Download PDF - Bund gegen Missbrauch der Tiere

bmt.tierschutz.de

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Nr. . 2 Mai 2004

DAS RECHT DER TIERE

ARTGERECHTE HALTUNG:

GRUPPE, AUSLAUF, WEIDE

So wollen

Pferde leben

INTERVIEW

LEBENSQUALITÄT

FÜR ALTE HUNDE

REISEZEIT

NEUER EU-PASS

FÜR HAUSTIERE

PROTESTIEREN SIE:

FÜR REFORM DES

JAGDGESETZES

BERLINER WÖLFE

UMSIEDELUNG IN

WILDPARK

BUND GEGEN MISSBRAUCH DER TIERE E.V.


I NHALT

INHALT

Inhaltsverzeichnis / Impressum 2

EDITORIAL 3

TITELTHEMA 4

Gruppenhaltung mit Auslauf: So wollen Pferde leben

SKANDAL 8

Dalmatiner totgetreten - was das Gericht dazu sagt

TIERSCHUTZPOLITIK 10

Bundesjagdgesetz: Jetzt zählt Ihr Protest!

Tiertransporte: EU-Verhandlungen gescheitert

Pferde

Artgerechte Offenstallhaltung mit

Weidegang

INTERVIEW Der alternde Hund 12

AUS UNSERER ARBEIT

Tierversuche nehmen weiter zu 15

Legehennen: Aus für Käfig - was kommt nun? 16

Stierkampf: In Barcelona bald verboten? 20

POSTER - MITTELSEITE Thema: Tierversuche 18

TIERSCHUTZ IM AUSLAND 21

Deutsche Tierärzte für den bmt

in Ungarn und Rumänien

Der alternde Hund

Interview mit Tierärztin

AKTUELL EU-Reisebestimmungen für Haustiere 24

AUS DEN GESCHÄFTSSTELLEN UND TIERHEIMEN

LV Berlin Umsiedelung von Wölfen 26

LV Ba.-Wü. Tierschutzunterricht für Behinderte 28

GST Vollenborn Wer hilft Maximilian? 29

LV Hessen Auszeichnung von Schülern 30

Franziskus-Tierheim Autoaggression bei Katzen 31

TH “Wau-Mau-Insel” Hilfe für Hundesenioren 32

In letzter Minute Notfall: Kleiner Dackel Lucy ! 33

Tierschutzerfolg

Weniger Hühner in Käfighaltung

ANSCHRIFTEN / Internetadressen der Geschäftsstellen 34

ZU GUTER LETZT Literaturtipps / “Kuscheltier -CD” 35

Beitrittserklärung 36

Das Recht der Tiere 2/2004

2

Impressum

DAS RECHT DER TIERE Nr. 2/2004

Mitgliederzeitschrift des „Bund gegen Missbrauch der Tiere e. V.“

Redaktion: Claudia Lotz, Jochen Prinz,

Dr. Jörg Styrie, Hans Schroer

Gestaltung: Stefan Lotz, Andrea Sturm

Artgerchte Offenstallhaltung

Bundesjagdgesetz

Protestieren Sie für eine Reform!

Anzeigen: Willy Passmann, 44879 Bochum, Tel.: 0234-49 42 84

Druck: Brendow PrintMedien, Moers; Titelbild: Claudia Lotz

Übernahme von Artikeln, auch auszugsweise, nur mit Quellenangabe

gestattet. Gedruckt auf chlorfrei gebleichtem Papier.

Auflage: 29.000 Exemplare


E DITORIAL

AUF EIN WORT…

Liebe Mitglieder, liebe Tierfreunde!

WENN PFERDE SPRECHEN KÖNNTEN….

Auf der täglichen Fahrt von meinem Wohnort ins Tierheim komme ich an einigen Pferdeweiden

vorbei. Besonders im Frühjahr freut mich immer wieder der Anblick der Tiere, wie sie lebensfroh

über die Weiden galoppieren oder sich spielerisch gegenseitig beknabbern. Oft drängt es mich

dann anzuhalten und den Tieren die Mähne zu kraulen oder ihnen sanft über die weichen

Nüstern zu streicheln. Doch bei aller Glückseligkeit, die dieses flüchtige Bild vermittelt, weiß ich

aus praktischer Erfahrung auch um die Schattenseiten der Pferdehaltung.

Ich sehe Pferde, die tagelang im Stall stehen, deren Bewegung sich auf die Fläche der Box

beschränkt, die ohne Sozialkontakt zu anderen Pferden vor sich hin vegetieren. Solche Tiere

leiden seelisch und körperlich. Spricht man die Besitzer auf diesen Zustand an, erntet man oft

Unverständnis. Die Pferde hätten doch alles, was sie brauchen: Einen warmen Stall, hochwertiges,

energiereiches Futter und am Wochenende mehrere Stunden Bewegung in der

Reithalle. Ein folgenschwerer Trugschluss, den viele Tiere mit ihrer Gesundheit, manche mit

ihrem Leben bezahlen.

Artgerechte Tierhaltung muss sich immer an den Bedürfnissen der Tiere orientieren. Dies gilt

für Pferde genau so wie für Hühner, Schweine, Rinder etc. Hier gibt es nach wie vor erheblichen

Aufklärungsbedarf. Mit dem Schwerpunktthema in diesem Heft zur Pferdehaltung wollen wir

unseren Beitrag hierzu leisten.

Rechtzeitig zum Tag des Versuchstieres am 24. April haben wir unser aufrüttelndes Protestplakat

aus der Serie "Da spielen wir nicht mit" veröffentlicht und auf die unhaltbare Situation

der Versuchstiere aufmerksam gemacht. Über 2,2 Millionen Tiere wurden im Jahr 2002 zu

Tierversuchen eingesetzt. Die Tendenz ist seit einigen Jahren wieder steigend. Dieser

Entwicklung werden wir uns nachhaltig entgegenstellen.

Während ich dieses Vorwort schreibe, erreicht mich aktuell die Nachricht, dass die Verhandlungen

der EU zu Verbesserungen der Tiertransporte erneut an der Blockadehaltung der

südeuropäischen Staaten gescheitert sind. Mit der Aufnahme der zehn neuen Mitgliedsstaaten

werden sich die zukünftigen Verhandlungen noch schwieriger gestalten. Dennoch werde ich

weiterhin mit ganzem Herzen für die Tiere kämpfen, auch wenn sich die Bedingungen als

immer schwieriger erweisen. Hier brauche ich Ihre Unterstützung mehr denn je!

In tierschützerischer Verbundenheit

Ihre

Jutta Breitwieser

Bundesvorsitzende

Das Recht der Tiere 2/2004

3


T ITELTHEMA

Geschaffen aus einer Hand voll

Wind, sagen die Araber von ihren

Pferden und drücken damit

ihre Bewunderung für ein Lebewesen

aus, das von der Natur so

reichlich ausgestattet wurde.

Schönheit, Eleganz, Schnelligkeit,

Temperament, Feurigkeit,

Mut, Kraft und Stärke wurden in

allen Kulturen an Pferden geschätzt

- und für die eigenen Bedürfnisse

genutzt.

Dennoch konnte die Inanspruchnahme

ihrer vielseitigen

Fähigkeiten zu keiner Zeit verhindern,

dass Pferden Leid zugefügt

wurde. Und wenn auch

die Ära vorbei ist, in der Pferde

zu hundertausenden in Kriegen

verschlissen wurden oder als

Grubenpferde ein unvorstellbares

Dasein in ewiger Dunkelheit

fristeten, tut sich heute mit der

Nutzung des Pferdes als "modernem

Freizeitpartner" ein

gänzlich neuer Problemkreis

auf: Abgesehen von der Überforderung

durch Ausbildung,

Sport und Zuchtwesen ist die

nicht artgerechte Haltung vieler

Privatpferde heute ein großes

Tierschutzproblem.

Artgerechte Offenstallhaltung

Pferde sind Herdentiere

WIE PFERDE

LEBEN WOLLE

Das Recht der Tiere 2/2004

Pferde sind Herden- und Lauftiere - und

jede Haltung, die sich über die natürlichen

Bedürfnisse nach ausreichender

Bewegung und den für das Wohlbefinden

notwendigen Kontakten zu Artgenossen

hinwegsetzt, muss die Pferde an

Körper und Seele krank machen.

Artgerecht kann nur eine Gruppenund

Auslaufhaltung sein, weil das die

einzige Haltungsform ist, in der die Tiere

ihr ursprüngliches Sozialverhalten

ausleben können. Statt dessen



stehen Pferde den Großteil des Tages

in ihrer engen Box ohne Sichtmöglichkeit

nach Draußen

leiden die Herdentiere unter dem

fehlenden Kontakt zu Artgenossen






fehlt den Lauftieren der notwendige

Auslauf und Weidegang

werden die Tiere zu selten bewegt

und beschäftigt

wird die hochempfindliche Lunge

durch das feuchtwarme Stallklima

belastet

ist der Verdauungsapparat der Pferde

weder auf Zusammensetzung

noch Art der Fütterung eingestellt

werden Huf- und Gesundheitspfle

ge oft nachlässig betrieben.

Pferdehaltung folgt oft

nur der Bequemlichkeit

In Deutschland leben ca. eine Million

Pferde. Die Zahlen sind von der Deutschen

Reiterlichen Vereinigung in Warendorf

(FN) geschätzt, weil es keine

gesicherten Statistiken zum tatsächlichen

Pferdebestand gibt. Die meisten

Pferde, so Umfragen unter Reitern,

werden in der (durchschnittlich 6-9

Quadratmeter großen) Box gehalten,

haben keinen regelmäßigen Weidegang

und können aus Zeitmangel nicht

täglich bewegt werden.

Gruppenhaltung mit Auslauf wird am

ehesten bei Ponys und Kleinpferden

praktiziert, in den seltensten Fällen bei

Großpferden. Dabei sind sich Fachleute

einig, dass jedes Pferd - und das gilt

besonders für jung angerittene und

schon früh geforderte Tiere - zwangs-

4


PFERDEHALTUNG:

AUCH EIN THEMA FÜR UNS

T ITELTHEMA

N

läufig mit stressbedingten Leistungstiefs

reagiert, wenn ihm körperliche und

seelische Erholung durch den Auslauf

im Herdenverband vorenthalten wird.

Aber die meisten Hobbyreiter sind berufstätig

und können nur wenig Zeit für

ihr Tier erübrigen. Sie leben in oder in

der Nähe von größeren Städten, und

jede Pferdehaltung muss sich diesen

Gegebenheiten unterordnen. Das

heißt: Die gewählte Reitanlage muss

stadtnah und schnell erreichbar sein,

den Mindestansprüchen des Besitzers

(Halle, Außenreitplatz mit Flutlicht, Longierzirkel,

Reiterstübchen etc.) genügen

und ihm ein sauberes Pferd im warmen

Stall präsentieren.

Diesen "Komfort" bezahlen Pferde teuer:

Im Schnitt stehen sie ca. 21 Stunden

am Tag einsam in ihrer dreiseitig geschlossenen

Box. Sie weben, knabbern

am Holz und starren in so kurzem

räumlichem Abstand an die Wände,

dass Kurzsichtigkeit auch unter Pferden

keine Seltenheit mehr ist. Ein- bis zwei

Stunden werden die Lauftiere, die

durch die lange Stehzeit oft verspannt

sind, unter dem Sattel gearbeitet und

bei unbefriedigendem Ergebnis "herangenommen",

wie es unter Reitern

gerne heißt.

Futter nicht auf Verträglichkeit

abgestimmt

Das Freizeitpferd von heute soll in kurzer

Zeit hohe Leistungen in schneller

Gangart (Dressur, Springen, Polo etc.)

erzielen; dafür darf es nicht zu dick

sein. Die gewünschte "Spritzigkeit" wird

durch ballaststoffarmes, hochkonzentriertes

Futter erreicht. Zwei bis dreimal

täglich bekommen die Tiere Futterkonzentrate

vorgesetzt, die ihrem Nährstoffbedarf

allerdings nur ungenügend

entsprechen.

Der Verdauungsapparat der Pferde ist

evolutionsbedingt auf eine andere Art

der Nahrungsaufnahme eingestellt: Ihre

Vorfahren legten bedächtig grasend

viele Kilometer am Tag zurück; auf diese

langsame, ständige Bewegung ist

der Stoffwechsel heute noch angewiesen,

um seine lebenswichtigen Funktio-

Das Recht der Tiere 2/2004

5


T ITELTHEMA

nen aufrecht zu erhalten. Doch der

Stoffwechsel der von jeglichen Außenreizen

abgeschirmten Boxenpferde

läuft nur auf Sparflamme und macht

sie so deutlich anfälliger für Erkrankungen

(Koliken, Infektionen, Stoffwechselstörungen

und Lungenleiden

etc.) und Verletzungen (Bänder, Sehnen,

Gelenke, Knochen, Muskulatur ).

Außenreize im Offenstall sind wichtig für das Wohlbefinden

Das Recht der Tiere 2/2004

Auch in psychischer Hinsicht sind diese,

oft in ihrer Konzentration und Leistungsbereitschaft

stark herabgesetzten,

Stallpferde ihren in Sozialverbänden

lebenden Artgenossen weit

unterlegen. Verhaltensauffälligkeiten

wie Aggres-sionen, hochgradige Nervosität

und Schreckhaftigkeit machen

den Reitern ebenso häufig zu schaffen

wie die gefürchteten "Untugenden"

Schlagen, Beißen, Buckeln, Steigen,

Ausbrechen und Durchgehen.

Boxenpferde haben

kein langes Leben

Laut Versicherungsbranche ist das "Abgangsalter"

der Pferde, die bei artgerechter

Haltung über 30 Jahre alt werden

können, auf ca. 8 Jahre gesunken.

Häufigste Todesursachen sind chronische

Lahmheit und Lungenschäden. Als

Steppentier ist der Pferde-Organismus

an Sonne, Licht, Luft, klimatische Reize

und große Temperaturschwankungen

(bis zu 40 Grad) angepasst. Das Stallklima

mit seiner hohen Luftfeuchtigkeit

und Schadstoffdichte (Schimmelpilze,

Ammoniak, Kohlendioxid, Schwefelwasserstoff

etc.) ist ihm hingegen völlig

fremd; das warme Luftgemisch reizt

seine empfindlichen Atmungsorgane,

begünstigt Heustaub- und Schimmelpilzallergien

und kann später bei entsprechender

genetischer Veranlagung

sogar zu Lungenemphysemen oder

Dämpfigkeit führen.

Ein Pferd mit Lungenleiden ist für Reiter

mit sportlichen Ambitionen in der Regel

"wertlos" und wird durch die hohen Behandlungskosten

nur noch als finanzielle

Belastung empfunden. Oft werden

solche chronisch kranken Tiere an

Händler verkauft und landen früher

oder später auf einem Pferdemarkt

oder Schlachttiertransport. Dabei können

selbst Pferde mit auffällig pumpender

Atmung wieder genesen, wenn

sie aus dem für sie schädlichen Stallklima

herausgeholt und ihnen Bewegungsfreiheit,

ständige Frischluft und

einwandfreies Futter in einer Auslaufhaltung

angeboten werden.

Doch es reicht nicht aus, ein Pferd einfach

auf die Weide zu stellen und sich

selbst zu überlassen. Bringen aufmerksame

Beobachter Vernachlässigungen

von solchen falsch verstandenen "Robusthaltungen"

zur Anzeige (s. Kasten),

bietet sich den Helfern oft ein erschrekkendes

Bild: Da stehen Pferde ohne

Witterungsschutz auf kargen Weiden,

das Trinkwasser trübe, bis auf die Rippen

abgemagert, geschwächt, verwurmt

und voller Bisswunden.

Artgerechte Haltung im

"Offenstall"

Die Gruppenhaltung im so genannten

Offenstall muss vom kenntnisreichen

Pferdebesitzer gesteuert werden. Bewährt

hat sich laut Fachleuten die Dreiteilung

des Lebensraums in Laufstall,

Auslauf und Weide. Alle Bereiche sollten

miteinander verbunden und von allen

Pferden frei begehbar sein. Bei anhaltendem

Niederschlag werden nicht

trittfeste Böden gesperrt bzw. der Auslauf

vor dem Offenstall befestigt (Drainage).

