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Determinismus in David Lynchs Mulholland Drive von Frank ...

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10empf<strong>in</strong>det Homer als traumartig. Denn das Schicksal macht hier, dass auch die Götter nichthelfen können. Weiter schreibt Homer (22, 208 – 213, Übers. Schadewaldt):„Als sie nun zum viertenmal zu den Brunnen gelangten,Da nun spannte der Vater die goldenen Waagschalen ause<strong>in</strong>ander.Und legte zwei Lose h<strong>in</strong>e<strong>in</strong> des starkschmerzenden Todes,E<strong>in</strong>es für Achilleus und e<strong>in</strong>es für Hektor, den Pferdebändiger,Faßte sie <strong>in</strong> der Mitte und zog sie hoch. Da senkte sich Hektors SchicksalstagUnd kam h<strong>in</strong>ab bis zum Hades; und da verließ ihn Phoibos Apollon."Der mitleidende Gott Zeus erkundigt sich beim Schicksal, der mitleidende Gott Apollon mussHektor lassen. Das Schicksal ist gesichtslos, aber die Götter können mitleiden. Die Götterspiegeln so die conditio humana. Genau dasselbe tut der schwarze Mann h<strong>in</strong>ter „W<strong>in</strong>kies“: eraber ist ke<strong>in</strong> mitleidender Gott, sondern e<strong>in</strong> böser Dämon. Die Welt <strong>von</strong> <strong>David</strong> Lynch istdunkler als die <strong>von</strong> Homer.Dieselbe Lehre wartet auf Rita und Betty. Leider weist sie ke<strong>in</strong> Cowboy darauf h<strong>in</strong>. Siemüssen ihren Weg anders gehen. Der <strong>in</strong>teressanteste Punkt ist Rita. Auch sie ist aus ihrerExistenz gefallen, auch sie wird verfolgt. Anders als Kersher f<strong>in</strong>det sie nicht <strong>in</strong> ihr Lebenzurück, sondern verlässt die Szenerie auf geheimnisvolle Weise. Warum kann sie nicht wiederzurück <strong>in</strong>s Leben? Was unterscheidet sie <strong>von</strong> Kersher? Kersher soll e<strong>in</strong>e bestimmte Rolle imLeben spielen. Als er versucht, aus ihr auszubrechen, wird er unsanft wieder an den Karrengespannt und läuft weiter. Rita kann das nicht, denn Ritas Rolle ist ausgespielt. Ihr Fehler ist,dass sie versucht, weiterzuspielen. Ich möchte diesen Punkt gerne an zwei Motiven erläutern,auf die im ersten Falle vielleicht, im zweiten ziemlich sicher angespielt wird.Es gibt e<strong>in</strong>en Roman <strong>von</strong> Fruttero und Lucent<strong>in</strong>i. Es ist e<strong>in</strong> verhältnismäßig unbekannterRoman des italienischen Erfolgsduos. Er heißt: Du bist so blass. E<strong>in</strong>e Sommergeschichte.Auch Rita ist blass und es ist e<strong>in</strong>e Sommergeschichte. Bei Fruttero und Lucent<strong>in</strong>i geht es ume<strong>in</strong>e junge Frau, die e<strong>in</strong>en Platz <strong>in</strong> der Gesellschaft hat, auf Partys geht und etwas erlebenwill. Doch ihr widerfährt Merkwürdiges: Ihre Freunde beg<strong>in</strong>nen, sie zu ignorieren. Sie fühltsich unwohl. Man sieht es ihr an: ‚Du bist so blass.' E<strong>in</strong>e Weile versucht sie, ihr Leben so zuleben, wie sie es kennt. Sie fährt e<strong>in</strong>e Straße entlang und kommt an e<strong>in</strong>em Autounfall vorbei.Es stellt sich dann heraus, dass sie selbst bei dem Autounfall ums Leben gekommen ist, ihrenTod nicht akzeptiert hat und versucht weiterzuleben. Am Schluss akzeptiert sie, dass sie totist, und verschw<strong>in</strong>det (das ist die logische Folge, die e<strong>in</strong>e Ich-Erzählung aber nichtausdrücken kann). Die Parallelen zu Rita s<strong>in</strong>d, glaube ich, nur zu deutlich. Der zweite

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