ewe-aktuell 4/2018

eineweltengagement

magasin of eine-welt-engagement.de

Jahrgang 21 - Dezember 2018

Nur noch kurz die Welt retten

WEITERE THEMEN IN DIESER AUSGABE

Die Zeit vergeht

Berichte der Freiwilligen

Neues aus Sambia


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Editorial

Inhaltsverzeichnis

Liebe Leserinnen und Leser,

ein letztes Mal begrüße ich euch und Sie zur Lektüre

einer Ausgabe der ewe-aktuell. Keine Sorge, die

Zeitung wird natürlich auch weiter den Weg in euren/

Ihren (Mail)Briefkasten finden, die Verantwortung

wird dann in den engagierten und kompetenten

Händen von Yoko Kuchiba liegen, die seit der letzten

Mitgliederversammlung auch

Teil des Vorstands ist.

Rückblickend kann ich sagen:

Die Redaktion der Zeitschrift

war eine schöne Aufgabe, die

aus vielen Perspektiven sehr

erfüllend war: Weil ich durch

die enge Beschäftigung mit

den Berichten der Freiwilligen

auch viele Jahre nach

meinem Freiwilligendienst

noch ganz eng mit dem

sambischen Kontext und der

Freiwilligenarbeit verbunden blieb. Weil es Spaß macht,

immer wieder engagierte Beiträge für die Zeitschrift zu

bekommen.

Und weil es auch immer wieder wichtige und innovative

Anregungen zur Gestaltung der Zeitschrift aus dem

Mitgliederkreis gab.

So verlasse ich die virtuellen Redaktionsstuben auch

nicht aus Amtsmüdigkeit (auch wenn ich mich schon

jetzt auf die neuen Ideen von Yoko freue), sondern

einfach, weil ich die frei werdende Zeit für meine

Familie nutzen möchte und weil wir demnächst unseren

Wohnsitz für einige Jahre ins Ausland verlagern werden

(nein, tatsächlich nicht nach Afrika).

So wünsche ich euch und Ihnen nun zum letzten Mal

eine spannende Lektüre, freue mich aber darauf, mit

vielen netten Menschen aus der ewe-Familie weiter in

Kontakt zu bleiben.

Es grüßt herzlich euer/Ihr

Johann Heilmann

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Jolina

Ben Lukas

Cecilia

Neues aus Sambia

Ein Wiedersehen

Reunion

Editorial

Alisha

Silja

Edith

Gemeinden im

Bistum Monze

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Nur noch kurz die Welt retten

Just saving the world…

Nachdem ich nun seit ungefähr drei Monaten wieder

in Deutschland bin – zurückgekehrt aus Sambia mit

einem Koffer voller Fotos, Tagebucheinträge und

Erinnerungen in meinem Kopf – habe ich manchmal

das Gefühl in zwei Parallelwelten zu sein.

Auf der einen Seite hat nach einem entspannten

Sommerurlaub und einigen Rückkehrer-Seminaren

nun mein Studienalltag begonnen. Ganz schön

ungewohnt und anstrengend, wieder so viel zu lernen.

Aber auch aufregend – eine neue Stadt, ein neuer

Alltag, neue Freunde und ganz viel zu entdecken.

Auf der anderen Seite erinnern mich jeden Tag

Whatsapp- und Facebook-Nachrichten an meine

sambischen Freunde und an meine Familie. Ich

liebe es, kleine Teile aus dem Leben in Sambia

mitzubekommen, wo ich doch vor kurzem erst Teil

davon war. Oft wünsche ich mir mehr Kontakt,

vielleicht Bilder von den Babys, die ich so in mein

Herz geschlossen habe, oder den aktuellen Gossip aus

meinem Viertel.

Was mich momentan sehr

beschäftigt, ist das Wissen,

dass die sambische Wirtschaft

gerade nicht unbedingt glänzt.

Von Freunden aus dem Land

höre ich nach der typischen

Begrüßungsfloskel „How are

you?“ immer öfter nicht das

erwartete „Am good.“, sondern

Sätze aus denen schnell klar

wird: Die Lebensmittel werden

teurer, manche haben ihre Arbeit

verloren, die sambische Politik

zieht die Wirtschaft runter.

Aber was genau passiert denn gerade in Sambia? Ich

persönlich finde es sehr schwer nachzuvollziehen, was

wirklich geschieht, da so wenige Nachrichtensender

überhaupt über die Situation Sambias berichten, und

die, die es tun, oftmals nicht sehr objektiv.

