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gwf Wasser/Abwasser GFK-Speichersysteme (Vorschau)

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2/2014<br />

Jahrgang 155<br />

DIV Deutscher Industrieverlag GmbH<br />

www.<strong>gwf</strong>-wasser-abwasser.de<br />

ISSN 0016-3651<br />

B 5399<br />

www.amitech-germany.de<br />

FLOWTITE<br />

<strong>GFK</strong>-<strong>Speichersysteme</strong><br />

• Kanalrohrleitungen<br />

• Druckrohrleitungen<br />

• Trinkwasserleitungen<br />

• Stauraumkanalsysteme<br />

• <strong>Wasser</strong>kraftleitungen<br />

• Trinkwasserspeicher<br />

• <strong>GFK</strong>-Sonderprofile<br />

• Industrieleitungen<br />

• Brunnenrohre<br />

• Schächte<br />

• Bewässerungsleitungen<br />

• Brückenrohre<br />

A Member of the<br />

Group


www.di-verlag.de<br />

Die <strong>Wasser</strong>versorgung im<br />

antiken Rom<br />

Jetzt bestellen!<br />

Sextus Iulius Frontinus, Leiter der antiken römischen<br />

<strong>Wasser</strong>versorgung<br />

Sextus Iulius Frontinus wurde im Jahre 97 n. Chr. durch Kaiser Nerva zum Leiter der<br />

<strong>Wasser</strong>versorgung der Stadt Rom (curator aquarum) berufen. Aus diesem Anlass verfasste er<br />

eine Schrift, die unter dem Titel „De aquaeductu urbis Romae – Die <strong>Wasser</strong>versorgung der Stadt<br />

Rom“ überliefert worden ist. Frontin gibt darin einen Überblick über den Stand des Wissens<br />

bezüglich Management, Technik und Organisation der öffentlichen <strong>Wasser</strong>versorgung. Er<br />

begegnet uns als moderner Manager einer großstädtischen <strong>Wasser</strong>versorgung; seine Schrift<br />

kann als erstes Lehrbuch des Faches gelten. Die zweisprachige Ausgabe basiert auf einer<br />

sorgfältigen Überprüfung des lateinischen Textes sowie einer neuen Übersetzung ins Deutsche.<br />

Dreizehn begleitende Aufsätze, verfasst von international renommierten Vertretern der Alten<br />

Geschichte, Altphilologie und Literaturgeschichte, Archäologie und Ingenieurwissenschaften<br />

behandeln die Editionsgeschichte des Werkes, die Gestalt Frontins in ihrer politischen und<br />

sozialen Umwelt, die Organisation und Administration der <strong>Wasser</strong>versorgung, diskutieren<br />

Messtechnik und hydraulische Kenntnisse, Rohrnormung und bautechnische Fragen, und<br />

gehen ein auf die öffentlichen Bäder, Brunnenanlagen, Toiletten und <strong>Abwasser</strong>leitungen zur<br />

Zeit Frontins. Abbildungen, Karten und Tabellen ergänzen das Buch.<br />

Hrsg.: Frontinus Gesellschaft e.V.<br />

4. völlig neu bearbeitete Auflage 2013<br />

284 Seiten, vierfarbig, Hardcover mit Schutzumschlag<br />

DIV Deutscher Industrieverlag GmbH, Arnulfstr. 124, 80636 München<br />

ISBN: 978-3-8356-7107-2<br />

Preis: € 89,80<br />

WISSEN FÜR DIE<br />

ZUKUNFT<br />

Bestellung per Fax: +49 201 / 820 Deutscher 02-34 Industrieverlag oder GmbH abtrennen | Arnulfstr. und 124 im | Fensterumschlag 80636 München einsenden<br />

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___Ex.<br />

Die <strong>Wasser</strong>versorgung im antiken Rom<br />

4. Auflage 2013 – ISBN: 978-3-8356-7107-2 für € 89,80 (zzgl. Versand)<br />

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Zur Wahrung der Widerrufsfrist genügt die rechtzeitige Absendung des Widerrufs oder der Sache an die Vulkan-Verlag GmbH,<br />

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vom DIV Deutscher Industrieverlag oder vom Vulkan-Verlag per Post, per Telefon, per Telefax, per E-Mail, nicht über interessante, fachspezifische Medien und Informationsangebote informiert und beworben werde.<br />

Diese Erklärung kann ich mit Wirkung für die Zukunft jederzeit widerrufen.


| STANDPUNKT |<br />

Grundwasserschutz als Qualitätsziel für<br />

Bohr- und Brunnenbauarbeiten<br />

Wer beim Metzger ein Stück Fleisch kauft, legt seine<br />

Anforderungen an Gewicht und Typ ausdrücklich<br />

fest. Der Metzger muss weitere Anforderungen<br />

berücksichtigen, die der Kunde nicht direkt kommuniziert,<br />

jedoch schweigend voraussetzt, wie z. B. Frische und mikrobiologische<br />

Unbedenklichkeit. Hinzu kommen gesetzliche Forderungen,<br />

die bei der Aufzucht der Nutztiere und deren<br />

Verarbeitung zu beachten sind. Im täglichen Leben treffen wir<br />

immer wieder auf einen Qualitätsbegriff, den wir als Kunde<br />

und Endabnehmer von Produkten und Dienstleistungen in<br />

verschiedenen Abstufungen kennen. Bücherregale sind voll<br />

mit Ratgebern, die sich mit guter, mittlerer oder schlechter<br />

Qualität in allen Lebensbereichen auseinander setzen. Zahlreiche<br />

Kurse und Schulungen führen den Begriff „Qualität“ in<br />

ihrem Titel.<br />

Im Gegensatz zum täglichen Einkauf von Lebensmitteln<br />

beurteilen wir in der Technik die Qualität streng nach zuvor<br />

festgelegten Anforderungen für eine bestimmte Nutzung<br />

eines Produkts oder einer handwerklichen Leistung („conformance<br />

to requirements“ und „fitness or use“). Qualität ist hier<br />

eine Gesamtheit von Merkmalen, die sowohl materielle wie<br />

immaterielle Eigenschaften und Nutzungsanforderungen erfüllen.<br />

Der Erfüllungsgrad ist ein Maßstab für die Beurteilung,<br />

ob die Qualitätsmerkmale eingehalten wurden oder nicht. Die<br />

Prozessqualität entscheidet wesentlich über den Erfüllungsgrad,<br />

ob die Arbeitsabläufe eines Unternehmens die an sie<br />

gerichteten Qualitätsanforderungen erfüllen können. Zertifizierungsverfahren<br />

und regelmäßige Audits sollen helfen, qualitätsbeeinflussende<br />

Prozesse so zu gestalten, dass die<br />

geforderte Produkt- oder Gewerkqualität zielgerichtet hervorgebracht<br />

werden kann.<br />

Eines der immateriellen, erfolgskritischen Merkmale, die<br />

bei der Herstellung eines Brunnens oder bei Tiefbauarbeiten<br />

während der Arbeiten im und oberhalb des Grundwasserraums<br />

besonders zu berücksichtigen sind, ist der Grundwasserschutz.<br />

Eine der wesentlichen Errungenschaften unseres<br />

urbanen Lebens ist die sogenannte „hygienische Revolution“<br />

gegen Ende des 19. Jahrhunderts, die neben einer geregelten<br />

<strong>Abwasser</strong>entsorgung vor allem eine <strong>Wasser</strong>versorgung mit<br />

einer über Gesetze qualitätsgeregelte Gewinnung und Verteilung<br />

von Trinkwasser einherging. Trinkwasser wird in Deutschland<br />

überwiegend aus dem Grundwasser und speziell aus<br />

qualitätsgesicherten Gebieten gefördert. <strong>Wasser</strong>schutzgebiete<br />

dienen dem vorbeugenden Schutz des Grundwassers vor mikrobiologischen<br />

und chemischen Beeinträchtigungen. Die Infrastrukturen<br />

der sich entwickelnden Metropolregionen dehnten<br />

sich in den letzten Jahrzehnten immer weiter in <strong>Wasser</strong>schutzgebiete<br />

und -vorranggebiete aus. Eine Vielzahl von kommunalpolitisch<br />

motivierten und gesetzlich erforderlichen Baumaßnahmen<br />

muss sich zusammen mit der Intensivierung<br />

der Flächennutzungen immer mehr mit der Frage auseinandersetzen,<br />

ob durch die jeweiligen Eingriffe in den<br />

Untergrund beschaffenheitsbezogene Eigenschaften des<br />

Grundwassers nicht immer weiter eingeschränkt werden.<br />

Jeder Eingriff in den Grundwasserraum, z. B. über Bohrungen<br />

und Tiefgründungen, stellt ein Risiko für die mikrobiologische<br />

und chemische Beschaffenheit des Grundwassers dar.<br />

Wirtschaftlicher Druck und immer kürzere Ausführungsfristen<br />

sowie mindere und kurzlebige Materialqualitäten bei den verwendeten<br />

Baustoffen erhöhen das Risiko für die Grundwasserbeschaffenheit.<br />

Die Qualitätsanforderungen, z. B. an einen<br />

Brunnen oder eine Kanalbaumaßnahme, sind in einschlägigen<br />

Regelwerken beschrieben. Der „Faktor Mensch“ ist in technischen<br />

Regelwerken nur insofern berücksichtigt, als dass der<br />

Mitarbeiter auf der Baustelle jederzeit umfänglich über die<br />

Bauaufgabe, Qualitätsziele und Methoden zur Zielerreichung<br />

unterrichtet und befähigt ist.<br />

Ausbildung und Weiterbildung sind wichtige Säulen für die<br />

Qualifikation der Mitarbeiter aber auch für die Erhaltung der<br />

Grundwasserqualität, die nur bei umfänglicher Kenntnis der<br />

Systemzusammenhänge zwischen Bautätigkeit, Bauwerk und<br />

Handeln der Menschen vorbeugend geschützt und erhalten<br />

werden kann. Für jeden Mitarbeiter auf der Baustelle muss<br />

jeder Prozess, der qualitätsrelevant für das zu schaffende Bauwerk<br />

und das Grundwasser ist, transparent in Teilprozesse und<br />

in nachvollziehbare Tätigkeiten gegliedert werden, die sich<br />

aufeinander aufbauend aneinanderreihen. Das Erkennen und<br />

Vermeiden „minderer“ Qualität durch die Mitarbeiter stellt<br />

nicht nur die Funktion des Bauwerkes sicher, sondern schützt<br />

auch das Grundwasser sowie zusätzlich den Unternehmer vor<br />

Gewährleistungsansprüchen.<br />

Neben der klassischen Aus- und Weiterbildung sind detaillierte<br />

Arbeitsanweisungen und Unterrichtungen der Mitarbeiter<br />

auf Baustellen, die mit dem Schutzgut „Grundwasser“ in<br />

Kontakt kommen oder dessen Überdeckung verändern oder<br />

mindern, heute unumgänglich. Sie dienen sowohl der Einhaltung<br />

der zuvor mit dem Kunden vereinbarten Qualitätsziele<br />

einer Baumaßnahme als auch vorbeugend zur Vermeidung<br />

irreversibler und kostenintensiv zu behebender Beeinträchtigungen<br />

der Grundwasserqualität.<br />

Prof. Dr. habil. Christoph Treskatis<br />

Abteilungsleiter <strong>Wasser</strong>gewinnung<br />

Bieske und Partner GmbH, Lohmar<br />

Februar 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 131


| INHALT<br />

|<br />

Eine neu konzipierte Messmethode versetzt kleine <strong>Wasser</strong>versorgungsunternehmen<br />

in die Lage, fundierte Entscheidungen<br />

über die Anpassung von Förderanlagen oder den Austausch von<br />

Pumpen zu treffen. Ab Seite 196<br />

Über die Funktionsweise und Wirksamkeit magnetischer<br />

<strong>Wasser</strong>behand lungsgeräte zur Verhinderung<br />

von Kesselsteinbildung wird in Wissenschaft und<br />

Praxis kontrovers diskutiert. Ab Seite 204<br />

Fachberichte<br />

<strong>Wasser</strong>versogung<br />

196 H. Wilke, Ch. Platschek und St. Krause<br />

Entwicklung einer Vorgehensweise<br />

zur Messung der Energieeffizienz von<br />

Brunnenpumpen – Messmethode<br />

im laufenden Betrieb für kleinere<br />

<strong>Wasser</strong>versorger<br />

Development of a Method for Measuring<br />

the Energy Efficiency of Pumping Wells –<br />

Measurement Method in Operation for<br />

Small Water Supply Companies<br />

204 K. Zeppenfeld<br />

Magnetische <strong>Wasser</strong>behandlung<br />

zur Kesselsteinverhütung – Eine<br />

kritische Literaturübersicht unter<br />

besonderer Berücksichtigung der<br />

Anwesenheit von Eisen(III) sowie<br />

der Eisenkorrosion im Mangnetfeld<br />

Magnetic Water Treatment for Scale Prevention<br />

– A Critical Review of the Literature under<br />

Particular Consideration of the Presence of<br />

Iron(III) and the Corrosion of Iron in a Magnetic<br />

Field<br />

Regenwasserbewirtschaftung<br />

214 St. Geyler, N. Badtke und E. Gawel<br />

Nachhaltige Regenwasserbewirtschaftung<br />

im Siedlungsbestand –<br />

Teil 2: Kommunale Strategien und<br />

aktuelle Steuerungstendenzen<br />

Sustainable Rainwater Management in Existing<br />

Settlements – Part 2: Municipal Strategies and<br />

Current Trends of Governance<br />

Netzwerk Wissen<br />

Aktuelles aus Bildung und Wissenschaft,<br />

Forschung und Entwicklung<br />

169 Institut für Deutsches und Europäisches<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaftsrecht, Universität Trier<br />

<strong>gwf</strong> – <strong>Wasser</strong> | <strong>Abwasser</strong> März 2014<br />

Erscheinungstermin: 14.03.2014<br />

Anzeigenschluss: 24.02.2014<br />

Februar 2014<br />

132 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


| INHALT |<br />

Zielsystem<br />

Ökologische Nachhaltigkeit<br />

Überflutungsschutz<br />

GW-Neubildung Gewässerschutz<br />

Wirtschaftlichkeit Refinanzierung Steuerbarkeit<br />

Kommunale Strategie<br />

Selektive<br />

Dezentralisierung<br />

Offensive<br />

Dezentralisierung<br />

Dezentralisierungsstrategien<br />

Hoher<br />

Dezentralisierungsgrad<br />

Strukturkonservative<br />

Entwicklung<br />

Statischer<br />

Strukturerhalt<br />

Strukturkonservative Strategien<br />

Struktureller<br />

Phänotyp<br />

insbesondere<br />

Dezentrale<br />

Versickerung<br />

Niedriger<br />

Dezentralisierungsgrad<br />

Grundwasserneubildung Wirtschaftlichkeit Refinanzierung Steuerbarkeit<br />

Die strategische Ausgestaltung wichtiger<br />

kommu naler Steue rungs institutionen der<br />

Regenwasser bewirtschaftung, wie Anschlussund<br />

Benutzungszwang oder verschiedene<br />

Entgeltmodelle, werden in Theorie und Praxis<br />

untersucht. Ab Seite 214<br />

Netzwerk Wissen: Das Institut für Deutsches und Europäisches<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaftsrecht an der Universität Trier wird vorgestellt.<br />

Ab Seite 169<br />

Fokus<br />

Tiefbau • Kanalbau • Brunnenbau<br />

136 Schnell abbindendes Spezialmaterial dichtet<br />

korrodierte Schächte und Abscheider auf<br />

Industriegelände dauerhaft ab<br />

138 Gesundheitsvorsorge beim „Patienten“<br />

<strong>Abwasser</strong>kanal – Überprüfung der Wirksamkeit<br />

und Anwendbarkeit innovativer<br />

Techniken<br />

140 Einwandfreie Versorgungsleitungen durch<br />

Rohrsanierung – Grabenlose Sanierung von<br />

Druck- und Freigefälleleitungen<br />

142 Das Regenwasser fest im Griff – Neue Audi-<br />

Fertigung in Münchsmünster setzt auf<br />

REHAU Systeme<br />

144 Regenwasserbehandlung mit Brief und<br />

Siegel – Stadtbauamt Lahr setzt auf System<br />

INNOLET® von Funke<br />

147 RingoCollect: die neue Generation unterirdischer<br />

Löschwasserbevorratung<br />

149 Flexibler Anschluss an große Betonrohre –<br />

Sattelstück FA 150-B von Flexseal für langlebige<br />

und sichere Übergänge<br />

150 Wärme aus der Erde – Gemeinde Garching<br />

realisiert Geothermie-Projekt<br />

Nachrichten<br />

Branche<br />

152 VKU-Mitgliederbefragung zur Reform der <strong>Abwasser</strong>abgabe<br />

– Finanzielle Mehrbelastungen<br />

für kommunale <strong>Abwasser</strong>entsorger vermeiden<br />

155 EU-Parlament beschließt <strong>Wasser</strong>ausnahme<br />

in Konzessionsrichtlinie<br />

156 Bundesregierung muss Defizite beim Pestizid-<br />

Aktionsplan zügig ausräumen – Nationaler<br />

Pestizid-Aktionsplan setzt bislang nicht die<br />

richtigen Prioritäten<br />

157 Bodensee-<strong>Wasser</strong>versorgung bedauert<br />

Verlängerung der Fracking-Aufsuchungskonzessionen<br />

im Einzugsgebiet<br />

158 Mensch beeinflusst Ökosysteme stärker als<br />

erwartet – Die meist negative Bewertung<br />

des menschlichen Einflusses sollte aber<br />

differenzierter vorgenommen werden<br />

160 Klimawandel setzt 40 Prozent mehr Menschen<br />

dem Risiko absoluter <strong>Wasser</strong>knappheit aus<br />

162 DBU-Appell, auf Schiffsanstriche zu verzichten,<br />

die Mensch, Tier und Umwelt schaden<br />

164 Internationaler Workshop bestätigt messtechnische<br />

Eignung und Anströmstabilität<br />

von Messkapsel-<strong>Wasser</strong>- und –Wärmezählern<br />

Februar 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 133


| INHALT<br />

|<br />

Im Fokus: Tiefbau · Kanalbau · Brunnenbau Ab Seite 136<br />

Nachrichten aus der <strong>Wasser</strong>- und<br />

<strong>Abwasser</strong>branche Ab Seite 152<br />

166 Schweizer Studie zeigt die Vorteile der<br />

hydrothermalen Karbonisierung (HTC)<br />

für die Klärschlammbehandlung<br />

Veranstaltungen<br />

182 Human Footprint – menschliches Handeln<br />

im Satellitenbild<br />

183 MSR-Spezialmesse für Prozessleitsysteme,<br />

Mess-, Regel- und Steuerungstechnik in<br />

Frankfurt am Main<br />

184 11. Berlin-Brandenburger Brunnentage<br />

185 Vorübergehend unkultivierbar – Wie<br />

Pathogene in der Trinkwasser-Installation<br />

der Überwachung entgehen können<br />

186 Anthropogene Spurenstoffe im <strong>Wasser</strong>kreislauf<br />

– Strategien für Bayern<br />

186 16. Dresdener <strong>Abwasser</strong>tagung<br />

187 27. Lindauer Seminar – Praktische<br />

Kanalisationstechnik: zukunftsfähige<br />

Entwässerungssysteme<br />

188 Trinkwasserhygiene in öffentlichen und<br />

gewerblich genutzten Gebäuden<br />

189 12. Deutscher Schlauchlinertag findet in<br />

Düsseldorf statt<br />

190 TÜV SÜD veranstaltet 18. Kunststoffrohrtage<br />

erstmals in München<br />

190 12. Würzburger Kunststoffrohr-Tagung<br />

Leute<br />

191 Wolfgang Wollgam 70 Jahre<br />

Recht und Regelwerk<br />

192 DVGW-Regelwerk <strong>Wasser</strong><br />

193 DVGW-Ankündigung zur Fortschreibung<br />

des DVGW-Regelwerks<br />

194 Neue DWA-Merkblätter erschienen<br />

195 Neues DWA-Arbeitsblatt erschienen<br />

195 DWA-Vorhabensbeschreibung<br />

Praxis<br />

224 Die Renaissance der Schreiber –<br />

Datenaufzeichnung ist heute wie<br />

früher eine wichtige Funktion<br />

Produkte und Verfahren<br />

226 Neue Reihe an kationischen Flockungshilfsmitteln<br />

in Pulverform zur verbesserten<br />

Entwässerung bei niedriger Dosierung<br />

Februar 2014<br />

134 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Anzeige PG 1_Layout 1 27.01.14 15:49 Seite 1<br />

| INHALT |<br />

Praxisbericht über die elektronische Datenaufzeichnung bei verschiedenen<br />

Anwendungen wie beispielsweise in Hochbehältern,<br />

Pumpwerken oder in Regenüberlaufbecken. Ab Seite 224<br />

228 Software WISKI verarbeitet jetzt auch<br />

chemische Daten<br />

229 Qualitätskontrolle von Trinkwasser mit<br />

automatischen Partikelzählsystemen<br />

231 Pumpenhersteller Caprari mit vier neuen<br />

Produktlinien<br />

232 Neue Druckerhöhungsanlage Grundfos<br />

Hydro Multi-E<br />

233 ModMAG® M 1000 – die neue Generation<br />

des magnetisch-induktiven Messumformers<br />

Information<br />

223 Buchbesprechungen<br />

235 Impressum<br />

236 Termine<br />

Mit Edelstahl<br />

perfekt<br />

ausgerüstet...<br />

... und dauerhaft sicher<br />

Schächte sind erforderlich, um in<br />

Bauwerke für die <strong>Wasser</strong>versorgung<br />

und <strong>Abwasser</strong>entsorgung einsteigen<br />

zu können.<br />

Wir liefern Bauteile aus Edelstahl,<br />

die Schächte dauerhaft sicher<br />

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IFAT vom 5.–9. Mai 2014<br />

in Halle A2, Stand 333<br />

Recht und Steuern<br />

info@huber.de<br />

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WASTE WATER Solutions<br />

Recht und Steuern im Gas- und <strong>Wasser</strong>fach,<br />

Ausgabe 1/2, 2014<br />

Februar 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 135


| FOKUS<br />

|<br />

Tiefbau • Kanalbau • Brunnenbau<br />

Undichte <strong>Abwasser</strong>bauwerke schnell und<br />

fachgerecht sanieren<br />

Fünfzehn in einer Woche: Schnell abbindendes Spezialmaterial dichtet korrodierte<br />

Schächte und Abscheider auf Industriebrache dauerhaft ab<br />

Schmutzwasserschächte, Fett- und Ölabscheider zählen zu den sicherheitskritischen Bereichen im Gewerbebau:<br />

Je nachdem welche Stoffe durch sie laufen, reicht schon eine kleine Leckage zur Kontamination des<br />

umgebenden Bodens oder gar des Grundwassers aus. Bei der Neunutzung aufgelassener Fabrikgebäude oder<br />

Industriebrachen können über Jahre kaum gewartete und verwitterte <strong>Abwasser</strong>installationen daher zum Problem<br />

werden – so auch beim Verkauf eines Teils des alten Philips-Geländes in Aachen. Lediglich zwei Wochen<br />

hatte die beauftragte Kanaltechnikfirma Rohrsan Zeit, um 15 Schächte sowie einen Fettabscheider instand zu<br />

setzen. Um innerhalb dieser knappen Frist die vorhandenen Löcher zu schließen und die Betonwände dauerhaft<br />

zu schützen, nutzte das Unternehmen eine Kombination sehr schnell abbindender Mörtel und Beschichtungen<br />

des Bausanierungsspezialisten IPA. Damit waren alle Schachtanlagen nach nur fünf und der Abscheider<br />

nach drei Tagen wieder funktionstüchtig.<br />

Die Schächte und der Abscheider auf dem seit 2009<br />

aufgelassenen Gelände waren bereits deutlich korrodiert<br />

und wiesen teils starke <strong>Wasser</strong>einbrüche auf.<br />

Alle Abbildungen: © Rohrsan<br />

Zunächst wurden lose oder bindungsstörende Stoffe<br />

entfernt und der Untergrund tiefengereinigt.<br />

Schon seit 2009 wurde das Gelände<br />

an der Aachener Weisshauserstraße<br />

nicht mehr genutzt. Als ein Kaufinteressent<br />

Mitte 2013 die Bedingung<br />

stellte, dass das <strong>Abwasser</strong> system intakt<br />

und gemäß § 61 a des Landeswassergesetzes<br />

(LWG) Nordrhein-<br />

Westfalen dicht sein müsse, wurden<br />

die entsprechenden Schächte erstmals<br />

inspiziert und gravierende Mängel<br />

festgestellt. „An 15 Schächten fand<br />

sich neben den herkömmlichen Schäden<br />

eine zum Teil massive Grundwasserinfiltration“,<br />

berichtet Michael<br />

Schreiber, Geschäftsführer der Rohrsan<br />

Rohr- und Kanaltechnik GbR.<br />

„Auch beim Fettabscheider der hauseigenen<br />

Kantine drückte Grundwasser<br />

durch den Boden. Außerdem war er<br />

stark korrodiert, die Zuschlagstoffe im<br />

Beton waren deutlich sichtbar.“<br />

Da bereits ein fester Termin zur<br />

Übergabe des Objekts vereinbart war,<br />

blieben für die notwendigen Sanierungsarbeiten<br />

nur zwei Wochen Zeit.<br />

Jeder zusätzliche Tag wäre mit Konventionalstrafen<br />

belegt worden. Herkömmliche<br />

Mörtel und Abdichtmassen<br />

fielen damit aus, da sie zum Abbinden<br />

teils sehr lange brauchen und<br />

sich die folgenden Arbeitsschritte dadurch<br />

verzögert hätten. Auch sind<br />

längst nicht alle Materialen für den<br />

Einsatz in so feuchter Umgebung und<br />

mit permanentem <strong>Wasser</strong>eintritt geeignet.<br />

Um ein passendes Abdichtsystem<br />

zu finden, arbeitete das Unternehmen<br />

daher mit der IPA Bauchemische<br />

Produkte GmbH zusammen, die<br />

auf Mittel zur Instandsetzung von<br />

<strong>Abwasser</strong>bauwerken und Abscheidern<br />

spezialisiert ist. „Vorteil dieser<br />

Produkte ist, dass sie sich sehr leicht<br />

und sicher verarbeiten lassen und<br />

nach dem Aufbringen schnell belastbar<br />

sind. Immerhin spielt der Faktor<br />

Zeit in der Schacht- und Abscheidersanierung<br />

generell eine große Rolle“,<br />

so Schreiber. Hinzu kam, dass der<br />

Gebietsleiter von IPA für Nordrhein-<br />

Westfalen, Martin Lokotsch, die Maßnahme<br />

vor Ort begleitete und die Kanaltechniker<br />

mit seinem Fachwissen<br />

unterstützte, indem er beispielsweise<br />

die zu beachtenden Parameter oder<br />

die richtigen Mischverhältnisse erklärte.<br />

Auf diese Weise konnte sichergestellt<br />

werden, dass die Ergebnisse<br />

von Beginn an den Anforderungen an<br />

die Dichtheit entsprachen.<br />

Zügige Sanierung dank<br />

schnell abbindender Mörtel<br />

Um die geeigneten Ausgangsbedingungen<br />

für die Sanierung zu schaffen,<br />

wurden die Schächte zunächst soweit<br />

möglich geleert und alle bindungsstörenden<br />

Elemente, wie lose Bruchstücke<br />

oder auch die Reste der Chlor-<br />

Kautschuk-Beschichtung im Abscheider,<br />

entfernt. Risse, Ausbrüche und<br />

Löcher wurden anschließend mit<br />

Februar 2014<br />

136 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Tiefbau • Kanalbau • Brunnenbau | FOKUS |<br />

IPANEX Stopfmörtel verschlossen.<br />

„Dabei handelt es sich um einen<br />

mineralischen Schnellbindemörtel,<br />

der sogar gegen eindringendes <strong>Wasser</strong><br />

in Leckagen eingesetzt werden<br />

kann. Der manuelle Druck von der<br />

einen Seite und der <strong>Wasser</strong>druck von<br />

der anderen Seite komprimieren dabei<br />

das Material und sorgen für eine<br />

feste Bindung mit den umgebenden<br />

Wandflächen“, erläutert Lokotsch. Der<br />

Stopfmörtel wird dazu plastisch angerührt<br />

und vorgeformt, bevor er in<br />

die Öffnung gepresst wird. Da er bereits<br />

nach zwei Minuten endgültig<br />

abgebunden ist, kann so sehr schnell<br />

eine grundlegende Dichtheit als Basis<br />

für weitere Arbeitsgänge hergestellt<br />

werden. Die Druckfestigkeit dieses<br />

Mörtels liegt nach einem Tag bei 25 N/<br />

mm², nach 28 Tagen bei 90 N/mm².<br />

Zudem ist das Material quellfähig:<br />

Solang es in Kontakt mit <strong>Wasser</strong> steht,<br />

wird dadurch der sonst oft zu beobachtende<br />

Volumenschwund kompensiert,<br />

was die Haltbarkeit der Abdichtung<br />

erhöht.<br />

Aufgrund der raschen Abbindung<br />

konnten die Rohrsan-Mitarbeiter<br />

direkt im Anschluss mit der Reprofilierung<br />

der Betonoberflächen beginnen.<br />

Dazu wurde IPA Unimörtel Rapid verwendet,<br />

ein schrumpf armer, chloridfreier<br />

Reparaturmörtel. „Dieser erfüllt<br />

zweierlei Funktionen: Zuerst wird eine<br />

schlämmfähige Anmischung zur Verbesserung<br />

der Haftung mit Quaste<br />

oder Bürste als Grundierung eingearbeitet.<br />

Anschließend wird der Mörtel<br />

steif plastisch angerührt und damit in<br />

einer Schicht die neue Oberfläche hergestellt“,<br />

so der Baustoffexperte. Um<br />

eine glatte Wandung zu erhalten, wurde<br />

diese zweite Lage einfach durch<br />

die Sanierer sauber abge zogen und<br />

abgerieben. Eine Erleichterung war<br />

dabei die hohe Stell fähigkeit des<br />

Mate rials, durch die es auch dicker<br />

aufgetragen werden kann, ohne unter<br />

seinem eigenen Gewicht wieder von<br />

der Wand zu rutschen, wie Schreiber<br />

bestätigt: „Die maximale Schichtdicke<br />

lag bei uns bei etwa 20 mm.“ Als Abbindezeit<br />

reichen etwa 20 Minuten,<br />

bei dem Objekt in Aachen ließ Rohrsan<br />

den Mörtel sogar über Nacht trocknen.<br />

Polymer-Silikat-Schicht<br />

schützt dauerhaft vor Säuren<br />

und Laugen<br />

Zum Abschluss wurde die Innenseite<br />

des Abscheiders noch zum Schutz vor<br />

aggressiven Medien mit IPA Polyschicht<br />

überzogen, einer hochbeständigen<br />

Polymer-Silikat-Beschichtung,<br />

die pH-Werten von 0 bis 14 zuverlässig<br />

widersteht. Damit kann der<br />

Untergrund künftig nicht mehr von<br />

Fetten, Ölen, Reinigungsmitteln oder<br />

sogar biogener Schwefelsäure angegriffen<br />

werden. Das Zwei-Komponenten-System<br />

aus Bindemittel und Härter<br />

wurde nach DIBT Z-59.12-374 zugelassen,<br />

ist allerdings noch recht neu<br />

auf dem Markt, weshalb Fachmann<br />

Lokotsch hier insbesondere bei der<br />

Anmischung und Verarbeitung half.<br />

„Aufgrund ihrer Konsistenz ließ sich<br />

die Beschichtung einfach mit Flachpinsel<br />

und einer Farbrolle auf die reprofilierte<br />

Fläche aufbringen“, berichtet<br />

Rohrsan-Geschäftsführer Schreiber.<br />

„Die notwendige Schichtdicke<br />

von 2 mm wurde so in zwei aufeinander<br />

folgenden Arbeitsgängen erreicht.“<br />

Das Gemisch haftet auf mineralischem<br />

Untergrund ebenso wie auf<br />

Beton und Stahl, wodurch Behälterwände<br />

und auch etwaige Edelstahl-<br />

Komponenten der Anlagen nahtlos<br />

damit bestrichen werden konnten.<br />

Seine volle Belastbarkeit erreicht es<br />

nach 12 bis 24 Stunden.<br />

In Anbetracht der knapp bemessenen<br />

Sanierungsfrist, war vor allem<br />

dieses schnelle Aushärten und Abbinden<br />

der IPA-Produkte essenziell, da<br />

auf diese Weise die verschiedenen Bearbeitungsschritte<br />

direkt hintereinander<br />

durchgeführt werden konnten.<br />

Insgesamt dauerte die Sanierung des<br />

Abscheiders damit nur zwei Tage. Die<br />

Prüfung am Morgen des dritten Tages<br />

ergab bereits „dicht ohne <strong>Wasser</strong>verlust“,<br />

sodass die Anlage sofort wieder<br />

in Betrieb genommen werden konnte.<br />

Auch die 15 Schmutzwasserschächte<br />

waren innerhalb von fünf<br />

Tagen wiederhergestellt und frei von<br />

Infiltrationen. So konnte das Gelände<br />

mit funktionstüchtigem <strong>Abwasser</strong>system<br />

termingerecht übergeben<br />

werden.<br />

Nach dem Verschließen der Undichtigkeiten mit<br />

Stopfmörtel wurde mithilfe von IPA Unimörtel Rapid<br />

in zwei Schritten die Oberfläche reprofiliert. Dank<br />

der kurzen Abbindzeiten der verschiedenen Stoffe<br />

konnten die Maßnahmen direkt aufeinander folgen.<br />

Für den dauerhaften Schutz des Behälters vor<br />

Fetten, Reinigungsmitteln oder biogener Schwefelsäure<br />

wurde der Abscheider mit IPA Polyschicht,<br />

einer Polymer-Silikat-Kombination versehen, die<br />

pH-Werten von 0 bis 14 widersteht.<br />

Kontakt:<br />

Rohrsan Schreiber und Denninger GbR,<br />

August Borsig Straße 4, D-50126 Bergheim,<br />

Tel. (02271) 7544-15, Fax (02271) 7544-16,<br />

E-Mail: info@rohrsan.de, www.rohrsan.de<br />

IPA Bauchemische Produkte GmbH,<br />

Werk und Verkauf,<br />

Riedhof 5, D-82544 Egling,<br />

Tel. (08171) 7031, Fax (08171) 7088,<br />

E-Mail: info@ipa.de, www.ipa.de<br />

Februar 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 137


| FOKUS<br />

|<br />

Tiefbau • Kanalbau • Brunnenbau<br />

Gesundheitsvorsorge beim „Patienten“<br />

<strong>Abwasser</strong>kanal<br />

Prof. Dr. Helmut<br />

Grüning<br />

erforscht<br />

Methoden zur<br />

Untersuchung<br />

des „Patienten“<br />

<strong>Abwasser</strong>kanal.<br />

Im<br />

Labor für<br />

Stadthydrologie<br />

und <strong>Wasser</strong>versorgung<br />

überprüft er<br />

die Wirksamkeit<br />

und<br />

Anwendbarkeit<br />

innovativer<br />

Techniken.<br />

© FH Münster/<br />

Pressestelle<br />

Kanalnetze und der Mensch<br />

haben viel gemeinsam, ist Prof.<br />

Dr. Helmut Grüning überzeugt,<br />

„denn beides sind Systeme, die Flüssigkeiten<br />

transportieren und die<br />

eine regelmäßige Pflege benötigen.“<br />

Beim Termin der Ringvorlesung<br />

<strong>Wasser</strong>Wissen im Januar 2014 erläuterte<br />

der Professor vom Fachbereich<br />

Energie - Gebäude - Umwelt der<br />

Fachhochschule Münster verschiedene<br />

Methoden zur Überprüfung<br />

von Kanal- und <strong>Wasser</strong>versorgungsnetzen.<br />

In seinem Vortrag „Röntgen,<br />

Koloskopieren, Blutdruck messen –<br />

Untersuchung des Patienten <strong>Abwasser</strong>kanal“<br />

zog er einen Vergleich<br />

zum Menschen und stellte die<br />

Techniken zur Kontrolle der Kanalsys<br />

teme ärztlichen Gesundheits-<br />

Checks gegenüber.<br />

Mit einer Nutzungsdauer von<br />

70 Jahren und einer möglichen<br />

Lebensdauer von 100 Jahren würden<br />

<strong>Abwasser</strong>kanäle etwa so alt wie<br />

Menschen. Sie seien ebenfalls tagsüber<br />

stärker belastet als nachts und<br />

bräuchten eine sorgfältige Behandlung.<br />

Auch bei den „Krankheiten“<br />

sieht der Experte Parallelen: Es gebe<br />

sowohl bei Menschen als auch bei<br />

Kanälen Verengungen durch Ablagerungen,<br />

zu hohe Schadstoffkonzentrationen<br />

oder Material- beziehungsweise<br />

Gewebeschäden. Grüning<br />

hält es für erforderlich, die<br />

Kanal- und <strong>Wasser</strong>versorgungsnetze<br />

regelmäßig zu kontrollieren<br />

und instand zu halten, damit sie<br />

möglichst lange nutzbar und funktionsfähig<br />

bleiben.<br />

Die Untersuchung von Kanälen<br />

gestaltet sich jedoch genauso<br />

schwierig wie die von menschlichen<br />

Gefäßen. Einige bereits übliche<br />

Methoden erinnern sogar an die<br />

Gesundheitsvorsorge beim Arzt:<br />

Ähnlich wie bei einer Herzkathe -<br />

ter-Untersuchung oder Darmspiegelung<br />

gibt es Kamerabefahrungen.<br />

Durch das „Abhören“ von <strong>Wasser</strong>leitungen<br />

werden Lecks akustisch<br />

geortet. Ein regelmäßiges „Blutbild“<br />

durch Messungen der Zusammensetzung<br />

des <strong>Abwasser</strong>s könnte zu<br />

hohe Stoffkonzentrationen ausfindig<br />

machen. Dies würde aber viel zu<br />

selten umgesetzt. „Die Erfahrung<br />

zeigt, dass wir mit unserer unterirdischen<br />

Infrastruktur oft so leichtfertig<br />

umgehen wie mit unserem Körper.<br />

Der Wert wird erst erkannt,<br />

wenn etwas nicht mehr funktioniert“,<br />

so Grüning.<br />

Um die Überprüfung von<br />

Kanalsystemen zu erleichtern und<br />

zu optimieren, erforscht der Wissenschaftler<br />

innovative Analyse-Techniken.<br />

Hierzu gehören etwa Sonden,<br />

die kontinuierlich die stoffliche<br />

Zusammensetzung des <strong>Abwasser</strong>s<br />

messen, oder Glasfaserkabel, die<br />

Fehleinleitungen aufspüren, indem<br />

sie die Temperatur messen.<br />

Weitere Informationen:<br />

www.unimuenster.de<br />

www.uni-muenster.de/Netzwerk<strong>Wasser</strong><br />

Februar 2014<br />

138 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Standardwerk zur Errichtung und<br />

Sanierung von Quellfassungen<br />

Tiefbau • Kanalbau • Brunnenbau | FOKUS |<br />

Edition<br />

Quellfassungsanlagen zur<br />

Trinkwasserversorgung<br />

Das neue, umfangreiche Fachbuch beschäftigt sich mit Quellen zur Trinkwasser<br />

gewinnung und klammert die Mineralwasser-, Thermalwasserund<br />

Heilwasserquellen bewusst aus, da hier andere Bewertungsmaßstäbe<br />

und Nutzungskonzepte gelten. Mit dieser Neuerscheinung über den<br />

Bau und Betrieb von Quellfassungen für die Trinkwasserversorgung wird<br />

die Reihe der Standardwerke zur <strong>Wasser</strong>gewinnung im Deutschen Industrieverlag<br />

fortgeführt. Das Buch wendet sich gleichermaßen an Betreiber<br />

wie Planer und Genehmigungsbehörden, die mit der <strong>Wasser</strong>versorgung<br />

beschäftigt sind.<br />

Christoph Treskatis, Horst Tauchmann<br />

1. Auflage 2013<br />

692 Seiten, vierfarbig, 170 x 240 mm, Hardcover<br />

Erhältlich in 2 Varianten<br />

www.di-verlag.de<br />

DIV Deutscher Industrieverlag GmbH, Arnulfstr. 124, 80636 München<br />

Jetzt bestellen!<br />

WISSEN FÜR DIE<br />

ZUKUNFT<br />

Bestellung per Fax: +49 201 / 820 Deutscher 02-34 Industrieverlag oder GmbH abtrennen | Arnulfstr. und 124 im | Fensterumschlag 80636 München einsenden<br />

Ja, ich bestelle gegen Rechnung 3 Wochen zur Ansicht<br />

___Ex.<br />

Quellfassungsanlagen zur Trinkwasserversorgung<br />

1. Auflage 2013 – ISBN: 978-3-8356-7125-6<br />

für € 128,- (zzgl. Versand)<br />

Firma/Institution<br />

Vorname, Name des Empfängers<br />

___Ex.<br />

Quellfassungsanlagen zur Trinkwasserversorgung<br />

mit interaktivem eBook (Online-Lesezugriff im MediaCenter)<br />

1. Auflage 2013 – ISBN: 978-3-8356-7127-X<br />

für € 148,- (zzgl. Versand)<br />

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Land, PLZ, Ort<br />

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Antwort<br />

Vulkan-Verlag GmbH<br />

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PAQZT2013<br />

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vom DIV Deutscher Industrieverlag oder vom Vulkan-Verlag per Post, per Telefon, per Telefax, per E-Mail, nicht über interessante, fachspezifische Medien und Informationsangebote <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> informiert und 139 beworben werde.<br />

Diese Erklärung kann ich mit Wirkung für die Zukunft jederzeit widerrufen.


| FOKUS<br />

|<br />

Tiefbau • Kanalbau • Brunnenbau<br />

Einwandfreie Versorgungsleitungen durch<br />

Rohrsanierung<br />

Auf dem 28. Oldenburger Rohrleitungsforum am 6. und 7. Februar stand das Rohr im Zeichen des Energiemixes.<br />

Dabei war die intakte unterirdische Infrastruktur ein wichtiges Thema. Der Rohrsanierungsspezialist<br />

SEKISUI SPR Europe präsentierte in diesem Rahmen sein Service- und Produktportfolio für die grabenlose<br />

Sanierung von Druck- und Freigefälleleitungen. Im Fokus standen die Schlauchlining-Technologien NORDI-<br />

PIPE und TUBETEX für die Sanierung von <strong>Wasser</strong>- und Gasleitungen. Mit dem Wickelrohrverfahren<br />

SPR stellte das Unternehmen eine innovative Kanalsanierungs-Technologie vor.<br />

Mit dem SPR<br />

Wickelrohrverfahren<br />

können Kanäle mit<br />

großen Durchmessern<br />

und<br />

unterschiedlichen<br />

Sonderprofilen<br />

grabenlos saniert<br />

werden.<br />

Für die einwandfreie Versorgung<br />

mit <strong>Wasser</strong> und zuverlässige Entsorgung<br />

von <strong>Abwasser</strong> ist eine<br />

intakte unterirdische Infrastruktur<br />

unabdingbar. Hierzu bietet die SEKI-<br />

SUI SPR Europe, zusammen mit ihrem<br />

Bauunternehmen KMG Pipe<br />

Technologies und dem Technologieunternehmen<br />

SEKISUI NordiTube<br />

Technologies ein umfangreiches<br />

Technologie- und Dienstleistungsportfolio<br />

für die grabenlose Sanierung<br />

von <strong>Wasser</strong>-, <strong>Abwasser</strong>- und<br />

Gasleitungen unterschiedlicher Geometrien<br />

und Dimensionen an.<br />

Im Druckbereich präsentierte<br />

SEKISUI SPR Europe die Schlauchlining-Technologien<br />

NORDIPIPE und<br />

TUBETEX, die sich speziell für die<br />

Sanierung von Trinkwasserleitungen<br />

eignen. Um den Betriebsdrücken<br />

von bis zu 32 bar standzuhalten, werden<br />

im NORDIPIPE Liner die Einzelkomponenten<br />

Glasfaser, Nadelfilz,<br />

Harz und PE-Beschichtung zusammengeführt.<br />

Dieser Materialmix<br />

erlaubt Installationslängen bis zu<br />

500 m und Nennweiten von 150 mm<br />

bis 1 200 mm. Während der Nadelfilz-<br />

Liner NORDIPIPE aufgrund seines<br />

Designs eine statisch selbsttragende<br />

Der NORDI PIPE Liner eignet sich speziell für die Sanierung von<br />

Trinkwasser leitungen bis Nennweiten von 1 200 mm.<br />

Abbildungen: © SEKISUI SPR Europe GmbH<br />

Eigenschaft besitzt, dient der nahtlos<br />

gewebte TUBETEX Liner als eine<br />

mit dem bestehenden Rohr verklebte<br />

Innenauskleidung. Der Polyestergarn-Liner<br />

ist durch ein spezielles<br />

Epoxidharz direkt mit dem Altrohr<br />

verbunden, aber elastisch genug,<br />

um Bewegungen und Stöße an den<br />

Leitungen zu kompensieren. Die<br />

Beschichtung auf der Innenseite des<br />

Liners bestimmt den Einsatz in einer<br />

Trinkwasser- oder Gasleitung. Durch<br />

den Materialaufbau von TUBETEX<br />

sind Nennweiten von 200 mm bis<br />

1 000 mm bei einem Betriebsdruck<br />

von bis zu 40 bar möglich.<br />

Im Bereich <strong>Abwasser</strong> hat die SEKI-<br />

SUI SPR Europe neben Schlauchliningprodukten<br />

das Wickelrohrverfahren<br />

SPR im Programm, mit dem<br />

Durchmesser bis 5 500 mm und Sonderprofile<br />

saniert werden können.<br />

Das System besteht aus einer Wickelmaschine,<br />

die ein stahlverstärktes<br />

PVC-Profilband mit jeder Umdrehung<br />

zu einem neuen Rohr verbindet.<br />

Die anschließende Ringraumverfüllung<br />

zwischen Wickelrohr und<br />

Altkanal verleiht die notwendige<br />

Statik. SEKISUI SPR Europe bietet<br />

hiermit eine zeit- und kostengünstige<br />

Lösung für die Herausforderungen<br />

bei der Kanalsanierung hinsichtlich<br />

Nennweite, Installationslänge,<br />

Altrohrbeschaffenheit oder Profiltyp.<br />

Kontakt:<br />

SEKISUI SPR Europe GmbH,<br />

Julius-Müller-Straße 6,<br />

D-32816 Schieder-Schwalenberg,<br />

Tel. (05284) 705-0, Fax (05284) 705410,<br />

E-Mail: info@sekisuispr.com,<br />

www.sekisuispr.com<br />

Februar 2014<br />

140 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Tiefbau • Kanalbau • Brunnenbau | FOKUS |<br />

Anforderungen an die Aufbereitung von <strong>Wasser</strong><br />

für Betriebs- und Prozesszwecke<br />

Edition<br />

Praxis der Aufbereitung von<br />

Betriebs- und Prozesswasser<br />

Im vorliegenden Buch wird der Stoff <strong>Wasser</strong> einer genauen Betrachtung unterzogen.<br />

Denn seine physikalischen und chemischen Eigenschaften bestimmen die Auswahl<br />

und den richtigen Betrieb von Aufbereitungsanlagen. Wichtiger erster Schritt ist<br />

dabei die <strong>Wasser</strong>analyse. Hieraus lassen sich Korrosivität gegenüber einzusetzenden<br />

Materialien sowie entsprechende Gegenmaßnahmen ableiten. Die Eigenschaften des<br />

<strong>Wasser</strong>s werden außer von seinen Inhaltsstoffen auch von den Betriebsbedingungen<br />

Temperatur und Druck beeinflusst.<br />

Für die Umsetzung in der Praxis werden Aufbereitungsverfahren ausführlich<br />

geschildert, alle notwendigen Komponenten detailreich vorgestellt und die<br />

notwendigen Grundlagen zu Planung und Betrieb von <strong>Wasser</strong>aufbereitungsanlagen<br />

vermittelt.<br />

Reinhard Wolf<br />

1. Auflage 2014<br />

ca. 508 Seiten, vierfarbig, 170 x 240 mm. Hardcover,<br />

Erhältlich in 2 Varianten<br />

www.di-verlag.de<br />

DIV Deutscher Industrieverlag GmbH, Arnulfstr. 124, 80636 München<br />

Jetzt vorbestellen!<br />

WISSEN FÜR DIE<br />

ZUKUNFT<br />

Bestellung per Fax: +49 201 / 820 Deutscher 02-34 Industrieverlag oder GmbH abtrennen | Arnulfstr. und 124 im | Fensterumschlag 80636 München einsenden<br />

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___Ex.<br />

Praxis der Aufbereitung von Betriebs- und Prozesswasser<br />

1. Auflage 2013 – ISBN: 978-3-8356-7128-7<br />

für € 88,- (zzgl. Versand)<br />

Firma/Institution<br />

Vorname, Name des Empfängers<br />

___Ex.<br />

Praxis der Aufbereitung von Betriebs- und Prozesswasser<br />

mit interaktivem eBook (Online-Lesezugriff im MediaCenter)<br />

1. Auflage 2013 – ISBN: 978-3-8356-7130-X<br />

für € 108,- (zzgl. Versand)<br />

Straße / Postfach, Nr.<br />

Land, PLZ, Ort<br />

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Antwort<br />

Vulkan-Verlag GmbH<br />

Versandbuchhandlung<br />

Postfach 10 39 62<br />

45039 Essen<br />

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PAPAPB2013<br />

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| FOKUS<br />

|<br />

Tiefbau • Kanalbau • Brunnenbau<br />

Das Regenwasser fest im Griff: neue Audi-Fertigung<br />

in Münchsmünster<br />

Durchdachte Lösungen für die Bewirtschaftung von Regenwasser sind heute unerlässlich. Wie sich dabei<br />

Nachhaltigkeit und Sicherheit verbinden können, zeigt die neue Audi-Fertigung in Münchsmünster, die auf<br />

REHAU Systeme setzt.<br />

Erst kürzlich eröffnete die Audi AG<br />

im Industriepark Münchsmünster<br />

etwa 30 km vom Stammwerk<br />

Ingolstadt entfernt eine neue Fertigung.<br />

Hier entsteht das neue Kompetenz-Zentrum<br />

für die Produktion<br />

von Karosserie-Strukturbauteilen<br />

aus Aluminiumdruckguss und von<br />

warm- und kaltumgeformten Pressteilen<br />

sowie von Fahrwerkkomponenten.<br />

Neben drei Fertigungshallen<br />

umfasst das 42 ha große Areal<br />

auch eine Energiezentrale sowie<br />

eine eigene Feuerwache und ein<br />

Gesundheitszentrum. Um das auf<br />

dem Werksgelände anfallende<br />

Regenwasser sicher ableiten zu<br />

können, vertrauen die Verantwortlichen<br />

auf Systeme aus dem Hause<br />

REHAU. Rund 10 000 RAUSIKKO<br />

Hochlastboxen für maximale statische<br />

Sicherheit sorgen zusammen<br />

mit etwa 6 000 m des Hochlastkanalrohrsystems<br />

AWADUKT PP und<br />

RAUSIKKO Sedimentationsanlagen<br />

für eine dauerhafte und sichere<br />

Regenwasserbewirtschaftung.<br />

Das auf dem Werksgelände<br />

anfallende Niederschlagswasser wird<br />

von den einzelnen Ablaufstellen<br />

über ein Regenwasserkanalnetz<br />

gesammelt. Hierbei kommt das<br />

polymere Hochlastkanalrohrsystem<br />

AWADUKT PP zum Einsatz, das sich<br />

durch eine hohe Lebensdauer und<br />

Da Niederschlagswasser verunreinigt sein kann, wird es zunächst in<br />

einer RAUSIKKO-Sedimentationsanlage vorbehandelt.<br />

Anfallendes Niederschlagswasser wird über ein Regenwasserkanalnetz<br />

gesammelt, bei dem das polymere Hochlastkanalrohrsystem AWADUKT PP<br />

eingesetzt wird.<br />

Anwenderfreundlichkeit auszeichnet.<br />

Anhand eines Gutachtens von<br />

der LGA Nürnberg über eine<br />

Lebensdauer der Rohre von 100<br />

Jahren wurde die Nachhaltigkeit<br />

wirkungsvoll bestätigt.<br />

Da Niederschlagswasser von<br />

befestigten Flächen und auch<br />

von Dachflächen verunreinigt sein<br />

kann, gelangt das Regenwasser<br />

zunächst in eine RAUSIKKO-<br />

Sedimentationsanlage. Dort wird<br />

die Strömungs geschwindigkeit des<br />

<strong>Wasser</strong>s stark verlangsamt, sodass<br />

sich die Verunreinigungen im<br />

unteren Bereich der Anlage ablagern<br />

können. Begünstigt wird dies<br />

durch einen beruhigten Zulaufbereich,<br />

der eine Aufwirbelung<br />

vermeidet. Das vorbehandelte<br />

Niederschlagswasser wird schließlich<br />

über das Versickerungssystem<br />

RAUSIKKO Box versickert.<br />

Der polymere Speicherblock<br />

RAUSIKKO Box aus Polypropylen<br />

(PP) besitzt in der Hochlast-Variante<br />

eine Speicherkapazität von 92 %.<br />

Februar 2014<br />

142 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Tiefbau • Kanalbau • Brunnenbau | FOKUS |<br />

