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gwf Wasser/Abwasser Spitzenleistung³ (Vorschau)

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9/2012<br />

Jahrgang 153<br />

<strong>gwf</strong><strong>Wasser</strong><br />

<strong>Abwasser</strong><br />

Oldenbourg Industrieverlag München<br />

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ISSN 0016-3651<br />

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Abwärme aus dem Kanal und Strom aus der Kläranlage: Wie aus großen Energieverbrauchern<br />

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Band IV – Trinkwasserbehälter<br />

Grundlagen zu Planung, Bauausführung, Instandhaltung und Reinigung sowie Sanierung von<br />

Trinkwasserbehältern. Materialien, Beschichtungssysteme und technische Ausrüstung.<br />

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die rechtzeitige Absendung des Widerrufs oder der Sache an die Vulkan-Verlag GmbH, Versandbuchhandlung, Huyssenallee 52-56, 45128 Essen.<br />

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Standpunkt<br />

Unterirdischer Bauraum:<br />

Das tolerierte Chaos beenden<br />

Unter unseren Straßen herrscht vielerorts das tolerierte<br />

Chaos. Während der oberirdische Bauraum<br />

durch verschiedene politische und fachliche Instanzen<br />

minutiös ver- und geplant ist, gibt es für das<br />

Bauen unter der Erde eher kurzfristig und seltener strategisch<br />

orientierte Koordinationsinstrumente. Dies er -<br />

staunt umso mehr, als es auch im unterirdischen Raum<br />

eine beachtliche Nutzungskonkurrenz bei gleichzeitig<br />

sehr langen Nutzungsdauern gibt: <strong>Wasser</strong>-, Gas- und<br />

<strong>Abwasser</strong>leitungen müssen sich den knappen Raum<br />

teilen mit dem Straßenunterbau, den Gebäudefundamenten,<br />

den Strom- und Kommunikationskabeln, mancherorts<br />

mit Tunneln, U-Bahntrassen sowie Rückhaltebecken<br />

und – nicht zu vergessen – mit dem Wurzelwerk<br />

der Straßenbäume, die einen Vegetationsraum für sich<br />

beanspruchen.<br />

Jedes einzelne dieser Elemente der unterirdischen<br />

Infrastruktur gehört i.d.R. unterschiedlichen Betreibern.<br />

Deren Wegerechte erlauben ihnen weitgehend, nach<br />

ihren eigenen Bedürfnissen vorzugehen. Dieses tolerierte<br />

Chaos führt zu Konflikten bei Planung, Bau,<br />

Betrieb und Sanierung der Netze. Es schränkt die Anpassungsfähigkeit<br />

der gesamten Infrastruktur an künftige<br />

Herausforderungen ein.<br />

So erfordern die Megatrends Klimawandel, demographische<br />

Entwicklung und Energiewende neue Infrastruktureinrichtungen,<br />

die ebenfalls knappen unterirdischen<br />

Baumraum beanspruchen. Dazu gehören Kanäle<br />

zur getrennten Ableitung von Regen- und Schmutzwasser,<br />

Dränagesammler, Energie- und Glasfaserkabel,<br />

Fernwärmeleitungen sowie Leitungen für Geothermie<br />

und <strong>Abwasser</strong>wärmenutzung.<br />

Die übliche lokale adhoc-Koordination der gerade<br />

anstehenden Baumaßnahmen reicht hier nicht mehr<br />

aus. Vielmehr sind sektorübergreifende und langfristige,<br />

großräumige Strategien notwendig, die über die einzelwirtschaftlichen<br />

Anliegen der Netzbetreiber hinaus<br />

auch die heute viel diskutierten Megatrends Klima,<br />

Energie und Demographie ins Kalkül ziehen. Und last,<br />

but not least, müssen die Bedürfnisse der Infrastrukturnutzer<br />

und Straßenanlieger Gehör finden.<br />

Deutlicher formuliert: Mit dem bisher tolerierten<br />

Chaos im unterirdischen Baumraum muss sehr bald<br />

Schluss sein! Dazu bedarf es neuer Ansätze in wirtschaftlicher,<br />

institutionell-rechtlicher, fachplanerischer<br />

und bautechnischer Hinsicht. So müssen die Wegerechte<br />

neu überdacht und besser aufeinander abgestimmt<br />

werden, damit eine strategische und überörtliche<br />

Infrastrukturplanung möglich wird. Die Fachplanung<br />

muss verstärkt koordinieren und dabei nicht nur<br />

den Bau der Infrastruktur im Blick haben, sondern auch<br />

deren langjährigen Betrieb und deren komplexe Interaktion<br />

mit dem unterirdischen Vegetationsraum, Stichwort<br />

Wurzelwachstum und Mikroklima.<br />

Und schließlich muss noch intensiver als bisher überlegt<br />

werden, welche Bautechniken zum Zuge kommen<br />

sollen. Gerade in dichten Ballungsräumen kommt man<br />

an minimalinvasiven Technolgien nicht vorbei. Dies ist<br />

bei der Kanalsanierung schon heute vielfach der Fall, wo<br />

grabenlose Bauweisen mehr und mehr eingesetzt werden.<br />

Aber bei den anderen Infrastrukturen ist man noch<br />

lange nicht so weit, da herrscht noch Entwicklungsbedarf.<br />

Alles in allem ist es ein hoher und komplexer<br />

Anspruch, das tolerierte Chaos im Untergrund beseitigen<br />

zu wollen und durch eine strategische Vorgehensweise<br />

zu ersetzen. Die Vorarbeit hierzu will ein interdisziplinärer<br />

Forschungsverbund unter Führung des IKT<br />

leisten, der nicht nur für wissenschaftliche Institutionen<br />

offen ist, sondern gerade auch für Praktiker aus der Verund<br />

Entsorgung. Also: Mitmachen ist angesagt, die Tür<br />

steht jedermann offen!<br />

Roland W. Waniek<br />

Geschäftsführer<br />

IKT – Institut für Unterirdische Infrastruktur<br />

gemeinnützige GmbH<br />

Gelsenkirchen<br />

September 2012<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 869


INhalt<br />

Im Vordergrund stehen Ausgewogenheit und Übersichtlichkeit<br />

Tarif alt 20 % 80 % optional<br />

Tarif neu 50 % 50 % optional<br />

Ein Tarifmodell wird vorgestellt, bei dem der Anteil der Systemeinnahmen rund<br />

50 Prozent der Gesamteinnahmen ausmacht, dabei die Be- und Entlastungen<br />

für die Kunden zum Umstellungszeitpunkt minimiert. Ab Seite 956<br />

Um eine sichere <strong>Wasser</strong>versorgung zu gewährleisten, müssen<br />

einerseits mögliche Kontaminationsrisiken (Sicherheitsplanung)<br />

minimiert und andererseits Präventivmaßnahmen<br />

geplant werden, um das etwaige Schadenspotenzial im<br />

Notfall (Notfallplanung) gering zu halten. Ab Seite 964<br />

Fachberichte<br />

<strong>Wasser</strong>versorgung<br />

956 M. Oelmann und S. Gendries<br />

Auf dem Weg zu einem neuen<br />

Tarifmodell in der deutschen<br />

<strong>Wasser</strong>versorgung –<br />

Teil 2: Modell und Umsetzung<br />

Towards New Tariff Models in<br />

the German Water Supply Sector –<br />

Part 2: Model and Implementation<br />

964 M. Möderl, R. Sitzenfrei und W. Rauch<br />

Sicherheits- und Notfallplanung<br />

bei Kontamination der<br />

<strong>Wasser</strong>versorgungsanlage<br />

Safety and Emergency Planning for<br />

Contamination of Water Supply Infrastructure<br />

974 B. P. Zietz u. a.<br />

Niedersächsische Sanierungsstrategie<br />

für Hausinstallationen<br />

aus Blei – Einhaltung des neuen<br />

Trinkwassergrenzwertes zum<br />

Dezember 2013<br />

Renovation Strategy for Lead Installations in<br />

Lower Saxony – Compliance with the New<br />

Drinking Water Limit Valid from December 2013<br />

Interview<br />

874 Umfassender Blick auf den Kreislauf der<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaft. WASSER BERLIN<br />

INTERNATIONAL 2013 schärft ihr Profil –<br />

<strong>gwf</strong> im Gespräch mit Jörn Winkels,<br />

Vorsitzender des Messebeirats und<br />

Geschäftsführer der Salzgitter Mannesmann<br />

Line Pipe GmbH<br />

Netzwerk Wissen<br />

Aktuelles aus Bildung und Wissenschaft,<br />

Forschung und Entwicklung<br />

911 Das EU-Forschungsprojekt CLIMB im Rahmen<br />

des Wissenschafts-Clusters CLIWASEC<br />

912 Massive ökologische Konsequenzen und<br />

wirtschaftliche Verteilungskämpfe –<br />

Interview mit Prof. Dr. Ralf Ludwig<br />

915 EU-Forschungs-Cluster CLIWASEC:<br />

Ein internationaler Projektverbund für die<br />

Klimafolgenforschung im Mittelmeerraum<br />

917 Internationale CLIWASEC-Fachtagung<br />

schildert Auswirkungen der Klimaänderung<br />

für die <strong>Wasser</strong>versorgung in<br />

den Mittelmeerländern<br />

919 CLIWASEC-Projektergebnisse in Politik<br />

und Öffentlichkeit tragen<br />

September 2012<br />

870 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Inhalt<br />

Trotz eines<br />

Präventionsprojektes<br />

in<br />

Niedersachsen<br />

zu Erfassung<br />

und Austausch<br />

von Bleileitungen<br />

in<br />

Trinkwassersystemen<br />

besteht weiterer<br />

Handlungsbedarf,<br />

um ab<br />

2013 den neuen<br />

Bleigrenzwert<br />

einhalten zu<br />

können.<br />

Ab Seite 974<br />

Im Interview:<br />

Jörn Winkels,<br />

Vorsitzender des<br />

Messebeirats<br />

von WASSER<br />

BERLIN<br />

INTERNATIONAL,<br />

über die neue<br />

Konzeption von<br />

Messe und<br />

Kongress im<br />

nächsten Jahr.<br />

Ab Seite 874<br />

921 EU-Forschungsprojekt CLIMB: Die Folgen<br />

von Klimawandel und <strong>Wasser</strong>knappheit<br />

im Mittelmeerraum<br />

924 Unsicherheiten der Klimamodellierung –<br />

Herausforderung bei Prüfung und<br />

Downscaling der Klimamodelle<br />

926 Hydrologische Modellensembles –<br />

Das Fundament für weitere Analysen<br />

929 Geodatenmanagement auf hohem Niveau<br />

Fokus<br />

Tiefbau<br />

878 Kassel-Kirchditmold: Schmutz- und<br />

Regenwasser „hinter Glas“<br />

880 SediPipe XL-Plus: Vorsorge<br />

für den Havariefall<br />

882 Neues Entwässerungssystem<br />

für ein Welterbe – DS CityLiner ® :<br />

Pilotprojekt auf Zollverein<br />

885 Kanalerneuerung Synagogengasse<br />

Drensteinfurt: Mit dem Minibagger durchs<br />

Nadelöhr<br />

888 Rohre für ein Jahrhundertbauwerk: Werkstoffeigenschaften<br />

brachten den Zuschlag<br />

890 Intergeo 2012: Laserscanning trifft auf<br />

5D-Bauprojektmanagement<br />

891 Kanalsanierung mit klarem Konzept spart<br />

unnötige Kosten – Sanierungsvorhaben<br />

mit Hilfe von Software effizient umsetzen<br />

894 Biologische Reinigung von<br />

<strong>Abwasser</strong>systemen<br />

896 Neue Produkte zur pneumatischen Rohrabsprerrung<br />

899 Nach 50 erfolgreichen Jahren fit für die<br />

Zukunft<br />

Branche<br />

902 DVGW zur Revision der Liste prioritärer<br />

Stoffe im Bereich der <strong>Wasser</strong>politik<br />

903 DWA und GIZ schließen<br />

Kooperationsvereinbarung<br />

904 Schutz des Grundwassers und<br />

der Gewässer wird vernachlässigt<br />

905 <strong>Abwasser</strong> als Pflanzendünger<br />

906 Klimaerwärmung schadet den Seen<br />

908 Kosten in der <strong>Wasser</strong>wirtschaft<br />

durch Energie-Effizienz senken<br />

909 Investor für die WHB <strong>Wasser</strong>technik<br />

gesucht – Eröffnung eines gerichtlichen<br />

Insolvenzverfahens<br />

910 Evergreen: IKT verleiht<br />

11. Goldenen Kanaldeckel<br />

September 2012<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 871


INhalt<br />

Im Fokus: Tiefbaumaßnahmen in historischer<br />

Bausubstanz oder in beengtem, mehrfach genutztem<br />

Raum stellen Planer und Ausführende oftmals vor<br />

große Herausforderungen. Ab Seite 878<br />

Netzwerk Wissen: Das EU-Forschungsprojekt CLIMB im Rahmen<br />

des Wissenschafts-Clusters CLIWASEC. Ab Seite 911<br />

Veranstaltungen<br />

932 <strong>Wasser</strong>, das kostbare Gut:<br />

die IWRM Karlsruhe 2012<br />

934 UrbanTec 2012: Namhafte Unternehmen<br />

bereits angemeldet<br />

936 wat 2012 vom 24. bis 25. September 2012<br />

in Dresden – Von der Ressource bis<br />

zum Zapfhahn: Branchentrends und<br />

Innovationen rund um Trinkwasser<br />

im Fokus von Experten<br />

937 5. WCEC-Konferenz: „Water Contamination<br />

Emergencies: Managing the Threats“<br />

938 Europas Herausforderungen in<br />

der <strong>Wasser</strong>wirtschaft im Fokus<br />

der EWA Konferenz<br />

939 1. Deutscher Reparaturtag zeigt<br />

Potenziale einer Branche auf<br />

941 Berechnung und Optimierung<br />

von <strong>Wasser</strong>verteilungsnetzen<br />

942 4. Deutscher Tag der<br />

Grundstücksentwässerung<br />

942 Löhnberger <strong>Abwasser</strong>tage 2012<br />

943 Fachgerechter Korrosionsschutz<br />

„Von der Planung bis zur Abnahme“<br />

944 Qualitätssicherung im Erdbau – ZTVE StB 09<br />

944 Erfahrungsaustausch für Vorarbeiter<br />

und Meister<br />

Vereine, Verbände und Organisationen<br />

953 GW 301-Zertifikate nach neuem Regelwerk<br />

– Fachunternehmen durchlaufen das<br />

Umstellverfahen der DVGW CERT GmbH<br />

Leute<br />

953 Harald Otto 80 Jahre alt<br />

Recht und Regelwerk<br />

954 DWA-Vorhabensbeschreibung<br />

954 DWA-Merkblatt<br />

955 DVGW-Regelwerk <strong>Wasser</strong><br />

Praxis<br />

982 Hochkontaminiertes <strong>Abwasser</strong>:<br />

Sterilisation von 100 Litern pro Stunde<br />

erlaubt die unbedenkliche Ableitung<br />

in die Kanalisation<br />

984 Pneumatische Pumpen entsorgen in<br />

der Mainzer Coface Arena die Abwässer<br />

hygienisch und bedarfsgerecht<br />

September 2012<br />

872 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Inhalt<br />

Zum aktuellen Entwurf des Nationalen Aktionsplans<br />

Pestizide auf Seite 904<br />

Produkte und Verfahren<br />

987 Erste App als Datenbank für Rohrzubehör<br />

988 Gas und <strong>Wasser</strong> mit Lösungen von<br />

GF Piping Systems sicher transportieren<br />

990 Früherkennung von Schadstoffen<br />

im Grundwasser<br />

990 Mall-Abscheider jetzt mit RAL-Gütezeichen<br />

Information<br />

973 Buchbesprechung<br />

991 Impressum<br />

992 Termine<br />

Sonderausgabe – nach Seite 944<br />

<strong>Wasser</strong>Stoff 01/12<br />

Dieses Heft enthält folgende Beilage:<br />

– EW Medien und Kongress GmbH, 60326 Frankfurt a. Main<br />

<strong>gwf</strong> – <strong>Wasser</strong> | <strong>Abwasser</strong> Oktober 2012<br />

Erscheinungstermin: 15.10.2012<br />

Anzeigenschluss: 14.09.2012


Interview<br />

Umfassender Blick auf den Kreislauf<br />

der <strong>Wasser</strong>wirtschaft<br />

WASSER BERLIN INTERNATIONAL 2013 schärft ihr Profil<br />

Seit 50 Jahren trifft sich die <strong>Wasser</strong>branche in Berlin, um sich über neue Trends und Technologien in der<br />

<strong>Wasser</strong>branche zu informieren. Da sich die Rahmenbedingungen für die <strong>Wasser</strong>wirtschaft jedoch ständig<br />

ändern, müssen auch die wachsenden Informationsflüsse neu aufbereitet werden. Deshalb geht WASSER<br />

BERLIN INTERNATIONAL im nächsten Jahr mit ganz neuem Konzept an den Start. Was die Fachbesucher<br />

vom 23. bis 26. April 2013 auf dem Messegelände in Berlin Neues erwarten wird, erläuterte Jörn Winkels,<br />

Vorsitzender des Messebeirats und Geschäftsführer der Salzgitter Mannesmann Line Pipe GmbH, im Interview<br />

mit Christine Ziegler.<br />

Jörn Winkels, Vorsitzender des Messebeirats von<br />

WASSER BERLIN INTERNATIONAL und Geschäftsführer<br />

der Salzgitter Mannesmann Line Pipe GmbH.<br />

<strong>gwf</strong>: Im Jahr 1963 – also vor einem<br />

halben Jahrhundert – eröffnete der<br />

damalige Bundespräsident Heinrich<br />

Lübke die erste WASSER BERLIN im<br />

Westteil der Stadt – welchen Stellenwert<br />

besitzt die Veranstaltung heute?<br />

Winkels: In diesen 50 Jahren hat<br />

sich WASSER BERLIN INTERNATIO-<br />

NAL zu einer renommierten Fachmesse<br />

mit hochkarätigem Kongress<br />

entwickelt. Getragen von den Verbänden<br />

des <strong>Wasser</strong>fachs stellt hier<br />

die gesamte Branche ihre Leistungsfähigkeit<br />

vor – so präsentieren sich<br />

neben Herstellern und Lieferanten<br />

auch <strong>Wasser</strong>versorgungsunternehmen<br />

der Fachöffentlichkeit.<br />

Außerdem wurde die Ausrichtung,<br />

wie ja auch aus der Namenserweiterung<br />

hervorgeht, in den letzten<br />

Jahren zunehmend international.<br />

Denn der <strong>Wasser</strong>markt ist keine<br />

regionale Angelegenheit mehr, sondern<br />

entwickelt sich über alle Grenzen<br />

hinweg zu einer globalen Aufgabe.<br />

Die Veränderungen, mit<br />

denen die Branche durch die Auswirkungen<br />

der Globalisierung konfrontiert<br />

wird, aber auch der Wandel<br />

in der Bevölkerungsstruktur oder<br />

die sich ändernden klimatischen<br />

Bedingungen werfen komplexe Fragen<br />

auf und erfordern somit umfassende<br />

Lösungen. Dafür wollen wir<br />

die notwendigen Informationsgrundlagen<br />

anbieten.<br />

<strong>gwf</strong>: Wie schlägt sich diese Entwicklung<br />

in den Aussteller- und Besucherzahlen<br />

nieder?<br />

Winkels: Aussteller und Besucher<br />

kommen zunehmend aus dem<br />

internationalen Raum. Letztes Jahr<br />

war bereits rund ein Drittel der Aussteller<br />

und Fachbesucher aus dem<br />

Ausland – Tendenz steigend.<br />

Aber auch von der anderen Seite<br />

aus betrachtet: Viele mittelständische<br />

und große Unternehmen der<br />

deutschen <strong>Wasser</strong>wirtschaft sind<br />

heutzutage international tätig.<br />

Überall auf der Welt sind deutsche<br />

Unternehmen unterwegs, um nach<br />

<strong>Wasser</strong> zu bohren oder <strong>Wasser</strong> aufzubereiten<br />

und dieses dann über<br />

Verteilnetze der Bevölkerung zuzuführen.<br />

Deshalb dient WASSER BER-<br />

LIN INTERNATIONAL natürlich vor<br />

allem auch als Schaufenster für das<br />

weltweite Geschäft mit Produkten<br />

und Dienstleistungen der deutschen<br />

<strong>Wasser</strong>industrie.<br />

<strong>gwf</strong>: Unterscheiden sich die Themen,<br />

die für den deutschen Markt relevant<br />

sind, von denen für den internationalen<br />

Bereich?<br />

Winkels: Ganz klar – für die verschiedenen<br />

Märkten sind jeweils<br />

andere Produkte interessant. In<br />

Deutschland beschäftigen wir uns<br />

im <strong>Wasser</strong>markt mit Themen<br />

wie GIS-Informationssysteme oder<br />

Smart Metering. Wir entwickeln<br />

immer neue Messverfahren, mit<br />

denen man immer mehr Partikel<br />

immer präziser bestimmen kann.<br />

Und dann geht es darum, diese<br />

gefundenen Rückstände und Metaboliten<br />

von Arzneimitteln und<br />

Umweltgiften wieder möglichst<br />

nachhaltig aus dem <strong>Wasser</strong> zu entfernen.<br />

Im Gegensatz zu unseren Hightech-Problemen<br />

hierzulande geht<br />

es anderswo auf der Welt ganz elementar<br />

um Grundversorgung. Um<br />

das Know-how, wie <strong>Wasser</strong> gefördert<br />

wird, um Entsalzung von Meerwasser<br />

oder das Betreiben von<br />

Versorgungsnetzen mit einer Reduzierung<br />

der teils gewaltigen <strong>Wasser</strong>verluste<br />

durch lecke Leitungen. Der<br />

sparsame Umgang mit <strong>Wasser</strong> ist<br />

weltweit ein Thema. In wasserarmen<br />

Zonen liegt das auf der Hand.<br />

Aber auch in Deutschland, wo wir<br />

genügend <strong>Wasser</strong> zur Verfügung<br />

haben, ist das ein Thema. Die Motive<br />

bei uns liegen im veränderten<br />

Umweltbewusstsein und der Senkung<br />

des hohen Energieverbrauchs,<br />

der mit der <strong>Wasser</strong>versorgung verbunden<br />

ist.<br />

September 2012<br />

874 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Interview<br />

<strong>gwf</strong>: Sicher unterscheiden sich die<br />

Probleme der <strong>Wasser</strong>ver- und <strong>Abwasser</strong>entsorgung<br />

weltweit nicht nur aufgrund<br />

verschiedener Klimazonen …?<br />

Winkels: Es gibt natürlich kulturelle<br />

Unterschiede zwischen den verschiedenen<br />

Ländern, die politischen<br />

Systeme unterscheiden sich und vor<br />

allem gibt es große Ungleichheit in<br />

Sachen Bildung und Ausbildung.<br />

Deshalb ist es enorm wichtig, ausländische<br />

Studenten, die nach<br />

Deutschland kommen, mit dem<br />

notwendigen Wissen rund ums<br />

<strong>Wasser</strong> zu versorgen, damit sie mit<br />

neuem Bewußtsein und dem entstandenen<br />

Netzwerk in ihre Heimatländer<br />

zurückkehren.<br />

Für diesen Transfer von Knowhow<br />

sehen wir WASSER BERLIN<br />

INTERNATIONAL als zentrale Plattform.<br />

Mit einem<br />

neuen<br />

Konzept, das<br />

den gesamten<br />

<strong>Wasser</strong>kreislauf<br />

abbildet,<br />

und fünf<br />

Kompetenz-<br />

Zentren zu<br />

Themenschwerpunkten<br />

will WASSER<br />

BERLIN<br />

INTERNA-<br />

TIONAL<br />

sich klar<br />

positionieren.<br />

<strong>gwf</strong>: Um diesem Anspruch gerecht zu<br />

werden, gehen Sie nächstes Jahr mit<br />

einem ganz neuen Konzept an den<br />

Start?<br />

Winkels: Richtig, wir wollen nicht<br />

wie in einem Museum einzelne Produkte<br />

nebeneinander stellen. Stattdessen<br />

zeigen wir den gesamten<br />

<strong>Wasser</strong>kreislauf in seiner Komplexität<br />

von der <strong>Wasser</strong>gewinnung bis<br />

zur <strong>Abwasser</strong>aufbereitung. Zu diesem<br />

ganzheitlichen Konzept gehören<br />

beispielsweise auch übergeordnete<br />

Themen wie Qualitätssicherung<br />

oder IT-Dienstleistungen für<br />

die <strong>Wasser</strong>branche und eben auch<br />

das besonders wichtige Thema<br />

Innovationen.<br />

<strong>gwf</strong>: Wie lässt sich ein so komplexes<br />

Ausstellungs- und Kongressprogramm<br />

besucherfreundlich aufbereiten?<br />

Winkels: Nun, indem man die einzelnen<br />

Stationen des <strong>Wasser</strong>kreislaufes<br />

abbildet und diese in den<br />

Messehallen entsprechend in größeren<br />

Zusammenhängen anordnet.<br />

Auch wenn in den verschiedenen<br />

Regionen der Welt unterschiedliche<br />

Rahmenbedingungen herrschen,<br />

sind doch die Grundprinzipien<br />

überall die gleichen. Genau dieser<br />

Gedanke ist es ja, den auch die ausstellenden<br />

Unternehmen haben:<br />

Wir zeigen den gesamten <strong>Wasser</strong>kreislauf<br />

in seiner Komplexität<br />

von der <strong>Wasser</strong>gewinnung bis zur<br />

<strong>Abwasser</strong>aufbereitung.<br />

einem internationalen Publikum zu<br />

zeigen, dass aus ihren Produkten<br />

und Lösungen passende Systeme<br />

für verschiedenste Anforderungen<br />

entwickelt werden können – ganz<br />

gleich, in welcher Gegend der Welt<br />

und unter welchen Bedingungen.<br />

<strong>gwf</strong>: Ganz konkret: Wenn sich ein<br />

<strong>Wasser</strong>versorger beispielsweise über<br />

den Interessenskonflikt zwischen<br />

<strong>Wasser</strong>versorgung und Energiegewinnung<br />

informieren möchte …?<br />

Winkels: Indem wir den systemischen<br />

Ansatz mit all seinen Schnittstellen<br />

verfolgen, können wir Antworten<br />

auf alle Fragen unserer<br />

Fachbesucher liefern. Bezogen auf<br />

Ihr Beispiel wird der <strong>Wasser</strong>versorger<br />

an mehreren Stellen fündig.<br />

Denn es gibt immer häufiger und an<br />

ganz unterschiedlicher Stelle Eingriffe<br />

in den <strong>Wasser</strong>kreislauf seitens<br />

der Landwirtschaft oder der Energiebranche<br />

– sei es durch die Biogaserzeugung<br />

oder das sogenannte<br />

Fracking. Aber auch die Energieerzeugung<br />

bzw. Energieeinsparung<br />

in <strong>Wasser</strong>werk und Kläranlage dürften<br />

einen solchen Fachbesucher<br />

interessieren. Neben den technischen<br />

Herausforderungen sind es ja<br />

auch Einflüsse aus Politik und<br />

Finanzwelt, neue Kommunikationsformen<br />

und Innovationen, die auf<br />

<strong>Wasser</strong>unternehmen einwirken.<br />

Genau deshalb ist es so wichtig, die<br />

großen Zusammenhänge darzustellen<br />

und die verschiedenen Akteure<br />

dort zusammenzubringen, wo<br />

Informationsbedarf und Informationsangebot<br />

bestehen.<br />

<strong>gwf</strong>: Auf der WASSER BERLIN INTER-<br />

NATIONAL 2013 wird es sogenannte<br />

September 2012<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 875


Interview<br />

Kompetenz-Zentren geben – zu<br />

welchen Themen?<br />

Winkels: Mit insgesamt fünf Kompetenz-Zentren<br />

werden wir im<br />

nächsten Jahr die Schlüsselthemen<br />

der Messe hervorheben. Dies sind<br />

Bildung und Forschung, Industriewasser,<br />

Innovation, IT in der <strong>Wasser</strong>wirtschaft<br />

und Leitungsbau.<br />

Im Kompetenz-Zentrum Bildung<br />

und Forschung weisen das Bundesministerium<br />

für Bildung und Forschung<br />

(BMBF), die Technologiestiftung<br />

Berlin (TSB), die Uni Aachen<br />

und andere Institutionen den Blick<br />

in die Zukunft.<br />

Prozess- und Brauchwasser für<br />

die unterschiedlichen Industrien in<br />

der jeweilig passenden Aufbereitung<br />

herzustellen und dann umweltgerecht<br />

zu behandeln, ist ein<br />

zukunftsträchtiges Geschäftsfeld.<br />

Beim Kompetenz-Zentrum Innovation<br />

stehen junge aufstrebende<br />

Unternehmen mit ihren neuen Entwicklungen<br />

im Fokus – ein idealer<br />

Ort, um potenzielle Projektpartner<br />

zu finden.<br />

Große IT-Unternehmen sowie<br />

Spezialdienstleister und Betreiber<br />

treffen sich im Kompetenz-Zentrum<br />

IT in der <strong>Wasser</strong>wirtschaft. Unter<br />

anderem sind hier folgende Themen<br />

gebündelt: Stand und Perspektiven<br />

im Bereich des Zählerwesens<br />

nach DVGW-Arbeitsblatt W 406,<br />

Smart Metering und Liberalisierung<br />

des Messwesens.<br />

Im Kompetenz-Zentrum Leitungsbau<br />

finden Fachbesucher<br />

Kompetenz und fachliches Wissen<br />

zum Thema Leitungsbau. Sämtliche<br />

Technologien, Firmen und Produkte<br />

der Branche sind hier vertreten: von<br />

den grabenlosen Technologien bis<br />

zur Kanalsanierung.<br />

<strong>gwf</strong>: Ergänzend zur Ausstellung ist<br />

wieder ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm<br />

geplant – zu welchen<br />

Themen?<br />

Winkels: Wir haben eine große<br />

Bandbreite auf der Agenda: Themen<br />

wie Anpassungsstrategien an den<br />

Klimawandel, Aufbereitung von<br />

Trink- und Prozesswasser, Instandhaltung<br />

der Infrastruktur sowie<br />

Management von Versorgungsunternehmen<br />

werden im Kongressprogramm<br />

behandelt werden.<br />

Zudem stehen Symposien zu Brunnenbau<br />

und Ozonverwendung, zu<br />

Desalination oder grabenlosen Bautechnologien<br />

(NO DIG BERLIN) auf<br />

dem Plan.<br />

Außerdem wird, wie Sie ja<br />

wissen, die Fachzeitschrift <strong>gwf</strong>-<br />

<strong>Wasser</strong>|<strong>Abwasser</strong> mit einem Symposium<br />

zum Thema Regenwasserbewirtschaftung<br />

auf der WASSER<br />

BERLIN INTERNATIONAL vertreten<br />

sein.<br />

<strong>gwf</strong>: Ja, wir freuen uns, in Kooperation<br />

mit dem Beuth-Verlag ein Symposium<br />

mit hochkarätigen Referenten<br />

und interessanten Vorträgen zum<br />

Veranstaltungsprogramm beizusteuern.<br />

Winkels: Das Thema Regenwasserbewirtschaftung<br />

ist ja ein gutes<br />

Beispiel dafür, vor welchen vielschichtigen<br />

Herausforderungen die<br />

Hersteller, beispielsweise im Kunststoffrohrbereich,<br />

aber auch Stadtplaner<br />

oder Mitarbeiter der Verwaltung<br />

aufgrund der klimatischen<br />

und sonstiger Veränderungen künftig<br />

stehen werden. Hier umfassend<br />

und fachlich fundiert zu informieren,<br />

ist genau im Sinne unserer<br />

neuen Konzeption.<br />

<strong>gwf</strong>: Die Referenten kommen gerne<br />

nach Berlin. Was macht eigentlich<br />

den Standort Berlin für eine Messe<br />

mit Kongress im Umweltbereich so<br />

attraktiv?<br />

Winkels: Berlin hat die perfekte In -<br />

fra struktur, um als Messe-Standort<br />

zu punkten. Jeder, der mal in Frankfurt,<br />

Düsseldorf, Hannover oder in<br />

München auf einer Messe war,<br />

kennt die Messepreise dort – die<br />

Preise in Berlin hingegen sind auch<br />

für Mittelständler akzeptabel. Die<br />

Stadt ist mit dem Flugzeug oder<br />

über die Autobahn schnell erreichbar<br />

und es gibt ausreichend Bettenkapazitäten,<br />

die bezahlbar sind.<br />

Zudem wirken die Geschichte,<br />

die vielen Sehenswürdigkeiten und<br />

der Faktor, dass Berlin 24 Stunden<br />

geöffnet hat, wie ein Magnet auf<br />

nationale und internationale Gäste.<br />

<strong>gwf</strong>: Welchen Stellenwert wird WAS-<br />

SER BERLIN INTERNATIONAL in<br />

Zukunft haben? Wo soll die Reise hingehen?<br />

Winkels: Der Wettbewerbsdruck<br />

nimmt durch die Internationalisierung<br />

und den steigenden Kostendruck<br />

zu. Gerade in Zeiten mit unsicheren<br />

wirtschaftlichen Rahmenbedingungen<br />

ist es wichtig, Produkte,<br />

Dienstleistungen und innovative<br />

Lösungen unserer Unternehmen<br />

einem Fachpublikum zu präsentieren.<br />

Die technologischen Entwicklungszyklen<br />

werden immer kürzer.<br />

Unternehmen müssen aufpassen,<br />

den Anschluss nicht zu verlieren.<br />

WASSER BERLIN INTERNATIONAL ist<br />

die einzige Branchenveranstaltung,<br />

die das Thema <strong>Wasser</strong> mit all seinen<br />

Schnittstellen in den Mittelpunkt<br />

stellt. Wir sehen unsere Aufgabe<br />

darin aufzuzeigen, welchen Einfluss<br />

das System auf die Unternehmen<br />

hat und welchen Einfluss die Unternehmen<br />

auf das System haben. Nur<br />

der Transfer von Know-how zwischen<br />

den zahlreichen Mitspielern<br />

ermöglicht es, die künftigen Herausforderungen<br />

zu bewältigen.<br />

<strong>gwf</strong>: Herr Winkels, ich danke Ihnen für<br />

das interessante Gespräch.<br />

September 2012<br />

876 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


2. Praxistag am 6. November 2012 in Essen<br />

<strong>Wasser</strong>versorgungsnetze<br />

Programm<br />

Moderation: Prof. Th. Wegener,<br />

iro Institut für Rohrleitungsbau, Oldenburg<br />

Wann und Wo?<br />

Themenblock 1: Netzbetrieb - Analysieren und Optimieren<br />

Hydraulische Rohrnetzberechnung – Erfahrungen bei<br />

Kalibrierung, Ausarbeitung von Löschwasser- und Spülplänen<br />

Dr. E. Osmancevic, Kuhn, RBS Wave GmbH, Stuttgart<br />

Berechnung und Optimierung von <strong>Wasser</strong>verteilungsnetzen<br />

Dr. A. Wolters, 3S Consult, Garbsen<br />

Zielnetzentwicklung eines städtischen<br />

Trinkwassernetzes am Beispiel Cuxhaven<br />

H. Oeltjebruns, S. Cichowlas, EWE NETZ GmbH, Oldenburg<br />

Zustandsbewertung von metallischen Rohrleitungen<br />

der Gas- und <strong>Wasser</strong>versorgung - Konzept und Inhalt der<br />

künftigen GW 18 und GW 19<br />

Dr. H.-J. Kocks, Salzgitter Mannesmann Line Pipe GmbH, Siegen<br />

Unterstützung der Rohrnetzbewertung mittels<br />

materialtechnischer Zustandsbewertungen<br />

Dr. Ch. Sorge, IWW, Mülheim an der Ruhr<br />

Strategie zu Einsatz von optimierten Spülverfahren<br />

am Beispiel des OOWV<br />

A. Frerichs, OOWV, Oldenburg<br />

Themenblock 2: Steuern, Regeln und Automatisieren<br />

in der <strong>Wasser</strong>versorgung<br />

Die Alternative zur Festverdrahtung - Überwachen, Steuern<br />

und Regeln über öffentliche oder nicht öffentliche Funknetze<br />

E. v. Kruedener, vKD Meß- und Prüfsysteme GmbH, Kürten<br />

Netzbetrieb der Zukunft – Kabellose Automatisierung<br />

erdverlegter Armaturen<br />

A. Sacharowitz, 3S Antriebe GmbH, Berlin<br />

Veranstalter:<br />

Veranstalter<br />

3R, ZfW, iro<br />

Termin: Dienstag, 06.11.2012,<br />

9:00 Uhr – 17:15 Uhr<br />

Ort:<br />

Zielgruppe:<br />

Essen, Hotel Bredeney<br />

Mitarbeiter von Stadtwerken<br />

und <strong>Wasser</strong>versorgungsunternehmen,<br />

Dienstleister im Bereich<br />

Netzinspektion und -wartung<br />

Teilnahmegebühr:<br />

3R-Abonnenten<br />

und iro-Mitglieder: 365,- €<br />

Nichtabonnenten: 395,- €<br />

Bei weiteren Anmeldungen aus einem Unternehmen<br />

wird ein Rabatt von 10 % auf den jeweiligen<br />

Preis gewährt.<br />

Im Preis enthalten sind die Tagungsunterlagen<br />

sowie das Catering (2 x Kaffee, 1 x Mittagessen).<br />

Themenblock 3: Monitoring von <strong>Wasser</strong>versorgungsnetzen<br />

und Leckageortung<br />

<strong>Wasser</strong>verluste reduzieren – Monitoringsystem mit<br />

virtuellen Zonen am Praxisbeispiel der DEW21<br />

Dr. G. Gangl, RBS Wave GmbH, Stuttgart; T. Nayda, DEW21,<br />

Dortmund; J. Kurz, SebaKMT GmbH, Baunach<br />

Mehr Information und Online-Anmeldung unter<br />

www.praxistag-wasserversorgungsnetze.de<br />

Fax-Anmeldung: 0201-82002-55 oder Online-Anmeldung: www.praxistag-wasserversorgungsnetze.de<br />

Ich bin 3R-Abonnent<br />

Ich bin iro-Mitglied<br />

Ich bin Nichtabonnent/kein iro-Mitglied<br />

Vorname, Name des Empfängers<br />

Telefon<br />

Telefax<br />

Firma/Institution<br />

E-Mail<br />

Straße/Postfach<br />

Land, PLZ, Ort<br />

Nummer<br />

✘<br />

Ort, Datum, Unterschrift


Fokus<br />

Tiefbau<br />

Kassel-Kirchditmold:<br />

Schmutz- und Regenwasser „hinter Glas“<br />

Mit lichthärtenden Schlauchliner-Systemen lassen sich <strong>Abwasser</strong>netze nachhaltig, schnell und ohne Belastung<br />

von Verkehrsteilnehmern und Anliegern sanieren. Das zeigt beispielhaft das Sanierungsprogramm von<br />

KASSELWASSER im Kasseler Stadtteil Kirchditmold; hier saniert die KMG Pipe Technologies GmbH seit<br />

Anfang April 2012 insgesamt 3350 Meter Schmutz-, Regen- und Mischwasserkanäle durch Schlauchlining mit<br />

dem SAERTEX-Liner-System. Die Bandbreite der sanierten Nennweiten reicht von DN 250 bis DN 700, die<br />

installierten Längen betrugen bis zu 170 Metern.<br />

Im Jahr 1906 wurde die Gemeinde<br />

Kirchditmold der Stadt Kassel eingemeindet.<br />

In den Jahren nach dem<br />

2. Weltkrieg wuchs Kirchditmold<br />

von 4000 Einwohnern (1929) auf<br />

11 000 Einwohner. Heute leben in<br />

dem 3,6 km² großen Stadtteil rund<br />

10 500 Einwohner. Ein typisches<br />

Siedlungsgebiet aus der Wachstumsphase<br />

der 50er und 60er Jahre ist<br />

das west liche, an Rothenditmold<br />

Kirchditmold: 60 Jahre alte Kanäle als Sanierungsfälle<br />

– hier ein Betonsammler DN 700 mit zu Sanierungsbeginn<br />

eingezogener Gleitfolie.<br />

Alle Abbildungen: KMG Pipe Technologies GmbH<br />

Direkt vom Transportfahrzeug herunter wurden die<br />

Liner via Revisionsschacht in die Kanäle eingezogen<br />

und dort pneumatisch aufkalibriert.<br />

und den Kasseler Güterbahnhof<br />

grenzende Quartier links und rechts<br />

der Hohnemannstraße. Seine<br />

Schmutz- und Regenwasserkanäle<br />

nähern sich nicht nur kalkulatorisch<br />

dem Ende ihres Lebenszyklus, sondern<br />

sind großenteils auch physische<br />

Sanierungsfälle mit einer breiten<br />

Palette an Schadensbildern.<br />

Um in den teilweise engen, aber<br />

zugleich intensiv frequentierten<br />

Wohnstraßen offene Kanalbaumaßnahmen<br />

zu vermeiden, schrieben<br />

die Planer des Netzbetreibers KAS-<br />

SELWASSER im Jahre 2011 die Sanierung<br />

von insgesamt 3350 Kanalmetern<br />

(Schmutz-, Regen- und<br />

Mischwasser) als Leistungspaket für<br />

die Sanierung mit der grabenlosen<br />

Schlauchlining-Technologie aus.<br />

Den Zuschlag im öffentlichen Vergabewettbewerb<br />

erhielt schließlich<br />

die Niederlassung Frankfurt der<br />

KMG Pipe Technologies GmbH. KMG<br />

PT stützte sein erfolgreiches Gebot<br />

auf den Einsatz lichthärtender GFK-<br />

Liner des SAERTEX-Liner-Systems.<br />

Diese Schlauchlining-Technologie<br />

bietet für den Einsatz in Kirchditmold<br />

spezielle Vorteile. Da es in den<br />

Straßen des Quartiers durchwegs<br />

eng zugeht, muss einerseits das<br />

Baustellenequipment minimalistisch<br />

und hoch mobil gehalten werden.<br />

Zum anderen gilt es, ebenfalls<br />

zugunsten der Flexibilität, die Bauzeiten<br />

so kurz wie irgend möglich<br />

zu halten. Bauwerke wie Inversionsoder<br />

Förderbandtürme, wie sie<br />

etwa für Warmwasser härtende<br />

Schlauchlinerverfahren typisch sind,<br />

wären in diesem Bereich auch unter<br />

verkehrlichen Aspekten nicht hinnehmbar<br />

gewesen. Auch hätten<br />

nachts laufende Generatoren von<br />

Warmwasser-Heizanlagen in der<br />

dichten Wohnbebauung nicht toleriert<br />

werden können: Alles Gesichtspunkte<br />

„pro Lichthärtung“.<br />

Mit welch vergleichsweise knappem<br />

Zeitrahmen lichthärtende<br />

Schlauchlining-Technologie auskommt,<br />

beweist das Timing der beiden<br />

größten Liner dieses Auftragspaketes.<br />

Am 30. und 31. Mai 2012<br />

wurden in den Regenwassersammler<br />

DN 700 im Zuge der Hohnemannstraße<br />

zwei 120 bzw. 88 Meter<br />

lange SAERTEX-Liner mit jeweils<br />

8 Millimeter Wandstärke eingebaut.<br />

Der Einbau begann nach Grundreinigung<br />

des Kanals damit, dass man<br />

eine PE-Gleitfolie in die Kanalsohle<br />

einzog; diese schützt den Liner im<br />

weiteren Einbau vor Reibungsbedingten<br />

Schäden an seiner<br />

Umhüllung. Die Liner selbst wurden<br />

in einer lichtdichten Folie an den<br />

Ort des Geschehens transportiert<br />

und dort direkt von der Ladefläche<br />

des Transportfahrzeuges herunter<br />

durch den geöffneten Revisionsschacht<br />

in den Kanal eingezogen.<br />

Dieser Vorgang dauerte etwa bei<br />

der 88-Meter-Haltung, die einen<br />

Zwischenschacht überfuhr, rund<br />

90 Minuten. Nach weiteren 90 Minuten<br />

war der im Rohr liegende, harzgetränkte<br />

Glasfaserschlauch beiderseits<br />

durch Drucktöpfe verschlossen<br />

und per Luftdruck formschlüssig<br />

aufgestellt. Daraufhin wurden vom<br />

Startschacht der Sanierung her die<br />

beiden UV-Strahlermodule mit je<br />

4000 Watt Leistung eingesetzt,<br />

bevor man den Drucktopf im Startschacht<br />

erneut einsetzte. Durch den<br />

neuerlich pneumatisch aufgestell-<br />

September 2012<br />

878 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Tiefbau<br />

FOKUS<br />

Nach dem Einsetzen der Strahler-Einheit wird der<br />

Liner wiederum mit dem Drucktopf verschlossen und<br />

per Luftdruck formschlüssig aufgestellt.<br />

Eines der beiden 4000-Watt-Strahlermodule<br />

wird einsatzbereit in<br />

den Revisionsschacht hinab<br />

gelassen.<br />

Ausgehärteter SAERTEX-Liner DN 700 in der Hohnemannstraße.<br />

Im vorderen Bereich wurde beim Öffnen<br />

des Liners entstandener Schleifstaub händisch<br />

entfernt.<br />

ten Liner zog man nun die Strahler-<br />

Einheit zum Gegenschacht der<br />

Sanierungsstrecke. Auf dem Wege<br />

dorthin wurde der Einbauzustand<br />

des Schlauches mit einer Frontkamera<br />

überwacht und aufgezeichnet,<br />

um eventuelle Lageprobleme<br />

rechtzeitig, d.h. vor der endgültigen<br />

Aushärtung, korrigieren zu können.<br />

Das Einsetzen der Strahler und<br />

Befahrung des Liners nahmen rund<br />

60 Minuten in An spruch.<br />

Der entscheidende Arbeitsgang<br />

beim UV-Härtungs-Verfahren ist die<br />

Belichtung des Liners mit einem<br />

exakt dosierten Strahlungsquantum.<br />

Dazu wurden die beiden Strahler-Module<br />

mit zusammen 8000<br />

Watt Leistung im Gegenschacht<br />

gezündet und dann mit exakt definierter<br />

Geschwindigkeit durch den<br />

Liner zum Startschacht zurückgezogen.<br />

Bei den Linern in der Hohnemannstraße<br />

betrug die Durchfahrtgeschwindigkeit<br />

50 cm/Minute, so<br />

dass dieser Arbeitsgang in 240 bzw.<br />

176 Minuten erfolgreich abgeschlossen<br />

werden konnte. Da UVausgehärtete<br />

Liner unmittelbar<br />

nach der Aushärtung in kürzester<br />

Zeit spannungsfrei abkühlen, können<br />

sie unmittelbar wieder in<br />

Betrieb gehen, bzw. weiter bearbeitet<br />

werden, was in diesem Falle<br />

bedeutete, dass in den sanierten<br />

Abschnitten jeweils acht Anschlüsse<br />

wieder aufgefräst wurden. Längenausdehnungen<br />

des Liners, die zu<br />

Problemen mit Schachteinbindungen<br />

oder Anschlüssen führen könnten,<br />

müssen bei der Lichthärtung<br />

nicht berücksichtigt werden. Fest zu<br />

halten bleibt, dass beide Liner der<br />

Hohnemannstraße in Kirchditmold<br />

innerhalb jeweils eines knappen<br />

Arbeitstages saniert und wieder in<br />

Betrieb genommen werden konnten.<br />

Bei den kleineren Nennweiten in<br />

Kirchditmold (von DN 200 bis<br />

DN 600) lief der Vorgang teils noch<br />

deutlich schneller ab. Das führte<br />

nicht nur dazu, dass die Verkehrsbehinderungen<br />

durch die einzelnen<br />

Einsätze auf das unvermeidliche<br />

Maß beschränkt wurden, sondern<br />

ermöglichte auch die Abwicklung<br />

des Gesamtprojektes von rund<br />

3350 Linerlänge innerhalb von nur<br />

14 Arbeitswochen.<br />

Kontakt:<br />

KMG Pipe Technologies GmbH,<br />

Julius-Müller-Straße 6,<br />

D-32816 Schieder-Schwalenberg,<br />

Tel. (05284) 705-0,<br />

Fax (05284) 705-205,<br />

E-Mail: ulrich.winkler@kmg.de,<br />

www.kmg.de<br />

GFK-Liner mehrstöckig, durch<br />

einen Zwischenschacht gesehen:<br />

Oben der sanierte Regenwassersammler<br />

DN 700, eine Etage tiefer<br />

der Schmutzwasserkanal DN 250,<br />

ebenfalls mit SAERTEX-Liner.<br />

September 2012<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 879


Fokus<br />

Tiefbau<br />

SediPipe XL-Plus: Vorsorge für den Havariefall<br />

Regenwasserreinigung von FRÄNKISCHE mit integrierter Ölabscheidung<br />

SediPipe XL-Plus, die Sedimentationsanlage der Fränkischen Rohrwerke mit zwei Strömungstrennern, revolutioniert<br />

die Regenwasserreinigung: Sie entfernt nicht nur Schmutzpartikel zuverlässig aus dem abgeleiteten<br />

<strong>Wasser</strong>, sondern scheidet auch bei hohen Durchflüssen in Havariefällen Leichtflüssigkeiten wie Öl sicher ab.<br />

Dabei erreicht SediPipe XL-Plus den Wirkungsgrad eines Koaleszenzabscheiders und bietet damit auch optimalen<br />

Gewässerschutz gegen auslaufende Leichtstoffe bei Unfällen im Regenwetter. Mit SediPipe XL-Plus hat<br />

