Das Magazin der Jesuitenmission

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Das Magazin der Jesuitenmission

EDITORIALLiebe Freundinnen und Freundeunserer Missionare und Partner weltweit!Erdbeben auf der indonesischen Insel Sumatra, Überschwemmungen in Indien,Tropenstürme auf den Philippinen und Taifune in Vietnam. Dies waren dieKatastrophenmeldungen aus Asien im vergangenen Oktober. Und mit diesenNachrichten kommen Bilder von verwaisten Kindern, zerstörten Häusern undhilfesuchenden Menschen auf unsere Fernsehbildschirme. Auch die Jesuitenmissionbleibt davon nicht unberührt. Allerdings ist die Jesuitenmission keineKatastrophenorganisation, die deutsche Helfer in Katastrophengebiete schickt.Es sind zuerst die einheimischen Helfer, die Nachbarn, die Verschüttete bergen,Obdachlose aufnehmen und Hungernden etwas zu essen geben. Danach kommtder Wiederaufbau. Auch der sollte mit einheimischen Kräften geschehen.Wenn wir nach einer Katastrophe oder bei einer Hungersnot wie in Simbabwehelfen, dann nur, wenn wir vertrauenswürdige Partner vor Ort haben, mitdenen wir schon lange Jahre erfolgreich zusammenarbeiten. Sie können die Situationbesser einschätzen, sie wissen was zu tun ist und arbeiten mit einheimischenOrganisationen zusammen. Sie haben Pläne und Ideen. Was ihnen fehlt,sind die Mittel, um den Opfern und Notleidenden zu helfen.Im Oktober schrieb uns Pater Eric aus Pannur in Indien und bat um Hilfe. Erschilderte, wie gleich nach der Überschwemmungskatastrophe die Menschensich gegenseitig halfen. Diejenigen, die nicht alles verloren hatten, teilten daswenige mit denen, die gar nichts mehr hatten. Die Phase der ersten Nothilfewurde mit großer Solidarität gemeistert. Nun gilt es, die zerstörten Häuser wiederaufzubauen. Deshalb wende ich mich an Sie und bitte Sie um Mithilfe, dassdie Menschen in Pannur bald wieder ein Obdach haben. Wahrscheinlich werdensie Weihnachten noch in Zelten und anderen provisorischen Behausungenverbringen müssen. Aber Weihnachten ist vor allem ein Fest der Hoffnung undder Freude. Schenken Sie den Menschen in den Notunterkünften in Pannurdiese Hoffnung auf ein neues Zuhause.Ich wünsche Ihnen ein gnadenreiches und besinnliches Weihnachtsfest und eingesegnetes neues Jahr 2010. Für Ihre Unterstützung und Ihre Verbundenheitim vergangenen Jahr möchte ich Ihnen von Herzen danken.IhrKlaus Väthröder SJMissionsprokurator2 weltweit


INHALTTitel/Rücktitel:Die katechetischen Bildervon Jesu Mafa zeigen eineafrikanische Madonnaund ein afrikanischesKrippenmotivLeben nach der Flut ➜ 4Jesuiten in Südindien helfen Dalit-Familien, die durch heftigeRegenfälle ihre Lebensgrundlage verloren habenUnsere Weihnachtsbitte ➜ 9Herbergen für FlutopferDas verlorene Paradies ➜ 10Vor 400 Jahren entstanden die Jesuitenreduktionen inSüdamerika. Ihr Erbe ist noch heute lebendigWas tut sich in Simbabwe? ➜ 13Im Frühjahr hatten wir zu Spenden für die Hungerhilfeaufgerufen. Klaus Väthröder SJ gibt einen Zwischenstandder HilfeJesus aus Afrika ➜ 15Ein afrikanisches Leben Jesu zeigt unsere diesjährigeWeihnachtskunst, die bei Katechesen in ganz Afrika zumEinsatz kommtWitwen wollen leben! ➜ 22In Kamerun bauen Witwengruppen eigenständige wirtschaftlicheExistenzen auf und gewinnen so Ansehen inihren DörfernIllegale Migration ➜ 24Die Wahl zwischen nichts und wenig beschreibt Jörg Alt SJam Beispiel illegaler Migration von Belize in die USATrauer in indischen Dörfern ➜ 27Ein Nachruf auf Pater Windey, den Gründer der indischenDorfbauorganisation VRO, und ein Ausblick auf die Zukunftdes Werkesweltweit notiert ➜ 29Aus der Jesuitenmission: Sambia-Exposure, Aktionen,Vorstellungen, Kurzmeldungen und Leserbriefeweltweit 3


Obdachlos geworden:Die Flutopferleben in aus Planen,Decken und Mattenerrichteten Zelten.Leben nach der FlutIn Südindien haben heftige Regenfälleeine Flut verursacht, die Tausendenvon Dorfbewohnern ihr Haus,ihr Vieh, ihre Lebensgrundlage weggespülthat. Jetzt leben sie in provisorischenZelten am Wegesrand, abergeben trotzdem nicht auf.Subash ist ein junger Mann vonneunzehn Jahren. Er hat erfolgreichdie Schule abgeschlossenund hatte einen Plan für sein Leben.Als Kleinunternehmer wollte er seinGlück machen. Mit geliehenem Geldhat er Land in seinem Dorf Chintmandoddigepachtet, um Reis, Getreideund Gemüse anzubauen. Der Bodenwar fruchtbar, das Feld war grünund alle Zeichen standen auf Erfolg.Bis im Oktober die Flut kam. DieErnte ist nun zerstört, das Feld unterangeschwemmtem Sand, Schlammund Dornengestrüpp begraben. Subashhat alles verloren und sorgt sichum seine Zukunft. Die Hoffnung hater aber nicht aufgegeben: „Gott hatmich am Leben gelassen. Dafür binich dankbar!“Die Hochzeit fällt ins WasserLalitamma kommt aus Hulugunchi.Sie hat sechs Kinder zu versorgen. IhrMann ist krank und kann nicht arbeiten.Ihre älteste Tochter hat sich vorkurzem verlobt und Lalitamma wollteihr eine schöne Hochzeit ausrichten.Sie borgte Geld und kaufte neue Sarisfür ihre Töchter und Lebensmittel fürdas Hochzeitsmahl. Als die Flut kam,4 weltweit


SÜDINDIENrannte sie um ihr Leben. Zum Glückhaben alle aus ihrer Familie überlebt.Aber ihr Haus wurde komplett zerstört– und mit ihm auch alles, was sie fürdie Hochzeit gekauft hatte. Gebliebensind allein die Schulden.Der Ochse ist ertrunkenDargappa stammt ebenfalls aus Hulugunchi.Er ist verheiratet und hat vierkleine Töchter. Um die Felder besserbestellen zu können, hatte er sicheinen Pflugochsen gekauft. Als dieFlut kam, nahm er seine Kinder aufden Arm und floh mit seiner Frau aufeine Anhöhe. Er dachte, er könne späterzurückkehren und alles andere inSicherheit bringen. Das Wasser stiegjedoch so schnell, dass daran nichtmehr zu denken war. Als die Flutendas Land wieder freigaben, war ihrHaus nur noch ein Steinhaufen undder Ochse ertrunken. „Wir haben vielverloren“, sagt Dargappa, „aber ichdanke Gott, dass meine Familie überlebthat. Ich werde hart arbeiten, umgut für sie zu sorgen.“Schlimmste KatastropheSubash, Lalitamma und Dargappasind drei von fast 30.000 Menschen,die unter den Folgen der zerstörerischenWassermassen im südindischenPannur und der umliegenden Regionleiden. „Wir erleben hier die schlimmsteKatastrophe seit vierzig Jahren“,Alles abgesoffen:Selbst die Kirchein Pannur ist in denWassermassen fastkomplett versunken.weltweit 5