Das vorbehandelte Niederschlagswasser wird über<br />

das Versickerungssystem RAUSIKKO Box v ersickert.<br />

Über 50 km REHAU Kabelschutzrohre wurden verlegt.<br />

Auf grund der außerordentlich<br />

hohen Stabilität der Boxen kann<br />

die Fläche über der Versickerungsanlage<br />

auch problemlos von<br />

LKWs befahren und vom Betreiber<br />

in vollem Umfang genutzt<br />

werden.<br />

Neben den Systemen für die Regenwasserbewirtschaftung<br />

wurden<br />

zudem über 50 km REHAU Kabelschutzrohre<br />

eingesetzt.<br />

Weitere Informationen zu diesem<br />

Thema unter www.rehau.de/<br />

regenwasserbewirtschaftung<br />

Kontakt:<br />

REHAU AG + Co,<br />

Ytterbium 4, D-91058 Erlangen,<br />

Tel. (09131) 92-50,<br />

Fax (09131) 771430,<br />

E-Mail: erlangen@rehau.com,<br />

www.rehau.com<br />

47. ESSENER TAGUNG<br />

für <strong>Wasser</strong>- und Abfallwirtschaft<br />

“Ist unsere <strong>Wasser</strong>wirtschaft zukunftsfähig?“<br />

vom 19. bis 21. März 2014 in der Messe Essen Ost<br />

Mittwoch, 19.3.2014<br />

Auftakt<br />

Prof. Dr. Johannes Pinnekamp, ISA der RWTH Aachen<br />

Prof. Dr. Wilhelm Bauer, Fraunhofer IAO, Stuttgart<br />

Dipl.-Ing. Andrea Dittrich-Wesbuer, ILS gGmbH, Dortmund<br />

Herausforderungen an die deutsche <strong>Wasser</strong>wirtschaft<br />

Leitung: Präsident Dipl.-Ing. Otto Schaaf, DWA e. V., Hennef<br />

Werterhalt und Finanzierung der <strong>Wasser</strong>infrastruktur<br />

Leitung: Prof. Dr. Robert Holländer, Univ. Leipzig<br />

Gewässergüte<br />

Leitung: Dr. Fritz Holzwarth, Bonn<br />

Klärschlammverordnung / Phosphorrecycling<br />

Leitung: Dr. Helge Wendenburg, BMU, Bonn<br />

Urban Mining<br />

Leitung: Prof. Dr. Klaus Fricke, TU Braunschweig<br />

© Lisa Valder/E+/Getty Images<br />

Donnerstag, 20.3.2014<br />

Neue Technologien I<br />

Leitung: Prof. Dr. Burkhard Teichgräber, Emschergenossenschaft, Essen<br />

Neue Technologien II<br />

Leitung: Prof. Dr. Karl-Heinz Rosenwinkel, Leibniz Univ. Hannover<br />

<strong>Abwasser</strong>entsorgungsstrukturen der Zukunft<br />

Leitung: Prof. Dr. Heidrun Steinmetz, Univ. Stuttgart<br />

Hochwassermanagement<br />

Leitung: Prof. Dr. Holger Schüttrumpf, IWW der RWTH Aachen<br />

Freitag, 21.3.2014<br />

Spurenstoffe I<br />

Leitung: Prof. Dr. Harro Bode, Ruhrverband, Essen<br />

Spurenstoffe II – Praxisbeispiele Elimination<br />

Leitung: Prof. Dr. Jörg E. Drewes, TU München<br />

Organisation und Auskünfte<br />

Dr. Verena Kölling, Lehrstuhl für Siedlungswasserwirtschaft<br />

und Siedlungsabfallwirtschaft der RWTH Aachen, 52056 Aachen<br />

Tel.: 0241 / 80-252 14, Fax: 0241 / 80-229 70, E-Mail: et@isa.rwth-aachen.de<br />

Trinkwasser I – Gütefragen<br />

Leitung: Dr. Christoph Donner, RWW GmbH, Mülheim a. d. R.<br />

Trinkwasser II – Gütefragen<br />

Leitung: Prof. Dr. Lothar Dunemann, Hygiene-Institut des Ruhrgebiets, Gelsenkirchen<br />

Trinkwasser III – Aufbereitungsverfahren<br />

Leitung: Prof. Dr. Rolf Gimbel, Univ. Duisburg-Essen, Mülheim a. d. R.<br />

Trinkwasser IV – Instandhaltung / Betrieb von Anlagen<br />

Leitung: Dr. Dirk Waider, Gelsenwasser AG, Gelsenkirchen<br />

<strong>Abwasser</strong> und Energie<br />

Leitung: Prof. Dr. Jörg Krampe, TU Wien<br />

Fracking<br />

Leitung: Dipl.-Ing. Gerhard Odenkirchen, MKULNV NRW, Düsseldorf<br />

Weitere Informationen und Anmeldeformulare finden Sie im<br />

Internet unter www.essenertagung.de<br />

Februar 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 143


| FOKUS<br />

|<br />

Tiefbau • Kanalbau • Brunnenbau<br />

Regenwasserbehandlung mit Brief und Siegel<br />

Zur Entlastung eines Mischwasserkanals<br />

in der Kernstadt entschloss<br />

sich das Tiefbauamt der Stadt Lahr,<br />

einen Vorschlag des Planungsbüros<br />

WALD + CORBE Beratende Ingenieure<br />

GbR, Hügelsheim, umzusetzen.<br />

Entgegen der nach dem<br />

Generalentwicklungsplan 2007 ursprünglich<br />

vorgesehenen Aufdimensionierung<br />

des Mischwasserkanals<br />

sollte ein neuer Regenwasserkanal<br />

gebaut werden, der u. a. die Oberflächenabflüsse<br />

zweier Außengebiete<br />

aufnehmen wird. Bei der<br />

Umsetzung des neuen Konzeptes<br />

war zu berücksichtigen, dass die<br />

Oberflächenabflüsse der Straßen zu<br />

behandeln sind, bevor sie in den<br />

Vorfluter eingeleitet werden dürfen.<br />

Das Tiefbauamt Lahr entschied sich<br />

für den Einsatz des Systems INNO-<br />

LET® von der Funke Kunststoffe<br />

GmbH, das seit Jahren mit großem<br />

Erfolg von vielen Kommunen in<br />

Deutschland in Straßenabläufen<br />

eingesetzt wird. Das System reinigt<br />

Niederschlagsabflüsse dezentral,<br />

noch bevor sie in den Regenwasserkanal<br />

bzw. in Oberflächengewässer<br />

gelangen.<br />

Bestandsnetz optimiert<br />

Zwischen 2005 und 2007 entwickelte<br />

das Ingenieurbüro WALD +<br />

CORBE einen Generalentwässerungsplan<br />

(GEP 2007 – Kernstadt)<br />

für die Stadt Lahr. Ziel war es, Problemstellen<br />

im Netz zu ermitteln, in<br />

denen eine ausreichende hydraulische<br />

Leistungsfähigkeit nicht mehr<br />

gegeben war und anschließend<br />

einen Maßnahmenkatalog zu deren<br />

Behebung aufzustellen. Bei der Planung<br />

waren u. a. die örtliche Bebauung,<br />

die Außengebiete und die<br />

<strong>Wasser</strong>spiegellagen in den Vorflutern<br />

zu berücksichtigen. „Auf dieser<br />

Basis werden die Maßnahmen entsprechend<br />

ihrer Priorität sukzessive<br />

durchgeführt, um das Kanalbestandsnetz<br />

unter technischen und<br />

wirtschaftlichen Gesichtspunkten<br />

zu optimieren“, erläutert Dipl.-Ing.<br />

In der Tramplerstraße wird das Regenwasser der Straßenoberfläche nun<br />

über INNOLET ® -Filter, die in den Straßenabläufen nachträglich installiert<br />

wurden, gereinigt in den neuen Regenwasserkanal abgeführt.<br />

Alle Abbildungen: © Funke Kunststoffe GmbH<br />

Für den Einbau der neuen Filter in die Straßeneinläufe zeichnete die<br />

Gebrüder Förster GmbH, Schwanau, verantwortlich. Ein Mitarbeiter der<br />

Firma Funke demonstriert das leichte Wechseln des Filters.<br />

(FH) Michael Kleinthomä, Leiter der<br />

Abteilung Tiefbau, Stadtbauamt<br />

Lahr.<br />

Sinnvolle Alternative<br />

Zu den ersten Sanierungsmaßnahmen<br />

gehörte die Ertüchtigung des<br />

Mischwasserkanals in der Tramplerstraße.<br />

Aufgrund der Außengebietszuflüsse<br />

war regelmäßig ein Überstau<br />

des Mischwasserkanals zu<br />

beobachten, der auch rechnerisch<br />

im Zuge der Erstellung des GEP<br />

nachgewiesen wurde. Die zunächst<br />

vorgesehene Aufdimensionierung<br />

des Mischwasserkanals wurde<br />

zugunsten eines Alternativvorschlags<br />

fallen gelassen, der den<br />

Neubau eines Regenwasserkanals<br />

zur Abführung der Oberflächenabflüsse<br />

in den nahegelegenen<br />

Vor fluter „Sulzbach“ vorsah. „Dies<br />

hatte den Vorteil, dass neben dem<br />

Mischwasserkanal zukünftig auch<br />

die Kläranlage deutlich entlastet<br />

wird“, erklärt Michael Kleinthomä.<br />

Februar 2014<br />

144 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Tiefbau • Kanalbau • Brunnenbau | FOKUS |<br />

Münchner<br />

Kunststoffrohrtage<br />

Internationales Forum<br />

für Rohrsysteme aus polymeren<br />

Werkstoffen<br />

27. – 28. März 2014, München<br />

Mit dem in den Straßenabläufen integrierbaren<br />

INNOLET ® -System der Funke Kunststoffe GmbH<br />

können Schadstoffe wie z. B. Blei, Kupfer, Zink, PAKs<br />

oder Tropföl weitestgehend zurückgehalten werden.<br />

So wurde in einem ersten Bau abschnitt eine neue<br />

Regenwasserentwässerungsleitung in den Nenn weiten<br />

DN 1200 bis DN 1600 verlegt. Weitere dringende<br />

Sanierungs- und Umbaumaß nahmen am bestehenden<br />

Kanalnetz in der Tramplerstraße folgten in einem<br />

zweiten Bauabschnitt. Abschließend wurde die Straßendecke<br />

der Tramplerstraße über die gesamte Fahrbahnbreite<br />

saniert. Sowohl die Kanalisations- als auch die<br />

Straßenbauarbeiten führte die Knäble GmbH Straßenbau,<br />

Biberach, aus.<br />

Regenwasserbehandlungskonzept<br />

entwickelt<br />

Die zu genehmigende Einleitmenge, die über den<br />

neuen Regenwasserkanal in den Vorfluter abgeführt<br />

werden soll, wurde unter Verwendung des 2-jährlichen<br />

Euler modellregens Typ II aus der Bestandsrechnung zu<br />

1.175 L/s ermittelt. Der qualitative Nachweis erfolgte<br />

nach den Arbeitshilfen für den Umgang mit Regenwasser<br />

in Siedlungsgebieten der LfU Baden-Württemberg<br />

und dem ATV-DVWK Merkblatt 153. Die Berechnung<br />

ergab, dass das Regenwasser vor der Einleitung in den<br />

Sulzbach zu behandeln ist. Das Stadtbauamt Lahr<br />

entwickelte daraufhin in Zusammenarbeit mit der<br />

Firma Funke ein Regenwasserbehandlungskonzept,<br />

das die Ausrüstung der Straßeneinläufe im Kanalsanierungs<br />

bereich mit INNOLET®-Filtern vorsah. Insgesamt<br />

sollten 20 Straßeneinläufe mit dem Filtersystem in<br />

Standard ausführung quadratisch ausgestattet werden.<br />

▶▶<br />

Bei den Kunststoffrohrtagen – die<br />

im Jahr 2014 erstmalig in München<br />

stattfinden – werden neben aktuellen<br />

Regeln und Normen die Themen<br />

Geothermie und Neue Entwicklungen<br />

aufgegriffen und thematisiert.<br />

Anwenderberichte aus den Bereichen<br />

Gas, <strong>Wasser</strong>, <strong>Abwasser</strong> und Großrohre<br />

runden das Programm ab.<br />

Medienpartner:<br />

TÜV SÜD Akademie GmbH<br />

Tagungen und Kongresse<br />

Telefon +49 89 5791-2410<br />

viktoria.wolter@tuev-sued.de<br />

www.tuev-sued.de/muenchner-kunststoffrohrtage<br />

Februar 2014<br />

201701-MUCKT-anz-89x250-p-14-01-28.indd 1 28.01.14 10:14<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 145


| FOKUS<br />

|<br />

Tiefbau • Kanalbau • Brunnenbau<br />

Das Bausteine-System INNOLET ® besteht aus einem<br />

Einsatz, einem Grobfilter und einer mit einem<br />

speziellen Substrat gefüllten Filterpatrone.<br />

Einmündungsstelle des neuen Regenwasserkanals<br />

(rechts im Bild) in die Vorflut „Sulzbach“.<br />

Auch hier erfolgte die Nachweisführung<br />

nach LfU-Arbeitshilfen und<br />

ATV-DVWK Merkblatt 153. Das Ergebnis<br />

zeigte eine ausreichende<br />

Reinigung des Regenwassers, sodass<br />

die Maßnahme vom Landratsamt<br />

genehmigt wurde.<br />

Anschließend erfolgte noch<br />

der quantitative Nachweis, wonach<br />

der Einleitungsabfluss bei einem<br />

15- Minuten Regen der Jährlichkeit 1<br />

den einjährlichen Hochwasserabfluss<br />

im Vorfluter nicht überschreiten<br />

darf. Die Berechnungen<br />

zeigten, dass ein Zwischenspeichern<br />

des von den Straßenflächen<br />

anfallenden Niederschlagswassers<br />

vor der Einleitung in den Sulzbach<br />

nicht erforderlich ist.<br />

IKT-Prüfsiegel bescheinigt<br />

zuverlässige Reinigung<br />

Mit dem INNOLET®-System der<br />

Funke Kunststoffe GmbH kann anfallendes<br />

Niederschlagswasser bereits<br />

im Straßenablauf von Schadstoffen<br />

weitestgehend gereinigt werden.<br />

Das System, mit dem sich Straßenabläufe<br />

nach DIN 4052 einfach nachrüsten<br />

lassen, besteht aus Edelstahl<br />

(1.4404) und ist in zwei Ausführungen<br />

erhältlich: Bei Straßenabläufen<br />

mit Gussaufsatz in der Größe 500 x<br />

500 mm beträgt der Durchmesser<br />

315 mm. Bei Straßenabläufen mit<br />

Gussaufsatz in der Größe 300 x<br />

500 mm beträgt der Durchmesser<br />

250 mm. Die Bauhöhe ist bei beiden<br />

Varianten mit 700 mm gleich. „Die<br />

Vorteile des dezentralen Regenbehandlungssystems<br />

INNOLET® sind<br />

die einfache und wirtschaftliche<br />

Nachrüstbarkeit der meisten Straßenabläufe<br />

ohne bauseitige Veränderungen,<br />

die hohe Reinigungsleistung<br />

des Filters und der damit verbundene<br />

hohe Rückhalt von Schwermetallen<br />

(60–80 %), PAK (50 %) und AFS<br />

(50–80 %)“, erläutert Funke-Fachberater<br />

Jürgen Gäßler. Gleichzeitig<br />

weist er darauf hin, dass das<br />

INNOLET®-System, das im Rahmen<br />

von zwei Forschungs- und Entwicklungsvorhaben<br />

mit Unterstützung<br />

des Bundesministeriums für Bildung<br />

und Forschung (BMBF) und des<br />

Bundesministeriums für Wirtschaft<br />

und Technik (BMWI) untersucht und<br />

ausgewertet wurde, in diesem Jahr<br />

vom IKT – Institut für Unterirdische<br />

Infrastruktur als erstes Produkt zur<br />

dezentralen Niederschlagswasserbehandlung<br />

das neue Siegel „IKTgeprüft<br />

gemäß Trennerlass“ erhalten<br />

hat. „Ein eindeutiger Nachweis<br />

für seine hohe und zuverlässige<br />

Reinigungsleistung“, findet Gäßler.<br />

Einfaches Prinzip<br />

Das Funktionsprinzip des Systems ist<br />

denkbar einfach: Das Niederschlagswasser<br />

von Straßen- oder Gewerbebereichen<br />

fließt in den mit INNOLET®<br />

ausgerüsteten Straßeneinlauf. Der<br />

oben angeordnete, seitlich gelochte<br />

Grobfilter, der zuerst durchströmt<br />

wird, dient dem Rückhalt von Grobstoffen<br />

im oberflächlichen Abfluss.<br />

Diese setzen sich auf dem Boden des<br />

Grobfilters ab. Durch die seitlichen<br />

Öffnungen gelangt das <strong>Wasser</strong> in die<br />

darunter liegende Filterpatrone, die<br />

mit Substrat gefüllt ist. Hier werden<br />

insbesondere die im Oberflächenabfluss<br />

mitgeführten gelösten Schwermetalle<br />

sowie die organischen Substanzen<br />

adsorbiert. Aufgrund seines<br />

großen Porenvolumens und eines<br />

speziellen Öladsorbers besitzt das<br />

Substrat zudem eine sehr gute<br />

Ölaufnahmefähigkeit. Danach gelangt<br />

das gereinigte <strong>Wasser</strong> über den<br />

vorhandenen Ablauf in den Regenwasserkanal<br />

oder in ein Gewässer.<br />

„Der Austausch des Sub strats sollte<br />

einmal jährlich erfolgen“, so Gäßler.<br />

„Die empfohlene Anschlussfläche<br />

beträgt beim INNOLET® mit Gussabdeckung<br />

300 x 500 mm etwa 250 m 2<br />

und beim INNOLET® mit Gussabdeckung<br />

500 x 500 mm etwa 400 m 2 .“<br />

Der Neubau des Regenwasserkanals<br />

in der Tramplerstraße in Lahr ist<br />

sowohl hinsichtlich der Entlastung<br />

des Mischwasserkanals als auch<br />

der Kläranlage eine sinnvolle Entscheidung<br />

gewesen. „Die Umsetzung<br />

des Regenwasserkonzeptes<br />

mit den dezentral wirkenden<br />

INNOLET®-Filtern von Funke war<br />

unter wirtschaftlichen und technischen<br />

Gesichtspunkten ebenfalls<br />

eine sehr gute Wahl“, resümiert<br />

Michael Kleinthomä.<br />

Kontakt:<br />

Funke Kunststoffe GmbH,<br />

Siegenbeckstraße 15,<br />

D-59071 Hamm-Uentrop,<br />

Tel. (02388) 3071-0,<br />

Fax (02388) 3071-550,<br />

E-Mail: info@funkegruppe.de,<br />

www.funkegruppe.de<br />

Februar 2014<br />

146 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Tiefbau • Kanalbau • Brunnenbau | FOKUS |<br />

Kunststoffbehälter: <strong>Wasser</strong>speicher für Brandfälle<br />

RigoCollect: die neue Generation unterirdischer Löschwasserbevorratung<br />

Wo heute die Trinkwasserversorgung<br />

saniert und modernisiert<br />

wird, werden <strong>Wasser</strong>leitungen<br />

verkleinert, um sie dem immer<br />

geringeren Verbrauch anzupassen.<br />

Weil die kleineren Leitungsquerschnitte<br />

die im Brandfall nötigen<br />

<strong>Wasser</strong>mengen nicht zur Verfügung<br />

stellen können, entsteht häufig eine<br />

Lücke im Löschwasserbedarf. Um<br />

diese zu schließen, müssen Löschwasserbehälter<br />

nachgerüstet werden,<br />

die die Versorgung im Notfall<br />

garantieren. Hohe Grundwasserstände,<br />

beengte Platzverhältnisse<br />

oder Verkehrsbelastung in der Bauphase<br />

können dabei ein Problem<br />

darstellen. Mit RigoCollect liefert<br />

FRÄNKISCHE in Zusammenarbeit<br />

mit ARIS die optimale Lösung.<br />

Endlich: DIN erlaubt Kunststoffbehälter<br />

Bestehend aus den bewährten<br />

Rigofill inspect-Blöcken, dem Quadrocontrol<br />

Schacht und einer Trennstation,<br />

ist RigoCollect ein unschlagbar<br />

flexibles System, das sich fast<br />

allen baulichen Begebenheiten<br />

anpasst. „Mit der Novellierung der<br />

DIN 14230 im September 2012 sind<br />

die Rigolenfüllkörper von FRÄN-<br />

KISCHE für die Löschwasserbevorratung<br />

zugelassen. Dabei ist es wichtig,<br />

dass der gesamte Innenraum<br />

des Behälters inspiziert werden<br />

kann. RigoCollect kann via TV-<br />

Inspektion jederzeit kontrolliert und<br />

auch gespült werden“, erklärt Stephan<br />

Haala, Leiter Bereich Anlagenbau<br />

bei FRÄNKISCHE. Damit ist<br />

RigoCollect die einfache und wirtschaftliche<br />

Alternative zu Löschwasserbehältern<br />

aus Beton oder<br />

Stahl – nicht nur im Bestand.<br />

Flexible Baugeometrie<br />

Das Herzstück von RigoCollect sind<br />

die Kunststoffbehälter Rigofill inspect<br />

von FRÄNKISCHE mit DIBt-Zulassung.<br />

In mehr als zehn Jahren<br />

haben sie sich als Grundbaustein für<br />

Rigolen in der Regenwasserbewirtschaftung<br />

bewährt. Weil sie einfach<br />

aneinandergesetzt und verbunden<br />

werden, passen<br />

sie sich an fast jeden Grundriss an.<br />

Sie haben ein quadratisches Rastermaß<br />

von 80 cm und können entweder<br />

als Vollblock mit 66 cm oder als<br />

Halbblock mit 35 cm Höhe verwendet<br />

werden. So bilden sie auch flache<br />

Löschwassertanks, wie sie bei<br />

hohen Grundwasserständen nötig<br />

sind. Zusätzlich sind Füllkörperrigolen<br />

sehr stabil: Sie entsprechen der<br />

Belastungsklasse SLW 60 und können<br />

deshalb auch unter Parkplätzen<br />

verbaut werden. Die 20 kg leichten<br />

Füllkörper haben ein Hohlraumvolumen<br />

von 95 % und fassen 400 Liter<br />

pro Block. Damit der Tank dauerhaft<br />

dicht bleibt, wird er mit einer<br />

speziellen Kunststoff-Dichtungsbahn<br />

ummantelt. Wie die Blöcke<br />

selbst ist die Kunststoff-Dichtungsbahn<br />

DIBt-zugelassen. Sie ist aus<br />

HD-Polyethylen und ist seit fast<br />

40 Jahren als zuverlässige Dichtungsbahn<br />

im Deponiebau bekannt.<br />

Rundum versorgt<br />

Der Quadro-control Schacht schafft<br />

den Zugang zum Löschwassertank.<br />

Er wird je nach Bedarf mit Pumpen,<br />

Saugrohren oder anderen Armaturen<br />

ausgestattet. An einem Tank<br />

können mehrere Schächte angebracht<br />

werden, um die <strong>Wasser</strong>entnahmen<br />

an verschiedenen Stellen<br />

zu ermöglichen. „So kann die Feuerwehr<br />

im Brandfall <strong>Wasser</strong> an der<br />

Saugstelle beziehen, während die<br />

Sprinkleranlage bereits läuft. Eine<br />

Löschwasser-Trennstation baut den<br />

erforderlichen Druck für Sprinkleranlagen<br />

und Hydranten auf. Sie kann<br />

verschiedene Versorgungsstationen<br />

ansteuern und sorgt so dafür, dass<br />

das <strong>Wasser</strong> dort zur Verfügung<br />

steht, wo es gebraucht wird“, erklärt<br />

Stefan Prakesch, Geschäftsführer<br />

▶▶<br />

Bestehend aus den bewährten Rigofill inspect-Blöcken, dem Quadrocontrol-Schacht und einer Trennstation,<br />

ist RigoCollect von FRÄNKISCHE und ARIS ein flexibles System für die unterirdische Löschwasserbevorratung,<br />

das sich fast allen baulichen Begebenheiten anpasst.<br />

Februar 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 147


| FOKUS<br />

|<br />

Tiefbau • Kanalbau • Brunnenbau<br />

können wir auch die Gewährleistung<br />

nach VOB auf unsere Löschwasserbehälter<br />

geben“, sagt Stefan<br />

Prakesch. Auch mit komplizierten<br />

Bauverhältnissen kennt das Team<br />

sich aus. Für enge Zeitfenster,<br />

schwierigen Baugrund und Verkehrsbelastung<br />

während der Bauphase<br />

hat es immer die passende<br />

Lösung, wie z. B. ein wanderndes<br />

Baufeld.<br />

Eine je nach Anforderung objektspezifisch individuell konzipierte<br />

Löschwasser-Trennstation von ARIS baut bei der unterirdischen Löschwasserbevorratung<br />

mit RigoCollect den erforderlichen Druck für Sprinkleranlagen<br />

und Hydranten auf. Sie kann verschiedene Versorgungsstationen<br />

ansteuern und sorgt so dafür, dass das <strong>Wasser</strong> dort zur Verfügung<br />

steht, wo es gebraucht wird.<br />

ARIS GmbH. Lösch- und Trinkwasser<br />

bleiben gemäß DIN 1988-600, EN<br />

1717 und EN 13077 getrennt. Die<br />

Trennstation von ARIS wird je nach<br />

Anforderung objektspezifisch individuell<br />

konzipiert.<br />

Inspizierbar und langlebig<br />

Die Rigolenfüllkörper Riogfill inspect<br />

haben einen integrierten,<br />

durchgängigen Inspektionstunnel.<br />

Zeitgemäße TV-Inspektionstechnik<br />

kontrolliert den gesamten Innenraum<br />

des Löschwasserbehälters.<br />

Der schwenkbare und höhenverstellbare<br />

Kamerakopf fängt auch die<br />

Boden- und Seitenflächen, das statische<br />

Tragsystem und mögliche Verunreinigungen<br />

oder Risse an der<br />

Dichtungsbahn ein. „Ein <strong>Wasser</strong>speicher<br />

aus Rigofill-Blöcken hat offiziell<br />

eine erwartete Lebensdauer von<br />

mindestens 50 Jahren. An den über<br />

200 Anlagen, die wir in den letzten<br />

zehn Jahren gebaut haben, gab es<br />

bis jetzt keinerlei Mängel“, sagt Stefan<br />

Prakesch. Weist die Anlage Verschmutzungen<br />

auf, kann sie ganz<br />

einfach über den Quadro-control-<br />

Schacht gespült werden.<br />

Das Rundum-Sorglos-Paket<br />

Der Bau von Löschwasseranlagen<br />

ist ein kompliziertes Thema, bei<br />

dem verschiedene Normen und<br />

Vorschriften beachtet werden müssen.<br />

Für mehr Sicherheit für Behörden,<br />

Planer und Bauausführer unterstützen<br />

FRÄNKISCHE und ARIS<br />

ihre Kunden vom Beginn der Planung<br />

bis zur Abnahme. Auch den<br />

Einbau übernehmen die beiden Unternehmen.<br />

Erfahrene Handwerker<br />

bauen den Löschwasserbehälter<br />

und die Trennstation schnell und sicher<br />

auf. „Wir wissen, worauf wir<br />

achten müssen. Deshalb gehören<br />

die Planungsunterstützung, der<br />

Aufbau und die Montage der Einbauteile<br />

bei uns zum Service. Nur so<br />

Mehr als Löschwasserbevorratung<br />

Neben der Löschwasserbevorratung<br />

kann eine Rigole aus Rigofill<br />

inspect-Blöcken noch mehr. Wer<br />

z. B. anfallendes Regenwasser nutzen<br />

will, setzt mit RigoCollect auf<br />

die richtige Karte. Dafür wird das<br />

Volumen der Rigole entsprechend<br />

höher angesetzt als der reine Löschwasserbedarf.<br />

Die Regenwasserzentrale<br />

schaltet über eine elektronische<br />

Füllstandsüberwachung rechtzeitig<br />

auf Trinkwasserbetrieb um<br />

und stellt so sicher, dass der Löschwasservorrat<br />

jederzeit zur Verfügung<br />

steht. Das Regenwasser kann<br />

z. B. für die Toilettenspülung, zur<br />

Fahrzeugwäsche oder für Kühlturmbetrieb<br />

genutzt werden. Bei entsprechender<br />

Auslegung kann die<br />

Rigole auch zusätzlich als Regenrückhaltebecken<br />

genutzt werden.<br />

Die Kombination aus allen drei Nutzungsvarianten<br />

ist ebenfalls realisierbar.<br />

Mit seinem hohen <strong>Wasser</strong>speicher<br />

und seinem sehr geringen<br />

Eigenvolumen ist RigoCollect die<br />

optimale Lösung für Löschwasserspeicher<br />

in schwierigen Bausituationen.<br />

Besonders im Bestand finden<br />

Bauherren gemeinsam mit Beratern<br />

von FRÄNKISCHE und ARIS immer<br />

eine Möglichkeit, RigoCollect als<br />

Löschwasserbehälter wirtschaftlich<br />

und schnell nachzurüsten.<br />

Ausführliche Informationen sowie Produktbeschreibungen<br />

unter:<br />

www.fraenkische.com<br />

www.aris-systeme.de<br />

per E-Mail an: info.drain@fraenkische.de<br />

sowie info@aris-systeme.de<br />

Februar 2014<br />

148 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Tiefbau • Kanalbau • Brunnenbau | FOKUS |<br />

Flexibler Anschluss an große Betonrohre<br />

Rohrverbindung leicht gemacht:<br />

Der flexible Sattel FA 150-B von<br />

Flexseal schließt Rohre mit Wandstärken<br />

bis 150 mm schnell und<br />

unkompliziert an Beton-Hauptleitungen<br />

mit großen Durchmessern<br />

an. Das Anschlusselement eignet<br />

sich für den Anschluss von Steinzeugrohren<br />

nach DIN EN 295, DN 150<br />

und DN 200, an Betonrohre nach DIN<br />

4032 ab DN 300 sowie für Stahlbetonrohre<br />

nach DIN 4035 ab DN 300.<br />

Über nur vier verschiedene Ausgleichsringevon<br />

Flexseal schließt das<br />

Sattelstück z. B. SML, <strong>GFK</strong> oder Euro-<br />

Top-Rohre der Nennweite DN 150 an<br />

den Stutzen FA 150-B an. Damit produziert<br />

Flexseal nach DIN EN 295, Teil 4<br />

für beinahe jede Rohrkombination<br />

laterale und vom WRc genehmigte<br />

Verbindungen. „Wir verbessern<br />

un se re Produkte ständig. Grundlage<br />

dafür sind u. a. Gespräche mit unseren<br />

Kunden sowie unsere eigenen<br />

Beobachtungen auf Baustellen“,<br />

sagt Roland Mertens, Technischer<br />

Leiter bei Flexseal.<br />

Der hochwertige Materialmix –<br />

Kompressionsdichtung und Muffe<br />

bestehen aus Ethylen Propylen Dien<br />

Monomer-(EPDM)-Kautschuk,<br />

Grundkörper und Spannhülse aus<br />

Acrylnitril Butadien Styrol-(ABS)-<br />

Kunststoff, die Muffenhülse aus<br />

Polypropylen (PP) – garantiert<br />

sichere und langlebige Übergänge<br />

zwischen den Rohrarten. Dabei<br />

nimmt die Muffenhülse Scherlasten<br />

von mehr als 4 kN auf, ohne dass das<br />

ihre Funktion beeinträchtigt. Das<br />

übertrifft die Anforderungen der<br />

Norm (1,5 kN) um ein Vielfaches. Die<br />

flexible EPDM-Muffe lässt sich im<br />

Rahmen der Norm abwinkeln. Eine<br />

spezielle Kunststoffhülse sichert die<br />

Verbindung gegen Scherlast und<br />

Die Flexseal Anschlusselemente FA 150-B und<br />

FA 200-B werden für den Anschluss von Steinzeugrohren<br />

an Hauptleitungen aus Beton mit einer<br />

Wandstärke von 50 bis 150 mm ein gesetzt.<br />

Abwinklung. Die Kompressionsdichtung<br />

eignet sich optimal für<br />

Betonrohre.<br />

Kontakt:<br />

Flexseal GmbH,<br />

Hessenring 31, D-37269 Eschwege,<br />

Tel. (05651) 228822, Fax (05651) 2290900,<br />

E-Mail: anfrage@flexseal.de, www.flexseal.de<br />

Willkommen in der Zukunft<br />

der Umwelttechnologien<br />

5. – 9. Mai 2014<br />

Weltleitmesse für <strong>Wasser</strong>-, <strong>Abwasser</strong>-,<br />

Abfall- & Rohstoffwirtschaft<br />

Jetzt online registrieren!<br />

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Seien Sie mit dabei, wenn sich auf der IFAT 2014 die gesamte Branche der<br />

Umwelttechnologien in München versammelt. Erleben Sie innovative Produkte<br />

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MESSE MÜNCHEN | www.ifat.de<br />

Februar<br />

| info@ifat.de<br />

2014<br />

Tel. (+49) 89 949 - 11358 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> | Fax (+49) <strong>Abwasser</strong> 89 949 - 149 11359


| FOKUS<br />

|<br />

Tiefbau • Kanalbau • Brunnenbau<br />

Im Einklang mit dem Umweltschutz:<br />

Wärme aus der Erde<br />

Energiewende Garching realisiert Geothermie-Projekt für das Gemeindegebiet<br />

Garching mit Frequenzumrichtern von VACON<br />

„Unser Ziel ist es, möglichst viele Menschen, Unternehmen und Institutionen mit sauberer Fernwärme zu versorgen“,<br />

erklärt der Geschäftsführer der Energiewende Garching GmbH, EWG, Michael Weng. Der Geothermie-<br />

Kreislauf ging im April 2012 in der Gemeinde bei München in Betrieb und ermöglicht seither, nicht zuletzt<br />

dank der problemlosen, umrichtergeregelten Fahrweise der Brunnenpumpe, enorme Vorteile. Nicht nur für die<br />

Umwelt, sondern auch für den Wirtschaftsstandort Garching, der mit den umliegenden Gemeinden sowie mit<br />

der bayerischen Landeshauptstadt konkurrieren muss.<br />

Rund 99 % der Erde sind heißer<br />

als 1 000 °C. Genau das macht<br />

sich die Geothermie zunutze. „Geothermie“<br />

oder „Erdwärme“ bezeichnet<br />

die gespeicherte Wärme im uns<br />

zugänglichen Teil der Erdkruste, die<br />

entzogen und genutzt werden<br />

kann. Der Name EWG, „Energie-<br />

Wende für und in Garching“, ist für<br />

die Betreiber – die Stadt Garching<br />

und die Bayernwerk AG als größter<br />

Energieversorger der Region sind<br />

mit 50 % an der EWG beteiligt –<br />

Eine Außenansicht von der Heizzentrale in Garching<br />

bei München. Bilder: © Vacon GmbH<br />

nicht nur Name, sondern Programm<br />

und Auftrag zugleich: Im Sinne des<br />

Klima- und Umweltschutzes für<br />

mehr Nachhaltigkeit in Sachen<br />

Energiebedarfsdeckung.<br />

Technisch ausgeklügelte<br />

Hightech-Lösungen<br />

Für die nachhaltige und regenerative<br />

Fernwärmeversorgung in Garching<br />

kommt ein so genanntes hydrothermales<br />

System zum Einsatz,<br />

das auf heißes, unterirdisches Thermalwasser<br />

zugreift.<br />

Die hydrothermale Wärmeenergie<br />

in Garching wird aus der Geothermiebohrung<br />

TH 2 in rund<br />

2 000 m Tiefe gewonnen und über<br />

die Versenkbohrung TH 1, ebenfalls<br />

in 2 000 m Tiefe, wieder in den sogenannten<br />

Malmgrundwasserleiter<br />

zurückgeführt. Verfahrenstechnisch<br />

wurde dazu eine Druckhaltung<br />

umgesetzt, bei der das komplette<br />

Fördersystem – von der Förder- bis<br />

zur Versenkbohrung – unter Druck<br />

betrieben wird, um eine Ausgasung<br />

sicher zu verhindern.<br />

Das Thermalwasser steht aufgrund<br />

des natürlichen Drucks nur<br />

bis rund 110 m unter der Geländeoberkante.<br />

Daher wird das 74 °C<br />

warme <strong>Wasser</strong> mithilfe einer Tauchkreiselpumpe<br />

an die Erdoberfläche<br />

gefördert. Die 18 m lange Pumpe<br />

hängt rund 340 m tief im Bohrloch.<br />

Auf den ersten Blick nur ein<br />

dünnes, langes Metallrohr, ist die<br />

Geo thermie-Tauchkreiselpumpe auf<br />

engstem Raum vollgepackt mit<br />

modernster Technik und für viele<br />

Jahre Arbeit unter extremen Bedingungen<br />

konzipiert: Im Maximum<br />

beträgt der Volumenstrom der Förderpumpe<br />

bis zu 100 L/s. Bei einer<br />

Kopftemperatur der Förderbohrung<br />

von 74 °C ergibt sich ein nutzbarer<br />

Wärmeinhalt des Geothermie-Kreislaufs<br />

von bis zu 8 MW (rund<br />

192 MWh/d). Die Pumpe befindet<br />

sich unter einem garagengroßen<br />

Gebäude auf dem Bohrplatz. In diesem<br />

ist auch die Förderleitung bis<br />

zur Erdoberfläche untergebracht. In<br />

einem weiteren Gebäude am Bohrplatz<br />

TH2 ist die Stromversorgung<br />

für die Förderpumpe eingebaut.<br />

Frequenzumrichter-Technik<br />

von VACON macht’s möglich<br />

Herzstück der Förderanlage ist der<br />

an der untertägigen Förderpumpe<br />

angebrachte Motor, der über einen<br />

Frequenzumformer (FU) in 12-Puls-<br />

Technik mit integriertem nachgeschalteten<br />

Sinusfilter in der Drehzahl<br />

von 39 – 57 Hz geregelt werden<br />

kann. Aufgrund seiner außergewöhnlichen<br />

Leistungsfähigkeit<br />

wurde hier ein schrankmontierter<br />

VACON NXC-Frequenzumrichter eingesetzt.<br />

Diese Umrichter des finnischen<br />

Frequenzumrichterherstellers<br />

sind kompakt und wurden<br />

umfassend für den Einsatz unter<br />

harten Betriebsbedingungen getestet.<br />

Sie kommen i. d. R. in der Bergbau-,<br />

Öl-, Gas-, <strong>Wasser</strong>- und <strong>Abwasser</strong>industrie<br />

zum Einsatz. Die guten<br />

thermischen Eigenschaften des<br />

Februar 2014<br />

150 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Tiefbau • Kanalbau • Brunnenbau | FOKUS |<br />

Aufgrund seiner außergewöhnlichen Leistungsfähigkeit wurde ein schrankmontierter VACON NXC-Frequenzumrichter<br />

eingesetzt.<br />

Gehäuses gewährleisten eine lange<br />

Lebensdauer des Frequenzumrichters<br />

und einen problemlosen<br />

Betrieb in rauen Umgebungen.<br />

Die Anlage wird über einen Spezialtrafo<br />

mit einer Primärwicklung<br />

von 20 kV und drei Sekundärwicklungen<br />

von 2 x 690 V und 400 V versorgt.<br />

Die beiden Sekundärwicklungen<br />

von 690 V versorgen über ein<br />

Abgangsfeld die Frequenzumrichter-Einheit<br />

in 12-Puls-Technik. Dank<br />

dieser Konfiguration konnte der<br />

Frequenzumrichter in Niederspannungstechnik<br />

realisiert werden, mit<br />

entsprechenden Vorteilen bei der<br />

Installation und der Qualifikation<br />

des hieran tätigen Personals des<br />

Betreibers. Durch die gewählte Einspeisetechnik<br />

konnte die Oberschwingungsbelastung<br />

auf der<br />

20-kV-Seite vergleichsweise niedrig<br />

gehalten werden. Hier kommt ein<br />

robustes und bewährtes Fabrikat<br />

zum Einsatz, das sich durch völlig<br />

problemlosen Betrieb und einfache<br />

Über Vacon<br />

Parametrierbarkeit über Display<br />

und PC auszeichnet. Die Antriebsaufgabe<br />

als solche, nämlich einfach<br />

der Betrieb einer Pumpe, hört sich<br />

zwar zunächst trivial an. Eine derartig<br />

lange, schlanke Konstruktion<br />

von 18 m ohne gefährliche Schwingungen<br />

im nahezu kompletten<br />

Frequenzbereich betreiben zu können,<br />

ist allerdings eine durchaus<br />

anspruchsvolle Aufgabenstellung.<br />

Eine, die der Vacon-Umrichter mit<br />

einer ausgefeilten Motorsteuerungssoftware,<br />

basierend auf dem<br />

eingesetzten NXP3-Hauptprozessor<br />

mit hoher Rechenkraft, absolut<br />

überzeugend erfüllt hat.<br />

Mit Verantwortung für<br />

Umwelt und Standort<br />

Als Gesellschafter der EWG stellt<br />

sich die Stadt Garching ihrer Verantwortung,<br />

zukunftsweisend im<br />

Sinne des Wirtschaftsstandortes<br />

und damit der Stadt zu handeln<br />

„Wir müssen heute die Basis für<br />

Vacon verfügt über R&D- sowie Fertigungsstandorte in Finnland,<br />

den USA, China und Italien sowie über Vertriebsniederlassungen in<br />

27 Ländern.<br />

eine zukunftssichernde unabhängige<br />

Wärmeversorgung schaffen“,<br />

ist Erste Bürgermeisterin Hannelore<br />

Gabor überzeugt. Neben der Versorgung<br />

der Garchinger Haushalte<br />

werden auch die Gewerbetreibenden<br />

im Gemeindeteil Hochbrück<br />

mit Fernwärme aus Geothermie<br />

beliefert. Da Garching als Wirtschaftsstandort<br />

mit den Nachbarkommunen<br />

und der Landeshauptstadt<br />

konkurrieren muss, stellt das<br />

Geothermie-Projekt einen wichtigen<br />

Standortvorteil dar. Denn<br />

Unternehmen, die sich für eine<br />

Ansiedlung interessieren, legen<br />

Wert auf nachhaltige Bauweise der<br />

Gebäude und vor allem auch auf<br />

ökologische Wärmeversorgung zu<br />

bezahlbaren Konditionen. Bezahlbarer<br />

Umweltschutz, zuverlässiger<br />

Betrieb der Technik, Ansprechpartner<br />

vor Ort – Vorteile, die die Unternehmen<br />

zu schätzen wissen.<br />

Kontakt:<br />

Vacon GmbH,<br />

Gladbecker Straße 425,<br />

D-45329 Essen,<br />

Tel. (0201) 80670-0,<br />

Fax (0201) 80670-99,<br />

E-Mail: vacon.@vacon.de,<br />

www.vacon.com<br />

Februar 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 151


| NACHRICHTEN<br />

|<br />

Branche<br />

VKU-Mitgliederbefragung zur Reform<br />

der <strong>Abwasser</strong>abgabe<br />

Finanzielle Mehrbelastungen durch Reformszenarien für kommunale<br />

<strong>Abwasser</strong>entsorger vermeiden<br />

Mit der Einführung des <strong>Abwasser</strong>abgabengesetzes<br />

(AbwAG)<br />

vor mehr als 30 Jahren wurde eine<br />

Verbesserung der Gewässerqualität<br />

angestrebt. Als erste bundesweite<br />

Lenkungsabgabe sollte die <strong>Abwasser</strong>abgabe<br />

zur Reduzierung von Schadstoffeinleitungen<br />

in die Gewässer<br />

beitragen und Investitionen in der<br />

<strong>Abwasser</strong>wirtschaft anregen. Gleichzeitig<br />

zielte sie darauf ab, Umweltkosten,<br />

die mit der Einleitung von<br />

<strong>Abwasser</strong> verbunden sind, verursachergerecht<br />

anzulasten.<br />

Das ursprüngliche umweltpolitische<br />

Lenkungsziel der <strong>Abwasser</strong>abgabe<br />

wurde erreicht. Die Gewässerqualität<br />

ist heute besser als sie<br />

mit der Einführung der <strong>Abwasser</strong>abgabe<br />

angestrebt wurde. 97 % der<br />

kommunalen <strong>Abwasser</strong>menge werden<br />

in Deutschland mit der dritten<br />

Reinigungsstufe behandelt und entsprechen<br />

damit höchsten EU-Standards<br />

(Statistisches Bundesamt<br />

2012). Der Diskussion um eine angemessene<br />

Restverschmutzungsabgabe<br />

stellt sich die kommunale<br />

<strong>Abwasser</strong>wirtschaft – unter der Prämisse,<br />

dass andere Verursachergruppen<br />

mit in den Fokus genommen<br />

werden. Denn der Umsetzungsprozess<br />

der EG-<strong>Wasser</strong>rahmenrichtlinie<br />

zeigt deutlich, dass die Verursacher<br />

der verbleibenden Gewässerbelastungen<br />

vornehmlich im Bereich diffuser<br />

Einträge und damit in der landwirtschaftlichen<br />

Nutzung zu suchen<br />

sind (BMU 2013).<br />

Während die <strong>Abwasser</strong>abgabe in<br />

der Vergangenheit bedeutende<br />

Impulse für den Gewässerschutz setzen<br />

konnte, wird das Instrumentarium<br />

heute den veränderten<br />

umweltpolitischen wie abwasserwirtschaftlichen<br />

Rahmenbedingungen<br />

nicht länger gerecht. Die kommunale<br />

<strong>Abwasser</strong>wirtschaft steht<br />

auch durch die im Koalitionsvertrag<br />

getroffenen Vereinbarungen für die<br />

18. Legislaturperiode neuen Herausforderungen<br />

gegenüber, die die<br />

<strong>Abwasser</strong>abgabe in ihrer bestehenden<br />

Form nicht entsprechend flankieren<br />

kann. Darüber hinaus ist ihre<br />

Erhebung sowohl für Unternehmen<br />

als auch für Behörden mit einem<br />

hohen Vollzugsaufwand verbunden.<br />

Eine umfassende Reform der <strong>Abwasser</strong>abgabe<br />

ist daher dringend geboten.<br />

Vor diesem Hintergrund begrüßt<br />

der Verband kommunaler Unternehmen<br />

(VKU), dass das Bundesumweltministerium<br />

(BMU) eine grundlegende<br />

Novelle des <strong>Abwasser</strong>abgabengesetzes<br />

vorbereitet und<br />

dazu die <strong>Abwasser</strong>abgabe in ihrer<br />

Gesamtkonstruktion kritisch auf den<br />

Prüfstand stellt. Mithilfe eines Gutachtens,<br />

das das Helmholtz-Zentrum<br />

für Umweltforschung Leipzig-<br />

Halle (UFZ) und die Universität<br />

Leipzig ausgearbeitet haben (Gawel<br />

et al. 2013), hat das BMU mögliche<br />

Reformszenarien prüfen und Empfehlungen<br />

für eine umfassende Neuausrichtung<br />

der <strong>Abwasser</strong>abgabe<br />

ausarbeiten lassen. Im November<br />

2013 haben die Gutachter den vorläufigen<br />

Endbericht und ihre Empfehlungen<br />

zur Diskussion gestellt.<br />

Dabei wurde deutlich: der definierte<br />

Zielkorridor für die Reform, der auf<br />

eine „Lenkungsertüchtigung“ der<br />

<strong>Abwasser</strong>abgabe abstellt, greift zu<br />

kurz und die finanziellen Auswirkungen<br />

der skizzierten Reformvorschläge<br />

bedürfen im weiteren Prozess<br />

einer umfassenderen Untersuchung.<br />

Insbesondere darf eine<br />

Restrukturierung des Instruments<br />

der <strong>Abwasser</strong>abgabe nicht zu finanziellen<br />

Mehrbelastungen der kommunalen<br />

<strong>Abwasser</strong>wirtschaft und<br />

damit deren Kunden führen.<br />

Aus Sicht des VKU muss das Ziel<br />

der Reformüberlegungen sein,<br />

die zunehmend infrage stehende<br />

Akzeptanz der <strong>Abwasser</strong>abgabe bei<br />

kommunalen <strong>Abwasser</strong>entsorgern<br />

und deren Kunden wiederherzustellen<br />

und die einseitige Belastung der<br />

kommunalen <strong>Abwasser</strong>wirtschaft<br />

durch die <strong>Abwasser</strong>abgabe zu<br />

be seitigen.<br />

Das heißt insbesondere: Eine<br />

reformierte <strong>Abwasser</strong>abgabe darf<br />

nicht zu einer finanziellen Mehrbelastung<br />

der kommunalen <strong>Abwasser</strong>wirtschaft<br />

führen, sondern muss mit<br />

Kostenersparnissen und einem vereinfachten<br />

Vollzug verbunden sein.<br />

Sonst ist die <strong>Abwasser</strong>abgabe nicht<br />

mehr akzeptabel.<br />

Im Fokus der Reformvorschläge<br />

der Gutachter steht eine möglichst<br />

weitgehende Lenkungsertüchtigung<br />

der <strong>Abwasser</strong>abgabe. In der darauf<br />

fußenden politischen Zielgewichtung<br />

sollte jedoch im Vordergrund<br />

stehen, inwieweit jenseits von lenkungspolitischen<br />

Zielen die langfristigen<br />

Anforderungen an Erhalt,<br />

Erneuerung und Anpassung der<br />

<strong>Abwasser</strong>infrastruktur innerhalb<br />

eines sozialverträglichen Rahmens<br />

berücksichtigt werden können. Ohne<br />

diesen erweiterten Fokus sind die<br />

vorgelegten Reformvorschläge nicht<br />

geeignet, die ohnehin stark infrage<br />

stehende Akzeptanz der <strong>Abwasser</strong>abgabe<br />

bei kommunalen <strong>Abwasser</strong>entsorgern<br />

zu verbessern.<br />

Zentrale Ergebnisse<br />

der VKU-Kurzumfrage zur<br />

<strong>Abwasser</strong>abgabe 2013<br />

Um die anstehenden Diskussionen<br />

mit den politischen Entscheidungsträgern<br />

zu den gutachterlichen<br />

Reformvorschlägen fundiert führen<br />

zu können, hat der VKU im November<br />

2013 eine Mitgliederbefragung<br />

Februar 2014<br />

152 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Branche | NACHRICHTEN |<br />