FRÄNKISCHE, Marktführer im Bereich Regenwasserbewirtschaftung, den nächsten Innovationsschritt zur<br />

effizienten und sicheren Regenwasserbehandlung realisiert: Mit der integrierten Abscheidung von Leichtflüssigkeiten<br />

bei Regen setzt FRÄNKISCHE auch für große Einzugsflächen gegenüber klassischen Regenklärbecken<br />

noch ein wichtiges PLUS oben auf!<br />

Damit über das Regenwasser<br />

keine Schadstoffe in Gewässer<br />

und Grundwasser gelangen, muss<br />

der Niederschlag in vielen Fällen<br />

gereinigt werden, bevor er abgeleitet<br />

wird oder versickern kann. Eine<br />

weitaus effektivere Möglichkeit als<br />

platzintensive Regenklärbecken<br />

bietet FRÄNKISCHE mit dem<br />

SediPipe-Programm. Die unter Verkehrsflächen<br />

eingebaute Anlage<br />

SediPipe XL-Plus verfügt dabei über<br />

zwei Strömungstrenner, die sowohl<br />

Schmutzpartikel als auch Leichtflüssigkeiten<br />

aus dem durchfließenden<br />

Regenwasser entfernen. Auch beim<br />

Anschluss größerer Flächen von<br />

mehreren Hektar überzeugt das<br />

Baukasten-System SediPipe mit seiner<br />

hohen Reinigungsleistung. Die<br />

Geometrie macht dabei den Unterschied:<br />

Objektspezifische Planung<br />

und flexible Gestaltungsmöglichkeiten<br />

erlauben, Reinigungsleistung<br />

und Rohrdurchmesser an die jeweilige<br />

Situation anzupassen.<br />

SediPipe XL-Plus: Havarievorsorge<br />

auch bei starkem<br />

Regen<br />

Unfälle und Havarien, bei denen<br />

Leichtflüssigkeiten wie Öl oder Diesel<br />

austreten oder sich mit dem<br />

Löschwasser vermischen, können<br />

auf Verkehrsflächen nie vollständig<br />

ausgeschlossen werden. SediPipe<br />

XL-Plus sorgt für den Havariefall vor:<br />

Ein Strömungstrenner im oberen<br />

Rohrquerschnitt sorgt auch bei<br />

hohen Durchflüssen für eine zuverlässige<br />

Abscheidung der mitgerissenen<br />

Leichtstoffe. „SediPipe XL-<br />

Plus gewährleistet damit für unsere<br />

Gewässer höchstmögliche Havarievorsorge,<br />

auch bei starkem Regen<br />

oder bei zufließendem Löschwasser.<br />

Über den oberen Strömungstrenner<br />

erreichen diese Anlagen sogar die<br />

Leistungsfähigkeit eines Koaleszenzabscheiders“,<br />

so Michael Schütz,<br />

Leiter Produktmanagement bei<br />

FRÄNKISCHE Drainage.<br />

Leistungsfähig wie ein<br />

Koaleszenzabscheider<br />

Fließt nach einem Unfall bei Regen<br />

ein <strong>Wasser</strong>-Öl-Gemisch in die<br />

SediPipe XL-Plus-Anlage, zerteilt<br />

das Fließwasser das mitgerissene Öl<br />

in viele kleine Tropfen. Die feinen<br />

Tröpfchen steigen in der Anlage<br />

sehr langsam auf und werden im<br />

strömungsberuhigten oberen Rohrabschnitt<br />

sicher aufgefangen. Der<br />

Strömungstrenner wirkt dabei ähnlich<br />

einem Koaleszenzeinsatz: Seine<br />

Gitterstruktur fängt kleinste Öltropfen<br />

auf und verbindet sie zu größeren<br />

Tropfen, die leichter abscheidbar<br />

sind und zum Rohrscheitel aufsteigen.<br />

Im Zielschacht sammeln<br />

sich die Tropfen zu einer stabilen<br />

Ölschicht vor dem Tauchrohr, die<br />

auch bei nachfolgendem Starkregen<br />

nicht wieder ausgetragen<br />

werden kann. Den Rückhalt von<br />

Leichtflüssigkeiten durch SediPipe<br />

XLPlus-Anlagen hat die TÜV Rheinland<br />

LGA Products GmbH geprüft.<br />

Die Ablaufwerte entsprechen<br />

denen eines Ölabscheiders Klasse I<br />

nach DIN EN 858-1 (Restölgehalt<br />

≤ 5,0 mg/L, was einem Ölrückhalt<br />

von mindestens 99,9 % entspricht).<br />

Depotsicherung auch bei<br />

Starkregen<br />

Der untere Strömungstrenner in<br />

SediPipe XL-Plus fängt dagegen die<br />

feinen Partikel auf, die wegen ihrer<br />

großen Oberflächen die größte<br />

Menge an Schadstoffen und<br />

Schwermetallen binden. Der langgestreckte<br />

und rohrförmige Sedimentationsraum<br />

ist dabei ein klarer<br />

Vorteil: Die Strömungsgleichrichtung<br />

verkürzt den Sinkweg der Partikel<br />

und vermeidet Wirbelbildung<br />

und Kurzschlussströmungen. Zu -<br />

sätzlich schützt der Strömungstrenner<br />

vor Remobilisierung der Partikel,<br />

sodass auch ein starker Regen<br />

das Sediment nicht mehr aus dem<br />

strömungsberuhigten Raum im<br />

unteren Rohrquerschnitt austragen<br />

kann. Anlagen mit SediPipe XL-Plus<br />

September 2012<br />

880 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Tiefbau<br />

FOKUS<br />

benötigen bei höherer Leistung ein<br />

wesentlich geringeres Bauvolumen<br />

als konventionelle Regenklärbecken.<br />

Die Reinigungsleistung von<br />

SediPipe XL-Plus hat das Institut für<br />

<strong>Wasser</strong>bau und Siedlungswasserwirtschaft<br />

an der HTWK Leipzig wissenschaftlich<br />

nachgewiesen.<br />

Kosteneinsparung durch<br />

Koaleszenz-Abscheidewirkung<br />

Die Bauvorgaben für Regenwasserreinigungs-Anlagen<br />

sind meist sehr<br />

klar: Die Anlage sollte platzsparend,<br />

unterirdisch, leicht und schnell zu<br />

installieren sein. Bei eventuell<br />

hohen Grundwasserständen ist<br />

zudem eine geringe Einbautiefe<br />

gefordert. Dazu müssen die wasserrechtlichen<br />

Anforderungen erfüllt<br />

werden, und nicht zuletzt soll die<br />

Lösung kostengünstig sein. „Diesen<br />

Anforderungen entsprechen Sedi-<br />

Pipe-Anlagen in allen Punkten. Wir<br />

konnten bei einigen Projekten<br />

bereits bis zu 30 % Kosten gegenüber<br />

herkömmlichen Regenklärbecken<br />

einsparen“, erklärt Michael<br />

Schütz. Das günstige Preis-Leistungs-Verhältnis<br />

hat mehrere Ursachen.<br />

Weil die Anlagen bereits vorgefertigt<br />

zur Baustelle geliefert werden,<br />

dauert der Einbau vergleichsweise<br />

kurz und kann gezielt bei<br />

optimaler Witterung erfolgen. Das<br />

Prinzip der langgezogenen Sedimentationsstrecke<br />

mit Strömungstrenner<br />

verhindert tiefe, dauergestaute<br />

Sedimentationsbecken und<br />

damit verbundene gewaltige Erdarbeiten.<br />

Durch geringe Gewichte<br />

und Abmessungen der steckfertigen<br />

Anlagenmodule wird zudem<br />

der Aufwand für Transport und Baustellen-Handling<br />

minimiert. Wirtschaftlich<br />

noch interessanter wird<br />

Sedi Pipe XL-Plus nun durch die<br />

zusätz liche Funktionalität analog<br />

eines Koaleszenzabscheiders: Bei<br />

vergleichbarer Leistung sind die<br />

Kosten wesentlich geringer als bei<br />

Anordnung eines nachgeschalteten,<br />

separaten Ölabscheiders.<br />

Einfache Wartung durch<br />

Begehbarkeit<br />

Die Typenreihe SediPipe XL besteht<br />

aus vier Anlagengrößen (600/6,<br />

600/12, 600/18 und 600/24). Die<br />

Anlagen lassen sich problemlos zu<br />

Großanlagen kombinieren – ein<br />

24-Meter-Rohr reinigt das Regenwasser<br />

einer Fläche bis zu 4 ha –<br />

und ersetzen somit klassische<br />

Regenklärbecken. SediPipe wird im<br />

Turnus der üblichen Kanalnetzspülung<br />

gereinigt. Durch die geöffnete<br />

Ventilklappe und das Gegengefälle<br />

des Sedimentationsrohres rutscht<br />

der Schlamm zum Tiefpunkt im<br />

Startschacht und wird von dort<br />

abgesaugt. Anschließend wird die<br />

Anlage gespült und ist danach<br />

sofort wieder betriebsbereit. Im<br />

Bedarfsfall können die Startschäch te<br />

und die bis zu 24 Meter langen<br />

Behandlungsstrecken mit ihrem<br />

Durchmesser von 1000 mm zu Wartungs-<br />

und Kontrollarbeiten auch<br />

begangen werden.<br />

Anders verhält es sich mit Leichtflüssigkeiten<br />

aus Havariefällen: Öl<br />

und Diesel zählen zu den Stoffen,<br />

die das Grundwasser nachhaltig<br />

gefährden und deshalb auf keinen<br />

Fall in nachfolgende Gewässer<br />

gelangen dürfen. Leichtflüssigkeiten<br />

aus Havariefällen können sofort<br />

nach dem Schadensfall sehr leicht<br />

aus der Anlage abgesaugt und fachgerecht<br />

entsorgt werden. Nach<br />

einer Hochdruckreinigung steht die<br />

Anlage dann sofort wieder mit voller<br />

Funktionalität zur Verfügung.<br />

SediPipe XL-Plus sorgt für optimalen<br />

Gewässerschutz auch bei<br />

Havariefällen, bei denen Leichtflüssigkeiten<br />

zusammen mit starkem<br />

Regen oder Löschwasser abfließen.<br />

Mit seiner hohen Reinigungsleistung,<br />

großen Speichervolumina<br />

und hoher Wartungsfreundlichkeit<br />

unterstreicht das flexible Reinigungs-System<br />

den Anspruch der<br />

Fränkischen Rohrwerke: „4 Aufgaben<br />

– 1 Lösung: Regenwasser ist<br />

unsere Kompetenz“.<br />

Kontakt:<br />

Fränkische Rohrwerke,<br />

Gebr. Kirchner GmbH & Co. KG,<br />

GB Drainage,<br />

Hellinger Straße 1,<br />

D-97486 Königsberg/Bayern,<br />

Tel. (09525) 88-419,<br />

Fax (09525) 88-412,<br />

E-Mail: info.drain@fraenkische.de,<br />

www.fraenkische-drain.de<br />

September 2012<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 881


Fokus<br />

Tiefbau<br />

Neues Entwässerungssystem für ein Welterbe<br />

DS CityLiner ® : Pilotprojekt auf Zollverein<br />

Rund 3500 m schadhafter Kanäle<br />

hat die DIRINGER & SCHEIDEL<br />

ROHRSANIERUNG GmbH & Co. KG<br />

im Rahmen eines Pilotprojektes auf<br />

dem Gelände der Kokerei Zollverein<br />

mit dem DS CityLiner ® saniert. Bei<br />

dem Verfahren wird ein außenseitig<br />

PU-beschichteter Nadelfilzschlauch<br />

unmittelbar vor dem Einbau auf der<br />

Baustelle in einer eigens dafür konstruierten<br />

Mischanlage mit Epoxidharz<br />

getränkt, kontrolliert kalibriert<br />

und dann mit <strong>Wasser</strong>druck im Inversionsverfahren<br />

in die vorbereitete<br />

Haltung eingebracht. Das wirtschaftliche<br />

und flexible Sanierungsverfahren<br />

hatte sich in einer Machbarkeitsstudie<br />

der Essener bPLAN<br />

Ingenieurgesellschaft vor allem<br />

unter ökologischen und ökonomischen<br />

Aspekten gegen einen kompletten<br />

Neubau des Kanalnetzes<br />

durchgesetzt. Die Sanierungsarbeiten,<br />

die neben dem Einzug von<br />

Schlauchlinern im Nennweitenbereich<br />

von DN 200 bis DN 900 die<br />

händische Sanierung eines rund<br />

420 m langen begehbaren Kastenprofils<br />

sowie die Auskleidung von<br />

rund 90 Schachtbauwerken umfasste,<br />

konnten zur vollsten Zufriedenheit<br />

des Auftraggebers abgeschlossen<br />

werden: Bei allen 24 Haltungen<br />

waren sowohl bei den<br />

Materialkennwerten als auch bei<br />

der Dichtigkeit die ermittelten<br />

Werte deutlich besser als die geforderten<br />

Sollvorgaben.<br />

Die Kokerei Zollverein wurde in<br />

den Jahren 1957–61 in Anbindung<br />

an den Schacht XII der Zeche Zollverein<br />

errichtet. Mitte der 1960er<br />

Jahre erreichte die Kokerei erstmals<br />

ihre Höchstkapazität von 5000 Tonnen<br />

Koks pro Tag. Anfang der<br />

1970er Jahre wurde sie zu einer der<br />

weltweit größten Anlagen ausgebaut.<br />

Rund 1000 Menschen arbeiteten<br />

in Spitzenzeiten hier, viele<br />

davon im Schichtbetrieb. Im Zuge<br />

der großen Stahlkrisen und dem<br />

Rund 1000 Menschen arbeiteten in Spitzenzeiten in der Kokerei Zollverein.<br />

2001 wurde die Industrieanlage in die UNESCO-Welterbeliste<br />

aufgenommen. Foto: Thomas Willemsen / Stiftung Zollverein<br />

damit verbundenen Rückgang der<br />

Produktion wurde die Kokerei im<br />

Juni 1993 stillgelegt. Im Jahr 2000<br />

wurde die Kokerei Zollverein mit<br />

den Bereichen der Koksproduktion<br />

(schwarze Seite) und der chemischen<br />

Produktion zur Gewinnung<br />

der Nebenprodukte (weiße Seite)<br />

unter Denkmalschutz gestellt. 2001<br />

folgte der Eintrag der Zeche Zollverein<br />

Schacht XII und Schacht 1/2/8<br />

sowie der Kokerei Zollverein in die<br />

UNESCO-Liste des Welterbes.<br />

Machbarkeitsstudie als<br />

Grundlage<br />

Bei der weiteren städtebaulichen<br />

Entwicklung der einzigartigen in -<br />

dustriellen Kulturlandschaft steht<br />

unter anderem eine nachhaltige<br />

Siedlungswasserwirtschaft im Fo -<br />

kus. Vor dem Hintergrund einer<br />

Machbarkeitsstudie, die den Umbau<br />

der <strong>Abwasser</strong>anlagen der Kokerei<br />

Zollverein unter Berücksichtigung<br />

einer naturnahen Regenwasserbewirtschaftung<br />

zum Gegenstand<br />

hatte, beschlossen Emschergenossenschaft<br />

und Stiftung Zollverein,<br />

die vorhandenen Mischsysteme des<br />

Gesamtbereiches Zollverein näher<br />

untersuchen zu lassen. „Hierbei<br />

standen die Entflechtung unterschiedlich<br />

belasteter <strong>Wasser</strong>ströme,<br />

insbesondere Schmutz- und Regenwasser,<br />

eine naturnahe Regenwasserbewirtschaftung<br />

unter den<br />

Randbedingungen einer altindustriellen<br />

Fläche, die Behandlungsbedürftigkeit<br />

des Regenwassers vor<br />

Einleitung ins Gewässer sowie die<br />

Einsparpotenziale bei der baulichen<br />

Sanierung des vorhandenen <strong>Abwasser</strong>netzes<br />

durch Entflechtung des<br />

Mischsystems besonders im Blickpunkt“,<br />

erläutert Dipl.-Ing. Peter<br />

Günster, Objektplaner bei der<br />

bPLAN Ingenieurgesellschaft. Bisher<br />

existierten auf dem Kokereigelände<br />

in weiten Teilbereichen für<br />

das Mischsystem zwei parallel verlaufende<br />

Kanäle. „In einem sogenannten<br />

„Tageswasserkanal“ wurden<br />

das anfallende Schmutzwasser<br />

sowie das Niederschlagswasser der<br />

bebauten und befestigten Flächen<br />

abgeleitet“, so Günster weiter. „Der<br />

Betriebswasserkanal hatte die Aufgabe,<br />

das betriebliche <strong>Abwasser</strong> der<br />

Kokerei zu sammeln und abzuleiten.<br />

September 2012<br />

882 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Tiefbau<br />

FOKUS<br />

Beide Systeme mündeten in die im<br />

nordöstlichen Bereich be findliche<br />

Kokerei-Kläranlage. Von der ehemaligen<br />

Kläranlage aus flossen sämtliche<br />

Abwässer im Mischsystem<br />

durch den teilweise offenen Kokereigraben<br />

zum verrohrten Katernberger<br />

Bach. Für den Bereich<br />

Schacht XII bestand ein Mischwasserkanalsystem,<br />

ein Betriebswasserkanal<br />

war dort nicht vorhanden.“<br />

Wirtschaftlich und flexibel<br />

Im Zuge der Ausführungsplanung<br />

der mit Mitteln des Landes und der<br />

Emschergenossenschaft geförderten<br />

Abkopplungsmaßnahmen wur -<br />

de das vorhandene Kanalnetz komplett<br />

untersucht und ein umfangreiches<br />

Sanierungskonzept erstellt.<br />

Dabei hat sich die bauliche und<br />

hydraulische Aussanierung des<br />

Ta geswasserkanals als zukünftig<br />

öffentlichen Mischwasserkanal und<br />

Sanierung des Betriebswasserkanals<br />

als privaten Regenwasserkanal<br />

der Stiftung mit Einleitung in<br />

den Katernberger Bach sowohl ökologisch<br />

als auch ökonomisch als die<br />

eindeutige Vorzugsvariante herausgestellt.<br />

Auftraggeber und Planer<br />

entschieden sich deshalb, einen<br />

Großteil der vorhandenen Kanalisation<br />

mit einem Schlauchliner zu<br />

sanieren. Zu den nennenswerten<br />

Vorteilen dieses Verfahrens zählt für<br />

Dipl.-Ing. Rüdiger Rang, Objektüberwachung<br />

bPLAN Ingenieurgesellschaft,<br />

„neben der sehr kurzen<br />

Einbauzeit der Umstand, dass im<br />

Gegensatz zu Sanierungsmaßnahmen<br />

in offener Bauweise Aufgrabungen<br />

weitestgehend entfallen.“<br />

Eine wichtige Voraussetzung für die<br />

Arbeiten auf dem ehemaligen<br />

Zechengelände.<br />

<br />

Schlauchlinersanierung<br />

auf<br />

Zeche Zollverein:<br />

Die<br />

Mischanlage<br />

ist im sogenannten<br />

DS<br />

CityLiner ®<br />

untergebracht.<br />

Foto: DIRINGER &<br />

SCHEIDEL ROHR-<br />

SANIERUNG<br />

Bei dem Verfahren<br />

wird ein<br />

außenseitig PUbeschichteter<br />

Nadelfilzschlauch<br />

unmittelbar<br />

vor dem<br />

Einbau auf der<br />

Baustelle mit<br />

Epoxidharz<br />

getränkt, kontrolliert<br />

kalibriert<br />

und dann mit<br />

<strong>Wasser</strong>druck im<br />

Inversionsverfahren<br />

in die<br />

vorbereitete<br />

Haltung eingebracht.<br />

Foto:<br />

DIRINGER & SCHEI-<br />

DEL ROHRSANIE-<br />

RUNG<br />

GFK-Rohrsysteme für die Sanierung<br />

Schachtsanierung l Relining l Sonderprofile<br />

HOBAS Rohre GmbH l Gewerbepark 1/Hellfeld l 17034 Neubrandenburg l T +49.395.45 28 0 l F +49.395.45 28 100 l www.hobas.de<br />

September 2012<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 883


Fokus<br />

Tiefbau<br />

Durch Aufheizen<br />

des bei der<br />

Inversion<br />

benutzten <strong>Wasser</strong>s<br />

erfolgt die<br />

Aushärtung<br />

des Epoxidharz-Systems.<br />

Foto: DIRINGER &<br />

SCHEIDEL ROHR-<br />

SANIERUNG<br />

Alle Anforderungen erfüllt<br />

Insgesamt wurden rund 3500 m des<br />

alten Leitungsnetzes – es bestand<br />

aus Beton- und Steinzeugrohren in<br />

Nennweiten von DN 200 bis DN 900<br />

– mit Schlauchlinern saniert. Bei<br />

dem Verfahren wird ein außenseitig<br />

PU-beschichteter Nadelfilzschlauch<br />

unmittelbar vor dem Einbau auf der<br />

Baustelle in einer eigens dafür konstruierten<br />

Mischanlage mit einem<br />

Epoxidharz getränkt, kontrolliert<br />

kalibriert, und dann mit <strong>Wasser</strong>druck<br />

im Inversionsverfahren in die<br />

vorbereitete Haltung eingebracht.<br />

Das Ergebnis ist ein Produkt, dessen<br />

Standard und Qualität allen Anforderungen<br />

in puncto Dichtheit, statischer<br />

Tragfähigkeit und hydraulischem<br />

Abflussverhalten gerecht<br />

wird. „Das zeigte sich auch bei den<br />

Auswertungen der Baustellenproben“,<br />

erläutert Bauleiter Dipl.-Ing.<br />

Jens Wahr, DIRINGER & SCHEIDEL<br />

ROHRSANIERUNG GmbH & Co. KG,<br />

NL Herne. „An gekrümmten Prüflingen,<br />

die aus der Baustellenprobe<br />

entnommen wurden, wurden unter<br />

anderem die Kurzzeitwerte der Biegefestigkeit<br />

und des Biege-E-<br />

Moduls ermittelt. Die Ergebnisse<br />

waren hervorragend.“<br />

Mobile Tränkstation<br />

Die Mischanlage ist im sogenannten<br />

DS CityLiner ® untergebracht. Die<br />

mobile Tränkstation verfügt über je<br />

einen Harz- und einen Härtertank.<br />

„Sie sind klimatisiert, um die Harztemperaturen<br />

unabhängig von den<br />

Außentemperaturen auf einem<br />

definierten Stand zu halten“, so<br />

Wahr weiter. Die Überwachung er -<br />

folgt über integrierte Messgeräte.<br />

Regelbare Förderpumpen sorgen<br />

für den Transport der erforderlichen<br />

Harz- und Härtermengen zum<br />

Zwangsmischer. Nun werden die<br />

Komponenten unter Luftausschluss<br />

zusammengeführt und in den Filzschlauch<br />

eingebracht. Der vorbereitete<br />

Inliner wird dann mit <strong>Wasser</strong>druck<br />

im Inversionsverfahren in die<br />

zu sanierende Haltung eingebracht.<br />

Durch Aufheizen des bei der Inversion<br />

benutzten <strong>Wasser</strong>s erfolgt die<br />

Aushärtung des Epoxidharz-Systems.<br />

Nach dem Aushärten werden<br />

– falls vorhanden – verschlossene<br />

Kanalanschlussleitungen mit dem<br />

KA-TE-Roboter geöffnet. Im Zuge<br />

der Sanierungsarbeiten wurden<br />

zusätzlich rund 90 Schächte saniert<br />

und mit einer mineralischen Be -<br />

schichtung versehen. Hinzu kam die<br />

händische Beschichtung des 420 m<br />

langen abgedeckelten Kokereigrabens.<br />

„Es handelt sich um ein begehbares<br />

Kastenprofil mit Trockenwetterrinne“,<br />

erläutert Bauleiter Rang.<br />

„Nach einer Hochdruckreinigung<br />

und der Reprofilierung der Sohle<br />

wurde der Untergrund – insbesondere<br />

die freiliegende Bewehrung –<br />

vorbehandelt und anschließend mit<br />

Spritzbeton ausgekleidet.<br />

Die Sanierungsarbeiten auf dem<br />

Gelände der Zeche Zollverein konnten<br />

zur Zufriedenheit der Auftraggeber<br />

abgeschlossen werden. Nach<br />

Fertigstellung der Abkopplungsmaßnahmen<br />

sind sämtliche <strong>Abwasser</strong>anlagen<br />

gemäß den allgemeinen<br />

Regeln der Technik saniert und die<br />

Dichtheit der Schmutz- und Mischsysteme<br />

ist nachgewiesen. Neben<br />

den umfangreichen Arbeiten in grabenloser<br />

Bauweise zählten die<br />

Neuverlegung eines <strong>Abwasser</strong>kanals<br />

DN 500, diverse Umklemmarbeiten<br />

von Schmutz- und Regenwasserkanälen,<br />

die Einrichtung von<br />

Pumpenanlagen und eines Regenrückhaltebeckens<br />

sowie der Bau<br />

einer Druckwasserleitung und eines<br />

Bodenfilters zu den wichtigsten<br />

Bausteinen des umfangreichen<br />

Sanierungskonzeptes.<br />

Kontakt:<br />

DIRINGER & SCHEIDEL ROHRSANIERUNG<br />

GmbH & Co. KG, Wilhelm-Wundt-Straße 19,<br />

D-68199 Mannheim, Tel. (0621) 8607 440,<br />

Fax (0621) 8607 449,<br />

E-Mail: zentrale.rohrsan@dus.de,<br />

www.dus-rohrsanierung.de<br />

September 2012<br />

884 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Tiefbau<br />

FOKUS<br />

Kanalerneuerung Synagogengasse Drensteinfurt:<br />

Mit dem Minibagger durchs Nadelöhr<br />

Was die Tiefbauer in der Synagogengasse<br />

in Drensteinfurt<br />

erwartete, war gleich in mehrerlei<br />

Hinsicht eine Herausforderung: Die<br />

Baustelle glich mit einer Gassenbreite<br />

zwischen 2,5 m und 3,5 m<br />

einem Nadelöhr; der bestehende<br />

Kanal war aus unterschiedlichen<br />

Werkstoffen zusammengesetzt, hy -<br />

draulisch zu gering bemessen und<br />

nur 30 cm mit Boden überdeckt; es<br />

gab viele selbst gebastelte<br />

Schächte, die alle marode waren;<br />

gleichzeitig galt es, auf denkmalgeschützte<br />

Gebäude Rücksicht zu<br />

nehmen. Alles in allem Voraussetzungen,<br />

wie sie nicht alle Tage anzutreffen<br />

sind und ein erhebliches<br />

Maß an Planung und Vorbereitung<br />

erfordern. Ein wichtiger Aspekt<br />

unter solch erschwerten Rahmenbedingungen<br />

ist die Wahl des Rohrwerkstoffs.<br />

Die Stadtverwaltung<br />

Drensteinfurt entschied sich hierbei<br />

für Produkte von der Funke Kunststoffe<br />

GmbH. Auch für den Auftragnehmer,<br />

die Firma Walter Frerichmann<br />

Straßen- und Tiefbau, eine<br />

gute Entscheidung, denn Rohre und<br />

Formteile des unter anderem eingesetzten<br />

HS ® -Kanalrohrsystems besitzen<br />

ein geringes Eigengewicht, sind<br />

inklusive der Formteile wandverstärkt<br />

und dadurch sehr stabil,<br />

schon in Einbautiefen ab 0,5 m einsetzbar<br />

und dank fest eingelegter<br />

FE ® -Dichtung leicht zu verlegen.<br />

Es war ein alarmierendes Zeichen<br />

für die Stadtverwaltung Drensteinfurt,<br />

als ein Gebäudekeller in<br />

der Synagogengasse Vernässungen<br />

aufzeigte. Eine daraufhin erfolgte<br />

Überprüfung des Kanals bestätigte,<br />

was im Tiefbauamt längst befürchtet<br />

worden war: Der Sammler war in<br />

die Jahre gekommen; es bestand<br />

akuter Handlungsbedarf. „Zunächst<br />

haben wir den Schaden nur punktuell<br />

beheben lassen, um ein weiteres<br />

Eindringen von <strong>Wasser</strong> in den<br />

Gebäudekeller schnell zu stoppen“,<br />

berichtet Planer Dipl.-Ing. Hermann<br />

Himmelmann von der GNEGEL<br />

GmbH. Immerhin ist die Synagogengasse<br />

in Drensteinfurt für die<br />

Stadt von historischer Bedeutung:<br />

Sie gilt mit ihren zahlreichen Fachwerkhäusern<br />

als denkmalgeschützter<br />

Bereich. Besonders stolz sind die<br />

Drensteinfurter auf das jüdische<br />

Gotteshaus, das der Gasse den<br />

Namen verliehen hat. „Die Synagoge<br />

wurde im Krieg zerstört und<br />

1990 restauriert. Heute gehört sie<br />

zu den wenigen erhaltenen jüdischen<br />

Gotteshäusern im Münsterland,<br />

wofür die Stadt 1992 die<br />

Europa-Nostra-Medaille für die ‚eindringliche<br />

und behutsame Wiedergewinnung<br />

eines kleinen, aber<br />

wichtigen Denkmals jüdischer Tradition<br />

in Westfalen’ erhalten hat.<br />

Eine solche Auszeichnung verpflichtet“,<br />

findet Dipl.-Ing. Thomas Meier<br />

vom Fachbereich 6, Planen, Bauen,<br />

Umwelt, der Stadtverwaltung Drensteinfurt<br />

und steht mit dieser Meinung<br />

nicht alleine.<br />

Untergrund auf dem<br />

Prüfstand<br />

Der provisorischen Schadensbehebung<br />

folgte im nächsten Schritt<br />

eine gründliche Neubewertung der<br />

infrastrukturellen Gegebenheiten.<br />

Gerd Frerichmann, Inhaber der bauausführenden<br />

Walter Frerichmann<br />

Straßen- und Tiefbau, beschreibt die<br />

Lage, wie die Tiefbauer sie vorgefunden<br />

haben, so: „Der Sammler<br />

war aus unterschiedlichen Werkstoffen<br />

zusammengeflickt; es gab<br />

viele selbst gebastelte Schächte, die<br />

alle vollständig marode waren. Mit<br />

einer Nennweite von DN/OD 160<br />

war der Sammler hydraulisch viel<br />

zu gering bemessen. Außerdem<br />

befand er sich nur 30 cm unter der<br />

Oberfläche.“ Für die Beteiligten vor<br />

Ort stand angesichts dieser Ausgangslage<br />

fest, dass die gesamte<br />

Kanalisation inklusive der Hausan-<br />

<br />

Um mit Blick auf die Dichtheitsprüfungen kein böses<br />

Erwachen zu erleben, geht die Stadtverwaltung Drensteinfurt<br />

auf Nummer sicher: In der Synagogengasse<br />

hat sie HS ® -<strong>Abwasser</strong>kontrollen (kleiner Gussdeckel)<br />

und HS ® -Kontrollschächte mit Gussabdeckung einsetzen<br />

lassen. Foto: Funke Kunststoffe GmbH<br />

Eine Herausforderung für die Tiefbauer: Mit einer<br />

Gassenbreite zwischen 2,5 m und maximal 3,5 m<br />

waren die Baustellenverhältnisse besonders eng.<br />

Foto: Funke Kunststoffe GmbH<br />

September 2012<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 885


Fokus<br />

Tiefbau<br />

Flexibler Werkstoff auch bei eingeschränkten Platzverhältnissen.<br />

Im Bild zu sehen: Sammler aus HS ® -<br />

Kanalrohren, CONNEX-Anschluss, Formteile des<br />

HS ® -Kanalrohrsystems und die HS ® -<br />

<strong>Abwasser</strong>kontrolle. Foto: Funke Kunststoffe GmbH<br />

Flexible und leichte Montage: der CONNEX-<br />

Anschluss, die HS ® -Hausanschlussleitung der Nennweite<br />

DN/OD 160 sowie die HS ® -<strong>Abwasser</strong>kontrolle.<br />

Foto: Gnegel<br />

schlüsse in der Synagogengasse<br />

erneuert werden mussten. Im Zuge<br />

des Kanalbaus wurden gleichzeitig<br />

auch alle anderen Versorgungsleitungen,<br />

wie etwa Gasleitungen und<br />

zusätzliche Leerrohre für Telefonkabel<br />

verlegt.<br />

„Aufgrund des denkmalgeschützten<br />

Bereiches, aber auch<br />

wegen der besonders engen Bauverhältnisse<br />

mit einer Gassenbreite<br />

von maximal 3,5 m, haben wir in<br />

einem ersten Schritt eine Bausicherung<br />

durchgeführt. Das heißt, dass<br />

wir den Istzustand der alten<br />

Gebäude dokumentiert haben, um<br />

später eventuell durch die Tiefbauarbeiten<br />

aufgetretene Schäden<br />

erkennen zu können“, erinnert sich<br />

Planer H. Himmelmann. Im Anschluss<br />

konnte damit begonnen<br />

werden, den Sammler auf die aktuellen<br />

Erfordernisse vor Ort umzustellen.<br />

Zum Einsatz kamen für die<br />

Hausanschlussleitungen HS ® -Ka nalrohre<br />

in der Nennweite DN/OD 160,<br />

die mittels CONNEX-Anschlüssen an<br />

den Sammler aus HS ® -Kanalrohren<br />

der Nennweite DN/OD 315 angeschlossen<br />

wurden. Die Kunststoffrohre<br />

wurden frostsicher bei einer<br />

Einbautiefe von 1 m verlegt. „Dass<br />

die Rohre und Formteile mit SDR 34<br />

wandverstärkt sind, hat uns mit<br />

Blick auf deren Stabilität überzeugt“,<br />

sagt Dipl.-Ing. Thomas Meier von<br />

der Stadtverwaltung.<br />

Leicht und flexibel zu<br />

verlegen<br />

Polier Klaus Grüttner, Walter Frerichmann<br />

Straßen- und Tiefbau, lobt<br />

derweil auch den praktischen<br />

Aspekt: „Wegen des geringen Eigengewichts<br />

genügte ein Ausschachten<br />

mit Minibagger oder von Hand.<br />

Zusätzlich hatten wir einen Radlader<br />

im Einsatz. Der Werkstoff<br />

Kunststoff ist leicht und flexibel zu<br />

handhaben. Anders wäre es aufgrund<br />

der beengten Baustellenverhältnisse<br />

gar nicht gegangen.“ Aber<br />

auch die fest eingelegte FE ® -<br />

Dichtung überzeugte den Tiefbauer.<br />

Funke-Fachberater Ralf Erpenbeck:<br />

„Sie verhindert ein Herausdrücken<br />

und Verschieben der Dichtung bei<br />

der Montage.“ Um für die Zukunft in<br />

puncto Dichtheitsprüfung ganz auf<br />

Nummer sicher zu gehen, investierte<br />

die Stadt Drensteinfurt zusätzlich<br />

in HS ® -<strong>Abwasser</strong>kontrollen, die<br />

Betreibern von Kanalnetzen die<br />

Möglichkeit geben, den Zustand<br />

der Hausanschlüsse zu kontrollieren.<br />

Außerdem wurden vier HS ® -<br />

Hauskontrollschächte DN/OD 800 in<br />

Betrieb genommen, die die erforderlichen<br />

Wartungsarbeiten wie<br />

September 2012<br />

886 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Tiefbau<br />

FOKUS<br />

Anzeige PG 1_Layout 1 23.04.12 16:00 Seite 1<br />

Vier HS ® -Hauskontrollschächte DN/OD 800 werden künftig in der Synagogengassen<br />

die erforderlichen Wartungsarbeiten wie Kamerabefahrung,<br />

Spülung und Reinigung erleichtern. Gleichzeitig nehmen sie aber<br />

auch anfallendes Niederschlagswasser auf.<br />

Foto: Funke Kunststoffe GmbH<br />

Kamerabefahrung, Spülung und<br />

Reinigung erleichtern. Gleichzeitig<br />

erfüllen die Schächte aber noch<br />

einen weiteren Zweck: Sie nehmen<br />

das anfallende Niederschlagswasser<br />

auf. Eine vorausschauende Funktion,<br />

da die Synagogengasse aus<br />

Platzgründen keine zusätzlichen<br />

Straßenabläufe besitzt. Planer Himmelmann:<br />

„Die Straßenoberfläche<br />

fällt deshalb auch nicht wie üblich<br />

zu den Seiten ab, sondern zur Mitte.<br />

Auf diese Weise kann das <strong>Wasser</strong> zu<br />

den Schächten fließen. Von der Straßenmitte<br />

bis zur Hauswand haben<br />

wir einen Höhenunterschied von<br />

4 cm umgesetzt.“<br />

Dass sich der Kunststoffrohrhersteller<br />

Funke wenn nötig Lösungen<br />

für die individuellen Baustellenverhältnisse<br />

vor Ort einfallen lässt,<br />

stellte er auch in Drensteinfurt<br />

unter Beweis. Hierfür wurden die<br />

Baubesprechung<br />

(v.re.): Dipl.-Ing. Thomas<br />

Meier von der<br />

Stadtverwaltung<br />

Drensteinfurt, Planer<br />

Dipl.-Ing. Hermann<br />

Himmelmann und<br />

Funke-Fachberater<br />

Ralf Erpenbeck.<br />

Foto: Funke Kunststoffe<br />

GmbH<br />

Schächte im Werk mit zusätzlichen<br />

seitlichen Abläufen inklusive Kugelgelenkanschlüssen<br />

ausgestattet,<br />

um über die Fallleitungen das<br />

Regenwasser von den Hausdächern<br />

aufnehmen zu können. Mittlerweile<br />

sind die Tiefbauarbeiten in der<br />

Synagogengasse abgeschlossen.<br />

Die Beteiligten sind zufrieden mit<br />

deren Ablauf und sind sich einig,<br />

dass die Kunststoffrohre von Funke<br />

insbesondere mit Blick auf die<br />

besonderen Baustellenverhältnisse<br />

vor Ort die richtige Wahl waren.<br />

Kontakt:<br />

Funke Kunststoffe GmbH,<br />

Siegenbeckstraße 15,<br />

D-59071 Hamm-Uentrop,<br />

Tel. (02388) 3071-0,<br />

Fax (02388) 3071-550,<br />

E-Mail: info@funkegruppe.de,<br />

www.funkegruppe.de<br />

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... und dauerhaft sicher<br />

Schächte sind erforderlich, um in<br />

Bauwerke für die <strong>Wasser</strong>versorgung<br />

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machen.<br />

info@huber.de<br />

www.huber.de<br />

September 2012<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 887<br />

WASTE WATER Solutions


Fokus<br />

Tiefbau<br />

Rohre für ein Jahrhundertbauwerk:<br />

Werkstoffeigenschaften brachten den Zuschlag<br />

Im April dieses Jahres war es<br />

soweit: Mit dem Spatenstich für<br />

die Erweiterung eines Hochbehälters<br />

und den Bau einer Trinkwasserleitung<br />

von Hohenlohe nach Neumarkt<br />

i.d.Opf. fiel der Startschuss für<br />

Bayerns bislang größte Rohrleitungsbaumaßnahme.<br />

Der Bau von<br />

Hochbehälter und Zubringerleitung<br />

ist Bestandteil eines Vertrages zwischen<br />

der Großen Kreisstadt Neumarkt<br />

und dem Zweckverband der<br />

<strong>Wasser</strong>versorgungsgruppe Laber-<br />

Naab. Aufgrund der Vereinbarungen<br />

werden in den nächsten 50 Jahren<br />

jährlich rund 1 Mio. m 3 Trinkwasser<br />

Richtung Neumarkt fließen<br />

– und das durch GFK-Wickelrohre<br />

des Systems FLOWTITE von der<br />

AMITECH Germany GmbH. Die Herbert<br />

Dankerl Bau GmbH (Los 1) und<br />

die Haimerl Bau GmbH & Co. KG<br />

(Lose 2 + 3) haben von der Laber-<br />

Naab-Gruppe den Auftrag erhalten,<br />

die 20 km lange Trinkwasserleitung<br />

zu erstellen. Bei der Entscheidung<br />

für Rohre aus glasfaserverstärktem<br />

Kunststoff (GFK) von AMITECH<br />

gaben neben den produkttechnischen<br />

Eigenschaften des Werkstoffes<br />

wirtschaftliche Berechnungen<br />

und Nachhaltigkeitsaspekte den<br />

Ausschlag. Hierzu zählten unter<br />

anderem die lange Haltbarkeit, eine<br />

hohe Korrosionsbeständigkeit,<br />

geringe Unterhaltskosten und die<br />

große Flexibilität bei der Verlegung.<br />

Nach terminlicher Absprache mit der Bauleitung<br />

werden die Wickelrohre von Mochau zur Einbaustelle<br />

transportiert. Foto: ZV Laber-Naab<br />

20 000 lfdm GFK-Trinkwasser-Rohre in den Nennweiten DN 400 und<br />

DN 500 in Druckstufen von PN 10 bis PN 25 inklusive der Formteile<br />

werden im Rahmen von Bayerns größter Rohrleitungsbaumaßnahme<br />

verlegt. Foto: AMITECH Germany GmbH<br />

Für die Beteiligten ist es ein Meilenstein:<br />

Seit mehr als 20 Jahren<br />

wird vom <strong>Wasser</strong>wirtschaftsamt<br />

Bayern ein zweites Standbein für<br />

die Trinkwasserversorgung der<br />

Stadt Neumarkt gefordert. Dieses ist<br />

mit dem Abschluss des <strong>Wasser</strong>lieferungsvertrags<br />

zwischen der Stadt<br />

Neumarkt und dem Zweckverband<br />

der <strong>Wasser</strong>versorgungsgruppe<br />

Laber-Naab sozusagen in trockenen<br />

Tüchern. „In dem Vertrag verpflichtet<br />

sich der Zweckverband Trinkwasser,<br />

an die Stadt Neumarkt zu<br />

liefern“, erläutert Werkleiter Franz<br />

Herrler, Zweckverband der <strong>Wasser</strong>versorgungsgruppe<br />

Laber-Naab,<br />

Sitz Beratzhausen. Hierzu stellt der<br />

Zweckverband an einer Übergabestelle<br />

in der Nähe des bestehenden<br />

Hochbehälters Eichenhofen, Ge -<br />

meinde Seubersdorf, mindestens 1<br />

Mio. m³ im Jahr Trinkwasser zur Verfügung,<br />

wobei laut Herrler die maximale<br />

Liefermenge auf 3 500 m³ pro<br />

Tag begrenzt ist. Der Hoch behälter<br />

Hohenlohe ist Ausgangspunkt des<br />

Leitungsteiles des Zweckverbandes<br />

Laber-Naab. Im Auftrag der Stadt<br />

Neumarkt wird die rund 20 km<br />

lange Hauptwasserleitung vom<br />

Übergabeschacht Eichenhofen bis<br />

zum <strong>Wasser</strong>werk Neumarkt gelegt.<br />

Alternativen geprüft<br />

Die Trinkwasserleitung wird aus<br />

glasfaserverstärkten Kunststoffrohren<br />

System FLOWTITE hergestellt.<br />

Sie werden bei der AMITECH Germany<br />

GmbH in Mochau nach dem<br />

Wickelrohrverfahren produziert<br />

und nach terminlicher Absprache<br />

mit der Bauleitung zur Einbaustelle<br />

transportiert. Zum Lieferumfang<br />

zählen 20 000 lfdm GFK-Trinkwasser-Rohre<br />

in den Nennweiten<br />

DN 400 und DN 500 in Druckstufen<br />

von PN 10 bis PN 25 inklusive der<br />

Formteile. Mit der Entscheidung für<br />

die FLOWTITE GFK-Rohre trägt der<br />

Auftraggeber seinen Anforderungen<br />

an Bayerns größte bisher durchgeführte<br />

Rohrleitungsbaumaßnahme<br />

Rechnung: „Insgesamt 18<br />

Alternativen haben wir geprüft und<br />

uns dann für die nachhaltigste<br />

Lösung entschieden“, erinnert sich<br />

Herrler. „Deshalb fiel unsere Wahl<br />

auf einen Werkstoff, der über die<br />

entsprechenden Eigenschaften ver-<br />

September 2012<br />

888 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Tiefbau<br />

FOKUS<br />

fügt, damit die Leitung auch noch in<br />

80 bis 100 Jahren ihre Funktion<br />

erfüllt.“<br />

Hervorragende Werkstoffeigenschaften<br />

Innerhalb von 14 Monaten muss der<br />

Auftrag im wahrsten Sinne des Wortes<br />

abgewickelt sein. „Bei Auftragsvergabe<br />

brachten vor allen Dingen<br />

die Werkstoffeigenschaften den<br />

Zuschlag“, erinnert sich Friedrich<br />

Böhner, Gebietsverkaufsleiter, AMI-<br />

TECH Germany GmbH. So sind die<br />

Wickelrohre des Systems FLOWTITE<br />

korrosionsbeständig, lange haltbar<br />

und die glatte Innenfläche sorgt für<br />

hervorragende hydraulische Eigenschaften.<br />

Die hieraus resultierenden<br />

niedrigen Reibungsverluste senken<br />

unter anderem den Energieverbrauch<br />

der im Trinkwasserbereich<br />

eingesetzten Pumpen. „Darüber<br />

hinaus sorgt das geringe Gewicht<br />

der Wickelrohre – sie wiegen lediglich<br />

ein Viertel bzw. ein Zehntel von<br />

vergleichbaren Rohren aus Grauguss<br />

oder Beton – dafür, dass die<br />

Transportkosten überschaubar bleiben<br />

und dafür, dass die Rohre an<br />

der Einbaustelle einfach und flexibel<br />

zu handhaben sind“, erklärt Böhner<br />

weiter. „Insbesondere die individuellen<br />

Baulängen von bis zu 18 m<br />

reduzieren Kupplungsvorgänge<br />

deutlich und sind Grundlage für<br />

einen zügigen Baufortschritt.“ Hinzu<br />

kommt: Nach dem Einbau ist nur ein<br />

geringer Serviceaufwand nötig. Das<br />

trägt zu niedrigen Unterhaltungskosten<br />

bei und schont letztendlich<br />

auch den Gebührenzahler.<br />

Mit der FLOWTITE-Technologie<br />

bietet AMITECH dem Markt ein Produkt,<br />

das langfristig und bei geringen<br />

Kosten Kunden eine optimale<br />

Lösung für die jeweilige Bauaufgabe<br />

bietet. Die Kombination aller<br />

Eigenschaften und Vorteile ergibt<br />

ein optimales System im Hinblick<br />

auf Installation und Unterhaltungskosten<br />

– hierin sind sich die an der<br />

Tiefbaumaßnahme beteiligten Parteien<br />

einig. Am Donnerstag, den<br />

5. April, erfolgte im Beisein von Neumarkts<br />

Oberbürgermeister Thomas<br />

Thumann und Stadtwerke-Direktor<br />

Manfred Tylla der Spatenstich für<br />

Bayerns bislang größte Rohrleitungsbaumaßnahme.<br />

Kontakt:<br />

Amitech Germany GmbH,<br />

Am Fuchsloch 19,<br />

D-04720 Mochau OT Grossteinbach,<br />

Tel. (03431) 71 82-0,<br />

Fax (03431) 70 23 24,<br />

E-Mail: info@amitech-germany.de,<br />

www.amitech-germany.de<br />

Ein weiterer<br />

Vorteil der<br />

GFK-Rohre:<br />

Ein Bogen<br />

kann in<br />

nahezu jeder<br />

gewünschten<br />

Gradzahl hergestellt<br />

werden.<br />

Foto: ZV<br />

Laber-Naab<br />

FLOWTITE GFK-Rohre: Bei Auftragsvergabe brachten<br />

vor allen Dingen die Werkstoffeigenschaften den<br />

Zuschlag. Foto: AMITECH Germany GmbH<br />

Für eine sichere Trinkwasserversorgung<br />

Innovative Werkstoffe für die Trinkwasserinstallation<br />

Keramische Absperrtechnik:<br />

. besonders verschleiß-, korrosionsbeständig<br />

. durch die glatte Oberflächenstruktur wird<br />

hohe Dichtigkeit erreicht, der Antrieb<br />

ist vom Medium unberührt<br />

. besonders hygienisch, keine<br />

Ablagerungen durch die<br />

glatte Oberflächenstruktur<br />

Besuchen Sie uns:<br />

Halle H2<br />

Stand A6.2<br />

Bleifreies Silicium-Messing:<br />

. erfüllt die Vorgaben der TrinkwV 2011<br />

. kommt völlig ohne Blei aus<br />

. hohe Entzinkungs- und Korrosionsbeständigkeit<br />

. schont knappe Rohstoffressourcen<br />

EWE-ARMATUREN<br />

Telefon: +49 531 37005-0 . www.ewe-armaturen.de<br />

September 2012<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 889


Fokus<br />

Tiefbau<br />

Intergeo 2012: Laserscanning trifft auf<br />

5D-Bauprojektmanagement<br />

RIB mit neuer BIM-5D-Lösung für den Straßen-, Tiefbau- und Infrastruktursektor<br />

