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Zur Frage der Oberflächenentwicklung von Pflanzengesellschaften der Alpen und Subtropen - Vareschi 1951

Vareschi, Volkmar. 1951. Zur Frage der Oberflächenentwicklung von Pflanzengesellschaften der Alpen und Subtropen. Planta 40(1): 1-35. [On the question of the surface development of plant communities of the Alps and the Subtropics] (Shared for non-commercial educational purposes only - All rights belong to authors, publishers and respective owners - http://www.jstor.org/stable/23360422?seq=1#page_scan_tab_contents)

6 VOLKMAK VaRESCHI: Der

6 VOLKMAK VaRESCHI: Der Bestand ist überall geschlossen und ohne deutliche Schichtung, wenn auch die Haupthorizonte der Kleeblätter, Gräser und Stauden im großen und ganzen getrennt verlaufen. Der Bestand wird kurz vor dem Ausreifen der führenden Gräser gemäht. Unsere Untersuchung bestand zuerst in einer Schätzungsaufnahme, wie sie nach Braun-Blanqttet üblich ist. Dabei galt als Deckungsgrad 5, wenn 3/4—4/4 der Probefläche allein von der betreffenden Art bedeckt war. Deckungsgrad 4: 1/2—s/4 der Probefläche ; Deckungsgrad 3 : 1/4—1/2 der Probefläche ; Deckungsgrad 2: 1/20—1/4 der Probefläche ; Deckungsgrad 1 : unter x/20 der Probefläche ; Deckungsgrad -f : Nur in Spuren vorhanden. Es wurden 6 Probeflächen so genau als möglich nach dieser Schät zungsmethode bearbeitet. Die Probeflächengröße war 1 m2. Dann wurden diese 6 Probeflächen abgeerntet, die Arten jeder Fläche getrennt und jede für sich auf ihre Oberflächenentwicklung hin vermessen. Es zeigte sich, daß es je nach der Gleichmäßigkeit ihrer Entwicklung genügte, zwischen 20 und 140 Blätter zu vermessen und das so gewonnene Flächenmaß nach Wägung aller Blätter auf die ganze Ernte der Art auszudehnen. Die Oberflächenmessung geschah entweder unmittelbar durch Planimetrieren oder durch Aufpausen der Blätter auf Papier, Ausschneiden und Wägen der Papierblätter, deren Fläche je Gramm Gewicht bekannt war. Alle Angaben über Oberflächen beziehen sich auf das einseitige Maß der grünen Organe und auf alle Pflanzen der Art über 1 m2 Boden. Das gilt auch für alle folgenden Vegetationsaufnahmen. Wenn auch der Deckungsgrad mit der Oberflächenentfaltung theo retisch nichts zu tun hat, so wird er doch praktisch als Ausdruck der räumlichen Entwicklung der Arten verwertet, während viel eher die Oberflächenmessung dafür eingesetzt werden dürfte. Es ist also wichtig, einmal an einigen Beispielen die geschätzten Deckungswerte mit der tatsächlichen Oberflächenentwicklung zu vergleichen. Dabei ist der Unterschied naturgemäß dann am größten, wenn 2 Arten gleichen Dek kungsgrades ihre Blattflächen verschieden gestellt haben. So hat Poa trivialis ebenso wie Heracleum sphondylium den Deckungsgrad 3. Selbst der erfahrene Pflanzensoziologe wird unter der Suggestion dieser Zahl dazu neigen, beiden Pflanzen im Leistungsmechanismus der Gesellschaft eine ähnliche Rolle zuzubilligen. Die Oberflächenmessung ergibt dagegen, daß Poa fast 6mal soviel Blattflächen hat als Heracleum. Das ist eine ganz allgemeine Erscheinung, die den Messenden immer wieder über rascht: Ausgesprochen großflächige, in die Augen springende Pflanzen, wie sie hier in der Gruppe der „Großblättrigen Kräuter" zusammen gefaßt sind, tragen viel weniger zur Gesamtoberfläche des Bestandes bei, als Pflanzen mit kleinen aber dafür zahlreichen Blättern. In unseren Probeflächen entwickelten die großblättrigen Pflanzen 15,4%, die

Pflanzengesellschaften der Alpen und Subtropen. 7 Gräser aber 72,6% der Gesamtfläche. Dem optischen Eindruck nach würde man eher das umgekehrte Zahlenverhältnis vermuten! Die gesamte assimilierende Oberfläche beträgt das ll,5fache von der des bewachsenen Bodens. Diese Zahl ist für den Leistungsvergleich verschiedener Pflanzengesellschaften gerade deshalb wichtig, weil sie von allen systematischen und morphologischen Eigenheiten absieht und nur die Beziehung Boden-Blattfläche betrifft ; damit nämlich spiegelt sie grob, aber im ganzen doch bezeichnend, die Möglichkeiten der Vegetation in bezug auf Wuchs-, Assimilations-, Atmungs- und Tran spirationsleistung wieder. Ausgehend von der Annahme einer annähernd konstanten mittleren Nettoassimilationsmenge ( ± 56 g s. S. 2) ergibt sich für die Fettwiese während der kurzen Zeitspanne ihrer optimalen Entwicklung eine wöchentliche Produktionsleistung von 647 g. Eine Erörterung dieser hier noch zusammenhanglosen Zahlen ist erst möglich, wenn durch die übrigen Messungen die Vergleichsbasis geschaffen ist. 2. Der Heidelbeerfichtenwald am Taleingang. Der Eichtenbestand ist sehr gleichmäßig entwickelt. Er wird regel mäßig genutzt und hat einen plenterwaklartigen Aufbau. Der Boden ist durch leichtverwitternden, biotitreichen Phyllit tiefgründig und humusreich. Sein pH ist sauer : 4,30—5,55. In der Baumschicht kommen durchschnittlich 920 Stämme auf den Hektar, so daß jeder Baum einen Standraum von etwa 10,9 m2 hat. Das Alter ist ungleich, im Mittel 65 Jahre, die ältesten Stämme sind 145jährig. Wenn man von der ge legentlich herdenweise auftretenden Verjüngung absieht, fehlt eine Gebüschschicht. Dafür ist die Zwergstrauchschicht durch einen sehr gleichmäßig entwickelten Heidelbeerbestand auf weite Strecken hin geschlossen. Die Artenzahl ist sehr gering. Daß neben den in den Probe flächen genannten Arten auch Listera cordata gefunden wurde, kenn zeichnet die Vegetation als ursprünglich, da diese dort in künstlichen Aufforstungen auf fichtenfeindlichen Böden nicht auftritt. Unter der Zwergstrauchschicht findet sich noch eine geschlossene Bodenschicht von Moosen. Die Bearbeitung der Vegetation erfolgte ähnlich wie bei der Fett wiese. Die vielen Moose bildeten kein grundsätzliches Hindernis für die Oberflächenmessungen ; sie waren lediglich mühsamer und unter dem Mikroskop zu bearbeiten, sonst wurden sie gleich wie die Phanerogamen behandelt. Für die Bestimmung der Oberfläche der Fichtennadeln wurden 6 m2 mit für den Bestand typischer Kronendeckung ausgesucht und alle Nadeln über dieser Bodenfläche geerntet und gewogen. Dann wurden 150 Nadeln vermessen und gewogen und ihre Fläche auf das