ewe-aktuell 1/2016

eineweltengagement

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März 2016

Unsere

Freiwilligen zum

Jahreswechsel

WEITERE THEMEN IN DIESER AUSGABE:

Daniel stellt sich vor Mein bisher schönstes Fest Mazabuka – Süßester Ort der Nation


Seite 2

Editorial

Liebe Leser,

als ich vor fünfzehn Jahren als Freiwilliger in

Sambia war, war Monze als Bischofssitz

nicht nur das Zentrum des Bistums, sondern

auch des ewe-Austauschs. Dort hatte alles

angefangen, und die meisten Freiwilligen

verbrachten auch die längste Zeit ihres Einsatzes

dort. Als ich damals nach Mazabuka

kam, war dort noch niemand vor mir gewesen.

Umso mehr freut es mich, dass nun immer

wieder deutsche

Freiwillige in Mazabuka

zum Einsatz kommen

– genauso wie in

vielen anderen Gemeinden

an der Peripherie

des Bistums.

Grund genug, sich die

einzelnen Gemeinden

des Bistums einmal ein bisschen genauer

anzuschauen. Dies wollen wir von nun an in

der ewe aktuell regelmäßig tun – und beginnen,

da nun sowohl unsere deutsche

Freiwillige Helen dort ist als auch unser neuer

sambischer Freiwilliger Daniel von dort

stammt, mit Mazabuka, der Heimat des

sambischen Zuckers. Beim Kennenlernen

des Bistums Monze und den aufweckenden

Geschichten der sambischen und deutschen

Freiwilligen wünscht Euch und Ihnen viel

Freude,

Johann Müller

Inhaltsverzeichnis

3

6

8

Unser neuer sambischer Freiwilliger

stellt sich vor

Momente aus meinem Freiwilligendienst

4

Sambias Wirtschaft schwächelt

Viele Herausforderungen

vor den Präsidentschaftswahlen

Unsere deutsche Freiwillige berichten

10 Und es schlägt Halbzeit!

Gemeinden im Bistum Monze

Mazabuka – Der süßeste Ort der Nation

7

Unsere sambischen Freiwillige berichtet

Vergleich zwischen Sambia und Deutschland

Impressum

Herausgeber: eine-welt-engagement (ewe) e.V.

Internet: www.eine-welt-engagement.de

Redaktion: Johann Müller

E-Mail: johann.mueller@eine-welt-engagement.de

Postfach 100523, 52305 Düren

Layout/Satz: Type Art, Herzogenrath

Druck: saxoprint.de

Die Redaktion übernimmt keine Haftung für unverlangt

eingesandte Manuskripte, Fotos und Illustrationen.

ewe aktuell“ ist im Abonnement gegen eine Spende

erhältlich. Info unter Telefon 02421- 8 79 88

oder unter: info@eine-welt-engagement.de

ViSdP: Guido Schürenberg


Seite 3

Unser neuer sambischer Freiwilliger stellt sich vor:

Ich heiße Daniel

Maimbo Chinyama

Nanja und bin

der Älteste von

4 Geschwistern.

Ich bin am 29. Oktober

1997 im

nördlichen Sambia

geboren (in der

Muchinga Provinz).

Die ersten drei Jahre ging ich dort zur

Grundschule, bis mein Vater nach Mazabuka,

in die südliche Provinz, versetzt wurde.

Von der 4. bis zur 7. Klasse besuchte ich die

Kkuti Privatschule, und meine sieben Prüfungen

am Ende waren sehr gut, sodass ich auf

eine weiterführende Schule gehen konnte.

Ich machte an der Mukasa Seminarschule

in Choma noch einmal alle Prüfungen

und war einer der Wenigen, der angenommen

wurde. Die Schule machte es mir leicht,

mich willkommen zu fühlen, und ich

gewöhnte mich schnell an die neue Umgebung.

Hier lernte ich auch Volleyball spielen

und machte mit im Junior Ingenieur Club, in

dem ich lernte, kreativ zu sein und Projekte

zu machen.

