hinnerk April / Mai 2021

blumediengruppe

04.2021 І APRIL • MAI І AUSGABE 414

HAMBURG І BREMEN І HANNOVER

SZENE

1 Jahr Corona:

Wie geht es uns?

COMEBACK

Rag'n'Bone

EXKLUSIV

Muslime und Gedöns:

Politdrama um

Rundfunkrat

Man

im exklusiven Gespräch

04

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INTERVIEWS: BONNIE TYLER, DAVID ZIMMERSCHIED, BIRDY, LONDON GRAMMAR

FEATURES: AMANDA COX, OLIVIA JONES & RICARDO M.


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SZENE

Wie geht es uns nach

einem Jahr SARS-CoV-II?

Verbände, Szenemacher*innen

und

Ricardo M. berichten.

GESELLSCHAFT

Gleich mehrere wissenschaftliche

Studien

zu queerem Leben und

Initiativen im Bundestag

gegen den Hass.

REISE

Unser Reisespezial beschäftigt

sich mit leicht

erreichbaren Zielen wie

dem Salzburger Land oder

den gayfriendly Aspekten

Italiens. Außerdem werfen

wir einen Blick auf Euro-

Games und World Pride.

Liebe Queers,

zunächst mehr Sternchen für alle. Passend zum Titelthema

um das „Gedöns“ im Rundfunkrat des NDR hat die hinnerk

Redaktion Verstärkung erhalten: Victoria Forkel (vf) ist für zwei

Ausgaben nonbinäre studentische Praktikant*in im Haus und

nutzt die Pronomen Dey/deren. Wir können nach dem ersten

Monat schon eine steile Lernkurve vermelden und werden –

wie auch die meisten Redaktionen des öffentlich-rechtlichen

Rundfunks – in Zukunft noch mehr auf Sichtbarkeit der Geschlechter

im Schrift- bzw. Sprachbild achten. Gegner*innen

verweisen gerne auf eine angebliche Verschandelung der

deutschen Sprache, die zudem nicht aussprechbar sei. Dabei

kennt die deutsche Sprache das Phänomen und nutzt es

in fast in jedem Satz: Im Sprechen macht Mensch einfach

eine kurze Pause, wenn eins gendern möchte. Genau wie bei

Spiegelei, Theater oder Haustürschlüssel, bei denen zwischen

Silben oder Wortteilen kleine Pausen gemacht werden:

Spiegel|ei, The|ater, Haus|tür|schlüssel ... Das Fachwort dafür

ist Glottisschlag oder Knacklaut. Kein Hex*innenwerk also,

dieses Gender|sternchen.

Viel Spaß beim Lesen!

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IMPRESSUM

Herausgeber:

Christian Fischer (cf) & Michael Rädel (rä)

Chefredakteur:

Michael Rädel (rä) (V.i.S.d.P.)

Stellv. Chefredakteur:

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REDAKTION:

Thomas Wassermann, Matthias Rätz (mr),

Ricardo M., Felix Just (fj), Patrick Heidmann,

Leander Milbrecht (lm), Victoria Forkel (vf),

Dirk Baumgartl (dax), Dagmar Leischow,

Steffen Rüth

Lektorat (ausgewählte Texte):

Tomas M. Mielke, www.sprachdesign.de,

Sabine Hannakampf,

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Art-Direktion: Janis Cimbulis

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4 SZENE

REPORT

Politspielchen um queere

Repräsentation im Rundfunkrat:

„HANEBÜCHENER UNSINN!“

Was haben das ZDF, Radio

Bremen und der MDR, was der

NDR nicht hat? Eine diversifizierte

Aufstellung ihrer Kontrollgremien,

dem jeweiligen Rundfunk- bzw.

Fernsehrat. Inklusive Vertreter*innen,

die die Communitys der LGBTIQ*

repräsentieren und vertreten.

Warum der NDR dies trotz aktueller Novellierung

des Staatsvertrages zwischen

Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern,

Niedersachsen und Schleswig-Holstein

und eines entsprechenden Grundsatzurteils

des Bundesverfassungsgerichts

nicht hat, ist Gegenstand unserer hinnerk

Titelstory und – vorweggenommen – ein

politisches Ärgernis.

DARUM GEHT ES

Der NDR-Rundfunkrat setzt sich aus

den vier Landesrundfunkräten Hamburg,

Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen

und Schleswig-Holstein zusammen.

Die 58 ehrenamtlichen Mitglieder

kontrollieren, ob der Staatsvertrag des

NDRs in Filmen, Serien etc. eingehalten

wird. Außerdem muss der Rundfunkrat

den Wirtschaftsplan und besonders

teure Projekte genehmigen.1991 wurde

der diese Dinge regelnde Staatsvertrag

ursprünglich aufgesetzt, 2005 erstmals

und in diesem Jahr letztmalig novelliert.

Im Schnitt alle 15 Jahre stecken die

Chef*innen der NDR-Bundesländer also

die Köpfe zusammen und reformieren

vorsichtig die Vorgaben, die dem

wichtigsten öffentlich-rechtlichen Sender

(u.a. Tagesschau und Tagesthemen) „von

Staats wegen“ gemacht werden. Ende

Februar wurde bekannt, dass es wieder

so weit ist und dass es diesmal auch

um politisch heiße Eisen gehen wird,

denn seit 2005 ist viel Wasser die Elbe

herabgeflossen. Zum Beispiel musste ein

Urteil des Bundesverfassungsgerichts

zum ZDF-Staatsvertrag miteinbezogen

werden, das 2014 grundsätzlich und

damit auch für den NDR entschied:

„Die Zusammensetzung der Aufsichtsgremien

der öffentlich-rechtlichen

Rundfunkanstalten ist gemäß Art. 5

Abs. 1 Satz 2 GG am Gebot der

Vielfaltsicherung auszurichten.“

ALTE „VIELFALTSSICHERUNG“

Das bisherige Selbstverständnis des NDR-

Rundfunkrates sah offensichtlich keinen

Reformbedarf. Auf seiner Internetseite

schreibt das Gremium über sich selbst:

„Der NDR-Rundfunkrat vertritt die

Interessen aller Bürgerinnen und

Bürger im Sendegebiet des NDR. So

ist er auch zusammengesetzt: Über

die 58 Mitglieder im Rundfunkrat

wird die Bandbreite des gesellschaftlichen

Lebens in Norddeutschland

gespiegelt.“


In der Realität ist Vielfalt dieses:

■ Tarifparteien 26 % (Arbeitnehmer*innen/

Arbeitgeber*innen)

■ Parteien 21 % (inklusive

AfD mit eigenem Sitz für

Mecklenburg-Vorpommern)

■ Religionsgemeinschaften 14 % (römischkatholisch,

evangelisch und immerhin

ein Sitz für die jüdische Gemeinde, aber

keinen für die muslimischen Gemeinden)

Die restlichen 39 Prozent verteilen sich auf

■ Familie,

■ Senior*innen,

■ Migrant*innen,

■ Sport,

■ Bildende Künste und

■ Frauen.

Die meisten Mitglieder der Räte sind über

50 und weiß. Queere Repräsentation

existiert nicht, obwohl LGBTIQ*-Personen

mit zehn Prozent durchaus einen

gewichtigen Teil der „gesellschaftlichen

Vielfalt“ darstellen (sollten) – gleiches

gilt für den hohen Anteil muslimischer

Mitbürger*innen.

FOTO: NRD / HERZIG

Jahre Zuständigen. Um so überraschter

waren der Lesben- und Schwulenverband

Deutschland (LSVD) und sein

Hamburger Landesbüro, als sie über die

Neuerungen in der 2021er-Version des

NDR-Staatsvertrages informiert wurden.

Die wichtigsten Änderungen laut Entwurf

sind kürzere Amtszeiten und eine auf drei

Amtszeiten beschränkte Wiederwahl der

Rät*innen. Die wichtigsten Änderungen

laut Entwurf: kürzere Amtszeiten und

maximal drei Amtsperioden für die Mitglieder.

Beworben wurden die Änderungen

und eine zusätzliche Verringerung der

Vergütungspauschalen („Aufwandsentschädigung“)

zugunsten einer Erhöhung

der Sitzungsgelder als „Dynamisierung der

Gremien“ im Sinne der Vielfaltssicherung.

Der LSVD reagierte verschnupft und

schrieb am 18. Februar an die vier

Landesfürst*innen:

„Weshalb die für den Norddeutschen

Rundfunk zuständigen Landesregierungen

[...] hinsichtlich der

Vielfaltssicherung die Entscheidung

des Bundesverfassungsgerichts sowie

die seitdem erreichten Standards in

Bezug auf LSBTI* ignorieren, ist uns

völlig unverständlich. [...] Die heutige

gesellschaftliche Vielfalt muss sich in

den Gremien aller öffentlich-rechtlichen

Medien und den entsprechenden

Gremien der Landesmedienanstalten

abbilden. Auch dort müssen die vom

Bundesverfassungsgericht formulierten

Grundsätze zum Tragen kommen.

LSBTI* müssen in diesen Gremien

überall angemessen vertreten sein, das

gilt auch für den NDR. Aufgrund der

bevorstehenden Ratifizierung bitten wir

freundlichst um Stellungnahme bis zum

26. Februar 2021.“

Eine Antwort binnen gesetzter Frist erhielt

der LSVD aus keiner der Staatskanzleien.

Auch nicht nach Ablauf der Frist.

FOTO: ROMAN HOLST / INSTAGRAM.ROMAN_HOLST

SZENE 5

BÜRGERMEISTER DELEGIERTE AN DIE

KULTURBEHÖRDE ...

Erst als hinnerk am 15. März mit folgenden

Fragen an das Büro von Hamburgs

Erstem Bürgermeister Peter Tschentscher

herantrat, kam Bewegung in die Sache.

Wir fragten:

■ Wie kommt es, dass nach mehreren

positiven Beispielen (ZDF, MDR,

Radio Bremen), die weltoffene Freie

und Hansestadt Hamburg einen

Staatsvertrag unterzeichnet, der rund

zehn Prozent der Bevölkerung eine

Repräsentation verweigert?

■ Warum wird der Dialog mit den

Verbänden dieser relevanten Bevölkerungsgruppe

nicht aktiv gesucht

bzw. der Dialogversuch des LSVD nicht

beantwortet?

■ Stimmt es, dass ein Bundesland die

Verabschiedung des Staatsvertrages

per Vetodrohung in dieser Frage

verhindern wollte?

Noch am selben Tag kam die Antwort

aus dem Büro Tschentschers: Das

Büro verwies auf eine Weiterleitung

des LSVD-Schreibens an die

zuständige Kulturbehörde. Die dortige

Nachfrage führte einen weiteren Tag

später zu folgender Stellungnahme

FOTO: LSVD HAMBURG

NEUE „VIELFALTSSICHERUNG“ RUFT

LSVD AUF DEN PLAN

So sahen es jedenfalls die für ZDF,

MDR, Radio Bremen und einige weitere

Staatsvertragsnovellierungen der letzten

Wolfgang Preussner vom LSVD Hamburg


6 SZENE

des Pressesprechers der Kulturbehörde,

Enno Isermann:

„Mit der Novellierung des NDR-

Staatsvertrags soll eine Anpassung

an die aktuelle Rechtsprechung des

Bundesverfassungsgerichts sowie an

den Medienstaatsvertrag erfolgen.

Hamburg hat sich im Kreis der Staatsvertragsländer

auch für eine Reform

des NDR-Rundfunkrates und eine

zeitgemäße Abbildung unserer heutigen,

pluralen Gesellschaft eingesetzt.

Eine entsprechende Reform konnte

Hamburg aber nicht allein durchsetzen.

Vielmehr mussten alle vier

NDR-Staatsvertragsländer (Hamburg,

Schleswig-Holstein, Mecklenburg-

Vorpommern und Niedersachsen)

allen Teilen der Reformüberlegungen

zustimmen.

Auf Grund der nicht erfolgten

Erhöhung des Rundfunkbeitrages

durch die verweigerte Zustimmung von

Sachsen-Anhalt, die derzeit vor dem

Bundesverfassungsgericht verhandelt

wird, wurde die Neujustierung des

Rundfunkrates jedoch zunächst

verschoben. Der NDR befand sich

bereits vor diesen Geschehnissen unter

deutlichem Sparzwang, was sich durch

die nicht erfolgte Beitragserhöhung

nun noch verstärken wird. Auch nicht

unerhebliche Einsparungen im Programm

werden als Folge erwartet. Vor

diesem Hintergrund haben die Staatsvertragsländer

sich darauf geeinigt,

vorerst die Kontinuität im Rundfunkrat

zu wahren und eine Änderung der

Zusammensetzung des Gremiums

zu verschieben, das insbesondere für

Programmfragen zuständig ist.

Die NDR-Länder eint aber der feste

politische Wille, bei einer künftigen

Reform weitere Interessengruppen und

Verbände in den Rundfunkrat einzubeziehen,

um auf diese Weise die Vielfalt

der Bevölkerung in Norddeutschland

möglichst gut zu repräsentieren.

Dabei wird der LSVD – wie bei den

bisher erfolgten Reformüberlegungen

– auf jeden Fall in der Diskussion

berücksichtigt.“

... DIE KULTURBEHÖRDE MAUERT

Nicht erklärt wird, warum der LSVD keine

Antwort auf sein Schreiben erhielt.

Nicht erklärt wird auch, was genau die

Finanzierungsfrage mit der Vielfaltssicherung

zu tun hat. Immerhin wäre es sogar

ohne Umbau der Vergütungsstruktur ein

Einfaches, die Zusammensetzung des Rates

bei gleichbleibender Mitgliederzahl diverser

auszurichten.

Ebenso nicht erklärt wird, warum im

ursprünglichen Entwurf die Neujustierung

des Rundfunkrates schon als „Erledigung“

der Vielfaltssicherung angepriesen wurde.

Nicht nur in der Redaktion wurden dementsprechend

die Fragezeichen in den Köpfen

eher größer denn kleiner.

„INAKZEPTABEL UND BESCHÄMEND“

Mangels direkter Kommunikation wurde

der LSVD durch uns über die Antwort

informiert, die gleichsam als eine solche

auf den Brief an Herrn Bürgermeister

Tschentscher zu werten ist. Wolfgang

Preussner, Vorstandsmitglied des LSVD

Hamburg, übermittelte daraufhin im Namen

des Hamburger Landesverbandes und des

Bundesverbandes folgende, inzwischen

nicht mehr zurückhaltend kritische

Stellungnahme:

„Es ist inakzeptabel und beschämend,

dass keine der zuständigen Landesregierungen

die Chance genutzt hat, LSBTI

im NDR-Rundfunkrat zu berücksichtigen.

Die Hamburger Landesregierung hätte

hier deutlich protestieren und die

Unterschrift verweigern müssen. Dass

nun die nicht erfolgte Erhöhung des

Rundfunkbeitrages noch bemüht wird,

um LSBTI und weiteren Gruppen im

NDR Sitz und Stimme zu verweigern, ist

hanebüchener Unsinn.“

UND NUN, LIEBE BÜRGERSCHAFT?

Inzwischen ist das Vertragswerk längst

von allen Landeschef*innen unterzeichnet

und soll am 1. September 2021 in Kraft

treten. Chance verpasst also? Nicht

ganz. Ratifizierung heißt der Hebel für die

Zivilgesellschaft und ihre demokratischen

Repräsentant*innen in den Parlamenten,

der zumindest ein wenig hoffen lässt.

Die Landesparlamente, also auch die

Hamburger Bürgerschaft, müssen der

Novellierung noch zustimmen. Eigentlich

eine Pro-forma-Angelegenheit, ergibt sich

daraus für unsere queeren Communitys

wie auch für die muslimische Gemeinde,

die sich informierten Kreisen zufolge

ebenfalls vergeblich um einen Sitz im

Rundfunkrat bemühte, die Möglichkeit,

Druck auszuüben.

Ein paar Anrufe und E-Mails später

können wir exklusiv immerhin folgende

Antwort aus dem Regierungslager der

Bürgerschaft vermelden:

FOTO: DAVID MARK / CC0


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SZENE 7

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DAS SCHULNETZWERK

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BUNDESKOORDINATION!

Simon Kuchinke

Farid Müller

„Wir Grüne und SPD-Abgeordnete halten die Neuaufstellung

des NDR-Rundfunkbeirats mit bisher fehlenden

Stimmen aus der Zivilgesellschaft, wie die LSBT*IQ, für

politisch richtig und haben den Senat bei der Berücksichtigung

der Community bestärkt. An Hamburg

ist diese Neuaufstellung jedenfalls nicht gescheitert.

Sobald der Staatsvertrag die Hamburgische Bürgerschaft

erreicht, werden sich die Regierungsfraktionen

SPD und Grüne für einen Antrag einsetzen, um deutlich

zu machen, dass mehr Vielfalt dem Rundfunkrat gut

tut und deshalb braucht es u.a. einen Platz für die

LSBT*IQ-Community.“

Farid Müller, medien- und queerpolitischer Sprecher der

Grünen Bürgerschaftsfraktion

Simon Kuschinke, SPD-Bürgerschaftsabgeordneter

und Sprecher für LSBT*IQ

KOMMENTAR

Das ist suboptimal gelaufen ...

... oder um es mit Hape Kerkeling zu sagen: Das ist eine

ganz besch... Situation! Ein bisschen erinnert sie an

Gerhard Schröders historische Abwertung von Gleichstellungsfragen

und deren Subsumtion unter dem flapsigen

Begriff „Frauen und Gedöns“.

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Die Frage nämlich bleibt: Was hat die schlechte finanzielle

Ausstattung des NDRs mit den Vertragsverhandlungen

zum Rundfunkrat zu tun? Es manifestiert sich der Eindruck,

dass die faire Besetzung der Gremien ein politisches

Problem darstellt, mit dem sich die Länder erst später, ggf. in

15 Jahren beschäftigen wollen. Bei der Hamburger Behörde

für Kultur und Medien scheint zwar ein politischer Wille für

queere Repräsentation vorhanden zu sein. Doch offensichtlich

mangelt es am Willen, diesem Willen Nachdruck zu

verleihen.

Ob anstehende Wahlkämpfe, die SPD-interne Diskussion

über Identitätspolitik und Genderfragen und der Druck vom

rechten Rand, besonders in Mecklenburg-Vorpommern,

ausschlaggebend für dieses Nichtglanzstück politischer Willensbildung

sind, bleibt Rathausflurgetuschel. Die Hoffnung

hängt nun erst einmal bei der Bürgerschaft und, sollte diese

versagen, beim dringenden Appell, nicht weitere 15 Jahre bis

zur neuerlichen Novellierung des Staatsvertrages über den

NDR in die vier Bundesländer vergehen zu lassen.

*Victoria Forkel & Christian Knuth

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SZENE

1 Jahr Corona:

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Erscheinungstermin

ist der 27.5.2021


8 SZENE

FOTO: FOTOGRAFIERENDE / UNSPLASH / CC0

STUDIE

EIN JAHR CORONA:

Wie geht es uns?

300 queere Organisationen und

Expert*innen wurden befragt, 41 Seiten

bedruckt: Der Corona-Bericht zum Stand

der Dinge in der queeren Szene ist fertig und

kommt zu besorgniserregenden Ergebnissen.

Bestehende Probleme verschärfen sich

dramatisch.

Die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld

(BMH), der Bundesverband Trans* (BVT), der

Verein Intersexuelle Menschen (IM e.V.) und

der Lesben- und Schwulenverband Deutschland

(LSVD) veröffentlichten diese Woche ihre

Broschüre „Auswirkungen der Coronapandemie

auf lesbische, schwule, bisexuelle, trans*,

intergeschlechtliche, queere und asexuelle

Personen in Deutschland“. Ziel der Veröffentlichung

ist es, LGBTIQ*-Rechte stärker in den

Fokus der kommenden Bundestagswahl zu

rücken. Hier ein paar Ausschnitte:

FINANZIELLE ÄNGSTE

Finanzielle Probleme von Beratungsstellen

und kulturellen Orten verstärkten sich unter

anderem durch die notwendig gewordene

technische Aufrüstung. Initiativen befürchten

zudem, dass ihre Arbeit in der Pandemie

vom Staat für unnötig erklärt und unter

kommenden Haushaltskürzungen besonders

leiden wird:

„ Angestellte verzichten zu Jahresbeginn

in manchen Fällen sogar auf einen Teil

ihres Gehalts, damit keine Kolleg*innen

entlassen werden müssen.“

Tammo Wende von RosaLinde Leipzig

VERANSTALTUNGEN UND HILFSANGE-

BOTE WERDEN SELTENER

Fast 40 Prozent der im Heft befragten

Initiativen gaben an, dass sie den Großteil

ihrer Veranstaltungen absagen mussten. Der

Rest wurde ins Digitale verlagert. Obwohl

viele queere Menschen unter dem Verlust

von Präsenzveranstaltungen leiden, freuen

sich viele ältere, chronisch kranke und

behinderte Menschen über Online-Formate,

die ihre Teilnahme erstmals ermöglichen.

KATASTROPHALER ZUGANG ZUR

GESUNDHEITSVERSORGUNG

Queere Menschen leiden besonders

oft unter mentalen Krankheiten. Die

Dauerpräsenz von Diskriminierungserfahrungen

verbindet sich nun mit den

Auswirkungen der Corona-Krise: Isolation,

Existenzangst, Sorge um sich und andere.

Der Bedarf an diskriminierungssensiblen

Psychotherapeut*innen ist dementsprechend

weiter gestiegen.

„In einer Erhebung des Deutschen

Instituts für Wirtschaftsforschung

aus dem Jahr 2017

berichteten lesbische, schwule

und bisexuelle Menschen doppelt

so häufig wie heterosexuelle

Menschen, dass bei ihnen schon

einmal eine depressive Erkrankung

diagnostiziert wurde.“

Noah Rieser von TransInterQueer e.V.

und das Universitätsklinikum Hamburg

Eppendorf berichten unabhängig

voneinander, dass das ständige Gängeln

durch medizinisches Personal bei inter- und

trans*geschlechtlichen Personen zur

Vermeidung von Corona-Tests führt. Dazu

kommt, dass sich die Bearbeitungsdauer

von Anträgen auf Namensänderung etc. bei

trans* Personen verlängert und Operationen

abgesagt werden. Tragisch, da auch ohne

Pandemie eine rechtliche und medizinische

Transition Jahre dauern kann.

SOZIALE ISOLATION

Queere Geflüchtete sind in der Pandemie

unterschiedlichsten Gefahren ausgesetzt:


STELLENAUSSCHREIBUNG

Bei Hein & Fiete, dem schwulen

Checkpoint in Hamburg, ist zum

01.05.2021 oder später die Stelle

„Vor-Ort-Arbeit in den schwulen/

bisexuellen Szenen Hamburgs“

neu zu besetzen.

Einer Corona-Infektion durch überfüllte Sammelunterkünfte,

schlechtere Chancen auf Asyl durch den Wegfall von

rechtlicher Beratung und Isolation wegen der Streichung von

Community-Treffen. Wegen der

schlechten Internetverbindung

in ihren Unterkünften können

sie nicht auf digitale Angebote

zurückgreifen. Angesichts

dieser schwierigen Umstände

gelangen Lilith Raza vom

Queer Refugees Deutschland

und Ibrahim Willeke von

der Landeskoordination der

Anti-Gewalt-Arbeit für Lesben,

Schwule & Trans* in NRW zu

folgender Einschätzung:

„Seit Beginn der Pandemie haben wir [die beiden] einen

deutlichen Anstieg von Suizidalität, Gewalterfahrungen,

Depressionen und Angst unter geflüchteten LSBTIQA+

beobachtet.“

Hein & Fiete ist ein Projekt zur

HIV/STI-Prävention für schwule

und bisexuelle Männer in

Hamburg.

AUFGABEN

• Organisation, Planung und Durchführung von

Präventionsaktionen in der schwulen/bisexuellen Szene

• Organisation, Anleitung, Betreuung und Führung der

ehrenamtlichen Gruppe „Safety Crew“

(Szene- & Vor-Ort-Arbeit-Gruppe)

• Organisation von Veranstaltungen

• Administrative Tätigkeiten im Checkpoint

• Teilnahme an regelmäßig stattfindenden

Teambesprechungen und Supervision

• Regelmäßige Informationsverteilungen und

Kontaktpflege zu den Läden der schwulen Szene

(Gespräche mit Wirten, Partyveranstaltern,

Pornokinobesitzer u.a.m.)

• Begleitung und Weiterentwicklung der

Selbstverpflichtung der „schwulen Wirte“

• Präventionsberatung in unserem HIV/STI-Testangebot

• Pflege des Internetauftritts von Hein & Fiete

(Homepage, soziale Netzwerke, Gay Health Chat etc.)

• Erstellen von Materialien für die Vor-Ort-Arbeit

Carolina Brauckmann vom Verband Lesben und Alter weist

neben den Schwierigkeiten der Pandemie auf die Krisenerfahrenheit

von älteren queeren Menschen hin: Sie besäßen

durch lesbische, schwule, bisexuelle und trans* Kämpfe in der

letzten Jahrhunderthälfte erprobte Bewältigungsstrategien.

