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E_1948_Zeitung_Nr.007

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Querschnitt durch den

Querschnitt durch den französischen Automobilbau AI« Robert de Rovin, «fn bis dahin in Fachkreisen zwar schon bekannter, aber wegen seiner eigenen Ideen nicht seliT beliebter Pariser Elektround Automobilingenieur — ein regelrechter « Selfmademan », der ganz klein anfing und heute als einer der grossen Automobilindustriellen Frankreichs betrachtet werden kann —, die Aktienmajorität der Delaunay-Belleville-Werke in Paris- St-Denis erwarb, fand der neue Besitzer, als er zum erstenmal das 7 ha umfassende, weitläufige Fabrikgelände durchschritt, eine zwar nicht völlig veraltete, aber doch so unrationell eingerichtete und so unmodern verwaltete Automc-bilfabrik vor, dass es monatelanger technischer und mehr als einjähriger organisatorischer Vorbereitungsarbeiten bedurfte, um aus diesem antiquierten Rüstzeug eine modernen Ansprüchen genügende Anlage für die Serienfabrikation von Kleinstwagen zu machen. Die Delaunay-Belleville-Wagen, wofür damals noch Bestellungen vorlagen, gelangten nach and nach zur Ablieferung. Aber seit einiger Zeit werden keine neuen Aufträge für diesen Luxuswagen mehr entgegengenommen, und das ganz« grosse Werk wurde ausschlieeslich in den Dienst der Fabrikation des Rovin-Motocars gestellt. Neben den Faconaufträgen, die de Rovin, bzw. Delaunay- Belleville nach wie vor für fremde Rechnung ausführen — es handelt sich hier tim die Herstellung gewichtiger Bestandteile der französischen Lastwagen- und Maschinenindustrie —, sichert die nunmehr angelaufene Produktion des Rovin- Kleinwagens 1000 Arbeitern und Angestellten des Werkes Arbeit und Verdienst. Anfangs Februar verliessen in St-Denia zwar erst zwei Wägelchen pro Tag das Fliessband im Obergeschoss der eigentlichen Wagen-Fabrik, aber bis zum Genfer Salon, Anfang März, wird die Produktion, die sich natungemäss auch hier am ewigen Stahl- und sonstigen Materialmangel stösst, auf vier Fahrzeuge pro Tag angewachsen sein. Ende Juni hofft de Rovin, mindestens 300 Wagen pro Monat herstellen und, was in Anbetracht der Nachfrage nach diesen äusserst sparsamen Kleinwagen selbstverständlich ißt, auch mühelos absetzen zu können. Sollte der « Superdirigismus », unter dem die französische Autoindustrie heute leidet, endlich einer gemässigten Wirtschaftslenkung weichen und dem Werk ein Minimum an Stahl- und andern Rohstoffen zugeteilt werden, so stände eine Kapazität zur Verfügung, die bei fortschreitender Modernisierung der Fabrikation von Bestandteilen und mechanischen Aggregaten, wie de Rovin sie plant und ausführt, einen Ausstoss von mehr als 1500 Fahrzeugen pro Monat ermöglichen würde. Platz für die Einrichtung weiterer Fliessbänder und Montagehallen ist in Hülle und Fülle vorhanden. ra.-) De Rovin... eine grosse Fabrik, die kleine Wagen baut O«r Heckmotor des Rovin-KIeinwageiu. (Von unserem Pariser Korrespondenten) smgüiffi Dieser winzige Rovin hol den Golthord überquert ond sieht nun In Alrolo ror dam Monomen!, das an den Bau des Gotthardtunnets erinnert. sitzer-€ Motoroar > entsteht. In der eigenen Werkstanzerei werden alle Chassis- und Karoeserieträger und -bleche mit modernen Pressen vorgeformt. Aber die mechanische Abteilung fertigt nicht nur jede Buchse, jede Kurbelwelle, jede Pleuelstange nach vorgenormten Matrizen, vielmehr wird Her auch jedes Schräubchen, jeder Metallring, jeder Zapfen und jedes Zahnrad mitunter vollautomatisch gedreht,,geschnitten, gefräst und geprüft. Neuzeitliche amerikanische Werkzeugmaschinen lebten eines erheblichen Teil dieser Arbeit. Es handelt sich bei Delaunay-Belleville-de Rovin um ein grosses Werk, und die Tatsache, dass dieses grosse Werk nur noch kleine Wagen fabriziert, beweist allein, wie wenig es hier auf Form und Rahmen und wieviel es auf den Geist ankommt, der da* Werk beherrscht. Die Werkleitung, der ein Stab alter, erfahrener Techniker und Werkmeister zur Seite steht, verfolgt systematisch das ein« grosse Ziel: dem kleinen Mann zu erschwinglichen Preisen nicht etwa einen «kleinen » Wagen, sondern das Gefühl seu geben, auch er könne sich Setzt Im eigenen Auto die schöne Welt besehen. ' Um beim Publikum dieses Gefühl fest zu verankern und mit gewissen Vorurteilen auf technischem Gebiet aufzuräumen, galt es durch Werbung und praktische Vorführung den Automobilfachleuten aller Länder zu zeigen, dass es sich bei dem in der « A.