000 Fr., welche zur Schaffung von Ausweichstellen noch im Laufe dieses Jahres aufgewendet werden sollen, einen Tropfen auf einen heissen Stein, so sind sie doch besser als gar nichts. Hauptsache bleibt, dass sofort etwas unternommen wird, um die Forclaz ihrer abschreckenden Wirkung auf den weniger berggewohnten Automobilisten zu entkleiden. Eine endgültig© Lösung freilich wird man in der Anlage blosser Ausweichplätze nicht erblicken dürfen, vielmehr betrachten wir sie lediglich als ein Uebergangsstadium, als Provisorium, das hinüberleitet zum vollständigen, zeitgemässen Ausbau dieses wichtigen Einfallstors ins Wallis und damit in die Schweiz. Die offene Barriere., ji'ch dem Luzerner Seenachtfest flutete ein r lnächtiger Verkehrsstrom über di© Ausfallstrassen der Leuchtenstadt. So bewegte Sich, wie die Luzerner Presse zu berichten weiss, u. a. eine endlose Schlange von Automobilen, Motorrädern und Radfahrern auch brünigwärts. Und ausgerechnet bei diesem Gewimmel blieb die Barriere der Brünigbahn an der Kantonsgrenze, beim Restaurant Schlüssel, offen im Moment, als der Extrazug mit den Besuchern des Seenachtfestes nahte. Ein wahres Wunder, dass sich dabei vier Radfahrer durch Passanten auf die drohende Gefahr aufmerksam gemacht, in letzter Minute in Sicherheit bringen konnten. Wenn das Blatt, dem wir diese Meldung entnehmen, die Bestrafung der für diese Unterlassungssünde verantwortlichen Bahnorgane verlangt, dann spricht es damit eine Selbstverständlichkeit aus. Wie aber, wenn es ein© Verkettung unglücklicher Umstände gewollt hätte, dass ein Automobil in die Falle geraten wäre? Die Vermutung ist gar nicht so abwegig, dass es dabei dem Führer des Wagens noch hätte passieren können, wegen «Gefährdung des Eisenbahnbetriebs> vor die Schranken zitiert und verurteilt zu werden,' denn an Fussangeln, an gesetzlichen Möglichkeiten dafür, herrscht bekanntlich kein Mangel. « Gib mir Haarnadeln, Mutter», sagte sie kurz. «Ein Glück, dass du keinen Bubenkopf hast.» Nachdem Nancy kunstvoll eine Schlinge für den verletzten Arm gemacht hatte, sagte sie zu dem altern Herrn : «Jetzt müssen wir sehen, wie wir ihn nach Rockestral schaffen. Haben Sie einen Wagen dort ? » «Nein, wir wollten die Küste entlang wandern.» < Das können Sie jetzt naturlich nicht tun. Sie müssen nach Porthlew zurück. Er muss morgen durchleuchtet werden. > c Wozu ? » fragte Andy. « Und ich wünsche, dass er gleich zu Bett gebracht wird. Er hat einen Nervenschock erlitten.» « Mehrere », Hess sich Andy vernehmen. « Aber ich fühle mich jetzt viel besser und danke Ihnen sehr. Wir müssen uns bald wieder sehen. Soll ich zu Ihnen kommen, oder wollen Sie mich aufsuchen ? » < Ich gehe mit Ihnen », entgegnet© Nancy. « Wohin denn ? > fragte Andy betroffen. «Elisabeth !» rief Tante Betty ausser sich. « Wenn du ihr jetzt den Standpunkt nicht klarmachst, dann werde ich es. tun.» Wiicdea Sie das schätzen? Dass Sie auf Ihren Fahrten etwas für des Leibes Atzung mit sich führen, und dass sich Ihr Begleiter unterwegs über diese Mundvorräte hermacht, um sie mehr oder weniger kunstgerecht zur Vertilgung zuzubereiten und sie Ihnen, währenddem Sie am Volant weiter Ihres Amtes walten, in den Mund zu stopfen, dagegen lässt sich vernünftigerweise nicht die leiseste Einwendung erheben. Dass er aber, eine Banane oder Orange geschält habend, die Ueberreste, ohne sich umzusehen mit wuchtigem Schwung aus dem Fenster befördert, das darf nicht passieren. Weil es eine sträfliche Unbesonnenheit ist. Denn vielleicht hat gerade in diesem Augenblick ein Motorradfahrer von hinten aufgeschlossen, um zu überholen. Eine Ladung Bananenschalen ins Gesicht geknallt zu kriegen — das