Der Laufstall muss die Tiere einund

aussperren können und die Möglichkeit

zur schnellen Unterteilung

(Krankenbucht) bieten.

In jedem Pferdeverband herrscht eine

Rangordnung, die den Unterlegenen

das Ausweichen vor dem Leittier vorschreibt.

Diese entstehenden Bewegungsmuster

können auf größeren Flächen

befolgt werden; schwieriger

jedoch, wenn die zurückweichenden

Pferde an Zäune und Stallwände stoßen

und "ihrem Chef" damit nicht aus

den Augen gehen können. Pferdebesitzer

müssen diesem Sozialverhalten

durch bauliche Maßnahmen Rechnung

tragen. Die gesamte Anlage sollte daher

so durchdacht sein, dass sie rangniedrigeren

Pferden Fluchtmöglichkeiten

und ausreichend Deckungsschutz

(Trennwände, Zäune, Hecke, halbhohe

Raumteiler etc.) bietet.

Am besten funktioniert eine Auslaufhaltung,

wenn jedes Pferd seinen speziellen

Freund hat und die Zusammensetzung

der Gruppe annähernd

homogen ist (ähnliche Lauf-, Spiel- und

Futteransprüche). Zu große Herden

widersprechen den kleineren, überschaubaren

Familienverbänden und

rufen oft Unruhe hervor. In der Regel

braucht es Zeit, bis Neuzugänge von

der Gruppe angenommen werden. Besonders

sensibel muss dabei die Integration

von tierschutzwidrig gehaltenen

und behandelten Pferden angegangen

werden.

Keine effektiven Gesetze

zum Schutz von Pferden

Leider gibt es keine rechtlich verbindlichen

Verordnungen über die Haltung

und den Umgang von Pferden, die vor

Gericht eingeklagt werden könnten. Es

existieren gutgemeinte, aber eben unverbindlich

bleibende Regelwerke wie

u.a. die "Leitlinien zur Beurteilung von

Pferdehaltungen unter Tierschutzgesichtspunkten",

die im Auftrag der

Bundesregierung von einer Sachverständigengruppe

erarbeitet wurden.

Gutwillige Pferdehalter finden in diesen

Leitlinien jedoch alles Wichtige zur artund

tierschutzgerechten Pferdehaltung.

Sie können dieses Regelwerk gerne in

der bmt-Hauptgeschäftsstelle in München

(Adresse S. 34) anfordern.

6


Der bmt wird sich mit Ihrer Hilfe weiter

dafür einsetzen, dass rechtlich verbindliche

Verordnungen im Umgang mit

Pferden erlassen werden.

Hauptproblem:

Fehlendes Wissen

Grund für viele Missstände in der Pferdehaltung

ist das weit verbreitete, mangelnde

Fachwissen der Reiter aller

Sparten (Freizeit-, Western-, klassische

Reiterei etc.). War es früher noch üblich,

die angehenden Reiter auch theoretisch

im Umgang mit dem Pferd zu

unterweisen, wird der Wissensvermittlung,

die letztlich die Basis für das Verständnis

zum Pferd darstellt, heute

kaum noch Platz eingeräumt. Die meisten

Kinder und Jugendlichen können

ein Pferd striegeln und aufzäumen,

doch welche Bedürfnisse das Tier tatsächlich

hat, welche Ansprüche es an

eine artgerechte Haltung stellt, ist gerade

Städtern, die in einem reinen Nutzungsverhältnis

zum Lebewesen aufgewachsen

sind, völlig fremd. Hier sind

die Betreiber von Reitställen, aber auch

die Eltern der kleinen Schüler gefordert,

sich für sensiblen Reitunterricht

und seine notwendige theoretische Ergänzung

stark zu machen.

Was Reiter und Pferdebesitzer

tun können

Natürliche Robustpferdehaltung von Isländern

Pferdehaltung mit hohen jährlichen

sich bewusst machen, dass eine

Machen Sie Missstände in Pferdehaltungen

Text und Fotos: Claudia Lotz

öffentlich

Fixkosten und unkalkulierbaren Zu-

Sorgen Sie als zahlendes Reitvereins-Mitglied

satzausgaben verbunden ist

dafür, dass Reitvereisatzausgaben

ne Haltungen für Pferde mit Auslauf

und Weidegang anbieten

sich kritisch fragen, ob er die Versorgung

des Tieres tatsächlich bis

ins hohe Alter sicherstellen kann

Regen Sie unter Reiterkollegen

und bei der FN an, einen Fond für

in Not geratene Pferde auf Gnadenbrothöfen

sich überlegen, ob eine Reitbeteiligung

nicht eine bessere und vor allem

pferdegerechtere Lösung wäre.

einzurichten

Zollen Sie Ihrem Pferd den Respekt,

den es verdient und ermöglichen

ihm bis ins hohe Alter ein artge -

rechtes Leben.

Der bmt gibt inzwischen 129 Pferden

das Gnadenbrot. Doch Gnadenbrothöfe

für alte Pferde, die von Tierschutzorganisationen

und Privatinitiativen

mit hohem finanziellem

Wer sich mit dem Gedanken

trägt, ein Pferd

anzuschaffen, sollte:

Aufwand bestritten werden, können

keine Lösung sein! Jeder Pferdebesitzer

hat die moralische Pflicht und

über ausreichend Fachkenntnis verfügen,

um sein Tier artgerecht zu

halten und zu behandeln

ethische Verantwortung, seinen Kameraden

bis ins hohe Alter liebevoll

zu versorgen.

So zeigen Sie einen

Missstand an!

Beobachten Sie schon über einen

gewissen Zeitraum, dass

die Pferde auf völlig abgegraster

Weide weder frisches Wasser

noch Zufutter erhalten, dass

sie ohne Schutzhütte Sonne und

Insekten ausgesetzt sind, dann

benachrichtigen Sie bitte umgehend

das Veterinäramt.

So wird´s gemacht:

1. Kontakt zum zuständigen Veterinäramt aufnehmen und mündlich den genauen

Sachverhalt (wenn möglich Name und Anschrift des Tierhalters) angeben.

Dazu gehören neben Ihrem Namen:

Zustand der Tiere (Tier x hat Wunden, abgemagert, lahmt etc.)

Haltungsbedingungen (fehlender Unterstand, trübes Trinkwasser, faules

Heu etc.)

Ihre Beobachtung (genaue Zeit- und Datumsangaben: z.B. Halter hat

Tiere vor 2 Wochen auf Weide gebracht und ist seitdem nicht mehr

aufgetaucht. Habe täglich kontrolliert, fotografiert etc.)



Standort der Tiere (genaue Ortsangabe)

Mein Eindruck: Tiere werden täglich schwächer, dringend Eingreifen

erforderlich)

2. Der mündlichen Meldung folgt die schriftliche an den Amtstierarzt bzw. das

Ordnungsamt. Geben Sie dabei noch einmal detailliert den Sachverhalt an.

Das Recht der Tiere 2/2004

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S KANDAL

Geringe Geldbuße für Hundetötung !

WIE DAS RECHT MIT

FÜßEN GETRETEN WIRD

Drei Hunde geraten in eine Rauferei und

werden von ihren Besitzern, einem zwölf

Jahre alten Jungen und einem 48jährigen

Bauingenieur, getrennt. Obwohl die

Auseinandersetzung bereits beendet ist,

tritt der Mann auf den fremden Dalmatiner

ein, und der Hund stirbt. Das Amtsgericht

verurteilt den Täter zu 750 Euro

Strafe - für den bmt eine völlig unzureichende

Entscheidung!

Das Recht der Tiere 2/2004

Vor dem Amtsgericht Bad Vilbel fand am 21. Januar

2004 die Hauptverhandlung gegen den

Bauingenieur statt, dem vorgeworfen wird, einen

Hund totgetreten zu haben. Der Vorfall: Am 18.

Januar 2003 kam es zu einer Rangelei des Dalmatiners "Basco"

mit den beiden Hunden des Angeklagten. Im Anschluss

an die Auseinandersetzung starb der zehnjährige Rüde der

Familie C. durch einen nachträglich versetzten Tritt des Beschuldigten.

Zum Zeitpunkt des Trittes waren die Hunde schon getrennt.

Der Dalmatiner wurde von dem zwölfjährigen Sohn der Familie

C. festgehalten, der sich zusammen mit seinem Hund

bereits mehrere Schritte vom Täter entfernt hatte. Eine von

der Polizei angeordnete pathologische Untersuchung in der

Veterinärklinik der Universität Gießen ergab später, dass der

24 kg schwere Dalmatiner-Rüde an einem Schock starb, der

durch ein schweres Trauma verursacht wurde.

Unverständliches Urteil

Das Gericht verurteilte den Täter zu einem Bußgeld in Höhe

von 750,- Euro (zahlbar in drei Monatsraten zu je 250,- Euro)

an das Tierheim Elisabethenhof. Zu keinem Zeitpunkt

zeigte der Täter aufrichtiges Bedauern oder glaubwürdige

Reue über seine Tat.

Unglücklicherweise entsteht bei dem Urteil der Eindruck, man

könne in diesem Land gegen ein geringes Bußgeld einen

Hund tottreten! Dabei hatte das Gericht einen weitaus größeren

Strafrahmen zur Verfügung, als es letztlich ausschöpfte.

Nach §17 Tierschutzgesetz wird mit Freiheitsstrafe bis zu

drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft, wer ein Wirbeltier

ohne vernünftigen Grund tötet oder einem Wirbeltier aus

Rohheit erhebliche Schmerzen oder Leiden zufügt.

Das milde Urteil basiert lediglich auf der Annahme, dass dem

Hund schon während der vorherigen Rangelei erhebliche

Verletzungen zugefügt worden seien. Denn der Beschuldigte

hatte bereits während der Auseinandersetzung mehrmals auf

den Dalmatiner eingetreten, um Schaden von seinen eigenen

Hunden abzuwenden. Diese Tritte während des Vorfalls wurden

vom Gericht als "berechtigte Tritte" angesehen. Es ließe

Basco in glücklichen Tagen

sich dadurch nicht mit Sicherheit feststellen, ob der "finale"

Tritt tödlich war, oder ob die vorherigen Tritte bereits ausschlaggebend

für den Tod des Hundes waren.

Kein Gutachter als Sachverständiger geladen

Wenn dem allerdings so gewesen wäre, hätte der Dalmatiner

dies sicher durch Schmerzenslaute, Lahmen, Hinfallen

etc. angezeigt. Auch wäre er dann wohl kaum noch in der

Lage gewesen, sich mit seinem kleinen Besitzer vom Ort des

Geschehens zu entfernen. Da weder Richter noch Staatsanwälte

über eine medizinische Ausbildung verfügen, werden

üblicherweise Sachverständige zu solchen Verhandlungen

geladen. Dies war hier nicht der Fall, obwohl ein gerichtsmedizinisches

Gutachten der Gießener Veterinärklinik vorlag.

Was hätte also näher gelegen, als den Gutachter als

Sachverständigen zu laden? Gerade vor dem Hintergrund,

dass diese Fragestellung doch entscheidend für das Strafmaß

war!

Der Bund gegen Missbrauch der Tiere (bmt) hat diese wenig

fundierte und nicht nachvollziehbare Entscheidung des Amtsgerichts

Bad Vilbel mit Empörung zur Kenntnis genommen.

Seit dem 1. August 2002 ist der Tierschutz als Staatszielbestimmung

im Grundgesetz verankert. Leider gibt es immer

noch Gerichte, die in ihren Entscheidungen dem Schutz der

Tiere wenig Bedeutung beimessen. Das Bad Vilbeler Amtsgericht

hat den Bedeutungszuwachs für den Schutz der Tiere

durch die Aufnahme des Tierschutzes ins Grundgesetz

schlicht missachtet.

Der bmt nimmt dieses Urteil zum Anlass, um seiner

Forderung nach einem verbesserten Fortbildungsangebot

für Juristinnen und Juristen in

Rechtsfragen des Tierschutzes noch einmal Nachdruck

zu verleihen.

Text: Mike Ruckelshaus

8


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T IERSCHUTZPOLITIK

NOVELLIERUNG VOM

BUNDESJAGDGESETZ

DER ANFANG IST GEMACHT!

Seit Jahren drängt der bmt auf eine Reform des

Jagdwesens unter den Gesichtspunkten des Tierschutzes

und der Ökologie. Nun scheint es soweit zu

sein: Am 19. März 2004 präsentierte Bundesministerin

Renate Künast ihre Eckpunkte zur Novellierung

des Bundesjagdgesetzes. Viele Tieschutzforderungen

sind hier aufgenommen worden.

Kampagnenplakat des Bündnis Tierschutz

Das Recht der Tiere 2/2004

Die deutschen Tier-, Natur- und Artenschutzverbände

haben die Eckpunkte

für die geplante Neuausrichtung des

Bundesjagdgesetzes als einen wichtigen,

ersten Schritt begrüßt. Aus Sicht

des bmt ist besonders hervorzuheben,

dass die Belange des Tierschutzes in

hohem Maße berücksichtigt wurden.

Die Jagd soll künftig an den Zielen des

Naturschutzes, den Bestimmungen des

Tierschutzes und den Erfordernissen einer

naturnahen Waldwirtschaft ausgerichtet

werden. Die Jagdmethoden haben

den Belangen der frei lebenden

Tiere besonders Rechnung zu tragen.

Dies gilt insbesondere für die Vermeidung

unnötiger Schmerzen und Beunruhigungen.

Nach dem Willen von Ministerin Künast

sollen ursprünglich "weidgerechte",

brutale Jagdpraktiken, die dem Tierschutz

zuwiderlaufen, verboten sein.

Dazu zählen u.a.:





das Töten von Hunden und Katzen

während der Jagdausübung

die Ausbildung von Jagdhunden

an lebenden Tieren

die Jagd mit Fallen und

die Verwendung von Bleischrot bei

der Wasserjagd.

Angeschossene Tiere müssen zukünftig

unverzüglich nachgesucht werden, um

sie so rasch wie möglich von ihren

Qualen zu erlösen, auch wenn sie in

"fremde Reviere" wechseln. Zur Zeit ist

dies nur möglich, wenn die Reviernachbarn

sich schriftlich gegenseitig

die Erlaubnis gegeben haben. Liegt

diese nicht vor, vergehen oft viele qualvolle

Stunden, bis die Suche nach dem

verletzten Tier beginnt.

Jagd- und Schonzeiten sollen an wildbiologische

Erkenntnisse und Belange

des Tierschutzes gekoppelt und zeitliche

Ruhezonen für alle Tierarten geschaffen

werden. Derzeit herrscht sogar

während Paarungszeit, Geburt und

Jungenaufzucht kein Jagdverbot.

Von den 100 jagdbaren Tierarten in

Deutschland stehen rund 50 % der

Säugetierarten und über 60 % der Vogelarten

auf der Roten Liste der gefährdeten

Tierarten Deutschlands. Die

Bundesministerin plant die Liste der

jagdbaren Tierarten auf rund 45 Arten

zu reduzieren.

Die vorgelegten Eckpunkte bleiben aus

Sicht des bmt allerdings nicht gänzlich

ohne Kritik. So würden wir u.a. ein generelles

Verbot der Beizjagd begrüßen,

weil Haltung, Aufzucht und Abrichtung

von Greifvögeln zur Jagd nicht tierschutzgerecht

sind. Auch sollte der

Schrotschuss gänzlich verboten sein

und nicht nur die Verwendung von Bleischrot

bei der Jagd am Wasser.

Dennoch - Ministerin Renate Künast hat

die Weichen für eine grundlegende Reform

des Bundesjagdgesetzes gestellt.

Nun kommt es darauf an, dass schon

bald der Referentenentwurf vorgelegt

wird und sich die Bundesregierung hinter

die Novellierung des Bundesjagdgesetzes

stellt.

