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faktor Frühjahr 2022

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www.mehralseinmagazin.de

18. Jahrgang Frühjahr 2022 8 Euro

› MEHR ALS EIN MAGAZIN

› DAS ENTSCHEIDER-MAGAZIN FÜR DIE REGION GÖTTINGEN

erfolgsgeschichte Chef Christian Meyre baut die globale Spitzenposition von Refratechnik in der Zementindustrie aus 14


Digitale Finanz- und

Lohnbuchführung

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editorial

NEU

BEI

STRUCKMEIER

»Wir sind heute in einer

anderen Welt aufgewacht.«

FOTO COVER: MARCO BÜHL / FOTO EDITORIAL: LUKA GORJUP

Diese erste Reaktion unserer Außen ministerin Annalena Baerbock auf Putins Angriff traf

den Nagel auf den Kopf. Dabei waren doch gerade mit dem Frühling so viele Hoffnungen

verbunden. Zwei Jahre Ausnahmezustand – nun folgt die nächste Krise. Das Leid und die

Zerstörung in der Ukraine gehen auch hierzulande vielen Menschen sehr nahe, dazu kommt

die Sorge vor weiterer Eskalation. Unsere Gedanken kreisen um Angst, Wut, Hilflosigkeit und

die Frage: Was soll, was kann ich tun?

Aus diesem Grund hat faktor erneut seine Mutmacher-Initiative zum Leben erweckt,

die wir bereits wenige Tage nach dem ersten Lockdown vor zwei Jahren gestartet hatten.

Wir berichteten auf unseren Kanälen von den bewegenden Akteuren und Aktionen in

Südniedersachen, die Optimismus in der neuen Situation verbreiteten. Heute soll diese

Initiative jedoch nicht nur Mut machen, sondern vor allem denen in unserer Region eine

würdige Plattform bieten, die derzeit so viel Gutes tun – von kleinen Gesten bis hin zu

überwältigenden Hilfsaktionen für die Ukraine. Mehr dazu auf Seite 17.

Leider treibt uns dieser Tage noch eine weitere Thematik um und verlangt uns einen

enormen Kraft akt ab: Die globale Erwärmung führt schon heute zu Katastrophen

welt weit. Doch auch dem Klimawandel hat Südnieder sachsen längst den Kampf

angesagt: Menschen, Unternehmen, Gründer und Hochschulen – sie alle leisten bereits

ihren Beitrag, um am Ende auch diese Herausforderung zu meistern. Wie genau die

Beiträge aussehen und wie auch Sie Ihren Betrieb, Ihr Haus und Ihr Leben klimaneutraler

gestalten können, das erfahren Sie im Schwerpunktthema dieser Ausgabe ab Seite 50.

Außerdem lernen Sie neue Persönlichkeiten kennen, die seit Kurzem unsere Region

bereichern – wie Ines Dietze, die erste deutsche Sparkassen-Chefin überhaupt, oder das

neue Führungsduo, das den Göttinger Händel- Festspielen eine frische Note verleiht.

Wir stellen Ihnen vielver sprechende Start-ups vor und sind zu Gast bei einem Hidden

Champion, der zwar Weltmarktführer in seiner Nische ist, hier vor Ort jedoch noch

vielen unbekannt. Refratechnik-Geschäftsführer Christian Meyre (Cover) bringt Licht

in dieses Dunkel und gewährt exklusive Einblicke in die Welt der Feuerfesttechnik.

Für dieses Mal wünsche ich Ihnen nicht nur eine erkenntnisreiche Lektüre,

sondern uns allen Frieden und den dazugehörigen Optimismus!

Ihre Elena Schrader

Chefredakteurin

schrader@faktor-magazin.de

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unserer Ausstellung

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1 |2022 3


inhalt

Schwerpunkt im Magazin:

Südniedersachsen auf dem Weg

zur Klimaneutralität

ab Seite 50

108 Märchenhafte Zeiten

Eine Bilderreise. Prunkvolle Schlösser und

mächtige Burgen – sie erzählen von der

reichhaltigen Kulturgeschichte Südniedersachsens

und machen Geschichten der

vergangenen Jahrhunderte erlebbar.

unternehmen

14 Unternehmen mit Gewicht

Hidden Champion Refratechnik

gewährt exklusive Einblicke in die

Welt der Feuerfesttechnik

26 Zum Nachmachen empfohlen

Neues Netzwerk geht an den Start:

Verein Beveraner Unternehmen

28 Medikamente nach Maß

Die außergewöhnliche

Erfolgsgeschichte von Evotec

40 Mehr Detail geht nicht

Erfunden, erforscht und gebaut

in Göttingen: Mikroskope

von Abberior

48 Gut verdrahtet

Das Start-up Enwired aus

Bad Gandersheim will mit dem

autarken Haus das Klima retten

wissen

50 Kleine Schritte, großer Wandel

Südniedersachsen rüstet sich für

den nachhaltigen Kraftakt

52 Wie gelingt der Wandel?

Mit den richtigen Fragen die

Klimabilanz im Betrieb verbessern

54 Kleine Stellschrauben

Mit den richtigen Schritten

Energie im Unternehmen sparen

58 200 Ansätze

Mit dem Klimaplan 2030 hat sich

Göttingen ein ehrgeiziges Ziel gesetzt

64 Nachhaltig forschen

Zukunftsträchtige Projekte der

regionalen Hochschulen

72 Das effiziente Haus

Intelligente Gebäudetechnik –

was ist heute wirklich sinnvoll?

mensch

76 Die Überzeugungstäterin

Im persönlichen Porträt:

die neue Vorstandsvorsitzende

der Sparkasse Göttingen

82 Der Entschlüsseler

Molekularbiologe Patrick Cramer

bringt unsere Gene zum Sprechen

90 Der Volltreffer

Der neue Intendant der Händel-

Festspiele Jochen Schäfsmeier

und seine Pläne für Göttingen

96 Verliebt in Händel

Dirigent George Petrou verleiht den

Festspielen seine persönliche Note

leben

102 Die Null muss stehen

Rico Hausmann produziert

nachhaltige Sportbekleidung

108 Geschichte erleben

Eine Bildereise durch die märchenhafte

Welt der Burgen und Schlösser in

Südniedersachsen

120 Ein Hauch von Schicksal

Burg Scharfenstein – das neue

Schmuckstück im Eichsfeld

130 Ausstellungstipp

Zu Gast im Kunsthaus Göttingen

service

3 Editorial

9 Aktuelles

Neues aus der faktor-Redaktion

129 Impressum

4 1 |2022


FOTOS: ALCIRO THEODORO DA SILVA & MARCO BÜHL

96 Ganz neue Töne

76 Die neue Sparkassen-Chefin Ines Dietze ist angekommen

» Ich würde mich auch als Optimistin beschreiben. Das Wort

,Niederlage‘ gibt es für mich weder im beruflichen noch im privaten

Kontext. Es geht vielmehr um Lernfähigkeit und die Stärke, Fehler

oder Irrtümer zu korrigieren.«

Hört, hört. Der renommierte Regisseur

George Petrou will als künstlerischer

Leiter nun auch den Händel-Festspielen in

Göttingen seine persönliche Note verleihen.

28 Evotec auf dem Erfolgsweg

82 Verborgenes sichtbar machen

Elementare Entdeckungen. Der vielfach ausgezeichnete Molekularbiologe Patrick Cramer

bringt unsere Gene zum Sprechen und damit unter anderem die Corona-Forschung

wesentlich voran.

Auf Kurs. Standortleiter Uwe Andag führt

das Unternehmen, dessen Grundstein einst

Nobelpreisträger Manfred Eigen legte,

weiter in die Zukunft und ermöglicht

Medikamente nach Maß.

1 |2022 5


designinhannover

INTERIOR NETWORK

EINLADUNG ZUM GUTEN LEBEN – DIE DESIGN-EINRICHTER IN HANNOVER

i

„In der Küche geht es nicht allein

ums Kochen, sondern mehr noch

ums „Zuhause sein“: Das war die Philosophie

von Gerd Bulthaup, Sohn des Firmengründers

der gleichnamigen Marke mit internationalem

Renommee – die wohl wie keine andere

für innovative Küchenarchitektur steht. Seit

mehr als 20 Jahren steht in Hannover auch

das Team von bulthaup rund um das Innenarchitekten-Ehepaar

Andrea und Ralph Meyer

für diese Philosophie– zu erleben im Showroom

am Aegidientorplatz im Herzen der niedersächsischen

Landeshauptstadt Hannover.

„Im Mittelpunkt unserer Arbeit stehen die

Menschen und das Leben, das in der Küche

stattfindet“, sagt Andrea Meyer. „Wir denken

und planen ganzheitlich“, ergänzt Ralph

Meyer. „Daher planen wir den ganzen Raum.“

Im Fokus der individuellen Planung stehen

Form, Funktion und Material. Daher sind alle

formalen Elemente klar und einfach und alle

Funktionen bis ins Detail durchdacht. Und

alle verwendeten Materialien perfekt in der

Verarbeitung und von höchster Qualität.

Wir denken und planen

ganzheitlich – daher gestalten wir

den ganzen Raum.

DIE KÜCHE ALS BÜHNE DES LEBENS

bulthaup Hannover steht für innovative Konzepte und echte Maßarbeit

Das Innenarchitektenpaar Andrea

und Ralph Meyer steht in Hannover

seit mehr als 20 Jahren für die

Philosophie von bulthaup.

Lebensraum Küche.

bulthaup am Aegi

Aegidientorplatz 1, 30159 Hannover

Tel. 0511 6909170

„Mit intelligenter Minimierung lassen sich viele Dinge des Lebens einfacher und

besser herstellen und erledigen“, meinte bereits Otto „Otl“ Aicher, einer der prägendsten

deutschen Gestalter des 20. Jahrhunderts. „bulthaup Küchen ermöglichen

die Konzentration auf das Wesentliche – auf den Menschen“, ist Innenarchitektin

Andrea Meyer überzeugt. „Gleichzeitig ist unser Anspruch höchste

Individualität.“ So wie bei der von ihr geplanten Küche einer Familie in der Nähe

von Hannover, bei der puristisches Aluminium auf warmes Fachwerk trifft: Die

Küche b3 fasziniert mit einem Mix aus vollkommener planerischer Freiheit, großer

Ästhetik – und einer ganz persönlichen Atmosphäre. „Die Liebe zum

Detail spielt in unserer Arbeit eine ebenso wichtige Rolle wie das architektonische

Gesamtkonzept. Das macht jede bulthaup Küche einzigartig,

zu einer echten Maßarbeit, auf den Raum zugeschnitten und auf alle, die

darin leben“, sagt Ralph Meyer.

Bei aller Funktionalität fügen sich selbst die Elektrogeräte harmonisch ein

in Architektur und Atmosphäre. Wie bei den neuen Backöfen und Steamern

der Hochwert-Marke V-Zug: Das klare Design und die Glasfronten in

Schwarz und Platinum integrieren sich nahtlos im Zusammenspiel mit den

Möbeln. Die Bedienung der Geräte wird mit einem Circle Slider ermöglicht,

der in der Mitte des hochauflösenden Touch-Displays ins Glas geschliffen

ist. Es zeigt alle Einstellungen in einer App-Ansicht an – und bietet ein

Höchstmaß an Komfort.


Zuhause ist der Ort, der einem Sicherheit, Geborgenheit und Wohlbefinden

gibt. Um ihn zu erschaffen braucht es aber auch besondere Einrichtungsideen

und Möbel, die sich an individuelle Bedürfnisse anpassen und die

besten Produkte mit der schönsten Gestaltung in Einklang bringen. Hinter

design in hannover stehen Experten, die „die Kunst des guten Lebens“

als Planer, Gestalter und Einrichter täglich in die Praxis umsetzen.

Hier werden Lebensräume geschaffen, die Menschen ein inspirierendes

und positives Umfeld bieten. Ob für Wohnräume oder Büros, Praxen oder

Kanzleien – eine klare Formensprache, Liebe zum Detail sowie Perfektion

in der Umsetzung sind dabei der Antrieb von design in hannover.

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sanften Umarmung gleich Geborgenheit

in den Schlafraum.

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charakterstarken Kopfteilen für

individuelle Designansprüche.

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aktuelles

Optimistisch bleiben

Die Initiative #faktormutmacher geht wieder an den Start

Bereits wenige Tage nach dem ersten Corona-Lockdown im März vor zwei Jahren hat

faktor die Initiative #faktormutmacher gestartet. Hier sammelten wir Geschichten aus unserer

Region, die – allen Unsicherheiten und einschneidenden Veränderungen zum Trotz –

Mut machen sollten, den Optimismus nicht zu verlieren.

Die Resonanz damals hat uns überrascht. Unsere Webseite füllte sich von Tag zu Tag und

brachte so zahlreiche Mutmacher ins Scheinwerferlicht. Wir waren stolz, was die Menschen

in Südniedersachsen an Kreativität mitbringen, um andere zu unterstützen oder sich einfach

selbst neu erfinden.

Und heute? Stehen wir bereits mitten in der nächsten Krise! Erst Corona, dann Krieg in

der Ukraine. Der Wunsch nach Normalität ist so groß wie nie. Doch auch in diesen neuen

bewegenden Zeiten sind Zuversicht, Tatkraft und Hilfsbereitschaft der Menschen und

Unternehmen in unserer Region wieder ungebrochen!

Großzügige Geldspenden bis in die Hunderttausende, Hilfsgüter, die mit unternehmenseigenen

LKW von Göttingen in die ukrainisch-polnische Grenzregion gefahren werden,

offene Haustüren für Geflüchtete – all diesen ermutigenden Aktionen möchte faktor nun

erneut eine Plattform bieten.

Darum ist unsere Initiative #faktormutmacher ab sofort wieder aktiv und sammelt und

präsentiert die großen und kleinen Gesten der Menschen und Betriebe aus Südniedersachsen,

die allesamt dazu beitragen, dass wir gemeinsam nicht die Hoffnung verlieren!

Haben auch Sie eine Mutmacher-Geschichte zu erzählen?

Dann melden Sie sich bei uns unter:

www.faktor-magazin.de/mutmacher-mitmachen

1 |2022 9


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PROFIL

Basketball im Homeoffice

Ein Profi-Basketballer im Homeoffice?

Geht nicht? Doch!

Für unseren Bürobedarf-Katalog haben wir nach Persönlichkeiten

aus der Region gesucht und wollten

wissen, wie sie mit dem Thema Homeoffice umgehen.

Für unsere aktuelle Ausgabe haben wir Mathis

Mönninghoff von unseren BG Bundesliga-Veilchen gewinnen

können. Er hat uns gezeigt, dass man auch im

Homeoffice gut trainieren kann.

Papierbögen wurden zu Bällen geknüllt, Papier -

kübel zu Basketballkörben umfunktioniert.

Und natürlich wurde aus allen möglichen

und scheinbar unmöglichen Sitz- und

Steh positionen heraus geworfen und

(erstaunlich oft!) getroffen.

Dabei haben wir gelernt, wozu Papier

alles gut sein kann und zu welchen

Fremdanwendungen Büro-Accessoires dienen können.

Arbeitsplätze bequem buchen

... unkompliziert mit einer App auf dem Mobiltelefon

Zusätzlich haben wir mit Mathis auch aktuelle

Technik ausprobiert. Da viele Unternehmen

einen Wechsel zwischen Home office- und

Prä senzarbeitsplätzen organisieren mussten,

wollten wir im Struckmeier-Team wissen, was

er von unserer neuen Raumbuchungs-App hält.

Hier sieht man ganz einfach auf einem Grundriss,

welche freien Arbeitsplätze im Unternehmen

buchbar sind und mit welchen Kollegen

man sich vor Ort verabreden kann. Sind einige

Teammitglieder unterwegs oder im Homeoffice,

zeigt mir die App an, wie man sich mit

ihnen vernetzen kann. „Wirklich einfach zu

bedienen und selbsterklärend“ war Mathisʼ

Urteil, was uns sehr gefreut hat.

Das Wichtigste bei der Arbeit zu Hause sei für

ihn aber eine gemütliche Atmosphäre, meinte

er. Gott sei Dank ist dieser Gedanke inzwischen

auch bei vielen Herstellern angekommen.

Inzwischen gibt es immer mehr neue

Möbel fürs Office, die in der Ergonomie top

sind, aber von den Farben und Oberflächen

für eine heimelige Atmosphäre sorgen – egal,

ob im Homeoffice oder in den Unternehmen.

Wir von Struckmeier möchten uns noch einmal

herzlich für den tollen Austausch und den

Spaß beim Shooting bedanken. Falls Mathis

Mönninghoff in den nächsten Spielen noch

besser trifft, liegt das natürlich an seinem

,Spezialtraining‘ bei uns.

KONTAKT

System-Büro Struckmeier GmbH

Karl-Arnold-Straße 4

37079 Göttingen

Tel. 0551 506690

info@struckmeier.de

www.struckmeier.de


aktuelles

Brunnen für Papier

faktor unterstützt die Instandsetzung von Brunnensystemen in Malawi

Um einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten und die

entstandenen Co 2 -Emissionen auszugleichen, die mit der Produktion

von Papier entstehen, unterstützt faktor – passend zu dieser

Ausgabe mit dem Themenschwerpunkt Klimaneutralität – das

Projekt der AQ Green TeC GmbH zur Instandsetzung von Brunnensystemen

in Ostafrika.

Die Brunnen in ländlichen Regionen Malawis sind veraltet, wodurch

für viele Teile der Bevölkerung der Zugang zu sauberem

Trinkwasser fehlt. Das Projekt will dabei unterstützen, die beschädigten

Brunnenanlagen wieder instand zu setzen und damit

das aufwendige Abkochen von verschmutztem Wasser zu reduzieren.

Neben der reinen Klimaschutzwirkung trägt das Projekt zur

Erreichung der ,17 Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten

Nationen‘ bei, die weltweit der Sicherung einer nachhaltigen

Entwicklung auf ökonomischer, sozialer sowie ökologischer

Ebene dienen sollen. So wird im Rahmen dieses Projekts

FOTO: STOCK.ADOBE.COM

unter anderem die Gesundheit der lokalen Bevölkerung verbessert,

der Zugang zu sauberem Trinkwasser gewährt und durch

den Erhalt des Waldes die lokale Umwelt als wichtiger Lebensraum

für Tiere und Pflanzen geschützt.

Weitere Infos unter: www.aq-greentec.com

Individuelle

Gebäudetechnik.

Zukunft in Sicht

Der neue faktorAzubi ist da!

Der neue faktorAzubi ist erschienen und direkt

bei den Schülern der Region gelandet!

Auch dieses Mal ist er wieder randvoll mit vielen spannenden

Beiträgen rund um die Ausbildung in Südniedersachsen

und mit hilfreichen Tipps für die Bewerbung.

Möchten auch Sie sich als Arbeitgeber in diesem

Umfeld präsentieren? Dann melden Sie sich gern bei

unserer Kundenberaterin Nicole Benseler unter:

Tel. 0551 309839-22 oder benseler@faktor-magazin.de

Unsere Leistungen –

so individuell, wie die Ansprüche

unserer Kunden.

Bereits in der vierten Generation bieten wir

unseren gewerblichen, öffentlichen und

privaten Kunden das gesamte Spektrum der

Gebäudetechnik.

Fordern Sie uns!

Ruhstrat Haus- und

Versorgungstechnik GmbH

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37079 Göttingen

Telefon (05 51) 6 94 04-0

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1 |2022 11


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Unternehmen

mit Gewicht

Göttingen hat einen Hidden Champion zu bieten, den in der internationalen

Zementindustrie sämtliche Akteure kennen – vor Ort jedoch wissen

nur wenige, was Refratechnik eigentlich macht. faktor war zu Gast

beim Weltmarktführer und erhielt exklusive Einblicke in die heißen Phasen

der Feuerfesttechnik.

TEXT TOBIAS KINTZEL FOTOGRAFIE MARCO BÜHL

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unternehmen

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unternehmen

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unternehmen

LESEZEIT: 7 MINUTEN

In der Produktionshalle von Refratechnik in

Göttingen stehen Unmengen ockerfarbener Steine,

in Reih und Glied aufgestapelt auf Schienenwagen,

mit denen sie in der großen Halle

bewegt und aus dem riesigen Ofen gefahren

werden. Über den Steinen flimmert die Hitze. Sie

werden bei mehr als 1.000 Grad gebrannt,

brauchen nach dem Brennvorgang mehrere Tage, um abzukühlen.

Mit ihnen werden Hochtemperatur-Öfen zur

Herstellung von Zement ausgekleidet. „Die Qualität

dieser Steine hat dafür gesorgt, dass Refratechnik heute

kein kleines Unternehmen mehr ist, sondern in der Branche

Gewicht hat“, erklärt Christian Meyre, der seit 2016

gemeinsam mit Stefan Puntke die Geschäfte der Refratechnik

Cement GmbH führt, sichtlich stolz.

Zur Person

Christian Meyre kam 1969 in Basel (Schweiz) zur

Welt. Nach dem Studium der Geowissenschaften

begann er seine Karriere bei dem global aktiven

Zementhersteller Holcim. Nach rund sieben Jahren

als Inhouse-Berater für Qualitäts sicherung und

Feuerfesttechnik mit Projekten in Südostasien

und Lateinamerika übernahm er Führungspositionen

in Zementwerken in Nordamerika.

Nach einer eineinhalbjährigen Station in Toronto

(Kanada) ging es für acht Jahre in den US-

Bundes staat Utah. Im Jahr 2016 wurde er dann

Geschäftsführer der Refratechnik in Göttingen.

Meyre ist verheiratet und lebt mit seiner Frau

und seinen Töchtern in Göttingen.

IM VERLAUF DES PRODUKTIONSPROZESSES von Zement

werden die zu Mehl gemahlenen Rohstoffe auf

etwa 1.450 Grad Celsius erhitzt, bis sie teilweise miteinander

verschmelzen. Diese Temperaturen zu erreichen,

ist nicht nur energieintensiv, sondern auch eine Gefahr

für die Öfen: Sie könnten durch die Hitze beschädigt

werden. An dieser Stelle kommen die Produkte von Refratechnik

ins Spiel. Das 1950 von dem Ingenieur Karl

Albert in Vogelbeck, einem südlichen Ortsteil der Stadt

Einbeck, gegründete Unternehmen entwickelt, produziert

und vertreibt innovative Feuerfesttechnik für die Auskleidung

der Hochtemperatur-Öfen der Zementindustrie.

Auch das Recycling verbrauchter Materialien gehört

zum Service. Refratechnik liefert die Schlüsseltechnologie,

wenn es um die Produktqualität und möglichst lange

Laufzeiten von Feuerungsanlagen sowie die Reduzierung

der Energiekosten und niedrige Emissionen geht.

„In den vergangenen 70 Jahren haben wir uns zu einem

der Weltmarktführer entwickelt“, erzählt Christian

Meyre. Bereits zwei Jahre nach der Gründung wurde das

Unternehmen an den Standort in der Rudolf-Winkel-

Straße verlegt, an dem heute rund 350 Mitarbeiter beschäftigt

sind. Rund um den Globus statten insgesamt

über 2.000 Mitarbeiter der Refratechnik-Gruppe die

Zement-, Stahl-, Keramik- und weitere Hochtemperaturindustrien

in mehr als 100 Ländern mit ihren Produkten

aus. „Wir sind dennoch in einer kleinen Nische unterwegs,

die Zahl der Zementhersteller weltweit ist überschaubar“,

sagt Meyre. Daher wüssten auch die wenigsten

Menschen außerhalb der Branche, was Refratechnik

eigentlich so macht. Auch die Mehrheit der Göttinger

nicht. „In der Zementindustrie selbst hingegen kennen

uns sämtliche Akteure.“

1 |2022 17


unternehmen

Höchste Genauigkeit Aus den Hartmetallplatten (u.) werden präzise Formen für den Produktionsprozess der Steine hergestellt.

Beim Zusammenbau dieser Pressformen ist höchste Genauigkeit gefordert (o.).

18 1 |2022

DER STUDIERTE GEOLOGE UND MINERALOGE muss

es wissen: Schon bevor er die Verantwortung für die Produktion

in der Geschäftsführung in Göttingen übernahm,

waren dem gebürtigen Schweizer das Unternehmen

Refratechnik und seine Produkte ein Begriff: „Ich

habe sehr lange auf der Kundenseite bei dem Zementhersteller

Holcim gearbeitet, bei einem der größten Baustoffproduzenten

der Welt. Auch wir haben dort Refratechnik-Produkte

eingesetzt.“ Insgesamt 18 Jahre war

Meyre für den Zementhersteller weltweit unterwegs, zunächst

als Inhouse-Berater für Qualitätssicherung und

Feuerfesttechnik in Südostasien und Lateinamerika.

„Zur Geburt meiner Töchter habe ich dann nach einer

Position gesucht, die es mir erlaubt, abends zu Hause zu

sein“, erzählt er rückblickend. So landete er in Führungspositionen

in Zementwerken in Nordamerika.

Nach einer Station in Toronto, Ontario, ging es nach

Morgan im US-Bundesstaat Utah. „Das war für zwei

Jahre angedacht, am Ende sind wir zehn geblieben.“

Von den gemachten Erfahrungen profitiere der 53-Jährige

noch heute. „Es war zum einen superspannend, andere

Kulturen und ihre Problemlösungsansätze kennenzulernen“,

erzählt Meyre. „Zum anderen habe ich sehr

tiefe Einblicke in die Prozesse und Themen der Branche

bekommen, die wir mit Refratechnik beliefern.“


unternehmen

Das Wie und Woher Regelmäßige Kontrolle der Maße (o.) und ein Lager voller hochwertiger Rohstoffe aus ganz Europa gehören zu

den Erfolgsfaktoren von Refratechnik. Die mineralischen Komponenten – wie beispielsweise Magnesia und Spinelle – werden gebrochen,

gemahlen, gesiebt und nach Korngrösse klassifiziert, um danach zu Steinen in den verschiedensten Formaten gepresst zu werden.

1 |2022 19


unternehmen

Heiße Sache Die fertigen Steine, die aus dem mehr als 1.000 Grad Celsius heißen Ofen kommen, brauchen mehrere Tage zum Abkühlen.

20 1 |2022


unternehmen

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unternehmen

»Wir produzieren mit europäischen

Rohstoffen, pflegen langjährige Beziehungen

zu unseren Lieferanten und unseren

Dienstleistern auf Augenhöhe.«

Diesen tiefen Einblick in die Prozesse, Probleme und

Nöte der Kunden hält der Geschäftsführer für eine der

Stärken von Refratechnik. „Wir sprechen hier die Sprache

der Zementindustrie, wir wissen, was unsere Kunden

bewegt. Das gilt für alle, die hier arbeiten“, sagt er

mit Nachdruck. „Obwohl ich die Qualität der Produkte

ja schon vorher kannte, war ich, als ich vor sechs Jahren

zu Refratechnik wechselte, von der Fachkompetenz und

Motivation schwer beeindruckt.“

Dies seien aus Sicht des Geschäftsführers auch zwei

der entscheidenden Faktoren, warum die Göttinger nicht

so hart von der Pandemie getroffen wurden wie die Konkurrenz.

Der dritte ist der Standort Göttingen selbst.

„Das ist erklärungsbedürftig“, sagt Meyre mit einem entwaffnenden

Lächeln. „Nicht gerade wenige Ökonomen

sagen ‚Sind die nicht bei Trost? Warum produzieren die

in Göttingen?‘“ Und dann erklärt er, warum es nicht rein

romantische Gefühle sind, die das Familienunternehmen

mittlerweile 70 Jahre mit diesem Standort verbinden,

sondern eine klare Strategie.

„Wir sind nicht die günstigsten Anbieter. Wenn wir

zum Zug kommen wollen, müssen wir mehr bieten als

den einfachen Stein zum Auskleiden der Öfen“, sagt

Meyre. Man habe sich den Ruf als agilster, zuverlässigster

und flexibelster Anbieter erarbeitet. „In Zeiten, in

denen nahezu alle global nach den günstigsten Einkaufsmöglichkeiten

suchen, sind wir dabei gewissermaßen

anachronistisch: Wir produzieren mit europäischen

Rohstoffen, pflegen langjährige Beziehungen zu unseren

Lieferanten und unseren Dienstleistern auf Augenhöhe.“

In diesem über Jahrzehnte gewachsenen Netzwerk aus

‚alten‘ Lieferanten und Logistikpartnern liegt Göttingen

strategisch optimal. Dass die Kombination aus vergleichsweise

kurzen Beschaffungswegen und langjährigen

Beziehungen eine nicht zu unterschätzende Stärke

ist, hätten die vergangenen Monate noch einmal besonders

gezeigt. „Wir konnten im Gegensatz zu vielen Konkurrenten

auch in der Pandemie weiter liefern“, erklärt

Christian Meyre zufrieden. „Damit sind wir unserem

Ruf gerecht geworden, eine sehr hohe Liefertreue zu haben.

Egal wann, egal wo: Wir stellen die Ware pünktlich

auf den Hof unserer Kunden.“ Das liege auch daran,

dass Mitarbeiter ihre Ansprechpartner bei Lieferanten

und Logistikpartnern seit Jahren kennen würden und

bereit seien, auch mal die viel zitierte Extra-Meile zu gehen.

„So haben wir auch in Pandemiezeiten erfolgreich

am Markt agiert.“

BEIGETRAGEN ZU DIESEM ERFOLG hätten dazu aber

auch die flache Hierarchie und die ideale Größe der Refratechnik:

Kurze Wege und eine engmaschige Abstimmung

mit den Eigentümern des größten Unternehmens für

Feuer festmaterialien in Familienhand sorgen für schnelle

Entscheidungen. „Wenn es morgens einer für eine gute

Idee hält, sein Containerschiff im Suezkanal zu wenden,

haben wir nachmittags bereits entschieden, wie wir damit

umgehen“, erläutert Meyre. Hinzu käme, dass sein Geschäftsführungskollege

Stefan Puntke, der den Vertrieb

verantwortet, und er viele Freiheiten und einen großen

Entscheidungsspielraum genießen. „Wir verpassen deshalb

nur sehr wenige Chancen, die der Markt bietet.“

Ein Selbstläufer ist das Geschäft aber bei Weitem nicht.

In einer Branche wie dem Zementmarkt in dem ein

Konsolidierungsprozess immer weniger, immer größere

Kunden hervorbringe, gäbe es kein Platz für Sentimentalitäten.

„Nur weil wir einem Kunden in den vergangenen

zwei Jahren geholfen haben, bedeutet das nicht, dass er

2022 automatisch bei uns bestellt“, sagt Meyre und

stellt unmissverständlich klar: „Wir müssen die Einkäufer

immer wieder neu davon überzeugen, dass unsere

Produkte die beste Entscheidung sind, trotz des höheren

Preises.“ Uns da es am Ende die Mitarbeiter seien, die

den Erfolg ausmachten, sei es sehr wichtig, als attraktiver

Arbeit geber wahrgenommen zu werden – in der

Region und darüber hinaus.

Das scheint Refratechnik sehr gut zu gelingen, sowohl

bei bestehenden als auch bei potenziellen Arbeitnehmern.

