Bürgerkrieg der Vereinigten Staaten mitten hinein in den Bürgerkrieg am Mars: Mit den Abenteuern von US- Kriegsveteran John Carter, der auf geheimnisvolle Weise in einen lange schwelenden Konflikt am Roten Planeten verpflanzt wird, mischt Disney das Fantasy-Genre auf. Zwischen wenigen freundlich gesinnten Geschöpfen und einer übermächtigen Anzahl barbarischer Kreaturen wird der Erdenbürger auf dem fremden, dem Untergang geweihten Planeten in einer dramatischen Auseinandersetzung zum Zünglein an der Waage. Aber fangen wir doch ganz von vorne an ... 1885 in den Vereinigten Staaten von Amerika. Gerade erst ist mit der Kapitulation der Konföderierten Armee der Südstaaten der vierjährige Sezessionskrieg zu Ende gegangen. Captain John Carter (Taylor Kitsch) hat auf Seiten des Südens gekämpft und nicht nur 046 SkiP FeBruar Ein Vintage-Hero fürs 21. Jahrhundert First contact. Tars Tarkas (unten, mit White-Ape-Pelz- besatz) ist der erste Marsianer, dem John Carter begegnet. Schnell werden der Erdling und das große grüne Männchen Freunde – und Verbündete im Kampf um die Rettung des Planeten. den Krieg verloren: Seine Familie ist tot, er selbst ein gebrochener Mann, der nichts mehr hat, wofür es sich zu kämpfen lohnen würde. Dementsprechend bockig, um nicht zu sagen rabiat, reagiert er, als er vom gestrengen Col. Powell (Bryan Cranston) aufgestöbert wird, der ihn allen Ernstes im Dienst in Arizona, wo die Apachenkriege toben, sehen möchte. Eine weitere Erörtung des Themas erübrigt sich, als John Carter kurz darauf in einer ihm unbekannten, wüstenähnlichen Umgebung erwacht. Er befindet sich auf dem Planeten Mars, von dessen Bewohnern Barsoom genannt. Und während auf der Erde der unzeitige Tod von John Carter betrauert wird, ist ebendieser auf dem Mars schon in schwerster Bedrängnis: So ein „Außerirdischer“ bleibt schließlich nicht lange unentdeckt ... Barsoom vulgo der Mars entpuppt sich als äußerst lebensfeindlicher Ort – nicht nur für John Carter –, dabei war er der Erde einst gar nicht unähnlich. Doch mit dem Verschwinden der Ozeane und der dünner werdenden Atmosphäre über viele, viele Zeitalter hindurch, hat sich Barsoom zum Schlechteren zurückentwickelt: primitive, aber umso kampfeslustigere Nomaden terrorisieren ganze Landstriche, wenige Stadtstaaten kontrollieren die raren Wasservorräte und liegen in ständigem Clinch miteinander, die Atmosphäre wird nur mehr durch ein Kraftwerk aufrechterhalten – aber wie lange noch? Das menschenähnliche, kultivierte Volk der Roten aus Helium, deren kriegerische Brüder aus Zodanga, die in primitiven Stammesverbänden lebenden, vierarmigen grünen Tharks und die geheimnisvollen, gottähnlichen Therns – widerwillig wird John Carter ein Teil dieser zerrütteten Weltordnung, die auf ihr unvermeidliches Ende zusteuert. Plötzlich liegt es
jahrhundertelang verfeindete Völker in eine Allianz zu bugsieren und einen Bürgerkrieg zu riskieren, um das sterbende Barsoom zu retten. Als engste Verbündete erweisen sich dabei der Thark Tars Tarkas, ein vierarmiges 3-Meter-Wesen mit Stoßzähnen (mittels geländegängiger Stelzen und performance capture verkörpert von Willem Dafoe), und die Rote Deja Thoris (Lynn Collins), die kunstvoll tätowierte, in Kampfkunst und Wissenschaft gleichermaßen versierte Prinzessin von Helium. Nicht zu vergessen Woola, ein rasend schnelles, zehnbeiniges Wesen irgendwo zwischen Echse und Hund mit imposanten Beißwerkzeugen, der John Carter erst in den Wahnsinn treibt, bevor er sich zum unersetzlichen, treuen Begleiter mausert. John Carter selbst kann dank der geringen Mars-Schwerkraft auf eine enorm gesteigerte körperliche Stärke zurückgreifen. Doch angesichts der überwältigenden Herausforderung, der er sich stellt, muss er in erster Linie einmal seine im Krieg verloren geglaubte Menschlichkeit wiederfinden ... Der literarische Mars-Pionier John Carter feiert 2012 sein 100-jähriges Bestehen. Entsprungen ist er der Fantasie von Edgar Rice Burroughs, seines Zeichens auch Erfinder des einzig wahren Dschungelkönigs, Tarzan. Für Pixar- Regisseur und -Autor Andrew Stanton ging mit der John Carter-Verfilmung, die bei entsprechender Publikumsresonanz zur Trilogie ausgebaut wird, ein Bubentraum in Erfüllung. Entsprechend enthusiastisch hört man ihn Dinge sagen, wie: „Es soll sich anfühlen, als ob wir uns in einer Geschichte befinden, die wirklich passiert ist. Wie bei Tolkiens Der Herr der Ringe, wo man durch die so exakt dokumentierte Fauna und Flora und Achitektur als Leser ja auch das Gefühl hat, der Autor wäre Wo eine schöne Frau, da auch ein böser Wicht. Für die Rote Prinzessin Dejah Thoris (Lynn Collins, oben) ist John Carter ein vom Himmel gesandter Retter. Eine Einschätzung die Glatzkopf Matai Shang (Mark Strong, links) und seine primitivaggressive Warhoon- Horde nicht teilt ... wirklich durchs Auenland gereist.“ Für das Extra-Quäntchen Authentizität bei John Carter sorgten die wochenlangen Dreharbeiten in Utah, das auch für die NASA dann und wann als Mars-Ersatz herhalten muss und den perfekten Hintergrund für den verletzlichen Titelhelden bildet, der nach seiner gefährlichen Odyssee zum Helden einer fantastisch-fremden Welt wird. DM ▶l 08 03 2012 FANTASY. OT: JOHN CARTER. USA 2012. REGIE: Andrew Stanton. BUCH: Andrew Stanton, Mark Andrews, Michael Chabon basierend auf der Romanserie von Edgar Rice Burroughs. KAMERA: Daniel Mindel. SCHNITT: Eric Zumbrunnen. MUSIK: Michael Giacchino. PRODUKTION: Lindsey Collins, Jim Morris, Colin Wilson. DARSTELLER: Taylor Kitsch, Lynn Collins, Bryan Cranston, Mark Strong, Willem Dafoe, Thomas Haden Church, Dominic West, Ciarán Hinds, Samantha Morton, James Purefoy, Polly Walker, Daryl Sabara. VERLEIH: Walt Disney Studios. SkiP FeBruar 047
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