Auch in den nächsten neun Prüfungen

waren meine Ergebnisse sehr gut, und ich

konnte an der Schule bleiben.

Ich habe dort auch gerne mit im Schulchor

gesungen und war ab der 11. Klasse

der Chorleiter. Vorher hatte ich schon einige

leitende Funktionen als Schüler, z.B. als stellvertretender

Schulsprecher.

Im letzten Jahr schrieb ich meine letzten

Prüfungen zum Abitur. Ich bin sehr glücklich,

dass diese gut genug waren, um Medizin zu

studieren. Ich habe immer davon geträumt,

eines Tages Arzt zu werden.

Anfang 2016 war mir das Glück hold,

und ich wurde als Teilnehmer ausgewählt,

Sambia beim interkulturellen Austausch mit

dem EWE zu vertreten. Ich freue mich sehr,

nach Deutschland zu gehen, ich habe viel

über die europäische Geschichte in meiner

Schulzeit gelesen. Ich bin bei so einer Chance

aber auch wirklich ein wenig ängstlich.

Alles, was ich tue, ist, es in Gottes Hand zu

lassen.

Daniel Nanja

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Seite 4

Momente aus meinem Freiwilligendienst

Für mich ist interkultureller Austausch die

Idee, Menschen aus unterschiedlichen

Kulturen und mit unterschiedlichen Ansichten

zusammen zu bringen. Wir können voneinander

lernen und einen Teil anderer

Kulturen verinnerlichen. Es gibt viele Situationen,

in denen mir die Unterschiede

zwischen der sambischen und der deutschen

Lebensweise bewusst werden, aber

genau das macht es spannend. Von diesen

Situationen möchte ich jetzt erzählen.

Die deutsche Sprache

In meiner Gastfamilie kommen manchmal

lustige Missverständnisse in Bezug auf die

deutsche Sprache zustande. Die Geschichte

der Mützen und Handschuhe war für uns

die witzigste Unterhaltung, die bisher vorgekommen

ist. Anstatt das Wort „Mütze“ zu

benutzen, nannte ich sie „Kopfsocke“, was

meine Gasteltern sehr verwunderte. Ebenso

war ich überrascht, dass „Handschuhe“

Handschuhe heißen. Letztlich haben wir

glücklicherweise verstanden, was wir uns

sagen wollen.

Weihnachten und Neujahr

Die beiden Feste haben mir gut gefallen.

Weihnachten hat sich für mich nicht wirklich

von dem, was ich aus Sambia kenne, unterschieden.

Der einzige Unterschied war, dass

es hier an Weihnachten kalt ist und es echte

Weihnachtsbäume gibt anstatt künstliche.

Silvester wird hier etwas anders gefeiert als

bei uns. Die Menschen bleiben wach, bis es

endlich Neujahr ist und veranstalten ein großes

Feuerwerk. Bei uns in Sambia geht es

da etwas ruhiger zu.


Seite 5

Schade, dass es Karneval in Sambia

nicht gibt. Für mich war es bisher das

schönste Fest in Deutschland. Ich werde es

vermissen!

Besuch im Museum in Bonn

Mit anderen ausländischen Freiwilligen war

ich zu Besuch im Haus der Geschichte in

Bonn. Es war sehr spannend für mich, mehr

über die deutsche Geschichte zu lernen und

Karneval

Nach Neujahr kam Karneval, für viele eine

wichtige Zeit. Darunter konnte ich mir nicht

vorstellen, wie dieses Fest gefeiert wird, bis

ich es mit eigenen Augen gesehen habe. Es

ist die Zeit, in der Menschen rumalbern und

sich über das soziale Leben und die Politik

amüsieren. Ich war sehr beeindruckt, mit

wie viel Spaß nicht nur Erwachsene, sondern

auch Kinder an den bunten Karnevalsumzügen

teilhaben und zuschauen.