Denn zum einen verzeichnet das Unternehmen laut

Geschäftsführer Meyre nahezu keine Fluktuation: „Wer

einmal bei uns ist, bleibt in der Regel. Ich darf fast jede

Woche zu einem 25-, 30- oder 40-jährigen Jubiläum gratulieren.“

Zum anderen deuten rund 30 Auszubildende

in verschiedenen Berufsbildern darauf hin, dass sich auch

immer wieder neue Mitarbeiter finden lassen. „Beides ist

wichtig für uns. Wir wollen die Erfahrung und das

Know-how im Unternehmen halten und neue Mitarbeiter

mit neuen Ideen und Impulsen für uns gewinnen.“

22 1 |2022


Damit Sie nicht schwach werden

Netzwerke in Echtzeit überwachen

Das ist zu leisten: Status von IT, Sicherheit und Compliance analysieren • Risiken erkennen, priorisieren

und beheben • Auswertungen und Berichte erzeugen • gesetzliche Vorgaben erfüllen

Schwachstellen sind spätestens seit log4j allen IT-Fachleuten ein Begriff. Für Unternehmen sind sie – oft

unbewusst – alltäglicher Begleiter. Sie aufzuspüren und zu bewerten ist wichtig, um die eigene IT-Sicherheit

einzuschätzen und Risiken sinnvoll reduzieren zu können. Dazu braucht es eine kontinuierliche

Überprüfung des eigenen Netzwerkes.

Was ist zu tun?

Ein Schwachstellen-Scanner verschafft

Ihnen den nötigen Überblick

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Das Eckige ins Runde Am nachgebauten Zementofenteil trainieren Kunden und Mitarbeiter die richtige Anwendung der Refratechnik-Produkte.

AUS DIESEM GRUND INVESTIEREN die Göttinger Spezialisten

für Feuerfesttechnik auch kontinuierlich in die

Aus- und Weiterbildung. So hat Refratechnik in den letzten

Jahren nicht nur eine vollausgestattete Ausbildungswerkstatt

aufgebaut, sondern auch viel Zeit und Energie

in ein Weiterbildungsprogramm für Führungskräfte gesteckt.

„Wir haben gemeinsam Führungsgrundsätze formuliert

und ein darauf einzahlendes Programm aus

Lernmodulen entwickelt“, erläutert Meyre. „Wir wollen

unseren Führungskräften vermitteln, was sie können

müssen, aber auch nachhaltig eine Lernkultur verankern,

an der alle Mitarbeiter teilhaben.“ Und auch hier zeigt

sich die Agilität des Göttinger Unternehmens. Sofort mit

dem Beginn der Pandemie wurde auf die sich ändernden

Führungsaufgaben reagiert. „Wir haben umgehend ein

Modul entwickelt, das Führen auf Distanz thematisiert,

aber auch aufzeigt, wie man in der Produktion vor Ort

sein Team gesund durch den Tag bringt.“

Refratechnik tut also einiges dafür, sich den Ruf als

agilster, flexibelster und zuverlässigster Partner der Zementindustrie

– und damit das Gewicht in der Branche

– zu erhalten. Da gerade auch der Standort ein wichtiger

Baustein in der Unternehmensstrategie ist, werden wohl

noch viele Jahre zur Firmengeschichte in Göttingen hinzukommen.

ƒ

Zum Unternehmen

Die Refratechnik Cement GmbH ist eine Tochtergesellschaft

der Refratechnik Holding, deren Geschichte 1950 in

Vogelbeck, einem Ortsteil der Stadt Einbeck, begann. Seit

1952 entwickelt, produziert und vertreibt Refratechnik vom

Standort Göttingen aus innovative Feuerfesttechnik für

die Auskleidung der Hochtemperatur-Öfen der Zementindustrie

und zählt heute zu den Weltmarktführern.

Rund um den Globus statten insgesamt mehr als 550

Mitarbeiter der Refratechnik Cement GmbH die rund 2.000

Zementdrehöfen der Zementindustrie in mehr als 100

Ländern mit Refratechnik-Produkten aus. Am Standort

Göttingen sind 350 Mitarbeiter beschäftigt. Die gesamte

Refratechnik Holding hat rund 2.000 Mitarbeitende.

24 1 |2022


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Zum Nachmachen

empfohlen

Mit dem Verein Beveraner Unternehmen hat sich im Landkreis Holzminden ein neues

Wirtschaftsnetzwerk etabliert, das mehr sein will als nur ein Forum für gegenseitigen Austausch:

ein Sprachrohr gegenüber der Politik, das gemeinnützige Projekte fördert.

TEXT SVEN GRÜNEWALD FOTOGRAFIE ALCIRO THEODORO DA SILVA

LESEZEIT: 4 MINUTEN

Der Flecken Bevern liegt nördlich von Holzminden

und hat knapp 4.000 Einwohner.

Klein, überschaubar, ländlich, typisch – möchte

man sagen. Und doch hat Carsten Stock,

Geschäftsführer der Bau & Renovierungszentrum Stock

GmbH, hier etwas Neues auf den Weg gebracht: ein Unternehmernetzwerk,

das deutlich mehr sein will.

„Ich bin hier im Ort in verschiedenen Vereinen aktiv

und hatte 2017 für eine Kulturveranstaltung das Sponsoring

übernommen“, erzählt Stock. Durch seine Unternehmenskontakte

war es ihm gelungen, mehrere Tausend

Euro einzuwerben. „Aber Vereinen, die solche

Kontakte nicht haben, fehlen diese Möglichkeiten, gute

Veranstaltungen zu organisieren.“ Wie erreicht man jedoch

die lokalen Unternehmen? Ein entsprechendes

Netzwerk wäre eine Idee, die damals aber wieder eingeschlafen

ist.

Später ist Stock noch etwas anderes bewusst geworden:

„Wir kennen uns vor Ort einfach zu wenig.“ Deswegen

begann er, andere Unternehmer zu kontaktieren

und für die Idee Werbung zu machen, ein Netzwerk zu

gründen, um sich kennenzulernen, auszutauschen und

voneinander zu profitieren.

BEI OLIVER BLUME, der sich 2021 in der alten Heimat

Bevern als Unternehmens berater selbstständig gemacht

hat, nachdem er vorher bei mehreren internationalen

Firmen tätig gewesen war, rannte Stock mit der Idee offene

Türen ein. „Mein gesamtes Berufsleben war vom

Netzwerkgedanken geprägt, deswegen war ich von der

Idee begeistert“, sagt Blume. Für sich selbst sieht dieser

ganz klare Vorteile, über das Netzwerk neue Kontakte

zu generieren. Aber es geht ihm auch um das Geben, also

den Erfahrungsaustausch: „Ich war Teil vieler Arbeitskreise,

in denen auch Wettbewerber zusammensaßen,

die sich dennoch über vieles offen ausgetauscht haben.

Bei ähnlichen Problemen, die alle haben, ist das sehr hilfreich.“

Deswegen engagiert sich Blume auch im Vorstand

des neuen Vereins.

DER VEREIN WURDE OFFIZIELL Ende 2021 gegründet,

inzwischen sind rund 35 Unternehmen beigetreten: vom

Ein-Mann-Unternehmensberater über Grafik agen turen

und Ärzte bis hin zu den großen Arbeitgebern vor Ort wie

dem Egger Beschichtungswerk oder dem Pflegedienst

DeBoer. So weit, so typisch Unternehmensnetzwerk.

Doch da will Carsten Stock nicht stehen bleiben, daher

gibt es noch zwei weitere Ziele, die sich der Verein auf

die Fahne geschrieben hat: „Wir wollen auch gemeinnützige

Projekte vor Ort fördern und uns als Sprachrohr

der Wirtschaft gegenüber der Politik etablieren.“ Der

Dialog mit der Politik sei bislang vor allem dadurch geprägt,

dass es immer nur zu den Wahlen die obligatorischen

Pressetermine und ein offenes Ohr für die Unter-

26 1 | 2022


unternehmen

Vor Ort aktiv Netzwerk-Initiator Carsten Stock und seine Vorstandsmitglieder Oliver Blume und Oliver Böhle (v. l.)

nehmen gibt, aber darüber hinaus wenig. Diesen Dialog

will der Verein verstetigen und damit verbessern. Dabei

hilft, dass zwei Vorstandsmitglieder – Oliver Blume und

Oliver Böhle, Geschäftsführer des Pflegedienstes DeBoer,

– derzeit im Rat der Samtgemeinde sitzen.

„Aber es geht uns auch um den Dialog mit dem Landkreis“,

sagt Böhle. Ein wichtiges Thema sei etwa der

Breitbandausbau, bei dem es nur schleppend vorangehe.

„In der Pflege zum Beispiel funktioniert alles digital. Das

heißt, wir brauchen eine gute Internetverbindung. Aber

es gibt immer noch Orte im Landkreis oder in unserer

Gemeinde, wo es keine gute Mobilfunkanbindung gibt.“

Dafür wollen sich die Unternehmer stärker einsetzen.

DER LEITGEDANKE DES VEREINS ist jedoch, nicht nur

die Rahmenbedingungen für die Wirtschaftsaktivitäten

positiv zu beeinflussen, sondern insgesamt etwas für

Bevern zu tun und zur Lebensqualität vor Ort aktiv beizutragen.

Deswegen auch die starke Säule, gemeinnützige

Projekte zu fördern.

Dies können Vorhaben aus allen Richtungen sein –

von anderen Vereinen, privaten Initiativen oder auch

Ideen seitens der Verwaltung, für deren Realisierung

aber keine Mittel zur Verfügung stehen. Beispiele für den

Handlungsbedarf gibt es einige. „In der Grundschule

spielen die Kinder Fußball im Matsch auf der Wiese“,

erzählt Stock. Ein echter Bolzplatz wäre da schon hilfreich.

Auch das Freibad ist ein Thema, für dessen Betrieb

kein Geld mehr da war und das deswegen geschlossen

wurde. „Da können wir vielleicht dazu beitragen, dass

wir wieder einen gewissen Betrieb haben.“ Oder der

Tennisverein, der geschlossen werden sollte. Hier könnte

man sich vorstellen, ein wöchentliches Training zu finanzieren.

Auch Dorfverschönerungsaktionen, Beetpflege,

die Baumpflanzaktion der Grundschule ebenso wie

Kulturveranstaltungen vom Konzert bis zum Schützenplatz

sind Möglichkeiten.

IDEEN GIBT ES VIELE. „Offiziell haben wir noch keine

Förderung verabschiedet, aber wir diskutieren derzeit

über verschiedene Anträge, die bei uns eingegangen

sind“, erklärt Stock. Im Frühling 2022 sollen die ersten

Projekte vorgestellt werden, die der Verein unterstützt.

Die Förderung wird jeweils individuell ausfallen, also

nicht aus den niedrigen Mitgliedsbeiträgen stammen,

sondern aus projektbezogenen Zuwendungen an den

Verein. Für jedes Projekt soll es dann Unternehmens-

Paten geben. „So wollen wir Bevern attraktiver

machen“, sagt der Initiator. „Ich will aus einer starken

Gemeinschaft heraus Projekte finanzieren, die den Ort

nach vorne bringen.“ Mit diesem breiten, auch gemeinschaftsförderlichen

Ansatz steht das Unternehmernetzwerk

dann vielleicht auch für vergleichbare

Netzwerke andernorts Pate. ƒ

1 |2022 27


unternehmen

28 1 |2022


unternehmen

Medikamente

nach Maß

Evotec in Göttingen schreibt eine außergewöhnliche Erfolgsgeschichte:

In den vergangenen zwei Jahren hat sich die Mitarbeiterzahl verdoppelt.

Durch umfassende Datenanalyse erfasst das Forschungsunternehmen

Krankheiten, um so direkt an ihren Ursachen anzusetzen und

präziser wirkende Arzneimittel zu ermöglichen.

TEXT SVEN GRÜNEWALD FOTOGRAFIE ALCIRO THEODORO DA SILVA

1 |2022 29


unternehmen

30 1 |2022


unternehmen

» Unser Ansatz geht auf den Göttinger Nobelpreisträger

Manfred Eigen und dessen Leitmotiv zurück: In der Biologie

ist die reine Theorie – ohne experimentelle Ergebnisse –

eine schlechte Theorie. «

LESEZEIT: 7 MINUTEN

Im Göttinger Science Park im Nordwesten der

Stadt wird kontinuierlich gebaut. Insbesondere

der ,Manfred Eigen Campus‘ – das Evotec-

Areal – hat sich sehr gut entwickelt. Inzwischen

ist das Forschungsunternehmen im Pharmabereich

auf drei Gebäude verteilt, offene Stellen

gibt es immer. Von den über 4.000 Mitarbeitern

weltweit sitzen etwa 330 in Göttingen

– vor zwei Jahren waren es noch die Hälfte,

Ende 2010 gerade einmal 25. In dem global

rasant wachsenden Evotec-Konzern entwickelt

sich der Standort überdurchschnittlich gut,

und mit der Wirtschaftsförderung der Stadt

laufen bereits Gespräche über ein weiteres neues Areal.

Derweil mussten sogar schon zusätzliche Flächen angemietet

werden, um das Mitarbeiterwachstum auffangen

zu können. „Bei uns arbeiten viele junge Leute – unser

Altersdurchschnitt liegt bei 35 – und damit haben wir

eine sehr hohe interne Dynamik“, sagt Standortleiter

Uwe Andag. „Die wollen alle etwas erreichen.“

DAS GEHEIMREZEPT FÜR DAS STARKE WACHSTUM ist

die Kombination aus bioinformatischer Datenanalyse

und Medikamentenforschung, mit der Evotec dazu beitragen

will, präziser wirkende Medikamente zu entwickeln.

„Etwa 90 Prozent aller Therapien wirken nur

bei etwa der Hälfte der Patienten“, erklärt Andag. „Ein

Grund hierfür ist, dass Krankheitsbilder in der Vergangenheit

symptomatisch beschrieben wurden und daher

auch Medikamente entwickelt wurden, die in erster

Linie zur Linderung der Symptome beitragen. Einen

I

wichtigen Schritt vorwärts sieht Evotec hier in

der Datenanalyse. Mehrere Milliarden anonymisierte

Datenpunkte von gegenwärtig rund

15.000 Patienten werden dafür genutzt. Gewebe-,

Blut- und Urinproben wurden analysiert

und in die unternehmenseigene Datenbank

aufgenommen, die ständig weiterwächst.

Zur Analyse dieser Daten entwickelt Evotec

unter anderem eigene Softwaretools, die

künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen

einsetzen. Die Patientenproben stammen

von verschiedenen klinischen Partnern aus

Großbritannien und Deutschland. Die klinischen

Partner erhalten ihrerseits wiederum die Rohdaten

aus der Analyse der von ihnen zur Verfügung gestellten

Proben von Evotec zurückgespielt, um damit eigene

Grundlagenforschung zu betreiben.

„Unser Ansatz geht auf den Göttinger Nobelpreisträger

Manfred Eigen und dessen Leitmotiv zurück: In der

Biologie ist die reine Theorie – ohne experimentelle Ergebnisse

– eine schlechte Theorie“, erzählt Andag. Durch

die Datenanalyse versucht Evotec, Krankheitsbilder auf

der Grundlage biologischer Prozesse anstelle von Symptomen

zu erfassen, um so direkt an ihren Ursachen ansetzen

zu können. Kennt man die Rahmenbedingungen,

die dazu führen, dass ein Patient erkrankt oder dass eine

Therapie nicht anschlägt, lassen sich viel gezieltere Behandlungsansätze

entwickeln.

Ein gutes Praxisbeispiel kommt aus der Nierenforschung.

Bereits die Auswertung der ersten Patientenkohorte

auf Evotecs Plattform ergab bei 4.000 Patienten

1 |2022 31


unternehmen

Große Namen Heute führt Standortleiter Uwe Andag das Unternehmen, dessen Grundstein einst Nobelpreisträger Manfred Eigen legte.

32 1 |2022


unternehmen

Zum Unternehmen des Nobelpreisträgers

Manfred Eigen (1927 – 2019) war Biochemiker und zuletzt

Direktor am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in

Göttingen. 1967 wurde er für seine Arbeiten zur Geschwindigkeitsmessung

von schnellen chemischen Reaktionen mit

dem Nobelpreis ausgezeichnet.

Aus dem Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie,

das 1971 auf Eigens Initiative entstand, wurde 1993 nicht nur

Evotec, sondern 1997 auch die DeveloGen ausgegründet, die

sich schon damals mit der Entwicklung von Softwareplatt -

formen für die Verarbeitung großer Datenmengen im

Biotechnologie bereich sowie mit der Entwicklung neuer

Therapien für Stoffwechsel erkrankungen befasste. Infolge

einer selbst finanzierten klinischen Testphase und ihres

Scheiterns geriet das Unternehmen jedoch in Schwierigkeiten.

Kurzerhand wurde DeveloGen 2010 von Evotec akquiriert

und so der Standort Göttingen erhalten.

1 |2022 33


unternehmen

mehr als 100 verschiedene Einzeldiagnosen, also viele

verschiedene Gründe für Nierenerkrankungen und damit

auch mögliche Gründe dafür, warum die eine oder andere

Therapie nicht wirkt. „Wir müssen viele Krankheiten

vollkommen neu definieren“, erklärt der Standortleiter.

„Die technische Möglichkeit, große Mengen Patientenmaterial

sowohl in der Breite als auch in der Tiefe zu

analysieren und für datengetriebene Forschung zu öffnen,

ermöglicht uns einen grundlegend neuen Zugang zu

vielen Erkrankungen.“ Das sei eine große Herausforderung,

aber man habe inzwischen sehr gute Ergebnisse

und könne bei bestimmten Nieren erkran kungen allein

durch die Blutanalyse bestimmen, welches Krankheitsbild

bei einem Patienten von welcher Grunderkrankung

abhängt, und Patienten so zu einheitlichen Behandlungsgruppen

zusammenfassen.

Die Möglichkeiten der Analyse hören allerdings nicht

bei der Unterscheidung von krank und gesund auf. Gerade

Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes Typ 2 haben

häufig einen jahrzehntelangen Vorlauf. Es mag mit

Müdigkeit, Durstgefühl, Gewichtsveränderungen anfangen,

irgendwann kommt vielleicht Bluthochdruck dazu

und dann erst wird Diabetes diagnostiziert. Organe wie

Augen oder Nieren sind zu diesem Zeitpunkt aber bereits

geschädigt. „Wir gucken uns auch dieses Entwicklungskontinuum

an, um so früh wie möglich mit dem

richtigen therapeutischen Ansatz intervenieren zu können“,

so Andag. Letztendlich werde damit nicht nur die

Therapie personalisierter, sondern auch bereits die Diagnose,

die auf einem differenzierteren Verständnis der individuellen

Krankheit basiert.

IM EVOTEC-KONZERN sind auf einer ,multimodalen

Plattform‘ alle aktuell verfügbaren Technologien zur Erforschung

und Entwicklung neuer Medikamente vereint

– dennoch gibt es eine klare Spezialisierung der Standorte:

In Göttingen konzentriert man sich vor allem auf

Stoffwechselerkrankungen und ihre medikamentöse Behandlung,

es wird aber auch an Zelltherapie-Ansätzen

gearbeitet. So ist eines der Ziele, für Typ-1-Diabetiker,

die unter anderem genetisch bedingt keine eigenen insulinproduzierenden

Zellen mehr haben, genau diese Zellen

zu züchten und sie den Diabetikern einzusetzen, um

künftig mehrfach tägliche Insulininjektionen zu ersetzen.

DEN GÖTTINGER STANDORT zeichnet vor allem der

bioinformatische Ansatz aus, der mittels künstlicher Intelligenz

und maschinellem Lernen neue Behandlungsstrategien

sowie diagnostische Ansätze identifiziert. Die

hier entwickelten Softwareplattformen lassen sich auch

für viele andere Krankheiten einsetzen.

Der Standort im Evotec-Konzern ist zudem ein großes

Innovationszentrum. Etwa die Hälfte der Aktivitäten vor

Ort finden in der unternehmenseigenen Forschung und

Entwicklung statt, während die andere Hälfte gemeinsame

Projekte mit Pharma- und Biotechpartnern sind.

Das Ziel sind integrierte, langfristige Partnerschaften

von der Idee bis zum kommerziellen Medikament.

Gemeinsam mit Partnern wird zum Beispiel mit induzierten

pluripotenten Stammzellen geforscht, es werden

Screenings durchgeführt, Daten ermittelt und abgeglichen.

Ist ein vielversprechender Ansatz gefunden, wird an der

Ausdifferenzierung und Weiterentwicklung gearbeitet.

Diese kann – in der Regel nach einigen Jahren – in die

Phase der klinischen Studien übergehen. Bei diesen übernimmt

oft der Partner die Regie – und die Finanzierung.

So reduziert Evotec einerseits ihr Risiko, denn die klinischen

Phasen sind teuer und für das Einzelprojekt mit

einem hohen Risiko behaftet. Wird ein Medikament tatsächlich

zugelassen, winkt für Evotec eine Umsatzbeteiligung.

Andererseits erhöht das Unternehmen so seine

Erfolgschancen, da so mit vielen Partnern zeitgleich an

zahlreichen Projekten geforscht werden kann. Im Bereich

der Nierenerkrankungen wird derzeit beispielsweise mit

vier verschiedenen Pharmaunternehmen strategisch zusammengearbeitet

– konzernweit ist Evotec direkt am

Erfolg von über 130 Wirkstoffforschungs- und entwicklungsprojekten

beteiligt. Weiteres Potenzial schlummert

in Beteiligungen an inzwischen mehr als 20 Biotechnologie-

Start-ups.

EVOTEC PROFITIERT AUCH DAVON, dass es sich für

viele Pharmaunternehmen nicht lohnt, umfangreiche eigene

Datenbanken und Softwarelösungen aufzubauen –

auch der Bereich der internen Forschung insgesamt wird

dort zurückgefahren, sodass es mehr und mehr Auftragsentwicklungen

gibt. Die Branche verzeichnet seit Jahrzehnten

steigende Entwicklungskosten bei abnehmenden

Gewinnspitzen. Das Unternehmen selbst hat sich

inzwischen zu einer Art pharmazeutischem Full-Service-

Unternehmen entwickelt, das sowohl in der ganz frühen

Forschung und Entwicklung tätig ist als auch innovative

neue Herstellungstechnologien entwickelt. Damit ist ein

einzigartiges Portfolio entstanden.

Die Erfolgsquoten in der Medikamentenentwicklung

liegen allerdings bei nur zwei bis drei Prozent, die Entwicklungszeiten

sind mit bis zu 15 Jahren sehr lang. Entsprechend

verfolgt Evotec zwar einen sehr spannenden

Ansatz, einen marktzugelassenen Entwicklungserfolg

gibt es jedoch noch nicht. „Viele Medikamente, an

34 1 |2022


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unternehmen

denen wir beteiligt sind, sind noch in der späten präklinischen

und klinischen Entwicklung“, sagt Uwe Andag.

„Aber mit unserem datenbasierten Ansatz wollen wir

auch dazu beitragen, die Ausfallrate klinischer Studien

erheblich zu reduzieren. Wir haben über 130 Programme

auf den Weg gebracht und sind sehr zuversichtlich,

dass mehr als eines davon am Markt landen wird.“

AN SEINER ARBEIT BEGEISTERT ANDAG VIELES. „Am

meisten Spaß macht mir, diesen ganzen Prozess von der

anfänglichen Idee bis zur klinischen Testphase mit unserem

Team gestalten und erleben zu können. Hier hat jeder

innovative Ideen und will sich einbringen.“ Zudem

hat Evotec durch das Wachstum sowie den innovativen

Datenanalyseansatz heute eine ganz andere Sichtbarkeit.

Vor zehn Jahren musste sich der Göttinger Standort sehr

stark um Kunden bemühen. Es gab fast nur interne Forschung.

„Inzwischen hat Evotec einen Namen, und wir

können uns vor Aufträgen fast nicht retten. Wir spielen

mittlerweile in der Champions League.“ ƒ

Ehre, wem Ehre gebührt

Die Wurzeln der heutigen Evotec sind noch immer

überall sichtbar: Sei es in der Ausrichtung des

Forschungs- und Entwicklungsschwerpunkts, sei es

im Namen – denn sowohl das Hauptquartier in

Hamburg als auch der Standort Göttingen (Foto)

heißen jeweils ,Manfred Eigen Campus‘. So wird

dem Mann Tribut gezollt, der die Grundlagen für

einen der heutigen innovativen Ansätze gelegt hat,

präzise wirkende Therapien zu entwickeln.

Heute zählt die Evotec SE mit über 4.000 Mitarbeitern

weltweit zu den international führenden Wirkstoffforschungs-

und -entwicklungs unternehmen.

36 1 |2022


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Dr. Marco Scheuchzer (v.l.)

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Die Steuerberaterinnen Laureen Albers und Simone Klare sind neue Prokuristinnen der

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Leistungsträgerinnen der Kanzlei und wurden

nun für ihren Einsatz entsprechend belohnt.

SIMONE KLARE ist bereits seit 2013 als

Steuer beraterin bei HSP STEUER Göttingen

beschäftigt. Ihr Einstieg in die steuerberatenden

Berufe erfolgte 2004 mit ihrer Ausbildung

als Steuerfachangestellte. Nach der Weiterqualifikation

zur Bilanzbuchhalterin 2008 erfolgte

2012 die Bestellung zur Steuerberaterin.

LAUREEN ALBERS ist den Weg zur Steuerberaterin

bei HSP STEUER Göttingen gegangen.

Die studierte BWLerin hat hier 2016 als Steuerund

Prüfungsassistentin begonnen und 2019

ihren Titel als Steuerberaterin erlangt.

Beide Steuerberaterinnen freuen sich, dass

ihr Einsatz für die Kanzlei gesehen und belohnt

wird, und sehen ihrer weiteren Karriere

gespannt entgegen.

KONTAKT

HSP STEUER Göttingen GmbH

Steuerberatungsgesellschaft

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Tel. 0551 820807-0

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unternehmen

Mehr Detail geht nicht

40 1 |2022


unternehmen

Erfunden, erforscht und gebaut in Göttingen: Dank der Entdeckung von Nobelpreisträger Stefan Hell

sehen Wissenschaftler auf der ganzen Welt durch die Mikroskope von Abberior Dinge, die sie niemals

zuvor gesehen haben – und können entscheidende Durchbrüche in der Forschung erzielen.

TEXT TOBIAS KINTZEL FOTOGRAFIE PETER HELLER

1 |2022 41


unternehmen

Gründer mit Durchblick

Zusammen mit Nobelpreisträger Stefan Hell

und einer Gruppe mutiger Forscher startete

Gerald Donnert (Foto) vor rund zehn Jahren

die Erfolgsgeschichte von Abberior.

LESEZEIT: 8 MINUTEN

Fragt man Gerald Donnert, Mitgründer

und heutiger Geschäftsführer

von Abberior Instruments, nach der

Grundlage des Erfolgs des Göttinger

Unternehmens, sagt er nach kurzem

Überdenken mit einem Lächeln im

Gesicht: „Die Voraussetzungen waren

schon sehr speziell ...“ Und erzählt

alsdann eine beeindruckende

Geschichte, die von Überzeugung und unternehmerischem

Mut handelt – und von einem technologischen

Riesen vorsprung. Denn vor rund 20 Jahren gelang dem

Göttinger Professor und Physiker Stefan Hell – zusammen

mit Donnert die treibende Kraft hinter Abberior –

der Beweis, dass sich die Auflösungsgrenze im Fluoreszenzmikroskop

tatsächlich durchbrechen lässt. Dabei

handelt es sich um die am weitesten verbreitete Form der

Licht mikroskopie, für die 250 lange Jahre die Maxime

galt, dass nur Objekte im Bereich von etwa 250 Nanometern

auflösbar waren. Mit ihrer bahnbrechenden Entdeckung

machten Hell und seine Mitstreiter in der ersten

Dekade dieses Jahrhunderts Auflösungen im 20- bis 30-

Nanometerbereich möglich – und legten somit die Basis

für den Erfolg von Abberior.

KENNENGELERNT HATTEN SICH DIE BEIDEN Physiker,

als Donnert einst bei Professor Hell promovierte. Nach

seinem Studium in Bayreuth war Donnert bei Recherchen

auf die Arbeit der Abteilung von Hell am Max-Planck-

Institut für biophysikalische Chemie aufmerksam geworden.

„Ich wollte Teil dieser Forschungsgruppe werden,

die an den Grenzen der Physik rüttelte“, erzählt

Donnert heute mit einem amüsierten Blick und schaut

dabei versonnen in die Ferne. Nach der Promotion arbeitete

er zunächst bei dem Beratungsunternehmen

McKinsey und trieb dort strategische Projekte im Bereich

der damals disruptiven LED-Technologie voran.

Der Kontakt mit Stefan Hell riss nie ab.

„Als dann vor etwa zehn Jahren auch in der Lasertechnologie

bedeutende Durchbrüche erzielt wurden, war das

ein Trigger für uns beide: Die Zeit war reif, die Technologie

zu kommerzialisieren“, sagt Donnert rückblickend.

Und so hätte man gemeinsam entschieden: „Komm, wir

machen das jetzt!“

Sie trommelten in Göttingen ein Team zusammen und

gründeten im Jahr 2012 die Abberior Instruments GmbH

– zwei Jahre, bevor Hell gemeinsam mit Eric Betzig und

William E. Moerner den Nobelpreis für die Entwicklung

superauflösender Fluoreszenzmikroskopie erhielt.

42 1 |2022


unternehmen

1 |2022 43


unternehmen

Flaggschiff aus Göttingen Das 400 Kilogramm schwere STED-Mikroskop nimmt mit seinem luftgefederten Tisch reichlich Platz ein.

Dieses Gründerteam sei bis heute, so Donnert, einer der

Erfolgsfaktoren des Unternehmens: Alle Beteiligten seien

vom Fach, jeder ein herausragender Wissenschaftler. In

den Kernfunktionen Leitung, Forschung und Entwicklung

sowie Marketing und Sales säßen von Beginn an

Menschen, die die Technologie komplett verstanden hätten.

„Und wir hatten ab dem ersten Tag die gemeinsame Vision,

ein Gerät herzustellen, das besser ist, als alle sonst

am Markt verfügbaren.“

DIE WISSENSCHAFTLER nahmen für diese Gründung

nicht nur allen Mut zusammen, sondern auch ihr eigenes

Geld: Sie finanzierten Abberior Instruments ohne fremdes

Kapital. „Wir waren überzeugt, dass wir das hinbekommen

und wollten unabhängig in unseren Entscheidungen

sein“, erklärt der Geschäftsführer bestimmt. Ein

Teil des Geldes floss in den Erwerb der für die Umsetzung

ihrer Idee notwendigen Lizenzen und Patente. Sie

mussten nicht nur die finanziellen Forderungen der Patentinhaber

erfüllen, sondern diese auch davon überzeugen,

dass ihr Vorhaben zu einem Erfolg führen könnte.

„Das ist uns offenbar ganz gut gelungen“, sagt Donnert

zufrieden. Hilfreich dabei sei gewesen, dass Hell aufgrund

seiner langjährigen Beratertätigkeit in der optischen

Industrie ein ausgeprägtes Marktverständnis mitbrachte

und auch Donnert selbst während seiner Tätigkeit

bei McKinsey zuvor Einblicke in die Zusammenhänge

disruptiver Märkte erhalten hatte. Zweifel am

technischen und wissenschaftlichen Know-how des

Teams habe es nie gegeben.