durchgeführt. Kernziel der Befragung<br />

war es, die möglichen finanziellen<br />

Auswirkungen der Reformelemente<br />

für kommunale <strong>Abwasser</strong>entsorger<br />

zu verdeutlichen. Denn<br />

eine detaillierte Folgenabschätzung,<br />

die über eine exempla rische Verdeutlichung<br />

der einzelnen Reformvorschläge<br />

hinausgeht und die<br />

resultierende Mehrbelastung für<br />

die kommunalen <strong>Abwasser</strong>entsorger<br />

transparent macht, bleibt das Gutachten<br />

schuldig. Dies war für die<br />

wissenschaftliche Ausarbeitung von<br />

Reformszenarien auch nicht vorrangig.<br />

Im Rahmen des Gutachtens<br />

stand zunächst die integrierte<br />

Betrachtung der Reformelemente<br />

im Vordergrund und damit einhergehend<br />

die Frage, ob die einzelnen<br />

Reformaspekte voraussichtlich<br />

abgabelaststeigernd oder mindernd<br />

wirken, welche Elemente<br />

einander in ihren Auswirkungen<br />

auf die Zahllast voraussichtlich<br />

kompensieren können und welche<br />

additiv wirken. Für die Abschätzung<br />

der finanziellen Auswirkungen<br />

der Reformszenarien wurden im<br />

Gutachten daher vereinfachende<br />

Annahmen getroffen. So wurde<br />

bspw. vorausgesetzt, dass Verrechnungen<br />

eine „Momentaufnahme“<br />

darstellen und als solche im Rahmen<br />

der Belastungsabschätzung<br />

vernachlässigt werden können.<br />

Eine solche Überschlagsbetrachtung<br />

mag für die erste wissenschaftliche<br />

Reformskizzierung hinreichend sein,<br />

kann aber für die sich jetzt anschließende<br />

politische Gewichtung der<br />

Vorschläge nicht genügen.<br />

Um diese Lücke für die weiteren<br />

Diskussionen zu schließen, hat der<br />

VKU eine Befragung in seiner Mitgliedschaft<br />

durchgeführt, an der sich<br />

100 <strong>Abwasser</strong>entsorgungsunternehmen<br />

mit insgesamt 740 Kläranlagen<br />

beteiligt haben. Im Fokus der Befragung<br />

standen die gutachterlichen<br />

Empfehlungen zur Einführung einer<br />

„optionalen Messlösung“ und zur<br />

Verrechnung.<br />

Da der Wegfall der Ermäßigungsoption<br />

beim Einhalten der gemäß<br />

Anhang 1 der <strong>Abwasser</strong>verordnung<br />

geforderten Ablaufqualitäten ein<br />

zentrales Reformelement in den<br />

Szenarien der Gutachter darstellt, ist<br />

die VKU-Umfrage zunächst der Frage<br />

nachgegangen, welche Auswir kungen<br />

dieser Reformvorschlag auf<br />

die Belastung der teilnehmenden<br />

<strong>Abwasser</strong> entsorger hätte. Die Befragungsergebnisse<br />

zeigen, dass 99 %<br />

der Teilnehmer derzeit den halbierten<br />

Abgabesatz in Höhe von 17,89 Euro<br />

in Anspruch nehmen können. In der<br />

Folge bedeutet dies, dass für quasi<br />

alle teilnehmenden Unternehmen<br />

allein der Wegfall der Halbierung<br />

für sich betrachtet zu einer Verdoppelung<br />

der <strong>Abwasser</strong>abgabenzahllast<br />

führen würde.<br />

Bescheidlösung oder<br />

Messlösung?<br />

Ein wesentliches entlastendes<br />

Element kann die im Gutachten<br />

skizzierte „optionale Messlösung“<br />

sein. Dabei sollen sich die Unternehmen<br />

zwischen einer Bescheidlösung<br />

(ohne Möglichkeit der Heraberklärung,<br />

ohne ermäßigten<br />

Abgabesatz bei Erreichen des Standes<br />

der Technik) und einer Messlösung<br />

(auch hier ohne halbierten<br />

Abgabesatz) entscheiden können.<br />

80 % der befragten Unternehmen<br />

würden sich für die Messlösung<br />

entscheiden. Dieses Ergebnis ist<br />

jedoch vorbehaltlich der konkreten<br />

praktischen Ausgestaltung der<br />

Messlösung zu sehen. Ausschlaggebend<br />

für die Teilnehmer bei der<br />

Wahl zwischen Messlösung und<br />

veränderter Bescheidlösung ist die<br />

erwartete Höhe der zu zahlenden<br />

<strong>Abwasser</strong>abgabe, gefolgt vom personellen<br />

Aufwand und den Anforderungen<br />

an die Ausgestaltung<br />

des Messprogramms.<br />

Es ist davon auszugehen, dass<br />

sich der Wechsel zur Messlösung insbesondere<br />

in den Fällen lohnt, in<br />

denen deutliche Differenzen zwischen<br />

den tatsächlichen Ablaufkonzentrationen<br />

und den in der wasserrechtlichen<br />

Erlaubnis genannten<br />

Grenzwerten bestehen. Die Befragungsergebnisse<br />

in Bild 1 zeigen<br />

signifikante Differenzen auf und verdeutlichen<br />

damit das Potenzial der<br />

Messlösung.<br />

Parameterbezogen machen derzeit<br />

zwischen 40 und 50 % der Unternehmen<br />

von der Möglichkeit der<br />

Heraberklärung Gebrauch und nutzen<br />

damit das bestehenden Instrumentarium<br />

der <strong>Abwasser</strong>abgabe zur<br />

Annäherung an die tatsächlich eingeleiteten<br />

Frachten.<br />

Als weiteren wesentlichen Themenkomplex<br />

hat die VKU-Umfrage<br />

die Verrechnungstatbestände aufgegriffen.<br />

In ihren Empfehlungen<br />

machen sich die Gutachter für eine<br />

umfassende Einschränkung bzw. die<br />

gänzliche Abschaffung der Verrechnungen<br />

stark.<br />

Den Abschätzungen der finanziellen<br />

Auswirkungen der Reformszenarien<br />

liegt im Gutachten die vereinfachende<br />

Modellannahme zugrunde,<br />

dass es sich bei Verrechnungen um<br />

„Momentaufnahmen“ handelt, die als<br />

solche bei der Belastungsabschätzung<br />

nicht berücksichtigt werden<br />

müssten. Dass diese Annahme nicht<br />

trägt und in weiteren Folgenabschätzungen<br />

nicht gehalten werden kann,<br />

zeigen die Ergebnisse der Umfrage.<br />

Die Möglichkeit zur Verrechnung<br />

wird kontinuierlich genutzt, wenn<br />

auch rückläufig (da die bestehenden<br />

Verrechnungstatbestände die aktuellen<br />

Herausforderungen der kommunalen<br />

<strong>Abwasser</strong>wirtschaft immer<br />

weniger abbilden können). Wie Bild 2<br />

verdeutlicht, konnte über ein Drittel<br />

der Befragten in den vergangenen<br />

fünf Jahren die Abgabenzahllast aufgrund<br />

von Verrechnungen durchschnittlich<br />

um mehr als 75 % verringern.<br />

Über 10 % der befragten Unternehmen<br />

haben sich über den<br />

gesamten 5-Jahreszeitraum konstant<br />

auf null verrechnet, 27 Unternehmen<br />

konnten sich in mindestens einem<br />

Jahr auf null verrechnen. Diese Zahlen<br />

zeigen, dass sich durch die Inanspruchnahme<br />

der Verrechnungsmöglichkeiten<br />

erhebliche Verschiebungen<br />

in der Zahllast ergeben, die nicht als<br />

„Momentaufnahme“ außer Betracht<br />

gelassen werden können.<br />

Das Instrument der Verrechnung<br />

wirkt deutlich dämpfend auf die ▶▶<br />

Februar 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 153


| NACHRICHTEN<br />

|<br />

Branche<br />

tatsächlich abzuführende <strong>Abwasser</strong>abgabe.<br />

Für die Abschätzung der<br />

Veränderungen in der finanziellen<br />

Belastung kommunaler <strong>Abwasser</strong>entsorger<br />

durch die Reformszenarien<br />

muss daher der Vergleich zwischen<br />

der derzeitigen tatsächlichen<br />

Zahllast und der durch die Szenarien<br />

erwarteten Veränderungen<br />

Anteil der 60%<br />

Teilnehmer<br />

50%<br />

40%<br />

30%<br />

20%<br />

10%<br />

0%<br />

1-10 % 10-30 % >30 %<br />

maßgeblich sein. Ein Wegfall der<br />

Ver rechnungsmöglichkeiten hätte<br />

entsprechend erhebliche finanzielle<br />

Mehr belastungen für die befragten<br />

Unternehmen zur Folge.<br />

Mit Blick auf die Förderung der<br />

Akzeptanz der <strong>Abwasser</strong>abgabe<br />

durch die Verrechnungsmöglichkeiten<br />

geben 78 % der Befragten an,<br />

CSB<br />

Nges, anorg.<br />

Pges<br />

n = 97<br />

n = 95<br />

n = 93<br />

Bild 1. Differenzen zwischen tatsächlichen Ablaufkonzentrationen und<br />

Grenzwerten der wasserrechtlichen Erlaubnis.<br />

© VKU-Kurzumfrage zur <strong>Abwasser</strong>abgabe 2013<br />

Anteil der<br />

Teilnehmer<br />

60%<br />

50%<br />

40%<br />

30%<br />

20%<br />

10%<br />

0%<br />

0 bis 25% über 25 bis<br />

50%<br />

über 50 bis<br />

75%<br />

über 75 bis<br />

100%<br />

Bild 2. Verringerung der Abgabenlast aufgrund von Verrechnung 1 .<br />

© VKU-Kurzumfrage zur <strong>Abwasser</strong>abgabe 2013<br />

2008 n = 64<br />

2009 n = 66<br />

2010 n = 66<br />

2011 n = 65<br />

2012 n = 62<br />

1 Angabe der beantragten Werte, sofern die Bescheide noch nicht vorliegen.<br />

dass sie diese als relevantes bzw. sehr<br />

relevantes Element ansehen.<br />

Ausblick<br />

Mithilfe des Gutachtens „Praktische<br />

Ausgestaltung einer fortzuentwickelnden<br />

<strong>Abwasser</strong>abgabe sowie<br />

mögliche Inhalte einer Regelung“<br />

(Gawel et al. 2013) hat das BMU<br />

wesentliche Hintergründe für eine<br />

umfassende Reform der <strong>Abwasser</strong>abgabe<br />

ausarbeiten lassen. Wann<br />

und in welcher Form diese Vorarbeiten<br />

in eine Novelle des <strong>Abwasser</strong>abgabengesetzes<br />

münden, ist noch<br />

nicht abzusehen. Die Reform der<br />

<strong>Abwasser</strong>abgabe wurde nicht in den<br />

Koalitionsvertrag aufgenommen. Es<br />

bleibt damit wichtige Aufgabe der<br />

kommunalen <strong>Abwasser</strong>wirtschaft,<br />

die weiteren vorbereitenden Arbeiten<br />

für eine Novelle konstruktivkritisch<br />

aus der Praxis zu begleiten.<br />

Insbesondere hinsichtlich der praktischen<br />

Ausgestaltung der Messlösung<br />

bleiben wesentliche Fragen offen, die<br />

es im weiteren Prozess zu konkretisieren<br />

gilt. Gleiches gilt auch für die<br />

Belastungsabschätzung der Reformszenarien<br />

und die Neuausrichtung der<br />

Verrechnungstatbestände, wie die<br />

Ergebnisse der VKU-Umfrage zeigen.<br />

Aus Sicht der kommunalen <strong>Abwasser</strong>wirtschaft<br />

darf das Reformpaket<br />

im Ergebnis nicht zu finanziellen<br />

Mehrbelastungen führen, sondern<br />

sollte mit Kostenersparnissen und<br />

einem vereinfachten Vollzug verbunden<br />

sein. Die kritische Prüfung der<br />

<strong>Abwasser</strong>abgabe, die nun auf den<br />

Weg gebracht wurde, muss fortgesetzt<br />

werden – denn ein einfaches<br />

„weiter so“ kann es bei der <strong>Abwasser</strong>abgabe<br />

nicht geben.<br />

Die Kernergebnisse der VKU-<br />

Umfrage und die begleitenden Auswertungsgrafiken<br />

können unter<br />

http://www.vku.de/wasser/wirtschaft/abwasserabgabe.html<br />

abgerufen<br />

werden.<br />

Kontakt:<br />

VKU, Dr. Britta Ammermüller,<br />

Tel. (030) 58580-156,<br />

E-Mail: ammermueller@vku.de,<br />

www.vku.de<br />

Februar 2014<br />

154 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Branche | NACHRICHTEN |<br />

EU-Parlament beschließt <strong>Wasser</strong>ausnahme<br />

in Konzessionsrichtlinie<br />

VKU fordert Absicherung des Erreichten auch in Freihandelsabkommen<br />

Anlässlich der Beschlussfassung<br />

vom 15. Januar 2014 des Europaparlaments<br />

zur Dienstleistungskonzessionsrichtlinie<br />

begrüßt der<br />

Verband kommunaler Unternehmen<br />

e. V. (VKU) nochmals die Entscheidung,<br />

den <strong>Wasser</strong>bereich aus<br />

der Richtlinie herauszunehmen.<br />

Dadurch wird die zentrale Forderung<br />

des VKU in Bezug auf die<br />

Richtlinie erfüllt, für die sich der<br />

VKU gemeinsam mit den kommunalen<br />

Spitzenverbänden eingesetzt<br />

hatte.<br />

VKU-Vizepräsident Michael Beckereit<br />

dazu: „Es war richtig und wichtig,<br />

dass die <strong>Wasser</strong>wirtschaft aus dem<br />

Anwendungsbereich der Richtlinie<br />

herausgenommen wurde. Die in<br />

den Entwürfen vorgesehenen Ausschreibungspflichten<br />

hätten bei<br />

einer Umsetzung in geltendes Recht<br />

tief in die Organisationsfreiheit der<br />

Kommunen bei der Gestaltung der<br />

Trinkwasserversorgung vor Ort eingegriffen.“<br />

Die Herausnahme des <strong>Wasser</strong>s<br />

aus der Richtlinie steht für einen<br />

politischen Konsens: Über die<br />

Organisation der Versorgung mit<br />

dem wichtigsten Lebensmittel<br />

soll vor Ort entschieden werden.<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaft ist eine der<br />

wesentlichen Leistungen kommunaler<br />

Daseinsvorsorge. Beckereit<br />

mahnt: „Der politische Konsens<br />

über die kommunale Organisationsfreiheit<br />

in der <strong>Wasser</strong>wirtschaft darf<br />

durch das zurzeit zwischen der EU<br />

und den USA verhandelte Freihandelsabkommen<br />

nicht wieder unterlaufen<br />

werden“. Grundsätzliches Ziel<br />

des Abkommens ist es nach Angaben<br />

der Europäischen Kommission,<br />

Handelshemmnisse, insbesondere<br />

Zölle und nichttarifäre Hemmnisse,<br />

zu beseitigen und damit den Kauf<br />

und Verkauf von Waren und Dienstleistungen<br />

zwischen der EU und<br />

den USA zu erleichtern. Dies<br />

be deutet aber auch, dass durch das<br />

Abkommen die Organisations freiheit<br />

der Kommunen im Bereich<br />

der <strong>Wasser</strong>wirtschaft beeinträchtigt<br />

werden kann. „Der beste Weg, dies<br />

zu verhindern“, so Beckereit, „ist ein<br />

Ausnahmebereich für die kommunale<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaft im Abkommen.“<br />

Dies bestätigt ein rechtswissenschaftliches<br />

Kurzgutachten<br />

des in Fragen des europäischen und<br />

internationalen Wirtschaftsrechts<br />

renommierten Professors Markus<br />

Krajewski von der Friedrich-Ale x-<br />

© Rainer Sturm, pixelio.de<br />

ander Universität Erlangen-Nürnberg<br />

im Auftrag des VKU.<br />

Die kommunale <strong>Wasser</strong>wirtschaft<br />

weiß sich mit ihrer Forderung<br />

nach einer Absicherung der<br />

kommunalwirtschaftlichen Strukturen<br />

der <strong>Wasser</strong>wirtschaft im Freihandelsabkommen<br />

im Einklang mit<br />

der neuen Bundesregierung. Auch<br />

der Koalitionsvertrag der Regierungsparteien<br />

legt beim Thema<br />

Freihandelsabkommen Wert auf die<br />

Sicherung der öffentlichen Daseinsvorsorge.<br />

Weitere Informationen:<br />

www.vku.de<br />

part of it! Be part of it! Be part of it! Be part of<br />

NETZWERK WISSEN<br />

Universitäten und Hochschulen stellen sich vor:<br />

Studiengänge und Studienorte rund ums <strong>Wasser</strong>fach<br />

im Porträt – in der technisch-wissenschaftlichen<br />

Fachzeitschrift <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong>|<strong>Abwasser</strong><br />

Kontakt zur Redaktion:<br />

E-Mail: ziegler@oiv.de<br />

EAZ Netzwerk 1.indd 1 3.9.2012 15:25:06<br />

Februar 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 155


| NACHRICHTEN<br />

|<br />

Branche<br />

Bündnis aus Imkern, Umweltverbänden und<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaft: Bundesregierung muss Defizite<br />

beim Pestizid-Aktionsplan zügig ausräumen<br />

Nationaler Pestizid-Aktionsplan setzt bislang nicht die richtigen Prioritäten<br />

Einen ernsthaften Schutz vor<br />

den Risiken des Pestizideinsatzes<br />

fordert ein breites Bündnis von<br />

Umweltverbänden, <strong>Wasser</strong>wirtschaft<br />

und Imkern von Landwirtschaftsminister<br />

Hans-Peter Friedrich (CSU)<br />

anlässlich der Internationalen Grünen<br />

Woche. Der zu diesem Zweck eingeführte<br />

Nationale Pestizid-Aktionsplan<br />

(NAP) setzt aus Sicht der<br />

Verbände nicht die notwendigen<br />

Prioritäten. Umwelt-, Imker- und<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaft hatten deshalb<br />

ihre langjährige Mitarbeit im NAP-<br />

Forum 2011 aufgekündigt. Die<br />

große Koalition hat sich im<br />

Koalitions vertrag verpflichtet, den<br />

Pestizid-Aktionsplan entschlossen<br />

umzusetzen. Um Mensch, Natur<br />

und Umwelt wirksam vor den<br />

Risiken des Pestizideinsatzes zu<br />

schützen, bedarf es laut Umweltverbänden,<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaft und<br />

Berufsimkern einer grundlegenden<br />

Nachbesserung des NAP.<br />

© Luise/pixelio.de<br />

Die Abhängigkeit der Landwirtschaft<br />

vom chemischen Pflanzenschutz<br />

steigt seit Jahrzehnten. Zwischen<br />

2002 und 2012 stieg der<br />

Inlandsabsatz an Pestizid-Wirkstoffen<br />

um mehr als 30 % auf insgesamt<br />

45 527 Tonnen. „Der NAP ist daran<br />

zu messen, ob er die starke Abhängigkeit<br />

vom chemischen Pflanzenschutz<br />

nachhaltig reduziert.<br />

Die Abhängigkeit von Pestiziden<br />

zu senken, ist ein wichtiger<br />

Schlüssel, um die Agrarökosysteme<br />

und eine zukunftsfähige Landwirtschaft<br />

zu sichern“, sagt Carina<br />

Weber, Ge schäftsführerin des Pestizid<br />

Aktions-Netzwerks e. V. (PAN<br />

Germany).<br />

Die Folgen des jahrzehntelangen<br />

Einsatzes von Pestiziden in der<br />

Landwirtschaft seien unübersehbar,<br />

mahnt Tomas Brückmann, Pestizidexperte<br />

des BUND. „Vögel finden<br />

keine Samen und Insekten mehr,<br />

um ihre Brut zu füttern, Amphibien<br />

verlieren ihre Fortpflanzungsfähigkeit<br />

und die Gewässer sind mit Herbiziden,<br />

Fungiziden und Insektiziden<br />

belastet. Gegenmaßnahmen<br />

sind dringend erforderlich“, so<br />

Brückmann.<br />

„Der Aktionsplan sollte wechselnde<br />

Fruchtfolgen vorschreiben<br />

und den integrierten Pflanzenschutz<br />

endlich so umsetzen, dass<br />

der Einsatz von Pestiziden in der<br />

Fläche deutlich reduziert wird“, fordert<br />

Florian Schöne, Agrarexperte<br />

des NABU.<br />

Pestizidreduktion bedeutet auch<br />

Ressourcenschutz. „Der NAP muss<br />

die Oberflächengewässer und das<br />

Grundwasser besser vor dem Eintrag<br />

von Pestiziden schützen. Wir fordern<br />

die Bundesregierung auf, nun zügig<br />

Maßnahmen zum Schutz der Trinkwasserressourcen<br />

auf den Weg zu<br />

bringen“, so Martin Weyand, Hauptgeschäftsführer<br />

<strong>Wasser</strong>/<strong>Abwasser</strong><br />

des Bundesverbandes der Energieund<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaft e. V. (BDEW).<br />

Honig- und Wildbienen sichern<br />

durch ihre Bestäubungsleistung<br />

Ernteerträge und leisten eine<br />

Schlüsselfunktion im Ökosystem.<br />

„Dennoch wird die massive Schädigung<br />

von Bienen durch Pestizide im<br />

NAP nicht ernst genommen. Anders<br />

ist nicht zu erklären, warum zwar<br />

die Reduktion der Belastung von<br />

blütenbestäubenden Insekten mit<br />

Pestiziden als Ziel aufgenommen<br />

wurde, wirksame Maßnahmen dagegen<br />

und jede Verbindlichkeit,<br />

wann ein solches Ziel erreicht sein<br />

soll, jedoch fehlen“, sagt Manfred<br />

Hederer vom Berufsimkerbund DBIB.<br />

Einen ähnlichen Widerspruch<br />

attestiert Christiane Huxdorff, Landwirtschaftsexpertin<br />

bei Greenpeace.<br />

Der NAP hat zum Ziel, den Anteil<br />

der ökologisch, also ohne chemische<br />

Pestizide bewirtschafteten<br />

Ackerfläche, von derzeit rund 6 %<br />

auf 20 % zu erhöhen. Eine Jahreszahl,<br />

wann dies erreicht sein soll,<br />

fehlt. „Mit den bislang beschlossenen<br />

ärmlichen Maßnahmen, ist der<br />

Ausbau des Öko-Landbaus nicht<br />

zu schaffen. Wenn es der Bundesregierung<br />

mit dem NAP ernst ist,<br />

muss Minister Friedrich hier massiv<br />

nachbessern“, erklärt Huxdorff.<br />

Kontakte und Informationen zum Thema:<br />

Tomas Brückmann, BUND,<br />

Tel. (030) 275864-20, www.bund.net<br />

Susan Haffmans, PAN Germany,<br />

Tel. (040) 3991910-25, www.pan-germany.org<br />

Manfred Hederer, DBIB,<br />

Tel. (0151) 2303-8271, www.berufsimker.de<br />

Christiane Huxdorff, Greenpeace e. V.,<br />

Tel. (040) 30618-358, www.greenpeace.de<br />

Florian Schöne, NABU,<br />

Tel. (030) 284984-1615, www.nabu.de<br />

Jan Ulland, BDEW,<br />

Tel. (030) 300199-1162, www.bdew.de<br />

Februar 2014<br />

156 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Branche | NACHRICHTEN |<br />

Bodensee-<strong>Wasser</strong>versorgung bedauert<br />

Verlängerung der Fracking-Aufsuchungskonzessionen<br />

im Einzugsgebiet<br />

Die Bodensee-<strong>Wasser</strong>versorgung<br />

bedauert die Verlängerung der<br />

Konzession, die einer britischen<br />

Firma die Suche nach Schiefergas<br />

im Einzugsgebiet des Bodensees<br />

erlaubt. Trotz vieler Einwände<br />

gegen die Verlängerung der Aufsuchungskonzessionen<br />

für die Firma<br />

Parkyn Energy Limited, weiterhin im<br />

Feld Biberach und Konstanz, und<br />

damit im direkten Einzugsgebiet<br />

des Bodensees, Aufsuchungen nach<br />

Schiefergas voranzutreiben, hat das<br />

Regierungspräsidium in Freiburg<br />

dem Antrag der Firma Parkyn<br />

Energy Limited jetzt zugestimmt.<br />

Die Bodensee <strong>Wasser</strong>versorgung<br />

hatte sich im Vorfeld in einer umfassenden<br />

Stellungnahme an das<br />

Regierungspräsidium klar gegen<br />

die Verlängerung ausgesprochen<br />

und insbesondere die Kriterien<br />

einer möglichen Verlängerung hinterfragt.<br />

Der technische Geschäftsführer<br />

Dr. Marcel Meggeneder dazu:<br />

„Es ist schade, dass das Regierungspräsidium<br />

nicht die Chance nutzen<br />

konnte, ein klares Signal für den<br />

Schutz des Einzugsgebietes, und<br />

damit für den absoluten Vorrang<br />

der Trinkwasserversorgung aus dem<br />

Bodensee zu setzen. Wir hatten<br />

Hauptverwaltung Stuttgart-Vaihingen. © ZVBWV<br />

gehofft, dass der im Frühjahr entstandene<br />

Gesetzesentwurf zum<br />

Schutz des Einzugsgebietes Bodensees<br />

in der weiteren Betrachtung<br />

eine Rolle spielt.<br />

Leider konnte somit die Chance,<br />

die im Koalitionsvertrag der neuen<br />

Bundesregierung zum Ausdruck<br />

kommende Haltung für ein Fracking-Moratorium<br />

zu bekräftigen,<br />

nicht genutzt werden.“ Wenngleich<br />

klar ist, dass die Aufsuchungskonzession<br />

noch nicht die Förderung<br />

von Schiefergas bedeutet, so hätte<br />

man hier jedoch ein Zeichen setzen<br />

können. Nun werden die Proteste<br />

sicherlich weitergehen und auch<br />

die Bodensee-<strong>Wasser</strong>versorgung wird<br />

sich weiterhin gegen Fracking-<br />

Vorhaben im Bodenseebereich<br />

engagieren.<br />

Weitere Informationen:<br />

www.zvbwv.de<br />

Gas, <strong>Wasser</strong>,<br />

Fernwärme, <strong>Abwasser</strong>,<br />

Dampf, Strom<br />

<strong>Wasser</strong>aufbereitung GmbH<br />

Grasstraße 11 • 45356 Essen<br />

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WINDOWS, Projektverwaltung,<br />

Hintergrundbilder (DXF, BMP, TIF, etc.),<br />

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Hilfe, umfangreiche GIS-/CAD-<br />

Schnittstellen, Online-Karten aus Internet.<br />

Stationäre und dynamische Simulation,<br />

Topologieprüfung (Teilnetze),<br />

Abnahmeverteilung aus der Jahresverbrauchsabrechnung,<br />

Mischung von<br />

Inhaltsstoffen, Verbrauchsprognose,<br />

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Februar 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 157


| NACHRICHTEN<br />

|<br />

Branche<br />

Mensch beeinflusst Ökosysteme stärker als erwartet<br />

Die bislang meist negative Bewertung des menschlichen Einflusses sollte aber<br />

differenzierter vorgenommen werden<br />

Dass der Mensch die Umwelt verändert, ist unbestritten. Doch wie stark wirkt sich die traditionelle Landnutzung<br />

auf lange Sicht aus? Um diese Frage zu beantworten, vergleichen Wissenschaftler des Instituts für<br />

Umweltwissenschaften Landau an der Universität Koblenz-Landau sowie der Universitäten Göttingen und<br />

Zürich Landschaften in den Hochanden, die seit vielen Jahrtausenden bewirtschaftet werden, mit noch vollständig<br />

unberührten Tier- und Pflanzenwelten. Eine solche „vergessene Welt“ in den tropischen Anden in<br />

Peru, wie sie auf diesem Planeten nur noch sehr schwer zu finden ist, sieht dabei völlig anders aus als erwartet.<br />

In den vergangenen 10 000 Jahren<br />

gab es in den tropischen Anden<br />

viele menschliche Gesellschaften.<br />

Einige Wissenschaftler vermuten,<br />

dass der Großteil der heutigen<br />

Pflanzenwelt in den Hochanden<br />

im Laufe der Jahrtausende durch<br />

intensive Landnutzung wie Ackerbau,<br />

Beweidung und Holzeinschlag<br />

grundlegend verändert wurde.<br />

Andere glauben, dass sich die traditionelle<br />

Landnutzung nur begrenzt<br />

ausgewirkt hat und die heutige<br />

Pflanzenwelt eher dem natürlichen<br />

Urzustand gleicht.<br />

Um dies zu klären, untersuchen<br />

Wissenschaftler des Instituts für<br />

Umweltwissenschaften Landau und<br />

der Universitäten Göttingen und<br />

Zürich mithilfe riskanter Klettertechniken<br />

die von Menschen völlig<br />

unberührte Natur auf großen Felsvorsprüngen<br />

in 4 000 bis 5 000 m<br />

Höhe. Dort unterscheidet sich die<br />

Pflanzenwelt deutlich von der sonst<br />

in den Anden vorkommenden Vegetation.<br />

Die natürlichen Flächen werden<br />

von zahlreichen bislang unbekannten<br />

Pflanzenarten dominiert,<br />

die in den vom Menschen bewirtschafteten<br />

Gebieten wohl ausgestorben<br />

sind.<br />

Die Forscher entdeckten selbst<br />

in mehr als 4 800 m Höhe Waldstücke.<br />

Dies zählt nach heutigem<br />

Kenntnisstand zu den weltweit<br />

Wissenschaft in luftiger Höhe: Steven Paul Sylvester seilt sich tausend Meter über dem<br />

Talboden zu einem Felsvorsprung ab, um die Pflanzenwelt zu erkunden.<br />

© Felix Heitkamp, Universität Göttingen<br />

höchsten Baumgrenzen. Selbst der<br />

Boden der unberührten Ökosysteme<br />

unterscheidet sich deutlich,<br />

sodass die klimatischen Rückkopplungen<br />

mit den Kohlenstoffkreisläufen<br />

in natürlichen Hochgebirgsökosystemen<br />

neu überdacht werden<br />

müssen. Der Mensch veränderte<br />

also durch die Umwandlung der<br />

Waldbestände in Graslandschaften<br />

und deren Nutzung durch extensive<br />

Beweidung die Tier- und Pflanzenwelt<br />

und damit auch den Entwicklungsgrad<br />

des Bodens wesentlich<br />

deutlicher und nachhaltiger als bisher<br />

gedacht.<br />

Menschlicher Einfluss nicht<br />

nur negativ<br />

Der Einfluss des Menschen ist in dieser<br />

Landschaft aber nicht unbedingt<br />

negativ zu sehen. Während in den<br />

unberührten Wald- und Grasgebieten<br />

nur jeweils bis zu zehn verschiedene<br />

Pflanzenarten leben, sind es<br />

bei beweideten Grasflächen bis zu<br />

30. Jedoch wird diese höhere<br />

Diversität dadurch erkauft, dass<br />

bestimmte natürlich vorkommende<br />

Pflanzenarten in den früher genutzten<br />

Landstrichen ausgestorben sind.<br />

Zudem führen in den unberührten<br />

Regionen die hohen Anteile an Totholz<br />

zu einem hohen Reichtum an<br />

darauf wachsenden Pflanzen, sogenannten<br />

Epiphyten.<br />

Ursache für den höheren Artenreichtum<br />

ist die größere Lichtintensität,<br />

die durch die geringere Anzahl<br />

an Bäumen und Sträuchern ermöglicht<br />

wird. Zudem zeigen die Böden<br />

in den extensiven Weidegebieten<br />

Februar 2014<br />

158 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Branche | NACHRICHTEN |<br />

eine überraschend hohe Humusanreicherung.<br />

Jedoch führt die<br />

Beweidung offensichtlich zu Nährstoffverlusten<br />

durch Versauerung,<br />

Verwitterung und Auswaschung.<br />

Inwieweit diese Erkenntnisse aus den<br />

Hochanden auf andere Ökosysteme<br />

oder Klimazonen übertragbar sind,<br />

lässt sich noch nicht sagen, da bislang<br />

zu wenige unberührte Flächen<br />

entdeckt und untersucht wurden.<br />

Die in diesem Projekt entwickelte<br />

Methodik zum Vergleich der natürlichen<br />

und veränderten Landschaften<br />

lässt sich jedoch auf andere Ökosysteme<br />

anwenden. Bei mehr Datenmaterial<br />

könnten die Auswirkungen<br />

der menschlichen Tätigkeit besser<br />

bewertet und damit auch nachhaltiger<br />

und umweltschonender<br />

gestaltet werden.<br />

„Das Projekt zeigt, dass die bislang<br />

meist sehr negative Bewertung<br />

des menschlichen Einflusses wesentlich<br />

differenzierter vorgenommen<br />

werden sollte, da es zumindest in<br />

den Anden dadurch mehr und häufigere<br />

Arten gibt“, sagt Prof. Dr.<br />

Hermann Jungkunst vom Institut<br />

für Umweltwissenschaften Landau.<br />

„Jedoch ist Ähnliches nur für<br />

bestimmte dünn besiedelte Landstriche<br />

wie in den Bergen zu erwarten.<br />

Dagegen dürfte der menschliche<br />

Einfluss in reichen Ökosystemen<br />

wie den tropischen immergrünen<br />

Regenwäldern in jedem Fall die<br />

Artenvielfalt verringern.“<br />

Kontakt:<br />

Universität Koblenz-Landau,<br />

Institut für Umweltwissenschaften Landau,<br />

Prof. Dr. Hermann Jungkunst,<br />

Fortstraße 7,<br />

D-76829 Landau,<br />

Tel. (06341) 280-31475,<br />

E-Mail: jungkunst@uni-landau.de,<br />

http://www.uni-koblenz-landau.de<br />

Diese rotblütige Art der Gattung Bartsia war der<br />

Wissenschaft bislang unbekannt. © Steven Paul S ylvester,<br />

Universität Zürich<br />

E I N L A D U N G<br />

Messtechnik Regeltechnik Steuerungstechnik Prozessleitsysteme<br />

Mittwoch, 26. März 2014<br />

8:00 bis 16:00 Uhr<br />

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65929 Frankfurt am Main<br />

Führende Fachfirmen der Branche präsentieren ihre Geräte und Systeme und<br />

zeigen neue Trends in der Automatisierung auf. Die Messe wendet sich an<br />

alle Interessierten, die auf dem Gebiet der Mess-, Steuer- und Regeltechnik<br />

sowie der Prozessautomation tätig sind.<br />

Der Eintritt zur Messe, die Teilnahme an den Workshops und der Imbiss<br />

sind für die Besucher kostenlos.<br />

Weitere Informationen finden Interessierte auf unserer Internetseite.<br />

www.meorga.de<br />

info@meorga.de<br />

MEORGA GmbH<br />

Sportplatzstraße 27<br />

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Tel. 06838 / 8960035<br />

Fax 06838 / 983292<br />

Februar 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 159


| NACHRICHTEN<br />

|<br />

Branche<br />

Klimawandel setzt 40 Prozent mehr Menschen dem<br />

Risiko absoluter <strong>Wasser</strong>knappheit aus<br />

<strong>Wasser</strong>knappheit trifft schon heute Menschen in vielen Ländern, und durch das Bevölkerungswachstum wird<br />

der Bedarf an Süßwasser noch weiter steigen. Zusätzlich aber ist in Zukunft vielerorts weniger <strong>Wasser</strong> verfügbar,<br />

weil sich etwa Regenfall und Verdunstung verändern. Der Klimawandel aufgrund unverminderter Treibhausgasemissionen<br />

wird wahrscheinlich noch in diesem Jahrhundert rund 40 % mehr Menschen einem Risiko<br />

absoluter <strong>Wasser</strong>knappheit aussetzen, als es ohne Klimaänderungen der Fall wäre. Das zeigt eine neue Studie,<br />

für die eine noch nie dagewesene Zahl von Klimafolgenmodellen verwendet wurde.<br />

Die Analyse wird in einem Sonderteil<br />

der Fachzeitschrift Proceedings<br />

of the National Academy<br />

of Sciences erscheinen, die erste<br />

Ergebnisse des Inter-Sectoral<br />

Impact Model Intercomparison Project<br />

(ISI-MIP) versammelt. Dieses ist<br />

ein einzigartiger und von Wissenschaftlern<br />

weltweit getragener Versuch,<br />

die Forschung zu den Folgen<br />

des Klimawandels auf eine neue<br />

Ebene zu bringen.<br />

„Die stärkste Zunahme von globaler<br />

<strong>Wasser</strong>knappheit könnte es<br />

bei einer globalen Erwärmung von<br />

zwei bis drei Grad über dem vorindustriellen<br />

Niveau geben – und<br />

das werden wir in den nächsten Jahrzehnten<br />

bereits erleben, wenn die<br />

Emissionen nicht bald gesenkt werden“,<br />

sagt Leitautor Jacob Schewe<br />

vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.<br />

„Dass die <strong>Wasser</strong>knappheit<br />

zunimmt, ist bereits länger<br />

bekannt. Aber unsere Studie<br />

bestimmt erstmals den relativen<br />

Anteil des Klimawandels daran, im<br />

Vergleich – und zusätzlich – zu der<br />

wachsenden <strong>Wasser</strong>knappheit, die<br />

einfach auf das Bevölkerungswachstum<br />

zurückzuführen ist.“<br />

Ein bis zwei von 100 Menschen<br />

leben heute in Ländern mit absoluter<br />

<strong>Wasser</strong>knappheit. Bevölkerungswachstum<br />

und Klimawandel würden<br />

dies bei einer globalen Erwärmung<br />

von rund drei Grad auf zehn<br />

von hundert erhöhen, so die Studie.<br />

Absolute <strong>Wasser</strong>knappheit wird<br />

definiert als weniger als 500 m 3 pro<br />

Jahr und Kopf. Eine solche Menge<br />

kann den Bedarf – wenn überhaupt –<br />

nur dann decken, sofern sehr effiziente<br />

Techniken der <strong>Wasser</strong>nutzung<br />

und des <strong>Wasser</strong>managements<br />

eingesetzt werden; in vielen<br />

Ländern gibt es diese Techniken<br />

nicht. Zum Vergleich: der durchschnittliche<br />

globale <strong>Wasser</strong>verbrauch<br />

pro Kopf und Jahr liegt bei<br />

etwa 1 200 m 3 , in den Industrieländern<br />

noch deutlich höher.<br />

Die regionalen Unterschiede bei<br />

den Auswirkungen des Klimawandels<br />

auf die Verfügbarkeit von <strong>Wasser</strong><br />

sind immens. Für den Mittelmeerraum,<br />

den Nahen Osten, den<br />

Süden der USA und Südchina z. B.<br />

sind laut der Studie wahrscheinlich<br />

deutliche Verluste an verfügbarem<br />

<strong>Wasser</strong> zu erwarten. Südindien, das<br />

westliche China und Teile Ostafrikas<br />

hingegen könnten eine erhebliche<br />

Zunahme erleben.<br />

„<strong>Wasser</strong>knappheit ist eine große<br />

Bedrohung für die menschliche Entwicklung,<br />

etwa in Regionen wo die<br />

© Schakatak/pixelio.de<br />

Nahrungssicherheit von der Bewässerung<br />

abhängt – die Landwirtschaft<br />

ist der größte <strong>Wasser</strong>verbraucher<br />

weltweit“, sagt Ko-Autor<br />

Qiuhong Tang von der Chinesischen<br />

Akademie der Wissenschaften.<br />

„Trotzdem ist auch eine Zunahme<br />

von Niederschlägen eine Herausforderung<br />

– zusätzliches <strong>Wasser</strong><br />

kann Überflutungen und Störungen<br />

von Infrastruktur wie etwa der<br />

Kanalisation verursachen. Insgesamt<br />

steigen die Risiken also.“<br />

Neben der Landwirtschaft benötigen<br />

auch viele industrielle Produktionsprozesse<br />

große Mengen <strong>Wasser</strong>,<br />

sodass ein Mangel daran in manchen<br />

Regionen die ökonomische<br />

Entwicklung erschwert.<br />

Die Studie basiert auf Berechnungen<br />

von elf verschiedenen globalen<br />

hydrologischen Modellen,<br />

die wiederum mit von fünf globalen<br />

Klimamodellen erzeugten Daten<br />

Februar 2014<br />

160 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Branche | NACHRICHTEN |<br />

angetrieben wurden – ein Ensemble<br />

von Simulationen, das es bislang<br />

in dieser Größe nicht gegeben hat,<br />

und das in Kooperation mit vielen<br />

Forschungsgruppen aus der ganzen<br />

Welt entstand. Damit führen die<br />

Ergebnisse das derzeit aktuellste<br />

Wissen über Auswirkungen des Klimawandels<br />

auf die Verfügbarkeit<br />

von <strong>Wasser</strong> zusammen. Die in ISI-<br />

MIP zusammenarbeitenden Wissenschaftler<br />

vergleichen systematisch<br />

die Ergebnisse der verschiedenen<br />

Computersimulationen, um zu sehen,<br />

wo sie übereinstimmen und wo<br />

nicht. Die oben genannten Zahlen<br />

sind Durchschnittsergebnisse mehrerer<br />

Modelle. Das heißt, dass einige<br />

der Modelle auch eine mög liche<br />

stärkere Zunahme der <strong>Wasser</strong>knappheit<br />

anzeigen.<br />

„Dieser breit angelegte Modellvergleich<br />

ist insofern einzigartig, als<br />

er eine gute Einschätzung der Unsicherheiten<br />

bei zukünftigen Folgen<br />

des Klimawandels erlaubt – was uns<br />

umgekehrt zeigt, welche Erkenntnisse<br />

besonders robust sind“, sagt<br />

Ko-Autor Pavel Kabat vom International<br />

Institute for Applied Systems<br />

Analysis (IIASA). „Betrachtet man<br />

das Ganze aus der Perspektive des<br />

Risikomanagements, so wird selbst<br />

aus den eher optimistischen Szenarien<br />

und Modellen sehr deutlich: Wir<br />

bringen Lebensgrundlagen von Millionen<br />

Menschen in Gefahr, wenn<br />

der menschengemachte Klimawandel<br />

sich ungebremst fortsetzt.“<br />

Allerdings sei die Arbeit damit<br />

noch lange nicht beendet, fügte er<br />

hinzu. „Wir benötigen weitere Forschung,<br />

wie sich der <strong>Wasser</strong>bedarf<br />

in Zukunft in verschiedenen Bereichen<br />

wie Landwirtschaft, Industrie<br />

und Energie entwickeln wird – und<br />

wie zusätzlich zur Reduzierung<br />

von Treibhausgasen die technologischen<br />

Entwicklungen im <strong>Wasser</strong>sektor<br />

helfen könnten, <strong>Wasser</strong>knappheit<br />

zu vermindern.“<br />

Artikel: Schewe, J., Heinke, J., Gerten, D.,<br />

Haddeland, I., Arnell, N.W., Clarke, D.B.,<br />

Dankers, R., Eisner, S., Fekete, B.M., Colón-<br />

González, F.J., Gosling, S.M., Kim, H., Liu, X.,<br />

Masaki, Y., Portmann, F.T., Satoh, Y., Stacke,<br />

T., Tang, Q., Wada, Y., Wisser, D., Albrecht, T.,<br />

Frieler, K., Piontek, F., Warszawski, L., Kabat,<br />

P. (2013): Multi-model assessment of water<br />

scarcity under climate change. Proceedings<br />

of the National Academy of Sciences<br />

(early online edition) [DOI:10.1073/<br />

pnas.1222460110]<br />

Weitere Informationen:<br />

http://www.pik-potsdam.de/?set_<br />

language=de<br />

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10<br />

4 6<br />

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Februar 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 161


| NACHRICHTEN<br />

|<br />

Branche<br />

Biozidhaltigen Farbanstrichen schon heute die<br />

rote Karte zeigen<br />

DBU-Appell, auf Schiffsanstriche zu verzichten, die Mensch, Tier und Umwelt schaden<br />

Eigentlich hätte das Problem am 14. Mai 2015 vom Tisch sein sollen: Nach dem Wunsch des Europäischen<br />

Parlaments sollte bis zu diesem Tag per Umwelt- und Gesundheitsbewertung feststehen, welche alten bioziden<br />

Wirkstoffe noch zugelassen sind – und welche eben nicht. Biozide werden u. a. in Farben verwendet, um etwa<br />

Schiffsrümpfe gegen unerwünschten Bewuchs zu schützen. Doch diese Frist ist nun bis Ende 2024 ausgeweitet<br />

– mit der Konsequenz, dass die möglicherweise gesundheitsschädigenden Produkte bis dahin weiter auf dem<br />

Markt bleiben dürfen. „Das darf aber kein Freibrief dafür sein, diese Farben auch weiterhin zu verwenden“,<br />

mahnt Dr. Heinrich Bottermann, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU): „Es gibt ökologische<br />

Alternativen, mit denen wir ernstzunehmende Gefahren für Mensch, Tier und Umwelt ausschließen<br />

können. Biozidhaltigen Farbanstrichen müssen wir schon heute die rote Karte zeigen!“<br />

Breitbandgifte (z. B. Tributylzinn, TBT),<br />

die die anhaftenden Organismen<br />

abtöteten. Doch diese „hochgiftigen<br />

Substanzen“ hätten auch hormonelle<br />

Wirkung auf <strong>Wasser</strong> lebewesen<br />

entfaltet und seien schließlich 2008<br />

verboten worden, auch auf Basis<br />

von DBU-Modellprojekten mit dem<br />

World Wide Fund For Nature (WWF)<br />

und Partnern.<br />

Ökologisch nicht viel unbedenklicher<br />

seien allerdings auch die TBT-<br />

Umweltfreundliche<br />

Bootswaschanlagen<br />

und biozidfreie<br />

Alternativen für<br />

Bewuchsschutz<br />

in der Sportschifffahrt<br />

präsentierte die<br />

Deutsche<br />

Bundesstiftung<br />

Umwelt (DBU)<br />

bei der „boot“<br />

in Düsseldorf.<br />

© Hochschule<br />

Bremerhaven<br />

Wenn Schiffe sich durch die<br />

Wellen „kämpfen“, „dampft“<br />

das Umweltrisiko häufig mit. Damit<br />

sich Muscheln und Algen an den<br />

Rümpfen nicht festsetzen, werden<br />

sie fast flächendeckend mit giftigen<br />

Unterwasseranstrichen „auf Stromlinie“<br />

gebracht: Das lässt sie reibungsloser<br />

gleiten und Sprit sparen,<br />

sie belasten dadurch aber auch<br />

die Gewässer. Die Auswirkungen<br />

der Biozide – chemische oder biologische<br />

Wirkstoffe, die Organismen<br />

zerstören, unschädlich machen,<br />

Schädigungen durch sie verhindern<br />

oder sie in anderer Weise bekämpfen<br />

sollen – auf <strong>Wasser</strong>lebewesen<br />

seien „inakzeptabel“, so Bottermann.<br />

Um das ungewollte Besiedeln<br />

von Rümpfen durch Tiere, Pflanzen<br />

und Mikroorganismen zu verhindern,<br />

seien in der Vergangenheit<br />

biozidhaltige Antifouling-Farben<br />

verwendet worden, metallhaltige<br />

Februar 2014<br />

162 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Branche | NACHRICHTEN |<br />

www.<strong>gwf</strong>-wasser-abwasser.de<br />

Alternativen, die für private Jachten und Sportboote bis<br />

heute verwendet würden: hochwirksame kupferhaltige<br />

Anstriche, die aber <strong>Wasser</strong>organismen ebenfalls schädigen<br />

könnten. Rund 668 Tonnen dieser Wirkstoffe würden<br />

jährlich in der Europäischen Union produziert. Und<br />

Sportboote würden im Gegensatz zu Groß-Schiffen<br />

wenig bewegt, sodass sich das Gift mit „weitreichenden<br />

Folgen für <strong>Wasser</strong> und Umwelt überwiegend in vielfältig<br />

und unterschiedlich genutzten Häfen, Marinas<br />

und Seen konzentriert und anreichert, die zur Erholung<br />

und Trinkwassergewinnung oder für den Fischfang<br />

dienen“. Der Gebrauch dieser Anstriche für Jachten und<br />

Sportboote sei heute deshalb national schon in einigen<br />

Regionen verboten. International hätten erste Staaten<br />

bereits entsprechende Verordnungen erlassen bzw.<br />

bereiteten sie vor.<br />

„Den Giftcocktail muss aber schon heute niemand<br />

mehr nutzen, der nicht die Umweltprobleme der Gegenwart<br />

zukünftigen Generationen vor die Füße kippen<br />

will“, betont Bottermann und zeigt einige Alternativen<br />

auf, die von der DBU gefördert wurden und auch bei der<br />

„boot“ in Düsseldorf vom 18. bis 26. Januar präsentiert<br />

wurden. So hat die Hochschule Bremerhaven mit der<br />

Firma IPT (International Port Technology, Bremerhaven)<br />

und der Wohlert-Lackfabrik (Ritterhude) eine umweltschonende<br />

Beschichtung für Boote entwickelt und eine<br />

Bootswaschanlage so umkonstruiert, dass bei regelmäßigen<br />

Reinigungsarbeiten anfallende Abfallstoffe<br />

aufgefangen werden könnten. Und auch MARe-COAT<br />

(Oberndorf) habe ein umweltfreundliches Antifoulingsystem<br />

für Sportboote neu entwickelt. Die Firmen<br />

LimnoMar (Hamburg), Nordseetaucher (Ammersbek)<br />

und Panadur (Halberstadt) haben verschiedene mobile<br />

Reinigungsverfahren auf ihre Einsatzmöglichkeiten und<br />

ihre Eignung für Süß- und Salzwasser erfolgreich<br />

getestet.<br />

Diese, aber auch zahlreiche andere Beispiele zeigten,<br />

dass Antifouling-Farben mit biozidhaltigen Wirkstoffen<br />

als Schutz vor unerwünschten Rumpfbewuchs keine<br />

Alternative seien. Bottermann: „<strong>Wasser</strong> ist ein unverzichtbares<br />

Gut: als Ernährungs- und Energiequelle, als<br />

Lebensraum für viele Pflanzen- und Tierarten. Für unsere<br />

Gesundheit und unsere Ernährung ist sauberes <strong>Wasser</strong><br />

in ausreichender Menge von elementarer Bedeutung.<br />

Das dürfen wir nicht leichtfertig aufs Spiel setzen.“<br />

Weitere Informationen:<br />

www.dbu.de<br />

<strong>gwf</strong> <strong>Wasser</strong>/<strong>Abwasser</strong> erscheint in der DIV Deutscher Industrieverlag GmbH, Arnulfstr. 124, 80636 München<br />