An Weiberfastnacht verkleiden sich nicht

nur die Leute, die feiern, auch diejenigen,

die arbeiten müssen. Dieser Tag ist so

besonders! Auch in meiner Einsatzstelle,

dem Seniorenzentrum in Wickrath haben

wir gefeiert. Es gab mehrere Tanz- und

Theatergruppen und alle Bewohner und

Kollegen hatten Spaß.

Einen Tag vor Weiberfastnacht habe in

einer Aufführung in unserer Gemeinde mitgemacht.

Schon Tage vorher war ich sehr

aufgeregt und machte mir Gedanken darüber,

ob ich meinen Auftritt auf Deutsch

meistern würde. Ich habe es geschafft und

keinen Fehler gemacht.

die Maschinen und Gegenstände zu begutachten,

die im 2. Weltkrieg verwendet wurden.

Ich habe mich gefühlt, als wäre ich in

einer anderen Zeit. Der Besuch hat mich

etwas nachdenklich gemacht und mein

Interesse für unsere Weltgeschichte nur

noch verstärkt.

EWE vielen Dank, dass ihr es mir ermöglicht

habt, all diese Momente erleben zu

dürfen.

Melody Namano

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Danke!


Seite 6

Gemeinden im Bistum Monze

Heute: Mazabuka – Der süßeste Ort der Nation

Fährt man von Sambias Hauptstadt Lusaka

Richtung Süden, wird es selten langweilig.

Zunächst überquert man den Kafue-

Fluss, dann kommt man zur Banana

Junction und muss sich entscheiden, ob

man Richtung Süden will, sich also Richtung

Simbabwe aufmacht, oder ob man rechts

abbiegt, um zunächst durch die Kaffeeplantagen

der Munali Hills zu kommen und

dann alsbald Sambias Gemeinden zu streifen,

die sich an der Fernstraße T1 bis nach

Livingstone und die Viktoria-Fälle schlängeln.

Etwa 120 km nach Verlassen Lusakas

wird man von einem Straßenschild begrüßt:

„Welcome to the sweetest place of the

nation!“ Willkommen im süßesten Ort der

Nation! Der Sambier weiß dann längst, dass

er in Mazabuka ist. Denn Mazabuka ist die

Heimat des sambischen Zuckerrohrs, das

auch an Ort und Stelle weiter verarbeitet

wird und dementsprechend viele Arbeiter

aus allen Landesteilen anzieht

– auf den Straßen hört

man daher nicht nur viel Chitonga,

es wird auch Bemba,

Nyanja und Lozi gesprochen.

Wegen der „süßen“

Zuckerindustrie ist Mazabuka

infrastrukturell verhältnismäßig

gut versorgt. So verfügt

die Stadt z.B. über mehrere

klimatisierte Supermärkte.

Wer von Lusaka kommend

nicht rechtzeitig

bremst – und die zahlreichen

Ausbeulungen im Zaun legen ein

stummes Zeugnis darüber ab, dass gerade

größeren Lastwägen dies nicht immer

gelingt – der landet direkt vor den Tiefkühlregalen

einer südafrikanischen Supermarktkette.

Mazabuka ist auch der in den letzten

Jahren einzige Ort außerhalb Lusakas, des

Kupfergürtels und den Städten dazwischen

(Kabwe), die hin und wieder mit einem

Team in Sambias höchster Fußballiga vertreten

ist – mit den Nakambala Leopards.

Nakambala ist Mazabukas Ortsteil mit den

Zuckerrohrplantagen. Aufgrund der Kontrollen

bei Ein- und Ausfahrt – es soll ja kein

Zuckerrohr geschmuggelt werden – ist

Nakambala praktisch eine Stadt in der Stadt.

Dementsprechend gibt es auch zwei katholische

Gemeinden in Mazabuka. Beide

haben inzwischen schon deutsche Freiwillige

beherbergt. Zum einen der Assumption

Parish, auf der linken Seite an der Ausfallstraße

Richtung Monze gelegen, zum anderen

St. Paul in Nakambala.