Eine anderes Thema, das mir besonders als

Rückkehrer in Deutschland am Herzen liegt, ist die

Auseinandersetzung mit verschiedenen Arten von

Freiwilligendiensten und dem Bild, welches gerade

durch uns Rückkehrer an die Öffentlichkeit gebracht

wird. Im Vordergrund steht dabei für mich die Frage:

Machen Freiwillige überhaupt Sinn? Und wenn ja,

Since I came back from my year in Zambia – with bags

full of photographs, diary entries and memories in my

head – already three months have passed. Sometimes,

I feel like I am living in two parallel universes.

On the one hand, I started going to college after having

relaxed holidays in Italy with my family and meeting

with other volunteers to reflect on our experiences.

It can be tiring to study every day, trying to force so

many new things in my head. But it is also exciting,

being in a new town, having new challenges, finding

new friends and exploring my new life.

On the other hand, Whatsapp and Facebook messages

remind me every day that my Zambian friends and

family are still around.

I love learning little things about what they do and

how they feel, not long ago I was part of this life on

the other side of the world. Often I would wish for

more information, maybe photos of the babies that I

learned to love so much to see how they have grown,

or some gossip from my compound.

In the recent days I admit I became a bit worried

about Zambia’s economic situation. Asking many

of my friends how they are doing I didn’t get the

usual response like “Am good” or “The family is

fine”. Instead, many reported that food is expensive,

that people are losing their jobs and depend on one

few persons earning the money for the family. But

what is really happening in Zambia? What’s wrong

with the economy, is it the hot weather or politics

having a negative influence? Personally, I find it

hard to understand these relations, since most news


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wem helfen wir mit unserem Einsatz wirklich?

Um eines vorweg zu nehmen: Ja, ich finde Freiwillige

machen in jedem Fall Sinn! Natürlich habe ich

unglaublich viel gelernt und mitgenommen

aus meinem Jahr in Sambia, zum Beispiel mehr

Bewusstsein für mich selbst und Verständnis für

Menschen aus anderen Kulturen in Deutschland, die

sich vielleicht schwer tun damit, sich in unserem Land

einzuleben und zu integrieren. Ich hoffe, dass ich auch

Menschen in Sambia durch Gespräche, meine Arbeit

und unser Zusammenleben auf die ein oder andere

Art und Weise bereichert habe.

Gerade als Rückkehrer spreche ich aber oft mit

Menschen in meinem Alter, die auch schon im Ausland

waren oder noch vorhaben, nach dem Abitur ein

bisschen die Welt zu bereisen. Ein total verständlicher

Wunsch, auch ich liebe das Reisen! Wovon ich mich

aber immer mehr distanziere, ist der Gedanke, nach

dem Abi „mal eben kurz die Welt zu retten“, indem

man für zwei Monate in irgendein afrikanisches

Land reist und den wirklich armen Menschen dort

Häuser baut – überspitzt gesagt. Zum Glück haben

wir im EWE von Anfang an die Idee einer sambischdeutschen

Freundschaft auf Augenhöhe gehabt,

die Idee von einem interkulturellen Austausch, für

beide Seiten ein Blick über den eigenen Tellerrand.

Es gibt aber trotzdem genug andere Organisationen,

die jungen Menschen für Tausende von Euro ein

Reisepaket anbieten aus Entwicklungsarbeit und

Abenteuer. Weder an der Intention zu helfen, noch

am Spaß am Abenteuer ist etwas Verwerfliches.

Aber den Gedanken, man könne Menschen in

Entwicklungsländern langfristig helfen, indem man

für ein wenig Geld Häuser oder Sanitäranlagen baut,

finde ich nicht sehr einleuchtend. Wenn es uns darum

gehen würde zu helfen, wäre dann das Geld, welches

wir für unsere eigenen Flüge und womöglich noch

weitere Reisekosten beim Weltenbummeln ausgäben,

nicht irgendwie an der falschen Stelle investiert?

Was bringt es den Einheimischen, wenn die Weißen

kommen, für zwei Wochen ein bisschen bauen und

damit wichtige Arbeitsplätze nehmen, denn die

Einheimischen bauen schließlich seit Jahrhunderten

ihre Häuser selber? Und danach fliegen sie wieder

weg, mit einem reinen Gewissen, lassen interessante

Menschen zurück, mit denen man über so viel reden

services actually don’t report about Zambia, and those

reporting are not exactly neutral.

Another subject that matters to me being an exvolunteer

is the debate on different types of volunteer

services and the picture we are drawing for the

public. Reflecting on our experiences, me and other

volunteers wondered: Do volunteer services make

any sense at all? And if they make sense, who is being

helped with us traveling to distant countries?