kann ihm das Gleichgewicht kosten. Wenns gnädig abläuft, bedenkt er Sie, nachdem er schwankend gebremst, mit einer längeren Reklamation aus seinem Wortschatz, Kapitel Zoologie. Und kein Fühlender wird ihn deswegen verdammen... Genau die gleiche Rücksichtslosigkeit ist es, glühende Zigarren- oder Zigarettenstummel aus dem Wagen zu spicken, ohne sich zuvor umzuschauen. Denn vielleicht hat gerade in diesem Augenblick usw. (siehe oben). Würden Sie es etwa schätzen, wenn man Ihr Antlitz mit solchen Geschossen bearbeitete? Nein — na also? Natürlich dürfen Sie sich der Tabakabfälle trotzdem « auf dem Wege durchs Fenster» entledigen, zumal sich die meist sehr rudimentären Aschenbecher im Wagen durch ein mikroskopisch kleines Fassungsvermögen auszeichnen. Aber eben: wenn Sie im Begriff stehen, mit Stummeln zu werfen, dann werfen Sie erst mal was anderes. Nämlich einen Blick nach hinten. Vefkeht Das Problem der Parkierung und Parkbewachung des deutschen Volkswagens soll, wie verlautet, nach dem Vorbild Düsseldorfs gelöst werden. Dabei erhalten die Parkwächter ein angemessenes Gehalt, das die Annahme von Trinkgeldern verbietet. Der Wagenbesitzer seinerseits Zahlt je 20 Pfennig für -die ersten drei Parkstunden und 10 Pfennig für jede weitere Stunde. Die Jahresparkkarte soll 30 RM kosten. Mit dem Abonnement ist eine Haftpflichtversicherung verbunden, welche den Wagenbesitzer vom Risiko finanzieller Schäden befreit Ferienzeit — erhöhte Unfallgefahr für die Kinder. Um Anhaltspunkte darüber zu gewinnen, za welchen Zeiten den Kindern im Strassenverkehr die meisten Unfälle zustossen, hat die englische «Safety First Association» bei den Polizeibehörden eine Erhebung durchgeführt, deren Ergebnisse sich dahin zusammenfassen lassen, dass die Jugend am Abend, über das Wochenende und während der Ferien den grössten Gefahren ausgesetzt ist. Mit Rücksicht darauf erlässt die genannte Organisation einen Appell an sämtliche Strassenbenützer eowohl als auch an die Eltern, gerade jetzt, während der Ferienzeit; ein besonders wachsames Auge auf die Kinder zu richten. Der Warnruf, der nur allzu begründet ist, könnte genau so gut auch bei uns erlassen werden. Geben Sie also, verehrter Kollege vom Lenkrad, Ihrer Aufmerksamkeit für spielende Kinder noch eine Extraportion hinzu! Viele®, aber nicht alles lässt eich damit verhüten, weshalb wir auch an die Eltern die eindringliche Mahnung richten, nichts zu unterlassen, um die Kinder von der Strasse fernzuhalten. Und schliesslich hiesse es auch von den Fussgängern nicht zuviel verlangen, wenn man an ihr Verständnis und ihren guten Willen appelliert, mitzuhelfen, wo sich Gelegenheit bietet, um die Kleinen vor dem Hineinrennen in die Gefahr zu schützen. «Wie heissen Sie ? » fragte Nancy den kleinen Herrn. « Andreas King, und das ist mein Vetter Lukas Hardacre.» « Mein Name ist Nancy Brooke, und das ist meine Grosstante, Fräulein Ramsham. Man sagt, dass ich ihr im Aeussern und im Wesen sehr ähnlich bin.» «Deine Schwestern erwarten uns zum Tee >, sagte Tante Betty sehr streng. «'Wo ? » fragte Andy lebhaft interessiert. «Kommen Sie», sagte Nancy, und so machten wir uns alle fünf auf den Weg über die Klippen nach dem Haus des Strandwächters. Nancy und Lukas betreuten Andy, bis wir die andern fanden und uns mit ihnen zum Te© setzten. Dann wurde beschlossen, dass die beiden Männer mit Nancy, Tante Betty und mir vorausfahren und der Wagen später die: andern holen sollte. « Wir haben Sie in Ihrem Vergnügen gestört und Ihnen viele Ungelegenheiten bereitet», sagte Lukas zu mir, als wir sie beim Hotel « Zum roten Löwen » aussteigen Hessen. «Dürfen wir Ihnen unsern Besuch machen ? > (Fortsetzung folgt.)

