Aufrufe
vor 8 Monaten

Zur Frage der Oberflächenentwicklung von Pflanzengesellschaften der Alpen und Subtropen - Vareschi 1951

Vareschi, Volkmar. 1951. Zur Frage der Oberflächenentwicklung von Pflanzengesellschaften der Alpen und Subtropen. Planta 40(1): 1-35. [On the question of the surface development of plant communities of the Alps and the Subtropics] (Shared for non-commercial educational purposes only - All rights belong to authors, publishers and respective owners - http://www.jstor.org/stable/23360422?seq=1#page_scan_tab_contents)

14 VOLKMAH VaBESCHI:

14 VOLKMAH VaBESCHI: Anteil am Oberflächenweit erreichen, wachsen hier in dieser Höhe nur mehr schütter und vereinzelt, so daß sie die Wirkung der kleinblättrigen Polsterpflanzen nicht erreichen können; mit 78,2% der gesamten Ober fläche sind also die Polsterpflanzen die beherrschenden. Auffallend ist, daß die dominierende Pflanze Silene acaulis mit 0,21 m2 weniger grüne Flächen entwickelt hat als der mit geringerer Deckung verzeichnete Moossteinbrech. Die Ursache liegt vor allem darin, daß die Silene blättchen (mittlere Blattgröße 2,4 mm2) nur ganz oben am Stamm grün sind, während die Moossteinbrechblättchen (mittlere Fläche 1,98 mm2) viel länger grün bleiben, also im Verhältnis zur Gesamt deckung zahlreicher sind. Würde je eine Art dieser Polsterpflanzen für sich allein den ganzen Quadratmeter füllen, so ergäben sich folgende Oberflächen: Silene, acaulis 2,31 m2, Saxifraga bryoides 3,80 m2, Gerastium uniflorum 3,09 m2, Gentiana brachyphylla 2,25 m2. Diese Messungen zeigen, daß die Polsterpflanzen selbst eine unter einander sehr ähnliche Oberflächenentwicklung haben, während die über sie hinausragenden Pflanzen sehr voneinander abweichen (Salix retusa z. B. 3,21m2, Ranunculus glacialis 0,30 m2!). Die gesamte entwickelte Oberfläche beträgt 1,34 m2, also — abgesehen wieder vom Anteil der Moose — größenordnungsmäßig einen ganz andern Wert als bei den Pflanzengemeinschaften der Tal-Lagen, aber einen sehr ähnlichen, wie der des nahen Schneetälchens ist (1,26 m2). Dem ent sprechend ist auch die Wochenproduktion von 75 g ähnlich; die Zahl hat aber hier wieder eine etwas andere Bedeutung als bei den Schnee - tälchen, weil die Vegetationszeit länger ist, so daß die effektive Stoff produktion des Silenetum während eines Jahres wahrscheinlich die des Salicetum herbaceae weit übertrifft. Die nächsten Messungen wurden in der höchsten im Bereich des Habachtales überhaupt noch von Blütenpflanzen beschickten Vegetations stufe vorgenommen. 6. Das Androsacetum glacialis des Schwarzkopf grates. Obwohl der Standort der Mannsschildbestände (2950) nur 300 m höher als der der $iZewepolster war, waren die ökologischen Bedingungen wesentlich ungünstiger. So nahe an der absoluten Vegetationsgrenze bedeuten 300 m naturgemäß mehr als in tieferen Lagen. So konnte ich hier auch keinen geschlossenen Bestand von 1 m2 Größe mehr finden, sondern mußte meine Fläche von 1 m2 durch Summierung von 14 kleinen Vegetationsflecken unregelmäßiger Begrenzung zusammensetzen. Diese Vegetationsflecken sind in einer südexponierten Steilwand von 50—60° Neigung und etwa 8 ar Ausdehnung verteilt. Die Stelle liegt im Gipfel aufbau des Schwarzkopfes bei 2950 m.

Pflanzengesellschaften der Alpen und Subtropen. Tabelle 6. Vegetationsaufnahme des Androsacetum glacialis (6). Art Deckungsgrad, gesch&tzt Oberflache m! j % Androsace glacialis 4 0,16 35,5 Saxifraga bryoides 3 0,09 Saxifraga exarata 1 0,02 Minuartia sedoides 1 0,04 Polsterpflanzen alleia 4 0,31 68,9 Ranunculus glacialis 2 0,04 Potentilla frigida 1 0,02 Primula glutinosa 1 0,02 Erigeron uniflorus + 0,01 Trisetum spicatum + 0,01 Poa laxa + 0,01 Myosotis alpestris + | Alekemilla glaberrima + Pedicularis asplenifolia + 1 0,01 tibrige Pflanzen allein 2 0,11 31,1 Gesamte grtine Oberflache fiber 1 m2 bewachsenem Boden in 2950 m Hohe 0,45 100,0 Das Androsacetum ist eine floristisch sehr scharf durch die straffe Auslese der hier noch möglichen Arten charakterisierte Pflanzengesell schaft, welche aber nur geringe innere soziale Bindungen besitzt. Mor phologisch äußert sich dies letztere darin, daß die wenigen hier noch vorkommenden Arten in sehr verschiedenen Kombinationen ^vorkommen, daß die Homogenität der Bestände gering ist und unter den bestimmenden Faktoren der Wettbewerb vor den mikroklimatischen und edaphischen Einwirkungen zurücktritt. Es handelt sich meist um kleine Fels spalten, geschützte Winkel unter Blöcken und ähnliche Orte. Der dort sich bildende Boden ist dem des Silenetums sehr ähnlich, sowohl der physikalischen Struktur als auch dem pH ( ± 4,8) nach. Drei von den hier gefundenen Arten — Saxifraga bryoides, Ranun culus glacialis und Primula glutinosa — hat das Androsaeetum mit dem Silenetum gemeinsam. Die Oberflächenentwicklung dieser gemeinsamen Arten ist aber hier — besonders wenn man die zum Teil höheren Dek kungsgrade in Betracht zieht — viel geringer. Das liegt weniger an der absoluten Zahl der Blätter, als vielmehr an ihrer noch geringeren Aus dehnung und vor allem an der viel kleineren Zahl von noch grünen Blättern im Verhältnis zur großen der bereits chlorophyllfreien. Die in der Liste nicht angegebenen Rryptogamen waren: Gymno mitrium concinnatum, Gymnomitrium corallioides, Lophozia alpestris, Cetraria cucullata, Cetraria commixta, Parmelia encausta, Parmelia pubescens, Gyrophora cylindrica, Thamnolia vermicularis. Die beiden