To forestall one thing: Yes, in my opinion volunteer

services definitely do make sense! Obviously I learned

so many important things during my stay in Zambia,

for example being more conscious about myself and

developing a greater understanding for people with

different cultural backgrounds. This also becomes

important thinking of those people living in Germany

but coming from other cultures, who eventually might

have difficulties trying to be part of the German

lifestyle. On the contrary I hope that also my friends

in Zambia could benefit on my volunteer service in

some way, maybe through learning about other people

by talking, working and living with me.

I talked a lot to other young adults who either spent a

year abroad as well, or who are interested in traveling

in the near future. I completely understand this desire

to travel, I also love it! But it is different with the desire

to “save the world” by spending a short period of time

in some African country, building houses for the really

poor people – speaking exaggerative. Luckily, right

from the beginning the EWE had the idea of building

a friendship instead of building houses. A both side

relationship between Zambian and German youths,

an intercultural exchange, to see beyond one’s nose.

However, there are enough western organisations,

who offer a combination of development work and

adventure in exotic countries. There is nothing wrong

with the intention to help, nor is there anything wrong

with the wish to travel. But from my point of view,

there is something wrong with the combination of

helping people by building houses or sanitation on

the one hand, but spending huge amounts of money

for the own flights and other travel costs on the other

hand. If somebody really would like to help, aren’t

there better ways of investing money instead of flying

somewhere, taking the jobs of the local people who

have been building their own houses for centuries,


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könnte, und erzählen in der

Heimat, wie sie die Welt verbessert

haben? Noch viel gravierender als

solche Entwicklungsprojekte sind

für mich Organisationen, die kurze

Freiwilligendienste beispielsweise

in Kinderheimen an exotischen

Orten anbieten. Die Kinder sind

wohl diejenigen, die am wenigsten

von diesen Kurzzeitfreiwilligen

haben. Gerade eine Beziehung

aufgebaut, Vertrauen zu einer

neuen Person gefasst, da muss der

Freiwillige schon wieder gehen

und wird durch einen neuen ausgetauscht. Profit

schlagen tun daraus vor allem die Organisationen, die

sich teuer bezahlen lassen, und im besten Fall noch

die Freiwilligen selbst, die immerhin etwas von der

Welt gesehen haben, was sie vorher nur durch die

Medien kannten.

Ich finde es unglaublich wichtig, mit Menschen aus

meinem Umkreis hier in Deutschland zu sprechen

und ihnen zu verdeutlichen, dass es bei einem

Freiwilligendienst im Prinzip um nichts anderes

geht als bei einem Schüleraustausch auch. Eine

Erweiterung des eigenen Horizonts, der Austausch

mit Menschen anderer Kulturen und Länder, das

Aufeinanderzugehen und Sich-Respektieren, und

schließlich voneinander zu lernen. Ein Geben und

Nehmen also, ohne dass sich die eine Seite über

die andere stellt. Besonders in unserer aktuellen

Situation auch in Europa, in der wir uns immer mehr

mit Menschen anderer Länder beschäftigen, die bei

uns Asyl suchen, sind Offenheit und Toleranz zwei

wichtige Punkte auf dem Weg zu einer gelingenden

Integration. Ein Freiwilligendienst fördert Werte wie

diese in jedem Fall, immer und auf beiden Seiten.

Deshalb hoffe ich sehr, dass der EWE auch in Zukunft

Freiwillige nach Sambia und nach Deutschland

entsenden kann, und dass die Idee unseres Vereins

noch viel mehr in der Öffentlichkeit präsentiert und

diskutiert werden kann. Und vielleicht können so am

Ende alle Bürger unsere Welt ein bisschen verbessern,

indem wir lernen, uns gegenseitig zuzuhören und uns

zu verstehen. Das würde ich mir wünschen.

Jolina Bilstein

and then flying back home with a salved conscience

and reports about how to save the world? Or even

worse, who is really benefitting from 2-monthvolunteer

work in children’s homes? Not the children,

who are left alone from the volunteers as soon as they

established a trustful relationship. The only profiteers

are the organisations, making a lot of money, and at

best the volunteers, who can experience parts of the

world that they only knew through our media.

For me, it is extremely important to talk to people

in my environment and to point out to them that

a volunteer service is actually nothing more than

an extended exchange program in school. Goals

should be to broaden one’s horizon, to exchange

stories and values with people from other cultures

and countries, to come together and to respect each

other, and finally to learn from the others. It’s giving

and taking, without one side being superior to the

other. Especially in Europe, in our current situation

in which we are engaged more and more with people

from other countries seeking asylum, we need to be

open and tolerant to achieve integration. Volunteer

services support in any case these values, on both

sides. That is why I hope and will work for the EWE

sending more volunteers to Zambia and to Germany

in the future, and for this topic and our idea will be

promoted and discussed more in public. And maybe,

in the end, we can really improve our world a little bit,

being citizens of the world who have learnt to listen to

and to understand each other. That is what I wish for.