Mit iTWO infra offeriert RIB auf<br />

der Intergeo 2012 eine neuartige<br />

Technologie, die Laserscandaten<br />

in die 5D-Welt transferiert.<br />

Mit dieser neuen Lösung sind laut<br />

Hersteller in jeder Projektphase<br />

exakte Soll-/Ist-Vergleiche möglich.<br />

Tiefbauplaner und bauausführende<br />

Unternehmen werden, so RIB, in<br />

der Lage sein, den aktuellen Projektstand<br />

geometrisch zu ermitteln und<br />

erhalten dabei gleichzeitig alle relevanten<br />

Informationen bezüglich<br />

Bauzeit und -kosten.<br />

Vom 9. bis 11. Oktober erhalten<br />

Messebesucher der Intergeo in Hannover<br />

am Stand der RIB Software AG<br />

einen Einblick in ein modernes und<br />

dabei wirtschaftliches Bauprojektmanagement<br />

im Infrastruktur-Sektor.<br />

Aufbauend auf der 5D-Technologie,<br />

die dreidimensionale Geometriemodelle<br />

mit Zeit- (4D) und<br />

Kosteninformationen (5D) eines<br />

Bauprojekts durchgängig integriert,<br />

bietet iTWO infra darüber hinaus<br />

die Möglichkeit, Laserscandaten<br />

intelligent in die 5D-Welt zu transferieren.<br />

Diese können, wie RIB verlautet,<br />

während des Projektverlaufs<br />

beispielsweise für eine normengerechte<br />

Abrechnung genutzt werden.<br />

Im Gegensatz zu marktüblichen<br />

Systemen erlaubt iTWO infra, Scandaten<br />

projektgerecht und praxisnah<br />

als Querprofile oder Digitale Geländemodelle<br />

aufzubereiten. Innerhalb<br />

des 5D-Modells können diese entsprechend<br />

der individuellen Projektanforderungen<br />

ausgedünnt werden,<br />

sodass das Modell „nur“ alle<br />

relevanten Punkte beinhaltet. Der<br />

Hersteller verspricht eine Ressourcen<br />

schonende Methode, die<br />

gleichzeitig das Handling erheblich<br />

vereinfachen soll.<br />

Schließlich soll mit der 5D-Technologie<br />

in jeder Phase eine effiziente<br />

Qualitätskontrolle möglich<br />

sein, wie Andreas Dieterle, Produktmanager<br />

für den Bereich Straßenbau,<br />

Tiefbau und Infrastrukturmanagement,<br />

erklärt: „Das Projektteam<br />

kann zu jeder Zeit anhand von<br />

Laserscandaten ermitteln, wie weit<br />

die Bauaufgaben fortgeschritten<br />

sind. Durch die Integration der Zeitachse<br />

und des Kostenmanagements<br />

können dabei Soll-/Ist-Vergleiche<br />

der benötigten Zeit sowie der erforderlichen<br />

Kosten vorgenommen<br />

Über die RIB-Gruppe<br />

werden. Bauplanung und -ausführung<br />

haben somit einen umfassenden<br />

Überblick über das Gesamtgeschehen<br />

und können bei Störungen<br />

direkt eingreifen, bzw. diese<br />

vermeiden, bevor sie Zeitverzögerungen<br />

und Budgetüberschreitungen<br />

zur Folge haben.“<br />

Die auf nationale und internationale<br />

Entscheider aus vielschichtigen<br />

Industriezweigen ausgerichtete<br />

Intergeo setzt sich aus Kongress<br />

und Fachmesse zusammen und<br />

findet in diesem Jahr vom 9. bis<br />

11. Oktober auf dem Messegelände<br />

Hannover/Laatzen statt. Die RIB<br />

Software AG ist mit der neuen<br />

Lösung iTWO infra in Halle Nr. 8 am<br />

Messestand C52 vertreten.<br />

Kontakt:<br />

RIB Software AG,<br />

Verena Mikeleit,<br />

Vaihinger Straße 151,<br />

D-70567 Stuttgart,<br />

Tel. (0711) 7873-369,<br />

Fax (0711) 7873-88369,<br />

E-Mail: Verena.Mikeleit@rib-software.com,<br />

www.rib-software.com<br />

Mit über 15000 Kunden zählt die RIB-Gruppe mit Hauptsitz in Stuttgart<br />

zu den größten Softwareanbietern im Bereich technische ERP-<br />

Lösungen für das Bauwesen. Gegründet im Jahre 1961 hat RIB in<br />

Deutschland eine marktführende Position erzielt. Die weltweit größten<br />

Bauunternehmen, öffentliche Verwaltungen, Architektur- und<br />

Ingenieurgesellschaften sowie Großunternehmen im Bereich des<br />

Industrie- und Anlagenbaus rund um den Globus optimieren ihre<br />

Planungs- und Bauprozesse durch den Einsatz von RIB-Softwaresystemen.<br />

RIB ist in den Regionen EMEA, Nordamerika und APAC mit<br />

eigenen Niederlassungen vertreten.<br />

September 2012<br />

890 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Tiefbau<br />

FOKUS<br />

Kanalsanierung mit klarem Konzept spart<br />

unnötige Kosten<br />

Wie Sanierungsvorhaben mit Hilfe von Software von der ersten Inspektion an effizient<br />

umgesetzt werden<br />

Kanalnetze sind sensible Ökosysteme.<br />

Diese gilt es nicht nur<br />

zu erweitern, um den steigenden<br />

Anforderungen an die <strong>Abwasser</strong>behandlung<br />

gerecht zu werden, ein<br />

Großteil der Arbeit ist auch die<br />

Wartung und Instandhaltung des<br />

Be standes.<br />

Angefangen damit, sich einen<br />

Überblick über den Zustand des<br />

Kanalnetzes zu verschaffen und diesen<br />

entsprechend zu bewerten, gilt<br />

es aus den z. B. durch TV-Inspektion<br />

gewonnenen Daten die effektivste<br />

und ökonomischste Sanierungsstrategie<br />

zu erarbeiten.<br />

In der Praxis zeigt sich, dass der<br />

Workflow, Zustandsdaten zu bewerten,<br />

diese direkt in die Sanierungskalkulation<br />

zu überführen und im<br />

Resultat einen Sanierungsplan mit<br />

allen notwendigen Rahmenbedingungen<br />

zu erhalten, Zeit spart. Darüber<br />

hinaus werden im folgenden<br />

Beispiel Möglichkeiten aufgezeigt,<br />

welche mit bisherigen Methoden<br />

vielleicht unberücksichtigt oder<br />

nicht erkennbar geworden wären.<br />

An einem Beispiel erläutert<br />

Das Ziel<br />

Ein Ingenieurbüro aus dem Raum<br />

Kassel hatte die Aufgabe, innerhalb<br />

kürzester Zeit das Sanierungsvolumen<br />

für ein größeres Entwässerungsgebiet<br />

zu ermitteln. Dabei war<br />

als Vorgabe definiert, jedem Schadensbild<br />

automatisch ein Sanierungsverfahren<br />

zzgl. dessen Kosten<br />

zuzuordnen. Weiterhin sollten Baunebenkosten<br />

genauso berücksichtigt<br />

werden wie der direkte Vergleich<br />

zwischen den Sanierungsvarianten<br />

Reparatur, Renovierung<br />

und Erneuerung. Gleichwohl war<br />

auch der Einfluss von Faktoren wie<br />

Planungszeitraum, Zinssatz sowie<br />

der Nutzungsdauer von entscheidender<br />

Bedeutung für eine realistische<br />

Ge genüberstellung und der<br />

Prognose der tatsächlich zu erwartenden<br />

Kosten.<br />

Realisiert wurde das Projekt mit<br />

dem CAD/GIS System GEOvision³<br />

und den Modulen Kanalkataster<br />

sowie Sanierung von aRES Datensysteme<br />

als integraler Bestandteil<br />

des Programmpaketes.<br />

Vorbereitung<br />

Durch die vom Hersteller vorgeschlagenen<br />

und im Programm hinterlegten<br />

Sanierungsverfahren war<br />

von vornherein eine genaue Zuordnung<br />

der Verfahren zu den ermitteltet<br />

Schäden, inkl. mengen- und<br />

umfangsspezifischen Kosten möglich<br />

(Bild 1). Dabei sind für jedes<br />

Sanierungsverfahren genaue Merkmale<br />

für den Einsatzbereich und<br />

den Sanierungsumfang hinterlegt.<br />

Nahezu alle bekannten Verfahren<br />

der Kanalsanierung sind in Abhängigkeit<br />

vom Kostentyp mit einer<br />

Kostentabelle verknüpft.<br />

Ein weiterer wichtiger Punkt war,<br />

dass alle im Projekt zur Verfügung<br />

stehenden und für die Kostenermittlung<br />

relevanten Informationen<br />

berücksichtigt werden. So wurden<br />

neben den Daten der Einzelschäden<br />

und deren Bewertungsdaten auch<br />

die Ergebnisse der Erdmengenberechnung<br />

aus dem Modul<br />

Kanalplanung als Berechnungsgrundlage<br />

für die Baunebenkosten<br />

herangezogen.<br />

Damit konnten die Baunebenkosten<br />

genauer kalkuliert werden.<br />

Durchführung<br />

Nachdem die Datengrundlage vorhanden<br />

war, wurde nach wenigen<br />

Minuten bereits mit der automatischen<br />

Ermittlung der Sanierungskosten<br />

begonnen. Die Vorschläge<br />

waren übersichtlich dargestellt<br />

(Bild 2), sodass der zertifizierte<br />

Kanalsanierungsberater diese so<br />

annehmen oder frei bearbeiten<br />

konnte. Für Abschnitte, wo es sich<br />

anbot, wurden kurz hintereinander<br />

Bild 1. Vorgaben<br />

für verfahrens-<br />

und profilgrößenabhängige<br />

Kosten.<br />

<br />

September 2012<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 891


Fokus<br />

Tiefbau<br />

Bild 2. Gegenüberstellung<br />

der Sanierungsverfahren<br />

zum Kostenvergleich.<br />

liegende Schäden für die partielle<br />

Sanierung zusammengefasst. Auch<br />

ist es zu diesem Zeitpunkt immer<br />

noch möglich gewesen, manuell<br />

einzugreifen und für einzelne Schäden<br />

andere Sanierungsverfahren zu<br />

verwenden oder die zu erwartenden<br />

Kosten separiert außerhalb der<br />

Vorgabelisten anzupassen (Bild 3).<br />

Ein Zuschlagsfaktor ermöglicht<br />

dabei die Berücksichtigung individueller<br />

örtlicher Gegebenheiten.<br />

Das Ergebnis der Kalkulation lag<br />

nun vor. Nach der Plausibilitätsprüfung<br />

wurde daraus automatisch<br />

eine Maßnahme erzeugt und mit<br />

den im Modul Sanierungsplanung<br />

vorhandenen Möglichkeiten ein<br />

entsprechender Plan zur Umsetzung<br />

der Sanierungsstrategie ausgegeben.<br />

Vielfältige Möglichkeiten bei der<br />

Generierung von Sanierungsprotokollen<br />

für einzelne Netzelemente<br />

und die detailliert aufgeschlüsselte<br />

Kostenaufstellungen der Einzelschäden<br />

rundeten das Projekt ab<br />

und legten die ideale Grundlage um<br />

die geplante Sanierungsstrategie<br />

dem Auftraggeber zu präsentieren<br />

(Bild 4).<br />

Nebenher wurde für Teile des<br />

Projekts die Sanierungskalkulation<br />

mit herkömmlichen Mitteln durchgeführt.<br />

Dabei stellte sich heraus,<br />

dass hier einige bisher unbekannte<br />

Faktoren gar nicht oder unzureichend<br />

berücksichtigt worden<br />

wären. In der Summe hätte das ein<br />

um etwa 10–15 % höheres Sanierungsvolumen<br />

sowie wesentlich<br />

längere Planungszeit bedeutet.<br />

Allein dieser Vergleich zeigte, dass<br />

sich die Investition in zukunftsorientierte<br />

Softwarelösungen bereits<br />

nach wenigen Kilometern sanierter<br />

<strong>Abwasser</strong>kanäle amortisiert.<br />

Bild 3. Sanierungsprotokoll.<br />

Fazit<br />

Dieses Projekt macht deutlich, dass<br />

hier eine praxisgerechte Lösung zur<br />

effektiven Planung von Sanierungsstrategien<br />

entwickelt wurde. Damit<br />

wurde ein Workflow geschaffen mit<br />

welchem Verantwortliche, Ingenieure,<br />

Sanierungsberater sowie die<br />

ausführenden Kräfte nicht nur<br />

schneller und kostengünstiger, sondern<br />

vor allem auch nachhaltiger<br />

ans Ziel kommen.<br />

Für eine ganzheitliche Überwachung<br />

und nachhaltige Instandsetzung<br />

der abwasserrelevanten Infrastruktur<br />

wird also eine durchgän-<br />

September 2012<br />

892 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Tiefbau<br />

FOKUS<br />

gige und praxisnahe Lösung<br />

benötigt. Unter dem Dach des CAD/<br />

GIS Systems GEOvision³ wurden seit<br />

dem Jahr 2000 verschiedene Applikationen<br />

rund um die Kernkompetenzen<br />

des Softwareherstellers aRES<br />

Datensysteme, der <strong>Wasser</strong>versorgung<br />

und <strong>Abwasser</strong>beseitigung,<br />

entwickelt. Angefangen mit der<br />

Kanalplanung und -Datenbank,<br />

über das Einlesen der Inspektionsdaten,<br />

der Zustandsklassifizierung<br />

bis hin zur detaillierten Sanierungsplanung<br />

ist diese leistungsstarke<br />

Modulpalette ein sehr brauchbares<br />

und innovatives Handwerkszeug für<br />

Ingenieurbüros und Kommunen.<br />

Praxiserprobt und als optimal<br />

einsatzfähig empfunden werden in<br />

den durchgängigen Modulen die<br />

Arbeitsschritte nachvollziehbar<br />

strukturiert. Mit dem Modul Sanierungsplanung<br />

können u. a. den<br />

Schäden mehrere Sanierungstechniken<br />

zugeordnet werden.<br />

„Genial einfach oder einfach<br />

genial“ so ist die fast schwärmerische<br />

Aussage von Dipl.-Ing. Frank<br />

Diederich aus dem Ingenieurbüro<br />

D.S.L. in Westerkappeln. Seit 2009<br />

arbeitet das Büro mit dem Programm.<br />

Die häufigste Aufgabenstellung<br />

hier ist, den unterschiedlichen<br />

Sanierungsverfahren realistische<br />

Kosten für eine Vergleichsrechnung<br />

zuzuordnen. Und genau<br />

dieser direkte Vergleich ist die große<br />

Stärke der Sanierungskalkulation<br />

von aRES Datensysteme.<br />

Dipl.-Ing. Thomas Reissig, Ge -<br />

schäftsführer von aRES Datensysteme,<br />

denkt noch an die diesjährige<br />

Messe IFAT ENTSORGA zurück: „Es ist<br />

erstaunlich, wie viele Ingenieure und<br />

Kanalsanierungsberater immer wieder<br />

mit genau diesen Aufgabenstellungen<br />

auf uns zu kommen, wo wir<br />

sagen können „Hier ist die Lösung!“<br />

Verteilt über den gesamten deutschsprachigen<br />

Raum setzen sowohl Einmannbüros<br />

als auch große Kommunen<br />

und städtische Betriebe mit<br />

mehreren Hundert Mitarbeitern auf<br />

das CAD/GIS System GEOvision³.<br />

Eine Lösung, welche sowohl für einzelne<br />

Arbeitsplätze als auch Mehrbenutzer-Umgebungen<br />

geeignet ist.<br />

Neben dieser Anforderung wird vom<br />

Hersteller fortwährend die Unterstützung<br />

modernster IT-Infrastrukturen<br />

gewährleistet, um wachsenden<br />

Anforderungen an die elektronische<br />

Datenverarbeitung gerecht zu<br />

werden.<br />

Auf begleitende Unterstützung<br />

bei der Realisierung ihrer Projekte<br />

können sich langjährige wie neue<br />

Anwender stets verlassen. Ein Großteil<br />

der stetigen Weiterentwicklung<br />

des Programmpaketes re sultiert aus<br />

dem Dialog mit Anwendern sowie<br />

deren Wünschen.<br />

Durch das Konzept, mehrere<br />

Module für differenzierte Aufgabenstellungen<br />

unter einer gemeinsamen<br />

Oberfläche zu vereinen,<br />

kann jederzeit das für den Anwendungsfall<br />

passendste Programmpaket<br />

maßgeschneidert werden.<br />

Dabei stehen sämtliche Daten<br />

modulübergreifend zur Verfügung<br />

und eine redundante Pflege dieser<br />

Daten ist nicht mehr notwendig.<br />

Weiterführende Informationen<br />

rund um das Thema Kanalsanierung<br />

mit GEOvision³ sowie einen kompletten<br />

Überblick der Leistungen<br />

von aRES Datensysteme unter www.<br />

aresData.de<br />

Kontakt:<br />

aRES Datensysteme,<br />

Talstraße 10,<br />

D-6120 Halle (Saale),<br />

Tel. (0345) 122 777 9-0,<br />

Fax (0345) 122 777 9-9,<br />

E-Mail: info@aresdata.de,<br />

www.aresData.de<br />

Bild 4. Dipl.-<br />

Ing. Thomas<br />

Reissig erläutert<br />

die Sanierungskalkulation<br />

und<br />

-planung von<br />

GEOvision³.<br />

Sanierungsoffensive 2012<br />

Planung /<br />

Kataster<br />

Zustandsbewertung<br />

Sanierungskalkulation<br />

Ausführungsplanung<br />

www.aresData.de<br />

September 2012<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 893


Fokus<br />

Tiefbau<br />

Biologische Reinigung von <strong>Abwasser</strong>systemen<br />

Anrühren der Komponente 1.<br />

Komponente 1 in Hauspumpwerk.<br />

Anrühren der Komponente 2.<br />

Komponente 2 im Hauspumpwerk.<br />

Biogene Schwefelsäure kann in<br />

Kanal- und Schachtbauwerken<br />

erhebliche Schäden verursachen –<br />

bei <strong>Abwasser</strong>betrieben ist dieses<br />

Problem bekannt. In Druckrohrleitungen<br />

können zusätzlich Probleme<br />

durch Fettablagerungen in den<br />

Rohren, Verfettungen der Be- und<br />

Entlüftungsventile und somit Querschnittsreduzierungen<br />

und verminderte<br />

Pumpenleistungen auftreten.<br />

Oftmals werden Druckrohrleitungen<br />

durch Hauspumpwerke be -<br />

schickt. In diesem Fall lassen sich<br />

mit den Produkten zur biologischen<br />

Reinigung der Firma Adler aus Bestwig<br />

im Hochsauerlandkreis gute<br />

Langzeitergebnisse erzielen.<br />

Organische Stoffe, Fette und<br />

Fäkalien sind eine Nahrungsquelle<br />

für Mikroorganismen. Deshalb werden<br />

spezielle Bakterien zur <strong>Abwasser</strong>reinigung<br />

eingesetzt. Sie verstoffwechseln<br />

die Substanzen im <strong>Abwasser</strong><br />

in Kohlendioxyd und <strong>Wasser</strong>. Auf<br />

Kläranlagen ist die biologische Reinigungsstufe<br />

längst etabliert. Grund<br />

genug, die winzigen Reinigungskräfte<br />

auch in Hauspumpenwerken<br />

und Rohrnetz einzusetzen.<br />

Die Anwendung ist ganz einfach.<br />

Das Reinigungsprodukt besteht aus<br />

zwei Komponenten: einer speziellen<br />

Mischung von Mikroorganismen<br />

und einer Nähr- und Haftflüssigkeit.<br />

Nachdem das Hauspumpwerk leer<br />

gepumpt ist, wird zuerst eine Flasche<br />

mit Haftflüssigkeit, die es den<br />

Mikroben erleichtert, sich an den<br />

Wandungen des Pumpwerkes anzusiedeln,<br />

in einem normalen <strong>Wasser</strong>eimer<br />

mit heißem <strong>Wasser</strong> vermischt<br />

und dann in das Pumpwerk gegeben.<br />

Dann wird Komponente 2, also<br />

der Mikroben-Mix in einem Eimer<br />

mit warmem <strong>Wasser</strong> angerührt und<br />

etwa 20 Minuten stehen gelassen.<br />

Nach dieser Aktivierungsphase werden<br />

die Mikroorganismen in den<br />

Pumpensumpf gegossen und nach<br />

Möglichkeit verrührt.<br />

Der Normalbetrieb kann nun<br />

weiterlaufen. Mit jedem Pumpvorgang<br />

kommen nun weitere Mikroorganismen<br />

in das Druckrohr, siedeln<br />

sich an der Wandung an und<br />

verhindern die Ablagerung von<br />

organischen Stoffen. Dieser ständige<br />

Nachschub aus allen Hauspumpwerken<br />

ist bei Druckrohrleitungen<br />

äußerst wichtig. Aufgrund<br />

der oft sehr langen Verweildauer<br />

der Abwässer in den Rohren herrschen<br />

dort oft weitgehend anaerobe<br />

Verhältnisse. Diese beeinträchtigen<br />

die Arbeit der Mikroben.<br />

Daher benötigen sie ständig Verstärkung,<br />

um gute Langzeitwirkungen<br />

zu erzielen. Welche Menge an<br />

Mikroorganismen benötigt wird,<br />

liegt an der Länge der Druckrohrleitung<br />

und ihrem Innendurchmesser,<br />

an der Anzahl und dem Volumen<br />

der Hauspumpwerke ab.<br />

Die Mikroorganismen können<br />

natürlich auch in Freispiegelleitungen<br />

und anderen <strong>Abwasser</strong>leitungen<br />

eingesetzt werden. Da dort<br />

aerobe Verhältnisse herrschen, sind<br />

ebenfalls gute Langzeitwirkungen<br />

zu erwarten. In dünnbesiedelten<br />

Wohngebieten lagern sich in diesen<br />

Leitungen organische Stoffe ab mit<br />

all den bekannten Folgen. <strong>Wasser</strong>sparende<br />

Toilettenanlagen und der<br />

allgemeine Trend zum sparsamen<br />

Umgang mit <strong>Wasser</strong> verstärken<br />

diese Problematik noch. Häufig<br />

müssen die Leitungen mit Trinkwasser<br />

gespült werden, um die organischen<br />

Ablagerungen zu entfernen.<br />

Set biologische Rohrreinigung.<br />

September 2012<br />

894 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Tiefbau<br />

FOKUS<br />

Kolonien von Bacillus auf einer Agar-Platte.<br />

Rasterelektronenmikroskopische Aufnahme<br />

von Bacillus-Sporen.<br />

In diesem Fall können die Adler-<br />

Mikroorganismen beispielsweise<br />

über Toiletten oder Hebeanlagen<br />

der Anlieger eingefüllt werden. So<br />

käme das Verfahren nicht nur dem<br />

<strong>Abwasser</strong>netz sondern gleichfalls<br />

den Hausleitungen zugute.<br />

Da die Tätigkeit von Mitarbeitern<br />

der <strong>Abwasser</strong>betriebe durchgeführt<br />

werden kann, fallen außer für die<br />

Mikroorganismen keine weiteren<br />

Kosten an. Zudem besitzt das Verfahren<br />

eine enorme Langzeitwirkung,<br />

die mitunter bis zu zehn Jahre<br />

anhalten kann.<br />

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<strong>Abwasser</strong>technik unterschiedliche Technologien – Turbogebläse, Drehkolbengebläse<br />

und Drehkolbenverdichter – eingesetzt. Die Kombination aller<br />

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Im Verbund sind diese Technologien allen anderen überlegen,<br />

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08.08.2012 11:07:53 Uhr<br />

September 2012<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 895


Fokus<br />

Tiefbau<br />

Neue Produkte zur pneumatischen Rohrabsperrung<br />

Seit mehr als drei Jahrzehnten<br />

produziert die Firma LAMPE<br />

GmbH aus Stadtoldendorf pneumatische<br />

Rohrabsperrungen.<br />

Die original doppelkonischen<br />

Kanaldichtkissen, welche bereits<br />

Ende der Siebziger Jahre im Hause<br />

LAMPE als Alternative zu herkömmlichen<br />

Absperrblasen erfunden wurden,<br />

haben sich mittlerweile dank<br />

ihrer großen Vorteile in Handhabung,<br />

Flexibilität und Qualität zur<br />

Standardausrüstung bei vielen<br />

Kanalsanierungsunternehmen, Bauunternehmen,<br />

Klärwerken und<br />

Stadtentwässerungen entwickelt.<br />

Besonders in größeren Rohrleitungen<br />

und bei Einsätzen in Sonderprofilen<br />

lässt sich mit ihnen sehr<br />

viel schneller arbeiten, als mit herkömmlichen<br />

Gummi-Absperrblasen,<br />

da sie unter anderem nicht<br />

zusätzlich verbaut werden müssen,<br />

sehr leicht sind, in sämtlichen Rohrprofilen,<br />

sowie in großen Durchmesserreichweiten<br />

eingesetzt werden<br />

können.<br />

Neben den Original Kanaldichtkissen<br />

mit Doppelkonus vertreibt<br />

das Unternehmen auch spezielle<br />

Dichtkissen mit Rohrbypass, welche<br />

eine automatische Umleitung von<br />

<strong>Wasser</strong> durch die Baustelle ermöglichen.<br />

Ein stationäres, pneumatisches<br />

Absperrsystem, als kostengünstige<br />

Alternative zu fest eingebauten<br />

Schiebern oder Absperrklappen bei<br />

Umweltunfällen oder Löschwasserrückhaltungen<br />

in Regen- und<br />

<strong>Abwasser</strong>kanälen, gehört ebenso<br />

zum Lieferprogramm wie Gullydichtplatten<br />

zum Absperren von<br />

Gullys, sowie Hebekissen im Hochund<br />

Niederdruckbereich zum Anheben<br />

von Lasten oder für Rettungsund<br />

Bergeeinsätze.<br />

Mietpark und Lieferprogramm<br />

für Kanaldichtkissen<br />

erweitert<br />

„Da der kurzzeitige Bedarf an pneumatischen<br />

Rohrabsperrgeräten,<br />

besonders in großen Rohrdurchmessern<br />

in den letzten Jahren<br />

immens gestiegen ist, haben wir<br />

unseren Mietpark für LAMPE<br />

Kanaldichtkissen seit Anfang 2012<br />

erheblich vergrößert, um unseren<br />

Kunden jederzeit die passenden<br />

Geräte für Rohrabsperrungen und<br />

Dichtheitsprüfungen zur Verfügung<br />

stellen zu können.“ So wird aus dem<br />

Unternehmen berichtet.<br />

Darüber hinaus wurde das Standard-Lieferprogramm<br />

für die Original<br />

Kanaldichtkissen in den letzten<br />

Monaten um eine neue Größe für<br />

Rohrdurchmesser von 1000 bis<br />

1800 mm erweitert.<br />

Neue Produkte und Innovationen<br />

für die Rohr- und<br />

Kanalsanierung<br />

Doch nicht nur beim Basisprodukt<br />

Kanaldichtkissen war die Firma<br />

LAMPE in den letzten Monaten<br />

aktiv, auch einige neue Produkte<br />

erweitern seit Anfang des Jahres<br />

das Lieferprogramm.<br />

Als erstes wären die neuen Mini-<br />

Absperrblasen und Mini-Prüfblasen,<br />

für Rohrdurchmesser zwischen 35<br />

und 500 mm, zu erwähnen.<br />

Die Mini-Absperrblasen und<br />

Mini-Prüfblasen aus hochwertigem<br />

Spezialkautschuk mit Gewebeeinlage<br />

sind eine preisgünstige Alternative<br />

für Rohrabsperrungen und<br />

Dichtheitsprüfungen in kleineren<br />

Rohrdurchmessern bis 500 mm.<br />

„In den vergangenen Jahren<br />

erreichten uns immer wieder Kundenanfragen<br />

über einfache, günstige<br />

Absperrblasen, besonders für<br />

kleinere Rohrdurchmesser. Nach<br />

langer Suche und langen Verhandlungen<br />

fanden wir Anfang 2012<br />

eine Möglichkeit, herkömmliche<br />

Absperrblasen in Standardqualitäten<br />

auch in kleineren Durchmessern<br />

zu besonders günstigen Konditionen<br />

vulkanisieren zu lassen.“<br />

„Für Einsätze in größeren Rohrdurchmessern<br />

und in Sonderprofilen<br />

empfehlen wir aber auf Grund<br />

der erheblichen Vorteile in Hand-<br />

Doppelkonische Kanaldichtkissen für alle Profile, bis 3600 mm, die nicht verbaut werden müssen.<br />

September 2012<br />

896 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Tiefbau<br />

FOKUS<br />

habung, Lebenszeit und Einsetzbarkeit<br />

weiterhin unsere doppelkonischen<br />

Kanaldichtkissen, da sich mit<br />

diesen Geräten effektiv sehr viel<br />

Geld und Arbeitszeit sparen lässt.“<br />

Alle Mini-Absperrblasen sind<br />

sowohl als reine Absperrblasen und<br />

auch als Prüfblasen mit Bypass<br />

erhältlich. Darüber hinaus umfasst<br />

das Lieferprogramm Mini-Absperrblasen<br />

auch ein reichhaltiges Angebot<br />

an Sicherheits- und Befüllzubehör,<br />

sowie komplette Hausanschluss-Prüfsets<br />

für Dichtheitsprüfungen<br />

von Hausanschlüssen.<br />

Neben den neuen Mini-Absperrblasen<br />

bietet die Firma nun auch<br />

Sanierungspacker für die partielle<br />

Sanierung von defekten Rohrleitungen<br />

an. Mit ihrer Hilfe lassen sich<br />

Beschädigungen in Rohrleitungen<br />

mit speziellen kunstharzgetränkten<br />

Sanierungsmatten aus Glasfasergewebe<br />

beseitigen. Diese Sanierungsmatten<br />

werden mit Hilfe der Sanierungspacker<br />

an die Schadstelle verpresst,<br />

nach Aushärtung der Matte<br />

wird der Sanierungspacker wieder<br />

entlüftet und entfernt und der<br />

beschädigte Rohrabschnitt ist repariert.<br />

LAMPE Sanierungspacker sind in<br />

unterschiedlichsten Ausführungen,<br />

mit und ohne Fahrwerk, in unterschiedlichen<br />

Durchmessern von 25<br />

bis 800 mm, sowie in diversen Längen<br />

zwischen 600 und 5000 mm<br />

erhältlich, um sämtlichen Sanierungsansprüchen<br />

gerecht werden<br />

zu können.<br />

Eine große Innovation sind die<br />

neuen pneumatischen Muffenprüfkissen.<br />

Die Prüfung von Rohrverbindungen<br />

im Muffenbereich stellt eine<br />

immer wichtigere Aufgabe im<br />

Kanalbau dar. Gerade bei neu verlegten<br />

und werkseitig geprüften<br />

Rohren bietet sich die Muffenprüfung<br />

als einfache Alternative und<br />

Ergänzung zur haltungsweisen<br />

Dichtheitsprüfung an.<br />

Durch Prüfungen der einzelnen<br />

Rohrverbindungen lässt sich ein<br />

eventueller Fehler leicht lokalisieren.<br />

Allerdings stellt eine Muffenprüfung,<br />

gerade in größeren, begehbaren<br />

Kanälen und Sonderprofilen bislang<br />

immer eine große Herausforderung<br />

dar, da alle bislang<br />

bekannten herkömmlichen Prüfgeräte<br />

schwer zu handhaben und in<br />

ihrer Flexibilität sehr begrenzt<br />

waren.<br />

LAMPE Muffenprüfkissen sind<br />

die ersten rein pneumatischen Muffenprüfgeräte<br />

der Welt für Muffenprüfungen<br />

in begehbaren Kanälen<br />

ab 800 mm.<br />

Die neuen LAMPE Muffenprüfkissen<br />

bieten gegenüber herkömmlichen<br />

Muffenprüfgeräten große<br />

Vorteile und Nutzen:<br />

""<br />

LAMPE Muffenprüfkissen sind<br />

sehr einfach und schnell zu<br />

handhaben. Sie sind sehr leicht<br />

Die neuen LAMPE Mini-Absperrblasen und Mini-<br />

Prüfblasen von 35 bis 500 mm aus hochwertigem<br />

Spezialkautschuk.<br />

Die neuen LAMPE Sanierungspacker und Luftschiebestangen<br />

in unterschiedlichen Ausführungen.<br />

und erfordern keinen komplizierten<br />

Zusammenbau. Nachdem<br />

sie platziert und mit Luft<br />

befüllt wurden sind sie einsatzbereit.<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

Werksfoto: Büttig Koblenz<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

®<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

September 2012<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 897


Fokus<br />

Tiefbau<br />

Die neuen LAMPE Muffenprüfkissen, für schnelle und einfache Einzelmuffenprüfungen auch in größeren Rohrdurchmessern.<br />

Sonderkonstruktion Trennwand mit 5350 mm Durchmesser.<br />

""<br />

Alle Muffenprüfkissen sind eng<br />

zusammenlegbar und schachtgängig.<br />

""<br />

LAMPE Muffenprüfkissen sind<br />

sehr leicht, so wiegt z.B. der Typ<br />

MPK1000 (800 bis 1000 mm)<br />

lediglich 14 kg.<br />

""<br />

Ein Muffenprüfkissen kann in<br />

verschiedenen Rohrdurchmessern<br />

eingesetzt werden.<br />

""<br />

Die Muffenprüfkissen eignen<br />

sich für Muffenprüfungen in runden<br />

Rohren aber auch in Sonderprofilen,<br />

wie Eiprofilen, Maulprofilen<br />

oder Drachenprofilen.<br />

""<br />

Die Muffenprüfkissen sind sehr<br />

hoch alterungsbeständig. Sie<br />

sind hergestellt aus gewebeverstärktem<br />

CR-Material. Eine<br />

Lebensdauer der verwendeten<br />

Materialien von über 35 Jahren<br />

kann nachgewiesen werden.<br />

""<br />

LAMPE Muffenprüfkissen sind<br />

reparierbar.<br />

""<br />

Die patentierte Spezialdichtung<br />

sorgt dafür, dass die beiden<br />

konisch-zylindrischen Abdichtungen<br />

die zu prüfende Muffe zu<br />

100 % gas- und luftdicht absperren.<br />

Sonderlösungen und Sonderkonstruktionen<br />

für individuelle<br />

Anforderungen<br />

Zu einem immer wichtiger werdenden<br />

Bereich hat sich bei dem Unternehmen<br />

in den letzten Jahren der<br />

Sondergerätebau entwickelt.<br />

„Egal ob spezielle Trennwände,<br />

Schachtschalungskissen, Hebevorrichtungen,<br />

Absperrtechniken, Membranen<br />

oder Manschetten, ja sogar<br />

spezielle Luftkissen für den orthopädischen<br />

Bereich: Durch unsere<br />

besonderen Fertigungsmöglichkeiten<br />

und unsere Flexibilität können<br />

wir jederzeit im Rahmen unserer<br />

Produktionsmöglichkeiten auf individuelle<br />

Kundenbedürfnisse reagieren“.<br />

Als neuestes Projekt wurden<br />

spezielle aufblasbare runde Trennwände<br />

für den Bergbau mit über 5<br />

m Durchmesser gefertigt.<br />

Kontakt:<br />

LAMPE GmbH,<br />

Warteweg 46, D-37627 Stadtoldendorf,<br />

Tel. (05532) 20 33, Fax (05532) 44 99,<br />

E-Mail: info@lampegmbh.de,<br />

www.lampegmbh.de<br />

September 2012<br />

898 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Tiefbau<br />

FOKUS<br />

Nach 50 erfolgreichen Jahren fit für die Zukunft<br />

Wie bei jedem Unternehmen,<br />

das etwas auf sich hält,<br />

begann die Erfolgsgeschichte der<br />

TRACTO-TECHNIK in einer angemieteten<br />

Garage. Das war in Lennestadt-Saalhausen<br />

und die Garage<br />

steht heute noch. Startschuss war<br />

der 14. November 1962. Fünf Be -<br />

schäftigte bauten Ziehgeräte.<br />

Damit konnten Bohrstangen und<br />

Spundwände aus dem Boden gezogen<br />

werden. Hauptabnehmer war<br />

die Firma KRUPP Bautechnik Essen.<br />

Die stabile Hochdrucklage am<br />

Gründungstag war offenbar ein<br />

positives Zeichen; denn übertragen<br />

auf die wirtschaftliche Entwicklung,<br />

zeigte der Weg in all den Folgejahren<br />

nach oben. Dennoch war der<br />

Start nicht einfach.<br />

Der Sohn des Firmengründers<br />

Paul Schmidt und geschäftsführender<br />

Gesellschafter Wolfgang<br />

Schmidt erinnert sich: „Mein Vater<br />

war Optimist und sah es so: Wer den<br />

Kopf in den Sand steckt, kann nichts<br />

Neues entdecken. Im Klartext: Er<br />

packte jedes Problem an, wovon er<br />

glaubte, dass sich eine lohnende<br />

Lösung dafür findet. Das meiste,<br />

was dabei herauskam, brachte uns<br />

schnell voran. Daraus erwuchs<br />

unsere Innovationsstärke. Auch deshalb<br />

sind und bleiben Innovationen<br />

Antriebsfeder und Ansporn“.<br />

TRACTO-TECHNIK steckte noch<br />

in den Kinderschuhen, lernte aber<br />

schnell auf eigenen Beinen zu stehen.<br />

Das junge Unternehmen<br />

machte sich bekannt und überzeugte<br />

durch seine Kompetenz und<br />

Innovationskraft.<br />

Der Firmenname war Programm;<br />

denn die ersten Produkte waren<br />

Ziehgeräte mit den Namen TRAC-<br />

TODRILL und TRACTOMAT. Der<br />

TRACTOMAT erhielt in Brüssel die<br />

begehrte Auszeichnung „Das blaue<br />

Band“ und wird heute noch zum Ziehen<br />

von Leitplankenpfosten genutzt.<br />

Dabei blieb es natürlich nicht.<br />

KRUPP erteilte schon kurze Zeit später<br />

der TRACTO-TECHNIK den Entwicklungsauftrag<br />

für eine hydraulisch<br />

betriebene Rammvorrichtung.<br />

Die hydraulischen Fachkenntnisse<br />

eigneten sich Paul Schmidt und<br />

seine Mitarbeiter in der Siegener<br />

Abendschule an. Dann begann die<br />

vergebliche Suche nach einer<br />

Maschine für die Bearbeitung von<br />

Hydraulikrohren. Dazu gehörte das<br />

Ablängen, Entgraten, Biegen und<br />

die Schneidringvormontage. Am<br />

Ende sah es Paul Schmidt locker:<br />

„Wenn es so eine Maschine nicht<br />

gibt, erfinden wir sie.“<br />

Das war die Geburtsstunde des<br />

TUBOMAT und eines neuen Standbeines.<br />

Das Interesse der Verschraubungshersteller<br />

ließ nicht lange auf<br />

sich warten. Bis Anfang der 1980er<br />

Jahre lag der Vertrieb in den Händen<br />

der Firma Kracht aus Werdohl.<br />

Dann übernahm TRACTO-TECHNIK<br />

den Vertrieb in eigener Regie.<br />

Besonders bemerkenswet ist,<br />

dass der zigtausendfach bewährte<br />

TUBOMAT mit kleinen technischen<br />

Verbesserungen in seiner Ur -<br />

sprungs form heute immer noch<br />

Maßstäbe in puncto Hydraulikverrohrung<br />

setzt und sich nach wie vor<br />

großer Beliebtheit erfreut.<br />

40 Jahre nach dem ersten TUBO-<br />

MAT entwickelt und produziert der<br />

Geschäftsbereich Rohrbearbeitungstechnik<br />

sichere Lösungen<br />

rund ums Rohr. Das schließt innovative<br />

Maschinen und präzise Messtechnik<br />

ebenso ein wie intelligente<br />

Softwarelösungen. Aktuelles Highlight<br />

ist eine mit 15 Servoachsen<br />

bestückte, vollelektrische Rechts-<br />

Links-Rohrbiegemaschine, mit<br />

deren Hilfe hochkomplexe Rohrfiguren<br />

innerhalb weniger Sekunden<br />

gefertigt werden können.<br />

Nur fünf Jahre nach der Gründung<br />

stand der Umzug in das neu<br />

erbaute Stammwerk an. Der Standort<br />

Saalhausen wurde wegen des<br />

günstigen Grundstücks und der hier<br />

lebenden Fachkräfte ausgewählt.<br />

Das wichtigste aber: Hier fühlte man<br />

sich zu Hause.<br />

Mit den Rohrbiegemaschinen von TRACTO-TECH-<br />

NIK können hochkomplexe Rohrfiguren innerhalb<br />

weniger Sekunden gefertigt werden.<br />

Eine kleine Begebenheit führte<br />

1970 zu einem radikalen Umbruch<br />

in der Produktpolitik. Eine frisch<br />

asphaltierte Straße vor dem<br />

Schmidt’schen Wohnhaus wurde<br />

schon nach ein paar Tagen wieder<br />

aufgerissen, um eine <strong>Wasser</strong>leitung<br />

zu verlegen. Das brachte Paul<br />

Schmidt auf eine pfiffige Idee.<br />

Die Erdrakete GRUNDOMAT war<br />

erfunden – der Startschuss vieler<br />

innovativer Entwicklungen für den<br />

grabenlosen Leitungsbau.<br />

Ein beispielloser Siegeszug<br />

begann. Als Weltmarktführer sind<br />

GRUNDOMAT-Erdraketen auch „Global<br />

Player“, weil sie rund um den<br />

Erdball tagtäglich zigtausendfach<br />

eingesetzt werden. Für die grabenlose<br />

Verlegetechnik steht der Maulwurf.<br />

Ein starkes Symbol. Er wurde<br />

zum Markenzeichen, das beim Kun-<br />

<br />

September 2012<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 899


Fokus<br />

Tiefbau<br />

Grabenlose Erneuerung sanierungsbedürftiger Leitungen mit der GRUNDOBURST-Technik.<br />

Rohrbearbeitungstechnik<br />

von TRACTO-<br />

TECHNIK bietet<br />

sichere<br />

Lösungen rund<br />

ums Rohr. Das<br />

schließt innovative<br />

Maschinentechnik<br />

und präzise<br />

Messtechnik<br />

ebenso ein wie<br />

intelligente<br />

Softwarelösungen.<br />

den großes Vertrauen und Ansehen<br />

genießt.<br />

Inzwischen sichern mehr als 350<br />

Patente die Entwicklungen ab.<br />

So wurde TRACTO-TECHNIK zum<br />

Schrittmacher und Pionier. TIMI<br />

(Tracto Ideen Machen Innovationen)<br />

hilft, dass die Innovationstätigkeit<br />

bei TRACTO-TECHNIK strukturiert<br />

abläuft. Dafür gab es ein dickes<br />

Lob: den Axia Award von dem Wirtschaftsprüfungsunternehmen<br />

DELOITTE.<br />

Die Aufgeschlossenheit und<br />

Begeisterung für die Technik löste<br />

zahlreiche Neu- und Weiterentwicklungen<br />

aus. Sie brachten viele Ehrungen<br />

und Auszeichnungen mit sich.<br />

Insbesondere die gesteuerte<br />

Bohrtechnik faszinierte<br />

Die Aufgaben und Anforderungen<br />

waren vielfältig und führten über<br />

einen beispiellosen Entwicklungszyklus<br />

bis zum heutigen Stand der<br />

Technik. Es waren echte Pionierleistungen.<br />

Immer neue Ideen – entstanden<br />

aus den Praxiserfahrungen<br />

– wurden direkt in diese junge Technik<br />

umgesetzt nach dem Motto: Das<br />

Bessere ist des Guten Feind.<br />

Die Firma Beermann aus Hörstel-<br />

Riesenbeck hat 20 GRUNDO DRILL<br />

Bohranlagen im Einsatz. Firmenchef<br />

Ewald Beermann zieht ein positives<br />

Fazit: „Durch unsere gemeinsamen<br />

Erfahrungen haben wir in all den<br />

Jahren voneinander profitiert. Wir<br />

schätzen an TRACTO-TECHNIK ihr<br />

offenes Ohr für die Herausforderungen<br />

des Marktes, ihre Innovationsleistungen<br />

sowie ihre Zuverlässigkeit.“<br />

Das neueste Produkt ist ein<br />

Bohrgerät für die Verlegung von<br />

Hausanschlüssen, das aus einem<br />

sogenannten Keyhole (Schlüsselloch-Technik)<br />

mit einem Durchmesser<br />

von nur 65 cm eingesetzt<br />

wird.<br />

Ein weiterer Schwerpunkt ist die<br />

unterirdische Erneuerung von Rohrleitungen<br />

mit der GRUNDOBURST-<br />

Technik. Sanierungsbedürftige Verund<br />

Entsorgungsleitungen werden<br />

damit in gleicher Trasse durch<br />

gleichgroße oder größere Neurohre<br />

mit entsprechend höherer hydraulischer<br />

Leistung und neuer jahrzehntelanger<br />

Nutzungsdauer erneuert.<br />

Der Clou dabei ist das patentierte<br />

QuickLock-Gestänge, das nicht verschraubt,<br />

sondern zeitsparend eingeklinkt<br />

wird.<br />

Die Produktion wurde den Erfordernissen<br />

ständig mit moderner<br />

CNC Fertigungstechnik angepasst.<br />

Dabei ging und geht es um Produktivitätssteigerungen,<br />

vorrangig aber<br />

um eine solide Qualität für eine<br />

hohe Zuverlässigkeit und lange<br />

Lebensdauer der Produkte.<br />

Die TRACTO-TECHNIK beschäftigt<br />

weltweit über 500 Mitarbeiter.<br />

Es sind bodenständige und zuverlässige<br />

Menschen. TRACTO-TECH-<br />

NIK weiß, nur zufriedene und sachkundige<br />

Mitarbeiter können auch<br />

Kunden zufrieden stellen. Es gibt<br />

starke Bindungskräfte zwischen<br />

den Mitarbeitern und dem Unternehmen.<br />

85 Mitarbeiter sind seit<br />

Beginn ihrer Berufsausbildung bei<br />

TRACTO-TECHNIK beschäftigt –<br />

viele ein ganzes Berufsleben.<br />

Das Unternehmen nimmt in den<br />

80er Jahren Fahrt auf und baut global<br />

seine Stellung aus, zuerst in England,<br />

dann in Frankreich, USA und<br />

Australien. Die TT-Exportabteilung<br />

und die Schwesterfirmen betreuen<br />

und unterstützen weltweit mehr als<br />

60 Partner.<br />

September 2012<br />

900 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Tiefbau<br />

FOKUS<br />

Effiziente Erdwärmegewinnung mit dem GRD-Verfahren.<br />

In Deutschland wird der Service<br />

durch ihre Werke und Niederlassungen<br />

flächendeckend sichergestellt.<br />

Zur Jahrtausendwende gewinnt<br />

das Internet an Akzeptanz und wird<br />

zu einem schlagkräftigen Instrument<br />

für die Steigerung des<br />

Bekanntheitsgrades und dem Aufbau<br />

nationaler und internationaler<br />

Netzwerke.<br />

TRACTO-TECHNIK hat klare<br />

umweltpolitische Ziele, die nachhaltig<br />

und durchgängig gefördert werden,<br />

sowohl durch eine umweltfreundliche<br />

Maschinentechnik als<br />

auch durch unzählige ökologische<br />

Projekte. Inzwischen hat der Naturschutzbund<br />

NABU in seinen Grundsätzen<br />

den grabenlosen Leitungsbau<br />

aufgenommen.<br />

2007 kam die GRD-Bohrtechnik<br />

für die effiziente Erschließung der<br />

Erdwärme hinzu. Gebohrt wird von<br />

einem Kunststoffschacht in alle<br />

Richtungen (360°) und Neigungen<br />

(30°–65°). Das kompakte Bohrgerät<br />

ist im Baubestand auf kleinsten<br />

Grundstücken einsetzbar und hinterlässt<br />

kaum Flurschäden. TRACTO-<br />

TECHNIK geht mit gutem Beispiel<br />

voran und setzt an ihren Betriebsstellen<br />

sukzessiv Erdwärme ein.<br />

Kontinuität und Stabilität<br />

gehörten stets zu den Richtgrößen<br />

in der Firmenpolitik<br />

Geschäftsführer Timotheus Hofmeister<br />

und Meinolf Rameil präzisieren<br />

das so: „Unser Ziel ist nachhaltiges<br />

und profitables Wachstum.<br />

Dafür brauchen wir marktgerechte<br />

Produkte und einen leistungsstarken<br />

Vertrieb mit einer klaren strategischen<br />

Ausrichtung. Das erreichen<br />

wir nur vereint im Team.“<br />

Die Herausforderungen der<br />

Zukunft sieht TRACTO-TECHNIK in<br />

einer modernen und sicheren Verund<br />

Entsorgung im Energie- und<br />

Kommunikationsbereich zu der<br />

Techniken und Verfahren des grabenlosen<br />

Leitungsbaues wesentlich<br />

beitragen werden.<br />

Kontakt:<br />

TRACTO-TECHNIK GmbH & Co. KG,<br />

Spezialmaschinen,<br />

Reiherstraße 2,<br />

D-57368 Lennestadt,<br />

Tel. (02723) 808-0,<br />

Fax (02723) 808-180,<br />

E-Mail: marketing@tracto-technik.de,<br />

www.tracto-technik.de<br />

www.funkegruppe.de<br />

Funke Kunststoffe GmbH<br />

September 2012<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 901


Nachrichten<br />

Branche<br />

DVGW zur Revision der Liste prioritärer Stoffe<br />

im Bereich der <strong>Wasser</strong>politik<br />

Auswahl prioritärer Stoffe und Festlegung von Umweltqualitätsnormen muss die<br />

Belange der Trinkwasserversorgung aus Oberflächengewässern berücksichtigen<br />

rundsätzlich begrüßen wir<br />

„Gdie Initiative zur Fortschreibung<br />

und Erweiterung der Liste prioritärer<br />

Stoffe. Allerdings sehen wir<br />

auch aus Sicht der Trinkwasserversorgung<br />

noch erheblichen Verbesserungsbedarf<br />

bei der Auswahl der<br />

Stoffe und der methodischen Ableitung<br />

der Umweltqualitätsnormen.“<br />

Dies erklärte der Hauptgeschäftsführer<br />

des DVGW Deutscher<br />

Verein des Gas- und <strong>Wasser</strong>faches,<br />

Dr. Walter Thielen, anlässlich des<br />

am 17. Juli 2012 veröffentlichten<br />

Berichtsentwurfs des Umweltausschusses<br />

des Europäischen Parlaments<br />

zu einem entsprechenden<br />

Gesetzesentwurf der Europäischen<br />

Kommission. Mit diesem Bericht<br />

beginnt die heiße Phase der im<br />

2. Halbjahr 2012 stattfindenden parlamentarischen<br />

Auseinandersetzung<br />

mit dieser EU-Initiative. Die<br />

Europäische Kommission hatte am<br />

31. Januar 2012 mit einem Vorschlag<br />

zur Änderung der <strong>Wasser</strong>rahmenrichtlinie<br />

und der Richtlinie<br />

über Umweltqualitätsnormen im<br />

Bereich der <strong>Wasser</strong>politik eine überarbeitete<br />

und erweiterte Liste prioritärer<br />

Stoffe vorgelegt. Der Änderungsvorschlag<br />

sieht unter anderem<br />

vor, 15 zusätzliche Stoffe aus<br />

den Bereichen Pflanzenschutzmittel<br />

und Biozidwirkstoffe, Industriechemikalien,<br />

Dioxine und pharmazeutische<br />

Wirkstoffe in den Anhang I der<br />

Änderungsrichtlinie aufzunehmen.<br />

Davon gelten sechs als prioritäre<br />

gefährliche Stoffe (Dicofol, PFOS,<br />

Quinoxyfen, Dioxin, dioxinähnliche<br />

PCB, HBCDD), deren Emission innerhalb<br />

von 20 Jahren gänzlich einzustellen<br />

ist.<br />

„Umweltqualitätsnormen im<br />

Sinne einer Stärkung des vorsorgenden<br />

Gewässerschutzes müssen<br />

auch den Schutz der <strong>Wasser</strong>ressourcen<br />

für die Trinkwassergewinnung<br />

einschließen, damit das Ziel des Art.<br />

7 (3) der <strong>Wasser</strong>rahmenrichtlinie<br />

erfüllt wird. Diesem Anspruch wird<br />

der vorgelegte Richtlinienentwurf<br />

bei weitem nicht gerecht“, so Thielen.<br />

Grundsätzlich fehle eine nachvollziehbare<br />

Begründung sowohl<br />

der Auswahl neu aufgenommener<br />

Stoffe als auch der Ableitung der<br />

Umweltqualitätsnormen. Umweltqualitätsnormen<br />

müssen toxikologisch<br />

belastbar und nachvollziehbar<br />

definiert sein. Die Stoffauswahl<br />

muss die tatsächliche Problemlage,<br />

insbesondere der Trinkwasserversorgung<br />

als sensibelste Nutzung der<br />

Gewässer berücksichtigen. Diese<br />

Intransparenz in der Ableitung der<br />

Umweltqualitätsnormen führe in<br />

dem Richtlinienvorschlag dazu, dass<br />

für einige Parameter extrem niedrige<br />

Konzentrationswerte festgelegt<br />

worden sind, die analytisch nicht<br />

mehr nachweisbar sind, deren Einhaltung<br />

auch bei Ausführung aller<br />

möglichen Maßnahmen (bis hin<br />

zum Verbot) über Jahrzehnte hinweg<br />

nicht möglich sein wird und die<br />

in sich inplausibel erscheinen. Aus<br />

Sicht der Trinkwasserversorgung ist<br />

es nicht zielführend, für neue Parameter<br />

Umweltqualitätsnormen einzufordern,<br />

die in den genannten<br />

niedrigen Konzentrationsbereichen<br />

humantoxikologisch völlig irrelevant<br />

sind, so lange die tatsächlichen<br />

Probleme im Gewässerschutz nicht<br />

gelöst sind.<br />

Umweltqualitätsnormen, die<br />

nicht eingehalten werden können<br />

und die dazu führen, dass alle Oberflächengewässer<br />

in Europa einheitlich<br />

das Prädikat „Umweltqualitätsnorm<br />

nicht eingehalten“ bekommen,<br />

führen dazu, dass einerseits<br />

Erfolge im Gewässerschutz verwischt<br />

und andererseits die vorhandenen<br />

Defizite nicht mehr erkannt<br />

werden. „Ziele müssen erreichbar<br />

sein; dies gilt auch für den Gewässerschutz“,<br />

so Thielen.<br />

„Zudem ist eine unabdingbare<br />

Voraussetzung für einen erfolgreichen<br />

Gewässerschutz, dass die Einhaltung<br />

von festgesetzten Umweltqualitätsnormen<br />

auch überwacht<br />

werden kann. Umweltqualitätsnormen,<br />

die so niedrig angesetzt sind,<br />

dass eine Überwachung unmöglich<br />

wird, sind ein zahnloser Tiger und<br />

weisen in die falsche Richtung“, sagt<br />

der DVGW-Hauptgeschäftsführer.<br />

Ferner müsse das Verursacherprinzip<br />

bereits bei der Zulassung<br />

von Stoffen und am Ursprung der<br />

Emission in die Umwelt konsequent<br />

umgesetzt werden. Hierfür seien<br />

zusätzliche Initiativen auf europäischer<br />

und nationaler Ebene erforderlich.<br />

Darüber hinaus müssten im<br />

Gesamtkontext Vermeidungsstrategien<br />

an der Quelle ansetzen. Dies<br />

erfordere ein stringenteres Zulassungsverfahren<br />

und den Widerruf<br />

von Zulassungen, insbesondere<br />

wenn Maßnahmen aus dem Wirkungskreis<br />

der <strong>Wasser</strong>rahmenrichtlinie<br />

das Problem nicht lösen könnten.<br />

Weitere Informationen:<br />

www.dvgw.de<br />

September 2012<br />

902 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Branche<br />

Nachrichten<br />

DWA und GIZ schließen<br />

Kooperationsvereinbarung<br />

Die Deutsche Vereinigung für<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaft, <strong>Abwasser</strong> und<br />