Text: Jochen Prinz

Machen Sie mit!

Initiative der deutschen Natur-

und Tierschutzverbände

Novellierung des

Bundesjagdgesetzes

Mit dem vorgelegten Eckpunktepapier

hat Bundesministerin Renate Künast

die Initiative zur Novellierung

des Bundesjagdgesetzes gestartet.

Wenn die Reform noch in dieser Legislaturperiode

gelingen soll, muss

die Bundesregierung unverzüglich einen

Entwurf des neuen Jagdgesetzes

vorlegen, der dann seinen Weg durch

die Instanzen der Gesetzgebung

nehmen muss. Um diesen Prozess zu

beschleunigen, haben wir im Internet

unterschiedliche Protestmails an

maßgebliche Politiker, die mit der Reform

des Bundesjagdgesetzes beschäftigt

sind, für Sie vorbereitet:

www.jagd-reform.de/mails

/index

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T IERSCHUTZPOLITIK

TIERTRANSPORTE - KEINE EINIGUNG

DIE VERHANDLUNGEN IN DER EU SIND GESCHEITERT

Ohne Ergebnisse wurden die Verhandlungen

der EU-Agrarminister in der Nacht zum 27. April

2004 zu neuen Bestimmungen im Bereich der

Tiertransporte abgebrochen. Zu weit lagen die

Standpunkte der Verhandlungspartner auseinander,

obwohl die irische Ratspräsidentschaft

noch in den letzten Stunden versuchte, ein Kompromisspaket

zu den Hauptstreitpunkten wie

Transportzeiten, Ladedichten, Fahrzeugstandards,

Pausenzeiten etc. zu schnüren.

Bei genauer Analyse stellte sich aber heraus, dass auch der

Kompromissvorschlag letztendlich eine weitere Verschlechterung

gegenüber des bisherigen Status Quo für die zu transportierenden

Tiere bedeutet hätte. Statt die Tiere bei längeren

Pausen an Versorgungsstationen abzuladen, hätten die

Tiere zukünftig auf den LKWs versorgt werden können. Bei

der Enge auf den Transportfahrzeugen, unmöglich durchzuführen.

Zudem fehlten bei dem Kompromiss auch die obligatorisch

vorgeschriebenen amtsärztlichen Kontrollen beim

Verladen der Tiere bei grenzüberschreitenden Transporten.

Eine zeitliche Begrenzung der Tiertransporte war ebenfalls

nicht vorgesehen.

Folgerichtig hat Ministerin Künast diesen Kompromiss als

nicht hinnehmbar zurückgewiesen. Unterstützung fand die

Ministerin insbesondere von den nordeuropäischen Ländern.

Trotz des Scheiterns hoffen wir, dass die Verhandlungen über

notwendige Verbesserungen bei den Tiertransporten nicht

auf den St. Nimmerleinstag verschoben werden. Verkennen

dürfen wir aber auch nicht, dass mit der Aufnahme der zehn

osteuropäischen Staaten in die EU die Verhandlungen nicht

einfacher werden. In einem Punkt sollten sich alle Länder

aber einig sein: Dem Elend der Tiertransporte muss endlich

ein Ende gesetzt werden!

Text: Dr. Jörg Styrie

EUROPAWAHL 2004 - WAHLPRÜFSTEINE

Viele tierschutzrechtliche Vorhaben werden seit Jahren nicht mehr nur in Deutschland, sondern auch

auf europäischer Ebene entschieden. Umso wichtiger ist es daher, dass die Belange des Tierschutzes

von EU-Politikern vertreten werden. Besonders das Europaparlament hat sich in der Vergangenheit

für EU-weite Mindestanforderungen bei der Haltung landwirtschaftlicher Nutztiere eingesetzt.

Anlässlich der bevorstehenden Wahl zum Europaparlament

(13. Juni ´04) hat der bmt die Kandidaten nach ihren Positionen

zu folgenden, tierschutzrelevanten Thema befragt.

Wir haben hierzu einen Fragenkatalog entwickelt und an die

Kandidaten verschickt. Diese "Wahlprüfsteine" betreffen

die folgenden Bereiche:

EU-Chemikalienpolitik

Haltung von Legehennen

Tierschutz in die EU-Verfassung

Schlachttiertransporte

Tierschutzbestimmungen in der WTO

Diese "Wahlprüfsteine" sollen dem bmt zeigen, welchen Stellenwert

der Tierschutz in der politischen Arbeit der künftigen

Europaparlamentarier einnimmt. Gleichzeitig soll sie unseren

Mitgliedern und interessierten Tierfreunden als Entscheidungshilfe

bei der Wahl dienen. Die Ergebnisse der Umfrage

werden im Internet auf der Homepage des bmt

(www.bmt-tierschutz.de/Europawahl) veröffentlicht.

Wer nicht über einen Internet-Zugang verfügt, kann die Antworten

gerne bei der Hauptgeschäftsstelle (Adresse S. 34) anfordern.

Text: Mike Ruckelshaus

Das Recht der Tiere 2/2004

11


I NTERVIEW

DER ALTER

Lebensquali

PARTN

Mastino-Mix Pascha, 9 Jahre

Jeder Hundebesitzer wünscht sich, dass sein vierbeiniger Freund so lange wie möglich gesund und fit

bleibt. Doch wann ein Hund zu altern beginnt, ist erblich bedingt und nicht zu beeinflussen. Was wir

allerdings durch gezielte Maßnahmen unterstützen können, ist ein gesundes Altern unseres Hundes.

Die Zauberworte heißen Vorbeugung und Früherkennung. Was wir tun können, um unserem Hund seine

Lebensqualität und Gesundheit bis ins hohe Alter zu erhalten, erklärt Tierärztin Annegret Link aus

Otter bei Hamburg.

Das Recht der Tiere 2/2004

RdT: Wann beginnt ein Hund

zu altern?

Annegret Link: Das kann man pauschal

so nicht sagen. Der Alterungsprozess

setzt bei jedem Hund individuell

ein, weil er genetisch festgeschrieben

und individuell ist. Im Durchschnitt

spricht man ungefähr ab dem 7.

Lebensjahr von einem älteren Tier. Allerdings

ist der zeitliche Altersablauf

auch rasseabhängig; die Riesenrassen

(Dogge, Bernhardiner etc.) zeigen häufig

schon mit 6 Jahren Altersanzeichen,

kleine Hunde dagegen erst viele Jahre

später.

RdT: Vielen Hunden merkt

man ihr Alter kaum an...

Annegret Link: Stimmt. Der Altersvorgang

entwickelt sich oft ganz schleichend

und fällt den Besitzern häufig

erst auf, wenn der langjährige Weggefährte

eine graue Schnauze bekommt.

Neben der erblichen Komponente tragen

natürlich auch die individuellen Lebensumstände

zu schnellerer Degeneration

und altersbedingten Verschleißerscheinungen

bei. Bewegungsarmut,

unausgewogene Ernährung, körperliche

und seelische Belastungen können

ein Tier früher altern lassen als ein optimal

gehaltenes und psychisch ausgeglichenes

Tier.

RdT: Die Lebenserwartung von

Hunden ist im Vergleich zu früher

deutlich gestiegen. Woran

liegt das?

Annegret Link: An mehreren Faktoren.

Impfschutz, altersgerechte Ernährung

und umfassende Gesundheitsvorsorge

haben im Durchschnitt zu einer

höheren Lebenserwartung geführt.

Das hat jedoch auch einen negativen

Effekt: Denn heute bekommen unsere

Hunde - als direkte Folge des gestiegenen

Lebensalters - wesentlich häufiger

als noch vor 20 Jahren Zivilisationskrankheiten

(Diabetes, Herz-Kreislauf,

Arthrose, Rheuma, Krebs etc.).

RdT: Das Altern ist keine

Krankheit, sondern natürlicher

Prozess. Die Leistungsfähigkeit

von Organen und Gewebe

lässt langsam nach. Wie

wirkt sich dieser Abbau aus?

Annegret Link: Allgemein gesprochen

als Vitalitätsverlust und zunehmender

Leistungseinschränkung. Im

Alter kommt es zu einer Reduzierung

der Zellmasse. Davon sind besonders

Muskeln, Nieren und Gehirn betroffen.

Dieser Abbau führt zu einer:

verminderten Leistung der Muskulatur

(Besitzer stellen fest, dass ihr

Hund schneller ermüdet und sein

Bewegungsdrang abnimmt)

schwächeren Herzleistung, reduzierten

Lungenkapazität und

schlechterer Sauerstoffversorgung

von Organen und Gewebe

eingeschränkten Tätigkeit der Hormondrüsen

länger andauernden Infektionen

(Krankheiten verlaufen schwerer,

die Genesung dauert länger).

12


D ER ALTERNDE H UND

NDE HUND

tät im Alter erhalten

ER MIT GRAUER SCHNAUZE

RdT: Welche Voraussetzungen

können wir schaffen, um unserem

Hund ein gesundes Altern

zu ermöglichen?

Annegret Link: Den größten Einfluss

auf die Alterung hat die Ernährung.

Wie wir heute wissen, sollte bereits im

Welpenalter mit einer eingeschränkten

Energiezufuhr begonnen werden, die

dann in der Jugend und im mittleren

Alter beibehalten wird. Das energiereduzierte

Futter sollte im Alter auf 2-3

Mahlzeiten verteilt werden, um den

Magen zu entlasten.

Laufende Gewichtskontrollen verhindern,

dass ein Tier ins Übergewicht abgleitet

und damit der Grundstein für

bestimmte Erkrankungen gelegt wird

(Diabetes, Herz-Kreislauferkrankungen,

Gelenk- und Knochenprobleme

etc.). Man muss die Rippen unter geringer

Fettabdeckung fühlen und die

Taille sehen können.

Regelmäßige Bewegung ist genauso

wichtig wie in jungen Jahren. Allerdings

sollten Belastungen (durch Übergewicht)

oder gar eine Überbelastung

durch zu hohe Bewegungsaktivität vermieden

werden. Und rechtzeitig mit der

Zahnpflege beginnen; hier gibt es geeignete

Futtermittel im Handel.

RdT: Noch einmal

zurück zur

Ernährung. Was

genau meinen

Sie mit einer reduzierten

Energiezufuhr?

Genügt

es, einfach

das bisherige

Futter zu halbieren?

Annegret Link:

Nein, denn dann

würden mit Sicherheit

Nährstoffmängel

auftreten. Hunde

im Alter brauchen, weil die

Bewegungsaktivität nachlässt und die

Muskelmasse zurückgeht, ungefähr ein

Drittel weniger energiereiche Kost als in

ihrer Jugend. Also muss die Zusammensetzung

des Futters so geändert

werden, dass keine Nährstoffmängel,

aber auch kein Übergewicht entstehen

kann. Im Handel gibt es ausgewogene

Senior-Fertigfutter, die auf die Bedürfnisse

des alternden Organismus abgestimmt

sind. Sie enthalten hochwertige

Inhaltsstoffe und sind durch einen höheren

Ballaststoffanteil leichter verdaulich.

RdT: Wie schätzen Sie es ein,

wenn sich ältere Hunde plötzlich

anders verhalten als sonst,

zum Beispiel nicht mehr gerne

spazieren gehen oder ihr Futter

stehen lassen?

Tierärztin Annegret Link in ihrer Praxis

Annegret Link: Ich nehme es sehr

ernst. Denn oft sind Auffälligkeiten im

Verhalten erste Hinweise auf eine Erkrankung.

Ich rate allen Hundebesitzern,

ihren Vierbeiner genau zu beobachten

- und Abweichungen vom

bisherigen Verhalten auf keinen Fall als

"Altersstarrsinn" abzutun. Achten Sie

bitte besonders auf:

ein konstantes Gewicht des Hundes

(überflüssige Pfunde sind die häufigsten

Begleiterscheinungen des Alters.

Abmagerung bei gleichem Appetit sind

Warnzeichen)

Veränderungen der Leistungsfähig-

Das Recht der Tiere 2/2004

Münsterländer-Mix Bobby, 14-15 Jahre

13


D ER ALTERNDE H UND

keit (schnellere Ermüdung, Abgeschlagenheit,

verminderter Bewegungsdrang

etc.)

Veränderungen im Trink- und Fressverhalten

(auffälliger Durst, Trinkunlust,

Futterverweigerung etc.)

Störungen beim Harn- und Kotabsatz

(Harntröpfeln, Harnverhalt,

Durchfall/Verstopfung, Blähungen,

extremer Mundgeruch etc.)

Einschränkung in Kondition und Bewegung

(Steifheit, Lahmheit, Kurzatmigkeit

etc.)

Äußerliche Veränderungen (Haut,

Haarkleid)

Verhaltensauffälligkeiten können

Hinweis auf Schmerzen sein (plötzliche

Aggression wird häufig bei

Hirntumoren beobachtet).

Schäferhund Kantor, ca. 12 Jahre

Kot, Gebewebeproben) oder aufwendige

spezielle Untersuchungen (z.B.

Röntgen, EKG, Ultraschall) anschließen.

Die Veterinärmedizin beschäftigt sich

wie die Humanmedizin intensiv mit der

Thematik des Alterns (Geriatie=Altersheilkunde).

Nur wenn körperliche Verschleißprozesse

rechtzeitig erkannt

werden, kann die weitere Ausprägung

aufgehalten bzw. durch gezielte Behandlung

gemildert werden. Deshalb

empfiehlt sich auch eine Altersvorsorgeuntersuchung

für Hunde (Geriatie-

Check), die jede Tierarztpraxis durchführt.

Das Ziel dieser regelmäßigen

Vorsorgeuntersuchungen (ein- bis

zweimal jährlich) ist, dem Hund so lange

wie möglich ein beschwerdefreies

Leben zu erhalten. Und das wünscht

sich ja sicherlich jeder Hundebesitzer.

RdT: Wir danken Ihnen für dieses

interessante Gespräch.

Text: Claudia Lotz

Fotos: Heike Bergmann

Das Recht der Tiere 2/2004

RdT: Wenn ein Hundesenior in

die Tierarztpraxis gebracht

wird, kann man mit Sicherheit

feststellen, ob es sich bei dem

Krankheitsgeschehen "nur" um

eine Alterserscheinung handelt

oder ob vielleicht doch etwas

Ernstes dahinter steckt?

Annegret Link: In der Praxis ist das

tatsächlich oft schwierig. Denn jede Begleiterscheinung

des Alters (nachlassende

Aktivität, weniger Interesse an

Umwelt etc.) könnte natürlich immer

auch ein Hinweis auf eine Erkrankung

sein.

Das Problem: Alterserscheinungen

unterliegen oft einer Multimobilität, das

heißt: Es kann ein verwirrendes Nebeneinander

von gewöhnlichen Alterungsprozessen

und chronischen, behandelbaren,

nicht behandelbaren oder

akuten Erkrankungen geben. Deswegen

reicht bei älteren Vierbeinern

meist eine Allgemeinuntersuchung

nicht aus, um eine sichere Diagnose zu

stellen. Hier müssen sich im Zweifelsfall

Laboruntersuchungen (z.B. Blut, Harn,

ALTERSBERECHNUNG UND LEBENSERWARTUNG DES HUNDES

Tierärzte berechnen das Alter noch folgendem Schema. Die allgemein

übliche Faustregel, ein Hundejahr=7 Menschenjahre,

entspricht nicht den biologischen Gegebenheiten.

Hund

Mensch

1. Jahr entspricht 15 Jahren

2. Jahr 6 Jahren

3. Jahr (und alle weiteren) 5 Jahren

Hinweis:

Alte Hunde leiden besonders, wenn sie ins Tierheim kommen.

Lesen Sie auch, welches Projekt das bmt-Tierheim in Kassel

(siehe S. 32) gestartet hat, um für alte Hunde zügig ein schönes

Zuhause zu finden. Die hier abgebildeten Hunde warten im

TH Köln Dellbrück auf liebevolle Menschen.