VERORDNETE FAMILIENIDYLLE

Im Zuge des Infektionsschutzes wird laut Rebekka

Blum, Francis Seeck und Ilka Quindeau die Familie wieder

traditioneller: Der Kontakt zu Herkunftsfamilien und monogamen

Partner*innen wird weniger streng eingeschränkt,

als bei Freund*innen und mehreren Partner*innen. Fatal für

queere Menschen, da viele LGBTIQ*-Personen sich mit einer

selbst gewählten Familie enger verbunden fühlen. Polyamore

Menschen werden durch solche Regelungen gezwungen, sich

zwischen Partner*innen zu entscheiden. *vf

VORAUSSETZUNGEN

• Studium der Sozialpädagogik, Psychologie,

Pädagogik oder vergleichbare Qualifikation

• Selbständiges Arbeiten, Kontaktfreude und Kreativität

• Berufserfahrung in schwuler Projektarbeit

oder AIDS-Hilfe

• Erfahrung im Bereich: Organisation, Anleitung

und Beratung

• Erfahrung in der Arbeit mit Ehrenamtlichen

• Bereitschaft zur flexiblen Abend- und Wochenendarbeit

• Erfahrung in Anleitung von Gruppen

• Internet- und EDV-Kenntnisse

WIR BIETEN

• 35 h Stelle / Vergütung in Anlehnung TVL-S

• Zusammenarbeit in einem freundlichen und

engagierten Team, vier Hauptamtliche und

ca. 90 Ehrenamtliche

• Supervision und Weiterbildung

Viele queere Menschen arbeiten selbstständig, um Diskriminierung zu

entgehen. In der Pandemie sind sie besonders oft von Hartz 4 betroffen, da

sie als Soloselbstständige nicht arbeitslosenversichert sind und die Corona-

Maßnahmen des Bundes für sie größtenteils unwirksam waren. So auch DJ

Seet, der im hinnerk 8/20 von seinen Erfahrungen berichtete.

FOTO: SELFIES

NÄHERE

INFORMATIONEN

Marc Grenz,

Tel. 040/240440,

marc@heinfiete.de,

www.heinfiete.de

(Geschäftsführung)

BEWERBUNGEN AN

Prävention e.V.,

Vorstand

Pulverteich 21,

20099 Hamburg

www.heinfiete.de • www.iwwit.de


10 SZENE

FOTOS: SELFIES

NACHGEFRAGT

AMANDA COX

„Es geht mir so gut, wie lange nicht“

Trotz Corona-Sorgen und

Frust überall lässt sich die

Hamburger Dragqueen nicht unterkriegen.

Denn eigentlich geht es ihr

so gut, wie lange nicht. Wir trafen

Amanda Cox zu einem Bummel auf

der Reeperbahn.

Traurig, die leere Reeperbahn zu

sehen. Wie geht es dir damit?

Es ist schon sehr, sehr traurig zu sehen, wie

leer und grau es sein kann, wenn gerade auf

der größten Dauerpartymeile nichts los ist.

Klar, die Bars und Klubs nutzen die Chance

für ein paar Umbauten. Aber die Energie, die

gerade die Reeperbahn und meine Große

Freiheit so lebendig und umwerfend macht,

ist erst einmal weg. Ich kann nur hoffen, dass

mit den Lockerungen und den ersten positiven

Zahlen die Menschen zurückkommen

und wieder Lust haben, den Abend hier zu

genießen.

Du hast einmal gesagt, dass die

Community in Hamburg dich extrem

warm aufgenommen hat. Wie ist der

Kontakt in Corona-Zeiten?

Ab und an hört man voneinander oder

textet sich, aber der Kontakt fällt halt leider

aus, man möchte hier ja kein großes Risiko

eingehen. Aber ich schätze die Hamburger

Community und die queere Szene sehr für

ihre Art und Weise. Hier habe ich mich schon

nach ein paar Monaten so wohl gefühlt. Klar,

an ein paar Ecken gibt es Streithähne, aber in

einem Käfig voller Pfaue muss es ja auch mal

Ärger geben.

Du lebst nun gesünder und entspannter

als damals in Berlin, oder?

Gesünder nicht so ganz. Ich trinke halt nicht

mehr so viel Alkohol, das hat mich Berlin

gelehrt, und als Drag während der Arbeit erst

recht keinen mehr. Dennoch fehlt Bewegung

und das ständige Training in Heels. Was

mir gerade viel hilft, sind Spaziergänge und

Rückenschulungen.

Mittlerweile hast du einen Tageslicht-

Job, aber wenn Corona „im Griff“ ist,

erleben wir dich wieder als Dragqueen

in der WunderBar und bei Olivia, oder?

Das wird auf jeden Fall passieren, aus keinem

anderen Grund bin ich nach Hamburg

gezogen, um hier meiner Passion als queere

Person nachzugehen. Ich freue mich auch

schon umso mehr, wieder in der WunderBar

vor, hinter und unter dem Tresen zu liegen.

Zu tanzen im Schmidts Tivoli auf der

Pink Inc. und im Docks bei Berrys Partys.

Besonders vermisse ich aber die Bühne und

als Dragqueen die Leute zum Lachen zu

bringen.

Wie läuft es mit deiner Mitbewohnerin

Geena Tequila?

Was sich liebt, das neckt sich. Wir zwei

mögen und hassen uns zugleich unter

Corona. Man merkt halt, dass dieses

Aufeinandergehocke nicht immer gesund ist.

Aber wir kommen gut durch. Neulich hatten

wir quer durch Hamburg eine kleine private

Zwei-Mann*-Bar-Tour gemacht und beim

Spazieren etwas Sekt mit Orange genossen.

(lacht)

Und was macht die Liebe?

Dating ist ja während Corona leider etwas

schwer. Und auch sonst in einer neuen Stadt

Kontakte zu knüpfen ... Aber wer weiß schon,

was in den Sternen steht?! Der Richtige kann

ja spontan bei mir klingeln – wenn er noch

'ne Pizza mitbringt, natürlich.

*Interview: Michael Rädel

www.instagram.com/monstamoda,

www.facebook.com/DragQueenAmanda


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12 SZENE

KOLUMNE

Corona-Survival-Tipps

Ein Jahr Corona – Zeit für einen Rückblick auf ein Jahr, wie es niemand von

uns je zuvor erlebt hat. Dabei begann alles ganz harmlos. Neun ganze Fälle

gab es in Norditalien, als ich, ausgestattet mit einem Funkmikrofon, das tat,

wofür mich ein Hamburger Unternehmen gebucht hatte: Laufkundschaft

auf der Mönckebergstraße ansprechen, das Tombola-Rad drehen und der typischen

Winterhuderin mit Anmerkungen über Steppjacke und Perle im Ohr ordentlich auf den

Zahn fühlen, um sie dann hintenrum als treue Kundin zu gewinnen. Als Top-Verkaufsrepräsentant

kein Problem für mich, die Gage stimmte auch mal wieder – und das, was

ich da an männlichem Material vorbeilaufen sah, auch. Dass genau das mein vorerst

letzter Auftritt sein sollte, ahnte ich natürlich nicht.

Ich könnte diesen Rückblick jetzt

kinderleicht dazu missbrauchen, um

aufzuzählen, wie schrecklich alles ist, für

uns Künstler*innen, für die Theater, die

Clubs … und – ach – eigentlich für alle. Ich

behaupte nicht das Gegenteil. Sollte ich

damit aber auch nur ein Milligramm Futter

all jenen vor die Nase werfen, die das zur

Stärkung ihrer „Es reicht!“-Parolen nutzen

und die blind vor Frust und Wut auf was

sonst noch alles übersehen, dass rechts

von ihnen auf ihren Superspreader-Demos

Nazis mitlaufen und dann auch noch

grölen, diese Demokratie sei eine Diktatur,

dann lasse ich das sehr gerne. Mein

Fortbildungstipp für all jene: einfach mal

eine Zeit lang in Belarus, Russland oder

Nordkorea „leben“. Viel Vergnügen!

Da der ganze Corona-Scheiß ja noch ne

Weile dauern wird, habe ich für euch lieber

meine ultimativen Corona-Survival-Tipps

zusammengestellt:

A WIE ABSTAND.

Seien wir doch mal ehrlich: Was gibt es

eigentlich Praktischeres, als den Typen

vor uns an der Kasse endlich mal mit

gebührendem Abstand von oben bis

unten anglotzen zu können? Vor Corona

sah man maximal Hals und Schultern.

Langweilig!

H WIE HYGIENE.

Meine jahrelange Praxiserfahrung belegt,

dass frisch Gewaschenes nicht nur

gesünder ist, sondern in der Regel auch

besser schmeckt.

A WIE ALLTAGSMASKE.

Um es hier mal auf den Punkt zu bringen:

Optisch bleibt einem endlich auch einiges

erspart! Ansonsten gilt mein Unterhosen-

Tipp: Regelmäßiges Wechseln ist nicht das

Allerschlechteste.

L WIE LÜFTEN.

Wissenschaftliche Studien belegen:

frische Raumluft fördert die Konzentration

und Denkkraft. Vielleicht haben die

Covidioten einfach nur vergessen, das

Fenster aufzumachen?!

Es bereitet derzeit seine BINGO!-Show

im Livestream vor und verrät nur so viel:

Wenn das klappt, wird’s richtig geil! Haltet

durch und denkt an andere. Mehr denn

je gilt jetzt mein All-Time-Show-Classic:

Lebt die Liebe und liebt das Leben!

Euer Ricardo M.

www.ricardo-m.com


immer aktuell

informiert

www.männer.media


FOTO: Z. NER / CC0

14 NORDDEUTSCHLAND

KOMMENTAR

VERBEUTELTE

SPENDEN

Eigentlich könnte wohl „offener

Brief“ statt „Kommentar“ über

diesen Zeilen stehen. Aber – und da sind

wir auch gleich beim Kern der Sache – wir

sind nicht an Befindlichkeiten interessierte

PR-Schreiber*innen, sondern eine nach

journalistischen Grundsätzen arbeitende

Redaktion. Jetzt wird es also persönlich.

Ja, auch das darf Journalismus. Muss

Journalismus.

Dies ist nun die dritte Ausgabe in Folge,

in der wir euch, unsere Leser*innen, über

unsere Rechercheergebnisse im Fall der

CSD-Spenden der Wirte Dennis R. und

Johannes Z. informieren. Die Faktenlage

hat sich jedes Mal erst nach unseren Veröffentlichungen

geändert. Die Darstellung,

es hätte keine Kommunikationsversuche

unsererseits gegeben, ist schlicht falsch.

Richtig ist, dass selbst nach dem ersten

Bericht Ende Herbst 2020 von Dennis R.

nur der Scan eines Überweisungsbeleges

und ehrabschneidende Beschimpfungen

gegenüber unserem Mitarbeiter Mathias

und meiner Person und eingingen.

Johannes Z. reagierte auf meine Fragen

zur Banktransaktion ganz offensichtlich so

schwammig und weglassend wie möglich,

dass uns und insbesondere mir nur die

Wahl blieb, gutgläubig klein bei zu geben

oder eben – was ich für meinen Job halte:

hartnäckig zu bleiben, bis die Faktenlage

mich von einer adäquaten Darstellung

der Realität überzeugt. Warum er das tat?

Spekulativ. Die Folge: Auf einmal sind die

Dinge erklärbar. Aber wiederum erst nach

einer weiteren Runde Quellenbefragung

inklusive Arbeitsaufwand für ehrenamtliche

Mitarbeiter*innen beim CSD und

der Buchhaltung bzw. Geschäftsführung

der Aidshilfe (Dank an dieser Stelle noch

einmal!) und der Veröffentlichung der sich

daraus ergebenden Sachlage.

Ich zitiere aus einem von Johannes Z. und

Dennis R. auf den Facebookseiten des

Schwarzen Hermann und der Bar Friends

nach diesem Bericht geposteten Beitrag

vom 4. Februar unter der Zwischenüberschirft

„Haben wir Fehler gemacht“:

„Ja klar, wir sind Menschen. Wir sind

unreflektiert in einen dummen Konflikt

gegangen, den Gespräche zur richtigen

Zeit hätten vermeiden oder zumindest

entschärfen können. Wir haben weder

der AIDS-Hilfe noch den Käufer:innen der

Pride-Beutel ausreichend kommuniziert,

dass ihre Spende einem anderen als dem

ursprünglichen Zweck zu Gute kommen

sollte. Darüber hinaus wirkte die Verknüpfung

mit einer anderen Aktion, dem zuvor

benannten Advents-Bingo, und unserer

schlechten Kommunikation zu weiteren,

sehr wohl vermeidbaren Verwirrungen.

Und ja, Dennis hat im Eifer des Gefechts

oder sagen wir besser, in den Wirrungen

des Konfliktes die Anweisung der

zugesagten Spende der Veranstaltung

vergessen.“

WIR STELLEN FEST

Ein konstruierte Konflikt zwischen meinem

Mitarbeiter, einem CSD-Vorstand und den

Wirten, hat letztere seit 2018 davon abgehalten

eine vertraglich vereinbarte Umsatzbeteiligung

weiterzuleiten und dies erst

nach mehr als einem halben Jahr intensiver

öffentlicher Schadensbegrenzungs-PR in

Reaktion auf ganz normale journalistische

Berichterstattung getan. Die 550 Euro

sind am 2. Februar 2021 beim CSD Verein

eingegangen. Schenkt man* zusätzlich der

Darstellung der Wirte Vertrauen, dass die

Überweisung vom Friends Weihnachtsbingo

an die Aidshilfe die Beutelspenden enthielt,

obwohl zwei schriftlich vorliegende Aussagen

und der Zeitablauf dagegen sprechen,

ist der Fall abgeschlossen:

Es wurden Spenden umgewidmet und

andere verbeutelt. Sie wurden nachgezahlt

und man* hat sich zumindest bei den

Spender*innen dafür entschuldigt. Dass

wir als Redaktion da nicht mitgemeint

wurden, ist Berufsalltag: Journalismus

heißt schreiben, was andere nicht gedruckt

sehen wollen. Alles andere ist PR.

*Christian Knuth

Hinweis:

Wir appellieren an Johannes Z. und

Dennis R., ehrenrührige Angriffe auf die

journalistische Integrität der hinnerk

Redaktion, insbesondere unseres Mitarbeiters

Mathias Rätz


OLDENBURG

CSD verschoben

NORDDEUTSCHLAND 15

Der CSD Nordwest ist nach dem Hamburger CSD die größte Pride-

Veranstaltung im Norden. Die Demonstration findet zwar in Oldenburg

statt, hat aber, wie der Name andeutet, ein weites Einzugsgebiet. Beim

25. Geburtstag 2019 demonstrierten rund 11.000 Menschen. *vf

FOTO: M. RÄTZ

Letztes Jahr konnte der CSD in

Oldenburg aus Infektionsschutzregelungen

nicht wie gewohnt

stattfinden. Das Organisationsteam

ließ sich jedoch nicht

entmutigen und plante viele kleine

Aktionen, wie eine Fahrraddemo,

Plakataktion und einer Mahnwache.

Dieses Jahr wünschen sich

die Organisator*innen, dass ein

größerer CSD wieder möglich

sein wird. Aus diesem Grund wird

der traditionelle Termin im

Juni auf dem 18. September

verlegt. Die Veranstalter*innen

erhoffen sich von der Verschiebung

mehr Planungssicherheit,

als der Sommer während der

Corona-Pandemie bieten könnte.

Im Herbst freuen sie sich auf rege

Beteiligung an der Demonstration.

„Wir rufen alle Bürger*innen

und Organisationen, denen die

Vielfalt und Gleichberechtigung

von Menschen am Herzen

liegen, auf, sich zu beteiligen

und einzubringen.“

www.csd-nordwest.de

BREMEN

Rettet die Zone: Fetisch muss leben!

Das Community-Zentrum

„Zone283“ ringt ums Überleben,

der Bremer Klub bittet jetzt um

Spenden.

„Liebe Freunde, Fördermitglieder

und Fans der Zone283, im Rahmen

der aktuellen Entwicklung mit dem

erneuten Lockdown für die Gastronomie,

muss selbstverständlich

auch die Zone283 bis auf Weiteres

geschlossen bleiben.“

Quelle: Facebook

Der 1996 gegründete schwule Safe

Space war seit den 1990ern für Fetisch-

Kerle diverser Spielarten eine wichtige

Anlaufstelle, Ort für Spaß, Lust und

Vereinsleben. Dann kam Corona. 2021

braucht er die Unterstützung der

Community!

Der (Männer-)Verein betreibt einen

nicht kommerziellen Klub und finanzierte

sich vor Corona vor allem durch

niedrige Eintrittspreise. Und wie alle

anderen Veranstalter*innen treffen

die Corona-Schutzverordnungen

zur Bekämpfung der Pandemie

auch das Team der Zone283 sehr

hart. Um in der Zukunft für die

Leder-Community ein Treffpunkt

sein zu können, bittet der Verein um

finanzielle Unterstützung. *vf/rä

Wer spenden möchte, kann

dies direkt über Paypal tun:

paypal.me/Zone283,

www.zone283.de

FOTO: CHRISTIAN BUEHNER / UNSPLASH / CC0

LÜBECK

MenCheck-Woche

FOTO: GNACIO MARES / UNSPLASH / CC0

Die Lübecker AIDS-Hilfe lädt mit der Beratungsstellle für sexuelle Gesundheit

und HIV und der AIDS-Pflege zur nächsten MenCheck-Woche ein. Vom 19. bis

22. April kann man sich kostengünstig auf HIV und andere sexuell übertragbare

Krankheiten testet lassen. Die Beratungsstelle weist daraufhin, dass wegen

der Pandemie eine Telefonanmeldung erforderlich ist. Wer einen männlichen

Berater möchte, soll dies bei der Anmeldung vermerken. Für einen Hepatitis-

Test muss der Impfpass mitgebracht werden. *vf

19. - 22.4. Beratungsstelle für sexuelle Gesundheit und HIV, Gesundheitsamt

Lübeck, Sophienstraße 2 – 8, Lübeck, Anmeldung unter 04511225327


16 NORDDEUTSCHLAND

BREMEN

Die bekannteste lesbische

Graswurzelbewegung

Nein, wir werden euch jetzt nicht die Geschichte über ein Frauengefängnis

in New York im Jahr 1969 erzählen und welchen Einfluss FLIT* of

Colour auch auf die kurze Zeit später beginnenden Stonewall-Aufständen hatten.

Das tun die Frauen vom „Lesbenfrühlingstreffen für alle frauenliebenden

Frauen“ (LFT) aber in diesem Frühling sicher besonders gerne. Denn das seit

1974 bestehende Festival lädt virtuell nach Bremen ein und blickt stolz zurück.

FOTO: RODRIGO CURI / UNSPLASH / CC0

Das politische und emanzipatorische

Frühlingsfest findet vom 21. – 23. Mai

nach einer Corona bedingten Umplanung

online statt. Dieses Jahr ist das

Motto „Lesbenfrühling – rising to the

roots“. Es wird an die Geschichte des

ersten LFT 1974 bis heute der erinnert

und diese reflektiert. Jedoch wird

auch über das LFT hinaus Frauenund

Lesbengeschichte thematisiert.

So soll zum Beispiel über Spiritualität,

Armut, Körper und Kapitalismuskritik

aus lesbischer Sicht nachgedacht

werden. Wer ist eingeladen? Frauen

in jeder Façon, die Frauen lieben. Das

Orga-Team beschreibt das Ziel so:

„Damit stärken wir uns und all unsere

Sinne im Kampf gegen patriarchal

unterdrückerische, ausbeuterische

und zerstörerische Strukturen, von

denen Frauen und Mädchen hier und

weltweit betroffen sind.“

Normalerweise kommen zum

LFT mehrere Hundert Lesben, oft

sogar aus aller Welt. Ob das LFT

im virtuellen Format genauso viele

Frauen anlockt oder sogar mehr,

bleibt abzuwarten. Wünschenswert

wäre es. *vf/ck

21. – 23.5., Lesbenfrühlingstreffen –

rising to the roots, https://lft2021.de/

Schule der VIELFALT

Schule der Vielfalt ist ein inklusives Antidiskriminierungsprogramm

mit dem Ziel, Vielfalt von LGBTIQ* im Bildungsbereich anzuerkennen

und zu verankern. Menschen unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht.

Ein Unterschied betrifft ihre sexuelle und geschlechtliche Identität.

Im (Schul-) Alltag werden Zweigeschlechtlichkeit und Heterosexualität häufig

als „normal“ angesehen und diejenigen, die „anders“ sind, ausgegrenzt.

Deshalb haben Lesben, Schwule, Bisexuelle

und Trans*menschen auch an den Schulen

Angst davor, beleidigt und ausgegrenzt

zu werden. In einem Bericht der EU-

Kommission heißt es dazu: „Homo-/

Transphobie ist eines der größten Probleme

an deutschen Schulen. 73 % der LGBTIQ*-

Schüler haben in der Schule noch nie offen

über ihre sexuelle Orientierung gesprochen.

64 % haben negative Kommentare über

ihre Klassenkameraden gehört, die als

LGBTIQ* wahrgenommen werden.

Trotz weitgehender rechtlicher

Gleichstellung in den letzten Jahren

deuten zahlreiche Studien weiterhin auf

spezifische Belastungen von Menschen

mit Coming-out-Erfahrungen hin, die sich

mit Beratungsanfragen und -gesprächen

der Landeskoordination decken: Ein Drittel

der befragten 15- bis 17-jährigen LGBTIQ*

einer EU-Studie geht fast nie offen mit

ihrer Identität um. Fast die Hälfte der

befragten Jugendlichen einer Studie des

Deutschen Jugendinstituts hat in der

Schule nie erlebt, dass Lehrkräfte

auf homo- oder transfeindliche

Äußerungen reagieren. In derselben

Studie berichtet über die Hälfte der

Befragten, die sich geoutet haben,

von Beschimpfungen und Beleidigungen

in Schule oder Ausbildung.

Laut der Mitte-Studie 40 Prozent der

Befragten in Deutschland zwei sich in der

Öffentlichkeit küssende Homosexuelle

ekelhaft. Eine lesbische Tochter oder

einen schwulen Sohn zu haben, wäre laut

erstgenannter Studie rund 40 Prozent

unangenehm. Die Ursachen dieser

Einstellungen sind vielfältig und können

hier nur angerissen werden. Am ehesten

lassen sie sich mit einer heteronormativen

Grundstruktur von Gesellschaft erklären.

Für den Bereich der Aus- und Fortbildung

von Lehrkräften berät Schule der Vielfalt

als Programm Ausbildungsinstitutionen

und Multiplikatoren. Zugleich stellt

das Projekt auf seiner Homepage

www.schule-der-vielfalt.de Informationen

und Materialien für Lehrkräfte, Schulleitungen,

Eltern und am Bildungsprozess

Interessierte bereit.

Das Schulprojekt arbeitet daran,

weitere „offene Schulen“ im Netzwerk

als Projektschulen zu gewinnen, die sich

gegen die Diskriminierung von Lesben,

Schwulen, Bisexuellen und Trans* und für

mehr Akzeptanz einsetzen. Dabei haben

die Schulen, die öffentlich sichtbar das

Projektschild „Come in“ anbringen und als

Projektschulen die Selbstverpflichtung zur

Erfüllung der Qualitätsstandards eingehen,

Modellcharakter.


GESELLSCHAFT 17

FOTO: SIMONE M. NEUMANN

INTERVIEW

Rechte unter dem Regenbogen?

Die Goethe-Uni will das erforschen!

„Homo-, bisexuell und

rechtskonservativ: vereinbar

oder widersprüchlich?“ So der

Titel der Forschungsarbeit eines

Master-Projektes im Institut für

Ethnologie an der Goethe-Universität

Frankfurt am Main, für das

Interviewpartner*innen gesucht

werden.

Maryna Nathkir studiert dort Sozial- und

Kulturanthropologie und sucht für das

Projekt zum Beispiel AfD-Wähler*innen

aus der LGBTIQ*-Community. Nicht nur

die notwendige Debatte um Nina Queer,

sondern – und das ist auch außerhalb

des Trash-TV-Kosmos relevant – die Gays

for Trump oder die Homosexuellen in der

AfD bis hin zur lesbischen Oppositionsführerin

im Bundestag, der Co-Vorsitzenden

der AfD-Fraktion Alice Weidel, genauso wie

mehrere Wahlumfragen unter Queers zeigen,

dass die wissenschaftliche Forschung

zu diesem Themenkomplex überfällig ist.

Wir bitten um Aufmerksamkeit und haben

mit Maryna Nathkir über ihre Motivation

gesprochen.

Warum interessierst du dich dafür,

dass Queers rechtspopulistisch

wählen?

Wenn sich Menschen über mein

Forschungsvorhaben erkundigen, runzeln

sie öfters die Stirn und fragen dann, ob

ich lesbisch bin oder zu einem rechten

Gedankengut neige. Dann antworte ich,

dass weder meine sexuelle Orientierung

noch meine politischen Ansichten damit

zu tun haben, es geht um reine wissenschaftliche

Neugier. Es fing mit zufälligen

Online-Artikeln über homosexuelle

AfD-Politiker*innen an, in welchen die

Widersprüchlichkeit stark hervorgehoben

wurde. Dabei kommen nur wenige Menschen

auf den Gedanken, dass auch ein

gewisser Anteil von Schwulen und Lesben

die AfD-Partei wählt und unterstützt. Das

häufige Gefühl des Widerspruchs sowie

die Frage nach politischen Beweggründen

homosexueller AfD-Wähler*innen und

–Unterstützer*innen haben mich letztendlich

dazu bewegt, mich mit diesem Thema

gründlich auseinanderzusetzen.

Auf was müssen/dürfen sich

Teilnehmer*innen einstellen?

Ein Verhör, ein Interview, einen

Fragebogen?

Der Hauptteil meiner Forschung besteht

aus qualitativen Methoden. Dabei

stellen halbstrukturierte Interviews und

offene Gespräche eine zentrale Rolle

dar. Davon abgesehen beweist sich auch

eine Online-Umfrage als eine geeignete

Methode, um – mithilfe offener Fragen

unter dem Schutz der Anonymität – näher

zum Kern der Forschungsfrage zu

kommen.

Wie wird das Interview geführt?