61 FREITAG, 29. JULI 1938 AUTOMOBIL-REVUE Rund um den Grossen Preis von Deutschland Es war ©ine ebenso glückliche wie lobenswerte Idee von Herrn Direktor Muff, dem Generalvertreter der Daimler-Benz AG. für die Schweiz in Zürich, unsere einheimische Fach-, Sport- und Tagespresse zu einem Ausflug nach der Eifel, zum Grossen Preis von Deutschland, einzuladen. Wir alle, die wir das Vergnügen hatten, auf dieser herrlichen, von A—Z von wundervollstem Wetter begünstigten Fahrt mit dabei zu sein, wissen ihm und dem Leiter der Berner Filiale des Zürcher Hauses, Herrn Büchler, sowie den Herren von Untertürkheim, die sich uns am Nürburgring unten als Cicerone in liebenswürdiger Weise zur Verfügung stellten, tausend Dank für die unauslöschlichen Eindrücke, die sie uns im Verlauf der Rheinlandreise vermittelt haben, für all das Geschaute und Erlebte, das uns während vier Tagen in konzentrierter Form geboten wurde. Ein Ding der Unmöglichkeit ist es, hier alles festzuhalten, was uns von diesem Abstecher ins rheinische Schiefergebirge der Erwähnung würdig erschiene und so bleibt uns denn nichts anderes übrig, als einige wenige Rosinen aus dem Kuchen herauszupicken. Elf Mann und eine Dame hoch huschten wir am Freitagvormittag in drei rassigen Mercedes-Benz- Wagen lc»9, um über Basel - Freiburg i/Bredsgau Karlsruhe anzusteuern und dann weiter, von Durlach rheinabwärts bis vor Darmstadt, über die Reichsautobahn zu rollen. Mit diesen Fernverkehrsstraseen (rund 2500 km bestehen schon — 11,000 km sollen erbaut werden) hat das neue Deutschland ganz fabelhafte, imposante Anlagen geschaffen und damit ausserordentlich zur Behebung der Arbeitslosigkeit beigetragen. Gewiss. die zeitlichen Vorteile, die sich für jeden, der die Autobahn in seinen Reiseplan einbezieht, ergeben, sind grose. Mit der erklecklichen Geschwindigkeit, die hier infolge des Einbahnverkehrs und der Oberflächenbeschaffenheit (Beton) aus dem Motorfahrzeug herausgeholt werden kann, steigen aber auch die Anforderungen an den Piloten, zumal das Landschaftsbild — wenigstens auf der von uns benutzten Strecke — mitunter monoton ist und die Fahrt infolge Mangel an Abwechslung auf die Dauer sehr eintönig wird. Begreiflich ist es deshalb, wenn sich mit der Zeit bei Fahrer und Mitreisenden Ermüdungserscheinungen einstellen und die Unfallgefahr 6tändig anwächst. Zu einem Schauspiel von erhabener Grosse, zu einem seltenen Erlebnis wurde für unsere Pressegesellschaft die Fahrt dem Rhein entlang, von Mainz nach Koblenz, der Stadt am deutschen Eck. Ein grauer Dunst schwebte über dem breiten Strom, schwer beladen suchten sich Schleppschiffe mit den Handelsflaggen von einem halben Dutzend Nationen im Dunkel ihren Weg, silhouettengleich hoben sich Burgen und Ruinen vom sternklaren Himmel ab, und unser Auge konnte sich an soviel herrlicher Pracht kaum sattsehen. Eigentlich überflüssig, zu bemerken, dass wir uns im heimeligen, lieblichen Bacharach, wo schon die Römer, die den Ort Bacchi ara (Bacchus-Altar) nannten, Wein angebaut haben, einen funkelnden, perlenden Tropfen zu Gemüte führten, den man von jeher zu den besten Rheinweinen zählt und von dem ein Jahrhunderte altes Trinklied unter anderm kündet: «Zu Bacharach am Rhein, zu Würzburg an dem Stein, zu Klingenberg am Main, hab' ich in meinen Tagen gar oftmals hören sagen, soll'n sein die besten Wein.» An Rheinpfalz und Lorelei vorbei, die zu vorgerückter Abendstunde nur schwer zu erkennen waren, erreichten wir Kob- Jenz und schliesslich das malerische, von einer stolzen Burg überragte Cochem im rebenbehangenen Moseltal, das für drei Tage unser Standquartier Werden sollte. * Der Nürburgring im nordwestlichen