Kontakt:

Tierheim Dellbrück

Iddelsfelder Hardt,

51069 Köln

Tel. (0221) 68 49 26,

www.tierheimdellbrueck.de

Schäfer-Mix Jessi, 9 Jahre

14


Der 24. April:

INTERNATIONALER TAG

DES VERSUCHSTIERS

A US UNSERER A RBEIT

ENDLICH UMDENKEN

BEI DER FÖRDERUNG

Anlässlich des internationalen Tags des

Versuchstieres am 24. April 2004 forderte

der bmt in einer Pressemeldung ein Umdenken

bei der Forschungsförderung. Wir

sind der Meinung, dass mehr Geld und

Energie in die Erforschung alternativer

Versuchsverfahren investiert werden

muss, statt in Tierversuche.

Mit großer Sorge betrachtet der bmt den kontinuierlichen

Anstieg der Tierversuchszahlen in

Deutschland. Allein nach der aktuellsten, offiziellen

Statistik aus dem Jahr 2002 sind die Tierversuchszahlen

um 85.815 Tiere auf insgesamt 2.212.376 gestiegen.

Besonders tragisch ist der erneute Anstieg der Tierversuche

in den Bereichen der gesetzlich geforderten Giftigkeitstests

und anderen Sicherheitsprüfungen, weil in diesen Bereichen

höchste Einsparmöglichkeiten durch alternative, tierversuchsfreie

Testmethoden möglich wären. Doch offensichtlich

kommt die Entwicklung und die Zulassung derartiger Methoden

als standardisiertes Prüfverfahren dem Bedarf nicht

nach. Ein Beispiel: So stimmte der Bundesrat Anfang April

2004 für die Änderung des Abwasserabgabegesetzes. Ab

dem 1. Januar 2005 soll die Giftigkeit von Abwässern nicht

mehr an lebenden Fischen, den Goldorfen, getestet, sondern

im sogenannten Fischei-Test bestimmt werden. Diese erfreuliche

Entwicklung wird etwa 50.000 Goldorfen jährlich das

Leben retten. Bis die Alternativmethode aber endlich Eingang

in den Gesetzestext gefunden hatte, sind 5 Jahre vergangen.

Auf EU-Ebene werden in den nächsten Monaten vermutlich

mehr als 10 Millionen Tiere im Tierversuch sterben, wenn die

EU-Chemikalienpolitik ohne Änderungen umgesetzt wird.

Die EU-Kommission plant im Zusammenhang mit der Einführung

des einheitlichen Chemiekontrollsystems REACH

(Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung

chemischer Stoffe), ca. 30.000 bereits auf dem Markt befindliche

Produkte einer Überprüfung zu unterziehen und

setzt dabei auf den klassischen Tierversuch, obwohl es Alternativen

gibt.

Gemeinsam mit der EUROGROUP for Animal Welfare setzen

wir uns auf europäischer Ebene dafür ein, dass die Überprüfung

von ca. 30.000 Altchemikalien ohne Tierversuche

erfolgt. Eine erhebliche Anzahl an Tierversuchen wäre allein

schon dadurch einzusparen, wenn die bei den Herstellern der

Chemikalien vorhandenen Sicherheitsdaten offengelegt und

die gemeinsame Datennutzung vorgeschrieben würde, wie

es im deutschen Chemikalienrecht vorgesehen ist.

Die behördliche Akzeptanz tierversuchsfreier Prüfmethoden

gestaltet sich auf europäischer und internationaler Ebene jedoch

noch langwierig. Im Jahre 2002 wurden erstmals von

der Organisation für wirtschaftliche Kooperation und Entwicklung

(OECD) mehrere tierversuchsfreie toxikologische

Prüfmethoden weltweit akzeptiert. Dies war nicht zuletzt der

Verdienst des deutschen Bundesamts für Risikoforschung und

seiner Zentralstelle zur Erfassung und Bewertung von Ersatzund

Ergänzungsmethoden zum Tierversuch (ZEBET).

Institute wie ZEBET und das europäische Validierungszentrum

ECVAM sind Dreh- und Angelpunkte bei der Entwicklung und

Validierung tierversuchsfreier Verfahren und toxikologischer

Prüfmethoden. Sie koordinieren die unterschiedlichen Arbeitsgruppen

auf diesen Gebieten und leisten erfolgreiche eigene

Studien. Validierungsstudien sind aber zeit- und kostenaufwendig.

Die Industrie wird sich dieser Aufgabe nicht

annehmen. Internationale Erfolge bei der Reduktion behördlich

vorgeschriebener Tierversuche wird es daher ohne

die Arbeit von ZEBET und ECVAM nicht geben. Nur eine ausreichende

Förderung dieser Institutionen auf deutscher und

europäischer Ebene ist die Gewähr dafür, dass die Zahl der

grausamen Tierversuche auch tatsächlich abnimmt.

Die millionenfache Qual in den Laboratorien darf nicht ignoriert

werden. Anstatt Unsummen zur Finanzierung grausamer

Tierversuche im Bereich von Biomedizin oder Gentechnologie

auszugeben, sollte die Regierung die Weltspitze

bei tierversuchsfreien Untersuchungsmethoden im Bereich

der weltweiten Produktsicherheit oder bei der wissenschaftlichen

Ausbildung anstreben. Dies würde dem Wirtschaftsstandort

Deutschland, der nicht zuletzt dem Staatsziel Tierschutz

verpflichtet ist, besser zu Gesicht stehen.

Text: Jochen Prinz

Das Recht der Tiere 2/2004

15


A US UNSERER A RBEIT

ENDLICH WENIGER HÜHNER IN D

ERFOLG DES TIERSCHUTZES

Die Anzahl der in Käfigen gehaltenen Hühner nimmt

ab! Diese erfreuliche Nachricht meldete das Statistische

Bundesamt in Wiesbaden Anfang April. So verringerte

sich die Zahl der Käfighühner im vergangenen

Jahr um 9,1% auf 30,7 Millionen Tiere.

Dem Abwärtstrend der Käfighaltung

steht ein direkter Anstieg der Bodenhaltung

gegenüber: In diesem Haltungssystem

leben mittlerweile 3,6 Millionen

Hennen - das entspricht einer

Steigerungsrate von 20,6%. In Freilandhaltung

werden inzwischen schon

3,7 Millionen Hennen gehalten

(Anstieg von 6,5%).

Gegenüber 2002 ist die Zahl der Legehennen

insgesamt rückläufig. Sie

ging 2003 um 5,6% auf ca. 38 Millionen

Tiere zurück. Die Hennen legten

rund 9,35 Milliarden Eier, auch hier ein

Minus von 5,9 % gegenüber dem Vorjahr.

Der Selbstversorgungsgrad der

Deutschen liegt bei ca. 70 %, die restlichen

30% werden importiert. Dabei

kommt der größte Teil, nämlich 3 Milliarden

Eier, aus den Niederlanden, gefolgt

von belgischen und französischen

Produkten.

Beim Eierverbrauch liegen die Deutschen

mit 217 Eiern pro Jahr knapp

unter dem EU-Schnitt von 222 Eiern.

Beim Kauf bevorzugen die Verbraucher,

abgesehen von der Osterzeit, Eier

mit brauner Schale (60 %).

Zur Verteilung der Haltungsformen

in Deutschland

(Stichtag 1. Dezember 2003):

Käfighaltung 80,8 %

Bodenhaltung 9,4 %

Freilandhaltung 9,8 %

“Kleinvoliere” - Haltungsform der Zukunft?

Das Recht der Tiere 2/2004

16

Seit Verabschiedung der Legehennenhaltungsverordnung,

die das Verbot der Käfighaltung ab 2007 festlegte, nutzten

die Käfiglobbyisten jede Chance, um die Entscheidung rückgängig

zu machen. Mit einseitigen und fachlich fragwürdigen

Studien versuchten sie zu belegen, dass angeblich keine

für den Tierschutz akzeptablen Alternativen zur

Käfighaltung verfügbar seien. Sie setzten dabei kompromisslos

auf den ausgestalteten Käfig. Mit dieser Einstellung

haben die Käfigbefürworter jedoch Schiffbruch erlitten.

Laut Gutachten der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft

ist in den bisher entwickelten ausgestalteten Käfigen

eine artgerechte Haltung von Legehennen nicht möglich.

Hauptkritikpunkt: Sie bieten den Hennen keinen ausreichenden

Platz, um angeborene Verhaltensweisen wie Sandbaden,

Scharren, Flügelschlagen, ungestörte Eiablage und

vieles mehr auszuleben. Außerdem, so das Gutachten, sind

die Käfige zu dunkel.

Dieser Auffassung haben sich die Agrarminister der Bundesländer

Ende März in Osnabrück angeschlossen. Um die Legehennenhaltung

in Deutschland zu halten und den Eierproduzenten

eine wirtschaftliche Alternative zum Käfig zu

bieten, wurde ein neues Haltungssystem zumindest begrifflich

geschaffen: Die "Kleinvoliere". Was sich jedoch hinter

diesem Begriff verbirgt, bleibt zunächst offen. Nach ersten

Verlautbarungen sollen die Kleinvolieren den Tieren mehr

Platz zum Picken, Scharren und Flügelschlagen bieten.

Für die Entwicklung dieses zukünftigen Haltungssystems haben

sich die politisch Verantwortlichen einen engen Rahmen

gesetzt: Bis Oktober 2004 soll eine Arbeitsgruppe des Künast-Ministeriums

mit den Ländern und allen relevanten

Gruppen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Tierschutz Anforderungen

an das neue Haltungssystem erarbeiten.

Aus Sicht des Tierschutzes ist dieser Entwicklung mit großer

Vorsicht zu begegnen. Innerhalb weniger Wochen und quasi

auf dem Reißbrett soll nun ein Haltungssystem geschaffen

werden, das es bisher nicht gibt und dessen Erprobung

Jahre brauchen würde. Bei allem Respekt scheint ein solcher

Zeitplan, wenn man denn tatsächlich ein völlig neues

Haltungssystem erarbeiten möchte, unrealistisch. Vielmehr

steht zu befürchten, dass die Kleinvoliere letztlich nur eine

marginale Vergrößerung des ausgestalteten Käfigs darstellt

und somit das generelle Verbot der Käfighaltung von Legehennen

ab dem Jahr 2007 untergraben wird. Der bmt wird

diesen Weg äußerst kritisch begleiten.

Text: Dr. Jörg Styrie


EN KÄFIGEN!

A US UNSERER A RBEIT

EIERKENNZEICHNUNG:

GROSSE RESONANZ

AN DEN bmt-INFOSTÄNDEN

Seit die Eierkennzeichnung gesetzlich vorgeschrieben

ist, engagiert sich der bmt besonders,

die Verbraucher mit den neuen Regelungen vertraut

zu machen. Und immer wieder stellen dabei

die aktiven Mitglieder fest, dass der Informationsbedarf

in der Bevölkerung noch sehr groß ist.

Mainz, 3. April 2004: Unter dem Motto

"Kein Ei mit der 3" führten bmt-Mitglieder

aus dem Raum Mainz und

Darmstadt zwei Informationsstände

durch, um rechtzeitig vor Ostern die

Verbraucher auf die neuen EU-weit einheitlichen

Regelungen zur Eierkennzeichnung

hinzuweisen. Die seit 1. Januar

2004 in Kraft getretene

Kennzeichnungspflicht schreibt vor,

dass auf der Eierpackung und jedem

einzelnen Ei deutlich erkennbar sein

muss, aus welcher Haltungsform die

Eier stammen.

Insgesamt stießen die Informationsstände,

die vor den EDEKA-NEUKAUF-

Märkten in Mainz-Bodenheim und

Mainz-Laubenheim stattfanden, auf regen

Zuspruch bei den Passanten. Zahlreiche

Verbraucher nutzten die Möglichkeit,

um sich ausführlich über die

neuen Kennzeichnungsregeln zu informieren

und versicherten, künftig keine

Eier mehr aus der tierquälerischen Käfighaltung

zu kaufen, die nun endlich

auch als solche erkennbar seien. Es

stellte sich heraus, dass seitens der

Konsumenten ein erheblicher Informationsbedarf

bestand.

Während die Tierschützer über die Haltungsbedingungen

von Legehennen

und anderer landwirtschaftlicher Nutztiere

informierten und Unterschriften

gegen Schlachttiertransporte sammelten,

hielt ein übergroßes "sprechendes

Huhn" eine kleine Osterüberraschung

in Form von Schokoladeneiern für die

Kinder bereit.

Bedanken möchten wir uns bei den Aktiven

und insbesondere der Inhaberin

der beiden EDEKA-NEUKAUF-Märkte,

die durch ihr Engagement für den Tierschutz

diese Aktion erst durchführbar

machte. Erst vor einigen Monaten ermöglichte

sie einen Adventsbasar zugunsten

des bmt in den Räumen ihres

Marktes. Wir meinen:

Ein positives Beispiel

und Vorbild für andere

Marktleiter.

Text und Fotos:

Mike Ruckelshaus

“KEIN EI MIT DER 3!”

0=ÖKOLOGISCHE HALTUNG

Hennen in Freilandhaltung, Futter aus

ökologischem Anbau. Besatzdichte

im Stall: max. 6 Hennen/m 2

1=FREILANDHALTUNG

Jede Henne hat 4 m 2 Auslauf im

Freien. Besatzdichte im Stall

s. Bodenhaltung

Neue bmt-“Eierkärtchen”!

Auf der Rückseite unserer Infokärtchen

zur Eierkennzeichnung (RdT 1/04) hatten

sich leider Fehler eingeschlichen.

Die aktualisierten Kärtchen können Sie

gerne bei unserer Hauptgeschäftsstelle

in München (Adresse S. 34) anfordern.

So ist es richtig:

2=BODENHALTUNG

Hennen leben im Stall mit

Einstreu, Sitzstangen,Nestern.

Besatzdichte bis zu 9 Hennen/m 2

3=KÄFIGHALTUNG

Hennen leben im Drahtkäfig. Platz

je Henne entspr. Gewicht 550 bzw.690 cm 2

Das Recht der Tiere 2/2004

17


www.bmt-tierschutz.de • Hauptgeschäftsstelle München • Tel 089/38 39 520

A SPIELEN WIR N


Jedes Jahr werden 2,2 Millionen

Versuchstiere zu Tode getestet und

gequält. Das muss ein Ende haben.

ICHT MIT!


mt - AKTUELL

KOMMT DAS VERBANDSKLAGERECHT ?

bmt HOFFT AUF STÄRKUNG DES TIERSCHUTZRECHTS

Am 12. März 2004 hat der Bundesrat erstmalig

über die Einführung des Verbandsklagerechts

für Tierschutzorganisationen beraten. Dieser

wichtige Tagesordnungspunkt kam auf Vorstoß

des Landes Schleswig-Holstein zustande und

wurde nun zur weiteren Beratung an den Rechtsausschuss

verwiesen.

Der bmt begrüßt die Initiative und hofft, dass damit

der Weg für das dringend notwendige und

lange geforderte Verbandsklagerecht für Tierschutzorganisationen

frei gemacht wird.

Mit dem Verbandsklagerecht würden

die großen, seriösen Tierschutzorganisationen

wie der bmt die Möglichkeit

eingeräumt bekommen, gegen viele

Formen von Tierquälerei juristisch vorzugehen.

Derzeit ist es leider noch trauriger

Alltag, dass viele Formen der Tierqual

unbestraft bleiben, weil das

juristische Instrument zur Ahndung

fehlt. Es ist daher mehr als wichtig, dass

durch die Länderkammer dieser unhaltbare,

rechtliche Missstand beendet

und dem Tierschutz so deutlich der

Rücken gestärkt wird.

Zum Hintergrund: Seit dem 1. August

2002 ist der Tierschutz im Grundgesetz

verankert. Das Staatsziel ermöglicht es,

die Belange des Tierschutzes mit anderen

Grundrechten abzuwägen. Und in

strittigen Fällen gegebenenfalls vor Gericht

klären zu lassen, welches Grundrecht

Vorrang hat. Auch wenn dieser

Durchbruch ein Sieg für den Tierschutz

war, so mangelt es in der Rechtsfindung

bis heute an konkreten Handlungsmöglichkeiten.