Es bestehen drei Möglichkeiten der

Durchführung eines Interviews: online

durch Chats, soziale Medien u. a., durch

ein Telefonat oder in Präsenz. Ich richte

mich meistens nach den Wünschen meiner

Kontaktpersonen. Bei den letzteren zwei

Optionen werden die Gespräche aufgenommen

und anschließend transkribiert.

Alle Informationen werden anonymisiert.

Vor jedem Interview lege ich eine von mir

unterschriebene Datenschutzerklärung vor.

Ist es für dich schwierig, in den Interviews

Distanz zu halten, also neutral

zu bleiben?

Als Wissenschaftlerin strebe ich danach, die

Forschung möglichst neutral durchzuführen.

Dazu gehören selbstverständlich auch

Interviews. Die Meinung von jeder einzelnen

Person wird gehört und berücksichtigt, ohne

dabei die nötige Distanz zu verlieren.

*Interview: Christian Knuth

Teilnahmeinteressierte können sich

unter maryna.natkhir@gmail.com bei

Maryna melden


18 GESELLSCHAFT

Du wurdest zwischen 1940

und 1970 geboren und bist

lesbisch, schwul, trans*, inter*

oder bisexuell?

Dann melde dich bei

Kathrin unter

promotion.lgbti@gmail.com

oder 015203512745

STUDIE

FOTO: LAURA THONNE / UNSPLASH / CC0

QUEER ALTERN:

Was sind deine Pläne?

Kathrin Kürsten ist Anfang 40,

lesbisch und nach mehreren

Jahren in der Pflege im Promotionsstudiengang

Pflegewissenschaften

an der Philosophisch-Theologischen

Hochschule in Vallendar eingeschrieben.

Für ihre Dissertation erforscht

sie, ob und welche Bedürfnisse

Queers im Alter haben, die in der

Mehrheitsgesellschaft eventuell

weniger prioritär sind. Dafür möchte

sie deine Erwartungen und Befürchtungen

mit dir besprechen.

Was und wer interessiert dich

genauer? Geht es um Pflege im Alter,

Bedürfnisse im sozialen Gefüge?

Sexualität?

In meiner Masterarbeit habe ich mich für

die Bedürfnisse von queeren Menschen

in Altenpflegeeinrichtungen interessiert,

„Mich trieb die Frage

um, was man hätte

tun können, damit

die beiden einen

angenehmeren

Lebensabend hätten

verbringen können.“

weil ein schwules Paar in meiner

Einrichtung lebte und ich mich fragte,

warum die beiden – die früher wohl sehr

offen lebten – jetzt auf eigenen Wunsch

kaum am gesellschaftlichen Miteinander

teilhatten. Mich trieb die Frage um, was

man hätte tun können, damit die beiden

einen angenehmeren Lebensabend hätten

verbringen können. Jetzt geht es mir

weniger um die Pflege im Alter, sondern

darum, was Queers sich für ihr Alter(n)

wünschen, denn auch dazu gibt es kaum

wissenschaftliche Erkenntnisse. Zwar ist

Pflege sicherlich weiterhin Thema, aber

ich möchte gerne ein größeres „Feld“

bearbeiten. Eigentlich gehört alles dazu,

was die Teilnehmenden mir erzählen

möchten. Altern wir anders und wenn

ja: warum? Gibt es andere Bedürfnisse

im sozialen Gefüge, als heteronormative

Menschen sie haben? Und, und, und.

Warum interessiert dich das denn

ganz persönlich?

Siehe oben! (lacht) Die Masterthesis

hatte mehr das Ziel, einen akademischen

Abschluss zu erlangen, der mich zu einer

anderen Berufsausübung berechtigt

hätte (höhere Führungsebene in der

Pflege). Allerdings hat die Arbeit mein

wissenschaftliches Interesse geweckt,

weswegen sich auch meine berufliche


Ausrichtung verändert hat.

Bei meiner Dissertation

geht es mir nun vielmehr

um einen weitreichenderen

Erkenntnisgewinn. Ich will

tatsächlich mehr wissen und

meine Ergebnisse aus der

Arbeit veröffentlichen und

der Scientific Community

zur Verfügung stellen, denn

national gibt es zu diesem

Thema nur sehr wenig. Das

heißt, dass meine Grundlagenforschung

dazu dienen

soll, dass sich andere – seien

es Wissenschaftler*innen

und/oder Praktiker*innen

– anknüpfend Gedanken

machen können, wie man die

Ergebnisse in die Tat umsetzen

kann. Als Lesbe, die

sich auch mit dem eigenen

Alter(n) auseinandersetzt,

möchte ich zusätzlich meinen eigenen

Horizont erweitern. Vielleicht ergeben sich

aus den Interviews auch Ideen, an die ich

gar nicht gedacht hätte.

Wie läuft die Datenerhebung ab?

Die Datenerhebung würde über offene/

halbstrukturierte Interviews erfolgen.

FOTO: CASPAR RAE / UNSPLASH / CC0

Es gibt also kein Frage-Antwort-Spiel,

mehr eine Unterhaltung, wovon eine

Audioaufnahme gemacht wird, die

ich anschließend verschriftliche.

Dabei ist der Datenschutz von ganz

besonderer Bedeutung. Hierzu erhalten

alle Interviewten zuvor noch eine

Datenschutzerklärung sowie ein weiteres

Informationsschreiben.

Alle Informationen werden

entsprechend anonymisiert,

sodass keinesfalls auf

einzelne Personen Rückschlüsse

gezogen werden

können.

Und Menschen welchen

Alters sollten sich

idealerweise melden?

Ich möchte gerne ein großes

Spektrum an Meinungen,

Interessen und Bedürfnissen

abbilden. Deswegen suche

ich nach Teilnehmenden,

die zwischen 1940 und

1970 geboren wurden.

Dabei spielt es keine Rolle,

ob die Personen out leben,

teilweise oder nicht. Je mehr

Perspektiven, desto besser.

Wie erreicht man dich?

Mir ist bewusst, dass bestimmt noch viele

Fragen offen sind. Daher bin ich jederzeit

telefonisch unter 01520-3512745 oder

per Mail unter promotion.lgbti@gmail.com

zu erreichen.

*Interview: Christian Knuth

GESELLSCHAFT 19

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20 GESELLSCHAFT

NACHGEFRAGT

FOTO: RA DRAGON / CC0

QUEER REFUGEES:

Wir schaffen das. Nicht?

Sie sind alarmierend, die

Ergebnisse einer Studie zu den

Gewaltschutzkonzepten in den

Unterkünften für Geflüchtete in

den 16 Bundesländern. Queere Geflüchtete

werden besonders häufig Opfer von

Gewalt und gelten in Deutschland als

schutzbedürftige Gruppe. In den Maßnahmen

der Bundesländer schlägt sich das

nur erschreckend unzureichend nieder, wie

jetzt der LSVD berichtet. Wir fragten bei

Patrick Dörr vom Bundesvorstand nach.

Was hat dich an den Ergebnissen

eurer Studie am meisten überrascht?

Dass zum Zeitpunkt der Studie nur 9 von

den 16 Bundesländern überhaupt über

ein Gewaltschutzkonzept verfügten, war

meiner Mitautorin Alva Träbert und mir im

Grunde klar gewesen. Inzwischen sind es

immerhin elf Landesgewaltschutzkonzepte.

Das heißt aber auch, dass sich fünf

Bundesländer immernoch keine solchen

Vorgaben zum Schutz Geflüchteter gegeben

haben! Überrascht hat mich allerdings,

dass sich auch in den vorliegenden neun

Gewaltschutzkonzepte nur ein Bruchteil

der Schutzmaßnahmen für LSBTI-

Geflüchtete wiederfindet, die bundesweit

als Mindeststandards identifiziert wurden.

Welche Probleme haben queere

Geflüchtete in den Unterkünften?

Das größte Problem ist sicherlich, dass

ein offenes Leben als LSBTI-Person in

den Sammelunterkünften der Länder und

Kommunen praktisch kaum möglich ist. Zu

groß ist einfach die Gefahr, ausgegrenzt

oder Opfer von LSBTI-feindlicher Gewalt

zu werden. Dies bedeutet mitnichten, dass

die anderen Bewohner*innen in der Unterkunft

alle homo- oder transphob sind. Die

Erfahrungen aus unserem bundesweiten

LSVD-Projekt „Queer Refugees Deutschland“

zeigen: Es reicht schon, wenn nur

eine Person massiv LSBTI-feindlich

eingestellt ist, um das Leben in der

Sammelunterkunft zur Hölle zu machen.

Fast alle queeren Geflüchteten versuchen

daher, nicht als queer aufzufallen, viele

isolieren sich vollkommen.

Es scheint ein häufiges Problem zu

sein, dass geflüchtete Queers kein

Vertrauen in staatliche Hilfsangebote

haben. Woran liegt das und was

kann man dagegen tun?

Circa drei Viertel der nach Deutschland

geflüchteten Personen kommen aus

Ländern, in denen der Staat queere Personen

systematisch per Gesetz verfolgt.

Dass queere Geflüchtete dann wenig

Vertrauen in staatliche Hilfsangebote

haben, wundert nicht. Umso wichtiger

ist es daher, dass sie in der Nähe queerer

Organisationen untergebracht werden. Oft

sind dies die einzigen Stellen, in die sie das

nötige Vertrauen haben, um ihre Probleme

anzusprechen.


Um welche Schutzmaßnahmen

geht es?

Unterkünfte müssen allen Geflüchteten

signalisieren, dass lesbisch, schwul oder

trans* zu sein in Deutschland akzeptiert wird.

LSBTI-Geflüchtete müssen auch erfahren,

an wen sie sich diskret innerhalb und

außerhalb der Unterkunft mit ihren Fragen

zur Unterbringung und zum Asylsystem

wenden können. Wichtig ist natürlich auch,

dass die Länder dann auch Möglichkeiten

vorhalten, LSBTI-Geflüchtete gesondert

unterzubringen – hierfür gibt es gute

Beispiele vor allem in einigen Kommunen.

Aber auch in den Sammelkünften können

Mitarbeiter*innen einiges tun, um queere

Bewohner*innen besser zu schützen. Hierzu

muss das Personal – einschließlich der

Security und der Sprachmittlungen – jedoch

entsprechend geschult werden.

Wie haben die Bundesländer abgeschnitten?

Wo gibt es Vorbildliches,

wo eher Suboptimales?

In den vorliegenden Landesgewaltschutzkonzepten

findet sich im Schnitt nicht

einmal ein Drittel der LSBTI-spezifischen

Schutzmaßnahmen wieder, die bundesweit

eigentlich als Mindeststandards für die

Unterbringung identifiziert wurden. Mit 55

% der Schutzmaßnahmen hat das Land

Bremen besonders gut abgeschnitten, während

Sachsen mit nur 5 % das Schlusslicht

der Studie bildet. Gleichzeitig möchte ich

betonen: In unserer Studie geht es erst

einmal nur um die Konzepte. Die Hoffnung

ist hier natürlich, dass diese überarbeitet

werden, sodass sich dann auch die Praxis

verbessert.

An wen richtet sich eure Kritik: An den

Bund oder die Länder? Es gab ja in den

Jahren nach 2015 doch einige bemerkenswerte

Projekte unter anderem

zwischen dem LSVD und dem

Bundesamt für Migration

und Flüchtlinge (BAMF).

Hat das gar nichts

gebracht?

Die Unterbringung

und somit auch der

Gewaltschutz sind

Ländersache. Für die

Identifizierung vulnerabler

Geflüchteter – somit

auch von LSBTI-Personen

– ist jedoch neben den Ländern

auch das BAMF zuständig. Das

LSVD-Projekt schult das Bundesamt darin,

wie seine Asylverfahrensberater*innen den

besonderen Bedarfen queerer Geflüchteter

begegnen können. Wichtig ist jedoch, dass

GESELLSCHAFT 21

die tatsächlich unabhängige Asylverfahrensberatung

durch die Wohlfahrtsverbände

nicht weiter von dieser Beratung durch das

BAMF verdrängt wird.

Wie würdet ihr die Frage aus der Überschrift

beantworten? Schaffen wir das

mit dem Schutz und der Integration

queerer Geflüchteter?

Um die Frage zu beantworten, müsste man

zunächst noch einmal über die ganzen

Probleme im Asylverfahren reden! Besonders

schlimm finde ich, dass das BAMF immer

wieder Asylanträge beispielsweise

von schwulen Pakistanern oder

Iranern ablehnt; entweder

weil diese angeblich nicht

hinreichend geoutet leben

wollten oder aber, weil die

Strafen in diesen Ländern

– in Iran und Pakistan –

zwar im Gesetz stünden,

aber kaum zur Anwendung

kämen. Im Grunde sagt das

BAMF doch hiermit: Leb weiter

im Schrank, hab niemals öffentlich

eine Beziehung, gründe niemals

eine Familie, tritt niemals für deine Recht ein,

dann passiert dir ja auch nichts.

FOTO: CARO KADATZ

*Interview: Christian Knuth


22 GESELLSCHAFT

POLITIK

FOTO: TORSTEN HERBST / CSD DRESDEN

36 Prozent mehr Hassgewalt:

Kommt jetzt Artikel 3 Grundgesetz?

Laut Innenministerium wurden im

letzten Jahr 728 Straftaten gegen

LGBTIQ* gemeldet. Das ist zum Vorjahr

ein Anstieg um 36 Prozent. 2019 wurden

im Vergleich zum Vorjahr 60 Prozent mehr

Straf- und Gewalttaten gegen LGBTIQ*

verzeichnet. Besondere Aufmerksamkeit

erlangte der schreckliche Terroranschlag

von Dresden. Die Bundestagsfraktion

Bündnis 90/Die Grünen hatte dazu

einen Antrag eingereicht, über den das

Parlament am 24. Februar überraschend

leidenschaftlich debattierte. Es wurde

einmal mehr deutlich, wie fatal das jahrzehntelange

Schweigen der Regierung

zu queerfeindlicher Gewalt sich auf die

Gesellschaft auswirkt.

WORUM GEHT ES?

Der Antrag stellt zwölf Forderungen auf,

unter anderem sieht er die Erfassung von

Hasskriminalität gegen LGBTIQ* bundeseinheitlich

und lückenlos vor. Zudem sind

Sensibilisierung und Prävention auf allen

gesellschaftlichen und staatlichen Ebenen

von Bildung bis Polizei vorgesehen.

DIE AUSSPRACHE IM BUNDESTAG

Ulle Schauws von den Grünen begann

ihre Rede damit, die Regierung für

ihr fehlendes Engagement anzuprangern:

Während ihrer gesamten Existenz habe die

Innenministerkonferenz queerfeindliche

Gewalt noch nie verurteilt oder den

Opfern Unterstützung zugesichert.

Dabei erinnerte sie besonders an

den homofeindlichen und islamistischen

Terroranschlag 2020 in Dresden:

„Frau Bundeskanzlerin, Herr Bundesinnenminister,

Mitglieder der Bundesregierung:

Warum haben Sie sich nicht

geäußert? Warum blieben hier öffentliche

Kondolenzbekundungen aus, die bei

einem solchen Anschlag so wichtig und

so richtig gewesen wären?“

ABLENKUNGSMANÖVER UND

GESPRÄCHSBEREITSCHAFT

VON DER UNION

Dr. Jan-Marco Luczak von der CDU/

CSU beklagte die Blockierung des „Gesetz

zur Bekämpfung des Rechtsextremismus

und der Hasskriminalität“ durch die

demokratische Opposition, insbesondere

die Grünen. Seiner Ansicht nach würden

Queers in besonderem Maße von diesem

Gesetzentwurf profitieren. Hasskriminalität

gegen queere Menschen sei dort inkludiert.

(A. d. R. LGBTIQ* sind im betreffenden

Entwurf nicht explizit benannt. Die

demokratische Opposition hat zudem

verfassungsrechtliche Bedenken. Dies steht

auch im Antrag der Grünen.)

FOTO: ACHIM MELDE / DEUTSCHER BUNDESTAG


FOTO: ANKE JACOB / DEUTSCHER BUNDESTAG

GEBALLTER RASSISMUS, TRANSPHO-

BIE UND MISOGYNIE VON DER AFD

Dr. Bernd Baumann driftete vollständig

ins verschwörungstheoretische Framing

seiner Partei ab, sah Queerfeindlichkeit

nur aus islamistischer Richtung und mutmaßte

gesellschaftszerstörende Pläne

der Grünen als eigentlichen Hintergrund

des Antrages, den er als Angriff auf

konservative Werte begriff:

„Worauf zielen dann aber Ihre Anträge

in Sachen Gender-Gaga, Transsexuelle,

Homosexuelle, Migranten,

People of Color, Black Lives Matter

usw.? Hinter allem steht die neue

Identitätspolitik der Linksgrünen.“

GROKO-SPIELCHEN UM ARTIKEL 3

Dr. Karl-Heinz Brunner betonte, wie

wichtig es sei, in der breiten Gesellschaft

queerfeindliche Ressentiments

abzuschaffen. Brunner widmete sich,

wie auch schon sein Koalitionskollege

Luczak, dem Gesetzesentwurf für

die Erweiterung des Artikels 3 um das

Merkmal sexuelle Orientierung. Er rief

seinen Koalitionskollegen Luczak und die

Union dazu auf, eine Abstimmung über

dieses Gesetz zu ermöglichen.

DEUTSCHLAND HINKT MAL WIEDER

HINTERHER

Dr. Jens Brandenburg von der FDP

weist auf den von der FDP verfassten

Aktionsplan gegen Queerfeindlichkeit

hin, der unter anderem auch die Reform

des Artikels 3 vorsieht. Der FDP-Redner

richtete diesbezüglich ebenfalls ermutigende

Worte an Luczak und die Union.

LINKSGRÜNE EINIGKEIT

Doris Achelwilm von DIE LINKE sicherte

dem Antrag der Grünen die Unterstützung

ihrer Fraktion zu. Sie betonte in ihrer

knappen Rede besonders die Dunkelziffer

von queerfeindlichen Straftaten.

KOMMT ARTIKEL 3 NOCH VOR DER

SOMMERPAUSE?

Zum Schluss bot Dr. Volker Ullrich von

der CSU einen überraschenden wie

auch bemerkenswerten Kompromiss

in der Frage der Grundgesetzänderung

Artikel 3 an:

„Lassen Sie

uns darüber

reden.“

FAZIT

Alle Bundestagsfraktionen außer

der AfD sind sich einig, dass queere

Menschen mehr staatlichen Schutz

brauchen. Obwohl es um den

diesbezüglichen Antrag von Bündnis

90/Die Grünen ging, diskutierten die

anderen Parteien auch Lösungen

außerhalb des Forderungspapiers, wie

den Gesetzesentwurf „Gesetz zur

Bekämpfung des Rechtsextremismus

und der Hasskriminalität“ der Koalition

und den Gesetzesentwurf von Bündnis

90/Die Grünen, DIE LINKE und FDP

für eine Erweiterung des Artikels 3 im

Grundgesetz um das Merkmal sexuelle

Orientierung.

Schaut man* mit etwas Abstand auf

die Dramaturgie der Redner*innen,

besonders der drei von der Regierungskoalition,

scheint sich ein Kuhhandel

abzuzeichnen, der so aussehen könnte:

Die Grünen geben ihre Blockade zum

„Gesetz zur Bekämpfung des Rechtsextremismus

und der Hasskriminalität“

auf und bekommen dafür von der

Union die Freigabe der Abstimmung zur

Erweiterung des Artikels 3.

*Victoria Forkel & Christian Knuth

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24 KULTUR

PRIDE LIVE 2

STREAM,

CONNECT,

LOVE

Nach dem großen Erfolg in 2020 geht Deutschlands größter LGBT+ Stream „Pride

Live“ im Mai dieses Jahres in die zweite Runde. Am Vortag (16.5.) des IDAHOBITs

(Internationaler Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie) sendet die blu

Mediengruppe auf ihren Social-Media-Kanälen und auf ihren Websites wieder ein

mehrstündiges Programm, bestehend aus Konzerten, Talkrunden, Interviews und politischen

Botschaften. Ausgewählte Inhalte werden außerdem erstmals auf OUTtv ausgestrahlt, das

seit dem 28. Januar Teil von Amazon Prime ist*.

Christopher

Nach einer Programmvorschau startet der

Stream mit unseren „LGBT+ Greetings“: Szenesternchen,

Drags, Künstler*innen, Politiker*innen

und Diversity Netzwerke senden kurze

Botschaften aus ganz Deutschland. Wir zeigen

Interviews mit den lokalen CSD Vereinen und

unterhalten uns im „Pride Talk“ mit Politikern

und Meinungsmachern der Community unter

anderem über den in letzter Zeit wieder häufiger

diskutierten Artikel 3 des Grundgesetzes. Es

wird gefordert den Antidiskriminierungs-Artikel

um die sexuelle Orientierung und geschlechtliche

Identität zu erweitern.

Wir wagen außerdem einen Blick über den

Tellerrand der deutschen LGBT+ Szene hinaus

und sprechen mit Aktivisten in Polen und

im afrikanischen Ghana über die aktuelle

Situation der Queers vor Ort. Erst kürzlich hat

sich die Lage im homophob geprägten Ghana

wieder verschlechtert.

In „My Roots“ erzählen Künstler wie Catherrine

Leclery („Queen of Drags“), Daniel Noël

Fleischmann („Tator“) oder Christian Bojidar

(„Enfant Terrible“) von ihrer ganz persönlichen

Coming-out-Story. Im letzten Jahr war dies

eines unserer erfolgreichsten Formate.

Darüber hinaus haben wir mit „Being

Trans*“ in 2020 ein Format geschaffen, das

transidentitären Menschen zu mehr Sichtbarkeit

verhilft. Auch in der zweiten Edition

von Pride Live wollen wir diese Sendung

fortführen und sprechen mit Brix Schaumburg

(„SUNNY - Wer bist du wirklich?“) über

das ganz normale Leben als Trans*mann in

Deutschland und wie es sich anfühlt seit

Kurzem Vater zu sein.

Für musikalische Unterhaltung sorgen dieses

Mal Christopher aus Dänemark, L_TASHINA,

Eli, Patric Scott und viele weitere Künstler.

Also, Termin im Kalender eintragen und

stream, connect, love!

www.maenner.media

*Seit dem 28. Januar 2021 ist der europäische Fernsehsender

OUTtv bei Amazon Prime als Channel verfügbar und damit

der erste LGBT-Kanal in der Geschichte von Amazon

Deutschland überhaupt, der in das Angebot von Amazon

Prime Video Channels aufgenommen wurde.

Ausgewählte Inhalte unseres Pride Live Streams werden

neben dem Broadcast auf unseren Social-Media-Kanälen

auch auf OUTtv ausgestrahlt.

L_TASHINA

Brix Schaumburg

Catherrine Leclery


GESUNDHEIT

IN HAMBURG

BIOGRAFIE

Olivia Jones

„Mein schrilles Doppelleben“

Sie ist eine der bekanntesten Dragqueens Deutschlands,

umflittert von Stars und Sternchen, Kiez-

Wirtin, RTL-Star und Sat.1-Moderatorin. Ende April soll eine

Biografie über die bunte Laute erscheinen: „Olivia Jones:

Ungeschminkt – Mein schrilles Doppelleben“.

„Geschichten von Enttäuschungen, familiären Tragödien, von

Armut, Liebe, Tod, Humor, Skandalen und Durchhaltevermögen“

– Das über 250 Seiten dicke Buch mit 60 Bildern, das

am 21. April beim Rowohlt Verlag erscheinen soll, entstand

zusammen mit Lena Obschinsky und verspricht jede Menge

spannender Einblicke auf das sicherlich ungewöhnliche Leben

der Reeperbahn-Größe, die spätestens seit ihrer Teilnahme

an „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ bundesweit

bekannt wurde. Und diese Prominenz auch nutzte, um sich

gegen Rechts und für Queers

einzusetzen. Und vor allem

wurde sie zu einem queeren

Vorbild in Sachen Mut und der

Freude am bunten Leben in all

seinen Facetten. Sie hat viel

erlebt! Und viele getroffen: So

kommen in dem Buch dann

auch Weggefährt*innen wie

TV-Legende Hella von Sinnen,

Porno-Ikone Dolly Buster

und auch Designer Guido

Maria Kretschmer („Shopping

Queen“) zu Wort.