SÜDINDIENDie Wucht desWassers hat ganzeHäuser und Dörferzerstört.6 weltweitsagt Pater Eric. Der Jesuit leitet gemeinsammit Pater Maxim die PannurMission, zu der eine Kirche, eine Gesundheitsstation,eine Schule und einkleines Internat für die Dalit-Kinderder Umgebung gehören. „Unsere Kircheund das Internatshaus für die Kinderliegen sehr nahe beim Fluss. DieKirche stand fast ganz unter Wasserund ist sehr schwer beschädigt. DasInternat hat auch sehr gelitten unddie Bücher, Kleider und Spinde derKinder sind von den Fluten davon geschwemmtworden.“Ein Kind wird geborenStraßen, Brücken und Strommastensind durch die Flut ebenfalls zerstört,so dass die Dörfer tagelang von derWelt abgeschnitten bleiben. „Die erstenTage waren entsetzlich. Es gab keinTrinkwasser, keinen Strom, nicht genugzu essen und keine Kleidung zumWechseln“, erzählt Pater Eric. „DieFlut wurde über Nacht immer stärkerund versetzte alle Leute in Panik. Vielesind nur mit dem, was sie auf demLeib trugen, in unsere Krankenstationgeflohen, weil sie etwas höher gelegenist. Bei einer Frau setzten in der Nacht– wahrscheinlich durch den Schock– die Wehen ein und sie brachte ihrKind auf die Welt. Zum Glück konntenwir eine kleine Ecke in unsererKrankenstation für sie und das Neugeboreneherrichten.“Antwort auf den SOS-RufErst nach zwei Tagen erreichen Jesuitenaus dem nahegelegenen Manvidas Katastrophengebiet mit den erstenHilfsgütern. „Das letzte Stück warwegen der weggespülten Straßen nurzu Fuß zu bewältigen und sie musstenalles auf den Schultern tragen.“ PaterEric, Pater Maxim und die anderenJesuiten schicken einen SOS-Ruf anbefreundete Organisationen und Ordender Umgebung. „Die Antwortwar überwältigend“, erzählt PaterMaxim. „Die Teams, die wir aus Ordensfrauen,Krankenschwestern, Jesuitenund vielen Freiwilligen zusammenstellenkonnten, fingen sofort an,Lebensmittel, Trinkwasser, Kleidungund medizinische Versorgung in dieDörfer zu bringen, die wieder erreichbarwaren.“Nur noch SteinhaufenDie von Jesuiten geleitete LoyolaSchule in Manvi schließt vorübergehend,alle 35 Lehrerinnen und Lehrersowie viele der älteren Schüler fahrennach Pannur, um zu helfen. Mit dabeiist Linda, eine junge Deutsche, die in


SÜDINDIENManvi über die Jesuitenmission eineneinjährigen Freiwilligendienst leistet:„Die Lehrerinnen haben ihre eigenenSaris eingepackt, um den Menschenerst einmal etwas zum Anziehen gebenzu können. Das, was wir beiunserer Ankunft in Pannur gesehenhaben, war wirklich schlimm. Aberin Hulugunchi war es eigentlich nochviel schlimmer. Vom Dorf war nichtsmehr zu sehen. Nur noch Steinhaufen.Die, die sowieso schon arm sind,haben nun überhaupt nichts mehr.“Die Teams organisieren in den Dörferndie Kinderbetreuung, helfen beimAufbau der provisorischen Zelte, verteilenLebensmittel, leisten seelischenund medizinischen Beistand.Schlangen im SchlammMit dem verschmutzten Wasser kommenKrankheiten und Schlangen. PaterEric schaudert es: „Das Schlimmste,wenn du von Wasser umgebenbist, sind die Schlangen. Nach der Flutwurden schon fünf Leute von Kobrasgebissen.“ Für die in den Trümmernund im Schlamm spielenden Kindersind die Schlangen eine große Gefahr.Ganze Zeltstädtesind entlang derWege entstanden.xxxxxxxxPater Dominicvor dem Rohbaudes Katechistenzentrums.xxxxxxxxPater Dominicvor dem Rohbaudes Katechistenzentrums.weltweit 7


SÜDINDIENFreiwillige verteilenin einer HilfsketteLebensmittel undhaben für die Kindereine Betreuungorganisiert.Geist der GemeinschaftFür einige der indischen Freiwilligenist dieser Hilfseinsatz ihre erste naheBegegnung mit Dalits. So nennen sichdie Kastenlosen selbst. Es bedeutet dieZerbrochenen. In Pannur, Hulugunchiund den anderen Dörfern lebenfast ausschließlich Dalits. Einer derFreiwilligen erzählt: „Als ich die Menschenin ihren Zelten am Straßenrandbesucht habe, war ich geschockt, alssie mich zu sich riefen, um gemeinsammit mir ihr karges Essen zu teilen.Das war eine Geste, die ich in meinemOrt niemals zuvor erlebt habe. DieserGeist der Gemeinschaft und des miteinanderTeilens unter den Dalits – sogarin Hunger und Not – das hat micherstaunt und überwältigt.“ Aus Mangalorekommt von einer christlichenVereinigung ein Trupp junger Männer.„Sie haben ein opulentes Hähnchen-Gericht für 1000 Flutopfer gekocht“,berichtet Pater Eric. „Sie selbst habendas Essen mit großer Freude serviertund mitgegessen. Normalerweise würdejemand aus einer höheren Kastesich niemals zu Dalits setzen, noch wenigermit ihnen essen. Aber die jungenMänner haben aus Solidarität mit denFlutopfern diese Kastengrenzen überschrittenund das hat den Dalits sehrviel bedeutet. Denn sonst erfahren sienur Ablehnung und Gleichgültigkeit.Auch von der Regierung.“Die Phase der ersten Nothilfe habendie lokalen Teams sehr gut gemeistert.Aber jetzt, mehr als einen Monat nachder Flut, leben die Opfer immer nochin Zelten. Auch in Südindien setzt derWinter ein, die Nächte werden kaltund es droht Regen. Pater Eric legtdie Lösung auf den Tisch: Bauplänefür einfache, etwa 40 Quadratmetergroße Familienhäuser. Sein Blick sagtgenau, was er denkt: „Hier brauchenwir jetzt eure Hilfe!“Judith Behnen8 weltweit


WEIHNACHTSBITTEHerbergen für FlutopferHelfen Sie obdachlosen Dalit-Familien!Liebe Leserin, lieber Leser!Der Steinhaufen, auf dem die Frau sitzt, war einmal ihr Zuhause. DieHaustür ist noch zu sehen, durch die ihre Kinder, ihr Mann und sie selbstein und aus gingen. Und nun hat die Flut alles zerstört und sie leben inprovisorischen Zelten am Wegesrand.Die Jesuiten in Pannur haben bereits Baupläne für einfache Familienhäusererstellen lassen. Jedes neue Haus kostet 2.000 Euro. 308 Häuser brauchensie für Dalit-Familien in den von ihnen betreuten Dörfern. Ich bitte Sievon Herzen: Helfen Sie mit Ihrer Weihnachtsspende, dass die Herbergssuchefür diese Familien ein gutes Ende nimmt und sie endlich wieder einfestes Dach über dem Kopf haben.Klaus Väthröder SJMissionsprokuratorJesuitenmissionSpendenkonto5115 582Liga BankBLZ 750 903 00Stichwort:3194 Flutopferweltweit 9


PARAGUAYDas verlorene ParadiesVor 400 Jahren entstanden die Jesuitenreduktionenin Südamerika. Ihr Erbe ist noch heute lebendig.Die Ruinen deralten von Jesuitengegründeten IndianersiedlungTrinidadsind noch heute zubesichtigen.Mit seiner Bratsche untermKinn und dem Bogen inder Hand wartet Pedro gemeinsammit 50 weiteren jungen Musikerinnenund Musikern darauf, dieersten Takte des Konzertes zu spielen.Es ist ein besonderer Abend im Augustdiesen Jahres: Das internationalbesetzte Jugendorchester „OrquestaMundial – Weltweite Klänge“ eröffnetdie 400-Jahr-Feier in San Ignacio Guazú,der ersten Jesuitenreduktion Paraguays.Und als die vor Jahrhundertenfür die Guaraní-Indianer geschriebeneMusik des Barockkomponisten undJesuitenmissionars Domenico Zipolierklingt, wandern die Gedankenunweigerlich zurück und vergangeneZeiten werden lebendig.Ein einmaliges MissionswerkVor genau 400 Jahren begann im HerzenSüdamerikas das vielleicht größtemissionarische Werk der katholischenKirche. Ohne Schwert und Kanonenhaben Jesuitenmissionare ein Gebildegeschaffen, das unter dem Namen„Jesuitenstaat von Paraguay“ bekanntwurde. Man führte die bis dahin nomadischlebenden Indianer Südamerikasin feste Siedlungen zusammen, inso genannte Reduktionen, in denengemeinschaftlich gelebt und gearbeitetwurde. 150 Jahre lang hat dieses WerkHunderttausenden von Indianern denGlauben an Christus gebracht und ihnenzugleich Schutz geboten vor derAusbeutung durch die Kolonialherren.Als es dann 1767 von Menschenhandvernichtet wurde, sprach man nostalgischvon einem „verlorenen Paradies“.Die erste SiedlungSan Ignacio Guazú ist eng mit denAnfängen dieses Werkes verbunden.Am 16. Dezember 1609 sandte derJesuitenobere von Paraguay drei Expeditionenaus, um Schutzsiedlungenfür Indianer zu gründen. Eine Gruppebestand aus Pater de Lorenzana, einemNovizen und dem Guaraní-IndianerArapizandu. 226 Kilometer südlichder Hauptstadt Asunción errichtetensie die erste Reduktion. Nur neun10 weltweit


