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E_1939_Zeitung_Nr.038

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Der Zufall erfindet das

Der Zufall erfindet das Sicherheitsglas Unzerbrechliches Glos — das war ein uraltes Ziel. Seit das Glas herzustellen vermag, ist man darauf aus gewesen, und schliesslich half vor nun 36 Jahren der Zufall, es zu finden. Damals experimentierte der französische Chemiker Eduard Benedictus in seinem Pariser Laboratorium, und während er auf einem hohen Regal ein paar Flaschen ordnete, entglitt eine davon seiner Hand und fiel zu Boden._ Normalerweise hätte sie in Scherben gehen müssen, denn der Fussboden des Laboratoriums bestand aus soliden Platten. Die Rasche zersplitterte aber nicht, sondern zeigte nur — unter Beibehaltung ihrer Form — ein Netz von Sprüngen. Nicht das kleinste Stückchen war abgesplittert. Sehr begreiflich, dass Benedictus über dieses Phänomen erstaunt war. Er untersuchte die Flasche, die sich in der Tat als unzerbrechlich erwies und fand schliesslich auch die Ursache der sonderbaren Erscheinung. Die Flasche hatte eine Lösung von Nitrozellulose enthalten, die verdunstet war und an den Innenwänden der Flasche eine zähe Haut zurückgelassen hatte. Benedictus versah die Flasche mit einer entsprechenden Etikette und dachte nicht mehr daran. Einige Zeit später jedoch las er in einer Zeitung von einem Automobilunfall, bei dem ein junges Mädchen durch zerplitternde Glasscheiben so schwer verletzt, wurde, dass es verblutete, ehe ein Arzt zur Stelle war. Kurz darauf vernahm er wieder von einem ähnlichen Unfall, und nun stand plötzlich (wie er selbst erzählte) das Bild der unzerbrechlichen Flasch vor ihm, die er in seinem Laboratorium stehen hatte. Er sprang auf, eilte in sein Laboratorium und Vertiefte sich in die praktischen Möglichkeiten seiner Idee. Der nächste Morgen fand ihn noch immer im Laboratorium sitzend, mit der unzerbrechlichen Fjasche in der Hand. Neun- Stunden hatte er damit hingebracht, ein Programm auszuarbeiten, um die Erfindung, die vorläufig erst Gedanke war, in die Tat umzusetzen. Dann nahm er zwei dünne Glasscheiben und machte daraus sozuzagen ein Zellulose-Sandwich: Glas, alkoholgelöstes Zelluloid, Glas. Das legte er so lange in die Presse, bis sich aus der Zwischenschicht der Alkohol verflöchtigt hatte, — und die erste Triplex-Scheibe war geschaffen. Das war im Jahre 1903. Von der Stunde der ersten Begeisterung für die neue Erfindung bis zur rationellen Fabrikation ist ein langer Weg, und es dauerte bis 1909, das Benedicfus sein erstes französisches Patent aufnahm und die

II. Blatt BERN. 9. Mai 1939 Automobil-Revue No 38 No 38 II. Blatt BERN, 9. Mai 1939 Erfolgreiche Feuerprobe in Tripolis Lang und Caracciola landen auf dem kleinen Mercedes-Benz einen Doppelsieg Mit Ausnahme von Emillo Villoresl (Alfa Romeo) alle italienischen Fabrikpiloten von Alfa-Corse und Maserati wegen Vergaser- und Ventildefekten ausgeschieden. — Von 30 gestarteten Konkurrenten 12 am Ziel. — Der Schweizer Hug (Maserati) auf dem 5. Platz. Die Ueberraschung, die den Italienern am letzten Sonntag in Tripolis blühte, die eindeutige und durch nichts zu beschönigende Niederlage, die sie einzustecken sich gezwungen sahen, muss ausserordentlich schmerzlich gewesen sein und wie eine kalte Dusche gewirkt haben, nachdem man insgeheim auf einen Sieg der eigenen Farben geschworen hatte. Da war man also in der Konstruktion von 1,5-Liter-Renn wagen seit Jahren bahnbrechend vorangegangen, hatte Triumph auf Triumph eingeheimst, Sieg an Sieg gereiht und auch dann in Ehren bestanden, als im englischen E.R.A. ein ziemlich ebenbürtiger, gleichwertiger Gegner auf die Kampfbahn trat und damit bei den Automobilsportenthusiasten aller Länder wieder jenes Interesse am Wagenrennsport wach wurde, das die Rennen nach der Grand-Prix-Formel