Den Rest des Geldes steckten die Gründer in Teile und

Zubehör für das erste Mikroskop. „Unser gesamtes

Kapital stand bei der Auslieferung unseres ersten

STED-Mikroskops auf der Ladefläche des gemieteten

Sprinters. Uns war allen klar: Das muss jetzt einfach

klappen!“, beschreibt Gerald Donnert die Anspannung

auf der Fahrt zum ersten Kunden. „Wir brauchten den

Erlös, um das nächste Mikroskop bauen zu können.“

Das Gerät löste Begeisterung aus.

„FORSCHER SEHEN MITHILFE UNSERER GERÄTE DINGE,

die sie niemals zuvor gesehen haben. Diese Auflösung

erreichen zwar auch Elektronenmikroskope – wir sind

allerdings die Einzigen weltweit, die das bei lebenden

Zellen können oder die Verteilung von Proteinen in der

Zelle nanometergenau aufschlüsseln“, erklärt Donnert

nicht ohne Stolz und zeigt damit das Alleinstellungsmerkmal

von Abberior Instruments auf. Vorgänge in

Zellen ließen sich so sehr genau beobachten, molekulare

Zusammenhänge würden sichtbar. Eben diese völlig

44 1 |2022


unternehmen

Komplettes Paket Neben Mikroskopen entwickelt Abberior auch die chemischen Farbstoffe, die zur Präparation der Proben notwendig sind.

neuen Einblicke führten im Übrigen oft dazu, dass sich

Kunden noch während des ersten Tests für den Kauf eines

Mikroskops entscheiden würden.

DIE GÖTTINGER LIEFERN ABER NICHT NUR die Mikroskope,

sondern auch die chemischen Stoffe – genauer gesagt

Fluoreszenzfarbstoffe –, die zur Präparation der Proben

notwendig sind. „Wir bewegen uns in einer so hohen

Auflösung, dass die Farbstoffe zur Markierung des zu

untersuchenden Objektes keine Massenware mehr sein

können. Sie müssen perfekt auf die Mikroskope abgestimmt

sein“, erklärt der Geschäftsführer. In der eigens

dafür gegründeten Schwesterfirma Abberior GmbH, deren

Geschäfte ebenfalls Donnert führt, gelingt das in so

überzeugender Qualität, dass konkurrierende Mikroskophersteller

die Farbstoffe mitunter auch für deren Mikroskope

empfehlen.

Die herausragende Innovationskraft des Teams war

allerdings nach den STED-Mikroskopen und den dazu

passenden chemischen Markerstoffen noch immer nicht

erschöpft. Da die ersten Geräte mit den dazugehörigen

luftgefederten Tischen viel Platz benötigen und mit einem

Gewicht zwischen 300 und 400 Kilogramm nach

dem Aufbau nur schwer zu bewegen waren, entwickelte

Abberior Instruments ein deutlich kleineres Einstiegsmodell:

das Stedycon. „Das ist möglich gewesen, weil

wir von Anfang an viele Laser und andere Teile mit einer

hohen Fertigungstiefe selbst produzieren“, erläutert

Donnert. Das Ergebnis ist ein kompaktes Mikroskop,

das an nahezu jedes Stativ passt, einen geringen Platzbedarf

hat und mit 40 Kilogramm relativ leicht ist. „Unsere

Mitarbeiter können das Stedycon innerhalb von drei

Minuten aus der Transportbox nehmen, es anschließen

und erste Bilder liefern. Kunden können es in etwa einer

Stunde startklar machen.“ So werden superauflösende

Mikroskope transportfähig und flexibel einsetzbar. Während

das große STED-Mikroskop durchaus eine Million

Euro kosten kann, ist das Einstiegsmodell schon ab rund

200.000 Euro erhältlich.

DOCH AUCH MIT DER STED-MIKROSKOPIE war noch

immer kein Ende der Erfolgsgeschichte in Sicht. Nach der

Auszeichnung mit dem Nobelpreis haben Stefan Hell und

Kollegen am Max-Planck-Institut für biophysikalische

Chemie die Auflösung noch einmal um das Zehn fache verbessert

– bis hinunter auf die molekulare Skala: Die Minflux-Mikroskopie

erlaubt die Darstellung fluoreszenzgefärbter

Strukturen auf ein bis drei Nano meter genau – das

ist nicht nur weltweit einmalig, sondern auch das maximal

in der Fluoreszenzmikroskopie Erreichbare!

1 |2022 45


unternehmen

DONNERT UND SEINE KOLLEGEN bei Abberior Instruments

haben die Bedeutung dieser Entdeckung sofort erkannt

und die Patentrechte für Minflux von der

Max-Planck-Gesellschaft in Lizenz genommen. In einem

dreijährigen Kraftakt haben die Entwickler der Firma ein

Mikroskop entwickelt, das für die biologische und medizinische

Grundlagenforschung mit einmaligen Leistungsdaten

aufwartet. Forscher können mit diesem Verfahren

beispielsweis die Bewegung eines einzelnen Moleküls in

einer lebenden Zelle räumlich und zeitlich nanometergenau

verfolgen. Mehr Detail geht nicht. „Wenn Forscher

zum ersten Mal eines unserer Mikroskope nutzen, ist

ihnen schnell klar, dass wir ihnen die Tür zu wissenschaftlichen

Durchbrüchen weit aufmachen“, sagt Donnert.

Diese Durchbrüche, zum Beispiel beim Verständnis

molekularer Mechanismen bei Krankheiten, sind längst

keine Theorie mehr: Auf der Webseite des Unternehmens

findet sich eine lange Liste wissenschaftlicher Veröffentlichungen,

die durch die Geräte aus Göttingen möglich

gemacht wurden.

Man habe jedoch im Laufe der Jahre nicht nur die

physikalisch-technische Produktpalette erweitert, sondern

außerdem die Softwareabteilung deutlich ausgebaut.

So wurde ebenfalls in die Weiterentwicklung

der ‚User Experience‘ investiert. „Die Bedienung soll so

einfach wie möglich sein, damit Forscher sich ganz auf

ihr Forschungsobjekt konzentrieren können“, erklärt

Donnert den eigenen Anspruch. Dass Abberior Instruments

mit dieser Einstellung richtig liegt, zeigt zum

einen der zweite Platz im diesjährigen Innovationswettbewerb

,Top 100‘ in der Größenklasse 50 bis 200 Mitarbeiter,

der die innovativsten Unternehmen des deutschen

Mittelstands auszeichnet. Zum anderen macht

sich das auch in einem beeindruckenden Wachstum

bemerkbar: Mit zehn Mitarbeitern im Jahr 2012 gestartet,

sind die Spezialisten für superauflösende Lichtmikroskope

auf heute rund 100 Mitarbeiter an den

Standorten Göttingen, Heidelberg, in den USA und

China gewachsen.

AUF DIE FRAGE, wohin sich das alles noch entwickeln

kann, folgt erneut ein zufriedenes Schmunzeln. „Wir sehen

sehr großes Potenzial“, sagt Donnert. „Unsere geografische

Ausdehnung steht wirklich noch am Anfang.

In China starten wir gerade erst durch.“ Neben dem

technologischen Vorsprung sorgen vor allem zwei Faktoren

dafür, dass der Geschäftsführer von weiterem

Wachstum ausgeht. Noch immer ist das Unternehmen

vollkommen unabhängig von Investoren – man könne

also sehr schnell Entscheidungen treffen. „Außerdem

laufen unsere Produkte und internen Projekte so wunderbar,

weil in unserem Team einfach sehr gute Leute

sind.“ Hervorragend ausgebildete Fachkräfte kämen

aus dem Umfeld der Labore von Stefan Hell aus Göttingen

und Heidelberg. Nicht nur die weltweit einzigartige

Technologie wirke anziehend. „Wir geben – nicht zuletzt

aufgrund des Wachstums – sehr schnell viel persönliche

Verantwortung und Freiraum. Viele Ideen und Projekte

werden aus dem Team heraus angeschoben, nicht von

oben. Es ist schön zu sehen, wie leidenschaftlich alle dabei

sind und was dabei herauskommt“, sagt Donnert erfreut.

Und auch Göttingen kann sich freuen: Im November

des vergangenen Jahres erfolgte die Grundsteinlegung für

ein neues Labor- und Bürogebäude auf dem Nordcampus

der Uni. Als Bauherr investiert die GWG Gesellschaft für

Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung Göttingen

14 Millionen Euro. Das Gebäude bietet nicht nur Platz

für 200 Mitarbeiter, sondern sorgt auch dafür, dass die

Erfolgsgeschichte der Abberior-Gruppe auch in Zukunft

in der Leine-Stadt geschrieben wird. ƒ

Die Wurzel des Erfolgs von Abberior

Gegründet wurde Abberior 2011 in Göttingen von

Gerald Donnert, Lars Kastrup und Vladimir Belov sowie

Professor Stefan Hell, der für seinen Trick, die Beugungsgrenze

des Lichts im optischen Mikroskopierverfahren zu

überwinden, 2014 den Nobelpreis für Chemie erhielt.

Daraus wurde das revolutionäre hochauflösende

STED-Mikroskop entwickelt, das mittels leuchtender

Stoffe Moleküle darstellen kann – auch in der lebenden

Zelle. Zuvor waren Mikroorganismen nur bis zu einer

Größe von 0,2 Mikrometern oder 200 Nanometern

sichtbar. Mit STED und dem Einsatz von Lasern sowie

ein gefärbtem Gewebe gelang Hell die Auflösung von bis zu

15 Nanometern. Die Folge: Nervenzellen, E-Coli-Bakterien

und andere Winzlinge wurden sichtbar – die optische Welt

für den Menschen hat sich erweitert.

Der Name Abberior erinnert übrigens an den

Forscher Ernst Abbe. Der Titel beinhaltet auch das

Wort ,superior‘ im Sinne von ,überlegen‘.

46 1 |2022


Audi Business

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unternehmen

Gut verdrahtet

Die Gründer von Enwired aus Bad Gandersheim hat ein gemeinsames Ziel zu ihrem

Start-up motiviert: mit dem autarken Haus das Klima retten.

TEXT SVEN GRÜNEWALD FOTOGRAFIE ALCIRO THEODORO DA SILVA

LESEZEIT: 4 MINUTEN

Was kann man selbst tun, um klimapolitisch

etwas zu bewirken? Mit dieser aktuellen

Fragestellung setzten sich 2019 auch drei

frischgebackene Abiturienten aus Bad Gandersheim

auseinander: Niklas Ostendörfer, Paul Lehne

und Phil Leuci. „Mit dem Abi in der Tasche habe ich

zunächst ein Auslandsjahr in Indien absolviert“, erzählt

Leuci. „Die beiden anderen kamen mich dort besuchen,

und gemeinsam sind wir viel gereist, unter anderem durch

Australien. Motiviert durch unsere Reiseeindrücke,

haben wir uns Gedanken gemacht, wie wir uns für den

Klimaschutz einsetzen können.“ Zurück in Deutschland

reifte dann die Idee, dass erneuerbare Energien in der

Haustechnik ein lohnenswertes Projekt sein könnten.

SO WURDE IM JULI 2021 ENWIRED GEGRÜNDET: mit

der Idee, das energetisch autarke Haus zu schaffen (siehe

auch Seite 72). Enwired liefert dafür das energetischtechnische

Konzept und baut die Anlagen ein. Es beginnt

bei der Energie erzeugung, vor allem durch Photovoltaik-Anlagen,

aber auch durch kleine Windkraftanlagen,

und geht über die Speichertechnik bis zur Heizung und

Ladestation für Elek troautos. „Ein autarker Haushalt

hat viele Facetten, deswegen betrachten wir das Gesamtsystem

und wollen auch alle dafür notwendigen Komponenten

mit einbinden“, erklärt Leuci. Mit aktueller Technik

lasse sich zurzeit etwa ein Autarkiegrad von 75 bis 80

Prozent erreichen.

Ihr Start-up treiben die Gründer neben Ausbildung und

Studium in ihrer Freizeit voran. Mit ihren Ausbildungen

ergänzen sie sich zudem gut: Niklas Ostendörfer, derzeit

im dualen BWL-Studium, organisiert den Vertrieb und

kümmert sich für die Kunden um die Fördermodalitäten.

Phil Leuci, Student der Wirtschafts psychologie, verantwortet

die Finanzen und das Marketing. Paul Lehne, der

kurz vor dem Ende seiner Dachdeckerausbildung steht,

und sein Kollege Alex Stahlmann, in Kürze Dachdeckermeister

und als Vierter zu dem Start-up-Team dazugestoßen,

sorgen für die konkrete Umsetzung der Projekte.

Und noch ein Seniorpartner gehört zum Team: Axel Lehne,

der Onkel von Paul, der als selbstständiger Bauleiter

Projekte in ganz Deutschland betreut. „Anfang 2021 kamen

die vier Jungs hoch motiviert mit der Frage auf

mich zu, ob ich sie bei der Gründung einer Firma unterstützen

kann“, erzählt Axel Lehne.

SEITDEM GEHT ES KONSEQUENT VORAN. Als einen

der Schlüssel für ihren Erfolg sehen die Gründer den Service.

„Der übliche Ablauf für jemanden, der beispielsweise

in eine PV-Anlage investieren will, sieht so aus,

dass er sich zunächst selbst einen Anbieter suchen muss,

dann einen Dachdecker und einen Elektriker, die die Anlage

installieren“, erzählt Paul Lehne. Zudem gebe es

eine Menge Papierkram, wenn es um Anträge für staatliche

Förderprogramme geht. „All das übernehmen wir

für den Kunden.“

48 1 | 2022


unternehmen

Auf der Überholspur Das fünfköpfige Team aus Bad Gandersheim steckt jede freie Minute in seine zukunftsträchtige

Idee von einem energetisch autarken Leben.

Gleichzeitig will Enwired als langfristiger und verlässlicher

Partner für Probleme bereitstehen, denn der Kunde

investiere schließlich einige Tausend Euro. „Dann soll er

auch sicher sein, dass seine Energieproduktion verlässlich

funktioniert“, sagt Bauleiter Axel Lehne bestimmt.

„Vertrauen ist daher das ganz große Thema.“ Dazu gehöre

aber auch Verlässlichkeit. „Wir befinden uns in einer

Situation mit sehr hoher Nachfrage am Markt, weshalb

viele Unternehmen Schwierigkeiten haben, angesichts

begrenzter Kapazitäten die vielen Anfragen zu

bewältigen.“ Die Folge seien teils monatelange Wartezeiten,

bis die Fachbetriebe ein Angebot für die Installation

einer PV-Anlage herausschickten.

TROTZ ALL DIESER HERAUSFORDERUNGEN sind die

vier Gründer bereit, die Kundenanfragen, Angebote und

vieles mehr zügig abzuarbeiten. „Nächtlicher E-Mail-

Verkehr, etwa um ein Projekt zu komplettieren, ist keine

Seltenheit“, erzählt Axel Lehne. Das Ziel sei, innerhalb

von zwei bis drei Wochen ein differenziertes Angebot unterbreiten

zu können.

Mit diesem Ansatz hat das Enwired-Team innerhalb

kurzer Zeit bereits sichtbare Erfolge erzielt. Hauptsächlich

sind es private Anfragen für PV-Anlagen bis zehn

Kilowatt, oft motiviert durch gestiegene Strompreise

oder einen höheren Stromverbrauch, etwa aufgrund des

Umstiegs auf Wärmepumpen. Aber auch zwei größere

Anlagen um 300 Kilowatt sind bereits in der Projektierung.

Rund 50 Projekte hat das Start-up aus Bad Gandersheim

bereits in der Planung – viele sind das Ergebnis

von Mundpropaganda.

Das alles hat nicht nur dazu geführt, dass die Firma

inzwischen auf ein verlässliches und weiter wachsendes

Netzwerk zurückgreifen kann, um den Allroundservice

anbieten zu können, sondern es sind auch schon Lieferanten

auf das junge Team aufmerksam geworden –

so etwa die Firma Solarwatt, ein deutscher Hersteller

von PV-Anlagen. Mit Solarwatt konnte vereinbart

werden, dass Anfragen von Interessenten rund um Gandersheim

zur Bearbeitung an Enwired weitergeleitet

werden. „Das ist erstaunlich, weil wir eine noch junge

Firma sind, die sich erst in der Entwicklung befindet“,

sagt Axel Lehne.

DIE MOTIVATION IM TEAM ist trotz der doppelten Arbeitsbelastung

aus Ausbildung oder Studium und Wochenend-

und Nachtarbeit für das Start-up hoch. „Wir

kommen so auf 60 oder 70 Stunden in der Woche“, sagt

Phil Leuci. „Aber wir hatten noch nie den Fall, dass es

uns keinen Spaß mehr gemacht hat.“ Im Gegenteil, die

Euphorie, mit der die Gründer gestartet sind, sei eher

noch gewachsen. „Wir haben die Firma mit dem Ziel gegründet,

dass es sie über Jahrzehnte geben soll“, ergänzt

Niklas Ostendörfer. „Wir sehen die Resultate. Wir sehen,

es ist zukunftsträchtig. Insofern kann ich mir auch vorstellen,

dass Enwired mal unser Vollzeitjob wird.“ƒ

1 |2022 49


wissen

Kleine Schritte,

großer Wandel

Die Welt rüstet sich für die Energiewende. Sie fordert von Politik, Wirtschaft sowie

Wissenschaft gleichermaßen ein hohes Maß an Initiative – Know-how, Mut und

Investitionen sind gefragt. Wie gut, dass es in Südniedersachsen dies alles gibt!

Mit der neuesten Änderung des Klimaschutzgesetzes hat die Bundesregierung die

Klimaschutzvorgaben verschärft und das Ziel der Treibhausgasneutralität bis 2045

verankert. Bereits bis 2030 sollen die Emissionen gegenüber 1990 um 65 Prozent

sinken. Der Druck von Gesellschaft, Regierung und Investoren steigt. Daher ist es

längst keine Frage mehr, ob Unternehmen ressourcenschonend handeln müssen,

sondern wie. Neue Energieträger wie Wasserstoff und Strom aus regenerativen

Quellen spielen hierbei eine ebenso große Rolle wie Forschung und Entwicklung.

Doch die Energiewende ist nicht nur eine Herausforderung – sie bietet durchaus

auch Chancen zur Entfaltung neuer Geschäftsfelder und Märkte sowie

die Möglichkeit, sich in diesem Feld mit seinem Unternehmen ganz

vorne zu positionieren.

Mehr zu alldem auf den folgenden Seiten.

50 1 | 2022


wissen

FOTO: STOCK.ADOBE.COM

1 |2022 51


wissen

Wie gelingt der Wandel?

Wer die Energieeffizienz oder Klimabilanz verbessern will, steht vor großen Fragen:

Wie sehen die Rahmenbedingungen für Nachhaltigkeit in Unternehmen aus? Was kann ich umsetzen?

Was ist überhaupt sinnvoll? Und wo bekomme ich gegebenenfalls Förderungen?

TEXT JAN FRAGEL ILLUSTRATIONEN STOCK.ADOBE.COM

Der Klimawandel mit seinen Auswirkungen

spielt auch für viele Unternehmen eine Rolle

und stellt sie vor neue Herausforderungen.

Doch selbst, wenn drastische Emissionsminderungen

vorgenommen werden,

wird es eine Veränderung des Klimas geben. In den

nächsten Jahrzehnten werden Klimaschutzmaßnahmen

durch Klimaanpassungsmaßnahmen ergänzt werden

müssen. Das bedeutet auch, dass die heute geltenden

Rahmenbedingungen für die Wirtschaft sich stetig weiter

ändern werden. Je früher sich Unternehmer auf den Weg

in Richtung ,grüne Zukunft‘ machen, desto besser sind

sie aufgestellt.

FÜR GROSSUNTERNEHMEN UND KONZERNE ist es

längst eine Pflicht: Sie müssen sogenannte Energieaudits

durchführen. Das heißt, sie durchleuchten ihre Unternehmen

in Sachen Energie. Wie viel Strom wird in Büros,

Werkstätten und Fabrikhallen benötigt? Woher kommt

die Prozesswärme und wie hoch ist der Verbrauch? Wie

viel Sprit braucht die Fahrzeugflotte? Unternehmen, die

verpflichtet sind, ein Energieaudit zu erstellen, müssen

das alle vier Jahre wiederholen. Grundlage dafür ist das

Gesetz über Energiedienstleistungen und andere Energieeffizienzmaßnahmen

(EDL-G). Das wiederum beruht auf

einer europaweiten Richtlinie, der EU-Energieeffizienzrichtlinie,

nach der alle großen Unternehmen ein Energieaudit

durchführen müssen. Ziel ist es, die Verbräuche im

Blick zu haben, Energiefresser zu identifizieren und Einsparmöglichkeiten

auszuloten. Unternehmen, die ein sogenanntes

Energie- oder Umweltmanagementsystem betreiben,

sind von der Pflicht zu einem Energieaudit befreit.

Auch kleine und mittlere Unternehmen, die KMU, mit

höchstens 250 Vollzeitstellen und bis zu 50 Millionen

Euro Umsatz sind von der Energieaudit-Pflicht befreit.

Theoretisch könnten sie ohne einen Blick auf den Energieverbrauch

wirtschaften und Handel betreiben.

ABER IST DAS SINNVOLL? Aaron Fraeter, Projektleiter bei

der Energieagentur Region Göttingen, beantwortet diese

Frage klar mit einem Nein. „Mit mehr Nachhaltigkeit

können KMU und auch Kleinstunternehmen ihre Position

am Markt verbessern: einerseits als Marketing-Argument

und andererseits durch Sparen von Energiekosten.“

Und die würden in Zukunft sicher noch weiter steigen.

Im alltäglichen Geschäft und bei vollen Auftragsbüchern

bleibt jedoch oft keine Zeit, sich dem Thema

Nachhaltigkeit, Energieverbrauch und Ressourcenschutz

im eigenen Unternehmen zu widmen. Mögliche

Veränderungen betreffen alle Bereiche, in denen Energien

und Ressourcen eingesetzt und fossile durch erneuerbare

Energieträger ersetzt werden können. Die Potenziale

sind von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich

groß. Darum ist eine qualifizierte und unabhängige Beratung

zur Identifizierung dieser Potenziale und zum

Aufzeigen der Lösungswege sinnvoll.

Aus diesem Grund vermittelt die Energieagentur auch

unabhängige Experten in die KMU, die als Lotsen im

Beratungs- und Förderdschungel zu unterschiedlichen

Themen beraten: Klimaneutralität, Solar, Energie- & Materialeffizienz

und betriebliches Mobilitätsmanagement.

DIESE ERSTEN BERATUNGEN sind für die Unternehmen

kostenlos – und vielfach auch Grundlage dafür, später

Fördermittel zu bekommen. „Die Unternehmer sollen

für erhöhte energetische Standards, die über die gesetzlichen

Vorgaben hinausgehen, sensibilisiert werden“, erklärt

Fraeter. „Wer erhöhte Standards umsetzt, wird mit

Fördergeldern belohnt.“ Darum gilt: Erst beraten lassen,

dann Fördergelder beantragen, dann investieren. ƒ

52 1 | 2022


wissen

KLIMANEUTRALITÄT

ZIELE der Beratung:

• Was sind die größten Verbraucher?

• Wie viele Treibhausgase pusten sie in die

Atmosphäre?

• Wie könnte der Fahrplan Richtung Klimaneutralität

aussehen? Wie fängt das Unternehmen an?

• Wie können Voraussetzungen geschaffen werden,

damit das Unternehmen ein förderfähiges Transformationskonzept

im Rahmen der ,Bundesförderung für

Energie- und Ressourcen effizienz in der Wirtschaft‘

erstellen kann?

BETRIEBLICHES MOBILITÄTSMANAGEMENT

Staus, hohe Kosten, Stress. Vom Arbeitsweg bis zur

Auslieferung von Produkten – nachhaltig gestaltete

Mobilität senkt die Kosten und fördert die Gesundheit

der Mitarbeiter.

ZIELE der Beratung:

• Wie kann das Unternehmen für nachhaltiges

Mobilitätsmanagement sensibilisiert werden?

• Wie kommen die Beschäftigten zur Arbeit?

• Dienstreisen, Fuhrpark und Parkplätze – wie ist das

Unternehmen aufgestellt?

• Wie kann die betriebliche Mobilität nachhaltig und

kostengünstig gestaltet werden?

SOLAR

Die Sonne schickt keine Rechnung – auch nicht an

Unternehmen. Große Hallen mit unverschatteten

Dächern sind ideale Standorte, um Solaranlagen zu

nutzen. Photovoltaikanlagen zur Stromproduktion oder

Solarthermieanlagen zur Wärmenutzung können oftmals

unkompliziert installiert werden.

ZIELE der Beratung:

• Welche Potenziale gibt es, Solarenergie im eigenen

Unternehmen zu nutzen?

• Wie könnte der Eigenverbrauch optimiert werden,

um Solaranlagen effizient zu betreiben?

• Kann es sinnvoll sein, die eigene Dachfläche zu

vermieten, damit zum Beispiel Energieversorger

PV-Anlagen installieren?

ENERGIE- & MATERIALEFFIZIENZ

Wer kennt das nicht: Wenn man sich ständig mit

den gleichen Abläufen beschäftigt, kann man leicht

,betriebsblind‘ werden. Man kommt dann gar

nicht auf Ideen, etwas zu verändern.

ZIELE der Beratung:

• Wie steht es konkret um die einzelnen Abläufe,

Prozesse und Verbräuche im Unternehmen?

• Wo im Unternehmen kann der Energie- und

Materialverbrauch optimiert werden?

• Wie sehen konkrete Maßnahmen aus und welche

Fördermöglichkeiten gibt es?

Das rät die Energieagentur:

„Photovoltaik ist eigentlich immer sinnvoll,

die Größe ist individuell. Die Wirtschaftlichkeit

tritt bei vielen dann ein, wenn zugekaufter

Netzstrom durch eigenen PV-Strom

ersetzt wird.“

Tipp: Wer schon mal nachsehen will, ob sein eigenes

Dach gut oder weniger gut für eine Solaranlage geeignet

ist, kann sich beim Solardachkataster Südniedersachsen

informieren: solardachkataster-suedniedersachsen.de

KONTAKT

Energieagentur Region Göttingen

Berliner Str. 4, 37073 Göttingen

Tel. 0551 38421310

energieagentur-goettingen.de

Für die Betriebe sind die Beratungen kostenlos,

finanziert werden sie vom Land Niedersachsen.

Weitere Infos:

klimaschutz-niedersachsen.de/energieberatung/unternehmen

1 |2022 53


wissen

Kleine Stellschrauben

Den eigenen Betrieb auf den Weg zur Klimaneutralität bringen – das klingt wie eine Mammutaufgabe,

die im Arbeitsalltag gerade in kleinen und mittleren Unternehmen schwer umsetzbar erscheint. Dabei sind

es oft schon kleine Schritte, die helfen können, Energie effizienter zu nutzen und alternative Energien

einzubinden. Schritte, die oft nicht viel kosten, aber die Kosten deutlich senken können.

TEXT JAN FRAGEL ILLUSTRATIONEN STOCK.ADOBE.COM

STROM

Eine Kilowattstunde Strom ist etwa

viermal so teuer wie eine Kilowattstunde Gas.

Daher sollte wohlüberlegt sein, an welcher

Stelle Strom beispielsweise zum Heizen

eingesetzt wird. Wer den Stromverbrauch

senkt, senkt auch die Kosten.

LEITUNGEN

Sind sie zu groß oder zu klein? Beides hat

entscheidenden Einfluss auf die Effizienz der Heizung.

Oder sind die Leitungen bestens isoliert?

Daumenwert: Dämmdicke = Rohrnennweite.

Mit einer guten Isolierung kann der Wärmeverlust

auf 10 Prozent reduziert werden.

KLIMATISIERUNG

Kühlen Kopf bewahren und ordentlich Energie

sparen: Im Bereich Kühltechnik können teilweise

bis zu 30 Prozent Energie gespart werden.

• Verdampfungs- und Kondensationstemperatur

optimieren

• auf das für die Umgebung passende

Kältemittel achten

• die Abwärme der Kälteanlage für andere

Zwecke nutzen

WÄRME

Ob Prozess- oder Heizwärme: Irgendwoher muss sie kommen.

Brennwerttechnik, die Nutzung nachwachsender Rohstoffe

oder Wärmepumpen in Kombination mit Photovoltaik und

Solarthermie sollten betrachtet werden. Eventuell kann auch ein

Blockheizkraftwerk (BHKW) interessant sein, eventuell auch

gemeinsam mit benachbarten Betrieben. In einem BHKW

werden Strom und Wärme gleichzeitig hergestellt – meist ist

der Energie träger Gas. Es gibt aber auch BHKW, die mit Pellets

befeuert werden und ebenfalls Strom und Wärme herstellen.

QUELLE: WWW.KLIMASCHUTZ-NIEDERSACHSEN.DE/ENERGIEBERATUNG/UNTERNEHMEN/INDEX.PHP

54 1 | 2022


wissen

LÜFTUNG

Kleines Detail große Wirkung: Wenn Gebläse mit

einem Keilriemen angetrieben werden, brauchen

sie mehr Strom als beispielsweise Zahnriemen.

Außerdem halten Zahnriemen länger und

müssen nicht so oft nachgespannt werden.

Einsparpotenzial: 5 Prozent.

PUMPEN & ANTRIEBE

Faustformel Hocheffizienzpumpen: Wird die

Förderleistung halbiert, sinkt der Energiebedarf

auf ein Achtel. Veraltete Pumpen verpulvern also

bares Geld.

Asynchronmotoren sind die Arbeitstiere in der

Industrie. Bei einer Neuanschaffung sollten

Geräte mit mindestens der Energieeffizienzklasse

IE3 oder IE4 gekauft werden.

DRUCKLUFT

Viele Maschinen arbeiten mit Druckluft.

Ein Kompressor sorgt für Pressluft – über Röhren

und Schläuche gelangt die Luft dann zu den

Geräten, die sie in Bewegung setzen. Eine winzige

Leckage von etwa einem Quadratmillimeter Größe

verursacht Kosten von durchschnittlich 500 Euro

pro Jahr. Darum auf dichte Leitungen achten.

Druckluftanlagen funktionieren mit kalter Luft

effizienter. Wer sie um zehn Grad abkühlt,

spart zwei bis vier Prozent Energiekosten.

Mehr als Dreiviertel der Kosten, die ein

Druckluftkompressor im Laufe seines Lebens

verursacht, entfallen auf die Energiekosten.

Reicht vielleicht auch weniger Druck?

Wer die Druckluft um ein Bar senkt, spart

sechs bis zehn Prozent Energie.

STROMSPEICHER

Auch Unternehmen können ihren

Eigenstrom verbrauch deutlich erhöhen,

wenn sie Stromspeicher einsetzen.

Das macht zudem die eigene

Stromversorgung sicherer.

PHOTOVOLTAIKANLAGE

Die Sonneneinstrahlung liegt in Deutschland jährlich

zwischen 850 und 1120 Kilowattstunden pro Quadratmeter.

Und die Sonne schickt keine Rechnung. Gerade Betriebsgebäude

haben oft viel Platz und drumherum keine Bäume.

Wer betrieblich eine PV-Anlage nutzt, macht sich unabhängiger

von schwankenden Strompreisen. Zudem lässt sich damit

wunderbar werben.