Abfall e.V. (DWA) und die Deutsche<br />

Gesellschaft für Internationale Zu -<br />

sammenarbeit GmbH (GIZ) ha ben<br />

am 18. Juli 2012 in Hennef eine<br />

Kooperationsvereinbarung unterzeichnet.<br />

Ziel der Vereinbarung ist die<br />

gemeinsame Förderung einer nachhaltigen<br />

<strong>Wasser</strong>- und Abfallwirtschaft<br />

in Entwicklungs- und Schwellenländern.<br />

Beide Seiten können<br />

dafür auf langjährige Erfahrungen<br />

und regionale Netzwerke in aller<br />

Welt zurückgreifen. DWA und GIZ<br />

haben bereits in der Vergangenheit<br />

miteinander kooperiert – z. B. bei<br />

der Verbesserung des Qualitätsmanagements<br />

in ägyptischen <strong>Wasser</strong>versorgungsbetrieben.<br />

Als mögliche Kooperationsfelder<br />

für die Zukunft sehen DWA und GIZ<br />

die Verbreitung internationaler<br />

Standards für die <strong>Wasser</strong>- und<br />

Abfallwirtschaft, die Weiterbildung<br />

von Fachkräften aus Entwicklungsund<br />

Schwellenländern, den<br />

Wissens austausch zwischen international<br />

und national tätigen Fachleuten<br />

sowie die Förderung von<br />

wasser- und abfallwirtschaftlichen<br />

Verbänden in den Partnerländern<br />

der Bundesrepublik.<br />

Weitere Informationen:<br />

www.dwa.de<br />

Über die GIZ<br />

Die Deutsche Gesellschaft für<br />

Internationale Zusammenarbeit<br />

(GIZ) GmbH ist ein weltweit<br />

tätiges Bundesunternehmen.<br />

Sie unterstützt die Bundesregierung<br />

in der internationalen<br />

Zusammenarbeit für<br />

nachhaltige Entwicklung und<br />

in der internationalen Bildungsarbeit.<br />

Die GIZ trägt dazu<br />

bei, dass Menschen und<br />

Gesellschaften eigene Perspektiven<br />

entwickeln und ihre<br />

Lebensbedingungen verbessern.<br />

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September 2012<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 903


Nachrichten<br />

Branche<br />

Schutz des Grundwassers und der Gewässer<br />

wird vernachlässigt<br />

BDEW kritisiert aktuellen Entwurf des Nationalen Aktionsplans Pestizide<br />

Aktuell findet die Ressortabstimmung<br />

zwischen den beteiligten<br />

Bundesministerien zum Nationalen<br />

Aktionsplan Pestizide (NAP) statt.<br />

Der „Nationale Aktionsplan zur<br />

nachhaltigen Anwendung von<br />

Pflanzenschutzmitteln“ ist Teil des<br />

Pflanzenschutzgesetzes. Aus Sicht<br />

des Bundesverbandes der Energieund<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaft (BDEW)<br />

ermöglicht der Plan in seiner derzeitigen<br />

Fassung allerdings keinen ausreichenden<br />

Schutz von Umwelt und<br />

Gewässern vor Pestizid-Einträgen.<br />

„Nach wie vor sind Pestizid-Einträge<br />

in die Gewässer und das<br />

Grundwasser zu verzeichnen, die als<br />

Rohwasserressource für die Trinkwassergewinnung<br />

dienen. Die <strong>Wasser</strong>versorger<br />

müssen solche Einträge<br />

immer wieder mit hohem Aufwand<br />

beseitigen. Es ist aus wasserwirtschaftlicher<br />

Sicht nicht nachvollziehbar,<br />

warum der Nationale<br />

Aktionsplan keine wirklich ambitionierten<br />

und damit wirksamen Zielvorgaben<br />

für die Verringerung des<br />

Pestizid-Eintrags durch die Landwirtschaft<br />

vorgibt. Die Vorgaben<br />

sind erstaunlich ambitionslos. Dem<br />

Schutz der Gewässer und des<br />

Grundwassers wird damit nicht die<br />

notwendige Priorität eingeräumt“,<br />

sagte Martin Weyand, Hauptgeschäftsführer<br />

<strong>Wasser</strong>/<strong>Abwasser</strong> des<br />

Bundesverbandes der Energie- und<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaft (BDEW) in Berlin.<br />

Konkret kritisiert der BDEW, dass<br />

der derzeitige Entwurf des NAP hinter<br />

bestehendes Europarecht<br />

zurückfällt: Die Zielvorgaben des<br />

NAP zur Verringerung von Pestizid-<br />

Einträgen schwächen bestehende<br />

Vorgaben aus der EU-<strong>Wasser</strong>rahmenrichtlinie<br />

ab. Im derzeitigen<br />

Entwurf fehlt zudem der Bezug zur<br />

EU-Rahmenrichtlinie zum nachhaltigen<br />

Einsatz von Pestiziden. „Dies<br />

erstaunt umso mehr, da die Ziele<br />

Der Schutz von Umwelt und Gewässern vor Pestizid-Einträgen ist unabdingbar.<br />

© Karl Bauer<br />

des Aktionsplans für die Bundesrepublik<br />

verbindlich von Brüssel<br />

vorgegeben sind“, so Weyand. Die<br />

Auswirkungen der Verwendung von<br />

Pestiziden auf die menschliche<br />

Gesundheit und die Umwelt müssen<br />

nach den EU-Vorgaben verringert<br />

und die Abhängigkeit von Pestiziden<br />

in der Landwirtschaft muss<br />

reduziert werden. Auch die große<br />

Zeitspanne, die der Gesetzgeber bei<br />

der Zielerreichung laut NAP-Entwurf<br />

gewähren will, ist aus Sicht der<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaft nicht angemessen.<br />

Erst im Jahr 2023 sollen die<br />

ohnehin wenig ambitionierten Vorgaben<br />

erfüllt werden. Hinzu kommt,<br />

dass die im NAP formulierten Ziele<br />

nicht mit konkret durch die Verursacher<br />

von Einträgen umzusetzenden<br />

Maßnahmen verknüpft werden.<br />

„Der Nationale Aktionsplan ist in<br />

seiner derzeitigen Struktur als<br />

Management- und Umsetzungsinstrument<br />

ungeeignet“, sagte Weyand.<br />

Ein breites Bündnis aus Umweltverbänden<br />

und der <strong>Wasser</strong>wirtschaft,<br />

darunter der BDEW, hatte<br />

Ende vergangenen Jahres seine Mitarbeit<br />

im Forum des Pestizid-Aktionsplans<br />

des Bundesministeriums<br />

für Ernährung, Landwirtschaft und<br />

Verbraucherschutz (BMELV) aufgekündigt.<br />

Das Landwirtschaftsministerium,<br />

so die Verbände, orientiere<br />

sich beim Aktionsplan an den Interessen<br />

der Agrarindustrie und zeige<br />

sich immun gegen Vorschläge, die<br />

Pestizidbelastungen ernsthaft zu<br />

senken.<br />

„Die Sicherung der Qualität der<br />

Trinkwasserressourcen ist von<br />

grundlegender Bedeutung, um<br />

Trinkwasser in möglichst naturnaher<br />

Qualität und ohne kostenintensive<br />

Aufbereitung als Lebensmittel<br />

zur Verfügung zu stellen“, betonte<br />

Weyand.<br />

Weitere Informationen:<br />

www.bdew.de<br />

September 2012<br />

904 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Branche<br />

Nachrichten<br />

<strong>Abwasser</strong> als Pflanzendünger<br />

Klärschlamm, Abwässer und Gülle sind wertvolle Quellen, aus denen sich Dünger für die Nahrungsmittelproduktion<br />

gewinnen lässt. Forscher haben jetzt ein chemikalienfreies und umweltschonendes Verfahren entwickelt,<br />

mit dem rückgewonnene Salze direkt zu Dünger umgesetzt werden.<br />

Phosphor ist nicht nur für Pflanzen,<br />

sondern für alle Lebewesen<br />

wichtig. Doch das für die Nahrungsmittelproduktion<br />

unverzichtbare<br />

Element wird knapper. Ein Indiz<br />

dafür sind die stetig steigenden<br />

Preise für phosphathaltige Düngemittel.<br />

Höchste Zeit also, nach Alternativen<br />

zu suchen. Keine leichte<br />

Aufgabe – denn Phosphor lässt sich<br />

nicht durch einen anderen Stoff<br />

ersetzen. Eine Lösung haben Forscher<br />

vom Fraunhofer-Institut für<br />

Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik<br />

IGB in Stuttgart gefunden.<br />

Sie nutzen hierzulande vorhandene<br />

Ressourcen – und die finden sich<br />

ausgerechnet in Abwässern von<br />

Klärwerken oder Gärresten von<br />

Biogasanlagen. Die vermeintliche<br />

Dreckbrühe lässt sich hervorragend<br />

wiederverwerten. Dafür haben die<br />

Wissenschaftler um Jennifer Bilbao,<br />

die am IGB die Gruppe für Nährstoffmanagement<br />

leitet, ein neues<br />

Verfahren entwickelt. „Dabei werden<br />

Nährstoffe so gefällt, dass sie<br />

direkt als Dünger zur Verfügung stehen“,<br />

sagt Jennifer Bilbao.<br />

Mobile Pilotanlage für Tests<br />

Kern der patentierten Methode, die<br />

die Experten derzeit in einer mobilen<br />

Pilotanlage erproben, ist ein<br />

elektrochemischer Prozess, mit dem<br />

per Elektrolyse Stickstoff und Phosphor<br />

als Magnesium-Ammonium-<br />

Phosphat – auch als Struvit bekannt<br />

– ausgefällt werden. Das Salz Struvit<br />

wird aus dem Prozesswasser in<br />

Form kleiner Kristalle ausgeschieden,<br />

womit es sich direkt als Pflanzendünger<br />

einsetzen lässt. Der Clou<br />

der Methode: Im Gegensatz zu herkömmlichen<br />

Verfahren müssen die<br />

Forscher keine Salze oder Laugen<br />

zugeben. Bilbao: „Es handelt sich<br />

um einen komplett chemikalienfreien<br />

Prozess“.<br />

In der mannshohen Elektrolysezelle<br />

der Versuchsanlage, durch die<br />

das <strong>Abwasser</strong> geleitet wird, befindet<br />

sich eine Opferanode aus Magnesium<br />

und eine metallische<br />

Kathode. Im Verlauf der Elektrolyse<br />

wird am negativ geladenen Pol, der<br />

Kathode, das <strong>Wasser</strong> aufgespalten.<br />

Dabei werden unter anderem Hydroxidionen<br />

gebildet. Am positiv<br />

geladenen Pol, der Anode, findet<br />

eine Oxidation statt: Magnesiumionen<br />

wandern durch das <strong>Wasser</strong><br />

und reagieren dabei mit dem in der<br />

Lösung enthaltenen Phosphat und<br />

Ammonium zu Struvit.<br />

Salze werden zu Pflanzendünger umgesetzt.<br />

Stromsparender, chemikalienfreier<br />

Prozess<br />

Da die Magnesiumionen im Prozesswasser<br />

der Anlage besonders<br />

reaktionsfreudig sind, wird für dieses<br />

Verfahren sehr wenig Energie<br />

benötigt. Deshalb wird weniger<br />

Strom für die elektrochemische Aufspaltung<br />

gebraucht als bei üblichen<br />

Methoden. Bei allen bisher untersuchten<br />

Abwässern lag die erforderliche<br />

Leistung unter 70 Wattstunden<br />

pro Kubikmeter – ein äußerst<br />

niedriger Wert. Langzeitversuche<br />

zeigten zudem, dass die Phosphor-<br />

Konzentration im Reaktor der Pilotanlage<br />

um 99,7 % auf unter 2 Milligramm<br />

pro Liter sinkt. Damit unterschritten<br />

die Forscher vom IGB den<br />

Grenzwert der <strong>Abwasser</strong>verordnung<br />

(AbwV) für Kläranlagen bis<br />

100 000 Einwohner. „Kläranlagenbetreiber<br />

wären somit in der Lage, die<br />

<strong>Abwasser</strong>reinigung mit der lukrativen<br />

Düngemittelproduktion zu verbinden“,<br />

benennt Bilbao den entscheidenden<br />

Vorteil. Das Produkt<br />

Struvit ist für die Landwirtschaft<br />

attraktiv, da es als hochwertiges<br />

Düngemittel gilt, das Nährstoffe<br />

langsam freisetzt. Wachstumsexperimente<br />

der Fraunhofer-Forscher<br />

bestätigten die Wirksamkeit: Ertrag<br />

und Nährstoffaufnahme der Pflanzen<br />

waren mit Struvit bis zu viermal<br />

höher als mit kommerziellen Mineraldüngern.<br />

In den nächsten Monaten wollen<br />

die Experten die mobile Pilotanlage<br />

in verschiedenen Kläranlagen testen,<br />

bevor sie sie gemeinsam mit<br />

Industriepartnern Anfang nächsten<br />

Jahres auf den Markt bringen.<br />

„Unser Verfahren eignet sich übrigens<br />

auch für die Lebensmittelindustrie<br />

und die landwirtschaftliche<br />

Biogasproduktion“, sagt Bilbao. Einzige<br />

Bedingung: Deren Prozesswässer<br />

müssen reich an Ammonium<br />

und Phosphat sein.<br />

Weitere Informationen:<br />

www.fraunhofer.de<br />

September 2012<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 905


Nachrichten<br />

Branche<br />

Klimaerwärmung schadet den Seen<br />

Das Cyanobakterium<br />

„Planktothrix<br />

rubescens“<br />

(Burgunderblutalge)<br />

im<br />

Zürichsee. Die<br />

Fäden sind nur<br />

0,005 mal 2<br />

Millimeter<br />

groß, bilden<br />

aber vor allem<br />

in einer <strong>Wasser</strong>tiefe<br />

von 12<br />

bis 15 Meter<br />

Massenvorkommen.<br />

Im Herbst wird<br />

der <strong>Wasser</strong>körper<br />

zwischen 0<br />

und 20 Meter<br />

<strong>Wasser</strong>tiefe<br />

schon durchmischt<br />

und die<br />

Planktothrix<br />

kommt aus 15<br />

Metern <strong>Wasser</strong>tiefe<br />

an die<br />

Oberfläche. An<br />

der Oberfläche<br />

kann sie sichtbare<br />

Massenvorkommen<br />

(Blüten)<br />

ausbilden.<br />

Die Klimaerwärmung wirkt sich<br />

auch auf die Seen aus. Forscher<br />

der Universität Zürich zeigen am<br />

Beispiel des Zürichsees, dass sich<br />

der See im Winter zu wenig durchmischt<br />

und die schädliche Burgunderblutalge<br />

immer besser wächst.<br />

Damit beeinträchtigen die wärmeren<br />

Temperaturen die erfolgreichen<br />

Seesanierungen der letzten Jahrzehnte.<br />

Viele große Seen in Mitteleuropa<br />

wurden im 20. Jahrhundert durch<br />

Abwässer stark überdüngt. In Folge<br />

entstanden Algenblüten, insbesondere<br />

ein Massenauftreten von<br />

Cyanobakterien (photosynthetische<br />

Bakterien). Einige dieser Organismen<br />

bilden Giftstoffe, welche die<br />

Nutzung des Seewassers beeinträchtigen<br />

können. Absterbende<br />

Algenblüten verbrauchen viel Sauerstoff,<br />

reduzieren so den Sauerstoffgehalt<br />

im See mit negativen<br />

Folgen für die Fischbestände.<br />

Das Problem bei der Überdüngung<br />

war nicht nur die absolute<br />

Menge von Stickstoff und Phosphor,<br />

den beiden wichtigsten Nährstoffen<br />

für Algen. Der Mensch hat auch das<br />

Verhältnis der beiden Nährstoffe<br />

zueinander verändert. So wurden<br />

die Phosphorfrachten in Seen in<br />

den letzten Jahrzehnten massiv<br />

reduziert, die Belastung mit Stickstoffverbindungen<br />

wurde jedoch<br />

nicht im selben Ausmaß verringert.<br />

Das derzeitige Verhältnis zwischen<br />

den Nährstoffen kann daher ein<br />

Massenauftreten gewisser Cyanobakterienarten<br />

auslösen, sogar in<br />

Seen, die bislang als saniert galten.<br />

Burgunderblutalgen<br />

wachsen stärker<br />

„Das heutige Grundproblem liegt<br />

darin, dass der Mensch zwei sensible<br />

Eigenschaften von Seen<br />

gleichzeitig verändert, nämlich die<br />

Nährstoffverhältnisse und mit der<br />

Klimaerwärmung die <strong>Wasser</strong>temperatur“,<br />

erklärt Thomas Posch, Limnologe<br />

an der Universität Zürich. Er hat<br />

in Zusammenarbeit mit der <strong>Wasser</strong>versorgung<br />

Zürich in einer Studie<br />

Daten aus 40 Jahren analysiert, die<br />

jetzt in „Nature Climate Change“<br />

veröffentlicht wurde.<br />

Die Auswertung dieser Langzeitdaten<br />

zum Zürichsee zeigt, dass das<br />

Cyanobakterium „Planktothrix rubescens“,<br />

besser bekannt als Burgunderblutalge,<br />

in den letzten 40 Jahren<br />

zunehmend dichtere „Blüten“<br />

ausbildet. Wie viele andere Cyanobakterien<br />

besitzt Planktothrix Giftstoffe,<br />

um sich vor dem Fraß durch<br />

Kleinkrebse zu schützen. Die Burgunderblutalge<br />

wurde im Zürichsee<br />

erstmals im Jahr 1899 beschrieben,<br />

und ist für die <strong>Wasser</strong>versorgung<br />

Zürich ein seit Langem bekanntes<br />

Phänomen. Daher wird das Seewasser<br />

für die Trinkwasserversorgung<br />

aufwändig aufbereitet, wobei der<br />

Organismus und die Giftstoffe vollständig<br />

aus dem Rohwasser entfernt<br />

werden.<br />

Wärmerer See durchmischt<br />

sich zu wenig<br />

Doch warum wächst Planktothrix<br />

immer besser? Die wichtigste natürliche<br />

Kontrolle der Cyanobakterienblüten<br />

erfolgt im Frühjahr, nachdem<br />

September 2012<br />

906 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Branche<br />

Nachrichten<br />

sich der gesamte See im Winter<br />

stark abgekühlt hat. Intensive<br />

Winde führen zu einer Durchmischung<br />

des Oberflächen- mit dem<br />

Tiefenwasser. Ist die Durchmischung<br />

vollständig, sterben viele<br />

Cyanobakterien in der Tiefe des<br />

Zürichsees ab, da sie dem hohen<br />

Druck, immerhin 13 bar in 130<br />

Meter <strong>Wasser</strong>tiefe, nicht standhalten.<br />

Ein zweiter positiver Effekt dieser<br />

Durchmischung ist der Transport<br />

von frischem Sauerstoff in die<br />

Tiefe. Doch auch hier hat sich die<br />

Situation im Zürichsee in den letzten<br />

vier Jahrzehnten drastisch verändert.<br />

Die Klimaerwärmung b e -<br />

wirkt eine zunehmende Erwärmung<br />

der <strong>Wasser</strong>oberfläche. Die derzeitigen<br />

Werte liegen bei 0,6 bis 1,2 °C<br />

über dem 40-Jahresmittel. Die Winter<br />

waren vermehrt zu warm und<br />

der See durchmischte nur noch<br />

unvollständig, da der Temperaturunterschied<br />

zwischen Oberfläche<br />

und Tiefe eine physikalische Barriere<br />

darstellte. Die Folgen sind größere<br />

Sauerstoffdefizite über längere<br />

Zeit im Tiefenwasser des Sees und<br />

eine unzureichende Reduktion der<br />

Blüten der Burgunderblutalge.<br />

Hoffen auf kalte und<br />

windige Winter<br />

„Derzeit erleben wir leider eine<br />

paradoxe Situation. Obwohl wir die<br />

Nährstoffproblematik für teilweise<br />

gelöst hielten, arbeitet die Klimaerwärmung<br />

in einigen Seen gegen die<br />

Sanierungsmaßnahmen. In Zukunft<br />

brauchen wir deshalb vor allem wieder<br />

kalte Winter mit kräftigen Winden“,<br />

sagt Thomas Posch. Der letzte<br />

Winter 2011/12 war aus der Sicht<br />

der Forschenden ideal. Die tiefen<br />

Temperaturen und die kräftigen<br />

Stürme ließen den See komplett<br />

durchmischen und führten endlich<br />

wieder zu einer Reduktion der<br />

Planktothrix.<br />

Bibliographische Angaben:<br />

Thomas Posch, Oliver Köster, Michaela M.<br />

Salcher and Jakob Pernthaler: Harmful filamentous<br />

cyanobacteria favoured by reduced<br />

water turnover with lake warming.<br />

Nature Climate Change. 8. Juli 2012.Doi:<br />

10.1038/NCLIMATE1581.<br />

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September 2012<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 907


Nachrichten<br />

Branche<br />

Kosten in der <strong>Wasser</strong>wirtschaft durch<br />

Energie-Effizienz senken<br />

Die Frankfurter <strong>Wasser</strong>- und <strong>Abwasser</strong>gesellschaft mbH (Oder) und die<br />

Stadtentwässerung Dresden GmbH vereinbaren Zusammenarbeit<br />

Kläranlage Dresden-Kaditz.<br />

Vereinbart wird eine langfristige<br />

Kooperation, um die Erfolge,<br />

die bei der Einsparung von Energie<br />

in Dresden bereits realisiert bzw.<br />

geplant sind, auch bei dem Betrieb<br />

der wasserwirtschaftlichen Anlagen<br />

in Frankfurt zu erreichen.<br />

Die FWA setzt bereits verschiedene<br />

Maßnahmen zur Energieoptimierung<br />

ein. So werden Verfahrensabläufe<br />

angepasst und energieintensive<br />

Aggregate und An -<br />

lagenteile durch sparsame Modelle<br />

ersetzt. Darüber hinaus wird auf der<br />

Kläranlage Frankfurt (Oder) das<br />

erzeugte Klärgas in einem Blockheizkraftwerk<br />

zu Wärme- und Elektroenergie<br />

verwertet.<br />

Im Rahmen des Dresdner Projektes<br />

„Energie 21“ haben die Fachleute<br />

der Stadtentwässerung gemeinsam<br />

mit der Technischen Universität<br />

Dresden innovative Maßnahmen<br />

identifiziert und können hierdurch<br />

den Energieverbrauch signifikant<br />

reduzieren. Von dem gewonnenen<br />

Know-how soll nun auch die Frankfurter<br />

<strong>Wasser</strong>- und <strong>Abwasser</strong>gesellschaft<br />

profitieren.<br />

Das Engagement der Dresdner<br />

wird den Etat der FWA nicht belasten.<br />

Erst wenn es mit ihrer Hilfe<br />

gelingt, die Energiekosten der FWA<br />

weiter zu senken, werden die Beratungsleistungen<br />

entsprechend vergütet.<br />

Die Geschäftsführer, Weber,<br />

Röstel und Pohl, sind sich sicher,<br />

dass beide Unternehmen als Gewinner<br />

aus der Kooperation hervor<br />

gehen werden. „Als kommunalwirtschaftlich<br />

geprägte Unternehmen<br />

hat unsere Partnerschaft eine solide<br />

Grundlage, um ökologische und<br />

ökonomische Fortschritte zu erreichen<br />

und gemeinsam davon zu profitieren.<br />

Gewinnen werden auch<br />

unsere Kunden und die Umwelt,<br />

weil wir die Kosten senken und den<br />

Ausstoß von CO 2 reduzieren.“<br />

Neben dem Ziel geringerer Kosten<br />

sieht die Vereinbarung außerdem<br />

vor, den Ausbau der Erneuerbaren<br />

Energien am Standort Frankfurt<br />

(Oder) zu prüfen. So werde man<br />

die Entwicklung einer Co-Vergärung<br />

(die Mitbehandlung von Bio-Abfällen<br />

im Faulbehälter zur Erhöhung<br />

der Gasausbeute) ebenso untersuchen<br />

wie den Einsatz von Windkraftanlagen<br />

und die Wärmenutzung<br />

aus <strong>Wasser</strong>/<strong>Abwasser</strong>. „Und vielleicht“,<br />

so FWA-Geschäftsführer<br />

Weber, „werden wir die eine oder<br />

andere Maßnahme umsetzen, die<br />

wir heute noch gar nicht im Auge<br />

haben, sondern bei der gemeinsamen<br />

Arbeit erst entdecken.“<br />

Weitere Informationen:<br />

www.fwa-ffo.de<br />

September 2012<br />

908 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Branche<br />

Nachrichten<br />

Investor für die WHB <strong>Wasser</strong>technik gesucht<br />

Eröffnung eines gerichtlichen Insolvenzverfahrens<br />

Im Juli 2012 beantragte die<br />

Geschäftsführung der WBH <strong>Wasser</strong>technik<br />

die Eröffnung eines<br />

gerichtlichen Insolvenzverfahrens.<br />

Das in der Eifel ansässige Unternehmen<br />

bietet ein umfassendes Leistungsspektrum<br />

rund um die Themen<br />

<strong>Wasser</strong>aufbereitung und<br />

<strong>Abwasser</strong>behandlung. Rund 35 Mitarbeiter<br />

aus den Bereichen Engineering,<br />

Maschinen- und Elektrotechnik<br />

sowie Montage bieten ein vollständiges<br />

Leistungspaket aus einer<br />

Hand.<br />

Vom Management wird angestrebt,<br />

das Unternehmen ganz oder<br />

in Teilen im Rahmen einer gerichtlichen<br />

Sanierung zu erhalten. Hierbei<br />

bietet sich für einen strategischen<br />

Investor die Chance, den Geschäftsbereich<br />

zu übernehmen bzw. diesen<br />

partnerschaftlich weiterzuentwickeln.<br />

Potenzielle Interessenten erhalten<br />

weitere Informationen bei der<br />

Mentor AG · Betriebswirtschaftliche<br />

Beratung. Ansprechpartner ist Uwe<br />

Borgers.<br />

Kontakt: Dipl.-Kfm. Uwe Borgers,<br />

E-Mail: uwe.borgers@mentor.ag,<br />

Tel. +49 (0)651 97059 0,<br />

MENTOR AG, Bahnhofsplatz 8, D-54292 Trier,<br />

www.mentor.ag<br />

www.wbh-wassertechnik.de<br />

Beschluss des Amtsgerichts Wittlich vom 08.08.2012<br />

7a IN 82/12<br />

In dem Insolvenzantragsverfahren über das Vermögen des WBH –<br />

<strong>Wasser</strong>technik<br />

Wilhelm Blech GmbH & Co. KG, Industriestr. 16, 54576 Hillesheim<br />

(AG Wittlich, HRB 12726), vertr. d.:<br />

1. Ralf Blech, Industriestr. 16, 54576 Hillesheim, (Geschäftsführer),<br />

2. Peter Klein, Industriestr. 16,54576 Hillesheim, (Geschäftsführer)<br />

ist am 08.08.2012 die vorläufige Verwaltung des Vermögens des<br />

Antragstellers angeordnet worden.<br />

Verfügungen des Antragstellers sind nur mit Zustimmung des vorläufigen<br />

Insolvenzverwalters wirksam. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter<br />

ist Rechtsanwalt Jörg A. Wunderlich, Bahnhofsplatz 8,<br />

54292 Trier, Tel.: 0651/14693-0, Fax 0651/14693-20 bestellt worden.<br />

Amtsgericht Wittlich, 08082012<br />

Quelle: www.insolvenzbekanntmachungen.de<br />

Ihre Hotlines für <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> | <strong>Abwasser</strong><br />

Redaktion<br />

Mediaberatung<br />

Dipl.-Ing. Christine Ziegler, München<br />

Inge Matos Feliz, München<br />

Telefon (089) 45051-318 Telefon (089) 45051-228<br />

Telefax (089) 45051-207 Telefax (089) 45051-207<br />

e-mail: ziegler@oiv.de<br />

e-mail: matos.feliz@oiv.de<br />

Abonnement/Einzelheftbestellungen<br />

Anzeigenverwaltung<br />

Leserservice <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong>|<strong>Abwasser</strong><br />

Brigitte Krawczyk, München<br />

Postfach 9161, 97091 Würzburg Telefon (089) 45051-226<br />

Telefon +49 (0) 931/4170-1615 Telefax (089) 45051-300<br />

Telefax +49 (0) 931/4170-492<br />

e-mail: krawczyk@oiv.de<br />

e-mail: leserservice@oldenbourg.de<br />

Wenn Sie spezielle Fragen haben, helfen wir Ihnen gerne.<br />

September 2012<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 909


Nachrichten<br />

Branche<br />

Evergreen: IKT verleiht 11. Goldenen Kanaldeckel<br />

Der „Goldene Kanaldeckel“ ist<br />

mittlerweile ein Evergreen in<br />

der Kanalbranche. Das IKT verleiht<br />

ihn in diesem Jahr bereits zum<br />

11. Mal. Doch nur wer sich bewirbt,<br />

kann ihn auch bekommen!<br />

Begehrte Trophäe: der „Oscar“ der Kanalbranche.<br />

Preisträger 2011: Rolf Kemper-Böninghausen<br />

(Emschergenossenschaft/Lippeverband), Juliane<br />

Schenk (Göttinger Entsorgungsbetriebe), IKT-<br />

Geschäftsführer Roland W. Waniek, Wulf Riedel<br />

(Technische Betriebe Solingen).<br />

Der Goldene Kanaldeckel wird am 31. Januar 2013<br />

im Rahmen des IKT-Forums verliehen.<br />

„Oscar“ der Kanalbranche<br />

Mittlerweile ist der „Goldene Ka -<br />

naldeckel“ des IKT – Institut für<br />

Unterirdische Infrastruktur zum festen<br />

Bestandteil im Jahresrhythmus<br />

der Kanalbranche geworden. Um<br />

Bewerbungen wird gebeten. Der<br />

„Oscar“ der Kanalbranche wird am<br />

31. Januar 2013 im IKT in Gelsenkirchen<br />

verliehen. Neben dem Geldpreis<br />

ist den Preisträgern auch die<br />

Anerkennung der Branche sicher.<br />

Der „Goldene Kanaldeckel“ richtet<br />

sich an Mitarbeiter von Kanalnetzbetreibern<br />

wie Stadtentwässerungen,<br />

Tiefbauämtern und Stadtwerken,<br />

sei es in öffentlicher oder<br />

privater Trägerschaft. Ziel des Goldenen<br />

Kanaldeckels ist es, die Be -<br />

deutung der Kanalisation in das<br />

Bewusstsein der Öffentlichkeit zu<br />

rufen.<br />

Mit dem „Goldenen Kanaldeckel“<br />

werden herausragende Leistungen<br />

einzelner Mitarbeiter prämiert. Der<br />

Öffentlichkeit wird damit beispielhaft<br />

verdeutlicht, welche Technologien,<br />

welche wirtschaftliche Dimension<br />

und welche Leistungen für den<br />

Gewässerschutz hinter einer als<br />

selbstverständlich wahrgenommenen<br />

<strong>Abwasser</strong>ableitung stehen. Auf<br />

diese Weise wird ein positives Image<br />

der gesamten Branche gefördert,<br />

also auch der Industrie, der Bauunternehmen<br />

und der Dienstleister.<br />

Als Symbol für diesen Preis steht ein<br />

Kanaldeckel, weil der im Straßenbild<br />

die sichtbare Schnittstelle zwischen<br />

Bürger und Kanalisation ist.<br />

Fakten und Fristen<br />

Der „Goldene Kanaldeckel“ des IKT<br />

wird im gesamten Bundesgebiet<br />

öffentlich ausgelobt:<br />

1. Preis: 2000 Euro<br />

2. Preis: 1000 Euro<br />

3. Preis: 500 Euro<br />

Kandidatenvorschläge und Bewerbungen<br />

können bis zum 9. Januar<br />

2013 per Post, Fax oder E-Mail (Kontaktdaten<br />

unten) an das IKT gesendet<br />

werden. Dafür gibt es keinerlei<br />

Formvorschriften. Die Bewerbung<br />

soll interessant und aufschlussreich<br />

gestaltet sein. Es muss der Jury eine<br />

nachvollziehbare und stichhaltige,<br />

schriftliche Begründung vorgelegt<br />

werden. Schließlich entscheidet die<br />

Jury nach Aktenlage. Worauf es der<br />

Jury ankommt und wie eine Bewerbung<br />

zielgerichtet und Erfolg versprechend<br />

gestaltet werden kann,<br />

verraten sieben Tipps: www.ikt.de<br />

Jury<br />

Eine unabhängige Jury aus anerkannten<br />

Fachleuten wird entscheiden,<br />

wem in diesem Jahr der „Goldene<br />

Kanaldeckel“ verliehen wird.<br />

Die Mitglieder der Jury sind:<br />

""<br />

Artur Graf zu Eulenburg (bi-<br />

UmweltBau),<br />

""<br />

Dr.-Ing. Marco Künster (Güteschutz<br />

Kanalbau),<br />

""<br />

Dipl.-Ing. Joachim Schulte (IKT-<br />

Förderverein der Netzbetreiber<br />

e.V.),<br />

""<br />

Dipl.-Ök. Roland W. Waniek (IKT),<br />

""<br />

Dipl.-Ing. Bernd Wille (Vorsitzender<br />

DWA Nordrhein-Westfalen).<br />

Öffentlich wirksam<br />

Die Projekte der Preisträger werden<br />

vom IKT ausführlich dargestellt und<br />

sowohl der Fachöffentlichkeit als<br />

auch einem breiten Publikum, beispielsweise<br />

Kommunal- und Landespolitikern,<br />

vorgestellt. Damit<br />

wird gezeigt, dass bei Kanalnetzbetreibern<br />

Menschen tätig sind, deren<br />

Projekte, Engagement, Innovationsfreude<br />

und Kreativität Vorbildfunktion<br />

haben.<br />

Weitere Informationen:<br />

www.ikt.de/goldenerkanaldeckel2012<br />

Kandidatenvorschläge bitte einsenden an:<br />

Roland W. Waniek,<br />

IKT - Institut für Unterirdische Infrastruktur,<br />

Exterbruch 1, D-45886 Gelsenkirchen,<br />

Fax (0209) 17806-88,<br />

E-Mail: goldenerkanaldeckel2012@ikt.de<br />

September 2012<br />

910 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong>|<strong>Abwasser</strong><br />

NETZWERK WISSEN<br />

Aktuelles aus Bildung und Wissenschaft,<br />

Forschung und Entwicklung<br />

© twinlili pixelio.de<br />

Das EU-Forschungsprojekt CLIMB im Rahmen<br />

des Wissenschafts-Clusters CLIWASEC<br />

""<br />

Prof. Dr. Ralf Ludwig im Interview<br />

„Massive ökologische Konsequenzen und wirtschaftliche Verteilungskämpfe“<br />

""<br />

EU-Forschungs-Cluster CLIWASEC: Ein internationaler Projektverbund<br />

für die Klimafolgenforschung im Mittelmeerraum<br />

""<br />

Internationale CLIWASEC-Fachtagung schildert Auswirkungen der Klimaänderung<br />

für die <strong>Wasser</strong>versorgung in den Mittelmeerländern<br />

""<br />

CLIWASEC-Projektergebnisse in Politik und Öffentlichkeit tragen<br />

""<br />

EU-Forschungsprojekt CLIMB: Die Folgen von Klimawandel und <strong>Wasser</strong>knappheit<br />

im Mittelmeerraum<br />

""<br />

Unsicherheiten der Klimamodellierung<br />

""<br />

Hydrologische Modellensembles<br />

""<br />

Geodatenmanagement auf hohem Niveau


NETZWERK WISSEN Porträt<br />

Massive ökologische Konsequenzen und<br />

wirtschaftliche Verteilungskämpfe<br />

Das EU-Forschungsprojekt CLIMB im Rahmen des Wissenschafts-Clusters CLIWASEC<br />

Interview mit Prof. Dr. Ralf Ludwig<br />

<strong>gwf</strong>: Durch den Klimawandel rechnet<br />

man in vielen Regionen der<br />

Erde mit massiven Verände rungen<br />

in der <strong>Wasser</strong>verfügbarkeit für alle<br />

Versorgungsbereiche. Welche Folgen<br />

sind in diesem Rahmen für den<br />

Mittelmeerraum zu erwarten?<br />

Prof. Dr. Ralf Ludwig: Wegen der<br />

besonderen Lage in den südlichen<br />

Mittelbreiten gilt der Mittelmeerraum<br />

in zahlreichen wissenschaftlichen<br />

Publikationen übereinstimmend<br />

als sog. ‚Hot Spot’ des Klimawandels.<br />

Auf der Grundlage derzeitig<br />

aktueller Klimaprojektionen für<br />

das 21. Jahrhundert erwartet man<br />

demnach gerade in den Anrainern<br />

aus Südeuropa, Nordafrika und dem<br />

Nahen und Mittleren Osten massive<br />

hydrologische Veränderungen<br />

durch steigende Temperaturen und<br />

abnehmende Niederschläge bei<br />

einer gleichzeitigen Häufung von<br />

Extremsituationen. Somit ist bspw.<br />

mit verlängerten Dürreperioden,<br />

ex tremen Überschwemmungen, der<br />

fortschreitenden Versalzung des<br />

küstennahen Grundwassers, aber<br />

auch einer allgemein zunehmenden<br />

Degradation fruchtbarer Böden<br />

zu rechnen. Kurz: Die Sicherung der<br />

dortigen <strong>Wasser</strong>ressourcen, die<br />

Trinkwasserversorgung sowie die<br />

landwirtschaftliche Produktivität<br />

sind durch den fortschreitenden Klimawandel<br />

akut bedroht. Hinzu<br />

kommt, dass in weiten Teilen der<br />

Region, v. a. in der Landwirtschaft,<br />

traditionell mit nicht nachhaltigen<br />

Bewirtschaftungsmethoden gearbeitet<br />

wird. Neben den massiven<br />

ökologischen Konsequenzen muss<br />

daher befürchtet werden, dass es<br />

auch zu politischen Konflikten und<br />

wirtschaftlichen Ver tei lungs kämpfen<br />

kommen kann.<br />

<strong>gwf</strong>: Welche Ziele verfolgen Sie also<br />

in diesem Zusammenhang mit dem<br />

Projekt CLIMB?<br />

Prof. Dr. Ralf Ludwig: Das Projekt<br />

CLIMB ist zunächst darauf ausgerichtet,<br />

die wissenschaftliche Basis<br />

für das Verstehen des Klimawandels<br />

im Mittelmeerraum zu stärken, dessen<br />

mögliche Folgen genauer als<br />

bisher möglich abzuschätzen und<br />

schließlich im Dialog mit den Ak -<br />

teuren vor Ort zu nachhaltigen<br />

Lösungsansätzen für regionalspezifische<br />

Probleme für die Sicherung<br />

der <strong>Wasser</strong>ressourcen zu gelangen.<br />

Ein zentrales Problem der Klimafolgenforschung<br />

besteht darin, dass<br />

die Projektionen des Klimawandels<br />

und seiner Konsequenzen zumeist<br />

mit hohen Unsicherheiten einhergehen,<br />

was die öffentliche Akzeptanz<br />

hemmt und insbesondere für<br />

die Umsetzung selbst bester Vorschläge<br />

sehr hinderlich ist. CLIMB<br />

September 2012<br />

912 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Porträt NETZWERK WISSEN<br />

setzt an diesem Punkt an und zielt<br />

auf eine Reduktion der Unsicherheiten<br />

in der Bewertung möglicher Folgen<br />

des Kli ma wandels auf die<br />

<strong>Wasser</strong>ressourcen des Mittelmeerraumes<br />

ab. Wir setzen auf ein<br />

Monitoring- und Modellierungssystem,<br />

das in einem neuen konzeptionellen<br />

Rahmen Gelände messungen,<br />

Fernerkundungstechniken, Ensembles<br />

aus re gio nalen Klimamodellen<br />

und hydrologischen Modellen mit<br />

einer sozio-ökonomischen Faktorenanalyse<br />

verbindet. Der syste -<br />

mare Zusammenhang zwischen<br />

Umwelt und Mensch, hier also z. B.<br />

die Veränderung von <strong>Wasser</strong>dargebot<br />

und <strong>Wasser</strong>nachfrage, steht<br />

dabei absolut im Vordergrund.<br />

<strong>gwf</strong>: Die EU-Kommission hat für dieses<br />

Themenfeld mehrere Projekte<br />

gefördert. Besteht hier eine Vernetzung<br />

und wenn ja, wie kann man sich<br />

die Zusammenarbeit vorstellen?<br />

Prof. Dr. Ralf Ludwig: Das breite<br />

Spektrum der Folgen des Klimawandels<br />

für den Mittelmeerraum kann<br />

ein einzelnes Projekt unmöglich<br />

alleine bedienen. Die einzelnen Bausteine<br />

dieses komplexen Gefüges<br />

aus Ökologie, Ökonomie und auch<br />

Sozialem sind aber nicht trennbar.<br />

Um dem gerecht zu werden, hat die<br />

EU-Kommission für diese Fragestellung<br />

insgesamt drei Projekte gefördert:<br />

aus dem Um weltbereich neben<br />

CLIMB auch noch das Projekt<br />

WASSERMed sowie aus den Sozialund<br />

Geisteswissenschaften das Projekt<br />

CLICO. Die drei Projekte haben<br />

sich in der Folge als unabhängige<br />

Partner in einem Forschungs-Cluster<br />

CLIWASEC (‚CLImate Change, WAter<br />

and SECurity’) zur Zusammenarbeit<br />

an den Schnittstellen verpflichtet<br />

und ein gemeinsames Arbeitspaket<br />

etabliert, mit dem auf der Basis einer<br />

kritischen Masse an Projektpartnern<br />

unter Beibehaltung der jeweiligen<br />

Kernkompetenzen multidisziplinäre,<br />

wissenschaftliche Synergien erzielt<br />

und die Kommunikation bzw. der<br />

Wirkungsgrad bei den Akteuren und<br />

Entscheidungsträgern vor Ort verbessert<br />

werden.<br />

<br />

Prof. Dr. Ralf Ludwig<br />

Department für Geographie<br />

Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU)<br />

Thema der Forschungsausrichtung<br />

von Prof. Dr. Ralf<br />

Ludwig ist die Entwicklung<br />

integrativer Methoden zur<br />

räumlich verteilten und wechselwirkenden<br />

Analyse von<br />

Prozessen an der Erdoberfläche.<br />

Eine Verbesserung des<br />

Verständnisses räumlicher<br />

Interaktion durch prozessorientierte<br />

Modelle wird durch<br />

die Nutzung von modernen<br />

Monitoringtechniken (z. B. Fernerkundung) und Methoden zur Erfassung und Verarbeitung<br />

von Umweltinformationen (z. B. mit Geographischen Informationssystemen [GIS])<br />

ermöglicht. Die Schwerpunkte seiner wissenschaftlichen Arbeit setzt Prof. Dr. Ludwig in<br />

der Methodenentwicklung, und zwar im Bereich der prozessorientierten und flächendifferenzierten<br />

Umweltmodellierung mit Hilfe der Fernerkundung und GIS. Im Zentrum<br />

seines Forschungsinteresses stehen Fragestellungen des globalen Klimawandels und seiner<br />

Auswirkungen auf die <strong>Wasser</strong>- und Stoffumsätze in mesoskaligen Flusseinzugsgebieten<br />

(Flächen bis zu mehreren 1000 km²). Die bidirektionale Kopplung von Klima- und<br />

Landoberflächenmodellen zur Beurteilung der spezifischen Wechselwirkungen stellt<br />

dabei eine besondere Herausforderung dar. Sie erfordert die Entwicklung geeigneter Skalierungsansätze,<br />

mit denen die Informationsveränderung bei Skalenübergängen quantifiziert<br />

und für die Regionalisierung von Modellansätzen bewertet werden kann.<br />

All dies erfordert die weitergehende Operationalisierung der Fernerkundung in Umweltfragen<br />

auf Basis neuer Satellitensysteme, die Prof. Dr. Ludwig vorrangig zur multiskaligen<br />

Change Detection, Parameterableitung (Verbesserung durch Datenfusion) und<br />

Datenassimilierung in Landoberflächenmodelle einsetzt. Regionale Schwerpunkte in<br />

der Forschung setzt Prof. Dr. Ludwig im Alpen- und Mittelmeerraum und in Nordamerika<br />

(v. a. Ostkanada).<br />

Wissenschaftliche und berufliche Laufbahn<br />

1994 Diplom in Geographie, LMU München<br />

1999 Promotion (Dr. rer. nat.), LMU München<br />

1999 Wissenschaftlicher Mitarbeiter, LMU München<br />

2001 Wissenschaftlicher Assistent, LMU München<br />

2005 Professor für Physische Geographie und Fernerkundung,<br />

Geographisches Institut, Christian-Albrechts-Universität (CAU) Kiel<br />

2007 Professor für Angewandte Physische Geographie und Umweltmodellierung,<br />

Department für Geographie, LMU München<br />

2010 Koordinator, EU-Forschungsprojekt CLIMB (FP7)<br />

2011 Prodekan, Fakultät für Geowissenschaften, LMU München<br />

Forschungsschwerpunkte<br />

Umwelt- und hydrologische Modellierung<br />

Auswirkungen des Klima- und Landnutzungswandels auf <strong>Wasser</strong>ressourcen<br />

Modellkomplexität und Unsicherheiten in der Hydrologie<br />

Skalierung von Bodenoberflächenparametern in der Hydrologie<br />

Multisensorische und multiparametrische Fernerkundung von Oberflächenprozessen<br />

Radargestützte Fernerkundung zur Parametergewinnung und Datenanpassung<br />

in Umweltmodellen<br />

September 2012<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 913<br />

Prof. Ralf Ludwig<br />

(links) und sein<br />

Team (rechts: Dipl.-<br />

Geogr. Swen Meyer)<br />

erforschen die Auswirkungen<br />

des Klimawandels<br />

auf die<br />

<strong>Wasser</strong>ressourcen<br />

im Mittelmeerraum.<br />

© Bayerische<br />

Staatskanzlei


NETZWERK WISSEN Porträt<br />

Zu den gemeinsamen Aktivitäten<br />

zählen neben dem Austausch<br />

komplementären Wissens in den<br />

Untersuchungsgebieten auch die<br />

Abfassung von wissenschaftlichen<br />

Veröffentlichungen oder Empfehlungen<br />

für politische, behördliche<br />

und wirtschaftliche Entscheidungsträger<br />

auf unterschiedlichen Ebenen.<br />

Ein weiteres wichtiges<br />

Element der Zusammenarbeit ist<br />

die Veranstaltung gemeinsamer<br />

Jahrestagungen, wie hier in München,<br />

bei denen Interessenten aus<br />

Wissenschaft und Praxis über die<br />

Forschungsfortschritte informiert<br />

werden.<br />

Am Ende soll ein integriertes<br />

Analyseinstrument zur Be wertung<br />

von Vulnerabilität und Risiko für die<br />

Sicherung der <strong>Wasser</strong>verfügbarkeit<br />

unter dem Einfluss des Klimawandels<br />

zur Verfügung stehen, mit dem<br />

ein nachhaltiges Management von<br />

<strong>Wasser</strong>ressourcen, die Entwicklung<br />

angepasster Landwirtschaftspraktiken<br />

oder die Erkennung und Reduktion<br />

von Konfliktpotentialen durch<br />

Nutzungskonkurrenz möglich wird.<br />

<strong>gwf</strong>: Das Projekt CLIMB führt seine<br />

Arbeiten in insgesamt sieben Untersuchungsgebieten<br />

durch. Wie kam es<br />

zu dieser Auswahl und was können<br />

Sie in diesen Gebieten lernen?<br />

Prof. Dr. Ralf Ludwig: Das ist richtig.<br />

Wie bereits erwähnt sind die Folgen<br />

des Klimawandels sehr facettenreich.<br />

Mit der Auswahl von sieben<br />

Untersuchungsgebieten soll<br />

gewährleistet werden, dass CLIMB<br />

dieser Vielfalt Rechnung tragen<br />

kann und ein breites Spektrum an<br />

Methoden entwickelt, das Lösungen<br />

für die spezifischen Bedürfnisse<br />

der jeweiligen Region anbietet. Zielgröße<br />

sind in jedem Fall kleinere<br />

Fluss- oder Grundwassereinzugsgebiete,<br />

in denen typische wasserbezogene<br />

Probleme und Nutzungskonflikte<br />

repräsentativ behandelt<br />

werden können. Dazu kommt die<br />

Beteiligung kompetenter Projektpartner<br />

aus der jeweiligen Region,<br />

die einen effizienten Einstieg in das<br />

jeweilige Themenfeld ermöglichen<br />

sollen und einen direkten Zugang<br />

zu den wesentlichen <strong>Wasser</strong>akteuren<br />

herstellen können. Im Idealfall<br />

gelingt es dem Projekt dadurch, die<br />

entwickelten Analysewerkzeuge zu<br />

regionalisieren, d. h. sie auch für<br />

andere Gebiete der Region allgemeingültig<br />

einsetzbar zu machen.<br />

Auswahlkriterien für die CLIMB-<br />

Gebiete waren also v. a. vorhandene<br />

<strong>Wasser</strong>versorgungsprobleme oder<br />

-konflikte, die durch den Klimawandel<br />

mutmaßlich verschärft werden,<br />

eine repräsentative geographische<br />

Verteilung im Mittelmeerraum,<br />

dazu die lokale Expertise durch<br />

einen Projektpartner und eine unter<br />

den gegebenen Umständen akzeptable<br />

Datenbasis, die ein wissenschaftliches<br />

Arbeiten ermöglicht.<br />

Die Wahl fiel letztlich auf die Thau-<br />

Lagune in Südfrankreich, mit einer<br />

bedenklichen Gewässerbelastung<br />

durch Aquakulturen, das Noce-<br />

Gebiet im italienischen Trentino, mit<br />

intensivem Obstbau, Skitourismus<br />

und <strong>Wasser</strong>kraftnutzung, die Izmit-<br />

Bucht im türkischen Kocaeli, belastet<br />

durch schwerindustrielle Gewässerverschmutzung,<br />

den Gaza-Streifen,<br />

der durch akuten <strong>Wasser</strong>mangel<br />

im Konfliktfeld mit Israel gekennzeichnet<br />

ist, das Nil-Delta mit seiner<br />

traditionell sehr wasserintensiven<br />

Bewässerungslandwirtschaft, Küstenerosion<br />

und Versalzung der<br />

Grundwasservorkommen durch<br />

eine nicht-nachhaltige Entnahme,<br />

das Chiba-Einzugsgebiet im tunesischen<br />

Cap Bon, in dem, ähnlich wie<br />

im sardinischen Rio Mannu di San<br />

Sperate, die intensive Landwirtschaft<br />

die bereits heute bestehenden<br />

<strong>Wasser</strong>konflikte unter dem Einfluss<br />

des Klimawandels verschärfen<br />

wird.<br />

<strong>gwf</strong>: Welchen Beitrag kann CLIMB im<br />

Rahmen des CLIWASEC-Clusters leisten,<br />

um wissenschaftliche Ergebnisse<br />

in die konkrete Anwendung zu bringen?<br />

Prof. Dr. Ralf Ludwig: Nun, zu -<br />

nächst investieren wir sehr viel, um<br />

das Interesse der Akteure für unser<br />

Forschungsthema auf unterschiedlichen<br />

Ebenen, d. h. lokal, regional<br />

oder auf europäischer Ebene, zu<br />

wecken.<br />

Das ist leider deutlich schwieriger<br />

als man es bei der Aktualität des<br />

Themas erwarten würde. Auch deswegen<br />

ist die Arbeit im CLIWASEC-<br />

Cluster so wichtig, da wir dadurch<br />

eine kritische Masse und damit eine<br />

bessere Sichtbarkeit erreichen können.<br />

So publizieren wir auf der ‚globalen<br />

Skala’ neben den üblichen<br />

wissenschaftlichen Fachartikeln<br />

auch regelmäßig allgemeinverständliche<br />

Newsletter oder verfassen<br />

sog. Policy Briefs, mit denen insbesondere<br />

politische Entscheidungsträger<br />

auf europäischer<br />

Ebene über den Fortgang der Arbeiten<br />

informiert werden und Empfehlungen<br />

erhalten, welche Handlungsspielräume<br />

in diesem Themenfeld<br />

auf welche Art und Weise<br />

genutzt werden können. Dazu zählen<br />

auch Fachbeiträge für den Weltklimarat<br />

(IPCC) oder das Weltklimaprogramm<br />

der Vereinten Nationen<br />

(UNFCC). Für potentielle Endnutzer<br />

auf der regionalen bis lokalen Skala<br />

entwickeln wir in CLIMB ein benutzerfreundliches<br />

Web-GIS-Interface,<br />

über das sich sowohl Entscheidungsträger<br />

als auch die interessierte<br />

Öffentlichkeit über die Ergebnisse<br />

des Projekts informieren können.<br />

Es ist sehr erfreulich, dass uns<br />

und anderen Projekten von Seiten<br />

der EU-Kommission nun über eine<br />

zentrale Datenbank bei der europäischen<br />

Umweltagentur EEA endlich<br />

die Möglichkeit gegeben wird, dass<br />

wir unsere Erkenntnisse auch über<br />

die Projektlaufzeit hinaus zugreifbar<br />

machen können. Leider war das<br />

durch die geltenden Förderinstrumente<br />

in der Vergangenheit nicht<br />

immer gewährleistet, wodurch<br />

nicht wenige wichtige Ergebnisse<br />

früherer Projekte fast unwiederbringlich<br />

verloren gegangen sind.<br />

<strong>gwf</strong>: Herr Prof. Dr. Ralf Ludwig, vielen<br />

Dank für das Interview.<br />

September 2012<br />

914 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Porträt NETZWERK WISSEN<br />