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Februar 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 163


| NACHRICHTEN<br />

|<br />

Branche<br />

Sicherheit für Hersteller und Verbraucher<br />

Internationaler Workshop bestätigt messtechnische Eignung und Anströmstabilität<br />

von Messkapsel-<strong>Wasser</strong>- und -Wärmezählern<br />

Bild 1. Messkapselzähler und Beschreibung der<br />

strömungstechnischen und mechanischen Anschlussschnittstelle<br />

zum Gehäuse.<br />

Bild 2. Darstellung des Strömungsverlaufs im<br />

Inneren der Anschluss-Schnittstelle (das<br />

<strong>Wasser</strong> strömt von links ein, verteilt sich im<br />

Ringspalt und wird dort um 90 ° nach oben<br />

umgelenkt).<br />

Am 23. Oktober 2013 fand in der<br />

Physikalisch-Technischen Bundesanstalt<br />

(PTB) ein viel beachteter<br />

internationaler Workshop über neue<br />

Forschungsergebnisse und deren<br />

Konsequenzen für die Regelsetzung<br />

auf dem Gebiet der <strong>Wasser</strong>- und<br />

Wärmemessung statt. Mehr als 60<br />

Ver treter von Metrologieinstituten,<br />

Eichbehörden, Messgeräteherstellern,<br />

Abrechnungsfirmen und Versorgern<br />

aus 12 Ländern waren der Einladung<br />

nach Braunschweig gefolgt.<br />

Kernthema der Vorträge und<br />

Diskussionen war die messtechnische<br />

Eignung und Anströmstabilität<br />

von Messkapselzählern, wie sie im<br />

Wesentlichen bei Verbrauchern in<br />

der Haustechnik, also bei der<br />

<strong>Wasser</strong>messung in Wohnungen,<br />

in Kombination mit ihren Anschluss-Schnittstellen<br />

(als Teil der<br />

Rohr leitung) eingesetzt werden.<br />

17 Mio. installierte Zähler und ein<br />

Ab rechnungsvolumen von rund<br />

498 Mio. m 3 Trinkwasser jährlich<br />

allein in Deutschland zeigen die<br />

Marktbedeutung dieses technologischen<br />

Ansatzes, dessen Anwendung<br />

durchaus nicht nur auf<br />

Deutschland beschränkt ist.<br />

Die vorgestellten Untersuchungsergebnisse<br />

wurden im Rahmen<br />

eines speziellen Forschungsvorhabens<br />

über einen Zeitraum von<br />

viereinhalb Jahren von der PTB in<br />

enger Kooperation mit dem Verband<br />

der deutschen <strong>Wasser</strong>- und<br />

Wärmezähler Industrie e. V. (VDDW)<br />

und der Arbeitsgemeinschaft Heizund<br />

<strong>Wasser</strong>kostenverteilung e. V.<br />

(ARGE HeiWaKo) erarbeitet.<br />

In insgesamt 12 Vorträgen<br />

wurden die konkreten Forschungsergebnisse<br />

vorgestellt und die<br />

abzuleitenden Konsequenzen ausführlich<br />

erläutert. Zu diesen Konsequenzen<br />

gehören beispielsweise<br />

die eindeutige Kennzeichnung<br />

zusammengehöriger Messkapselzähler<br />

und Anschluss-Schnittstellen<br />

und die Berücksichtigung speziell<br />

entwickelter Konstruktionsprinzipien<br />

für verbesserte und messtechnisch<br />

zuverlässige Zähler.<br />

Als Ergebnis können folgende<br />

Fakten festgehalten werden:<br />

••<br />

Die derzeit eingesetzten Messkapsel-Mehr-<br />

und -Einstrahl-Technologien<br />

werden von den Anströmbedingungen<br />

wenig beeinflusst.<br />

••<br />

Daraus ergibt sich, dass diese<br />

Technologien für die Wohnungswasser-Messung<br />

uneingeschränkt<br />

geeignet sind.<br />

••<br />

Auf der Basis des experimentellen<br />

Nachweises ihrer messtechnischen<br />

Eignung wurde die<br />

europäische <strong>Wasser</strong>zähler-Norm<br />

EN 14154 um die Messkapselzähler<br />

entsprechend erweitert.<br />

••<br />

Adaptionen an Anschluss-<br />

Schnittstellen zum Zwecke des<br />

Einsatzes von Messkapselzählern<br />

in Schnittstellen fremder<br />

Bauart sind unter dem Dach der<br />

Europäischen Messgeräterichtlinie<br />

nicht mehr zulässig.<br />

••<br />

Die wesentlichen Funktionsmaße<br />

der Anschluss-Schnittstellen<br />

sind genormt und damit<br />

offengelegt.<br />

••<br />

Eine Kodierung von Messkapselzählern<br />

grundsätzlich und von<br />

neu installierten Anschluss-<br />

Schnittstellen sichert die korrekte<br />

Zuordnung von Zähler und<br />

Schnittstelle. Aktuell in den<br />

Markt gelieferte konformitätsbewertete<br />

Messkapselzähler<br />

besitzen eine normgerechte<br />

Kennzeichnung innerhalb der<br />

Zifferblattbeschriftung. Die Anschluss-Schnittstellen,<br />

die künftig<br />

aus geliefert werden, sind entsprechend<br />

zu kennzeichnen.<br />

••<br />

Existierende Anschluss-Schnittstellen<br />

inklusive eventueller<br />

Adaptionen, die auf aktuell<br />

genormte Anschluss-Schnittstellen<br />

zurückzuführen sind, werden<br />

in einer noch festzulegenden<br />

Weise nachgekennzeichnet werden,<br />

um auch im Bestand Eindeutigkeit<br />

und Sicherheit der<br />

Zuordnung von Messkapselzähler<br />

und Anschluss-Schnittstelle,<br />

das heißt auch weiterhin einen<br />

entsprechenden Bestandsschutz<br />

zu gewährleisten.<br />

••<br />

Verstärktes Augenmerk ist auf<br />

die korrekte Montage der Messkapselzähler<br />

in ihre Anschluss-<br />

Schnittstellen zu richten; ebenso<br />

wesentlich ist die Adaption der<br />

Februar 2014<br />

164 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Branche | NACHRICHTEN |<br />

vorgeschlagenen Konstruktionsprinzipien<br />

seitens der Hersteller<br />

bei Neuentwicklungen, um die<br />

Installation insbesondere von<br />

Messkapselzählern generell sicherer<br />

zu gestalten.<br />

Bedeutung und Zukunftsorientierung<br />

des Workshops und seiner<br />

Ergebnisse können mit den Worten<br />

von Dr. Roman Schwartz, Leiter der<br />

Abteilung Mechanik und Akustik<br />

der PTB und Erster Vizepräsident<br />

des Internationalen Komitees für<br />

gesetzliches Messwesen CIML, aus<br />

seiner Begrüßungsrede zusammengefasst<br />

werden: „Im Rahmen<br />

des Forschungsvorhabens wurde<br />

ein ausgesprochen umfangreiches<br />

experimentelles Programm absolviert.<br />

Unter Verwendung der metrologischen<br />

Infrastruktur der PTB, modernen<br />

Diagnostikverfahren wie der<br />

Laser-Doppler-Anemometrie sowie<br />

Methoden aus Statistik und Ähnlichkeitstheorie,<br />

konnte ein besseres<br />

Verständnis der Strömungsprozesse<br />

im Inneren von <strong>Wasser</strong>zählern<br />

erreicht werden. Dies bildet neben<br />

den wissenschaftlichen Erkenntnissen<br />

nun auch eine wertvolle<br />

Basis für weitere Aktivitäten auf<br />

dem Gebiet der Standardisierung<br />

und Regelsetzung sowie den<br />

zu verlässigen Umgang mit Messkapsel-<strong>Wasser</strong>-<br />

und -Wärmezählern<br />

in der Praxis.“<br />

Abschließend soll darauf verwiesen<br />

werden, dass die Forschungen<br />

fortgesetzt werden,<br />

wobei sich die nächsten Arbeiten<br />

vor allem auf die Untersuchung<br />

des Verhaltens von <strong>Wasser</strong>- und<br />

Wärmezählern unter realen Einsatzbedingungen<br />

– z. B. bei wechselnden<br />

Durchflüssen und in<br />

Abhängigkeit von unterschiedlichen<br />

<strong>Wasser</strong>qualitäten – konzentrieren<br />

werden. Auch hierbei<br />

sollen die Ergebnisse unmittelbar<br />

in die entsprechenden Vorschriften<br />

einfließen und die<br />

Teilnehmer des Internationalen Workshops<br />

on Water and Heat Meters aus 12 Ländern bei<br />

der Physikalisch -Technischen Bundesanstalt<br />

Braunschweig.<br />

derzeitigen Regeln entsprechend<br />

optimieren und, wo möglich, auch<br />

flexibilisieren.<br />

Weiterführende Informationen unter:<br />

PTB-Bericht MA 90: Gudrun Wendt u. a.:<br />

Untersuchung und Entwicklung strömungsprofilunempfindlicher<br />

<strong>Wasser</strong>- und<br />

Wärmezähler und deren mechanischer<br />

Schnittstellen. Braunschweig September<br />

2012.<br />

Kontakt:<br />

Arbeitsgemeinschaft Heiz- und<br />

<strong>Wasser</strong>kostenverteilung e. V.,<br />

Heilsbachstraße 24,<br />

D-53123 Bonn,<br />

Tel. (0228) 35 14 96,<br />

E-Mail: info@arge-heiwako.de,<br />

www.arge-heiwako.de<br />

Bild 3. Geschwindigkeitsverteilung des <strong>Wasser</strong>stroms im Inneren des<br />

betrachteten Messkapsel-Mehrstrahlzählers bei einem Durchfluss von<br />

600 L/h nach Umlenkung im Ringspalt gemäß Bild 2. Dargestellt ist<br />

die Strömungsgeschwindigkeit in Richtung des Betrachters, normiert<br />

auf die mittlere Geschwindigkeit, die sich für den genannten Durchfluss<br />

bei gleichmäßiger Verteilung über den gesamten Ringspalt ergeben<br />

würde.<br />

Verband der deutschen <strong>Wasser</strong>- und<br />

Wärmezählerindustrie e. V.,<br />

Marienburger Straße 15,<br />

D-50968 Köln,<br />

Tel. (0221) 37668-30,<br />

E-Mai: info@figawa.de,<br />

www.vddw.org<br />

Februar 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 165


| NACHRICHTEN<br />

|<br />

Branche<br />

Schweizer Studie zeigt die Vorteile der<br />

hydrothermalen Karbonisierung (HTC) für die<br />

Klärschlammbehandlung<br />

Im Auftrag des Bundesamts für Umwelt (BAFU) arbeitete die ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften<br />

mit der AVA-CO2 Schweiz AG von August 2011 bis zum Oktober 2013 zusammen und erstellte<br />

eine Studie über die hydrothermale Karbonisierung (HTC) von Klärschlamm. Die Studie mit dem Namen „Weiterentwicklung<br />

der hydrothermalen Karbonisierung zur CO 2 -sparenden und kosteneffizienten Trocknung von<br />

Klärschlamm im industriellen Maßstab sowie der Rückgewinnung von Phosphor“, kann als Meilenstein<br />

bezeichnet werden und zeigt deutlich die Vorteile für die industrielle HTC-Klärschlammbehandlung.<br />

Im Vergleich zur thermischen<br />

Trocknung von Klärschlamm, bei<br />

der <strong>Wasser</strong> energieintensiv verdampft<br />

wird, schnitt die HTC aus<br />

Sicht der Energiebilanz ausgezeichnet<br />

ab. Die Einsparungen an Wärmeenergie<br />

liegen bei 62 %, bei<br />

Strom sogar bei 69 %. Das anfallende<br />

HTC-Prozesswasser zeigt,<br />

dank eines durch AVA-CO2 patentierten<br />

Prozesses, eine mittlere bis<br />

sehr gute biologische Abbaubarkeit.<br />

Dabei wurden Werte von bis zu<br />

100 % DOC-Elimination erreicht.<br />

Ganz wichtig ist, dass im vorgereinigten<br />

AVA-CO2 HTC-Prozesswasser<br />

keine refraktären gelösten organischen<br />

Kohlenstoffverbindungen<br />

(DOC) mehr nachgewiesen werden<br />

konnten. Gute Nachrichten offenbart<br />

die Studie auch bei den Brennversuchen<br />

mit der HTC-Klärschlammkohle.<br />

Diese wurden er -<br />

folgreich in einem Zementwerk<br />

sowie in einer Monoverbrennungsanlage<br />

durchgeführt. In der Monoverbrennungsanlage<br />

wurde über<br />

einen Zeitraum von zwei Stunden<br />

HTC-Klärschlammkohle zudosiert.<br />

Dabei kam es zu keinen Problemen<br />

in der Brennkammer oder bei der<br />

Zuführung der HTC-Kohle. Auch die<br />

permanent überwachten Emissionen<br />

überschnitten die in der<br />

Schweizerischen Luftreinigungsverordnung<br />

(LAV) vorgegebenen<br />

Grenzwerte nicht. Im Versuch bestätigte<br />

sich zudem, dass die Stützfeuerung<br />

welche mit Gas betrieben<br />

wird, durch die Zugabe von HTC-<br />

Kohle vollständig abgestellt werden<br />

kann. Theoretisch ergäbe dies<br />

HTC-Prozess perfekt für die Veredelung von Klärschlamm geeignet.<br />

eine jährliche Einsparung von<br />

600 000 Nm 3 Gas oder anders ausgedrückt<br />

etwa 3 660 000 kWh –<br />

genug, um über 1 000 Haushalte ein<br />

ganzes Jahr lang mit Energie zu<br />

versorgen. Auch in der detaillierten<br />

Ökobilanz, welche unterschiedliche<br />

thermische Entsorgungswege für<br />

Klärschlamm vergleicht, konnte<br />

die HTC punkten. Bemerkenswert<br />

Februar 2014<br />

166 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Branche | NACHRICHTEN |<br />

Über die hydrothermale Karbonisierung (HTC)<br />

Das HTC-Verfahren spaltet unter Hitze und Druck <strong>Wasser</strong> aus den<br />

Kohlenstoffverbindungen der Biomasse ab und wandelt den Kohlenstoff<br />

innerhalb weniger Stunden in hochwertige CO 2 -neutrale Biokohle<br />

um. Dazu wird die Biomasse in Druckbehältern auf rund 220 °C<br />

erhitzt. Die hydrothermale Karbonisierung zeichnet sich unter anderem<br />

dadurch aus, dass auch pflanzliche Biomasse mit hohem <strong>Wasser</strong>gehalt<br />

verarbeitet werden kann.<br />

Das AVA-CO2 HTC-Verfahren ist sehr robust und nutzt über 90 % des<br />

in der Biomasse vorhandenen Kohlenstoffes. Als Endprodukt entsteht<br />

hochwertige CO2-neutrale AVA cleancoal. Dank der Stabilität<br />

und hohen Energiedichte kann diese Biokohle problemlos gelagert<br />

und effizient transportiert werden. Alternativ kann mit dem HTC-<br />

Verfahren auch AVA biochar erzeugt werden, ein humusähnliches<br />

Produkt, das zur landwirtschaftlichen Bodenverbesserung und zur<br />

CO 2 -Speicherung eingesetzt wird. Das Verfahren zur hydrothermalen<br />

Karbonisierung wurde 1913 durch Friedrich Bergius erforscht. 1931<br />

erhielt er den Nobelpreis in Chemie.<br />

Über AVA-CO2<br />

AVA-CO2 bietet weltweit Lösungen für die nachhaltige Nutzung von<br />

Biomasse zur Energiegewinnung. Als Pionier der hydrothermalen<br />

Karbonisierung (HTC) plant, baut und betreibt AVA-CO2 im Auftrag<br />

seiner Kunden HTC-Anlagen, die pflanzliche Reststoffe effizient und<br />

profitabel zu hochwertiger, CO 2 -neutraler Biokohle oder zu CO 2 -<br />

negativer Biochar verarbeiten. Das Schweizer Unternehmen mit Sitz<br />

in Zug und Tochtergesellschaften in Deutschland und der Schweiz<br />

hat 2010 die weltweit erste HTC-Demonstrationsanlage im industriellen<br />

Massstab in Betrieb genommen und 2012 mit der HTC-1 die<br />

weltweit erste Industrieanlage erstellt.<br />

sind hier insbesondere die ausgewiesenen<br />

Vorteile der HTC ge -<br />

genüber Monoverbrennungsanlagen.<br />

Schlussendlich konnte die Studie<br />

auch bei dem sehr aktuellen<br />

Thema der Phosphorrückgewinnung<br />

überzeugen und beweisen,<br />

dass die Rückgewinnung von Phosphor<br />

aus der Asche von HTC-Klärschlammkohle<br />

keinerlei Nachteile<br />

gegenüber einer möglichen Rückgewinnung<br />

aus der Asche von thermisch<br />

verwertetem Klärschlamm<br />

aufweist. Im Gegenteil: Im Vergleich<br />

zur Klärschlammasche erleichtert<br />

die tiefere Alkalinität der HTC-Asche<br />

die Rückgewinnung von Phosphor.<br />

Dadurch könnten erhebliche Mengen<br />

an Säure eingespart werden,<br />

was den Prozess für die Phosphorrückgewinnung<br />

aus HTC-Asche insgesamt<br />

effizienter macht. Die Studie<br />

weist darüber hinaus auf zwei<br />

neue und sehr vielversprechende<br />

Möglichkeiten einer höchst effizienten<br />

Phosphorrückgewinnung hin,<br />

die durch den HTC-Prozess erst<br />

möglich werden. Ergebnisse zu diesen<br />

Versuchen werden in den<br />

nächsten Monaten durch das Unternehmen<br />

AVA-CO2 direkt kommuniziert.<br />

Effizient und mit guter Ökobilanz: Der AVA-CO2<br />

HTC-Prozess.<br />

Fazit<br />

In allen überprüften Bereichen<br />

zur hydrothermalen Karbonisierung<br />

von Klärschlamm, welche in den<br />

letzten zwei Jahren intensiv und mit<br />

großem Aufwand untersucht wurden,<br />

konnte die ZHAW Studie Vorteile<br />

der HTC gegenüber bestehenden<br />

Technologien zur Klärschlammbehandlung<br />

bestätigen. Insbesondere<br />

hat die Studie aber auch aufgezeigt,<br />

dass der patentierte AVA-CO2<br />

Prozess zur HTC-Prozesswasseraufbereitung<br />

alle erforderlichen Grenzwerte<br />

und Auflagen von Kläranlagen<br />

erfüllt.<br />

Weitere Informationen zur Studie<br />

sowie ein Interview mit Projektleiter<br />

Prof. Dr. Rolf Krebs von der<br />

ZHAW erschienen in <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong><br />

<strong>Abwasser</strong> H. 1 (2014), S. 52–53.<br />

Kontakt:<br />

Thomas M. Kläusli,<br />

CMO und Mediensprecher,<br />

AVA-CO2 Schweiz AG,<br />

Baarerstrasse 20,<br />

CH-6304 Zug,<br />

Tel. +41 41 727 09 70,<br />

Tel. +41 41 727 09 70,<br />

E-Mail: tk@ava-co2.com<br />

Februar 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 167


| NACHRICHTEN | Branche<br />

Der neue Band aus der<br />

Reihe <strong>gwf</strong> Praxiswissen<br />

Edition<br />

Geothermie<br />

Geothermie, die Nutzung von Erdwärme, ist auf den ersten Blick eine umweltfreundliche<br />

und wirtschaftliche Alternative zur konventionellen Wärmeerzeugung – gerade auch aufgrund<br />

der seit Jahren steigenden Kosten für fossile Energieträger. Der Wärmevorrat der<br />

Erde ist gewaltig: Theoretisch ließe sich damit der Welt energiebedarf für die nächsten 30<br />

Millionen Jahre decken. Die zunehmende Akzep tanz dieser alternativen Technologie in der<br />

Bevölkerung beschert Handwerk, Bohrunternehmen und Planern zusätzliche Aufträge und<br />

Umsatzsteigerungen.<br />

Doch die Nutzung der Erdwärme ist nicht ganz unproblematisch: Hinsichtlich des Trinkwasserschutzes<br />

ist die oberflächennahe Geothermie ein Eingriff in die Ressource Grundwasser,<br />

dessen Langzeitfolgen noch nicht abschätzbar sind.<br />

Im vorliegenden Band der <strong>gwf</strong>-Reihe Praxiswissen werden einerseits die Spannungs felder<br />

erörtert, andererseits wegweisende Projekte für eine nachhaltige Energie gewinnung vorgestellt.<br />

Hrsg.: Christine Ziegler<br />

1. Auflage 2013<br />

200 Seiten, vierfarbig, 170 x 240 mm, Broschur<br />

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Widerrufsrecht: Sie können Ihre Vertragserklärung innerhalb von zwei Wochen ohne Angabe von Gründen in Textform (z.B.<br />

Brief, Fax, E-Mail) oder durch Rücksendung der Sache widerrufen. Die Frist beginnt nach Erhalt dieser Belehrung in Textform.<br />

Zur Wahrung der Widerrufsfrist genügt die rechtzeitige Absendung des Widerrufs oder der Sache an die Vulkan-Verlag GmbH,<br />

Versandbuchhandlung, Postfach 10 39 62, 45039 Essen.<br />

Ort, Datum, Unterschrift<br />

PAPWGT0113<br />

Nutzung personenbezogener Daten: Februar Für die 2014 Auftragsabwicklung und zur Pflege der laufenden Kommunikation werden personenbezogene Daten erfasst und gespeichert. Mit dieser Anforderung erkläre ich mich damit einverstanden, dass ich<br />

vom DIV Deutscher 168 Industrieverlag <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> oder vom Vulkan-Verlag <strong>Abwasser</strong>per Post, per Telefon, per Telefax, per E-Mail, nicht über interessante, fachspezifische Medien und Informationsangebote informiert und beworben werde.<br />

Diese Erklärung kann ich mit Wirkung für die Zukunft jederzeit widerrufen.


<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong>|<strong>Abwasser</strong><br />

NETZWERK WISSEN<br />

Aktuelles aus Bildung und Wissenschaft,<br />

Forschung und Entwicklung<br />

© Universität Trier<br />

Institut für Deutsches und Europäisches <strong>Wasser</strong>wirtschaftsrecht,<br />

Universität Trier<br />

##<br />

Ein Gespräch mit dem Direktor des Instituts für Deutsches und Europäisches<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaftsrecht<br />

##<br />

Ganzheitlicher Forschungsansatz über drei Ebenen<br />

##<br />

Wie alles begann<br />

##<br />

Konstruktive Diskussion mit greifbaren Ergebnissen<br />

Aktuelle Forschungsvorhaben und Ergebnisse<br />

##<br />

Vielfältiger Blickwechsel im <strong>Wasser</strong>recht<br />

##<br />

<strong>Wasser</strong>rechtler im Dialog zwischen Wissenschaft und Praxis<br />

##<br />

Neugier wird geweckt – die „Angst“ genommen


NETZWERK WISSEN Porträt<br />

Das Institut für<br />

Deutsches und<br />

Europäisches<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaftsrecht<br />

ist<br />

fester Bestandteil<br />

der Universität<br />

Trier.<br />

© Universität Trier<br />

Ohne praktischen Austausch versanden<br />

die Ergebnisse<br />

Ein Gespräch mit dem Direktor des Instituts für Deutsches und Europäisches<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaftsrecht<br />

Professor Michael Reinhardt LL.M. ist seit vielen Jahren in vielfältiger Weise wasserrechtlich ausgewiesen und<br />

Direktor des Instituts für Deutsches und Europäisches <strong>Wasser</strong>wirtschaftsrecht an der Universität Trier. Im<br />

Interview mit <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> Ι <strong>Abwasser</strong> sprach er über die Problematiken der aktuellen Rechtentwicklung und<br />

erklärte, warum der Austausch in Theorie und Praxis heute wichtiger ist denn je.<br />

<strong>gwf</strong>: Sehr geehrter Herr Professor<br />

Reinhardt. Welche Fragen des <strong>Wasser</strong>wirtschaftsrechts<br />

sind derzeit<br />

besonders drängend?<br />

Prof. Reinhardt: Unter den zahlreichen<br />

aktuellen Brennpunkten geht<br />

der Blick derzeit natürlich vor allem<br />

auf die europäische Entwicklung. Im<br />

Jahr 2015 soll nach den Vorstellungen<br />

der <strong>Wasser</strong>rahmenrichtlinie ein<br />

guter Zustand aller Gewässer in der<br />

Europäischen Union erreicht sein.<br />

Ob man bei Inkrafttreten der Richtlinie<br />

tatsächlich an die Verwirklichung<br />

dieses ehrgeizigen Ziels<br />

geglaubt hat, lässt sich nicht mehr<br />

zuverlässig ermitteln. Doch haben<br />

wir heute die Gewissheit, dass die<br />

Richtlinie in weiten Teilen einer Utopie<br />

erlegen ist. Der von der Richtlinie<br />

anspruchsvoll definierte gute<br />

Gewässerzustand wird sich in den<br />

meisten Fällen schlicht nicht rechtzeitig<br />

oder auch überhaupt nicht<br />

erreichen lassen. Wenn deshalb also<br />

ab 2015 überwiegend mit Ausnahmen<br />

und Fristverlängerungen operiert<br />

werden muss, weil das geltende<br />

Recht den Regelfall eben<br />

nicht mehr zutreffend abbildet,<br />

stellt dies dem Europäischen <strong>Wasser</strong>recht<br />

kein gutes Zeugnis aus.<br />

Hinzu kommt, dass viele Praxisprobleme<br />

der Richtlinie in ihrer ganzen<br />

praktischen Problematik und<br />

Reichweite erst sehr spät überhaupt<br />

identifiziert worden sind. Beispielhaft<br />

zu nennen sind insoweit das<br />

unbestimmte und damit streitbehaftete<br />

Verschlechterungsverbot<br />

oder das Phasing Out prioritär<br />

gefährlicher Stoffe. Schließlich tritt<br />

das von der Richtlinie initiierte Planungsrecht<br />

(Maßnahmenprogramme<br />

und Bewirtschaftungspläne) in<br />

seine zweite Phase. Auch hier werden<br />

erhebliche Nachsteuerungen<br />

erforderlich sein, um die Vorgaben<br />

des europäischen Gewässerschutzes<br />

praxisnah und doch zugleich<br />

rechtssystematisch einwandfrei um -<br />

zusetzen.<br />

Dauerbrennpunkt<br />

Hochwasserschutz<br />

Ein Dauerthema in Deutschland,<br />

aber durchaus auch in Europa, ist<br />

daneben der Hochwasserschutz,<br />

dessen hohe Bedeutung sich bei<br />

den Hochwasserereignissen im vergangenen<br />

Jahr wieder machtvoll in<br />

Erinnerung gebracht hat. Hier sind<br />

nach dem Koalitionsvertrag politische<br />

Maßnahmen zu erwarten, die<br />

sich natürlich auch auf das <strong>Wasser</strong>wirtschaftsrecht<br />

auswirken werden.<br />

Mit Blick auf den zentralen<br />

Bereich der öffentlichen <strong>Wasser</strong>versorgung<br />

sind schließlich die wirt-<br />

Februar 2014<br />

170 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Porträt NETZWERK WISSEN<br />

schaftsrechtlichen Herausforderungen<br />

zu erwähnen, die seit einigen<br />

Jahren durch eine intensivierte kartellrechtliche<br />

Kontrolle der <strong>Wasser</strong>preisgestaltung<br />

eine für viele gänzlich<br />

neue wasserrechtliche Facette<br />

in den Fokus gerückt hat. Organisationsformen<br />

der deutschen <strong>Wasser</strong>wirtschaft,<br />

unionsrechtliche Einflüsse<br />

und das historisch gewachsene<br />

Nebeneinander privatrechtlicher<br />

und öffentlich-rechtlicher Versorgungsstrukturen<br />

mit scheinbar<br />

unterschiedlichen Kontrollmaßstäben<br />

zwischen Kommunalabgabenund<br />

neuem Kartellrecht haben verbreitet<br />

zu Unsicherheiten geführt,<br />

die bislang noch nicht befriedigend<br />

bewältigt werden konnten.<br />

<strong>gwf</strong>: Das Institut hat die Aufgabe,<br />

durch unabhängige Forschung das<br />

moderne <strong>Wasser</strong>wirtschaftsrecht wissenschaftlich<br />

zu begleiten. Können<br />

Sie uns dazu bitte ein paar aktuelle<br />

Beispiele nennen?<br />

Prof. Reinhardt: Natürlich beschäftigt<br />

uns die eben erwähnte Entwicklung<br />

in Europa schon seit einiger<br />

Zeit. Weitere Themen, die in unmittelbarem<br />

Zusammenhang stehen,<br />

ergeben sich aus der sog. Energiewende,<br />

die nicht nur neue Rechtsfragen<br />

der <strong>Wasser</strong>kraftnutzung aufwirft,<br />

sondern auch bei anderen<br />

Formen der Energieerzeugung vielfache<br />

Berührungspunkte mit dem<br />

<strong>Wasser</strong>recht aufweist. Stichwortartig<br />

zu nennen sind neue Anforderungen<br />

an die Beseitigung von<br />

Kraftwerksabwässern nach der<br />

In dustrieemissionenrichtlinie, die<br />

Handhabung der Kühlwassernutzung,<br />

Vorgaben für die Standortsuche<br />

atomarer Zwischen- und Endlager<br />

und natürlich Fracking.<br />

Einen weiteren Schwerpunkt<br />

unserer Arbeit bildet das <strong>Wasser</strong>verbandsrecht,<br />

das lange Zeit eine nur<br />

wenigen Eingeweihten vertraute<br />

Spezialmaterie gewesen ist. Die<br />

vielfältigen Herausforderungen, die<br />

auf die mehr als 10 000 <strong>Wasser</strong> und<br />

Bodenverbände in Deutschland<br />

auch und gerade bei der Verwirklichung<br />

der ökologischen Ziele der<br />

<strong>Wasser</strong>rahmenrichtlinie zukommen,<br />

haben uns schon mehrfach<br />

intensiv beschäftigt.<br />

<strong>gwf</strong>: Die Forschungsthemen werden<br />

zusammen mit den wasserwirtschaftsrechtlich<br />

ausgerichteten europäischen<br />

Einrichtungen, staatlichen<br />

Behörden, Kommunen, Verbänden<br />

sowie kommunalen und privaten<br />

Unternehmen entwickelt. Wie sieht<br />

das konkret aus?<br />

Prof. Reinhardt: Wir haben das<br />

Glück, von einem heterogen zusammengesetzten<br />

gemeinnützigen Förderverein<br />

nicht nur finanziell unterstützt<br />

zu werden, sondern auch in<br />

laufendem fachlichen Austausch zu<br />

stehen. So lernen wir schnell wasserwirtschaftlich<br />

relevante Themen<br />

kennen, die wir auf Eignung und<br />

Bedarf wissenschaftlicher Vertiefung<br />

prüfen und ggf. in unser Forschungsprogramm<br />

aufnehmen<br />

können. Beschränkt man sich da -<br />

gegen auf die Lektüre juristischer<br />

Fachliteratur, hinkt man den wirklichen<br />

Entwicklungen zwangsläufig<br />

immer hinterher.<br />

Stets im fachlichen<br />

Austausch<br />

<strong>gwf</strong>: Sie veranstalten mehrfach im<br />

Jahr besondere Gesprächskreise. Welche<br />

sind das aktuell?<br />

Prof. Reinhardt: Im vergangenen<br />

Jahr stand der dritte Trierer <strong>Wasser</strong>wirtschaftsrechtstag<br />

im Mittelpunkt,<br />

der dem <strong>Wasser</strong>recht in der<br />

Energiewende gewidmet war. Da -<br />

neben hat sich die Trierer Summer-<br />

School zum <strong>Wasser</strong>wirtschaftsrecht<br />

zu einem festen Bestandteil unseres<br />

jährlichen Veranstaltungsprogramms<br />

entwickelt. In drei Tagen intensiver<br />

Arbeit führen wir dort Juristen und<br />

andere Interessierte in alle Bereiche<br />

des <strong>Wasser</strong>rechts ein. Der letzte<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaftsrechtliche Ge -<br />

sprächskreis, der bereits der 25. seit<br />

Bestehen des Instituts ist, befasste<br />

sich mit aktuellen Fragen der Industriekläranlagen.<br />

Für dieses Jahr haben wir bislang<br />

einen Gesprächskreis geplant, der<br />

fünf Jahre nach Verabschiedung des<br />

neuen <strong>Wasser</strong>haushaltsgesetzes<br />

eine erste Bilanz des Gesetzeswerks<br />

ziehen soll. Auch die zuvor angesprochene<br />

weitere Entwicklung der<br />

<strong>Wasser</strong>rahmenrichtlinie wird uns<br />

näher beschäftigen. Im Übrigen<br />

konzipieren wir die Veranstaltungen<br />

nach Bedarf eher kurzfristig, um auf<br />

aktuelle Tendenzen im <strong>Wasser</strong>recht<br />

flexibel genug reagieren zu können.<br />

<strong>gwf</strong>: Wenn Sie einen Blick zurück werfen,<br />

was sind Ihre größten Erfolge,<br />

Entwicklungen, Fortschritte, Besonderheiten?<br />

Worauf sind Sie besonders<br />

stolz?<br />

Prof. Reinhardt: Ob wir mit unserem<br />

Institutskonzept erfolgreich<br />

sind, mögen andere sicher besser<br />

beurteilen. Die bei der Gründung<br />

2006 gehegten Erwartungen waren<br />

zurückhaltend, und gemessen<br />

daran haben wir erstaunlich viel<br />

erreicht. Wir stellen fest, dass das<br />

Institut heute zu den festen Größen<br />

der spezialisierten rechtswissenschaftlichen<br />

Forschungseinrichtungen<br />

zählt. Viele unserer Veranstaltungsreihen<br />

konnten sich etablieren<br />

und erreichen regelmäßig<br />

Professor Michael Reinhardt im Gespräch mit wasserwirtschaftlich<br />

ausgerichteten Praktikern.<br />

© Institut für Deutsches und Europäisches <strong>Wasser</strong>wirtschaftsrecht, Universität Trier<br />

▶▶<br />

Februar 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 171


NETZWERK WISSEN Porträt<br />

Geht es nach<br />

der <strong>Wasser</strong>rahmenrichtlinie,<br />

sollen schon<br />

2015 alle<br />

Gewässer der<br />

Europäischen<br />

Union einen<br />

guten Zustand<br />

erreichen.<br />

© Pixelio / Petra<br />

Bork<br />

Gesprächsrunde<br />

beim<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaftsrechtstag<br />

im<br />

März 2013.<br />

© Institut für Deutsches<br />

und Europäisches<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaftsrecht,<br />

Universität<br />

Trier<br />

erfreulich hohe Teilnehmerzahlen.<br />

Die Idee, aus der Not der geographischen<br />

Trierer Randlage die Tugend<br />

eines reisenden Instituts zu entwickeln,<br />

das seine Veranstaltungen<br />

im gesamten Bundesgebiet (wie<br />

auch bisweilen im angrenzenden<br />

Ausland) anbietet, hat sich bewährt<br />

und wird fortgeführt.<br />

Der besonderen Erwähnung<br />

bedarf sicher auch die im Jahr 2011<br />

vorgelegte Erstkommentierung des<br />

<strong>Wasser</strong>verbandsgesetzes, die den<br />

seit langem eingeführten Kommentar<br />

zum <strong>Wasser</strong>haushaltsgesetz<br />

ergänzt.<br />

Daneben haben wir den Kreis<br />

unserer Fördermitglieder stetig<br />

erweitert und erhalten auch von der<br />

Universität zusätzliche finanzielle<br />

Unterstützung als Resonanz auf<br />

unsere Arbeit. Wir freuen uns, das<br />

Land Rheinland-Pfalz zu unseren<br />

Förderern zählen zu dürfen.<br />

<strong>gwf</strong>: Wie ist die bisherige Resonanz<br />

auch von externer Seite?<br />

Prof. Reinhardt: Es ist für die Beteiligten<br />

immer schwierig, die Wahrnehmung<br />

des Instituts objektiv zu<br />

beurteilen. Die Institutslandschaft<br />

in der Bundesrepublik ist durch eine<br />

gewisse Trägheit charakterisiert, die<br />

bestimmte Einrichtungen bis heute<br />

mit Personen assoziiert, die sich<br />

lange im Ruhestand befinden. Insoweit<br />

müssen wir uns zwangsläufig<br />

ein wenig in Geduld üben. Unser<br />

Bekanntheitsgrad ist also durchaus<br />

noch steigerungsfähig.<br />

Komplexe Verflechtungen<br />

Festzustellen ist aber jedenfalls,<br />

dass sich die Zahl der Anfragen<br />

nach Vorträgen, Veröffentlichungen<br />

und inhaltlichen Kooperationen in<br />

den letzten Jahren deutlich erhöht<br />

hat, was sicher eine gewisse Indikatorfunktion<br />

hat.<br />

<strong>gwf</strong>: Auch andere Einrichtungen<br />

haben erkannt, wie wichtig es ist, sich<br />

immer wieder neu mit aktuellen Themen<br />

des <strong>Wasser</strong>rechts auseinanderzusetzen.<br />

Wie unterscheidet sich Ihre<br />

Herangehensweise von der anderer<br />

Hochschulen/Institute/Forschungseinrichtungen?<br />

Prof. Reinhardt: Hier liegen uns vor<br />

allem zwei Aspekte am Herzen: Zum<br />

einen wollen wir die verbreitete<br />

Reduzierung des <strong>Wasser</strong>rechts als<br />

unselbständigen Teil des Umweltverwaltungsrechts<br />

überwinden. Die<br />

von vielen betriebene Beschränkung<br />

auf den ökologischen Schutz<br />

der Gewässer verstellt den Blick auf<br />

die komplexen wirtschaftsrechtlichen<br />

Verflechtungen, wie sie etwa<br />

in den zuvor angesprochenen Themen<br />

des <strong>Wasser</strong>verbandsrechts<br />

oder der <strong>Wasser</strong>preiskontrolle zum<br />

Ausdruck kommen. Diese Bereiche<br />

sucht man in den rein gewässerschutzorientierten<br />

Herangehensweisen<br />

regelmäßig vergeblich, ob -<br />

wohl sie das ganze <strong>Wasser</strong>recht –<br />

einschließlich des öffentlichen Ge -<br />

wässerschutzrechts – betreffen.<br />

Zum anderen bildet der Praxisbezug<br />

einen unverzichtbaren Be -<br />

standteil unserer Arbeit. Beschränkt<br />

man sich auf die rein rechtswissenschaftliche<br />

Analyse des Forschungsgegenstands,<br />

werden wesentliche<br />

Aspekte schlicht nicht erkannt.<br />

Natürlich kann man sich dem <strong>Wasser</strong>recht<br />

ausschließlich wissenschaftlich<br />

nähern und dabei gelegentlich<br />

auch interessante oder gar<br />

originelle Thesen formulieren. Fehlt<br />

indes der praktische Austausch mit<br />

der betroffenen <strong>Wasser</strong>wirtschaft,<br />

werden die Ergebnisse regelmäßig<br />

im Theoretischen versanden, ohne<br />

den berechtigten gesellschaftlichen<br />

Anspruch auf verwertbare Wissenschaft<br />

einzulösen. Ein nicht zu<br />

unterschätzender Faktor ist dabei<br />

auch die Erfahrung im interdisziplinären<br />

Austausch, die ich seit meiner<br />

Dissertation zur rechtlichen Be -<br />

handlung von Altlasten im Jahre<br />

1989 ansammle.<br />

<strong>gwf</strong>: Worin genau liegen Ihrer Ansicht<br />

nach die weiteren Entwicklungspotenziale<br />

des <strong>Wasser</strong>rechts und worin<br />

liegen hier die Möglichkeiten, die Ihr<br />

Institut bieten könnte?<br />

Prof. Reinhardt: Das <strong>Wasser</strong>wirtschaftsrecht<br />

ist ein Rechtsgebiet in<br />

stetiger Entwicklung. Erlebten die<br />

1970er und 1980er Jahre einen<br />

Februar 2014<br />

172 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Porträt NETZWERK WISSEN<br />

Trend zur Ökologisierung, befinden<br />

wir uns heute in einem Stadium der<br />

Ökonomisierung. Die aktuelle Diskussion<br />

um die Reform der <strong>Abwasser</strong>abgabe,<br />

die Entwicklung der<br />

<strong>Wasser</strong>nutzungsabgaben und das<br />

noch nicht zureichend geklärte Kostendeckungsprinzip<br />

des Art. 9 WRRL<br />

seien insoweit beispielhaft genannt.<br />

Querverbindungen entstehen, vertiefen<br />

sich und geben laufend neue<br />

Impulse. Spezialbereiche wie das<br />

bereits erwähnte <strong>Wasser</strong>verbandsrecht<br />

oder auch das <strong>Wasser</strong>straßenrecht<br />

stehen nicht isoliert neben<br />

dem klassischen <strong>Wasser</strong>haushaltsrecht,<br />

sondern sind gemeinsame<br />

Bestandteile einer einheitlichen<br />

Querschnittsmaterie.<br />

Da das Institut seit Beginn an in<br />

allen genannten Bereichen intensiv<br />

arbeitet, konnten wir eine Expertise<br />

entwickeln, die der Gefahr einer einseitigen<br />

Beschränkung im verbreiteten<br />

juristischen Schubladendenken<br />

wirksam entgegenwirkt. Dabei<br />

sind wir natürlich offen für weitere<br />

Entwicklungen, die nicht zuletzt<br />

auch im internationalen Bereich<br />

jenseits der Europäischen Union zu<br />

verorten sein werden.<br />

Zur Person<br />

Professor Dr. iur. Michael Reinhardt,<br />

LL. M. (Cantab.), geb. 1961.<br />

• Studium der Rechtswissenschaften in Bonn und<br />

Cambridge. Erstes und zweites juristisches Staatsexamen<br />

1985 und 1989, Promotion Bonn 1989,<br />

Master of Laws im internationalen und europäischen<br />

Recht Cambridge 1990, Habilitation für<br />

Staats- und Verwaltungsrecht Bonn 1996.<br />

• Seit 1996 Inhaber eines Lehrstuhls für Öffentliches<br />

Recht an der Universität Trier, 1997 bis 2006<br />

Direktor des Instituts für Umwelt- und Technikrecht;<br />

seit 2006 Direktor des Instituts für Deutsches<br />

und Europäisches <strong>Wasser</strong>wirtschaftsrecht.<br />

• Herausgeber der Zeitschrift für <strong>Wasser</strong>recht (ZfW),<br />

• Mitherausgeber des Handbuchs des Deutschen<br />

<strong>Wasser</strong>rechts (HDW) und des Beck’schen Online-<br />

Kommentars zum Umweltrecht (BeckOK),<br />

• Kommentar zum <strong>Wasser</strong>haushaltsgesetz,<br />

11. Auflage 2014,<br />

• Mitherausgeber eines Kommentars zum <strong>Wasser</strong>verbandsgesetz,<br />

1. Auflage 2011<br />

• zahlreiche einschlägige Veröffentlichungen in<br />

Fachzeitschriften und Sammelwerken.<br />

Der Mensch als Störfaktor?<br />

<strong>gwf</strong>: Wie sehen Sie die Zukunft des<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaftsrechts?<br />

Prof. Reinhardt: Auch das Institut<br />

verfügt leider nicht über eine funktionstüchtige<br />

Glaskugel. Aus meiner<br />

Sicht aber sollte die künftige Entwicklung<br />

wieder stärker in die Richtung<br />

eines genuinen <strong>Wasser</strong>wirtschaftsrechts<br />

weisen. Gerade das<br />

moderne europäische Gewässerschutzrecht<br />

versteht den Menschen<br />

und seine berechtigten Interessen<br />

vielfach als Störer des natürlichen<br />

<strong>Wasser</strong>kreislaufs, der sich für sein<br />

Tun zureichend zu rechtfertigen<br />

hat. Da wir aber auf die Nutzung<br />

und damit Inanspruchnahme des<br />

<strong>Wasser</strong>haushalts existentiell angewiesen<br />

sind, erscheint der prädominant<br />

ökologische Zugriff auf Dauer<br />

problematisch. Sowohl Auslegung<br />

und Anwendung des geltenden<br />

Rechts als auch seine künftige Fortentwicklung<br />

sollten diesen Aspekt<br />

stärker berücksichtigen, als dies<br />

gegenwärtig vielfach der Fall ist.<br />

<strong>gwf</strong>: Auf welche neuen Herausforderungen<br />

werden sich Forschung und<br />

Wirtschaft in den kommenden Jahrzehnten<br />

einstellen müssen?<br />

Prof. Reinhardt: Zunächst hat das<br />

<strong>Wasser</strong>recht laufend mit dem technologischen<br />

Fortschritt schrittzuhalten<br />

und muss verlässliche und<br />

tragfähige Lösungen für Fragen<br />

anbieten, die wir jetzt noch nicht<br />

absehen können. Die Stichworte<br />

Fracking und Carbon Capture and<br />

Storage (CCS) stehen in jüngerer<br />

Vergangenheit stellvertretend für<br />

entsprechende Fragestellungen. An<br />

diesen Beispielen zeigt sich aber<br />

auch, dass das geltende Recht<br />

durchaus in der Lage ist, neue Herausforderungen<br />

zu bewältigen,<br />

ohne dass die Gesetzgebung mit<br />

immer neuen Novellierungen abgewartet<br />

werden muss. Allerdings ist<br />

dabei stets mit Blick auf das Verfassungsrecht<br />

abzuwägen, welche<br />

Grundentscheidungen wir von der<br />

Legislative erwarten müssen und<br />

wann auch eine letztverbindliche<br />

Entscheidung durch die deutschen<br />

und europäischen Gerichte rechtsstaatlich<br />

ausreicht.<br />

Schließlich wird die Prognose<br />

nicht zu gewagt sein, dass die<br />

Ökonomisierung des <strong>Wasser</strong>rechts<br />

weiter voranschreiten dürfte. Auch<br />

insoweit werden wir unsere Aktivitäten<br />

weiter intensivieren.<br />

<strong>gwf</strong>: Herr Professor Reinhardt, vielen<br />

Dank für das Gespräch.<br />

Weitere Informationen:<br />

Prof. Dr. Michael Reinhardt, LL.M.,<br />

Institut für Deutsches und Europäisches<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaftsrecht,<br />

Universität Trier,<br />

Campus I, 54286 Trier,<br />

Tel.: 0651 201-2579,<br />

E-Mail: reinhardt@uni-trier.de,<br />

Internet: www.wasserrecht.uni-trier.de<br />

Professor Dr. Michael<br />

Reinhardt<br />

© Institut für Deutsches und Europäisches<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaftsrecht, Universität<br />

Trier<br />

Februar 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 173


NETZWERK WISSEN Porträt<br />

Ganzheitlicher Forschungsansatz über drei Ebenen<br />

Der Forschungsgegenstand des Instituts<br />

Das Institut für Deutsches und Europäisches <strong>Wasser</strong>wirtschaftsrecht wurde 2006 als wissenschaftliche Einrichtung<br />

des Fachbereichs Rechtswissenschaft der Universität Trier errichtet. Seine Forschungsgebiete erstrecken<br />

sich auf das gesamte deutsche und europäische <strong>Wasser</strong>wirtschaftsrecht.<br />

Aktuelle Themen<br />

wie <strong>Wasser</strong>knappheit<br />

prägen das<br />

<strong>Wasser</strong>recht.<br />

© Robson / Pixelio<br />

Viele nehmen das <strong>Wasser</strong>recht<br />

allein als sektoralen Bestandteil<br />

des Umweltverwaltungsrechts wahr.<br />

Das wird den Anforderungen an<br />

eine wissenschaftliche Begleitung<br />

des <strong>Wasser</strong>rechts allerdings kaum<br />

gerecht. Vor allem der europäische<br />

Gesetzgeber wie auch die europaweit<br />

tätigen <strong>Wasser</strong>wirtschaftsunternehmen<br />

verstehen die Materie<br />

nicht nur als ökologisches Recht,<br />

sondern vor allem als einen Teil des<br />

europäischen Wirtschaftrechts.<br />

Daraus ergeben sich neue Herausforderungen,<br />

denen sich der<br />

deutsche Gesetzgeber und die<br />

deutsche <strong>Wasser</strong>wirtschaft stellen<br />

müssen. Deshalb verfolgt das Institut<br />

für Deutsches und Europäisches<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaftsrecht einen ganzheitlichen<br />

Forschungsansatz, der<br />

die drei wasserwirtschaftsrechtlichen<br />

Ebenen der sachenrechtlichen<br />

Gewässernutzungen, des<br />

benutzungsorientierten und ökologischen<br />

Gewässerschutzes und des<br />

Bedingt durch <strong>Wasser</strong>knappheit reduzierter Stausee. © Maren Beßler / Pixelio<br />

wirtschaftlichen Ordnungsrahmens<br />

untersucht.<br />

Wichtig ist dabei die enge<br />

Zusammenarbeit des Instituts mit<br />

den Mitgliedern des Fördervereins.<br />

Sie gewährleistet eine hohe Praxisnähe<br />

der rechtswissenschaftlichen<br />

Forschung.<br />

Der Hintergrund<br />

Das <strong>Wasser</strong>wirtschaftsrecht hat im<br />

Laufe seiner Entwicklung zahlreiche<br />

entscheidende Wandlungen erfahren.<br />

Nach seiner ursprünglich überwiegenden<br />

Zuordnung zum öffentlichen<br />

Sachenrecht ist die Materie<br />

schon seit dem Einsetzen der<br />

modernen umweltrechtlichen Ge -<br />

setzgebung in den 1970er Jahren in<br />

erster Linie als integraler Bestandteil<br />

des Umweltverwaltungsrechts wahrgenommen<br />

worden. Früh haben<br />

auch die Europäischen Gemeinschaften<br />

mit punktueller Rechtssetzung<br />

zum Gewässerschutzrecht<br />

das deutsche <strong>Wasser</strong>wirtschaftsrecht<br />

maßgeblich beeinflusst, doch<br />

hat sich erst seit den 1990er Jahren<br />

die Europäisierung des <strong>Wasser</strong>rechts<br />

als eigenständige neue<br />

Dimension im fachwissenschaftlichen<br />

Bewusstsein durchsetzen können.<br />

Die Verabschiedung der EG-<strong>Wasser</strong>rahmenrichtlinie<br />

im Jahre 2000<br />

markiert als allgemeine Regelung<br />

des gemeinschaftsrechtlichen Was-<br />

Februar 2014<br />

174 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Porträt NETZWERK WISSEN<br />

serwirtschaftsrechts nicht nur eine<br />

Zäsur im Sinne einstweilen abschließender<br />

Konsolidierung eines um -<br />

weltrechtlichen Regelungsbereichs<br />

in Europa, sondern schlägt zugleich<br />

ein neues Kapitel der wasserwirtschaftsrechtlichen<br />

Entwicklung auf.<br />

Unter dem Stichwort der „Modernisierung<br />

des <strong>Wasser</strong>sektors“ wird das<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaftsrecht als Gegenstand<br />

rechtswissenschaftlicher Forschung<br />

nun um wesentliche weitere<br />

Facetten angereichert. Die Öffnung<br />

des <strong>Wasser</strong>markts führt zu neuartigen<br />

Fragestellungen, etwa im<br />

Bereich des europäischen Wirtschaftsrechts,<br />

des Infrastrukturrechts,<br />

des öffentlichen Wettbewerbs-<br />

und Kartellrechts, der öffentlichen<br />

Auftragsvergabe oder des<br />

Beihilferechts.<br />

Auch aktuelle europäische und<br />

nationale Themenstellungen wie<br />

Energiegewinnung oder <strong>Wasser</strong>knappheit<br />

prägen das <strong>Wasser</strong>recht<br />

zunehmend. Traditionell seit je von<br />

Bedeutung ist schließlich die durch<br />

den Regelungsgegenstand des<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaftsrechts bedingte<br />

Berücksichtigung interdisziplinärer<br />

Belange. Damit entsteht heute<br />

unter dem Oberbegriff des <strong>Wasser</strong>wirtschaftsrechts<br />

eine breitgefächerte<br />

und doch in sich geschlossene<br />

rechtswissenschaftliche Disziplin,<br />

die die Einrichtung eines<br />

spezialisierten rechtswissenschaftlichen<br />

Forschungsinstituts nahelegt.<br />

Weitere Informationen:<br />

Prof. Dr. Michael Reinhardt, LL.M.,<br />

Institut für Deutsches und Europäisches<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaftsrecht,<br />

Universität Trier,<br />

Campus I, 54286 Trier,<br />

Tel.: 0651 201-2579,<br />

E-Mail: reinhardt@uni-trier.de,<br />

Internet: www.wasserrecht.uni-trier.de<br />

Wie alles begann<br />

Ein kurzer Blick auf die Hintergründe<br />

Am Rande einer wasserrechtlichen Sitzung entstand im Frühjahr 2005 auf der Nordseeinsel Helgoland der<br />

Gedanke einer institutionalisierten rechtswissenschaftlichen Beschäftigung mit dem deutschen und europäischen<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaftsrecht.<br />

Die Beschäftigung mit dem <strong>Wasser</strong>wirtschaftsrecht<br />

sollte über<br />

regionale und fachliche Grenzen<br />

hinaus eine stetige und dialogische,<br />

spezialisierte Auseinandersetzung<br />

mit dem <strong>Wasser</strong>recht gewährleisten.<br />

Als Instrument wurde ein universitäres<br />

Forschungsinstitut konzipiert,<br />

das sich im Schwerpunkt kontinuierlich<br />

mit den verschie denen<br />

Facetten der im raschen Umbruch<br />

befindlichen Rechtsmaterie befasst.<br />

Schnell fand sich ein Kreis interessierter<br />

Stellen zusammen, der im<br />

Mai 2006 in Berlin zur Unterstützung<br />

dieser Aufgabe einen heterogen<br />

zusammengesetzten Förderverein<br />

bürgerlichen Rechts gründete.<br />

Der Verein ist mittlerweile im<br />

Vereinsregister eingetragen und als<br />

gemeinnützig anerkannt. Der Fachbereich<br />

Rechtswissenschaft der Universität<br />

Trier hat daraufhin im Sommer<br />

2006 die Errichtung des Instituts<br />

als wissenschaftliche Einrichtung<br />

im Sinne des § 90 HochSchG<br />

Rh.-Pf. beschlossen. Durch diese<br />

organisatorischen Strukturen wird<br />

insbesondere die Freiheit von staatlichen<br />

Einflussnahmen der Hochschul-<br />

und Umweltpolitik sowie von<br />

der Durchsetzung partikularer Interessen<br />

gewährleistet.<br />

Den Mitgliedern des Fördervereins<br />

bietet das Institut einen<br />

Gesprächspartner, der zugleich ein<br />

breites Forum für die notwendigen<br />

rechtswissenschaftlichen Diskussionen<br />

bietet. Zudem entsteht über die<br />

Mitgliedschaft im Förderverein der<br />

Zugang zu einem Netzwerk einschlägig<br />

tätiger Einrichtungen und<br />

Personen. Mit dem ersten <strong>Wasser</strong>wirtschaftsrechtlichen<br />

Gesprächskreis<br />

im August 2006 in Trier hat das<br />

Institut seine Arbeit aufgenommen.<br />

Weitere Informationen:<br />

Verein zur Förderung des Instituts für<br />

Deutsches und Europäisches <strong>Wasser</strong>wirtschaftsrecht<br />

der Universität Trier e.V.0<br />

Achim Schubert (Vorsitzender),<br />

Postfach 10 16 63,<br />

45416 Mülheim an der Ruhr,<br />

Tel.: 0208 4433312,<br />

Fax: 0208 4433595<br />

Justitia ist auch für <strong>Wasser</strong>recht zuständig.<br />

© Pixelio / Thorben Wengert<br />

Februar 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 175


NETZWERK WISSEN Porträt<br />

Der Campus der Universität Trier.<br />

© Universität Trier<br />

Konstruktive Diskussion mit greifbaren Ergebnissen<br />

Arbeiten und Wirken im wasserwirtschaftsrechtlichen Bereich<br />

Das Institut für Deutsches und Europäisches <strong>Wasser</strong>wirtschaftsrecht hat die Aufgabe, durch unabhängige<br />

rechtswissenschaftliche Forschung das moderne <strong>Wasser</strong>wirtschaftsrecht in seiner gesamten Breite wissenschaftlich<br />

zu begleiten. Die Forschungsthemen werden in der praxisnahen Diskussion mit den wasserwirtschaftsrechtlich<br />

ausgerichteten europäischen Einrichtungen, staatlichen Behörden, Kommunen, Verbänden<br />

sowie kommunalen und privaten Unternehmen entwickelt.<br />

Die praxisnahe<br />

Diskussion mit<br />

wasserwirtschaftlich<br />

ausgerichteten<br />

Praktikern ist<br />

wesentlicher<br />

Eckpfeiler des<br />

Instituts.<br />

© Institut für Deutsches<br />

und Europäisches<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaftsrecht,<br />