PARAGUAYMonate später schrieb Pater de Lorenzananach Asunción, dass verschiedeneGruppen von Guaraní-Indianern nachSan Ignacio Guazú strömten und erweitere 1000 verheiratete Männer mitihren Familien in der Siedlung erwarte:insgesamt etwa 6000 Personen.Der Städtebauer1612 kam mit Roque Gonzales deSanta Cruz ein weiterer Jesuit nachSan Ignacio. Als Architekt, Maurerund Zimmermann legte er eine Plazaan, überwachte den Bau von Häuserblocks,gründete eine Schule, bauteeine Kirche, arbeitete in den Wäldernund lehrte die Indianer Methodender Landwirtschaft. Als Kreole sprachPater Gonzales sehr gut Guaraní undverstand das Temperament der Indianer:Hymnen, Prozessionen, Musik,Katechismus in gereimten Versen, Festeund andere charakteristische Zügedes Lebens in der Reduktion warenseine Erfindung. Später sollte PaterGonzales noch zehn weitere Reduktionengründen. Beim Bau einer Siedlungim heutigen Uruguay wurde er1628 mit Pfeilen erschossen. Papst JohannesPaul II. hat ihn 1988 heilig gesprochen.Roque Gonzales ist der ersteund einzige Heilige von Paraguay undwird in diesem Lande hochverehrt.Schutz vor SklavenjägernIn rascher Folge entstanden damalsReduktionen in den heutigen LändernBrasilien, Argentinien, Uruguayund Bolivien. Die mit der Gründungbetrauten Jesuitenpatres stammtenvornehmlich aus Spanien, Österreichund Deutschland. Es waren Männermit großen künstlerischen und handwerklichenFähigkeiten. Heute sind indem Museum in San Ignacio viele deralten Statuen und andere Kunstschätzeaufgestellt. Es gibt am Ort eine katholischeUniversität und eine Jesuitenkommunität.Ihr Oberer, P. NicanorMartínez SJ, möchte mit der 400-Jahr-Feier „eine neue Art von Missionsarbeitins Gedächtnis rufen, deren Besonderheitdarin bestand, die Indianervon Unterdrückung zu befreien.“ DerEine von Guaraní-Indianern in den ReduktionengeschnitzteKirchenfigur.weltweit 11


PARAGUAYMusizierende Engelauf einem Mauerfriesin Trinidad (oben).Pedro mit seinerBratsche (unten).Provinzial der Jesuiten in Paraguay,P. Carlos Canillas SJ, fügt hinzu: „Aufdem Papier schützte das spanischeGesetz die Indianer, aber in der Praxiswurden sie von portugiesischen Sklavenjägerneingefangen und an Bergwerkeund Plantagen verkauft.“Musizierende EngelDavor waren sie in den Reduktionengeschützt. Die Siedlungen entwickeltensich zu beeindruckenden Gemeinschafts-und Wirtschaftsanwesen.Die Ruinen der Reduktion Trinidadzeugen noch heute davon. Unter ausladendenVordächern konnte manbei Regen trockenen Fußes durchdie Siedlung gehen. Manche Gebäuderuinensind als Speicher markiert,es gab eine Orgelwerkstatt und eineGlockengießerei, auf weiten Feldernwuchs Getreide, Tabak und Matetee.Die Kirche der Reduktion war einimposantes Bauwerk von 58 MeternLänge und 11 Metern Höhe. An derStirnwand des Presbyteriums ist einFries mit 36 musizierenden Engeln erhalten,ein Stein gewordener Hinweisauf einen weiteren Namen dieses Missionswerkes:der Musikstaat.Hochmusikalische IndianerDer große Komponist der Reduktionenwar Domenico Zipoli (1688-1726). Aber schon vor ihm hatten Missionaredie europäische Barockmusikin die Reduktionen gebracht. Schonbald bildeten die hochmusikalischenGuaraní-Indianer Chöre und Orchesterund begannen, die Musik auf ihreWeise zu prägen. Musik war im Alltagder Reduktionen fest verankert. Mitdem Klang der Kirchenglocken erhobman sich vom Schlaf. Mit Musik ginges zur Arbeit, Musik war wichtig in derKirche, bei Festen und Feiern.Klangerlebnis im RuinenfeldDiese Musik, die verschollen geglaubtwar und zum Teil bei Restaurierungsarbeitenerst vor wenigen Jahrzehntenwieder entdeckt wurde, spielen jetztPedro und die anderen Jugendlichenaus Lateinamerika, Indien und Europa.Zehn Konzerte in Paraguay, Argentinienund Brasilien geben sie. Nebendem Konzert in San Ignacio Guazú istder Auftritt in Trinidad ein besondererHöhepunkt. Nach dem Konzert in denRuinen der alten Reduktion sind nichtnur die Zuhörer vom Klangerlebnisbegeistert. Auch Pedro mit seiner Bratschehat noch einen ganz verklärtenBlick: „Das Konzert in Trinidad war etwasMagisches, weil wir an einem Ortspielten, der eine Geschichte von fast400 Jahren hat. Wir haben die Musikgespielt, die schon die Indigenas damalsaufgeführt haben. Diese Musik ist fürmich sehr bedeutsam, da sie uns dievergangene Kultur verstehen lässt undsie zu neuem Leben erweckt. Und dasist sehr gut.“So wie Pedro seine Eindrücke nachdem Konzert beschreibt, möchte manihm zustimmen und behaupten, dassdie Musik das schönste Erbe aus diesemMissionswerk ist und dass sie fortklingenund Zeugnis geben soll vonden Träumen und dem Versuch, einefriedliche Welt zu schaffen.Christina Zetlmeisl /Gabriele von Schoeler12 weltweit


SIMBABWEWas tut sich in Simbabwe?Im Frühjahr hatte die Jesuitenmission in einer groß angelegten Aktion zuSpenden für die Hungerhilfe in Simbabwe aufgerufen. MissionsprokuratorKlaus Väthröder gibt hier einen Zwischenstand der Hilfe.Seit Februar 2009 haben wir2.128.688,44 Euro Spenden fürdie Hungerhilfe in Simbabweerhalten. Dieses Geld ist nicht nachSimbabwe überwiesen worden, sondernwir verwalten es in Nürnberg undbezahlen daraus direkt die Hilfslieferungenvon Südafrika, Botswana oderSambia aus. In welchen Zeitabständenwelche Mengen von Maismehl, Bohnen,Speiseöl und das vor allem fürmangelernährte Kinder bestimmteSoja-Mais-Porridge bestellt und aufden Weg gebracht werden, ist mitP. Steven Buckland SJ, dem Provinzialvon Simbabwe, bei seinem Besuch imFrühjahr genau vereinbart worden.Planung bis April 2010Nach jetziger Planung reichen dieSpendenmittel für Hilfslieferungen biszum April 2010. Um auf die gewachseneNot gut reagieren zu können, hatPater Buckland im Mai 2009 seinensimbabwischen Mitbruder P. IgnatiusMakumborenga SJ zum Koordinatorder Hungerhilfe ernannt und ihn vonanderen Aufgaben befreit. Pater Makumborengahat vorher für den Flüchtlingsdienstder Jesuiten gearbeitet undist jetzt dafür zuständig, in Zusammenarbeitmit den vielen Pfarreien,Missionsstationen, Wai sen häusern undanderen Einrichtungen der DiözesenHarare und Chinhoyi die Verteilungder Hungerhilfe zu organisieren undHungerhilfe der JesuitenDie Hungerhilfe der Jesuiten verteilt über kirchliche StrukturenLebensmittel. Alle Empfänger sind persönlich bekannt.Oben ist eine Namensliste von Aidswaisen zu sehen, die inMbare/Harare neben den Lebensmitteln auch Decken, Schulgeldund Schuluniformen erhalten. Durch Hausbesuche werdendie Bedürftigen ermittelt und begleitet.weltweit 13