Aufgrund der vielen Arbeitsmöglichkeiten

wächst Mazabuka konstant an. Man

kann von mittlerweile 150.000 Einwohnern

ausgehen. Zählt man noch die weiteren Orte

des Distrikts zusammen, der auch noch die

Gemeinden Kaleya und Magoye umfasst,

sind es laut Zensus von 2010 bereits

230.000.

Johann Müller

Fotonachweise

The Guardian; Photobucket;

Helen Hermens 3;

Irmela Kuhlen 3;

Fam. Heidenfels 4;

Electoral Commission of Zambia


Seite 7

Sambias Wirtschaft schwächelt

Viele Herausforderungen ein halbes Jahr

vor den erneuten Präsidentschaftswahlen

Bereits am 11. August dieses Jahres

werden die Sambier wieder an die

Wahl urne gebeten. Nachdem Präsident

Edgar Lungu nach dem plötzlichen Tod

Lungu nun wenig Zeit, sich in seinem

neuen Amt zu profilieren. Die

Wählerregistrierung ist bereits

abgeschlossen. Präsident Lungu

verkündete bereits, wieder

im Tandem mit der amtierenden

Vize-Präsidentin Inonge

Wina antreten zu wollen,

doch dringende Probleme

hat das Land andere: Wie

so viele afrikanische Länder,

die mit ihrem Ressourcenreichtum vom wirtschaftlichen

Aufschwung in den Schwellenländern,

allen voran in China, profitierten,

hadert Sambia nun mit seiner Exportabhängigkeit.

Denn das nachlassende Wirtschaftswachstum

in Fernost bringt auch Sambia an

den Rand einer Rezession. Bis vor Kurzem

war noch ein Wachstum von 7 % für 2016

vorausgesagt worden, nun rechnen Analysten

nur noch mit 3,7 %. Der sambische

Kwacha verlor in den letzten Monaten

massiv an Wert, was Importe teurer macht

und die Inflation anheizt. Zuletzt wurden

Spitzenwerte von über 20 % erreicht. Die

internationalen Finanzmärkte sehen die

Entwicklung in Sambia mit Skepsis. Aufgrund

der anhaltend schlechten Ratings

erhöhen sich die Zinsen für die Aufnahme

weiterer Kredite.

Wahlwerbung bei den außerordentlichen Präsidentschaftswahlen 2015

seines Vorgängers Michael Sata im Dezember

2014 nur für die restlichen 18 Monate

von Satas Amtszeit gewählt worden war, hat

Die Stimmung ist sechs Monate vor den

erneuten Präsidentschaftswahlen entsprechend

angespannt. Immer häufiger auftretende

Stromausfälle zeigen den Sambiern

auch im Alltag immer wieder den großen Investitionsbedarf.

Eine weitere Herausforderung

ist die aufgrund des Klimaphänomens

El Nino auftretende Dürre, die vielen afrikanischen

Ländern derzeit zu schaffen macht

und die auch in Sambia einen deutlichen

Rückgang der Agrarproduktion mit sich

bringt. Es dürfte also ein anstrengender

Wahlkampf für Edgar Lungu werden. Angesichts

der engen Ausgangslage – Herausforderer

Hakainde Hichilema darf sich diesmal

wohl ernsthafte Hoffnungen auf den Einzug

ins State House machen – vielleicht aber

auch ein Wahlkampf, der die Nöte der Menschen

wirklich ernst nimmt.

Johann Müller

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Seite 8

Aus dem Freiwilligenleben: Unsere s

Vergleich zwischen

Sambia und Deutschland

Das Leben ist

jetzt für mich ein

Stück einfacher geworden,

seitdem ich

die deutsche Sprache

lerne und

improvisieren kann,

sowohl zuhause als auch im Krankenhaus.

Wenn ich jetzt in die Kirche gehe, singe

ich die Lieder mit und verstehe sie auch. Das

Besuch im Wuppertaler Zoo

war nicht so einfach, weil hier Gesangbücher

benutzt werden.