Über Olivia Jones: Die im November 1969 in Niedersachsen

Geborene ist gern gesehener Talkgast, beliebte Moderatorin

und auch mal Model für Marmeladenwerbung. Olivia

Jones betreibt inzwischen mehrere Läden auf der Großen

Freiheit in Hamburg, veranstaltete vor Corona Reeperbahn-

Rundgänge und Hafenfahrten. Ja, den Titel der Königin von

St. Pauli trägt sie zu Recht. Gut zu wissen: Sie ist eine enge

Freundin von Gloria Glamour. *rä

FOTO: Y. SCHMEDEMANN

ÄRZTE

■ Andreas Britz,

Dr. med.Praxisklinik am Rothenbaum,

Privatpraxis, Haut- und Geschlechtskrankheiten,

Lasertherapie, Kosm.-

ästhet. Behandlungen, Allergologie,

Heimhuder Str. 38, & 44809812,

www.dr-britz.de

■ Dammtorpraxis, Dr. Linnig,

Allgemeinmedizin, Reise-Medizin,

HIV, Hepatitis, STD,

Damnmtorstr. 27, & 35715638,

www.dammtorpraxis.de

■ ICH Grindel,

Dr. med. Thomas Buhk,

Dr. med. Stefan Fenske,

Prof. Dr. med. Hans-Jürgen

Stellbrink,

All gemeine und Innere Medizin,

HIV, Hepatitis, STD,

Grindelallee 35, & 4132 420,

www.ich-hamburg.de

■ ICH Stadtmitte,

Dr. med. Axel Adam,

Stefan Hansen,

PD Dr. med. Christian Hofmann,

Dr. med. Michael Sabranski,

Dr. med. Carl Knud Schewe,

Allgemeine und Innere Medizin,

HIV, Hepatitis, STD,

Glockengießerwall 1,

& 28004200,

www.ich-hamburg.de

■ Medizinisches Versorgungszentrum

Hamburg,

Prof. Andreas Plettenberg,

Dr. Albrecht Stoehr,

Prof. Jörg Petersen,

Dr. Peter Buggisch,

HIV, Hepatitis, STD, Infek tiologie,

Lohmühlenstr. 5, Am AK St. Georg

Haus L, & 28407600,

www.ifi-medizin.de

■ Urologische Praxis

Oliver Neubauer,

Facharzt für Urologie,

Herthastr. 12, & 64224500,

www.urologe-hamburg.com

■ Schwerpunktpraxis

Nerven-Psyche,

Dr. med. Hans Ramm,

Dr. med. Andrea Oster,

Neurologie, Psychiatrie,

Psychotherapie,

Kreuzweg 7, & 245464,

www.nervenarzt-hh.de

■ Ambulanzzentrum des UKE,

Bereich Infektiologie:

Dr. med. Olaf Degen,

Dr. med. Anja Hüfner,

Dr. med. Sabine Jordan,

Dr. med. Guido Schäfer,

Dr. med. Stefan Schmiedel,

Fachärzte für Innere Medizin, Allgemeinmedizin,

HIV, Hepatitis, STD,

Spezialsprechstunde PrEP, Impfungen,

Infektions- & Tropenkrankheiten,

Universitätsklinikum Hamburg-

Eppendorf, Martinistr. 52,

& 741052831, infektionen@uke.de,

www.uke-infektionen.de

ukeprep.de

■ Josef Stuch,Dr.

All gemeinmedizin,

Ida-Ehre-Platz 12, & 37510060

■ Dr. med. Martin Eichenlaub,

Facharzt für Neurologie,

Nervenheilkunde, Psychiatrie u.

Psychotherapie,

Elbgaustr. 112., & 841084,

www.nervenarzt-eichenlaub.de

■ Dr. Roy Heller,

Facharzt für Innere und Allgemeinmedizin,

Suchtmedizin, Psychotherapie,

HIV, Hepatitis, STD, Juliusstr. 36,

& 4300890

■ Dr. med. Welf Prager & Partner,

Dermatologie,

ästhetische Dermatologie,

operative Dermatologie,

Allergologie, Phlebologie,

Lasermedizin,

Hemmingstedter Weg 168,

& 040 81 991 991

www.derma-hamburg.de

ZAHNÄRZTE

■ Martin Schuh,

Eidelstedter Platz 6a, & 5709385,

www.zahnaerzte-eidelstedt.de

■ Zahnarztpraxis Rainer Witt,

Holsteiner Chausee 267, & 55505962,

www.zahnaerzte-schnelsen.de

COACHING

■ Markus Bundschuh,

Gestalttherapeut-Psychotherapie

(HPG), Müggenkampstr. 29,

& (0179) 5270700,

www.therapie.de/psychotherapie/

bundschuh

■ Ruthemann Coaching,

Heilpraktiker f. Psychotherapie,

Professor-Brix-Weg 4, & 31171492,

www.ruthemann-coaching.de

■ Dipl Päd. Volkmar Suhr,

Systemischer Berater&Therapuet

DSGF, Neue Str. 24, 22942 Bargteheide,

& 04532-2045500,

www.familyspirits.de

APOTHEKEN

■ Apotheke am H auptbahnhof,

Steindamm 2, Ecke Adenauerallee,

& 241241

■ Apotheke Zum Ritter St. Georg,

Lange Reihe 39, & 245044

■ Epes Apotheke,

Lange Reihe 58, & 245664

PSYCHOTHERAPIE

■ Markus Bundschuh,

Gestalttherapeut-Psychotherapie

(HPG), Müggenkampstr. 29,

& (0179) 5270700,

www.therapie .de/psychotherapie/

bundschuh

■ Christian Perro, Dr. med.,

Psychiatrie, Eppendorfer Landstr. 37,

& 464554

■ Kurt Strobeck,

Dr. med. Facharzt Psychiatrie und

Psychotherapie, Ferdinandstr. 35,

& 32527214

Buchen Sie ihren Listing Eintrag:

christian.fischer@blu.fm


26 PEOPLE

Gute

NACHGEFRAGT

Laune

joshdem804 aka Jochen aus

Essen hat sich auf Instagram

eine solide und wachsende Fangemeinde

aufgebaut. Wir fragten mal

nach.

Wie hat Corona deinen Alltag

verändert?

Eigentlich gar nicht. Ich arbeite im Vertrieb in

der IT-Branche und habe einen 100 Prozent

Homeoffice-Job. Das heißt, ich arbeite nicht

erst seit Corona im Homeoffice. Daher hat

sich beruflich nichts verändert und ich habe

auch keine Kurzarbeit, eher im Gegenteil.

Privat ist das schon etwas anders. Da ich

Single bin, bin ich eigentlich immer alleine

und sehe, wie viele andere auch, Familie und

Freunde so gut wie gar nicht. Meine Familie

dank Social Media

wohnt etwas weiter weg und ein Teil meiner

Freunde hat Familie und/oder ist Risikogruppe,

und da will ich keinen gefährden.

Wie und wo hältst du dich so fit?

Da ich in der Stadt wohne, gehe ich jeden

Weg zum Supermarkt zu Fuß. Ansonsten

habe ich wieder angefangen (nach längerer

Pause), zu Hause Gym zu machen. Sprich,

diverse Übungen mit Kurzhanteln, Sit-ups,

Planking usw. Das mache ich in der Regel

nach der Arbeit täglich mindestens 60

Minuten zu Hause.

Interessanterweise ist mir aufgefallen, dass

ich in den letzten Wochen weniger bis

kaum noch Fertiggerichte esse, sondern

frisch koche. Überwiegend mit Puten- oder

Hähnchenbrust, Reis, Vollkornnudeln und

Kartoffelgerichte. Ich versuche schon, etwas

auf Kalorien zu achten, aber das klappt

nicht immer, und ganz auf Schokolade und

Energydrinks verzichten kann ich nicht. Und

ich bin ein absoluter Coke-Zero-Junkie.

Deine Fangemeinde auf Instagram

wächst, was macht den Reiz von Insta

aus?

Fangemeinde finde ich schon einen recht

hochtrabenden Begriff. Ich bin einfach nur

ein normaler Kerl. Standard 08/15. Vielleicht

ist das mit ein Grund, warum mir die Menschen

folgen, weil ich normal bin und man

sich mit mir deswegen identifizieren kann.

Aber klar, ich freue mich, wenn ich positives


PEOPLE 27

Feedback erhalte, und es macht Spaß, sich mit anderen

Menschen auszutauschen (egal ob es Freunde sind,

Insta-Freunde oder Follower). Ich denke, das ist das Coole

an Insta. Du kannst dich locker mit anderen verknüpfen und

austauschen, und ich nutze es auch, um bzgl. Nachrichten

auf dem Laufenden zu bleiben.

Du lebst in Essen. Was magst du an der Stadt

besonders?

Ich bin in einem kleinen 160-Seelen-Dorf groß geworden.

Da kennt jeder jeden und mein Vater wusste am nächsten

Tag immer, was ich abends gemacht habe, wo ich war und

mit wem. Da ist das Stadtleben anders. Du kannst mehr

machen. Egal ob in ein Restaurant oder eine Bar gehen, Kultur,

feiern und natürlich Gym. Alles ist viel leichter erreichbar

und zu machen, und natürlich ist in einer Großstadt alles

etwas anonymer. Auch das Dating ist einfach leichter als

aufm Dorf oder in einer Kleinstadt, aber leichter heißt nicht

zwangsläufig auch besser.

Worauf freust du dich gerade?

Aktuell freue ich mich sehr darauf, wenn das Bild geliefert

wird, das ich für mein Wohnzimmer bestellt habe! Am

meisten freue ich mich aber darauf, wenn Corona vorbei

ist und ich mit meinen Freunden mal wieder was essen

und trinken gehen kann, wenn das Gym wieder öffnet und

wenn ich wieder reisen kann.

*Interview: Michael Rädel

www.instagram.com/joshdem804


28 PEOPLE

UNSER MANN FÜR DEN ESC

Es sind noch ein paar Wochen

hin, aber im Mai soll es soweit

sein, der „Eurovision Song Contest“, jeder

Musikwettbewerb, der uns Lena brachte,

ABBA zu Weltstars und Dana, Verka

und Conchita zu queeren Heldinnen

machte, soll stattfinden. Mit einem

neuen Kandidaten für Deutschland.

Der Wahlberliner Musical-Darsteller und

Singer-Songwriter Jendrik Sigwart soll

2021 für Deutschland in Rotterdam beim

Eurovision Song Contest antreten und

sein funkiges „I Don‘t Feel Hate“ – singen.

Der gebürtige Hamburger Queer hatte

sich ganz frech und äußerst überzeugend

via Instagram beworben, nachdem

der eigentlich geplante Vorjahreskandidat

Ben Dolic seinen Rückzug bekannt

gegeben hatte. Gelernt hat Jendrik

sein Können am lnstitut für Musik der

Hochschule Osnabrück, zu sehen war er

unter anderem schon bei „Hairspray“ in

Dortmund, „Wahnsinn! Das Musical“ und

„Berlin, Berlin“. *rä

www.instagram.com/mynameis_jendrik

KLATSCH

& STERNE

SCHWULE KUNST

Den Dresdner Künstler Søren

Zschocke haben wir dir schon

einmal mit einem Interview nähergebracht.

Jetzt hat er ein neues Projekt am Start:

art.berghain. „Kunst hat immer auch mit

Freiheit zu tun, und Freiheiten gab es

vor Corona im Berghain auch zu erleben.

Wenn jetzt die Kunst wieder gehen darf

und nur die Party wiederkäme, so ist das

für mich unglaubwürdig. Kunst darf alles,

begeistern und provozieren. So auch das

Berghain, aber nur gemeinsam mit den

Kunstwerken“, so der Künstler. *rä

www.instagram.com/art.berghain,

www.instagram.com/studiozschocke

FROM AUSTRIA WITH LOVE:

QUEER RAINBOW FAMILY

Eine 28-jährige Österreicherin aus

Tirol gründete im Juni 2019 die Facebook-

Gruppe „Queer Rainbow Family“, inzwischen

ist es ein Erfolgsprojekt mit 6.300 Mitgliedern,

einer monatlichen Interaktionszahl von

ca. 100.000 Reaktionen, 65.000 Kommentaren

und 1.800 Beiträgen. Hut ab! Was macht

das Projekt denn so besonders? „Wir sind

eine Facebook-Gruppe, die sich von anderen

in vielen Dingen unterscheidet, beispielsweise

veranstalten wir (wenn nicht gerade

Corona ist) monatliche Gruppentreffen, die

in ganz Deutschland und Österreich verteilt

sind, bisher hatten wir ca. 11 Gruppentreffen


PEOPLE 29

mit bis zu 50 Teilnehmern. Des Weiteren unterscheidet sich

unsere Gruppe mit eigenem Merchandising, welches ich

vor ein paar Monaten ins Leben gerufen habe. Viele unserer

Mitglieder sind einsam und haben Angst, sich der Außenwelt

so zu zeigen, wie sie sind“, so Bettina Scherwitzl via E-Mail.

„Unsere Gruppe hat ihnen so viel Rückhalt und Sicherheit

gegeben, dass sie sich tatsächlich so zu leben trauen,

wie sie es schon immer wollten, und als Unterstützung

trugen sie unsere Mütze mit Logo oder Schlüsselanhänger,

Armbänder ... Viele junge Mitglieder haben in der Schule

unsere Kugelschreiber dabei. Andere tragen unser Shirt und

wiederum andere trinken aus unserer Tasse, wenn sie sich

zu Hause einsam fühlen. Andere finden ihre große Liebe!

Beim Schreiben dieser Zeilen habe ich Gänsehaut, weil es

einfach so unfassbar berührend ist, was man im Leben mit

einer tollen Community erreichen kann“, fährt sie fort. „Unser

bisheriges Merch ist derzeit ausverkauft, die Erlöse spendete

ich an Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen, Regenbogen

Kinderhospiz oder 4 Pfoten. Die Zeit für Produktion, Versand

usw. habe ich natürlich ehrenamtlich investiert.“ Klasse, sollte

man unterstützen! *rä

www.queer-rainbow-family.lgbt,

www.facebook.com/QueerRainbowFamily

SO EIN SEXY FINNE

Mit Tomi Saario schickt

das dünn besiedelte Waldland

Skandinaviens einen Künstler

ins Rennen, der sich deutlich von

Landsmännern wie Lordi, Jimi Tenor

oder den Leningrad Cowboys unterscheidet.

Der Singer-Songwriter Tomi

Saario überzeugt mit bluesigem Pop und

Model-Optik. Über seine neue Single „Someone Like You“

verrät der Musiker via E-Mail: „Die Inspiration für diesen Song

lag weniger in meinen Erfahrungen als vielmehr darin, mich

musikalisch von einer Mischung aus Alt und Neu inspirieren

zu lassen. Für mich ist ‚Someone Like You‘ wie das liebe Kind

von ‚Sexual Healing‘ (Marvin Gaye) und ‚Can‘t Feel My Face‘

(The Weeknd). Ich mag den Gedanken, dass die Zukunft der

Musik oft in der Vergangenheit zu finden ist. Ich möchte auch

ein großes Lob an HitImpulse aussprechen, die meine Vision

erkannt haben und den Track dope klingen lassen“. Popmusik,

die den Frühling noch herrlicher macht, die Sorgen vertreibt

und entstresst ... Eigentlich kommt solch schöner Pop ja

meist aus Schweden, die finnische Kunstszene setzt meist

mehr auf Rock und dunklen Elektro. Tomi Saario zeigt uns die

andere Seite dieses kreativen Lands. Kiitos! *rä

www.facebook.com/TomiSaariomusic

NUR

14

Cent/ Min.

GAYBOYS

LIVE AM

TELEFON

RUF AN!

ZEITREISE MIT NEIL UND CHRIS

Am 23. April wird „Discovery: Live in Rio 1994“

erstmals digital als 2CD und DVD veröffentlicht.

Die Pet Shop Boys hatten damals nach ihrer umjubelten, wie

gleichzeitig aber auch finanziell völlig aus dem Ruder gelaufenen

Megaproduktion „Performance“ einfach Lust auf Tanzen.

Und wohl auch damit dieses für die Pop-Perfektionisten

so ungewöhnlich spontane Erlebnis seine Goldjacket- und

Go-Go-Schweiß-Patina nicht einbüße, entschieden sie sich

für eine DVD in „normaler“ TV-Auflösung ohne HD-Chi-Chi.

Das muss man* sacken lassen. Am besten mit Magaritas,

Champagner und Rotwein. Und mit „One in a Million/Mr

Vain“, „It‘s a Sin“, „Paninaro“ (Chris dancing!) und „Can You

Forgive Her?“. *ck/rä

www.petshopboys.co.uk

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30 STYLE

UPCYCLING

Nachhaltig,

hochwertig und

aus Hamburg

Ein Start-up aus der Hansestadt überzeugt mit Design und Idee. Hier

erfährst du mehr über fabriq., das aus den übrig gebliebenen Stoffrollen

der Modeindustrie Neues macht.

FOTOS: FABRIQ.

So geht Nachhaltigkeit! Die Weltweite

Fashion-Welt geht gerne großzügig

mit Ressourcen und Materialien um,

nicht alles wird verwendet, vieles wird

verschwendet, das belastet Umwelt und

Mensch. Klasse, dass immer mehr Labels

(bisher meist kleine) auf Nachhaltigkeit

setzen und sich nicht scheuen, „Reste“

zu verwenden.

„Durch die begrenzten Stoffmengen von

meist nur 30 bis 100 Metern, handelt es

sich bei fabrıq. im wahrsten Sinne des

Wortes um individuelle Kollektionen und

keine Ware von der Stange“, verrät das

Team via E-Mail. „Die einzelnen Entwürfe

sind geprägt von Minimalismus in der

Gestaltung und folgen bewusst keinen

saisonalen Trends. Die Weiterentwicklung

der Kollektionen wird getrieben durch

die verfügbaren Stoffe – die Wertigkeit,

Haptik und der Look dieser steht für

fabrıq. im Mittelpunkt“. Gründer und

CEO des Mode-Start-up, Jan Seidel,

will Herrenmode anbieten, ohne die

gebeutelte Natur noch mehr zu belasten.

Also verwenden er und sein Team übrig

gebliebene Stoffe französischer und

italienischer Haute-Couture-Labels. Herausgekommen

sind klassische Schnitte

und Designs, die Lust machen, sich neu

einzukleiden – ganz ohne schlechtes

Gewissen. *rä

www.fabriq.de

WIEDER DA

Haspa-Filiale ist jetzt

Nachbarschaftstreff

Eigentlich wollten Guido Dittkuhn und sein Team die

Wiederöffnung der Haspa an der Langen Reihe 14

groß feiern. Alternativ lud der Filialleiter als Gast Jane Doe

ein, um die Räume online vorzustellen. Er betont:

„Wir sind Teil des Stadtteils und der

Community. Das möchten wir auch

durch die Gestaltung zeigen.“

Im Erdgeschoss werden die Gäste am offenen Tresen

empfangen, der an eine Hotellobby erinnert. Oben

herrscht Wohnzimmer-Atmosphäre: In der Lounge

Regenbogen kann man sich auf Sofas lümmeln und die

Illustration von Tulio Barrios bewundern. Jeder Raum

ist anders gestaltet. An der Stadtteilwand sowie auf

einer Sonderfläche können sich Vereine und Betriebe

aus der Nachbarschaft präsentieren. Am großen Tisch

soll es Veranstaltungen geben, sobald es geht – von

Vorträgen über Lesungen bis zu Konzerten. Bis dahin

wird zu Online-Events auf haspa-veranstaltungen.de

eingeladen. Guido & Co. sind für Anregungen offen:

„Welche Themen interessieren Euch? Schreibt mir an

guido.dittkuhn@haspa.de.“

Blick in die Lounge mit Sofas:

In seiner Illustration hat

Tulio Barrios die Vielfalt des

Stadtteils eingefangen

Platz zum Plauschen,

für Infos und Veranstaltungen:

die Stadtteilwand

mit großem Holztisch

Filialleiter Guido Dittkuhn

und Gast Jane Doe führten

in einem Online-Event durch

die neuen Räume


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SPARTACUS INTERNATIONAL GAY GUIDE APP

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Spartacus Traveler erscheint in der DMA –

Deutsche Media Agentur & Verlag GmbH

Degnerstr. 9b, 13053 Berlin / Germany


32 REISE

KREUZFAHRT

The Second Coming

Die deutschsprachige Gay Cruise

Endlich ist es so weit. Nach verschiedenen

Anläufen, die durch Umstrukturierungen

unserer Partnerreedereien

ergebnislos blieben, stechen wir

wieder in See. Termin ist der 8. bis

18. Februar 2022 mit einer Route vor

der afrikanischen Küste. Bei deutlich

über 20 Grad im Schatten und acht

Sonnenstunden pro Tag kann man den

Winter hinter sich lassen und Wärme

tanken. Gleichzeitig sind es angenehme

Temperaturen für Ausflüge.

Es wird die zweite Gay Cruise der blu

Mediengruppe mit ihren Magazinen blu,

gab, LEO, hinnerk und rik sowie dem zum

Verlag gehörenden Spartacus. Getreu

dem Motto, dem schwulen Reisenden das

beste Produkt zum besten Preis zu bieten,

werden die Angebote bereits bei 999

Euro pro Person starten. An Bord werden

wieder zahlreiche Stars der Community

sowie bekannte DJs für zehn Tage beste

Urlaubsstimmung sorgen. Die Cruise wird

ohne Social-Distancing-Maßnahmen

und Maskenpflicht durchgeführt. Daher

muss jeder Gast spätestens 14 Tage vor

der Abfahrt eine abgeschlossene Covid-

Impfung oder Immunitätsbescheinigung

nachweisen.

Vasco da Gama – das umweltfreundliche

Boutique-Schiff

Der Partner ist die renommierte Reederei

nicko cruises mit ihrem Schiff Vasco da

Gama. Das Schiff wurde 1993 als Statendam

durch die Holland-America Line

in Dienst gestellt. Mit einer Breite von 30

Metern und 219 Meter Länge verfügt das

Schiff über neun Passagierdecks und Platz

für knapp 1.300 Passagiere. Von den 630

Kabinen sind nur 129 im Inneren angelegt.

Alle anderen sind Außenkabinen, davon

150 mit Balkon.

Mit 55.000 Bruttoregistertonnen bietet sie

ein Verhältnis von 1 zu 43 pro Passagier

und verfügt über zwei Pool-Areale. Eines

befindet sich prominent am Heck des

Schiffes mit einer großzügigen Liegefläche.

Das andere ist mittschiffs und mit

einem fahrbaren Dach ausgestattet, über

das in der Kreuzfahrt nur eine verschwindend

kleine Zahl von Schiffen verfügt.

Echte Qualität zeigt sich in der Regel bei

dem Restaurant-Angebot. Auch hier spielt

die Vasco da Gama in der Oberliga. Sie

verfügt über drei À-la-carte-Restaurants,

unter denen insbesondere das asiatisch

ausgelegte Dragon Lady mit Liebe zum

Detail überzeugt. Dazu gehören auch


REISE 33

stilechte japanische Tische auf Bodenhöhe. Aber auch

das Buffet-Restaurant Pantry sticht konzeptionell

hervor. Es erinnert eher an einen Food Court, der

verschiedene Stile an unterschiedlichen Stationen

vereint. Dazu zählen ein Mexikaner, ein Inder, ein Asiate

sowie eine Gartenbar mit Salaten, ein Süßwarenladen

für Desserts und ein Fleischgrill. Dieser konzeptionelle

Ansatz findet sich auch bei den zahlreichen Bars

und seinen Höhepunkt in der rundum verglasten

Aussichtslounge The Dome. Hinzu kommt ein edler

Wellness-Bereich mit Sauna und Dampfbad, ein großes

Fitness-Center und Sportflächen auf den Außendecks.

Das Show-Theater Hollywoods erstreckt sich über zwei

Decks.

Die Reederei hat gerade die Dieselmotoren der

Vasco da Gama mit einer neuer Treibstoffanlage

ausgestattet. Zurzeit unterscheidet man zwischen

dem bislang gebräuchlichen Schweröl, das noch von

fast allen Schiffen verwendet wird, auf der einen

Seite bis hin zum modernen Flüssiggas (LNG) auf der

anderen Seite. Da bislang die Häfen im Rückstand sind,

entsprechende LNG-Betankung anzubieten, setzen

einige Reedereien eine weitgehend schadstoffreduzierte

Variante ein, die sich MGO (Marine Gas Oil)

nennt. nicko cruises ist der vierte Anbieter weltweit,

der mit einer hohen Investition seinen Antrieb darauf

umgerüstet hat. Außerdem hat das Schiff einen

Stickoxidkatalysator (SCR) auf Harnstoff-Wasser-Basis

erhalten. Damit teilt sich die Vasco da Gama künftig

den Platz 1 beim Kreuzfahrtranking des NABU zusammen

mit Ponant. Zusätzlich wurde auf dem Schiff ein

neues Abwassersystem der deutschen Firma MARTIN

Systems GmbH installiert, das Schwebstoffe ohne

Einsatz von Chemikalien auf null reduziert.

Mehr Infos unter www.spartacus.cruises

Gran Canaria - Madeira - Lanzarote - La Palma - La Gomera - Gran Canaria


34 REISE

LUZERN

Art Deco Hotel Montana

Ausgezeichnet als das beste 4-Sterne-Stadthotel der

Schweiz, bietet das auf einer Anhöhe gelegene Art Deco Hotel

Montana eine grandiose Aussicht über den Vierwaldstättersee

und die ihn umgebende Bergkulisse.

Die vor dem Eingang wehende Regenbogenfahne macht deutlich:

Hier ist jeder willkommen. Ab Mai verwandelt sich die große

Dachterrasse in einen „Beach Club“, der zu den angesagtesten

Sommer-Treffpunkten Luzerns zählt. Wer auch im Winter die

Aussicht im Freien genießen möchte, wählt eine der zehn

Penthouse-Suiten mit einem privaten Outdoor-Whirlpool.

Das Restaurant Scala bietet neben seinem Panoramablick

mediterrane Küche auf Spitzenniveau und ist bekannt für sein

sonntägliches Brunch-Buffet.

Adligenswilerstraße 22, Luzern, Schweiz, www.hotel-montana.ch

SÜDTIROL

Bergwellness

FOTOS: GITSCHBERG.IT

1.400 Meter über dem Alltag: Das Boutiquehotel Gitschberg

ist mit seinen 38 Zimmern ein Haus mit Herz und

Seele, mit Sinn fürs Schöne und Gute. Viel Licht, warme

Farben und natürliche Materialien geben dem Einfachen

mehr Raum und lassen die einmalige Panoramasicht über

die Dolomiten besonders gut wirken.