SIMBABWEP. Ignatius MakumborengaSJ ist derKoordinator derHungerhilfe (oben).Verteilung von Maismehlan Aidswaisen(unten).dafür zu sorgen, dass die Lebensmittelbei denen ankommen, die sie am nötigstenbrauchen.Politischer StillstandUnd das sind leider immer noch Millionenvon Menschen in Simbabwe.Denn politisch hat sich in Simbabwenichts verändert: PremierministerMorgan Tsvangirai hat vor einigenWochen zu Recht die Zusammenarbeitmit Robert Mugabe aufgekündigt.Mugabe hatte alle Versuche einerdemokratischen Neuausrichtungdes Landes systematisch boykottiert.Nun hat er auch noch angekündigt,bei den nächsten Wahlen 2011abermals zu kandidieren. Die erstenSchritte einer Normalisierung, diedurch die Bildung der Einheitsregierungzu sehen waren, sind jetzt wiederzum völligen Stillstand gekommen.Durch die Einführung des US-Dollarsstoppte die millionenprozentigeInflation über Nacht, die Regale inden Supermärkten füllten sich wieder,Schulen und Krankenhäuser öffnetenwieder ihre Türen. All das warjedoch dem Vertrauen geschuldet, dasim Ausland in die OppositionsparteiMDC von Morgan Tsvangirai gesetztwurde. Einen wirklichen Aufschwungin Simbabwe gibt es leider Gottes immernoch nicht.Hilfe für KinderhaushalteDie Hungerhilfe der Jesuiten kümmertsich um die Schwächsten undVerletzlichsten in Simbabwe. In seinemjüngsten Bericht schreibt PaterMakumborenga von einer Gruppe,die er dabei besonders im Blick hat:Kinderhaushalte. Das sind Familien,in denen Geschwister füreinandersorgen, weil ihre Eltern an HIV/Aidsgestorben sind und sie keine anderenVerwandten haben, bei denen sieunterschlüpfen könnten. „Jedes derKinder erhält von uns 10 Kilo Mais, 5Kilo Soja-Mais-Porridge, 4 Kilo Bohnenund 750 ml Öl“, schreibt PaterMakumborenga. „Neben den Lebensmittelnhelfen wir den allein lebendenWaisenkindern mit Schulgeld, Schulmaterialienund Ausbildungskursenfür ältere Jugendliche.“ Auch wenndie Hungerhilfe der Jesuiten es aufgrundbegrenzter Ressourcen nichtschafft, allen zu helfen: Für die, die sieerreicht, ist die Hilfe lebensnotwendigund nachhaltig.Klaus Väthröder SJ14 weltweit


KUNSTJesus aus AfrikaEin afrikanisches Leben Jesu zeigt unsere diesjährige Weihnachtskunst. Essind Bilder, die nicht in Museen hängen, sondern millionenfach bei Predigtenund Katechesen in ganz Afrika zum Einsatz kommen.Die Messe findet im Freienstatt. Um 6 Uhr morgens istPater Orlando aufgebrochen,um zu Fuß das kleine Dorf in denBergen Nordkameruns zu erreichen.Frauen, Männer, Kinder sitzen erwartungsvollauf einfachen Holzbänken.Viele von ihnen sind keine Christen.„Sie kommen, weil hier etwas passiert,weil sie die Gemeinschaft schätzen,weil ihnen die Lieder und Geschichtengefallen“, erklärt der Pater. Vor allemkommen sie wegen der Bilder. Großsind sie, eingeschweißt in durchsichtigeFolie und oben mit Ringen zusammengehalten.Das Evangelium erzähltPater Orlando mit Hilfe dieser Bilder.Hören mit den AugenFür jede Szene schlägt er ein neues Bildauf und die Verkündigung des Evangeliumsgeht nahtlos in Predigt undKatechese über. Alle Gläubigen undInteressierten sind nicht nur mit demOhr bei der Sache, sondern auch mitden Augen. Sie kennen die Welt dieserBilder. Maria, die vor der Strohhüttesitzt und auf offenem Feuer kocht.Eine Geburt in einer provisorischenUnterkunft, ganz ohne medizinischeVersorgung. Die Verzweiflung überden viel zu frühen Tod eines Kindesund der Wunsch, dass jemand kommenmöge, um ihm das Leben wiedereinzuhauchen. Die Zugehörigkeit zueiner Gemeinschaft, in der zusammengegessen, gefeiert, gehofft undgeträumt wird. Und dieses Gefühl desWiedererkennens ist nicht nur hier so,sondern in vielen tausend anderen afrikanischenchristlichen Gemeinden.Die Bilder von Jesu MafaEs war im Jahr 1973, als kleine christlicheGemeinschaften aus dem Stammder Mafa in Nordkamerun dieses Bilderprojektin Angriff genommen haben.Sie fanden einen Kreis französischerMaler, die nach fotografischen Vorlagenund mit großer Einfühlungskraft einenumfangreichen Zyklus von katechetischenBildern schufen. Bekannt gewordensind sie als „Bilder von Jesu Mafa“.„Es ist wichtig und notwendig, das LebenJesu auf unsere afrikanische Weisekünstlerisch zum Ausdruck zu bringen.So haben es doch auch die Menschenanderer Kulturkreise seit langem getan“,meint P. Pondy von der Direktionder Katholischen Schulen in Yaounde.Ein Katechist aus Uganda ist überzeugt,dass „die Bilder von Jesu Mafa meinenSchülern geholfen haben, sich mehrund tiefer mit Jesus zu identifizieren alssie es je zuvor getan hatten.“ Sechs Millionendieser Bilder wurden bis heutein 83 Länder verschickt. Sie haben dasJesusbild afrikanischer Chris ten neu geprägt.Einige Bilder zeigen wir auf denfolgenden Seiten.Joe Übelmesser SJEgal, in welchesafrikanische Landman kommt: DieseMariendarstellungvon Jesu Mafa findetsich in Kirchen,Kapellen, Ordenshäusernund Wohnungenhunderttausenderafrikanischer Familien.weltweit 15


Es ereignet sich neu in jeder Generation und in jeder Kultur,wo Menschen voll Sehnsucht warten auf das erlösende Wort.„Gegrüßet seist Du Maria!“wo Kinder ein Zeichen sind, dass Gott die Welt noch nicht vergessen hat.„Und das Wort ist Fleisch geworden.“wo Menschen unterwegs sind, auf der Flucht.„Nimm das Kind und seine Mutter und flieh nach Ägypten.16 weltweit


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Es wiederholt sich neu in jeder Generation und in jeder Kultur,dass der Meister Jünger zu sich ruft. „Kommt, folget mir!“dass der Herr Kinder zu sich ruft. „Lasst die Kinder zu mir kommen!“dass er Tote zum Leben ruft. „Mädchen, ich sage Dir, steh auf!“18 weltweit


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Es geschieht täglich neu mitten unter uns,weil Menschen hungern nach Gott.Denn: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein.weil Menschen Jesus sehen wollen. Und am schönsten erkennenwir ihn am Teilen des Brotes und der täglichen Hirse.weil wir alle wie Schafe sind, die keinen Hirten haben.Der Herr aber will in jeder Generation und in jeder Kultur undin jedem Land immer und überall unser guter Hirte sein.weltweit 21


KAMERUNWitwen wollen leben!In Kamerun bauen Witwengruppen eigenständige wirtschaftliche Existenzenauf und gewinnen so Ansehen in ihren Dörfern.„Lob dem Ewigen"- ein Gemälde ausKamerun zum Weltgebetstag2010.Fotos rechts:Neue Hoffnung (oben)und neuer Stolzfür Witwen: EineFrauen gruppe zeigtdie Urkunde überihren landwirtschaftlichenGemeinschaftsbesitz(unten).Therese war 32, als sich plötzlichalles änderte. Michel, Vaterihrer vier Kinder und seit15 Jahren ihr Ehemann, verunglücktetödlich auf dem Weg zum Feld. In ihrerVerzweiflung alleingelassen, standenTherese und ihre Kinder auch finanziellvor dem Aus: Ihr mit Maniokverarbeitunghinzuverdientes Geld reichtenicht, um alle zu ernähren. Der gesamte,gemeinsam erwirtschaftete Besitz– samt Haus – hingegen war schonwenige Tage nach Michels Tod an seineEltern übergegangen.Mit dem Mann stirbt dieLebensgrundlageEhefrau zu sein – das ist in vielen Gegendenim zentralafrikanischen Kamerunein Knochenjob. Ehefrauensichern die Überlebenschancen desClans durch eine möglichst zahlreicheNachkommenschaft. Ehefrauentragen die Verantwortung für die Ernährungder Familie, sie kümmernsich um Feldarbeit und Kindererziehung.Die traditionelle Verteilung vonRechten und Pflichten zwischen denGeschlechtern gerät jedoch schlagartigaus dem Gleichgewicht, wenn derEhemann stirbt. In ländlichen Regionenim Nordwesten Kameruns fälltdas gemeinsame Hab und Gut – trotzanderslautender Rechtslage – in derPraxis immer noch an die Familie desverstorbenen Mannes. Die verwitweteFrau verliert von einem Tag auf denanderen ihre Lebensgrundlage undihre Daseinsberechtigung im Clan desMannes. Es sei denn, sie akzeptiertdie traditionelle „Problemlösung“: Sieheiratet einen ihrer Schwäger. Das bedeutetmeist, dessen sexuellen Avancenzustimmen zu müssen, ohne dass dieVersorgung von ihr und ihren Kindernsichergestellt ist.Der Weltgebetstag begleitetWitwen in die SelbständigkeitKamerun ist das Schwerpunktland desnächsten Weltgebetstages der Frauen.Die weltweit organisierte ökumenischeFrauenbewegung fördert seitJahren erfolgreich Witwengruppenin Kamerun. Weil eine eigenständigeExistenzsicherung der beste Schutzgegen Diskriminierung ist, werdendie Witwen beim Aufbau einer wirtschaftlichenExistenz unterstützt. Sieerhalten Startkapital für den landwirtschaftlichenAnbau bzw. für Kleintierhaltungsowie Trainings zur Vermarktung.Die Frauen verpflichtensich, das Kapital baldmöglichst in denRotationsfonds zurückzuzahlen, damitweitere Witwen davon profitierenkönnen. Therese betreibt mittlerweilemit vier anderen Frauen eine eigeneHühnerzucht.Männer müssen mitziehenDie Situation der Frauen kann sichjedoch erst dann nachhaltig ändern,22 weltweit