Teil der seltsamen Eifellandschaft, den wir im Anschluss an das letzte Haupttraining vom Samstagnachmittag aus eigener Anschauung kennenzulernen Gelegenheit hatten, ist auf einen Beschluss des Adenauer Landrates hin speziell für Rennsportzwecke mit einem Kostenaufwand von über 15 Millionen erbaut und im Sommer 1927 mit dem Grossen Preis von Deutschland für Sportwagen eröffnet und eingeweiht worden. Er wurde unterteilt in die 22,81 Kilometer lange Nord- und die im Rennen nicht befahrene 7,747 Kilometer lange Südschleife und stellt eine regelrechte, grossartig in das melancholische Hochplateau eingefügte Bergrundstrecke mit einem maximalen Gefälle von 11 und einer ebensolchen Steigung von 17°/o dar. Die Piste lässt sich also mit unserem Bremgartenwald-Circuit in keiner Weise vergleichen. Im Rennen selbst wird, wie bereits erwähnt, nur die Nordschleife befahren, welche einen Höhenunterschied von rund 300 Meter aufweist, wobei sich der höchste Punkt mit 620 Meter ü. M. am Start und Ziel, der tiefst gelegene mit 320 Meter ü. M. bei Adenau befindet. Die Tribünengerade am Startplatz besteht, wie übrigens auch die Gegengerade (hinter den Boxen und dem Zeitnehmerhaus) aus Beton und ist 12 Meter breit, während der ganze übrige Teil der 22,81 Kilometer langen, 22mal zurückzulegenden Strecke aus Teer-Macadam in einer durchgehenden Breite von 7.5—8 Meter erstellt wurde. Es versteht sich am Rande, dass fast alle der 85 Rechts- und 89 Linkskurven des Nüriurgring überhöht sind und das berühmte Karussell beispielsweise mit seinem 32-Meter-Kurvenradius ist mit Beton ausgebaut. Bei unserer Rundfahrt vom Samstagabend haben wir ungefähr eine Ahnung dessen bekommen, welche Anforderungen die Piste an Strassenlage der Rennwagen und Beschleunigungsfähigkeit ihrer Motoren stellt, und welche Proben ihres Mutes und ihres Könnens die Piloten im oftmals schweren Kampf um Zeit und Platz abzulegen haben. Kurve reiht sich an Kurve, ein ewiges Hinauf und Hinunter wie auf der Achterbahn, die Geraden gehören zu den Seltenheiten, und nur bei der Auffahrt vom Schwalbenschwanz her über die Döttineer Höhe via Antoniusbuche und Tiergarten Adenau ist Sportstadt in diesen sensationellen Tagen und Stunden. Die Einwohner sind aus dem Häuschen —, in des Wortes wahrster Bedeutung, denn Raum zum Verweilen, zum Schlafen bleibt ihnen nicht in ihrem Zuhause. Der kleine Bau, in dem ich endlich, nach unzähligen Mühen, ein Privatquartier erhalten habe, zählt in der Nacht zum Renntag acht Gäste. Vater, Mutter, Kinder, sogar die alte Grossmutter sind ausquartiert und behelfen sich mit schmalen Sofas, Strohsäcken auf der Erde, einem kurzen Schlafviertelstündchen in einer Sesselecke. Und warum auch nicht? Wer schläft in so einer Nacht? Die Gäste, die das Quartieramt eingewiesen hat, kommen meist auch nicht nach Hause, höchstens gegen morgen auf ein paar Stunden. Alles durchzieht aufgeregt die Strassen, füllt die viel zu kleinen Lokale, singt, trinkt, feiert ungeahnte Wiedersehen, schliesst Freundschaften fürs Leben, an die schon morgen keiner mehr denkt. Und kauft ein! Der Renntag ist lang, Stehen und Schauen macht hungrig und durstig. Die Läden, die ganze Nacht geöffnet, sind gut darauf eingerichtet. Kombinierte Pakete mit Wurst, Brot, Wein, Erfrischungen finden reissenden Absatz. Ansichtspostkartenhändler machen das Geschäft ihres Lebens. Hotelhausdiener wissen auch im dichtesten Ansturm der Quartiersuchenden noch irgendwo ein leeres Privatzimmer und streichen zufriezur Tribünengeraden scheint der Einsatz der Spitzengeschwindigkeit möglich. Unter dem nachhaltigen Eindruck, den der Parcours auf uns machte und dem sich wohl niemand entziehen