EU-Forschungs-Cluster CLIWASEC:<br />

Ein internationaler Projektverbund für<br />

die Klimafolgenforschung im Mittelmeerraum<br />

Bereits heute sind die Folgen des<br />

Klimawandels für die Einwohner<br />

der Mittelmeerstaaten spürbar. Be -<br />

troffen durch die <strong>Wasser</strong>knappheit<br />

sind nicht nur die Industrie und die<br />

Landwirtschaft, sondern auch die<br />

Wohnbevölkerung und deren Le -<br />

bensräume (zu den aktuellen Forschungsergebnissen<br />

siehe auch<br />

Artikel Seite 7 „Internationale CLI-<br />

WASEC-Fachtagung schildert Auswirkungen<br />

der Klimaänderung für<br />

die <strong>Wasser</strong>versorgung in den Mittelmeerländern“).<br />

Soziale Konflikte um<br />

<strong>Wasser</strong>ressourcen könnten sich<br />

daher verschärfen.<br />

Die EU-Kommission steuert<br />

Maßnahmen gegen den Klimawandel<br />

durch eine ganzheitliche Energie-<br />

und Klimawandelpolitik, die im<br />

Jahre 2008 ihren Ausgangspunkt<br />

hatte. Gerade der interdisziplinäre<br />

Aspekt ist dabei der Kommission<br />

wichtig, denn Maßnahmen zur<br />

effektiven Vorbeugung beziehungsweise<br />

Anpassung an die vielfältigen<br />

Konsequenzen des Klimawandels<br />

können nur über fachübergreifende<br />

Kooperationen und interdisziplinäres<br />

Arbeiten entwickelt werden. Aus<br />

diesem Grund hat die Europäische<br />

Kommission 2008 im 7. Forschungsrahmenprogramm<br />

eine koordinierte<br />

Ausschreibung gestartet, in<br />

der Projekte aus den Themenfeldern<br />

„Umwelt inklusive Klimawandel“<br />

und „Sozial-, Wirtschafts- und<br />

Geisteswissenschaften“ zusammenarbeiten.<br />

Den Zuschlag haben die<br />

Projekte CLIMB, WASSERMed und<br />

CLICO erhalten, die sich seit Anfang<br />

2010 im Auftrag der EU zum Forschungs-Cluster<br />

CLIWASEC (Climate<br />

Change Impacts on Water and Security)<br />

zusammengeschlossen haben,<br />

um durch die Zusammenarbeit der<br />

einzelnen Projekte einen wissenschaftlichen<br />

Mehrwert und eine<br />

stärkere Außenwirkung zu erzielen.<br />

Im Cluster sind insgesamt 44 Institutionen<br />

aus 19 Ländern zum Thema<br />

„Auswirkungen des Klimawandels<br />

auf <strong>Wasser</strong> und Sicherheit im Mittelmeerraum“<br />

vernetzt. Die EU fördert<br />

CLIWASEC in der Summe der drei<br />

Einzelprojekte mit einem Gesamtbudget<br />

von ca. 9,3 Mio. Euro. Dabei<br />

kommen die Projekte WASSERMed<br />

und CLICO Ende 2012 zum Ab -<br />

schluss, das Projekt CLIMB im<br />

Dezember 2013.<br />

Synergien des Clusters<br />

nutzen<br />

Ziel des Clusters ist es, die ökologischen,<br />

wirtschaftlichen und sozialen<br />

Folgen des Klimawandels und<br />

der <strong>Wasser</strong>knappheit im Mittelmeerraum<br />

zu ermitteln und zu analysieren.<br />

Durch den Zusammenschluss<br />

der einzelnen Projekte nutzt<br />

das Cluster Synergien zwischen thematisch<br />

verwandten Forschungsvorhaben.<br />

Zusätzlich beschäftigt<br />

sich ein Arbeitspaket des Projektes<br />

CLIMB mit der Einbindung weiterer<br />

internationaler, nationaler und regionaler<br />

Projekte bzw. Initiativen, die<br />

sich mit diesem wissenschaftlichen<br />

Gegenstand auseinandersetzen<br />

(weitere Informationen zur Projektstruktur<br />

von CLIMB siehe auch Artikel<br />

Seite 11 „EU-Forschungsprojekt<br />

CLIMB: Die Folgen von Klimawandel<br />

und <strong>Wasser</strong>knappheit im Mittelmeerraum“).<br />

Erarbeitetes Wissen<br />

der Einzelprojekte soll in CLIWASEC<br />

weitere Anwendung und Verbreitung<br />

finden.<br />

Das EU-Forschungs-Cluster<br />

CLIWASEC im Detail:<br />

Jedes einzelne Projekt in CLIWASEC<br />

beschäftigt sich mit einem anderen<br />

Teilaspekt der Probleme, die der Klimawandel<br />

und die daraus resultierende<br />

<strong>Wasser</strong>knappheit am Mittelmeer<br />

hervorrufen. Hier geht es nicht<br />

Zunehmendes Dürrerisiko kann zu Konflikten<br />

führen.<br />

Tunesien: illegale <strong>Wasser</strong>entnahme aus einem Wadi.<br />

Rosetta-Gebiet: Nil-Delta, Ägypten.<br />

nur um die ökohydrologischen Folgen,<br />

Forschungsgegenstand sind<br />

auch die Auswirkungen auf die<br />

Menschen, die Industrie, den Touris-<br />

<br />

September 2012<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 915


NETZWERK WISSEN Porträt<br />

mus und die Landwirtschaft. Ge -<br />

meinsam entwickeln die Projekte<br />

eine umfassende Strategie für diese<br />

Region und vergrößern mit ihrer<br />

Zusammenarbeit ihre politische<br />

und öffentliche Reichweite. Die Aufgaben<br />

und Themenbereiche der<br />

einzelnen Projekte werden im Folgenden<br />

dargestellt:<br />

CLIMB<br />

CLICO<br />

Das EU-Forschungsprojekt CLIMB (Climate Induced Changes on the<br />

Hydrology of Mediterranean Basins) analysiert im Mittelmeerraum<br />

und angrenzenden Regionen klimabedingte <strong>Wasser</strong>haushaltsveränderungen<br />

und außergewöhnliche Belastungen wie beispielsweise<br />

Dürren, Überschwemmungen und die Versalzung von Grundwasser.<br />

Ein neu entwickeltes und integriertes Methodenspektrum verbindet<br />

ein Monitoring- und Modellierungssystem (Geländemessungen,<br />

Fern erkundung, Ensembles regionaler Klima- und hydrologischer<br />

Modelle) mit einer sozio-ökonomischen Faktorenanalyse. Die Ergebnisse<br />

des Multi-Modell-Ensembles fließen in ein Geographisches<br />

Informationssystem (GIS) zur Analyse und Veranschaulichung von<br />

Risiko und Vulnerabilität ein. Zusätzlich dient das GIS dazu, lokale<br />

und regionale Akteure bei der Planung einer sicheren <strong>Wasser</strong>verfügbarkeit<br />

zu unterstützen.<br />

Weitere Informationen unter www.climb-fp7.eu<br />

WASSERMed<br />

Im sozialwissenschaftlichen EU-Forschungsprojekt<br />

CLICO (Climate Change, Hydro-Conflicts and<br />

Human Security) setzen sich die Wissenschaftler<br />

mit dem Klimawandel unter dem Aspekt von<br />

<strong>Wasser</strong>konflikten und menschlicher Sicherheit<br />

am Mittelmeer, im Maghreb, Nahen Osten und der<br />

Sahelzone auseinander. Im Mittelpunkt steht die<br />

soziale Dimension der Thematik. Soziale Faktoren<br />

können inner- und zwischenstaatliche Kontroversen<br />

um <strong>Wasser</strong> verschärfen und somit die<br />

Unversehrtheit der Bevölkerung gefährden. Das<br />

Projekt untersucht im Detail, warum manche<br />

Länder und Regionen anfälliger für Dürren, Überschwemmungen<br />

und Konflikte sind. Zudem entwickelt<br />

es Maßnahmen zur Gewährleistung des<br />

Schutzes der Menschen unter globalem und regionalem<br />

klimatischen Wandel und den resultierenden<br />

Veränderungen im <strong>Wasser</strong>haushalt.<br />

Weitere Informationen unter www.clico.org<br />

WASSERMed (Water Availability and Security in Southern Europe<br />

and the Mediterranean) beschäftigt sich mit der <strong>Wasser</strong>verfügbarkeit<br />

und Sicherheit in Südeuropa und im Mittelmeerraum und setzt dabei<br />

auf einen stärker ökonomisch ausgerichteten Blickwinkel. Gerade die<br />

Landwirtschaft, aber auch Schwerindustrie und Tourismus sind auf<br />

eine dauerhaft sichere <strong>Wasser</strong>versorgung angewiesen. Ist diese nicht<br />

gewährleistet, können Konflikte und Verteilungskämpfe entstehen.<br />

WASSERMed untersucht in diesem Zusammenhang, welche ökonomischen<br />

Faktoren den <strong>Wasser</strong>haushalt und damit die konfliktfreie<br />

<strong>Wasser</strong>versorgung in der Bevölkerung gefährden. Ebenso bewertet<br />

WASSERMed die Maßnahmen zur Vermeidung negativer Auswirkungen<br />

und informiert relevante Akteure über mögliche Lösungsansätze.<br />

Weitere Informationen unter www.wassermed.eu<br />

Weitere Informationen und Ansprechpartner für CLIWASEC<br />

in Deutschland:<br />

Prof. Dr. Ralf Ludwig,<br />

Wissenschaftlicher Koordinator CLIMB, Department für Geographie,<br />

Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München,<br />

Luisenstraße 37, 80333 München,<br />

Tel.: (089) 2180-6677, Fax: (089) 2180-17858,<br />

E-Mail: r.ludwig@lmu.de,<br />

Internet: www.climb-fp7.eu, www.cliwasec.eu<br />

Dr. Thomas Ammerl,<br />

Projektmanager CLIMB, Fachreferatsleiter Umwelt & Energie,<br />

Bayerische Forschungsallianz GmbH (BayFOR),<br />

Tel.: (089) 9901888-120, E-Mail: ammerl@bayfor.org<br />

Internet: www.bayfor.org<br />

part of it! Be part of it! Be part of it! Be part of<br />

NETZWERK WISSEN<br />

Universitäten und Hochschulen stellen sich vor:<br />

Studiengänge und Studienorte rund ums <strong>Wasser</strong>fach<br />

im Porträt – in der technisch-wissenschaftlichen<br />

Fachzeitschrift <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong>|<strong>Abwasser</strong><br />

Kontakt zur Redaktion:<br />

E-Mail: ziegler@oiv.de<br />

EAZ Netzwerk 2.indd 1 3.9.2012 15:24:16


Porträt NETZWERK WISSEN<br />

Internationale CLIWASEC-Fachtagung schildert<br />

Auswirkungen der Klimaänderung für<br />

die <strong>Wasser</strong>versorgung in den Mittelmeerländern<br />

Auf einer internationalen Fachtagung<br />

im Februar dieses Jahres<br />

an der LMU in München präsentierte<br />

das EU-Forschungs-Cluster<br />

CLIWASEC seine aktuellen Forschungsergebnisse.<br />

Dabei diskutierten<br />

die Teilnehmer die ökologischen,<br />

wirtschaftlichen und sozialen<br />

Folgen des vorherrschenden<br />

Klimawandels und der <strong>Wasser</strong>knappheit<br />

am Mittelmeer.<br />

Am Beispiel des Nil-Deltas wird<br />

deutlich, dass sich die menschliche<br />

Bewirtschaftung natürlicher Ressourcen<br />

mit den Folgen des Klimawandels<br />

negativ überlagern kann:<br />

Seit der Inbetriebnahme des<br />

Assuan-Staudamms vor etwas mehr<br />

als 40 Jahren liefert der Nil deutlich<br />

weniger Sediment in das Delta.<br />

Dadurch fehlen nicht nur wichtige<br />

Nährstoffe für die Agrarwirtschaft,<br />

sondern vor allem das Material für<br />

die Sicherung der immer weiter<br />

zurückweichenden Küstenlinie.<br />

Hinzu kommt, dass seit einigen<br />

Jahrzehnten der Meeresspiegel des<br />

Mittelmeers messbar ansteigt. Auch<br />

senkt sich durch die Förderung von<br />

Erdgas und die starke Entnahme<br />

von Grundwasser für die Trinkwasserversorgung<br />

und landwirtschaftliche<br />

Bewässerung der Untergrund.<br />

Diese Faktoren führen im Nil-Delta<br />

zum Verlust wertvoller landwirtschaftlicher<br />

Anbaugebiete und<br />

einer Verschlechterung der Bodeneigenschaften.<br />

Die letzte Konsequenz<br />

ist der dauerhafte Verlust<br />

ehemals fruchtbarer Böden.<br />

Verunreinigung von <strong>Wasser</strong>reserven<br />

und Schäden an<br />

der urbanen Infrastruktur<br />

Darüber hinaus bedingen diese Prozesse<br />

im Nil-Delta eine beschleunigte<br />

Versalzung der grundwasserleitenden<br />

Gesteinsschichten (Aquifere) und<br />

damit eine nahezu irreversible Kontaminierung<br />

wertvoller <strong>Wasser</strong>reserven.<br />

Messungen ägyptischer Projektpartner<br />

von der Universität Zagazig<br />

belegen, dass die Versalzung mittlerweile<br />

viele Kilometer in das Nil-Delta<br />

vorgedrungen ist. Unter erheblichem<br />

<strong>Wasser</strong>bedarf soll nun versucht werden,<br />

den Landverlust durch Neukultivierungen<br />

in den westlich angrenzenden<br />

Wüstenregionen und auf dem<br />

Sinai auszugleichen. Im Stadtgebiet<br />

von Alexandria bewirken die massiven<br />

<strong>Wasser</strong>entnahmen und das nachrückende<br />

Salzwasser eine Destabilisierung<br />

des Untergrundes und schädigen<br />

somit die städtische<br />

Infrastruktur – zahlreiche Wohngebäude,<br />

Bahnlinien und Straßen sind<br />

dieser Entwicklung bereits zum Opfer<br />

gefallen. Die Folge sind kostenintensive<br />

Sanierungsmaßnahmen.<br />

Temperaturanstieg<br />

verursacht <strong>Wasser</strong>defizit<br />

in der Landwirtschaft<br />

Auswertungen von Klimaprojektionsdaten<br />

für die Mitte des 21. Jahrhunderts<br />

lassen für das Nil-Delta<br />

bei insgesamt reduziertem Niederschlag<br />

eine Temperaturzunahme<br />

von 1,9 bis 2,8 Grad Celsius erwarten.<br />

Dies wird dazu führen, dass<br />

durch die erhöhte Verdunstung auf<br />

den Agrarnutzflächen ein noch größeres<br />

<strong>Wasser</strong>defizit entsteht. Das<br />

kann nur durch vermehrte Bewässerung<br />

ausgeglichen werden und<br />

trägt somit, bei der derzeit immer<br />

noch weitgehend praktizierten Flä-<br />

Kooperationsprojekte des EU-Forschungs-Clusters<br />

CLIWASEC.<br />

chenbewässerung, zur fortschreitenden<br />

<strong>Wasser</strong>verknappung bei.<br />

Mittelfristig werden die Menschen<br />

die Art und Weise, wie sie ihre Felder<br />

bewirtschaften, an die neuen klimatischen<br />

Bedingungen anpassen<br />

müssen. Ein erster Schritt dorthin<br />

muss die Entwicklung deutlich effizienterer<br />

Bewässerungsstrategien<br />

sein, aber es wird bereits heute in<br />

Ägypten über den Umbau der Landwirtschaft<br />

nachgedacht. So soll<br />

etwa der extrem wasserzehrende<br />

Anbau von Reis durch Getreidearten<br />

wie Gerste und Weizen ersetzt<br />

werden, die mit deutlich weniger<br />

<strong>Wasser</strong> auskommen.<br />

Möglicherweise<br />

Umsiedlungen notwendig<br />

„Aktuelle Untersuchungen gehen<br />

davon aus, dass der Meeresspiegel<br />

<br />

September 2012<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 917<br />

Referenten der<br />

Fachtagung<br />

des EU-<br />

Forschungs-<br />

Clusters<br />

CLIWASEC<br />

am 15. Februar<br />

2012 in<br />

München.


NETZWERK WISSEN Porträt<br />

Wirkungsgefüge<br />

des<br />

Klimawandels<br />

und der<br />

fortschreitenden<br />

Urbanisierung<br />

im Nil-Delta.<br />

© WASSERMed<br />

im 21. Jahrhundert im östlichen Mittelmeer<br />

um bis zu 50 Zentimeter<br />

ansteigen wird“, erklärt Prof. Dr. Ralf<br />

Ludwig, Prodekan der Fakultät für<br />

Geowissenschaften an der LMU<br />

München und Koordinator des Forschungsprojektes<br />

CLIMB. „Das hätte<br />

gravierende Folgen: Allein im Nil-<br />

Delta könnten 300 Quadratkilometer<br />

Landwirtschafts- und Siedlungsfläche<br />

verloren gehen und küstennahes<br />

Grundwasser weiträumig<br />

versalzen.“ Ohne massive Anpassungsmaßnahmen<br />

könnte diese Entwicklung<br />

bis zu 1,5 Millionen Menschen<br />

allein im Großraum Alexandria<br />

zu einer Umsiedlung zwingen. CLI-<br />

WASEC hat zudem ermittelt, dass die<br />

massiven zu erwartenden Veränderungen<br />

unmittelbar bis zu 200.000<br />

Arbeitsplätze bedrohen würden.<br />

Situation des Nil-Deltas<br />

exemplarisch für<br />

den Mittelmeerraum<br />

Das Nil-Delta hat aber nicht alleine<br />

mit den Folgen des Klimawandels<br />

zu kämpfen. Alle Staaten am Mittelmeer<br />

müssen sich auf die Klimaänderung<br />

einstellen. Die vom Forschungs-Cluster<br />

CLIWASEC seit<br />

Anfang 2010 durchgeführten Untersuchungen<br />

lassen erkennen, dass<br />

die betroffenen Länder in Zukunft<br />

mit einer deutlichen Temperaturzunahme<br />

insbesondere der Minimumund<br />

Nachttemperaturen in allen<br />

Jahreszeiten rechnen müssen.<br />

Großraum Alexandria: Deformation<br />

der Landoberfläche durch<br />

Grundwasserentnahme und Salzwassereintrag<br />

in den Untergrund.<br />

Außerdem ist trotz häufigerer Starkregenereignisse<br />

eine deutliche<br />

Abnahme v. a. der nutzbaren Niederschlagsmenge<br />

zu erwarten. Dies<br />

wird in Verbindung mit einem steigenden<br />

Meeresspiegel nicht nur im<br />

Nil-Delta, sondern im gesamten<br />

Mittelmeerraum zu stärkeren Überschwemmungen,<br />

zunehmender<br />

Versalzung des küstennahen Grundwassers<br />

sowie fortschreitendem<br />

Verlust von fruchtbaren Böden und<br />

Siedlungsraum führen. Diese massiven<br />

Veränderungen werden ohne<br />

zielgerichtete Gegenmaßnahmen<br />

oder Anpassungen zu ökologischen,<br />

wirtschaftlichen und sozialen<br />

Konflikten führen.<br />

Konsequenzen betreffen<br />

auch andere Länder<br />

Die beschriebenen Entwicklungen<br />

werden sich mit hoher Wahrscheinlichkeit<br />

auch auf Länder und Regionen<br />

auswirken, die nicht so stark<br />

von den Folgen des Klimawandels<br />

betroffen, aber mit den Mittelmeeranrainern<br />

ökonomisch und politisch<br />

vernetzt sind. Die zu erwartenden<br />

Schwierigkeiten in der Landwirtschaft<br />

im Mittelmeerraum werden<br />

zu häufigeren Ernteausfällen bzw.<br />

zu Lieferengpässen von dortigen<br />

Waren führen. Andere Länder und<br />

Regionen könnten diese Ausfälle<br />

gegebenenfalls kompensieren,<br />

wenn sie ihre Landwirtschaft innerhalb<br />

vernünftiger Rahmenbedingungen<br />

frühzeitig auf die Mitversorgung<br />

der südlichen Regionen einstellen.<br />

Gleichzeitig muss die Akzeptanz<br />

gefördert werden, dass durch<br />

einen notwendigen Umbau der<br />

Landwirtschaft nicht länger alle Produkte<br />

zu jeder Jahreszeit verfügbar<br />

sein werden. Zudem könnte die<br />

deutsche Expertise im Bereich der<br />

erneuerbaren Energien und der<br />

Umwelttechnik einen großen Beitrag<br />

zur Verbesserung der Ressourcenwirtschaft<br />

und des Umweltschutzes<br />

in den betroffenen Regionen<br />

leisten. Eine verstärkte Nutzung<br />

der Sonnenenergie zur Stromerzeugung<br />

würde die Abhängigkeit der<br />

Mittelmeeranrainer vom Erdgas verringern<br />

und somit <strong>Wasser</strong>ressourcen<br />

und Böden schonen. Auch seine<br />

Kompetenz im Bereich der Trinkwasseraufbereitung<br />

könnte Deutschland<br />

für beide Seiten gewinnbringend<br />

einsetzen.<br />

Weitere Informationen und Ansprechpartner<br />

für CLIWASEC in Deutschland:<br />

Wissenschaftlicher Koordinator CLIMB:<br />

Prof. Dr. Ralf Ludwig,<br />

Department für Geographie,<br />

Ludwig-Maximilians-Universität (LMU)<br />

München,<br />

Luisenstraße 37, 80333 München<br />

Tel.: (089) 2180-6677, Fax: (089) 2180-17858<br />

E-Mail: r.ludwig@lmu.de<br />

Projektmanager CLIMB:<br />

Dr. Thomas Ammerl,<br />

Fachreferatsleiter Umwelt & Energie,<br />

Bayerische Forschungsallianz GmbH<br />

(BayFOR),<br />

Tel.: (089) 9901888-120,<br />

E-Mail: ammerl@bayfor.org<br />

September 2012<br />

918 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Porträt NETZWERK WISSEN<br />

CLIWASEC-Projektergebnisse in Politik und<br />

Öffentlichkeit tragen<br />

Die Projekte CLIMB, WASSERMed<br />

und CLICO koordinieren die<br />

Verbreitung von Forschungsergebnissen<br />

über das Cluster CLIWASEC,<br />

um zusammen größere Sichtbarkeit<br />

und Gehör zu erlangen. Zu den Aktivitäten<br />

zählen seit Projektstart im<br />

Jahr 2010 beispielsweise die Zusammenarbeit<br />

in den Untersuchungsgebieten<br />

vor Ort, die aufeinander<br />

abgestimmte Kooperation mit Entscheidungsträgern<br />

im Bereich <strong>Wasser</strong>,<br />

die gegenseitige Einladung auf<br />

Treffen mit relevanten Akteuren auf<br />

diesem Gebiet, die Diskussion und<br />

Durchführung von Kommunikationsstrategien<br />

(bspw. Pressemitteilungen<br />

und Pressekonferenzen), die<br />

Präsentation von Ergebnissen auf<br />

Jahrestreffen, der Austausch gesammelter<br />

Daten sowie der integrative<br />

wissenschaftliche Dialog. Während<br />

gemeinsamer Meetings beraten<br />

sich die Projekte zur weiteren Vorgehensweise<br />

und zu einer umfassenden<br />

Strategie für die Mittelmeerländer<br />

im Hinblick auf Klimaerwärmung<br />

und <strong>Wasser</strong>knappheit.<br />

Relevante Akteure in das<br />

Cluster einbinden<br />

Zu den wesentlichen Aufgaben des<br />

Clusters zählt die aktive Einbindung<br />

administrativer und politischer Entscheidungsträger<br />

aus dem <strong>Wasser</strong>sektor.<br />

Deren Beteiligung ist von<br />

zentraler Bedeutung, will man mit<br />

den Projektergebnissen nicht nur<br />

zur Kenntnis genommen werden,<br />

sondern eine maßgebliche Rolle bei<br />

der Schaffung der wissenschaftlichen<br />

Grundlage für die Entwicklung<br />

eines nachhaltigen <strong>Wasser</strong>managements<br />

spielen. Letzteres ist nur<br />

durch die intensive Zusammenarbeit<br />

mit regionalen und lokalen<br />

Akteuren möglich, die den Zustand<br />

in ihrem räumlichen Verantwortungsbereich<br />

kennen und beurteilen<br />

können, welche Maßnahmen<br />

sinnvoll umsetzbar sind. Die Interaktion<br />

mit den Akteuren im Bereich<br />

<strong>Wasser</strong> findet also statt, um deren<br />

Wissen über die historische und<br />

aktuelle <strong>Wasser</strong>nutzung und mögliche<br />

<strong>Wasser</strong>konflikte zu gewinnen,<br />

mögliche Szenarien eines zukünftig<br />

möglichen <strong>Wasser</strong>managements zu<br />

diskutieren und schließlich die aus<br />

den Modellergebnissen abgeleiteten<br />

Projektionen direkt vermitteln<br />

zu können. Für die Entwicklung dieses<br />

Konzepts treffen sich die Wissenschaftler<br />

mit den maßgeblichen<br />

Akteuren im Rahmen sog. „Stakeholder-Policy-Days“,<br />

die die Projektpartner<br />

während ihrer Jahrestreffen veranstalten.<br />

Auf diese Weise treiben<br />

die Forscher die Umsetzung erarbeiteter<br />

Maßnahmen gegen die durch<br />

den Klimawandel verstärkte <strong>Wasser</strong>knappheit<br />

voran. Die schnelle Realisierung<br />

ist auch ein vorrangiger<br />

Anspruch der EU-Kommission –<br />

geförderte Forschungsprojekte sollen<br />

baldmöglichst Früchte tragen,<br />

indem sie zur anwendungsorientierten<br />

Lösung konkreter, gesellschaftsrelevanter<br />

Probleme beitragen. So<br />

unterstützt das EU-Forschungs-Cluster<br />

CLIWASEC nicht nur die Klimawandelforschung<br />

auf naturwissenschaftlicher,<br />

wirtschaftlicher und<br />

sozialer Ebene, sondern leistet auch<br />

einen Beitrag für die Implementierung<br />

angepasster Managementstrategien.<br />

Bottom-up-Strategie<br />

Mittels interaktiver Methoden sollen<br />

die Verantwortlichen in jedem<br />

Untersuchungsgebiet selbst erkennen,<br />

welche Konsequenzen der Klimawandel<br />

auf die verfügbaren <strong>Wasser</strong>ressourcen<br />

der Region hat. CLI-<br />

WASEC nutzt eine „Bottom-up“-Strategie,<br />

das heißt Ansätze und Diskussionsvorschläge<br />

sollen vor allem aus<br />

der betroffenen Region selbst kommen.<br />

Damit wird einerseits klar<br />

kommuniziert, dass das Cluster keinem<br />

<strong>Wasser</strong>manager und -nutzer<br />

vor Ort eine Lösung aufdrängen will<br />

und kann, und andererseits erfolgt<br />

dadurch der dringend benötigte<br />

Transfer von praktischem Expertenwissen<br />

aus der betroffenen Region<br />

an die forschenden Einrichtungen.<br />

Somit können die Wissenschaftler<br />

multiple Konkurrenzen um das <strong>Wasser</strong><br />

im Kontext klimawandelbeding-<br />

Der CLIMB-Stakeholder-Workshop in Alexandria im Mai 2011.<br />

<br />

September 2012<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 919


NETZWERK WISSEN Porträt<br />

wandels auf <strong>Wasser</strong>nutzung und<br />

die resultierenden Konfliktsituationen<br />

in ihrer eigenen Region<br />

beschreiben. Ziel ist die gemeinsame<br />

Erarbeitung möglicher<br />

Lösungsansätze und Handlungsalternativen.<br />

Die Teilnehmer beim Stakeholder-Workshop in Alexandria.<br />

ter Extreme besser einschätzen und<br />

die Gefährdung der <strong>Wasser</strong>versorgung<br />

wissenschaftlich bewerten.<br />

Interaktive Netzwerke am<br />

Beispiel des Projektes CLIMB<br />

Seit Beginn des Clusters baut CLIMB<br />

lokale Netzwerke mit politischen<br />

Entscheidungsträgern und relevanten<br />

Akteuren auf. Folgende Maßnahmen<br />

sind bereits erfolgt bzw.<br />

werden in der Zukunft umgesetzt:<br />

""<br />

Aufbau von lokalen Netzwerken<br />

in den Untersuchungsgebieten<br />

der drei Projekte, in denen die<br />

Akteure für das <strong>Wasser</strong>ressourcenmanagement<br />

der jeweiligen<br />

Region eingebunden sind.<br />

""<br />

Entwurf eines Fragebogens: Ba -<br />

sierend auf Literaturrecherchen<br />

und den Interviews mit ausgewählten<br />

lokalen Akteuren im<br />

Mittelmeerraum entwickeln die<br />

Wissenschaftler in jedem Untersuchungsgebiet<br />

einen spezifisch<br />

angepassten Fragebogen, mit<br />

dem Wahrnehmung und Wissen<br />

der lokalen Akteure zur <strong>Wasser</strong>nutzung<br />

und diesbezüglichen<br />

Konfliktsituationen abgeleitet<br />

werden können.<br />

""<br />

Beantwortung der Fragebögen<br />

in den lokalen Netzwerken und<br />

durch weitere Interessensvertreter.<br />

""<br />

Auswertung der Fragebögen:<br />

Die Forscher analysieren die<br />

gesammelten Antworten, um<br />

den Zusammenhang von <strong>Wasser</strong>dargebot<br />

(aus dem natürlichen<br />

<strong>Wasser</strong>kreislauf für eine<br />

bestimmte Zeit bereitstehende<br />

nutzbare Menge an Süßwasser),<br />

<strong>Wasser</strong>verbrauch und <strong>Wasser</strong>konflikten<br />

zum aktuellen Zeitpunkt<br />

zu bestimmen. Das Ergebnis<br />

dient als Referenz für den<br />

Status quo im <strong>Wasser</strong>sektor in<br />

den jeweiligen Untersuchungsgebieten.<br />

""<br />

Entwicklung von Szenarien auf<br />

der Grundlage der ausgewerteten<br />

Fragebögen: In allen Untersuchungsgebieten<br />

finden Treffen<br />

von „Fokus-Gruppen“ statt,<br />

bei denen die Wissenschaftler<br />

den Entscheidungsträgern die<br />

Ergebnisse der Projektionen für<br />

den durch den Klimawandel<br />

beeinflussten <strong>Wasser</strong>haushalt<br />

vorstellen. Im Dialog sollen diese<br />

die Auswirkungen des Klima-<br />

Gemeinsam<br />

Projektergebnisse in<br />

die Öffentlichkeit tragen<br />

Neben der Einbindung politischer<br />

Entscheidungsträger möchte CLI-<br />

WASEC die Ergebnisse der Forschung<br />

sowohl der wissenschaftlichen<br />

Fachwelt als auch, in entsprechend<br />

aufbereiteter Form, der<br />

breiten Öffentlichkeit präsentieren.<br />

Für diesen Zweck steht zunächst ein<br />

Web-Portal zur Verfügung (www.cliwasec.eu),<br />

das den direkten Zugang<br />

zu Projektmaterialien und Publikationen<br />

sowie zu wichtigen News<br />

und Ereignissen rund um die Projekte<br />

ermöglicht. Im Juni 2011 entstand<br />

eine gemeinsame Broschüre,<br />

die Ziele und geplante Aktivitäten<br />

des Clusters allgemeinverständlich<br />

vorstellt. Die Broschüre ist in sechs<br />

verschiedenen Sprachen (Arabisch,<br />

Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch<br />

und Spanisch) erhältlich und<br />

unter www.climb-fp7.eu/dissemination/downloads.php<br />

bzw. www.<br />

cliwasec.eu/downloads/downloads.<br />

php abrufbar. Ein weiteres, wichtiges<br />

Instrument für die Verbreitung<br />

der Ergebnisse sind die Jahresversammlungen<br />

von CLIMB, WASSER-<br />

Med und CLICO. Hier wird nicht nur<br />

über die weitere Vorgehensweise<br />

diskutiert, die drei Projekte stellen<br />

dabei auch zusammen mit anderen<br />

wichtigen Initiativen auf diesem<br />

Gebiet die zentralen Resultate ihrer<br />

Forschungsarbeit vor. Internationale<br />

Konferenzen, z. B. die jährlich<br />

stattfindende European Geosciences<br />

Union, bieten eine zusätzliche<br />

Gelegenheit, die Ergebnisse des<br />

Clusters auf internationaler Bühne<br />

bekannt zu machen.<br />

September 2012<br />

920 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Porträt NETZWERK WISSEN<br />

EU-Forschungsprojekt CLIMB:<br />

Die Folgen von Klimawandel und <strong>Wasser</strong>knappheit im Mittelmeerraum<br />

Laut aktueller Vorhersagen für das<br />

21. Jahrhundert wird der Klimawandel<br />

gerade im Mittelmeerraum,<br />

d. h. in Ländern von Südeuropa,<br />

Nordafrika und dem Nahen und<br />

Mittleren Osten, zu massiven Veränderungen<br />

im <strong>Wasser</strong>haushalt führen.<br />

Vor allem ist eine zunehmende<br />

Verknappung des zur Verfügung<br />

stehenden Niederschlags- und<br />

Grundwassers zu erwarten. Ursachen<br />

hierfür sind beispielsweise<br />

verlängerte Dürreperioden, häufigere<br />

Überschwemmungen und die<br />

Versalzung der Böden und des küstennahen<br />

Grundwassers.<br />

Um diesen Risiken entgegenzutreten,<br />

ist ein nachhaltiges Management<br />

vorhandener <strong>Wasser</strong>vorräte<br />

erforderlich, damit die künftige Versorgung<br />

für die Wohnbevölkerung,<br />

Landwirtschaft und Industrie nachhaltig<br />

gesichert werden kann. Zurzeit<br />

fehlen aber zuverlässige Analysemodelle<br />

und Kontrollsysteme, mit<br />

denen die durch den Klimawandel<br />

verursachten Änderungen erforscht<br />

werden können.<br />

Aktuelle Prognosen zum Einfluss<br />

des Klimas auf den <strong>Wasser</strong>haushalt<br />

im Mittelmeerraum basieren auf<br />

wissenschaftlich schwer überprüfbaren,<br />

regionalen Klimamodellen,<br />

welche die wesentliche Grundlage<br />

für den Antrieb von Wirkungsmodellen<br />

im <strong>Wasser</strong>bereich bilden.<br />

Deren Ergebnisse sind daher durch<br />

sehr hohe und kaum quantifizierbare<br />

Unsicherheiten gekennzeichnet.<br />

Dennoch müssen diese Daten<br />

herangezogen werden, um unter<br />

Berücksichtigung natürlicher und<br />

sozio-ökonomischer Aspekte An -<br />

passungsstrategien zu entwickeln,<br />

die der Bevölkerung die dringend<br />

erforderliche <strong>Wasser</strong>sicherheit liefern<br />

können.<br />

Die offensichtlichen methodischen<br />

Lücken möchte das im 7. Forschungsrahmenprogramm<br />

der EU<br />

geförderte Projekt CLIMB (Climate<br />

Bewässerungsfeldbau auf dem Versuchsgut San Michele; Sardinien<br />

(AGRIS).<br />

Induced Changes on the Hydrology<br />

of Mediterranean Basins) schließen.<br />

Ein integrierter Monitoring- und<br />

Modellansatz soll zuverlässige Aussagen<br />

über die Folgen von Klimawandel<br />

und <strong>Wasser</strong>knappheit er -<br />

möglichen. Der Mittelmeerraum<br />

stellt dafür – durch seine besondere<br />

Beeinträchtigung aufgrund klimatisch<br />

bedingter Veränderungen und<br />

der zunehmenden Bedrohung der<br />

<strong>Wasser</strong>verfügbarkeit – ein ideales<br />

Forschungsgebiet dar.<br />

Die Zielsetzungen<br />

CLIMB hat sich zum Ziel gesetzt, die<br />

Aussagen über die klimatische Entwicklung<br />

des Mittelmeerraums auf<br />

Die Weingärten des Versuchsguts San Michele; Sardinien (AGRIS).<br />

<br />

September 2012<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 921


NETZWERK WISSEN Porträt<br />

Untersuchungsgebiete<br />

CLIMB arbeitet vor Ort am Mittelmeer an sieben unterschiedlichen<br />

Untersuchungsgebieten:<br />

in Thau, Languedoc-Roussillon, Frankreich, mit einer Größe von 280 km²,<br />

in Rio Mannu di San Sperate, Sardinien, Italien, das 473 km² umfasst,<br />

in Chiba, Cap Bon, Tunesien, 286 km² groß,<br />

in Noce, Trentino, Italien, das mit 1367 km² das größte Untersuchungsgebiet<br />

darstellt,<br />

in Izmit Bay, Kocaeli, Türkei, mit 673 km²,<br />

im Nil-Delta, Ägypten, mit einer Größe von 1000 km² und<br />

im Gaza Aquifer, Palästinensische Verwaltungsgebiete, mit 365 km².<br />

CLIMB hat die Fluss- oder Grundwassereinzugsgebiete nach der Vulnerabilität gegenüber<br />

dem klimatisch bedingten Wandel der <strong>Wasser</strong>verfügbarkeit, des Abflussregimes,<br />

der Abflussextreme und/oder der <strong>Wasser</strong>qualität ausgewählt. Alle Gebiete sind einer<br />

zunehmenden Gefährdung der verfügbaren <strong>Wasser</strong>ressourcen ausgesetzt, allerdings mit<br />

deutlich unterschiedlichen Ursachen und Folgen, um ein möglichst breites Spektrum<br />

von Systemzuständen erfassen zu können: Dazu zählt beispielsweise eine hohe landwirtschaftliche<br />

Produktivität, Bewässerungslandwirtschaft, starke Nähr- und Schadstoffeinträge<br />

aus unterschiedlichen Quellen, Salzwasserintrusion in küstennahe<br />

Aquifere und eine stetig steigende Rivalität in der <strong>Wasser</strong>nutzung.<br />

Sickerbecken<br />

für geklärtes<br />

<strong>Abwasser</strong> –<br />

eine Methode<br />

zur Grundwasseranreicherung<br />

im<br />

tunesischen<br />

Küstengebiet.<br />

eine neue wissenschaftliche Grundlage<br />

zu stellen und Unsicherheiten<br />

in den Vorhersagen zur <strong>Wasser</strong>verfügbarkeit<br />

zu reduzieren. Dieses<br />

neue Monitoring- und Modellierungssystem,<br />

das CLIMB entwickelt,<br />

ist für mesoskalige Flusseinzugsgebiete<br />

oder Grundwasserspeicher<br />

(d. h. Gebiete von mehreren Hundert<br />

bis wenige 1000 km²) bestimmt<br />

und kombiniert Geländemessungen,<br />

Fernerkundungstechniken, En -<br />

sembles aus regionalen Klimamodellen<br />

und hydrologischen Mo -<br />

dellen mit einer sozio-ökonomischen<br />

Faktorenanalyse. Daraus entsteht<br />

ein integriertes Kontroll- und<br />

Analyseinstrument zur Bewertung<br />

von regionaler Vulnerabilität und<br />

Risiko für den <strong>Wasser</strong>haushalt unter<br />

dem Einfluss des Klimawandels. Erst<br />

durch die explizite Einbindung der<br />

sozio-ökonomischen Faktorenanalyse<br />

können die naturwissenschaftlichen<br />

Daten interdisziplinär in Wert<br />

gesetzt und für ein nachhaltiges<br />

Management von <strong>Wasser</strong>ressourcen,<br />

die Entwicklung angepasster<br />

Landwirtschaftspraktiken oder die<br />

Identifizierung und Reduzierung<br />

von Konfliktpotentialen durch Nutzungskonkurrenz<br />

genutzt werden.<br />

In dieser Konstellation beschreitet<br />

CLIMB in diesem Untersuchungsraum<br />

wissenschaftliches Neuland.<br />

Der erfolgreiche Ansatz und Projektfortschritt<br />

wird daher während<br />

der Entwicklungsphase immer auch<br />

mit konventionellen, auch heute<br />

be reits verfügbaren Methoden der<br />

Klimafolgeforschung verglichen und<br />

bewertet.<br />

Die Projektstruktur<br />

Das Projekt CLIMB ist in acht Arbeitspakete<br />

untergliedert:<br />

Im Arbeitspaket 1 ist die interne<br />

Koordination des Projektes geregelt.<br />

Es gewährleistet eine effiziente<br />

Zusammenarbeit der Wissenschaftler<br />

aus den unterschiedlichen<br />

Arbeitspaketen. Das Arbeitspaket 2<br />

entwickelt die gemeinsame Dateninfrastruktur<br />

für das Projekt. Dazu<br />

zählen primär die Auswertungen<br />

und Ergebnisse des neuen Monitoring-<br />

und Modellierungssystems. In<br />

den Arbeitspaketen 3 bis 6 sind die<br />

eigentlichen wissenschaftlichen und<br />

methodischen Forschungsschwerpunkte<br />

(siehe Seiten 14 bis 20<br />

„Unsicherheiten der Klimamodellierung“,<br />

„Hydrologische Modellensembles“<br />

und „Geodatenmanagement<br />

auf hohem Niveau“) angesiedelt.<br />

Das Arbeitspaket 7 hat die<br />

wissenschaftliche Aufgabe, die für<br />

das Thema relevanten Akteure<br />

direkt in die CLIMB-Struktur einzubeziehen<br />

und darüber hinaus die<br />

neuesten Ergebnisse an und mit der<br />

betroffenen Öffentlichkeit zu kommunizieren.<br />

Bereits jetzt nutzt<br />

CLIMB dafür eine Website (www.<br />

climb-fp7.eu), Konferenzteilnahmen,<br />

wissenschaftliche Publikationen<br />

und Presseaktivitäten. Zudem<br />

setzt CLIMB in besonderem Maße<br />

September 2012<br />

922 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Porträt NETZWERK WISSEN<br />

CLIWASEC dient der Erwirtschaftung<br />

wissenschaftlicher Synergien<br />

sowie der Verbesserung der äußeren<br />

Sichtbarkeit und Wirksamkeit<br />

der gesellschaftlich relevanten Projektergebnisse.<br />

Zudem integriert es<br />

die Ergebnisse weiterer Projekte<br />

und Initiativen, die sich mit dem<br />

Thema Klimawandel und <strong>Wasser</strong>knappheit<br />

am Mittelmeer auseinandersetzen.<br />

Damit sichert sich CLIMB<br />

eine hervorragende internationale<br />

und projekt- bzw. programmübergreifende<br />

Vernetzung.<br />

Noce Val di Non in Italien: das Reservoir Santa Guistina.<br />

auf Doktorandenausbildungen und<br />

einen intensiven Dialog mit Entscheidungsträgern,<br />

sei es persönlich<br />

oder über gezielt entwickelte<br />

Leitlinien (Policy Briefings). Die<br />

kohärente Verbreitung der Ergebnisse,<br />

für die das Arbeitspaket 7<br />

zuständig ist, stellt sicher, dass die<br />

Fortschritte in der Forschung auch<br />

ihre Anwendung in den Untersuchungsgebieten<br />

finden (zu den<br />

aktuellen Forschungsergebnissen<br />

siehe auch Artikel Seite 7 „Internationale<br />

CLIWASEC-Fachtagung<br />

schildert Auswirkungen der Klimaänderung<br />

für die <strong>Wasser</strong>versorgung<br />

in den Mittelmeerländern“).<br />

Alle Arbeitspakete sind über<br />

direkte und rückgekoppelte Schnittstellen<br />

miteinander verbunden. Diese<br />

Maßnahme unterstützt die Projektmitarbeiter<br />

darin, wissenschaftliche<br />

Projektionen zum <strong>Wasser</strong>haushalt<br />

exakter zu bewerten und inherente<br />

Unsicherheiten zu reduzieren.<br />

Im Arbeitspaket 0 kooperiert<br />

CLIMB mit den EU-Forschungsprojekten<br />

WASSERMed und CLICO im<br />

Cluster CLIWASEC. Auch diese Projekte<br />

beschäftigen sich mit den Folgen<br />

des Klimawandels am Mittelmeer.<br />

Das Cluster hilft, die Thematik<br />

aus verschiedenen Blickwinkeln zu<br />

beleuchten (zum EU-Forschungs-<br />

Cluster CLIWASEC siehe auch Artikel<br />

Seite 5 „EU-Forschungs-Cluster CLI-<br />

WASEC: Ein internationaler Projektverbund<br />

für die Klimafolgenforschung<br />

im Mittelmeerraum“). Die<br />

Projektkooperation im Rahmen von<br />

Weitere Informationen und Kontakt:<br />

Prof. Dr. Ralf Ludwig,<br />

Wissenschaftlicher Koordinator CLIMB,<br />

Department für Geographie,<br />

Ludwig-Maximilians-Universität (LMU)<br />

München,<br />

Luisenstraße 37, 80333 München,<br />

Tel.: (089) 2180-6677,<br />

Fax: (089) 2180-17858,<br />

E-Mail: r.ludwig@lmu.de,<br />

Internet: www.climb-fp7.eu<br />

Die Partner des EU-Forschungsprojektes CLIMB<br />

Das CLIMB-Konsortium besteht aus 19 Partnerinstitutionen. Die Partner stammen aus<br />

vier europäischen Mitgliedstaaten (Deutschland, Frankreich, Ita li en, Österreich), vier<br />

internationalen Kooperationsländern im Mittelmeerraum (Ägy pten, Tu ne sien, Türkei,<br />

Palästinensische Verwaltungsgebiete) sowie Kanada. Die Koordination von CLIMB hat<br />

Prof. Dr. Ralf Ludwig vom Department für Geographie der Ludwig-Maximilians-Universität<br />

München inne. Die Bayerische Forschungsallianz ist mit Herrn Dr. Thomas<br />

Ammerl für das Projektmanagement zuständig.<br />

Zu den Projektpartnern gehören im Einzelnen: Ludwig-Maximilians-Universität München,<br />

Deutschland; AGRIS Sardegna – Agenzia per la Ricerca de la Agricoltura, Italien;<br />

Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Deutschland; Centre national du Machinisme<br />

Agricole, du Genie Rural, des Eaux et des Forêts, Frankreich; Centre de Recherche et<br />

des Technologies des Eaux, Tunesien; Consorzio Interuniversitario Nazionale per la<br />

Fisica delle Atmosfere e delle Idrosfere (Università di: Cagliari, Camerino, Bologna,<br />

Tor-Vergata Rom), Italien; Centro di Ricerca, Sviluppo e Studi Superiori in Sardegna,<br />

Italien; Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V., Deutschland; Forschungszentrum<br />

Jülich GmbH, Deutschland; Gebze Yuksek Teknoloji Enstitusu, Türkei; Institut<br />

National de la Recherche Scientifique, Kanada; Joanneum Research Forschungsgesellschaft<br />

mbH, Österreich; Université François-Rabelais du Tours, Frankreich; Islamic<br />

University of Gaza, Palästinensische Verwaltungsgebiete; Università degli Studi di<br />

Padova, Italien; Università degli Studi di Trento, Italien; Zagazig University, Ägypten;<br />

VISTA Geowissenschaftliche Fernerkundung GmbH, Deutschland; Yildiz Teknik Universitesi,<br />

Türkei; Bayerische Forschungsallianz GmbH, Deutschland.<br />

September 2012<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 923


NETZWERK WISSEN Porträt<br />

Unsicherheiten der Klimamodellierung<br />

Herausforderung bei Prüfung und Downscaling der Klimamodelle<br />

Ein wesentlicher Bestandteil der Arbeiten von CLIMB besteht in der Auswahl geeigneter Klimamodelldaten<br />

und deren Downscaling für die Anwendung in Wirkungsmodellen. Die Aktivitäten in diesem Bereich werden<br />

dabei in zwei Schwerpunkte geteilt: a) die Bewertung und Auswahl von Klimamodelldaten, durch Prüfung<br />

gegen die gemessene Klimatologie in großskaligen mediterranen Einzugsgebieten und b) das dynamische und<br />

statistische Downscaling, mit dem Ziel, der kleinräumigen Variabilität meteorologischer und hydrologischer<br />

Parameter gerecht zu werden.<br />

Derzeit prüfen die CLIMB-Wissenschaftler<br />

zahlreiche dynamische,<br />

globale (GCMs) und regionale<br />

(RCMs) Klimamodelle nach deren<br />

Fähigkeit zur Rekonstruktion des<br />

vergangenen und gegenwärtigen<br />

Klimas. Dynamische Klimamodelle<br />

versuchen auf physika lischer Basis<br />

die atmosphärischen Prozesse mit<br />

ihren Wechselwirkungen zur Landoberfläche<br />

zu simulieren und haben<br />

sich in den letzten Jahren zum Standard<br />

der Klima simulation entwickelt,<br />

die in mehreren großen Projekten<br />

in den Vereinigten Staaten<br />

und Europa realisiert werden. Aus<br />

numerischen und technischen<br />

Gründen muss dabei mit einer sehr<br />

hohen zeitlichen, aber nur groben<br />

räumlichen Auflösung ge rechnet<br />

werden, die für die Anwendung in<br />

kleinräumigen Flussgebieten ohne<br />

weitere Prozessierungsschritte nicht<br />

geeignet sind. Dieser Weiterentwicklung<br />

widmet sich eine Arbeitsgruppe<br />

innerhalb des CLIMB-Projektes<br />

und stellt somit die passgenauen<br />

Antriebsdaten für die konsekutiven<br />

Wirkungsmodelle be reit (Niederschlag,<br />

Strahlung, Temperatur, Luftfeuchte<br />

und Windgeschwindigkeit).<br />

Die Anwendung der gesamten<br />

Bandbreite verfügbarer Klimamodelldaten<br />

ist wegen der enormen<br />

Datenmengen und den großen<br />

immanenten Schwankungen weder<br />

praktikabel noch sinnvoll. In diesem<br />

ersten Schritt werden also die<br />

Modelldaten herausdestilliert, die<br />

für die jüngere Vergangenheit<br />

Modellierte Durchschnittstemperatur im Gouvernement Gharbia, Ägypten.<br />

(1971–2000) speziell für den Mittelmeerraum<br />

die besten Ergebnisse<br />

liefern. Auf dieser Basis wird angenommen,<br />

dass diese Modelle auch<br />

für den Projektionszeitraum (2041–<br />

2070) die robustesten Ergebnisse<br />

liefern. Es muss betont werden, dass<br />

einige Studien einer Klimamodell-<br />

Validierung mittels der Abschätzung<br />

von Abweichungen zwischen<br />

den Ergebnissen von Klimamodellen<br />

und den verfügbaren Messdaten<br />

einer Region nicht zu Unrecht<br />

kritisch gegenüber stehen. In CLIMB<br />

geht es aber nicht darum, das Wetter<br />

der Vergangenheit exakt abzubilden,<br />

das ist in komplexen chaotischen<br />

Klimasimulationen gar nicht<br />

möglich, sondern es soll vielmehr<br />

das modellierte Klima den tatsächlichen<br />

Kennwerten in seiner statistischen<br />

Verteilung weitgehend entsprechen.<br />

Nach Auffassung der<br />

zuständigen Arbeitsgruppe in<br />

CLIMB werden die hohen Erwartungen<br />

an die Klimamodellierung von<br />

mindestens vier Kombinationen aus<br />

GCM und RCM erfüllt; mit diesen<br />

Daten soll daher die mögliche<br />

zukünftige klimatische Entwicklung<br />

abgebildet und auf die Skala der<br />

Wirkungsmodelle angepasst werden.<br />

Der Projektionszeitraum 2041–<br />

2070 wurde gewählt, um zum einen<br />

ein ausreichend deutliches und<br />

somit auch aus sozio-ökonomischer<br />

Sicht noch interpretierbares Klimawandelsignal<br />

zu erhalten, dabei<br />

aber nicht ausschließlich von den<br />

doch sehr unsicheren Szenarien des<br />

IPCC bestimmt zu sein, wie es bei<br />

den Projektionen bis ans Ende des<br />

21. Jahrhunderts der Fall wäre.<br />

September 2012<br />

924 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Porträt NETZWERK WISSEN<br />