KAMERUNwenn auch die Männer bereit sind,herkömmliche Rollen zu hinterfragen.Deshalb arbeitet das Witwenprojektmit den traditionellen Führern,den so genannten „Fons“. Sie erinnerndie Clanchefs an ihre Fürsorgepflichtenfür Witwen und bauen ihnenBrücken, die es ihnen erlauben, „modernen“Frauenrollen ohne Gesichtsverlustzuzustimmen. Seit die „Fon“erkannt haben, wie existenzbedrohendsich das traditionelle Recht auf dieWitwen auswirkt, unterstützen sie dasProjekt. Sie sehen den wirtschaftlichenVorteil, den die Selbsthilfeprojekte fürdie Dörfer bedeuten, und haben damitbegonnen, das traditionelle Rechtzur Witwenschaft anzupassen – nachseiner Überarbeitung soll es für alleClans im Nordwesten Kameruns verbindlichsein.Frauen im DorfratIn dem Dorf von Therese sind Frauenmittlerweile in eine traditionelleMännerdomäne vorgedrungen: Esgibt erste weibliche Mitglieder imDorfrat, in dem alle wichtigen Angelegenheitendes Dorfes entschiedenwerden. Die bisherigen Projekterfolgesprechen hier für sich: Die Frauensind fähig, für sich und ihre Kinder zusorgen, was ihre Selbstwahrnehmungverändert und ihnen mehr Verhandlungsspielraumin Beziehungen gibt.Und Therese? Denkt sie drei Jahrenach Michels Tod an eine neue Ehe?Nein, sagt sie, sie sei dankbar für dieneugewonnene Freiheit, die sie nichtwieder aufs Spiel setzen wolle.Lisa SchürmannWeltgebetstag der FrauenWeltgebetstag der Frauen 2010Am Freitag, den 5. März 2010 werden weltweit Gottesdienstenach der Liturgie kamerunischer Frauen gefeiert. Mit der Kollektewerden Projekte wie das Witwen-Projekt in Kamerungefördert, die Frauen ermutigen, sich Gehör zu verschaffen.Mehr Informationen: www.weltgebetstag.deweltweit 23


BELIZEIllegale MigrationDie Wahl zwischen nichts und wenigWährend seiner zwei Jahre in Mittel- und Nordamerika hat Jörg Alt SJillegale Migration aus der Perspektive der Maya in Belize kennengelernt.Illegale Migrationtrennt Familien: HierMütter und Kinderin San Vicente, ToledoDistrict, Belize ...Der indische Nobelpreisträgerfür WirtschaftswissenschaftenAmartya Sen definiertArmut durch die An- und Abwesenheitvon Wahlmöglichkeiten. WerHunger hat, hat keine Wahl, außer Essenfür die nächste Mahlzeit zu finden.Wer hingegen reich und gebildet ist,kann viel aus seinem Leben machen.Folgt man dieser Definition, so hatman ein Konzept, welches auf Flüchtlingein Darfur ebenso zutrifft wie auf‘illegale’ Migranten in den Industrieländern:Alle haben kaum eine andereOption als den Kampf für ein besseresMorgen.Wo sind die Männer?Dass etwas in der Pfarrei St. Peter Claverim Toledo District nicht stimmt,merke ich relativ schnell: Dort istman noch gut katholisch und bei derSonntagsmesse sitzen die Männer aufder rechten Kirchenseite, Frauen undKinder auf der linken. Aber: In denDörfern entlang der Grenze zu Guatemalaist die Männerseite so auffälligleer, dass man es nicht einfach mit dergenerellen Unlust der Männer zumKirchgang erklären kann. Als ich michnach einer Weile diskret erkundige, erhalteich zur Antwort: „Oh, die Männersind durch die Hintertür nach ElNorte gegangen”, was auf Soziologendeutschübersetzt heißt: „Die sind alsillegale Migranten über die Landgrenzevon Mexiko in die USA gereist.” Fastein Drittel der Familienväter in diesenDörfern – unverheiratete Brüder undOnkel nicht gezählt – leben illegal inLos Angeles.Rebellische SöhneWarum? „Wegen der Zukunft unsererKinder“, sagen mir alle. „Diesollen nicht auch arme Bauern werdenmüssen.” In der Tat: AlternativeWahlmöglichkeiten eröffnen sichnur dann, wenn die Kinder nach derGrundschule auch die Oberschuleabsolvieren können. Die kostet die24 weltweit


BELIZEEltern jedoch viel Geld und die durchschnittlicheArbeitslosigkeit im ToledoDistrict liegt über 50%. Also bleibt nurdie Abwanderung: Entweder ergattertman einen Job in den Obstanbau- undTouristengebieten des Nordens von Belizeoder man geht gleich in die USA.Und hier haben die Maya einen Vorteil:Viele haben Verwandte in Guatemala,da die Maya-Bevölkerung Belizes dortihre Wurzeln hat. Und in Guatemalahat fast jeder Kontakte in die USA.„Der Nachbar unseres Onkels in Guatemalahat meinem Mann geholfen, inLos Angeles einen Job zu bekommen“,erzählt mir eine Frau. Seit drei Jahrenist er nun schon dort, Frau und Kindersind in Belize zurückgeblieben. „Es istnicht leicht, aber unseren Kindernzuliebe haben wir uns dafür entschieden.Außerdem sind ja meine Elternnoch da, um zu helfen!” Schaut mansich dann aber genauer um, sieht man,dass gerade die Söhne ihre Mütter undGroßeltern als Respektpersonen nichtakzeptieren – ein offensichtlicher Nebeneffektder ‘vaterlosen Familien’ ist,dass die Söhne aus dem Ruder laufenund rebellisch werden.Elendes DahinvegetierenAber es gibt noch weitere Haken beider Sache: Niemand kommt ohne Hilfeüber die mexikanisch-amerikanischeGrenze. Ohne Schleuser geht es nicht.Auch hier können die Erfahrungen vonVerwandten helfen, man kann aberauch Pech haben. Viele müssen mehrzahlen, als vorher ausgemacht war. „Siehaben gedroht, meinen Mann sonstallein in der mexikanischen Wüste zurückzulassen“,berichtet mir eine Frau.Schaffen sie es bis in die USA, lastetauf den Männern ein großer Druck,die Erwartungen ihrer Familie an einebessere Zukunft zu erfüllen. Ein ‘Illegaler’in den USA erhält jedoch bestenfallsniedrig und unregelmäßig bezahlteJobs, und dies führt zu einem elendenDahinvegetieren. Davon kann ich michselbst überzeugen, als ich die Männeraus ‘meinen’ Dörfern in Los Angelesbesuche. Carlos rechnet mir vor: „AlsKüchenhilfe in der Pizzeria verdiene ich5 US$ die Stunde. Von meinem Monatslohnmuss ich 450 US$ Miete fürmein Zimmer zahlen, dann die täglicheBusfahrt, dann die Rate für die Schleuserschulden,dann kommen dauerndFreunde, die Geld brauchen, weil siegerade keine Arbeit haben. Dann schickeich monatlich 200-250 US$ nachBelize. Und dann habe ich noch nichtgegessen und getrunken!”Bild vor rotem AutoUnd wenn ich die Männer, die um unsherum sitzen und Carlos mit düsteremKopfnicken zustimmen, so betrachte,fällt mir sofort auf, wie mager und ungesundsie aussehen. Die Ironie dabei:... und hier Ehemänner,Väter und Brüder inLos Angeles, California,USA.weltweit 25