So kann eine Tierschutzorganisation

zum Beispiel nicht

vor Gericht als juristischer Vertreter der

Tiere klagen. Das bleibt nach wie vor

Privatpersonen vorbehalten.

Wir hoffen, dass dieser Missstand möglichst

bald mit der Einführung des Klagerechts

beendet wird.

STIERKAMPF - IN BARCELONA MACHT MAN FRONT

Das Recht der Tiere 2/2004

6. April 2004: In einer geheimen Abstimmung verabschiedete

der Stadtrat von Barcelona eine Resolution, wonach

Stiere sensible, leidensfähige und daher schützenswerte

Säugetiere sind. Der sozialistische Bürgermeister der Stadt,

Joan Clos, ist nach der historischen Abstimmung davon

überzeugt, dass der spanische Stierkampf (Corrida) langfristig

verschwinden wird. Um den Stierkampf in Spaniens

zweitgrößter Stadt und der Provinz Katalonien endgültig zu

verbieten, bedarf es noch einer Gesetzesvorlage der katalanischen

Regierung und einem Votum des Regionalparlaments.

Unsere spanische Tierschutz-Partnerorganisation

ADDA (Asociacion Defensa Derechos Animal) kämpft seit

langem für ein Ende des Stierkampfes und hat im Vorfeld

der Entscheidung zusammen mit der Welttierschutzgesellschaft

(WSPA) 250.000 Unterschriften von Tierschützern aus

30 Ländern an den Stadtrat übergeben.

Text: Jochen Prinz

20


TIERSCHUTZARBEIT TRÄGT FRÜCHTE!

EINE DEUTSCHE TIERÄRZTIN IN UNGARN

A USLANDSTIERSCHUTZ

Im ungarischen Fernsehen läuft zur Zeit ein Werbespot,

der noch vor Jahren undenkbar gewesen wäre: Da fährt

eine Familie mit dem vollgepackten Wagen in den Urlaub

und öffnet unterwegs plötzlich die Autotür, um ihr Kind

herauszulassen. "Sie würden doch auch Ihr Kind nicht aussetzen,

nur weil Sie in den Urlaub fahren. Warum also Ihren

Hund?" heißt es sinngemäß in dem provozierenden

Kurzfilm. Dass der Tierschutz in der Bevölkerung einen höheren

Stellenwert bekommen hat, ist u.a. auch der Arbeit

der Tierschutzorganisation in Pecs zu verdanken.

"Das Tierheim in Pecs", sagt Frau Dr.

Andrea Wassmuth, "leistet eine vorbildliche

pädagogische Arbeit." Die

Tierärztin ist bereits zum zweiten Mal

innerhalb weniger Monate nach Ungarn

gefahren, um im Rahmen des

bmt-Projekts Hunde zu kastrieren. "Als

wir im Tierheim ankamen", erinnert

sie sich, "war gerade eine Grundschulklasse

zu Besuch und wurde unter

dem Motto “Ostern - Aufbruch in

die Natur” mit unserer belebten Umwelt

vertraut gemacht."

Tatkräftig unterstützt von ihren zwei

Töchtern und deren beiden Freundinnen

können während des fünftägigen

Aufenthalts 29 Hündinnen

kastriert werden.

Das gesamte Team in

Pecs arbeitet Dr. Wassmuth

zu und bestätigt

damit immer wieder,

was die Tierärztin an

dem ungarischen Partnertierheim

des bmt so

schätzt: "Die Atmosphäre",

sagt Dr. Wassmuth,

"ist einzigartig.

Hier werden Tiere nicht

nur versorgt und vermittelt,

sondern geachtet.

Hier wird der Versuch

unternommen,

den Kindern und Jugendlichen

das Lebewesen

Tier tatsächlich

verständlich zu machen."

Im Tierheim in Pecs leben im

Durchschnitt ca. 200 Hunde

und zahlreiche Katzen, Kleintiere,

Ziegen, Schafe und

Esel. Außerdem werden verletzte

Wildtiere wieder gesund

gepflegt und für Kinder

Reitstunden und Ferienkurse

mit thematischem Schwerpunkt

Tier-, Natur- und Umweltschutz

angeboten.

Ihre Hilfe könnte so aussehen

Wenn Sie die Arbeit der ungarischen

Tierschützer unterstützen möchten,

Tierärztin Dr. Andrea Wassmuth in Pecs

Spenden Sie zweckgebunden. Unser

aktuelles Projekt: In den Hundehäusern

müssen dringend Fenster eingesetzt

werden, um die Tiere vor

Nässe, Schnee und Kälte zu schützen

Sichern Sie das Überleben der Tiere

mit Futter- und Medikamentenspenden

bzw. übernehmen Sie eine Patenschaft

Statten Sie dem Tierheim in Pecs einen

Besuch ab und informieren sich

persönlich über die Arbeit, die Fortschritte

und Ziele der ungarischen Tierschutzorganisation.

Infos unter:

www.tierheim-pecs.de

Kontakt: Petra Zipp

Tel: 06035/ 5916

Spendenkonto

“Stichwort Pecs”

Frankfurter Sparkasse

Kto. 847 275

BLZ 500 502 01

Das Recht der Tiere 2/2004

21


R UMÄNIEN

bmt-Tierschutzprojekt in Osteuropa

EFFIZIENTE HILFE VOR

DEUTSCHE TIERÄRZTE IN RUMÄNIEN: TOM KOCH,

Teamarbeit: Johannes Tal und ein rumänischer Kollege

Als Dr. Koch vom Auslandstierschutz

des bmt in Rumänien erfährt,

ist er von dem engagierten

Projekt begeistert. "Hier können

wir als Tiermediziner effiziente

Hilfe vor Ort leisten," sagt er zu

seinen Kollegen - und schon kurze

Zeit später bricht das vierköpfige

Team nach Bukarest auf. Die

Tierärzte ergänzen sich gut durch

ihre unterschiedlichen Fachausrichtungen:

So kommen die beiden

Tierärztinnen aus der Inneren

Medizin und der Gynäkologie,

während ihre männlichen Kollegen

in Kleintierpraxen arbeiten.

2003: Tragödie auf dem

Firmengelände

Sie werden sich bestimmt an die Ereignisse

in Rumänien erinnern, die wir Ihnen

vor über einem Jahr geschildert

haben (RdT 2/´03). Noch einmal kurz

zu den Hintergründen: Im März ´03

berichteten Mitarbeiter des rumänischen

Autokonzerns Dacia von gezielten

Tötungen der auf dem Gelände lebenden

Hunde. Bis dahin waren die

zahlreichen Vierbeiner von der Geschäftsleitung

der Renault-Tochter Dacia

geduldet worden. Doch nach einer

Anweisung vom Mutterkonzern aus

Frankreich sollten die Tiere nun plötzlich

getötet werden.

verhandelt. Bis dahin sollten die Tiere

wieder von den Mitarbeitern versorgt

werden dürfen und keine Übergriffe

von Seiten der Konzernleitung mehr zu

befürchten haben. Es wurde verabredet,

die Hunde im Tierheim in Brasov

zu kastrieren.

Logistische

Schwierigkeiten

Dieses Vorhaben gestaltete sich in der

Praxis jedoch schwierig: Der Autokonzern

Dacia liegt im Karpatenort Mioveni

(bei Pitesti) und die kurvenreiche

Strecke bei normalen Wetterverhältnissen

durch die Berge dauert über 2,5

Stunden. Dennoch nahm die rumänische

Tierschutzorganisation (Leitung

Cristina Lapis), die das Tierheim in Brasov

betreibt, die mühsamen Touren auf

sich, fing die scheuen Vierbeiner auf

dem weitläufigen Firmengelände ein,

operierte sie und fuhr die Hunde nach

angemessener Nachsorge wieder an

ihre angestammten Plätze in den entfernten

Bergort.

Wie Sie helfen können:

Das Recht der Tiere 2/2004

22

Das Vorgehen gegen die hilflosen Vierbeiner

war derart grausam, dass die

Mitarbeiter des Unternehmens die Öffentlichkeit

informierten. Der bmt nahm

daraufhin Kontakt zur größten rumänischen

Tierschutzorganisation in Brasov

auf und erreichte im persönlichen Gespräch

mit der Unternehmensführung

die sofortige Einstellung der Tötungen.

Über weitere Projekte, die medizinische

Versorgung und Kastration der Hunde,

wurde in gemeinsamem Einverständnis

Tierarzt Tom Koch bei einer Kastration

Mit einer zweckgebundenen

Spende unterstützen Sie das

Tierheim in Brasov. Dort fehlen,

wie Tom Koch ausgeführt hat,

mehrere medizintechnische

Geräte für die bessere und genauere

Untersuchung und Diagnosestellung

der oft schwer

verletzten oder erkrankten

Vierbeiner.

Der bmt unterstützt das Tierheim,

neben Baumaßnahmen


ORT

A USLANDSTIERSCHUTZ

CHRISTINE SIMON, JASMIN WALTER UND JOHANNES TAL

2004: Kastration auf

dem Firmengelände

Tierärzte für

Auslandseinsätze gesucht

Wir suchen ständig Tierärzte für unsere

Projekte in Osteuropa. Doch verstehen Sie

bitte, dass wir nur erfahrene Tiermediziner

nach Rumänien oder Ungarn reisen lassen

können.

Optimal ist es, wenn befreundete Kollegen

wie der Quarantäne, mit Futterlieferungen.

Vielleicht möchten

Sie auch dazu beitragen,

dass die Ernährung der vielen

Hunde im Tierheim auf Dauer

sichergestellt ist.

Spendenkonto

Kontonummer: 3594 6829

Hypo Vereinsbank München

BLZ 700 202 70

(wie im Bericht) oder ein bereits eingespieltes

Team sich entschließen, einen

Auslandseinsatz wahrzunehmen.

Wer Interesse an unseren Projekten

in Rumänien und Ungarn hat, nimmt

bitte Kontakt zu Petra Zipp auf. Sie

koordiniert den Auslandstierschutz für

den bmt. Tel: 06035/ 5916

Nach ihrer Ankunft besprechen die

deutschen Tierärzte mit ihren beiden

rumänischen Kollegen das Vorgehen

der nächsten Tage und entscheiden, jeweils

zu Dritt an zwei Einsatzorten (Tierheim

Brasov und Autokonzern in Mioveni)

zu arbeiten.

Während das "Brasov-Team" unter guten

Bedingungen (moderne Quarantäne,

verstellbarer OP-Tisch, Aufwachraum,

Nachversorgung etc.) kastriert,

muss die "Dacia-Mannschaft" gewaltig

improvisieren. Zwei leere Büros, vom

Werk zur Verfügung gestellt, werden

notdürftig zu Behandlungsräumen umfunktioniert

und aus Schreibtischen und

Europaletten OP-Tische gebaut.

Wie die Tierärzte im Laufe der nächsten

Tage erleben, werden die Hunde bei jedem

Schichtwechsel der Konzern-Mitarbeiter

gefüttert und offensichtlich

auch von der Geschäftsführung mit

Wohlwollen behandelt. Die einzigen

Hunde, die sich tagsüber auf dem riesigen

Areal zeigen, sind

Hündinnen mit ihren Welpen;

die anderen kommen

nur zu den Fütterungszeiten

aus ihren oft unzugänglichen

Verstecken. "Wie viele

Hunde wirklich hier leben",

sagt der deutsche

Tierarzt Johannes Tal, "ob

die Population ständig

durch neue Hunde aus der

Umgebung erweitert wird,

die einen Schlupfwinkel auf

das umzäunte Gelände gefunden

haben, weiß hier

niemand."

Weil die furchtsamen Tiere keinen

Menschen in ihre Nähe lassen, werden

sie aus dem Wagen heraus mit einem

Blasrohr narkotisiert und schlafend auf

den OP-Tisch gelegt. Nach dem Eingriff

und einer allgemeinen Untersuchung,

oft werden zum Beispiel kleine Hauttumore

entfernt oder eine Hepatitis behandelt,

bekommen die operierten

Hunde Halsband und Marke, um sie

von den unkastrierten Tieren unterscheiden

zu können. Die jüngeren

Hunde, deren Halsumfang ja noch

wächst, werden nur an kleinen Stellen

geschoren, um die schnellere Zuordnung

zu ermöglichen.

Erstklassige Zusammenarbeit

Auch im Tierheim in Brasov wird Hand

in Hand gearbeitet - eine unbedingte

Voraussetzung für Auslandseinsätze

unter den oft erschwerten Bedingungen

Das Tierheim in Brasov mit etwa 900 Hunden

vor Ort. "Das Fachwissen unserer rumänischen

Kollegen", sagt Tom Koch,

"hat uns gewaltig imponiert."

Dank der Finanzierung des bmt konnte

inzwischen die moderne Quarantäne

fertiggestellt werden. Doch es fehlt

weiter an Instrumenten und Geräten,

die für die genaue Diagnose unerlässlich

sind. Es gibt weder Röntgengerät

noch Ultraschall, Mikroskop oder differenziertere

Möglichkeiten zur Blutuntersuchung.

"Geholfen

wäre unseren Kollegen", erklärt

Tierarzt Koch, "schon

sehr mit einem Mikroskop."

Bei diesem Auslandseinsatz

konnten 60 Hunde kastriert

und, wenn nötig, medizinisch

behandelt werden."

Wir hätten gemeinsam

noch viel schaffen können",

sagt Tom Koch, "wenn wir die Zeit gehabt

hätten." Doch länger als vom 27.

März bis 4. April können sich die Tierärzte

von ihren beruflichen Verpflichtungen

nicht freimachen. Begeistert äußern

sich die Tiermediziner nach ihrer

Rückkehr über die landestypische Gastfreundschaft

und die große Herzlichkeit,

mit der sie aufgenommen wurden.

"Das Projekt des bmt", so Tom Koch",

wird von der Bevölkerung unterstützt

und als einzig sinnvoller Weg angesehen,

Tierelend zu vermeiden."

Das Recht der Tiere 2/2004

23


R EISEZEIT

Die Bestimmungen für mitreisende

Vierbeiner in der EU

Reiseerleichterungen für Hunde

NEUER EU-HEI

Ab 3. Juli 2004 soll es einen Heimtierpass für Hunde,

Katzen und Frettchen geben. Der Ausweis wird für die

gesamte Europäische Union gelten und enthält alle

wichtigen Informationen rund um den Vierbeiner auf

einen Blick. Damit werden die unterschiedlichen Bescheinigungen,

die EU-Mitgliedsstaaten für die Einrei-

Das Recht der Tiere 2/2004

Die Verordnung (EG) Nr. 998/2003

schreibt vor, dass für Hunde, Katzen

und Frettchen ab dem 3. Juli 2004 ein

Heimtierpass mitzuführen ist. Dieser

Ausweis bescheinigt, dass das reisende

Tier über einen gültigen Impfschutz gegen

Tollwut verfügt. Die Schutzimpfung

muss mindestens 30 Tage vor und darf

höchstens 12 Monate vor dem Grenzübertritt

durchgeführt worden sein. Der

neue "Reisepass" wird von allen Ländern

der EU anerkannt - und gilt im

Übrigen nicht für andere Haustiere wie

Hamster, Kaninchen, Meerschweinchen

oder Vögel.

Reisende Heimtiere müssen zur eindeutigen

Identifikation tätowiert oder

mit einem Mikrochip gekennzeichnet

sein. Diese individuelle Kennzeichnungsnummer

soll im Pass eingetragen

sein, damit das Dokument dem Tier

eindeutig zugeordnet werden kann.

Dazu ein Hinweis: Die Kennzeichnung

mittels einer Tätowierung ist nur noch

bis zum 3. Juli 2011 zulässig.

Der Pass kann weiter Angaben über

sonstige Impfungen und tierärztliche

Untersuchungen enthalten, die Aufschluss

über den Gesundheitszustand

des Tieres geben. Dies wiederum führt

zur Vereinfachung tierärztlicher Kontrollen

bei der Einreise in tollwutfreie

bzw. unter Kontrolle stehende Staaten.