Zur Umsetzung der Ziele in diesem<br />

Arbeitsbereich sind folgende<br />

Schritte erforderlich:<br />

""<br />

Bereitstellung von Klimamodelldaten<br />

für die Untersuchungsgebiete:<br />

Web- und ftpbasierte<br />

Tools bzw. Interfaces<br />

werden entwickelt, um CM-Outputs<br />

in einheitlichen Formaten<br />

für die CLIMB-Untersuchungsgebiete<br />

aufzubereiten und verfügbar<br />

zu machen. Die Datenbasis<br />

bilden dabei die Ergebnisse der<br />

vorausgehenden Forschungsprojekte<br />

PRUDENCE und ENSEM-<br />

BLES. Daraus stehen flächendifferenzierte<br />

Felder für die erforderlichen<br />

meteorologischen Pa -<br />

rameter zur Verfügung, die in<br />

einem nächsten Arbeitsschritt<br />

quantitativ und qualitativ ge -<br />

prüft werden.<br />

""<br />

Klimamodell-Auditing: Es werden<br />

transparente und robuste<br />

Auditing-Verfahren (Vergleichsprüfung<br />

und Bestätigung) für<br />

die Produkte der verschiedenen<br />

Klimamodelle entwickelt und<br />

angewandt. Die Analysen stellen<br />

die Abweichungen der simulierten<br />

zu den gemessenen Atmosphärenzuständen<br />

der untersuchten<br />

Region dar und ermöglichen<br />

somit eine objektive<br />

Bewertung auf der Basis physikalischer<br />

Grundprinzipien (z. B.<br />

Massen- und Energiebilanz) und<br />

vollziehen ein Ranking der verschiedenen<br />

Modelle anhand der<br />

besten Übereinstimmung der<br />

langfristigen saisonalen <strong>Wasser</strong>bilanzen.<br />

Die vergleichende Ge -<br />

genüberstellung des Auditing-<br />

Verfahrens liefert erste Anhaltspunkte<br />

für die Größe der<br />

Unsicherheiten in der Klimamodellierung.<br />

Die angewendeten<br />

Methoden und Ergebnisse<br />

werden u. a. während der ge -<br />

meinsamen Jahrestreffen zwischen<br />

CLIMB und WASSERMed<br />

diskutiert und ausgetauscht.<br />

""<br />

Aktuelle Klimawandelszenarien<br />

für die Untersuchungsgebiete:<br />

Auf Basis der CM-Audi-<br />

Modellierte Niederschlagsumme im Gouvernement Gharbia, Ägypten.<br />

ting-Ergebnisse werden aktuelle<br />

Klimawandelszenarien für die<br />

Untersuchungsgebiete der Projekte<br />

definiert, mit denen die<br />

nachfolgenden Wirkungsmodelle<br />

angetrieben werden. Hier<br />

wird neben der Veränderung des<br />

durchschnittlichen Klimazustandes<br />

v. a. auch auf die Identifikation<br />

und Bewertung von Extremereignissen<br />

(z. B. Länge von Dürreperioden,<br />

Magnitude und<br />

Frequenz von Hochwasserereignissen)<br />

Wert gelegt.<br />

""<br />

Downscaling der Klimamodelldaten<br />

auf die Skala der Wirkungsmodelle:<br />

Die Daten der<br />

verwendeten regionalen Klimamodelle<br />

liegen in der Regel in<br />

einer räumlichen Auflösung von<br />

25 km vor. Die Wirkungsmodelle<br />

arbeiten allerdings in deutlich<br />

höherer Auflösung, d. h. einer<br />

räumlichen Diskretisierung der<br />

Einzugsgebiete in Raster oder<br />

Polygone von weniger als 1 km²<br />

Größe. Diesem Skalensprung<br />

muss durch ein stringentes<br />

Downscaling-Verfahren Rechnung<br />

getragen werden. In diesem<br />

Forschungsfeld haben sich<br />

in jüngster Zeit diverse Verfahren<br />

entwickelt, die für die spezifischen<br />

Bedürfnisse in CLIMB<br />

erweitert und angepasst werden<br />

müssen. Getestet werden so -<br />

wohl statistische als auch dynamische<br />

Verfahren, die eine Massen-<br />

und Energieerhaltung ge -<br />

währleisten müssen und der<br />

tatsächlichen räumlichen und<br />

zeitlichen Variabilität der Atmosphärenzustände<br />

in den einzelnen<br />

Untersuchungsgebieten<br />

gerecht werden. Als Sonderfall<br />

wird das Verfahren der multifraktalen<br />

Kaskaden eingesetzt, um<br />

kleinräumige Extremniederschlagsereignisse<br />

und mögliche<br />

Sturzfluten (sog. flash floods)<br />

besser darstellen zu können.<br />

Weitere Informationen und Ansprechpartner:<br />

Projektkoordinator: Prof. Dr. Ralf Ludwig,<br />

Department für Geographie,<br />

Ludwig- Maximilians-Universität (LMU) München,<br />

Tel.: (089) 2180-6677, E-Mail: r.ludwig@lmu.de<br />

Projektmanager: Dr. Thomas Ammerl,<br />

Fachreferatsleiter Umwelt & Energie,<br />

Baye rische Forschungsallianz GmbH (BayFOR),<br />

Tel.: (089) 9901888-120, E-Mail: ammerl@bayfor.org<br />

September 2012<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 925


NETZWERK WISSEN Porträt<br />

Hydrologische Modellensembles<br />

Das Fundament für weitere Analysen<br />

Um zuverlässigere Aussagen über die Folgen des Klimawandels im Mittelmeerraum zu treffen, verwenden die<br />

Wissenschaftler von CLIMB verschiedene Modellierungsansätze, die mit Hilfe von klein- und großskaligen<br />

Modellensembles hydrologische Prozesse besser verdeutlichen und bestehende Unsicherheiten reduzieren.<br />

Module und Struktur des hydrologischen Modells WaSiM-ETH (verändert nach Schulla<br />

und Jasper, 2007).<br />

Kernstück des CLIMB-Ansatzes ist<br />

die Verwendung von hydrologischen<br />

Modellensembles, d. h. die<br />

Anwendung verschiedener Modelle<br />

mit gleichen Antriebsdaten, die dabei<br />

unterstützen sollen, bestehende<br />

Unsicherheiten in der Wirkungsmodellierung<br />

zu quantifizieren, zu analysieren<br />

und zu bewerten. Bislang<br />

wurde in der Forschung weitgehend<br />

vernachlässigt, dass Wirkungsmodelle<br />

Unsicherheiten aufweisen, die<br />

bisweilen in derselben Größenordnung<br />

liegen wie die bereits bekannten<br />

Effekte in der Klimamodellierung.<br />

Die CLIMB-Partner setzen insgesamt<br />

13 verschiedene Modelle ein, die sich<br />

sowohl in ihrer Ausrichtung (Landoberfläche,<br />

Grundwasser) als auch in<br />

ihrer Komplexität (empirisch, konzeptionell,<br />

physikalisch basiert) unterscheiden.<br />

Es ist sichergestellt, dass in<br />

jedem Einzugsgebiet mindestens<br />

drei hydrologische Modelle eingesetzt<br />

werden. Damit kann untersucht<br />

werden, über welche Detailliertheit<br />

ein Modell verfügen muss, um sinnvoll<br />

für Fragestellungen der Klimafolgenforschung<br />

eingesetzt werden zu<br />

können.<br />

CLIMB verfolgt hierbei einen<br />

zweiphasigen Weg: Zunächst sollen<br />

detailspezifische Modellensembles<br />

für die Simulation der Ab flussentwicklung<br />

und Bodenwasserdynamik<br />

auf der Hangskala und der<br />

lokalen Skala (d. h. kleinere Einzugsgebiete<br />

100 km²). Diese Vorgehensweise<br />

zielt darauf ab, dass insgesamt eine<br />

bessere Abbildung der Wechselwirkungen<br />

zwischen Atmosphäre,<br />

Bodenwasserhaushalt und Vegetationsdynamik<br />

erreicht wird. Dazu will<br />

CLIMB die verwendeten hydrologischen<br />

Modelle weiterentwickeln,<br />

um auch Fernerkundungsdaten<br />

und weitere verfügbare Daten (z. B.<br />

Referenzdaten von Behörden, die<br />

kontinuierlich erhoben werden)<br />

dynamisch zu integrieren. Vor allem<br />

die Fernerkundung dient als Werkzeug<br />

zur flächendifferenzierten Er -<br />

fassung von Zustandsvariablen des<br />

hydrologischen Systems (z. B. Bo -<br />

denwassergehalt, Landnutzungsentwicklung),<br />

um die Modelle zu<br />

verbessern und die Notwendigkeit<br />

zur Kalibrierung zu verringern.<br />

Aktuell werden verschiedene<br />

Ansätze zur Modellierung getestet<br />

und für den semiariden Mittelmeerraum<br />

weiterentwickelt, wobei die<br />

regulär verwendeten Daten zur<br />

Kalibrierung (z. B. Abflussmengen,<br />

Schneedecke, Verdunstungs- und<br />

Bodenfeuchtemuster, Niederschlag,<br />

Temperatur und andere meteorologische<br />

Daten) durch Punktmessungen<br />

der Bodenfeuchte ergänzt und<br />

bei Bedarf zudem durch Daten aus<br />

September 2012<br />

926 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Porträt NETZWERK WISSEN<br />

den geophysikalischen Untersuchungen<br />

mittels GPR (Bodenradar)<br />

und ERT (Electrical Resistivity Tomography)<br />

vervollständigt werden.<br />

Aus diesem Ansatz lassen sich<br />

für klein-, mittel- und großflächige<br />

Modellanwendungen folgende<br />

Kernfragen beantworten:<br />

""<br />

Sind Daten aus geophysikalischen<br />

Untersuchungen für die<br />

Erfassung der Bodenwasserdynamik<br />

auf der Hangskala und<br />

somit für die Parametrisierung<br />

unterschiedlich komplexer Mo -<br />

delle nützlich? Welche Verfahren<br />

eignen sich besonders, um geophysikalische<br />

Punktmessungen<br />

in hydrologische Modelle zu<br />

integrieren?<br />

""<br />

Lassen sich aus diesen Experimenten<br />

Richtwerte ableiten, mit<br />

denen geeignete Modelle für die<br />

Modellierung des Abflusses auf<br />

der Hangskala entwickelt werden<br />

können, die wiederum als<br />

Grundlage für weitere Einzugsgebiet-Modellensembles<br />

ge -<br />

nutzt werden können?<br />

""<br />

Wie lassen sich Fernerkundungsdaten<br />

in die hydrologische<br />

Räumliche Eingangsdaten für das hydrologische Modell WaSiM-ETH<br />

im Vermigliana-Gebiet (Noce, Trentino).<br />

<br />

Tabelle 1. Die Verwendung unterschiedlicher hydrologischer Modelle in den CLIMB-Untersuchungsgebieten.<br />

Mesoskala<br />

Mikroskala<br />

Hydrologische<br />

Modellensembles<br />

in CLIMB<br />

Chiba<br />

(Tunesien)<br />

Rio Mannu<br />

(Sardinien, Italien)<br />

Thau<br />

(Frankreich)<br />

Gaza<br />

(Palästinensische<br />

Verwaltungsgebiete)<br />

Noce<br />

(Trentino, Italien)<br />

Kocaeli<br />

(Türkei)<br />

Nil-Delta<br />

(Ägypten)<br />

Maso Maiano<br />

(Trentino, Italien)<br />

Costara<br />

(Sardinien, Italien)<br />

Eingesetzte<br />

Modelle der<br />

CLIMB-Partner<br />

LMU X X X X X WaSiM-ETH, PROMET<br />

CERTE X X SWAT, MODFLOW<br />

CINFAI X X tRIBS<br />

CRS4 X X SWAT, CODESA-3D<br />

FZJ X X X GROWA<br />

GIT X MIKE-3<br />

INRS X X X X X CATHY<br />

UT X X SWAT<br />

IUG X WMS<br />

UNIPD X X X X X CATHY<br />

UNITN X X X GEOTRANSF<br />

UZ X FEFLOW<br />

VISTA X X PROMET<br />

September 2012<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 927


NETZWERK WISSEN Porträt<br />

Modellierung für Fragen der Klimafolgenforschung<br />

integrieren?<br />

""<br />

Durch welche Unsicherheiten ist<br />

die hydrologische Modellierung<br />

gekennzeichnet und mit welchen<br />

Methoden können Fehler<br />

minimiert werden?<br />

Die Untersuchungsgebiete Noce,<br />

Rio Mannu und Thau sind mit einem<br />

dichten Netzwerk an Messpunkten<br />

ausgestattet. Sie wurden u. a. deshalb<br />

in das Projekt aufgenommen,<br />

um herauszufinden, inwieweit die<br />

Messdichte Unsicherheiten in der<br />

hydrologischen Modellierung be -<br />

einflusst und wie hydrogeophysikalische<br />

und satellitengestützte Daten<br />

dabei helfen können, die Effekte<br />

einer geringeren Messnetzwerkdichte<br />

wie ansonsten im Mittelmeerraum<br />

üblich abzuschwächen.<br />

Werden diese Fragen positiv<br />

beantwortet, so können die geeigneten<br />

Modellansätze im nächsten<br />

Projektabschnitt auf der Ebene von<br />

Einzugsgebieten verwendet und für<br />

die Ableitung der hydrologischen<br />

Konsequenzen des Klimawandels<br />

eingesetzt werden. Dadurch erhöht<br />

sich zum einen das Verständnis für<br />

die Auswirkungen des Klimawandels<br />

im Mittelmeerraum, zum anderen<br />

können die auftretenden Unsicherheiten<br />

durch den Ensembleansatz<br />

identifiziert und plausibilisiert<br />

werden. Für die Anwendung im Projektionszeitraum<br />

(2041-2070) werden<br />

alle hydrologischen Modelle<br />

konsequent mit den zuvor ausgewählten<br />

Klimamodelldaten angetrieben.<br />

In einem letzten Ausbauschritt<br />

werden die Klimaprojektionen<br />

durch Szenarien einer<br />

veränderten (angepassten) Landnutzung<br />

und die aus dem Stakeholder-Dialog<br />

abgeleiteten Bewirtschaftungsanpassungen<br />

ergänzt.<br />

Damit können die Akteure vor Ort<br />

wiederum mit Empfehlungen für<br />

eine nachhaltige <strong>Wasser</strong>bewirtschaftung<br />

bedient werden.<br />

Besonders wichtig ist, dass sich<br />

die Partner bei der Bereitstellung<br />

und Verknüpfung der unterschiedlich<br />

komplexen Oberflächenwasser-<br />

und Grundwassermodelle auf verschiedenen<br />

Stufen der Interaktion<br />

ergänzen. So wird sichergestellt,<br />

dass für jedes durch den Klimawandel<br />

verursachte Problem bei der<br />

<strong>Wasser</strong>versorgung und jeden<br />

Standort ein hydrologisches<br />

Modell ensemble verfügbar ist, das<br />

den spezifischen Anforderungen<br />

des jeweiligen Gebietes gerecht<br />

wird.<br />

Weitere Informationen und Ansprechpartner:<br />

Projektkoordinator:<br />

Prof. Dr. Ralf Ludwig,<br />

Department für Geographie<br />

Ludwig- Maximilians-Universität (LMU)<br />

München,<br />

Tel.: (089) 2180-6677,<br />

E-Mail: r.ludwig@lmu.de<br />

Projektmanager:<br />

Dr. Thomas Ammerl,<br />

Fachreferatsleiter Umwelt & Energie<br />

Baye rische Forschungsallianz GmbH<br />

(BayFOR),<br />

Tel.: (089) 9901888-120,<br />

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September 2012<br />

928 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Aktuell NETZWERK WISSEN<br />

Geodatenmanagement auf hohem Niveau<br />

Geoinformationssysteme (GIS) und räumliche Datenbanken sind heute die Plattform, um geographische Daten<br />

sammeln, verwalten, analysieren und visualisieren zu können. Netzwerkbezogene GIS-Serverarchitekturen<br />

ermöglichen zum Beispiel einen dezentralisierten Zugang auf eine zentrale Geodatenbank, verknüpft mit passenden<br />

Auswertungs- und Analysemöglichkeiten.<br />

Geoinformationssysteme<br />

(GIS)<br />

und räumliche Datenbanken<br />

sind innerhalb großer Verbundforschungsprojekte<br />

wie CLIMB unabdingbar,<br />

um die große Menge<br />

unterschiedlicher Daten zu verschiedenen<br />

Themen und deren<br />

geometrische Verortung zusammenzufassen.<br />

Ihr Ziel ist es, die Nutzer<br />

mit einer einheitlichen und standardisierten<br />

Geodatenbank zu versorgen.<br />

Ein maßgeschneiderter,<br />

web-basierter GIS-Client kann dazu<br />

genutzt werden, Geodaten über<br />

Projekt- und Ländergrenzen hinweg<br />

abzufragen, die Daten zu analysieren<br />

und sie anschließend zu visualisieren.<br />

Die grundlegende Herausforderung<br />

und Voraussetzung einer projektbezogenen<br />

CLIMB-Dateninfrastruktur<br />

ist die Standardisierung<br />

von Geodaten. Durch die unterschiedliche<br />

Datenstruktur und den<br />

Mangel an geeigneten Metadaten-<br />

Informationssystemen ergibt sich<br />

hier ein erheblicher Handlungsbedarf.<br />

Nationale und europäische<br />

OGC- (Open GIS Consortium) und<br />

ISO- (Internationale Organisation<br />

für Normung) basierende Geodaten-Infrastrukturen<br />

werden entwickelt,<br />

um eine Kompatibilität der<br />

Geodaten für alle Projektpartner<br />

und alle Untersuchungsgebiete zu<br />

gewährleisten. Basierend auf den<br />

genannten Standards entwickelt<br />

CLIMB ein serverbasiertes GIS zur<br />

zentralen und standardisierten<br />

Speicherung raumzeitlicher (Meta-)<br />

Daten. Dazu gehören Daten zu<br />

Meteorologie und Hydrologie,<br />

Topographie, Landnutzung und<br />

Vegetation, Boden und Geologie,<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaft und verorteten<br />

sozio-ökonomischen Daten. Dieses<br />

serverbasierte GIS-System erlaubt<br />

zudem einen webbasierten Zugang<br />

zum Geodaten-Server.<br />

Im Bereich des Geodatenmanagements<br />

hat sich CLIMB folgende<br />

Ziele gesetzt: Die Homogenisierung<br />

und Standardisierung der verwendeten<br />

Datentypen aller Projektpartner,<br />

die Entwicklung eines Datenbankschemas<br />

zum Management<br />

und zur Aufbereitung der Geodaten,<br />

den Entwurf und die Anwendung<br />

eines serverbasierten GIS, die<br />

Entwicklung und Durchführung von<br />

Methoden und Werkzeugen zur<br />

Analyse und Visualisierung der Geodaten<br />

und die Entwicklung eines<br />

Metadaten-Informationssystems,<br />

mit dem Erläuterungen zu den verwendeten<br />

Daten abgerufen werden<br />

können.<br />

Geophysikalische<br />

Datenaufnahme<br />

Detailliertes Wissen zu geologischen,<br />

hydrologischen und hydraulischen<br />

Eigenschaften des Untergrunds<br />

sind wesentliche Grundlagen<br />

für eine robuste Parametrisierung<br />

der verwendeten hydrologischen<br />

Modelle. Erst dadurch<br />

werden verlässliche Aussagen zur<br />

Reaktion der Untersuchungsgebiete<br />

auf den Klimawandel möglich.<br />

Hochauflösende geophysikalische<br />

Techniken dienen dabei folgenden<br />

Zwecken:<br />

Oberflächennahe geophysikalische<br />

Techniken sollen den Untergrund<br />

der untersuchten Flussgebiete<br />

hinsichtlich ihrer hydrogeologischen<br />

Eigenschaften in hoher<br />

September 2012<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 929<br />

Die CLIMB<br />

Web GIS Server<br />

Architektur.


NETZWERK WISSEN Aktuell<br />

räumlicher und zeitlicher Auflösung<br />

charakterisieren. Jeweils angepasst<br />

an die spezifischen Verhältnisse in<br />

den Untersuchungsgebieten, liefern<br />

die Messungen aufschlussreiche<br />

Daten über den oberflächennahen<br />

Untergrund bis zu mehreren<br />

10er Meter Tiefe. Anwendung finden<br />

u. a. Methoden zur Ermittlung<br />

des <strong>Wasser</strong>gehalts in unterschiedlichen<br />

Bodentiefen oder der hydraulischen<br />

Leitfähigkeit des Bodens wie<br />

z. B. Electric Resistivity Tomography<br />

(ERT), Gamma Ray Spectrometry<br />

(GRS) oder Ground Penetrating<br />

Radar (GPR).<br />

Die räumliche Verteilung physikalischer<br />

und chemischer Bodenbedingungen<br />

beeinträchtigt Landschaftsprozesse<br />

und damit verbundene<br />

ökosystemare Dienstleistungen<br />

(Ecosystem Services), weshalb<br />

sie mit bestmöglicher Genauigkeit<br />

erhoben werden müssen. Um passende<br />

Bodeninformationen für die<br />

Modellierung von Landschaftsprozessen<br />

zu gewinnen (Bodenwasserkreislauf,<br />

Nährstoffauswaschung,<br />

Bodenerosion und Pflanzenwachstum)<br />

werden in CLIMB prädiktive<br />

Mapping-Techniken angewandt, die<br />

Zusatzinformationen beinhalten,<br />

mit denen eine geostatistische<br />

Regionalisierung von Bodeneigenschaften<br />

geleistet werden kann.<br />

Diese werden aus digitalen Höhenlinienmodellen<br />

(DEM) und Fernerkundungsdaten<br />

gewonnen. Übergeordnetes<br />

Ziel bleibt dabei, allgemein<br />

passende Bodeninformationen<br />

für die Landschaftsmodellierung<br />

in CLIMB zu liefern.<br />

Weitere Informationen und Ansprechpartner:<br />

Projektkoordinator:<br />

Prof. Dr. Ralf Ludwig,<br />

Department für Geographie<br />

Ludwig- Maximilians-Universität (LMU)<br />

München,<br />

Tel.: (089) 2180-6677,<br />

E-Mail: r.ludwig@lmu.de<br />

Projektmanager:<br />

Dr. Thomas Ammerl,<br />

Fachreferatsleiter Umwelt & Energie<br />

Baye rische Forschungsallianz GmbH<br />

(BayFOR),<br />

Tel.: (089) 9901888-120,<br />

E-Mail: ammerl@bayfor.org<br />

S1 / 2011<br />

Volume 152<br />

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1/2012<br />

Jahrgang 153<br />

ISSN 0016-3651<br />

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scientific papers and contributions re viewed by experts, offers<br />

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rechtzeitige Absendung des Widerrufs oder der Sache an Leserservice <strong>gwf</strong>, Franz-Horn-Str. 2, 97082 Wü rzburg<br />

Nutzung personenbezogener Daten: Für die Auftragsabwicklung und zur Pfl ege der laufenden Kommunikation werden personenbezogene Daten erfasst, gespeichert und verarbeitet. Mit dieser Anforderung erkläre ich mich damit einverstanden, dass ich vom<br />

Oldenbourg Industrieverlag oder vom Vulkan-Verlag □ per Post, □ per Telefon, □ per Telefax, □ per E-Mail, □ nicht über interessante Fachangebote informiert und beworben werde. Diese Erklärung kann ich mit Wirkung für die Zukunft jederzeit widerrufen.<br />

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Nachrichten<br />

Veranstaltungen<br />

<strong>Wasser</strong>, das kostbare Gut: die IWRM Karlsruhe 2012<br />

Weltkongress zum Zukunftsthema <strong>Wasser</strong>ressourcenmanagement im Kongresszentrum<br />

Karlsruhe – NEO2012 Innovationspreis zeichnet <strong>Wasser</strong>technologie-Projekte aus<br />

Das Schmelzen der Polarkappen, Flutkatastrophen oder die <strong>Wasser</strong>verknappung: Die Menschheit steht vor<br />

großen Herausforderungen, wenn es um das Thema <strong>Wasser</strong> geht. Das blaue Gold ist lebensnotwendig, gleichermaßen<br />

wirken sich Klimaveränderungen, die stetige Bevölkerungsexplosion und der Expansionsdrang des<br />

Menschen auch vielfältig negativ aus: Mega-Küstenstädte müssen sich gegen Überflutungen rüsten, während<br />

in anderen Ländern Dürrekatastrophen drohen. Und auch in Deutschland ist der nachhaltige Umgang mit<br />

dem kostbaren Gut schon längst kein reines politisches Lippenbekenntnis mehr, sondern fordert alle Menschen<br />

gleichermaßen zum Umdenken und Handeln auf.<br />

Die IWRM Karlsruhe – Integrated<br />

Water Resources Management<br />

– beschäftigt sich vom 21. bis<br />

22. November 2012 mit den aktuellen<br />

Fragestellungen rund um dieses<br />

breitgefächerte Thema. Der Fachkongress<br />

mit begleitender Ausstellung<br />

lädt die Verantwortlichen aus<br />

Wirtschaft, Verwaltung, Wissenschaft<br />

und Politik aus aller Welt ins<br />

Kongresszentrum Karlsruhe ein, um<br />

sich über die bedeutsamsten Entwicklungen,<br />

Technologien und Projekte<br />

im Bereich IWRM auszutauschen.<br />

Nach dem Premierenerfolg der<br />

IWRM Karlsruhe 2010 mit über<br />

Die IWRM Karlsruhe: Informationsplattform für Experten aus aller Welt.<br />

Internationales Fachwissen rund um das Zukunftsthema IWRM<br />

Die IWRM Karlsruhe 2012 will das international vorhandene Wissen und die Erfahrung<br />

der Experten rund um das Integrierte <strong>Wasser</strong>ressourcenmanagement zusammenführen<br />

und eine Grundlage für neue Vorgehensweisen und Technologien schaffen. Ausschlaggebend<br />

für Karlsruhe als Ort dieser richtungweisenden Veranstaltung ist das große Fachwissen<br />

in der Region: Hier hat sich ein starkes Know-how-Netzwerk zum Thema IWRM<br />

mit hochkarätigen Hochschulen und anwendungsorientierten Instituten, <strong>Wasser</strong>zentren<br />

und Firmen, die Projekte in der ganzen Welt durchführen, gebildet. Die IWRM Karlsruhe<br />

wird von der Karlsruher Messe- und Kongress-GmbH und dem Fraunhofer IOSB veranstaltet.<br />

Das Karlsruher Institut für Technologie engagiert sich als Mitveranstalter ebenso<br />

wie weitere Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft, zum Beispiel das German Water<br />

Partnership, die Siemens AG oder das Technologiezentrum <strong>Wasser</strong> und das Landesamt<br />

für Umweltschutz Baden-Württemberg.<br />

Das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg hat auf<br />

der IWRM Karlsruhe 2012 im Bereich „<strong>Wasser</strong>wirtschaft“ die Schirmherrschaft übernommen.<br />

Außerdem wird Minister Franz Untersteller (MdL) eine einführende Keynote<br />

zur „Ausrichtung der <strong>Wasser</strong>wirtschaft unter globalen Aspekten und die Energiewende<br />

in Baden-Württemberg“ halten. Zudem hat das Bundesministerium für Bildung und<br />

Forschung die Schirmherrschaft für den Bereich „<strong>Wasser</strong>forschung und <strong>Wasser</strong>technologie“<br />

übernommen.<br />

400 Teilnehmern aus 33 Nationen<br />

er wartet die Teilnehmer 2012 ein<br />

noch umfangreicheres Vortragsprogramm,<br />

das aus insgesamt 15 Sessions<br />

mit Best-Practice-Beispielen<br />

besteht. Themenschwerpunkte sind<br />

unter anderem: <strong>Wasser</strong>management<br />

in urbanen Regionen, <strong>Wasser</strong>und<br />

Energiemanagement, Verwaltung<br />

von <strong>Wasser</strong>einzugsgebieten,<br />

Nachhaltiger Umgang mit <strong>Wasser</strong>ressourcen,<br />

Klimawandel und <strong>Wasser</strong>management<br />

sowie Sozialökonomische<br />

Kriterien für die <strong>Wasser</strong>verteilung.<br />

Hochkarätige Referenten aus 20<br />

Nationen, darunter Ägypten, Australien,<br />

China, Kenia und den USA,<br />

geben auf der IWRM Karlsruhe<br />

einen detaillierten Einblick in ihre<br />

Arbeit. Gemeinsam mit den Teilnehmern<br />

diskutieren und erarbeiten sie<br />

die Kriterien, die zu einer erfolgrei-<br />

September 2012<br />

932 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Veranstaltungen<br />

Nachrichten<br />

chen Umsetzung von Projekten<br />

rund um das Integrierte <strong>Wasser</strong>ressourcen-Management<br />

notwendig<br />

sind.<br />

Am 21. November wird der mit<br />

20 000 Euro dotierte Innovationspreis<br />

NEO2012 verliehen. Gesucht<br />

werden hierbei anwendungsorientierte<br />

Arbeiten zu innovativen<br />

Umwelttechnologien im Bereich<br />

<strong>Wasser</strong> mit den Handlungsfeldern<br />

Ökobilanzen, Ökosysteme, <strong>Wasser</strong>chemie<br />

und Geophysik.<br />

Erstmals wird es auf der IWRM<br />

Karlsruhe am 22. November 2012<br />

einen eigenen Vortragsstrang des<br />

Bundesministeriums für Bildung<br />

und Forschung (BMBF) geben. In<br />

den drei Sessions <strong>Wasser</strong>qualitätsmanagement,<br />

Transfer von <strong>Wasser</strong>management-Technologien<br />

und<br />

<strong>Wasser</strong>management in der Landwirtschaft<br />

werden neueste Erkenntnisse<br />

und Studien zu Projekten im<br />

Jordantal, Brasilien, Indonesien,<br />

Palästina und der Mongolei vorgestellt.<br />

Ebenfalls am 22. November bietet<br />

die Postersession eine gute Gelegenheit<br />

zum fachlichen Austausch.<br />

Die aktuellen Themen werden ausgiebig<br />

und praxisnah erläutert, der<br />

hohe fachliche Stellenwert der Session<br />

wird durch die Referenten aus<br />

renommierten Instituten wie dem<br />

Karlsruhe Institute of Technology<br />

(KIT), dem Helmholtz Centre for<br />

Environmental Research UfZ, der<br />

Universität Dortmund, den TUs<br />

Dresden und München sowie der<br />

Uzbekistan Academy of Sciences,<br />

University of Mosul und der Al al-<br />

Byet University aus Jordanien<br />

gewährleistet. Aus den gezeigten<br />

Postern werden die besten drei mit<br />

dem Best Poster Award ausgezeichnet.<br />

Die begleitende Fachausstellung<br />

lädt zum unmittelbaren Informationsaustausch<br />

mit Anbietern,<br />

Dienstleistern und Wissenschaftlern<br />

ein. Zudem dient das Businessforum,<br />

das den Ausstellern die Möglichkeit<br />

bietet, ihre Produkte und<br />

Dienstleistungen vorzustellen, den<br />

Experten als weitere Kommunikationsplattform.<br />

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September 2012<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 933


Nachrichten<br />

Veranstaltungen<br />

UrbanTec 2012: Namhafte Unternehmen bereits<br />

angemeldet<br />

„Smart Technologies for better Cities“ stehen im Mittelpunkt der Kongressmesse UrbanTec, der deutschen<br />

Kongressmesse zum Thema Urbanisierung. Vom 24. bis 26. Oktober präsentieren mehr als 50 nationale und<br />

internationale Unternehmen Technologien, Entwicklungen und Systemlösungen zur Verbesserung der Lebensqualität<br />

in urbanen Ballungszentren. Parallel zur Ausstellung erörtern internationale Experten im begleitenden<br />

Kongress wirtschafts- und gesellschaftspolitische Herausforderungen der weltweiten Urbanisierung. Konzipiert<br />

und durchgeführt wird das Kongressprogramm in Kooperation mit dem Bundesverband der Deutschen<br />

Industrie (BDI) e.V. Die Schirmherrschaft übernimmt das Bundesministerium für Zusammenarbeit und Entwicklung<br />

(BMZ).<br />

Die Möglichkeiten, den Anforderungen<br />

an städtische Infrastruktur<br />

in aufstrebenden Metropolen<br />

gerecht zu werden, reichen von<br />

ganzheitlichen Systemlösungen bis<br />

hin zu spezialisierten Anwendungen.<br />

Auf der UrbanTec spiegelt sich<br />

diese Vielfalt im Ausstellerfeld wider<br />

– internationale Marktführer und<br />

spezialisierte Technologie-Unternehmen<br />

sind gleichermaßen vertreten.<br />

Angemeldet haben sich unter<br />

anderen die international bekannten<br />

Unternehmen RWE AG, Strabag<br />

Real Estate GmbH, KfW/DEG, das<br />

DLR Deutsche Zentrum für Luftund<br />

Raumfahrt e.V., Sowarla, Swissenviro<br />

(Gemeinschaftstand aus der<br />

Schweiz) und die IHK-Initiative<br />

Rheinland. Erstmals beteiligt sich<br />

zudem die Skyline Parkin AG aus der<br />

Schweiz, die ein innovatives, automatisches<br />

Parksystem entwickelt<br />

hat, um mehr Autos auf kleinsten<br />

Grundstücken in kürzester Zeit zu<br />

parken. Im gleichen Bauvolumen<br />

von bisherigen Parkhäusern können<br />

bis zu viermal mehr Autos geparkt<br />

werden. Ein Turm mit 320 Autos<br />

benötigt eine Grundfläche von nur<br />

400 m 2 . Diese Schweizer Entwicklung<br />

bietet dem Autobesitzer<br />

bequemes Parken, aber auch<br />

Schnelligkeit, unübertroffene Flexibilität,<br />

Rentabilität und Zuverlässigkeit<br />

sowohl für den Investor als auch<br />

für Generalunternehmer und Be -<br />

treiber.<br />

Ein Highlight der UrbanTec 2012<br />

ist die Teilnahme der „City of<br />

Moscow“. Moskau ist ein Paradebeispiel<br />

für eine stetig wachsende<br />

UrbanTec 2011, Stand Fotoausstellung, Ausstellung, Megacities, Metropolises,<br />

Boomcities. © HG Esch, Halle<br />

Urbanisierung. Das Stadtgebiet hat<br />

sich durch Eingemeindungen seit<br />

letztem Jahr von 1070 auf 2560<br />

Quadratkilometer verdoppelt. Gro -<br />

ße Teile der Regierungsinstitutionen<br />

und der städtischen Verwaltung<br />

sollen in ein neues Stadtzentrum<br />

verlagert werden und mehr als<br />

2 Mio. Menschen Platz und Arbeit<br />

bieten. Dazu bedarf es optimaler<br />

Lösungen in den Bereichen Kommunikation,<br />

Mobilität, Logistik und<br />

Stadtplanung. Internationale Architekten<br />

und Planer aus Russland,<br />

Spanien, Italien, Frankreich, den<br />

USA und den Niederlanden haben<br />

erste Konzepte entwickelt und werden<br />

diese gemeinsam mit einer<br />

Delegation hochkarätiger Vertreter<br />

der Stadt Moskau auf der UrbanTec<br />

2012 vorstellen. Im Austausch mit<br />

Ausstellern und Besuchern wollen<br />

sie ihren Auftritt auf der UrbanTec<br />

nutzen, um weitere Impulse und<br />

Anregungen für den zukunftsorientierten<br />

Ausbau der Megacity Moskau<br />

zu erhalten.<br />

Erstmalig ist das Bundesministerium<br />

für Umwelt, Naturschutz und<br />

Reaktorsicherheit (BMU) auf der<br />

UrbanTec vertreten. Im Rahmen<br />

der deutschen Klimaschutzinitiative<br />

präsentiert das BMU das neue<br />

„Service- und Kompetenzzentrum:<br />

Kommunaler Klimaschutz“, das am<br />

Deutschen Institut für Urbanistik<br />

(difu) angesiedelt ist. In ganz<br />

Deutschland unterstützt die Nationale<br />

Klimaschutzinitiative zahlreiche<br />

kommunale Maßnahmen, die<br />

das Klima schonen: Seit 2008 fördert<br />

das BMU rund 2600 kommu-<br />

September 2012<br />

934 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Agencia del Medioambiente<br />

y del Control de la Energía<br />

Veranstaltungen<br />

Nachrichten<br />

nale Projekte in über 1600 Kommunen.<br />

Die Fördermittel liegen bei<br />

mehr als 160 Mio. Euro.<br />

Neben dem Bundesministerium<br />

für wirtschaftliche Zusammenarbeit<br />

und Entwicklung (BMZ) als<br />

Schirmherrn und dem Bundesverband<br />

der Deutschen Industrie (BDI)<br />

e.V. als Kongresspartner erhält die<br />

UrbanTec 2012 Unterstützung aus<br />

Politik, Forschung und Wirtschaft.<br />

Für die Gewinnung kommunaler,<br />

regionaler und internationaler Entscheidungsträger<br />

unterstützen der<br />

Deutsche Städtetag, der Deutsche<br />

Städte- und Gemeindebund und<br />

die Weltbank die UrbanTec. Bei der<br />

Realisierung des Kongresses engagieren<br />

sich erneut die Fraunhofer<br />

Gesellschaft und die Deutsche Akademie<br />

der Technikwissenschaften<br />

(acatech) sowie der Bundesverband<br />

Informationswirtschaft, Telekommunikation<br />

und Neue Medien<br />

(BITKOM) e.V.<br />

Die UrbanTec findet parallel zur<br />

ORGATEC, der Internationalen Leitmesse<br />

für Office & Object, statt.<br />

Beide Messen verbindet jedoch<br />

nicht nur eine räumliche Schnittstelle,<br />

es gibt auch themenbezogen<br />

und zielgruppenspezifische<br />

An knüpfungspunkte. So sind beispielsweise<br />

Architektur- und Planungsbüros<br />

ebenso wie Verwaltungen<br />

und öffentliche<br />

Einrichtungen mögliche Interessenten<br />

beider Messen.<br />

Konzipiert als exportorientierte<br />

Kommunikationsplattform stehen<br />

auch in diesem Jahr aktuelle gesellschaftliche<br />

und politische Herausforderungen<br />

der weltweiten Urbanisierung<br />

auf der Kongressagenda.<br />

An allen drei Tagen informiert das<br />

international besetzte Rednerfeld<br />

über mögliche Probleme, innovative<br />

Lösungsansätze und spezifische<br />

Rahmenbedingungen in den<br />

Städten der Zukunft.<br />

Im Fokus des ersten Kongresstages<br />

der UrbanTec stehen die Themen<br />

„Urban Governance“ und<br />

„Energy“. So referiert beispielsweise<br />

ein Vertreter des BDI zum<br />

Thema „Deutsche Städte und die<br />

Energiewende“. Von Technologieseite<br />

ist Dr. Roland Busch, CEO Siemens<br />

Infrastructure & Cities, als<br />

Referent vorgesehen. Zum<br />

Abschluss sind alle Kongressteilnehmer<br />

eingeladen, nach einem<br />

Messerundgang den ersten Veranstaltungstag<br />

beim Event „Meet the<br />

Urban Market“ ausklingen zu lassen.<br />

Die übergreifenden Themen<br />

des zweiten Kongresstages lauten<br />

„Energy Efficient Buildings“ und<br />

„Mobility“. Nach den politischen<br />

Vorträgen können die Kongressteilnehmer<br />

sowohl am Vormittag<br />

als auch am Nachmittag in Arbeitsgruppen<br />

die Technologien und die<br />

nötigen Voraussetzungen für deren<br />

erfolgreiche Anwendung näher<br />

kennenlernen. „Research and Innovation“<br />

steht am letzten Tag der<br />

UrbanTec auf dem Kongressprogramm.<br />

Weitere Informationen:<br />

www.urbantec.de<br />

75.000 Besucher<br />

2.400 Aussteller<br />

96 vertretene Länder<br />

DIE Messe<br />

Argentinien<br />

Ehrengastland<br />

Ihre Ansprechpartner in Deutschland:<br />

Für Besucher: IMF GmbH - Ilona Wohra<br />

Tel. +49(0)221/13 05 09 02<br />

Fax +49(0)221/13 05 09 01<br />

e-mail: i.wohra@imf-promosalons.de<br />

Für Aussteller: Reed Exhibitions - Susanne Figaj - Tel: +49 (0)211 55 62 829<br />

Fax: +49 (0)211 55 62 834 - e-mail: susanne.figaj@reedexpo.de<br />

In Zusammenarbeit mit<br />

www.pollutec.com<br />

September 2012<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 935


Nachrichten<br />

Veranstaltungen<br />

wat 2012 vom 24. bis 25. September 2012<br />

in Dresden<br />

Von der Ressource bis zum Zapfhahn: Branchentrends und Innovationen rund um<br />

Trinkwasser im Fokus von Experten<br />

Messe Dresden<br />

– Via Mobile.<br />

© MESSE DRESDEN<br />

Der demografische Wandel, der<br />

allgemeine Rückgang des <strong>Wasser</strong>gebrauchs<br />

und das steigende<br />

Bewusstsein für Energie- und Kosteneffizienz<br />

sind die bestimmenden<br />

Themen im <strong>Wasser</strong>fach. Neben der<br />

Sicherung der Trinkwasserqualität<br />

rückt insbesondere der Umwelt und<br />

Ressourcen schonende Betrieb der<br />

<strong>Wasser</strong>versorgung in den Mittelpunkt.<br />

Praktikable ordnungspolitische<br />

und technisch-wirtschaftliche<br />

Rahmenbedingungen sind dafür<br />

unabdingbar.<br />

Neben weiteren Topthemen aus<br />

der <strong>Wasser</strong>branche sind dies die<br />

Kerninhalte der 66. <strong>Wasser</strong>fachlichen<br />

Aussprachetagung (wat 2012).<br />

Das wichtigste deutschsprachige<br />

Forum für alle Themen rund um<br />

Trinkwasser findet in diesem Jahr<br />

vom 24. bis 25. September 2012 in<br />

Dresden statt. Ausrichter ist der<br />

DVGW Deutscher Verein des Gasund<br />

<strong>Wasser</strong>faches e.V. in Kooperation<br />

mit dem Bundesverband der<br />

Energie- und <strong>Wasser</strong>wirtschaft<br />

(BDEW). Information und Anmeldung:<br />

DVGW-Hauptgeschäftsführung,<br />

Ludmilla Asarow, Tel. (0228)<br />

9188-601, Fax (0228) 9188-997,<br />

E-Mail: wat2012@dvgw.de<br />

Welche neuen Gefährdungen<br />

gilt es, beim Schutz der Trinkwasserressourcen<br />

zu bewerten? Welche<br />

Konsequenzen hat die Blueprint-<br />

Strategie der EU auf die <strong>Wasser</strong>versorgung<br />

in Deutschland? Welche<br />

Konzepte zur Instandhaltung der<br />

Netze und Anlagen sind zukunftsorientiert?<br />

Welche Herausforderungen<br />

ergeben sich durch den demografischen<br />

Wandel für die <strong>Wasser</strong>versorgungspraxis?<br />

Wie können<br />

leistungsfähige und sichere Versorgungssysteme<br />

durch neue Managementansätze<br />

unterstützt werden?<br />

Wie ist die Trinkwasserqualität in<br />

der Trinkwasser-Installation zu<br />

sichern? Welche Chancen und<br />

Potenziale bietet das Prozess-<br />

Benchmarking für <strong>Wasser</strong>versorger?<br />

Zu diesen und weiteren aktuellen<br />

Fragestellungen nehmen namhafte<br />

Experten Stellung und diskutieren<br />

Lösungsmöglichkeiten mit<br />

Fachleuten aus Versorgungsunternehmen,<br />

Industrie, Ministerien,<br />

Behörden und Forschungsinstituten.<br />

Teilnehmer profitieren von der<br />

Möglichkeit, branchenübergreifend<br />

Veranstaltungen auf der gat 2012,<br />

dem größten gasfachlichen Kongress<br />

mit Fachausstellung in<br />

Deutschland, der ebenfalls in Dresden<br />

am 25. und 26. September 2012<br />

stattfindet, zu besuchen.<br />

Eingeschlossen in dieses attraktive<br />

Programm ist der 5. DVGW-<br />

Hochschultag, auf dem die wichtigsten<br />

nationalen und europäischen<br />

Entwicklungen im Ausbildungssektor<br />

für Ingenieure der Versorgungswirtschaft<br />

zwischen Industrie,<br />

Hochschulvertretern und Studenten<br />

diskutiert werden – ein<br />

Muss, insbesondere für Personalverantwortliche,<br />

die topaktuelle Informationen<br />

und Branchentrends aus<br />

erster Hand erwarten.<br />

Das nun vorliegende finale Programmheft<br />

(online unter www.watdvgw.de)<br />

informiert über Themen<br />

und Referenten sowie die begleitende<br />

Fachausstellung. Die Anmeldung<br />

ist ab sofort möglich.<br />

www.wassertermine.de<br />

September 2012<br />

936 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Veranstaltungen<br />

Nachrichten<br />

5. WCEC-Konferenz: „Water Conta mination<br />

Emergencies: Managing the Threats“<br />

5. Konferenz zum „Schutz der <strong>Wasser</strong>versorgung vor Sabotage und Anschlägen“,<br />

19. bis 21. November 2012 in Mülheim an der Ruhr<br />

Nach dem großen Erfolg der letzten<br />

WCEC-Konferenz in Mülheim<br />

im Oktober 2010 haben sich<br />

die Veranstalter entschlossen, auch<br />

die 5. Konferenz am gleichen Standort<br />

stattfinden zu lassen. Die von<br />

IWW, der Royal Society of Chemistry<br />

(RSC, UK) sowie der Society of Chemical<br />

Industry (SCI, UK) ausgerichtete<br />

Konferenz widmet sich allen<br />

Aspekten der Sicherheit der Trinkwasserversorgung,<br />

wobei der Fokus<br />

auf eventuellen Krisen- bzw. Notfällen<br />

liegt. Wenn ein unerwarteter<br />

Notfall eintritt, ist es unerlässlich,<br />

dass die <strong>Wasser</strong>versorgung und die<br />

Behörden angemessen auf die sich<br />

ergebenden Herausforderungen<br />

reagieren und strukturiert handeln.<br />

An der Veranstaltung in 2010 nahmen<br />

bereits 175 Fachleute aus<br />

22 Ländern teil und die Veranstalter<br />

sind optimistisch, dass diese Zahl in<br />

diesem Jahr übertroffen werden<br />

wird.<br />

Zu Beginn wird im „Scene-Setting“<br />

ein Überblick über Ansätze,<br />

Beispiele und Lösungen gegeben,<br />

wie zurzeit in Deutschland mit den<br />

Herausforderungen umgegangen<br />

wird. Dem werden in verschiedenen<br />

thematischen Sitzungen Erfahrungen<br />

und Ansätze aus anderen<br />

Ländern gegenüber gestellt. Am<br />

letzten Tag der Veranstaltung wird<br />

schließlich an konkreten Beispielen<br />

die Praxistauglichkeit der Ansätze<br />

erörtert und bestehende Probleme<br />

werden in einer professionell mo -<br />

derierten Podiumsdiskussion offen<br />

diskutiert.<br />

Für die Keynote-Vorträge zur<br />

Einleitung der Themenblöcke konnten<br />

wieder namhafte Referenten<br />

aus der ganzen Welt gewonnen<br />

werden:<br />

""<br />

Tristan Simonart (EU COM DG<br />

ENTR, Brüssel); The future EC<br />

R&D funding and future legislation<br />

in the field of security-related<br />

research.<br />

""<br />

Akira Miyazaki (National Institute<br />

of Advanced Industrial<br />

Science and Technology, Japan);<br />

Consequences of the Japanese<br />

earthquake 2011 and the Fukushima<br />

power plant accident on<br />

the Japanese water environment<br />

including drinking water.<br />

""<br />

Cyrille Lemoine (Veolia Environnement<br />

Recherche et Innovation,<br />

Frankreich); Smart sensor<br />

networks for water quality monitoring<br />

– a way to re-invent water<br />

supply management?<br />

""<br />

Michèle Prévost (Ecole Polytechnique<br />

de Montreal, Canada);<br />

Public health risk of microbial<br />

intrusion events in distribution<br />

systems.<br />

Das detaillierte Programm der<br />

Tagung findet man auf der IWW-<br />

Homepage unter der Rubrik Veranstaltungen<br />

oder direkt auf der<br />

Tagungshomepage: www.wcec5.eu<br />

Blick in das Auditorium 2010.<br />

Posterausstellung.<br />

Die WCEC5 wird gemeinsam mit<br />

„SecurEau“, einem FP7-EU-Projekt,<br />

organisiert (www.secureau.eu).<br />

Im Rahmen der Konferenz wird<br />

wiederum der Mülheim Water<br />

Award 2012 durch die Oberbürgermeisterin<br />

der Stadt Mülheim an der<br />

Ruhr verliehen (www.muelheimwater-award.com).<br />

September 2012<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 937


Nachrichten<br />

Veranstaltungen<br />

Europas Herausforderungen in der <strong>Wasser</strong>wirtschaft<br />

im Fokus der EWA Konferenz<br />

8. Brüssel Konferenz, 30. Oktober 2012<br />

Der Titel der diesjährigen Konferenz lautet: „The European Year of Water – Upcoming Challenges“. Die Anpassung<br />

an den Klimawandel, <strong>Wasser</strong>qualität und -quantität sowie der <strong>Wasser</strong>/Energie Nexus werden die heiß<br />

diskutierten Themen der achten Konferenz in Brüssel sein. Die jährliche Konferenz bietet hochrangigen Experten,<br />

Entscheidungsträgern und Akteuren aus dem Bereich des europäischen <strong>Wasser</strong>sektors und der europäischen<br />

Institutionen die Möglichkeit, wichtige Fragen rund um das Thema <strong>Wasser</strong> zu diskutieren.<br />