BELIZEJörg AltGlobalisierungIllegale MigrationArmutsbekämpfungAnalyse eineskomplexen PhänomensVON LOEPER LITERATURVERLAGDas neue Buch von Jörg AltSie leben im reichsten Bundesstaat derUSA schlechter als ihre Angehörigenim ärmsten Distrikt von Belize. Dasverheimlichen sie ihrer Familie jedochund täuschen aus Scham und Sorge eingutes, heiteres und reiches Leben vor.„Hör mal” fragt mich Juan, „du hastdoch eine Kamera dabei?” Ich ahneschon, was kommen wird, und in derTat: „Kannst du meiner Familie einschönes Foto von mir schicken, damitsie glauben, dass es mir gut geht?” Ich22.10.2009 06:50:37Ab sofort erhältlich:Jörg Alt (2009), Globalisierung– Illegale Migration –Armutsbekämpfung:Analyse eines komplexenProblems.Von Loeper Literaturverlag,384 Seiten, 24,90 Euro,ISBN 978-3-86059-524-4.Weitere Informationen auchunter www.joergalt.deGlobalisierungsprozesse verursachen illegale Migration:Durch Freihandel etwa werden Menschen arbeitslos undsuchen neue Jobs. Globalisierungsprozesse ermöglichen illegaleMigration: Moderne Kommunikationstechniken lassendiese schwierigen Reisen immer besser planbar werden. Vonenormer Bedeutung für die Armutsbekämpfung in Entwicklungsländernsind die Rücküberweisungen der ‘Illegalen’:Diese Gelder betragen das Doppelte der Entwicklungshilfeund kommen gezielt dort an, wo Menschen sie dringendbrauchen. Das Buch entstand in Kontakt mit ‘Illegalen’,Experten und Wissenschaftlern und möchte für einen angemessenerenUmgang mit diesem Problem werben.bringe es nicht übers Herz, diese Bitteabzulehnen. Also marschieren wir los- raus aus dem Viertel, wo er sich mitfünf anderen Männern ein Zimmerteilt, in eine Gegend mit netten Häusern.Vor eines stellt er sich für dasFoto auf. Damit nicht genug: Er erblicktein wunderschönes rotes Autound möchte auch davor fotografiertwerden. Einige Wochen später erfahreich, dass diese Fotos in Belize sofortDorfgespräch waren. Die Folge:weitere Männer wollen sich nach „ElNorte” aufmachen, da es doch offensichtlichso einfach ist, dort zu Geldund Wohlstand zu kommen.Welches Übel ist besser?Die ganze Situation ist mehr alstragisch, da sich die Arbeits- undVerdienstmöglichkeiten gerade inKalifornien in der Folge der Wirtschaftskrisedramatisch verschlechterthaben. Viele sind arbeitslos und esfällt immer schwerer, Geld zu sparenoder sich gesund zu ernähren. Nochhält die Solidarität untereinander,aber wie lange noch? Zurückkehrenund das Ende der Krise zu Hause abwarten,können sie nicht, da sie sichkeine erneute illegale Wiedereinreiseleisten können. Lohnt sich das Opferwenigstens? In den wenigsten Fällen!Die Jugendarbeitslosigkeit im ToledoDistrict liegt auch mit höheremSchulabschluss bei 69%, was ungeachtetaller Opfer der Väter wiederumnur zwei Alternativen eröffnet:Zurück aufs Dorf als Farmer oderAbwanderung.Jörg Alt SJ26 weltweit


INDIENTrauer in indischen DörfernJoe Übelmesser SJ verbindet seinen Nachruf auf Pater Windey, den Gründerder indischen Dorfbauorganisation VRO, mit einem Ausblick auf die Zukunftdes Werkes.Am 26. September 2009 habenwir Pater Michael A. WindeySJ zu Grabe getragen. Er wurde88 Jahre alt und hat fast 60 Jahreseiner Lebenszeit in Indien verbracht.Zum Begräbnis in seiner Heimat Belgienkonnten aus Indien zwar nurein Dutzend Personen nach Europakommen. Aber in vielen indischenDörfern haben sich Tausende zu Gedenkgottesdienstenversammelt, umüber den Tod des Dörferbauers vonSüdindien zu trauern, der für viele wieein Vater und ein Guru war. Ihm undseiner Dorfbauorganisation VillageReconstruction Organisation (VRO)verdanken sie es, dass sie heute - undviele zum ersten Mal überhaupt in ihremLeben – in menschenwürdigenHäusern wohnen.Die VRO darf nicht sterben!Das haben sich eine Reihe von Spendernaus der Schweiz, Österreich,Deutschland und Belgien geschworen,als Pater Windey wegen angeschlagenerGesundheit im Herbst 2007aus Indien nach Belgien zurückkehrenmusste. Da damals der SchweizerUnternehmer Walter Linsi mit seinerStiftung die Führung der Gruppeübernahm, kann man fast von einemRütlischwur sprechen. Auch ich,ehemaliger Missionsprokurator undFreund von Pater Windey, wurde wiederan Bord geholt. Es war uns allenklar, dass es für einen Einzelnen nichtmöglich wäre, Michael Windey, denGründer und Visionär, den Gandhianerund Apostel der Solidarität undBarmherzigkeit, einfach zu ersetzen.Also hat ein Vorstand aus drei Indernund drei Europäern vorläufig die Leitungdes Werkes übernommen. Es istjedoch unser Bestreben, die Organisationso bald als möglich wieder ganz inindische Hände zu legen.Bitte schenk mir ein Dorf!Warum ich mich selber wieder imDorfbauwerk engagiere? Der Grunddafür liegt mehr als 30 Jahre zurück.Im Jahre 1977 kam Pater Windeyzum ersten Mal in die Missionsprokurnach Nürnberg. Unvergessen ist mirsein unkonventioneller Projektantrag:„Bitte schenk mir ein Dorf!“ Keinervon uns beiden ahnte damals, dassPater Michael A.Windey SJ war einApostel der Solidaritätund Barmherzigkeit.Ein Riesenunterschied:Vater undSohn vor ihrer altenHütte …weltweit 27


INDIEN… und mit derganzen Familie vorihrem neuen, festgemauerten Haus,in das sie Dankder VRO einziehenkonnten.sich aus dieser Bitte eine groß angelegteAktion der Solidarität entwickelnwürde. Manche von Ihnen erinnernsich vielleicht noch an unsere alljährliche,adventliche Werbeaktion für dasDorfbauwerk, die unter dem Namen„Weihnachtsdörfer“ lief. Und sie hatTausenden von Familien in der Tat zueiner Herberge verholfen.Ein königlicher WegEs war einer jener Zyklone, welche regelmäßigdie Ostküste von Indien verheeren,der Michael Windey im Jahre1969 überhaupt auf den Plan rief. Am14. September desselben Jahres wurdebereits das Dorf mit Namen Rajapetheingeweiht. Es war das erste von ca. 500Dörfern, die durch das DorfbauwerkVRO bisher erstanden sind. Die altenSiedlungen waren entweder durch Zykloneoder andere Naturkatastrophenvernichtet worden oder die Bewohnerhatten zuvor in wahrhaft elenden Hüttengehaust. Rajapeth, der Name desersten Dorfes der VRO, heißt Königsstadt.Der Wiederaufbau dieses Dorfeswar nur der erste Schritt auf einemwahrhaft königlichen Weg der Entwicklung.Ein Dach über dem Kopfist gewiss eine Notwendigkeit und einGrundrecht der Menschen. Aber dasallein genügt nicht. In rascher Folge hatdas Dorfbauwerk in Indien nicht nurneue Dörfer, sondern auch Kindergärten,Schulen, Gesundheitsposten, Betreuungszentrenfür Kinder, die manaus der Kinderarbeit befreit hatte, Ausbildungsplätzefür junge Frauen undnoch viele andere Einrichtungen fürdie dörfliche Entwicklung begonnenund geleitet.Die Unterstützung geht weiter!Die alten Spenderkreise in der Schweiz,Österreich, Belgien und Deutschlandhaben sich verpflichtet, vor allem die35 Zentren für Kinder und Frauensowie die Gesundheitsposten finanziellweiter zu unterstützen. Auch dieJesuitenmission möchte einen Teil dernötigen Mittel dafür aufbringen. Siehat sich gegenüber dem Dorfbauwerkbereit erklärt, die folgenden Werke fürdas kommende Jahr mitzutragen: 6 Kindergärten(je 1.103 Euro p.a.) 4 Gesundheitszentren(je 2.300 Euro p.a.) 2 Ausbildungszentren für Frauen(je 9.000 Euro p.a.)Pater Windey, der Gründer und Visionärist gestorben. Sein Werk soll weiterleben wegen all der Menschen, denenes dient. Und dafür bitte ich Sie ganzherzlich um Ihre Mithilfe.Joe Übelmesser SJ28 weltweit