Denn der Pass bescheinigt, dass sich

das Tier in einem guten Gesundheitszustand

befindet.

Optisch unterscheidet sich der neue

Pass von den gelben "Internationalen

Impfausweisen" durch seinen blauen

Einband, der mit dem gelben Sternenkranz

des Europa-Emblems versehen

ist. Außerdem sind die Worte "Europäische

Union" und der Name des ausstellenden

Mitgliedstaates aufgedruckt.

Weiter stehen auf dem Einband die

Ausweisnummer des ausstellenden Mitgliedsstaates

und die individuelle

Kennnummer. Das Format des Passes

beträgt 100 x 152 mm, und er wird in

der Amtssprache des ausstellenden

Mitgliedsstaates und in englischer

Sprache ausgefertigt. Die neuen Pässe

sind voraussichtlich ab Mitte Mai in den

Tierarztpraxen erhältlich.

Noch keine vollständige Harmonisierung

Die neuen Regelungen gelten grundsätzlich

für den privaten Reiseverkehr

mit bis zu fünf Tieren innerhalb der EU.

Eine vollständige Harmonisierung

konnte jedoch noch nicht erreicht werden.

Für die Einreise mit Haustieren in

die Mitgliedsstaaten Irland, Schweden

und das Vereinigte Königreich gelten

für eine Übergangsfrist von fünf Jahren

weitergehende Anforderungen, wie der

Nachweis des Impferfolges gegen Tollwut

durch Antikörperbestimmung sowie

der Nachweis einer Behandlung

gegen Bandwürmer und Zecken.

Weitere

Übergangsregelungen:

Die bisher verwendeten gelben "Internationalen

Impfausweise" bleiben weiter

gültig, wenn

sie vor dem 3. Juli 2004 ausgestellt

wurden,

sie noch gültig sind (bis 12 Monate

nach der letzten Tollwutimpfung.

Bei Reisen nach Irland, Schweden

und in das Vereinigte Königreich

müssen die strengeren Auflagen

hinsichtlich der Fristen zum Nachweis

des Tollwutschutzes beachtet

werden),


die inhaltlichen Anforderungen des

neuen Heimtierpasses eingehalten

werden (bezüglich der Angaben

zum Tier, seiner individuellen

Kennzeichnung und seines Halters).

Nebenstehend finden Sie weitere Regelungen

einzelner EU-Mitgliedsstaaten.

Da sich Bestimmungen kurzfristig

ändern können, bitten wir Sie, vor Reiseantritt

die jeweiligen Botschaften zu

kontaktieren.

Text: Mike Ruckelshaus

24


R EISEZEIT

und Katzen

MTIERPASS

se in ihr Land verlangten, überflüssig und das

Reisen mit dem tierischen Begleiter unkomplizierter.

Wie der Haustierpass aussehen

wird und welche individuellen Einreisevorschriften

die alten und neuen Mitgliedsstaaten

verlangen, haben wir für Sie recherchiert.

Dänemark: Pitbull-Terrier und Tosa Inus sowie deren Kreuzungen

dürfen nicht eingeführt werden

Deutschland: Nach dem Hundeverbringungs- und Einfuhrbeschränkungsgesetz

vom 12. April 2001 ist die Einfuhr von

im Ausland erworbenen Pitbull-Terriern, American-Staffordshire-Terriern,

Staffordshire-Bullterriern, Bullterriern und deren

Kreuzungen verboten.

Estland: Bei der Einreise muss das Tier mindestens 10 Wochen

alt sein und über ein amtstierärztliches Gesundheitszeugnis

in Englisch, Russisch oder Estnisch verfügen.

Finnland: Tierärztliche Bescheinigung über eine Behandlung

gegen Bandwürmer für Hunde und Katzen, die älter als drei

Monate sind. (www.mmm.fi/el/julk/lemtuoen.html)

Frankreich: Für die Einreise von mehr als 5 Tieren und bei

Tieren, die jünger als 4 Monate sind, wird eine Einfuhrerlaubnis

des Ministère de l'Agriculture in Paris benötigt. Pitbull-

Terrier, Boerbulls und Hunde, die den Tosa-Rassen zuzuordnen

sind, dürfen nicht eingeführt werden. Wach- und

Schutzhunde dürfen nur mit Maulkorb und Leine geführt werden.

Geburtszeugnis und Stammbaum sind vorzulegen.

GB, Nordirl. Amtstierärztliches Gesundheitszeugnis, Tollwut-

Antikörpertest, Behandlung gegen Bandwürmer und Zecken

24 - 48 Stunden vor der Einreise. Erlaubte Einreiserouten: Per

Schiff von Calais und Ostende nach Dover, von Cherbourgh

nach Poole und von Roscoff nach Plymouth; durch den Kanaltunnel

von Calais nach Folkestone und mit dem Flugzeug

von Frankfurt/M. nach London-Heathrow. Nicht eingeführt

werden dürfen: Pitbull-Terrier, Tosa Inus, Dogo Argentinos und

Fila Brasilieros. (www.britischebotschaft.de/de/embassy/agriculture/pets.)

Irland: Einreise nur über England oder Nordirland !

Italien: Maulkorb und Leine sind mitzuführen.

Litauen: Für die Einreise wird eine amtstierärztliche Gesundheitsbescheinigung

benötigt. (www.vet.lt.)

Niederlande: Einfuhrverbot für Pitbull-Terrier. American

Staffordshire Terrier und Bullterrier müssen mit Maulkorb und

Leine geführt werden.

Österreich: Für größere Hunde sind Maulkorb und Leine

vorgeschrieben. (www.oesterreichische-botschaft.de)

Polen: Amtstierärztliches Gesundheitszeugnis (höchstens 3

Tage alt)

Portugal: Amtstierärztliches Gesundheitszeugnis (vor der Abreise

ausgestellt). Es gilt Leinen- und Maulkorbzwang. Außerdem

herrschen starke Beschränkungen bzgl. der Mitnahme

von Hunden in der Öffentlichkeit.

Schweden: Tollwut-Antikörpertest (frühestens 120, spätestens

365 Tage nach letzter Tollwutimpfung), Entwurmung 10

Tage vor der Einreise, Leinenzwang. (www.sjv.se/net/SJV/Home)

Slowakische Rep.: Tierärztliches Gesundheitszeugnis (nicht

älter als 3 Tage)

Slowenien: Tierärztliches Gesundheitszeugnis, Leinen- und

z. T. Maulkorbzwang.

Tschechien: Leinen- und Maulkorbzwang in öffentlichen Verkehrsmitteln

und öffentlichen Plätzen.

Ungarn: Leinen- und z. T. Maulkorbzwang. Hunde der Rassen

Bullterrier, American Staffordshire Terrier, Staffordshire

Bullterrier, Bullmastiff, Tosa Inu, Dogo Argentino, Bordeaux

Dogge, und Fila Brasiliero dürfen nur einreisen, wenn sie kastriert

sind.

Das Recht der Tiere 2/2004

25


LV BERLIN

Großes Tierschutzprojekt

Spektakuläre Umsiedel

NATURNAHER LEBENSRAUM IM WILDPA

Das Recht der Tiere 2/2004

23. April, Wildpark Johannismühle:

Fasziniert beobachten

die Gäste, wie die Tür des

Transportbehälters aufgezogen

und die Wölfin die ersten

zaghaften Schritte in der fremden

Umgebung macht. Dann

wird die zweite Box geöffnet,

und Rufus folgt seiner Gefährtin.

Als sich die beiden Grauwölfe

wiedersehen, legen sie

die Schnauzen aneinander und

verharren kurz in dieser Stellung...

"Dieses Gelände", sagt Dr. Jörg Styrie,

Leiter des Landesverbandes Berlin, und

zeigt auf das umzäunte Waldareal "bietet

Akela und Rufus alles, was sie zum

artgerechten Leben brauchen." Auf einer

naturbelassenen Fläche von 7000

Quadratmetern können die fünf und

sieben Jahre alten Grauwölfe Verstecke

und Höhlen bauen, im eigens angelegten

Teich baden und haben, dank

der erhöhten Lage des weitläufigen

Freigeheges, ihre Umgebung ständig

im Blick.

"Die Beobachtung der anderen Tiere ",

sagt Frithjof Banisch, geschäftsführender

Gesellschafter des Wildparks Johannismühle,

"wird für die Wölfe eine

faszinierende, völlig neue Erfahrung

sein." Aus diesem Grund hatte sich die

Wildpark-Leitung für das leicht erhabene

Gelände inmitten des Waldes entschieden.

"Von hier aus", erklärt Frithjof

Banisch und deutet auf das in der Ebene

vorbeiziehende Rotwild, "entgeht

den Beiden keine Bewegung."

Das Projekt

Akela und Rufus lebten mehrere Jahre

als Gnadenbrottiere des bmt in einer

kleinen privaten Tierstation nördlich

von Berlin. Doch dann erfuhr Dr. Styrie

von der Existenz des Wildparks Johannismühle

im Baruther Urstromtal und

Wölfin Akela hat sich sehr schnell eingewöhnt

nahm Kontakt zur Geschäftsführung

auf. Sein Ziel: Die Umsiedelung der

Grauwölfe in einen artgerechten Lebensraum.

Der Park, zwischen Berlin und Cottbus

gelegen, hat es sich zur Aufgabe gemacht,

ehemals heimische Wildtiere

der Region in naturnaher Umgebung

zu zeigen. Auf 100 Hektar Fläche können

Besucher Tierarten beobachten,

die sich nach der Eiszeit in der einmaligen

Vielfalt der Brandenburger Landschaft

angesiedelt hatten. Mit Kiefern,

Schonungen, Mischwald,

Feuchtbiotopen

und Tro-ckenrasen

entspricht der

Lebensraum den früheren

für Brandenburg

typischen

Wald-, Wiesen- und

Teichlandschaften.

Heute leben im Wildpark

Mufflons,

Schwarz-, Rot- und

Damwild, Wisente,

Auerochsen, Wildpferde,

Fisch- und

Seeadler, Luchse,

Bären und Wölfe.

"Die Grauwölfe", erklärte Frithjof Banisch

im ersten Gespräch im Herbst

2003 mit Dr. Jörg Styrie, "passen gut in

die Philosophie des Wildparks." Man

suchte ein entsprechendes Gelände inmitten

hoher Kiefern und besprach die

organisatorische Seite. Der bmt würde

die Kosten für das Freigehege und die

Betreuung der Tiere zahlen und der

Park das Gelände, Mitarbeiter und

nicht zuletzt sein umfangreiches Wissen

im Umgang mit Wildtieren zur Verfügung

stellen.

26

Die Wölfin wird behutsam verladen


ung von Wölfen

LV BERLIN

RK JOHANNISMÜHLE

Die Umsiedelung

Der Umzug der Wölfe ist für den 23.

April geplant. Mitarbeiter und Tierarzt

des Wildparks treffen gegen 10.00 Uhr

mit Dr. Styrie vor der kleinen Tierstation

im Norden Berlins ein. Mit einem Narkosegewehr

sollen Akela und Rufus betäubt,

untersucht und geimpft und zügig

in Transportboxen verladen

werden. Während die Narkotisierung

der fünfjährigen Wölfin unproblematisch

verläuft, ist der Rüde hoch erregt

und lässt niemanden in seine Nähe.

Immer wieder sucht der Tierarzt eine

geeignete Position hinter dem Gehege,

um den Wolf sicher betäuben zu können.

Und endlich steht Rufus einen kurzen

Moment still und der Tierarzt setzt

sein Narkosegewehr an.

"Wie wird der Rüde reagieren?", fragen

sich Tierarzt und Frithjof Banisch nach

der Ankunft im Tierpark. Denn allen

Beteiligten ist klar, dass der Wolf unter

extremem Stress eingeschlafen ist und

ebenso angespannt in seiner Transportkiste

aus Stahl erwachen wird.

Presse und Parkbesucher haben sich zu

diesem angekündigten Ereignis am

Zaun eingefunden. Gespannt schauen

sie auf die beiden im Freigehege stehenden

Boxen, in denen die noch unter

Betäubung stehenden Wölfe ruhen.

Ganz langsam wird die Tür von Akelas

Transportkiste über eine Konstruktion

außerhalb des Zaunes geöffnet. Die

Wölfin setzt sich auf, schaut vorsichtig

und überrascht hinaus. Sie wagt nicht

die entscheidenden Schritte in ihre

neue Umgebung. Doch plötzlich

springt sie mit einem gewaltigen Satz

heraus und läuft den Hügel hinauf ans

andere Ende des Geländes und dreht

sich um. Sie scheint zu warten...

Auch Rufus verlässt, noch unsicher

durch die Wirkung der Narkose, seine

Box und sucht mit den Augen seine Gefährtin.

Er läuft ihr nach und begrüßt

sie mit einer Liebkosung. Die beiden

Grauwölfe legen für Momente die

Schnauzen aneinander und brechen

dann gemeinsam auf, zur Erkundung

ihres neuen Lebensraumes. Die Umsiedlung

ist für alle Seiten erfolgreich

verlaufen - und den Tieren steht nun eine

schöne Zukunft bevor.

Text und Fotos: Claudia Lotz

Wollen Sie Akela und

Rufus mit uns zusammen

besuchen?

Sollten wir Ihr Interesse an diesem

Projekt geweckt haben, sind Sie herzlich

eingeladen, mit uns am 29. Mai

einen Ausflug zu den beiden Wölfen

zu unternehmen. Wir starten mit einem

Bus um 9.00 Uhr von Berlin-Heiligens

und werden ca. gegen 17.00

Uhr wieder daheim sein.

Wir freuen uns auf eine schöne Fahrt

mit Ihnen und auf einen anregenden

Tag in einer der vielfältigsten Naturlandschaften

Deutschlands. Der Wildparkleiter

wird mit uns eine Führung

machen, und Sie werden erstaunt

sein, welche Fülle an Informationen

Sie über unsere heimische Tier- und

Pflanzenweltwelt bekommen. Bitte

melden Sie sich umgehend, wenn Sie

an unserem Ausflug teilnehmen

möchten. Sie können uns gerne anrufen,

Tel: 030/ 43 65 58 63, ein Fax

(43 65 58 65) mit Ihrer Zusage schikken

oder an den Landesverband Berlin

mailen (JStyrie@aol.com)

Und nun möchten wir Sie zum Abschluss

innig um eines bitten: Unterstützen

Sie dieses sinnvolle Projekt!

Bitte übernehmen Sie eine Patenschaft

oder beteiligen Sie sich an den Kosten

der Wolfsanlage mit einer zweckgebundenen

Spende. Sie helfen uns und

machen damit solche Initiativen wie

diese überhaupt erst möglich. Können

wir auf Sie zählen?

Das Recht der Tiere 2/2004

Das neue Gehege mit Wasserstelle

27


LV BADEN-WÜRTTEMBERG

Tierschutzunterricht für be

ERSTER SCHULT

Ein dreibeiniger Hund als

Asteri im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit

Wie Sie wissen, gehört der Tierschutzunterricht zu

den wichtigsten bmt-Projekten. Seit vielen Jahren

engagiert sich der Verein, Kindern und Jugendlichen

die Belange des Tierschutzes sensibel und

sachkundig nahe zu bringen. Die Pädagogin Frau

Rudolph, Mitarbeiterin des Landesverbandes Baden-Württemberg,

hat in Siegmaringen eine Klasse

mit behinderten Schülern besucht.

Das Recht der Tiere 2/2004

Am 19. März fuhr ich mit Asteri, meiner

dreibeinigen Pointerhündin, in die Rall-

Schule zum Tierschutzunterricht. Diese

Schule ist integriert in die Mariaberger

Heime für Behinderte. Im vergangenen

Jahr hatte es bereits ein längeres Tierschutzprojekt

in der Peter-Rossegger-

Schule in Reutlingen gegeben, denn

behinderte Menschen und Tiere liegen

mir schon immer sehr am Herzen.

Für Asteri war es der erste Schultag ihres

Hundelebens und für die Schüler

der erste Tag mit einem Hund im Unterricht.