-R. » bereit« ausführlich gewürdigten 2-PS-Motocar um ein zweiplätziges, relativ bequemes Fahrzeug nicht etwa nur für den Stadtverkehr handelt, sondern dasa man damit, wenn nötig, Hunderte von Kilometern über Land fahren, ja selbst Gebirgspässe ohne nennenswerte Strapazierung des Motors oder der Insassen bewältigen kann. Als erste « Versuchsbahn » für jeden "Rovin-Kleinwagen dient der eigene, holprig gepflasterte Fabrikhof. Solche Qualitätsarbeit bedingt besonders gründlich ausgefeilte Kontroll- und Fabrikationsmethoden. Ing. de Rovin lässt es sich nicht nehmen, sie täglich und persönlich zu überwachen. Keiner seiner Arbeiter hat je gewagt, des < Patrons » Sachkentnis, seinen Fleiss und seine Gewissenhaftigkeit anzuzweifeln. Von früh 7 Uhr bis Mitternacht ist der Generaldirektor im Werk zu finden. Er kennt keinen Stillstand. Ständig wird hier verbessert, umorganisiert, vereinfacht, rationalisiert. Als ein Lieferant von gezogenen Blechen Schwierigkeiten machte, kaufte Rovin kurz entschlossen eine Blechzieherei auf. Seit 1. Januar hat die nationalisierte «Electricite de France » ihre Monopolstellung dadurch zu missbrauchen gesucht, dass 6ie den Tarif Bnboa der elektrischen Ausrüstung in die Wagen. genwärtigen amtlichen Tarif liegenden Gestehungspreis zu decken vermag, sondern auch anliegende Industrie- und Gewerbebetriebe mit versorgt. Hier ist also eine reguläre Vertikalkonzentration nach amerikanischem Muster im Gange. Der Nutzniesser ist nicht nur das WeTk und sein Personal, sondern auch der Kunde. Denn für Rovin gilt es jetzt, da die Serienfabrikation anläuft, den In- und Auslandspreis (bei letzterem macht sich zur Zeit die Frankenabwertung wieder absatzfördernd bemerkbar) zu halten und die Qualität zugleich mit der Quantität der hergestellten Fahrzeuge zu heben. Ein interessantes Detail aus der Lieferungspraxis der Rovin-Werke sei unsern Lesern nicht vorenthalten! Prinzipiell wird kein Rovin-Motocar mit der Bahn geliefert. Alle fabrikneuen Fahrzeuge verlassen das Werk auf der Strasse und rollen aus eigener Kraft mit einem Treibstoffverbrauch von knapp 4 Liter pro 100 km dem Kunden bis vors Haus, Zum Genfer Salon wird diesmal, unter persönlicher Führung Rovins, eine vielfarbige Kleinwagen-Karawane von Paris über Dijon bis an den Leman organisiert, und man *) VergLAR. Nr. 3 n. 5/19*8. Linkst Arbeit am Fliessband; rechts: ieder Motor wird am taufenden Band kontrolliert und montiert. AÜTOMOBIL.REVUE nrnroca, l«. FKBRDAK IM« - Nr. 7 für Industrie-Hochspannungs- und Niederspannungsetrom kurzerhand verdoppelte. Rovin gedenkt diesen Schlag gegen die Gestehungskosten seiner Kleinwagen dadurch xa parieren, dass er seinem Werk eine 6000-PS-Generatoranlage mit Dieselantrieb einfügt, die nicht nur seinen eigenen Lichtund Kraftverbrauch zu einem weit unter dem die beste Reklame für ein Fahrzeug darstellen, dessen Serienmodell bald im Paris, der französischen Provinz und einer frossen Zahl ausländischer Großstadt« du Strasseabild beleben wird. Wir können diesen keineswegs technisch, sondern rein automobilwirtschaftlich aufgezogenen Bericht mit dem Hinweis darauf schliessen, dass die Leitung der Rovin-Werke vom Beginn des Genfer Salons an ihren Kleinwagen regelmässig in di» Schweiz exportieren wird. wbg. Französische Personenwagenproduktion 1947 118% höher als jene des Vorjahres (Von unserem Pariser Korrespondenten) In unseren beiden letzten Ntrmmern haben wir bereits die Gesamtergebnisse der französischen Personenwagenproduktion 1947 dargestellt and ausserdem das Programm für das laufende Jahr veröffentlicht. Jetzt liegen auch die Gesamtziffera des Dezembers und der 12 Monate des letztes Jahres vor, so dass sich der Leser an Hand der nachfolgenden Tabelle ein detailliertes Bild voa der Entwicklung dieses wichtigsten Zweiges der französischen Exportindustrie im Jahr« 1947 machen kann. Total 1947 2 Bewertung»» 22 879 380 Marke Ror. Dez. Berliet — Citroen 1689 22« Delahaye 55 £0 Delaunay-Bellevitle " — — Ford (Französj 142 85 Hotchkiss 7 19 Panhard — 50 Peuaeot 1485 700 Renault 668 1463 Salmson 9 16 Simca 223 580 Talbot 8 13 Total 1947 Total 1946 4 4M £211 Sa23^' Motocars> 90 ( noch kein AJ»- SOi louf der Dyna T2955\Ponhard 18 944 143 7650 «277 90 429 Was an diesen Ziffern auffällt, ist vor allem

Nr. 1 - MITTWOCH. 18. FEBRUAR 1948 AUTOMOBILrREVUE n.h. AUTO-PUBUCITl BERNE FABRIK FÜR FIRESTONE PRODUKTE AG., PRATTELN