Im Krankenhaus habe ich gelernt, Blutdruck

zu messen und Insulininjektionen zu

geben. Ich kann einen Patienten – egal ob

Mann oder Frau – inzwischen allein im Bad

oder auch im Badezimmer waschen. Es ist

aber auch gut, dass wir viele Patienten

haben, die dies alleine können.

Manchmal muss ich zehn Tage hintereinander

arbeiten

und habe danach

vier Tage frei. Jetzt

habe ich auch den

Spätdienst kennengelernt

von 12h48

bis 21h, aber es war

nicht so gut, allein

im Dunkeln zum

Bahnhof zum Zug

zu gehen, ich war

dort die ganze Zeit

allein.

Wenn ich in

Deutschland irgendwohin

mit dem Zug

oder Bus fahre, ist

dieser immer pünktlich,

auch wenn nur

eine Person mitfährt.

Nur im Winter gibt

es schon mal Verspätungen

von fünf

bis zehn Minuten.

Das ist in Sambia

ganz anders, der

Bus fährt erst los,

wenn alle Plätze besetzt

sind.

In Deutschland

sieht man normalerweise

kein Papier

oder Plastik in den

„Mir gefällt das

saubere Deutschland

sehr gut.“

Straßen herumfliegen. Und alles wird zuhause

sortiert, Müllwagen holen es ab und es

wird recycelt. Mir gefällt das saubere

Deutschland sehr gut. In Sambia fliegt viel

Papier und Plastik über alle Straßen.

Hier gibt es viel Arbeit. Ich arbeite knapp

acht Stunden am Tag. Die Leute sind sehr

auf die Arbeit fokussiert, sodass sie manchmal

nicht einmal eine Begrüßung beantworten.

In den Pausen spielt fast jeder mit

seinem Handy.


Seite 9

sambischen Freiwilligen berichten

„Die Leute sind

sehr auf die Arbeit

fokussiert, sodass sie

manchmal nicht

einmal eine Begrüßung

beantworten.“

In Deutschland fahren auch Frauen

große Busse und Taxis, und einmal habe ich

auch eine weibliche Lokomotivführerin gesehen.

Ich war schockiert, weil in Sambia

nur Männer Züge und große Busse fahren

und – nicht zu vergessen – Taxis.

Hier sprechen die Leute im Bus oder Zug

nicht miteinander, wenn sie sich nicht kennen,

die meisten jungen Leute sind mit ihren

Handys beschäftigt. In Sambia reden wir

miteinander und lernen so mehr über die

anderen, während wir reisen.

Hier gibt es viel Obst, und deshalb trinke

ich gerne vor dem Schlafengehen einen

leckeren und entspannenden Früchtetee.

Auch die Obstkuchen schmecken lecker,

zubereitet mit viel Milch und Quark.

Besuch bei Haribo in Bonn

In diesem interkulturellen Austausch

sind fünf Seminare vorgesehen. Dort treffe

ich eine Woche lang zwanzig junge Leute.

Wir kochen zusammen und reden über unsere

Erfahrungen und Herausforderungen an

den Arbeitsstellen. Die meisten arbeiten im

Krankenhaus, einige im Altenheim. Eine Herausforderung

war, Männer zu waschen, aber

der Gruppenleiter riet dazu, uns vorzustellen,

einem Verwandten zu helfen und damit

war es für uns alle danach möglich.

Wir haben auch Freizeit zum Schlafen

oder Sport treiben. Ich habe Volleyball und

Tischtennis gespielt. Wir wandern auch in

der Gruppe, um die Stadt zu entdecken, in

der wir sind.

Danke ewe!

Nelly Kabila

Winterferien


Seite 10

Aus dem Freiwilligenleben: Unsere

Und es schlägt Halbzeit!

Weitere drei Monate sind vorbei, und

nun schlägt die Uhr Halbzeit. Ich bin

bestimmt nicht die erste Freiwillige, der das

halbe Jahr so rasend vorkommt, so unglaublich

kurz und doch so voll von tausend Eindrücken.