kann, staunten wir über die unwahrscheinlich hoch stehende Durchschnittsgeschwindigkeit, die Manfred von Brauchitsch auf Mercedes-Benz mit 9:48.4 = 139,6 km/St, anlässlich seiner Rekordrunde im Donnerstagstraining herausgeholt hatte. Aber nicht nur die Strecke an und für sich, auch die .baulichen Anlagen am Start und Ziel sind geradezu etwas Einmaliges. Hier erhebt sich das riesige Tribünengebäude mit dem Sporthotel «Nürburgring» — in geringer Entfernung davon — Richtung Schwalbenschwanz — finden wir das Rennfahrerlager mit unzähligen Boxen, dem Parkplatz der Camions, in welchen Fabrikmannschaften und Privatfahrer ihre Rennwagen transportieren. Hier werden die letzten Vorbereitungen getroffen, die Motoren vorgewärmt und von hier aus rollen die Konkurrenten mit ihren Fahrzeugen auf «unterirdischem» Wege unter der Start- und Gegengeraden durch zum Zeitnehmerhaus und zu den Boxen, um sich dort dem Starter zu stellen. Alles in allem, eine grossartige Anlage, deren ständiger Unterhalt nicht wenig Geld verschlingt, weshald denn auch pro Insasse eines jeden den Ring benutzenden Automobils 1 Reichsmark abgeliefert werden muss. * Entsprechend den phantastischen äusseren Ausmassen, welche dem Nürburgring sein besonderes Gepräge verleihen, nimmt auch der Besuch der hier zum Austrag kommenden Rennen von Seiten des automobilsportbegeisterten Publikums ganz ungeheure Formen an und die Organisatoren aller übrigen kontinentalen Grand Prix könnten vor blankem Neid erblassen, wenn sie erfahren, dass dem Rennen vom vergangenen Sonntag rund 300.000 Personen beiwohnten. Die Tribünen waren am frühen Morgen (8.30 Uhr erfolgte der Start de® nationalen Sportwagenrennens, 10.00 Uhr derjenige der Motorräder) schon zum Bersten voll, jedes irgendwie verfügbare Plätzchen der Rennstrecke entlang war mit Beschlag belegt und die besonders gute Sicht bietenden Punkte wie die Quiddelbacher Höhe, das Schwedenkreuz, der Adenauer Forst, der Wehrseifen, das Bergwerk, das Karussell und der Der Start zum Grossen Preis von Deutschland von der Haupttribüne aus gesehen. Schwalbenschwanz — ganz zu schweigen von der Nord- und Südkehre — bildeten ein unübersehbares Menschengewirr Auf den über 130 Parkplätzen der Nürburgring G. m. b. H. hatten nicht weniger als 3000 Autocars, 14.000 Automobile und 16.000 Motorräder parkiert, 60.000 pedalten per Velo zum Schauplatz des Grossen Preises von Deutschland und etwa 35 Extrazüge, die in der Nacht vom Samstag auf. den Sonntag ununterbrochen in Adenau eintrafen, spien weitere Tausende und Abertausende von Sportenthusiasten aus. Ueber den Verlauf des Rennens haben wir uns in der Dienstagausgabe ausführlich ergossen. Er war im ersten und im letzten Drittel spannungsgeladen, sensationell und sogar das dramatische Moment blieb nicht aus. Aber auch an humorvollen Phasen fehlte es nicht, von denen hier wenigstens eine geschildert sein soll. Der Kampf ging seinem Ende entgegen. Noch stand man unter dem Eindruck des Brandes von Brauchitschs Wagen und der Einsatzbereitschaft, der Geistesgegenwart und Unerschrockenheit, mit der Mechaniker und Helfer von Mercedes-Benz eine drohende Katastrophe abgewendet hatten. Noch bewunderte man Pechvogel Manfred, der sich, als ob nichts geschechen wäre, wieder in den weiss überkxusteten Wagen setzte und losfuhr, als der Schaumlöscher zwischen Boxen und Zeitnehmerhaus — also gegenüber der Haupttribüne — völlig freiwillig diesmal erneut in Aktion trat, seinen Inhalt über die dort parkierten Privatwagen ergoss und den ganzen Platz im Nu in eine Schneelandschaft verwandelte. Worauf der Ansager am Lautsprecher mitteilte, dass Korpsführer Hühnlein in Anbetracht der