Universität Trier<br />

Dazu führt das Institut regelmäßig<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaftsrechtliche<br />

Gesprächskreise mit begrenzter<br />

Teilnehmerzahl durch, um eine konstruktive<br />

Diskussion mit greifbaren<br />

Ergebnissen zu gewährleisten. Die<br />

Veranstaltungen finden an wechselnden<br />

Orten im Bundesgebiet<br />

statt. Über die Gesprächskreise wird<br />

in der Zeitschrift für <strong>Wasser</strong>recht<br />

berichtet.<br />

Daneben werden auch größere<br />

Tagungen angeboten, die sich querschnittsartig<br />

grundsätzlicheren Themenstellungen<br />

widmen. Mit dem<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaftsrechtstag 2007 in<br />

Trier hat sich das Institut kurz nach<br />

seiner Errichtung einer breiteren<br />

Fachöffentlichkeit vorgestellt. Ohne<br />

den formalen Zwang jährlicher Wiederholungen<br />

wird der <strong>Wasser</strong>wirtschaftsrechtstag<br />

in größeren Ab -<br />

ständen zur vertiefenden Diskussion<br />

besonderer wasserrechtlicher<br />

Fragestellungen angeboten. Unter<br />

dem Generalthema Perspektiven<br />

des Europäischen <strong>Wasser</strong>wirtschaftsrechts<br />

hat das Institut in<br />

Kooperation mit der Europäischen<br />

Rechtsakademie Trier im Frühjahr<br />

2008 in Brüssel erstmals eine zweitägige<br />

internationale Konferenz<br />

ausgerichtet, die einen europaweiten<br />

Austausch über aktuelle wasserwirtschaftsrechtliche<br />

Fragen angestoßen<br />

und regelmäßige Fortsetzungen<br />

gefunden hat.<br />

Summer School<br />

Im Jahr 2010 fand mit der Summer<br />

School „Recht der <strong>Wasser</strong>wirtschaft“<br />

erstmalig eine dreitägige Weiterbildungsveranstaltung<br />

für wasserrechtliche<br />

Praktiker zu den verschiedenen<br />

Spezialfeldern des öffentlichen<br />

und privaten <strong>Wasser</strong>rechts<br />

statt, die aufgrund der positiven<br />

Resonanz weiterverfolgt wird.<br />

Februar 2014<br />

176 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Porträt NETZWERK WISSEN<br />

Daneben trägt das Institut publizistisch<br />

sowie durch die Betreuung<br />

einschlägiger Dissertationen zur<br />

wasserwirtschaftsrechtlichen Forschung<br />

bei. Der Institutsdirektor ist<br />

unter anderem Autor des von Paul<br />

Gieseke und Werner Wiedemann<br />

begründeten und von Manfred Czychowski<br />

fortgeführten Kommentars<br />

zum <strong>Wasser</strong>haushaltsgesetz in der<br />

„gelben Reihe“ des Verlags C. H.<br />

Beck. Publizistisches Neuland<br />

wurde schließlich mit der Mitherausgabe<br />

der Erstkommentierung<br />

des <strong>Wasser</strong>verbandsgesetzes betreten,<br />

der ebenfalls bei C. H. Beck in<br />

der „gelben Reihe“ erschienen ist.<br />

Die Struktur<br />

Die Wahl der Struktur des Instituts<br />

ist von entscheidender Bedeutung<br />

für dessen wissenschaftliche Leistungsfähigkeit.<br />

Unverzichtbare<br />

Basis der Institutstätigkeit ist die<br />

Sicherstellung der wissenschaftlichen<br />

Unabhängigkeit. Der Fachbereich<br />

Rechtswissenschaft der Universität<br />

Trier hat die Errichtung des<br />

Instituts als wissenschaftliche Einrichtung<br />

im Sinne des § 90 Hoch-<br />

SchG Rh.-Pf. im Sommer 2006 be -<br />

schlossen. Dieses wird im Wesentlichen<br />

von einem im Mai 2006 in<br />

Berlin gegründeten, heterogen zu -<br />

sammengesetzten gemeinnützigen<br />

Förderverein getragen. Hierdurch<br />

wird insbesondere die Freiheit von<br />

staatlichen Einflussnahmen der<br />

Hochschul- und Umweltpolitik so -<br />

wie von der Durchsetzung partikularer<br />

Interessen gewährleistet. Zu -<br />

dem soll versucht werden, durch<br />

geeignete drittmittelgeförderte Forschungsvorhaben<br />

den Arbeitsbereich<br />

und die Ausstattung des Instituts<br />

zu erweitern. Den Mitgliedern<br />

des Fördervereins steht damit in<br />

dem Institut ein Ansprechpartner<br />

zu Verfügung, der ein Forum für als<br />

notwendig erachtete rechtswissenschaftliche<br />

Diskussionen bietet.<br />

Zudem entsteht über die Mitgliedschaft<br />

der Zugang zu einem Netzwerk<br />

einschlägig interessierter Einrichtungen<br />

und Personen.<br />

Die Universität Trier bietet für die<br />

wasserwirtschaftsrechtliche Tätigkeit<br />

ein ideales Umfeld. Zum einen<br />

bilden die Umweltwissenschaften<br />

einen traditionellen Schwerpunkt<br />

Trierer Forschung, zum anderen<br />

können Synergieeffekte genutzt<br />

werden.<br />

Institutsleitung<br />

Der Direktor des Instituts, Professor<br />

Dr. Michael Reinhardt, LL.M. ist seit<br />

vielen Jahren in vielfältiger Weise<br />

wasserrechtlich ausgewiesen. Nach<br />

dem Studium der Rechtswissenschaften<br />

an den Universitäten Bonn<br />

und Cambridge habilitierte er sich<br />

bei Prof. Dr. Jürgen Salzwedel in<br />

Bonn. Seit 1996 ist er ordentlicher<br />

Professor für Staatsrecht und Verwaltungsrecht<br />

an der Universität<br />

Trier. Er ist Herausgeber der Zeitschrift<br />

für <strong>Wasser</strong>recht (ZfW) und<br />

Mitherausgeber des Handbuchs des<br />

Deutschen <strong>Wasser</strong>rechts (HDW)<br />

sowie des Beck’schen Online-<br />

Kommentars zum Umweltrecht<br />

(BeckOK).<br />

Mittlerweile in 9. Auflage 2007<br />

liegt der von Paul Gieseke und Werner<br />

Wiedemann begründete und<br />

von Manfred Czychowski fortgeführte<br />

Standardkommentar zum<br />

<strong>Wasser</strong>haushaltsgesetz vor, den<br />

Professor Reinhardt heute als Alleinautor<br />

betreut.<br />

Hinzu kommen zahlreiche Publikationen,<br />

Vorträge und Forschungsvorhaben<br />

in allen Bereichen des<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaftsrechts.<br />

Weitere Informationen:<br />

Prof. Dr. Michael Reinhardt, LL.M.,<br />

Institut für Deutsches und Europäisches<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaftsrecht,<br />

Universität Trier,<br />

Campus I, 54286 Trier,<br />

Tel.: 0651 201-2579,<br />

E-Mail: reinhardt@uni-trier.de,<br />

Internet: www.wasserrecht.uni-trier.de<br />

Februar 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 177


NETZWERK WISSEN Aktuell<br />

Vielfältiger Blickwechsel im <strong>Wasser</strong>recht<br />

Die SummerSchool „Recht der <strong>Wasser</strong>wirtschaft“<br />

Die nächste SummerSchool findet vom 30. Juni bis einschließlich 2. Juli 2014 in Trier statt.<br />

Der Campus<br />

der Universität<br />

Trier.<br />

© Universität Trier<br />

aber auch bereits im Beruf stehenden<br />

Fach- und Führungskräften die<br />

Möglichkeit, ihre Kenntnisse aufzufrischen<br />

und zu vertiefen. Schließlich<br />

sollen auch Berufsträger anderer<br />

Fachrichtungen, die bei ihrer<br />

Tätigkeit mit rechtlichen Fragen<br />

umgehen, von dem Programm<br />

angesprochen werden.<br />

Das moderne <strong>Wasser</strong>wirtschaftsrecht<br />

ist eine Querschnittsmaterie,<br />

die in der klassischen juristischen<br />

Ausbildung allenfalls in einzelnen<br />

Teilaspekten und damit für<br />

die Bedürfnisse der praktischen<br />

Berufsausübung oftmals nur unzureichend<br />

Berücksichtigung finden<br />

kann. Hinzu kommt, dass die Durchdringung<br />

des Rechtsgebiets nur<br />

unter Hinzuziehung seiner internationalen<br />

und interdisziplinären Be -<br />

züge vollständig gelingen kann.<br />

Schließlich zwingt aktuell auch die<br />

weitreichende Umordnung des<br />

Rechtsgebiets durch das Gesetz zur<br />

Neuregelung des <strong>Wasser</strong>rechts auf<br />

vielen Feldern zu vielfältigen Blickwechseln.<br />

Das Institut für Deutsches und<br />

Europäisches <strong>Wasser</strong>wirtschaftsrecht<br />

der Universität Trier bietet<br />

daher seit 2010 jährlich einen dreitägigen<br />

Sommerkurs an, um einen<br />

umfassenden ersten Einblick in die<br />

Inhalte und das Zusammenwirken<br />

der verschiedenen Regelungsbereiche<br />

des <strong>Wasser</strong>rechts zu vermitteln.<br />

Erfahrene <strong>Wasser</strong>rechtler aus Praxis<br />

und Forschung erläutern in kompakten<br />

Unterrichtseinheiten die<br />

zentralen Grundlagen des <strong>Wasser</strong>wirtschaftsrechts<br />

und ihre Umsetzung<br />

in der Praxis.<br />

Der Kurs wendet sich in erster<br />

Linie an juristische Berufsanfänger<br />

in wasserwirtschaftsrechtlich tätigen<br />

Behörden, Unternehmen und<br />

Kanzleien. Darüber hinaus bietet er<br />

Ein Auszug aus dem Programm:<br />

Weitere Informationen und Anmeldung:<br />

Institut für Deutsches und Europäisches<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaftsrecht,<br />

Prof. Dr. Michael Reinhardt, LL.M.,<br />

Universität Trier,<br />

Campus I, 54286 Trier,<br />

Tel.: 0651 201-2578,<br />

E-Mail: reinhardt@uni-trier.de,<br />

Internet: www.wasserrecht.uni-trier.de<br />

• Rechtsquellen<br />

• Zulassungsregime<br />

• Preis- und Gebührengestaltung, Tarifrecht<br />

• Kartellrechtliche Überprüfung der <strong>Wasser</strong>preise<br />

• Vergabe- und Beihilferecht<br />

• Bewirtschaftungsziele, Reinhaltung, Planungsinstrumente<br />

• Unterhaltung, Ausbau, <strong>Wasser</strong>kraft, Fischerei und Verkehr<br />

• <strong>Wasser</strong>versorgung, Trinkwasser<br />

• <strong>Abwasser</strong>beseitigung<br />

• <strong>Wasser</strong>rechtliche Abgaben<br />

• <strong>Wasser</strong>verbandsrecht<br />

• Grundzüge des deutschen und europäischen Umweltschutzrechts<br />

• <strong>Wasser</strong>schutzgebiete, Hochwasserschutz<br />

• Gewässeraufsicht, Haftung<br />

Februar 2014<br />

178 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Aktuell Porträt NETZWERK WISSEN<br />

Zwischen<br />

Gewässerschutz<br />

und<br />

Gewässernutzung<br />

liegt die<br />

Neuordnung<br />

der Anforderungen<br />

an<br />

Industriekläranlagen.<br />

© Pixelio / Petra<br />

Dirscherl<br />

<strong>Wasser</strong>rechtler im Dialog zwischen<br />

Wissenschaft und Praxis<br />

Der 25. <strong>Wasser</strong>wirtschaftsrechtliche Gesprächskreis<br />

Bereits zum 25. Mal lud das Institut für Deutsches und Europäisches <strong>Wasser</strong>wirtschaftsrecht im<br />

November 2013 zu einer Gesprächsrunde über aktuelle wasserrechtliche Fragen.<br />

Mit der Veranstaltungsreihe, die<br />

an wechselnden Orten im<br />

gesamten Bundesgebiet stattfindet,<br />

begleitet das Institut die Entwicklung<br />

des <strong>Wasser</strong>rechts am Beispiel<br />

ausgewählter aktueller Einzelthemen,<br />

die im Dialog von Wissenschaft<br />

und Praxis erörtert werden.<br />

Im November 2013 widmete sich<br />

die Veranstaltung der Neuordnung<br />

der Anforderungen an Industriekläranlagen<br />

zwischen EU-Industrieemissionenrichtlinie<br />

und novellierter<br />

prioritärer Stoffliste, einem<br />

exemplarischen Kernthema des<br />

Konflikts zwischen Gewässerschutz<br />

und Gewässernutzung.<br />

Die rechtlichen Anforderungen<br />

an die Beseitigung industrieller Ab -<br />

wässer haben in jüngerer Zeit erhebliche<br />

Änderungen erfahren. Umweltqualitätsziele<br />

für prioritäre Stoffe<br />

wie sie in der Folge der <strong>Wasser</strong>rahmenrichtlinie<br />

2000/60/EG festgesetzt<br />

und laufend fortent wickelt<br />

werden, spielen dabei eine ebenso<br />

große Rolle wie die Implementierung<br />

eines europäischen Systems<br />

der Besten Verfügbaren Techniken<br />

(BVT) im Zuge der Industrieemissionenrichtlinie<br />

2010/75/EU, die das<br />

tradierte nationale Recht der Industriekläranlagen<br />

vor neue systematische<br />

und praktische Fragen stellt.<br />

Der Gesprächskreis griff die aktuelle<br />

Thematik aus den Perspektiven des<br />

landesrechtlichen Vollzugs und der<br />

betroffenen Industrie auf.<br />

Auf freundliche Einladung der<br />

Kanzlei DLA Piper Köln trafen sich<br />

über 50 interessierte <strong>Wasser</strong>rechtler<br />

aus Hochschulen, Behörden,<br />

Unternehmen, Kanzleien und Verbänden,<br />

um mit den Vorträgen von<br />

Ministerialrat Hermann Spillecke,<br />

Umweltministerium NRW, und Dr.<br />

Robert Weitz, Currenta GmbH & Co.<br />

OHG, die Standpunkte verschiedener<br />

Beteiligter zu hören. Der angeregten<br />

Diskussion über die neuen<br />

europarechtlichen Anforderungen<br />

an die Beseitigung industrieller<br />

Abwässer schloss sich ein „kölsches“<br />

Büffet an, das nicht zuletzt der Vertiefung<br />

der Gespräche und Kontakte<br />

diente.<br />

Der nächste Gesprächskreis wird<br />

in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium<br />

für Umwelt, Naturschutz,<br />

Bau- und Reaktorsicherheit<br />

eine Bestandsaufnahme nach den<br />

ersten fünf Jahren des neuen <strong>Wasser</strong>haushaltsgesetzes<br />

unternehmen<br />

und im März 2014 in Bonn stattfinden.<br />

Weitere Informationen und Anmeldung:<br />

Institut für Deutsches und Europäisches<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaftsrecht,<br />

Prof. Dr. Michael Reinhardt, LL.M.,<br />

Universität Trier,<br />

Campus I, 54286 Trier,<br />

Tel.: 0651 201-2578,<br />

E-Mail: reinhardt@uni-trier.de,<br />

Internet: www.wasserrecht.uni-trier.de<br />

Februar 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 179


NETZWERK WISSEN Aktuell<br />

Neugier wird geweckt – die „Angst“ genommen<br />

Ein Erfahrungsbericht<br />

Dr. Mathias Schöpel ist Abteilungsleiter bei der RWW Rheinisch-Westfälischen <strong>Wasser</strong>werksgesellschaft in<br />

Mülheim an der Ruhr. Für die <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> Ι <strong>Abwasser</strong> berichtet er von seiner Teilnahme an der Trierer<br />

„SummerSchool Recht der <strong>Wasser</strong>wirtschaft“ im Juli 2012.<br />

An der SummerSchool interessierten<br />

mich besonders die<br />

Vielfalt der Themen wie etwa zu den<br />

<strong>Wasser</strong>echten und Gestattungsverfahren,<br />

der Gewässeraufsicht und<br />

zum Gewässerschutzbeauftragtenwesen,<br />

europäisches Umweltrecht<br />

und Vergaberecht. Zwar hatte ich<br />

durch meine lange Berufserfahrung<br />

insbesondere bei der RWW Rheinisch-Westfälischen<br />

<strong>Wasser</strong>werksgesellschaft<br />

in Mülheim an der Ruhr<br />

Zur Person<br />

Dr. Mathias Schöpel, geb. 1954<br />

Studium/Promotion<br />

1974–1979 Studium der Geologie an der Technischen Universität<br />

Clausthal, Abschluss: Diplom-Geologe<br />

1985 Promotion an der Technischen Universität Clausthal<br />

Berufliche Laufbahn<br />

1978 Anstellung beim Steinkohlenbergwerk Auguste Victoria<br />

in Marl im Rahmen der Diplomarbeit<br />

1978–1991 Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Gutachter bei der<br />

Westfälischen Berggewerkschaftskasse/Deutschen Montan<br />

Technologie in Bochum/Essen<br />

seit 1991 Abteilungsleiter bei der RWW Rheinisch-Westfälischen<br />

<strong>Wasser</strong>werksgesellschaft in Mülheim an der Ruhr<br />

Dr. Mathias Schöpel.<br />

© RWW<br />

Tätigkeitsprofil<br />

• Diplomarbeit 1978: Hydrogeologie und Hydrochemie im Raum Marl-Hüls unter besonderer Berücksichtigung<br />

anthropogener Einwirkungen, TU Clausthal<br />

• Dissertation 1985: Lagerung von Abgängen des Steinkohlenbergbaus und Entwicklung von Basisabdichtungen<br />

bei der Anlage von Bergehalden in Grundwasserreserveräumen, TU Clausthal<br />

• Forschungsvorhaben in den Bereichen: Hydrogeochemie, Deponietechnik und Mobilisierungsverhalten<br />

von Bergematerialien und Abfallstoffen. Mikrobiologische Sanierung von Altlasten und untertägige<br />

Endlagerung von nichtradioaktiven Abfallstoffen.<br />

• Gutachtertätigkeit in den Bereichen Hydrogeologie, Gewässerschutz, Umweltverträglichkeitsprüfung<br />

und Altlastenbewertung sowie deren Sanierung.<br />

• Abteilungsleiter <strong>Wasser</strong>/<strong>Wasser</strong>wirtschaft bzw. Qualität in einem überregionalen <strong>Wasser</strong>versorgungsunternehmen.<br />

Zuständigkeit für die <strong>Wasser</strong>gewinnung, das Zentrallabor, wasserwirtschaftlichen<br />

Grundlagen und die Technologieentwicklung.<br />

• Fachpublikationen, Fachvorträge, Öffentlichkeitsarbeit und Führungen national und international,<br />

Organisation und Betreuung von Fachmessen.<br />

• Referent für AGE-Seminare „Technik der Trinkwasserversorgung für Kaufleute“<br />

• Weiterbildungen in den Bereichen Altlasten, Gewässerschutz, <strong>Wasser</strong>technologie, Ökologie und<br />

Ökoaudit, Qualitätsmanagement, Führungsseminare und EDVAnwendungen<br />

• Mitgliedschaften in verschiedenen Organisationen: ARW, AWWR, AWHS, DVGW, Frontinus-<br />

Gesellschaft etc.<br />

• Gewässerschutzbeauftragter, Sachverständiger für Altlastenfragen, techn. Führungskraft nach W 1000<br />

Februar 2014<br />

180 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Aktuell Porträt NETZWERK WISSEN<br />

mit diesen Themen häufig zu<br />

tun, zumal ich hier auch als Gewässerschutzbeauftragter<br />

seit etwa<br />

20 Jahren tätig bin bzw. an diversen<br />

wasserrechtlichen Verfahren beteiligt<br />

war.<br />

Blick über eigene Bereiche<br />

hinaus<br />

Dennoch habe ich für mich erkannt,<br />

dass eine gute Zusammenarbeit der<br />

technischen und recht lichen Bereiche<br />

in einem <strong>Wasser</strong>versorgungsunternehmen<br />

extrem wichtig ist und<br />

ein Blick über den technischen und<br />

naturwissenschaftlichen Bereich<br />

hinaus auch gerade in den Rechtsbereich<br />

sehr hilfreich sein kann.<br />

Von der Veranstaltung selbst war<br />

ich sehr angetan, da der Themenmix,<br />

aber auch die Referenten hervorragend<br />

waren. Die Veranstaltung<br />

war gut ausbalanciert zwischen<br />

anspruchsvollen und einführenden<br />

Darbietungen der Vortragsinhalte.<br />

Die Veranstaltung ist daher durchaus<br />

für Neuanfänger aber auch für<br />

„alte Hasen“ wie mich geeignet. Sie<br />

lebt insbesondere auch durch den<br />

direkten Kontakt und das Gespräch<br />

zwischen Referenten und Teilnehmern,<br />

nicht nur während der Veranstaltung<br />

selbst, sondern auch in den<br />

Pausen oder an der gemeinsamen<br />

Abendveranstaltung. Fragen wurden<br />

kompetent von den Referenten<br />

beantwortet, was für die Auswahl<br />

der Referenten spricht.<br />

Ich habe verschiedenen Mitarbeitern<br />

und Kollegen die Teilnahme an<br />

der Veranstaltung empfohlen. Auch<br />

hier war die Resonanz sehr positiv,<br />

auch wenn die Neueinsteiger durch<br />

die Themen und Vorträge etwas<br />

gefordert wurden. Die Neugier<br />

wurde geweckt und die „Angst“ vor<br />

dem Thema <strong>Wasser</strong>recht genommen.<br />

Weitere Informationen:<br />

Institut für Deutsches und Europäisches<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaftsrecht,<br />

Universität Trier,<br />

54286 Trier,<br />

Internet: www.wasserrecht.uni-trier.de<br />

Veranstaltungen wie der <strong>Wasser</strong>wirtschaftsrechtstag des Instituts sind<br />

gut besucht.<br />

© Institut für Deutsches und Europäisches <strong>Wasser</strong>wirtschaftsrecht, Universität Trier<br />

Stellenanzeige<br />

Im Fachbereich Bauingenieurwesen der Technischen Universität Kaiserslautern ist<br />

zum frühestmöglichen Zeitpunkt die<br />

W 3 - Professur „Ressourceneffiziente<br />

<strong>Abwasser</strong>behandlung“<br />

(Carl Zeiss Stiftungsprofessur)<br />

zu besetzen. Die Stelle wird nach Ablauf der 5-jährigen Förderperiode im Personalhaushalt<br />

der TU Kaiserslautern weitergeführt.<br />

Die zu berufende Person soll das Gebiet der ressourceneffizienten <strong>Abwasser</strong>behandlung<br />

in Lehre und Forschung vertreten. Mögliche Arbeitsschwerpunkte bilden konzeptionelle,<br />

verfahrenstechnische und prozessbezogene Ansätze zur Rückgewinnung<br />

von <strong>Abwasser</strong>inhaltsstoffen und Nutzung des Energiegehaltes von kommunalem und<br />

gewerblich-industriellem <strong>Abwasser</strong> sowie die Prozessoptimierung aerober und anaerober<br />

Verfahren bei der Stoffstromtrennung und Klärschlammbehandlung.<br />

Die Bewerberin oder der Bewerber soll neben einschlägigen wissenschaftlichen Qualifikationen,<br />

insbesondere zur Verfahrenstechnik der <strong>Abwasser</strong>behandlung, möglichst<br />

auch über berufspraktische Erfahrungen im genannten Arbeitsgebiet verfügen und<br />

die erfolgreiche Einwerbung von (Forschungs-)Projekten nachweisen. Die neu einzurichtende<br />

Professur soll eine Brückenfunktion zu verfahrenstechnischen Fächern<br />

in den Fachbereichen Maschinenbau und Verfahrenstechnik, Biologie und Chemie<br />

übernehmen. Die Bereitschaft zur interdisziplinären Zusammenarbeit, vorrangig mit<br />

diesen Fachdisziplinen, sowie zur Mitarbeit in der Forschungsinitiative des Landes<br />

Rheinland-Pfalz an der TU Kaiserslautern wird erwartet.<br />

Neben der Promotion der Bewerberinnen und Bewerber werden zusätzliche wissenschaftliche<br />

oder besondere berufspraktische Leistungen im skizzierten Arbeitsgebiet<br />

sowie besondere didaktische Fähigkeiten und Erfahrungen in der Lehre vorausgesetzt.<br />

Die Lehre erfolgt vorrangig in den Studiengängen des Bauingenieurwesens.<br />

Das Land Rheinland-Pfalz und die Technische Universität Kaiserslautern vertreten<br />

ein Betreuungskonzept, bei dem eine hohe Präsenz der Lehrenden am Hochschulort<br />

erwartet wird.<br />

Die Bereitschaft zur Mitarbeit in der Hochschulselbstverwaltung wird vorausgesetzt.<br />

Neben den allgemeinen beamtenrechtlichen Voraussetzungen gelten die in § 49 des<br />

Hochschulgesetzes Rheinland-Pfalz geregelten Einstellungsvoraussetzungen. Der<br />

Text wird auf Wunsch zugesandt.<br />

Die Technische Universität Kaiserslautern strebt eine Erhöhung des Anteils von Frauen<br />

in Lehre und Forschung an. Qualifizierte Wissenschaftlerinnen werden deshalb aufgefordert,<br />

sich zu bewerben. Bewerberinnen und Bewerber mit Kindern sind willkommen.<br />

Schwerbehinderte werden bei entsprechender Eignung bevorzugt berücksichtigt<br />

(Nachweis beifügen).<br />

Bewerbungen sind mit Lebenslauf, Schriftenverzeichnis sowie Nachweis über die bisherigen<br />

Leistungen in der Lehre, Darstellung des wissenschaftlichen Werdeganges,<br />

bisheriger Forschungsaktivitäten (gegebenenfalls eingeworbene Drittmittel), künftiger<br />

Forschungsabsichten bis zum 16. April 2014 zu richten an: Technische Universität<br />

Kaiserslautern, Dekan des Fachbereichs Bauingenieurwesen, Postfach 3049,<br />

67653 Kaiserslautern<br />

Februar 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 181


| NACHRICHTEN<br />

|<br />

Veranstaltungen<br />

Human Footprint – menschliches Handeln<br />

im Satellitenbild<br />

Stiftung Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig, Leibniz-Institut<br />

für Biodiversität der Tiere<br />

Seit Mitte Januar ist die Ausstellung „Human Footprint“ in der Stiftung Zoologisches Forschungsmuseum<br />

Alexander Koenig - Leibniz-Institut für Biodiversität (ZFMK) in Bonn zu sehen. Die 33 großformatigen Satellitenbilder<br />

der Ausstellung gewähren faszinierende Blicke auf den Planeten Erde aus Höhen von bis zu 680 km. Auf<br />

den ersten Blick wirken sie ästhetisch und fesselnd. Doch bei näherer Betrachtung wirken die Aufnahmen eher<br />

beklemmend, denn sie sind Ausdruck einer Störung der Natur durch den Menschen. Die Ausstellung geht bis<br />

zum 16. März 2014.<br />

In der Region<br />

um Beaumont<br />

im Südwesten<br />

Australiens<br />

sind weite<br />

Ackerflächen<br />

mit Salztümpeln<br />

durchsetzt.<br />

© eoVision/<br />

DigitalGlobe/e-<br />

GEOS 2011<br />

Prof. Dr. Wolfgang<br />

Wägele (l)<br />

und Mag. Paul<br />

Schreilechner (r)<br />

in der Ausstellung.<br />

© ZFMK, Bonn<br />

Städte auf <strong>Wasser</strong> und in der<br />

Wüste, qualmende Industriegebiete<br />

oder der Bergbau schlagen<br />

überall auf der Welt Wunden in die<br />

Erdkruste. Die aus dem Satellitenbildband<br />

„Human Footprint“ entstandene<br />

Ausstellung führt die Besucherinnen<br />

und Besucher zu den<br />

Tatorten.<br />

„Die Lebensraumzerstörung ist<br />

ein ganz wichtiges Thema eines<br />

großen Naturkundemuseums“, erläutert<br />

Prof. Dr. Wolfgang Wägele,<br />

Direktor des ZFMKs. „Subtil sprechen<br />

wir so ganz heiße Themen an“,<br />

ergänzt Magister Paul Schreilechner,<br />

eoVision Salzburg, der die Ausstellung<br />

mitentwickelte.<br />

Viele Flächen sehen aus großer<br />

Höhe wie abstrakte Kunstwerke<br />

aus, wenn intensiv Bodenschätze<br />

gefördert oder Landwirtschaft betrieben<br />

wird. Der Ausbau gigantischer<br />

Städte und Verkehrsnetze,<br />

das Anlegen riesiger Flughäfen<br />

und gewaltiger Flugzeuglager sowie<br />

das Aufschütten künstlicher Inseln<br />

wirken zum Teil wie leicht dahin<br />

gezauberte Pinselstriche, grafische<br />

Muster oder Aquarelle. Doch<br />

manche Ergebnisse der Eingriffe<br />

des Menschen, der die Erde seit<br />

Jahrtausenden gestaltet, bedeuten<br />

Hunderte von Metern tiefe Aushebungen<br />

oder haben Änderungen<br />

der Meeresströmung zur Folge.<br />

Die faszinierenden Aufnahmen<br />

öffnen das Bewusstsein und lassen<br />

uns unsere Verantwortung für die<br />

eigene Zukunft erkennen. Wie stark<br />

der Mensch Landschaften und<br />

Ökosysteme verändert, beschreibt<br />

der Begriff „Human Footprint“. Das<br />

anhaltende Bevölkerungswachstum<br />

trägt gemeinsam mit dem steigenden<br />

Lebensstandard zu einer<br />

ständigen Intensivierung der Nutzung<br />

bei.<br />

Wie merkwürdige Spinnennetze<br />

wirken die Städte Manhattan, New<br />

Dehli und Paris. Mit etwa 60, 105<br />

und 1 500 km 2 beherbergen sie<br />

zwischen etwa 1,5 und rund<br />

12 Mio. Einwohner, je nachdem,<br />

wie man die Großräume betrachtet.<br />

Diese Städte der Superlative<br />

müssen den Verkehr in den riesigen<br />

Ballungsräumen bewerkstelligen,<br />

Februar 2014<br />

182 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Veranstaltungen | NACHRICHTEN |<br />

die Versorgung mit Energie, <strong>Wasser</strong><br />

und Nahrungsmittel gewährleisten<br />

und für Hygienemaßnahmen oder<br />

Sicherheit sorgen. Horrende Mieten<br />

treiben die Einheimischen in<br />

die Vororte mit eigenen politischen,<br />

sozialen und ökonomischen<br />

Gegebenheiten.<br />

Hunderte Spiegel reflektieren in<br />

den Solarkraftwerken bei Sevilla<br />

die eingestrahlte Sonnenenergie<br />

auf die Spitze eines Turms. Die dort<br />

entstehende Hitze von mehr als<br />

1 000 °C wird zur Erzeugung elektrischer<br />

Energie genutzt.<br />

Das Shaybah Ölfeld liegt wie ein<br />

aus der Form geratenes und mitten<br />

in einem Wüstenmeer gestrandetes<br />

Raumschiff. Saudi-Arabien<br />

fördert hier mit größtem Aufwand<br />

Öl. Noch gibt es keine wirkliche<br />

Alternative zu den fossilen Brennstoffen.<br />

Öl ist auch der Rohstoff für<br />

viele Alltagsprodukte.<br />

Wie ein abstraktes Aquarell erscheint<br />

der Ort Araouane, der in<br />

Mali etwa 260 km nördlich von Timbuktu<br />

liegt. Zu Zeiten, als Kamele<br />

das bedeutendste Transportmittel<br />

für Reisen durch die Sahara waren,<br />

hatte der Ort eine große Bedeutung,<br />

weil Tiefbrunnen im Bereich<br />

des Wadi Oued Tamandourirt den<br />

Salzkarawanen als Oase diente. In<br />

der Blütezeit standen hier etwas<br />

mehr als 1 000 Häuser, heute sind<br />

nur noch einige wenige verblieben.<br />

Der Saharasand bedeckt inzwischen<br />

weite Teile der früheren Ortschaft.<br />

Die verblie benen Bewohner<br />

leben im Umfeld der noch erhaltenen<br />

Brunnen, die durch das gesunkene<br />

Grundwasserniveau immer<br />

weniger ergiebig sind.<br />

Die Region um Beaumont in<br />

Australien sieht aus, als hätten Kinder<br />

zwischen Linien lustige Kreise<br />

bunt ausgemalt. Im Südwesten des<br />

Kontinents sind weite Ackerflächen<br />

mit Salztümpeln durchsetzt, die<br />

von Algen unterschiedlich gefärbt<br />

sind und durch die Verdunstung<br />

des <strong>Wasser</strong>s Salzkrusten ausbilden.<br />

Die Versalzung erschwert den<br />

Landwirten den Anbau.<br />

Weitere Informationen:<br />

www.zfmk.de<br />

MSR-Spezialmesse für Prozessleitsysteme, Mess-,<br />

Regel- und Steuerungstechnik in Frankfurt am Main<br />

MEORGA veranstaltet am 26. März 2014 in der Jahrhunderthalle in Frankfurt-Höchst eine<br />

regionale Spezialmesse für Prozessleitsysteme, Mess-, Regel- und Steuerungstechnik<br />

Bei der Messe zeigen rund 150<br />

Fachfirmen der Mess-, Steuer-,<br />

Regel- und Automatisierungstechnik<br />

Geräte und Systeme, Engineering-<br />

und Serviceleistungen sowie<br />

neue Trends im Bereich der Automatisierung.<br />

Die Messe wendet sich an Fachleute<br />

und Entscheidungsträger, die<br />

in ihren Unternehmen für die<br />

Optimierung der Geschäfts- und<br />

Produktionsprozesse entlang der<br />

gesamten Wertschöpfungskette<br />

verantwortlich sind. Der Eintritt zur<br />

Messe und die Teilnahme an den<br />

Workshops sind für die Besucher<br />

kostenlos und sollen ihnen Informationen<br />

und interessante Gespräche<br />

ohne Hektik oder Zeitdruck ermöglichen.<br />

MEORGA organisiert seit mehreren<br />

Jahren mit großem Erfolg regionale<br />

Spezialmessen für die Mess-,<br />

Steuerungs-, Regelungs- und Automatisierungstechnik.<br />

Durch den<br />

wachsenden Kostendruck in den<br />

Unternehmen und die damit einhergehenden<br />

Restriktionen bei<br />

Dienstreisen finden lokale Messen –<br />

vor der Haustür – immer größeren<br />

Anklang und sind ein Gewinn für<br />

Aussteller wie für Besucher.<br />

Die regionale Messe: Produkte, Systeme und Informationen vor der Haustür.<br />

Kontakt:<br />

MEORGA GmbH,<br />

Sportplatzstraße 27,<br />

D-66809 Nalbach,<br />

Tel. (06838) 8960035, Fax (06838) 983292,<br />

E-Mail info@meorga.de,www.meorga.de<br />

Februar 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 183


| NACHRICHTEN<br />

|<br />

Veranstaltungen<br />

11. Berlin-Brandenburger Brunnentage<br />

Berlinwasser veranstaltet die 11. Brunnentage am 12. und 13. Mai 2014<br />

Bereits zum 11. Mal öffnet in<br />

diesem Jahr das Forum „Berlin<br />

Brandenburger Brunnentage“ im<br />

Seminaris SeeHotel Potsdam seine<br />

Tore.<br />

Am 12. und 13. Mai 2014 sind<br />

nicht nur Brunnenexperten eingeladen,<br />

sondern auch alle, die sich<br />

über aktuelle Entwicklungen auf<br />

dem Gebiet der Grundwassergewinnung<br />

informieren und breit<br />

gefächert diskutieren wollen.<br />

Seit dem Jahr 2000 veranstaltet<br />

Berlinwasser unter der Regie ihrer<br />

Tochter, der pigadi GmbH, diesen<br />

Workshop für ein interessiertes<br />

Fachpublikum aus dem Bereich der<br />

<strong>Wasser</strong>versorgung.<br />

Hervorgegangen aus den „Blossiner<br />

Brunnentagen“ entwickelte<br />

sich dieses Fachsymposium zu einem<br />

bundesweit und international<br />

anerkannten fachlichen Event für<br />

Meinungsbildung und -austausch<br />

auf dem Gebiet der <strong>Wasser</strong>gewinnung.<br />

Mit diesem Workshop werden<br />

Themenbereiche interdisziplinär erschlossen,<br />

die im Hinblick auf die<br />

wertvolle Ressource Grundwasser<br />

unbedingte Beachtung finden sollten.<br />

Dabei ist es Tradition, über<br />

den sprichwörtlichen „Tellerrand“<br />

hinaus verschiedenste Schwerpunkt<br />

themen zu beleuchten und zu<br />

erörtern, welche die ganzheitlichen<br />

Sachverhalte zur Gewinnung und<br />

Bewirtschaftung des Grundwassers<br />

umreißen.<br />

Die Förderung von Grundwasser<br />

ist jedoch nicht nur für <strong>Wasser</strong>versorger<br />

von Interesse. Auch Verantwortliche<br />

für die Notwasserversorgung<br />

und Brunnenbetreiber aus<br />

Industrie und Landwirtschaft erwarten<br />

bei den Berlin-Brandenburger<br />

Referenten der Berlin-Brandenburger Brunnentage 2012. Dr. Kees van Beek,<br />

Gunter Baumann, Karsten Baumann, Jim Bailey, Elke Wittstock,<br />

Dr. Hermann Mikat, Dr. Hella Schwarzmüller, Prof. Dr. Christoph Treskatis,<br />

Hans-Gerd Hammann, Raeto Conrad, Dr. Peter Nillert, Lilo Weber,<br />

Andreas Wicklein, Dr. Marion Schulte (v. l. n. r.).<br />

Schachtbrunnen einer verlassenen Goldgräbersiedlung in Kalifornien.<br />

Brunnentagen aktuelle fachliche<br />

Entwicklungen, intelligente Lösungsansätze<br />

und Trends für eine effiziente<br />

Nutzung der Ressource<br />

Grundwasser.<br />

In den vergangenen Jahren haben<br />

neben Planern und Betreibern<br />

aus der <strong>Wasser</strong>branche auch Vertreter<br />

von Bau- und Servicedienstleistern<br />

die Veranstaltung als Forum<br />

zum kritischen und konstruktiven<br />

Gedankenaustausch erlebt und<br />

genutzt.<br />

Das Programm umreist sowohl<br />

die Themenbereiche Brunnenbau,<br />

Brunnenmanagement, Brunnenregenerierung<br />

und Brunnenrückbau,<br />

als auch das Messstellenmanagement.<br />

Um dem Anspruch des Veranstalters<br />

der interdisziplinären Perspektive<br />

gerecht zu werden, wird der<br />

thematische Bogen inhaltlich auch<br />

in diesem Jahr wieder sehr abwechslungsreich<br />

gespannt. Schwerpunkte<br />

bilden u. a. Beiträge zur<br />

Identifikation und Vermeidung von<br />

Fremdwasserzuflüssen an Brunnen<br />

sowie neue Erkenntnisse bei Planung,<br />

Herstellung, Betrieb und<br />

Instandhaltung horizontaler und<br />

Februar 2014<br />

184 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Veranstaltungen | NACHRICHTEN |<br />

vertikaler Grundwasserfassungen.<br />

Natürlich bietet das Forum auch<br />

aktuelle Entwicklungen und Trends<br />

auf dem Gebiet unterschiedlicher<br />

Schüttgutmaterialien (Glaskugeln<br />

vs. Filterkies?) sowie Wissenswertes<br />

aus Forschung und Entwicklung zu<br />

Brunnenalterung und -betrieb.<br />

Die Referenten der Vortragsreihe<br />

kommen aus wissenschaftlichen<br />

Einrichtungen, Ingenieurbüros und<br />

von öffentlichen <strong>Wasser</strong>versorgern.<br />

Traditionell werden auch in diesem<br />

Jahr wieder internationale Experten<br />

aus der Schweiz, den Niederlanden<br />

und den USA diesen zweitägigen<br />

Erfahrungsaustausch mit<br />

interes santen Beiträgen und ihren<br />

Erfahrungen bereichern.<br />

Der interdisziplinäre Ansatz der<br />

Veranstaltung bietet auch im Jahr 2014<br />

zwei Beiträge der ganz besonderen<br />

Art. Ein Ex-Profi und heutiger Fußballlehrer<br />

sowie ein Lebenscoach zeigen<br />

den Teilnehmern interessante Verknüpfungen<br />

von Grundwasser themen<br />

und aktuellen gesellschaftlichen Aspekten<br />

aus Sport und Management.<br />

Anmeldung/Programm:<br />

pigadi GmbH,<br />

Petra Forker,<br />

Leykestraße 11-13, D-12053 Berlin,<br />

Tel. (030) 86445-7575, Fax (030) 86445-576,<br />

E-Mail: petra.forker@pigadi.com,<br />

www.pigadi.com<br />

www.wassertermine.de<br />

Vorübergehend unkultivierbar<br />

Wie Pathogene in der Trinkwasser-Installation der Überwachung entgehen können<br />

Die Abschlussveranstaltung im<br />

BMBF-Forschungsvorhaben<br />

Erkennung, Risiko und Bekämpfung<br />

von vorübergehend unkultivierbaren<br />

Pathogenen in der Trinkwasser-<br />

Installation findet am 2. April 2014<br />

im Universitätsclub Bonn e. V. statt<br />

und wird ausgerichtet vom Institut<br />

für Hygiene und Öffentliche Gesundheit<br />

der Universität Bonn.<br />

Die Überwachung der hygienischen<br />

Qualität von Trinkwasser<br />

geschieht mit Verfahren, die auf der<br />

Kultivierung der Mikroorganismen<br />

beruhen. Allerdings können wasserrelevante<br />

Krankheitserreger wie<br />

Legionella pneumophila und Pseudomonas<br />

aeruginosa in einen vorübergehend<br />

nicht kultivierbaren Zustand<br />

(viable-but-nonculturable, VBNC)<br />

übergehen. Dieser Zustand wird als<br />

Stress-Antwort verstanden, etwa auf<br />

die Einwirkung von Desinfektionsmitteln<br />

oder die Anwesenheit von<br />

Schwermetallen (z. B. Kupferionen).<br />

Wenn Pathogene sich in diesem<br />

Zustand befinden, entgehen sie<br />

der Überwachung durch Kulturmethoden.<br />

Das kann zu falschnegativen<br />

Ergebnissen führen,<br />

nämlich wenn die Bakterien nicht<br />

abgetötet, sondern nur inaktiviert<br />

wurden. Sie können in den kultivierbaren<br />

Zustand zurückkehren.<br />

Das könnte die Ursache für hartnäckige<br />

Wiederverkeimung bei<br />

schwierigen Kontaminationsfällen<br />

sein.<br />

Diese Aspekte wurden in einem<br />

vom BMBF-geförderten Verbundvorhaben<br />

untersucht, und die wichtigsten<br />

Ergebnisse werden in dieser<br />

Veranstaltung vorgestellt. In räumlich-zeitlichen<br />

Untersuchungsstrategien<br />

wird die verlässliche Erfassung<br />

von mikrobiellen Kontaminationen<br />

in Trinkwasser-Installationen<br />

großer Gebäude präsentiert. In<br />

einem praxisnahen Versuchssystem<br />

wurde die Effektivität von Reinigungs-<br />

und Desinfektionsverfahren<br />

überprüft. Es wurde auch untersucht,<br />

welche wasserrelevanten<br />

Parameter den VBNC-Zustand auslösen<br />

können, unter welchen Bedingungen<br />

die Kultivierbarkeit wieder<br />

erlangt wird und ob die Bakterien<br />

anschließend wieder infektiös sind.<br />

In einem weiteren Teilprojekt wurde<br />

untersucht, inwieweit Desinfektionsmaßnahmen<br />

den Übergang in<br />

das VBNC-Stadium auslösen können,<br />

und es wird gezeigt, wie die<br />

Desinfektion zu einem Selektionsvorteil<br />

für schnellwachsende Pathogene<br />

führen kann.<br />

Das Projekt wurde gemeinsam<br />

vom Biofilm Centre der Universität<br />

Duisburg-Essen, dem Institut für<br />

Hygiene und Öffentliche Gesundheit<br />

der Universität Bonn, dem IWW<br />

Zentrum <strong>Wasser</strong> in Mülheim, der<br />

DVGW-Forschungsstelle an der<br />

Technischen Universität Hamburg-<br />

Harburg sowie der TU Berlin zusammen<br />

mit 15 Industriepartnern unter<br />

Koordination von Prof. Hans-Curt<br />

Flemming durchgeführt.<br />

Ziel der Veranstaltung ist es, die<br />

praxisrelevanten Ergebnisse zu präsentieren<br />

und daraus effektive<br />

Gegenmaßnahmen für einen nachhaltigen<br />

Sanierungserfolg abzuleiten.<br />

Zielgruppe sind Fachleute der<br />

<strong>Wasser</strong>versorgung und Gebäudetechnik,<br />

der Gesundheitsbehörden<br />

sowie Ausrüster und Anbieter von<br />

Trinkwasserinstallationen.<br />

Programm unter:<br />

http://www.ihph.de/veranstaltungen.php<br />

Kontakt:<br />

Universitätsklinikum Bonn,<br />

Institut für Hygiene und<br />

Öffentliche Gesundheit,<br />

AG Medizinische Geographie & Public Health,<br />

Heike Müller, Tel. (0228) 287-19515,<br />

E-Mail: Heike.Mueller@ukb.uni-bonn.de<br />

Februar 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 185


| NACHRICHTEN<br />

|<br />

Veranstaltungen<br />

Seminar: Anthropogene Spurenstoffe im<br />

<strong>Wasser</strong>kreislauf – Strategie für Bayern<br />

Anthropogene Spurenstoffe wie z. B. Arzneimittel sind im <strong>Wasser</strong>kreislauf insbesondere im Hinblick auf ihre langfristigen<br />

Auswirkungen ein noch nicht ausreichend erforschtes Thema. In Zusammenarbeit mit dem Bayerischen<br />

Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz und der Universität der Bundeswehr München bietet der<br />

DWA-Landesverband Bayern daher am 26. Februar 2014 in Augsburg ein Seminar zu diesem Thema an.<br />

Diese Veranstaltung gibt einen<br />

Überblick über das bayerische<br />

Vorgehen auf diesem Gebiet. Auch<br />

wenn meist unmittelbare toxische<br />

Wirkungen nicht zu erwarten sind,<br />

können durch die chronische Belastung<br />

langfristig negative Auswirkungen<br />

vor allem auf die Gewässerorganismen<br />

nicht ausgeschlossen<br />

werden. Auf europäischer und nationaler<br />

Ebene gibt es Bestrebungen,<br />

Umweltqualitätsnormen in Gewässern<br />

für Spurenstoffe rechtlich zu<br />

verankern. Daher ist es denkbar, dass<br />

zukünftig Maßnahmen auf Kläranlagen<br />

zur Reduktion von Spurenstoffen<br />

notwendig werden. Ergänzt wird<br />

das Seminar durch Erfahrungsberichte<br />

über verschiedene derzeit eingesetzte<br />

Reinigungstechnologien.<br />

Kontakt/Anmeldung:<br />

DWA-Landesverband Bayern,<br />

Friedenstraße 40,<br />

D-81671 München,<br />

Tel. (089) 233-62590,<br />

Fax (089) 233-62595,<br />

E-Mail: info@dwa-bayern.de,<br />

www.dwa-bayern.de<br />

16. Dresdner <strong>Abwasser</strong>tagung<br />

MARITIM Congress Center Dresden am 11. März 2014<br />

Die Dresdner <strong>Abwasser</strong>tagung<br />

wird von der DWA Sachsen/<br />

Thüringen, dem bdew Mitteldeutschland<br />

und der Stadtentwässerung<br />

Dresden organisiert. 2014<br />

zieht die DAT bereits zum 16. Mal<br />

Experten aus ganz Deutschland<br />

zum Branchentreff in die sächsische<br />

Landeshauptstadt. Im Vorjahr<br />

folgten 400 Gäste, unter ihnen die<br />

Rainer Zieschank, Geschäftsführer der DREWAG, auf<br />

der Dresdner <strong>Abwasser</strong>tagung 2013.<br />

Betreuer von 82 Ausstellungsständen,<br />

der Einladung ins MARITIM<br />

Congress Center Dresden.<br />

Das Vortragsprogramm fokussiert<br />

auf Themen, zu denen es mehr als<br />

eine Meinung gibt, z. B.: zustandsorientierte<br />

oder planmäßig vorbeugende<br />

Instandhaltung? Referenten<br />

mit unterschiedlichen Auffassungen<br />

sorgen für spannende Diskussionen.<br />

Weitere Anregungen verspricht die<br />

begleitende Industrieschau führender<br />

Unternehmen.<br />

Bereits am Vortag, dem 10. März<br />

2014, bietet die Stadtentwässerung<br />

Dresden eine Exkursion zum neuen<br />

Hochwasserpumpwerk Dresden-<br />

Johannstadt an (unentgeltlich). Am<br />

Abend eröffnet feierlich die begleitende<br />

Industrie ausstellung, anschließend<br />

geht es zum Erfahrungsaustausch<br />

in den Saal unter den<br />

Dresdner Festungs mauern (ehemals<br />

Jugendklub Bärenzwinger).<br />

Bei der Dresdner <strong>Abwasser</strong>tagung<br />

kann man sich über die<br />

aktuellen Trends informieren. Hier<br />

treffen sich Entscheider aus Politik,<br />

Wirtschaft und Verwaltung – aus<br />

Dresden, Mitteldeutschland und<br />

zunehmend aus dem ganzen Land.<br />

Programm und Anmeldung:<br />

www.dresdner-abwassertagung.de<br />

Online-Anmeldung:<br />

www.stadtentwaesserung-dresden.de<br />

Weitere Informationen:<br />

Stadtentwässerung Dresden GmbH,<br />

Scharfenberger Straße 152,<br />

D-01139 Dresden,<br />

Tel. (0351) 822-0,<br />

Fax (0351) 822-3154,<br />

E-Mail:<br />

service@stadtentwaesserung-dresden.de,<br />

http://www.stadtentwaesserung-dresden.de<br />

Februar 2014<br />

186 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Veranstaltungen | NACHRICHTEN |<br />

