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Zur Frage der Oberflächenentwicklung von Pflanzengesellschaften der Alpen und Subtropen - Vareschi 1951

Vareschi, Volkmar. 1951. Zur Frage der Oberflächenentwicklung von Pflanzengesellschaften der Alpen und Subtropen. Planta 40(1): 1-35. [On the question of the surface development of plant communities of the Alps and the Subtropics] (Shared for non-commercial educational purposes only - All rights belong to authors, publishers and respective owners - http://www.jstor.org/stable/23360422?seq=1#page_scan_tab_contents)

34 Volkmar Vakeschi: 3.

34 Volkmar Vakeschi: 3. Die Untersuchung des „Wolkenwaldes", welcher derselben stufe wie die beiden Rasengesellschaften angehört, zeigt, daß selbst seinen extrem günstigen Klima Verhältnissen nicht wesentlich meh Laubflächen gebildet werden als in einer einfachen Wiese ode Voraussetzung ist freilich, daß man wirklich Proben aus dem Wald zum Vergleich heranzieht; die Laubflächen der Randvegetatio treffen sie lim ein Vielfaches. 4. Der Aufbau der beiden Waldtypen der Küstenkordillere unter scheidet sich von dem der beiden subalpinen Waldtypen vor allem durch die vielen, aber untereinander kaum abtrennbaren Baumschichten und den Mangel einer bodennahen Vegetationsschichte. Vergleicht man aber nur die oberste Baumschicht der Kordillerenwälder ihrer Oberflächen entwicklung nach mit der einzigen Baumschicht der alpinen Typen, so ergibt sich ein erstaunlich ähnlicher Anteil an der Gesamtoberfläch der Bestände: Alpen: Fichtenwald 77%, Erlenwald 79%; Küsten kordillere: Quebradawald 72%, Wolkenwald 78%. 5. Die mittlere wöchentliche Nettoassimilationsrate der alpinen Tal-Lagen wird von keinem der Beispiele aus den Subtropen erreicht. Allerdings wird die große Leistung der alpinen Wiese und des Erlenwaldes durch den Winter, die lange Anlaufzeit bis zur vollen Blattentfaltung und durch Laubreduktion und Laubfall im Herbst so beschnitten, daß die Jahresraten gegenüber den Subtropen trotz ihrer geringeren Ober flächen bedeutend zurückbleiben. 6. Für den land- und forstwirtschaftlichen Pflanzenbau gibt die Oberflächengröße von natürlichen Pflanzengesellschaften einen wichtigen oberen Grenzwert. Liegt bei künstlichen Pflanzengruppierungen der erreichte Oberflächenwert weit unter diesem Grenzwert, so kann man — vorausgesetzt, daß keine anderen begrenzenden Umweltfaktoren wirksam werden — durch dichtere Pflanzung oder Mischkultur dem natürlichen Höchstwert nahezukommen suchen und so die gegebene Umwelt angemessener ausnützen. Umgekehrt kann eine Überschreitung dieses Grenzwertes in Monokulturen als Warnungszeichen dienen. Dabei ergibt sieh aus unseren Messungen, daß die möglichen Oberflächen in den Tropen geringer angesetzt werden müssen als in der gemäßig ten Zone. 7. Die Anwendung quantitativer biologischer Untersuchungen, welch bisher vor allem von der Hydrobiologie angeregt wurden, lohnt sich auch für die Vegetationsforschung der Festländer. Durch die Untersuchunge Gessners (1948) ist nachgewiesen, daß beispielsweise in Süddeutschlan die Chlorophyllmenge unterhalb eines Quadratmeters Wasserfläche mehrerer Seen größenordnungsmäßig gleich der ist, welche das Laub über 1 m2 Wiesenland oder Laubwald enthält ; nämlich ± 1 g. Dieser bedeutsame Einblick in den Haushalt so grundverschiedener Pflanzen

Pflanzengesellschaften der Alpen und Subtropen. 35 gemeinschaften Süddeutschlands bestätigt, was auch unsere Ober flächenuntersuchungen aus 2 weit voneinander getrennten Gebirgen vermuten lassen : Daß das unendlich aufgesplitterte Reich der pflanzlichen Form überlagert und beherrscht wird von einem überraschend einheitlich auftretenden Wirkungsquantum der organischen Stoff Produktion. Literatur. Beebe, W., and J. Crane : Eoologia de Rancho Grande, una selva nublada subtropical en el Norte de Venezuela. Bol. Soc. Venezolana Ciencias Naturales 9, 73 (1948). — Bornemann, H.: Kohlensäure und Pflanzenwachstum. Berlin 1923. — Boysen-Jensen, P.: Die Stoffproduktion der Pflanzen. Jena 1932. — Braun-Blanquet, J.: Pflanzensoziologie. Berlin 1928. — Braun-Blanqtjet, J., P. L. Digilio y M. M. Grassi: Sociologia Vegetal. Buenos Aires 1950. — Dotter weich, H.: Das biologische Gleichgewicht. Jena 1940. — Gams, H. : Ökologische Reihen oder Assoziationshierarchie? Chron. Bot. 6, 2 (1940). — Gessner, F.: Die assimilatorische Leistung des Phytoplanktons, bezogen auf seinen Chlorophyll gehalt. Z. Bot. 38, 414 (1943). — Der Chlorophyllgehalt im See und seine photo synthetische Valenz als geophysikalisches Problem. Schweiz. Z. Hydrol. 9, H.3/4 (1949). — Heath, 0. V- S., and P. G. Gregory: The constancy of the mean net assimilation rate and it3 ecological importance. Ann. of Bot., N. s. 2, 811 (1938). — Humboldt, A. de: Viaje a las regiones equinocciales del nuevo continente. (Alva rado, S., Übersetzung der französischen Ausgabe vom Jahr 1816.) Bibliotheca Venezolana de Cultura, Caracas 1941. — Lundeoârdh, H. : Biochem. Z. 154, 195 (1924). — Klima und Boden in ihrer Wirkung auf das Pflanzenleben. Jena 1930. — Der Kreislauf der Kohlensäure in der Natur. Jena 1924. — Müller, D.: Analyse der verminderten Stoffproduktion bei Stickstoffmangel. Planta (Berl.) 14 (1932). — Nordhagen, R. : Die Vegetation und Flora des Sylenegebietes. Norske Vedenskaps Akad. 1927. — Ramenskij, L. G. : Die Projektionsaufn&hme und Beschreibung der Pflanzendecke. (Übers, von Ritoff.) In Abderhaldens Hand buch der biologischen Arbeitsmethoden, Bd. 11/6. 1932. — Rosevaera, G. M. : The Grasslands of Latin America. Imp. Bureau Pastures etc., Aberystwyth 1948.— Vareschi, V.: Pflanzensoziologie. In Handbuch der Biologie, Bd. IV, S. 16/17. Potsdam 1943. — Waldtyp und Waldassoziation in den Bergwäldern des Ober sten Isartales. Zbl. Forstwesen 60 (1934). — Zöttl, H. : Fragen der pflanzen geographischen Forschung. Naturw. Rundschau 9 (1950). Nachtrag d&r Redaktion: Kalle, K.:Zur Frage der Produktionsleistung des Meeres. Dtsch. hydrogr. Z. 1, 1 (194-'). 3*