Tatsache, dass den Tribünenbesuchern bedeutend mehr ge- m KlMf» £m boten worden sei, als sie hätten annehmen können, eine Aufzahlung pro Tribünenplatz von 5 Reichsmark befohlen habe.... 1 Als Schlachtenbummler auf dem Nürburgring. Zuerst einmal: es herrschte schon während der Trainingstage und dann auch während des Rennens selbst ein märchenhaft schönes Wetter Das ist auf dem Nürburgring durchaus keine Selbstverständlichkeit. Brauender Nebel und deprimierendes Regengeriesel, das typische Wetter der strengen, kargen Eifellandschaft —, diesmal sind wir davon verschont geblieben. Die Sonne brannte, die Umsätze der Drops- und Sonnenbrillen- Verkäufer .übertrafen die der «Heisse Würstchen»- Männer erheblich, und eisgekühlte Limonade floss in Strömen. Die 300.000, die an dem grossen Tag die Strecke umsäumten, waren damit zufrieden, zumal das gewohnte nächtliche Freiluft-Camp unzählbarer Zehntausender dadurch ein ungetrübtes Vergnügen wurde. Die Rennfahrer freilich und ihre Betreuer wären mit etwas küblerem Wetter sihr einverstanden gewesen. Die Hitze setzte den Fahrern tüchtig zu, und besorgte Fachmannsblicke streiften die Stapel der Rennreifen in dem kargen Schatten der Ersatzteil-Boxen. «Aber immer noch besser als der entsetzliche Nebel des letzten Eifelrennens, den nur die Tollkühnheit Bernd Rosemeyers bezwang,» meinte einer der Monteure in ihren blauen Leinen-Overall. Viele Zehntausendo richteten es so ein, dass sie erst am Sonntagmorgen, zum Beginn der Rennen, auf dem Nürburgring eintrafen. Sie haben sich zwar eine Uebernachtung im Freien oder in einem provisorischen Quartier weitab vom Ring erspart, aber sie haben etwas •versäumt, was ein richtiger Nürburgrennbesucher nicht um vieles Geld missen möchte: die Nacht vor dem Rennen. Am konzentriertesten erlebt man sie in Adenau, der kleinen Eifelstadt direkt unterhalb der Nürburg. Sonst ist sie ein kleines, etwas verschlafenes Nest, und wenn nicht zwei, drei gute Hotels und die dazugehörigen Restaurants lockten —, kaum einer würde seinen Wagen anhalten, um zu verweilen. An den Renntagen aber ist hier das Zentrum eines Betriebes, den selbst Bild und Film nicht getreu zu schildern vermögen, geschweige das geschriebene Wort. Der bezwingende Rhythmus eines riesigen Volksfestes durchtobt die kleine Stadt. Mag der Tag in die Nacht übergehen, man merkt es nicht inmitten dieses gewaltig vibrierenden Sporterlebens. Unablässig durchzieht ein Strom von Fahrzeugen die gefährlich schmale Hauptstrasse, die zum Ring hinaufführt, schon von Sonnabendmittag an. Stossstange an Stoßstange, so schieben, drücken sie sich vorwärts, dem Ring entgegen. Und welch ein Sammelsurium von Fahrzeugen! Prächtige Sportwagen mit reichbestücktem Instrumentenbrett, stolze Siegesplaketten am Kühler, ungeduldig über den Schneckentrab brummend, zu dem sie gezwungen sind; riesige Reiselimousinen mit den vielbestaunten Kennzeichen tropisch-fremder Länder; neben ihnen kleine dreirädrige Transportwagen, wie sie Gemüsehändler und Kohlenlieferanten in Betrieb haben, knatternde Vehikel, und darauf — man traut kaum seinen Augen! — Stühle aus der guten Stube zu Hause, mit Wäscheleinen festgebunden, besetzt von Verwandten und Freunden des strahlend glücklichen Besitzers Motorradfahrer, Fussgänger, die viele, viele Kilometer per pedes zurücklegen, um dabei sein zu können, schwere Reise- Omnibusse, Radfahrer, Fahrzeuge und Menschen jeder Art strömen, strömen, fluten, fluten zum Ring. Es ist dunkel geworden am Sonnabendabend, aber der Strom fliesst unvermindert stark, ja immer reissender werdend. Spezialpolizisten, aus verkehrsreichen Großstädten herbeigeholt, bannen ihn wieder und wieder in sein Bett.