Schon auf dem Parkplatz wurden

wir überaus freudig begrüßt, wobei die

Begeisterung natürlich in erster Linie

meiner Hündin galt. Und sie blieb auch

in der ersten Stunde der Mittelpunkt des

Unterrichts. "Warum hat sie nur drei

Beine? Hat sie Schmerzen? Wo kommt

sie her? Darf ich sie anfassen?", diese

Fragen schwirrten durch den Raum.

Sechs Paar Hände konnten nicht aufhören,

Asteri zu streicheln. Sie genoss

es mit der Ruhe und Gelassenheit, die

ich immer so an ihr bewundere. Ich erzählte

den Schülern von Asteris Schicksal

und davon, wie selbstverständlich

sie mit nur drei Beinen lebt.

Im weiteren Verlauf des Unterrichts

ging es jedoch auch um all die anderen

Tiere, die gequält und schlecht gehalten

werden. Frau Nitschke, die Klassenleiterin,

hatte eine gute Vorarbeit

geleistet. Am Beispiel des Märchens

von den Bremer Stadtmusikanten hatte

sie die Schüler vertraut gemacht mit

Tieren, die alt und schwach geworden

waren und nun abgeschafft werden

sollten, weil sie nicht mehr nützlich waren.

Wunderschöne Bilder dieser Tiere

und Texte der Schüler schmückten

schon die Wände des Klassenzimmers.

Unser Thema vor dem Osterfest war

die qualvolle Haltung der Legehennen.

Das Bildmaterial dazu beeindruckte die

Schüler sehr. Ich hatte einen Käfig mitgebracht,

in dem die Hennen in der Legebatterie

dicht gedrängt untergebracht

sind. Und um den Kindern zu

zeigen, wie sich die Hühner wohl fühlen

müssen, ließ ich vier Schüler unter

einem Tisch sitzen, unter dem sie kaum

Platz hatten. "Was würdet ihr tun, wenn

ihr Tag für Tag so leben müsstet?" Die

Antworten kamen prompt: "Ich würde

kratzen, beißen, boxen. Ich wäre ganz

traurig. Ich würde krank werden. Ich

würde weinen."

"Wir wollen keine Eier

mehr essen von den

armen Hühnern"

So sagten sie alle am Ende des Unterrichts.

Kein Ei mit der 3! Dieser Satz hatte

sich sehr schnell eingeprägt.

Abschließend besuchten wir gemeinsam

einen kleinen landwirtschaftlichen

So beengt müssen sich die Hühner

in ihren Käfigen fühlen ...

Betrieb, der zu den Mariaberger Heimen

gehört. Dort können Schüler ein

Praktikum absolvieren, und ältere Behinderte

finden dort einen Arbeitsplatz,

da der Hof ein Teil der Werkstätten für

Behinderte ist. Natürlich interessierten

uns besonders die Hühner. 69 Hennen

und ein stolzer Hahn dürfen dort nach

Herzenslust im Freien picken und

scharren und bewohnen einen hellen

und geräumigen Stall. Die Eier, die wir

mitnahmen, schmeckten einfach prima

und einen Teil davon bemalten die

Schüler für den Osterstrauß in ihrem

Klassenzimmer.

Text und Fotos: Frau Rudolph

28


Anschauungsunterricht im Freien

hinderte Schüler

AG FÜR ASTERI

“Tierschutz-Hilfslehrer”

NOTFALL

GST

V OLLENBORN

Wer schenkt Maximilian ein neues Zuhause?

bmt-Mitglied Kornelia Rohlf hat einen Kater aus schlechter Haltung befreit und ihn bei sich solange

aufgenommen, bis sich neue liebevolle Besitzer finden. Vielleicht möchten Sie Maximilian

helfen, wieder Zutrauen zum Menschen zu gewinnen? Kornelia Rohlf stellt Ihnen den Kater

hier vor:

Über eine Sozialarbeiterin erfuhr ich vor kurzem von

einem Kater, der von einer sozial schwachen Familie

im Landkreis Einbeck gehalten wurde. Das Tier sehe

sehr schlecht aus und kratze ständig an den Türen,

um ins Freie zu kommen, sagte mir die Sozialarbeiterin.

Es dauerte Wochen, bis ich die Familie überzeugt hatte,

den Kater freiwillig herauszugeben. Er war in einem

erbarmungswürdigen Zustand, bis auf die Knochen

abgemagert, das Fell großflächig abgeleckt und

offensichtlich sehr verstört. Maximilian,

so nannte meine Tochter den

Kater, der von der Familie nicht einmal

einen Namen bekommen hatte,

wurde vom Tierarzt auf ca. 4

Jahre geschätzt, kastriert, geimpft,

entwurmt und der Zahnstein entfernt.

Weil er vermutlich längere

Hungerphasen hinter sich hatte,

musste ich ihn anfänglich vorsichtig

füttern, um seinen Magen nicht zu

überlasten.

Der Kater zeigt auch jetzt noch

deutliche Verhaltensstörungen. Er

lässt sich zwar gerne streicheln,

greift dann jedoch ohne Warnung

gezielt an und fordert wieder Liebkosungen, um erneut

seinen sehr schmerzhaften Angriff zu starten.

Wir suchen für den freiheitsliebenden Kater dringend

ein neues, sehr liebevolles Zuhause bei katzenerfahrenen

Menschen. Sie müssten dem verstörten Tier mit

viel Geduld und Zuneigung begegnen, ihn jedoch

nicht unter Zwang setzen. Auf keinen Fall sollten Kinder

im Haushalt wohnen.

Kontakt: Kornelia Rohlf, Tel: 05532/ 63 57

Maximilian kurz nach seiner Ankunft

Das Recht der Tiere 2/2004

29


LV HESSEN

WENN KÜKEN

GEBURTSTAG FEIERN...

Preis der Quade-Stifung an 3. Klasse

Verbraucherschutzministerin Renate Künast hatte einen Wettbewerb

für Schüler ausschreiben lassen. Das Thema - Wie lebt eine Henne?

- begeisterte auch die 3. Klasse der Altenstädter Janusz-Korczak-

Schule (Kreis Wetterau). Die Kinder bewarben sich, angeregt von

ihrer interessierten Klassenlehrerin, bei dem bundesweiten

Wettbewerb. Und damit begann das Abenteuer...

So aufregend hätte ich

mir meinen Geburtstag bestimmt

nicht vorgestellt: Erst

einmal wurde meiner Klasse ein

Preis für Engagement im Tierschutz

verliehen - und dann

schlüpfte auch noch ein kleines

Küken mit meinem Namen

Alexandra aus seinem Ei.

Erst einmal brachte ein Lehrer sein eigenes Huhn mit in die Schule. Die Henne

wurde Emma getauft und stimmte die Drittklässler auf ihren Besuch in der

Kinderakademie in Fulda ein. Hier erfuhren die Mädchen und Jungen mehr über

Hühner, ihre natürlichen Bedürfnisse und die verschiedenen Haltungssysteme. Wie

sehr das Geflügel seine Freiheit genießt, konnten die Kinder später anschaulich bei

einer artgerechten Hühnerhaltung beobachten. Die Tiere badeten im Sand, pickten

Körnchen und scharrten in der Erde - Verhaltensweisen, die sie zum Wohlbefinden

brauchen und die ihnen im Käfig versagt sind.

Dann wurde ein geliehener Brutapparat im Klassenzimmer aufgestellt und die Eier

mit Namen beschriftet. Täglich erwarteten die Drittklässler nun das Schlüpfen der

Küken und waren trotz aller Spannung hochkonzentriert bei der Sache. Im

Sachkundeunterricht ging die Klasse der Frage nach, wie Verbraucher das Alter

der Eiern feststellen können und aus welchen Haltungsformen die von zu Hause

mitgebrachten Eier stammten.

Im Kunstunterricht wurden Plakate mit dem Slogan "Freiheit schmeckt besser"

gebastelt, Hühnermodelle entworfen, T-Shirts bemalt und

eine Demo mit Spruchbändern gegen die Käfighaltung

durch Altenstadt organisiert. Die Schüler verteilten auf

dem Wochenmarkt Flugblätter an die Passanten und sangen

ein extra einstudiertes Lied. Abschließend ließen sie

Luftballons mit Infokärtchen über Eier steigen.

Das Recht der Tiere 2/2004

Für ihr vorbildliches Engagement im Tier- und

Naturschutz erhielt die stolze 3. Klasse den Preis der

Ehepaar Quade-Stiftung (200 Euro). Und just an diesem

Tag beschloss das Küken Alexandra die Eierschalen zu

sprengen und das Licht der Welt zu erblicken, so als

würde es der großen Alexandra einen ganz eigenen

Geburtstagsgruß schicken.

Text: Claudia Lotz

Fotos: LV Hessen

30

Arbeit aus dem Kunstunterricht der 3. Klasse


F RANZISKUS

T IERHEIM

Henriette vor ihrer Operation

Nach der Operation: Eine liebe und anschmiegsame Katze

Autoaggression beim Tier

WENN KÖRPERTEILE ZUM FEIND WERDEN

Vor einigen Monaten wurde eine Katze im Franziskus Tierheim abgegeben.

Henriette, 5 Jahre alt, gut gepflegt, zutraulich und gesund,

überforderte die Besitzer durch ihr völlig unkontrollierbares Verhalten:

Aus unerfindlichen Gründen griff sie mehrmals täglich ihren

Schwanz an und verletzte sich schwer.

Auch Dr. Jens Klemme stand wie sein

Kollege, der Henriette schließlich auf

Wunsch der Katzenhalter ins Tierheim

brachte, vor einem Rätsel. Das Tier, so

hatten die verzweifelten Besitzer angegeben,

fügte sich tiefste Verletzungen

zu, in dem es seinen Schwanz biss und

mit den Krallen attackierte. Der

Schwanz, aufgerissen und blutig, wurde

genäht, verbunden - und wieder im

Zustand größter Wut angegriffen.

"Aus der Humanmedizin", sagte Tierheimleiter

Klemme, "sind solche Autoaggressionen,

also gegen die eigene

Person gerichtete Zerstörungswut." Da

empfinden Menschen plötzlich Finger,

Hände oder Zehen als nicht zu sich

gehörig. Sie verletzten sich in dem Bestreben,

diese körperfremden "Bestandteile"

los zu werden. Zwar passte

dieses Erkrankungsschema auf den

offensichtlich zentralnervösen Defekt

der Katze - doch kennt die Tiermedizin

diese autoaggressiven Tendenzen

bei Tieren nicht.

Henriettes Autoaggressionen kündigten

sich meist schon durch ihr Gebrüll

an. "Als wenn Kleinkinder markerschütternd

schreien", beschrieben die

Tierheimmitarbeiter diese phasenweise

auftretenden Anfälle. Die Katze

wurde intensiv untersucht, sogar der

Kopf geröntgt, weil selbst ein Tumor im

Gehirn ausgeschlossen werden sollte.

Alle Befunde waren jedoch negativ.

"Ich habe mich mit mehreren Kollegen

beraten", sagte Dr. Jens Klemme", und

kam wie alle anderen zu dem einzig

möglichen Schluss, den Schwanz abzunehmen."

Und nachdem die Katze wieder

einmal mit lautem Gekreische und

gesträubtem Buckel ihren Schwanz besonders

schwer verletzt hatte, wurde er

schließlich amputiert.

"Es war tatsächlich erstaunlich", erinnerte

sich der Tierarzt, "welche tiefgreifende

Veränderung mit diesem Tier

vorging. Aus der ständig unruhigen

Glücklich im neuen Zuhause!

Stellenangebot

Engagierte

Tierheimleitung

gesucht!

Wir suchen zum 1.Juni/ 1.Juli eine engagierte

Tierheimleitung mit Herz und Verstand

für unsere Tiere. Wenn Sie

eine abgeschlossene Ausbildung als

Tierpfleger und Berufserfahrung im

Heimtierpflegebereich haben

mit schwierigen Hunden keine Probleme

haben

führungsstark, durchsetzungs- und

teamfähig sind

organisieren und koordinieren können

handwerklich geschickt sind

in Stresssituation die Ruhe bewahren

einen Führerschein Klasse 3 besitzen

gute PC-Kenntnisse haben

40 Wochenstunden arbeiten möchten,

dann freuen wir uns über Ihre schriftliche

Bewerbung an:

Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V.

Landesverband Hamburg,

Lokstedter Grenzstraße 7,

22527 Hamburg

und fauchenden Katze wurde innerhalb

von Tagen eine sanfte, in sich ruhende

Persönlichkeit."

Henriette wurde kurz darauf vermittelt

und ist nach Auskunft ihrer neuen Besitzerin

eine liebevolle, anschmiegsame

und fröhliche Katze.

Das Recht der Tiere 2/2004

31


TH WAU-MAU-INSEL

Seniorenpatenschaften

EIN HERZ FÜR

Bumbum

Schöner Lebensabend für

"Setzen Sie ihn einfach irgendwo dazu, er ist verträglich", sagt die Frau gleichgültig und wendet sich zum

Gehen. Kein Blick zurück für den grauhaarigen Hund, der 14 Jahre lang der enge Gefährte ihrer kürzlich

ins Pflegeheim übersiedelten Mutter gewesen ist. Im Tierheim Wau-Mau-Insel sitzen viele ältere Hunde,

Katzen und Kleintiere. Fast ein Viertel aller Fund- und Abgabehunde sind Senioren. Um die Vermittlungschancen

der etwas betagteren Vierbeiner zu erhöhen, hat Tierheimleiter Karsten Plücker ein

engagiertes Projekt ins Leben gerufen: Wer eine "Seniorenpatenschaft eingeht, kann das Tier weiterhin

bei Bedarf bei den Tierheimtierärzten behandeln lassen.

"Ich habe wirklich überhaupt kein Verständnis

für Besitzer", sagt Karsten Plükker,

"die ihre Tiere bei uns abgeben,

nur weil sie alt werden. Wir alle werden

eines Tages alt, das ist der natürliche

Lauf des Lebens. Und wir möchten

auch nicht abgeschoben werden von

den Menschen, die wir lieben..." Als

ganz besonders traurig empfindet es

das Team von der Wau-Mau-Insel,

wenn Vierbeiner zum Sterben ins Tierheim

gebracht werden. "Er hat sowieso

nicht mehr lange", erklären dann Tierbesitzer

oft ihr eigennütziges Verhalten.

Gerade für diese von ihren Haltern so

schmählich aufgegebenen Hunde, Katzen

und Kleintiere setzt sich der neue

Tierheimleiter in Kassel nachdrücklich

ein. "Für einen kranken, aber noch

schmerzfrei lebenden Hund", sagt Karsten

Plücker", zählt jeder Tag, den er mit

Menschen seines Vertrauens verbringen

darf." Und wie aus der Humanmedizin

bekannt, gibt es auch wundervolle

Beispiele von Tieren, denen die

innige Liebe und Zuwendung von vertrauten

Menschen Kraft gibt, ihrer

Krankheit länger zu widerstehen.

Doch scheuen viele Interessenten erfahrungsgemäß

die Aufnahme eines

Das Recht der Tiere 2/2004

32

Philipp, 14 J.

Wohnungskatze

Ambrosius, 14 J.

Wohnungskatze

Moritz mit Karsten Plücker


I N LETZTER M INUTE

ALTE TIERE

betagte Vierbeiner

betagten Vierbeiners, weil sie höhere

Tierarztkosten befürchten. Dieser

Hemmschwelle möchte der Tierheimleiter

mit seinem Projekt entgegenwirken:

Wer eine Seniorenpatenschaft

übernimmt, braucht sich um zusätzliche

Ausgaben für seinen Schützling

keine Sorgen zu machen. Die Kosten

für Behandlung und Medikamente

trägt das Tierheim nach Absprache.

"Für uns ist es wichtig", erläutert Karsten

Plücker das Entgegenkommen der

Wau-Mau-Insel, "dass unsere alten Tiere

liebevoll versorgt werden und nicht

ihre letzten Monate oder Jahre einsam

im Tierheim verbringen müssen."