Praktische Kanalisationstechnik – zukunftsfähige<br />

Entwässerungssysteme<br />

27. Lindauer Seminar am 13. und 14. März 2014<br />

Wenn mehr als 500 Teilnehmer<br />

und fast 60 ausstellende Fachfirmen<br />

an diesen Veranstaltungen<br />

teilnehmen, dann darf sich das Lindauer<br />

Seminar als das branchenspezifische<br />

Fachseminar bezeichnen.<br />

Keine Großveranstaltung, sondern<br />

der Insider-Treffpunkt auch um die<br />

zukünftigen Aufgabenstellungen zu<br />

diskutieren, zu erörtern oder sogar<br />

über die eigenen auch zukünftigen<br />

Investitionen und Engagements in<br />

einem großen Expertenkreis nachzudenken.<br />

Unter der Seminarleitung von<br />

Univ.-Prof. Dr.-Ing. Max Dohmann<br />

und Univ.-Prof. Dr.-Ing. F. Wolfgang<br />

Günthert stellen fachkundige Referenten<br />

die aktuellen Themen der<br />

Siedlungs- und Grundstücksentwässerung,<br />

zudem die technischen<br />

Trends, Verfahren und Lösungen vor.<br />

Spezielle Anforderungen erfordern<br />

besondere Lösungen, so ist der<br />

Ansatz. Wie kann Nachhaltigkeit bei<br />

einem reduzierten Budget erzielt<br />

werden? Wie soll eine ganzheitliche<br />

Vorgehensweise organisiert und<br />

bürgerfreundlich kommuniziert werden?<br />

Wie sieht die Zukunft der<br />

Untersuchungs-, Kontroll- und auch<br />

der Sanierungsmaßnahmen aus?<br />

Diese für viele heute schon entscheidenden<br />

Punkte liefern Gesprächsstoff<br />

und werden diskutiert.<br />

Eine begleitende Fachausstellung<br />

findet neben dem Vortragsprogramm<br />

statt und bietet die Möglichkeit,<br />

sich im direkten Gespräch bei<br />

den Fachleuten über Produktinnovationen<br />

und neue Entwicklungen<br />

zu informieren. Im Anschluss an die<br />

zweitägige Fachtagung findet auf<br />

dem Betriebsgelände ein Tag der<br />

offenen Tür statt. Es werden dort<br />

Lösungen zur nachvollziehbaren Inspektion<br />

und die perfekte elektronische<br />

Lagevermessung von Leitungsverläufen<br />

vorgestellt.<br />

Weitere Informationen/Anmeldung:<br />

www.jt-elektronik.de.<br />

Kontakt:<br />

JT-elektronik GmbH,<br />

Dipl.-Kffr. Sonja Jöckel,<br />

Robert-Bosch-Straße 26,<br />

D-88131 Lindau,<br />

Tel. (08382) 967360,<br />

E-Mail: sonja.joeckel@jt-elektronik.de<br />

© Oliver Weber/pixelio.de<br />

part of it! Be part of it! Be part of it! Be part of<br />

NETZWERK WISSEN<br />

Universitäten und Hochschulen stellen sich vor:<br />

Studiengänge und Studienorte rund ums <strong>Wasser</strong>fach<br />

im Porträt – in der technisch-wissenschaftlichen<br />

Fachzeitschrift <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong>|<strong>Abwasser</strong><br />

Kontakt zur Redaktion:<br />

E-Mail: ziegler@ di-verlag.de<br />

EAZ Netzwerk 2.indd 1 3.9.2012 15:24:16<br />

Februar 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 187


| NACHRICHTEN<br />

|<br />

Veranstaltungen<br />

Trinkwasserhygiene in öffentlichen und gewerblich<br />

genutzten Gebäuden<br />

Neue Praxisanforderungen an Trinkwasser-Installationen im Rahmen der<br />

TrinkwasserVO<br />

Welche Pflichten treffen Unternehmer und Inhaber von Trinkwasser-Installationen? Wie können die Überwachung<br />

und Sanierung der Anlagen sichergestellt werden? Welche Anforderungen stellen sich an die mikrobiologische<br />

und chemische Untersuchung von Trinkwasser? Wie kann die Zusammenarbeit mit den Überwachungsbehörden<br />

optimiert werden?<br />

© DVGW (Fotograf: Harald Oppermann, Köln)<br />

Experten des DVGW und aus der<br />

Unternehmenspraxis beantworten<br />

u. a. diese Fragen auf dem Informationstag<br />

„Trinkwasserhygiene<br />

in öffentlichen und gewerblich<br />

genutzten Gebäuden“. Mit Änderung<br />

der Trinkwasserverordnung im<br />

Dezember 2012 sind Anlagenbetreiber<br />

in öffentlichen und gewerblich<br />

genutzten Objekten zur regelmäßigen<br />

Untersuchung der Trinkwasserqualität<br />

verpflichtet. Damit<br />

steigt zum einen die Bedeutung des<br />

technischen Monitorings der Anlagen,<br />

zum anderen ergeben sich<br />

neue Haftungsfragen.<br />

Neben der rechtlichen Einordnung<br />

durch Dr. Karin Gerhardy<br />

(DVGW e. V.) stehen vor allem wichtige<br />

Praxishinweise im Fokus. Anregungen<br />

zur Zusammenarbeit mit<br />

Gesundheitsämtern gibt Felicia<br />

Hahn von der Kreisverwaltung<br />

Viersen. Fragen zur Probennahme,<br />

Sanierung und Überwachung von<br />

Trinkwasser-Installationen sowie zu<br />

Gefährdungsanalysen beantworten<br />

Rainer Pütz (ehem. RheinEnergie<br />

AG) und Wolfgang Henschel, Berater<br />

in trinkwasserhygienischen Fragen.<br />

Haftungsfragen und rechtliche<br />

Auswirkungen auf Anlagenbetreiber<br />

stellt Carsten Herlitz vom GdW<br />

Bundesverband deutscher Wohnungs-<br />

und Immobilienunternehmen<br />

dar.<br />

Die Veranstaltung gibt wichtige<br />

Praxishinweise zu technischen und<br />

rechtlichen Aspekten, insbesondere<br />

für Technikbeauftragte, Laborleiter,<br />

Bauherren, Planer und Architekten<br />

sowie Installateure im Gas- und<br />

<strong>Wasser</strong>fach. Neben Verantwortlichen<br />

für öffentliche und gewerbliche<br />

Liegenschaften richtet sich das<br />

Informationsangebot vor allem an<br />

Planungs- und Ingenieurbüros, Installations-<br />

und Instandhaltungsunternehmen<br />

sowie an Unternehmen<br />

aus der Energie- und <strong>Wasser</strong>wirtschaft.<br />

Die Informationsveranstaltungen<br />

der DVGW Service & Consult<br />

GmbH vermitteln aktuelles Wissen<br />

rund um die wichtigen Entwicklungen<br />

in der Versorgungswirtschaft.<br />

Mit der Veranstaltungsreihe „energie|wasser<br />

– direkt“ erhalten insbesondere<br />

Entscheidungsträger, Fachund<br />

Führungskräfte sowie Neu- und<br />

Quereinsteiger praxisnahes und<br />

übergreifendes Fachwissen aus erster<br />

Hand zu den aktuellen Themen der<br />

Branche.<br />

Weitere Informationen:<br />

www.dvgw-sc.de/veranstaltungen/<br />

Kontakt:<br />

DVGW Service & Consult GmbH<br />

Konstanze Eickmann-Ismail,<br />

Josef-Wirmer-Straße 1-3,<br />

D-53123 Bonn,<br />

Tel. (0228) 9188-778,<br />

E-Mail: eickmann@dvgw.de,<br />

www.dvgw.de<br />

Infotag „Trinkwasserhygiene“ / nächste Termine<br />

25. Februar 2014, Stuttgart<br />

15. Mai 2014, Frankfurt<br />

11. September 2014, Hannover<br />

26. November 2014, Berlin<br />

Februar 2014<br />

188 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Veranstaltungen | NACHRICHTEN |<br />

Auf ein Neues: 12. Deutscher Schlauchlinertag<br />

findet in Düsseldorf statt<br />

Das Congress Center in Düsseldorf<br />

wird am 27. März 2014 der<br />

Veranstaltungsort des mittlerweile<br />

12. Deutschen Schlauchlinertages<br />

sein. Doch von Routine ist der etablierte<br />

Branchentreff weit entfernt.<br />

Dafür steht ein vielfältiges Tagungsprogramm,<br />

bei dem die inhaltliche<br />

Spannbreite von politischen und<br />

rechtlichen Inhalten über qualitative<br />

Aspekte bis hin zu technischen<br />

Fragestellungen reicht. Los geht’s<br />

im Block I „Allgemeines“ mit einer<br />

Reflektion über die Bedeutung der<br />

unterirdischen Infrastruktur und<br />

einer Bestandsaufnahme zur aktuellen<br />

Situation der Grundstücksentwässerung<br />

in Nordrhein-Westfalen.<br />

Der anschließende Themenblock II<br />

über „Recht und Ausschreibung“<br />

verdeutlicht unter anderem, dass<br />

Ausschreibung und Planung<br />

äußerst wichtige Bausteine für das<br />

Erreichen der gewünschten Qualität<br />

bei der Bauausführung sind – ein<br />

Umstand, der durch die exemplarische<br />

Darstellung von praxisnahen<br />

Beispielen und dem Hinweis auf<br />

rechtliche Konsequenzen fehlerhafter<br />

Ausschreibungen untermauert<br />

werden soll.<br />

Erstmals im Programm<br />

Die erstmalige Aufnahme von Themen<br />

wie Mängelbehandlung und<br />

Qualitätssicherung zeigt das Selbstbewusstsein<br />

von Herstellern und<br />

Anwendern, sich auch kritisch mit<br />

einem Produkt auseinandersetzen<br />

zu können, das nach mehr als vier<br />

Jahrzehnten Einsatz und permanenter<br />

technischer Weiterentwicklung<br />

die absolute Spitzenstellung unter<br />

den grabenlosen Sanierungsverfahren<br />

einnimmt. Wie bei allen Bauprodukten<br />

können spezifische Fehler<br />

auftreten, die die Qualität beeinflussen.<br />

Wie aber gehen wir damit um?<br />

Welche Probleme können auftreten,<br />

wie kommt es dazu, was ist tolerierbar<br />

und wie lassen sich Qualitätsprobleme<br />

vermeiden, lauten einige<br />

der Fragestellungen, die in Düsseldorf<br />

diskutiert werden sollen.<br />

Ganzheitliche Sanierung<br />

im Blick<br />

In Themenblock IV steht die „ganzheitliche<br />

Sanierung“ im Blickpunkt,<br />

wobei die inhaltlichen Schwerpunkte<br />

auf Ergänzungsmaßnahmen<br />

in den Bereichen Anschlusstechnik<br />

und Robotertechnik liegen. Neben<br />

dem Hauptprogramm findet im<br />

Forum eine weitere Vortragsreihe<br />

statt. In dieser Reihe geht es um<br />

„Verfahren und ihre Einsatzgrenzen“,<br />

um eine „Übersicht über Normen<br />

und Regelwerke“ sowie um<br />

Themen wie „Planung und Entwurfsbearbeitung“<br />

und „kleine<br />

Durchmesser“. Eine Neuerung ist<br />

das anschließende Forum der Sponsoren.<br />

Hersteller und Anwender<br />

werden detailliert über technische<br />

Weiterentwicklungen im eigenen<br />

Hause berichten und Fragen beantworten.<br />

Dazu gehören die Ausweitung<br />

des Anwendungsbereiches,<br />

die Verschiebung technischer Grenzen<br />

und besondere Dienstleistungen.<br />

In der begleitenden Fachausstellung<br />

haben die Teilnehmer am<br />

12. Deutschen Schlauchlinertag die<br />

Möglichkeit, mit weiteren Unternehmen<br />

über ihre Bedürfnisse zu<br />

sprechen und sich zu informieren.<br />

Weitere Informationen:<br />

www.schlauchliner.de<br />

Der 12. Deutsche Schlauchlinertag wirft den Blick auf politische, rechtliche,<br />

technische und qualitative Aspekte der Schlauchlinertechnologie.<br />

© KMG<br />

Kontakt:<br />

Technische Akademie Hannover e. V.,<br />

Dr.-Ing. Dipl.-Math. Igor Borovsky,<br />

Wöhlerstraße 42,<br />

D-30163 Hannover,<br />

Tel. (0511) 39433-30,<br />

Fax (0511) 39433-40,<br />

E-Mail: borovsky@ta-hannover.de,<br />

www.ta-hannover.de<br />

Februar 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 189


| NACHRICHTEN<br />

|<br />

Veranstaltungen<br />

TÜV SÜD veranstaltet 18. Kunststoffrohrtage<br />

erstmals in München<br />

Beim Bau und bei der Sanierung<br />

von Gas- und <strong>Wasser</strong>leitungen<br />

sowie Industrie-Rohrsystemen sind<br />

Polymere mit ihren hervorragenden<br />

Werkstoffeigenschaften unverzichtbar.<br />

Auf den „Münchner Kunststoffrohrtagen“<br />

diskutieren renommierte<br />

Experten am 27./28. März<br />

2014 über Trends und Praxisberichte<br />

rund um Innovationen, Verlegetechniken<br />

und Produkte. TÜV<br />

SÜD holt das seit 1997 bestehende<br />

Fachforum in diesem Jahr zum<br />

ersten Mal von Wiesbaden nach<br />

München.<br />

„Im Jahr 2011 haben wir die Trägerschaft<br />

für die Wiesbadener<br />

Kunststoffrohrtage übernommen<br />

und seitdem im Sinne des Initiators<br />

Heiner Brömstrup fortgeführt, dem<br />

ein hohes Maß an Fachkompetenz<br />

von Veranstalterseite wichtig war“,<br />

sagt Marcus Demetz, Leiter des<br />

Instituts für Kunststoffe der<br />

TÜV SÜD Industrie Service GmbH.<br />

„Mit der Verlegung des Veranstaltungsorts<br />

nach München stellen wir<br />

die räumliche Nähe zu unseren<br />

Fachforen „Kunststoffe im Anlagenbau“,<br />

„Schwerer Korrosionsschutz“<br />

und „<strong>GFK</strong> Unlimited“, wodurch wir<br />

unsere Kompetenzen und das Branchen-Know-how<br />

noch besser bündeln<br />

können.“ Seit über 17 Jahren<br />

bieten die Kunststoffrohrtage praxisnahe<br />

Fachinformationen für Planungs-,<br />

Bau- und Betriebsingenieure<br />

sowie Instandhalter und<br />

Schweißtechniker. Auf der Veranstaltung<br />

vertreten sind unter anderem<br />

Rohstoff-, Halbzeug- und Rohrhersteller,<br />

aber auch Experten aus<br />

der Kommunal- und Energiewirtschaft.<br />

Innovative Themen:<br />

Geothermie, Heizwendelschweißen,<br />

Großrohre<br />

Eröffnet wird die zweitägige Veranstaltung<br />

mit einem englischen Vortrag<br />

zum Markt für PE-Rohre in den<br />

ehemaligen Sowjetrepubliken. Auf<br />

dem Programm stehen unter anderem<br />

Innovationen bei der Oberflächengeothermie<br />

und bei Erdwärmesonden<br />

oder Fortschritte bei<br />

Mehrschichtrohren und beim Heizwendelschweißen.<br />

Weitere Themen<br />

sind Regelwerke, Regeln der Technik,<br />

Zertifizierungen und Normungen.<br />

Der zweite Tag bietet insbesondere<br />

Anwenderberichte aus den<br />

Bereichen Gas, <strong>Wasser</strong> und <strong>Abwasser</strong>.<br />

Dabei werden beispielsweise<br />

Hochdruck-Kunststoffleitungen,<br />

Kanalrohrsysteme, das PE-Reduktionsverfahren<br />

und smarte und<br />

sichere Verbindungstechniken für<br />

PE-Großrohre vorgestellt.<br />

Weitere Informationen/Programm:<br />

www.tuev-sued.de/muenchner-kunststoffrohrtage<br />

Zum 12. Mal Würzburger Kunststoffrohr-Tagung<br />

Tagungszentrum Festung Marienberg, Würzburg, 25. bis 26. Juni 2014<br />

Rohrtage 2013<br />

im Tagungszentrum<br />

Festung<br />

Marienberg,<br />

Würzburg.<br />

Die Würzburger Kunststoffrohr-<br />

Tagung hat sich inzwischen in<br />

der Fachwelt etabliert, was angesichts<br />

des großen Angebots an Veranstaltungen<br />

auf dem Rohrmarkt<br />

durchaus bemerkenswert ist. Das<br />

liegt sicher auch daran, dass sich die<br />

Tagung ausschließlich auf Kunststoffrohrsysteme<br />

konzentriert und<br />

hier nicht einseitig spezielle Anwendungsbereiche<br />

behandelt, sondern<br />

eine breite Palette, eben „Die Welt<br />

der Kunststoffrohre“.<br />

Auch in diesem Jahr stehen interessante<br />

Entwicklungen bei Rohstoffen<br />

und Rohren ebenso auf dem<br />

Programm wie technische Fragen<br />

und Ergebnisse von Forschungsvorhaben.<br />

Kunststoffe sind besonders<br />

innovativ gestrickt; die Folge sind<br />

laufend neue oder verbesserte<br />

Rohrprodukte.<br />

So werden praxisnah Anwendungen<br />

im Ver- und Entsorgungsbereich<br />

vorgestellt, Sanierungsprojekte<br />

und der Einsatz von Kunststoffrohren<br />

im Zusammenhang mit<br />

der Energiewende behandelt. Mit<br />

dem Vortrag „<strong>Wasser</strong> ist Leben“ startet<br />

die von einer Fachausstellung<br />

begleitete Fach tagung in der Regie<br />

des Kunststoff-Zentrums SKZ (Würzburg)<br />

und des Rohrleitungsbauverbandes<br />

rbv (Köln), dessen ehemaliger<br />

Präsident Klaus Küsel wieder<br />

die Moderation übernehmen wird.<br />

Kontakt:<br />

SKZ,<br />

Alexander Hefner,<br />

Frankfurter Straße 15-17,<br />

D-97082 Würzburg,<br />

Tel. (0931) 4104-436, Fax (0931) 4104-277,<br />

E-Mail: a.hefner@skz.de, www.skz.de<br />

Februar 2014<br />

190 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Leute | NACHRICHTEN |<br />

Wolfgang Wollgam 70 Jahre<br />

Am 18. November 2013 wurde<br />

Dipl.-Ing. Wolfgang Wollgam<br />

70 Jahre alt. Der gebürtige Königsberger<br />

war nach Abschluss seines<br />

Studiums an der Technischen Universität<br />

Dresden Mitarbeiter der<br />

späteren Lausitzer <strong>Wasser</strong> GmbH &<br />

Co. KG, Cottbus, deren langjähriger<br />

Geschäftsführer er bis zu seinem<br />

Ausscheiden 2004 war. Seit Januar<br />

2005 leitet Wolfgang Wollgam sein<br />

eigenes Ingenieurbüro W-A-B in<br />

Cottbus.<br />

Wolfgang Wollgam ist seit 1991<br />

Mitglied des Vorstandes der DVGW-<br />

Landesgruppe Berlin/Brandenburg.<br />

Im Jahre 1994 wurde er deren Vorsitzender,<br />

seit 2009 ist er stellvertretender<br />

Vorsitzender der Landesgruppe.<br />

Seit dem Jahr 1994 ist er<br />

ebenso Mitglied des DVGW-<br />

Bundesvorstandes und war von<br />

2002 bis 2004 Vizepräsident des<br />

DVGW e. V.<br />

In den DVGW-Gremien ist Wolfgang<br />

Wollgam seit Anbeginn seiner<br />

Mitgliedschaft außerordentlich<br />

aktiv. Seit langen Jahren ist er z. B.<br />

Mitglied des Forschungsbeirates<br />

<strong>Wasser</strong>. Besonders hervorzuheben<br />

sind seine Aktivitäten in den Lenkungskomitees<br />

im Bereich <strong>Wasser</strong>.<br />

Seit 1999 arbeitet unter seinem<br />

Vorsitz das W-LK 3 „<strong>Wasser</strong>verwendung“.<br />

Für sein außerordentliches<br />

Engagement verlieh ihm der DVGW<br />

e. V. 2009 in Leipzig den Ehrenring.<br />

Wolfgang Wollgam war ebenfalls<br />

seit Anfang der 90er-Jahre Mitglied<br />

des SDV Vorstands. Als Vorstandsvorsitzender<br />

bis Ende 2009 war<br />

er maßgeblich an der stetigen<br />

zukunftsfähigen Unternehmensentwicklung<br />

beteiligt.<br />

Wolfgang Wollgam gelingt es<br />

stets, zielstrebig und nachhaltig die<br />

Belange der <strong>Wasser</strong>verwendung im<br />

DVGW e. V. zu vertreten. Ausgestattet<br />

mit einem profunden Fachwissen<br />

sucht er ziel strebig den Konsens<br />

in der Sache. Dabei zeichnen ihn<br />

sein Verhandlungsgeschick, seine<br />

Beharrlichkeit und der oft notwendige<br />

Humor gegenüber seinen<br />

Gesprächspartnern aus.<br />

Der DVGW e. V. dankt Wolfgang<br />

Wollgam für sein beispielhaftes<br />

Engagement und wünscht ihm weiterhin<br />

Glück und Zufriedenheit bei<br />

bester Gesundheit.<br />

S1 / 2012 2013<br />

Volume 154 153<br />

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B 5399<br />

10/2013<br />

Jahrgang 154<br />

ISSN 0016-3651<br />

B 5399<br />

2/2014<br />

Jahrgang 155<br />

Established in 1858, »<strong>gwf</strong> – <strong>Wasser</strong> | <strong>Abwasser</strong>« is regarded<br />

as the leading publication for water and wastewater<br />

technology and science – including water production,<br />

water supply, pollution control, water purification and<br />

sewage engineering.<br />

It‘s more than just content: The journal is a publication<br />

of several federations and trade associations. It comprises<br />

scientific papers and contributions re viewed by experts, offers<br />

industrial news and reports, covers practical infor mation, and<br />

publishes subject laws and rules.<br />

In other words: »<strong>gwf</strong> – <strong>Wasser</strong> | <strong>Abwasser</strong>« opens a direct way to<br />

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• Schächte<br />

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Knowledge for the Future<br />

Media consultant:<br />

DIV Deutscher Industrieverlag GmbH<br />

Inge Spoerel<br />

Arnulfstraße 124<br />

Spoerel@di-verlag.de<br />

80636 München<br />

Phone: +49 89 203 53 66-22<br />

Februar 2014<br />

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| RECHT UND REGELWERK<br />

|<br />

Regelwerk <strong>Wasser</strong><br />

W 1000 A Entwurf: Anforderungen an die Qualifikation und die Organisation von<br />

Trinkwasserversorgern, 12/2013<br />

Einspruchsfrist: 30. Juni 2014<br />

Diese Überarbeitung des Arbeitsblattes<br />

wurde von einem Projektkreis<br />

im Technischen Komitee<br />

„Organisation und Management“<br />

mit Beteiligung u. a. Landesregierung,<br />

Landesgesundheitsamt und<br />

TSM Experten erarbeitet.<br />

Der DVGW W 1000 (A) beschreibt<br />

die Anforderungen an Trinkwasserversorger<br />

im Bereich der öffentlichen<br />

Trinkwasserversorgung in<br />

Bezug auf seine Aufbau- und Ablauforganisation.<br />

Wesentliche Voraussetzungen<br />

für die Einhaltung der<br />

gesetzlichen und technischen Forderungen<br />

sowie der kundenseitigen<br />

Qualitätsansprüche bei der<br />

Versorgung der Bevölkerung und<br />

Industrie mit Trinkwasser sind<br />

••<br />

entsprechend leistungsfähige<br />

Einrichtungen,<br />

••<br />

sach- und ordnungsgemäßer<br />

Betrieb,<br />

••<br />

ausreichend qualifiziertes<br />

Personal,<br />

••<br />

gut funktionierende Qualitätssicherungsmaßnahmen.<br />

Der DVGW hat mit seinem Arbeitsblatt<br />

W 1000 im Jahre 1999 die<br />

Grundlage für das TSM im Bereich<br />

der <strong>Wasser</strong>versorgung gelegt. Seit<br />

Einführung des TSM hat sich die<br />

Anzahl der TSM-Bestätigungen für<br />

<strong>Wasser</strong>versorger positiv entwickelt.<br />

Es ist aber auch deutlich zu erkennen,<br />

dass sich in den letzten Jahren<br />

kein nennenswerter Zuwachs ergibt.<br />

Aktuell haben rund 350 <strong>Wasser</strong>versorger<br />

eine TSM-Bestätigung. Diese<br />

Anzahl ist bei etwa 1 600 Mitgliedsunternehmen<br />

der <strong>Wasser</strong>versorgung<br />

im DVGW und bei rund 6 200<br />

Versorgern für das Bundesgebiet<br />

nicht zufriedenstellend. Es zeigt<br />

sich, dass gerade bei kleineren und<br />

mittleren Versorgern das TSM auf<br />

der Grundlage des DVGW W 1000 (A)<br />

von 2005 in seiner jetzigen Ausgestaltung<br />

wenig bis gar nicht angenommen<br />

wird. Wesentliche Gründe<br />

liegen in dem zu komplexen System<br />

und in den beschriebenen Anforderungen<br />

an die Technische Führungskraft.<br />

Die Anforderungen dieses überarbeiteten<br />

Arbeitsblattes sind so<br />

gestaltet, dass sie sowohl bei Trinkwasserversorgern<br />

mit einfachen<br />

Organisationsstrukturen und geringem<br />

Personalbestand als auch bei<br />

Versorgern mit komplexen Organisationsstrukturen<br />

mit hohem Personalbestand<br />

angewendet werden<br />

können. Daraus resultiert je nach<br />

Trinkwasserversorger ein unterschiedlicher<br />

organisatorischer Aufwand.<br />

Die Umsetzung der Anforderungen<br />

dieses Arbeitsblattes ist<br />

somit auf die spezifische Situationen<br />

des <strong>Wasser</strong>versorgers anzupassen.<br />

Dies betrifft insbesondere die<br />

Anforderungen an die Qualifikation<br />

der Technischen Führungskraft, die<br />

nun nicht mehr an die abgegebene<br />

<strong>Wasser</strong>menge, sondern an die Anzahl<br />

der versorgten Einwohner gekoppelt<br />

ist.<br />

Weiterhin wurden die Systematik<br />

und das Qualifikationsniveaus in<br />

Bezug auf das Personal an den Qualifikationsrahmen<br />

für den Erwerb<br />

von technischer Handlungskompetenz<br />

bei Fach- und Führungskräften<br />

(QRT) in der Strom-, Gas- und <strong>Wasser</strong>versorgung<br />

angepasst.<br />

Bei den Aufgaben- und Tätigkeitsfelder<br />

des <strong>Wasser</strong>versorgers<br />

sind nun die Tätigkeitsfelder ausgewiesen,<br />

die auch durch einen qualifizierten<br />

Dienstleister erbracht werden<br />

können.<br />

Preis:<br />

€ 22,27 für Mitglieder;<br />

€ 29,69 für Nichtmitglieder.<br />

Einsprüche und redaktionelle Hinweise in<br />

schriftlicher Form an:<br />

DVGW Deutscher Verein des Gasund<br />

<strong>Wasser</strong>faches e. V.,<br />

Josef-Wirmer-Straße 1-3,<br />

D-53123 Bonn<br />

W 316 A Entwurf: Qualifikationsanforderungen an Fachunternehmen für Planung,<br />

Bau, Instandsetzung und Verbesserung von Trinkwasserbehältern, 2/2014<br />

Die Erhaltung der Trinkwasserbeschaffenheit<br />

in chemischer,<br />

physikalischer und mikrobiologischer<br />

Hinsicht hat innerhalb eines<br />

<strong>Wasser</strong>versorgungssystems entscheidende<br />

Bedeutung. In diesem<br />

System übernimmt die <strong>Wasser</strong>speicherung<br />

eine wichtige Funktion.<br />

Die regelgerechte Instandhaltung<br />

der <strong>Wasser</strong>behälter ist Grundlage<br />

für eine einwandfreie <strong>Wasser</strong>qualität<br />

und einen störungsfreien<br />

Betrieb.<br />

Die <strong>Wasser</strong>versorgungsunternehmen<br />

können den ihnen insbesondere<br />

in der Trinkwasserverordnung<br />

und der DIN 2000 „Zentrale<br />

Trinkwasserversorgung: Leitsätze<br />

für Anforderungen an Trinkwasser;<br />

Planung, Bau, Betrieb und Instandhaltung<br />

der Versorgungsanlagen”<br />

gestellten Aufgaben sowie den in<br />

W 1000 „Anforderungen an Trinkwasserversorgungsunternehmen”<br />

Februar 2014<br />

192 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


| RECHT UND REGELWERK |<br />

vorgegebenen Strukturen nur<br />

gerecht werden, wenn bei Instandsetzungsarbeiten<br />

Mitarbeiter oder<br />

Unternehmen eingesetzt werden,<br />

die über die erforderlichen Qualifikationen<br />

verfügen.<br />

Im DVGW-Arbeitsblatt W 316<br />

werden die dem Stand der Technik<br />

angepassten Qualifikationsanforderungen<br />

und Qualifikationskriterien<br />

an Fachunternehmen festgelegt,<br />

welche im Bereich Planung, Bau<br />

und Instandsetzung von Trinkwasserbehältern<br />

tätig sind.<br />

Dieses Arbeitsblatt ersetzt die<br />

DVGW-Arbeitsblätter W 316-1:2004-<br />

03 und W 316-2:2004-03.<br />

Es wurden folgende Änderungen<br />

vorgenommen:<br />

••<br />

Erweiterung des Anwendungsbereiches:<br />

Planung, Bau,<br />

Instandsetzung<br />

••<br />

Erweiterung des Zielgruppen:<br />

Fachfirmen, Fachplaner<br />

••<br />

Das Arbeitsblatt besteht nur<br />

noch aus einem Teil. Die formalen,<br />

sachlichen und personellen<br />

Anforderungen sind in einem<br />

Arbeitsblatt zusammengefasst<br />

••<br />

Prüfungsordnung<br />

••<br />

Anforderungen an Experten zur<br />

Prüfung und Schulung<br />

•<br />

• Spezialisierung bzw. Differenzierung<br />

in Tätigkeitsfelder der Fachfirmen<br />

••<br />

spezialisierte Anforderungen an<br />

Fachkraft und Fachaufsicht entsprechend<br />

dem Tätigkeitsfeld<br />

••<br />

Berücksichtigung von Qualitätsmanagementsystemen<br />

••<br />

Mindestanzahl von Fachkräften<br />

und Fachaufsichtspersonen in<br />

Abhängigkeit der Unternehmensgröße<br />

Preis:<br />

€ 38,59 für Mitglieder;<br />

€ 51,46 für Nichtmitglieder.<br />

Bezugsquelle:<br />

wvgw Wirtschafts- und Verlagsgesellschaft<br />

Gas und <strong>Wasser</strong> mbH,<br />

Josef-Wirmer-Straße 3,<br />

D-53123 Bonn,<br />

Tel. (0228) 9191 - 40,<br />

Fax (0228) 9191 - 499,<br />

www.wvgw.de<br />

Ankündigung zur Fortschreibung<br />

des DVGW-Regelwerks<br />

Ankündigung zur Erarbeitung von Regelwerken gemäß GW 100<br />

Ankündigung zur Überarbeitung von Regelwerken gemäß GW 100<br />

••<br />

W 611: Energieoptimierung und<br />

Kostensenkung in <strong>Wasser</strong>werksanlagen<br />

••<br />

W 624: Dosieranlagen für Desinfektionsmittel<br />

und Oxidationsmittel:<br />

Dosieranlagen für Chlordioxid<br />

••<br />

W 633: Hochspannungs- und<br />

Niederspannungsanlagen in<br />

<strong>Wasser</strong>werken – Transformatoren<br />

••<br />

W 635: Hochspannungsanlagen<br />

und Niederspannungsanlagen<br />

in <strong>Wasser</strong>werken – Ersatzstromversorgungsanlagen<br />

mit Stromerzeugungsaggregaten,<br />

Batterieanlagen,<br />

unterbrechungsfreie<br />

Stromversorgungsanlagen<br />

••<br />

W 636: Hochspannungs- und<br />

Niederspannungsanlagen in<br />

<strong>Wasser</strong>werken – Erdung, Blitzschutz,<br />

Potentialausgleich und<br />

Überspannungsschutz<br />

Bei Rückfragen bitte wenden an:<br />

DVGW, Josef-Wirmer-Straße 1-3,<br />

D-53123 Bonn, www.dvgw.de<br />

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!<br />

Halle A2, Stand 525<br />

DIV Deutscher Industrieverlag GmbH<br />

www.<strong>gwf</strong>-wasser-abwasser.de<br />

Februar 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 193


| RECHT UND REGELWERK<br />

|<br />

Neue DWA-Merkblätter erschienen<br />

Merkblatt DWA-M 145-1: Kanalinformationssysteme – Teil 1: Grundlagen und<br />

systemtechnische Anforderungen<br />

Die Deutsche Vereinigung für<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaft, <strong>Abwasser</strong><br />

und Abfall e. V. (DWA) hat den ersten<br />

Teil der Merkblattreihe DWA-<br />

M 145 „Kanalinformationssysteme“<br />

vorgelegt. Er beschreibt die Grundlagen<br />

für den Aufbau und die<br />

Anwendung eines Kanalinformationssystems<br />

(KIS). Die Merkblattreihe<br />

gilt für die Erfassung, Dokumentation,<br />

Pflege, Darstellung,<br />

Analyse, Verarbeitung und den<br />

Austausch von Informationen zu<br />

Entwässerungssystemen außerhalb<br />

von Gebäuden. <strong>Abwasser</strong>leitungen<br />

und -kanäle unter Gebäuden werden<br />

berücksichtigt, sofern sie nicht<br />

Bestandteil der Gebäudeentwässerung<br />

sind. Die automatisierte<br />

Datenverarbeitung von Kanalnetzen<br />

ist relevant, wenn große Datenmengen<br />

anfallen, ein schneller<br />

Zugriff auf diese Daten ermöglicht<br />

werden und die Datenverwaltung<br />

benutzerfreundlich sein soll.<br />

In der Merkblattreihe wurden<br />

die Merkblätter ATV-DVWK-M 145<br />

„Aufbau und Anwendung von<br />

Kanalinformationssystemen“ und<br />

ATV-DVWK-M 150 „Datenaustauschformat<br />

für die Zustandserfassung<br />

von Entwässerungssystemen” aktualisiert<br />

und zusammengefasst.<br />

Weil der Übergang von KIS zu<br />

geografischen Informationssystemen<br />

(GIS) fließend ist, erklärt Teil 1<br />

der Merkblattreihe wichtige Unterschiede<br />

der Verfahren. Außerdem<br />

definiert er Begriffe zu beiden Systemkomponenten<br />

und beschreibt<br />

gängige Anwendungsbereiche,<br />

Funktionalitäten, Einsatzgrenzen<br />

und systemtechnische Anforderungen<br />

eines KIS.<br />

Ziel der Merkblattreihe ist es,<br />

Anwendern, Systemadministratoren<br />

und Entwicklern Hilfestellungen<br />

und grundlegende Informationen<br />

zu Kanalinformationssystemen zu<br />

geben.<br />

Das Merkblatt richtet sich an<br />

<strong>Abwasser</strong>beseitigungspflichtige<br />

wie Kommunen oder Betreiber, an<br />

Genehmigungsbehörden, Systemadministratoren<br />

und Entwickler.<br />

Information:<br />

Dezember 2013, 29 Seiten,<br />

ISBN 978-3-944328-34-8,<br />

Ladenpreis: 31 Euro,<br />

fördernde DWA-Mitglieder: 24,80 Euro.<br />

Merkblatt DWA-M 149-2: Zustandserfassung und -beurteilung von Entwässerungssystemen<br />

außerhalb von Gebäuden – Teil 2: Kodiersystem für die optische Inspektion<br />

Da die europäische Normung fortgeschrieben<br />

wurde, hat die Deutsche<br />

Vereinigung für <strong>Wasser</strong>wirtschaft,<br />

<strong>Abwasser</strong> und Abfall e. V. (DWA) das<br />

Merkblatt DWA-M 149-2 aus dem Jahr<br />

2006 ersetzt und insbesondere in den<br />

Bereichen Innenauskleidung, Reparatur<br />

und Steuerung an die geänderten<br />

normativen Vorgaben der DIN<br />

EN 13508 angepasst.<br />

Das Merkblatt gilt für die Zustandserfassung<br />

von Entwässerungssystemen,<br />

welche hauptsächlich als Freispiegelsysteme<br />

betrieben werden.<br />

Sinngemäß kann es auch für die<br />

Grundstücksentwässerung angewandt<br />

werden, solange diese nicht<br />

Bestandteil der Gebäudeentwässerung<br />

ist.<br />

Die Gliederung des Merkblatts entspricht<br />

der Norm, um eine einheitliche<br />

Handhabung und damit zugleich auch<br />

ein hohes Maß an Benutzerfreundlichkeit<br />

zu gewährleisten. In Deutschland<br />

werden die verbindlichen Regelungen<br />

der DIN EN 13508-2:2011 in Verbindung<br />

mit den Inhalten dieses Merkblattes<br />

zur Anwendung empfohlen.<br />

Die informativen Teile der Norm sollen<br />

derzeit nur in den aufgeführten Ausnahmen<br />

angewandt werden. Die<br />

Anwendung steht aber jedermann frei.<br />

Geschultes Personal sowie effiziente<br />

Hilfsmittel sind Voraussetzung für<br />

eine qualifizierte Inspektion. Gerade<br />

im Hinblick auf die Anwendung des<br />

Kodiersystems ist die Unterstützung<br />

des Eingabevorganges durch geeignete<br />

Software von besonderer Bedeutung.<br />

Die Norm kann daher erst angewandt<br />

werden, wenn die entsprechenden<br />

Voraussetzungen vorliegen.<br />

Hierzu räumt die DIN EN 13508 eine<br />

Frist bis August 2014 ein. Inspektionsprogramme,<br />

die vor Veröffentlichung<br />

der DIN EN 13508-2:2011 begonnen<br />

wurden, können noch mit dem<br />

ursprünglichen Kodiersystem beendet<br />

werden.<br />

Das Merkblatt richtet sich an alle in<br />

der Zustandserfassung und -beurteilung<br />

von Entwässerungssystemen planenden,<br />

betreibenden sowie Aufsicht<br />

führenden Institutionen sowie an Firmen,<br />

die hiermit betraut werden.<br />

Information:<br />

Dezember 2013, 57 Seiten,<br />

ISBN 978-3-944328-37-9,<br />

Ladenpreis: 61 Euro,<br />

fördernde DWA-Mitglieder: 48,80 Euro.<br />

Herausgeber und Vertrieb:<br />

DWA Deutsche Vereinigung für <strong>Wasser</strong>wirtschaft,<br />

<strong>Abwasser</strong> und Abfall e. V.,<br />

Theodor-Heuss-Allee 17, D-53773 Hennef ,<br />

Tel. (02242) 872-333, Fax (02242) 872-100,<br />

E-Mail: info@dwa.de,<br />

DWA-Shop: www.dwa.de/shop<br />

Februar 2014<br />

194 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


| RECHT UND REGELWERK |<br />

Neues DWA-Arbeitsblatt erschienen<br />

Arbeitsblatt DWA-A 117: Bemessung von Regenrückhalteräumen<br />

Die Deutsche Vereinigung für<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaft, <strong>Abwasser</strong><br />

und Abfall e. V. (DWA) hat das<br />

Arbeitsblatt DWA-A 117 „Bemessung<br />

von Regenrückhalterräumen“<br />

in überarbeiteter Fassung neu herausgegeben.<br />

Es regelt die Bemessung<br />

und den Nachweis von Regenrückhalteräumen<br />

und ist auf die<br />

gesamte <strong>Abwasser</strong>ableitung zwischen<br />

Grundstücksentwässerung<br />

und Gewässer anwendbar.<br />

Das Arbeitsblatt unterscheidet<br />

zwischen einfachem Verfahren und<br />

Nachweisverfahren, das heute aufgrund<br />

der inzwischen hohen Verfügbarkeit<br />

von Niederschlagsdaten<br />

und ausreichend vorhandener<br />

Rechnerkapazitäten überwiegend<br />

angewendet wird.<br />

Mit dem Nachweisverfahren<br />

werden die realen Gegebenheiten<br />

besser abbildet, durch die Erhebung<br />

der erforderlichen Grundlagendaten<br />

und den Modellaufbau<br />

entstehen aber höhere Kosten. Da<br />

für den Betreiber das Risiko unkalkulierbarer<br />

Schäden infolge Unterbemessung<br />

wie auch kostspieliger<br />

Überbemessungen jedoch reduziert<br />

wird, sind diese gerechtfertigt.<br />

Für die Bemessung von Rückhalteräumen<br />

ist insbesondere die<br />

Zunahme von lokalen Starkregenereignissen<br />

– möglicherweise eine<br />

Folge des Klimawandels – von<br />

Bedeutung, die zu einer Erhöhung<br />

der erforderlichen Rückhaltevolumina<br />

führen könnten. Die heute vorliegenden<br />

Niederschlagsprojektionen<br />

weisen jedoch eine sehr große<br />

regionale Variabilität auf. Zudem<br />

bestehen große Unsicherheiten bei<br />

der prognostizierten Niederschlagsentwicklung.<br />

Von einem Klimawandelzuschlag<br />

im Bemessungsgang<br />

wird daher abgeraten. Vielmehr sind<br />

bei der Planung – auch im Hinblick<br />

auf die Ziele einer integralen Siedlungsentwässerung<br />

– Möglichkeiten<br />

zur späteren Erweiterbarkeit des<br />

Rückhalteraums und zur Verringerung<br />

des Niederschlagswasseranfalls<br />

zu berücksichtigen. Eine detaillierte<br />

Darstellung der möglichen<br />

Auswirkungen ist auch im DWA-<br />

Themenband „Klimawandel – Herausforderungen<br />

und Lösungsansätze<br />

für die deutsche <strong>Wasser</strong>wirtschaft“<br />

(DWA 2010) enthalten.<br />

Das Arbeitsblatt richtet sich insbesondere<br />

an planende Ingenieure,<br />

Aufsichtsbehörden und Kommunen.<br />

Information:<br />

Dezember 2013, 37 Seiten,<br />

ISBN 978-3-944328-39-3,<br />

Ladenpreis: 48 Euro,<br />

fördernde DWA-Mitglieder: 38,40 Euro.<br />

Herausgeber und Vertrieb:<br />

DWA Deutsche Vereinigung für<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaft, <strong>Abwasser</strong> und Abfall e. V.,<br />

Theodor-Heuss-Allee 17, D-53773 Hennef,<br />

Tel. (02242) 872-333, Fax (02242) 872-100,<br />

E-Mail: info@dwa.de,<br />

DWA-Shop: www.dwa.de/shop<br />

Vorhabensbeschreibung<br />

Merkblatt DWA-M 143-16: Sanierung von Entwässerungssystemen außerhalb<br />

von Gebäuden – Teil 16: Reparatur von <strong>Abwasser</strong>leitungen und -kanälen durch<br />

Roboterverfahren<br />

Die Deutsche Vereinigung für<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaft, <strong>Abwasser</strong> und<br />

Abfall e. V. (DWA) wird das Merkblatt<br />

„Sanierung von Entwässerungssystemen<br />

außerhalb von Gebäuden –<br />

Teil 16: Reparatur von <strong>Abwasser</strong>leitungen<br />

und -kanälen durch Roboterverfahren“<br />

überarbeiten. Durch neue<br />

technische Entwicklungen ist eine<br />

Anpassung des Merkblatts an den<br />

aktuellen Stand erforderlich.<br />

DWA-M 143-16 soll alle im Bereich<br />

der Sanierung von Entwässerungssystemen<br />

planenden, betreibenden<br />

sowie Aufsicht führenden Institutionen<br />

und Firmen ansprechen.<br />

Die Überarbeitung des Merkblatts<br />

soll bis Ende 2015 abgeschlossen<br />

sein. Hinweise und Anregungen<br />

zur Neufassung des Merkblatts<br />

nimmt die DWA-Bundesgeschäftsstelle<br />

entgegen. An einer Mitarbeit<br />

interessierte Fachleute können sich<br />

ebenfalls an die DWA wenden.<br />

Hinweise für die Bearbeitung:<br />

DWA-Bundesgeschäftsstelle,<br />

Dipl.-Ing. Christian Berger,<br />

Theodor-Heuss-Allee 17, D-53773 Hennef,<br />

Tel. (02242) 872-126, Fax (02242) 872-184,<br />

E-Mail: berger@dwa.de,<br />

www.dwa.de<br />

Februar 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 195


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|<br />

<strong>Wasser</strong>versorgung<br />

Entwicklung einer Vorgehensweise<br />

zur Messung der Energieeffizienz<br />

von Brunnenpumpen<br />

Messmethode im laufenden Betrieb für kleinere <strong>Wasser</strong>versorger<br />

<strong>Wasser</strong>versorgung, Brunnenpumpe, Messmethodik, Betriebspunkt<br />

Hans Wilke, Christian Platschek und Steffen Krause<br />

An der Professur für Siedlungswasserwirtschaft und<br />

Abfalltechnik der Universität der Bundeswehr<br />

München wurde im Rahmen einer Masterarbeit eine<br />

Messmethodik zur Erfassung des Wirkungsgrades von<br />

Brunnenpumpen entwickelt, um aussagekräftige<br />

Ergebnisse über den aktuellen Wirkungsgrad von<br />

Förderanlagen zu ermitteln.<br />

Kleinere <strong>Wasser</strong>versorger verfügen häufig über kein<br />

oder nur ein sehr einfaches Prozessleitsystem. Aus<br />

diesem Grund liegen gemessene Werte für die Energieverbräuche<br />

häufig nicht vor [1].<br />

Die praktischen Untersuchungen wurden an drei<br />

unterschiedlichen Brunnenanlagen eines kleineren<br />

<strong>Wasser</strong>versorgungsunternehmens durchgeführt.<br />

Die Messmethode wurde so konzipiert, dass sie von<br />

kleinen <strong>Wasser</strong>versorgungsunternehmen im laufenden<br />

Betrieb und mit geringem Zeit- und Kostenaufwand<br />

angewendet werden kann. Dadurch werden die<br />

Unternehmen in die Lage versetzt, eine fundierte<br />

Entscheidung über die Anpassung von Förderanlagen<br />

bzw. den Austausch von Pumpen zu treffen.<br />

Development of a Method for Measuring the Energy<br />

Efficiency of Pumping Wells – Measurement Method<br />

in Operation for Small Water Supply Companies<br />

Small water supply systems usually have only very<br />

simple process control systems, if any. Thus, measured<br />

values for the energy consumption are most<br />

often not available. A time- and cost-effective, yet<br />

reliable, method for the determination of the efficiency<br />

of pumping systems was developed during a<br />

master thesis at the Department of Sanitary Engineering<br />

and Waste Management at the University of the<br />

Federal Armed Forces in Munich. The method was<br />

designed to be used by small water supply companies<br />

with little time and effort. It was tested in practical<br />

application at three different wells of a small water<br />

supply company. The developed measurement<br />

method enables small companies to make informed<br />

decisions regarding adjustment of conveyor or<br />

replacement of pumps.<br />

1. Einleitung<br />

Mit der beschlossenen Energiewende muss auch die<br />

<strong>Wasser</strong>versorgung ihren Energieverbrauch optimieren.<br />

80 % unseres Trinkwassers wird aus dem Grundwasser<br />

entnommen [2]. Hauptsächlich erfolgt diese Förderung<br />

durch elektrisch betriebene Pumpen. Durch diese wird<br />

das Trinkwasser in die Rohrnetze eingespeist.<br />

Die zu betrachtenden Kosten für eine Brunnenpumpe<br />

setzen sich aus mehreren Teilen zusammen.<br />

Diese sind die Investitions- bzw. Anschaffungskosten,<br />

die Wartungskosten und die Betriebskosten (Stromkosten)<br />

über die gesamte Nutzungsdauer. Wie aus Bild 1 zu<br />

entnehmen ist, machen die Energiekosten den größten<br />

Teil der Aufwendungen bei dem Betrieb einer Brunnenpumpe<br />

aus. Daher wirkt sich die Entscheidung des<br />

Unternehmens für eine bestimmte Pumpe langfristig<br />

auf die Aufwendungen in Form von Stromkosten aus<br />

(Betrachtung von Lebenszykluskosten) [3]. Deshalb<br />

sollte regelmäßig der Wirkungsgrad der benutzten<br />

Brunnenpumpe überprüft werden, um diese bei Bedarf<br />

zu warten oder gegen eine effizientere Pumpe zu ersetzen,<br />

da Strommehrkosten einer nicht effizient laufenden<br />

Pumpe in kürzester Zeit die Anschaffungskosten<br />

einer energieeffizienteren Pumpe übersteigen. Hier<br />

ergibt sich ein großes Potenzial zur Reduzierung des<br />

Energieeinsatzes und zur Verringerung der damit verbundenen<br />

Kosten.<br />

Kleinere <strong>Wasser</strong>versorger sind aus technischen Gründen<br />

oft nicht in der Lage, den aktuell vorhandenen<br />

Energieverbrauch zu messen. Zumeist werden anhand<br />

Februar 2014<br />

196 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


<strong>Wasser</strong>versorgung | FACHBERICHTE |<br />

der Jahreswerte für die Gesamtfördermenge und den<br />

Gesamtstromverbrauch lediglich Rückschlüsse auf den<br />

Jahresenergieverbrauch der Brunnenpumpe abgeleitet.<br />

Die in diesem Artikel dargestellte Methodik zur<br />

Messung der Energieeffizienz von Brunnenpumpen ist<br />

auf eine einfache, schnelle und bedienerfreundliche<br />

Messung ausgelegt. Der tatsächliche Wirkungsgrad<br />

wird im laufenden Betrieb ermittelt.<br />

2. Kennlinien: Anlagenkennlinie, Pumpenkennlinie,<br />

Betriebspunkt<br />

Die Auswahl einer geeigneten Pumpe für einen Bohrbrunnen<br />

hängt von den Vorgaben der Betriebsbedingungen<br />

ab. Als Vorgaben sind hier die erforderliche<br />

Förderhöhe und der bemessene Förderstrom zu nennen.<br />

Für die Auslegung und Dimensionierung einer<br />

Pumpe ist es wichtig, die Anlagenkennlinie der Versorgungseinrichtung<br />

zu kennen. Ist die Anlagenkennlinie<br />

bekannt, kann über die Pumpenkennlinie die passende<br />

Pumpe bestimmt werden [5].<br />

Anschaffungskosten<br />

5 % Wartungskosten<br />

10 %<br />

Energiekosten<br />

85 %<br />

Optimierungspotenzial<br />

Bild 1. Lebenszykluskosten einer Pumpe [4].<br />

2.1 Anlagenkennlinie<br />

Die Anlagenkennlinie, auch Rohrleitungskennlinie<br />

genannt, gibt das Verhältnis zwischen dem Förderstrom<br />

Q und der Förderhöhe H in der Rohrleitung wieder. <strong>Wasser</strong>versorgungsanlagen<br />

werden im Rahmen der hydraulischen<br />

Betrachtung in offene Systeme eingeteilt. Das<br />

heißt, dass sich hierbei die Anlagenförderhöhe H aus<br />

der statischen Höhe H stat und der dynamischen Höhe<br />

H dyn zusammensetzt. Die statische Höhe H stat entspricht<br />

dem zu überwindenden Höhen- oder Druckunterschied.<br />

Die dynamische Höhe H dyn resultiert aus der<br />

Summe der Strömungsverluste in der Rohrleitung. Mögliche<br />

Einflüsse und sich daraus ergebende Änderungen<br />

auf die dynamische Höhe werden in Kapitel 3 erläutert.<br />

2.2 Pumpenkennlinie<br />

Nach Ermittlung der Anlagenkennlinie kann mithilfe der<br />

Pumpenkennlinien eine passende Pumpe gewählt werden.<br />

Die hydraulischen und energetischen Eigenschaften<br />

einer Pumpe werden durch die im Folgenden vorgestellten<br />

Kennlinien beschrieben.<br />

Q-H-Kennlinie (Förderhöhe)<br />

Die Q-H-Kennlinie gibt das Verhältnis zwischen der Förderhöhe<br />

H und dem Förderstrom Q wieder, die eine<br />

Pumpe leistet. Die Neigung der Q-H-Kennlinie ist abhängig<br />

von der Konstruktion der Brunnenpumpe und von<br />

der Bauform der Pumpenlaufräder.<br />

Q-η-Kennlinie (Wirkungsgrad)<br />

Eine Unterwassermotorpumpe erreicht genau in einem<br />

Punkt (Wertepaar aus Q B und H B ) ihren optimalen<br />

Wirkungsgrad. An diesem Punkt sollte die Pumpe<br />

betrieben werden, damit sie effizient und energiesparend<br />

läuft. Die Bereiche links und rechts von diesem<br />

Bild 2. Darstellung der Anlagen- und Pumpenkennlinie<br />

mit den wichtigsten Begriffen.<br />

Februar 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 197


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|<br />

<strong>Wasser</strong>versorgung<br />

opti malen Betriebspunkt der Pumpe heißen auch Teilund<br />

Überlastbereich.<br />

Q-P 1 -Kennlinie (Leistungsaufnahmen)<br />

Die Q-P 1 -Kennlinie gibt das Verhältnis zwischen der<br />

Leistungsaufnahme des Unterwassermotors aus dem<br />

Stromnetz und dem Förderstrom Q wieder. Mit zunehmendem<br />

Förderstrom Q erhöht sich auch der Leistungsbedarf<br />

der Pumpe.<br />

Diese Kennlinie ist für den Betreiber wichtig, da<br />

sich hiernach die Stromkosten zusammensetzen, die zu<br />

zahlen sind.<br />

2.3 Betriebspunkt<br />

Der Betriebspunkt eines Bohrbrunnens ist der Schnittpunkt<br />

zwischen der Anlagenkennlinie und der Q-H-<br />

Kennlinie der Pumpe [6].<br />

Eine Pumpe sollte so ausgewählt werden, dass der<br />

Schnittpunkt von Anlagen- und Q-H-Kennlinie der<br />

Pumpe möglichst mit dem Maximum der Q-η-Kennlinie<br />

korrespondiert. Ziel der Pumpenauswahl ist es, die<br />

Abweichung zwischen dem gewünschten Auslegungspunkt<br />

und dem wirklichen Betriebspunkt zu minimieren.<br />

Bild 2 zeigt das Zusammenwirken der Kennlinien.<br />

3. Wirkungsgradrückgang durch<br />

Verschiebung des Betriebspunktes<br />

Mit zunehmender Betriebszeit sinkt aus verschiedenen<br />

Gründen der Wirkungsgrad einer Brunnenanlage. Das<br />

heißt, dass bei gleichbleibender Energiezuführung die<br />

Pumpleistung abnimmt und die Brunnenpumpe unwirtschaftlicher<br />

betrieben wird. Der reale Betriebspunkt<br />

wandert vom Auslegungspunkt fort. Mögliche Ursachen<br />

für die Änderung der Anlagen- oder Pumpenkennlinie<br />

sind [7]:<br />

••<br />

bauliche Veränderungen des Netzes durch Einbau<br />

von Armaturen oder neuer Stränge,<br />

Querschnittsverengung durch Inkrustierungen,<br />

Änderung der Oberflächenrauigkeit im Rohrinneren,<br />

••<br />

stärkere <strong>Wasser</strong>spiegelabsenkung durch Brunnenalterung,<br />

••<br />

Schäden an Laufrädern, Leitschaufeln oder Spaltringen,<br />

hervorgerufen durch Korrosion, Erosion oder<br />

Inkrustation.<br />

In Bild 3 wird beispielhaft die Folge einer Querschnittsverengung<br />

durch Inkrustierungen dargestellt. Der<br />

ursprüngliche Betriebspunkt verlagert sich nach links in<br />

Richtung kleine Förderströme und große Förderhöhen.<br />

Dies hat zur Folge, dass sich der Wirkungsgrad der Brunnenpumpe<br />

verschlechtert.<br />

4. Versuchsvorbereitung<br />

4.1 Darstellung der wichtigsten Bemessungskriterien<br />

einer Unterwassermotorpumpe im Brunnen<br />

Die Auswahl einer geeigneten Unterwassermotorpumpe<br />

für einen Bohrbrunnen hängt wie zuvor<br />

beschrieben von den Vorgaben der Betriebsbedingungen<br />

ab.<br />

Neben den hydraulischen Daten (Q und H) spielen<br />

für die Erfassung eines Wirkungsgrades von Unterwassermotorpumpen<br />

im eingebauten Zustand auch die<br />

elektrischen Daten (P 2 , U, I, cosφ, η Motor ) eine Rolle.<br />

Tabelle 1 fasst diese Daten zusammen.<br />

Bild 3. Änderung der Anlagenkennlinie – der<br />

Betriebspunkt wandert nach links in Richtung kleine<br />

Förderströme und große Förderhöhen (hier: Inkrustierung<br />

der Rohrleitung).<br />

4.2 Methodik zur Messung des Wirkungsgrades<br />

von Unterwassermotorpumpen im eingebauten<br />

Zustand<br />

Die Messung des Wirkungsgrades von Unterwassermotorpumpen<br />

im eingebauten Zustand erfordert die Erfassung<br />

unterschiedlicher Messgrößen. Bei der hier vorgestellten<br />

Methodik wurde besonderes Augenmerk auf<br />

eine einfache, schnelle und bedienerfreundliche Messung<br />

der untersuchten Brunnenpumpen gelegt. Ziel<br />

war es, dass die Wirkungsgradmessung möglichst mit<br />

Februar 2014<br />

198 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


<strong>Wasser</strong>versorgung | FACHBERICHTE |<br />

dem im eigenen Unternehmen vorhandenen Personal<br />

durchgeführt werden kann.<br />

Vor Beginn der Messungen wird anhand der Auslegungsdaten<br />

der optimale Gesamtwirkungsgrad der<br />

Unterwassermotorpumpe zum Auslegungszeitpunkt<br />

ermittelt (Soll-Zustand). Dieser Gesamtwirkungsgrad<br />

wird verglichen mit dem Gesamtwirkungsgrad der<br />

Pumpe im Betriebszustand (Ist-Zustand). Wird ein Frequenzumrichter<br />

(FU) verwendet, wird zunächst bei der tatsächlichen<br />

Arbeitsfrequenz gemessen und anschließend<br />

bei einer Frequenz von 50 Hz (100 %), um Aussagen<br />

über ein Energieeinsparpotenzial zu erhalten.<br />

Nachfolgend werden die Messmethoden dargestellt,<br />

die zur Ermittlung der Betriebsdaten eingesetzt<br />

werden, die für die Bestimmung des Wirkungsgrades<br />

erforderlich sind.<br />

5. Ermittlung der erforderlichen Daten für<br />

die Wirkungsgradbestimmung<br />

5.1 Ablesen der Auslegungsdaten<br />

Anhand eines für diese Arbeit entwickelten Fragebogens<br />

wurden die Auslegungsdaten der Brunnenpumpe<br />

ermittelt. Diese Daten müssen vom Pumpen- bzw.<br />

Motortypenschild und Angaben des Betreibers ermittelt<br />

werden.<br />

5.2 Messung der Ist-Daten<br />

Die benötigten Messdaten zur hydraulischen Messung<br />

(Q und H) an der Pumpe und zur elektrischen Messung<br />

(P 2 , U, I, cosφ, η Motor ) am Motor werden im laufenden<br />

Betrieb zeitgleich ermittelt.<br />

An einem geeigneten <strong>Wasser</strong>mengenzähler oder<br />

Durchflussmesser wird nach dem Brunnenkopf die Fördermenge<br />

der Pumpe abgelesen. Zum Ermitteln der<br />

dynamischen Förderhöhe wird der Förderdruck z. B. am<br />

mechanischen Rohrfedermanometer in der abgehenden<br />

Leitung des Brunnenhauses abgelesen. Die Höhendifferenz<br />

zwischen diesem Manometer und dem<br />

Betriebswasserspiegel kann z. B. mit einem Kabellichtlot<br />

ermittelt oder über die Leitstelle des Fernübertragungssystems<br />

abgerufen werden. Die Summe aus dem im<br />

Brunnenhaus gemessenen Förderdruck und die Höhendifferenz<br />

zwischen Betriebswasserspiegel und Brunnenkopf<br />

ergeben die Förderhöhe der Pumpe.<br />

In der <strong>Wasser</strong>gewinnung und <strong>Wasser</strong>förderung<br />

werden für den Pumpenantrieb von Bohrbrunnen<br />

überwiegend Elektromotoren in Form von dreiphasigen<br />

Drehstrom-Asynchronmotoren verwendet.<br />

Bild 4.<br />

Messung der<br />

Phase 1<br />

zwischen dem<br />

Außenleiter L1<br />

und dem<br />

Neutral leiter<br />

mit der Strommesszange.<br />

Tabelle 1. Darstellung der wichtigsten Bemessungskriterien einer Unterwassermotorpumpe.<br />