Direkt nach meinem Bericht, den ich im

November geschrieben habe, kam noch

mehr Leben in unser Haus. Für zwei Monate

zog meine ältere Schwester aus Lusaka zurück

in ihr Elternhaus, um ihr Kind hier in

Mazabuka zur Welt zu bringen. Es ist hier

Tradition, zur Geburt eines Kindes nach Hause

zu kommen. So wird der Mutter die Arbeit

mit dem Neugeborenen erleichtert, und die

ganze Familie kann ihr im ersten Monat

unter die Arme greifen. Unsere Nichte wurde

Ende November geboren und wir waren alle

sehr überrascht, dass wir eine Nichte und

keinen Neffen bekamen. Die Ärzte hatten

nämlich vorher gesagt, dass es ein Junge

werden würde, und da wir in unserer Familie

bereits viele Mädchen haben und die

Anzahl von Jungen eher bescheiden ist, waren

wir alle der festen Überzeugung, dass

meine Schwester einen Jungen bekommen

würde. So stand ich eines Nachts senkrecht

im Bett, als meine Tante, die einen Anruf aus

dem nahen Krankenhaus bekommen hatte,

durch das Haus rief: „It’s a girl, it’s a girl!“ (Es

ist ein Mädchen!). Sie kam in unser Zimmer

gerannt, machte das Licht an und holte uns

aus den Betten. Die Überraschung, aber

auch die Freunde stand uns allen ins

Gesicht geschrieben, und wir waren plötzlich

hellwach. Obwohl es erst um die fünf

Uhr morgens war, machten wir uns auf, um

unsere Schwester und ihr Kind im Krankenhaus

zu sehen. Für mich war das eines der

schönsten Erlebnisse. Wenig später hatten

wir ein Baby im Haus, ebenfalls ein

„Mzungu“ (Weiße), da die Babys

noch sehr hellhäutig sind wenn sie

frisch geboren werden.

Mit Babys hatte ich dann auch

die Zeit im Dezember zu tun, da die

Behindertenschule für die Weihnachtsferien

schloss und ich so

meine Arbeitsstelle wechselte und

im Krankenhaus auf der Station für

Babys und schwangere Frauen

anfing zu arbeiten. Hier war immer

unglaublich viel los, jeden Tag standen

Frauen vor dem Gebäude und

warteten darauf, dass ihre Kinder

gewogen wurden, dass Impfungen

verteilt wurden und so weiter. Oft

war es der Fall, dass die Frauen länger

warteten als meine Arbeitszeit

ging und ich probierte, ein bisschen

deutsche Zügigkeit in die Arbeitsweise

zu bringen. Doch andererseits

wissen die Krankenschwestern

die Wartezeit gut zu füllen. Manchmal

unterrichten sie die wartenden Frauen über

Themen wie HIV oder Malaria und machen

somit ein Aufklärungsprogramm, das für alle

zugänglich ist.