Tief verwurzelt mit der Südtiroler Natur und Tradition hat

Familie Peintner auf dem Sonnenhochplateau von Meransen

einen Freiraum zum Durchatmen geschaffen. Ökologisch

nachhaltig und mit höchster Achtung vor den heimischen

Ressourcen. Die Architektur erinnert an die urigen Heustadel

der Almenregion Gitschberg-Jochtal. Im ganzen Haus duftet

es herrlich nach Zirbe und Lärche. Besonders beeindruckend

sind die „Gassla“ Spa Suiten mit privater Bergsauna und

Wellnessloggia zum Wald hin. Aber auch der panoramareiche

Fenilia Spa bietet Tiefenentspannung und Bergwellness der

besonderen Art. Die Saunalandschaft schenkt sprudelnde

Lebenskraft, während das Panoramabad die Sinne mit

klarem Gebirgsquellwasser erfrischt. Die Behandlungen sind

naturheilkundlich inspiriert und basieren auf den naturreinen

Wirkstoffen der alpinen Bergwelt. Mit der Kraft und Energie

der Natur, des Waldes und der Wiesenkräuter werden Körper,

Geist und Seele gleichermaßen berührt. *dax

www.gitschberg.it


meine

gay

cruise

Gran Canaria - Madeira -

Lanzarote - La Palma - Gomera -

Gran Canaria FEBRUAR 2022

Alle neuen Infos im Newsletter unter

www.mcruise.de/newsletter


REISE

FOTO: ISTOCKPHOTO.COM/VLADORLOV

COMMUNITY

Schwuler Reisen

Bereits seit zwanzig Jahren ist

die LGBTIQ*-Bettenbörse Enjoy

Bed and Breakfast (ebab) in der

Community aktiv und hat sich

als beliebte Alternative zu Hotels

bzw. Vermittlungsplattformen von

Privatunterkünften etabliert. Dank

des umfangreichen Netzwerks

konnten über die Jahre zahlreiche

Besucher an Gastgeber in über

siebzig Ländern vermittelt werden.

Das Angebot von ebab ist insbesondere

für jüngere Menschen

interessant. Bei Preisen ab bereits

25 Euro pro Nacht stellt ebab eine

seriöse und sichere Alternative

zum Couchsurfing dar. So kann die

junge LGBTIQ*-Generation Städte

und Länder entdecken, neue

Freunde finden und Abenteuer

erleben, ohne dabei das Budget

zu sprengen. Aktuelle Infos zu

Buchungs- und Stornobedingungen

finden sich auf der Website.

www.enjoybnb.eu

KEY WEST

Neuer LGBTIQ*-Guide

Sommer, Sonne, schwule Szene

– die Florida Keys mit Key West

gelten als einer der bekanntesten

LGBTIQ*-Urlaubsorte der

USA. Mit einem neuen Guide

macht die Inselkette im Süden

Floridas Lust auf einen Nach-

Corona-Besuch. Vier Jahre

Twitter-Tiraden, Missachtung

demokratischer Normen und

Beschneidung von LGBTIQ*-

Rechten waren genug. Mit

der Wahl von Joe Biden zum

46. Präsidenten der Vereinigten

Staaten von Amerika halten

der Stolz auf Diversität und

der Respekt voreinander

wieder Einzug in die US-Politik.

Der von der Corona-Krise

gebeutelten Tourismusindustrie

kann das nur guttun. LGBTIQ*-

Urlaubshochburgen wie die

Florida Keys stehen jedenfalls

schon in den Startlöchern,

um Besucher aus aller Welt

zu begrüßen. Ein neuer Guide,

FOTO: MONROE COUNTY TOURISM DEVELOPMENT COUNCIL

den es auf der deutschen

Website des Tourismusbüros

der Florida Keys & Key West als

Download gibt, macht Lust auf

einen Besuch der tropischen

Inselkette, informiert über die

verschiedenen Regionen der

Florida Keys und gibt zahlreiche

Tipps für Natur-, Kultur- und

Szeneerlebnisse. Key West hält

vom erstklassigen Restaurant

über Livemusik und Szenebars

bis hin zum weißen Sandstrand

für jeden etwas bereit. Die

Resorts für Schwule und

Lesben wie etwa das Island

House sind legendär. Dragshows,

schwule Bootstouren,

nächtliche Partys, Strände,

FKK-Resorts und die einzigartige

LGBTIQ*-Trolley-Tour

machen Key West zu einem der

schönsten Urlaubsziele für die

Community. *dax

www.fla-keys.de

Rainbow Sommercamp

Trotz der aktuellen Corona-Situation und mit Hoffnung

auf eine Besserung ab Frühjahr haben die Veranstalter

des „Rainbow Camping Weekend“ ihren Termin geplant.

Vom 4. bis 6. Juni soll das vierte LGBTIQ*-Sommercamp

auf dem FKK-Campingplatz am Rätzsee stattfinden. Im

letzten Jahr waren rund achtzig Camper und Camperinnen

aus ganz Deutschland dabei, in diesem Jahr rechnen

die Organisatoren und Campingplatz-Inhaber Fabian

und Martin mit noch mehr Teilnehmenden. Unter dem

Motto „Von der Community für die Community“ verbindet

der Event Mensch und Natur: Die Leidenschaft fürs

Camping, gemeinsame Erlebnisse und die Natur stehen

im Vordergrund des Wochenendes. Der FKK-Campingplatz

am Rätzsee liegt idyllisch in der Mecklenburgischen

Seenplatte und ist von Hamburg in gut zwei Stunden

und von Berlin in weniger als zwei Stunden erreichbar.

Es gibt Stellplätze fürs Zelt, den Bulli, das Wohnmobil

oder den Caravan sowie vier vollausgestattete Miet-

Wohnwagen und eine Ferienwohnung. Die Region lädt

ein zu ausgedehnten Wanderungen und Paddeltouren in

unberührter Natur. Der See selbst ist motorbootfrei und

ideal zum Schwimmen oder Stand-up-Paddeln, eine

Sauna am See lässt zum Relaxen ein – beste Voraussetzungen

also für ein entspanntes und erlebnisreiches

Wochenende. *dax

www.raetzsee.de/rainbow

DEUTSCHLAND

FOTO: NORBERT SANDER


REISE

FOTO: TOBIAS JØRGENSEN

KOPENHAGEN

Die Welt feiert

FOTO: DAX

Dänemarks Hauptstadt bereitet sich auf

den größten LGBTIQ*-Event des Jahres

vor. Komme, was wolle – so versprechen

es zumindest die Veranstalter. In welcher

Form und mit welchen Beschränkungen,

wird sich in den Wochen vor dem

Sommer zeigen.

Royale Unterstützung

Im Idealfall sollen bis zu 750.000 Besucher

zwischen dem 12. und 22. August nach

Kopenhagen und in die auf der schwedischen

Seite des Öresund gelegene Stadt

Malmö kommen, um dort unter dem Titel

„Copenhagen 2021“ sowohl den WorldPride

als auch die EuroGames zu feiern. Neben

den Schwerpunkten Sport, Feiern und

Kultur wird es zusätzlich eine hochkarätig

besetzte Menschenrechtskonferenz zum

Thema LGBTIQ* geben. Dank des Einsatzes

der dänischen Kronprinzessin Mary als

Schirmherrin ist bereits schon jetzt internationale

Aufmerksamkeit garantiert. Der

Platz vor Kopenhagens Rathaus wird dabei

als zentrale Anlaufstelle fungieren. Neben

einem Pride Village steht hier auch die

große Bühne für diverse Liveacts, und auch

die Eröffnungs- und Abschluss-Zeremonie

werden auf dem Rathausplatz stattfinden.

Malmö bietet ebenfalls ein vielfältiges

Angebot, etwa mit einer Eurovision Night

und einem Pride Park.

Spielplatz der Kreativszene

Wer nebenbei noch Zeit findet oder gleich

ein anderes Reisedatum wählt, sollte

einen Abstecher zu Kopenhagens neuster

Trend-Location machen. Etwa zwanzig

Minuten mit dem Stadtbus braucht es,

bis man den auf einer Halbinsel gelegenen

Stadtteil Refshaleøen erreicht. Alternativ

gibt es auch öffentliche Fähren, die vom

Hafen aus verkehren. Der Bezirk gilt aktuell

als Kopenhagens Spielplatz der Kreativszene.

Hier, in einer 7.000 Quadratmeter

großen Industriehalle, befindet sich das

Kunstmuseum Copenhagen Contemporary,

das vor allem raumgreifende Installationen,

Videokunst und großformatige Werke in

Wechselausstellungen zeigt. Nebenan ist

das Areal des Reffen Street Food Market

bei schönem Wetter einen Besuch wert.

Dort reihen sich zahlreiche Imbissstände

aneinander, die Spezialitäten aus aller Welt

anbieten – von der vegetarischen Falafel

über mexikanische Tacos und japanische

Sushi bis zu frisch gegrilltem Fisch. Dazu

gibt es einen tollen Blick auf die Stadt, den

man am besten von einem der im aufgeschütteten

Sand stehenden Liegestühle

aus genießt. Wird es einem zu heiß, kann

man sich nur wenige Meter vom Markt

Baden bei Urban Rigger

FOTO: DAX

entfernt mit einem Sprung ins kühle Nass

Abhilfe verschaffen. Gleich beim Studenten-

Wohnprojekt Urban Rigger, das Schiffscontainer

in stylishe Apartments verwandelt

hat, gibt es dank einer Badeplattform und

abgegrenzten Bahnen die Gelegenheit, in

einem ehemaligen Hafenbecken seine Runden

zu drehen. Sowieso ist das Schwimmen

in Kopenhagens Kanälen und Wasserstraßen

Trend – teils in kostenpflichtigen Bädern

wie dem Hafenbad Islands Brygge, teils an

Stegen und Ufern, die frei zugänglich sind.

Generell ist das Baden in den Stadtgewässern

an allen Stellen erlaubt – dazu gehört

sogar das Nacktbaden, solange man sich im

Wasser aufhält.

Nackte Tatsachen

Jeder Menge nackter Tatsachen begegnet

man auch in Kopenhagens renommierter

Ny Carlsberg Glyptotek, die Skulpturen von

der Antike bis zur Moderne zeigt und in

direkter Nachbarschaft zum Tivoli liegt. Der

dank seiner Innenstadtlage einzigartige Vergnügungspark

gehört zu den ältesten der

Welt und bietet seinen Besuchern eine ganz

spezielle Atmosphäre. Zum einen kommen

hier die Fans rasanter Fahrgeschäfte voll

auf ihre Kosten, zum anderen kann man

im Park eine Reihe verschiedener Konzerte

oder gutes Essen genießen. Natürlich wird

auch der Tivoli während der Copenhagen-

2021-Feierlichkeiten eine Rolle spielen:

Neben einem Empfang der internationalen

Pride Organisation InterPride ist auch ein

Konzert für die LGBTIQ*-Community

geplant. *dax

www.copenhagen2021.com

www.visitcopenhagen.com


REISE

Inka-Ruine Machu Picchu

PERU

FOTO: LLAMATRIP.COM

Im Land des Regenbogens

Ob auf den Spuren der Inkas, in den

Szeneklubs von Lima oder während

eines Spaziergangs durch die koloniale

Altstadt von Cusco – im Andenstaat

Peru gibt es jede Menge zu entdecken.

Regenbogenflaggen, wohin man schaut.

Wer sich in Peru in die einstige Inka-

Hauptstadt Cusco begibt, wundert sich im

ersten Moment über das überall sichtbare

Symbol der LGBTIQ*-Bewegung. Erst bei

genauerem Hinsehen fällt auf, dass sich

die vor vielen öffentlichen Gebäuden und

an Häusern wie Geschäften wehende

Fahne durch einen zusätzlichen, hellblauen

Streifen von der „Gay Pride“-Version

unterscheidet. 1978 machte

Cusco diese Version zur offiziellen

Stadtflagge, die die kulturelle Vielfalt

und den Stolz der indigenen

Bevölkerung symbolisiert und sich

auf das einstige Inkareich beruft.

Eine erstmalige Verwendung

fand die Flagge wohl Ende des

18. Jahrhunderts während eines

Aufstandes peruanischer Andenbewohner

gegen die spanische

Kolonialmacht.

Barock in den Anden

Die europäischen Eroberer unter Francisco

Pizarro nahmen Cusco 1533 ein, ließen die

Stadt aber weitgehend unberührt. Erst ein

kurz darauf folgender Aufstand sowie ein

großes Erdbeben im Jahr 1650 zerstörten

einen Großteil der Gebäude, nicht aber die

alten Grundmauern der einstigen Tempel

und Paläste aus der Inkazeit. Auf diesen

errichteten die spanischen Kolonialherren

prächtige Kirchen und Klöster wie die

barocke Kathedrale oder das Kloster

Santo Domingo, in dessen Inneren sich

das Inka-Sonnenheiligtum Coricancha

befindet. Wer sich auf einen Spaziergang

durch die zum UNESCO-Weltkulturerbe

Altstadt von Cusco

gehörende Altstadt begibt, sollte sich Zeit

nehmen. Der Grundriss der Stadt hat sich

seit der Inkazeit kaum verändert, neben

den imposanten Kolonialbauten stößt man

an vielen Ecken auf die aus großen Steinblöcken

fugenlos gebauten Mauern – etwa

in der „Gasse der sieben Schlangen“ oder

an der Calle Hatunrumiyoc, an der man auf

Mauerreste des Palastes des Herrschers

Inca Roca stößt. Zudem sollte man seinem

Körper genügen Zeit geben, sich an die

über 3.400 Höhenmeter zu gewöhnen, auf

denen sich Cusco befindet. Kopfschmerzen

und Atembeschwerden sind bei

Touristen keine Seltenheit. Vor allem das

Trinken von aus Koka-Blättern gebrautem

Tee soll gegen das Aufkommen von

Beschwerden helfen, Apotheken vor

Ort bieten zudem entsprechende

Pillen zur Vorbeugung gegen Symptome

der Höhenkrankheit an. Etwas

oberhalb von Cusco befinden sich

zudem die beeindruckenden Ruinen

der Inka-Stätte Sacsayhuamán mit

ihren gewaltigen Mauern und einem

Kultplatz, auf dem jeweils am 24.

Juni auch heute noch das Sonnenfest

Inti Raymi gefeiert wird.


REISE

Dragshow im La Cueva

Schokoladenverkäufer in Lima

FOTOS: DAX

Inka-Regenbogenflagge

Valle Sagrado

Mystisches Machu Picchu

Cusco dient Perutouristen zudem als

Ausgangspunkt für eine Reise zu der wohl

bekanntesten Inkastätte des Landes. Die

sagenumwobene Ruinenstadt Machu

Picchu erreicht man ab Cusco entweder

mit dem Zug oder zu Fuß im Rahmen einer

geführten, viertägigen Wanderung über

den Inka-Pfad, den täglich maximal 500

Personen begehen können. „Eine weniger

überlaufene Route ist der Salkantay

Trek, eine siebentägige Wanderung mit

Übernachtungen in Lodges, auf der

man 15 unterschiedliche Ökosysteme

kennenlernt.“ Der schwule Peruaner Marco

Arellano kennt sich aus. 2011 gründete er

den ersten LGBTIQ*-Reiseveranstalter des

Landes. Unter dem Namen LlamaTrip organisiert

er verschiedene Touren durch Peru

und Südamerika, etwa in den Regenwald,

die Anden und die Hauptstadt Lima. Dabei

arbeitet er mit Luxusmarken wie Belmond

oder Inkaterra ebenso zusammen wie mit

preiswerteren Budgetunterkünften. Für

Machu Picchu empfiehlt der 43-jährige

Reiseprofi einen Aufenthalt von zwei

Tagen. Einen, um die mystische Ruinenanlage

mit einem Führer zu besichtigen, und

einen zweiten, um das weitläufige Areal

auf eigene Faust zu erkunden oder einen

der benachbarten Berge wie den Huayna

Picchu zu besteigen.

Auf dem Rückweg nach Cusco sollte

man zudem einen Stopp im Tal des

Urubamba-Flusses einplanen. Das Valle

Sagrado („Heiliges Tal“) diente einst als

Kornkammer der Inka. Auch hier finden

sich beeindruckende Ruinen – etwa die

der Festungen Ollantaytambo und

Pisac oder die Terrassen von

Moray und Chinchero. „Das

etwas tiefer gelegene Valle

Sagrado ist auch eine

gute Alternative, um sich

vor einem Besuch von

Cusco zu akklimatisieren

und erst nach dem

Besuch von Machu

Picchu die Kolonialstadt ins

Programm zu nehmen“, so der

Tipp von Marco.

Lima bei Tag und Nacht

Im Gegensatz zur Andenregion hat man

in Lima kein Problem mit Kopfschmerzen

aufgrund von Höhe. Die bekommt man

dafür, wenn man in einer der zahlreichen

Szeneklubs zu lange feiert. Wie in

Lateinamerika üblich, beginnt das Nachtleben

erst weit nach Mitternacht. Einen

ersten Drink kann man beispielsweise im

LGBTIQ*-freundlichen Bazar nehmen, eine

trendige Bar, die in Limas Stadtteil Miraflores

liegt. Hier wohnen zahlreiche Schwule

und Lesben, und auch viele Hotels sind

in der Gegend zu finden, die direkt an die

Museo Larco

Pazifikküste grenzt. Marcos Lieblingsklub

befindet sich im Stadtteil San Borja. Im

La Cueva treffen sich am Wochenende

Schwule und Lesben jenseits der 30, die

hier mit Dragshows und Go-go-Tänzern bis

in den frühen Morgen abfeiern.

Zu viel Zeit im Bett sollte man in

Lima allerdings nicht verbringen,

denn auch tagsüber gibt

es in Perus Hauptstadt jede

Menge zu erleben. Neben

der imposanten Kathedrale

inmitten der Altstadt

und dem benachbarten

Präsidentenpalast lohnt

ein Besuch des aus dem 17.

Jahrhundert stammenden Franziskanerklosters,

in dessen Katakomben

die aufgeschichteten Gebeine tausender

Verstorbener ausgestellt sind. Kunstwerke

aus der Prä-Inka-Zeit findet man im Museo

Larco, einem Privatmuseum, das neben

Keramiken und Goldschmuck vor allem

mit homosexuellen Darstellungen auf

Trinkgefäßen überrascht und beweist, dass

Sex unter Männern im alten Peru offenbar

kein Problem war. Die Politik im modernen

Peru tut sich da offensichtlich schwerer –

bis heute gibt es hier weder die Ehe für alle

noch die Möglichkeit einer eingetragenen

Lebenspartnerschaft. *dax

www.llamatrip.com


REISE

KROATIEN

Auf See mit Prince Charming

FOTOS: DAX, TARAS KORNEV

Nein, mit dem gleichnamigen TV-Format hat die im letzten Jahr

gegründete Prince Charming Gay Cruise nichts zu tun, auch wenn

bei der Premiere im Sommer 2020 ein ehemaliger Teilnehmer

der schwulen Kuppel-Show mit an Bord war. Das Konzept der

Kreuzfahrt entlang der Dalmatinischen Küste ist aber dennoch

äußerst charmant. Mit einem kleinen Boutiqueschiff für maximal

38 Passagiere führt die Route zwischen Split und Dubrovnik zu

traumhaften Buchten, einsamen Stränden und romantischen

Städtchen wie dem auf der gleichnamigen Insel gelegenen

Korčula. Ein Besuch des für seine Wälder und Seen bekannten

Nationalparks Mljet steht ebenso auf dem Programm wie ein

Stopp am wohl schönsten Strand Kroatiens, dem Goldenen Horn

auf der Insel Brač. Die Insel Hvar dagegen lockt mit trendigen

Beach Clubs und dem bekanntesten schwulen Strand Kroatiens

auf der vorgelagerten Insel Jerolim. Natürlich kommen Spaß

und Unterhaltung auf der einwöchigen Tour nicht zu

kurz. Neben täglichen Badestopps und Ausflügen stehen

gemeinsame Abendessen, Dragshows, Yogastunden und

Partys auf dem Programm. Insgesamt drei Termine gibt es

im Juli zur Auswahl, vom 17. bis 24. Juli sogar als „Double

Week“ mit zwei Schiffen gleichzeitig. Die Schiffe selbst

verfügen über moderne Kabinen, einen Whirlpool

sowie Sonnendecks mit FKK-Bereich. Im Preis

ab 1.490 Euro inbegriffen sind Halbpension, zwei

Abendessen und das Unterhaltungsprogramm an Bord.

Für alle Reisen gelten aufgrund der aktuellen Situation

großzügige Stornoregelungen, sollte sich Kroatien zu diesem

Zeitpunkt noch in einem Lockdown befinden oder für das Land

eine RKI-Reisewarnung mit Quarantänepflicht gelten. *dax

www.princecharming.eu

SCHWEIZ

Rund ums

Matterhorn

Das autofreie Bergdorf Zermatt zählt

sicher zu den bekanntesten Urlaubsorten

in der Schweiz. Vor allem als noble

Wintersportregion bekannt, locken ab

Frühjahr auch etliche Wander- und

Mountainbike-Wege zahlreiche Naturliebhaber

und Alpinisten in das nur mit der

Bahn zu erreichende Bergdorf. Der knapp

4.500 Meter hohe Gipfel des Matterhorns

bildet dabei stets eine spektakuläre

Kulisse. Wanderungen ab der Bergstation

Schwarzer See führen etwa hinauf zur

Hörnlihütte, dem „Base Camp“ für die

Matterhornbesteigung. Eine ganz andere

Perspektive bietet sich von dem in über

3.000 Meter gelegenen Gornergrat, den

man in knapp vierzig Minuten von Zermatt

aus mit einer Zahnradbahn erreicht. Neben

dem Matterhorn fasziniert auf einem

360-Grad-Loop ein Panorama aus 29

Viertausendern, darunter das Monte-Rosa-

Massiv sowie die Dufourspitze, der mit

4.634 Metern höchste Berg der Schweiz.

FOTO: PASCAL GERTSCHEN

Nicht weniger atemberaubend ist die

Fahrt hinauf zum Matterhorn Glacier

Paradise. Mit 3.883 Metern ist sie die

höchstgelegene Bergstation Europas,

umgeben von einer überwältigender

Kulisse aus 38 Viertausendern und 14

Gletschern. Ein weiteres Highlight ist der

15 Meter unter der Oberfläche gelegene

Gletscherpalast im Eisfeld zwischen dem

Klein Matterhorn und dem Breithorn,

in dem sich kunstvolle Eisskulpturen

befinden. Ein sicher einmaliges Erlebnis

ist die Umrundung des Matterhorns in

einem Helikopter: Mit Air Zermatt geht es

vom Dorf aus mit 170 km/h hinauf in die

Berg- und Gletscherwelt der Walliser Alpen

mit Blick auf den Theodulgetscher, den

Gornergrat, das Monte-Rosa-Massiv sowie

den Mont Blanc. *dax

www.zermatt.ch

www.myswitzerland.com


REISE

ÖSTERREICH

FOTOS: EDERTOM.COM

Hip am Hochkönig

Hüttenwirte Tom (l.) und Mario

Die Region um den knapp 3.000 Meter

hohen Hochkönig im Salzburger Land

gehört sicher zu einem der schönsten

Wander- und Skigebiete Österreichs.

Dank eines hippen Boutiquehotels und

der wohl einzigen von einem schwulen

Paar geführten Almhütte Österreichs

ist das Dorf Maria Alm eine echte Alternative

zum traditionell eher urigen

Urlaub in den Bergen.

Schafgarbe, Baldrian und Mädesüß – wer

mit Mario über blühende Almwiesen

wandert, kommt der Natur der Alpen ganz

nah. Als „Kräuterbua“ bietet der 34-jährige

Österreicher Kräuterwanderungen auf

dem Natrun an. Der Berg erhebt sich gut

1.200 Meter über dem im Salzburger Land

gelegenen Dorf Maria Alm und lässt sich

entweder zu Fuß oder mit einer Gondelbahn

erreichen. „Die Berge und die Natur

sind ein idealer Stressausgleich“, so Mario.

Der gelernte Friseurmeister war neun Jahre

lang mit einem eigenen Salon selbstständig,

bevor er der Liebe wegen seinen Job aufgab

und auf den Natrun zog. Seine Verbundenheit

mit der Natur sowie das Interesse an

Kräutern und deren Wirkung machte er zu

seinem neuen Beruf. Mit einer Ausbildung

für Traditionelle Europäische Heilkunde im

Rücken gibt er sein Wissen an interessierte

Urlauber weiter. Eine Kräuterwanderung mit

Mario dauert etwa zwei bis drei Stunden,

während der er viel erklärt, Pflanzen

sammelt und im Anschluss verarbeitet.

„Für jedes Wehwehchen ist ein Kraut

gewachsen“, weiß Mario und ist froh, dieses

Wissen auch vermitteln zu können. Was er

auf den Almwiesen nicht findet, aber für

seine Tinkturen, Salben und Tees braucht,

zieht er in seinem eigenen Kräutergarten

gleich neben der Tom Almhütte groß.

Heimatverbunden

Die 2018 eröffnete Hütte ist der eigentliche

Grund, warum es Mario nach Maria Alm

verschlagen hat, denn Marios Verlobter

Tom wurde in dem gut 2.000 Einwohner

zählenden Dorf geboren. Wer mit Tom

ins Gespräch kommt, merkt schnell, dass

man es hier nicht mit einem typischen

Hüttenwirt zu tun hat. Der 35-Jährige,

dessen Namen die Hütte trägt, stammt

aus einer in Maria Alm etablierten

Hoteliersfamilie und kam während seiner

Ausbildung zum Hotelfachmann und in der

Zeit danach viel herum. „Dennoch bin ich

ein sehr heimat- und familienverbundener

Mensch geblieben, und als sich mir die

Chance bot, in meinem Heimatdorf auch

unternehmerisch Fuß zu fassen, hab ich die

Gelegenheit genutzt.“ Der kreative Kopf hat

die Entscheidung nicht bereut. „Mir war klar,

dass, wenn ich in Maria Alm bleibe, ich so

leben will, wie ich bin.“ Seit seinem Comingout

mit 19 gehe das Dorf entspannt mit

seinem Schwulsein um.