Q Förderstrom [L/s] hydraulische Daten<br />

H Förderhöhe [m]<br />

(pumpenabhängig)<br />

P 2<br />

U<br />

I<br />

Wellenleistung des Motors [kW]<br />

Spannung [V]<br />

Stromstärke [A]<br />

cosφ Leistungsfaktor [-]<br />

η Motor Motorwirkungsgrad [-]<br />

elektrische Daten<br />

(motorabhängig)<br />

Tabelle 2. Auswertung der Messergebnisse am Beispiel einer untersuchten Brunnenanlage (Einbaudatum: 2004); Gegenüberstellung von<br />

Soll-Zustand, Ist-Zustand und neuer Pumpe.<br />

Soll-Zustand (Auslegung) Ist-Zustand (alte Pumpe) Neue Pumpe<br />

Hydraulische Daten<br />

(pumpenabhängig)<br />

Förderstrom: Q [L/s] = 25,0 Förderstrom: Q [L/s] = 25,6 Förderstrom: Q [L/s] = 26,0<br />

Förderhöhe: H [m] = 100,6 Förderhöhe: H [m] = 83,4 Förderhöhe: H [m] = 84,0<br />

Elektrische Daten<br />

(motorabhängig)<br />

Wellenleistung<br />

des Motors: <br />

P 2 [kW] = 37,0<br />

Wellenleistung<br />

des Motors: <br />

P 2 [kW] = 40,7<br />

Wellenleistung<br />

des Motors: <br />

P 2 [kW] = 30<br />

Gesamtwirkungsgrad η Motor [-] = 0,55 η Motor [-] = 0,43 η Motor [-] = 0,58<br />

Jährlicher<br />

Stromverbrauch<br />

W [kWh/a] = 105 000 W [kWh/a] = 115 000 W [kWh/a] = 87 000<br />

Jährliche Stromkosten K [€/a] = 15 700 K [€/a] = 17 200 K [€/a] = 13 000<br />

Februar 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 199


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|<br />

<strong>Wasser</strong>versorgung<br />

Aus arbeitsschutzrechtlichen Gründen müssen<br />

Arbeiten an elektrischen Anlagen von einem Elektriker<br />

durchgeführt werden. In Vorbereitung auf die Messung<br />

muss darauf geachtet werden, dass die Blindstromkompensation,<br />

welche sich üblicherweise im Elektroschrank<br />

des Brunnenhauses befindet, ausgeschaltet ist,<br />

um Messfehler zu vermeiden [8].<br />

Für die im Folgenden beschriebene elektrische Messung<br />

am Motor wird eine Strommesszange benötigt.<br />

Um die Wellenleistung P 2 der Brunnenpumpe zu<br />

ermitteln, wird mit einer Strommesszange die Phase 1<br />

zwischen dem Außenleiter L 1 und dem Neutralleiter N<br />

gemessen (vgl. Bild 4). Die Gesamtwellenleistung P 2<br />

ergibt sich aus der Summe der drei Strangleistungen.<br />

Bild 5. Messmethode<br />

zur<br />

Überprüfung<br />

der Energieeffizienz<br />

von<br />

Brunnenpumpen<br />

(Ablaufschema).<br />

Februar 2014<br />

200 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


<strong>Wasser</strong>versorgung | FACHBERICHTE |<br />

Da die Spannungen zwischen den Phasen zueinander<br />

symmetrisch sind, genügt es, nur eine der drei Phasen<br />

zu messen [9].<br />

Für die Leistungsmessung wurde das Leistungsmessgerät<br />

Uni-T UT 243 über einen USB-Anschluss mit<br />

einem Computer verbunden. Die ermittelten elektrischen<br />

Werte (U, I, cosφ) verarbeitet das mitgelieferte<br />

Computerprogramm und speichert sie in einer Excel-<br />

Tabelle. Der Mittelwert aus einer Vielzahl an Messungen<br />

dient als Endwert für die weiteren Berechnungen.<br />

Die Messmethodik zur Überprüfung der Energieeffizienz<br />

von Brunnenpumpen wird in Bild 5 schematisch<br />

dargestellt.<br />

6. Auswertung der Messergebnisse<br />

Mit den so gewonnenen Daten kann der Wirkungsgrad<br />

für eine Unterwassermotorpumpe berechnet werden.<br />

Ein für diese Arbeit erstelltes Berechnungsprogramm<br />

dient als Vorlage für die Auswertung der Energieeffizienz<br />

der Brunnenpumpen. Durch die Eingabe der ermittelten<br />

Auslegungsdaten und gemessenen Ist-Daten<br />

berechnet dieses Programm den Wirkungsgrad und den<br />

Gesamtenergieverbrauch pro Jahr. Anhand dieser<br />

Ergebnisse können Aussagen über die Energieeffizienz<br />

der eingebauten Brunnenpumpe getroffen werden.<br />

Tabelle 2 zeigt die Auswertung der Messergebnisse<br />

einer untersuchten Brunnenanlage. Der Betriebspunkt<br />

verschiebt sich nach rechts in Richtung großer Förderströme<br />

und kleiner Förderhöhen. Für einen optimalen<br />

Betrieb wird eine Erneuerung und Anpassung der Brunnenpumpe<br />

an die aktuelle Anlagenkennlinie vorgeschlagen.<br />

Die Untersuchungen von insgesamt drei Brunnenanlagen<br />

haben ergeben, dass bei zwei der drei untersuchten<br />

Anlagen Optimierungsmöglichkeiten bestehen. Es<br />

wurde nachgewiesen, dass die an diesen Anlagen eingesetzten<br />

Brunnenpumpen schon bei der Auslegung<br />

falsch dimensioniert wurden und deshalb nicht in ihrem<br />

optimalen Betriebspunkt arbeiten. Der bei der Auslegung<br />

angenommene Zustand kann bei diesen Pumpen<br />

nicht realisiert werden. Hier wandert der Betriebspunkt<br />

grafisch gesehen nach rechts in Richtung großer Förderströme<br />

und kleiner Förderhöhen.<br />

Gewöhnlich wandert mit zunehmender Zeit der<br />

Betriebspunkt durch Verschleiß der Brunnenanlage und<br />

Rohrreibungsverluste nach links in Richtung kleiner Förderströme<br />

und großer Förderhöhen.<br />

Der Wirkungsgradabfall bei diesen zwei überprüften<br />

Pumpen ist nicht auf die Brunnenalterung oder auf den<br />

Verschleiß der Pumpe bzw. des Rohrnetzes zurückzuführen.<br />

Vielmehr ist die Auslegung der eingebauten<br />

Pumpe nicht korrekt, sodass eine Neuauslegung auf die<br />

aktuellen Gegebenheiten notwendig ist.<br />

Die Ursache für die falsche Berechnung der Auslegung<br />

kann auf falschen Annahmen beruhen (Rohrrauheit<br />

k s zur Ermittlung der Rohrreibungsverluste H vr u. a.),<br />

Bild 6. Amor tisationszeitraum von zwei Jahren bei einem Austausch<br />

der vorhandenen Pumpe (Baujahr 1998) durch eine an die Bedingungen<br />

angepasste, effiziente Pumpe.<br />

Bild 7. Amor tisationszeitraum von knapp 1,5 Jahren bei einem Austausch<br />

der vorhandenen Pumpe (Baujahr 2004) durch eine an die<br />

Bedin gungen angepasste, effiziente Pumpe.<br />

auf zu hohen Sicherheitszuschlägen oder auf falschen<br />

Prognosen über einen zukünftig zu erwartenden Versorgungsbedarf.<br />

Die Auswertung der untersuchten Brunnenpumpen<br />

zeigte, dass sich bei zwei der drei Brunnenpumpen (Einbaudatum:<br />

1998, 2004) eine Erneuerung im Hinblick auf<br />

die Lebenszykluskosten der Brunnenpumpe schon nach<br />

Februar 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 201


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|<br />

<strong>Wasser</strong>versorgung<br />

kurzer Zeit amortisiert (vgl. Bild 6 und Bild 7). Werden<br />

die Stromkosten dieser beiden Pumpen auf eine Dauer<br />

von 20 Jahren betrachtet, würde sich bei einem angenommenen<br />

Stromkostenanstieg von 3 % pro Jahr eine<br />

Differenz von 75 000 € bzw. 106 000 € nach 20 Jahren<br />

ergeben.<br />

Bei der dritten Brunnenpumpe (Einbaudatum: 2007)<br />

zeigte die dargestellte Sensitivitätsanalyse, dass die Wirkungsgradabweichung<br />

in den Bereich der Messungenauigkeit<br />

fällt. Eine Erneuerung ist hier nicht notwendig.<br />

Messungenauigkeiten ergeben sich z. B. durch Messgeräteabweichungen<br />

und Umwelteinflüsse. Es konnte<br />

nachgewiesen werden, dass Abweichungen bei den<br />

hydraulischen Werten (Förderstrom Q, Förderhöhe H)<br />

nur den Wirkungsgrad betreffen und sich dort mit<br />

einem Fehler zwischen 3 % und 15 % auswirken. Bereits<br />

kleine Abweichungen bei den elektrischen Messwerten<br />

(Spannung U, Stromstärke I, Leistungsfaktor cosφ)<br />

haben einen großen Einfluss auf den Wirkungsgrad und<br />

somit auf die Stromkosten (5 – 30 % Abweichung).<br />

Auch unter Berücksichtigung von Messgeräteabweichungen<br />

erlaubt die dargestellte Messmethodik ein<br />

aussagekräftiges Ergebnis bei einem geringen Zeitansatz<br />

(< 3 Stunden). Ein Handlungsbedarf wird somit<br />

rechtzeitig mit einem geringen Kostenaufwand erkannt.<br />

Eine weitergehende Überprüfung der Brunnenanlage<br />

kann erfolgen.<br />

7. Zusammenfassung<br />

Die Ergebnisse dieser Arbeit zeigen, dass sich durch<br />

eine Überprüfung des Wirkungsgrades von Brunnenpumpen<br />

oft ein großes Energieeinsparpotenzial ableiten<br />

lässt. Brunnenpumpen von kleineren <strong>Wasser</strong>versorgern<br />

scheinen häufig falsch ausgelegt und überdimensioniert<br />

zu sein. Diese zu große Dimensionierung führt zu einem<br />

erhöhten Energiebedarf und einem ineffizienten Betrieb<br />

dieser Pumpen. Die Auswahl genau abgestimmter<br />

Pumpen, welche dem neusten Stand der Technik<br />

entsprechen, erschließt ein sehr großes Potenzial zu<br />

Energie- und Kosteneinsparung.<br />

Wird bei einem <strong>Wasser</strong>versorgungsunternehmen<br />

festgestellt, dass sich der Betriebspunkt nach links in<br />

Richtung kleiner Fördermengen und großer Förderhöhen<br />

verschiebt, ist zuerst das Rohrleitungsnetz auf<br />

Verunreinigungen, Ablagerungen und <strong>Wasser</strong>verluste<br />

zu überprüfen.<br />

Sollte jedoch bei einer Überprüfung festgestellt werden,<br />

dass sich der Betriebspunkt nach rechts in Richtung<br />

großer Fördermengen und kleiner Förderhöhen<br />

verschoben hat, ist davon auszugehen, dass die Brunnenpumpe<br />

überdimensioniert ist. Eine Erneuerung und<br />

Anpassung der Brunnenpumpe ist eine Möglichkeit,<br />

einen energieeffizienten Betrieb der Brunnenanlage zu<br />

gewährleisten.<br />

Bei kleineren <strong>Wasser</strong>versorgern ist die Verfügbarkeit<br />

der erforderlichen Daten oft eine große Herausforderung.<br />

Häufig ist nur ein Stromzähler im Brunnenhaus<br />

selber und keine Anbindung an ein Prozessleitsystem<br />

vorhanden. Mit der hier dargestellten Messmethodik ist<br />

es gelungen, mit den vorhandenen Daten und einer<br />

einfachen Messkampagne aussagekräftige Ergebnisse<br />

zu erzielen. Die entwickelte Methodik zur Messung der<br />

Energieeffizienz von Brunnenpumpen ist auf eine einfache,<br />

schnelle und bedienerfreundliche Messung<br />

ausgelegt.<br />

Literatur<br />

[1] Plath, M., Wichmann, K. und Ludwig, G.: DVGW-Information,<br />

<strong>Wasser</strong> Nr. 77, Handbuch Energieeffizienz in der <strong>Wasser</strong>versorgung.<br />

Bonn, 2010, ISSN 0176-3504.<br />

[2] Hübner, M.: Energieeffizienzsteigerung und Nachhaltigkeitsförderung<br />

in der <strong>Wasser</strong>versorgung. Vortrag Süd-Ostbayrische<br />

Trinkwassertagung, 2013.<br />

[3] DVGW W 618:2007-08: Lebenszykluskosten für Förderanlagen<br />

in der Trinkwasserversorgung.<br />

[4] ETSU, AEAT PLC, Cetim, David T. Reeves, NESA, Technical University<br />

Darmstadt: Study on improving the energy efficiency<br />

of pumps (2001), p. 31.<br />

[5] Gülich, J.: Kreiselpumpen: Handbuch für Entwicklung, Anlagenplanung<br />

und Betrieb. Springer, Berlin, 2010, ISBN 978-3-<br />

642-05478-5, S. 39-46, S. 145–161.<br />

[6] DIN 24260-1:1986-09: Flüssigkeitspumpen - Kreiselpumpen<br />

und Kreiselpumpenanlagen - Begriffe, Formelzeichen, Einheiten.<br />

[7] DVGW W 614: 2001-02: Instandhaltung von Förderanlagen.<br />

[8] Büttner, W.-E.: Grundlagen der Elektrotechnik 2. Oldenbourg,<br />

München, 2005, ISBN 3-486-27296-9, S. 90–101.<br />

[9] Büttner, W.-E.: Grundlagen der Elektrotechnik 2. Oldenbourg,<br />

München, 2005, ISBN 3-486-27296-9, S. 165–171.<br />

Autoren<br />

M. Sc. Hans-Walter Wilke<br />

E-Mail: Wilke.Hans@yahoo.de |<br />

Am Bunne 15 |<br />

D-45549 Sprockhövel<br />

Eingereicht: 12.11.2013<br />

Korrektur: 08.01.2014<br />

Im Peer-Review-Verfahren begutachtet<br />

Dipl.-Ing. Christian Platschek<br />

E-Mail: Christian.Platschek@unibw.de |<br />

PD Dr.-Ing. habil. Steffen Krause<br />

E-Mail: Steffen.Krause@unibw.de |<br />

Universität der Bundeswehr München |<br />

W.-Heisenberg-Weg 39 |<br />

D-85577 Neubiberg<br />

Februar 2014<br />

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| FACHBERICHTE<br />

|<br />

<strong>Wasser</strong>versorgung<br />

Magnetische <strong>Wasser</strong>behandlung zur<br />

Kesselsteinverhütung<br />

Eine kritische Literaturübersicht unter besonderer Berücksichtigung der<br />

Anwesenheit von Eisen(III) sowie der Eisenkorrosion im Magnetfeld<br />

<strong>Wasser</strong>versorgung, Kalkabscheidung, Magnetfeld, Kristallisation, Eisen(III), Korrosion<br />

Kai Zeppenfeld<br />

Neben etablierten chemischen und physiko-chemischen<br />

Methoden werden zur Verhinderung von Kesselsteinbildungen<br />

auch magnetische <strong>Wasser</strong>behandlungsgeräte<br />

angeboten. Die Funktionsweise solcher<br />

Geräte wird jedoch kontrovers diskutiert. Die vorliegenden<br />

theoretischen und experimentellen Untersuchungen<br />

geben eine mögliche Erklärung für die häufig<br />

voneinander abweichenden Befunde beim praktischen<br />

Einsatz und der wissenschaftlichen Literatur.<br />

Magnetic Water Treatment for Scale Prevention –<br />

A Critical Review of the Literature under Particular<br />

Consideration of the Presence of Iron(III) and the<br />

Corrosion of Iron in a Magnetic Field<br />

Besides established chemical and physico-chemical<br />

methods, magnetic water treatment is offered which<br />

prevents scale depositions. The function of this treatment<br />

process is controversially discussed. The existing<br />

theoretical and experimental examinations allow a<br />

possible explanation for the frequently different<br />

results between the practical insertion and the scientific<br />

literature.<br />

1. Einführung<br />

Kesselsteinbildungen bzw. Kalkablagerungen (CaCO 3 )<br />

in wasserführenden Rohrsystemen, in industriellen<br />

Anlagen, wie z. B. in Wärmeaustauschern und Kühlwasserkreisläufen<br />

sowie in wasserverbrauchenden Haushaltsgeräten,<br />

sind immer noch problematisch. Ein Verlust<br />

der Funktionstauglichkeit von Rohrleitungen und<br />

Absperrorganen, zu großer Energieaufwand für den<br />

<strong>Wasser</strong>transport, Verschlechterung des Wärmedurchgangs<br />

mit Minderung der Wirtschaftlichkeit bis hin zur<br />

Zerstörung der Anlagen seien einige beispielhaft zu<br />

nennende Schwierigkeiten. Zur Vermeidung dieser<br />

CaCO 3 -Ablagerungen werden vor allem Enthärtungsverfahren<br />

wie der Ionenaustausch oder die Nanofiltration<br />

eingesetzt, bei denen die Härtebildner Calcium und<br />

Magnesium aus dem <strong>Wasser</strong> entfernt werden. Daneben<br />

können dem <strong>Wasser</strong> auch Härtestabilisatoren wie Polyphosphate<br />

oder Polyelektrolyte zugesetzt werden,<br />

wobei dann die CaCO 3 -Abscheidungsgeschwindigkeit<br />

deutlich verringert wird [1].<br />

Unabhängig von diesen gängigen Verfahren werden<br />

seit Jahrzehnten „physikalische“ bzw. „chemiefreie“<br />

Anlagen angeboten, welche die Kesselsteinbildung verhindern,<br />

begrenzen oder beseitigen sollen. Dabei befinden<br />

sich neben elektrolytisch, galvanisch, und auf<br />

Basis der heterogenen Katalyse arbeitenden Verfahren<br />

auch Anlagen, die mit Permanentmagneten oder<br />

Elektro magneten ausgestattet sind auf dem Markt [2].<br />

Einsatzmöglichkeiten und Grenzen entsprechender<br />

Geräte waren und sind dabei umstritten. Obwohl immer<br />

wieder über die erfolgreiche praktische Anwendung<br />

berichtet wird z. B. [3], verliefen wissenschaftliche Untersuchungen<br />

und Tests i. d. R. negativ; d. h. ein Einfluss<br />

dieser Geräte auf die Bildung von Kalkablagerungen<br />

konnte nicht nachgewiesen werden [4–7]. In dem im<br />

Jahr 2001 erarbeiteten Magnetics Task Force Report<br />

wurden 34 wissenschaftliche Veröffentlichungen ausgewertet,<br />

wobei auch hier keine eindeutigen Aussagen zu<br />

den Wirkprinzipien möglich sind, da sich die Veröffentlichungen<br />

selbst in grundlegenden Fragen widersprechen<br />

[8]. Demnach ist die Wirkungsweise magnetisch<br />

arbeitender Anlagen nicht durch bekannte Wirkungsmechanismen<br />

wie Härteverringerung oder Härtestabilisierung<br />

belegt [2]. Als wesentliches Wirkprinzip wird<br />

heute aber vermutet, dass durch das Behandlungsgerät<br />

CaCO 3 -Kristallkeime im <strong>Wasser</strong> erzeugt werden, wobei<br />

an diesen weiteres CaCO 3 -Kristallwachstum erfolgt. Das<br />

soll dazu führen, dass die Kalkausfällung im <strong>Wasser</strong>körper<br />

selbst und nicht auf den Oberflächen der Rohrleitungen,<br />

Wärmeaustauschern und Haushaltsgeräten<br />

stattfindet [2, 9]. Ein direkter Nachweis der Bildung von<br />

Kristallkeimen wurde bisher jedoch nicht erbracht.<br />

Im Folgenden sollen internationale und wissenschaftliche<br />

Veröffentlichungen der letzten 25 Jahre her-<br />

Februar 2014<br />

204 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


<strong>Wasser</strong>versorgung | FACHBERICHTE |<br />

angezogen werden, um einen evtl. Wirkungsmechanismus<br />

von magnetischen Feldern auf die Bildung und das<br />

Wachstum von Calciumcarbonat zu beschreiben. Dabei<br />

werden in dem im Jahr 1996 veröffentlichten Übersichtsartikel<br />

von Baker und Judd [10] hauptsächlich folgende<br />

fünf Faktoren beschrieben, die zu einer magnetischen<br />

Beeinflussung der Kalkabscheidung führen könnten:<br />

a) Änderung der physikalisch-chemischen Eigenschaften<br />

von <strong>Wasser</strong> und wässrigen Lösungen, b) Beeinflussung<br />

der CaCO 3 -Fällungskinetik, c) Änderung CaCO 3 -Kristallmodifikation,<br />

d) Beeinflussung der CaCO 3 -Partikelkoagulation,<br />

e) der Einfluss von Eisenverunreinigungen,<br />

die direkt oder indirekt durch das Behandlungsgerät an<br />

das <strong>Wasser</strong> abgegeben werden. Anhand der neueren<br />

Literatur werden diese fünf Faktoren der Reihe nach<br />

ausgewertet, um eine evtl. Beeinflussung des Prozessablaufes<br />

der CaCO 3 -Kristallkeimbildung bzw. der<br />

Entstehung von CaCO 3 -Mikrokristallen durch Magnetfelder<br />

zu beschreiben. Des Weiteren werden mithilfe<br />

von zwei einfachen Experimenten, die Auswirkungen<br />

von Eisen(III) und der Einfluss der Eisenkorrosion im<br />

Magnetfeld auf die CaCO 3 -Fällungskinetik näher untersucht.<br />

2. Literaturübersicht<br />

2.1 Änderungen der physikalisch-chemischen<br />

Eigenschaften von <strong>Wasser</strong> und wässrigen Lösungen<br />

Ein bekannter Erklärungsversuch zur Begründung von<br />

Magnetfeldeinflüssen auf die Kesselsteinbildung ist,<br />

dass ein Magnetfeld (i. d. R. mit Flussdichten ≤ 1 Tesla)<br />

eine Veränderung von physikalisch-chemischen Parametern<br />

des <strong>Wasser</strong>s und wässrigen Lösungen wie elektrische<br />

Leitfähigkeit, Oberflächenspannung, Viskosität<br />

und Verdampfungsenthalpie ausübt. Dabei steht die<br />

Flussdichte oder die Induktion für die Flächendichte des<br />

magnetischen Flusses der senkrecht durch ein bestimmtes<br />

Flächenelement hindurchtritt, wobei 1 Tesla gleich<br />

der Flächendichte des magnetischen Flusses ist, der die<br />

Fläche von einem Quadratmeter durchsetzt. So wird<br />

beschrieben, dass in reinem <strong>Wasser</strong>, das vorher unter<br />

strömenden Bedingungen einem Magnetfeld ausgesetzt<br />

war, die elektrische Leitfähigkeit um 0.12 µS/cm<br />

und die Oberflächenspannung um etwa 9 % verringert<br />

werden [11, 12], während in [13] dargestellt ist, dass die<br />

Oberflächenspannung um 4 % ansteigt. Weiterhin soll<br />

ein Magnetfeldeinfluss eine Erhöhung der Viskosität<br />

und der Verdampfungsenthalpie bewirken [11–13].<br />

Diese Effekte werden hauptsächlich damit begründet,<br />

dass das Magnetfeld die Stärke des <strong>Wasser</strong>stoffbrückennetzwerkes<br />

und die Eigenbewegung der <strong>Wasser</strong>moleküle<br />

beeinflusst [14].<br />

Weiterhin wird beschrieben, dass die elektrische<br />

Leitfähigkeit wässriger Lösungen (z. B. Natriumchlorid),<br />

die vorher im Kreislauf über ein Magnetfeld gefahren<br />

wurden, auf über 100 µS/cm ansteigen kann, wobei dieser<br />

Effekt bis zu 24 Stunden anhält („Memoryeffekt“).<br />

Dabei soll das Magnetfeld den Hydrathüllendurchmesser<br />

der Kationen verringern, wobei dann die Mobilität<br />

und damit die elektrische Leitfähigkeit erhöht werden.<br />

Der Magnetfeldeffekt nimmt dabei mit abnehmender<br />

Hydratationsentropie der Kationen ab, d. h. er beeinflusst<br />

am stärksten die Ionen mit einer geringeren<br />

geordneten Hydrathülle [15, 16]. Als Erklärung des<br />

sogenannten „Memoryeffektes“ wird angenommen,<br />

dass ein magnetisches Feld im <strong>Wasser</strong> gelösten paramagnetischen<br />

Sauerstoff und Sauerstoffradikale über längere<br />

Zeit so beeinflusst, dass darauf die Hydratation von<br />

Ionen und Grenzflächen erhöht wird, und somit z. B. der<br />

zur CaCO 3 -Kristallisation notwendige Dehydratationsschritt<br />

erschwert wird [17, 18].<br />

Dagegen ergaben Tests, die mit kommerziellen<br />

Behandlungsgeräten und an unterschiedlichen Leitungswässern<br />

durchgeführt wurden, keine signifikanten<br />

Unterschiede der elektrischen Leitfähigkeit und der<br />

Oberflächenspannung [19, 20]. Aufgrund dieser sich<br />

zum Teil widersprechenden Aussagen ist es fraglich, ob<br />

ein Magnetfeld einen signifikanten Einfluss auf die oben<br />

beschriebenen Parameter ausübt. Vor allem ein größerer<br />

Anstieg der elektrischen Leitfähigkeit sowie eine<br />

Verringerung der Oberflächenspannung könnten daher<br />

auch durch dispergierte Verunreinigungen aus dem verwendeten<br />

Labormaterial, wie Polyethylen- oder Tygonrohren<br />

[21], sowie aus dem in der Atmosphäre enthaltenden<br />

und im <strong>Wasser</strong> gelösten Kohlendioxids hervorgerufen<br />

werden.<br />

2.2 Beeinflussung der CaCO 3 -Fällungskinetik<br />

Neben den Erklärungsversuchen über eine magnetische<br />

Beeinflussung der <strong>Wasser</strong>struktur existieren zahlreiche<br />

Veröffentlichungen, in denen über ein Magnetfeldeinfluss<br />

auf die CaCO 3 -Fällungskinetik bzw. auf die Keimbildungs-<br />

und die Kristallisationsrate berichtet wird. Gabrielli<br />

et al. und Alimi et al. untersuchten die CaCO 3 -Abscheidung<br />

in reinen Ca(HCO 3 ) 2 -Lösungen, die vorher im<br />

Kreislauf (dynamische Bedingungen) über ein Magnetfeld<br />

mit einer Flussdichte von 0,16 Tesla gefahren wurden<br />

[22–26]. Das Magnetfeld erhöht die Keimbildung und die<br />

homogene Fällungsrate im <strong>Wasser</strong>strom bis zu 40 %,<br />

wobei dann die heterogene CaCO 3 -Abscheidung an den<br />

Rohrinnenwänden verringert wird. Dabei ist dieser Effekt<br />

mit zunehmender Magnetisierungszeit und steigender<br />

Strömungsgeschwindigkeit stärker ausgeprägt. Als Erklärung<br />

wird angenommen, dass Lorenzkräfte einen Einfluss<br />

auf Ionen und <strong>Wasser</strong>moleküle ausüben, sodass sich<br />

das Strömungsprofil des <strong>Wasser</strong>s ändert (magnetohydrodynamische<br />

Effekte). Dies soll dann zu einer schnelleren<br />

Vereinigung der kalkbildenden Ionen und damit zur<br />

erhöhten homogenen CaCO 3 -Fällungsrate führen [22–<br />

24]. Weiterhin soll die Dehydratation von Ionenpaaren<br />

wie z. B. CaCO 3<br />

0 und CaHCO 3<br />

+ durch den Magnetfeldeinfluss<br />

erleichtert werden, wobei es dann zur vermehrten<br />

CaCO 3 -Bildung kommt [25, 26].<br />

Februar 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 205


| FACHBERICHTE<br />

|<br />

<strong>Wasser</strong>versorgung<br />

Weiterhin wird auch von anderen Autoren beschrieben,<br />

dass ein Magnetfeldeinfluss (Flussdichten ≤ 0,5 Tesla)<br />

eine Erhöhung der homogenen CaCO 3 -Keimbildung<br />

und der Kristallisationsrate bewirkt, wobei darauf eine<br />

größere Anzahl kleinerer CaCO 3 -Kristalle abgeschieden<br />

werden [27–31]. Dabei werden auch unter statischen<br />

Bedingungen, d. h. ohne eine Zirkulation der<br />

Lösungen über das Magnetfeld, ähnliche Ergebnisse<br />

beschrieben [27]. Als Erklärung des Magnetfeldeinflusses<br />

werden neben der Beeinflussung von Hydrathüllen<br />

und der fest/flüssig Grenzflächen auch ein verursachter<br />

Protonen transfer der HCO 3- -Spezies auf das <strong>Wasser</strong>molekül<br />

angegeben, wobei es darauf zur verstärkten<br />

CO 3<br />

2- -Bildung kommt [30, 31]. Zusätzlich ergaben<br />

praxis nahe Unter suchungen, die an Wärmeaustauschern<br />

durchgeführt wurden, deutlich geringere Mengen<br />

an Kalkablagerungen, wenn das <strong>Wasser</strong> vorher<br />

über ein Magnetfeld gefahren wurde [32, 33]. Auch<br />

hier wird eine durch das Magnetfeld verursachte<br />

erhöhte homogene Fällungsrate im <strong>Wasser</strong>strom<br />

angenommen, wobei dadurch die Kesselsteinbildung<br />

an den Heizspiralen verringert wird.<br />

Versuchsdurchführungen, bei denen CaCl 2 - und<br />

Na 2 CO 3 -Lösungen vorher gemischt und darauf die Fällung<br />

in einem Magnetfeld (Flussdichte = 0,5 Tesla)<br />

durchgeführt wurde, ergaben sowohl unter dynamischen<br />

als auch unter statischen Bedingungen einen<br />

Anstieg der heterogenen sowie auch der gesamten<br />

CaCO 3 -Fällungsrate [34, 35]. Als Grund hierfür wird<br />

genannt, dass das Magnetfeld direkt auf die Oberflächen<br />

bereits vorhandener CaCO 3 -Partikel einwirkt,<br />

wodurch diese leichter koagulieren und aggregieren<br />

können. In anderen Versuchsdurchführungen dagegen<br />

werden CaCl 2 - und Na 2 CO 3 -Lösungen vorher separat<br />

einem Magnetfeld (Flussdichten ≤ 0,6 Tesla) ausgesetzt<br />

und danach gemischt. Hier ist eine deutliche Reduktion<br />

der CaCO 3 -Keimbildung und der Kristallisationsrate zu<br />

beobachten, wobei dann eine kleinere Anzahl größerer<br />

Kristalle abgeschieden werden [35–38]. Als Erklärung<br />

wird angenommen, dass das Magnetfeld die Hydrathülle<br />

der kalkbildenden Ionen stabilisiert, wobei darauf<br />

die zur Keimbildung erforderliche Dehydratation<br />

erschwert wird. Aufgrund der kleineren Hydratationsentropie<br />

ist der Magnetfeldeinfluss bei den Anionen<br />

(CO 3<br />

2- ) stärker als bei den Kationen (Ca 2+ ) ausgeprägt<br />

[38]. Dabei soll der Magnetisierungseffekt einer separaten<br />

Na 2 CO 3 -Lösung bis zu 120 Stunden anhalten<br />

(„Memoryeffekt“) [36]. Dagegen wird in [34] dargestellt,<br />

dass bei ähnlicher Versuchsdurchführung kein Einfluss<br />

des Magnetfelds auf die CaCO 3 -Keimbildung und die<br />

Fällungsrate besteht.<br />

Tai et al. untersuchten die Calcitabscheidung unter<br />

Einfluss eines Magnetfeldes (Flussdichte = 0,18 Tesla),<br />

das direkt auf eine Calcit-Kristallkeimsuspension einwirkt.<br />

Sie stellten fest, dass in nur leicht übersättigten<br />

Lösungen die Calcitabscheidungsgeschwindigkeit unter<br />

Magnetfeldeinfluss bis um das 10-Fache reduziert<br />

wird [39, 40]. Dagegen ist in [41] aufgeführt, dass Magnetfelder<br />

mit Flussdichten > 10 Tesla notwendig sind,<br />

um eine messbare Verringerung der Abscheidungsgeschwindigkeit<br />

zu erreichen. Weiterhin beschrieben<br />

andere Autoren, dass in carbonathaltigen Lösungen,<br />

welche über Magnetfelder (Flussdichten ≤ 7 Tesla)<br />

gefahren werden, kein signifikanter Einfluss auf die Fällungskinetik<br />

von CaCO 3 besteht [42, 43].<br />

Sebold führte eine quantitative Abschätzung der auf<br />

hydratisierte Ca 2+ - und CO 3<br />

2-<br />

-Ionen wirkenden Kräfte<br />

unter technisch realisierbaren Feldstärken (Flussdichten<br />

≤ 7 Tesla) durch. Dabei wird deutlich, dass die durch das<br />

Magnetfeld verursachten Kräfte (Lorenzkraft und magnetische<br />

Kraft) um etwa fünf Größenordnungen geringer<br />

sind als die den Vorgang der Ionenbewegung dominierenden<br />

Kräfte (Coulomb-Kraft und hydrodynamischer<br />

Widerstand). Einer Separation von Ionen<br />

aufgrund unterschiedlicher Bewegungsrichtungen und<br />

Geschwindigkeiten stehen zusätzlich thermodynamische<br />

Hindernisse entgegen. Weiterhin ist das durch ein<br />

Magnetfeld erzeugte Drehmoment der äußeren Hydratschale<br />

eines zweiwertigen Ions etwa 10 8 -mal kleiner als<br />

das Drehmoment, dass durch das elektrische Feld des<br />

Ions verursacht wird [44]. Ein Magnetfeldeinfluss auf die<br />

Hydrathülle der Ionen kann demnach ausgeschlossen<br />

werden. Von magnetisierten Lösungen und einem<br />

„Memoryeffekt“ zu sprechen, erscheint daher äußerst<br />

zweifelhaft. Die Differenzen in der oben aufgeführten<br />

Literatur sind darum nur schwer zu erklären. Selbst nur<br />

kleine Differenzen in den Fällungsbedingungen, wie<br />

z. B. die Anwesenheit von Verunreinigungen, könnten<br />

bei den zu vergleichenden Untersuchungen daher<br />

grundlegende Änderungen der Resultate bedeuten.<br />

2.3 Änderung der CaCO 3 -Kristallmodifikation<br />

Kalkablagerungen bestehen meistens aus den zwei<br />

wichtigsten CaCO 3 -Modifikationen Calcit (trigonal) und<br />

Aragonit (orthorhombisch). Dabei ist unter normalen<br />

Temperatur- und Duckverhältnissen Calcit die thermodynamisch<br />

stabilste Phase, während Aragonit vorzugsweise<br />

bei höheren Temperaturen gebildet wird [45].<br />

Eine bekannte Aussage ist, dass Kalkrückstände von<br />

magnetisch behandeltem <strong>Wasser</strong> aus Aragonit bestehen,<br />

die eine weichere Konsistenz besitzen und leichter<br />

zu entfernen sind als harte und fest haftende Calcitabscheidungen.<br />

Kobe et al. untersuchen die CaCO 3 -Abscheidungen in<br />

reinen Ca(HCO 3 ) 2 -Lösungen, welche vorher über ein<br />

Magnetfeld (Flussdichten ≤ 1,3 Tesla) strömten. Sie<br />

beobachteten, dass unter Magnetfeldeinfluss bis zu<br />

90 % mehr Aragonit als Calcit gebildet wird. Als Erklärung<br />

werden magnetohydrodynamische Effekte angenommen.<br />

Die Energie des magnetischen Feldes wird auf<br />

die rotierenden <strong>Wasser</strong>moleküle übertragen, wodurch<br />

sich vor allem bei Resonanz die Frequenz des Strö-<br />

Februar 2014<br />

206 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


<strong>Wasser</strong>versorgung | FACHBERICHTE |<br />

mungsprofils ändert. Dieser Energietransfer führt zu<br />

einer Erhöhung des thermodynamischen Potenzials an<br />

der fest/flüssig Grenzfläche, wodurch hauptsächlich das<br />

energetisch ungünstigere Aragonit gebildet wird [46–<br />

48]. Auch in [43] wird beschrieben, dass unter Magnetfeldeinfluss<br />

eine verstärkte Aragonitbildung erfolgt,<br />

wobei die abgeschiedene Menge dem Produkt aus<br />

Induktion und Magnetisierungszeit proportional ist.<br />

Chang et al. und Tai et al. beobachteten, dass in<br />

einem Gemisch aus zirkulierenden CaCl 2 - und Na 2 CO 3 -<br />

Lösungen unter Magnetfeldeinfluss (Flussdichte =<br />

0,18 Tesla) die Wachstumsrate von Aragonit bis zu 50 %<br />

ansteigt, während die Geschwindigkeit der Calcitbildung<br />

deutlich verringert wird. Dabei sollen Lorenzkräfte<br />

geladene calcitartige Cluster in langlebige aragonitartige<br />

Cluster transformieren, wobei dadurch eine vermehrte<br />

Aragonitbildung erfolgt [49, 50]. Theoretische<br />

Bedingungen für diesen Prozess sind dann eine Mindestströmungsgeschwindigkeit<br />