Nebenbei fing die Adventszeit an, und

die Vorbereitungen für Weihnachten liefen

auf Hochtouren –hier jedoch in etwas anderer

Art als ich es aus Deutschland kenne. Die

Jahre zuvor war die Adventszeit für mich immer

vollgestopft mit Weihnachtsfeiern, Plätzchen

backen, Weihnachtsmarkt besuchen,

Geschenke kaufen, Türchen öffnen, Weihnachtsbaum

kaufen und schmücken und,

und, und – der typische Weihnachtsstress,

der einen manchmal ganz schön „zudröhnen“

kann, so dass man nach Weihnachten

nur allzu gerne die ganze blinkende Deko

wieder im Schrank verschwinden lässt und

„Last Christmas“ kein weiteres Mal ertragen

kann. Hier gibt es keinen Weihnachtsmarkt

oder Geschenkestress. Hier wird die

Adventszeit ganz spirituell gefeiert. Im

Advent wird auf Jesus gewartet, da werden

Exerzitien gehalten, auf denen gebetet wird,

da wird mal etwas öfter in die Messe gegangen

und sich nachmittags getroffen, um

christliche Weihnachtslieder zu singen. Diese

Lieder wurden am vierten Advent dann

vorgeführt: Alle kleinen Gemeinden in der

Gemeinde trafen sich in unserer Kirche und


Seite 11

deutsche Freiwillige berichtet

„Hier wird die

Adventszeit

ganz spirituell

gefeiert.“

feierten zusammen. Jede Gruppe führte Lieder

und Tänze vor, natürlich meistens in der

lokalen Sprache und mit den traditionellen

Trommeln. Auch ich sang in meiner Jugendgruppe

mit , und die Leute waren total aus

dem Häuschen, als sie mich in ihrer lokalen

Sprache singen hörten. Ich war total stolz

dabei sein zu dürfen. Weihnachten an sich

war dann auch sehr schön. Ich hatte mir

extra für die Messe ein Kleid aus einem

Chitengematerial schneidern lassen und

fühlte mich so richtig sambisch. In der Christmette

tanzten die Stella-Kinder, zu denen

auch meine kleine Schwester gehört, und

die Atmosphäre war unglaublich schön. Mit

ausreichend Essen und Getränken feierten

wir die nächsten Tage, und es gab sogar

Pudding und Kuchen – und selbstgebackene

Weihnachtsplätzchen. Die hatte ich nämlich

zuvor mit meiner Schwester gebacken,

und meine Mutter hatte sie sorgsam versteckt,

so dass ja niemand vor Heiligabend

die Plätzchen aufessen konnte. Allgemein

habe ich es sehr genossen, Weihnachten

mal ein bisschen anders zu feiern als in

Aachen, ein bisschen näher dran zu sein an

dem wahren Weihnachtsgrund. Vielleicht

kann ich davon nächstes Jahr etwas in mei-

ne deutsche Familie tragen, so dass der

typische Weihnachtsstress ein bisschen

ausbleibt.

Nach Weihnachten fing dann meine

erste große Reise an: Ich fuhr mit dem Bus

ins 2000 Kilometer entfernte Dar Es Salaam

(Tansania) und von dort mit der Fähre nach

Sansibar. Wir waren zu vielen Freiwilligen

unterwegs, die alle unterschiedliche Dienste

in verschiedenen ostafrikanischen Ländern

verrichten. Zusammen besuchten wir nach

unserem kleinen Urlaub auf der Gewürzinsel

das Seminar in Dar Es Salaam, welches sehr

interessant gestaltet war. Ich genoss es

noch einmal, viel Deutsch reden zu können

und andere Geschichten aus anderen Projekten

zu hören. Zurück nach Sambia fuhr

ich mit der berühmten Tazara, einem Zug,

der zwischen Dar Es Salaam und dem sambischen

Kapiri Mposhi pendelt. Wir hatten

schon viele Geschichten über den Zug

gehört: Dass er manchmal Tage auf sich

warten ließ, dass Elefanten die Schienen

blockierten oder auch dass diese weggeschwemmt

waren und der Zug sich gar

nicht mehr von der Stelle bewegt hatte. Zu

unserer Überraschung fuhr der Zug pünktlich

los, und unterwegs gab es keine weiteren

Komplikationen. 60 Stunden später hatten

wir dann das sambische Kapiri Mposhi

erreicht, 60 Stunden voller wunderbarer

Landschaft und Gesellschaft. Zurück in

Mazabuka wurde ich herzlich mit Umarmungen

und sogar einem „Welcome home“-

Kuchen begrüßt. Ja, auch wenn mir mein

Leben hier in Mazabuka während meines

dreiwöchigen Urlaubs weit weg von der

Heimat wie ein Traum vorgekommen war,

war ich von einem auf den nächsten Moment

wieder zuhause, wirklich zuhause.

Wenn ich sehe, wie sehr sich alle gefreut

haben, als ich wieder daheim war, möchte

ich gar nicht an meine Rückreise denken.

Doch davor habe ich ja noch sechs Monate

vor mir, sechs Monate, in denen ich noch so

viel sehen und erleben möchte!

Helen Hermens


Bitte

vormerken!

28. Juni 2016:

Mitgliederversammlung

des ewe

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