AKTIONBenefizveranstaltung erzielt mehr als 17.000 EuroKunst und KruschDiese Radierung vonJoan Miró (1893-1983) erzielte beiunserer Benefizauktion2.900 Euro. Siewar Teil einer Kunstsammlunggewesen,die der Jesuitenmissiongeschenktworden war.„110 Euro – bietet jemand mehr? 110Euro zum ersten, zum zweiten undzum dritten!“ Schwungvoll lässt PaterJoe Übelmesser den Auktionshammerauf die Tischplatte fallen. Unddamit hat Christina Zetlmeisl denZuschlag erhalten. Das Objekt derBegierde ist 25 cm auf 25 cm groß.„Komposition“ ist der Titel des Werksvon Bernard Childs, einem bekanntenUS-amerikanischen Künstler. Der1910 als Sohn russischer Einwanderergeborene Childs gehörte zu denbedeutenden Vertretern des AbstraktenExpressionismus. „Rot, gelb undorange: Die Farben des Bildes passenperfekt in meine Wohnung“, so dieglückliche Bieterin.64 Werke aus dem Kunstarchiv derJesuitenmission sind Ende Oktoberim Caritas-Pirckheimer-Haus (CPH)für einen guten Zweck unter denHammer gekommen. „Wir haben einesolche Benefizauktion zum ersten Malveranstaltet und sind bezüglich derResonanz begeistert“, erklärt KlausVäthröder, der Leiter der Jesuitenmission.Den höchsten Preis bei „Kunst& Krusch“ erzielte eine Radierungvon Joan Miró. Die Versteigerungstartete bei 1.900 Euro. Ein höheresschriftliches Gebot lag vor, doch zweianwesende Bieter schaukelten sich gegenseitighoch. Am Ende des Duellswechselte der Miró für 2.900 Euroden Besitzer. Das wohl emotionalsteRingen des Abends ging um das Ölgemälde„Maria mit dem Jesuskind“von Heinrich Maria von Hess. DenZuschlag bekam letztendlich ein ältererMann, der sich als Urenkel desKünstlers entpuppte. Seit Jahrensucht er die wenigen noch auffindbarenWerke seines Urgroßvaters undhatte dieses Bild zufällig auf der imInternet eingerichteten Auktionsseiteder Jesuitenmission entdeckt. Der Gesamterlösaus den ersteigerten Kunstwerkenbeläuft sich auf 14.270 Euro.Hinzu kommen 3.057 Euro aus demzweitägigen Benefizbasar mit fast 300Besuchern.Allerdings fand nicht jedes Bild aufder Auktion einen Käufer. Knapp20 Bilder gingen zurück. Sie könnennoch bis Mitte Dezember zum halbenSchätzpreis erworben werden.Genaueres unterwww.kunst.jesuitenmission.de30 weltweit


AKTIONKampagne fordert TransaktionssteuerSteuer gegen ArmutMit einem Offenen Brief an die neueBundesregierung ist am 17. Oktober,dem Welttag zur Bekämpfung vonArmut, die Kampagne "Steuer gegenArmut" gestartet. Die Kampagnewurde von der Jesuitenmission initiiertund ist das erste Projekt der neugeschaffenen Advocacy-Stelle unterP. Dr. Jörg Alt SJ. Über 40 Organisationenund Einzelpersonen haben alsErstunterzeichner den Offenen Briefunterschrieben, darunter Banken,Hilfswerke und Gewerkschaften.Krisenfolgen bewältigenAusgangspunkt der Kampagne ist derWunsch, dass auch der Finanzsektoreinen Beitrag zur Folgenbewältigungder Krisen beiträgt, die durch ihnverursacht wurden. Denn: die globalenNahrungsmittel-, Rohstoff- undHypothekenkrisen im Jahr 2008 sindalle durch Spekulation mit-verursacht.Die reichen Länder wenden Milliardenfür Konjunkturprogramme auf,die armen Länder werden mit denKrisenfolgen allein gelassen. Nebenanderen Maßnahmen ist deshalb dieEinführung einer Transaktionssteuerauf alle spekulationsrelevanten Finanztransaktionen(Währungen, Derivate,Aktien) mitzubedenken. DieseSteuer würde, so die Auffassung vonWissenschaftlern, zur Stabilisierungdes Finanzsystems beitragen. Intelligentausgestaltet, würde diese Steuersinnvolle Finanztransaktionen nichtbehindern, wohl aber spekulative undsozial schädliche Exzesse ein wenigunattraktiver machen. Durch dieseSteuer würden sodann viele MilliardenDollar generiert werden, vondenen ein gewisser Prozentsatz auchin Entwicklung und Armutsbekämpfunginvestiert werden könnte.Wir brauchen Ihre Unterschrift!Zur Finanztransaktionssteuer hat die Kampagne eine Petitionbeim Deutschen Bundestag eingelegt. Wenn wir bis AnfangDezember 50.000 Unterschriften zusammenbekommen,wird die Petition in einer Öffentlichen Sitzung des Bundestagesbehandelt, was dem Thema zusätzliche Aufmerksamkeiteinbringen wird. Unsere Bitte: Werden auch Sie Mitunterzeichnerder Petition!Weitere Informationen finden Sie aufwww.steuer-gegen-armut.orgNicht auf Kosten der ArmenWarum engagiert sich die Jesuitenmissionfür eine solche Kampagne?Weil es nicht angehen kann, dass sichim globalen Kasino wenige auf Kostenvieler bereichern und im Falle von Katastrophenwie der Weltwirtschaftskriseauch Sie, unsere Spender, helfenmüssen, die Folgen wie Arbeitslosigkeit,Hungersnot, Einbrüche im Erziehungs-und Gesundheitswesen inarmen Ländern auszugleichen.weltweit 31


VORGESTELLTUnsere dienstälteste Ehrenamtliche feiert GeburtstagNeunzig Jahre jung!„Ach, Ihr jungen Hüpfer, was wisst Ihrschon vom Leben!“ Hildegard Schulteslächelt verschmitzt bei diesen Worten,sind doch die Angesprochenen auchschon alle über Siebzig. Aber für eineNeunzigjährige ist das natürlich jungesGemüse. Am 14. November 1919wurde die Nürnbergerin geboren. Siehat als Buchhalterin, als Sportlehrerin,als Einkäuferin in einer Besteckfabrikgearbeitet und seit mehr als ihrem halbenLeben ist sie zudem Ehrenamtlichein der Jesuitenmission. Sie schreibtBriefe, betreut die Taufgaben und hilftüberall mit, wo eine Hand gebrauchtwird. Eine ihrer großen Leidenschaftenist das Reisen: „Ich war in Indien,Nepal, Iran, Ägypten, Israel, den USA,Kanada. Ich habe an vielen OrtenMissionsprojekte der Jesuiten besuchtund gesehen, wie wichtig es ist, vonunserem Überfluss abzugeben und damitsauberes Wasser, tägliche Mahlzeitenund Schulen zu finanzieren.“ Zuihrem 90. Geburtstag gratulieren wirHildegard Schultes von Herzen, wünschenihr gute Gesundheit und dass siesich auch im neuen Lebensjahrzehntihren jungen, humorvollen Geist bewahrenmöge!werkstatt-weltweit hat eine neue MitarbeiterinHerzlich willkommen im Team!Seit November gehört RossemaryBrückner-Hospedales zum Team derwerkstatt-weltweit, die als Jugendinitiativeder Jesuitenmission die Freiwilligendiensteund Mitmachprojektebetreut. „Ich freue mich auf die Arbeitin der werkstatt-weltweit. Schon inVenezuela, wo ich aufgewachsen bin,habe ich mich in der sozialen Arbeitengagiert. Nach meinem Jurastudiumwar ich Rechtsberaterin beim Jesuitenflüchtlingsdienstan der GrenzeVenezuelas zu Kolumbien. Danachleistete ich Aufbauarbeit in Ecuador –ebenfalls im Jesuitenflüchtlingsdienst.Seit fast drei Jahren lebe ich nun inDeutschland. Wegen der Erfahrungen,die ich selbst in den verschiedenenKulturen durchlebt habe, möchte ichgerne anderen engagierten Menschen– zum Beispiel unseren Freiwilligen –mit Rat und Tat zur Seite stehen. Ichfreue mich darauf, gemeinsam mit ihnenzu erarbeiten, was sie selbst tunkönnen, um sich schnell in einer anderenKultur zurechtzufinden, wassie aber auch berücksichtigen sollten,um Zugang zu den Menschen dortzu finden, damit sie diese verstehenund ihnen wirksam helfen können.“Wir begrüßen Rossemary Brückner-Hospedales ganz herzlich und dankengleichzeitig ihrer VorgängerinSusanne Jörg, die nach zwei Jahrenin der werkstatt-weltweit in ihr HeimatbistumWürzburg zurückgekehrtist, um dort neue Aufgaben in der Jugendarbeitzu übernehmen.32 weltweit