Hundehütte

Wer die Tom Almhütte sieht, dem wird

schnell klar, dass die Hütte nicht dem

alpenidyllischen Klischee einer Skihütte

entspricht. Schon vor dem Eingang

werden die Gäste von einer überlebensgroßen

Holzfigur eines Mopses begrüßt.

Choupette heißt das bei Tom und Mario

lebende Tier, das zugleich als Maskottchen

der Hütte fungiert. Die Hütte selbst

verbindet modernes Design wie das riesige

Glasdach, das sich bei schönem Wetter

zur Seite fahren lässt, mit natürlichen

Elementen wie Holz und Stein. Die

Küche setzt auf frische regionale Speisen

und Produkte. „Die Kühe auf der Wiese

unterhalb der Hütte sehen quasi schon, wo

sie einmal enden“, scherzt Tom.

Gipfelstürmer

„Mit der Eröffnung des Boutiquehotels

Sepp unten im Dorf und unserer Hütte hat

sich das Publikum in Maria Alm spürbar

verändert“, so Tom. „Die Gäste sind jünger

und hipper geworden.“ Dabei ist die

Region rund um den Hochkönig ohnehin

ein attraktives Urlaubsziel für Wanderer,

Mountainbiker und Wintersportler. Von

leichten Wanderungen bis zu anspruchsvollen

Hochgebirgstouren gibt es für jedes

Fitnesslevel die passende Möglichkeit, das

grandiose Bergpanorama des Steinernen

Meeres zu genießen. *dax

www.hochkoenig.at

www.edertom.com


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#friendlyitaly - Ciao Italia!

FOTO: LUKAS WERLICH

Alle warten darauf, endlich wieder verreisen zu können und auch wenn vieles anders ist als vor

der Pandemie lohnt es sich, die Koffer zu packen und über die Alpen Richtung Süden zu fahren.

FOTO: ISTOCKPHOTO/SIGNATURE COLLECTION/SERTS

FOTO: ENIT/TERME EUGANEE

FOTO: ISTOCKPHOTO/ESSENTIALS COLLECTION/XANTANA

Italien lockt schon ab Ostern mit mildem

Klima und hat sich gut auf die Saison 2021

vorbereitet: Abstands – und Hygieneregeln

in öffentlichen Einrichtungen, in Hotels und

Restaurants sorgen genauso wie eine hohe

Impfrate für sicheres Urlauben. Auch wenn es

aktuell noch keine Prides und Events geben

wird, das Angebot für abwechslungsreiche

Urlaubstage ist groß und vielversprechend:

kleine und große Kunststädte bieten nicht nur

beeindruckende Kultur, sondern auch viel Flair

für entspannte Stadtbummel durch verkehrsberuhigte

historische Zentren. Ob Shopping

in angesagten Boutiquen oder auf bunten

Märkten, müßige Stunden im Café oder beim

Sehen-und-Gesehen-Werden auf dem Corso,

der Italian Way of Life macht Spaß und ist im

besten Sinne ansteckend. Städte wie Rom und

Mailand haben eine lebendige LGBTQ*-Szene,

aber auch Küstenorte wie Torre del Lago in

der Toskana oder Gallipoli in Apulien sind

beliebte Ziele der Community. Hier kann

man neben Beachlife auch gut feiern, soweit

es die Lage erlaubt. Des Weiteren lohnen

zahlreiche malerische Orte an der Küste oder

im Hinterland entdeckt zu werden: hier erlebt

man das ursprüngliche Italien und man kann

die authentische Küche am besten genießen.

Ein besonderes Erlebnis sind im Sommer die

Open-Air-Konzerte, von klassisch bis Rock,

die oft an herrlichen Settings stattfinden und

eine ganz besondere Atmosphäre besitzen.

Oldtimer-Fans sollten einmal bei der Mille

Miglia oder der Targa Florio dabei gewesen

sein, entweder mit dem eigenen Wagen oder

als Zuschauer entlang der Strecke. Wer mehr

Adventure sucht, kann sich in den Bergen

der Alpen oder des Apennins beim Climbing,

Rafting oder Skifahren verausgaben. Auch

entlang der rund 8.000 Kilometer langen Küste

bieten sich vielseitige Gelegenheiten vom

Segeln, Surfen bis zum Tauchen. Spezialisierte

Anbieter organisieren zudem Bootsausflüge zu

vorgelagerten Inseln, wie z.B.den Tremiti-Inseln

vor Apulien oder mit Stopps an entlegenen

Buchten wie in Sardinien. Wer sich gerne mit

Wellnessanwendungen verwöhnen lässt, findet

von Nord- bis Süditalien ein breites Angebot an

Einrichtungen wie Wellness-Hotels, Thermalanlagen

mit heißen Quellen und mediterranen

Gärten oder Bäder in Natursteinbecken und

im Vulkanschlamm wie auf der Insel Vulcano.

Liebhaber von Kunst, Design und Kultur sind

in Italien seit jeher am richtigen Platz: mit 55

UNESCO-Welterbestätten führt das Land die

Liste an und das immense Kulturerbe – von

den antiken Zeugnissen der Römer und

Etrusker, über die Araber und Normannen

bis zu den Werken der Renaissance - lässt

auch Kunstmuffel staunen. Wer es lieber

modern und zeitgenössisch mag, findet in

den Sammlungen wie im MART- oder im

MACRO-Museum Werke von italienischen und

internationalen Künstlern und in lebendigen

Vierteln wie Brera in Mailand oder San

Lorenzo in Rom gibt es

Gallerien und Streetart.

www.enit.de

www.italia.it


GESUNDHEIT

SCHLAU ZU HIV

FOTO: CAMILO JIMENEZ / UNSPLASH / CC0

THERAPIEVERSAGEN –

der Herzinfarkt in der HIV-Behandlung

Ziel jeder medikamentösen

HIV-Therapie ist die dauerhafte

Unterdrückung der Virusvermehrung im

Körper. Da sich das Virus aber im Zeitverlauf

verändert und Mutationen entstehen,

kann es sein, dass Arzneimittel gegen das

HI-Virus ihre Wirksamkeit verlieren. Das Virus

hat dann Resistenzen ausgebildet und

kann sich – weil unempfindlich gegen die

laufende Therapie – wieder vermehren. Wie

Resistenzen entstehen, wie hoch unter modernen

Regimen das Risiko eines Therapieversagens

ist und warum es so wichtig ist,

Resistenzbildungen zu vermeiden, erklärt

Professor Dr. Jürgen Rockstroh, Leiter der

Ambulanz für Infektiologie & Immunologie

am UK Bonn.

Beginnt man heute mit einer

HIV-Therapie, wird das HI-Virus vor

der Auswahl des Therapieregimes

auf Resistenzen untersucht. Dabei

hat die Person doch noch gar keine

Arzneimittel gegen die Infektion

genommen. Warum wird das

gemacht?

Es wird nach den Leitlinien für die HIV-

Therapie ein genotypischer Resistenztest

durchgeführt, um festzustellen, ob eine

Ansteckung mit HIV-Varianten vorliegt, die

möglicherweise Medikamentenresistenzen

beherbergen. Statistisch sind diese

Untersuchungen kosteneffektiv, wenn bei

ca. fünf Prozent der Patienten Resistenzen

auftreten. Tatsächlich werden solche

Mutationen bei ca. neun bis zehn Prozent

gefunden. Es gibt allerdings zu diesen

Resistenztests auch kritische Stimmen,

weil die Ersttherapie heute im Wesentlichen

auf Integrasehemmern aufbaut und

zu diesen so gut wie keine resistenten

Mutationen gefunden werden. Dennoch

ist es aber prinzipiell gut zu wissen, welche

Mutationen vorliegen, um zum Beispiel bei

einem Therapiewechsel vorbereitet zu sein.

Unter erfolgreicher antiretroviraler Therapie

ist es heutzutage sehr schwer, genug Viren

für eine genotypische Resistenztestung im

Blut zu finden.

Wie häufig treten heute Resistenzen

auf, was sind die

Gründe dafür und gibt

es Unterschiede bei

den verschiedenen

Wirkstoffen?

Wenn es im Verlauf

der Therapie bei den

Routinechecks zu

einem Anstieg der

Virenlast käme, würde

ebenfalls ein genotypischer

Resistenztest

gemacht, um festzustellen,

ob eventuell eine Mutation stattgefunden

hat, die die Wirksamkeit eines Wirkstoffs

der Therapie vermindert. Das passiert heute

aber sehr viel seltener als früher. Dennoch:

Wie eben erwähnt sind bei ca. zehn

Prozent der Patienten therapierelevante

Mutationen festzustellen. Das bedeutet

aber nicht, dass jede Mutation dazu führt,

dass keine wirksame Kombinationstherapie

zusammengestellt werden kann. Die schon

angesprochenen Integrasehemmer besitzen

heute so eine hohe genetische Barriere,

dass es selbst bei einem Therapieversagen

äußerst selten, sogar fast nie zu einer Mutation

kommt. Die modernen Therapien sind

so potent, dass wir insgesamt einen starken

Rückgang der Resistenzen verzeichnen.

Worauf ist zu achten, wenn man als

Mensch mit HIV das Risiko für eine

Resistenzentwicklung so gering wie

möglich halten will, und was können

Behandler tun, wenn es doch zum

Therapieversagen kommt?

Der wirksamste Schutz gegen Resistenzentwicklungen

ist eine wirksame

Therapie. Sie verhindert ja die

Vermehrung des HI-Virus und

Mutationen treten eben

bei der Vermehrung von

Viren auf. Unsere heutigen

Therapien sind so robust,

dass sie eigentlich ein

Leben lang wirksam bleiben

– wenn sie regelmäßig

eingenommen werden. Es gibt

aber auch Patienten, die Varianten

des Virus haben, die gegen sehr viele

der geläufigsten Wirkstoffe resistent sind.

Zum Beispiel Langzeitpositive, die mit

den ersten Monotherapien behandelt

wurden. Aber auch da gab es 2020/2021

einen Durchbruch, weil neue Wirkstoffe

zugelassen werden, gegen die es noch

keinerlei Resistenzen geben kann. Also

kann jetzt auch bei den sehr wenigen

Fällen des breiten virologischen Versagens

(Mehrklassenresistenz) eine wirksame

Kombination zusammengestellt werden.

*Interview: Christian Knuth

FOTO: UK BONN


DE-HIV-2020-09-0034 | Agenturfoto. Mit Model gestellt.


FILM

INTERVIEW

ANA ORTIZ:

„Love,

Victor“

Mit schwulen Jungs kennt Ana Ortiz sich aus. In

„Alles Betty“ (im Original: „Ugly Betty“) war sie vor

15 Jahren nicht nur die Schwester der Titelheldin, sondern

auch die leidenschaftlich liebende Mutter des unverkennbar

queeren Grundschülers Justin. Nun zeigt die 50-jährige

New Yorkerin in „Love, Victor“ als gläubige Katholikin, dass

die Mutterliebe manchmal auch ein bisschen Zeit braucht,

wenn der Sohn (gespielt von Michael Cimino) sich outet. Ab

dem 23. Februar ist die erste Staffel des Serien-Ablegers

der erfolgreichen Highschool-Komödie „Love, Simon“

in Deutschland bei Disney+ STAR zu sehen (genauso

übrigens wie alle Staffeln „Alles Betty“). Die Dreharbeiten

zur zweiten laufen bereits. Wir sprachen mit Ortiz dazu im

Videotelefonat.

Ana, nach „Alles Betty“ spielen Sie in „Love,

Victor“ nun schon zum zweiten Mal die Mutter

eines queeren Kindes. Damit übernehmen Sie in

gewisser Weise auch eine Art Vorbildfunktion,

nicht wahr?

Die Mütter dieser beiden wunderbaren schwulen Söhne

zu spielen gehört zu den größten Freuden meines Lebens.

Gerade auch, weil diese beiden Frauen ja verschiedene

Seiten des Spektrums zeigen und sehr unterschiedlich

mit der Identität ihrer Jungs umgehen. Hilda erlaubte

niemanden, Justin auch nur schräg anzusehen. Sie

verteidigte ihn und sein Recht, er selbst zu sein, mit

Leib und Seele. Isabel in „Love, Victor“ ist längst nicht so

akzeptierend. Sie glaubt anfangs wirklich, ihr Sohn könnte

in die Hölle kommen. Sie liebt ihn aus ganzem Herzen, hat

aber fürchterliche Angst, was das Leben für ihn bereithält.

Bekommen Sie viele Reaktionen von Müttern, die

sich in diesen Figuren wiedererkennen?

Oh ja, natürlich. Gerade auf Hilda sprechen mich die

Leute immer noch an. Jeder liebte Hilda. Aber ich habe

auch schon von Müttern gehört, die sich mit Isabel

identifizierten und mir mein Beileid zum schwulen Sohn

ausgesprochen haben. Die fanden, dass Isabel ihren

katholischen Werten treu bleiben und Victor in Gottes

Schoß zurückholen soll. Die werden enttäuscht sein,

dass das natürlich nicht die Richtung ist, die unsere Serie

einschlägt. Denn die zweite Staffel „Love, Victor“ wird

noch deutlich schwuler, um es mal so auszudrücken, und

Isabels Liebe zu ihrem Sohn zum Glück nicht kleiner.

Und ich hoffe natürlich, dass auch diese Entwicklung die

eine oder andere Mutter inspirieren und ihre Einstellung

verändern kann.


FILM

In dieser Hinsicht ist eine Serie

wie „Love, Victor“ auch im Jahr

2021 mehr als bloß eine nette

Highschool-Geschichte?

Auf jeden Fall. Denn auch wenn es wie ein

Klischee klingt: Repräsentation ist wichtig.

Sich selbst bzw. Menschen, die sind wie

man selbst, auf dem Bildschirm zu sehen,

ist unglaublich wichtig. Und „Love, Victor“

ist da tatsächlich ziemlich einzigartig, weil

es gleich in zweifacher Hinsicht Lebenserfahrungen

zeigt, die man sonst nicht alle

Tage in Serien zu sehen bekommt. Junge

Menschen, die herausfinden, wer sie sind

und was sie wollen, ist das eine. Für die ist

es, wenn ich nach den Reaktionen vieler

queerer Kids auf die Serie gehe, enorm

hilfreich, jemanden zu sehen, der das

gleiche durchmacht und auch nicht weiß,

wie er mit seinen Eltern darüber sprechen

soll. Aber zum anderen ist auch der Alltag

einer puerto-ricanischen Familie im Fernsehen

wirklich eine Seltenheit. Ich freue

mich wirklich sehr, dass unsere Serie auf

Diversität, Inklusion und Repräsentation in

mehr als nur einer Hinsicht setzt.

Hat sich in dieser Hinsicht viel getan

in den mehr als 20 Jahren.

Oh ja, einiges. Die Vielfalt an Geschichten

und Gesichtern ist heute eine ganz andere

als damals, das kann man null vergleichen.

Aber wir können uns auf diesen Fortschritten

nicht ausruhen, denn es ist nicht so,

dass es ausreichende und umfassende

Repräsentation in alle Richtungen gäbe.

Und das sage ich als Latinx-Schauspielerin

nicht nur mit Blick auf Diversität in Sachen

Hautfarbe und Herkunft.

Sondern?

Auch diesbezüglich ist natürlich nach

wie vor Luft nach oben. „Love, Victor“ ist

beispielsweise, wie gesagt, eine von nicht

einmal einer Handvoll Serien, deren zentrale

Figuren Latinx sind. Aber zum Beispiel

ist unsere Branche und das, wovon wir in

Serien erzählen, auch immer noch ziemlich

altersdiskriminierend. Geschichten mit

Frauen über fünfzig Jahren im Zentrum sind

beispielsweise auch eine Seltenheit. Auch in

Sachen sozialer Herkunft wird diskriminiert:

Wir lieben Shows über gut situierte bis

reiche Familien, aber die Arbeiterklasse wird

eher selten gezeigt. An allen diesen Fronten

können und müssen wir noch arbeiten.

Eine letzte Frage noch zu Brian Tanen,

dem schwulen Drehbuchautor und Produzenten,

der einer der Showrunner bei

„Love, Victor“ ist. Sie beide verbindet

eine enge Beziehung, richtig?

Oh ja, nach „Alles Betty“ und „Devious

Maids“ ist „Love, Victor“ schon unsere dritte

gemeinsame Serie. Ich liebe diesen Mann

und würde mit ihm durchs Feuer gehen.

Wenn er an einem Writers’ Room beteiligt

ist, weiß man als Schauspieler*in, dass

man in guten Händen ist. Bei „Love, Victor“

gilt das mehr denn je, denn da werden wir

von den Autor*innen enorm eingebunden.

Das ist ein sehr bunt gemischter Haufen

von Menschen, mit sehr verschiedenen

Erfahrungshorizonten und Hintergründen,

und wir können jederzeit Fragen stellen und

Ideen einbringen. Im Zweifelsfall schicke ich

auch mal nachts eine Textnachricht, wenn

mir etwas auf dem Herzen liegt. Und Brian

ist auch nie empfindlich, wenn man mal bei

einem Dialog sagt: „Sorry, irgendwie klingt

das so nicht authentisch.“ Im Gegenteil

freuen er und die anderen sich immer über

Input, schließlich wollen alle die Geschichte

so wahrhaftig wie möglich erzählen.

*Interview: Patrick Heidmann

Mehr Features dieser Art auf

instagram.com/blumediengruppe


FILM

Ist es denn einfacher, mit Unternehmen

wie Sky zu arbeiten?

„Das Boot“ wird in über achtzig Länder

verkauft, von englischen Autor*innen

geschrieben, ist international besetzt. Da

wird auf jeden Fall größer gedacht. Und

etwas mehr Geld zu haben, macht das

Arbeiten auf jeden Fall einfacher.

Wie hat sich denn das Arbeiten durch

die Pandemie verändert?

Bei „Ein Schwarzwaldkrimi“ wurden wir

durchgetestet, das war im Sommer 2020.

Für mich als Schauspieler hat sich da wenig

verändert, außer, dass man eben getestet

wurde. „Das Boot“ wird in Prag gedreht,

da musste ich dann immer 5 Tage vorher

anreisen, im Hotelzimmer in Quarantäne

sitzen und dann erst zum Set ... Aber

in Relation zu dem, was andere gerade

durchmachen, ist das ein Luxusproblem.

Für die Produktionen ist es eben scheiße,

weil es so viel teurer ist. Am Anfang fand

ich es sogar toll, weil ich so viel mehr Zeit

hatte, mich auf die Rollen vorzubereiten.

DAVID

ZIMMERSCHIED:

„Ich bin sehr gut und gerne alleine“

In „Ein Schwarzwaldkrimi“ spielst du

einen Nerd. Wie nah ist diese Rolle an

dir dran?

Es gibt natürlich Elemente, die mir geläufig

sind. In einer fremden Umgebung fühle ich

mich manchmal nicht wohl, so wie sich dieser

Archivar wahrscheinlich mit Menschen

nie so richtig wohlfühlt. Er sitzt da in seinem

Archiv und wirkt etwas soziopathisch. Die

Parallele ist vielleicht, dass er gerne und gut

alleine sein kann.

War die Brille denn deine Idee?

Das war eine Idee vom Regisseur, glaube

ich. (lacht) Über die kann man natürlich diskutieren,

ich habe sie bei der Vorbereitung

zur Rolle zwei Monate lang auch zu Hause

umgehabt, um mich daran zu gewöhnen.

INTERVIEW

Gerade sah man ihn im erfolgreichen ZDF-Zweiteiler „Waldgericht – Ein

Schwarzwaldkrimi“, kennen wirst du ihn aber auch aus „Elser – Er hätte die

Welt verändert“ und durch die Sky-Serie „Das Boot“ an der Seite von Clemens

Schick. Für uns hatte der Schauspieler etwas Zeit.

Ich denke, sie macht Sinn, denn ohne sie

wäre es womöglich nur der David, der eben

in einem Archiv sitzt ... Es ist natürlich ein

Klischee, aber wenn man Klischees aufgrund

einer inneren Haltung benutzt, nicht

um ihrer selbst willen, dann ist das okay.

Was macht für dich einen guten Film,

eine gute Serie aus?

Da landet man in Deutschland immer

beim Wort Mut. Ich glaube, es werden viele

unmutige Entscheidungen getroffen von

Leuten, die ihren Posten nicht verlieren

wollen und die immer wieder über das

unsägliche Wort Einschaltquoten reden.

Der Zuschauer wird unterschätzt. Oft

entscheiden Bürokraten Dinge, wo man

kreativ sein sollte.

Bayern hat recht strikte Corona-

Beschränkungen, beeinflusst das

deinen Alltag sehr?

Ich war tatsächlich schon vor der Pandemie

ab 20 Uhr eher selten aus. Ich habe das

Glück, dass ich genug Geld habe, mir meine

Wohnung und Essen leisten zu können,

auch mit dem Alleinsein komme ich sehr

gut aus. Weihnachten und Silvester habe

ich komplett ausfallen lassen und auch

nicht meine Eltern in Niederbayern besucht.

Was auch daran liegt, dass ich ab Februar an

einem Kinofilm drehe und auf der sicheren

Seite sein will. Ich bin sehr gut und gerne

alleine, für mich ist es kein Problem.

Wie stehst du zum Thema Impfung?

Ich habe großen Respekt vor Corona,

weil alles weiterhin so undurchsichtig ist,

seien es die Infektionswege oder auch

die Folgeschäden. Aber ich vertraue der

Wissenschaft und ich werde mich impfen

lassen, wenn es verlangt wird. Ich habe

aber nicht so richtig Vertrauen in die

Pharmaindustrie.

*Interview: Michael Rädel

ÜBER DAVID ZIMMERSCHIED

Für „Der Pass“ gab es 2020 den Grimme-

Preis, für „Unsere Mütter, unsere Väter“

2014 die Goldene Kamera. Er ist dank „Das

Boot“, „Kill Me Today, Tomorrow I’m Sick!“

und Serien wie „München Mord“ sowie

„SOKO Leipzig“ einer der erfolgreichsten

Kino- und Theaterschauspieler Deutschlands.

Geboren wurde David Zimmerschied

am 15. November 1983 in Bayern, er lebt in

München.

www.instagram.com/zimmerschied_official


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FILM

DVD

VENTO SECO

FOTO: WWW.GMFILMS.DE

Ein erotischer Sturm der Liebe: „VENTO

SECO“ aus dem Hause GMfilms.

Erzählt wird in dem Spielfilm, der 2020 seine

Uraufführung auf der Berlinale feiern konnte,

von den (Irr-)Wegen eines Männerpaares.

Sandro und Ricardo führen eine eigentlich

rein sexuelle Beziehung in der tiefsten

Provinz Brasiliens. Wirklich nur sexuell, so

denken die beiden von der Machokultur

geprägten Kerle zumindest. Denn als der

scheinbar einem Tom-of-Finland-Bild entsprungene

Maicon auftaucht und eine Affäre

mit Ricardo beginnt, merkt Sandro, dass da

doch mehr im Spiel ist als nur Lust. Tatsächlich

Liebe? Seine aufkommende Eifersucht

zeigt ihm, dass er Ricardo für mehr haben

will als bloß für Sex. Regisseur Daniel Nolasco

gelingt es meisterhaft, den Zuschauer über

100 Minuten lang zu unterhalten, nicht nur

mit bloßer Erotik. Die Emotionen schwappen

so schnell über, wie die Körperhaare der

Schauspieler sich beim Sex und Arbeiten in

der Hitze wiegen. Gelungen! *rä

www.gmfilms.de

VOD / DVD

Loyalität und sexuelle

Unterordnung

Kein Streifen für Freunde leichter Unterhaltung, aber ein gar nicht so

unrealistischer Blick auf schwules Leben und derbe Machokultur in

Südamerika.

FOTOS: SALZGEBER

Die Gefängnisse Chiles gelten als

lebensgefährlich, dreckig, brutal

und verstörend. Ausgerechnet,

nein, genau hier lässt Regisseur

Sebastián Muñoz eine schwule

Beziehung aufkeimen.

Erzählt wird in seinem Film „Der

Prinz“ die tragische Geschichte

vom 20-jährigen Jaime, der

seinen – in aller Heimlichkeit von

ihm begehrten – besten Freund

ersticht. Jaime landet im Gefängnis

und trifft dort auf Potro, den Boss

der Gruppenzelle, in der Jaime

seine Strafe absitzen muss. Potro,

genannt der Hengst, erwählt Jaime

zu seinem Prinzen und beschützt

ihn, erwartet aber im Gegenzug

sexuelle Unterordnung und

Loyalität von seinem Schützling.

Jaime, auf der Suche nach Wärme

und Zärtlichkeit, geht auf Potros

unmissverständliches „Werben“ ein.

Doch ein Gefängnis ist alles andere

als eine sichere Welt für schwule

Beziehungen.

Ein packender und brutaler schwuler

Film, der bei den Filmfestspielen

in Venedig mit dem „Queeren

Löwen“ ausgezeichnet wurde und

nun dank Salzgeber als Video on

Demand und DVD zu sehen ist. *rä

www.salzgeber.de


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MUSIK

COMEBACK

RAG'N'BONE MAN:

Kaum Raum für Selbstmitleid

Wer an Rag 'n' Bone Man denkt, der hat sofort

„Human“ im Ohr. Diesen phänomenalen Monsterhit

aus dem Herbst 2016, mit dem der Engländer –

wie auch mit dem Debütalbum gleichen Namens

– auf der ganzen Welt unbeschreiblich

abräumte und zu einem Weltstar wurde.