mehr und mehr vermissen Hessen, weil die Siegermarke meistens im voraus bekannt ist und nur die Frage nach dem Mann offen bleibt. Und gerade aus der Tatsache heraus, dass der Grosse Preis von Tripolis in den vergangenen Jahren immer wieder mit einem deutschen Sieg endete, rückte man heuer von der international gültigen Formel ab und reservierte die Veranstaltung den 1,5-Liter-Rennwagen, wo man das Feld vorbehaltlos zu beherrschen glaubte und... hatte die Rechnung wiederum ohne den Wirt gemacht, d. h. ohne die Untertürkheimer Werke, die in aller Stille seit dem letzten Herbst an einem 1,5-Liter-Modell bauten und den in Tripolis beabsichtigten Start Anfang April ohne viel Aufhebens der Oeffentlichkeit zur Kenntnis brachten. Man verlor darob den Kopf in Italien nicht und hatte dies auch gar jiich^ nötig, zumal die Werkwagen von Maserati und Alfa Romeo über den- Winter derart «verbessert worden waren, dass bedeutend höhere Geschwindigkeiten erwartet werden durften. Zudem: die Möglichkeit, dass Mercedes-Benz mit einem ersten Platz aus dem Millionenrennen hervorgehen würde, war sehr wenig wahrscheinlich, einmal weil man in Untertürkheim über keinerlei praktische Erfahrungen mit Rennwagen der 1,5-Liter-Kategorie verfügt und weil anderseits bei einem ersten Start mit mannigfaltigen, zum Teil unbekannten Faktoren gerechnet werden muss. Eins ist vorweg zu sagen: die Erwartungen sind durch das Rennen selbst und dessen Resultate, sofern man auf einen italienischen Erfolg hoffte, glatt zunichte gemacht worden. Zwar hatten sich die «Tedescchi> im Training als verblüffend schnell e'rwiesen, aber die Maserati und Alfa standen ihnen punkto Tempo so gut wie nichts nach. Zum ersten Male seit vielen Jahren wieder schien man an einem internationalen Rennen ein wirklich homogenes, ausgeglichenes Feld (wobei wir nur von den Fabrikwagen sprechen) vor sich zu haben. Ob aber alle dieser dauernd auf hohen Touren laufenden, Motoren das ihnen auf dieser wahnsinnig schnellen Strecke zugemutet und im Training sozusagen freiwillig und gern demonstrierte Tempo während 30 Runden, also nahezu 400 Kilometer ohne Zwischenfall aushalten würden, das war, für den Augenblick wenigstens, auf einem andern Blatt geschrieben. Und dieses Blatt wendete Sich am Sonntagnachmittag schon bald nach Rennbeginn auf eine Art und Weise zugunsten der neuen deutschen Konstruktion, die wohl alle in Untertürkheim gehegten Erwartungen weit in den Schatten stellte. Wenn etwas für einen Erfolg der Dreizackmarke sprecht;, dann sei es die jahrzehntelange Rennerfahrung der Firma, schrieben wir in unserer Vor-, schau am Freitag, -Der- -Rennverlauf, der -übrigeaes jenem vom Formel-Grand-Prix des Jahres 1938 (wo die 3-Liter-Boliden von Mercedes-Benz erstmals an den Start gingen und einen dreifachen Sieg landeten) in vielen Teilen glich, hat die Richtigkeit dieser Version einwandfrei bestätigt. Wer in etwas über 6 Monaten einen Rennwagen sozusagen aus dem Boden «stampft>, mit ihm zur Feuerprobe antritt, nicht nur einen guten Platz, sondern einen Sieg, und zwar gleich einen Doppelsieg nach Hause fährt und damit die Konkurrenz buchstäblich überrumpelt und überrennt und ihren jahrelangen Vorsprung technischer Art aufholt, der muss schon über eine ganz gehörige Dosis Rennerfahrung verfügen. Taktisch fuhren Lang und Caracciola ein überaus kluges Rennen. Vom Start weg diktierten sie ein mörderisches Tempo und machten die zahlenmässig überlegene gegnerische Streitmacht systematisch mürbe. Diese Taktik verfehlte ihre Wirkungen nicht. Der draufgängerische, wie wild sich gebärdende Haudegen Luigi Villoresi hatte • seinen Stromlinien-Maserati schon in der 4. Runde, nach 50 Kilometer Fahrt, zu Tode geritten. Trossi und Cortese auf dem neuen, aber nicht aerodynamisch verschalten Maserati schlugen sich mit Ventilschäden und anderen Defekten