Die Konferenz wird in Zusammenarbeit<br />

mit der Generaldirektion<br />

Umwelt der Europäischen<br />

Kommission ausgerichtet und ist<br />

Treffpunkt für <strong>Wasser</strong>-Experten aus<br />

ganz Europa. Vorrangiges Ziel der<br />

Konferenz ist es, einen Dialog zwischen<br />

den Vertretern der Europäischen<br />

Kommission und den Europäischen<br />

<strong>Wasser</strong>-Experten, zu etablieren.<br />

Zwischen dem festgelegten<br />

Programmablauf haben die Teilnehmer<br />

genügend Zeit, sich mit Vertretern<br />

der Europäischen Kommission<br />

und anderen europäischen Institutionen<br />

auszutauschen.<br />

Themen und Referenten<br />

Die drei Hauptthemen der Konferenz<br />

sind <strong>Wasser</strong>qualität, <strong>Wasser</strong>quantität<br />

und der <strong>Wasser</strong>/Energie<br />

Nexus. Diese Bereiche werden vom<br />

Blueprint Berichterstatter MEP Dr.<br />

Richard Seeber als besonders relevant<br />

erachtet. Die Konferenz befasst<br />

sich im Rahmen von vier Sitzungen:<br />

mit Präsentationen zu den Themen:<br />

Klimaanpassung – <strong>Wasser</strong>szenarien<br />

und sektorale Aspekte, Notwendigkeit<br />

und Herausforderungen für<br />

<strong>Wasser</strong>recycling in Europa, <strong>Wasser</strong><br />

als wesent licher Bestandteil der<br />

<strong>Wasser</strong>aufbereitung GmbH<br />

Grasstraße 11 • 45356 Essen<br />

Telefon (02 01) 8 61 48-60<br />

Telefax (02 01) 8 61 48-48<br />

www.aquadosil.de<br />

landwirtschaftlichen Produktion,<br />

Mikroverunreinigungen, Vereinbarkeit<br />

von <strong>Wasser</strong>kraftanlagen mit<br />

den <strong>Wasser</strong>-Rahmenrichtlinien,<br />

Energierückgewinnungsstrategien<br />

innerhalb des städtischen <strong>Wasser</strong>kreislaufs,<br />

Forschung und Innovation<br />

in der europäischen <strong>Wasser</strong>wirtschaft<br />

und Herausforderungen<br />

bei der Finanzierung für die <strong>Wasser</strong>-<br />

Infrastruktur in Südosteuropa.<br />

Die Referenten der Konferenz,<br />

tragen mit ihrem akademischen,<br />

institutionellen und kommerziellen<br />

Hintergrund zur Debatte bei. Peter<br />

Gammeltoft, Leiter des <strong>Wasser</strong>referats<br />

der Generaldirektion Umwelt,<br />

wird die Konferenz mit einem Vortrag<br />

über die ersten Ergebnisse des<br />

Blueprint-Prozesses eröffnen.<br />

Das detaillierte Programm der<br />

Konferenz unter online unter www.<br />

ewa-online.eu.<br />

Fragen zu Anmeldung/Konferenz/Workshops:<br />

Frau Lorvik,<br />

E-Mail: lorvik@ewa-online.eu,<br />

Tel. (02242) 872-168<br />

Die Europäische Vereinigung für <strong>Wasser</strong>wirtschaft<br />

Die Europäische Vereinigung für <strong>Wasser</strong>wirtschaft (EWA) ist ein<br />

unabhängiger und gemeinnütziger Verein, der sich mit <strong>Wasser</strong>wirtschaft<br />

und Gewässerschutz befasst. Die EWA ist einer der wichtigsten<br />

technisch-wissenschaftlichen Vereine in Europa im Bereich <strong>Wasser</strong>.<br />

Neben der Information der Mitglieder über die europäische Gesetzgebung<br />

und Normung ist es das Ziel der Organisation, ein Forum für<br />

die Diskussion von zentralen technischen und wasserpolitischen<br />

Fragen bereit zu stellen. Dies geschieht durch internationale Konferenzen,<br />

Treffen und Workshops, besondere Arbeitsgruppen für<br />

Experten sowie durch Publikationen. Die EWA besteht aus mehr als<br />

25 nationalen Organisationen, die insbesondere die Fachleute der<br />

Ver- und Entsorgung vertreten, sowie mehrere Firmen und Betriebe<br />

als fördernde Mitglieder. Über die nationalen Mitgliedsverbände<br />

repräsentiert der Verein damit mehr als 50 000 Experten aus dem<br />

gesamten <strong>Wasser</strong>bereich.<br />

September 2012<br />

938 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Veranstaltungen<br />

Nachrichten<br />

1. Deutscher Reparaturtag zeigt Potenziale<br />

einer Branche auf<br />

Verfahren nachhaltiger als ihr Ruf<br />

Der Anteil der Erneuerungs- und<br />

Renovierungsverfahren bei Sa -<br />

nierungsmaßnahmen nimmt ab,<br />

der der Reparaturverfahren zu –<br />

2009 wurden mehr als 36 % aller<br />

Sanierungsverfahren mit Ausbesserungs-,<br />

Injektions- oder Abdichtungsverfahren<br />

ausgeführt: Das<br />

sind einige Ergebnisse der letzten,<br />

von der Deutschen Vereinigung für<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaft, <strong>Abwasser</strong> und<br />

Abfall e.V. (DWA) durchgeführten<br />

Umfrage zum Zustand der Kanalisation.<br />

Dieser positive Trend für Techniken,<br />

die der Behebung von punktuellen,<br />

einzelnen Schäden innerhalb<br />

einer Haltung dienen, macht<br />

gleichzeitig einen Widerspruch<br />

deutlich: Obwohl sich zunehmend<br />

mehr Auftraggeber und Netzbetreiber<br />

für die Reparatur von Schäden<br />

an ihren Leitungsnetzen entscheiden,<br />

gelten die eingesetzten Verfahren<br />

oft nur als zweite Wahl. Mit diesem<br />

Vorurteil aufräumen will der<br />

1. Deutsche Reparaturtag, der am<br />

26. September in Mainz stattfindet.<br />

Die vom Verband Zertifizierter<br />

Sanierungsberater für Entwässerungssysteme<br />

e.V. (VSB) in Kooperation<br />

mit dem Institut für Unterirdische<br />

Infrastruktur gGmbH (IKT) und<br />

der Technischen Akademie Hannover<br />

e.V. (TAH) konzipierte Veranstaltung<br />

schafft eine Plattform für eine<br />

vielfach verkannte Verfahrensgruppe<br />

und bringt Technologieführer<br />

und Anwender erstmals an einen<br />

gemeinsamen Tisch.<br />

„Das ist längst überfällig, denn<br />

es sind noch viele Fragen offen“, so<br />

Dipl.-Ing. (FH) Markus Vogel, einer<br />

der Initiatoren der Veranstaltung.<br />

Welche Reparaturverfahren gibt es<br />

zurzeit auf dem Markt, was können<br />

sie leisten, nach welchen Kriterien<br />

sind die Techniken planerisch auszuwählen?<br />

Das interessiert die Branche,<br />

und darauf wird die Veranstaltung<br />

in Mainz Antworten geben.<br />

Netzbetreiber, Planer und Hersteller<br />

kommen zu Wort. In Diskussionen<br />

und Vorträgen werden die technische<br />

Bandbreite und die vielfältigen<br />

Einsatzbereiche einer Verfahrensgruppe<br />

aufgezeigt, die in der Sanierungsbranche<br />

zunehmend an Be -<br />

deutung gewinnt.<br />

Reparatur, Renovierung,<br />

Erneuerung<br />

Undichte Leitungen müssen saniert<br />

werden – hierin sind sich alle einig.<br />

Dabei ist die Wahl des geeigneten<br />

Sanierungsverfahrens meist abhängig<br />

von den festgestellten Schäden<br />

und den örtlichen Rahmenbedingungen.<br />

In vielen Fällen ist eine<br />

Sanierung ohne Aufgrabung der<br />

Leitung möglich, was die Bauzeit<br />

und die Beeinträchtigungen von<br />

Anwohnern und Straßenverkehr auf<br />

ein Minimum reduziert. Bei den<br />

Sanierungsverfahren unterscheidet<br />

man zwischen der Renovierung<br />

(Modernisierung durch Innenauskleidung),<br />

der Erneuerung (Ersatz<br />

durch Austausch) und der Reparatur<br />

von Einzelschäden. Zu der letztgenannten<br />

Verfahrensgruppe zählen<br />

unter anderem Injektions- und<br />

Roboterverfahren sowie der Einzug<br />

von Kurzlinern und auch die partielle<br />

Sanierung mit Manschetten.<br />

Technik, Qualität und Regelwerk<br />

im Fokus<br />

Der Präsentation der verschiedenen<br />

Verfahren wird auf dem 1. Deutschen<br />

Reparaturtag genügend Platz<br />

eingeräumt. Die beteiligten Sponsoren<br />

stellen im Rahmen einer um -<br />

fangreichen Fachausstellung den<br />

aktuellen Technikstand vor. Sachverständige<br />

Praktiker berichten von<br />

ihren Erfahrungen rund um das<br />

Thema Kanalsanierung. In seinem<br />

Einführungsvortrag beleuchtet Markus<br />

Vogel die „aktuelle Situation der<br />

Reparaturtechniken und deren<br />

potenzielle Auswirkungen“. Dipl.-<br />

Ing. Caroline Körner von der Stadtentwässerung<br />

Köln AöR nimmt zu<br />

der „Bedeutung der Reparaturtechniken<br />

aus Sicht der Kanalnetzbetreiber“<br />

Stellung. „Zu den weiteren<br />

Schwerpunkten des eintägigen Programms<br />

zählen neben der Vorstellung<br />

des aktuellen Standes der<br />

Technik vor allem die Auseinandersetzung<br />

mit planungsrelevanten<br />

Spachtelroboter<br />

ermöglichen<br />

die partielle<br />

Reparatur<br />

schadhafter<br />

Stellen und die<br />

Sanierung von<br />

Anschlüssen in<br />

Kanalleitungen<br />

DN 200 bis<br />

DN 800.<br />

© KA-TE PMO AG<br />

<br />

September 2012<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 939


Nachrichten<br />

Veranstaltungen<br />

Unterschiedliche Fräs-, Schleif- und Bürstenaufsätze<br />

ermöglichen ein sehr umfangreiches und flexibles<br />

Einsatzspektrum, von der Schaffung geeigneter Klebeflächen,<br />

dem Abfräsen von Ablagerungen, Scherbenbildungen<br />

mit einragenden Kanten, Wurzeleinwüchsen,<br />

seitlich einragenden Zuläufen und sonstigen<br />

Hindernissen bis zum Öffnen von Einläufen.<br />

© KA-TE PMO AG<br />

Je nach Länge des Schadensbildes lassen sich Quick-<br />

Lock Manschetten auch einmal aneinander reihen.<br />

Die überlappende Gummidichtung sorgt für eine<br />

sichere Abdichtung im Überlappungsbereich der<br />

Manschetten. © Uhrig Kanaltechnik GmbH<br />

Bei der Zulaufsanierung können ursächlich Gründe<br />

für gebrochene Anschlusselemente mit behandelt<br />

und das Rohr-Bodensystem lokal stabilisiert werden.<br />

© Umwelttechnik Franz Janßen GmbH<br />

Sachverhalten“, erklärt Organisator<br />

Dr.-Ing. Igor Borovsky von der Technischen<br />

Akademie Hannover. Dipl.-<br />

Ing. (FH) Mario Heinlein, Sprecher<br />

DWA-AG ES-8.15, stellt „Technische<br />

Einsatzmöglichkeiten der Reparaturtechniken<br />

nach DIN EN 15885“<br />

vor, während Dipl.-Ing. Rico Nock,<br />

VOGEL Ingenieure, die „Anforderungen<br />

an die Planung zum Einsatz von<br />

Reparaturverfahren“ erläutert. Auch<br />

Qualitätsaspekte, Gesetze und Normen<br />

kommen nicht zu kurz. Privatdozent<br />

Dr.-Ing. Bert Bosseler, Institut<br />

für unterirdische Infrastruktur (IKT),<br />

geht in seinem Vortrag auf die<br />

„Reparaturverfahren in Forschung,<br />

Prüfung und Warentest“ ein und<br />

Prof. Dr.-Ing. Volker Wagner von der<br />

Hochschule Wismar ordnet die<br />

Reparatur ins technische Regelwerk<br />

ein. Dass sich dabei eine „Reparatur<br />

im Spannungsfeld des Einsatzzieles“<br />

befinden kann, schildert Dipl.-Ing.<br />

Bianca Burger von den Göttinger<br />

<strong>Abwasser</strong>betrieben in ihrem Vortrag,<br />

der sich mit den Themen<br />

Fremdwasserbeseitigung und Dichtheitsprüfung<br />

von Reparaturstellen<br />

beschäftigt.<br />

Unsicherheiten vorhanden<br />

Die Beiträge machen deutlich, dass<br />

eine sachgerechte Kanalsanierung<br />

ohne die Nutzung von bewährten<br />

Reparaturverfahren weder technisch<br />

noch wirtschaftlich möglich<br />

wäre. Hierbei stehen dem Markt<br />

vielfältige, allerdings auch sehr<br />

unterschiedliche Verfahren zur Verfügung.<br />

Deshalb fällt ein Überblick<br />

oft schwer. Planer Vogel erlebt<br />

immer wieder, dass seitens der<br />

Netzbetreiber und Planer zum Teil<br />

erhebliche Unsicherheiten bestehen,<br />

was Reparaturverfahren tatsächlich<br />

leisten können, welche<br />

Qualität erreichbar ist und welche<br />

Faktoren bei der Ausschreibung,<br />

Vergabe und Bauüberwachung<br />

berücksichtigt werden müssen. Wie<br />

finde ich die richtige Technik bei der<br />

Sanierungsplanung und wie schaffe<br />

ich es, dass die richtige Technik<br />

bezüglich des Schadensbildes, der<br />

Rahmenbedingungen und in Bezug<br />

auf den Erfolg einer Sanierungsmaßnahme<br />

auf die richtige Baustelle<br />

kommt? Manche Firmenaussage<br />

suggeriert, dass mit der jeweiligen<br />

Technik praktisch alles<br />

machbar sei. Gerade hier wird es für<br />

den nicht versierten Planer schwierig,<br />

Wunsch und Wirklichkeit zu<br />

erkennen.<br />

Finanziell und regeltechnisch<br />

benachteiligt<br />

Das sind nach Meinung von Vogel<br />

die Kernfragen, mit denen sich Planer<br />

heute auseinandersetzen müssen.<br />

Und das möglichst neutral und<br />

ohne Blick auf die Honorarordnung<br />

und die damit verbundenen wirtschaftlichen<br />

Aspekte der ingenieurtechnischen<br />

Leistung. Damit schneidet<br />

Vogel, Inhaber eines renommierten<br />

Ingenieurbüros, ein überaus<br />

sensibles Thema an. Denn aktuell<br />

ist der Einsatz von Reparaturtechniken<br />

für das Planungsbüro<br />

nicht eben lukrativ. Hinzu kommt:<br />

Während Renovierungsarbeiten mit<br />

Einführung der DIN 18326 Teil C der<br />

VOB als Regelbauverfahren verfahrenstechnisch<br />

gelten, ist für die<br />

Reparaturverfahren außer der DIN<br />

EN 15885 – hierin sind die verschiedenen<br />

Techniken klassifiziert – keine<br />

eigenständige Normung vorhanden.<br />

Es besteht die Gefahr, dass die<br />

Reparaturverfahren in ein Schattendasein<br />

gedrängt werden. Zu<br />

Unrecht, meint Vogel, „denn der Einsatz<br />

der richtigen Technik an der<br />

richtigen Stelle – gerade auch der<br />

Reparaturverfahren – zur richtigen<br />

Zeit ist für den Netzbetreiber oft die<br />

wirtschaftlichste Lösung.“<br />

Impulse geben<br />

Auch hier will die Veranstaltung in<br />

Mainz den Hebel ansetzen. Neben<br />

den Vorträgen soll eine Podiumsdiskussion<br />

zum Thema „Nutzungsdauer<br />

von Reparatureinsätzen“ Hersteller<br />

und beteiligte Fachkreise<br />

dazu animieren, die Normung in<br />

diesem Bereich weiter voranzutreiben.<br />

Davon würden alle Seiten profitieren<br />

– hierin sind sich die Beteiligten<br />

einig. Denn bei den zurzeit<br />

September 2012<br />

940 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Veranstaltungen<br />

Nachrichten<br />

aktuellen Reparaturverfahren handelt<br />

es sich um ausgereifte Techniken,<br />

die seit Jahren mit Erfolg angewendet<br />

werden. Allerdings hängt<br />

ein Erfolg der Sanierungsmaßnahme<br />

sowohl von der Erfahrung<br />

und Fachkenntnis des Planers wie<br />

auch von der Einstellung des Auftraggebers<br />

ab. Will dieser kurzfristig<br />

Löcher stopfen und dabei möglichst<br />

wenig investieren oder nachhaltige<br />

Kanalinstandhaltung betreiben?<br />

Bei der Beantwortung dieser<br />

Frage gibt es im Sinne einer langfristigen<br />

Werterhaltung einer leistungsfähigen<br />

Infrastruktur und im<br />

Sinne des Schutzes unserer Umwelt<br />

keine Alternative. „Wenn ich einen<br />

Schaden frühzeitig feststelle und<br />

rechtzeitig reagiere, kann ich mit<br />

Reparaturverfahren die langfristige<br />

Nutzung des Leitungsnetzes aktiv<br />

und mit geringen Mitteln sicherstellen“,<br />

ist Vogel sicher. Voraussetzung<br />

ist der richtige Umgang mit den<br />

vorhandenen Möglichkeiten, wobei<br />

grundsätzlich gilt, dass mit dem bloßen<br />

optischen Kaschieren eines<br />

Schadens kein langfristiger Sanierungserfolg<br />

zu erzielen ist. „Jeder<br />

Schaden hat eine Ursache. Diese gilt<br />

es zu erkennen und mit den geeigneten<br />

Mitteln darauf zu reagieren“,<br />

so Vogel. Wie das geht? Auch darüber<br />

wird in Mainz diskutiert werden.<br />

Weitere Informationen:<br />

www.reparaturtag.de<br />

Berechnung und Optimierung von<br />

<strong>Wasser</strong>verteilungsnetzen<br />

Sie planen, berechnen und optimieren Rohrnetze der Trinkwasserverteilung?<br />

Sie wollen mehr über die Grundlagen und den Stand der Entwicklung erfahren?<br />

Der DVGW bietet mit dieser<br />

Informationsveranstaltung am<br />

6. und 7. November 2012 in München<br />

einen praxisnahen Überblick.<br />

Die Betreuer und Vortragenden sind<br />

Protagonisten der Lehre, Anwendung<br />

und Dienstleistung sowie<br />

Kenner des einschlägigen technischen<br />

Regelwerks. Die Teilnehmer<br />

können die Möglichkeiten heutiger<br />

Berechnungsprogramme unter professioneller<br />

Anleitung individuell an<br />

ausgewählten Beispielen ausprobieren.<br />

Versorgungsqualität und Wirtschaftlichkeit<br />

eines <strong>Wasser</strong>verteilungssystems<br />

werden im Wesentlichen<br />

durch die Leistungsfähigkeit<br />

des Gesamtsystems und den<br />

Zustand der vorhandenen Rohrleitungen<br />

und technischen Ausrüstung<br />

bestimmt. Sowohl beim Netzaus-<br />

und -rückbau als auch bei<br />

Erneuerungen kann eine hohe Versorgungsqualität<br />

und ein sicherer<br />

Rohrnetzbetrieb bei gleichzeitiger<br />

Minimierung der Investitions- und<br />

Betriebskosten nur durch eine sorgfältige<br />

Konzeption auf der Grundlage<br />

einer Rohrnetzberechnung<br />

sichergestellt werden.<br />

Ausgehend von den Planungsgrundsätzen<br />

und -zielen des DVGW-<br />

Arbeitsblatts W 400-1 „Technische<br />

Regeln <strong>Wasser</strong>verteilungsanlagen<br />

(TRWV) – Teil 1: Planung“ kann eine<br />

solide Rohrnetzberechnung entscheidende<br />

Hinweise zur Leistungsfähigkeit<br />

der vorhandenen Anlagen<br />

und zur optimalen Auslegung des<br />

zukünftigen Rohrnetzes liefern.<br />

Die Planungsansätze für <strong>Wasser</strong>verteilungsanlagen<br />

haben sich in<br />

vielen Regionen aufgrund des veränderten<br />

Verbraucherverhaltens<br />

und der demografischen Entwicklung<br />

einschneidend verändert. Aber<br />

auch die Werkzeuge zur Durchführung<br />

von Rohrnetzberechnungen<br />

haben sich merklich weiterentwickelt.<br />

Einerseits hat die zunehmende<br />

Qualität und Verfügbarkeit<br />

von Geo-/Netzinformationssystemen<br />

(GIS/NIS) und digitalen Netzplänen<br />

in den Versorgungsunternehmen<br />

die Berechnungsmöglichkeiten<br />

stark erweitert. Andererseits<br />

sind bei der planerischen Nutzung<br />

dieser Referenzsysteme die Anforderungen<br />

der Rohrnetzberechnung<br />

besonders zu berücksichtigen und<br />

die mit Netzplanung betrauten<br />

Fachleute müssen sich entsprechend<br />

fortbilden.<br />

Im Einzelnen umfasst das<br />

Veranstaltungsprogramm folgende<br />

Themen:<br />

""<br />

Planungsgrundsätze<br />

""<br />

Physikalische und<br />

mathematische Grundlagen<br />

der Rohrnetzberechnung<br />

""<br />

Netzmodellerstellung<br />

""<br />

Vergleichsmessungen und<br />

Netzkalibrierung<br />

""<br />

Betriebliche (stationäre)<br />

Planungsrechnungen in einem<br />

<strong>Wasser</strong>versorgungsunternehmen<br />

""<br />

Systematische Netzplanung und<br />

-optimierung<br />

""<br />

Möglichkeiten aktueller<br />

Rohrnetzberechnungssoftware<br />

bei Fragestellungen der Netzoptimierung/Zielnetzplanung<br />

Programm und Anmeldung:<br />

DVGW-Hauptgeschäftsführung,<br />

Petra Salz,<br />

Tel. (0228) 9188-604,<br />

Fax (0228) 9188-92-604,<br />

E-Mail: salz@dvgw.de,<br />

www.dvgw.de/angebote-leistungen/<br />

berufsbildung-und-veranstaltungen<br />

September 2012<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 941


Nachrichten<br />

Veranstaltungen<br />

4. Deutscher Tag der Grundstücksentwässerung<br />

Grundstücksentwässerung im Fokus: Ziele, Konzepte, Lösungen<br />

Der 4. Deutsche Tag der Grundstücksentwässerung<br />

am 19. No -<br />

vember 2012 in Dortmund bietet<br />

wieder ausgiebig Gelegenheit, sich<br />

über das vielschichtige Thema<br />

Grundstücksentwässerung zu informieren<br />

und Konzepte und Lösungswege<br />

zu diskutieren.<br />

Grundstücksentwässerungsanlagen<br />

bilden gemeinsam mit den<br />

öffentlichen <strong>Abwasser</strong>anlagen als<br />

untrennbare Einheit das städtische<br />

Entwässerungssystem. Nicht zuletzt<br />

wegen der Fremdwasserproblematik<br />

sind sie dann auch bei der<br />

Wurzeleinwuchs in einen <strong>Abwasser</strong>kanal. © IKT<br />

Kanalsanierung nur gemeinsam zu<br />

betrachten. Diese Erkenntnis setzt<br />

sich immer mehr durch, so dass das<br />

Thema „Grundstücksentwässerung“<br />

stärker in den Fokus von Betreibern,<br />

Öffentlichkeit und sogar der Politik<br />

rückt. Die von der Technischen Akademie<br />

Hannover und dem IKT - Institut<br />

für Unterirdische Infrastruktur<br />

ins Leben gerufene Veranstaltung<br />

hat zum Ziel, neue und konkrete<br />

Lösungswege sowohl im organisatorischen<br />

als auch im technischen<br />

Bereich anzubieten.<br />

Ein wesentlicher Bestandteil des<br />

diesjährigen 4. Deutschen Tags der<br />

Grundstücksentwässerung ist die<br />

aktuelle Situation in NRW. Die<br />

Regierungskoalition im nordrheinwestfälischen<br />

Landtag aus SPD und<br />

Grünen hat sich in ihrem Koalitionsvertrag<br />

darauf geeignet, die Funktionsprüfung<br />

von <strong>Abwasser</strong>kanälen<br />

fortzusetzen. Wie nun konkret die<br />

Neuregelung aussehen wird, soll im<br />

Rahmen dieser Veranstaltung<br />

detailliert erläutert werden.<br />

Weitere Hauptthemen der Veranstaltung<br />

sind:<br />

""<br />

Neue Regelungen in den<br />

Bundesländern<br />

""<br />

Wie geht die Kommunalpolitik<br />

mit der Grundstücksentwässerung<br />

um?<br />

""<br />

Ziele und Vorgehen von Bürgerinitiativen<br />

""<br />

Kommunale Satzungsarbeit:<br />

Fristen, Fremdwasser, <strong>Wasser</strong>schutzgebiete<br />

""<br />

Die neue DIN 1986-30 „Instandhaltung<br />

von Grundstücksentwässerungsanlagen“<br />

""<br />

Kommunale Konzepte und<br />

Bürgerberatung<br />

""<br />

Bildreferenzkatalog<br />

Ein ganzer Vortragsblock widmet<br />

sich der Frage, wie Bürgerinitiativen<br />

dieses Thema betrachten. Die<br />

Tagung wird durch eine Fachausstellung<br />

rund um das Thema Grundstücksentwässerung<br />

abgerundet.<br />

Interessierte Firmen werden gebeten,<br />

mit der TAH Kontakt aufzunehmen.<br />

Weitere Informationen:<br />

Technische Akademie Hannover e.V.,<br />

Dr.-Ing. Igor Borovsky,<br />

Tel. (0511) 394 33-30, Fax (0511) 394 33-40,<br />

E-Mail: info@ta-hannover.de,<br />

www.ta-hannover.de<br />

Löhnberger <strong>Abwasser</strong>tage 2012<br />

Am 7. und 8. November 2012 finden<br />

im Hotel Lahnschleife in<br />

Weilburg an der Lahn, die „Löhnberger<br />

<strong>Abwasser</strong>tage 2012“ statt.<br />

Hochkarätige Referenten stellen<br />

in Vorträgen aktuelle technische<br />

Trends, moderne Verfahren und<br />

praxisnahe innovative Lösungen im<br />

Bereich der <strong>Wasser</strong>- und <strong>Abwasser</strong>technik,<br />

in Industrie und Gewerbe<br />

vor.<br />

Diese praxisorientierte Schulungs-<br />

und Weiterbildungsveranstaltung<br />

für <strong>Abwasser</strong>beauftragte,<br />

Mitarbeiter, Planer und Betreiber<br />

von <strong>Wasser</strong>- und <strong>Abwasser</strong>anlagen<br />

richtet sich sowohl an Industrie,<br />

Gewerbe und Handwerk als auch an<br />

kleinere Betriebe sowie das interessierte<br />

Fachpublikum aus dem Inund<br />

Ausland.<br />

Kontakt:<br />

Arbeitsgemeinschaft <strong>Abwasser</strong>zentrum<br />

Löhnberg,<br />

Postfach 1101,<br />

D-35790 Löhnberg,<br />

Tel./Fax (06477) 911278,<br />

E-Mail: wernerhummloe@aol.com,<br />

www.loehnberger-abwassertage.de<br />

September 2012<br />

942 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Veranstaltungen<br />

In den vergangenen Jahrzehnten<br />

haben sich die<br />

Akzeptanz und das Wissen<br />

auf dem Gebiet des Korrosionsschutzes<br />

erheblich<br />

verändert. Besonders durch<br />

die neue Industrie im Offshore-Sektor<br />

hat man leidvoll<br />

erfahren müssen, dass<br />

eine mangelhafte Planung<br />

und Ausführung von Korrosionsschutzleistungen<br />

zu<br />

er heblichen Kosten bei der<br />

Instandhaltung und Sanierung<br />

der Anlagen führt. Die<br />

klimatischen Verhältnisse<br />

im Bereich der Nord- und<br />

Ostsee führen bereits in<br />

kurzer Zeit zu erheblichen<br />

Korrosions- und Be -<br />

schichtungsschäden. Aber<br />

auch auf anderen Gebieten<br />

der Industrie und des Ingenieurbaus<br />

hat man die<br />

Risiken und ökonomischen<br />

Auswirkungen erkannt, so<br />

dass man verstärkt in die<br />

Planung, Ausführung und<br />

Überwachung investiert.<br />

Das hier angebotene<br />

Seminar richtet sich deshalb<br />

an Auftrag geber, Planer,<br />

Mitarbeiter der Qualitätssicherung,<br />

Projektund<br />

Bau leiter sowie an alle,<br />

die sich mit der Ausführung<br />

und Überwachung von Korrosionsschutzleistungen<br />

be schäftigen. Chronologisch<br />

von der Planung bis<br />

hin zur Ausführung und der<br />

Qualitätssicherung werden<br />

die Themen anschaulich<br />

und praxisgerecht behandelt.<br />

Individuelle Erfahr-<br />

Nachrichten<br />

Fachgerechter Korrosionsschutz<br />

„Von der Planung bis<br />

zur Abnahme“<br />

Intensivseminar, Schulung, Workshop,<br />

12. bis 13. November 2012, Emden<br />

ungen der Teilnehmer oder<br />

Fragen zu bestimmten Problemstellungen<br />

können<br />

direkt behandelt und diskutiert<br />

werden. Ziel dieser Veranstaltung<br />

ist es, auch<br />

Teilnehmern mit bisher<br />

wenigen Erfahrungen und<br />

Kenntnissen die wichtigen<br />

Aspekte des Korrosionsschutzes<br />

näher zu bringen<br />

und den bereits im Korrosionsschutz<br />

tätigen Fachleuten<br />

die Wichtigkeit<br />

besonderer Maßnahmen<br />

und Verhaltensweisen<br />

nochmals zu verdeutlichen.<br />

Das Seminar ist auch als<br />

Vorbereitung für Lehrgänge<br />

und Prüfungen zum Paint-<br />

Inspektor (FROSIO, NACE<br />

oder DINCERTCO) geeignet,<br />

da hier die meisten der dort<br />

gefragten Themen behandelt<br />

werden.<br />

Am Ende des Seminars<br />

sollen alle Teilnehmer mit<br />

der Erkenntnis nach Hause<br />

gehen, dass ein fachgerechter<br />

und langlebiger Korrosionsschutz<br />

kein Hexenwerk<br />

ist, wenn man nur gewisse<br />

und zumeist bekannte<br />

Grundlagen beachtet.<br />

Weitere Informationen:<br />

Helmut Müller Protective Coating<br />

Consult,<br />

Gelsenkirchener Straße 2,<br />

D-26723 Emden,<br />

Tel. (04921) 854 598,<br />

Fax (04921) 586 617,<br />

E-Mail: info@hm-pcc.de,<br />

www.hm-pcc.de<br />

<strong>gwf</strong>Gas<br />

Erdgas<br />

Die Fachzeitschrift für<br />

Gasversorgung und<br />

Gaswirtschaft<br />

Jedes zweite Heft mit<br />

Sonderteil R+S<br />

Recht und Steuern im<br />

Gas- und <strong>Wasser</strong>fach<br />

Vom Fach fürs Fach<br />

Sichern Sie sich regelmäßig diese führende<br />

Publi kation. Lassen Sie sich Antworten geben auf<br />

alle Fragen zur Gewinnung, Erzeugung, Verteilung<br />

und Verwendung von Gas und Erdgas.<br />

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<strong>gwf</strong> Gas/Erdgas erscheint in der Oldenbourg Industrieverlag GmbH, Rosenheimer Str. 145, 81671 München<br />

Vorteilsanforderung per Fax: +49 (0)931 / 4170-492<br />

oder per Post: Leserservice <strong>gwf</strong> • Postfach 91 61 • 97091 Würzburg<br />

Ja, senden Sie mir die nächsten beiden Ausgaben des Fachmagazins <strong>gwf</strong> Gas/<br />

Erdgas gratis zu. Nur wenn ich überzeugt bin und nicht innerhalb von 14 Tagen<br />

nach Erhalt des zweiten Hefts schriftlich absage, bekomme ich <strong>gwf</strong> Gas/Erdgas<br />

für zunächst ein Jahr (12 Ausgaben) zum Preis von € 170,- zzgl. Versand<br />

(Deutschland: € 15,- / Ausland: € 17,50) pro Halbjahr.<br />

Vorzugspreis für Schüler und Studenten (gegen Nachweis) € 85,- zzgl. Versand<br />

pro Halbjahr.<br />

Firma/Institution<br />

Vorname, Name des Empfängers<br />

Straße/Postfach, Nr.<br />

PLZ, Ort<br />

Telefon<br />

E-Mail<br />

Oldenbourg Industrieverlag München<br />

www.<strong>gwf</strong>-gas-erdgas.de<br />

Branche/Wirtschaftszweig<br />

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Datum, Unterschrift<br />

Telefax<br />

2Hefte<br />

gratis<br />

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Kennenlernen!<br />

PAGWFW1111<br />

Widerrufsrecht: Sie können Ihre Vertragserklärung innerhalb von zwei Wochen ohne Angabe von Gründen in Textform (z.B. Brief, Fax, E-Mail)<br />

oder durch Rücksendung der Sache widerrufen. Die Frist beginnt nach Erhalt dieser Belehrung in Textform. Zur Wahrung der Widerrufsfrist genügt<br />

die rechtzeitige Absendung des Widerrufs oder der Sache an den Leserservice September <strong>gwf</strong>, Postfach 2012 91 61, 97091 Würzburg<br />

Nutzung personenbezogener Daten: Für die Auftragsabwicklung und zur Pflege der laufenden Kommunikation werden personenbezogene<br />

Daten erfasst, gespeichert und verarbeitet. Mit dieser Anforderung <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> erkläre ich mich <strong>Abwasser</strong> damit einverstanden, 943<br />

dass ich vom Oldenbourg Industrieverlag<br />

oder vom Vulkan-Verlag per Post, per Telefon, per Telefax, per E-Mail, nicht über interessante Fachangebote informiert und beworben<br />

werde. Diese Erklärung kann ich mit Wirkung für die Zukunft jederzeit widerrufen.


Nachrichten<br />

Veranstaltungen<br />

Qualitätssicherung im Erdbau – ZTVE StB 09<br />

Seminar: Jade Hochschule, 11. Dezember 2012<br />

Erdarbeiten im Straßenbau: die neuen ZTVE-StB 09<br />

liegen vor.<br />

Nach grundlegender Überarbeitung<br />

der Zusätzlichen Technischen<br />

Vertragsbedingungen und<br />

Richtlinien für Erdarbeiten im Straßenbau<br />

liegen nun die neuen ZTVE-<br />

StB 09 vor.<br />

Sie stellen zusammen mit dem<br />

seit Juli verbindlich eingeführten<br />

Eurocode 7 ein zentrales Regelwerk<br />

für die geotechnische Praxis dar, da<br />

in der neuen ZTVE sowohl die<br />

Anforderungen an Erdbauwerke<br />

und die Vorgaben für deren Ausführung<br />

als auch die Prüfmethoden<br />

konkreter als bisher festgelegt wurden.<br />

In einem Seminar am 11. Dezember<br />

2012 werden grundlegende<br />

Aspekte sowohl im theoretischen<br />

Überblick als auch zur praktischen<br />

Vorgehensweise bei der Bewertung,<br />

Berechnung und Dokumentation<br />

von Prüfmethoden und Prüfergebnissen<br />

für den Boden als Baustoff<br />

vermittelt.<br />

Referent ist Prof. Dr.-Ing. Karl<br />

Mallwitz, Gutachter und Sachverständiger<br />

auf dem Gebiet der Geotechnik,<br />

Neubrandenburg.<br />

Das Seminar richtet sich an Mitarbeiter<br />

aus Ingenieurbüros im<br />

Bereich des Erd- und Ingenieurbaues,<br />

an Tiefbauabteilungen von<br />

Behörden und Bauunternehmen<br />

sowie an beratende Ingenieure und<br />

Prüflabore.<br />

Information und Anmeldung:<br />

Jade Hochschule,<br />

Zentrum für Weiterbildung,<br />

Ofener Straße 18,<br />

D-26121 Oldenburg,<br />

Tel. (0441) 361039-20,<br />

Fax (0441) 361039-30,<br />

E-Mail: anke.lueken@jade-hs.de,<br />

www.jade-hs.de/zfW<br />

Erfahrungsaustausch für Vorarbeiter und Meister<br />

2013 erstmals getrennte Veranstaltungen für Vorarbeiter, <strong>Wasser</strong>- und Netzmeister<br />

Aufgrund der überaus positiven<br />

Resonanz auf die Veranstaltungen<br />

in den zurückliegenden<br />

Jahren bietet das Center West<br />

des DVGW-Berufsbildungswerks<br />

die Vorarbeiter-, bzw. Meister-Erfahrungsaustausche<br />

zu aktuellen Fragen<br />

auch zum Beginn des Jahres<br />

2013 wieder an. Auf Anregung aus<br />

den Teilnehmerkreisen wird es im<br />

nächsten Jahr erstmals getrennte<br />

Veranstaltungen exklusiv für <strong>Wasser</strong>meister<br />

bzw. für Netzmeister<br />

geben, um noch gezielter auf die<br />

jeweiligen fachliche Bedürfnisse<br />

eingehen zu können.<br />

Die Termine:<br />

""<br />

Für Vorarbeiter:<br />

am 24. und 25. Januar 2013<br />

""<br />

Für <strong>Wasser</strong>meister:<br />

am 31. Januar und<br />

1. Februar 2013<br />

""<br />

Für Netzmeister:<br />

am 21. und 22. Februar 2013<br />

Die Schwerpunkte werden bei allen<br />

Veranstaltungen auf die Bereiche<br />

„Neuerungen in der Gesetzgebung,<br />

im Regelwerk und in der Technik“,<br />

„Arbeitssicherheit“ „Personalführung<br />

und -Verantwortung“ gelegt.<br />

Natürlich wird auch dem fachlichen<br />

Erfahrungsaustausch mit den<br />

Fachkollegen, Referenten und<br />

Vertretern von Marktpartnerunternehmen<br />

ein breiter zeitlicher<br />

Rahmen eingeräumt.<br />

Weitere Informationen und Anmeldung:<br />

DVGW-Berufsbildungswerk Center West,<br />

Herbert Keß,<br />

Tel. (0228) 9188-713,<br />

E-Mail: kess@dvgw.de,<br />

www.dvgw.de/angebote-leistungen/<br />

berufsbildung-und-veranstaltungen/<br />

veranstaltungsdatenbank/<br />

stichwort-schnellsuche/<br />

September 2012<br />

944 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


SONDERAUSGABE<br />

<strong>Wasser</strong>Stoff<br />

01/12<br />

D e r e . q u a N e w s l e t t e r<br />

Netzwerk Energierückgewinnung<br />

und Ressourcenmanagement<br />

Das e.qua Netzwerk berichtet<br />

Das Branchenhighlight: Die en 3<br />

am 12. und 13. November in Berlin<br />

e-Typen wollen auf den (Branchen-)Gipfel:<br />

Bereits zum dritten Mal lockt die en3 Fachbesucher aus der<br />

<strong>Wasser</strong>- und Energiewirtschaft mit spannenden Themen<br />

und hochkarätigen Referenten nach Berlin .......................... Seite 3<br />

Die Themenallianz<br />

<strong>Abwasser</strong>wärmenutzung<br />

Energie sucht <strong>Wasser</strong>:<br />

Jetzt Ihren Traumpartner finden: Das Energiegeladene<br />

Netzwerk e.qua geht in sein viertes Jahr ..............................Seite 6<br />

Mehr Schlagkraft für die <strong>Abwasser</strong>wärmenutzung:<br />

Die Themenallianz will Marktwachstum begründen ............ Seite 7<br />

Akzeptanz für eine neue Energieform:<br />

Ein Interview mit dem Leiter der zentralen<br />

Projektentwicklung des Netzwerks e.qua zur Themenallianz<br />

<strong>Abwasser</strong>wärmenutzung ....................................................Seite 8<br />

Mitglied der Themenallianz stellt vor:<br />

Huber präsentiert neues Wärmetauschermodul TubeWin ....Seite 8<br />

Aus dem Netzwerk<br />

Vom Start weg einen Schritt voraus:<br />

Das neue e.qua Mitglied, die deematrix GmbH aus Berlin<br />

stellt sich vor ............................................................. Seite 4<br />

Das Netzwerkmitglied Rehau stellt vor:<br />

eine Erweiterung des Schachtprogramms, der<br />

AWASCHACHT PP DN 800 setzt neue Maßstäbe .......... Seite 4<br />

THEMENALLIANZ<br />

ABWASSERWÄRMENUTZUNG<br />

Das e.qua Netzwerk lädt Sie herzlich zur kostenlosen und unabhängigen Informationsveranstaltung<br />

,,Nutzung von <strong>Abwasser</strong>wärme bei der Gebäudeplanung“<br />

am 20.09.2012 in der Siebscheibenhalle der<br />

Kläranlage Dresden-Kaditz ein!<br />

Wir stellen Ihnen eine bisher ungenutzte Energiequelle vor:<br />

>><strong>Abwasser</strong>wärme zur Beheizung und Kühlung von Gebäuden


energy environment engineering<br />

Schirmherr und fachlicher Träger:<br />

Wo fischt man am<br />

Besten nach Energie<br />

im (ab)<strong>Wasser</strong>:<br />

In Berlin<br />

Netzwerk Energierückgewinnung<br />

und Ressourcenmanagement<br />

3<br />

en - der Branchengipfel<br />

und Kongress der <strong>Wasser</strong>und<br />

Energiewirtschaft am<br />

12./13. November 2012<br />

in Berlin<br />

- 2 -<br />

<strong>Wasser</strong>Stoff 01/12


e.qua-Netzwerk berichtet<br />

Das Branchenhighlight:<br />

Die en 3 am 12. und 13. November in Berlin<br />

e-Typen wollen auf den (Branchen-)Gipfel<br />

Fachkongress en 3 lädt zum dritten Mal nach Berlin<br />

B<br />

ereits zum dritten Mal lädt die en 3<br />

(energy, environment, engineering)<br />

am 12./13. November 2012 Fachpublikum<br />

aus <strong>Wasser</strong>- und Energiewirtschaft<br />

zum Branchengipfel in die Hauptstadt<br />

ein. Der Kongress im Berliner andel‘s<br />

Hotel sollte mittlerweile fester Bestandteil<br />

eines jeden Veranstaltungskalenders<br />

sein.<br />

Auch in diesem Jahr lohnt sich die Reise<br />

in die neu formierte Energiemetropole<br />

an der Spree. Bereits das Vorabendprogramm<br />

am 12. November in der exklusiven<br />

a-lounge verspricht ein hochkarätiges<br />

Event zu werden. Hier können<br />

sich z.B. Besucher vom renommierten<br />

Hirnforscher Prof. Dr. med. phil. Manfred<br />

Spitzer erläutern lassen, auf welche Reaktionen<br />

sie sich in welchen Situationen<br />

gefasst machen sollten.<br />

Gestärkt von einem andel’s-typischen,<br />

reichhaltigen Frühstück werden sie am<br />

nächsten Tag vom diesjährigen Moderator,<br />

Jens-Erik Wegner, durch ein abwechslungsreiches<br />

und interessantes<br />

Kongressprogramm geführt. Themenblöcke<br />

in 2012: <strong>Wasser</strong>versorgung, <strong>Abwasser</strong><br />

und Energie.<br />

Zu jedem Themengebiet können auch in<br />

diesem Jahr wieder namhafte Referenten<br />

begrüßt werden, so etwa Otto Schaaf<br />

(Vorstand der Stadtentwässerungsbetriebe<br />

Köln) oder Jörg Simon (Vorstandsvorsitzender<br />

der Berliner <strong>Wasser</strong>betriebe).<br />

Des Weiteren unter den Gästen: Herr<br />

MinDirig Wilfried Kraus (Bundesministerium<br />

für Bildung und Forschung) und<br />

Prof. Dr. Dr. Radermacher: Vortrag auf der en 3 2011<br />

Prof. Dr.-Ing. Jens Wagner (Ostfalia, Fakultät<br />

Versorgungstechnik)<br />

Ausreichend Gelegenheit für den fachlichen<br />

Austausch unter Kollegen bieten<br />

die großzügig bemessenen Kongresspausen.<br />

Dass es sich lohnt, auf der en 3 bis zur<br />

letzten Minute zu bleiben, können Besucher<br />

der vergangenen Jahre bestätigen.<br />

Abschließender Höhepunkt in 2012:<br />

Schlussredner Prof. Dr. Dr. h.c. Ernst<br />

Ulrich von Weizsäcker.<br />

In den nächsten Ausgaben des <strong>gwf</strong>-<br />

Sonderteils <strong>Wasser</strong>stoff informieren wir<br />

fortlaufend über den Kongress, um Leser<br />

auf Themen und Referenten einzustimmen.<br />

Interessenten sollten die Teilnahme<br />

an der en 3 im November schon heute<br />

buchen.<br />

<strong>Wasser</strong>Stoff 01/12 - 3 -


Aus dem Netzwerk<br />

Vom Start weg einen Schritt voraus<br />

Neue e.qua-Netzwerkmitglieder<br />

Teil 1: Die deematrix GmbH aus Berlin<br />

G<br />

erade am Markt und schon prämiert:<br />

Die neu gegründete deematrix<br />

GmbH, Mitglied im Kompetenzverbund<br />

e.qua, ist Preisträger des u.a. von der<br />

Deutschen Bank unterstützten Wettbewerbs<br />

365 Orte im Land der Ideen.<br />

Die Berliner deematrix GmbH unterstützt<br />

Projektentwickler, Investoren,<br />

Architekten und Planer von Immobilienprojekten<br />

bei Neubau und Sanierung.<br />

Dank langjähriger Erfahrung und<br />

themenübergreifenden Know-hows der<br />

Gesellschafter und Partner vermag das<br />

Unternehmen zahlreiche Innovationen<br />

aus den Bereichen Erneuerbare Energien<br />

und Energieeffizienz in Kundenprojekte<br />

einzubeziehen sowie mit großer Preis-<br />

Leistungsorientierung zu arbeiten.<br />

3 Fragen an den Geschäftsführer der<br />

deematrix GmbH, Axel Popp:<br />

<strong>Wasser</strong>Stoff: Herr Popp, was macht Ihr<br />

Unternehmen genau?<br />

Axel Popp: Wir verfügen über Haustechnik-Komponenten<br />

die eine Anlagenaufwandszahl<br />

von bis zu 0,3 ermöglichen.<br />

Vereinfacht: Wir setzen neue energetische<br />

Maßstäbe in den Bereichen Heizen<br />

und Kühlen.<br />

<strong>Wasser</strong>Stoff: Was hat das mit <strong>Wasser</strong><br />

und <strong>Abwasser</strong> zu tun?<br />

Axel Popp: Nun, es geht um Projekte zur<br />

Energieeffizienz, die auch in der <strong>Wasser</strong>wirtschaft<br />

relevant sind. Bei uns geht<br />

es vor allem um eine integrale Betrachtung<br />

von Haustechnik und Gebäudehülle.<br />

In diesem Segment gibt es z.B. eine zentrale<br />

Schnittstelle zwischen Haustechnik<br />

und Projekten zur <strong>Abwasser</strong>wärmenutzung<br />

.<br />

<strong>Wasser</strong>Stoff: Was ist das Schlüsselprodukt<br />

in Ihrem Portfolio?<br />

Axel Popp: Das ist der Langzeitenergiespeicher<br />

eTank in Verbindung mit unserer<br />

patentierten Energiezentrale.<br />

Mehr Informationen unter:<br />

www.deematrix.de<br />

Das Netzwerkmitglied REHAU stellt vor<br />

Erweiterung des Schachtprogramms<br />

REHAU setzt mit dem AWASCHACHT PP DN 800 neue Maßstäbe<br />

G<br />

emäß einer Studie des Gelsenkirchener<br />

Instituts für Unterirdische<br />

Infrastruktur (IKT) ist fast die Hälfte aller<br />

Kanalschächte bereits nach dem Einbau<br />

undicht. Betroffen sind meist traditionelle<br />

Materialien wie Beton, da sie besonders<br />

anfällig für Korrosion sind. Um<br />

diesen und auch anderen Schadensbildern<br />

entgegenzuwirken, bietet der Systemanbieter<br />

REHAU eine komplette Ka-<br />

nalnetzlösung aus Polypropylen an. Die<br />

durchdachten Konstruktionen und Materialien<br />

tragen dazu bei, teure und aufwändige<br />

Sanierungen zu vermeiden. Mit<br />

dem AWASCHACHT PP DN 800 erhält die<br />

bewährte Schachtfamilie nun Zuwachs.<br />

Flexibel und langlebig<br />

Der neue AWASCHACHT PP DN 800 fügt<br />

sich in das vorhandene System ein und<br />

schließt die Lücke zwischen den Abmessungen<br />

DN 1000 und DN 600. Er eignet<br />

sich besonders dann, wenn mit knappem<br />

Budget eine hochwertige Lösung benötigt<br />

wird. Aufgrund seiner Größe ist er ideal<br />

- 4 -<br />

<strong>Wasser</strong>Stoff 01/12


Aus dem Netzwerk<br />

Mit der Schachtfamilie AWASCHACHT DN 1000, 800 und 600 sowie<br />

den passenden Rohr-und Anschlusssystemen lassen sich Kanalnetze<br />

bedarfsgerecht und effizient planen.<br />

Der AWASCHACHT PP DN 800 ist ein echter<br />

Einsteigeschacht.<br />

für den innerstädtischen Bereich, wo<br />

platzsparende Bauweise nicht zu Lasten<br />

der Funktion gehen darf. Oder dann,<br />

wenn Reinigungs- und Kontrollmaßnahmen<br />

am Kanalsystem vorwiegend mit<br />

modernen Geräten ausgeführt werden,<br />

aber dennoch die Möglichkeit des Einstiegs<br />

durch Personal bestehen soll.<br />

Der Kanalschacht ist besonders langlebig.<br />

Bereits dem AWASCHACHT PP DN<br />

1000 sowie dem Hochlastkanalrohrsystem<br />

AWADUKT PP wurde durch die<br />

Landesgewerbeanstalt Nürnberg nach<br />

umfangreichen Prüfungen eine Nutzungsdauer<br />

von mindestens 100 Jahren<br />

attestiert. Zusätzlich wurde das System<br />

„Rohr-Schacht-Anschlüsse“ durch das<br />

IKT-Institut für Unterirdische Infrastruktur<br />

gGmbH in einer Langzeitprüfung erfolgreich<br />

auf Fremdwasserdichtheit getestet.<br />

Bedarfsgerecht und passend<br />

REHAU bietet mit der Schachtfamilie DN<br />

1000, 800 und 600 sowie passenden<br />

Rohr- und Anschlusssystemen aus hochwertigem<br />

Polypropylen für jede Anwendung<br />

die richtige Lösung. Ferner sind<br />

alle Schächte auch als Energieumwandlungsschacht<br />

oder als Twinschacht mit<br />

getrennten Rohrleitungen für <strong>Abwasser</strong><br />

und Regenwasser in einem Schacht erhältlich.<br />

Mehr Informationen unter:<br />

www.rehau.de/awaschacht<br />

Mit dem neuen AWASCHACHT PP DN 800 erhält die zukunftssichere<br />

und bewährte Schachtfamilie von REHAU Zuwachs.<br />

<strong>Wasser</strong>Stoff 01/12<br />

- 5 -


Die Themenallianz <strong>Abwasser</strong>wärmenutzung<br />

Energie sucht <strong>Wasser</strong>:<br />

Jetzt Ihren Traumpartner finden<br />

Das energiegeladene Netzwerk e.qua geht in sein viertes Jahr<br />

2009, als e.qua seinen Anfang nahm,<br />

herrschte in der <strong>Wasser</strong>wirtschaft Ungewissheit,<br />

was von diesem neuen Akteur<br />

zu halten sei. Seine Ziele und Arbeitsweisen<br />

waren weitgehend unbekannt.<br />

Zu wem er womöglich im Wettbewerb<br />

stünde – und zu wem nicht – wusste man<br />

ebenso wenig.<br />

Heute, drei Jahre später, besitzt das Netzwerk<br />

ein klares Profil. e.qua ist mittlerweile<br />

in der Branche bekannt und anerkannt.<br />

Im Mittelpunkt von e.qua: das synergetische<br />

Verhältnis von <strong>Wasser</strong> und Energie.<br />

Will man das Netzwerk in Wirken und Wirkung<br />

mit einem Satz beschreiben, muss<br />

dieser allerdings etwas länger ausfallen:<br />

e.qua ist Kompetenzzentrum und bundesweite<br />

Anlaufstelle in allen Fragen der<br />

wasserwirtschaftlichen Energierückgewinnung<br />

und Energieeffizienz, fungiert<br />

als branchenspezifische Marketing- und<br />

Energieeffizienzagentur in Einem. Seine<br />

fachlichen Säulen sind die Themen <strong>Abwasser</strong>,<br />

<strong>Wasser</strong>versorgung und Ressourcenmanagement.<br />

Ganz klar macht e.qua aber auch, was es<br />

nicht ist: Das Netzwerk ist weder Regelwerksgeber<br />

noch Herstellervereinigung.<br />

Seine Expertise und exzellenten Verbindungen<br />

in Branche und Politik jedenfalls<br />

wissen immer mehr Unternehmen<br />

zu schätzen. Weit über 60 Firmen und<br />

Institutionen haben sich dem Verbund<br />

mittlerweile über eine Mitgliedschaft<br />

oder Kooperationen angeschlossen. Mit<br />

gutem Grund. Denn e.qua stärkt nicht<br />

nur die Umsetzung Kubra GmbH · Wartenburger von Straße umweltpolitisch<br />

84 · 06901 Kemberg, OT Globig<br />

relevanten energetischen Maßnahmen in<br />

der <strong>Wasser</strong>wirtschaft, sondern durch den<br />

Auf- und Ausbau von Märkten auch ganz<br />

konkret die mit ihm verbunden<br />

Unternehmen sowie letztendlich Betreiber<br />

und Stadtwerke.<br />

Wenn auch Sie über Lösungen, Produkte<br />

oder Dienstleistungen im Bereich der<br />

wasserwirtschaftlichen Energieeffizienz,<br />

Energierückgewinnung oder des wasserwirtschaftlichen<br />

Ressourcenmanagements<br />

verfügen bzw. ein interessiertes<br />

Betreiberunternehmen oder Stadtwerk<br />

sind, das entsprechende Projekte umsetzen<br />

möchte und einen starken Partner<br />

sucht, sind Sie bei e.qua fündig geworden.<br />

Denn wir suchen ständig nach<br />

„e.Typen“, die zu uns passen und freuen<br />

uns auf eine zielorientierte Beziehung.<br />

Sind Sie dabei?<br />

IBU<br />

GmbH Industrie- und Kunststofftechnik<br />

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Sind Sie ein -Typ? Jetzt den richtigen Partner finden.<br />