Wenn auch zu einem, der dem Rummel

skeptisch gegenübersteht. „Ich bin

ein normaler Typ, der gerne singt

und ein ruhiges Leben hatte“, sagt

er. „Ich liebe die Bühne, aber es

gibt selbstbewusstere Künstler

als mich.“ Nach einigen

Jahren der privaten Zurückgezogenheit

heißt es jetzt

allerdings: Willkommen

zurück im Rampenlicht.


Eine Sache möchte Rory Graham, wie

der Rag 'n' Bone Man bürgerlich heißt,

gleich klarstellen: „Für mich ist ‚Life by

Misadventure‘ nicht wirklich ein Trennungsalbum.

Ich habe mich sehr darum

bemüht, den Anteil an Herzschmerz in

Grenzen zu halten. Okay, vielleicht gibt

es den einen oder anderen Song, an dem

der Liebeskummer so ein wenig emporkriecht,

aber insgesamt sind die Stücke

nicht sehr weinerlich.“ Was auch damit

zusammenhängt, dass der Rag 'n' Bone

Man den überwiegenden Anteil der neuen

Lieder schon geschrieben hatte, als sich

der Liebesmist in seinem Leben Bahn

brach. „Die meisten Songs sind entstanden,

als es mir richtig, richtig gut ging. Ich

war angekommen im Leben, Vater geworden,

frisch verheiratet. Alles war gut.“ Rory

und seine langjährige Partnerin begrüßten

im September 2017 ihren Sohnemann

Reuben, sie zogen in ein stattliches

Anwesen in seiner Heimatstadt Brighton,

heirateten im Mai 2019 – und trennten

sich am Ende desselben Jahres. „Ich

fühlte mich verdammt traurig und allein“,

so der Sänger mit der beeindruckenden

Statur und der noch beeindruckenderen

Stimme. „Zu allem Überfluss ging es dann

auch noch mit der Pandemie los. Ich war

und bin der festen Überzeugung, dass

die Welt gerade nichts weniger dringend

braucht als weitere deprimierende Lieder

über eine kaputtgegangene Liebe. Ich

finde, die Menschen müssen gerade nicht

noch weiter runtergezogen, sondern aufgerichtet

werden.“ Freilich badet der im

Januar 36 Jahre alt gewordene Graham

im Album auch schon mal im Selbstmitleid,

im intensiv-traurigen „Talking to

Myself“ zum Beispiel. Einmal mussten

diese Gefühle einfach raus. „Oh yeah, was

für ein selbstsüchtiger Song. Was für ein

‚Ich-armer-Kerl‘-Song. Wenn ich den jetzt

höre, denke ich ‚Was für ein pathetisches

Geheule‘. Aber der Song ist gut. Und

er ist wahr. Ein Schnappschuss meines

Lebens.“ Er habe kein selbstmitleidiges,

sondern ein geradezu schmerzhaft ehrliches

Album machen wollen, sagt Rory.

Sehr freundlich und aufgeräumt guckt

Rory Graham beim Gespräch in die

Computerkamera. Es ist

Montagvormittag,

Sohn Reuben hat er gerade im Kindergarten

abgeliefert („Er geht da drei

Mal die Woche hin. Es ist gut für ihn,

eine Struktur zu haben“). Jetzt noch

ein paar Zoom-Interviews und „danach

werde ich zu einem kleinen Spaziergang

antreten.“ Das Leben hat sich wieder

beruhigt in Brighton. Nach einer ersten

fehlgeschlagenen Romanze, die Rory im

Lied „Fall in Love Again“ thematisiert,

ist er seit mehreren Monaten wieder

liiert, und zwar mit einer Mitarbeiterin

jenes Cafés um die Ecke, in dem er

morgens gerne seinen Latte trinkt. Die

Erleichterung und Freude, dass „Life by

Misadventure“ endlich das Licht der Welt

erblickt, steht dem Sänger, der einst in

der Kneipenszene von Brighton seine

ersten scheuen und zaghaften, vom

jovial-kommunikativen Vater sowie ein

paar Pints Lager forcierten, gesanglichen

Gehversuche machte,

ins Gesicht geschrieben.

Intensiv genug daran

gearbeitet hat er.

Aufgenommen

hat Rory das

Album

MUSIK

in Nashville, im Studio des Top-

Produzenten Mike Elizondo (Eminem,

Alanis Morissette). Dabei zeichnete

sich mehr und mehr ab, „dass wir die

Kurve in Richtung eines Gitarrenalbums

nehmen“. Der auf dem Debüt „Human“

noch prägende Blues-Anteil fällt jetzt

deutlich geringer aus. Dafür gesellen sich

Funk, ein wenig Gospel („Somewhere

Along the Way“) und eine gute Ladung

Pop (wie im hinreißenden Piano-Song

„Anywhere Away from Here“) stilistisch

hinzu. „Mit den extrem großartigen Musikern

in Nashville haben wir das Album

schließlich komplett live eingespielt“,

erzählt der Rag'n'Bone Man stolz. „Ich

wollte, dass es so roh und so ehrlich,

notfalls auch so unbequem ist wie nur

möglich.“ Roter Faden der Songs, so Rory,

seien seine „Sorgen und Zukunftsängste,

insbesondere jetzt als Vater“. Dass „Life

by Misadventure“ trotzdem insgesamt

fröhlicher und heiterer klingt als das

„Human“-Album, hat sogar schon

Grahams Mum festgestellt. „Sie hat mich

gelobt und gesagt, dass sie beim neuen

Album weniger geweint hat als beim

ersten.“

*Steffen Rüth

FOTOS: COLUMBIA RECORDS/SONY MUSIC


MUSIK

FOTO: EARMUSIC/TINA KORHONEN

COMEBACK

BONNIE TYLER:

Definitiv Bonnie

Die Waliserin mit der rauchigen

Mordsröhre, die jetzt ihr starkes

neues Album „The Best Is Yet to Come“

veröffentlicht, hat auch kurz vor ihrem

70. Geburtstag so rein gar nichts von ihrer

Lebensfreude eingebüßt. Im Gegenteil.

Dass sie nicht auf TikTok tanzen oder sich

auf Instagram im Bikini räkeln musste, um

ihre Popkarriere in den späten Siebzigern

anzuschieben, bereut Bonnie Tyler

nicht im Geringsten. „Wäre ich heute 19

und nicht 69, dann würde ich das Spiel

wahrscheinlich mitspielen, aber ich bin

froh, dass es bei mir damals noch auf die

althergebrachte Art funktionierte.“ Tyler,

die aus einer Kleinstadt in Wales stammt

und nach der Schule zunächst Make-up

und Klamotten verkaufte, bewarb sich

ganz klassisch und erfolgreich auf eine

Zeitungsannonce, in der eine junge Frau

als Harmoniesängerin gesucht wurde. An

sechs Abenden pro Woche sang sie, „oft

in Klubs für hart arbeitende Männer in

den Bingo-Pausen oder neben der Dartscheibe“,

so ziemlich alles – von Blues über

Rock bis zu Tanzmusik. Lange blieb ihre

Stimme nicht im „Verborgenen“, mit „Lost

in France“ gelang Bonnie in den späten

Siebzigern ihr erster Hit, der vor allem in

Deutschland zündete („Auf deutschen

Bühnen habe ich den letzten Rest meiner

Schüchternheit eingebüßt“). Was folgte,

war eine Weltkarriere mit unvergessenen

Hits wie „Total Eclipse of the Heart“ oder

„Holding Out for a Hero“. Bonnie Tyler war

im Grunde nie weg, dennoch erlebt die

kesse Britin in den letzten Jahren eine Art

Renaissance. Das Album „Between the

Earth and the Stars“ überzeugte 2019

unter anderem mit Duett-Partnern wie

Rod Stewart und Cliff Richard, auf ihrem

neuen Werk „The Best Is Yet to Come“

begeistert Bonnies kraftvolle Stimme ganz

im Alleingang. „Als ich den Titelsong hörte“,

so Tyler, „wusste ich sofort: ‚Das bin ich‘.

Überhaupt ist dieses gesamte Album total

und definitiv Bonnie. Ich habe es ganz kurz

vor Corona mit dem Produzenten David

Mackay aufgenommen. Der gute alte David.

Wir hatten schon 1978 ‚It’s a Heartache‘

zusammen gemacht. Und ich dachte die

ganze Zeit so: ‚Wahnsinn, ich fühle mich

wieder wie damals, wie mit 26‘. So frisch

und voller Enthusiasmus.“

Bonnies Lebenslust ist in den neuen Songs

nicht zu überhören und auch ihre Texte

kommen mitunter jugendlich ungestüm,

geradezu frivol daher. „Nicht wahr? Es geht

ganz schön zur Sache, in ‚Call Me Thunder‘

zum Beispiel. Ich hatte erst Bedenken,

ob die Nummer für eine fast 70-Jährige

nicht etwas zu wild und explizit sei. Mein

Produzent David meinte nur: ‚Quatsch, du

kannst das machen‘. Also singe ich über

das, was mein Mann und ich einst so am

Strand getrieben haben … und vielleicht

immer noch treiben (lacht). Wir sind noch

sehr lebendig, Darling.“ Das glaubt man

gern, zumal das Paar – Bonnie Tyler und

der Immobilienentwickler Robert Sullivan

sind seit 1973 verheiratet – immer noch

gerne Neues ausprobiert. „Im goldenen

Alter von 69 Jahren hat mein Mann mir

im vergangenen Sommer tatsächlich das

Schwimmen beigebracht“, prustet Bonnie.

Die beiden halten sich seit März 2020 ohne

Unterbrechung in ihrer Villa an der Algarve

auf, gehen viel spazieren oder kochen

gemeinsam, was man halt so macht in

Pandemiezeiten. „Aber irgendwann kam

der Punkt, an dem ich entschied: Ich will

das jetzt endlich lernen.“ Ins tiefe Wasser

traue sie sich noch nicht, gibt Bonnie zu,

und auch ins Meer wage sie sich nur so

weit vor, solange sie noch stehen kann:

„Es ist noch Luft nach oben. Ich habe jetzt

richtig Blut geleckt.“ *Steffen Rüth


MUSIK

POP

100 % Sia

Was für ein Cover! Sängerin

Sia veröffentlichte gerade ihr

achtes Studioalbum „Music

– Songs from and Inspired

by the Motion Picture“. Die

Albumankündigung der

neunfach Grammy-nominierten Multiplatin-Künstlerin wird

begleitet von der neuen Single „Hey Boy“, die Sia gemeinsam

mit Jesse Shatkin und KAMILLE schrieb und von Jesse

Shatkin produzieren ließ. Das Album umfasst insgesamt 14

Songs, die sowohl speziell für ihren kommenden Film als

auch inspiriert von dem Projekt geschrieben wurden.

CALIFORNIAN

SOIL

SOUL

Celeste „Not Your Muse“

Sie ist DIE Newcomerin

und ein Liebling der Kritiker,

Celeste. UK-Soul der

allerhöchsten Güteklasse!

Unsere Anspieltipps auf

dem grandiosen Album

„Not Your Muse“ sind „Ideal

Woman“ und „Some Goodbyes

Come with Hellos“. *rä

DAS NEUE ALBUM | AB 9. APRIL 2021

ALS CD, VINYL ODER DELUXE-SET

IM HARDCOVER-BOOK

POP

Wieder da: Zara Larsson

„Poster Girl“ lautet der

Name des neuen Albums

der stimmstarken Schwedin,

die auch schon unser Cover

zierte und zusammen mit

der queeren Band Clean

Bandit einen Welthit landete:

„Symphony“. Jetzt meldet

sie sich endlich zurück

und begeistert mit großer

Stimme und eingängigen Melodien. Ein grooviger Beweis,

dass Schweden Popmusik im Blut haben. Unser Anspieltipp

ist „Talk About Love“. *rä

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exquisite gay matchmaking

TIPP

SG Lewis und Nile Rodgers

Der Künstler hinter Klassikern

wie „Good Times“, „Like

a Virgin“ und „Get Lucky“,

Nile Rodgers, räumt gerade

mit einem eigenen Klassiker

als Remix in den Charts ab

(„Everybody Dance“ mit

Cedric Gervais x Franklin),

hatte aber auch Lust auf

NEUES. Also tat er sich

mit Newcomer SG LEWIS zusammen. „One More“ ist eine

gelungene Zusammenarbeit mit dem Ausnahmetalent,

dessen Album „times“ gerade erschienen ist. Das Werk, auf

dem auch Robyn zu hören ist, wurde mit einem Streaming-

Event präsentiert. *rä

Er sucht Ihn mit Niveau

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MUSIK

NACHGEFRAGT

BIRDY: BITTERSÜSS

Die Engländerin mit den

schönen Piano-Popsongs wie

„People Help The People“ ist nach

fünf Jahren und einer kleinen Lebensund

Liebeskrise zurück – mit dem

an Melancholie wie Melodie reichen

vierten Album „Young Heart“.

Jasmine Lucilla Elizabeth Jennifer van den

Bogaerde, kurz Birdy, bibbert. Am Vortag

erst ist die Pop-Singer/Songwriterin von

einem ausgedehnten Aufenthalt in ihrem

Elternhaus im südenglischen New Forest

bei Southampton in ihre Wohnung im

Stadtteil Notting Hill zurückgekehrt, und

schon gibt es Ärger: In London flockt

ausnahmsweise ein wenig Schnee und in

Birdys Butze ist die Heizung ausgefallen:

„Eigentlich sollte der Techniker schon vor

einer Stunde gekommen sein. Ich muss

wohl noch mal dort anrufen“, echauffiert

sich die 24-Jährige, angesichts der

Umstände durchaus noch recht mild.

„Dann gehe ich so lange einkaufen, denn

der Kühlschrank funktioniert zwar, ist aber

leer.“ Birdy hat die Pandemie weitgehend

bei der Familie ausgesessen, mitten in der

Natur und nicht weit entfernt vom Meer.

Das neue Album „Young Heart“ ist schon

seit geraumer Zeit fertig und so widmete

sich die Künstlerin zuletzt vorwiegend der

Malerei und dem Müßiggang. Die Kontemplation

hat sich die überwiegend am Piano

komponierende Künstlerin auch verdient:

Im zarten Alter von 14 Jahren gelang Birdy

mit einer sehr hübschen Version von Bon

Ivers „Skinny Love“ der internationale

Erfolgsdurchbruch – „und in all den Jahren

danach hatte ich kaum je eine wirkliche

Pause vom Musikgeschäft“. Auch gab

es da vor einigen Jahren diese nicht so

schöne Trennung,

die Birdy nicht nur

ziemlich mitgenommen,

sondern ihr auch

den Stoff für „Young

Heart“ geliefert hat:

„Wenn ich in sehr

starken emotionalen

Turbulenzen stecke,

dann kann ich

mich nicht sofort

hinsetzen und darüber

schreiben. Ich brauche

immer einen gewissen

Abstand, um alles zu verarbeiten und

mich dann ans Piano zu setzen und die

Schleusen zu öffnen.“

Das Ende der bisher größten Liebe ihres

noch jungen Lebens verarbeitete Birdy in

aller Intensität. In der aktuellen, melodisch

mitreißenden Single „Surrender“ versucht

sie zu verstehen, was schiefgelaufen ist,

und im Titelsong, Birdys Lieblingsstück

der Platte, räumt sie ein, ihren Ex-Freund

trotzdem noch zu lieben. „Der Song ist

sehr bittersüß. Eigentlich ist das ganze

Album sehr bittersüß. Man kann den

anderen bewusst zurücklassen und ihn

dennoch furchtbar vermissen. Nicht jeder

Konflikt lässt sich einfach so auflösen.“

Zum Schreiben der neuen Lieder, die im

Vergleich zu den Songs ihres letzten, recht

knallig und plakativ-poppigen Albums

„Beautiful Lies“ deutlich zurückhaltender,

roher und intimer klingen (und in ihrer

melancholischen

Verletzlichkeit ein wenig

an die zwei jüngsten

Taylor-Swift-Alben

erinnern), begab sich

Birdy mehrmals nach

Los Angeles. In ihrem

Quartier – einem alten

Haus in der etwas abgelegenen,

aber doch nur

zwanzig Autominuten

vom Meer entfernten

Hippie-Enklave Topanga

Canyon – hörte Birdy

sehr viel Joni Mitchell, was auf „Young

Heart“ einen ebenso unüberhörbaren wie

angenehmen Einfluss ausgeübt hat.

Dass mit „Loneliness“ und „Deepest

Lonely“ auf dem neuen Album gleich zwei

Songs über die Einsamkeit zu finden sind,

könnte Anlass zur Sorge um dieses junge

Herz geben, muss es aber nicht: „Das sind

eher Liebeslieder an die Einsamkeit. Ich bin

gerne allein und genieße es, in fremden,

exotischen Städten umher zu driften

und manchmal ein bisschen verloren zu

gehen.“ *Steffen Rüth


HOUSE/DISCO

Horse Meat Disco & Dua Lipa

Vor einigen Wochen erschien

„Future Nostalgia / Club

Future Nostalgia“ von Dua

Lipa. Darauf findet sich auch

ein Remix der queeren Disco-

Größen von „Horse Meat

Disco“ und natürlich der Hit

mit Madonna.

Lohnt es sich denn? Ja! Denn

die 2CD-Version des Albums

„Future Nostalgia / Club Future

Nostalgia“ / das Vinyl-Remix-

Album „Club Future Nostalgia“

bringt dir alle aktuellen Hits

(„Hallucinate“ ...) der Sängerin

und zudem ausgefallene und

genreübergreifende Remixe

angesagter DJs und Producer.

Unsere Anspieltipps sind

„Love Again (Horse Meat Disco

Remix)“, „Boys Will Be Boys

(Zach Witness Remix“, „Levitating

(The Blessed Madonna

Remix) [feat. Madonna & Missy

Elliott]“ sowie „Physical (Mark

Ronson Remix) [feat. Gwen

Stefani]“. Ein klasse DJ-Mix,

der dein Zuhause zum Studio

54 macht. Hui!

ÜBER HORSE MEAT DISCO

Seit 2009 bereicherte die

Disco- und High-Energy-Party

Horse Meat Disco das Partyleben

Berlins. Ursprünglich

gestartet ist die queere Party

mit dem Fokus auf Klubmusik

der 1970er- und 1980er-

Jahre (also eher kein ABBA,

dafür Patrick Cowley) im Jahr

2003 in London. Während der

noch andauernden Corona-

Pandemie erschien unlängst

auch eine eigene Platte („Love

And Dancing“) der queeren

Bartjungs. *rä

AB DEM 26. FEBRUAR

ERHÄLTLICH ALS CD JEWELCASE UND DIGITAL

MUSIK

CHILL-OUT

„Let’s get happy and let’s be gay“

Endlich kann man mal den Refrain

dieser Eurovision-Song-Contest-

Perle aus dem Jahr 2003 verbraten.

Und so platt er auch ist, dieser Pop-

Schlager von Lou und Ralph Siegel

trägt eine kleine Weisheit in sich.

Sei glücklich.

Immerzu darüber nachzudenken, dass man auf Kurzarbeit

ist, dass die Kosten steigen, dass Freunde um ihre Existenzen

bangen, dass man seine Liebsten nicht sehen kann, das

macht Angst. Und Angst lähmt. Stattdessen sollte man es

zulassen, sich bewusst dazu motivieren, das Schöne im kleinen

Normalen zu sehen. Das kleine Glück im Alltag eben. Das kann

ein Spaziergang im Park sein (Enten dabei bitte nicht füttern,

Brot ist nicht gut für sie und die angelockten Ratten fressen die

Reste am Ufer und vermehren sich ...), ein gutes Buch, Yoga, ein

Treffen unter freiem Himmel mit einem lieben Menschen oder

auch eine Pizza mit dem/der Liebsten.

Und Musik. Ganz egal ob Pop, Dancefloor, Rock oder auch Chillout,

Hauptsache du schaltest mal ab vom Stress. Wer entspannt

ist, hat weniger Angst, sieht die Perspektiven im Dickicht der

Anforderungen und Erwartungen, entdeckt das versteckte

Gute im Dschungel der Corona-Pandemie-Regeln. Der Musiker

Liam Thomas veröffentlichte unlängst sein aktuelles Stück

„Goodbye“ beim Schwarzwälder Label SINE MUSIC. Ein sehr, sehr

gechilltes Musikstück mit entspannten Pianoklängen und einem

unaufdringlichen Dance-Beat. Weniger hämmernd als damals bei

Robert Miles, aber nicht weniger antreibend. Und ein bisschen

Antrieb in der Corona-Angststarre tut doch gut, oder? *rä

www.sine-music.com


MUSIK

FOTO: ALEX WAESPI

NACHGEFRAGT

LONDON GRAMMAR:

„Ich lege nicht allein den künstlerischen Kurs fest“

Die Sängerin Hannah Reid ist

erfreulich unprätentiös. Für das

Video-Interview hat sie sich

nicht großartig gestylt. Sie sitzt

ganz lässig in Jeans und Sweatshirt bei

sich zu Hause in London und redet völlig

unaufgeregt über das neue Album ihrer

Band London Grammar, das „Californian

Soil“ heißt.

Alle Songs seien bereits vor der Pandemie

entstanden, erklärt sie. Somit greifen sie

keine Themen wie Isolation in Zeiten von

Corona auf, sondern rücken Feminismus

in den Mittelpunkt. Das kommt nicht von

ungefähr – Hannah Reid will als Frau im

Musikgeschäft endlich ernst genommen

werden. Deswegen hat sie sich zur

Bandleaderin erklärt. Wie haben der Gitarrist

Dan Rothmann und der Keyboarder Dominic

„Dot“ Major darauf reagiert? „Sie verstanden

sofort, worum es mir geht“, sagt die Britin.

„Ich möchte mehr Respekt von außen

bekommen.“ Das habe an den internen

Strukturen allerdings nichts geändert: „Ich

lege nicht allein den künstlerischen Kurs

fest. Als Gruppe setzen wir nach wie vor auf

Demokratie.“

Das zeigt sich zum Beispiel an dem Stück

„Talking“, das ursprünglich für die letzte

Platte „Truth Is a Beautiful Thing“ vorgesehen

war. Es machte damals nicht das

Rennen, weil es zu wenig Single-Potenzial

hatte. Damit konnte sich Hannah Reid aber

nicht abfinden. Sie kramte die Demoversion

wieder hervor und entschied einvernehmlich

mit ihren beiden Mitstreitern, diese Nummer

zu vollenden. „Den Klavierpart hat Dot

tatsächlich binnen weniger Sekunden

komponiert“, schwärmt

Hannah Reid. „Er ist wirklich

ein unglaublicher Pianist.“

Das Ergebnis kann sich

durchaus hören lassen:

„Talking“ verzaubert als

hinreißende Ballade. „Als

ich den Text schrieb“, führt

Hannah Reid aus, „war ich

irgendwie paranoid. Ich

brauchte nach zahlreichen

Auftritten jemanden, der mich erdete.“

So entstand ein Liebeslied, in dem die

31-Jährige ihre Bedürfnisse auf den Punkt

bringt. Bei ihr kommt Feminismus eben eher

auf Samtpfoten daher. Mal offenbart sie

ihre Sehnsüchte, mal sagt sie emotionalem

Missbrauch in einer Beziehung den Kampf

an, der Titelsong „Californian Soil“ wiederum

handelt davon, die Kontrolle über das eigene

Leben zu gewinnen. Wenn sich Hannah

Reids glasklarer Gesang bei diesem Lied

über sphärischen Trip-Hop legt, klingt das

traumhaft schön.

So pendeln London Grammar immer wieder

zwischen handgemachter Musik und elektronischen

Passagen. Bei „Missing“ vereinigen

sich pluckernde Beats mit Streichern.

Inhaltlich tanzt diese Nummer jedoch ein

bisschen aus der Reihe. Sie erzählt davon,

wie sich einige Musiker*innen im Sumpf aus

Drogen und Alkohol verlieren. „Als ich mir

Dokumentationen über Amy Winehouse,

Whitney Houston oder Avicii

ansah, habe ich geweint“,

offenbart Hannah Reid. „Ihre

Schicksale sind absolute

Tragödien.“ Sie selbst

scheint zum Glück nicht

Gefahr zu laufen, aus der

Spur zu geraten: „Während

einer Tournee würde ich

mich niemals betrinken.

Ich hätte Angst davor, dass

ich verkatert gar nicht meine volle Leistung

abrufen könnte.“

Apropos touren: Vermisst Hannah Reid

im Moment das Unterwegssein? Jein –

einerseits hat sie sich daheim ziemlich gut

eingerichtet, andererseits fehlen ihr die Fans:

„Ich sehne mich danach, mich emotional

mit Menschen zu verbinden, denen unsere

Musik wichtig ist.“ Dabei leidet sie vor

einem Konzert stets unter furchtbarem

Lampenfieber: „Ich habe zumindest die

leise Hoffnung, dass es mir vor zukünftigen

Gigs etwas besser gehen wird. Einfach weil

ich mit unserem neuen Album so glücklich

bin, dass das mein Selbstvertrauen stärkt.“

*Dagmar Leischow


NACHGEFRAGT

MUSIK

CHRISTOPHER Lund Nissen –

„die Welt zu einem besseren Ort machen“

Es dürfte schwerfallen,

Christopher Lund Nissen,

der sich als Sänger einfach Christopher

nennt, nicht zu mögen.

Souverän eröffnet er beim Video-

Interview das Gespräch, während

er sein Auto einparkt. Der Däne

ist wegen seines Umzugs gerade

ziemlich im Stress, zudem erwartet

seine Frau, das Model Cecilie

Haugaard, in wenigen Wochen ihr

erstes gemeinsames Kind.

Doch der 29-Jährige verliert trotzdem

nicht die Fassung, das ist wohl seiner

skandinavischen Gelassenheit geschuldet.