Wichtig außerdem: Jeder Hund, der

aus Alters- oder Krankheitsgründen

unvermittelbar ist, "besetzt" einen Platz

im Tierheim, der für andere, in Not geratene

Tiere nicht mehr zur Verfügung

steht.

NOTFALL

Kleine, bezaubernde Lucy

"Wer Lucy zu sich nimmt", sagt Tierarzt Dr. Wagner, "wird bestimmt eine

Menge Spaß mit ihr haben. Sie ist eine ganz liebe, fröhliche und verspielte

Hündin." Lucy ist ein Dackelmischling und ca. 5 Monate alt. Auf dem Bild

trägt sie (kurzfristig) einen kleinen Schuh, weil Dr. Wagner gerade ihre

Pfoten behandelt und festgestellt hat, dass einige Zehenglieder fehlen.

"Die junge Hündin ist völlig fit und unternehmungslustig", sagt der Tierarzt,

"die fehlenden Zehenglieder beeinträchtigen sie überhaupt nicht

beim Laufen." Im Augenblick lebt Lucy, die als ausgewachsener Hund ungefähr

Dackelgröße erreichen wird, in einer Pflegestelle in Baden-Württemberg

und hat dicke Freundschaft mit der Wagnerschen Hündin geschlossen.

Wer sich für Lucy interessiert, nimmt bitte Kontakt zum LV Baden-Württemberg

auf. Tel: 07129/6 09 93

An Dackeldame Bumbum wird deutlich,

welche individuellen Schicksale

das Projekt Seniorenpatenschaft so

wichtig machen. Die zehn Jahre alte

Hündin hat einen Gesäugetumor, einen

Herzfehler und starkes Übergewicht.

Doch bei guter Pflege, einem ruhigen

Umfeld und liebevoller Zuwendung

sieht der Tierheimleiter ihrer Lebenserwartung

sehr hoffnungsvoll entgegen.

"Sie kann durchaus noch einige

schöne Jahre erleben", sagt Karsten

Plücker, "wenn sie durch die Liebe von

Menschen gestärkt wird."

"Auch Moritz ist ein wunderbarer Gefährte",

sagt Karsten Plücker und legt

den Arm um den Schäferhund. 10 Jahre

alt, verträglich mit Artgenossen und

Katzen, liebevoll mit Kindern, geduldig,

vertrauensvoll und charakterfest -

was kann man von einem Hund mehr

erwarten? "Dieser Rüde", gibt der Tierheimleiter

seine Beobachtungen wieder,

"leidet extrem. Er braucht die Zuneigung

einer festen Bezugsperson und

die Sicherheit, die nur ein liebevolles

Zuhause vermitteln kann." Moritz neigt

zu Ohrproblemen, ist sonst jedoch in

guter gesundheitlicher Verfassung.

Wenn Sie einem alten Tier beistehen

und ihm einen schönen Lebensabend

bei sich zu Hause sichern möchten,

nehmen Sie bitte Kontakt zum Tierheimleiter

unter der Tel: 0561/ 86 15

292 auf. Gerne können Sie auch eine

Patenschaft für einen aus Alters- oder

Krankheitsgründen unvermittelbaren

Vierbeiner übernehmen - oder durch

Ihre Spende dieses wertvolle Projekt

unterstützen.

Text: Claudia Lotz

Fotos: Wau-Mau-Insel

Das Recht der Tiere 2/2004

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HAUPTGESCHÄFTSSTELLE

B UND GEGEN M ISSBRAUCH DER T IERE

MIT 11 GESCHÄFTSSTELLEN UND 7 TIERHEIMEN

Das Recht der Tiere 2/2004

Viktor-Scheffel-Straße 15, 80803 München

Tel. (089) 38 39 52-0, Fax (089) 38 39 52-23

Postbank München Kto. 1819 30-807 (BLZ 700 100 80)

VORSTAND

1. Bundesvorsitzende:

Jutta Breitwieser, „Elisabethenhof“

61203 Reichelsheim, Siedlerstraße 2

Tel. (06035) 96 11 11, Fax (06035) 96 11 18

2. Bundesvorsitzender:

Dr. Jörg Styrie

Alt-Heiligensee 42, 13503 Berlin

Tel. (030) 43 65 58 64, Fax (030) 43 65 58 65

Bundesschatzmeister:

Hans Hoffsümmer, Gierather Str. 51

51469 Bergisch Gladbach

Tel. (02202) 59517, Fax (01805) 62 45 62-11415

Bundesschriftführerin:

Karin Stumpf, Am Heiligenhäuschen 2, 50859 Köln,

Tel. (0221) 950 51 55, Fax (0221) 950 51 57

LV Baden-Württemberg (www.tierschutz-bmt-bw.de)

Leiter: Dr. Uwe Wagner

Ohnastetter Straße 13, 72805 Lichtenstein

Tel. (07129) 6 09 93, Fax (07129) 6 08 98

Kreissparkasse Reutlingen Kto. 75 7889 (BLZ 640 500 00)

LV Bayern (www.bmt-bayern.de)

Leiterin: Ewa Gara

Viktor-Scheffel-Straße 15, 80803 München

Tel. (089) 38 39 52-0, Fax (089) 38 39 52-23

Postbank München Kto. 142 20-802 (BLZ 700 100 80)

Sonderkonto Rumänien

HypoVereinsbank Kto. 35 94 68 29 (BLZ 700 202 70)

LV Berlin (www.tierschutz-bmt-berlin.de)

Leiter: Dr. Jörg Styrie

Alt-Heiligensee 42, 13503 Berlin

Tel. (030) 43 65 58 63, Fax (030) 43 65 58 65

Postbank Berlin Kto. 9603-107 (BLZ 100 100 10)

LV Niedersachsen

1. Geschäftsstelle u. Tierheim „Arche Noah“

Leiterin (Gst): Renate Domaschke; Leiterin (TH): Verena Krüpe

Rodendamm 10, 28816 Stuhr/Brinkum

Tel. (0421) 89017, Fax 80 90 553 (www.tierheim-arche-noah.de)

Sparkasse Bremen Kto. 1050 004 (BLZ 290 501 01)

2. Geschäftsstelle Vollenborn (Thüringen)

Leiterin: Hannelore Thied, Hauptstraße 7a, 37355 Vollenborn

Tel. (036076) 40 555, Fax (036076) 40 556

„Katzenhaus Luttertal“, (www.katzenhaus-luttertal.de)

Luttertal 79, 37075 Göttingen

Leiterin: Monica Bossmann, Tel. (0551) 2 28 32

Postbank Hannover Kto. 732 223 06 (BLZ 250 100 30)

3. Geschäftsstelle Norden

Leiter: Dieter Kuhn und Ursula Sottmeier

Nordbuscherweg 17, 26553 Dornum

Tel. (04933) 99 28 24, Fax (04933) 99 28 26

Tierheim Hage (www.tierheim-hage.de)

Leiterin: Marion Kück, Hagermarscher Str. 11, 26524 Hage

Tel. (04938) 4 25, Fax (04938) 91 49 90

Raiffeisen-Volksbank Fresena e.G. Norden

Kto. 6302020300 (BLZ 283 615 92)

LV Hamburg / Schl.-Holstein (www.franziskustierheim.de)

Leiterin: Angelica Blank

Tel. (040) 55 49 28-34, Fax -32

„Franziskus-Tierheim“, Tel. (040) 55 49 28 37

Lokstedter Grenzstraße 7, 22527 Hamburg

Haspa Kto. 1049220799 (BLZ 200 505 50)

LV Hessen / Rheinland-Pfalz / Saarland

1. Geschäftsstelle u. Tierheim „Elisabethenhof“

(www.tierheim-elisabethenhof.de)

Leiterin: Jutta Breitwieser

“Elisabethenhof”, Siedlerstraße 2, 61203 Reichelsheim

Tel. (06035) 59 16, Fax (06035) 96 11 18

Frankfurter Sparkasse Kto. 5975 (BLZ 500 502 01)

Hundeauffangstation Ikervar/Ungarn

Petöfi u. 23, H-9756 Ikervar,

Sonderkonto Ausland:

Frankfurter Sparkasse Kto. 847 275 (BLZ 500 502 01)

2. Geschäftsstelle u. Tierheim „Wau-Mau-Insel“

Leiter (TH): Karsten Plücker (www.wau-mau-insel.de)

Schenkebier Stanne 20, 34128 Kassel

Tel. (0561) 86 15 680, Fax (0561) 86 15 681

Postbank Frankfurt Kto. 1717 55-608 (BLZ 500 100 60)

LV NRW

1. Geschäftsstelle u. Tierheim Dellbrück

(www.tierheim-dellbrueck.de)

Leiterin (Gst): Sylvia Bringmann , Leiter (TH): Bernd Schinzel

Iddelsfelder Hardt, 51069 Köln

Tel. (0221) 68 49 26, Fax (0221) 68 18 48

Postbank Köln Kto. 924 02-505 (BLZ 370 100 50)

2. Geschäftsstelle Issum (www.bmt-nrw.de)

Leiterin: Dagmar Weist

Drosselweg 15, 47661 Issum

Tel. (02845) 3 75 57, Fax (02835) 44 46 99

Sparkasse Moers Kto. 115 002 066 (BLZ 354 500 00)

WEITERE ANSCHRIFTEN VON MITARBEITERN:

Renate Domaschke (Tierschutzlehrerin)

Fam.domaschke@t-online.de

Hassel 2, 21261 Welle

Tel. (04188) 899 434, Fax (04188) 899 435

Claudia Lotz (Redakteurin)

(lotzcl@nexgo.de)

Hugo-Vogel-Str. 5b, 14109 Berlin,

Tel. (030) 80 58 33 38, Fax (030) 80 58 33 39

Jochen Prinz (Wissenschaftlicher Mitarbeiter)

(joprinz@debitel.net)

Alte Straße 40a, 53123 Bonn

Tel. (0228) 65 10 72, Fax (0228) 65 10 82

Dr. Jörg Styrie (Wissenschaftlicher Mitarbeiter)

(JStyrie@aol.com)

Alt-Heiligensee 42, 13503 Berlin

Tel. (030) 43 65 58 64, Fax (030) 43 65 58 65

INTERNET:

http://www.bmt-tierschutz.de

34


Spannende Nachschlagewerke

Alles über Vögel und Kleintiere

Bundesverband für Natur- und Artenschutz (BNA),

Postfach 11 10, 76707 Hambrüchen. Tel: 07255/2800,

Fax: 07255/8355

Der Bundesverband für Natur- und

Artenschutz (BNA) hat alles Wissenswerte

rund um Vögel und

Kleinsäuger in zwei modernen

Schulungsordnern zusammengestellt.

Dieses übersichtlichen Nachschlagewerke

sind unverzichtbar

für alle, die Interesse an Tieren haben

und ihr Wissen um die

Ansprüchen von Vögeln

und Kleintieren an eine

artgerechte Haltung vertiefen

wollen. Die BNA-Ordner sind als Loseblattsammlung

aufgebaut, interessant und informativ geschrieben

und werden durch Fotos begleitet.

Schulungsordner Vögel

440 Seiten, über 400 farbige Abbildungen, stabiler Kunststoffordner

mit Register. Preis: 130 Euro

Schulungsordner Kleintiere

280 Seiten, über 240 farbige Abbildungen, stabiler Kunststoffordner

mit Register. Preis: 98 Euro

KLETTER- UND KRATZBAUM

Muskeltraining für Wohnungskatzen

Wer seine Katze ausschließlich

in der Wohnung hält,

weiß, wie schnell die temperamentvollen

und neugierigen

Vierbeiner trotz Zuneigung

und Beschäftigung

unter einer reizarmen Umgebung

leiden können. Das

soll meinen Tieren nicht

passieren, dachte sich bmt-

Mitglied Heinrich Rembert,

als er vor nunmehr 14 Jahren

zwei herrenlose Katzen

in seiner großen Wohnung

aufnahm.

DIE KUSCHEL-

TIER-CD!

Z U GUTER L ETZT

VERSTEIGERUNG VON STOFFTIEREN

IN BMT-TIERHEIMEN!

Vielleicht erinnern Sie sich an die spektakuläre

Versteigerung von ausrangierten

Stofftieren, die Prominente für den bmt in

Köln im Studio Dumont durchgeführt haben?

Wir berichteten darüber im RdT

4/´03, wie Hunderte von Plüschtieren ein

neues Zuhause bei Kindern fanden.

Mit ihrer Begeisterung, "ungeliebten Stofftieren ein

neues Heim zu schenken" hatten die Kinder die

Versteigerung zu einem schönen und vor allem

symbolischen Ereignis am Welttierschutztag werden

lassen. Ein besonderer Höhepunkt der Veranstaltung

war der Kinderchor. Die kleinen Künstler

sangen vor ihrem Publikum das "Kuscheltierlied",

das die ehrenamtliche Mitarbeiterin des Tierheims

Köln-Dellbrück, Ingrid Hoffsümmer, einfühlsam

komponiert und mit den Kindern einstudiert hatte.

Inzwischen ist der Song in einem Tonstudio aufgenommen

worden.

Die wunderschöne CD wird am jeweiligen Tag der

Offenen Tür in jedem Tierheim des bmt vorgestellt.

Sie können sie aber auch jetzt schon dort erwerben.

Der Erlös kommt den Tieren zugute.

Der Osnabrücker baute

nach eigenen Plänen einen ganz besonderen Kratz- und Kletterbaum für seine vierbeinigen

Freunde. Vorbild war ihm die Fähigkeit der Katzen, in freier Natur behände auf Bäume zu klettern. So entwarf er

einen 2 Meter großen "Baum", der in seiner Gesamtlänge erklettert werden kann. Liege- und Schlafbretter sind wendeltreppenartig

angebracht, um die Katzen beim Hinauf- oder Hinabsteigen des Baumes nicht zu behindern. Am Ende

dieses außergewöhnlichen Kratzbaums sind Liege- und Schlafkästen angebracht.

Heinrich Rembert hat damals mit Begeisterung verfolgt, wie seine inzwischen verstorbenen Katzen, diesen innovativen

Baum angenommen haben. Die Beiden haben sich wechselseitig gejagt, sind in Windeseile den Baum herauf- und wieder

herabgeflitzt und haben auf ihren Hochsitzen Verschnaufpausen eingelegt. Bei diesen Tobespielen haben die Tiere

ihre Muskulatur gestärkt und den Kreislauf in Schwung gehalten.

Die Bauanleitung gibt es gegen Rückporto bei: Heinrich Rembert, Diepholzer Straße 3, 49088 Osnabrück

Das Recht der Tiere 2/2004

35


„Das Recht der Tiere“ – Postvertriebsstück B 13769 – Entgelt bezahlt

Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V.

Als gemeinnützig und besonders förderungswürdig anerkannt

Beiträge und Spenden sind steuerlich absetzbar

Hauptgeschäftsstelle: D-80803 München , Viktor-Scheffel-Str.15

Tel. (089) 3839520 Fax (089) 38395223

E INLADUNG ZUR J AHRESHAUPTVERSAMMLUNG DES bmt

am Sonntag, 20. Juni 2004, 14.00 Uhr,

im Kulturzentrum "Gasteig"

(Vortragssaal der Bibliothek)

Rosenheimer Straße 5, 81667 München

Der Beirat des bmt 2004

1. Eröffnung und Begrüßung

2. Feststellung der Tagesordnung

3. Tätigkeitsbericht der

Bundesvorsitzenden

4. Kassenbericht des Schatzmeisters

5. Bericht der Rechnungsprüfer

6. Entlastung des Vorstandes

und der Geschäftsstellen

7. Vorstellung neuer Tierheimleiter

8. Verschiedenes

Sie sind herzlich eingeladen!

B EITRITTSERKLÄRUNG

Ich unterstütze den Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V. und

werde Mitglied zum selbstbestimmten Jahresbeitrag von EUR ......................................................................

(Mindest-Jahresbeitrag: 20 EURO. Mitgliedschaft kann jederzeit satzungsgemäß beendet werden.)

Nach Überweisung des Beitrages erhalten Sie Ihre Mitgliedsunterlagen.


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