KRAFT-WÄRME-KÄLTE-KOPPLUNG

Es gibt Anlagen, die Wärme in Kälte verwandeln.

In Unternehmen mit hohem Kühlbedarf sind

Blockheizkraftwerke, kurz BHKW, mit sogenannten

Absorptionskälte maschinen im Einsatz.

WÄRMEPUMPEN

HYDRAULISCHER ABGLEICH

Noch nie gehört? Hat aber enorme Auswirkungen.

Alle Heizkörper werden so eingestellt, dass die

Rücklauftemperatur an jedem Heizkörper gleich

ist – egal, ob er nah an der Heizung installiert ist

oder weiter entfernt.

Auch mit diesen Maschinen lässt sich gleichzeitig

Wärme und Kälte erzeugen. Was im Neubau von

Wohnhäusern längst normal ist, kann sich auch

für Betriebe lohnen.

1 |2022 55


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Allianz mit 1KOMMA5°

Das Göttinger Elektrotechnikunternehmen bode & Stephan hat einen neuen Partner:

die 1KOMMA5° GmbH. Der Hamburger Dienstleister für Solarenergieversorgung verstärkt

die Neuausrichtung des traditionellen Göttinger Unternehmens.

„Nach innen verfolgt

1KOMMA5° das Ziel –

wenn man so will –,

das Handwerk in die digitale

Neuzeit zu bringen

und Prozesse zu optimieren.

Das sind Gründe, warum

wir die Partnerschaft

eingegangen sind.

ALEXANDER PAPE

Bode & Stephan ist als Elektrotechnikunternehmen

in Göttingen eine feste

Größe. Doch etwas hat sich beinahe

schleichend geändert: die Ausrichtung des

Unternehmens. „Wir waren immer im Elektrohandwerk

unterwegs und haben im Zuge

dessen auch Photovoltaik-Anlagen mit installiert“,

sagt Alexander Pape, neben Ingo Stephan

Geschäftsführer des Unternehmens. „In Zukunft

werden wir uns nur noch mit Photovoltaik,

Stromspeicher und Ladetechnik für

E-Autos beschäftigen.“

DIE NÄHE ZUM THEMA gibt es schon lange.

„Ingo Stephan und ich begeistern uns schon

seit über 20 Jahren für das Thema Elektromobilität

und Photovoltaik“, so Pape. „Doch

inzwischen sehen wir eine enorm gestiegene

Nachfrage. Deswegen haben wir uns 2021

für den Schwenk in unserer Ausrichtung entschieden.“

Ein wichtiger Faktor für die Nachfrage

ist die Strompreisentwicklung: Zum

einen steigt der Stromverbrauch zu Hause generell

– durch Wärmepumpen, Klimaanlagen,

das E-Auto. Zum anderen sind die Kosten pro

Kilowattstunde deutlich gestiegen. „Deswegen

geht man davon aus, dass in den nächsten

zehn Jahren rund eine Billion Euro in die

erneuerbaren Energien gesteckt werden.“ Die

Nachfrage kommt dabei zu 80 bis 90 Prozent

aus dem privaten Bereich, schätzt Pape.

Deswegen ist auch 1KOMMA5° bei bode &

Stephan eingestiegen. Das Unternehmen, zu

dessen Investoren unter anderem die Porsche

AG gehört, besteht aus ehemaligen Gründern

und Mitarbeitern verschiedenster, heute

großer Firmen wie Tesla, sonnen oder Solarwatt.

1KOMMA5° ist Mitte 2021 mit dem Ziel

angetreten, die Solartechnik nun auf breiter

Front günstig und effizient an den Kunden zu

bringen. Dazu kauft das Unternehmen derzeit

europaweit Unternehmen wie bode & Stephan

auf, die die Expertise rund um PV-Anlagen und

nachgelagerte Technik mitbringen. So soll ein

großer Rundum-Solarenergie-Anbieter entstehen,

der bundesweit nach einheitlichem Qualitätsstandard

Solarprojekte abwickeln kann.

„NACH INNEN VERFOLGT 1KOMMA5° das

Ziel – wenn man so will –, das Handwerk in die

digitale Neuzeit zu bringen und Prozesse zu

optimieren“, sagt Pape. „Das sind Gründe, warum

wir die Partnerschaft eingegangen sind. Wir

können uns so weiter um unser Kerngeschäft

und den unternehmerischen Alltag kümmern –

aber die Weiterentwicklung des Unternehmens

in Richtung Digitalisierung, Abläufe, das, was

uns eher schwerfällt oder viel Geld kostet, da

profitieren wir von 1KOMMA5°.“ Der Einstieg

von 1KOMMA5° hat die Entscheidung für

die Schwerpunktverlagerung allein auf Solar -

energie noch einmal beschleunigt, und durch

den wachsenden Unternehmensverbund

sieht Alexander Pape auch den Vorteil, dass

das eigene Professionalitätsniveau in diesem

Bereich weiter steigen wird. Im Rahmen des

1KOMMA5°-Unternehmensverbundes ist bode

& Stephan nun für Mitteldeutschland im Be-


PROFIL

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Voller Energie Gemeinsam leiten die Geschäftsführer Alexander Pape (l.) und Ingo Stephan ihr Unternehmen in eine neue Zukunft.

reich zwischen Kassel und Hamburg für die

Abwicklung von Projekten verantwortlich.

IM MARKT FÜR DIE INSTALLATION von

Solaranlagen, Stromspeicher und E-Ladetechnik/Wallboxen

dominieren momentan noch

die vielen kleinen Elektrotechnikunternehmen.

„Vor zwei Jahren wurden in dem Bereich nur

rund zehn Prozent des Auftragsvolumens von

überregionalen Unternehmen bedient“, erklärt

Pape. „In zwei Jahren wird sich das Verhältnis

umgekehrt haben und es werden nur noch

zehn Prozent durch lokale Unternehmen abgedeckt

werden.“ Es vollziehe sich derzeit ein

massiver Strukturwandel von Einzelbetrieben

hin zu Großkonzernen wie 1KOMMA5°, die

kleine Betriebe aufkaufen.

Teils bringt das aber auch die Nachfrage

mit sich. Wenn beispielsweise ein bundesweit

agierender Einzelhandelskonzern vor jedem

seiner Supermärkte zehn Wallboxen für

das Laden von Elektroautos haben möchte,

dann soll das nach Möglichkeit ein Anbieter

aus einer Hand erledigen und nicht die Verhandlung

mit Hunderten lokaler Anbieter mit

sich bringen. „Solche Dienstleistungen können

Sie daher nur anbieten, wenn Sie auch

überall Partner haben und einheitliche Qualitätsstandards

garantieren können“, sagt Pape

überzeugt.

Zudem hätten es Einzelkämpfer schwer.

„Mit Photovoltaik und Wallboxen ist ein hoher

Verwaltungsaufwand verbunden. Wenn wir

das alles selbst machen, verbrauchen wir sehr

viel Zeit pro Kunde – das ist teuer.“ Bei bode

& Stephan gehen manchmal pro Tag bis zu

50 Anfragen ein, illustriert Alexander Pape die

Herausforderung. „Die müssen wir aber bedienen“,

so der Geschäftsführer. „Ein Kunde,

der nach ein oder zwei Wochen immer noch

keine Antwort bekommen hat, wandert ab,

und das wirkt sich auf das Image aus.“ Doch

Alexander Pape sieht das Unternehmen hervorragend

aufgestellt.

ZURZEIT HAT bode & Stephan 46 Mitarbeiter,

davon acht im Vertrieb. Mitte 2021 waren

es nur drei Vertriebler. „Insgesamt haben wir

im vergangenen Jahr zwölf neue Mitarbeiter

eingestellt, beim Umsatz lagen wir letztes

Jahr bei sechs Millionen Euro, dieses Jahr

rechnen wir mit einer Verdopplung“, so Pape.

„Für 2023 gehen wir von 18 bis 20 Millionen

Euro Umsatz aus, bei einer Mitarbeiterzahl

zwischen 70 und 80.“ 2022 wird eine Niederlassung

in Salzgitter dazukommen, 2023 eine

weitere in Lüneburg. Die neue Geschäftsstrategie

und die Partnerschaft mit 1KOMMA5°

machen sich bemerkbar.

TEXT: SVEN GRÜNEWALD

KONTAKT

bode & Stephan GmbH

Herbert-Quandt-Straße 6

37081 Göttingen

Tel. 0551 50885-0

bode-stephan.de

info@bode-stephan.de


wissen

200 Ansätze

für mehr Klimaschutz

Mit ihrem Klimaplan 2030 hat sich die Stadt Göttingen das ehrgeizige Ziel gesetzt, durch eine deutliche

Reduktion des Energieverbrauchs und starke Einsparungen bei den Treibhausgasen, klimaneutral zu werden.

Alle gesellschaftlichen Gruppen sind gefordert – auch die Wirtschaft.

TEXT SVEN GRÜNEWALD ILLUSTRATION STOCK.ADOBE.COM

Die sieben Handlungsfelder des Klimaplans Göttingen 2030

Bauen und Sanieren Arbeiten und Wirtschaft Energieerzeugung Mobilität

Nachhaltig leben

Kommunale und zivilgesellschaftliche

Transformation vorantreiben

Anpassung an den Klimawandel

58 1 |2022


wissen

LESEZEIT: 4 MINUTEN

Die Stadt Göttingen will Ernst machen: Mit ihrem im Dezember

gefassten Beschluss will sie bis zum Ende des

Jahrzehnts das Ziel der Klimaneutralität erreichen.

Grundlage hierfür ist der Klimaplan Göttingen 2030.

In einem offenen Prozess hatte die Stadt im Jahr 2020 ihre Bürger

dazu aufgerufen, Klima-Ideen einzureichen. Aus den 745, die dabei

herausgekommen sind und die für den Klimaplan 2030 gesichtet

wurden, wurden rund 200 Projekte und Maßnahmen entwickelt, die

nun in verschiedenen Etappen umgesetzt werden sollen.

DIE PROJEKTE SIND BUNT GEMISCHT und auf sieben Handlungsfelder

verteilt. Dabei ist ein Schwerpunkt klar zu erkennen. „Wir

haben festgestellt, dass bei Gebäuden ein sehr hohes Potenzial für

eine CO 2 -Minderung vorhanden ist – vorranging bei der Heizung,

aber auch beim Stromverbrauch“, erzählt Dinah Epperlein, Leiterin

des Referats für nachhaltige Stadtentwicklung in Göttingen.

„Deswegen sind diese Maßnahmen für uns am wichtigsten.“

Das heißt: Gebäudesanierung hat Top-Priorität. Zwar lässt sich

auch im Neubau bereich mit dem Stand der Technik noch einiges

mehr herausholen, aber Neubau spielt in Göttingen mangels Platz

kaum eine Rolle. Der Baubereich ist allerdings auch der Bereich, der

einen langen Atem braucht – weil die Vorlaufzeit länger ist und mit

Blick auf die Gesamtstadt nicht alles auf einmal gemacht werden

kann. Und noch etwas ist eine Herausforderung: Die Entscheidung

zur Sanierung und dementsprechend zu nicht unbeträchtlichen Investitionen

ist Sache der Privatbesitzer – die Handlungsmöglichkeiten

der Stadt sind begrenzt.

Der Plan sieht deshalb vor, über ein Quartierskonzept Wohngebiete

zu identifizieren und diese unter verschiedenen Gesichtspunkten –

energetische Sanierung, Lebensqualität, notwendige Anpassungen an

den Klimawandel – zu betrachten, um anschließend Angebote zu entwickeln,

die Eigentümer zur Investition motivieren sollen.

Im Blick hat die Stadt hier zunächst Wohngebiete, die vor 40 oder

50 Jahren entstanden. Liegen Gewerbeflächen in dem jeweiligen

Quartier, so werden dafür ebenfalls Angebote entwickelt.

Projekte, die Klimaschutz in Unternehmen fördern sollen

Umweltpartnerschaft mit Unternehmen

Die Stadt Göttingen will eine Plattform ,Die Umweltpartnerschaft

der Göttinger Unternehmen‘ aufbauen,

auf der Unternehmen und ihre Klimaschutzprojekte

hervorgehoben werden und so öffentliche Resonanz

erzeugt werden soll.

Unterstützungsangebote klimaneutrale Unternehmen

Unternehmen sollen durch kompetente Beratung auf

ihrem Weg zur betrieblichen Klimaneutralität unterstützt

werden. Das umfasst eine fachliche Beratung für

Klimamaßnahmen, ihre Umsetzung und finanzielle

Unterstützung für die Einbeziehung externer Dienstleister

in diesen Prozess.

Ansiedlungsförderung klimafreundlicher Unternehmen

Es soll eine Strategie entwickelt werden, wie gezielt

klimafreundliche Unternehmen für eine Ansiedlung am

Standort Göttingen gewonnen werden können. Angedacht

sind unter anderem subventionierte Grundstückspreise

oder besondere Förderprogramme für nachhaltige

Maßnahmen.

Inkubator Energieeffizienz und Klimaschutz

Start-ups im Energiebereich, Klimaschutz- und Nachhaltigkeitsbereich

sollen durch eine gezielte Gründerförderung

unterstützt werden. Das kann unter anderem die

Bereitstellung von Infrastruktur, Coaching oder

Finanzierungshilfe sein.

1 |2022 59


wissen

EIN FOKUS GEZIELT AUF Industrie- und Gewerbegebiete

wird anfangs jedoch noch nicht verfolgt. „Für Gewerbegebiete

gibt es noch kein Förderangebot der KfW, zudem

liegt das große Einsparpotenzial zunächst in den

Wohngebieten“, erklärt Epperlein. Dennoch laufen mit

der GWG Gesellschaft für Wirtschaftsförderung und

Stadtentwicklung Göttingen und der Energieagentur

vor Ort bereits Gespräche, um Beratungsangebote für

Unternehmen zu entwickeln und diese über die bestehenden

Netzwerke zu verbreiten. Adressiert werden sollen

vor allem kleine und mittlere Unternehmen.

Man will keine Zeit verlieren – deswegen sollen bereits

in diesem Jahr alle 14 beschlossenen Sofortmaßnahmen

begonnen werden. Die Leitprojekte sollen in

den kommenden fünf Jahren starten und umgesetzt

werden. Priorität haben die Maßnahmen, die schnelle

und große Einsparungen bringen oder eine hohe Multiplikatorwirkung

entfalten und zum Mit- bzw. Nachmachen

anregen.

Der Klimaplan ist dabei keine starre Agenda, die wie

eine Checkliste abgearbeitet wird. Im Gegenteil: Das

Ziel stehe zwar fest, aber seine Maßnahmen seien dynamisch,

so die Verantwortliche. „Wir werden immer wieder

schauen, ob es neue Ansätze gibt, die wir aufgreifen

können“, sagt Dinah Epperlein. „Etwa, wenn sich die

Rahmenbedingungen für Förderungen verändern –

dann lassen sich wieder neue Maßnahmen entwickeln.

Das heißt, wir werden uns jedes Jahr aufs Neue mit der

Politik über den weiteren Kurs abstimmen.“

EBENSO INTENSIV werden alle Maßnahmen durch ein

Monitoring des Erfolgs insgesamt sowie auf der jeweiligen

Einzelprojektebene begleitet. „Wir messen uns an

den selbst gesteckten Zielen“, sagt Epperlein. „Wie sich

also die Energiebilanz der Stadt und die Höhe der Treibhausgasemissionen

entwickelt haben.“ Für die Stadt sei

das eine richtige Herausforderung. „Denn der Erfolg unserer

Vorhaben hängt von Entscheidungen Einzelner zu

Investitionen ab, die wiederum von den Rahmenbedingungen

des Landes und des Bundes beeinflusst werden.“

Ein Negativbeispiel zu Jahresbeginn war der plötzliche

Stopp des Bundesprogramms für die Förderung effizienter

Gebäude (BEG), weil die Mittel all zu schnell

ausgeschöpft waren. „Dadurch ist bei privaten und professionellen

Investoren eine ganz große Unsicherheit

entstanden“, erläutert Epperlein. „Das Programm hat

viel Gutes bewirkt – aber die aktuelle Entwicklung zeigt,

wie rasant sich solche Rahmenbedingungen auch einmal

negativ entwickeln können.“ Im Falle des BEG hat die

Bundesregierung jedoch kurzfristig gegengesteuert und

das Programm mit zusätzlichen Mitteln ausgestattet.

Das heißt, jenseits des eigenen Wirkungskreises der

Stadt – was also kommunale Betriebe, Schulen, Materialbeschaffung,

öffentlichen Nahverkehr betrifft – sind die

Handlungsmöglichkeiten begrenzt, und es ist viel Überzeugungs

arbeit nötig. Eine Stärkung des öffentlichen

Nahverkehrs und eine Zurückdrängung des privaten Verkehrs

beispielsweise setzt nicht nur die entsprechenden

Angebote voraus, sondern schafft auch Konfliktkonstellationen,

etwa wenn es um eine Verknappung von Parkplätzen

in der Innenstadt geht. Das macht das Erreichen der

städtischen Klimaziele zu einer echten Herausforderung.

„Ich will deswegen auch keine Euphorie verbreiten“, sagt

Epperlein, „aber wir merken auch, dass sich gesellschaftlich

in den letzten Jahren sehr viel geändert hat. An vielen

Stellen rennen wir inzwischen offene Türen ein.“

FÜR EIN SEHR FUNDAMENTALES PROBLEM, das mit

der Energiewende verbunden ist, bietet aber auch der

Klimaplan keine Lösungen. Zwar werden bei jeder

Maßnahme auch soziale Auswirkungen betrachtet, doch

das Kostenproblem für sozial schwache Menschen löst

sich dadurch nicht. Die Energiepreise für Privathaushalte

in Deutschland sind die höchsten in der EU und liegen

etwa 50 Prozent über dem EU-Durchschnitt. In den letzten

zehn Jahren sind diese Stromkosten um rund 20 Prozent

gestiegen. Das verteuert nicht nur die Stromrechnung,

sondern etwa auch Warenpreise. Gleichzeitig ist die

deutsche Armutsquote bei rund 16 Prozent verfestigt.

Zugegeben, die grundsätzlichen Lösungen dafür können

nur in Berlin diskutiert werden, auswirken tun sie sich

dennoch vor Ort. Das ist kein Argument gegen Klimamaßnahmen,

aber ein Argument dafür, die zunehmenden

sozialen Verwerfungen rund um die Energiefrage nicht

unter ,ferner liefen‘ zu betrachten. ƒ

60 1 |2022


PROFIL

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Christine Kroß, Wirtschaftsförderin und

Clustermanagerin

Die Einladung mit allen wichtigen Informationen

sowie die Anmeldung finden Sie unter:

www.gwg-online.de/beitrag/logistiktagung2022

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und Stadtentwicklung Göttingen mbH

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Göttingen | Südniedersachsen

Bahnhofsallee 1B, 37081 Göttingen

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Klimawandel: Was Sie jetzt für Ihre

Geldanlage wissen müssen

Der Bericht des Weltklimarats IPCC ist eindeutig: Der Klimawandel schreitet schneller voran als

gedacht. Die Auswirkungen auf die Erde und die auf ihr lebenden Menschen könnten verheerend

sein. Expertinnen und Experten mahnen – der Handlungsbedarf sei dringend und enorm.

Doch was bedeutet das zukünftig für Anlegerinnen und Anleger? Und wie können sich

Unternehmen in Zukunft sinnvoll aufstellen? Antworten hierauf liefert uns Michael Birlin,

stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Göttingen.

Herr Birlin, laut des Klimaberichts wird

Deutschland den Klimawandel stärker zu

spüren bekommen als der Durchschnitt der

Erde. Mehr Hitze, mehr Starkregen und ein

steigender Meeresspiegel – das alles kommt

auf uns zu. Welche Konsequenzen kann das

hierzulande für Anlegerinnen und Anleger

haben?

Die ökologischen Herausforderungen sind

noch nie so dominant gewesen wie heute.

Wir gehen von einer weiteren deutlichen Verschärfung

des Klimawandels aus. Der Gesetzgeber

wird darauf in den nächsten Jahren

reagieren müssen, da die Zeit drängt und

marktwirtschaftlich die Veränderung hin zu

einer CO 2 -ärmeren Gesellschaft zu langsam

vorangeht. Bewertungen von Unternehmen

verändern sich strukturell. Unternehmen, die

besser für den Klimawandel gerüstet sind,

erfahren eine Aufwertung, die Klimasünder

werden abgestraft. Dadurch wird sich die

Wertschöpfung bei den Unternehmen verändern

– und die Risiken müssen neu bewertet

werden. Das schlägt sich bereits heute am

Kapitalmarkt nieder. Daher müssen die Anlegerinnen

und Anleger ihr Portfolio ,wetterfest‘

machen und frühzeitig ökologische Aspekte in

ihre Anlage integrieren, um Verluste im Portfolio

zu vermeiden.

Werden die Veränderungen ausschließlich

von der Politik getrieben sein oder haben

auch Anlegerinnen und Anleger einen

Einfluss?

Wir bemerken schon seit einiger Zeit, dass das

eigene nachhaltige Handeln für unsere Kundinnen

und Kunden immer mehr an Bedeutung

gewinnt – sowohl im Alltag als auch in

ihren Anlageentscheidungen. Vor allem Umwelt-

und Klimaschutz, aber auch die Förderung

sozialer oder gesellschaftlicher Produkte

oder Unternehmen spielen dabei eine immer

größere Rolle. Aus diesem Grund erfragen unsere

Kundenberaterinnen und Kundenberater

in den Beratungsgesprächen strukturiert auch

die Nachhaltigkeitspräferenzen der Anlegerinnen

und Anleger, um diese in der Anlageempfehlung

zu berücksichtigen.

Was sollten Anlegerinnen und Anleger in

Zukunft bei der Geldanlage beachten, bevor

sie sich für ein Anlageprodukt entscheiden?

Ein Weg, um den Klimawandel sinnvoll in seiner

Portfoliostruktur zu berücksichtigen, ist

eine nachhaltige Kapitalanlage. Damit werden

in besonderem Maße ökologische und sozia le

Aspekte berücksichtigt. Ebenso wird die gute

Unternehmensführung dabei betont und belohnt.

Nachhaltige Anlagelösungen gibt es in

nahezu jedem Anlagesegment. Ähnlich wie

die individuelle Risiko- und Renditepräferenz

sollten jede Anlegerin und jeder Anleger auch

bei der Nachhaltigkeit einen für sich passenden

Ansatz finden. Wichtig werden auch weiterhin

Rendite und Risiko bleiben. Auf die eine

oder andere Weise zahlt sich ein nachhaltiges

Investment für die Anlegerinnen und Anleger

aus – entweder über einen besseren Ertrag

oder durch ein niedrigeres Risiko.

Die Kundinnen und Kunden der Sparkasse

Göttingen können hierbei zum Beispiel nachhaltige

Investitionen in Fondskonzepte der

DekaBank, wie beispielsweise in den Deka-

Nachhaltigkeit Renten CF, den Deka-Nachhaltigkeit

EinkommensStrategie oder den offenen

Immobilienfonds WestInvest InterSelect

tätigen. Selbstverständlich bietet es sich auch

an, regelmäßig und langfristig zu sparen. Als

besonders gefragte Investments für Sparpläne

haben sich bei unseren Kundinnen und

Kunden der Deka-Nachhaltigkeit Aktien CF,

der Deka-BasisAnlage Dynamisch sowie der

Deka-Nachhaltigkeit Impact Aktien CF herauskristallisiert.

Diese erfüllen die ESG-Standards.

Ein einheitliches Gütesiegel für nachhaltige

Geldanlage gibt es jedoch noch nicht. Aus

diesem Grund stellt die Deka nachhaltige

Aktien und Fonds aus ihrem Portfolio im


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Michael Birlin, stellvertretender Vorstandsvorsitzender

der Sparkasse Göttingen.

PROFIL

FOTO: SPARKASSE GÖTTINGEN

Europäischen SRI Transparenz Kodex (socially

responsible investing) vor und informiert im

Hinblick auf die Erfüllung der ESG-Kriterien

(environment social governance) transparent

zum Beispiel darüber, welche ESG-Kriterien

angewendet werden.

Dies sind allerdings nur einige Beispiele. Gerade

in dynamischen Märkten bieten sich zurzeit

gute Chancen für einen strukturierten und

stetigen – nachhaltigen – Vermögensaufbau.

In einem ausführlichen Beratungsgespräch

finden wir für alle Anlegerinnen und Anleger

das nachhaltige Anlageprodukt, das zu ihren

Vorstellungen und Risikopräferenzen passt.

Was werden Unternehmen künftig anders

machen müssen, um den Klimawandel zu

stoppen?

Unternehmen müssen den Klimawandel

– und nicht nur wegen der EU-Taxonomie-

Verordnung – zwingend bei ihrer geschäftspolitischen

Ausrichtung berücksichtigen. Ansonsten

wird ihre Wertschöpfung unter Druck

geraten. Zudem müssen die CO 2 -Emissionen

jedes Unternehmens deutlich reduziert werden.

Dazu müssen kurzfristige, mittelfristige

und langfristige Ziele definiert werden. Diese

Meilensteine müssen in der Strategie des

Unternehmens verankert und in die internen

Steuerungssysteme integriert werden. Letztlich

müssen die Unternehmensverantwortlichen

die Notwendigkeit der Beachtung von

Klimazielen aber auch im Portemonnaie spüren.

Denn nur durch langfristige Verhaltensänderungen

lässt sich auch die Senkung der

CO 2 -Emissionen umsetzen. Zudem sind eine

transparente Berichterstattung und eine klare

Kommunikation gegenüber dem Kapitalmarkt

und den Stakeholdern von großer Bedeutung.

Die meisten Unternehmen haben noch einen

langen Weg vor sich. Wichtig ist allerdings,

dass sie sich zügig auf einen nachhaltigen

Weg begeben und diesen konsequent verfolgen

– denn der Klimawandel ist eine große

Herausforderung für die kommenden Generationen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Allein verbindliche Grundlage für den Erwerb von Deka Investmentfonds

sind die jeweiligen Wesentlichen Anlegerinformationen,

Verkaufsprospekte und Berichte, die in deutscher Sprache

bei der Sparkasse oder der DekaBank Deutsche Girozentrale,

60625 Frankfurt, und unter www.deka.de erhältlich sind.

KONTAKT

Sparkasse Göttingen

Groner Landstraße 2

37073 Göttingen

Tel. 0551 405-0

info@spk-goettingen.de

www.spk-goettingen.de


wissen

Nachhaltig forschen

Heutzutage einen umfassenden Überblick über wissenschaftliche

Projekte zu geben, die sich in Südniedersachsen mit Fragen zum

Thema Nachhaltigkeit und Klimaschutz beschäftigen, ist fast

unmöglich: Sie sind fast überall präsent und sei es nur am Rande.

Die Technische Universität Clausthal beispielsweise hat sich als Ganzes

das Leitthema ,Circular Economy‘, Kreislaufwirtschaft, gegeben –

so tragen allein hier fast sämtliche Forschungsschwerpunkte den

Nachhaltigkeitsansatz in sich.

Insofern stellen die nachfolgenden Projekte aus den Hochschulen der

Region – TU Clausthal, Georg-August-Universität, PFH Private Hochschule

Göttingen sowie die Hochschule für angewandte Wissenschaft und

Kunst HAWK – notgedrungen eine Auswahl dar, die versucht, die

Vielfalt abzubilden und gleichzeitig besonders spannende Ansätze

zu würdigen. Auch wenn diese Projekte einer Institution zugeordnet

sind, ist es wichtig, sich zu vergegenwärtigen, dass die allermeisten

keine Einzelleistung einer Arbeitsgruppe sind, sondern oftmals

Verbundprojekte mit Praxispartnern oder anderen – nationalen wie

internationalen – Hochschulen.

TEXT SVEN GRÜNEWALD ILLUSTRATION STOCK.ADOBE.COM

64 1 | 2022


wissen

FOTO: PFH

HAWK

Besseres Nadelnutzholz: FutureWood

PFH

Circular Entrepreneurship Education

Das ZE Zentrum für Entrepreneurship der PFH hat 2021 ein

Nachhaltigkeitsprojekt für Schüler ins Leben gerufen – die Pilotphase

zur Erprobung des Konzepts mit ausgewählten regionalen

Schulen läuft bis Mitte dieses Jahres. Das Projekt soll Schülern

Einblicke und auch erste praktische Erfahrungen in die Themen

Unternehmensgründung sowie Innovation bieten und diese explizit

mit den Aspekten Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft

ver binden. Es versteht sich als Teil der Berufsorientierung für

Schüler in den Jahrgangsstufen 9 bis 12. Junge Start-ups und

etablierte Unternehmen wie Ottobock, KWS SAAT, Novelis und

die Göttinger Life Science Factory unterstützen das Projekt als

Experten und Ideengeber.

Nadelhölzer wie Fichte oder Douglasie sind zentrale Bestandteile

der Bauindustrie, sie sind jedoch anfällig für längere Trockenperioden

und Sturmwurf sowie Schädlinge, die von fehlendem

Frost und Wärmeperioden profitieren. Die Veränderung weg

vom monokulturellen Anbau hin zum Mischwald soll dem

entgegenwirken, verringert jedoch gleichzeitig die Festigkeit des

Holzes.

Das Projekt der HAWK verfolgt zwei Ansätze, um die Versorgung

mit hochwertigen Nadelhölzern zu sichern: Einerseits

werden an die veränderten Umweltbedingungen angepasste

Waldbaukonzepte für Nadelbäume entwickelt, andererseits

sollen die Sortierverfahren so optimiert werden, dass auch geringerwertiges

Rohholz für anspruchsvolle Holzwerkstoff produkte

genutzt werden kann.

HAWK

Methan-Emissionen kennen: GAEREMISSION

FOTO: STOCK.ADOBE.COM

Das Projekt ,Gaeremission‘ der HAWK untersucht die Ent stehung

von treibhausrelevanten Gasen wie Methan durch die unterschiedliche

Lagerung von Wirtschaftsdüngern und Gärresten. Betrachtet

werden beispielsweise Temperatur, Verweildauer und Behältersysteme

von Lagern in der Rinder- und Schweinehaltung sowie

von Biogasanlagen.

Die Ergebnisse sollen helfen, die Lagerung zu optimieren, so

die Emissionen zu minimieren und den Gasertrag von Wirtschaftsdüngern

in Biogasanlagen zu optimieren.

1 |2022 65


wissen

TU

Energie- und Wasserspeicher Harz (EWAZ)

Das Projekt der TU Clausthal untersucht, inwiefern die

Infrastruktur im Harz besser auf extreme Wetterereignisse

wie Hochwasser oder Trockenperioden ausgelegt werden

kann. Da der Harz eine wichtige Aufgabe im regionalen

Hochwasser- und Niedrigwasserschutz sowie zur Trinkwasser-

und regenerativen Energiebereitstellung wahrnimmt, ist

deren zuverlässige Erfüllung ein zentrales zukünftiges Anliegen.

Durch den jahrhundertelangen Bergbau existiert im

Harz eine Vielzahl von unterirdischen Stollen und Schächten,

die zum Beispiel mit Talsperren verbunden werden können,

um Wasser noch besser zu verteilen. Auch Neubauten und

Erweiterungen von Talsperren werden diskutiert. Erste

Ergebnisse zeigen, dass es sichtbare Optimierungspotenziale

gibt, um mehr Trinkwasser sowie eine bessere Hochwasserspeicherung

und Wasserenergiegewinnung zu erreichen.