Hochkonzentriert redet er über sein

neues Album „My Blood“, dessen Namen

er mit Bedacht gewählt hat. Nach den

beiden Vorgänger-Alben „Closer“ und

„Under the Surface“ machte es für ihn

einfach Sinn, seine Fans noch näher an

sich heranzulassen: „Meine Stücke sind

jetzt persönlicher als jemals zuvor.“ Den

Titelsong hat er zum Beispiel seinem

Bruder gewidmet, um ihm zu zeigen, dass

Wasser dicker ist als Blut: „Was auch passiert,

ich werde immer für meinen Bruder

da sein“, verspricht Christopher. „Für ihn

bin ich überall lediglich einen Telefonanruf

entfernt.“

Solche Aussagen verpackt Christopher

in extrem eingängigen Pop mit elektronischen

Akzenten. Die Medien haben ihm

längst den Stempel „dänischer Justin

Biber“ aufgedrückt, ebenso suggeriert

seine äußere Erscheinung – blond,

schlank, gutaussehend – eine Verwandtschaft

mit dem US-Teenie-Star. Wie

Biber hat auch Christopher überwiegend

weibliche Fans, zumindest in Dänemark:

„In meiner Heimat kommen zu 80 Prozent

Mädchen zu meinen Auftritten.“ In

Peking dagegen vergöttert ihn die Gay-

Community: „Als ich dort ein Konzert gab,

war die Hälfte des Publikums männlich.

Meine chinesische Promoterin erklärte

mir daraufhin, ich sei bei Schwulen halt

beliebt.“ Solche Momente genießt der

gebürtige Kopenhagener, klar. Trotzdem

hat er nie den Bezug zur Realität verloren.

Er beobachtet kritisch, was um ihn herum

passiert. Mit der Ballade „Aiming“, die

er teilweise im Falsett singt, plädiert er

dafür, sich höhere Ziele zu stecken. Es

nervt ihn, wenn sich die Menschen vom

scheinbar perfekten Leben anderer auf

Instagram blenden lassen. „Es stimmt

nicht, dass das Gras auf der anderen Seite

immer grüner ist“, ereifert er sich. „Gras

grünt dort, wo man es wässert.“ Was er

damit meint: „Jeder sollte sich selbst im

Spiegel anschauen und sich fragen, wie er

die Welt zu einem besseren Ort machen

kann.“ Als Botschafter für die World Child

Cancer Foundation geht Christopher mit

gutem Beispiel voran. Mit dem Roten

Kreuz reiste er nach Syrien, um sich ein

Bild von der Situation vor Ort zu machen.

„Abgesehen davon versuche ich, ein guter

Sohn, Freund und Ehemann zu sein. Ich

will positive Energie ausstrahlen.“ Auch

der Klimawandel liegt ihm sehr am Herzen:

„Bereits in der neunten Klasse habe

ich eine längere Hausarbeit über die

globale Erwärmung geschrieben.“

Doch der

Klimaschutz

sollte nicht sein einziges Steckenpferd

bleiben. Als Christopfer zwölf war,

schenkte ihm seine Großmutter eine

Gitarre. Wie ein Besessener spielte er von

da an das Instrument bei sich zu Hause

in einem Kopenhagener Vorort, wo er sich

vor Kurzem ein eigenes Haus gekauft hat.

Den Talentwettbewerb in seiner Schule

gewann er gleich dreimal in Folge. Mit 15

begann er, eigene Songs zu schreiben. Mit

17 bekam er seinen ersten Plattenvertrag:

„Das war für mich ein Paradigmenwechsel.

Zum ersten Mal glaubte ich ernsthaft

daran, mit meiner großen Leidenschaft

Musik wirklich Geld verdienen zu können.“

*Dagmar Leischow


MUSIK

TIPP

FOTOS: JULIAN BURGUENO

MADISON BEER:

Autoaggression und Kunst

Die sozialen Medien sind für

Madison Beer wohl gleichermaßen

Fluch und Segen. Einerseits

entdeckte Justin Bieber ihre Version

von Etta James‘ „At Last“ bei You-

Tube und teilte sie auf Twitter. Das

bracht der Amerikanerin nicht nur

ungeheure Aufmerksamkeit, mit

Biebers Hilfe ergatterte sie gleich

ihren ersten Plattenvertrag.

Andererseits wird die Sängerin bei

Instagram oder TikTok – das Videoportal

hat sie inzwischen von ihrem Mobiltelefon

gelöscht, aus Selbstschutz – immer

wieder gemobbt. Sie sei zu schön, heißt

es zum Beispiel. Da habe sie wohl ein

bisschen nachgeholfen... Dabei sollte

man die volle Aufmerksamkeit lieber

auf ihre Musik richten, die 22-Jährige ist

nämlich ausgesprochen talentiert. Den

Beweis dafür liefert ihr Debütalbum.

Nicht ohne Grund nannte sie es „Life

Support“: Die kreative Arbeit am Album

war quasi der Rettungsanker, als Madison

Beer durch eine ziemlich dunkle Zeit ging.

Ihre Beziehung zerbrach, bei ihr wurde

eine Borderline-Persönlichkeitsstörung

inklusive Stimmungsschwankungen und

Autoaggressionen diagnostiziert, zeitweilig

hatte sie sogar Selbstmordgedanken, wie

sie in einem Interview mit dem Magazin

„The Face“ offenbarte.

Um dieses Tief zu überwinden, entschied

sich die auf Long Island geborene

Musikerin, die heute in Los Angeles lebt,

für eine Psychoanalyse. Dreimal pro

Woche ging sie zur Therapie und setzte

sich mit ihren tiefsten Empfindungen

auseinander, das half ihr, sich selbst besser

zu verstehen. Davon profitierte sie nicht

nur als Mensch, sondern auch

als Künstlerin. Madison Beer

begann, gnadenlos ehrliche

Lieder zu schreiben. In

der melancholischen

Ballade „Selfish“

bereut sie, sich auf

ihren egoistischen Ex

eingelassen zu haben.

„I bet you thought you

gave me real love“, singt

sie. „But we spent it all in

nightclubs.“ Im sphärischen

„Stained Glass“ offenbart sie ihre

Dünnhäutigkeit, der Satz „My skin is

made of glass“ spricht Bände. „Effortless“

pirscht sich ebenfalls auf Samtpfoten an.

In diesem Titel zieht Madison Beer die

Option in Betracht, den fiesen Schmerz

mit Tabletten zu betäuben. Wen diese

Stücke nicht berühren, der muss aus Stein

gemeißelt sein.

Offenheit ist das Charakteristikum, das

Madison Beer so unverwechselbar macht.

Sie setzt sich mit ihrem (Welt-)Schmerz

von der Konkurrenz im Mainstream-

Pop ab, hat aber ganz offensichtlich

auch nichts gegen ein bisschen Spaß

einzuwenden. „Baby“ – eine Harfe liefert

das Intro, kein Witz! – lockt mit groovigen

R'n'B-Beats auf den Dancefloor. „I look too

good to be in this bedroom without someone

to touch me like you do“, flötet die

Sängerin, die in diesem Song ausnahmsweise

die laszive Verführerin gibt.

Sie fühlt sich attraktiv und

selbstbewusst, das hört

man.

Das basslastige

„Follow the White

Rabbit“ wirkt

dagegen dunkel

und beängstigend,

fast schon

gespenstisch. So

nimmt Madison Beer

ihre Hörerschaft mit

auf eine Achterbahnfahrt

der Gefühle. Düsternis statt

Party. Längst hat sie weit mehr zu

bieten als ihr 13-jähriges Alter Ego, das

Coversongs bei YouTube einstellte. Wer

weltweit mehr als drei Milliarden Streams

verzeichnen kann – ein Drittel davon für

die EP „As She Pleases“ (2018) –, der

ist auf dem Weg nach ganz oben. 2019

übernahm Madison Beer die komplette

Kontrolle über ihr kreatives Umfeld.

Sie schreibt und produziert ihre Lieder

selbst. Mit diesem Konzept dürfte diese

unglaublich talentierte Künstlerin künftig

für Furore sorgen. *Dagmar Leischow


COMEBACK

Amanda Lear „More“

Amanda Lear kündigt für den

Frühling ein neues Album an:

„More“. Es ist das erste Studioalbum der

queeren Sängerin seit „Let Me Entertain

You“ 2016.

In ihrer seit Jahrzehnten andauernden

Karriere hat Amanda Lear musikalisch

schon so ziemlich alles ausprobiert:

Disco, Eurodance, Balladen, Pop-Rock

und auch House. Und nicht nur in der

Musikwelt war die ewige Schönheit

vielseitig interessiert.

Amandas Karriere startete in den

1960ern als Model (sie lief während

ihrer aktiven Zeit unter anderem für Karl

Lagerfeld und Jean Paul Gaultier), etwa

in der selben Zeit traf Amanda Lear auf

den Maler Salvador Dalí und wurde seine

Muse. Bis heute malt sie hoch gehandelte

Werke. Ihren großen Durchbruch

hatte Amanda dann als Sängerin von Hits

wie „Queen of China-Town“ (Platz 2 in

Deutschland), „Tomorrow“ (Platz 1 in ihrer

Wahlheimat Italien), „Love Your Body“

(Top 30 Belgien) und natürlich „Follow

Me“ (ein europaweiter Top-10-Hit). Seit

den 1980ern konzentrierte sie sich vor

allem auf ihre TV-Karriere, veröffentlichte

aber sporadisch Musik, die auch immer

irgendwo auf der Welt chartete. Wir

sind gespannt, wie das neue Album

klingen wird, vorab zu hören gab es bei

Redaktionsschluss noch nichts. *rä

www.amandalear.com

ROCK

Die Könige sind zurück

Lange mussten wir auf ein neues Album der

Kings of Leon warten, im März ist es soweit:

„When You See Yourself“ erblickt das Licht der

Welt. Einmal mehr beweist das Quartett dabei,

dass es sich weder scheut, Genres zu mischen,

noch große Melodien mit harten Texten zu paaren.

Unsere Anspieltipps sind „100,000 People“

und „The Bandit“. *rä

POP

„Anders als geplant“ von

Marcella Rockefeller

Deutschlands musikalischste Dragqueen,

veröffentlicht im März ihr erstes

Album „Anders als geplant“.

Für Marcella waren Peter Plate und Ulf

Sommers Kompositionen (Rosenstolz)

der Soundtrack ihrer Jugend und für

Peter Plate war Marcellas Stimme und

ihre zutiefst menschliche Haltung so

bewegend, dass aus einem geplanten

Abenteuer für ein Lied nun ein ganzes

Album entstand.

Aufgenommen zwischen wiederkehrendem

Lockdown in Köln, Hannover

und Berlin, eingespielt von fantastischen

Musikern voller Spielfreude, entstand

ein Klang zwischen Rio Reiser,

Carole King und dem Augenzwinkern

einer Lady Gaga. Marcella singt nicht

nur – sie bettelt, fleht, seufzt, schreit

und immer geht es um alles.


KUNST

NACHGEFRAGT

Marcus Günthers „Muster“

Im Frühling stellt der Düsseldorfer

Künstler seine Linolschnitte in der

Ausstellung „Muster“ aus. Wie der Name

der Ausstellung schon verrät, setzt sich

der 1967 Geborene darin mit „der Begrifflichkeit

des Musters im weitesten Sinne“

auseinander. Wir fragten nach.

Was schätzt du am Linolschnitt?

Ich schätze die expressive Intensität, die

durch unterschiedliche Bearbeitungsmethoden

in der Linolplatte entstehen kann.

Durch die scharf kontrastierenden Flächen

kann ich mithilfe des Linolschnitts einen

comichaften gesteigerten scheinbaren

Realismus schaffen, der meine Bild-

Behauptung unterstreicht, und das macht

den Linolschnitt für mich als Ausdrucksform

attraktiv.

Ist er dir gerade als Ausdrucksform

sogar lieber als die Malerei?

Der Linolschnitt ist nur einer meiner

künstlerischen Formulierungen; es ist eben

nur eine andere, aber beide Ausdrucksformen

beeinflussen sich immer auch

gegenseitig.

Du machst auch mitunter recht

explizite Kunst, geht das immer

problemlos?

Das geht nicht immer problemlos, aber

meine Aufgabe als Künstler ist es eben,

den Betrachter mit meinen Darstellungen

zu konfrontieren, Fragen aufzuwerfen und

zum Nachdenken anzuregen.

Wie betrifft dich als Künstler die

Pandemie gerade?

Außer einer geplatzten Ausstellung infolge

des Lockdowns und den damit weggebrochenen

Verkaufseinnahmen betrifft mich

diese Pandemie nicht – ich arbeite weiter

wie bisher. Ich mache mir aber ernsthafte

Sorgen um die Vielfalt von Kunst und Kultur.

Mitzuerleben, wie ein systemrelevanter

Bereich von der Politik vernachlässigt wird,

ist in unserer sogenannten Kulturnation

beschämend.

*Interview: Michael Rädel

5. – 20.3., Marcus Günther „Muster“,

Atelier MG, Prinz-Georgen-Str. 40,

Düsseldorf


BILDBAND

WOLFGANG TILLMANS –

30 Jahre in einem Band

„Das erste Buch entstand aus einer

wissenden Unschuld heraus. Ich betrachtete

das Leben um mich herum mit der

Leidenschaft, unabhängig zu sein.“

Die Zeit der Jahrtausendwende ist uns

immer noch sehr präsent, etwa durch

weiterhin im Radio laufende, inzwischen

zu Evergreens gewordene Elektro-Pop-

Nummern, durch beständig populäre

Serien wie „Sex and the City“ oder damals

extremst populäre Stars wie Britney

Spears. Und in der TV-Landschaft gehört

nun das fest dazu, was damals Neuland

war: Trash-TV mit leidlich bekannten

Menschen. Eine spannende Zeit, die auch

von der Kunstwelt begleitet wurde. Bei

Wolfgang Tillmans war es die Kamera, die

ihm half, diese Phase als Kunst festzuhalten,

aber auch zu inszenieren, denn nicht

immer, wenn ein Bild aussieht wie ein

Schnappschuss, ist es einer.

Beim TASCHEN Verlag erschien anlässlich

des 40. Geburtstags des Verlags gerade

der Band „Wolfgang Tillmans. four

books – 40th Anniversary Edition“, der

seine bisherigen Bücher im ursprünglichen

Layout, aber ergänzt zusammenfasst.

„Mein Anspruch ist es, Bücher zu

machen, die von den unterschiedlichsten

Menschen in verschiedenen Ländern

mit ihren eigenen Augen gelesen und

aufgenommen werden und die es ihnen

ermöglichen, Bezüge zu ihrem eigenen

Leben herzustellen. Diese Bezüge finden

sich vielleicht nicht in jedem einzelnen

Bild, aber wenn ein Betrachter nachvollziehen

kann, wie etwas riecht, oder eine

Vorstellung davon bekommt, wie sich

etwas anfühlt, dann bin ich glücklich. Das

ist es, was letztlich Kunst ausmacht: unter

den Menschen ein Gefühl von Solidarität

zu erzeugen“, so der Künstler in einem

schriftlichen Interview mit dem Verlag.

Warum eine Art Remix seiner Bücher?

„An manchen Stellen habe ich Bilder

von damals eingefügt, und manchmal

konfrontiere ich ein neues Foto mit einem

20 Jahre alten, wie das Porträt von Neneh

Cherry aus dem Jahr 2018, deren Musik

ich wiederum 1993 viel gehört habe. Auch

die letzten Jahre bis 2020 sind vertreten,

sodass das Buch auch einen klaren Bezug

zur Gegenwart aufweist“, erklärt Tillmans.

Eine fotografische Zeitreise von den

1990ern bis in die Corona-Twenties.

Porträts von Freunden und Stars,

Alltagssituationen und Momente, die jetzt

vor allem mit ihrem Retro-Touch berühren,

einfach wunderbar. *rä

„Wolfgang Tillmans. four books –

40th Anniversary Edition“,

www.taschen.com


BUCH

RATGEBER

Freude trotz Sorgen

und Homeoffice

Die queeren Safe Spaces, die Klubs, die Bars, die Fitnessstudios

sind geschlossen, das Community-Leben ist runtergefahren,

jetzt zählen private Kontakte, Freundschaften und auch die Familie,

um nicht den Lebensmut zu verlieren.

FOTO: M. RÄDEL

Auch die Arbeitswelt

hat sich verändert: Statt

früherer relativer Sicherheit

geht nun die Angst um, den

Job zu verlieren. Und auch

wer eine sichere Arbeit hat,

muss im Homeoffice oder in der

Quarantäne auf lieb gewonnene

Bekannt- und Freundschaften im

Büroalltag verzichten. Man tippt und

telefoniert zu Hause vor sich hin, statt

zwischendurch mal einen kleinen Schwatz

mit dem Kollegen als Hirnentspannung

genießen zu können. Zumindest kann

man dann aber hoffen, dass es bald wieder

ein „neues Normal“ geben wird, dass man

wieder zusammen arbeiten und auch Spaß

und Austausch haben kann. Live, nicht nur

digital oder mit Abstand.

Was aber, wenn der Vorruhestand in greifbare

Nähe gerückt ist? Oder wenn man

das Arbeitsleben beendet hat? Wer keine

Haustiere hat, die neben all den kommenden

Arztbesuchen für einen geregelten

Tagesablauf sorgen, der hat vor allem

eines: Zeit. Viel Zeit. Keine Verpflichtungen,

aber auch weniger bis keine Kontakte.

Und immer ausschlafen ist auch keine

Lösung! Genau dieser Thematik nahm sich

Prof. Axel Beyer, Jahrgang 1950, in seinem

neuen Buch „Immer ausschlafen ist auch

keine Lösung“ an. Es sei ein „herzlich

gelassener Ratgeber über das Leben im

Ruhestand“, so der veröffentlichende

Verlag. Der Autor verrät augenzwinkernd:

„Seien Sie heiter, haben Sie Freude. Und

lassen Sie sich nicht ärgern, sondern ärgern

Sie zurück.“ In 28 Betrachtungen bereitet

uns der Autor auf den unausweichlichen

letzten Lebensabschnitt vor. Mit einer

Prise Witz, viel Wissen und viel Erfahrung.

„Der Kindergarten bereitet uns auf die

Schule vor, die Schule auf die Ausbildung,

die Ausbildung auf den Beruf. Und wer

bereitet uns auf die dritte Lebenshälfte

vor, auf den Ruhestand?“

Axel Beyer begann als Schauspieler und

Regisseur, 1983 wechselte er zum Fernsehen

und blieb diesem Medium in leitenden

Positionen beim SFB, dem WDR und dem

ZDF bis 2009 treu. Als Programmdirektor

der Endemol Deutschland Holding

und als Chefproducer bei Kirch Media

Entertainment prägte er auch den privaten

Fernsehsektor. Der Buchautor ist Leiter

der Media School Köln an der Hochschule

Fresenius. Sein Buch „Immer ausschlafen

ist auch keine Lösung – Aufheiterungen

für die dritte Lebenshälfte von A bis Z“ von

Prof. Axel Beyer ist über 130 Seiten stark

und beim Verlag tredition erschienen. *rä

BILDBAND

Das Buch zum Tom

Der bekannte Fotograf Henning von Berg

ist einer der Männer, die an dem neuen

Buch über DEN „Leder-Fetisch-Zeichner“

überhaupt beteiligt sind.

Das Buch „Made in Germany – Tom of

Finland“ konzentriert sich auf die besondere

Beziehung von Tom of Finlands beispielloser

Karriere in einer damals noch extrem

homophoben Welt und Deutschland.

Zudem ist es eine Art Richtigstellung, wie

Henning von Berg verrät: „Frühere Bücher

hatten einfach immer falsche Informationen

aus früheren Veröffentlichungen kopiert

und eingefügt. Aber falsche Behauptungen

und falsche Schlussfolgerungen werden

durch wiederholte Wiederholungen nicht

wahrer“, so der Künstler. „Für diesen

brandneuen Band forschten die Kuratoren

Juerg Judin und Pay Matthis Karstens und

ihr hoch motiviertes Team in verschiedenen

Städten. In Privatsammlungen fanden sie

verschiedene Kunstwerke, von denen angenommen

wurde, dass sie verloren gingen.

Bisher unbekannte Fakten über Toms frühe

Werke und seine allererste Ausstellung im

Revolt Shop wurden korrigiert. Gerüchte und

Wahrheiten über das, was 1976 in Hamburg

geschah, können nun endlich plausibel

erklärt werden.“ Ein wichtiges Buch, ein

erotisches Kunstbuch und zudem ein ganz

wunderbares Geschenk. *rä

Das Buch „Tom of Finland – Made in

Germany“ ist 200 Seiten stark und

25 x 30 x 26 cm groß.

www.galeriejudin.com


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BUCH

BILDBAND

Glieder, Schwänze, Dödel. Kunst!

Rund 100 erigierte Glieder sind in dem außergewöhnlichen

Bildband „Human Behind the

Penis“ äußerst kunstvoll und nicht pornografisch

versammelt.

Jonas Norén nährte sich dem „besten Stück“

des Mannes mit Raffinesse und ohne falsche

Scham, herausgekommen ist ein Buch, für das

man sich nicht schämen muss. „Indem das

Buch eine Vielfalt von Penissen zusammen mit

ihrer eigenen, sehr persönlichen Geschichte

zeigt, schafft es ein sehr intimes Gefühl und

trägt dazu bei, das Selbstwertgefühl bei denen

zu stärken, die sich in Bezug auf ihre eigenen

Penisse unsicher fühlen“, verrät der Künstler

über den Band. „Human Behind the Penis“ sei

„ein wunderschönes und verschwenderisches

Fotobuch, das als Vorbild für diejenigen

dienen soll, die in Körperkunstfotografien

im Allgemeinen nicht dargestellt werden“.

Denn außerhalb der Welt der Vollerotik ist der

steife Schwanz selten zu sehen. Meist soft,

im Schatten oder verdeckt – das männliche

Geschlechtsteil ist nicht gerade im Fokus der

Kunstwelt, ganz anders als die weibliche Brust,

ganz anders, als es etwa in der Antike üblich

war. „Mit dem Buch wollte ich viele verschiedene

Arten von erigierten Penissen zeigen, die

alle auf ihre Weise schön sind“, so Jonas Norén.

Es geht aber nicht nur um das Glied!

Der Schwede arbeitete seit 2015 an dem

Buch, reiste nach Spanien, Dänemark,

Deutschland und auch in die USA. Sein Buch

erzählt Geschichten von Männern, die auch

Schweres erlebt haben. Sie bleiben aber

anonym. Fast. *rä

www.humanbehindthepenis.com

ROMAN

Paolo, der Empath

Ein packendes und auch sexuell aufgeladenes

Buch, das sich nur an Erwachsene

richtet. Science-Fiction-Krimi mit starker

Erotik, die durch Worte, nicht durch Bilder

erzeugt wird.

„Meine Geschichten enthalten Elemente aus

(Hard) Science Fiction, Krimi, Thriller, Wissenschaft

und klassischem Liebesroman“, so

Mike Gorden über seine Kunst und sein Buch

„EMPATH“. Erzählt wird von Paolo Costa (19),

der einst von Martin aus einer psychiatrischen

Klinik befreit wurde und seitdem für seinen

Befreier als Escort arbeitet. Was Paolo besonders

macht, ist seine Fähigkeit, die Gefühle

anderer zu spüren, ohne mit ihnen zu sprechen.

Und von Kommissar Torsten Jäger, der

nach Vermissten sucht und auf Paolo stößt.

„Die Geschehnisse in dieser Geschichte sind

fiktiv; die handelnden Personen sind frei

erfunden. Jede Ähnlichkeit mit tatsächlichen

Geschehnissen oder Personen wäre rein

zufällig. Die Geheimgruppen ‚Moíra‘ und das

‚Konsortium‘ existieren ebenfalls nicht, auch

wenn da einige Verschwörungstheoretiker

insbesondere beim Konsortium anderer

Meinung sein mögen“, so der Bremer Autor.

„Meine Protagonisten Mark und Stefan,

Andreas, Torsten und vor allem Paolo habe

ich so liebgewonnen, dass ich mir wünsche,

sie würden wirklich existieren und ich könnte

gelegentlich etwas Zeit mit ihnen verbringen.

Mit den Jungs um die Häuser ziehen oder mit

Paolo ... nein, das führt jetzt zu weit.“ *rä

www.mikegorden.de

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ROMAN

Schwudenten, Coming-out und Big Jim

FOTO: LAURA WESTERMANN PHOTOGRAPHY

Der neue Roman von Rainer Vollath hat das

Zeug dazu, den Leser gut zu unterhalten und

bestens durch den Frühling zu bringen.

Wenn der Alltag zu belastend wird, dann hilft

Lesen. Und besonders Romane, die so ungewöhnlich

und queer sind wie dieser aktuelle

des Autors aus Bayern. In der autobiografischen

(!) Coming-of-Age-Geschichte „Erinnerung an

eine Unsichtbare“ erzählt der auch malende

Autor von Matthias, der sein Coming-out auf

dem Land hat, später in München und auch in

Paris lebt. An seiner Seite: die magersüchtige

Sandrine, die ihm wichtig ist, die er aber, im

Gegensatz zu der Puppe Big Jim, unsexy findet.

Er ist ja auch schwul – und zudem steckt

Matthias durchweg in verkorksten Beziehungen

und politischen Debatten, immerhin

ist er in der schwulen Hochschulgruppe „Die

Schwudenten“.

Das 400 Seiten starke Taschenbuch

„Erinnerung an eine Unsichtbare“ ist eine

queere Zeitreise von den 1970ern bis zur

Jahrtausendwende. Besonders interessant wird

es, wenn man den autobiografischen Aspekt im

Hinterkopf hat. Ein schönes Geschenk! *rä


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Bild von Tulio Barrios del Carpio

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