von 0.1 m/s und ein Induktionsgradient<br />

von 100 Tesla/m [51]. Untersuchungen an<br />

verschiedenen Leitungswässern, die unter dynamischen<br />

Bedingungen einem Magnetfeld ausgesetzt und<br />

darauf auf 80 °C erhitzt wurden, ergaben ebenfalls eine<br />

erhöhte Aragonitbildung [52, 53].<br />

Dagegen wird in [54] und [55] beschrieben, dass in<br />

strömenden carbonathaltigen Lösungen unter Magnetfeldeinfluss<br />

(Flussdichte = 0,2 Tesla) eine verstärkte Calcit-Bildung<br />

auftritt, wobei größere Kristalle abgeschieden<br />

werden. Sebold [42], Lipus [56] und Gryta [57] konnten<br />

keine Beeinflussung der Kristallmodifikation<br />

feststellen, berichten aber über eine Veränderung der<br />

Kristallgröße. Praxisnahe Untersuchungen, die an Boilern<br />

durchgeführt worden sind, ergaben ebenfalls keine<br />

Auswirkungen eines Magnetfeldes auf eine Veränderung<br />

der Kristallmodifikation [4].<br />

Aufgrund dieser unterschiedlichen Resultate sind<br />

daher keine eindeutigen Aussagen zu erkennen, in welchem<br />

Maße ein Magnetfeldeinfluss eine Auswirkung<br />

auf die gebildete Kristallmodifikation ausübt. Vor allem<br />

unterschiedliche Versuchsbedingungen, wie Temperaturdifferenzen<br />

und die Anwesenheit von Fremdionen<br />

wie Mg 2+ , können zu einer verstärkten Aragonitbildung<br />

führen [45, 59].<br />

2.4 Beeinflussung der CaCO 3 -Partikelkoagulation<br />

Calciumcarbonatpartikel besitzen im wässrigen<br />

Medium hydratisierte und elektrisch geladene Oberflächen.<br />

In der Nähe dieser geladenen Oberflächen orientieren<br />

sich <strong>Wasser</strong>moleküle entsprechend ihrer Dipolladung<br />

und bilden somit eine elektrische Doppelschicht.<br />

Die Oberflächenladung (Zeta-Potenzial) ist dabei stark<br />

vom pH-Wert der Lösung abhängig. Der pH-Wert, bei<br />

dem die Oberflächenladung einer Calcitoberfläche Null<br />

wird, beträgt ungefähr 8,3. Bei kleineren pH-Werten ist<br />

das Zeta-Potenzial positiv, bei größeren pH-Werten ist<br />

es negativ. Durch Neutralisation der Oberflächenladungen<br />

können die CaCO 3 -Partikel leichter zu größeren<br />

Partikeln koagulieren bzw. agglomerieren [59]. Ein weiterer<br />

Aspekt der magnetischen <strong>Wasser</strong>behandlung ist,<br />

dass magnetische Felder diese Agglomeration fördern<br />

können. Durch eine verstärkte Agglomeration und<br />

damit größere mittlere Partikeldurchmesser kann es an<br />

Stellen, an denen das <strong>Wasser</strong> ruht oder nur langsam<br />

strömt, zu einer Sedimentation der Partikel und damit<br />

zu einer verstärkten Bildung von Kalkschlamm kommen.<br />

Eine solche vermehrte Rückhaltung von Calciumcarbonat<br />

kann dann zu einer Verringerung der Kalkablagerung<br />

in nachfolgenden wasserführenden Systemen<br />

und Anlagen führen.<br />

In der Literatur finden sich einige Hinweise zum Einfluss<br />

von magnetischen Felder auf das Zeta-Potenzial<br />

und die Agglomeration von CaCO 3 -Partikeln. Holysz et<br />

al. und Chibowski et al. beschreiben eine zeitliche Veränderung<br />

des Zeta-Potenzials von Calciumcarbonatpartikeln<br />

die aus einer Mischung aus CaCl 2 - und Na 2 CO 3 -<br />

Lösungen abgeschieden wurden. Dabei wurden die<br />

separaten Lösungen vorher unter dynamischen Bedingungen<br />

einem Magnetfeld (Flussdichten ≤ 0,5 Tesla)<br />

ausgesetzt. Die Veränderungen des Zeta-Potenzials sind<br />

dabei vom Ca 2+ /CO<br />

2- 3 -Konzentrationsverhältnis, der<br />

Anwesenheit von Fremdionen sowie der Magnetisierungszeit<br />

der Lösungen abhängig [60–62]. Praxisnahe<br />

Untersuchungen der in einem Wärmeaustauscher abgeschiedenen<br />

Kalkpartikel ergaben eine Reduktion des<br />

Zeta-Potenzials um 16 %, wenn die carbonathaltige<br />

Lösung vorher über ein Magnetfeld (Flussdichte =<br />

0,7 Tesla) gefahren wurde [63]. Dagegen konnten<br />

Strazisar et al. in reinen Ca(HCO 3 ) 2 -Lösungen weder<br />

unter dynamischen noch unter statischen Bedingungen<br />

einen Magnetfeldeinfluss auf das Zeta-Potenzial der<br />

gefällten Calciumcarbonatpartikel feststellen [64].<br />

Des Weiteren wird beschrieben, dass unter Magnetfeldeinfluss<br />

(Flussdichten ≤ 1 Tesla) eine erhöhte Agglomeration<br />

von CaCO 3 -Partikeln eintreten kann. Dabei<br />

sollen Lorenzkräfte den Transport von Ionen und geladenen<br />

kleineren Partikeln zur elektrischen Doppelschicht<br />

erhöhen (magnetohydrodynamische Effekte),<br />

wobei dann eine Ladungsneutralisation und somit eine<br />

erhöhte Koagulation eintritt [35, 65]. Dagegen ist in [66]<br />

aufgeführt, dass unter Magnetfeldeinfluss die Partikelgröße<br />

verringert wird, wobei die damit vergrößerte Partikeloberfläche<br />

die heterogene CaCO 3 -Keimbildungsrate<br />

erhöht. Voraussetzung hierfür sind turbulente<br />

Strömungsverhältnisse. Knez und Pohar hingegen<br />

beobachteten, dass ein Magnetfeld (Flussdichte =<br />

1,1 Tesla) keine Auswirkungen auf das Zeta-Potenzial<br />

und die Partikelgröße von gefälltem CaCO 3 ausübt [43].<br />

Sebold führte Berechnungen durch, in welchem<br />

Maße ein Magnetfeld die Agglomeration von CaCO 3 -<br />

Partikeln beeinflussen kann. Er kam zu dem Ergebnis,<br />

dass magnetische Flussdichten von ungefähr 500 Tesla<br />

notwendig sind, damit eine Agglomeration von diama-<br />

Februar 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 207


| FACHBERICHTE<br />

|<br />

<strong>Wasser</strong>versorgung<br />

gnetischen Partikeln (mit einem Radius von 30 µm) einsetzt<br />

[44]. Unter realen Bedingungen sind solche hohen<br />

Flussdichten kaum realisierbar. Daher sind die unterschiedlichen<br />

Ergebnisse in der oben beschriebenen<br />

Literatur vermutlich wiederum durch Differenzen in den<br />

Fällungsbedingungen zu suchen. Vor allem nur kleine<br />

Differenzen des pH-Werts und der Fremdionenkonzentration<br />

können zu großen Veränderungen des Zeta-<br />

Potenzials der Calciumcarbonatpartikel führen [59].<br />

Tabelle 1. <strong>Wasser</strong>chemische Parameter der synthe tischen<br />

Wässer.<br />

Parameter Einheit <strong>Wasser</strong> 1 <strong>Wasser</strong> 2<br />

Temperatur °C 25 ± 1 25 ± 1<br />

κ µS/cm 1475 540<br />

Härte dH o 25,0 16,7<br />

pH Wert 8,3 7,5<br />

Ca 2+ mM 4,0 3,0<br />

Na mM 8,0 0,0<br />

HCO 3<br />

- mM 8,0 6,0<br />

Cl - mM 8,0 0,0<br />

Sättigungsindex-<br />

Calcit<br />

1,63 0,66<br />

2.5 Der Einfluss von Eisenverunreinigungen<br />

In der Literatur wird mehrfach die Vermutung geäußert,<br />

dass Eisen(III) in gelöster oder kolloidaler Form bei der<br />

magnetischen <strong>Wasser</strong>behandlung eine Rolle spielt [42,<br />

67, 68]. Die Eisenkontaminationen müssen hierbei nicht<br />

zwangsläufig aus Prozessen stammen, die selbst auf<br />

den Einfluss von Magnetfeldern zurückgehen, sondern<br />

können auch durch Korrosion von eisenhaltigen Einbauten<br />

und Installationen verursacht werden. So<br />

beschreiben Katz et al. sowie Takasaki et al. eine Hemmung<br />

des Calcitwachstums durch Spuren von Eisen(III).<br />

Dabei werden ionische Spezies wie Fe(OH) 2+ oder auch<br />

geladene Eisenhydroxokomplexe wie Fe(H 2 O) 5 OH 2+ an<br />

vorhandene Kristallkeimdefekte adsorbiert, wodurch<br />

weiteres CaCO 3 -Kristallwachstum gehemmt wird. Die<br />

Inhibition ist mit zunehmender Eisen(III)-Konzentration<br />

und abnehmender Calcitsättigung der Lösungen stärker<br />

ausgeprägt [69–72]. Dabei hat ein Magnetfeld auch<br />

bei Anwesenheit von Eisen(III) keinen signifikanten<br />

Effekt auf die CaCO 3 -Abscheidungsgeschwindigkeit<br />

[42, 44].<br />

Weiterhin wird beschrieben, dass in nur leicht übersättigten<br />

carbonathaltigen Lösungen vorhandene<br />

Fe(OH) 3 und FeOOH-Partikel die heterogene CaCO 3 -<br />

Keimbildung verstärken können, sodass dadurch die<br />

CaCO 3 -Fällungsrate erhöht wird [68, 71, 72]. Dabei katalysieren<br />

die Grenzflächen der kolloidalen und polymeren<br />

Partikel den Keimbildungsprozess. Sebold et al.<br />

beschreiben eine erhöhte Geschwindigkeit der Agglomeration<br />

von CaCO 3 -Primärkristallen durch Anwesenheit<br />

geringer Spuren von Eisen(III). Ein Magnetfeldeinfluss<br />

auf die Agglomeratbildung und den mittleren<br />

Partikel durchmesser konnte dagegen nicht festgestellt<br />

werden [42, 44].<br />

Kendall und Kosseva [73] untersuchten die Partikelbildung<br />

von Eisenoxidhydraten im Magnetfeld (Flussdichte<br />

= 1,4 Tesla). Sie beobachteten eine beschleunigte<br />

Agglomeration der FeOOH-Aggregate und damit eine<br />

Zunahme der Partikelgröße. Weiterhin beschreiben<br />

Wang et al. [74], dass die Koagulationsrate einer Hematitsuspension<br />

(Fe 2 O 3 ) in einem Magnetfeld (Flussdichte<br />

= 2 Tesla) bis zu 25 % ansteigt. Dabei ist der Effekt stark<br />

vom pH-Wert und der Flussdichte des Magnetfeldes<br />

abhängig. Da die Suszeptibilitäten paramagnetischer<br />

Eisen(III)-Oxide und -Oxidhydrate wesentlich größer<br />

sind als die des diamagnetischen CaCO 3 , könnte bei<br />

Anwesenheit von Eisen(III) durchaus ein Magnetfeldeinfluss<br />

auf die Kalkabscheidung bestehen. Das Magnetfeld<br />

erhöht die Koagulationsrate der im <strong>Wasser</strong> vorliegenden<br />

festen Eisen(III)-Partikel, sodass darauf die<br />

hetero gene CaCO 3 -Keimbildung sowie die Agglomeratbildung<br />

der Kalkpartikel beeinflusst werden könnte. Da<br />

Industrie- und Leitungswässer von Natur aus gelöstes<br />

Eisen in geringen Konzentrationen enthalten, könnte<br />

auch hier ein Einfluss eines Magnetfeldes auf die Kesselsteinbildung<br />

bestehen, ohne dass Korrosionsprozesse<br />

dafür verantwortlich sind.<br />

3. Experimente zu Auswirkungen eines<br />

Magnet feldes auf die CaCO 3 -Fällungskinetik<br />

unter Eisen(III)-Einfluss<br />

3.1 Das System Magnetfeld / Glas / <strong>Wasser</strong> +<br />

Eisen(III)<br />

Im Folgenden sollen die Auswirkungen eines Magnetfelds<br />

auf die CaCO 3 -Fällungskinetik in einem eisenhaltigen<br />

<strong>Wasser</strong> untersucht werden. Durch Mischen äquimolarer<br />

Mengen von CaCl 2 - (8 mM) und NaHCO 3 -Lösungen<br />

(16 mM) wurde das synthetische <strong>Wasser</strong> 1 mit den in<br />

Tabelle 1 aufgeführten wasserchemischen Parametern<br />

hergestellt. Darauf wurden 500 mL des bezüglich Calcit<br />

übersättigten <strong>Wasser</strong>s in ein Becherglas eingefüllt. Die<br />

unter statischen Bedingungen auftretende CaCO 3 -<br />

Abscheidung wurde durch Messung der elektrischen<br />

Leitfähigkeit κ in Abhängigkeit von der Zeit verfolgt<br />

(Referenzsystem). Da κ der Ionenkonzentration der kalkbildenden<br />

Ionen Ca 2+ und CO 3<br />

2- proportional ist, eignet<br />

sich die Messung der elektrischen Leitfähigkeit κ gut zur<br />

Bestimmung der CaCO 3 -Abscheidungsgeschwindigkeit<br />

[75]. In einem zweiten Versuch wurde ein NdFeB-Magnet<br />

(Länge 5 cm, Breite 3 cm, Dicke 1 cm) mit einer Flussdichte<br />

von 1,2 Tesla unter dem Becherglas angebracht<br />

und wiederum die elektrische Leitfähigkeit κ in Abhängigkeit<br />

von der Zeit gemessen. Anschließend wurde der<br />

Einfluss einer geringen Konzentration von Eisen(III) auf<br />

die Kalkabscheidung untersucht. Hierzu wurde 1 mL<br />

Februar 2014<br />

208 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


<strong>Wasser</strong>versorgung | FACHBERICHTE |<br />

einer 0,1 M FeCL 3 -Lösung zu dem <strong>Wasser</strong> gegeben,<br />

sodass eine Fe 3+ -Konzentration von 0,05 mM bzw.<br />

2,8 mg/L vorlag. Die auftretende CaCO 3 -Bildung wurde<br />

wiederum durch Messungen von κ in Abhängigkeit von<br />

der Zeit verfolgt; ein Mal ohne das Magnetfeld (Referenzsystem)<br />

und ein weiteres mal mit Magnetfeld. Um<br />

die Reproduzierbarkeit der Daten zu gewährleisten,<br />

wurden die vier Versuchsreihen ein zweites Mal durchgeführt.<br />

Dabei zeigen die Ergebnisse keine signifikanten<br />

Abweichungen zu den ersten Versuchen.<br />

Bild 1 zeigt die zeitlichen Änderungen der elektrischen<br />

Leitfähigkeit κ bzw. die damit verbundene Konzentrationsverringerung<br />

der kalkbildenden Ionen. Es ist<br />

zu erkennen, dass die CaCO 3 -Abscheidungsgeschwindigkeit<br />

unter Eisen(III)-Einfluss deutlich geringer ist als<br />

im Referenzsystem. Aufgrund der etwas größeren<br />

Induktionszeit ist auch die CaCO 3 -Keimbildung etwas<br />

schwächer ausgeprägt. Ursache ist die oben beschriebene<br />

hemmende Wirkung des CaCO 3 -Kristallwachstums<br />

durch Spuren von Eisen(III) [69–72]. Weiterhin ist dargestellt,<br />

dass die CaCO 3 -Abscheidungsgeschwindigkeiten<br />

und die Keimbildung unter Magnetfeldeinfluss keine<br />

signifikanten Unterschiede zu den Referenzsystemen<br />

aufweisen. Das heißt auch unter Anwesenheit von<br />

Eisen(III) hat das Magnetfeld, jedenfalls unter statischen<br />

Bedingungen, keinen Einfluss auf die CaCO 3 -Fällungskinetik.<br />

3.2 Das System Magnetfeld / Eisen / <strong>Wasser</strong><br />

Nach den negativen Ergebnissen bezüglich eines Magnetfeldeinflusses<br />

auf die Kalkabscheidung aus eisenhaltigen<br />

Lösungen stellt sich die Frage, ob ein Magnetfeld<br />

die Eisenkorrosion beeinflusst, sodass die Eisenabgaberate<br />

an das <strong>Wasser</strong> verändert wird. Durch Einleiten von<br />

Kohlendioxid in eine wässrige CaCO 3 -Suspension wurde<br />

das synthetische <strong>Wasser</strong> 2 mit den in Tabelle 1 aufgeführten<br />

Parametern hergestellt. In Bild 2 ist der schematische<br />

Versuchsaufbau dargestellt. In das Becherglas<br />

wurden 500 mL des <strong>Wasser</strong>s eingefüllt und danach mithilfe<br />

eines Magnetrührers kontinuierlich gerührt<br />

(700 U/ min). Dabei wird durch den Rührvorgang (dynamische<br />

Bedingungen) vorhandenes CO 2 ausgegast,<br />

wobei sich die Calcitsättigung erhöht. Nach einer gewissen<br />

Zeit (Induktionszeit) wird dann CaCO 3 abgeschieden<br />

[71, 72]. Die resultierende Konzentrationsverringerung<br />

der kalkbildenden Ionen wurde dann erneut durch Messungen<br />

der elektrischen Leitfähigkeit κ in Abhängigkeit<br />

von der Zeit verfolgt (Referenzsystem). Anschließend<br />

wurde ein S-235-Stahlblech (Länge 15 cm, Breite 3 cm,<br />

Dicke 0,5 cm) genau 5 cm tief in das <strong>Wasser</strong> eingetaucht,<br />

und unter kontinuierlichem Rühren wiederum die zeitlichen<br />

Verringerungen von κ gemessen. In einem weiteren<br />

Versuch wurde 2 cm oberhalb der <strong>Wasser</strong>oberfläche<br />

ein NdFeB-Magnet (Länge 5 cm, Breite 3 cm, Dicke 1 cm)<br />

mit einer Flussdichte von 1,2 Tesla an ein zweites und<br />

identisches Stahlblech geheftet (Bild 2). Die zeitliche<br />

Bild 1. Zeitliche Änderung der elektrischen Leitfähigkeit κ des<br />

<strong>Wasser</strong>s 1 in dem System Magnetfeld / Glas / <strong>Wasser</strong> + Eisen(III).<br />

(1)<br />

(4)<br />

(5)<br />

(2)<br />

Bild 2. Der schematische Versuchsaufbau des Systems Magnetfeld /<br />

Eisen / <strong>Wasser</strong>. (1) Becherglas, (2) <strong>Wasser</strong> 2, (3) Magnetrührer, (4)<br />

Leitfähigkeitsmesszelle, (5) Stahlblech, (6) NdFeB-Magnet.<br />

Bild 3. Zeitliche Änderung der elektrischen Leitfähigkeit κ des<br />

<strong>Wasser</strong>s 2 in dem System Magnetfeld / Eisen / <strong>Wasser</strong>.<br />

(3)<br />

(6)<br />

Februar 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 209


| FACHBERICHTE<br />

|<br />

<strong>Wasser</strong>versorgung<br />

Änderung der CaCO 3 -Bildung wurde dann wie oben<br />

beschrieben verfolgt. Nach 300 min wurden die mittlerweile<br />

korrodierten Bleche aus dem <strong>Wasser</strong> entfernt, bei<br />

60 °C getrocknet und photografiert. Die Reproduzierbarkeit<br />

der Messwerte konnte anhand von drei wei teren<br />

und identischen Versuchsreihen bestätigt werden.<br />

In Bild 3 sind die zeitlichen Abhängigkeiten von κ für<br />

die drei Versuchsreihen dargestellt. Es ist deutlich zu<br />

erkennen, dass die CaCO 3 -Abscheidungsgeschwindigkeit<br />

bei eingetauchtem Stahlblech wesentlich geringer<br />

ist als beim Referenzsystem. Durch die fortschreitende<br />

Korrosion des Stahlblechs wird Eisen(III) in das <strong>Wasser</strong><br />

eingetragen. Dieses führt zur Hemmung des CaCO 3 -<br />

Kristallwachstums und führt somit zu einer verringerten<br />

CaCO 3 -Abscheidungsgeschwindigkeit. Dabei ist die<br />

Induktionszeit (150 min) wesentlich größer als beim<br />

Referenzsystems (40 min), wobei somit die Keimbildungsrate<br />

durch Anwesenheit von Eisen(III) verringert<br />

wird. Weiterhin ist zu erkennen, dass das <strong>Wasser</strong> mit<br />

magnetisiertem Stahlblech eine deutlich erhöhte<br />

CaCO 3 -Abscheidungsgeschwindigkeit und eine kleinere<br />

Induktionszeit (80 min) aufweist als das <strong>Wasser</strong> mit dem<br />

unmagnetisierten Stahlblech.<br />

Ursache für die Unterschiede in der CaCO 3 -Fällungskinetik<br />

sind in dem Korrosionsverhalten des Stahlblechs<br />

unter Magnetfeldeinfluss zu suchen. Wird ein ferromagnetischer<br />

Körper einem homogenen Magnetfeld ausgesetzt,<br />

so wird dieser aufmagnetisiert und erzeugt seinerseits<br />

ein im Allgemeinen inhomogenes Magnetfeld.<br />

Magnetfelder wirken auf Korrosionsprozesse vor allem<br />

durch ihren Einfluss auf den Transport von Ionen im<br />

Elektrolyten vor der Metalloberfläche. In einem homogenen<br />

Magnetfeld bewirkt die Lorenzkraft eine Konvektion<br />

des Elektrolyten und damit eine Erhöhung der<br />

Metallauflösung. In einem inhomogenem Magnetfeld<br />

dagegen führt vor allem die magnetische Feldgradientenkraft<br />

zu einer Akkumulation paramagnetischer Ionen<br />

und damit zu einer Verringerung der Metallauflösung<br />

[76–78]. Dabei ist der Effekt einer verringerten Eisenauflösung<br />

bei einer magnetischen Flussdichte von etwa<br />

1 Tesla am stärksten ausgeprägt [79]. Das in dem Stahlblech<br />

erzeugte inhomogene Magnetfeld verursacht<br />

somit eine Verringerung der Eisenauflösung, wobei<br />

damit auch die Fe(III)-Konzentration im <strong>Wasser</strong> reduziert<br />

wird. Da die Hemmung des CaCO 3 -Kristallwachstums<br />

mit zunehmender Fe(III)-Konzentration stärker ausgeprägt<br />

ist [69–72], führen geringere Fe(III)-Konzentrationen<br />

wiederum zu einer beschleunigten CaCO 3 -Abscheidung<br />

(Bild 3). Dieses Ergebnis wird auch durch Bild 4<br />

gedeckt, in dem zu erkennen ist, dass die Korrosion auf<br />

dem magnetisierten Stahlblech nicht so weit fortgeschritten<br />

ist, wie auf dem unmagnetisiertem Stahlblech.<br />

Wird nun ein Permanent- oder Elektromagnet außerhalb<br />

eines wasserführenden und korrodierenden Eisenoder<br />

Stahlrohrs installiert, so führt die magnetische<br />

Feldgradientenkraft zu einer lokalen Reduktion der Korrosionsrate<br />

und somit zu einer verringerten Eisen(III)-<br />

abgabe an das <strong>Wasser</strong>. Die Folge wäre dann eine vermehrte<br />

CaCO 3 -Kristallkeimbildung bzw. eine vergrößerte<br />

Bildung von CaCO 3 -Mikrokristallen, sodass dann<br />

eine etwas erhöhte Kalkausfällung im <strong>Wasser</strong>körper und<br />

nicht auf den Oberflächen der wasserführenden Rohrsysteme<br />

und Anlagen stattfinden könnte.<br />

Bild 4. Korrosion des unmagnetisierten Stahlblechs<br />

(oberer Teil) im Vergleich mit dem magnetisierten<br />

Stahlblech (unterer Teil) nach einer Versuchsdauer<br />

von 300 min.<br />

4. Fazit und Ausblick<br />

In den vorhergehenden Abschnitten wurde neue<br />

wissenschaftliche Literatur auf Hinweise zu einem Wirkungsmechanismus<br />

von magnetischen Feldern auf die<br />

Kesselsteinbildung herangezogen. Dabei zeigen die<br />

Ergebnisse erhebliche Differenzen bezüglich eines Einflusses<br />

von Magnetfeldern auf die CaCO 3 -Fällungskinetik,<br />

die gebildete CaCO 3 -Modifikation sowie auf<br />

die CaCO 3 -Partikelkoagulation. Als Erklärung der<br />

Resultate werden zum einen magnetohydrodynamische<br />

Phänomene und zum anderen Hydratationseffekte<br />

angegeben. Quantitative Abschätzungen ergaben<br />

jedoch, dass Magnetfelder mit technisch realisierbaren<br />

Flussdichten nicht ausreichen, um einen Einfluss<br />

auf die Bildung und das Wachstum von Calciumcarbonat<br />

ausüben zu können. Die Unterschiede in den<br />

Literatur resultaten sind daher vermutlich in den unterschiedlichen<br />

Versuchsbedingungen, wie der Anwesenheit<br />

von Verunreinigungen, sowie in pH-Wert- und<br />

Temperaturdifferenzen zu suchen. Daher ist ein Einsatz<br />

magnetisch arbeitender <strong>Wasser</strong>behandlungsgeräte<br />

doch sehr fraglich.<br />

Februar 2014<br />

210 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


<strong>Wasser</strong>versorgung | FACHBERICHTE |<br />

Als einzige plausible Erklärung eines realistischen<br />

Wirkungsmechanismus erscheint die Anwesenheit<br />

von Eisenverunreinigungen, da Spuren von gelöstem<br />

Eisen(III) sowie Eisenoxidhydratpartikel die CaCO 3 -<br />

Fällungskinetik erheblich beeinflussen. Dabei führen<br />

die gelösten Eisen(III)-Spezies zu einer Hemmung des<br />

CaCO 3 -Kristallwachstums, während die Eisenoxidhydratpartikel<br />

die heterogene CaCO 3 -Keimbildung fördern<br />

können. Da ein Magnetfeld die Koagulation fester und<br />

paramagnetischer Eisen(III)-Partikel erhöht, könnte<br />

auch die CaCO 3 -Kristallkeimildung unter Magnetfeldeinfluss<br />

beeinflusst werden. Hierzu sollten entsprechende<br />

Forschungsarbeiten durchgeführt werden. Die<br />

Eisenverunreinigungen müssen nicht unbedingt aus<br />

der Korrosion von eisenhaltigen Geräteeinbauten und<br />

Installationen stammen, sondern können auch indirekt<br />

durch das Magnetfeld verändert werden. Ein Magnetfeld<br />

reduziert die lokale Korrosionsrate von Eisen- und<br />

Stahlrohren, wobei dadurch die Abgabe gelöster und<br />

wachstumshemmender Eisen(III)-Spezies an das <strong>Wasser</strong><br />

verringert wird. Die Folge wäre dann eine verstärkte Bildung<br />

von CaCO 3 -Kristallkeimen und damit eine etwas<br />

erhöhte Kalkausfällung im <strong>Wasser</strong>körper. Da auch<br />

Kupfer(II) das CaCO 3 -Kristallwachstum hemmt [80],<br />

könnten auch hier die gleichen Effekte auftreten, da<br />

auch die Korrosion von Kupferrohren durch ein Magnetfeld<br />

beeinflusst wird [81].<br />

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<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 211


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212 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


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Autor<br />

Eingereicht: 10.11.2013<br />

Korrektur: 21.01.2014<br />

Dr. rer. nat. Kai Zeppenfeld<br />

E-Mail: drkaizepp@t-online.de |<br />

Schottlandstraße 4a |<br />

D-59368 Werne<br />

Im Peer-Review-Verfahren begutachtet<br />

Februar 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 213


FACHBERICHTE Regenwasserbewirtschaftung<br />

Nachhaltige Regenwasserbewirtschaftung<br />

im Siedlungsbestand<br />

Teil 2: Kommunale Strategien und aktuelle Steuerungstendenzen<br />

Regenwasserbewirtschaftung, Niederschlagswasserbewirtschaftung, Siedlungsbestand,<br />

Institutionen, Entgeltmodelle, Anschluss- und Benutzungszwang<br />

Stefan Geyler, Norman Bedtke und Erik Gawel<br />

Während bei neu zu nutzenden Siedlungsflächen<br />

zunehmend eine örtliche und stärker dezentralisierte<br />

Regenwasserbewirtschaftung verfolgt wird, stellt sich<br />

die Frage, in welche Richtung die grundstücksbezogene<br />

Niederschlagsbewirtschaftung im Siedlungsbestand<br />

gesteuert wird, dessen Neuausrichtung in<br />

Bezug auf die Entwässerung höhere Anforderungen<br />

stellt. Der Beitrag betrachtet hierzu in Theorie und<br />

Praxis die strategische Ausgestaltung wichtiger kommunaler<br />

Steuerungsinstitutionen der Regenwasserbewirtschaftung<br />

(Anschluss- und Benutzungszwang<br />

sowie Entgeltmodelle). Vor dem Hintergrund eines<br />

mehrdimensionalen Zielsystems wird einerseits die<br />

Frage beantwortet, welche institutionelle Ausgestaltung<br />

sich theoretisch zu einer konsistenten Strategie<br />

einer eher zentralen oder dezentralen Regenwasserbewirtschaftung<br />

verdichten lässt und wie andererseits<br />

die kommunale Praxis derzeit tatsächlich<br />

verfährt. Dazu wird anhand einer empirischen Untersuchung<br />

gezeigt, dass die Gemeinden höchst unterschiedliche<br />

Strategieansätze verfolgen, aber Dezentralisierungsansätze<br />

auch im Siedlungsbestand<br />

durchaus verbreitet sind. Der Beitrag analysiert<br />

zugleich exemplarisch das Zusammenwirken institutioneller<br />

und technologischer Handlungsoptionen<br />

am Beispiel der aktuellen Herausforderungen einer<br />

nachhaltigen Regenwasserbewirtschaftung.<br />

Sustainable Rainwater Management in Existing<br />

Settlements – Part 2: Municipal Strategies and Current<br />

Trends of Governance<br />

While a policy of local and more decentralized rainwater<br />

management is increasingly pursued in newly<br />

developed settlement areas, the question arises as to<br />

which direction property-related rainwater management<br />

is being steered in existing settlements, whose<br />

restructuring places higher demands on drainage.<br />

This paper examines in theory and practice the strategic<br />

design of important municipal institutions for<br />

regulating rainwater management (compulsory connection<br />

and use as well as fee models). Against the<br />

background of a multi-dimensional target system the<br />

following questions are answered: “Which institutional<br />

structure could theoretically be consolidated<br />

into a consistent strategy for a more centralized or<br />

decentralized approach to rainwater management?”<br />

and “What is current local government practice?” On<br />

the basis of an empirical study it is shown that local<br />

governments pursue very different approaches, yet<br />

decentralization approaches are also quite common<br />

in existing settlements. Thus, the paper analyzes the<br />

interaction between institutional and technological<br />

options for action based on the example of the current<br />

challenges facing sustainable rainwater management.<br />

1. Einleitung<br />

Zur Beantwortung der Frage, in welche Richtung<br />

gegenwärtig die Regenwasserbewirtschaftung im<br />

Siedlungsbestand gesteuert wird, wurden im ersten<br />

Teil grundlegende Überlegungen zu Zielen, Institutionen<br />

und strukturellen Optionen einer nachhaltigen<br />

Regenwasserbewirtschaftung vorgetragen [1]. Hierzu<br />

wurde das z. T. konfliktäre Zielsystem kommunaler<br />

Regenwasserbewirtschaftung beschrieben, das neben<br />

den materiellen Zielen Überflutungsschutz, Gewässerschutz<br />

sowie Grundwasserneubildung auch die Refinanzierung,<br />

die Wirtschaftlichkeit sowie die Steuerbarkeit<br />

des Systems umfasst. Zur Umsetzung dieses komplexen<br />

Zielbündels stehen neben zentralen auch<br />

zahlreiche dezentrale Technologien mit unterschiedlichen<br />

Eigenschaften zur Verfügung. Das Austarieren<br />

zwischen zentralen und dezentralen Systemkomponenten<br />

im Rahmen einer nachhaltigen Bewirtschaftung<br />

beschreibt einen konkreten strukturellen Phänotyp<br />

der Bewirtschaftung und bedarf einer abgestimmten<br />

kommunalen Strategie. Diese umfasst sowohl eine<br />

klare, regional angepasste Zielpriorisierung als auch<br />

Februar 2014<br />

214 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Regenwasserbewirtschaftung<br />

FACHBERICHTE<br />

eine zieladäquate Ausprägung wichtiger Steuerungsinstitutionen<br />

in kommunaler Hand, welche die Handlungsmöglichkeiten<br />

und das Verhalten privater Grundstücksbesitzer<br />

steuern. Betrachtet werden hier die<br />

Steuerungswirkungen von Anschluss- und Benutzungszwang<br />

(AuBZ) sowie von Regelungen zum Niederschlagswasserentgelt.<br />

Für diese Analyse ist zunächst die Beziehung zwischen<br />

dem konkreten institutionellen Setting und der<br />

zugrunde liegenden Bewirtschaftungs-Strategie theoretisch<br />

zu klären (2); in einem zweiten Schritt werden<br />

die Ergebnisse einer empirischen Erhebung zu den in<br />

der kommunalen Praxis vorfindlichen Ausgestaltungen<br />

der Steuerungsinstitutionen (3.1) anhand der theoretischen<br />

Überlegungen beurteilt (3.2).<br />

2. Zusammenspiel der Institutionen zur<br />

Zielumsetzung: Theoretische Ableitung<br />

von konsistenten Strategien<br />

Die bisherigen Ausführungen zu Institutionen und<br />

dezentralen Technologien haben gezeigt, dass ein AuBZ<br />

die von den Grundstückseigentümern wählbaren technologischen<br />

Optionen beschränkt, während die Tarifmodelle<br />

über Entgelthöhe und technologiespezifische<br />

Entgelt-Reduktionsmöglichkeiten einerseits das Refinanzierungspotenzial<br />

des Zentralsystems bedingen,<br />

andererseits generelle und technologiespezifische<br />

Anreize zur grundstücksbezogenen Dezentralisierung<br />

bieten. Beide Institutionen beeinflussen sich überdies in<br />

ihrer Wirkung gegenseitig: So beschneidet der AuBZ<br />

zugleich auch die Lenkungswirkung der Entgelthöhe als<br />

Dezentralisierungshebel und letztendlich auch deren<br />

Refinanzierungswirkung. Einige Technologien können<br />

zudem nicht durch den AuBZ selbst verhindert werden,<br />

sondern nur durch niedrige Entgelthöhen bzw. nicht<br />

gewährte Reduktionsmöglichkeiten unberücksichtigt<br />

bleiben (siehe Tabelle 1).<br />

Für eine konzeptionelle Verknüpfung von Zielbündeln<br />

und Ausprägungen der Steuerungsinstitutionen zu<br />

konsistenten Strategien werden für die drei untersuchten<br />

institutionellen Stellschrauben (AuBZ, Entgelthöhe,<br />

Reduktionsmöglichkeiten) jeweils dichotome Ausprägungen<br />

angenommen (z. B. AuBZ: ja oder nein). Hierbei<br />

ergeben sich insgesamt acht grundlegende Kombinationen,<br />

die ebenso viele Bewirtschaftungs-Strategien im<br />

oben genannten Sinne repräsentieren. Einen Überblick<br />

über die so gebildeten grundlegenden Strategien und<br />

deren Wirkungen auf die einzelnen Teilziele bietet<br />

Tabelle 2.<br />

Aus diesen acht Basis-Strategien treten vor allem vier<br />

Strategien hervor, die in besonderer Weise geeignet<br />

sind, bestimmte Teilziele aufzugreifen und entsprechende<br />

strukturelle Entwicklungen zu induzieren<br />

(Bild 1). Jeweils zwei der Strategien können den<br />

Ober kategorien „Dezentralisierungsstrategien“ bzw.<br />

„strukturkonservative Strategien“ zugeordnet werden.<br />

Tabelle 1. Zusammenspiel der Institutionen zur Anreizsetzung gegenüber<br />

dezentralen Optionen der Regenwasserbewirtschaftung.<br />

Relevanz des<br />

AuBZ<br />

Unabhängig<br />

vom AuBZ<br />

Abhängig<br />

vom AuBZ<br />

Wirkung der Entgelthöhe<br />

ohne Reduktionsmöglichkeit<br />

• Vollständige Entsieglung<br />

• Vollständige Versickerung<br />

• Gründach mit Versickerung<br />

des Ablaufs<br />

• Regenwassernutzung mit<br />

Versickerung des Überlaufs<br />

* Wird tlw. auch als vom AuBZ unabhängig eingeschätzt.<br />

Zielsystem<br />

Kommunale Strategie<br />

Struktureller<br />

Phänotyp<br />

Ökologische Nachhaltigkeit<br />

GW-Neubildung<br />

Selektive<br />

Dezentralisierung<br />

insbesondere<br />

Dezentrale<br />

Versickerung<br />

Gewässerschutz<br />

Offensive<br />

Dezentralisierung<br />

Dezentralisierungsstrategien dienen insbesondere dem<br />

Grund wasserschutz bzw. dem Wirtschaftlichkeitsziel<br />

(Bilder 1, 2a, Tabelle 2):<br />

1. Offensive Dezentralisierung: Die Wahrscheinlichkeit<br />

einer Dezentralisierung wird maximiert, wenn erstens<br />

kein AuBZ vorliegt, wenn zweitens über hohe<br />

Entgeltsätze und somit über einen starken Tarifhebel<br />

deutliche Anreize auf die Grundstückseigentümer<br />

wirken und wenn drittens viele Reduktionsmöglichkeiten<br />

im Tarifsystem enthalten sind. Im Ergebnis<br />

sind alle dezentralen Technologieoptionen erlaubt<br />

und werden zudem deutlich honoriert. Diese Strategie<br />

sollte von der Kommune aufgegriffen werden,<br />

sofern z. B. eine kosteneffiziente Systementwicklung<br />

das dominierende Teilziel ist und dieses Ziel hierbei<br />

Wirkung der Entgelthöhe mit<br />

Reduktionsmöglichkeit<br />

• Teilentsieglung<br />

• Gründach mit Kanalanschluss<br />

• Regenwassernutzung mit<br />

Überlauf in Kanal<br />

• Teilversickerung mit Überlauf<br />

in Kanal*<br />

Überflutungsschutz<br />

Wirtschaftlichkeit Refinanzierung Steuerbarkeit<br />

Dezentralisierungsstrategien<br />

Hoher<br />

Dezentralisierungsgrad<br />

Strukturkonservative<br />

Entwicklung<br />

Statischer<br />

Strukturerhalt<br />

Strukturkonservative Strategien<br />

Niedriger<br />

Dezentralisierungsgrad<br />

Grundwasserneubildung Wirtschaftlichkeit Refinanzierung Steuerbarkeit<br />

Bild 1. Wirkung ausgewählter kommunaler Strategien zur Umsetzung<br />

von Zielbündeln.<br />

Februar 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 215


FACHBERICHTE Regenwasserbewirtschaftung<br />

aufgrund der örtlichen Rahmenbedingungen nur<br />

durch stärkere Dezentralisierung erreicht werden<br />

kann. Zugleich wird auch dem Ziel der Grundwasserneubildung<br />

mit entsprochen, da viele der dezentralen<br />

Technologien Regenwasser versickern. Jedoch<br />

werden das höchste Refinanzierungsrisiko sowie<br />

eine langfristig deutliche Verringerung der Steuerungsfähigkeit<br />

des Systems akzeptiert, da die Zahl<br />

der an der Regenwasserentsorgung beteiligten<br />

Akteure zunimmt (Bild 2a).<br />

2. Selektive Dezentralisierung: Soll die Dezentralisierung<br />

nicht nur der Entlastung der zentralen Systeme,<br />

sondern akzentuiert der Niederschlagsversickerung<br />

dienen, dann sollte der AuBZ aufgehoben werden,<br />

über hohe Entgelte wiederum ein starker Tarif hebel<br />

induziert werden, zugleich sollten aber keine<br />

weiteren Reduktionsmöglichkeiten erlaubt sein. Es<br />

werden dann fast ausschließlich Technologien<br />

an gesteuert, die zumindest teilweise Regenwasser<br />

ver sickern. Demgegenüber wird dem Teilziel der<br />

Wirtschaftlichkeit nicht unbedingt entsprochen, die<br />

Eingrenzung des technologischen Optionenraums<br />

verteuert tendenziell eine Dezentralisierungsstrategie.<br />

Zugleich erwachsen auch gewisse Refinanzierungsrisiken.<br />

Bild 2a zeigt, dass bei hohen Entgelten<br />

und fehlendem AuBZ ein deut licher Vermeidungs<br />

anreiz besteht. Die Gesamtwirkung aus<br />

Erlössteigerung, z. B. durch steigende Entgelte, und<br />

mittel- und langfristiger Erlösreduktion aufgrund der<br />

Vermeidungsanreize ist unsicher und bedingt das<br />

Refinanzierungsrisiko. Weiterhin wird auch die<br />

Erreichbarkeit des Teilziels der langfristigen Steuerbarkeit<br />

infrage gestellt.<br />

Priorisiert die Kommune demgegenüber den Erhalt und<br />

die Weiterentwicklung zentraler Systeme, so stehen ins-<br />

Tabelle 2. Strategien der Regenwasserbewirtschaftung – institutionelle Komponenten und Zielerfüllungsbeiträge.<br />

Strategie<br />

Ausprägung der<br />

Institutionen<br />

Effektive Ansteuerung der<br />

Teilziele*<br />

Anmerkungen<br />

Steuerbarkeit<br />

Entgelthöhe<br />

Reduktionsmöglichkeiten<br />

AuBZ Entgeltsystem Erhöhung<br />

GWN<br />

Refinanzierung<br />

Wirtschaftlichkeit<br />

Dezentralisierungsstrategien<br />

Offensive<br />

Dezentralisierung<br />

Selektive<br />

Dezentralisierung<br />

Status-quo-orientierte<br />

Konfliktvermeidung<br />

Anreizarme<br />

Dezentralisierung<br />

hoch viele + – + – Starke Förderung aller dezentralen Technologien<br />

bei Wahlfreiheit der Grundstückseigentümer<br />

hoch wenige + o o o Starke und fokussierte Förderung von Abkopplungs-/Versickerungsmaßnahmen<br />

niedrig wenige o o o o Erlaubnis aller dezentralen Maßnahmen ohne<br />

jegliche Honorierung und Anreizsetzung<br />

niedrig viele o o o o Erlaubnis aller dezentralen Maßnahmen und Setzen<br />

von wirkungslosen Anreizen: Fehlen des Tarifhebels<br />

Strukturkonservativer<br />

Ausbau mit Dezentralisierungsoption<br />

X hoch viele o o o o Maximale Dezentralisierungsanreize unter den<br />

strukturkonservativen Grundbedingungen des<br />

AuBZ<br />

Strukturkonservative Strategien<br />

Strukturkonservativer<br />

Systemausbau<br />

Statischer Strukturund<br />

Steuerungserhalt<br />

Wirkungsminimierende<br />

Kompromissstrategie<br />

X hoch wenige o + + + Weitgehende Hemmung von Dezentralisierung,<br />

jedoch starke Förderung von Entsiegelungsmaßnahmen;<br />

zugleich hohe flächenspezifische Erlöse<br />

bei eher geringem Vermeidungsanreiz<br />

X niedrig wenige – + + + Hemmung/Hinderung jeglicher Dezentralisierungsmaßnahmen<br />

und Wegnahme jeglicher Dezentralisierungsanreize;<br />

hierdurch Maximierung der Gebührenbasis<br />

(= an das System angeschlossene Fläche) bei<br />

niedrigen flächenspezifischen Erlösen<br />

X niedrig viele o o o o Setzen von wirkungslosen Anreizen für die Dezentralisierung<br />

unter den strukturkonservativen Grundbedingungen<br />

des AuBZ: Fehlen des Tarifhebels<br />

* Die Teilziele Überflutungsschutz und Gewässerschutz tauchen nicht explizit auf, da sie annahmegemäß sowohl von zentralen als auch von<br />

dezentralen Optionen erreicht werden, so dass sich dann „nur“ die formelle Zielabwägung bzgl. der wirtschaftlichsten Kombination stellt<br />

sowie bzgl. der anderen Ziele.<br />

Februar 2014<br />

216 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Regenwasserbewirtschaftung<br />

FACHBERICHTE<br />

besondere wirtschaftliche, finanzielle Teilziele bzw.<br />

Steuerungsaspekte hinter der strategischen Entscheidung<br />

(Bilder 1, 2b, Tabelle 2):<br />

3. Strukturkonservativer Systemausbau: Für eine Weiterentwicklung<br />

des bestehenden zentralen Systems,<br />

d. h. für eine Sicherung seiner Refinanzierung trotz<br />

vergleichsweise hoher Entgelte, müssen der AuBZ<br />

aufrechterhalten und durch Verzicht auf Entgeltreduzierungen<br />

die wirtschaftliche Attraktivität alternativer<br />

Technologieoptionen minimiert werden. Diese Strategie<br />

kann sich aus Wirtschaftlichkeitsgründen anbieten,<br />

wenn eine Weiterentwicklung des zentralen Systems<br />

trotz der hohen Entgelte noch kosten effizienter<br />

als eine Dezentralisierung ausfällt. Eine Dezentralisierung<br />

lässt sich allerdings hierdurch nicht ganz ausschließen,<br />

denn selbst unter diesen Restriktionen wird<br />

durch die Entgelthöhe noch die Entsiegelung von<br />

Flächen honoriert. Insofern induzieren Entgeltsteigerungen<br />

auch unter diesen Rahmenbedingungen<br />

nicht nur eine Erlösverbesserung, sondern zugleich<br />

auch Vermeidungsreaktionen durch Entsiegelung<br />

(Bild 2b). Allerdings fallen die Vermeidungsanreize<br />

und somit letztendlich auch das Refinanzierungsrisiko<br />

geringer aus als bei der „selektiven Dezentralisierung“.<br />

Insofern setzt die Strategie weitgehend das Teilziel<br />

der Refinanzierung um. Zugleich korrespondiert die<br />

Strategie gut mit dem Ziel der Steuerbarkeit, denn<br />

die Verantwortung für das Gesamtsystem verbleibt<br />

weitestgehend in der Hand der Kommune.<br />

4. Statischer Struktur- und Steuerungserhalt: Sollen demgegenüber<br />

das zentrale System so weit wie möglich<br />

erhalten bleiben sowie die Kosten auf eine möglichst<br />

große Bemessungsfläche aufgeteilt werden bzw. soll<br />

die Verantwortung und somit die Steuerbarkeit für<br />

das Gesamtsystem möglichst ungeteilt in öffentlicher<br />

Hand bleiben, dann bietet sich die Strategie des<br />

„statischen Strukturerhaltes“ an. Die institutionelle<br />

Kombination aus AuBZ, niedrigen Entgelten und<br />

fehlenden Reduktionsmöglichkeiten verringert die<br />

Dezentralisierungsoptionen und minimiert den<br />

Dezentralisierungsanreiz (Bild 2b). Die Steuerbarkeit<br />

durch die öffentliche Hand ist daher langfristig<br />

gewährleistet. Das Refinanzierungsrisiko ist gering,<br />

jedoch fällt zugleich auch der Erlös je Fläche niedrig<br />

aus, wobei dies eine kostendeckende Refinanzierung<br />

des Systems nicht ausschließen muss. Ohne<br />

Berücksichtigung bleibt bei dieser Strategie das Teilziel<br />

der Grundwasserneubildung.<br />

Die restlichen verbleibenden vier Strategien aus<br />

Tabelle 2 weisen deutliche Inkonsistenzen in Bezug auf<br />

die Steuerungssignale auf. So werden z. B. Dezentralisierungsoptionen<br />

erlaubt (fehlender AuBZ), aber keine<br />

oder inkonsistente Dezentralisierungsanreize gesetzt<br />

(„Status-quo-orientierte Konfliktvermeidung“ bzw.<br />

„anreizarme Dezentralisierung“) oder es werden inkon-<br />

Niederschlagswasserentgelt<br />

Niederschlagswasserentgelt<br />

niedrig hoch<br />

niedrig hoch<br />

Erlösverbesserung<br />

Ohne Anschluss- und Benutzungszwang<br />

Vermeidungs- u. Dezentralisierungsanreiz<br />

Vermeidungs- u. Dezentralisierungsanreiz<br />

wenige<br />

Selektive<br />

Dezentralisierung<br />

Status-quoorientierte<br />

Konfliktvermeidung<br />

Offensive<br />

Dezentralisierung<br />

Anreizarme<br />

Dezentralisierung<br />

Vermeidungs- u. Dezentralisierungsanreiz<br />

viele<br />

Reduktionsmöglichkeiten<br />

Bild 2a. Dezentralisierungsorientierte Strategiebedienung<br />

des Aufgabenträgers durch alternative Gestaltung der<br />

Entgeltsysteme – ohne AuBZ; orange Pfeile symbolisieren<br />

Dezentralisierungseffekte, blaue die Refinanzierungseffekte,<br />

graue den Gesamteffekt, die Pfeildicke zeigt die Wirkungsintensität<br />

an.<br />

Erlösverbesserung<br />

Mit Anschluss- und Benutzungszwang<br />

Vermeidungs- u. Dezentralisierungsanreiz<br />

Vermeidungs- u. Dezentralisierungsanreiz<br />

Strukturkonservativer<br />

Systemausbau<br />

Statischer<br />

Struktur- u.<br />

Steuerungserhalt<br />

wenige<br />

Strukturkonservativer<br />

Ausbau mit<br />

Dezentralisierungsoption<br />

Wirkungsminimierende<br />

Kompromissstrategie<br />

Vermeidungs- u. Dezentralisierungsanreiz<br />

viele<br />

Reduktionsmöglichkeiten<br />

Bild 2b. Strukturkonservative Strategiebedienung des Aufgabenträgers<br />

durch alternative Gestaltung der Entgeltsysteme<br />

– mit AuBZ; orange Pfeile symbolisieren Dezentralisierungseffekte,<br />

blaue die Refinanzierungseffekte, graue den<br />

Gesamteffekt, die Pfeildicke zeigt die Wirkungsintensität an.<br />

Februar 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 217


FACHBERICHTE Regenwasserbewirtschaftung<br />

Bild 3. Regenwasser-<br />

und<br />

Trinkwasserentgelte<br />

in der<br />

Stichprobe.<br />

Entgelte (in Euro pro m 2 bzw. Euro pro m 3 )<br />

2,5<br />

2<br />

1,5<br />

1<br />

0,5<br />

0<br />

Kommunen<br />

Niederschlagswasserentgelt [Euro pro m ] Trinkwasserentgelt [Euro pro m ] Mittleres Niederschlagswasserentgelt (Durchschnitt = 0,85)<br />

Tabelle 3. Kommunale Regelungen zum AuBZ in der Stichprobe (n=45).<br />

AuBZ für Regenwasser<br />

besteht<br />

nicht (Typ 1)<br />

AuBZ für Regenwasser besteht …<br />

… aber Befreiungsmöglichkeit<br />

auf Antrag (Typ 2)<br />

… ohne reguläre Befreiungsmöglichkeit<br />

(Typ 3)<br />

24 20 1<br />

sistente Anreize gegeben und zugleich Dezentralisierungsoptionen<br />

verboten („wirkungsminimierende Kompromissstrategie“).<br />

3. Empirische Untersuchung<br />

Vor dem Hintergrund der theoretisch entwickelten Strategiemuster<br />

stellt sich die Frage, welche Strategien für<br />

den Siedlungsbestand in der Praxis tatsächlich verfolgt<br />

werden, insbesondere ob dort strategisch konsistente<br />

Ausgestaltungen der Institutionen „Entgeltsystem“ und<br />

„Anschlusszwang“ anzutreffen sind.<br />

3.1 Methodik und Ergebnisse der Erhebung<br />

Zur Erfassung kommunaler Steuerungsinstitutionen der<br />

Regenwasserbewirtschaftung in Deutschland wurden<br />

kommunale Satzungen hinsichtlich ihrer Regelungen<br />

zum AuBZ und zu den Entgeltmodellen in Bezug auf<br />

Regenwasser ausgewertet und durch telefonische Interviews<br />

mit ausgewählten Kommunen ergänzt 1 . Hierzu<br />

wurden in einer systematischen Stichprobe 45 Kommunen<br />

auf Basis eines Rankings [2] ausgewählt, wobei die<br />

Städte mit den jeweils höchsten und niedrigsten Regenwasserentgelten<br />

einbezogen wurden 2 . Um eine breite<br />

regionale Streuung zu gewährleisten, wurden ergänzend<br />

1<br />

Die Erhebung erhebt keinen Anspruch auf Repräsentativität,<br />

bietet aber doch ein erstes verwertbares „Praxisbild“. Die Daten<br />

entsprechen dem Stand vom September 2012.<br />

2 Berücksichtigt wurde die Gebühren- bzw. Entgeltsatzhöhe ohne<br />

Beiträge oder Baukostenzuschüsse. Im Siedlungsbestand sind<br />

diese als sunk costs nicht mehr entscheidungsrelevant, wären<br />

aber bei einer Betrachtung von neu zu errichtenden Siedlungsgebieten<br />

einzubeziehen.<br />

Städte aus ansonsten unberücksichtigten Bundesländern<br />

– entsprechend ihrer Einwohnerzahl – betrachtet.<br />

Bezüglich des AuBZ zeigten sich drei grundsätzliche<br />

Ausprägungstypen:<br />

Typ 1: Es besteht kein AuBZ.<br />

••<br />

Typ 2: Ein AuBZ gilt, eine Befreiung auf Antrag ist<br />

aber möglich.<br />

••<br />

Typ 3: Ein AuBZ gilt, die Möglichkeit einer Befreiung<br />

besteht in der Regel nicht.<br />

Die beiden ersten Typen dominieren deutlich (siehe<br />

Tabelle 3): In 24 Städten der Stichprobe besteht kein<br />

AuBZ für Regenwasser, während in 20 Städten eine<br />

Befreiung auf Antrag möglich ist. Lediglich eine Stadt<br />

verpflichtet die Grundstückseigentümer von vornherein<br />

zur ausschließlichen Nutzung der bestehenden öffentlichen<br />

Systeme.<br />

Um für Typ 2 die genauen Verfahrensweisen bzgl.<br />

der Befreiung vom AuBZ zu verstehen, wurden mit<br />

diesen Städten ergänzende Telefoninterviews durchgeführt.<br />

Die Genehmigungspraxis wird von unterschiedlichen<br />

Motivationen und Einflussfaktoren geprägt (siehe<br />

Tabelle 4).<br />

Zahlreiche Städte genehmigen die Anträge dann,<br />

wenn die Versickerungsfähigkeit nachgewiesen wird.<br />

Nur wenige Städte machen eine Abkopplung von drohenden<br />

Überlastungen des bestehenden Kanalnetzes,<br />

von Finanzierungsinteressen bzw. der technologischen<br />

Situation vor Ort (Vorhandensein eines Trennsystems)<br />

abhängig. Die letztgenannten Faktoren spielen eher in<br />

Kommunen mit höheren Entgelten eine Rolle.<br />

Befragt, warum sie sich für das Genehmigungsverfahren<br />

und gegen einen strikten AuBZ entschieden<br />

haben, gaben zahlreiche Kommunen ihr Interesse an<br />

einer ortsnahen Bewirtschaftung an, teilweise ergänzt<br />

um das Ziel, die ansonsten notwendigen Umbauten am<br />

Kanalsystem vermeiden zu wollen. Einige Städte gaben<br />

aber auch landeswasserrechtliche Vorgaben zu einer<br />

Antragslösung an.<br />

Gegen einen gänzlichen Wegfall des AuBZ entschieden<br />

sich die befragten Städte überwiegend deshalb, um<br />

Februar 2014<br />

218 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Regenwasserbewirtschaftung<br />

FACHBERICHTE<br />

die Kontroll- und Entscheidungskompetenz beizubehalten.<br />

Es wird als problematisch erachtet, dass Regenwasser<br />

ansonsten auch bei ungeeigneten Rahmenbedingungen<br />

versickert werden könnte. Auch die Gefahr<br />

unkontrollierbarer negativer Refinanzierungseffekte<br />

des bestehenden Systems wurde angebracht.<br />

Die Höhe der Regenwasserentgelte variierte deutlich<br />

(Bild 3) und lag zwischen 0,29 €/m² und 1,93 €/m². Das<br />

ungewichtete durchschnittliche Regenwasserentgelt<br />

liegt in der untersuchten Stichprobe bei 0,85 €/m² versiegelter<br />

Fläche; dies deckt sich mit dem aktuellen bundesweiten<br />

Durchschnitt [3]. Weiterhin wurden die Trinkwasserentgelte<br />

der jeweiligen Städte erhoben, da diese<br />

die Entscheidung eines Grundstückseigentümers mit<br />

beeinflussen, etwa bzgl. einer Zisternennutzung. Trinkwasser-<br />

und Regenwasserentgelte korrelierten jedoch<br />

in der Stichprobe nicht miteinander, sodass nicht von<br />

einem systematischen Einfluss der Trinkwasserpreise<br />

auf die Wirkung der Regenwasserentgelte ausgegangen<br />

werden kann.<br />

Bezüglich tariflicher Reduktionsmöglichkeiten variieren<br />

sowohl die Anzahl der berücksichtigten Technologien<br />

als auch die Höhe der gewährten Entgeltreduktion<br />

zwischen den Kommunen: Die Bandbreite reicht hierbei<br />

von keiner Reduktion bis hin zum vollständigen Erlass<br />

der Regenwassergebühr bei Nutzung einer der folgenden<br />

Technologien (Bilder 4a, 4b):<br />

Versickerungsanlagen mit Überlauf in Kanal,<br />

••<br />

Zisternen mit Überlauf in Kanal (Gartenbewässerung),<br />

••<br />

Zisternen mit Überlauf in Kanal (Brauchwassernutzung),<br />

Teilentsiegelung von Flächen,<br />

••<br />

Gründach mit Anschluss an Kanal.<br />

Eine klare Präferenz bei der Förderung einzelner Technologien<br />

ist derzeit nicht beobachtbar. Allerdings werden<br />

die Installation von Gründächern und Maßnahmen<br />

der Flächenentsiegelung häufiger als Maßnahmen der<br />

Versickerung mit Kanalanschluss honoriert (Bild 4a).<br />

Tabelle 4. Genehmigungspraxis und Entscheidungsdeterminanten in Typ-2-Städten mit Antrags-Befreiung vom AuBZ (absteigende Sortierung<br />

nach Entgelthöhe). Quelle: Eigene Erhebung durch Telefoninterviews.<br />

Kommune<br />

Werden die Anträge<br />

genehmigt?<br />

Eher<br />

Ja<br />

Eher<br />

Nein<br />

Einflussfaktoren auf die Genehmigung<br />

Versickerungsfähigkeit<br />

Refinanzierung<br />

Trennsystem<br />

Überlastung<br />

Versickerungs<br />

-<br />

in teresse<br />

Warum keine strikte<br />

AuBZ-Regelung?<br />

Vorgabe<br />

LWG<br />

1 X X X X X X<br />

Warum überhaupt<br />

AuBZ-Regelung?<br />

2 X X X X X X<br />

3 X X k. A. k. A.<br />

4 X X X X X<br />

5 X X X X X X<br />

6 X X X X X X<br />

7 X X X X<br />

8 X X X X<br />

9 X X X<br />

10 X k. A. k. A. X<br />

11 X X X X<br />

12 X X X X<br />

13 X X k. A. X<br />

14 X X X X X X<br />

15 X X X X<br />

16 X X X X<br />

17 X X X X<br />

18 X X X X<br />

19 X k. A. k. A. k. A.<br />

20 X X X<br />

Σ 15 5 13 4 4 3 10 5 6 15 5<br />

Flexibilität<br />