HAWK

Sauberes Melken: Plasmadip

Ziel von ,Plasmadip‘ ist die Nutzung von technischen Plasmen,

um eine neuartige Desinfektionstechnik zu entwickeln, die bei

Zitzen- und Melkgeräten angewendet werden kann. Diese Technik

dient der Prävention von Mastitiden (Brustdrüsenentzündung)

sowie von Irritationen und Schädigungen der Zitzenhaut von

Milchkühen, wie sie durch chemische Desinfektionsmittel entstehen

kann. Damit sollen chemische Rückstände im Lebensmittel Milch

vermieden werden; gleichzeitig wird eine Arbeitserleichterung für

Landwirte angestrebt. Zudem dient das Projekt der Weiterentwicklung

wettbewerbsfähiger ressourcenschonender und tierartgerechter

Produktionssysteme in der konventionellen und

ökologischen Tierhaltung.

FOTOS: STOCK.ADOBE.COM

66 1 | 2022


wissen

HAWK

Ökosystem Buchenwald: KLIMNEM

Das Projekt soll mitteleuropäische Buchenwälder

und mittelpatagonische Südbuchenwälder – die

weltweit größten zusammenhängenden Laubwälder

der gemäßigten Zone – vergleichen. Da diese

Wälder unglaublich vielfältig sind, kann ihre Anpassung

an klimatischen Wandel, Extremereignisse

wie Waldbrände oder Erholung des Ökosystems

ideal beobachtet werden.

Aus den Erkenntnissen sollen Schlussfolgerungen

für einen funktionsfähigen Naturhaushalt, die Erhaltung

und Wiederherstellung der biologischen

Vielfalt, eine risikominimierte Forstwirtschaft und

die Wiederherstellung der Ökosystemleistungen

durch funktionsgerechte Waldrenaturierung in hiesigen

Buchenwäldern gezogen werden.

FOTO: HELGE WALENTOWSKI

TU

Grüner Wasserstoff mit StaR

Das Verbundprojekt StaR hat das Ziel, neue Konzepte zu entwickeln wie die

Herstellung von sogenannten Elektrolyse-Stacks (Brennstoffzellen-Stapel)

kostengünstiger gelingen kann – es zielt auf einen Wert deutlich unter den

aktuellen Marktprognosen für 2030 ab. Elektrolyse-Stacks bilden das Herzstück

jeder Wasserelektrolyseanlage, da in ihnen die Umwandlung elektrischer

Energie in den Energieträger Wasserstoff stattfindet. Grüner Wasserstoff

kann als Energieträger eine bedeutende Rolle bei der Energiewende

einnehmen. Ende April soll eine erste Elektrolyseanlage mit einer Leistung

von bis zu 150 kW in Betrieb gehen und Wasserstoff produzieren.

TU

Precycling

FOTO: TU CLAUSTHAL

Kampf dem Müllproblem: Precycling zielt darauf

ab, Müll aus Verpackungsmaterialien im Vorhinein

zu vermeiden, beispielsweise durch den Kauf von

verpackungsfreien Produkten oder dem Nutzen eigener

Gefäße und Behälter. Das Forschungsprojekt

beschäftigt sich mit Konsum- und Lebensstilen von

Verbrauchern unter dem Gesichtspunkt, wie es gelingen

kann, keinen Müll zu produzieren – etwa

durch den Kauf in Unverpacktläden.

Die Ergebnisse sollen dabei helfen, die Effektivität

von Maßnahmen zur Reduktion des Verpackungsmülls

zu bewerten.

1 |2022 67


wissen

Uni

Regionale Qualitätstomaten: PETRAq+n

Ziel dieses Uni-Projektes war es, Tomatensorten, welche für den nachhaltigen,

regionalen und städtischen Anbau optimal geeignet sind, zu entwickeln. Ein

Kernanliegen dabei war es, den Geschmack zu verbessern, ein Nebenaspekt

kam hinzu, die Verbraucheransprüche an Tomaten zu identifizieren.

Die Ergebnisse sind derzeit nur teilweise beziehungsweise noch nicht essbar.

Aber es wurden qualitativ ansprechende Sorten und Kreuzungen hinsichtlich

ihrer Eignung für den geschützten Freilandanbau und den Anbau unter Glas

charakterisiert. Ebenso wurden Zuchtlinien aus Elternsorten erzeugt, die zur

weiteren Züchtung von Qualitätssorten dienen können. Darüber hinaus

wurden Erkenntnisse zur Lagerung von Tomaten unter Haushaltsbedingungen

präzisiert und Marketinghilfen für regionale Tomatenanbieter entwickelt.

Uni

Nachhaltige Forellenzucht: SusTAIn

Wird die Ernährung von Fischen verändert,

hat das genetische Auswirkungen.

Dieser Umstand ist für die Aquakultur

wichtig. Bislang wurden Aquakulturen überwiegend

und nicht nachhaltig mit Fischmehl gefüttert. Futtermittel

mit hohen Anteilen auf pflanzlicher Basis führen

bei Raubfischen wie der Forelle aber zu schlechterem

Wachstum, Auswirkungen auf die Fischgesundheit und

das Tierwohl sowie zu einer schlechteren Umwelteffizienz.

Das Projekt SusTAIn betrachtet die Anpassungsfähigkeit

der Forelle an eine andere Ernährung. In dem Rahmen

wurde eine Fütterung mit der Mikroalge Spirulina

untersucht, deren ergänzender Einsatz vielversprechend

erscheint, aber auch zu einer ungewöhnlichen Färbung

des Fischfleischs führt, deren Akzeptanz noch unklar ist.

HAWK

Pflanzroboter PRo-MAPPER

Der ,Plant Robot for Multidimensional Artificial Phenotyping for

Plasma Enhanced Research‘ oder kurz PRo-MAPPER ist ein in der

Entwicklung befindlicher autonomer Pflanzroboter, der in der

Land- und der Forstwirtschaft eingesetzt werden soll.

Die Entwicklung besteht aus der eigentlichen Robotik sowie

dem Zusammenbringen verschiedener Sensordaten in einem lernenden

System. Der Roboter wird nicht nur Aussaat, Bewässerung,

Düngung und Unkrautkontrolle übernehmen – durch eine kontinuierliche

Überwachung der Pflanzen wird dieses System auch

selbstständig Pflanzenkrankheiten erkennen und frühzeitig und

umweltschonend bekämpfen können. Das reduziert unter anderem

den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Technisch ist das Projekt

weit gediehen, so funktioniert bereits etwa die Unterscheidung

mittels künstlicher Intelligenz zwischen Nutz- und Schadpflanze.

Der Pflanzroboter ist nicht das einzige System, das am Autonomous

Mobile Robotics Lab der HAWK entwickelt wird.

FOTO:HAWK FORSTROBOTIK AMRL

FOTO:STOCK.ADOBE.COM

FOTO: ABTEILUNG QUALITÄT PFLANZLICHER ERZEUGNISSE

68 1 | 2022


wissen

Uni

Wälder in 3D

Uni

Geothermie: MEET

MEET untersucht das Potenzial von

Geothermie im großflächigeren Maßstab

und das europaweit in verschiedenen

geologischen Umfeldern. Außer der Bestimmung

des quantitativen Geothermiepotenzials

wurde eine Wirtschaftlichkeitsanalyse

durchgeführt, die gezeigt

hat, welche Mindestkennwerte das jeweilige

Geothermie-Reservoir haben muss,

um es wirtschaftlich entwickeln zu können.

Einer der Testorte dafür ist der

Göttinger Campus.

Das theoretische Potenzial der Geothermie

ist groß, da sie die Abhängigkeit von

Importen und der Unzuverlässigkeit

anderer Energieträger verringern kann.

In Göttingen sind die wissenschaftlichen

Vorerkundungen abgeschlossen. Der

nächste Schritt ist die Durchführung einer

Erkundungsbohrung.

Im Rahmen dieses Forschungsprojekts wurde die Waldstruktur

von Urwäldern auf mehreren Kontinenten über

einen Zeitraum von zwei Jahren in teils entlegenen Urwaldgebieten

in unterschiedlichen Klimazonen untersucht.

Vor Ort wurden die Wälder mithilfe von 3D- Laserscannern

erfasst. Urwälder sind für die Artenvielfalt und globale

Stoffkreisläufe von großer Bedeutung. Die dreidimensionale

Struktur der Wälder spielt dabei eine wichtige Rolle.

Auf Grundlage der 3D-Vermessungen konnte ein Atlas zur

Waldstruktur von Urwäldern über alle Klimazonen hinweg

erstellt werden, der als Referenz für die Naturnähe

von bewirtschafteten Wäldern dienen kann. Weiterhin lassen

sich aus den Ergebnissen Rückschlüsse darauf ziehen,

wie sich der Klimawandel langfristig auf die Struktur von

Wäldern auswirken kann.

FOTO: DOMINIK SEIDEL

FOTO: BERND LEISS

1 |2022 69


wissen

Uni

Rebhühner in Diemarden: PARTRIDGE

FOTO: FLORENTIN WÖRGÖTTER

PARTRIDGE hat das Ziel, europaweit in zehn Testregionen zu

zeigen, wie regionale Ökosysteme und Biodiversität verbessert

werden können. In Diemarden wurde ein rund 500 Hektar

großes Gebiet für verschiedene Naturschutzmaßnahmen genutzt

– für Blühflächen, Heckenreihen und eine rebhuhnfreundliche

Mahd von Brachen. Ungefähr acht Prozent des Projektgebiets sind

durch diese neuen Maßnahmen abgedeckt. An der Durchführung

dieser Maßnahmen beteiligen sich sechs Landwirte.

Der Erfolg ist unter anderem eine Zunahme von Feldhasenund

Rebhuhn- Populationen. Ebenso wurde auf einem Testgebiet

bei Nessel röden vorgegangen.

Uni

Selbstlernende Robotik für Elektroschrott: ReconCycle

FOTO: ALIREZA KHARAZIPOUR

Das bisherige Recycling von Elektroschrott ist relativ grob: Bevor

die Teile zertrümmert und anschließend manuell und chemisch

in wiederverwendbare Bestandteile zerlegt werden, müssen

oft durch manuelle Arbeit zunächst gefährliche Komponenten

entfernt werden oder Bestandteile, die nicht in die Zertrümmerung

gehen können. Diese Form der Vor-Bearbeitung ist mit einem

sehr hohen Aufwand verbunden. Deswegen wird Elektroschrott

oft in Entwicklungsländer verschifft.

ReconCycle will Roboter darauf trainieren, mit dem teils sehr

ähnlichen, im Detail aber unterschiedlichen Material maschinell

umzugehen und so den Aufwand zum Elektroschrottrecycling zu

verringern. Der erste Prototyp besteht aus zwei ,Roboterhänden‘

für das Entfernen von Batterien.

Uni

Torfersatz aus Bäumen

Torf hat in der Pflanzenzucht als Substrat eine große

Bedeutung, der Torfabbau ist jedoch aufgrund ökologischer

Gründe der Moorerhaltung zunehmend

eingeschränkt. Um einen Ersatz zu finden, wurde in

diesem Projekt das verhäckselte Holz von schnellwachsenden

Laubhölzern als Torfersatz verwendet.

Das Holz wurde – um nach Torf auszusehen –

eingefärbt, mit Dünger angereichert und dann im

Freilandversuch getestet.

Dabei eigte sich, dass es dieselben Wachstumsbedingungen

wie Torf bietet. Diese torffreien Substrate

sind inzwischen auch im Handel erhältlich. Weiterhin

wird an Grow-Blocks gearbeitet, die bisher aus

in der Entsorgung kostenintensiver Steinwolle hergestellt

und in Gewächshäusern etwa für Tomaten

eingesetzt werden. Hier konnten bereits mit Holzfasern

Erfolge erzielt werden, die im Ergebnis mit

Steinwolle vergleichbar sind.

FOTO:STOCK.ADOBE.COM

70 1 | 2022


ALS TEIL DIESER ERDE:

UNSERE VERANTWORTUNG

FÜR DIE NATUR!

Wir sind beckers bester, über 160 Saftnasen

aus Lütgenrode. Wir produzieren

Säfte und Nektare! Und somit greifen

wir mit deren Produktion in die Natur

ein. Daher ist es umso wichtiger, dass wir

natürliche Ressourcen schonen, unnötige

Belastungen vermeiden und negative

Effekte so klein wie möglich halten.

Ökologische Auswirkungen, die wir allein

nicht verhindern können, versuchen wir

nach unseren Möglichkeiten auszugleichen

– und zwar mit Klimaneutralität

durch Kompensation. „Klimaneutral“

bedeutet, dass man mit dem was man

tut, kein CO2 freisetzt oder aber dieses

kompensiert. Ersteres ist natürlich

schwierig…Aber wie funktioniert das

eigentlich? Als erstes wird der CO2­Ausstoß

berechnet, danach erfolgt die

Kompen sation über Emissionszertifikate.

Wir möchten uns damit aber in keiner

Weise „freikaufen“. Denn an erster Stelle

steht immer die Emissionsvermeidung!

Danach kommt die Reduzierung und erst

der letzte Schritt sollte die freiwillige

Kompensation sein. Wir als Firma sind

schon seit 2015 klimaneutral und unsere

Produkte sind es seit Anfang 2020 ­

damit sind wir, nach unserem Kenntnisstand,

übrigens der erste klimaneutrale

Fruchtsaft hersteller in Deutschland

gewesen.

DURCH KOMPENSATION

Unser Beitrag

für grünen Wasserstoff:

Bipolarplatten &

Dichtungen für Brennstoffzellen und Elektrolyse

Eisenhuth GmbH & Co. KG | Friedrich-Ebert-Straße 203 | 37520 Osterode am Harz | Tel.: +49 (0) 55 22 – 90 67 0 | info@eisenhuth.de | www.eisenhuth.de


wissen

Das effiziente Haus

Die Entwicklung der Gebäudetechnik schreitet kontinuierlich voran. Doch was ist bei einem

privaten Neubau oder der Sanierung heutzutage möglich – und auch wirklich sinnvoll?

TEXT SVEN GRÜNEWALD ILLUSTRATION STOCK.ADOBE.COM

Obwohl in aller Munde, hat das Thema Energie im Neubau

oder Sanierungsbereich bei Bauherren häufig keine

hohe Priorität – tauchen entsprechende Fragen auf, sind

die Planungen in der Regel schon weit fortgeschritten.

Daher sollte das Thema als integraler Bestandteil des jeweiligen Vorhabens

von Anfang an mitbetrachtet werden, um Fehlplanungen

vorzubeugen. Gerade bei einem Neubau ist es entscheidend, dass

bereits in der Entwurfsplanung berücksichtigt wird, welchen energetischen

Standard man erreichen will und welches Heizsystem verwendet

werden soll. Beides hat Auswirkungen auf Raumaufteilung,

Grundriss und Ausrichtung des Gebäudes. Eine Pelletheizung hat

beispielsweise einen anderen Platzbedarf als eine Wärmepumpe, und

sehr energieeffiziente Gebäude profitieren von einer kompakten

Bauweise mit möglichst wenigen Vor- und Rücksprüngen, da der

Wärmeverlust vor allem über die Außenflächen erfolgt. Zudem kann

es bei zahlreichen Maßnahmen eine öffentliche Förderung geben –

ein wichtiger Aspekt, auch wenn dies ein sehr breites Feld ist, das

kontinuierlich Veränderungen unterliegt:

` Die beiden wesentlichen Fördermittelgeber sind die Kredit anstalt

für Wiederaufbau (KfW) und das Bundesamt für Wirtschaft und

Ausfuhrkontrolle (BAFA). Die KfW fördert Neubauten oder

Sanierungen, die ein bestimmtes Energie effizienzniveau erreichen:

Im Neubau sind dies Effizienz- Häuser-40 – der Primärenergiebedarf

liegt hier bei 40 Prozent eines Neubaus. In der Sanierung

sind dies Effizienz-Häuser- 100. Das BAFA fördert Einzelmaßnahmen

– etwa Gebäudedämmungen, den Wechsel von einer Ölheizung

etwa zu einer Wärmepumpe oder den Austausch von Fenstern.

` Von Landesseite kann es möglicherweise eine Förderung von

Maßnahmen über die NBank geben.

` Die Stadt Göttingen hat ein Förderprogramm Photovoltaik aufgelegt,

das die Anschaffung von PV-Anlagen unterstützt. Allerdings

sind diese jährlich bereitgestellten Mittel schnell ausgeschöpft und

stehen nur im Stadtgebiet zur Verfügung.

` Der Landkreis hat ein Förderprogramm Altbausanierung, jedoch

nur für das Kreisgebiet ohne die Stadt Göttingen. Die Antragsstellung

erfolgt über die Energieagentur Göttingen.

Gute Adressen für die Erstinformation:

energieagentur-goettingen.de/ratgeber

verbraucherzentrale-energieberatung.de/sanieren-bauen

LÜFTUNG

Ein Aspekt, der bislang zu selten berücksichtigt wird: Sind

Gebäude stark gedämmt und haben einen Effizienzstandard nahe

einem Passivhaus, sollte man sich über eine Lüftungsanlage

Gedanken machen. So lässt sich nicht nur Feuchtigkeit

abtransportieren, sondern auch Energie zurückgewinnen.

MINI-WINDANLAGEN

Diese Anlagen zur Anbringung auf dem Dach

oder an der Fassade sind eine neue Alternative,

spielen aber zurzeit im Vergleich zur

Photovoltaik noch kaum eine Rolle.

ENERGIESPEICHER

Ein Speicher für die selbst hergestellte Energie aus erneuerbaren

Quellen kann sich lohnen – es kommt allerdings auf das Nutzungsprofil

an. Nur, wenn die Energie auch zu Zeiten verbraucht wird, in denen die

Sonne nicht (mehr) scheint, ist diese Investition auch wirklich sinnvoll.

WALLBOX

Zum modernen Haus gehört heute oft auch eine Wallbox für das Laden

von E-Autos. Die Modellvielfalt ist groß, sie reicht von der Einzelladestation

bis zu Vielfachanschlüssen für Parkplätze oder Garagen. Ebenso vielfältig

sind die Softwarelösungen, die detaillierte Abrechnungen oder die Austarierung

der abgegebenen Leistung an die Pkws mit der Stromnetzstabilität

im Gebäude ermöglichen. Die Kosten variieren nicht nur stark je nach

Modell, sondern sind auch davon abhängig, inwiefern die Infrastruktur

vorhanden ist und welche Umbaumaßnahmen nötig werden. Unter

bestimmten Bedingungen ist eine öffentliche Förderung möglich.

72 1 |2022


wissen

PHOTOVOLTAIK (PV)

Es gibt im Bereich der PV-Anlagen sogenannte Balkon-Kraftwerke –

Mini-PV-Anlagen, die sich Mieter nach Absprache mit dem Vermieter anschaffen

können. Hier wird Sonnenenergie in Gleichstrom umgewandelt,

der wiederum durch einen Wechselrichter in Wechselstrom umgewandelt

wird. Im privaten Bereich sollte die Größe einer PV-Anlage auf den eigenen

Verbrauch ausgelegt sein, da die Wirtschaftlichkeit nicht durch die

Einspeisevergütung für den erzeugten Strom erreicht wird, sondern durch

die Deckung des eigenen Verbrauchs angesichts steigender Strompreise.

So kann sich eine Anlage in 10 bis 15 Jahren amortisieren.

HEIZUNG

Für die Erneuerung einer Heizungsanlage gibt es zurzeit

besonders attraktive Zuschüsse – wenn eine Ölheizung gegen

eine Wärmepumpe oder eine Pelletheizung anstatt gegen eine

günstigere Gasheizung ausgetauscht wird, kann dies mit bis zu

45 Prozent der Kosten gefördert werden. Dabei ist es sinnvoll,

gleichzeitig auch die Frage einer besseren Dämmung zu betrachten.

Sie ermöglicht es, die Heizungsanlage kleiner auszulegen.

Ein Gesamtpaket beider Maßnahmen kann sich lohnen.

WÄRMEPUMPE

Die Wärmepumpe, die ihre Energie entweder aus der Umgebungsluft

oder als etwas teurere, aber effizientere Erdsonde aus

dem Boden gewinnt, ist inzwischen die führende Technik, vor

allem im Neubaubereich. Bei einer Sanierung muss individuell

geprüft werden, ob sie Sinn ergibt. Wärmepumpen machen zwar

von Holz, Gas oder Öl unabhängig, verbrauchen für den Betrieb

jedoch Strom und lassen den Energiebedarf steigen.

HOLZPELLETHEIZUNG

Eine Pelletheizung kann bei Sanierungen sinnvoll sein, wenn

das Gebäude einen höheren Energiebedarf hat und es keine

Möglichkeit gibt, eine Flächenheizung für die Energieverteilung

einzubauen, wie sie für eine Wärmepumpe nötig ist.

Die Pelletheizung hat jedoch einen anderen Platzbedarf. Sie bietet

sich als Ersatz für eine Ölheizung an, weil das Öllager ganz

einfach zum Pelletlager werden kann.

SOLARTHERMIE

Für die Umwandlung der Sonneneinstrahlung werden solarthermische Kollektoren auf

dem Hausdach angebracht. Eine Pumpe befördert die Wärme in den Pufferspeicher,

von wo aus sie im Haus verteilt wird. Solarthermie kann zwar für einen großen Teil der

Warmwasserbereitung eingesetzt werden, deckt aber – abhängig von der Gebäudeart –

meist nur einen kleinen Anteil des Heizungsbedarfs. Deswegen wird sie meist nur in

Kombination mit anderen Heizungsarten eingesetzt. Zudem stehen Solar thermie und

Photovoltaik meist in Konkurrenz zueinander, weil beide den Platz an der Sonne

benötigen. PV-Anlagen sind jedoch häuftig wirtschaftlicher einsetzbar.

DÄMMUNG

Eine Dämmung im Nachhinein anzubringen, ist eine größere Investition, die sich aber im Laufe mehrerer Jahre amortisieren kann.

Sie ist stark vom Ausgangsstandard des Gebäudes abhängig: Ein Altbau mit schlechterer Dämmung bringt größeres Einsparpotenzial

mit. Zudem erhöht diese Investition außer der rein energetischen Bilanz auch den Wohnkomfort und den Wert der Immobilie.

Ein ökologischer Aspekt, den es hierbei zu bedenken gilt: die Wahl zwischen günstigerer Styropor-Dämmung, die jedoch erdölbasiert ist,

oder nachhaltigen Dämmstoffen.

1 |2022 73


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Göttingen stark.

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PROFIL

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Firmengelände Symrise Holzminden

FOTO: SYMRISE

Klimapositiv ab 2030

Der Holmindener Hersteller von Duft, Geschmack sowie Inhaltsstoffen für Ernährung und Pflege, Symrise, übernimmt Verantwortung

und stellt in seiner gesamten Wertschöpfungskette Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt seiner Geschäftsaktivitäten.

Besonders engagiert sich das Holzmindener

Unternehmen für den Schutz

von Klima, Wasser und Wald und gehört

in diesen Bereichen zu den weltweit führenden

Unternehmen. Dafür hat es 2021 zum

zweiten Mal in Folge die Bestnote Triple A des

CDP erhalten – als einziges Unternehmen in

Deutschland.

Damit wollen die Holzmindener beim Schutz

von Klima, Wasser und Wald Maßstäbe setzen

und sich für den Erhalt der biologischen Vielfalt

engagieren. Weil sie eine Vielzahl von

Rohstoffen aus der Natur nutzen, gehört

dieses Bestreben zu den Grundpfeilern der

fortgesetz ten Rohstoffverfügbarkeit für die

Produkte.

Mit einem klar definierten Aktionsplan will

Symrise ab dem Jahr 2030 klimapositiv wirtschaften.

Die unternehmerischen Aktivitäten

sollen dann dazu beitragen, mehr Treibhausgasemissionen

zu vermeiden oder aus der Atmosphäre

zu binden als das Unternehmen durch

seine betriebliche Tätigkeit ausstößt. Um das

zu erreichen, will Symrise die Energieeffizienz

an seinen Produktionsstandorten steigern,

indem es seine eigenen Emissionen verringert.

Bereits 2020 hat das Holzmindener Unternehmen

so mehr als 68.000 Tonnen CO 2

eingespart.

Seit 2020 bezieht der Konzern nachweislich

seinen gesamten externen Strom aus erneuerba

ren Quellen. Darüber hinaus will er als

Zwischenziel bis 2025 die Öko- Effizienz der

Treibhausgasemissionen gegenüber 2016 um

63 Prozent steigern.

Und Symrise bindet seine wichtigsten Zulieferer

über das CDP Supply Chain Programm

in seine Klimastrategie ein. Mittlerweile haben

sich auf die Initiative des Unternehmens hin

87 Prozent der Hauptlieferanten zu eigenen

Klimazielen und Reduktionsmaßnahmen bekannt.

Transparenz auf allen Ebenen

Symrise berichtet transparent über seine Maßnahmen

zum Klimaschutz und über deren Zwischenstand.

Zugleich behält es im Auge, welche

Risiken und Chancen sich für das Unternehmen

aus dem Klimawandel ergeben. Symrise folgt

den Empfehlungen der Task Force on Climate-

related Financial Disclosures (TCFD), erfasst

systematisch die möglichen Effekte in seinem

Risikomanagement und bezieht sie in

seine strategischen Überlegungen und in die

Finanzplanung ein – damit Verbraucher weltweit

auch morgen die alltäglichsten Dinge mit

besonderer Freude genießen können.

KONTAKT

Symrise AG

Mühlenfeldstraße 1

30763 Holzminden

Tel. 05531 90-0

info@symrise.com

www.symrise.com


mensch

Die Überzeugungstäterin

Ines Dietze ist seit Januar Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Göttingen und damit die erste Frau an

der Spitze der ältesten öffentlich-rechtlichen Sparkasse Deutschlands. Mit faktor sprach die 55-Jährige

darüber, was sie in ihrem täglichen Leben antreibt, wie Fehler zum Erfolg führen und warum ein Schritt

zurück ihrer Karriere erst den richtigen Schwung gegeben hat.

TEXT TOBIAS KINTZEL FOTOGRAFIE MARCO BÜHL

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mensch

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mensch

» Ich bin mir meiner Rolle durchaus bewusst. Sie erfordert

klare persönliche Positionen und Vorstellungen und am

Ende natürlich Entscheidungsstärke. Aber ich bin keine

Einzelkämpferin.«

LESEZEIT: 8 MINUTEN

Der Terminkalender von Ines Dietze

ist randvoll. Die neue Vorstandsvorsitzende

der Sparkasse Göttingen

kommt etwas gehetzt zum Interview,

die vorhergehende Sitzung

hat sich etwas in die Länge gezogen.

Allerdings braucht sie keine

Anlaufzeit: Nach ein paar freundlichen Begrüßungsworten

ist sie sofort präsent im Gespräch – offen, direkt und

ihrem Gesprächspartner interessiert zugewandt.

Auf die Frage, ob sie sich nach ihrer Zeit im baden-württembergischen

Waiblingen schon etwas im Norden eingelebt

habe, antwortet Dietze schmunzelnd: „Ich war ja

nur für sechseinhalb Jahre in den Süden ausgeliehen.“

Dort führte sie die örtliche Kreissparkasse. Eigentlich

stammt Ines Dietze aus dem Norden, genauer gesagt aus

Mecklenburg-Vorpommern, und wohnt seit mittlerweile

16 Jahren in Hannover. „Göttingen ist eine glückliche

Fügung für mich. Ich bin wieder näher bei meiner Familie

und muss auf Dauer nicht mehr pendeln.“

Dennoch gibt sie unumwunden zu, dass sie eine Sekunde

länger überlegt habe, bevor sie sich dazu entscheiden

konnte, den Posten an der Spitze der Sparkasse Göttingen

zum Jahreswechsel anzutreten. „Ich hatte eigentlich nicht

auf dem Radar, mit 55 Jahren noch etwas Neues zu beginnen.

Im Prozess ist mir klar geworden, dass ich damit

alles aufgebe, was ich mir in der aktuellen Position erarbeitet

habe“, sagt Dietze. „Und dass es Mut erfordert,

sich ein anderes Haus, andere Menschen und eine andere

Region noch einmal von Grund auf zu erschließen.“

SIE HAT DEN MUT GEFUNDEN und die Zügel von Rainer

Hald übernommen, der 18 Jahre an der Spitze der

südniedersächsischen Sparkasse stand. Heute ist die neue

Sparkassen-Chefin schon engagiert dabei, Göttingen und

seine Menschen kennenzulernen. In ihren ersten Wochen

hat Dietze bereits zahlreiche Gespräche geführt – mit

Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Filialen, mit

Kunden vor Ort und mit anderen Akteuren in Südniedersachsen.

Gerade erst hat sie alle amtierenden Bürgermeister

in der Region getroffen. „Leider bremsen uns die Rahmenbedingungen,

die die Pandemie vorgibt, etwas aus.

Ich würde gerne viel mehr Gespräche führen“, sagt Dietze,

nicht ganz zufrieden mit den Fortschritten. Die Aufgaben,

intern zu kommunizieren und die Sparkasse extern zu

repräsentieren, stehen für sie dabei gleichberechtigt

nebeneinander. „Unsere Mitarbeiter bringen uns voran,

halten alles am Laufen. Der Kontakt mit Kunden und anderen

Menschen in der Region ist unerlässlich. Wir müssen

wissen, was um uns herum passiert, was die Menschen

bewegt und was sie brauchen.“ – „,Wir müssen‘ ...“,

sagt Ines Dietze. Schon nach kurzer Zeit im Gespräch fällt

auf, dass die 55-Jährige in ihren mit Bedacht formulierten

Antworten das ,Wir‘, den Teamgedanken, stark in den

Vordergrund stellt. Darauf angesprochen, lächelt sie in

sich hinein. Dieser kurze Augenblick des Innehaltens stellt

sich schnell als Schwung holen heraus, um im Anschluss

ihr Erfolgsgeheimnis guter Führung zu erklären.

„Ich bin mir meiner Rolle durchaus bewusst“, erklärt

Dietze entschlossen. „Sie erfordert klare persönliche Positionen

und Vorstellungen und am Ende natürlich Ent-

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mensch

Trotz vollen Terminkalenders Für faktor nahm sich die neue Sparkassen-Chefin ausgiebig Zeit und gewährte einen

sehr persönlichen Einblick in ihr Leben und ihre Art, die Dinge in die Hand zu nehmen.

scheidungsstärke. Aber ich bin keine Einzelkämpferin.“

Sie sei davon überzeugt, dass komplexe Themen ergebnisoffen

diskutiert werden müssten, dass ein Abwägen

der Argumente wichtig sei. „Ich möchte gern alle mitnehmen.