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Kubra GmbH<br />

Telefon: 03 49 27 753-0 Geschäftsführer: Udo Brabender<br />

Industrie- und Kunststofftechnik Telefax: 03 49 27 753-80 Steuernummer: 115/111/01796<br />

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Ihr Logo<br />

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INGENIEURGESELLSCHAFT FÜR WASSER - UND ABWASSERTECHNIK<br />

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Dipl.-Ing. Planungsbüro,<br />

immer eine kreative Idee<br />

Geschäftsführerin Stadtwerk,<br />

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Leiter Klärwerk,<br />

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24.04.2012 09:01:38<br />

- 6 - <strong>Wasser</strong>Stoff 01/12


Die Themenallianz <strong>Abwasser</strong>wärmenutzung<br />

Mehr Schlagkraft für die<br />

<strong>Abwasser</strong>wärmenutzung<br />

Themenallianz will Marktwachstum begründen<br />

Bislang von der Öffentlichkeit<br />

noch fast<br />

unbemerkt hat sich unter<br />

dem Dach des Berliner<br />

Netzwerks e.qua die<br />

„Themenallianz <strong>Abwasser</strong>wärmenutzung“<br />

als<br />

neue Branchenorganisation<br />

formiert. Zusammengeschlossen<br />

haben sich<br />

Herstellerunternehmen<br />

und Ingenieurbüros sowie<br />

der Fachverbund e.qua, zu<br />

dessen Themenschwerpunkten<br />

u.a. die <strong>Abwasser</strong>wärmenutzung<br />

zählt.<br />

Die neu gegründete Allianz<br />

tagt regelmäßig,<br />

inzwischen schon zum<br />

sechsten Mal, zu strategischen<br />

und technischen<br />

Fragen rund um das Thema<br />

<strong>Abwasser</strong>wärmenutzung<br />

in Stuttgart, das<br />

zum Zentrum für Überlegungen<br />

hinsichtlich eines<br />

gemeinsamen Branchenaufbaus,<br />

der Stimulation<br />

von Marktentwicklungen<br />

sowie der politischen Ansprache<br />

geworden ist.<br />

THEMENALLIANZ<br />

ABWASSERWÄRMENUTZUNG<br />

Neben dem Initiator e.qua zählen u.a.<br />

die Branchenprimi Uhrig Kanaltechnik<br />

GmbH, HUBER SE, die Brandenburger<br />

Liner GmbH sowie das Berliner Ingenieurbüro<br />

ECO.S zu den Gründungsmitgliedern.<br />

Ziel der Themenallianz ist es, das jeweils<br />

einzelne Engagement in den Bereichen<br />

technische Entwicklung und Marketing<br />

zu bündeln und als starke Gemeinschaft<br />

die <strong>Abwasser</strong>wärmenutzung im Rahmen<br />

der Diskussionen zur Energiewende<br />

erfolgreicher zu platzieren. Der Zusammenschluss<br />

soll stetig mit dem Markt<br />

wachsen und will künftig weitere Hersteller<br />

und spezialisierte Ingenieurbüros<br />

einbinden.<br />

In den folgenden Ausgaben des <strong>gwf</strong>-<br />

Sonderteils <strong>Wasser</strong>stoff werden wir<br />

kontinuierlich über die Hintergründe der<br />

Themenallianz <strong>Abwasser</strong>wärmenutzung<br />

sowie über Entwicklungen und Projekte<br />

aus diesem Verbund berichten.<br />

<strong>Wasser</strong>Stoff 01/12<br />

- 7 -


Die Themenallianz <strong>Abwasser</strong>wärmenutzung<br />

Akzeptanz für eine neue Energieform<br />

Interview mit dem Leiter der zentralen Projektentwicklung des Netzwerks e.qua<br />

zur Themenallianz <strong>Abwasser</strong>wärmenutzung<br />

<strong>Wasser</strong>Stoff: Herr Lang, seit wann gibt<br />

es die Themenallianz <strong>Abwasser</strong>wärmenutzung?<br />

J. Lang: Die Initiative kam bereits im<br />

Sommer vergangenen Jahres aus unserem<br />

Netzwerk. Nach einigen Vorgesprächen<br />

läuft die konkrete Facharbeit nun<br />

intensiv seit Anfang 2012.<br />

<strong>Wasser</strong>Stoff: Was genau ist das Ziel des<br />

gesonderten Verbunds Themenallianz<br />

<strong>Abwasser</strong>wärmenutzung innerhalb von<br />

e.qua?<br />

J. Lang: Das fachliche Spektrum von<br />

e.qua ist bekanntlich wesentlich breiter<br />

als das Thema <strong>Abwasser</strong>wärmenutzung.<br />

Das Netzwerk beschäftigt sich mit praktisch<br />

allen Fragen der Energieeffizienz<br />

und Energierückgewinnung in der <strong>Wasser</strong>wirtschaft.<br />

Dennoch liegt uns das<br />

Thema <strong>Abwasser</strong>wärmenutzung besonders<br />

am Herzen. Deshalb war es uns<br />

wichtig, die einzelnen Akteure zusammenzuführen<br />

und auch unser eigenes<br />

Engagement rund um dieses Thema gezielt<br />

in der Einheit zu stärken.<br />

<strong>Wasser</strong>Stoff: Was ist von der Themenallianz<br />

zu erwarten?<br />

J. Lang: Die Themenallianz wirkt wie<br />

ein Fachverband. Zunächst ist es unerlässlich,<br />

alle vorhandenen Kennzahlen,<br />

z.B. zu Amortisationszeiten, Wirtschaftlichkeit,<br />

aber insbesondere auch über<br />

Existenz und Größe des entsprechenden<br />

Marktes selbst, unter den verschiedensten<br />

Autoren von Studien etc. zusammenzuführen.<br />

Wir wollen fundiert<br />

untermauern, dass es einen Markt für<br />

diese Technologie gibt, exakt benennen<br />

können wie groß dieser ist und dokumentieren,<br />

dass Projekte der <strong>Abwasser</strong>wärmenutzung<br />

wirtschaftlich sind und<br />

sich lohnen.<br />

Daneben wird es verstärkt Aufklärungskampagnen<br />

und Öffentlichkeitsarbeit<br />

geben, um bestehenden Vorbehalten im<br />

Markt entgegenzuwirken. Wesentlicher<br />

Bestandteil unseres Vorhabens ist auch<br />

die Positionierung des Themas in der Politik<br />

sowie im Bereich von Gebäude- und<br />

HLS-Planern, damit diese vernachlässigte<br />

Energieform vermehrt Anwendung<br />

findet.<br />

<strong>Wasser</strong>Stoff: Ist die Themenallianz ein<br />

geschlossenes Konstrukt oder offen für<br />

neue Akteure?<br />

J. Lang: In der Themenallianz ist jeder<br />

herzlich willkommen, der Sachverstand<br />

oder Produkte bzw. Dienstleistungen<br />

in diesem Bereich anbietet. Selbstverständlich<br />

sind wir jederzeit an einer<br />

fachlichen Bereicherung des Verbundes<br />

interessiert.<br />

Herr Lang, wir danken Ihnen für dieses<br />

Gespräch!<br />

Ein Mitglied der Themenallianz AWN stellt vor:<br />

HUBER TubeWin – denn Wärme gehört nicht weggespült<br />

I<br />

mmer mehr Kommunen, aber auch<br />

Hochhäuser und große Bürokomplexe<br />

erkennen das Potenzial an Energie, welches<br />

mit ihrem <strong>Abwasser</strong> zumeist ungenutzt<br />

durch den Kanal in eine Kläranlage<br />

läuft. Aus diesem Grund hat HUBER vor<br />

noch nicht allzu langer Zeit den außerhalb<br />

des Kanalsystems aufgestellten <strong>Abwasser</strong>wärmetauscher<br />

RoWin mit zahlreichen<br />

Anwendungen erfolgreich in den<br />

Markt eingeführt. Nicht immer lassen<br />

jedoch die vorhandenen Platzverhältnisse,<br />

die vorgefundene Kanalsituation<br />

oder die Möglichkeit einer ortsnahen<br />

Wärmenutzung diese effiziente Außenaufstellung<br />

zu. Die Entwickler von Huber<br />

haben mit einem modular aufgebauten<br />

Wärmetauscherelement auf diese Situationen<br />

reagiert, um den weiteren „Siegeszug<br />

der Energiegewinnung aus dem<br />

Kanal“ noch schneller voranzutreiben.<br />

Dieses Modul, als HUBER TubeWin bezeichnet,<br />

kann weitestgehend unabhängig<br />

von der vorgefundenen Kanalform<br />

und dem Kanaldurchmesser in diesem<br />

auf sehr einfache Art fixiert werden und<br />

sorgt aufgrund seiner konstruktiven<br />

Gestaltung für eine stets vollständige<br />

Überströmung mit <strong>Abwasser</strong> bei gleichzeitiger<br />

Verhinderung von Verstopfungen<br />

durch im <strong>Abwasser</strong> mitgeführte Störstoffe.<br />

Der gesamte Wärmeaustausch findet<br />

hierbei auf intelligente Art im <strong>Abwasser</strong>kanal<br />

statt und durch einfache Verlängerung<br />

der Wärme-Austauschstrecke ist<br />

das Gesamtsystem hervorragend an erforderliche<br />

Situationen anzupassen.<br />

Dem <strong>Abwasser</strong>strom wird somit Energie<br />

entzogen, welche mittels einer Wärmepumpe<br />

auf ein nutzbares Temperaturniveau<br />

von 35 – 55°C gebracht wird. Teuer<br />

bezahlte Energie aus Dusch- und Kochabwässern<br />

kann somit in den Wärmekreislauf<br />

des Gebäudes zurückgeführt<br />

werden und schont nicht nur den Geldbeutel<br />

sondern auch die Umwelt.<br />

e.qua Energieforum Stralauer Platz 34 10243 Berlin<br />

Fon +49 30 2936457-0 Fax +49 30 2936457-10<br />

www.e-qua.de<br />

info@e-qua.de<br />

Senatsverwaltung für Wirtschaft,<br />

Technologie und Frauen<br />

Dieses Projekt wird hälftig mit Bundes- und Landesmitteln<br />

aus der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen<br />

Wirtschaftsstruktur“ (GRW) finanziert.


Vereine, Verbände und Organsisationen<br />

Nachrichten<br />

GW 301-Zertifikate nach neuem Regelwerk<br />

Fachunternehmen durchlaufen das Umstellverfahren der DVGW CERT GmbH<br />

Das Unternehmen TESCH Industrie-<br />

und Rohrleitungsbau<br />

GmbH aus Essen hat sich im März<br />

2012 als erstes Unternehmen der<br />

DVGW CERT GmbH der Überprüfung<br />

nach dem neuen DVGW-<br />

Arbeitsblatt GW 301:2011-10<br />

gestellt und konnte seine fachliche<br />

Kompetenz im erdverlegten Rohrleitungsbau<br />

positiv nachweisen –<br />

damit verfügt das Unternehmen<br />

jetzt über eine Zertifizierung nach<br />

den neuesten Regeln der Technik!<br />

Weitere Fachunternehmen haben<br />

sich seitdem ebenfalls positiv den<br />

Anforderungen des neuen Arbeitsblattes<br />

bei der Überprüfung durch<br />

die Experten der DVGW CERT GmbH<br />

gestellt und befinden sich im<br />

Umstellverfahren bzw. haben dies<br />

bereits durchlaufen.<br />

Die erste GW 301-Überprüfung<br />

nach dem neuen Regelwerk fand<br />

zudem unter der Aufsicht der Deutschen<br />

Akkreditierungsstelle DAkkS<br />

statt und wurde der DVGW CERT<br />

GmbH im Rahmen der notwendigen<br />

internen Regelwerksumstellung<br />

ihrer Akkreditierung erfolgreich<br />

bescheinigt.<br />

Die DVGW CERT GmbH führt seit<br />

dem 1. April 2012 alle Erst- und Verlängerungszertifizierungen<br />

ausschließlich<br />

nach dem neuen Regelwerk<br />

durch. Bestehende Zertifizierungen<br />

bleiben jedoch bis zum<br />

Ende ihrer Laufzeit unverändert gültig.<br />

Auf Kundenwunsch ist selbstverständlich<br />

auch eine außerordentliche<br />

Überprüfung und Umstellung<br />

auf das neue Regelwerk<br />

während der noch vorhandenen<br />

Zertifikatslaufzeit nach dem alten<br />

Regelwerk jederzeit möglich.<br />

Haben sich Fragen zur Zertifizierung<br />

ergeben? Die DVGW CERT<br />

GmbH informiert Interessenten<br />

auch in einem persönlichen<br />

Gespräch entweder im Unternehmen<br />

oder in den Geschäftsräumen<br />

in Bonn oder Berlin.<br />

Kontakt:<br />

DVGW CERT GmbH,<br />

Team „Fachunternehmenszertifizierung“,<br />

Tel. (0228) 9188-847,<br />

Fax (0228) 9188-993<br />

Leute<br />

Nachrichten<br />

Harald Otto 80 Jahre alt<br />

Am 8. August 2012 feierte<br />

Dr.-Ing. Harald Otto diesen<br />

runden Geburtstag. Mehr als 25<br />

Jahre, von 1969 bis 1995, arbeitete<br />

er hauptamtlich für den DVGW. In<br />

dieser Zeit leitete er den Bereich<br />

<strong>Wasser</strong>ver sorgung, und war stellvertretender<br />

Hauptgeschäftsführer<br />

<strong>Wasser</strong>. Harald Otto war einer der<br />

wesentlichen Neugestalter des<br />

Technischen Regelwerkes für die<br />

Trinkwasser-Installation, der<br />

DIN 1988. Unter seiner Leitung entstanden<br />

ebenfalls die Grundlagen<br />

für die meisten Produktanforderungen,<br />

nach denen der DVGW heute<br />

seine Zertifizierungen durchführt.<br />

Harald Otto war einer der Wegbereiter<br />

der internationalen und<br />

europäischen Arbeit im <strong>Wasser</strong>fach.<br />

Seine Mitarbeit in den Gremien der<br />

Kommissionen EU 12 und EU 14 von<br />

EUREAU (<strong>Wasser</strong>zähler und Schutz<br />

des Trinkwassers) waren wichtige<br />

Voraussetzungen für die späteren,<br />

inzwischen fast abgeschlossenen<br />

Arbeiten des TC 164 von CEN.<br />

Dr. Otto ist gekennzeichnet<br />

durch eine außergewöhnliche Persönlichkeit<br />

mit hoher natürlicher<br />

Autorität. Neben seiner unbestrittenen<br />

Fachkompetenz zeichnet er<br />

sich insbesondere durch seinen<br />

feinsinnigen Humor und herzlichen<br />

Umgang mit den Menschen aus.<br />

Jeder, der ihn kennengelernt hat, sei<br />

es auf beruflicher oder privater<br />

Ebene, erinnert sich gerne an ihn.<br />

Harald Otto erfreut sich einer<br />

sehr guten Gesundheit. Er verbringt<br />

seinen Ruhestand zusammen mit<br />

seiner Familie in Detmold.<br />

Das gesamte <strong>Wasser</strong>fach gratuliert<br />

ihm sehr herzlich zu seinem<br />

Geburtstag.<br />

September 2012<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 953


Recht und Regelwerk<br />

Vorhabensbeschreibung<br />

Überarbeitung des Merkblattes DWA-M 143-14 „Sanierung von Entwässerungssystemen<br />

außerhalb von Gebäuden; Teil 14: Sanierungsstrategien“<br />

Nach Veröffentlichung des Merkblattes<br />

DWA-M 143-14 sind<br />

maßgebliche Teile des Merkblattes<br />

in die überarbeitete Norm DIN EN<br />

752 „Entwässerungssysteme außerhalb<br />

von Gebäuden“ eingeflossen.<br />

Außerdem hat die DWA-Arbeitsgruppe<br />

ES-8.9, in der auch Systemanbieter<br />

mitarbeiten, das DWA-<br />

Thema „Leitfaden zur strategischen<br />

Sanierungsplanung von Entwässerungssystemen<br />

außerhalb von<br />

Gebäuden“ erarbeitet.<br />

Nach Erarbeitung des DWA-Themas<br />

besteht der Bedarf, die merkblattrelevanten<br />

Inhalte aus dem<br />

Leitfaden in die Überarbeitung des<br />

Merkblattes DWA-M 143-14 einfließen<br />

zu lassen. Außerdem soll das<br />

Merkblatt DWA-M 143-14 an die<br />

europäische Normung (insbesondere<br />

DIN EN 752) angepasst werden<br />

und somit eine Verknüpfung zwischen<br />

europäischer Normung und<br />

DWA-Regelwerk geschaffen werden.<br />

Das Merkblatt wird durch die<br />

Arbeitsgruppe ES-8.9 „Sanierungsstrategien“<br />

(Sprecher: Ltd.BD Dipl.-<br />

Ing. Hans-Wilhelm Froitzheim) im FA<br />

ES-8 „Zustandserfassung und Sanierung“<br />

(Obmann: Dr.-Ing. Christian<br />

Falk) überarbeitet.<br />

Hinweise für die Überarbeitung<br />

nimmt die DWA-Bundesgeschäftsstelle<br />

entgegen. Der Bearbeitungszeitraum<br />

ist von Mitte 2012 bis Ende<br />

2014 geplant.<br />

Kontakt:<br />

DWA, Dipl.-Ing. Christian Berger,<br />

Theodor-Heuss-Allee 17,<br />

D-53773 Hennef,<br />

Tel. (02242) 872-126,<br />

Fax (02242) 872-184,<br />

E-Mail: berger@dwa.de<br />

Merkblatt DWA-M 773:<br />

<strong>Abwasser</strong> aus der Weinbereitung<br />

Mit dem Merkblatt DWA-M 773<br />

„<strong>Abwasser</strong> aus der Weinbereitung“<br />

werden Verfahren nach dem<br />

Stand der Technik bzw. den besten<br />

verfügbaren Techniken (BVT) zur<br />

Behandlung von <strong>Abwasser</strong> aus der<br />

Wein- und Sektbereitung beschrieben<br />

und Empfehlungen und Hilfen<br />

zur Lösung technischer Probleme<br />

gegeben. Es werden produktionsintegrierte<br />

Maßnahmen sowohl zur<br />

Reduzierung der <strong>Abwasser</strong>belastung<br />

als auch anderer Umweltmedien<br />

dargestellt.<br />

Das Merkblatt wurde von der<br />

Arbeitsgruppe IG-2.17 „<strong>Abwasser</strong><br />

aus der Weinbereitung“ erarbeitet.<br />

Die Arbeitsgruppe setzt sich zusammen<br />

aus Mitgliedern des DWA-<br />

Fachausschusses IG-2 „Industrieabwasser<br />

mit organischen Inhaltsstoffen“,<br />

den Verbänden der Wein- und<br />

Sektbereitung, regionalen Behördenvertretern,<br />

Planungsbüros,<br />

Anlagenherstellern, Forschungseinrichtungen,<br />

Kellereibetrieben und<br />

Erzeugergenossenschaften.<br />

Das Merkblatt DWA-M 773<br />

„<strong>Abwasser</strong> aus der Weinbereitung“<br />

ist eine Fortschreibung der Aussagen<br />

zur Behandlung von Abwässern<br />

aus der Wein- und Sektbereitung,<br />

das im Jahr 1999 veröffentlicht<br />

wurde. Seither hat sich die Technologie<br />

im Bereich der <strong>Abwasser</strong>behandlung<br />

fortentwickelt, der produktionsintegrierte<br />

Umweltschutz<br />

eine stärkere Bedeutung gewonnen<br />

und energetische und betriebswirtschaftliche<br />

Fragen bestimmen<br />

heute die alternativen Verwertungskonzepte<br />

der Nebenprodukte. Die<br />

im Merkblatt aus dem Jahr 1999<br />

getroffenen Aussagen geben nicht<br />

mehr den Stand der Technik wieder.<br />

Das vorliegende gleichnamige<br />

Merkblatt DWA-M 773 stellt eine<br />

Aktualisierung und Erweiterung des<br />

bisherigen Merkblattes dar. Es<br />

ersetzt die erste Fassung aus dem<br />

Jahr 1999.<br />

Die wein- und sektspezifischen<br />

abwassertechnischen Anforderungen<br />

des im Jahr 2005 veröffentlichten<br />

BVT-Merkblattes über die besten<br />

verfügbaren Techniken in der<br />

Nahrungsmittelindustrie sind berücksichtigt.<br />

Das Merkblatt richtet sich<br />

insbesondere an Wein und Sekt<br />

verarbeitende Betriebe, Betreiber<br />

kommunaler <strong>Abwasser</strong>anlagen,<br />

Fachbehörden der <strong>Wasser</strong>wirtschaft,<br />

Ingenieurbüros und Anlagenhersteller.<br />

Information:<br />

Juli 2012, 71 Seiten,<br />

ISBN 978-3-942964-41-8,<br />

Ladenpreis 72,00 Euro,<br />

fördernde DWA-Mitglieder 57,60 Euro.<br />

Herausgeber und Vertrieb:<br />

DWA Deutsche Vereinigung für<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaft, <strong>Abwasser</strong> und Abfall e.V.,<br />

Theodor-Heuss-Allee 17,<br />

D-53773 Hennef,<br />

Tel. (02242) 872-333,<br />

Fax (02242) 872-100,<br />

E-Mail: info@dwa.de,<br />

DWA-Shop: www.dwa.de/shop<br />

September 2012<br />

954 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Recht und Regelwerk<br />

Regelwerk <strong>Wasser</strong><br />

W 120-1: Qualitätsanforderungen für die Bereiche Bohrtechnik, Brunnenbau,<br />

-regenerierung, -sanierung und -rückbau, 8/2012<br />

Nach dem DVGW-Arbeitsblatt<br />

W120 wird die Zertifizierung<br />

von Bohr- und Brunnenbauunternehmen<br />

bereits seit 1991 durchgeführt.<br />

Für die beantragten Tätigkeitsgruppen<br />

wird in den Unternehmen<br />

durch unabhängige Gutachter<br />

geprüft, ob die dafür notwendige<br />

gerätetechnische Ausstattung in<br />

einem ordnungsgemäßen Zustand<br />

vorhanden ist, das Fachpersonal<br />

und insbesondere der verantwortliche<br />

Fachmann über ausreichende<br />

Kenntnisse der Materie verfügen<br />

und die organisatorischen Abläufe<br />

im Unternehmen den allgemeinen<br />

Anforderungen entsprechen. Das<br />

Zertifikat ist somit ein wichtiger<br />

Bestandteil der Qualitätssicherung<br />

im Rahmen der Auftragsvergabe<br />

und Durchführung von Brunnenbauprojekten,<br />

da es über die Einforderung<br />

im Leistungsverzeichnis<br />

zum vertraglichen Bestandteil der<br />

Vereinbarung zwischen Auftraggeber<br />

und Auftragnehmer wird.<br />

Mit der Fassung der W 120 von<br />

2005 wurde auf Wunsch der Bohrfirmen<br />

die Geothermie erstmals in das<br />

bewährte W 120-Zertifizierungsverfahren<br />

aufgenommen, da eine vergleichbare<br />

Zertifizierung für den<br />

Bereich der oberflächennahen Geothermie<br />

zu diesem Zeitpunkt noch<br />

nicht verfügbar war. Die Ergebnisse<br />

der Zertifizierung im Bereich der<br />

Geothermie waren allerdings nicht<br />

zur Zufriedenheit aller Beteiligten<br />

und haben an einigen Stellen zu<br />

Kritik geführt. Um dem zu begegnen<br />

hat der DVGW die W120 von<br />

2005 unmittelbar einer erneuten<br />

Revision unterzogen. Insbesondere<br />

im Bereich der oberflächennahen<br />

Geothermie wurde noch weiterer<br />

Regelungsbedarf gesehen, um eine<br />

Qualitätssicherung ähnlich der im<br />

Brunnenbau für die oberflächennahe<br />

Geothermie zu etablieren. Im<br />

Wesentlichen wurden die Kriterien<br />

des BWP-Gütesiegels Erdwärmesonden<br />

in einen gesonderten Teil 2<br />

der W 120 übernommen, der sich<br />

nun ausschließlich mit der oberflächennahen<br />

Geothermie beschäftigt.<br />

Mit der als Weißdruck veröffentlichten<br />

W 120 Teil 1 wird der<br />

ursprüngliche Bereich des Bohrund<br />

Brunnenbaus zur <strong>Wasser</strong>gewinnung<br />

eine umfassende Grundlage<br />

für die Zertifizierung der dort tätigen<br />

Unternehmen zur Verfügung<br />

gestellt. Insbesondere ist die Aufnahme<br />

des Betrieblichen Management<br />

Systems zu erwähnen, die den<br />

heutigen Anforderungen an die<br />

Organisation der Unternehmensabläufe<br />

angemessen Rechnung trägt.<br />

Preis:<br />

€ 28,72 für Mitglieder;<br />

€ 38,29 für Nichtmitglieder.<br />

W 249: Entfernung von Arsen, Nickel und Uran bei der <strong>Wasser</strong>aufbereitung, 7/2012<br />

Das Arbeitsblatt W 249 ist als<br />

Weißdruck erschienen<br />

Arsen, Nickel und Uran erreichen<br />

gelegentlich im <strong>Wasser</strong>, das zur<br />

Trinkwassergewinnung genutzt<br />

wird, Konzentrationen, die eine Entfernung<br />

dieser Stoffe erforderlich<br />

machen können. Mit Verkündung<br />

der ersten Verordnung zur Änderung<br />

der Trinkwasserverordnung<br />

am 1. November 2011 wurde neben<br />

den bisher geltenden Grenzwerten<br />

für Arsen (10 µg/L) und Nickel<br />

(20 µg/L) auch für Uran ein Grenzwert<br />

von 10 µg/L eingeführt. In<br />

diesem Arbeitsblatt werden die<br />

we sent lichen Regeln beschrieben,<br />

die bei der Beurteilung der Notwendigkeit<br />

von aufbereitungstechnischen<br />

Maßnahmen zur Verminderung<br />

der Konzentration dieser<br />

Stoffe und bei der Auswahl geeigneter<br />

Aufbereitungsmaßnahmen zu<br />

beachten sind. Vorausgesetzt wird,<br />

dass alle Maßnahmen geprüft und<br />

ggf. ergriffen wurden, um die Einträge<br />

dieser Stoffe in das <strong>Wasser</strong> zu<br />

verhindern bzw. zu minimieren und<br />

diese Maßnahmen nicht zum Erfolg<br />

geführt haben. Auf solche Maßnahmen<br />

wird im Arbeitsblatt hingewiesen,<br />

aber es wird darauf nicht näher<br />

eingegangen.<br />

Dieses Arbeitsblatt wurde vom<br />

Projektkreis „Entfernung anorganischer<br />

Stoffe“ im Technischen Komitee<br />

„<strong>Wasser</strong>aufbereitungsverfahren“<br />

erarbeitet. Es dient als Grundlage<br />

für die Entfernung von Arsen, Nickel<br />

und Uran im Rahmen der zentralen<br />

Trinkwasseraufbereitung. Es kann<br />

sinngemäß auch für Kleinanlagen<br />

nach DIN 2001 angewendet werden.<br />

Das Arbeitsblatt gilt nicht für<br />

die <strong>Wasser</strong>behandlung in Trinkwasser-Installationen.<br />

Zur Entsorgung<br />

der anfallenden Rückstände wird<br />

auf die Arbeitsblattreihe DVGW<br />

W 221 verwiesen.<br />

Preis:<br />

€ 28,72 für Mitglieder;<br />

€ 38,29 für Nichtmitglieder.<br />

Bezugsquelle:<br />

wvgw Wirtschafts- und Verlagsgesellschaft<br />

Gas und <strong>Wasser</strong> mbH,<br />

Josef-Wirmer-Straße 3,<br />

D-53123 Bonn,<br />

Tel. (0228) 9191-40,<br />

Fax (0228) 9191-499,<br />

www.wvgw.de<br />

September 2012<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 955


FachberichtE <strong>Wasser</strong>versorgung<br />

Auf dem Weg zu einem neuen<br />

Tarifmodell in der deutschen<br />

<strong>Wasser</strong>versorgung<br />

Teil 2: Modell und Umsetzung<br />

<strong>Wasser</strong>versorgung, <strong>Wasser</strong>wirtschaft, Tarifmodelle, Deutschland<br />

Mark Oelmann und Siegfried Gendries<br />

Dieser Artikel bildet die Fortsetzung des in der Ausgabe<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong>|<strong>Abwasser</strong>, Heft 7-8, 2012, veröffentlichten<br />

Beitrags. Darin wurde die Bedeutung der<br />

Datenbasis sowie einer früh einsetzenden Kommunikation<br />

insbesondere mit der Politik dargelegt. Im<br />

vorliegenden Aufsatz steht die Vorstellung des letztendlich<br />

gewählten Tarifmodells im Vordergrund. Das<br />

zugrundeliegende Modell hat den Vorzug, dass es<br />

nicht nur das Ziel eines 50 %igen Anteils der Systeman<br />

den Gesamteinnahmen über alle Kunden hinweg<br />

erfüllt, sondern gleichzeitig die Be- und Entlastungen<br />

für die Kunden zum Umstellungszeitpunkt minimiert.<br />

Towards New Tariff Models in the German Water<br />

Supply Sector – Part 2: Model and Implementation<br />

This article is a sequel to an essay published in the<br />

last issue of <strong>gwf</strong> <strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>. Its theme was the<br />

importance of an appropriate data base as well as an<br />

early established communication, especially with<br />

local politicians. The following article puts the introduction<br />

of the finally chosen tariff structure in the<br />

center of attention. The applied model has the advantage<br />

that it does not only achieve the goal of generating<br />

50 % of the total earnings through system earnings<br />

across all customers, but also at the same time<br />

minimizes burdens as well as reliefs for the customers<br />

at the date of transition.<br />

1. Einleitung<br />

Dieser Artikel stellt die unmittelbare Fortsetzung des in<br />

der vorherigen Ausgabe publizierten ersten Teils zur<br />

Tarifmodellentwicklung und -umsetzung dar. Es wurde<br />

herausgearbeitet, dass die Entwicklung neuer Tarifmodelle<br />

eine sehr komplexe Aufgabe darstellt, die alle<br />

Unternehmensbereiche betrifft. Die Segmente Recht,<br />

Controlling, Finanzen, Technik, Vertrieb, Kundenservice,<br />

Marketing und Kommunikation sind im Verlaufe des<br />

Projekts in unterschiedlichem Ausmaß gefragt. Angesichts<br />

der enormen öffentlichen Aufmerksamkeit, die<br />

die Veränderung von Tarifstrukturen mit sich bringen<br />

kann, sollte es im ureigenen Interesse der Unternehmensführung<br />

sein, die Prozesse eng zu steuern und die<br />

zentralen Leitlinien vorzugeben.<br />

Die einzelnen Bausteine des Projekts zur Tarifmodellentwicklung<br />

und -umsetzung wurden vom Ende her<br />

geplant. Dabei kristallisierten sich zwei zentrale Anforderungen<br />

an das letztendliche Tarifmodell heraus:<br />

""<br />

Für jeden von der Öffentlichkeit betrachteten Einzelfall<br />

muss unmittelbar darstellbar sein, wie sich die<br />

Be- und Entlastungs wirkungen für einzelne Kunden<br />

und Kundengruppen zum Umstellungszeitpunkt<br />

gestalten.<br />

""<br />

Während der Umstellungsphase anderer <strong>Wasser</strong>versorger<br />

war zu beobachten, dass einzelne Interessenvertreter<br />

eine detaillierte Begründung für die mittelund<br />

langfristige Vorteilhaftigkeit eines Umstiegs auf<br />

ein neues Tarifmodell einforderten. Die <strong>Wasser</strong>versorger<br />

standen daher vor der Herausforderung, darzulegen,<br />

wie ein verändertes Tarifmodell die Mengen-<br />

und damit auch Preisentwicklung in der mittleren<br />

bis langen Frist beeinflusst.<br />

Die genannten Anforderungen unterstreichen die bereits<br />

im vorherigen Artikel verdeutlichte Relevanz der Datenaufbereitung<br />

und -generierung. Eine Modellierung, die<br />

auf sämtlichen zur Verfügung stehenden Kundendaten<br />

basiert, ist aber auch aus ureigenem Interesse des <strong>Wasser</strong>versorgers<br />

nötig. Schließlich darf eine Tarifmodellumstellung<br />

nicht im „Blindflug“ geschehen. Vielmehr ist<br />

sicherzustellen, dass die Umsätze mit dem neuen Modell<br />

nicht hinter denen des im Ausgangszustand genutzten<br />

Modells zurückbleiben. Gleichzeitig muss den Gremien<br />

glaubhaft und nachvollziehbar – im Idealfall sogar testiert<br />

– dargelegt werden, dass mit der Tarifumstellung<br />

keine Umsatzsteigerung erzielt werden soll. Damit sich<br />

die Umsätze überhaupt miteinander vergleichen lassen,<br />

September 2012<br />

956 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


<strong>Wasser</strong>versorgung<br />

Fachberichte<br />

ist auf einer gesicherten Basis zu modellieren. Darüber<br />

hinaus ist eine solche Datenbasis die Grundlage für viele<br />

zukünftige Aufgaben eines <strong>Wasser</strong>versorgers. Mittel- und<br />

langfristige Nachfrageprognosen, z. B. als Grundlage<br />

einer fundierten Netzplanung, haben ihren Ausgangspunkt<br />

in einer solchen Daten basis.<br />

Gegenstand dieses Artikels ist im Weiteren die Vorstellung<br />

des eigentlichen Tarifmodells.<br />

2. Das Tarifmodell im Einzelnen<br />

2. 1 Fixkostendeckung als primäres Ziel<br />

Das oberste Ziel der Tarifmodellumstellung war die signifikante<br />

Erhöhung des Anteils der Grundpreis- an den<br />

Gesamteinnahmen. Im Sinne einer ökonomisch effizienten<br />

Allokation wäre es erstrebenswert gewesen, dass<br />

sich Kosten- und Erlösfunktion vollständig decken. Fixe<br />

Tarifbestandteile hätten entsprechend die vollständige<br />

Deckung der fixen Kosten übernommen. Unabhängig<br />

davon, ob dabei die eigene Kostenzuordnung gewählt<br />

oder auf die in der Branche verfügbaren Anteile zurückgegriffen<br />

worden wäre 1 , in der Summe hätten sich Einnahmen<br />

aus Grundpreisen als Anteil an den Gesamteinnahmen<br />

von nahezu 80 % ergeben. Davon wurde bei<br />

RWW jedoch abgesehen und stattdessen für die neue<br />

Tarifstruktur ein Verhältnis von 50 % Grundpreiseinnahmen<br />

zu 50 % Arbeitspreiseinnahmen gewählt. Dies stellt<br />

einen Kompromiss zwischen den Zielen der Nachhaltigkeit<br />

der <strong>Wasser</strong>ressourcen sowie der Nachhaltigkeit des<br />

Versorgungssystems dar.<br />

Dies sieht auch die gängige Rechtsprechung als<br />

Schwellenwert an und bietet daher eine gleichermaßen<br />

auskömmliche wie rechtssichere Basis (OLG Naumburg,<br />

Urteil vom 13.11.2008 - Aktenzeichen 6 U 63/08). Zwingend<br />

zu beachten, sind die kommunalabgabenrechtlichen<br />

Vorgaben des Äquivalenzprinzips. Danach hat die<br />

Bemessung nach der Inanspruchnahme der Systemleistung<br />

zu erfolgen. Hier wird darauf abgestellt, dass schon<br />

der Anschluss an ein System mit Lieferbereitschaft und<br />

der Möglichkeit der Inanspruchnahme die Entgeltpflicht<br />

begründet. Dabei kommt es nicht auf die tatsächliche<br />

bezogene <strong>Wasser</strong>menge an.<br />

Der bei RWW für das gesamte Tarifkundensegment<br />

auf 50 % gestiegene Fixpreisanteil ist dabei ein Garant<br />

für eine höhere Preisstabilisierung, der Mengenpreisanteil<br />

trägt hingegen dem Ressourcenschutz Rechnung.<br />

Wenngleich damit auch nicht das tatsächliche Verhältnis<br />

der Kostenstruktur abgebildet werden konnte, so<br />

wurde dennoch eine wichtige Annäherung an das tatsächliche<br />

Kostenverhältnis erreicht.<br />

2.2 Elemente des neuen Tarifsystems<br />

Die neue Tarifstruktur beginnt zunächst mit der Einführung<br />

des Begriffs „Systempreis“. Dieser semantische<br />

1 [1] etwa weist als Fixkosten einen Anteil von 76,63 % an den<br />

Gesamtkosten aus.<br />

Im Vordergrund stehen Ausgewogenheit und Übersichtlichkeit<br />

Tarif alt 20 % 80 % optional<br />

Tarif neu 50 % 50 % optional<br />

Schritt soll noch stärker als der bislang verwendete<br />

Begriff „Grundpreis“ verdeutlichen, dass die ihm<br />

zugrunde liegenden Kostenanteile aus der Systemvorhaltung<br />

und dem Betrieb des <strong>Wasser</strong>versorgungssystems<br />

abgeleitet werden (Bild 1).<br />

Neben der reinen Begrifflichkeit hat sich auch die<br />

Bemessungsgrundlage verändert. Während für die bisherige<br />

Bestimmung der fixen Erlöskomponente der<br />

Zähler und dessen Größe für die Tarifhöhe ausschlaggebend<br />

waren, wird zukünftig beim Systempreis zwischen<br />

„Wohngebäuden“ und „Gewerbe und sonstige versorgten<br />

Einheiten“ unterschieden. Diese Unterscheidung<br />

wird der Divergenz im Nutzungsverhalten des <strong>Wasser</strong>versorgungssystems,<br />

der Abhängigkeit von der Vorhalteleistung<br />

sowie der Volatilität der Abnahme gerecht.<br />

Im Systempreis ist die erforderliche Ausstattung mit<br />

einem Standardwasserzähler bis zu einer Größe von<br />

Qn 10 bereits enthalten. Dadurch entfällt zukünftig der<br />

Preisunterschied bei den Zählergrößen, der bekanntermaßen<br />

ein gegenwärtig mehr als strittiges Thema in der<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaft darstellt. Dieser Diskussionspunkt ist<br />

für die RWW zukünftig weitgehend erledigt. Lediglich<br />

beim Einsatz von Großwasserzählern fällt kostenbedingt<br />

ein Mehrpreis an, der entsprechend eine Komponente<br />

des sogenannten Servicepreises ist.<br />

Der Begriff „Mengenpreis“ wurde beibehalten und<br />

stellt nach wie vor den Preis für einen Kubikmeter nachgefragten<br />

<strong>Wasser</strong>s dar.<br />

2.2.1 Der Systempreis<br />

2.2.1.1 Systempreis für Wohngebäude mit<br />

Wohn einheiten-Maßstab<br />

In der Tarifgruppe Wohngebäude ist die Größe des<br />

Wohngebäudes, gemessen an der Anzahl der Wohneinheiten,<br />

ausschlaggebend für die Höhe des Systempreises.<br />

Während sich der bisherige Grundpreis an der Zählergröße<br />

orientierte und damit unabhängig von der<br />

Anzahl der Nutzer für das gesamte Gebäude galt, ist<br />

nunmehr entscheidend, wie viele Haushalte von dem<br />

Systemanschluss und damit von der Vorhalteleistung<br />

und Systembereitstellung profitieren. Auf diese Weise<br />

wird der Tatsache Rechnung getragen, dass das Versor-<br />

Bild 1.<br />

Elemente<br />

des neuen<br />

Tarif modells.<br />

September 2012<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 957


FachberichtE <strong>Wasser</strong>versorgung<br />

Bild 2. Verteilung der <strong>Wasser</strong>gebräuche in Fünffamilienhäusern.<br />

Bild 4. Systempreis für Nicht-Wohngebäude.<br />

Bild 3. Systempreise je Wohngebäude.<br />

gungssystem und dessen Leistungsbereitschaft für<br />

jeden Haushalt weitgehend gleichermaßen vorgehalten<br />

werden.<br />

Neben der Anzahl der Wohneinheiten sind grundsätzlich<br />

auch noch andere Bemessungsgrundlagen wie<br />

z. B. Wohnfläche oder Personenanzahl pro Haushalt<br />

denkbar 2 . Zwei Vorteile sprechen jedoch für die Nutzung<br />

der Angabe „Anzahl der Wohneinheiten“. Zunächst<br />

ist diese Größe relativ geringen Änderungen und damit<br />

sehr überschaubarem administrativen Aufwand unterworfen.<br />

Eine erste Erhebung muss zwar – wie später<br />

ausgeführt wird – durchgeführt werden, anschließend<br />

bleibt die Situation jedoch äußerst konstant. Der zweite<br />

Vorteil besteht darin, dass der <strong>Wasser</strong>gebrauch pro<br />

Haushalt in den jeweiligen Gruppen der verschiedenen<br />

Wohngebäudegrößen vergleichsweise homogen ausfällt.<br />

Während Kunden mit einem Qn 2,5-Anschluss von<br />

0 m³/a bis zu mehreren 1000 m³/a nachfragen, fällt die<br />

Schwankungsbreite bezogen auf die Wohngebäude-<br />

Größen deutlich geringer aus. Bild 2 veranschaulicht<br />

beispielhaft für Fünffamilienhäuser, dass 90 % der Haushalte<br />

in solchen Wohngebäuden eine Schwankungsbreite<br />

zwischen 50 und 120 m³/a aufweisen.<br />

In der Konsequenz wird eine Tarifumstellung bei<br />

einem wohneinheiten-basierten System deutlich geringere<br />

Be- und Entlastungen zur Folge haben, als wenn<br />

der Zähler weiterhin die Bemessungsgrundlage bildet.<br />

Die Etablierung eines 50 %igen Fixpreisanteils in einem<br />

zählerbasierten System würde für die Extremwerte, also<br />

die jeweiligen Gering- und Vielgebraucher, inakzeptable<br />

Be- und Entlastungen zum Umstellungszeitpunkt verursachen.<br />

Natürlich existieren auch in Fünffamilienhäusern<br />

Zähler mit sehr niedrigen Gebräuchen pro Haushalt.<br />

Hier setzt eine speziell entwickelte Ausreißeranalyse an.<br />

Damit konnten solche Gebäude identifiziert werden,<br />

deren Gebrauchsmenge und simulierte Belastung deutlich<br />

unter den Durchschnittswerten lag. Gleichzeitig<br />

gelang es damit, Gebäude mit einem extrem hohen<br />

Leerstand herauszufiltern. Dies ist insofern problemlos<br />

möglich, weil die Berechnung tatsächlich auf Basis<br />

sämtlicher Kundendaten stattfand. Ebenfalls kommt es<br />

jedoch möglicherweise – insbesondere bei den kleinen<br />

Wohngebäuden, bei denen keine Nivellierungen zwischen<br />

wenig- und viel gebrauchenden Haushalten<br />

durch die Nebenkostenumlage existieren – zu Fällen mit<br />

sehr niedrigen Gebräuchen und damit erheblichen<br />

Belastungssprüngen zum Umstellungszeitpunkt. Hierzu<br />

muss der <strong>Wasser</strong>versorger eigene Leitlinien entwickeln,<br />

denen er im Rahmen seiner Kommunikationsstrategie<br />

möglichst stringent folgt. Eine Unternehmenspolitik,<br />

die unterschiedlichen Gesprächspartnern jeweils unterschiedliche<br />

Ausnahmen anbietet, wird nicht tragen und<br />

rechtlich wegen Verstoßes gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz<br />

nicht haltbar sein.<br />

Neben der Bemessungsgrundlage „Anzahl der<br />

Wohneinheiten“ war im nächsten Schritt eine Entscheidung<br />

darüber zu treffen, ob jeder Haushalt unabhängig<br />

von seiner Wohngebäudegröße denselben Systempreis<br />

zahlen soll. Ein solches Szenario wird als linearer Systempreis<br />

bezeichnet. Diese einfache Ermittlung des<br />

2<br />

Zur etwas tiefer gehenden Diskussion von Grundgebührenmaßstäben<br />

siehe etwa [2] und [3].<br />

September 2012<br />

958 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


<strong>Wasser</strong>versorgung<br />

Fachberichte<br />

Grundpreises findet schon heute bei den bereits be -<br />

stehenden wohneinheiten-basierten Tarifsystemen<br />

Anwendung. Sie ist in Gemeinden mit relativ homogener<br />

Siedlungsstruktur und eher kleineren Wohngebäuden<br />

durchaus angemessen. Im Fall der RWW mit<br />

Wohngebäuden von bis zu 150 Haushalten ist dies hingegen<br />

indiskutabel. Die Belastungen zum Umstellungszeitpunkt<br />

würden in Einzelfällen um bis zu 200 % steigen.<br />

Dadurch würde eine Situation kreiert, die sich auch<br />

technisch nicht realisieren ließe. Die Kritik von Gawel [4],<br />

wonach die zuzurechnenden Fixkosten selbstverständlich<br />

nicht proportional mit der Wohngebäudegröße<br />

steigen, würde hier voll greifen. Insofern wurde an dieser<br />

Stelle ein neues Verfahren entwickelt.<br />

Das durchschnittliche Wohngebäude im RWW-Versorgungsgebiet<br />

weist 2,71 Wohneinheiten auf. Exakt<br />

hier bei einem Wohngebäude mit 2,71 Wohneinheiten<br />

würde ein Haushalt den linearen Systempreis bezahlen.<br />

Um in der Summe in der Gruppe der Wohngebäude<br />

einen gesamten Systempreisanteil an den Gesamteinnahmen<br />

von 50 % durchzusetzen, zahlt ein Haushalt in<br />

einem 1- oder 2-Familienwohngebäude mehr als den<br />

linearen Systempreis. In einem 3- bis n-Familienwohngebäude<br />

zahlt er hingegen entsprechend weniger.<br />

Der Tarifverlauf ist dank der individuell auf die Bedingungen<br />

im RWW-Versorgungsgebiet ausgerichteten<br />

Degression folglich derart gestaltet, dass die Systempreisanstiege<br />

mit steigender Gebäudegröße immer weiter<br />

sinken. Auf diese Weise können nicht vermittelbare<br />

Belastungssprünge zum Zeitpunkt der Umstellung vermieden<br />

werden. Zudem werden die Skaleneffekte bei<br />

Mehrfamilienhäusern und die technisch bedingten<br />

Beschränkungen einer tatsächlich gleichzeitigen Leistungsinanspruchnahme<br />

berücksichtigt.<br />

Die jährlichen Systempreise je Wohngebäude für bis<br />

zu 48 Wohneinheiten können aus Bild 3 entnommen<br />

werden.<br />

2.2.1.2 Systempreis für Gewerbe und sonstige<br />

versorgte Einheiten<br />

Von der Gruppe der Haushaltskunden ist innerhalb des<br />

Tarifkundensegments die Kundengruppe „Gewerbe und<br />

sonstige versorgte Einheiten“ zu unterscheiden. Sie subsummiert<br />

alle Nachfrager, die nicht überwiegend zu<br />

Wohnzwecken genutzte Versorgungseinheiten darstellen<br />

(bspw. Produktionsgebäude, Werkstätten, Verwaltungen,<br />

Schulen, Krankenhäuser etc.). Die von diesen<br />

Kunden gestellten Anforderungen an die <strong>Wasser</strong>versorgung<br />

sowie die dort zukünftig zu erwartenden Entwicklungen<br />

unterscheiden sich teilweise sehr deutlich von<br />

denen im Haushaltssektor. Dies betrifft insbesondere<br />

die Anforderungen an die Versorgungssicherheit, die<br />

kurz- oder längerfristigen Schwankungen im <strong>Wasser</strong>gebrauch<br />

oder auch den Einfluss äußerer Randbedingungen<br />

wie z. B. Konjunkturschwankungen oder Betriebsferien<br />

auf den <strong>Wasser</strong>bedarf. Den besonderen Charakteristika<br />

und den sich daraus ergebenden Anforderungen<br />

an die <strong>Wasser</strong>versorgung stehen teilweise erhöhte<br />

Aufwendungen seitens der RWW gegenüber, die dem<br />

Grundprinzip folgend auch Berücksichtigung in der<br />

neuen Tarifstruktur finden sollten.<br />

Der neue RWW-Tarif sieht somit zehn verschiedene<br />

Verbrauchsklassen vor (Bild 4). Die entsprechende<br />

Klassifikation geschieht entsprechend des Jahresverbrauchs.<br />

Liegt dieser gem. Tabelle 1 z. B. zwischen 500<br />

und 999 m³/a, so zahlt der Kunde den Systempreis der<br />

Klasse 3. In Anlehnung an die aus der <strong>Abwasser</strong>entsorgung<br />

bekannten Einwohnergleichwerte [2] bestimmt<br />

sich der Systempreis einer Klasse aus demjenigen Systempreis,<br />

den der durchschnittliche gewerbliche Kunde<br />

dieser Klasse zahlen würde, „wäre er ein Wohngebäude“.<br />

Vor diesem Hintergrund wird nicht der Terminus Einwohner-,<br />

sondern Wohngebäude-Gleichwert verwendet.<br />

Insbesondere in den unteren Klassen sind die Systempreise<br />

derart angelegt, dass es für den Kunden<br />

keine Rolle spielt, ob er als Wohngebäude-Kunde oder<br />

als gewerblicher Kunde eingestuft wird. Ein gewerblicher<br />

Kunde mit einem Durchschnittsverbrauch von<br />

bspw. 45 m³/a (z. B. eine Bäckerei) zahlt in der Klasse 1<br />

einen Systempreis in Höhe von 212,14 € pro Jahr<br />

(brutto). Dieser Betrag ist identisch mit dem Systempreis<br />

eines Einfamilienhauses, da die Verbrauchsmengen<br />