herum, und Rocco schied zu guter Letzt mit leerem Tank auf offener Strecke aus. Soviel, was die Bologneser Werkmannschaft anbetrifft. Bei Alfa Romeo war es Farina, der sich in den ersten 10 Runden ständigen Attacken Caracciolaj ausgesetzt sah und schliesslich den zweiten Platz an diesen abtreten musste, Severi's Alfetta geriet in Brand, wobei sich der Fahrer rechtzeitig in Sicherheit bringen könnte, Aldrighetti, Biondetti und Pintacuda verschwanden einer nach dem andern ebenfalls aus dem Blickfeld, weil ihre Motoren unter dem Einfluss der Hitze einfach nicht mehr mit wollten, und so verblieb einzig Emilio Villorese, der sich hinter Caracciola an dritter Stelle, aber mit einer Runde Rückstand klassierte. Nachdem so das Gros schon früh stark dezimiert war, und die Ausfälle in den offiziellen italienischen Equipen geradezu verheerende Formen angenommen hatten, durfte sich's Rennleiter Neubauer von Mercedes-Benz leisten, seinen Leuten eine langsamere Gangart vorzuschreiben. Der Kampf im wahrsten Sinne des Wortes ging schneller, als man dies auf Grund der Trainingsergebnisse glaubte annehmen zu können, zu Ende, und völlig ungefährdet wurde Hermann Lang nach einem schlussendlich monoton verlaufenen Rennen zum drittenmal Sieger im Grossen Preis von Tripolis. Ganz hervorragend hat der Schweizer Armand Hug auf Maserati abgeschnitten, der sich mit 3 Runden Abstand auf den Sieger im 5. Rang placierte und damit seine vorzüglichen Fahrerqualitäten, vor allem taktischer Art, einmal mehr unter Beweis stellte. Der mit riesiger Spannung erwartete Kampf gehört der Geschichte an. Er ist von der überlegenen, offenbar trotz dem erstmaligen Einsatz schon heute technisch reiferen Konstruktion gewonnen worden. Gewiss, es wäre verfrüht, aus den Resultaten des Grossen Preises von Tripolis schon heute endgültige Schlüsse ziehen zu wollen. Wenn aber auch die weiteren, .Treffen der 1,5-Liter-Wagen im Sinne des jy^iUönenrennens verlaufen sollten, und auch der jaeue.ERA, zur.Aenderung der,Situation nichts bei^. trägt, dann darf man —vielmehr muss man — Hermann Lang gestaltete die Feuertaufe des 1,5- Liter-Mercedes-Benz-Rennwagens im Grossen Preis von Tripolis zu einem überraschenden Erfolg, indem er ihm zusammen mit Rudolf Caracciola zu einem Doppelsieg über die italienische Konkurrenz verhalf. Unser Bild: Lang fährt unter Palmen seinem dritten Sieg im Millionenrennen entgegen. leider schon heute die Prophezeiung wagen, dass man von einer allfälligen 1,5-Liter-Grand-Prix-Formel keine interessanteren Kämpfe zu erwarten hat als bei den nach den heute gültigen Bestimmungen ausgetragenen Rennen, dass vielmehr die Einseitigkeit der Erfolge für die Dauer einer neuen Formel auf der 1,5-Liter-Basis im voraus gewährleistet wäro. Hoffen war aber, dass dem nicht so seil Die Trainingstage. Als am vergangenen OEL-SCHMUTZ Donnerstag die für den Grossen Preis von Tripolis gemeldeten Konkurrenten mit ihren 1,5-Liter-Renn wagen zur ersten Trainingssitzuijg auf dem Mellaha-Circuit antraten, da haUe sich glücklicherweise der seit mehreren Tagen andauernde Sturmwind gelegt" und auch die Bruthitze^machte einer wesentlich kuhleren, angenehmeren Temperatur Platz. Die atmobedroht Ihren Motor Wirksame Abwehr durch Mobiloil Der geschworene Feind des Motors ist der Oelschmutz. Schlamm, Kohle, oder wie all diese Rückstände genannt werden, sind immer auf die gleiche Ursache zurückzuführen: Zersetzung des Oeles bei hohen Temperaturen und hohem Druck. Mit Mobiloil nichts von Ihr Garagist wird es Ihnen sagen: Mit Mobiloil holen Sie das Letzte aus Ihrem Motor heraus, bei geringerem Verbrauch. Füllen Sie heute noch Mobiloil ein. es lohnt sich! alledem. Durch das Clirosol-Verfahren sind dem Oel ALLE unbeständigen Anteile entzogen: jeder Tropfen ist reiner Schmierstoff. 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