Denn wenn viele ihre Köpfe zusammenstecken,

entstehen die besten Lösungen“, sagt sie und fasst damit

ihre Erkenntnis aus vielen Jahren in Führungspositionen

zusammen. „Außerdem wachsen Mitarbeiter, wenn sie

sich einbringen können und ihre Ideen gehört werden.“

Selbstverständlich gäbe es aber auch täglich Themen, die

schnell und ohne lange Erklärungsprozesse entschieden

werden müssen. „Mit zunehmender Erfahrung findet

man dafür die richtige Balance.“

SCHON KURZ NACH DER AUSBILDUNG zur Bankkauffrau

und dem anschließenden Studium an der Fachschule

für Finanzwirtschaft in Gotha, das sie 1989 beendete,

sammelte sie erste Führungserfahrung. Sie leitete mehrere

Marktbereiche und Beratungszentren der Ostseesparkasse

in Rostock. „Mit meiner stark ausgeprägten Bereitschaft,

neue Herausforderungen anzunehmen, habe

ich zu Beginn meiner Karriere schnell meinen Handlungsund

Entscheidungsspielraum ausgebaut. Mit Anfang 30

war ich schon in einer recht exponierten Stellung“, erzählt

Dietze reflektiert. Und das, obwohl der Bankbereich

nicht ihre erste Wahl gewesen ist: Eigentlich wollte

sie Chemie studieren und in die Forschung gehen. Auf

Anraten ihrer Eltern jedoch habe sie die Ausbildung in

der Bank begonnen. „Eine Entscheidung, die ich bis heute

keinen Tag bereue.“

Und obwohl sie bereits früh mit einer Vorstandsposition

geliebäugelt hatte, kam nach dem anfänglich zielstrebigen

Aufstieg ein bewusst gewählter Schritt zurück: Auf

eine Position ohne Führungsverantwortung in der Firmenkundenberatung.

Denn damals bekam ihr Mann ein

verlockendes Angebot in München. „Wir haben gemeinsam

besprochen, dass er es annehmen sollte. Ich habe

mich selbst etwas zurückgenommen, um Familie und

Karriere vereinen zu können“, erzählt Dietze. „Viele haben

mir damals prophezeit, dass dieser Schritt der größte

Fehler meines Lebens werden würde.“

Er wurde es nicht – weder privat, noch beruflich. Vielmehr

arbeiteten sie und ihr Mann damals gleichberechtigt

daran, alle Interessen unter einen Hut zu bekommen.

„Wir haben uns die Aufgaben geteilt“, erklärt die zweifache

Mutter. „Zudem haben wir gelernt, dass man die

Aufgaben als Paar auch nicht alleine schultern muss,

sondern bei Freunden und Familie um Hilfe bitten

kann.“ Seit dieser Zeit hat sich die Familie für Dietze

immer wieder als unverzichtbarer Anker und Kraftquelle

erwiesen. „Wir sind begeisterte Italienurlauber, fahren

gerne an den Gardasee oder in die Toskana. Gemeinsame

Radtouren mit meinem Mann, die Natur genießen –

all das lädt meinen Akku auf.“

IN DER AUSFÜLLUNG IHRER Führungsposition profitiere

sie von dem scheinbaren Karriererückschritt noch

heute – davon ist sie felsenfest überzeugt: „Als Angestellte

in der Firmenkundenberatung habe ich mich wieder

integrieren und unterordnen müssen, habe Führung

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mensch

noch einmal aus der Perspektive der Geführten erfahren.

Das hat mich anpassungsfähiger und sensibler für die

Bedürfnisse von Teammitgliedern werden lassen“, sagt

Dietze und fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: „Und

natürlich wollte ich auch, dass der neue Job, den Unkenrufen

zum Trotz, ein Erfolg wird!“ Kein Wunder also,

dass sie sich relativ schnell wieder eine führende Position

erarbeitete. Sie habe zu diesem Zeitpunkt auch erkannt,

wie wichtig ihr ein möglichst großer Gestaltungs- und

Entscheidungsfreiraum ist. „Nicht zuletzt deshalb habe

ich mich, als die Kinder älter waren, mit 48 Jahren auf

die Vorstandsposition in Waiblingen beworben.“

EINE HOHE INTRINSISCHE MOTIVATION, Mut und

Entscheidungsfähigkeit – welche Eigenschaften darüber

hinaus sind ausschlaggebend für ihren beruflichen Erfolg?

Ines Dietze schweigt zunächst auf diese Frage. Sich

in den Mittelpunkt zu stellen, ist offenbar nicht ihre Sache.

„Mir bedeuten die Werte Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit

sehr viel“, sagt die Vorstandsvorsitzende dann. „Ich

würde mich auch als Optimistin beschreiben“, denn stets

sei sie auf der Suche nach den positiven Ansätzen. „Das

Wort ,Niederlage‘ gibt es für mich weder im beruflichen

noch im privaten Kontext. Es geht vielmehr um Lernfähigkeit

und die Stärke, Fehler oder Irrtümer zu korrigieren“,

so die Sparkassen-Chefin. „Das ist eine Eigenschaft,

die ich auch an anderen sehr schätze.“ Nach Erfüllung zu

suchen, Schritte bewusst zu gehen und mit den Konsequenzen

umzugehen – auch dies seien für sie wesentliche

Faktoren auf dem Weg zum beruflichen Erfolg.

AN DIESER STELLE DRÄNGT SICH DIE FRAGE auf, wie

es mit der Sparkasse Göttingen und den fast 700 Mitarbeiterinnen

und Mitarbeitern unter ihrer Führung weitergehen

wird. „Noch bin ich mitten in der Kennenlern- und

Orientierungsphase. Klar ist, dass wir gemeinsam die Stärken

des Hauses bewahren und ausbauen werden. Dazu

gehören ein exzellenter Vertrieb und ein hohes Niveau im

Bereich der Mitarbeiterqualifikation.“ Auch den eingeschlagenen

Weg der Digitalisierung will Dietze weiter fortsetzen.

„Wir sind da bereits gut aufgestellt, bieten schon

heute einfach und schnell verfügbare Serviceleistungen

online an.“ Angst müsse man auch vor rein digitalen Anbietern

nicht haben. Gerade auch im Zeitalter leicht im

Internet zugänglicher Informationen habe persönliche Beratung

einen Platz in der Finanzplanung der Menschen.

„Wir werden unseren Kunden weiterhin hoch qualifizierte

Mitarbeiter als Navigator in der Informationsflut an die

Seite stellen“, erklärt Dietze nachdrücklich. „Am Ende

des Tages werden wir unseren Platz behaupten!“

Motivation zur Erreichung der gesteckten Ziele und

Energie für ihre anspruchsvollen Aufgaben zieht Ines

Dietze aus ganz alltäglichen Dingen: „Ich überzeuge

Menschen sehr gern mit guten Argumenten von Ideen,

die sie nicht auf den ersten Blick begeistern. Zu erfahren,

was Kunden erfolgreich macht, welche Geschäftsmodelle

dahinterstecken, das ist unheimlich interessant und

bereichernd.“ Für sie sei es ein guter und erfolgreicher

Tag, wenn Mitarbeiter zufrieden aus einem Gespräch

mit ihr gingen oder mit der Erkenntnis, gemeinsam etwas

bewegt oder verändert zu haben. Natürlich sei es

auch ein beruhigendes Gefühl, wenn Entscheidungen

getroffen wurden, die alle gemeinsam zu 100 Prozent

tragen können.

Und bei der Verabschiedung an der Tür wird noch einmal

klar, dass sich Ines Dietze auch an ihren Ergebnissen

messen lassen will: „Wenn ich ein Jahr im Amt bin, können

wir gemeinsam schauen, welche meiner Entscheidungen

zu welchen Entwicklungen geführt haben.“ Wir

kommen darauf zurück. ƒ

Sie möchten die neue Frau an der Spitze der

Göttinger Sparkasse noch besser kennenlernen?

Einen persönlichen Eindruck von Ines Dietze

gewinnen Sie in unserem Interview unter:

www.faktor-magazin.de/faktor-video

Zur Person

Ines Dietze begann ihre berufliche Laufbahn mit einer

Ausbildung zur Bankkauffrau bei der Kreissparkasse

Bad Doberan. Das anschließende Studium an der Fachschule

für Finanzwirtschaft in Gotha schloss sie 1989 als

Diplom-Betriebswirtin ab. Nach verschiedenen Leitungsfunktionen

bei der Ostseesparkasse Rostock arbeitete sie

von 2006 bis 2013 als Regionsleiterin bei der Norddeutschen

Landesbank, danach in gleicher Position bei der

Braunschweigischen Landessparkasse. Ende 2015 wechselte

sie zur Kreissparkasse Waiblingen in den Vorstand,

dessen Vorsitzende sie ab Juli 2017 war. Am 1. Januar 2022

übernahm sie den Vorstandsvorsitz der Sparkasse Göttingen

von Rainer Hald. Ines Dietze hat zwei Kinder und wohnt

mit ihrem Mann in Hannover.

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Der Entschlüsseler

Der Molekularbiologe Patrick Cramer nennt eine schier endlose Reihe an Auszeichnungen sein

Eigen – der Grund dafür liegt auf der Hand. Der Direktor des neuen Max- Planck-Instituts für

multidisziplinäre Naturwissenschaften in Göttingen bringt unsere Gene zum Sprechen und

damit unter anderem die Corona-Forschung wesentlich voran.

TEXT HEIDI NIEMANN FOTOGRAFIE ALCIRO THEODORO DA SILVA

LESEZEIT: 8 MINUTEN

Was treibt Forscher an? Woran arbeiten sie?

Was fasziniert sie an ihrem Fachgebiet? Solche

Fragen bekommen Wissenschaftler öfter

gestellt. Als die bekannte Fotografin

Herlinde Koelbl den Göttinger Molekularbiologen Professor

Patrick Cramer für eine Porträtserie darum bat,

sich die Essenz seiner Forschung auf die eigene Hand zu

zeichnen, musste er eine Weile überlegen. Wie kann man

eine jahrzehntelange und vielfach preisgekrönte Forschungsarbeit,

aus der jede Menge Publikationen hervorgegangen

sind, auf einen Punkt bringen? Der Max-

Planck-Wissenschaftler fand auch für dieses Problem

eine Lösung: ,Pol II & friends‘ schrieb er auf die Innenfläche

seiner linken Hand.

CRAMER IST EINER VON 60 FORSCHENDEN, die Herlinde

Koelbl für ihren Bildband ,Faszination Wissenschaft‘

porträtiert hat. Auch Nobelpreisträger Stefan

Hell ist darin vertreten. Die Fotos waren 2020 beim

Göttinger Literaturherbst in einer Ausstellung in der

Paulinerkirche zu sehen. Cramer ist von ihren Bildern

tief beeindruckt. Koelbl schaffe es, etwas vom Inneren

der fotografierten Person zu transportieren, sagt er. „Sie

sucht nach dem Kern der Dinge.“

Auch Patrick Cramer sucht nach dem Kern der Dinge:

Der 53-jährige Forscher will Verborgenes sichtbar machen,

will Strukturen, Mechanismen und Prozesse entschlüsseln,

die für unser Leben elementar sind. Dabei

spielt ein Enzym eine zentrale Rolle: Die RNA-Polymerase

II, abgekürzt ,Pol II‘, ist eine hochkomplexe biologische

Kopiermaschine, die einen Schlüsselprozess des Lebens

steuert. Pol II sorgt dafür, dass unsere Gene „zum

Sprechen gebracht“ werden, indem sie die in unseren Genen

festgelegten Informationen kopiert. Diese Arbeitskopie,

die sogenannte Boten-RNA, dient dann als Bauanleitung

für die Produktion von Proteinen, die im Gewebe

des Körpers unterschiedlichste Aufgaben erfüllen.

CRAMER HAT SICH VIELE JAHRE mit Pol II und deren

Zusammenspiel mit anderen Proteinen – den ,friends‘ –

beschäftigt. Ein großer Forschungserfolg gelang ihm, als

er zwischen 1999 und 2001 als Postdoktorand im

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mensch

» Für Grundlagenforscher ist die Max-Planck-Gesellschaft das

Nonplusultra. Hinzu kommt, dass unser Institut in Göttingen

eine tolle unterstützende Infrastruktur hat – hier kann man

wirklich unter großartigen Bedingungen forschen.«

Labor des US-amerikanischen Biochemikers Roger D.

Kornberg im kalifornischen Stanford arbeitete. Kornberg

erhielt 2006 den Nobelpreis für Chemie für seine

Forschungsergebnisse zur Gentranskription. Cramer

hatte hierzu einen wichtigen Beitrag geleistet: Als weltweit

erstem Wissenschaftler war es ihm gelungen, die

dreidimensionale Struktur der Polymerase II aufzuklären.

In der Folge konnte der Transkriptionsmechanismus

entschlüsselt werden.

INZWISCHEN WIRD IMMER DEUTLICHER, wie relevant

die Ergebnisse solcher Grundlagenforschung für die Medizin

sind: Kurz nach Ausbruch der Corona-Pandemie in

Europa filmte Cramers Team, wie das Virus sein Erbgut

verdoppelt und welche dreidimensionale Struktur die

Polymerase des Erregers während des Kopierens einnimmt.

Später fanden die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen

heraus, warum das Medikament Remdesivir

nur begrenzt gegen das Coronavirus wirksam ist,

während Molnupiravir mehr Potenzial besitzt. Inzwischen

arbeiten sie an der Entwicklung von ganz neuen

Wirkstoffen. In Kooperation mit dem Max-Planck-Institut

für molekulare Physiologie in Dortmund durchforsten

sie mithilfe eines Roboters eine riesige molekularbiologische

,Bibliothek‘. Das Screening soll klären, welche

dieser vielen Hunderttausend Substanzen in der Lage sein

könnte, den Prozess der Virusvermehrung im Erbgut zu

blockieren. Ist ein solcher Kandidat gefunden, wollen sie

gemeinsam mit Partnern versuchen, besser wirkende

Medikamente gegen Coronaviren zu entwickeln.

Die entscheidenden Impulse für seine Forschungen bekam

Cramer bei verschiedenen Studien- und Forschungsaufenthalten

im Ausland. Während seines Chemiestudiums

in Stuttgart und Heidelberg hatte er zunächst kaum

etwas mit Struktur- und Molekularbiologie zu tun gehabt.

Dies änderte sich, als er Anfang der 1990er-Jahre

als Erasmus-Stipendiat an die Universität Bristol in England

kam. „Dort habe ich erstmals dreidimensionale Molekülstrukturen

gesehen“, erzählt Cramer schwärmend.

Später lernte er in Cambridge einige der Gründer väter

der Molekularbiologie kennen, darunter den Chemie-

Nobelpreisträger Max Perutz, der mithilfe der Röntgenkristallografie

erstmals die dreidimensionale Struktur

eines Proteins aufgeklärt hatte.

Cramer war von der Komplexität und Schönheit molekularer

Strukturen so fasziniert, dass er sich dazu entschloss,

zu promovieren. Eigentlich wollte er am Hauptsitz

des Europäischen Laboratoriums für Molekularbiologie

(EMBL) in Heidelberg forschen, weil seine damalige

Freundin – und heutige Ehefrau – zu der Zeit in Kassel

studierte. Stattdessen bekam er eine Stelle am französischen

EMBL-Standort in Grenoble. Dies entpuppte

sich indes als Glücksfall: Kurz zuvor war dort das europaweit

stärkste Elektronensynchrotron in Betrieb gegangen,

und Cramer konnte an dem Teilchenbeschleuniger

das Geheimnis der Gentranskription erforschen. „Dort

habe ich die Röntgenkristallografie im Detail gelernt“,

erzählt er.

Ausgerüstet mit diesem umfangreichen methodischen

Rüstzeug zog er nach seiner Promotion 1998 gemeinsam

mit seiner Frau und der in Grenoble geborenen Tochter

in die USA, um an der Elite-Uni Stanford im Labor von

Roger D. Kornberg zu arbeiten. Zwei Jahre später hatte

das Forscherteam eines der großen Rätsel der Molekular-

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mensch

Verborgenes wird sichtbar Patrick Cramer entschlüsselt mit seiner Forschung die hochkomplexen Strukturen, Mechanismen und Prozesse

unserer Gene, die für unser Leben elementar sind.

biologie gelöst. „Die Wissenschaftler in Kalifornien waren

führend auf dem Gebiet der Biochemie, und ich hatte

aus Grenoble das neueste strukturbiologische Wissen

und die neueste kristallografische Technik mitgebracht.

Diese Kombination brachte den Erfolg“, sagt Cramer.

ALS ERSTAUTOR DER VIEL BEACHTETEN Arbeit standen

ihm nun viele Wege offen. Cramer schlug eine Einladung

der renommierten Yale University aus, weil ihm die

Ludwig-Maximilian-Universität (LMU) in München ein

attraktives Angebot machte. Bis dahin hatte er Deutschland

wegen des damals noch starren Wissenschaftssystems

gar nicht in Betracht gezogen. „Ich wollte unabhängig

forschen und eine eigene Gruppe aufbauen.“ Die

LMU bot ihm eine damals neuartige Tenure- Track-

Professur an, eine ,Professur auf Bewährung‘: Hat man

innerhalb einer festgelegten Frist entsprechende wissenschaftliche

Leistungen erbracht, bekommt man auch

ohne Habilitation eine Professur auf Lebenszeit. 2001

verließ die inzwischen vierköpfige Familie – ein Sohn

war noch hinzugekommen – die USA und zog nach

Deutschland. „Meine Frau und ich dachten auch, dass

man hier gut die Kinder großziehen und leben kann“,

sagt Cramer.

Danach ging es weiter steil bergauf: 2004 wurde seine

Tenure-Track-Stelle in eine Professur für Biochemie umgewandelt,

im gleichen Jahr wurde er Direktor des Genzentrums

München, 2010 Leiter des Departments Biochemie

an der LMU München.

Vier Jahre später dann der nächste Umzug: Das

Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in

Göttingen berief Cramer 2014 als Direktor. Cramer hat

den Wechsel nach Göttingen nie bereut – im Gegenteil:

„Für Grundlagenforscher ist die Max-Planck-Gesellschaft

das Nonplusultra“, sagt der 53-Jährige. „Hinzu kommt,

dass unser Institut in Göttingen eine tolle unterstützende

Infrastruktur hat – hier kann man wirklich unter großartigen

Bedingungen forschen. Unsere Gruppe hat sich

dann auch sehr schnell entwickelt und viele interessante

Ergebnisse erzielt – das hätte ich in dem Tempo sonst

1 |2022 85


mensch

nicht geschafft.“ Besonders freut ihn, dass sein Labor

auch eine Talentschmiede für wissenschaftliche Karrieren

ist: „Inzwischen haben 15 frühere Angehörige unseres

Labors anderswo eigene Forschungsgruppen aufgebaut.“

Inzwischen ist er vor allem damit beschäftigt, Forschungsstrategien

zu entwickeln: „Welche Ansätze verfolgen

wir, damit wir in fünf Jahren immer noch zur

Weltspitze gehören? Welche Methoden brauchen wir dafür?

Welche Geräte?“ Weil neue Fragen auch neue Lösungswege

nötig machen, hat Cramers Team das Methodenspektrum

ständig erweitert. Manche Methoden habe

man komplett aufgegeben, so Cramer. Darunter auch

jene, die damals den Durchbruch in Stanford ermöglichte:

„Die Röntgenkristallografie war lange Zeit die bestimmende

Methode für unsere Arbeitsgruppe, inzwischen

sind wir auf die Elektronenmikroskopie umgestiegen.“

Nicht nur die Methoden werden immer vielfältiger,

auch die Forschergruppe selbst ist sehr divers zusammengesetzt.

Zu ihr gehören nicht nur Chemiker und Biologen,

sondern auch Mathematiker, Statistiker und Mediziner.

„Erst diese Kombination an Expertise ermöglicht

es uns, Dinge zu tun, die für andere Gruppen schwer

machbar sind.“

Für Cramer ist Interdisziplinarität eine Grundvoraussetzung,

um erfolgreich Forschung betreiben zu können.

Auch deshalb war er gern bereit, Anfang des Jahres erster

geschäftsführender Direktor des neu gebildeten Max-

Planck-Instituts für interdisziplinäre Naturwissenschaften

in Göttingen zu werden. Der Zusammenschluss der

bisherigen Institute für biophysikalische Chemie und für

experimentelle Medizin biete große Chancen. „Zum ersten

Mal sind in einem Max-Planck-Institut Natur- und

Medizinwissenschaften unter einem Dach vereint“, so

der Wissenschaftler. Damit werde es auch möglich, Ergebnisse

aus der Grundlagenforschung schneller in die

Anwendung zu bringen.

BLIEBE ZUM SCHLUSS NOCH EINE FRAGE: Was ist eigentlich

die zutreffende Berufsbezeichnung für den vielseitigen

Wissenschaftler? „Ich bin Chemiker, der physikalische

Methoden anwendet, um biologische Probleme

so zu adressieren, dass man neue Ansätze für die Medizin

finden kann.“ Gut, dass Herlinde Koelbl anders gefragt

hat – diese Antwort hätte wohl kaum auf eine

Handfläche gepasst. ƒ

Zur Person

Patrick Cramer studierte Chemie in Stuttgart und Heidelberg.

Nach Abschluss seiner Doktorarbeit in Frankreich

forschte er ab 1999 an der Stanford University (USA) im

Labor des späteren Nobelpreisträgers Roger S. Kornberg.

2001 wechselte er als Professor für Biochemie an die

Ludwig-Maximilians-Universität in München und wurde

dort von 2004 bis 2013 Direktor.

2014 wurde er Leiter der Abteilung Molekularbiologie

am Max-Planck- Institut für biophysikalische Chemie in

Göttingen, das zum Jahresbeginn 2022 mit dem Institut

für experimentelle Medizin fusionierte. Cramer ist der erste

geschäftsführende Direktor des daraus entstandenen

Max-Planck-Instituts für multidisziplinäre Naturwissenschaften.

Zudem ist er Mitglied der Nationalen Akademie

der Wissenschaften Leopoldina und der National Academy

of Sciences (USA).

Für seine Forschungsarbeiten erhielt der 53-Jährige

zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Gottfried-Wilhelm-

Leibniz-Preis, den Ernst-Jung-Preis für Medizin, den

Centenary Award der British Biochemical Society und

den Louis-Jeantet-Preis für Medizin. 2012 erhielt er das

Bundes verdienstkreuz. In seiner Freizeit unternimmt der

verheiratete Vater von zwei erwachsenen Kindern gern

Wander- und Radtouren.

86 1 |2022


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Neues Dreierteam im Pädagogium Bad Sachsa

(v. l.) Oana Lehmköster, Mark Bischoff und

Schulleiter Torsten Schwark

Neues Team für die voll digitalisierte Schule

Das Pädagogium Bad Sachsa hat eine neue Leitung. Ihr erstes großes Ziel: in Sachen Digitalisierung einen ganz

großen Schritt nach vorne zu gehen und zur Leuchtturmschule in der Region zu werden.

Mit dem Ruhestand von Sido Kruse,

dem langjährigen Schulleiter des

Internatsgymnasiums Pädagogium

Bad Sachsa, ist eine personelle Zäsur verbunden:

Ein neues Dreierteam unter der Leitung

von Torsten Schwark, dessen Stellvertreter

Mark Bischoff und der Wirtschaftsleiterin

Oana Lehmköster lenkt seit dem Sommer

2021 die Geschicke der Schule und des angeschlossenen

Internats.

„Wir sind angetreten, um die Digitalisierung

der Schule weiter nach vorne zu bringen“,

sagt Torsten Schwark. „Unser Ziel ist es, im

Südharz so etwas wie eine digitale Leuchtturmschule

zu werden.“ Ab dem kommenden

Schuljahr 22/23 etwa wird das Gymnasium zur

,iPad-Schule‘: Alle Schüler*innen ab dem 5.

Jahrgang werden dann mit iPads ausgestattet,

die konsequent im Unterricht eingesetzt werden

sollen. Auf ihnen lässt sich mit einem Stift

handschriftlich, aber auch über eine externe

Tastatur schreiben – und Lehrmaterial kann in

digitaler Form genutzt werden.

DIE UNTERRICHTSRAUMTECHNIK wurde

entsprechend darauf ausgelegt: Aktuell werden

große Monitore, die die Tafel ersetzen,

zentral platziert. Darauf lassen sich nach Bedarf

die iPads der Lehrkräfte und Schüler darstellen.

„Ich habe eine der ersten niedersächsischen

Schulen 2003/04 mit digitalisiert“,

sagt Mark Bischoff. Damals ging es um die

Ausstattung der Kinder mit Notebooks. Doch

die nötige Infrastruktur – Steckdosen, Netzverbindung

– und fehlende Konzepte für den

Technikeinsatz stellten auf dem Weg zum digitalen

Unterricht oft ein Hindernis dar. „Inzwischen

sind wir didaktisch und technisch aber

bedeutend weiter und haben die Kinderkrankheiten

überwunden“, so Bischoff.

DAS PÄDAGOGIUM hat in den vergangenen

Jahren seine technische Infrastruktur ausgebaut

und ein Konzept entwickelt, wie der

Unterrichtseinsatz ablaufen soll – und vor

allem auch, wie man die Jüngsten aus dem

5. Jahrgang behutsam an die Technik heranführt.

„Wirtschaftlich ist der Digitalisierungsfortschritt

das maßgebliche Vorhaben“, sagt

Oana Lehmköster und betont die Bedeutung

der Initiative. Da das Pädagogium wirtschaftlich

eigenständig agieren muss, ist das keine

zu unterschätzende Leistung: Das Pädagogium

Bad Sachsa ist ein staatlich anerkanntes

Gymnasium in freier Trägerschaft, das seit fast

einem Jahrhundert als Ersatzschule im staatlichen

Auftrag die Funktion des örtlichen Gymnasiums

wahrnimmt. An ihr lernen rund 400

Schüler*innen, im angeschlossenen Internat

leben knapp 40 Schüler*innen aus aller Welt.

„Ich beobachte im Kollegium wie auch bei den

Eltern eine ganz große Aufbruchstimmung “,

so Schwark. Dies gelte nicht nur für die Digitalisierung:

In den kommenden Jahren geht etwa

ein Drittel des Kollegiums in den Ruhestand.

Nachwuchs an die Schule zu holen, wird eine

Herausforderung. Und: Durch die Spende

eines ehemaligen Schülers wird das Pädagogium

zukünftig auch Stipendien vergeben

können. In der Ehemaligenvereinigung K. V.

Absolvia e. V. sind rund 700 ehemalige Schüler

des Pädagogiums, die immer noch rege an

der Schulentwicklung teilnehmen, Mitglied.

KONTAKT

Persönliche Beratung durch die

Schulleitung:

Torsten Schwark

Tel. 05523 3001-15

kontakt@internats-gymnasium.de


mensch

Jochen Schäfsmeier ist der neue geschäftsführende Intendant der

Händel-Festspiele Göttingen. Der umtriebige Orchester-Manager

verrät, wie er dem Zuschauer die zweite Karte aufschwatzen will und

was ihn seit Kindertagen mit seiner neuen zweiten Heimat verbindet.

TEXT TOBIAS KINTZEL FOTOGRAFIE MARCO BÜHL

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mensch

Der Volltreffer

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mensch

» Ich würde mich freuen, wenn Leute

nach dem Besuch eines Konzerts sagen:

,So habe ich das noch nicht gehört‘. «

LESEZEIT: 6 MINUTEN

Die Stadt Göttingen und ihre Menschen

haben mich mit offenen Armen aufgenommen“,

erzählt Jochen Schäfsmeier

dankbar, der seit Mai vergangenen

Jahres offiziell Geschäftsführender Intendant

der Händel-Festspiele in der

Leinestadt ist. Im gleichen Atemzug hebt er seinen Vorgänger

Tobias Wolff hervor, der aus seiner Sicht über

zehn Jahre eine fantastische Arbeit geleistet hat. „Ich

habe mit ihm in meinen ersten drei Monaten zusammengearbeitet

– und wir haben das beide als überraschend

wohltuend empfunden“, sagt er und schmunzelt bei dem

Gedanken an seine ersten Tage im Amt. „Während der

eine seine liebgewonnene Aufgabe aufgeben musste,

wollte sich der andere profilieren. Letztlich haben wir

uns gegenseitig den Übergang erleichtern können.“

Wolff, der als Intendant an die Oper Leipzig gewechselt

ist, habe ihm zudem vor dem Abschied noch einige

Türen geöffnet. „Schnell habe ich gemerkt, dass hier

viele Leute einfach große Lust auf Händel haben und

wissen, was wir machen“, sagt Schäfsmeier. „Ich musste

und muss das in Gesprächen so gut wie nie erklären.“

Es gäbe außerdem immer hilfsbereite Menschen, die ihm

Fragen beantworteten oder Kontakte vermittelten. Im

Laufe des Gesprächs wird klar, dass Göttingen und die

Händel-Festspiele für den gebürtigen Hannoveraner

aus noch viel mehr Gründen ein Volltreffer zu sein

scheinen.

BEVOR ER DIE AUFGABEN als Intendant übernahm, war

der studierte Klarinettist in der Welt viel herumgekommen.

„Ich habe mit verschiedenen Orchestern bei Konzertreisen

rund 50 Länder rund um den Globus besucht“,

sagt er bei einer Tasse Kaffee auf seine bisherigen Stationen

zurückblickend. So war er von 1995 bis 2001 als

Orchester-Manager mit dem Jeunesses Musicales Weltorchester

unterwegs und verantwortete im Anschluss als

Geschäftsführer die Geschicke der Hamburger Camerata.

Bevor er in Göttingen startete, war er mehr als 15 Jahre

Geschäftsführer des Concerto Köln gewesen, eines auf

historische Aufführungen der Musik des 18. und frühen

19. Jahrhunderts spezialisierten Orchesters.

„Ich habe jede dieser vielen Reisen genossen, fand dabei

das gemeinsame Erleben der Musik immer aufregend

und habe mir einen großen Freundeskreis in der Musikerwelt

aufbauen dürfen“, betont Schäfsmeier. Nach 25 Jahren

des Umherreisens habe er jedoch schließlich einen

Platz zum Ankommen gesucht. „Ich wollte einen Ort

finden, an dem ich langfristig wirken und die Gemeinschaft

aktiv mitgestalten kann.“ Dass es Göttingen geworden

ist, freut ihn gleich doppelt. Zum einen kann er

hier – gemeinsam mit dem neuen künstlerischen Leiter

George Petrou – eine der renommiertesten Händel-Veranstaltungen

weltweit weiterentwickeln und ihr mit seinen

Ideen neue Impulse verleihen. Zum anderen ist es

eine Rückkehr an den Ort, mit dem er viele Kindheitserinnerungen

verbindet. „Meine Großeltern haben in

der Nähe der Stadthalle gelebt – meine Eltern haben sich

hier kennen und lieben gelernt“, sagt er und gewährt damit

einen sehr persönlichen Einblick. „Als ich zu den

ersten Gesprächen hier angekommen bin, war das ein

Déjà-vu. Obwohl ich zuvor 30 Jahre nicht in Göttingen

war, habe ich mich sofort an viele Plätze, Orte und Erlebnisse

erinnert.“ Göttingen sei zwar eine kleine, aber sehr

lebendige, junge Stadt, die im Vergleich zu anderen Orten

auf der Welt voller Buchhandlungen sei.

AUF DIE FRAGE, wie es mit den Händel-Festspielen unter

seiner Leitung weitergehen wird, kommt die erste Antwort

von Schäfsmeier sehr spontan: „Zusammen mit George

Petrou will ich dem Publikum weiterhin ein Festival

bieten, das begeistert. Als die Neuen dürfen und werden

wir dabei Dinge einfach ausprobieren. Das reizt mich an

dieser Aufgabe sehr.“ Auch das Motto des diesjährigen

Festivals – des ersten, das er mit Petrou zusammengestellt

hat –, deutet in diese Richtung: ,Neue Horizonte‘.