KURZMELDUNGENWeihnachtliche Erfahrungen in KambodschaKrippe mit RollstuhlDie Rollstühle sind uns auf Schritt undTritt begegnet. Zunächst nur auf derStraße. Dann aber auch an einem Ort,an dem wir es nun wirklich nicht erwartethätten: in der Weihnachtskrippevon Bischof Kike. Wir, eine deutscheJugendgruppe, waren gerade aufExposure-Reise durch Kambodscha.Und zwar an Weihnachten. Deswegenkonnte uns auch bei Bischof EnriqueFigaredo SJ, genannt Kike, diese ganzbesondere Krippe auffallen. Denn nebenMaria, Josef und dem Jesuskindwar darin auch ein Junge im Rollstuhlzu sehen. Theologen würden von einemgelungenen Akt der Inkulturation,also der Einwurzelung in einebestimmte Kultur sprechen. Dennschließlich ist Kambodscha das Landmit den meisten Landminenopfernweltweit. Und für die ist, so BischofKike, der Rollstuhl das achte Sakrament.Er schenkt ihnen ein besseresLeben. Deshalb findet man dort invielen Kirchen auch Darstellungen biblischerGeschichten mit Menschen inRollstühlen. Einmal haben wir sogareinen Gekreuzigten mit fehlendemBein gesehen: Jesus, einer von uns.Das ist Menschwerdung. Uns hat dasin einem fernen Land die Augen geöffnetfür Weihnachten.Christian BauerFür Bischof KikeFigaredo (links) sindRollstühle das achteSakrament, denn siehelfen Landminenopfern(rechts).Vorsorgen und vererben sind sensible ThemenSchon gewusst?Nur drei Prozent der deutschen Bundesbürgerhaben ein gültiges Testament.Dabei schafft ein Testamentverbindliche Klarheit und kann spätereinmal den überlebenden Verwandtenvieles erleichtern. Sie können in IhremTestament Personen, Stiftungen oderOrganisationen nach Ihrem Wunschbedenken. Wenn Sie sich mit diesem– von vielen eher ungeliebtem – Themanäher befassen wollen, hilft Ihnenunser Ratgeber, den wir Ihnen gernezuschicken: Tel. (0911) 2346-160 oderprokur@jesuitenmission.deweltweit 33


LESERBRIEFEDas Leben derKirche in Vietnam– hier eine Ordensschwestermit einemWaisenmädchen –beeindruckte vieleLeserinnen und Leser.Hoffnung und AnregungZum Vietnam-Artikel (3/09)Mit Freude habe ich wieder die aktuelleAusgabe von „weltweit“ gelesen.Neben all den beeindruckenden Berichtenhat mich vor allem der Berichtüber die Kirche in Vietnam berührt.Zeigt dieser doch, wie Kirche auch unterwidrigsten Bedingungen weiterlebenkann, wenn sie auf eine breite Basisgestellt und vor allem in den Herzender Menschen verankert ist. Vielleichtkann dies auch für uns eine Hoffnungsein in einer Zeit, in der unser Glaubein der Gesellschaft anscheinend kaummehr Bedeutung hat. Und es kannuns Anregung sein, unseren Glaubenin und durch unser tägliches Lebenlebendig werden zu lassen. Danke fürall die engagierten Bemühungen derMissionsprokur und weiterhin GottesSegen für Ihre Arbeit!Hildegard Werling, per E-MailIns InternetZum Artikel aus Indonesien (3/09)Ich habe Ihre Herbstausgabe intensivgelesen. Vor allem der Beitrag „Ideenschmiedefür junge Leute“ Seite 20-23hat mir zugesagt. Ich würde Ihn gernauf meine Internetseite www.technikpolitik.de(sowie www.innovationspolitik.de)stellen.Nikolai Wolfert, per E-MailAnmerkung der Redaktion: Gerne dürfenSie unsere Berichte weiterverbreiten,darüber freuen wir uns!Das BesteZur weltweit-Herbstausgabe (3/09)Euer „weltweit" ist wirklich das Beste,was ich je von einem kirchlichenTräger zu lesen bekommen habe. Inhaltlichlässt es mich immer mal wiederüber meinen kleinen Tellerrandschauen und eine Ahnung davon bekommen,wie privilegiert wir hier leben.Und wenngleich die Not auf derWelt mich immer wieder schaudernlässt, ist es eine Freude, eure Berichtezu lesen. Redaktion und Layout sindeinfach nur gut!Claudia Semmlinger, per E-MailEingetragener Verein?Zur weltweit-Herbstausgabe (3/09)In Abständen erhalten wir Ihre Zeitschrift„Weltweit - Das Magazin derJesuitenmission" mit der Beilage einerZahlkarte für Spenden. An keiner Stelledes Heftes oder der Zahlkarte ist einHinweis, dass Sie ein „eingetragenerVerein e.V.“ sind. Auch die Hinweisezur Zuwendungsbestätigung reichennicht aus. Es gibt zu viele unseriöseInstitutionen und Bittsteller.MR Dr. sc. med. Horst Becke, per FaxAnmerkung der Redaktion:Die Jesuitenmission ist kein eingetragenerVerein e.V., sondern als Teil derdeutschen Jesuitenprovinz eine Körperschaftdes öffentlichen Rechts. Als solcheist ihre Gemeinnützigkeit anerkanntund sie unterliegt strengen Kriterien derBuchprüfung.34 weltweit


IMPRESSUMHerausgeber: Klaus Väthröder SJRedaktion: Judith BehnenGestaltung: Katja Pelzner, dialogDruck auf FSC-Papier : EOS St. OttilienISSN 1860-1057, erscheint vierteljährlichAusgabe: 4/2009 – Weihnachtenweltweit – die JesuitenmissionÜberall auf der Welt leben Jesuiten mit den Armen,teilen ihre Not, setzen sich für Glaube und Gerechtigkeitein. Über dieses weltweite Netzwerk fördert dieJesuitenmission dank Ihrer Spenden rund 600 Projektein mehr als 50 Ländern. Sie leistet Unterstützungin den Bereichen Armutsbekämpfung, Flüchtlingshilfe,Pastoralarbeit, Schulbildung, Gesundheit,Menschenrechte, Ökologie und Landwirtschaft.weltweit – das Magazingibt viermal im Jahr einen Einblick in das Leben unddie Arbeit unserer Missionare, Partner und Freiwilligen.✂Ja, schicken Sie mir weltweit – das Magazinder Jesuitenmission ab der nächsten Ausgabebitte kostenlos zu.Bildnachweise:Jesu Mafa (Titel,S.15-21,Rücktitel), Sauerbeck (S.2), Jesuitenund Freiwillige in Pannur (S.4-9), Zetlmeisl (S.10-12), vonSchoeler (S.11), Jesuit Relief Fund (S.13-14), Weltgebetstagder Frauen (S.22-23), Alt SJ (S.24-26), Balleis SJ (S.27),Behnen (S.27-28), Sambia-Reisegruppe (S.29), KunstarchivJesuitenmission (S.30), Balleis SJ (S.32), Brückner-Hospedales(S.32), Väthröder SJ (S.33-34), Angela Hellmuth/Jesuitenmission (S.35)Leserbriefe bitte an:Redaktion weltweitKönigstraße 64, 90402 NürnbergTel. (0911) 23 46-160, Fax -161weltweit@jesuitenmission.dewww.jesuitenmission.deSpendenkonto: 5 115 582Liga Bank, BLZ 750 903 00IBAN: DE 61750903000005115582SWIFT: GENODEF1M05Name, VornameStraße, Nr.PLZ, OrtE-Mail (falls vorhanden)AntwortAn dieJesuitenmissionRedaktion weltweitKönigstraße 6490402 NürnbergGeburtsdatum (freiwillige Angabe)weltweit 35


Die Jesuitenmission ist Ihre Schaltstelle• für Informationen über Schicksale und Anliegen der Armen• für Austausch, Begegnung und Freiwilligeneinsätze weltweit• für die Weitergabe von Spenden in unsere HilfsprojekteKönigstraße 6490402 NürnbergTel. (0911) 23 46 -160Fax (0911) 23 46 -161prokur@ jesuitenmission.dewww.jesuitenmission.deWir wünschen allen unseren Leserinnen und Lesern eine besinnliche Adventszeit,frohe Weihnachten und ein gesegnetes neues Jahr !Ganz herzlichen Dank für Ihre Treue und Unterstützung,IhrP. Klaus Väthröder SJSpendenkonto 5 115 582Liga Bank, BLZ 750 903 00IBAN: DE 61750903000005115582SWIFT: GENODEF1M05

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