Wichtig sei ihm zukünftig, nicht immer das Erwartbare

zu bedienen und nichts Langweiliges anzubieten. „Ich

würde mich freuen, wenn Leute nach dem Besuch eines

Konzerts sagen: ‚So habe ich das noch nicht gehört‘“,

erklärt der Intendant und macht damit den eigenen Anspruch

an sich und die Festspiele klar.

Gelingen soll das mit einer ausbalancierten Mischung

aus neuen Ideen und Perspektiven sowie bereits erfolgreich

etablierten Formaten und Ansätzen. „Schon in

meiner Tätigkeit als Orchester-Manager ging es darum,

bestehende Dinge auszubauen, weiterzuentwickeln und

immer auch dafür zu sorgen, neue Richtungen einzuschlagen.“

Für das diesjährige Programm hat Schäfsmeier zum

Beispiel Musiker aus seinem persönlichen Netzwerk,

etwa Concerto Köln oder Julia Lezhneva, eingeladen,

aber auch bekannte Gesichter wiederholt engagiert, die

bereits Teil der Händel-Familie sind. Dazu gehören das

NDR Vokalensemble und Ensembles aus dem ,EEEEemerging+

Programm‘ wie Cembaless oder L‘Apothéose.

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12.–22. Mai 2022

NACH DEM JUBILÄUMSPROGRAMM zum 100-jährigen

Bestehen des Festivals, das 2021 aufgrund der Pandemie

ein Jahr später als das tatsächliche Jubiläum stattfand,

sei nun auch ein guter Zeitpunkt, neu zu denken. Es

könne nicht jedes Jahr eine Steigerung mit immer neuen

Superlativen geben. „Wir wollen die Händel- Festspiele

jetzt für die Zukunft gut aufstellen“, erklärt Jochen

Schäfsmeier die Zielsetzung. „Hier beschleunigt die Pandemie,

die wie ein Vergrößerungsglas gewirkt hat, auch

bei uns die Auseinandersetzung mit wichtigen Fragen,

denen wir uns stellen müssen: Wie sieht das Publikum

der Zukunft aus? Für wen machen wir das? Machen wir

das für alle?“

Heute müsste man Besucher gewissermaßen neu überzeugen,

Konzerte zu besuchen. Für viele Menschen ginge

es durch Corona nicht mehr nur darum, ob sie Lust auf

klassische Live-Musik hätten. „Besucher müssen sich sicher

genug fühlen, in die Oper zu gehen. Ohne überzeugendes

Hygienekonzept ist das nicht möglich. Durch die

letzte Spielzeit sind wir ohne Infektion gekommen. Das

können wir also“, sagt Intendant Schäfsmeier und geht

auf einen weiteren Effekt der Pandemie ein, mit dem er

sich auseinandersetzen muss. „Für einige Menschen hat

sich das kulturelle Erleben mit Netflix und anderen

Streamingdiensten verändert. Auch dieser Entwicklung

müssen wir Rechnung tragen.“

Und das hat er gemeinsam mit dem Team getan: Die

neue Streaming-Plattform www.haendel-channel.de bot

bereits zu Beginn des Jahres viele Inhalte ohne Bezahlschranke,

also kostenlos, an. Zu finden sind Highlights

der Jubiläumsfestspiele 2021 wie das letzte Solokonzert

Laurence Cummings‘ als Künstlerischer Leiter der Internationalen

Händel-Festspiele oder die große Jubiläumsgala

unter anderem unter der Leitung von Nicholas

McGegan, der von 1991 bis 2011 künstlerischer Leiter

der Festspiele war. In Zukunft werden Inhalte auch kostenpflichtig

bereitgestellt. Was nicht nur an den neuen

Gewohnheiten des Publikums liegt: „So dankbar wir

auch für alle Förderprogramme sind – wir wollen trotzdem

unser Geld gern selber verdienen, den Eigenanteil

wieder ausbauen“, so Schäfsmeier. „Dazu brauchen wir

natürlich nicht nur neue Erlösquellen, sondern weiterhin

das Publikum, das live in unsere Veranstaltungen gehen

will und die gewisse Exklusivität auch unterstützt.“

JOCHEN SCHÄFSMEIER IST, wie es scheint, nicht nur in

Göttingen angekommen, sondern bereits intensiv in seiner

Arbeit vertieft – und das mit einem konkreten Ziel:

Er will dafür sorgen, dass das Händel-Publikum nach

der ersten auch die zweite Karte kauft. „Die erste könnte

man den fachkundigen Händel-Freunden vielleicht noch

aufschwatzen, die zweite ist die wichtigste: Sie wird aus

Überzeugung gekauft.“ ƒ

Persönlicher Tipp:

„Herr Schäfsmeier, worauf freuen Sie sich bei den

diesjährigen Händel-Festspielen am meisten?“

Wenn man so viele Programme gleichermaßen mit

Herzblut und Vorfreude zusammengestellt hat, ist

es schwierig, einzelne hervorzuheben: Ich persönlich

freue mich über die Festspieloper, die herausragende

Sänger und Sängerinnen in einer aufwendigen

Produktion nach Göttingen bringt. Aber ich freue

mich ebenso auf das Wiedersehen mit Concerto Köln

und dem NDR Vokalensemble beim Belshazzar

sowie auf Julia Lezhneva beim Gala-Konzert.

Eine Handvoll Geheimtipps mit Konzerten an besonderen

Orten oder besonderen Zusammenstellungen

haben wir auch – aber da sollte sich jeder und jede

selbst auf die persönliche Schatzsuche machen.

haendel-festspiele.de

Zur Person

Jochen Schäfsmeier wird 1968 in Lehrte bei Hannover

geboren. Seine musikalische Laufbahn beginnt mit einem

Musikstudium an der Hochschule für Musik in Saarbrücken,

währenddessen er als Klarinettist im Trio d'Anches der

Musikhochschule des Saarlandes spielt.

Seine Karriere startet 1995 als Orchester-Manager des

Jeunesses Musicales Weltorchesters (Berlin). Danach führt

er von 2002 bis 2005 die Geschäfte der Hamburger Camerata

und im Anschluss des Orchesters Concerto Köln bis 2020.

Von 2014 bis 2021 ist er zudem Lehrbeauftragter für

Ensemblemanagement und Orchestergeschichte an der

Hochschule Macromedia, University of Applied Sciences.

Im Mai 2021 tritt Jochen Schäfsmeier schließlich sein

Amt als Geschäftsführender Intendant der Internationalen

Händel-Festspiele Göttingen an. Er ist verheiratet, Vater

eines Sohnes und wohnt in Göttingen und Köln.

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mensch

Der griechische Dirigent und Regisseur

George Petrou gilt als einer der weltweit

führenden Barock- und Händelspezialisten.

In diesem Jahr will er als künstlerischer Leiter

auch den Händel-Festspielen in Göttingen

seine persönliche Note verleihen.

Verliebt

in Händel

TEXT TOBIAS KINTZEL FOTOGRAFIE MARCO BÜHL

LESEZEIT: 5 MINUTEN

In die Händel-Festspiele in Göttingen involviert zu

sein, ist eine große Freude und Ehre“, sagt der

Pianist, Dirigent und Regisseur George Petrou, der

seit diesem Jahr die musikalische Leitung vor Ort

übernommen hat. „Es ist eines der ältesten Barock-Festivals

der Welt und hat beim Revival dieser Musik

eine große Rolle gespielt. Es hat dazu beigetragen,

dass Menschen diese Klänge wieder neu für sich entdecken.“

Wenn man sich mit der bisherigen musikalischen Reise

von George Petrou beschäftigt, deuten alle Vorzeichen

darauf hin, dass er es kann. Ähnlich rastlos wie der

sagenumwobene Held Odysseus auf dem zehnjährigen

Rückweg von Troja ins heimatliche Ithaka ist Petrou seit

Jahren als Botschafter der Musik des 18. und 19. Jahrhunderts

in der Welt unterwegs. Dabei hat er in vielen

Städten Europas und im Rest der Welt bereits musikalische

Spuren hinterlassen – zum Beispiel als musikalischer

Leiter und Dirigent des Orchesters Armonia Atenea

von 2012 bis 2021 oder als Gast dirigent auf Einladung

zahlreicher bedeutender Orchester und Opernhäuser.

So auch in Göttingen. Gemeinsam mit Nicholas

McGegan und Laurence Cummings lieferte er im September

2021 eine unvergessene Jubiläumsgala ab, in der

inzwischen hundertjährigen Festspielgeschichte die erste

mit drei Dirigenten. Und jetzt ist er als Nachfolger von

Cummings angetreten, um den Händel-Festspielen seinen

Stempel aufzudrücken.

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mensch

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mensch

„Ich habe mich früh für die Musik von Händel begeistert

– sie ist eine meiner großen Lieben“, erzählt Petrou

schwärmerisch, um im Anschluss auf charmante Weise

tiefzustapeln. „Mittlerweile gibt es viele Menschen, die

glauben, dass ich ein Händel-Spezialist bin.“ Es spricht

einiges dafür: zum einen die unzähligen Auftritte bei

Händel-Festspielen in Halle und Karlsruhe oder 2014

der Auftritt mit dem ersten griechischen Orchester bei

der BBC Night of the Proms, zum anderen die vielen

CD- Einspielungen wie beispielsweise die Gesamtaufnahmen

von Händels Alessandro für das Musiklabel Decca.

Vor allem sind es die begeisterten Besprechungen und

Kritiken, die das musikalische Wirken von George Petrou

begleiten: Immer wieder ist die Rede von „furiosen“

oder „aufsehenerregenden“ Aufführungen, „musikalischen

Höhepunkten“ und „maßstabsetzenden“ Aufnahmen.

DABEI HÄTTE ES AUCH GANZ ANDERS KOMMEN können,

denn der Musiker stammt nicht aus einer künstlerisch

orientierten Familie, wie er selber sagt. „Aber

Kunst war immer ein Teil meines Lebens. Meine Eltern

haben mich in meinem Interesse für Theater, Musik und

Museen immer unterstützt“, sagt er heute dankbar zurückblickend.

„Das ist auch so geblieben, als ich mein

Jurastudium abgebrochen habe, um mich auf Musik und

das Klavierspielen zu konzentrieren.“ Nach dem Studium

am Athener Konservatorium sowie am Royal College

und an der Royal Academy of Music in London

machte der Musiker sich dann auch zunächst als Konzertpianist

einen Namen. Doch sein Interesse an Musik

habe sich mit der Zeit verändert, „weil Klavierspielen

manchmal einsam sein kann“.

Er schlug, gemeinsam mit dem Orchester Armonia

Atena und auch als Solokünstler, eine Karriere als Dirigent

ein, die schnell internationale Engagements und

Auftritte mit sich brachte. Sein musikalisches Interesse

erstreckte sich dabei von Händel und Verdi bis zur

zeitgenössischen Oper. Die intensive Beschäftigung mit

Opern habe einen weiteren großen Effekt auf seine

Weiterentwicklung als Musiker und Künstler gehabt. „Je

mehr ich mich mit Opern auseinandergesetzt habe, desto

mehr wollte ich meine eigenen Vorstellungen in die Inszenierung

einbringen“, erklärt Petrou. „Mich hat die

Idee fasziniert, sowohl die Interpretation der Musik als

auch die Gestaltung der Bilderwelt und Dramaturgie in

meiner Hand zu vereinen.“

AUCH HIER HABEN ES IHM DIE WERKE HÄNDELS besonders

angetan. „Händel war nicht nur ein begnadeter

Komponist, sondern einer der größten Dramatiker in der

Opern-Geschichte“, sagt Petrou beinahe euphorisch. „Er

hatte einen ausgeprägten Instinkt für Theater, für Geschichten.

Er hat aus meiner Sicht unübertroffene Meisterstücke

geschrieben, die sich auch heute noch modern

anfühlen und die Zuschauer ansprechen.“

ER SEI ÜBERZEUGT, DASS HÄNDELS MUSIK von jedem

verstanden werden könnte, nicht nur von Experten.

„Verstehen Sie das nicht falsch, natürlich sind die Interpretation

und die Inszenierung seiner Musik enorm

wichtig, um sie für möglichst jeden zugänglich zu machen“,

sagt er ergänzend. Eine Oper sei dabei ein Gesamtkunstwerk,

in das viele Menschen ihr Herzblut, ihre

ganze Energie steckten und etwas Wunderbares erschaffen

würden. Wie das aussieht, könne das Göttinger Publikum

in diesem Jahr besonders gut an der Oper ,Giulio

Cesare‘ sehen, die Petrou als Dirigent und Regisseur

während der diesjährigen Festspiele im Mai mit der Nederlandse

Reisopera aufführen wird. In den Niederlanden

wurden die ersten Aufführungen, unter anderem in

Amsterdam und Groningen, begeistert aufgenommen.

Ihm sei es vor allem darum gegangen, die intensive Geschichte

mit Abenteuer, großen Gefühlen und Humor als

Ohren- und Augenschmaus mit großen Bildern zu inszenieren.

„Mit dem wundervollen Ensemble ist das eine

reine Freude, da alle tolle Sängerinnen und Sänger zugleich

Schauspieler sind“, sagt Petrou begeistert.

ER KÖNNE ES KAUM ERWARTEN, die Reaktion des Göttinger

Publikums zu sehen und zu hören. Sein Ziel sei, so

betont Petrou, den Menschen in jeder der zahlreichen

Vorstellungen einen guten Grund zu geben, immer wieder

zu kommen. „Ich lebe für den Applaus. Ich bin

glücklich, wenn ich ihn zusammen mit den Musikern

bekomme. Das motiviert mich, treibt mich an“, sagt der

künstlerische Leiter unumwunden. „Kritiken lese ich

auch – und bin traurig, wenn es schlechte sind.“ Aber er

höre gern, wenn Menschen über eine Inszenierung diskutierten.

„Wenn es uns gelingt, dass wenigstens ein

paar Menschen im Publikum sagen, dass sie diese Oper

lieben, dann haben wir einen guten Job gemacht.“ ƒ

Zur Person

Der in Griechenland geborene George Petrou macht nach

seinem Musikstudium in Athen und London zunächst als

Konzertpianist Karriere. Während seiner anschließenden

Laufbahn als Dirigent ist er von 2012 bis 2021 künstlerischer

Leiter des renommierten Orchesters Armonia

Atenea, vormals Camerata Athen, und tritt zudem als

Gastdirigent bei diversen europäischen Orchestern und

Opernhäusern auf. Seit Mai 2020 ist Petrou Chefdirigent

des Griechischen Nationalradioorchesters. Ab der Spielzeit

2021/22 übernimmt er die künstlerische Leitung der

Händel- Festspiele Göttingen. Darüber hinaus hat er

bereits zahlreiche hochgelobte Alben veröffentlicht, für die

er Auszeichnungen wie den Gramophone Editor’s Choice,

Diapason d’Or und den Echo Klassik 2008 erhielt.

98 1 |2022


Marken

kommuni

kation

* das virtuose Zusammensetzen von Punkten und/oder Strichen (PoS) zu einer guten Gestaltung und erfolgreichen Kampagnen

pos-marken.de


PROFIL

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Goethe Institut am alten Güterbahnhof

in Göttingen

Dipl.-Ing. Kai-Oliver Becker

ist neuer Niederlassungsleiter

Personalwechsel in der Goldbeck-Niederlassung Kassel

Neues Geschäftsjahr, neue Niederlassungsleitung: Zum 1. April 2022 übernimmt Kai-Oliver Becker die Leitung der

Goldbeck-Niederlassung in Kassel. In seiner neuen Position ist er künftig für ein Team von über 65 Mitarbeiter:innen und

zahlreiche Bauprojekte verantwortlich – und der Nordhesse hat große Pläne: Perspektivisch möchte er die Niederlassung

zum Lebenszykluspartner für kommunale und gewerbliche Immobilien in der Region Kassel weiter ausbauen.

Bereits seit 20 Jahren ist das europaweit

tätige Bau- und Dienstleistungsunternehmen

mit einer Niederlassung in

der Region vertreten und hat seither zahlreiche

namhafte Projekte umgesetzt – darunter

sind Projekte wie die Sparkassen-Arena oder

das neue Goethe-Institut am alten Güterbahnhof.

Zum 01. April 2022 übernimmt Kai-Oliver

Becker die Leitung der Niederlassung – für

den Nordhessen aus verschiedenen Gründen

eine ganz besondere Aufgabe: „Im Jahr

2007 begann hier in der Niederlassung Kassel

meine Karriere als Projektleiter bei Goldbeck.

Das war eine spannende Zeit, in der ich die

Region, unsere Wirtschaft und unsere Unternehmerinnen

und Unternehmer noch näher

kennenlernen konnte,“ erklärt Becker. Anschließend

übernahm er die Leitung der Goldbeck

Niederlassung Bremen und später der

Niederlassung Schul- und Bestandsgebäude

in Bielefeld.

HESSEN IST DER BAUINGENIEUR dabei

dennoch immer treu geblieben: „Ich lebe mit

meiner Familie in Baunatal und bin in den

vergangenen Jahren gependelt. Jetzt freue

ich mich auf die zusätzliche Zeit mit meiner

Familie und zugleich auf die neuen Herausforderungen

und spannenden Projekte gemeinsam

mit Herrn Bengt Wilken, welcher für die

Region Südniedersachen für Sie weiterhin vor

Ort ist.“

ZULETZT LEITETE BECKER IN BIELEFELD

eine auf Bestands- und Schulgebäude spezialisierte

Niederlassung. Die Kasseler Niederlassung

hat in den vergangenen Jahren hingegen

vor allem Neubauten in der Region realisiert

– darunter Logistik- und Produktionshallen,

Bürogebäude sowie Parkhäuser. Beckers Ziel:

Die Produktpalette nach und nach um Goldbeck-Kompetenz

erweitern. „Bisher haben

wir in der Region nur vereinzelt Projekte für

die öffentliche Hand umgesetzt. Dabei kommen

die Vorteile unserer systematisierten

Planungs- und Bauweise hier besonders

zum Tragen, denn wir können Schulgebäude,

Wohngebäude und Verwaltungsgebäude

nicht nur besonders schnell, wirtschaftlich

und nachhaltig realisieren, sondern auch die

Schnittstellendichte reduzieren. Auch die

Teil- und Kernsanierung oder Erweiterung

von Bestandgebäuden wird, gerade mit Blick

auf die Nachhaltigkeit von Gebäuden, immer

wichtiger. Mein großes Ziel ist es deshalb, die

Produktpalette der Niederlassung zu erweitern

und künftig sowohl gewerbliche als auch

öffentliche Kunden in der Region Südniedersachsen

entlang des gesamten Lebenszyklus

ihrer Immobilien professionell zu begleiten –

vom Design über den Neu- und Umbau bis

hin zu Services in der Betriebsphase.“

KONTAKT

GOLDBECK Nord GmbH

Kai-Oliver Becker

Niederlassungsleiter

Heinrich-Hertz-Straße 3a

34123 Kassel

Tel. 0561 589020

kai.becker@goldbeck.de

www.goldbeck.de


leben

102 1 |2022


leben

Die Null muss stehen

Rico Hausmann gründet aus seinem einstigen Kinderzimmer in Osterode heraus ein

Unternehmen für nachhaltig produzierte Sportbekleidung und ist damit auf dem besten Weg

den weltweiten Markt zu revolutionieren.

TEXT RUPERT FABIG FOTOGRAFIE LUKA GORJUP

LESEZEIT: 5 MINUTEN

Es muss für Rico Hausmann ein abstruses Gefühl

gewesen sein: Den Master-Abschluss in Marketing

und Vertriebsmanagement in der Tasche,

das Hannoveraner Studentenleben hinter sich

lassen, alle Kumpels starten in die gut bezahlte Karriere.

Und er? Geht zurück ins alte Kinderzimmer nach

Osterode am Harz. „Ich musste mich komplett zurück

auf null reduzieren“, erzählt der heute 30-Jährige rückblickend.

Das lag nicht an ,null Plan‘, sondern an ,null

Bock‘, und zwar auf konventionelle Sportbekleidung.

Doch unsere Geschichte beginnt ein halbes Hausmann-

Leben früher.

1 |2022 103


leben

Erfolgreiches Umdenken

Die Funktionskleidung von

Gymbassador soll – wenn es nach

dem Gründer geht – in zehn Jahren

,der faire Partner an der Seite eines

jeden Sportlers sein‘.

SPORT WAR SCHON IMMER seine große Leidenschaft.

In der Jugend als ambitionierter Fußballer unter anderem

beim VfR Osterode, inzwischen als leidenschaftlicher

Läufer und fleißiger Fitnessstudiobesucher. Alles

war und ist auf diese Passion ausgerichtet. Das zweite

Hobby ist das Interesse an der Mode branche, speziell an

Sportbekleidung. „Mit 14, 15 Jahren haben ich angefangen,

mich intensiv damit zu befassen, wie die Sachen von

all den großen Sportmarken entstehen, und habe mir dadurch

autodidaktisch ein tiefes Know-how angeeignet“,

sagt Hausmann. Die Geschäftsidee lag also auf der Hand,

seine Hobbys zum Beruf zu machen. Ein Vertreter des

Sports und all den Werten, die er damit verbindet, wollte

der sympathische Harzer sein. Daran orientiert sich

auch der Name der Marke, die er schon während des

Studiums in der niedersächsischen Landeshauptstadt

gründet: Gymbassador – eine Kombination aus dem englischen

,gym‘, also etwa Sporthalle oder Fitnessstudio,

und ,ambassador‘ für Botschafter oder Repräsentant.

Gymbassador sollte kein weiterer Sportausstatter auf

dem riesigen Markt sein, sondern ein besonderer. Ein

komplett nachhaltiger, der rundum verantwortungsvoll

produziert. Diese Vision in Teilzeit umzusetzen ist undenkbar.

Aber ohne jegliches Startkapital steht Hausmann

vor der Frage: es wie seine Kommilitonen machen

und ab in die freie Wirtschaft – oder seinem Traum

nachjagen? Die Antwort war denkbar einfach, der Weg

dazu alles andere.

Das alte Kinderzimmer in Osterode war dann praktisch

das einzig bezahlbare Büro, Lager und Logistikzentrum

in einem. Ganz allein startet Hausmann vor vier

Jahren seine Mission, nimmt einen Kredit auf, erstellt

einen Online-Store, platziert die Marke ohne nennenswertes

Werbebudget in den sozialen Medien, lässt die

ersten 500 T-Shirts produzieren – und dann? „Es hat ein

wenig gedauert, ehe ich über die ersten Bestellungen gejubelt

habe“, erzählt der Gründer. Dabei erwies es sich

als Stärke, dass der digitale Marktplatz derart professionell

daherkam, dass damals niemand erahnte, dass das

Paket mit der schicken Ware im Kinderzimmer verpackt

wurde. So fingen zunehmend Menschen quer durch

Deutschland an, sich für die nachhaltige Sportbekleidung

zu interessieren

GYMBASSADOR IST ANFANGS ein reines Familienbollwerk.

Als es für Geschäftsführer und Produktentwickler

und Marketingmanager und Lagerlogistiker und Buchhalter

Rico Hausmann allein zu viel wird, hilft ihm seine

Mutter beim Packen der Pakete, Bruder Marco beim

Vermarkten der Ware. Die beiden ziehen gemeinsam

durch Südniedersachsen, präsentieren die Produkte in

regionalen Fitnessstudios und bei Sportveranstaltungen.

Hausmann identifiziert sich mit seiner Heimat. „Wir

sind stolz, als Start-up aus Osterode erfolgreich zu sein

– sonst verbindet man solche Geschichten meist nur mit

Berlin, Hamburg und München“, sagt er zufrieden.

Und Grund, stolz zu sein, hat der junge Gründer allemal.

Der immense Kraftakt, mindestens 60 Arbeitsstunden

in der Woche, wenige bis keine freien Tage und sein

kooperativ-diplomatischer Führungsstil zahlten sich aus.

Er kann zwei weitere Mitarbeiter anstellen, denen er viel

Eigenverantwortung zugesteht. Seine Funktionskleidung

verkauft sich von Jahr zu Jahr besser, vor allem die

Damenleggins und der Sport-BH sind fast permanent

104 1 | 2022


leben

»Wir sind stolz, als Start-up aus

Osterode erfolgreich zu sein – sonst

verbindet man solche Geschichten

meist nur mit Berlin, Hamburg

und München. «

vergriffen. Generell ist die Mehrheit der Kunden weiblich,

aber die Herren ziehen gerade ordentlich nach.

15 Produkte je Geschlecht bietet Gymbassador inzwischen

an.

2020 VERLEGT HAUSMANN seinen Lebensmittelpunkt

dann wieder zurück an seinen einstigen Studienort

Hannover. Mit seinem Unternehmen residiert er regelmäßig

in der schicken ,Hafven Innovation Community‘,

einem modernen Co-Working-Space in der Hannoveraner

Nordstadt.

Darum, profitabel zu sein, gehe es erstmal nicht, meint

Hausmann und strahlt dabei eine ruhige und entspannte

Gelassenheit aus. Die Grundlage ist gelegt, das Erwirtschaftete

reinvestiert Hausmann direkt wieder, um die

Produkte noch nachhaltiger zu gestalten und Marketing

zu betreiben. Für strategische Partnerschaften und Investoren

sei er jedoch offen.

Was verdient wird, soll in neue Innovationen umgesetzt

werden. „Es geht mir nicht darum, den Finger in

die Wunde zu legen und zu zeigen, was hinter den Kulissen

in der Bekleidungsindustrie möglicherweise alles

schiefläuft“, sagt er voller Überzeugung. „Ich konzentriere

mich lieber darauf, was wir richtig gut können.“

Beispiel gefällig? Um seine Proto typen unter fairen Arbeits-

und Umweltbedingungen in Serie fertigen zu lassen,

lokalisierte Hausmann Fabrikpartner in Portugal.

Dort wird nach EU-Standards gearbeitet, und per dreidimensionaler

Webetechnik werden bis zu 60 Prozent an

Schnittabfällen gespart. „Bei herkömm lichen Schnittund

Nähverfahren fällt nicht selten ein Großteil des

Stoffs als Müll weg“, erklärt der Gründer. „Unsere Maschinen

dort fertigen hingegen unsere Sportbekleidung

aus beinahe einem Stück.“ Als Material werden aufgrund

der benötigten Funktionalität beim Sport zumeist

noch Kunstfasern verwendet, da beispielsweise Baumwolle

den Schweiß aufsaugt und riechen würde. Allerdings

arbeitet Gymbassador fortan mit recycelten Funktionsgarnen.

„Weltweit wird nur weniger als ein Prozent

an gebrauchter Kleidung zu neuer Kleidung recycelt.

Unsere neue Vision-Kollektion besteht zu 53 Prozent aus

recycelten Textilien und Herstellungsverschnitten“, so

Hausmann. „Meine Zukunftsvision ist es, den Kreislauf

zu schließen, indem unsere Kunden ihre getragene Kleidung

an uns zurückgeben können, sodass wir sie recyceln

und daraus neue Ware produzieren können“, erklärt er

weiter. Derzeit landen weltweit noch 87 Prozent an Altkleidung

auf Mülldeponien oder werden verbrannt.

Brennen wiederum ist das Stichwort für den jungen

Unternehmer. Feuer und Flamme war er in den vergangenen

Monaten, um an einem Relaunch der Website –

Gymbassador ist bislang nur online verfügbar – zu arbeiten.

Dabei herausgekommen ist der Claim ,Your gym

is everywhere‘, übersetzt: Dein Sportstudio ist überall.

„Es soll zum Ausdruck bringen, dass man überall alles

machen kann, um fit und gesund zu bleiben. Egal ob allein,

in der Gruppe, im Studio oder in der Natur. Es geht

um die Leidenschaft für den Sport und die pure Lust an

der Bewegung“, sagt der selbst noch recht fitte Chef,

dessen Start-up sich primär auf Individualsportarten wie

Fitness, Laufen, Yoga & Co. fokussiert. Nächster Schritt

in der Evolution soll nachhaltige Kleidung für den Freizeitbereich

werden, unter anderem mit Shirts aus 100

Prozent Bio-Baumwolle.

WENN HAUSMANN an sein Kinderzimmer zurückdenkt,

weiß er, den richtigen Weg gewählt zu haben und sich

nach wie vor darauf zu befinden. Er steht hinter seiner

Marke. „Es geht mir nicht darum, von heute auf morgen

der perfekte Mensch zu sein, sondern einfach ins Umdenken

zu kommen. Das möchte ich mit Gymbassador

ausdrücken.“ Sein Wunsch sei es, dass seine Firma als

die Marke angesehen wird, bei der jeder weiß, dass sie

für nachhaltig produzierte Performance-Sportswear steht.

„Der faire Partner an der Seite eines jeden Sportlers.“ In

zehn Jahren soll das so weit sein. Die Null spielt dennoch

weiterhin die größte Rolle auf dem Weg dorthin.

Null Emissionen, null Abfall, null Konvention. ƒ

KONTAKT

Gymbassador

gymbassador.com

instagram.com/gymbassador

facebook.com/gymbassador

1 |2022 105


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Gegen Langeweile an den Wänden

Mit dem Online-Shop meinewand.com treiben Sebastian Stahl und sein Team den Trend

zu hochwertigen, designorientierten Tapeten und mutigeren Farben maßgeblich voran – und

locken immer mehr Kunden auf der Suche nach Inspiration nach Rüdershausen.

Kai Bergen (l.) und Sebastian Stahl

„Wenn ich den Wow-Effekt

bei den Kunden sehe,

ihre Begeisterung für Tapeten,

macht das schon richtig Spaß.“

KAI BERGEN

Noch ist Deutschland das Land der

Raufaser und der Glattvliestapete“,

sagt Sebastian Stahl, Geschäftsführer

der VICTOR STAHL Malermeister GmbH in

Rüdershausen und Inhaber des Online-Shops

meinewand.com. „Aber die Menschen wagen

langsam mehr. Das Interesse an spannenden,

ausgefallenen Mustern bei Tapeten

und mutigen, dazu passenden Farben nimmt

stetig zu.“ Er ist sich sicher, dass auch opulent

ausgestattete Fernsehserien wie ‚Babylon

Berlin‘ oder ‚Das Damengambit‘ zu diesem

Trend beitragen. Und Stahl weiß, wovon er redet:

Seit 2005 betreibt er den Shop, der heute

mit über 25.000 Produkten einer der umfangreichsten

für hochwertige Wandgestaltung in

Europa ist. „Wir haben nicht nur das größte

Angebot an hochwertigen, design orientierten

Tapeten. Meines Wissens sind wir der einzige

Shop, der auch dazu passende edle Putze und

Qualitätsfarben anbietet“, sagt Sebas tian Stahl

und beschreibt so das einzigartige Konzept.

NICHT NUR DIE AUFWENDIG produzierten

Fotos der Hersteller im Shop geben Anregungen

für die perfekte Gestaltung von Innenräumen.

In Blogbeiträgen zeigen Stahl und sein

Team, wie Wänden und Decken mit der beeindruckenden

Designvielfalt von Tapeten und

Wandbildern sowie geschickt eingesetzten

Farben eine ganz neue Wirkung gegeben werden

kann. „Mit der Wahl des richtigen Musters,

der richtigen Farbe, werden alle Räume

Teil eines schlüssigen Interior-Design-Konzepts“,

erklärt Sebastian Stahl. „Das gilt nicht

nur für Wohn-, Ess- oder Schlafzimmer, sondern

auch für Bäder, Toiletten oder das Gäste-

WC.“ Dieser Ansatz ist so erfolgreich, dass der

Online-Shop in den vergangenen Jahren im

deutschsprachigen Raum stark gewachsen ist

und nun weitere Märkte in Europa erschlossen

werden sollen. In einer englischen Version

ist er bereits verfügbar, für Italien wird an

einem Shop in der Landessprache gearbeitet.

Mittlerweile arbeiten 15 Mitarbeiter für meinewand.com

und den Victor-Stahl-Shop. Über

diesen zweiten Shop werden deutschlandweit

Profi-Malerfarben der Marken Brillux sowie

Materialien für Fußbodentechnik von Thomsit

vertrieben.

Auch in der realen Welt sorgt der Online-

Shop meinewand.com für einen unerwarteten

Trend: Immer mehr Kunden aus ganz

Deutschland reisen auf der Suche nach der

besonderen Tapete in die 600 Quadratmeter

große Ausstellung nach Rüdershausen. Und

hier kommt Kai Bergen ins Spiel: Der erfahrene

Raumausstattermeister zeigt den Kunden

die Tapetenvielfalt und die passenden Farben

live. „Viele Kunden können sich nur schwer

vorstellen, wie eine Tapete in der Fläche wirkt“,

sagt Bergen und benennt damit den aus seiner

Sicht wichtigsten Grund für die steigenden

Besucherzahlen. „Viele unserer designorientierten

Tapeten muss man im Original

sehen, um sie richtig zu erfassen.“ Dafür kämen

Kunden aus Leipzig, Berlin oder Hamburg

nach Rüdershausen.

WENN MAN EINIGE der Tapeten und Wandbilder

aus dem unglaublich umfangreichen

Angebot sieht, wird schnell klar, was Bergen

meint. Erst wenn man vor ihnen steht, kann

man beispielweise die Proportionen und Größen

der wundersamen Flugapparate, geometrischen

Architekturdetails, fantastischen

Wolkenlandschaften oder geheimnisvollen

Tiermotive der Fornasetti-II-Kollektion von


PROFIL

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FOTOS: MARCO BÜHL

Einzigartiges Konzept In der Ausstellung in Rüdershausen können über 6.000 Tapetenmuster im Original betrachtet werden.

Cole & Son richtig einschätzen. Nur wenn

man sie tatsächlich in der Hand hat, versteht

man, dass sich das florale Muster der Tapete

Trailing Orchid von Osborne & Little von der

Raumdecke nach unten entfaltet. „Auch die Wirkung

der Muster und grafischen Elemente von

Jugendstil-, Art-déco- oder englischen Arts- and-

Crafts-Tapeten entfaltet sich aus der Nähe

betrachtet besonders gut“, erläutert Kai Bergen,

der mit seiner Beratungskompetenz die

Online-Welt des Shops mit der realen im Ausstellungsraum

verbindet. „Wenn ich den Wow-

Effekt bei den Kunden sehe, ihre Begeisterung

für Tapeten, macht das schon richtig Spaß.“

Gesteigert wird der Effekt durch das haptische

Erlebnis, die Vliestapeten, Tapeten auf

Papierträger und Vinyltapeten anzufassen.

Und natürlich kann der erfahrene Raumausstatter

den Kunden auch in Rüderhausen –

genau wie im Online-Shop – eine große Bandbreite

passender, hochwertiger Farben von

Herstellern wie Sanderson, Zoffany, Farrow

& Ball oder Little Greene zeigen. „Wir haben

auch die entsprechenden Maschinen der Anbieter

vor Ort, um alle denkbaren Farbtöne zu

mischen“, ergänzt Sebastian Stahl.

NOCH EINE WEITERE STÄRKE der Victor-

Stahl-Unternehmensgruppe darf nicht vergessen

werden: Sie verfügt über die Fachleute,

um die Farben und Tapeten fachgerecht an

die Wände und Decken der Kunden zu bekommen.

Denn der 1970 gegründete Malerbetrieb

Victor Stahl bildet den Ursprung und

den Kern der Victor-Stahl-Unternehmensgruppe,

die durch die beiden erfolgreichen

Online-Shops komplettiert wird. Rund 70

qualifizierte Mitarbeiter an drei Standorten

führen nicht nur sämtliche Maler- und Tapezierarbeiten,

sondern auch Parkett-, Fliesen-,

Trockenbauarbeiten sowie die Trocknung und

Sanierung von Wasserschäden aus. Das Team

steht für Renovierungs-, Neubau- oder Umbaubauprojekte

in Südniedersachsen, dem

angrenzenden Thüringen und Nordhessen

zur Verfügung.

„So können wir stimmige Interior-Kon zepte

für Wände, Decken und Fußböden ent wickeln

und umsetzen“, erklärt Kai Bergen. „Wir

möchten so gegen die Langeweile an den

Wänden antreten und das Zuhause unserer

Kunden und Kundinnen noch ein bisschen

schöner machen.“

TEXT: TOBIAS KINTZEL

KONTAKT

VICTOR STAHL Malermeister GmbH

Hopfenhof 7, 37434 Rüdershausen

Tel. 05529 91997-0

info@victor-stahl.de

www.victor-stahl.de

www.meinewand.com


leben

Geschichte erleben

Mächtige Burgen, prunkvolle Schlösser und repräsentative Herrenhäuser zeugen von der reichhaltigen

Kulturgeschichte Südniedersachsens. Ihre überdurchschnittlich hohe Dichte eingebettet in eine

einmalig schöne Natur- und Flusslandschaft – das macht unsere faszinierende Region aus.

Tauchen Sie mit den märchenhaften Aufnahmen unseres Fotografen Alciro Theodoro da Silva

in die vergangenen Jahrhunderte ein und entdecken Sie altehrwürdige Gemäuer,

in denen Geschichte erlebbar wird.

TEXT LEA MONTAG FOTOGRAFIE ALCIRO THEODORO DA SILVA

108 1 |2022


leben

BURG HANSTEIN

Die Burg Hanstein im Eichsfeld, deren Geschichte mehr als 1.000 Jahre zurückreicht,

gilt als die schönste Burgruine Mitteldeutschlands. Sie liegt auf einem Felsen aus

Bunt sandstein, dessen Gestein die Erbauer nutzten, und ist über einen steilen Weg von

Bornhagen aus zu erreichen. Die freie Lage gewährt einen weiten Ausblick über das

breite Tal der Leine, von wo aus in früheren Zeiten die meiste Gefahr drohte.

Mit diesem einzigartigen Panoramablick über das Dreiländereck Hessen-Niedersachsen-

Thüringen ist sie ein gefragtes Ausflugsziel – nicht nur unter Südniedersachsen. So wurden

hier 2013 sogar einige Szenen des preisgekrönten Spielfilms ‚Der Medicus‘ gedreht.

Heute finden in der Burg alljährlich am ersten Augustwochenende Ritterspiele statt.

Tipp: Spitzengastronomie

Unterhalb der Burg liegt der Klausenhof, der in mittelalterlichem Flair mit einer

herausragenden Küche besticht und nach dem Ausflug zur Stärkung einlädt.

Lesen Sie hierzu auch unseren Beitrag ,Zurück zu den Wurzeln‘ (faktor 4|21) unter:

www.faktor-magazin.de/zurueck-zu-den-wurzeln-zum-klausenhof-in-bornhagen

Burgruine Hanstein, 37318 Bornhagen, www.burgruine-hanstein.de

1 |2022 109


leben

BURG PLESSE

Die Burg Plesse im Göttinger Wald, reizvoll am Pleßforst

gelegen, entstand bereits um das Jahr 1015 und ermöglicht

einen großartigen Blick über das Leinetal. Schon seit

dem 18. Jahrhundert bietet die Burg ein beliebtes Ausflugsziel,

vor allem unter Göttinger Studierenden. Heute lädt

die Burgschänke ihre Besucher auf eine Auszeit auf den

Burghof mit Kiosk, in den Rittersaal oder in den Gewölbekeller

ein, wo neben regionaler und saisonaler Küche auch

ein traditionelles Rittermahl serviert wird. Die historischen

Mauern bieten zudem die Kulisse für Hochzeiten sowie

diverse sommerliche Kulturveranstaltungen.

Ritterstieg 99

37120 Bovenden

www.burg-plesse.de

110 1 |2022


leben

1 |2022 111


leben

BURG LUDWIGSTEIN

Im Jahr 1920, kurz nach dem Ersten Weltkrieg, haben ,Wandervögel‘ den Grundstein für

den Wiederaufbau der mittelalterlichen Burg Ludwigstein gelegt: Als Herberge und Archiv

sollte sie ein Erinnerungsmal und ein Begegnungsort dieser wandernden Jugendbewegung

werden. Und auch nach über einem Jahrhundert weht dieser Geist durch die Gemäuer bei

Werleshausen und macht das Leben auf dem Ludwigstein so bunt und vielfältig.

Die Burg beherbergt Gäste aller Art – von Einzelpersonen bis Schulklassen – und bietet

ein großes Angebot an Freizeitaktivtäten. Zudem ist sie von zahlreichen Rad- und

Mountain bike-Strecken sowie Wanderwegen umgeben.

Burg Ludwigstein

37214 Witzenhausen

www.burgludwigstein.de

BURG BODENSTEIN

Die Burg Bodenstein, 1098 erstmals urkundlich erwähnt, ist die am

besten erhaltene Burg im Eichsfeld und lädt heute als Familienbildungs-

und Erholungsstätte der Evangelischen Kirche zu Meditation,

Fasten und stillen Tagen ein. Ganzheitliche, erlebnisorientierte und

spielerische Programme für Kinder und Erwachsene bieten neben der

inhaltlichen Gestaltung Raum für Besinnung, geistliche Impulse und

Begegnungen. Die besondere Atmosphäre der Burg trägt zur Stärkung

von Leib und Seele bei.

Burgstraße 1

37339 Leinefelde-Worbis

www.burg-bodenstein.de

112 1 |2022


leben

1 |2022 113


leben

SCHLOSS JÜHNDE

Das Areal der ehemaligen Ritterburg aus dem 13. Jahrhundert liegt zwischen Göttingen

und Hann. Münden und ist seit 1664 im Besitz der Freiherren Grote, die Schloss und

Gut bis heute bewohnen und bewirtschaften. Der gut erhaltene Schlossturm ist

das Wahrzeichen des Dorfbildes Jühnde. In der Zeit der Romantik legten Grotes zudem

einen bemerkenswerten Landschaftspark an, der im Sommer hin und wieder öffnet

und Gäste zum Verweilen einlädt.

Tipp: Shoppingvergnügen

Liebhaber ausgefallener Schmuckstücke und Dekoartikel werden im Geschäft ,Deja Vue

Lebensart‘ fündig, der von der Freifrau Anna Grote im Kaminzimmer und im Renaissance-Raum

des Schlosses persönlich geführt wird.

Schloss Gutshof 1

37127 Jühnde

www.dejavue-lebensart.de

114 1 |2022

SCHLOSS SABABURG

Das im Volksmund als Dornröschenschloss bekannte Anwesen liegt an der

Deutschen Märchenstraße mitten im Naturpark Reinhardswald und galt der

Sage nach den Gebrüder Grimm als Schauplatz für ihr Märchen –

rund um den Urwald der Sababurg ranken sich bis heute zahlreiche Legenden.

Auf der Außenanlage können freitags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr kostenlos

das Brüder-Grimm-Denkmal sowie der Dornröschenturm besichtigt werden.

Von hier hat man auch einen märchenhaften Blick in den darunter liegenden

Tierpark. Innerhalb der Anlage, die aktuell wegen Sanierung die meiste Zeit

geschlossen ist, befindet sich ein Hotel mit Restaurant, Standesamt und dem

Sababurg-Theater.

Tipp: Audienz mit Dornröschen

Jeden Sonntag um 14 Uhr kommen Dornröschen und ihr Prinz zu einer

Audienz in den ehemaligen Rittersaal und erzählen ihr wunderschönes

Märchen. Gegen Hunger und Durst steht im Innenhof ein Food-Truck bereit.

Sababurger Str. 1, 34369 Hofgeismar-Sababurg, www.erlebnis-sababurg.de


leben

1 |2022 115


leben

SCHLOSS CORVEY

Das ehemalige Benediktinerkloster Corvey bei Höxter wurde 2014 von der

UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt. Hier befinden sich das älteste und

einzige fast vollständig erhaltene Karolingische Westwerk der Welt sowie

einzigartige archäologische Relikte der Karolingerzeit. Das Museum mit

seinen Ausstellungen informiert über die geistliche und weltliche Vergangenheit

Corveys. Veranstaltungen wie klassische Konzerte, das Schlossrestaurant

und das Corveyer Weinhaus begeistern Besucher aus aller Welt.

Tipps:

15. Mai, 19. Juni, 2. Juli und 17. Juli Corveyer Sommerkonzerte 2022

Zum 1.200-jährigen Jubiläum werden in vier Konzerten die historischen

Fixpunkte vorgetragen – von etablierten, weltberühmten Spitzenensembles

sowie jungen Talenten.

5. bis 7. August Corvey Gartenfest 2022

26. August bis 25. September via Nova Kunstfest

Schloss Corvey, Corvey, 37671 Höxter, www.corvey.de

Lesen Sie hierzu auch unseren Beitrag ,Die Geheimnisse der Mönche‘

(faktor 3|14) unter: faktor-magazin.de/die-geheimnisse-der-moenche

SCHLOSS BERLEPSCH

Auf einem Bergsporn bei Witzenhausen erhebt sich Schloss

Berlepsch über die Wälder des Werratals. Erbaut im 14. Jahrhundert

erlebte es eine wechselvolle Geschichte, wurde mehrfach zerstört,

auf- und umgebaut – zuletzt im Stile der Neugotik. Die Nachfahren

der Grafen von Berlepsch unterhalten und bewirtschaften es inzwischen

in der 19. Generation. Gäste auf Schloss Berlepsch können

hinter historischen Mauern übernachten, bei Führungen wahre

Geschichten aus der Vergangenheit erfahren oder im Restaurant

,Tafelrunde‘ gehobene Küche genießen. Im weitläufigen Schlosspark

kann die Kapelle besichtigt werden, des Weiteren lassen sich

die Künste an der Armbrust erproben. Das Schloss ist

außerdem regelmäßig Kulisse für Ritterkämpfe, Gruselveranstaltungen,

Konzerte und andere Events. Vor den Toren lädt das Baumhaushotel

,Robins Nest‘ zum Übernachtungsabenteuer ein.

Tipp: 18. November – Wein im Schloss

Erlesene Weinverkostung begleitet von einem 4-Gänge-Menü

Schloss Berlepsch, 37218 Witzenhausen, www.schlossberlepsch.de

Lesen Sie hierzu auch unseren Beitrag ,Frischer Wind

in alten Gemäuern‘ (faktor 1|20) unter:

www.faktor-magazin.de/frischer-wind-in-alten-gemaeuern

116 1 |2022


leben

1 |2022 117


leben

Weitere Schlösser und Burgen der Region

Burgen

BURG ADELEBSEN

Was sich hier lohnt:

• Außenbesichtigung des Terrassengartens,

der Parkanlage und des Burghofs

Offenser Str. 1A, 37139 Adelebsen

BURG HARDENBERG

Was sich hier lohnt:

• Hardenberg SchlossPark mit seinem Schlossteich

• gehobene Gastronomie und Hotellerie

• Jeden ersten Sonntag im Monat öffentliche Touren:

14:30 Uhr Hardenberg Burg Tour

16:00 Uhr Hardenberg Distillery Tour

Vorderhaus 2, 37176 Nörten-Hardenberg

BURG POLLE

Was sich hier lohnt:

• Blick von der Burgruine auf das Wesertal

• Von Juni bis August: drei Bühnen mit Märchen-,

Theater- und Komödienaufführungen

• An jedem 3. Sonntag von Mai bis September:

Burgfestspiele ,Aschenputtelspiel‘

Amtsstraße 4, 37647 Polle

Schlösser

SCHLOSS BEVERN

Was sich hier lohnt:

• Museum Erlebniswelt Renaissance

Schloss 1, 37639 Bevern

BURG GREENE

Was sich hier lohnt:

• Ausblick ins Leinetal vom begehbaren Burgturm

• gepflegte Parkanlage mit Mauerresten

Burgweg, 37574 Einbeck

BURG HARDEGSEN

Was sich hier lohnt:

• Restaurant Burg-Schenke & Kurpark für Kurgäste

• kulturelles Programm in historischen Räumen

Burgstraße 2, 37181 Hardegsen

BURGRUINE SCHARZFELS

Was sich hier lohnt:

• Ausblick in das Harzvorland

• Gaststätte drinnen und draußen

Schlossbergweg, 37431 Bad Lauterberg im Harz

HELDENBURG SALZDERHELDEN

Was sich hier lohnt:

• öffentliche Führungen an jedem ersten Sonntag

von Mai bis September

• Burggottesdienste

• Kulturveranstaltungen wie Lesungen oder

Sommer-Open-Air-Konzerte

Burgplatz 2, 37574 Einbeck

SCHLOSS FÜRSTENBERG

Was sich hier lohnt:

• Schloss-Ensemble aus Porzellanmuseum,

Werksverkauf und Café & Restaurant

Meinbrexener Straße 2, 37699 Fürstenberg

WELFENSCHLOSS HANN. MÜNDEN

Was sich hier lohnt:

• Besichtigung der Renaissancegemächer

• Museum mit Exponaten zur Stadtgeschichte und

zur Geschichte des Land- und Schiffverkehrs

Schlossplatz 10, 34346 Hann. Münden

SCHLOSS HERZBERG

Was sich hier lohnt:

• Museum zur Schloss- und Herrschaftsgeschichte der

Welfen in Herzberg

• Ausstellungen zu ,1.000 Jahre Harzer Geschichte‘

Schloss 2, 37412 Herzberg am Harz

Eine Übersicht über diese und alle weiteren Burgen

und Schlösser in der Region mit ausführlicher

Beschreibung finden Sie hier:

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leben

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Ein Hauch

von Schicksal

Binnen vier Jahren ist die Burg Scharfenstein zu einem der attraktivsten

Anziehungspunkte der Region geworden: mit hochklassiger Gastronomie

und professioneller Hotellerie – als Mekka für Whiskey-Fans und

Entspannungsquelle für Naturliebhaber.

TEXT RUPERT FABIG FOTOGRAFIE LUKA GORJUP

LESEZEIT: 7 MINUTEN

Martin Henning war stinksauer. Wie, bitte schön,

kann es denn sein, dass sich jemand erdreistet,

direkt vor seinem Hotel – dem altehrwürdigen

,Löwen‘ in Duderstadt – Fremdbier aus dem Wagen zu

verkaufen? Auf gute 25 Jahre Erfahrung in der Hotellerie

und Gastronomie kann der gebürtige Perleberger zurückblicken,

arbeitete an den besten Häusern Europas. Im

,The Omnia‘ im schweizerischen Zermatt sogar in dem

besten. Und nun das.

Dreieinhalb Jahre ist dieser Vorfall inzwischen her und

ihn als schicksalhaft zu beschreiben, ist keine Übertreibung.

Heute kann Henning darüber schmunzeln. „Das

Ganze hatte der Bernd von langer Hand so geplant“, erzählt

der 39-Jährige und lacht.

,DER BERND‘, DAS IST BERND EHBRECHT, Geschäftsführer

der Neunspringer Brauerei aus Worbis, deren Bier

bei einem Volksfest einst vor dem ,Löwen‘ ausgeschenkt

wurde. Dieser ist jedoch nicht nur Brauer, sondern seit

einigen Jahren auch Pächter der Burg Scharfenstein –

einer mittelalterlichen Spornburg oberhalb des kleinen

Dörfchens Beuren im thüringischen Eichsfeld. Er hat diesem

Ort, der lange Zeit im Dornröschenschlaf weilte,

neues Leben eingehaucht: Scharfenstein wurde dank

ihm zur Whiskey-Burg – mit Museum, Shop, eigener

Brennerei sowie regelmäßigen Whiskey-Seminaren und

-Wanderungen ein gut besuchtes Ausflugsziel.

UND DIE LEGENDE SEINES ,LANG GEHEGTEN PLANS‘

geht, frei erzählt, in etwa so: Den Bierwagen seinerzeit

bewirtet die ebenso charmante wie kecke Lisa Bonda, die

für Ehbrecht regelmäßig solche Gelegenheitsjobs übernimmt.

Sie und Henning kommen durch den die Gemüter

erregenden Schank-Vorfall ins Gespräch – und sich

anschließend näher. Über den privaten Kontakt lernt

Henning schließlich auch Ehbrecht kennen, der zu diesem

Zeitpunkt wiederum zwar weitere große Pläne für

den Ausbau seiner Burg als Herberge hat, jedoch keinen

fähigen Hotelier ... Na, noch Zweifel an der Schicksalhaftigkeit?

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leben

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leben

Seite an Seite Mit Herzblut und großem Einsatz führen Lisa Bonda und Martin Henning das Hotel auf der mittelalterlichen Burg Scharfenstein.

Aber ein Hotelbetrieb in solch abgelegener Lage? Eine

Herausforderung, die Martin Henning, dessen gastronomische

Laufbahn einst als Restaurantleiter des historischen

Schweriner Weinhauses Wöhler begann, durchaus

reizte. „Ich habe mich mit befreundeten Hoteliers ausgetauscht,

die mir alle gut zugesprochen haben“, erzählt

dieser rückblickend. „Letztlich kommt die Chance, dass

man eine Burg komplett eigenständig nach eigenen Vorstellungen

sanieren und planen kann, kein zweites Mal.“

Und damit hatte Scharfenstein wieder einen Burg herren.

DREI JAHRE SPÄTER. HENNING UND BONDA stehen

noch immer Seite an Seite – und das buchstäblich. Denn

die gelernte Automobilkauffrau sattelte kurzerhand

vollständig in die Gastronomie um und kümmert sich

heute im Hotel vor allem um den Service und den

Empfang. „Dort gibt es dann erstmal einen Prosecco –

damit die Gäste in Ruhe ankommen können und geerdet

werden“, erzählt Henning. „Getreu unseres Mottos

,Willkommen bei Freunden‘.“

Das herzliche Willkommen beginnt allerdings meist

schon vor den gewaltigen Mauern, auf dem Parkplatz,

wo die Gäste vom Chef persönlich abgeholt werden.

Länger draußen zu verweilen, lohnt sich dennoch nicht.

Denn schon unmittelbar hinter den Toren offenbart sich

im Vorhof des von Bonda geführten Ausflugsbistros

,Ringmauer‘ der erste Clou: Fondue-Gondeln.

Was sich erklärungsbedürftig anhört, sind: Fondue-

Gondeln. Ganz simpel. Drei ausrangierte Skigondeln

vom Nebelhorn in Oberstdorf, in denen je maximal sechs

Gäste zum Schweizer Klassiker einen grandiosen Ausblick

über das Eichsfeld genießen können. „Eine Corona-Idee,

die sehr gut ankommt“, erklärt Bonda zufrieden

– und überhaupt könne man sich über die Auslastung

im Burghotel in den vergangenen Monaten nicht

beklagen. Eher im Gegenteil.

Doch was sind das eigentlich für Gäste, die so zahlreich

anreisen und es beinahe unmöglich machen, kurzfristig

eines der 36 Betten und schon gar nicht einen der

40 Plätze im dazugehörigen Restaurant 12HUNDERT9

zu buchen? „Zum einen sind es Teilnehmer an den hiesigen

Whiskey-Seminaren“, erzählt Henning, der zuvor

auch schon als Restaurantleiter und Sommelier im Zermatter

,Baarcity‘ tätig war. „Die haben Ausmaße erreicht,

die wir uns nie hätten vorstellen können.“ Aus

einem anfänglichen Turnus von allen zwei Monaten ist

inzwischen einer von zweimal im Monat geworden – mit

Potenzial für wesentlich mehr.

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leben

Auszeit in alten Gemäuern Die baulichen Gegebenheiten der Burg verleihen den Zimmern ihren speziellen mittelalterlichen Charme –

besonderer Höhepunkt: die Suite mit frei stehender Badewanne.

„Zum anderen finden bei uns viele Tagungen statt. Der

Rest sind Ausflugsgäste. Selbst Einheimische übernachten

mitunter hier“, erzählt der Gastronom, der sowohl

die Erfahrung als General Supervisor des ,Gourmet Restaurant

No 6‘ im irischen Enniskillen mitbringt als auch

als Chef de Rang auf der Insel Juist.

DAS ERFOLGSREZEPT SEINES BOUTIQUEHOTELS liegt

in seiner Mischung aus familiärer Vertraulichkeit, Tradition,

Genussmomenten, Überraschungen und Nachhaltigkeit.

Besonders Letztgenannte zieht sich wie ein roter Faden

durch das Konzept. Dass der ausgeschenkte Whiskey

aus dem eigenen Haus kommt, steht außer Frage. Auch

fair angebauter Kaffee ist mittlerweile kein Alleinstellungsmerkmal

mehr. Doch selbst im Restaurant 12HUN-

DERT9 – benannt nach dem Jahr der ersten urkundlichen

Erwähnung des Scharfensteins – lässt sich kaum

eine Zutat finden, die nicht nach ökologisch höchsten

Werten produziert wurde.

Kredenzt wird in erster Linie regionale, moderne

Hausmannskost: Trüffel bäume wurden im Garten gepflanzt,

die Forellen entstammen der nahe gelegenen

Wipper. Geschmacklich besticht insbesondere das Wild

aus dem eigenen Revier direkt vor der Burg. Böswillig

ausgedrückt: Man könnte die Rehe und Wildschweine,

die später als Filet, Braten, Schinken oder Salami – natürlich

hausgemacht – auf dem eigenen Teller landen,

aus dem Fenster direkt beobachten und dann zum Abschuss

freigeben. Das Etageren- Frühstück sucht im

Eichsfeld seinesgleichen. Von der umfassenden Qualität

ist im Landkreis lediglich Werner Freunds mehrfach ausgezeichnetes

St. Georg in Dieterode höher einzuordnen.

Doch aller Nachfrage zum Trotz möchten Bonda und

Henning das Restaurant nicht vergrößern. „Darunter

würde der Service leiden“, erklärt Henning. „Wir verbiegen

uns nicht und bewirten lieber 40 glückliche Gäste

als 100 unzufriedene.“

DEN SPEZIELLEN MITTELALTERLICHEN CHARME erhalten

die Zimmer des Burghotels dadurch, dass jedes

von ihnen einzigartig ist, angepasst an die baulichen

Gegebenheiten der Burg. „Man soll ja auch nicht vergessen,

wo man ist“, sagt Bonda, die selbst aus dem

nahen Kirchohmfeld stammt. Keine Sorge, dieses Risiko

besteht nicht. Denn die Räumlichkeiten bieten Ausblicke

in den Burghof und aufs Eichsfeld sowie Einblicke

in die stilistischen Vorlieben der Gastgeber. Die haben

die Zimmer übrigens selbst eingerichtet, dekoriert und

im burgtypischen Grün-Blau gehalten. Die Bilder an den

Wänden stammen von einer befreundeten Künstlerin –

auch regional.

Noch beherbergt das Burghotel nur an fünf Wochentagen

Besucher, von Mittwoch bis Sonntag. Bei nur zehn

Festangestellten eine Personalfrage. Langfristig sind

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Attraktion im Eichsfeld Dank Pächter Bernd Ehbrecht und seinem Whiskey-Erlebniszentrum gibt es auf der Burg viel zu erleben und genießen.

aber 365 Tage im Jahr das Ziel. Jeder ihrer Mitarbeiter

müsse sich dabei extrem flexibel zeigen. „Marketing,

Rezeption, Restaurant – Generalismus sei Trumpf“, sagt

Bonda und lacht. Sie selbst sei das beste Beispiel. Sie sei

quasi rund um die Uhr und überall im Einsatz, „nachdem

ich die ,harte Schule‘ meines Partners durchlaufen

habe“.

UM SICH IM BESCHAULICHEN und entschleunigenden

Ambiente wohlzufühlen, bedarf es eigentlich nicht zwingend

weiterer Schritte. Und dennoch: Geplant sind

Außensaunen für den Wellnessfaktor. Pächter Bernd

Ehbrecht, Typ Macher, drückt vor allem bei der Entwicklung

der gut besuchten Whiskeywelt aufs Gas. Konzerte

wie das der Thüringer Mittelalter-Band ,In Extremo‘

haben sich auf der benachbarten Veranstaltungsfläche

mittlerweile ebenso etabliert wie After-Work- Partys an

der Ringmauer im Sommer. Unter Motorrad- und Radfahrern

– E-Bike-Ladestation ist natürlich vorhanden –

hat sich das Burg hotel längst als Ort der Einkehr herumgesprochen.

Wie sich die Burg innerhalb einer halben Dekade zu einem

echten Schmuckstück und Leuchtturmprojekt in der

Region verwandelt hat, ist mehr als eindrucksvoll. Selbst

Einheimische verbringen mitunter ihre Wochenenden

dort. Sollte Ehbrecht den Bier-Zwist in seiner Heimat

Duderstadt einst tatsächlich von langer Hand geplant

haben – dieser Plan ist aufgegangen. ƒ

KONTAKT

Burghotel Scharfenstein

Scharfenstein 1

37327 Beuren

Tel. 03605 546060

willkommen@burghotel-scharfenstein.de

www.burghotel-scharfenstein.de

Ausflugstipp:

Am 29. und 30. April wird auf der Burg Scharfenstein

das erste rein deutsche Whiskey-Festival ausgerichtet.

Über 30 Hersteller präsentieren ihre Brände bei

der Publikumsmesse.

AUF DEN GESCHMACK GEKOMMEN?

Mehr über Bernd Ehbrecht und seine Whiskywelt

lesen Sie in unserem Artikel ,Wo der Whisky wohnt‘

(faktor 4/2018) unter:

www.faktor-magazin.de/wo-der-whisky-wohnt

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Autoren

Rupert Fabig, Jan Fragel, Sven Grünewald, Tobias Kintzel,

Lea Montag, Heidi Niemann, Christian Vogelbein

Art-Direktion & Layout

Julia Braun

Fotografie

Alciro Theodoro da Silva, Marco Bühl,

Luka Gorjup, Peter Heller

Lektorat

CoLibris - Lektoratsbüro

Dr. Barbara Welzel

Anzeigen

Akis Parasidis (Leitung Vertrieb)

Nicole Benseler, Alexander Schneider (Leitung Digitalvertrieb)

Geschäftsführender Gesellschafter

Marco Böhme

Auflage

11.000

Druckerei

Silber Druck oHG, Kassel

Redaktions- und Anzeigenschluss der nächsten Ausgabe

ist der 15. Mai 2022.

Wenn Sie den faktor zukünftig nicht mehr kostenfrei erhalten

möchten, nehmen wir Sie aus dem Verteiler, und Sie bekommen

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Dr. Friedemann Baum, Prof. Dr. Uwe Fischer, Rainer Giese,

Fritz Güntzler, Ines Dietze, Dr. Klaus Heinemann,

Jürgen Hollstein, Jürgen Jenauer, Carsten Lohrengel,

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Claudia Trepte, Kirsten Weber, Dr. Marko Weinrich,

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