Jolina Bilstein


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„Erzähl doch mal!“ Eine

Rückkehrerin berichtet…

“How was it in Africa?” A returning

volunteer reports…

Vor drei Monaten bin ich zurück nach Deutschland

gekommen. Das Studium hat schon angefangen und

ich habe mich sehr schnell wieder in Deutschland

eingelebt. Manchmal kann ich gar nicht glauben, dass

ich bis vor drei Monaten in einer ganz anderen Welt

gelebt habe: in Mazabuka mit meiner sambischen

Familie. Mein Alltag sah so anders aus, als er es jetzt

ist. Wenn ich mich an das Jahr in Sambia erinnere,

kommt es mir vor wie in einem Traum. Denn es wirkt

so weit weg, so unwirklich. Manchmal ist es schwer zu

begreifen, dass es parallel zu der Welt in Deutschland

auch noch eine ganz andere gibt, und zwar die in

Mazabuka. Dort leben meine Familie, meine Freunde,

Arbeitskollegen und all die Kinder, die ich in mein

Herz geschlossen habe. Die Meisten haben noch

genau denselben Alltag wie ich, als ich noch da war;

nur dass ich jetzt eben nicht mehr dort lebe.

Ich finde es erschreckend, dass ich jetzt auch einer

dieser Menschen bin, die sagen: „Ein Jahr ist so kurz!“.

Aber genau das ist es. Ich weiß noch genau, dass ich

nach 4 Monaten in Sambia gedacht habe: „Noch 8

Monate? Das ist noch so lang, wie soll ich das noch

so lange machen?“ Und jetzt sitze ich vor meinem

letzten Bericht und erinnere mich wehmütig an die

kurze schöne Zeit, die ich in Sambia hatte.

Am Flughafen in Düsseldorf war mir dieser viel zu voll,

zu stressig und ich wollte schnell weg: zurück in mein

Zuhause in Aachen. Wie erwartet habe ich die nächsten

Tage den deutschen Stress sehr stark wahrgenommen.

Ständig und überall hat meine Familie an mir herum

genörgelt, ich solle endlich schneller machen; in

Situationen, in denen es vollkommen unnötig war

sich zu beeilen. Ich hatte auch generell ein Problem

mit der Zeit hier in Deutschland. Alles war für mich

so durcheinander. In Sambia haben sich alle nach

den Mahlzeiten gerichtet: erst Frühstück zubereiten.

Nach einer kurzen Pause ist es Zeit fürs Mittagsessen.

Und dann wird schon das Abendessen vorbereitet.

Aber hier in Deutschland esse ich nur dann, wenn ich

Hunger habe, und gearbeitet wird bis spät in die Nacht.

Daran musste ich mich erst mal wieder gewöhnen.

Wofür ich aber gar keine Zeit brauchte, um mich

wieder daran zu gewöhnen war, dass es zu jeder Zeit

fließendes Wasser und Elektrizität gibt. Zum Kontrast

Three months ago I came back to Germany. School has

already started and I settled back into Germany very

quickly. Sometimes I cannot believe that until three

months ago I lived in a completely different world: in

Mazabuka with my Zambian family. My everyday life

looked so different than it is now. One year in Zambia

seems like a dream to me because it is so far away,

so unreal. Sometimes it‘s hard to realize that there is

another, parallel world to the one in Germany, the one

in Mazabuka. There live my family, my friends, work

colleagues and all the children I have in my heart.

Most are living the same everyday life as it was when I

was there; but without me.

It scares me that I am one of those people who say,

„One year is so short!“. But that‘s how it is. I remember

that after 4 months in Zambia I thought: „8 months

left? This is still so long, how am I supposed to do that

for so long? „And now I‘m sitting in front of my last

report remembering wistfully the short time I had in

Zambia.

At the airport in Dusseldorf it was way too crowded,

too stressful and I wanted to go back to my home in


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dagegen spüle ich aber bis heute immer noch

mit der Hand. Manchmal vergesse ich sogar,

dass wir eine Spülmaschine haben, weil es für

mich einfach viel entspannter geworden ist,

mit der Hand zu spülen.

Im ersten Monat in Deutschland habe ich

mich gefühlt, als würde ich in einer Art Blase

stecken. Ich habe mich nicht wie ein aktiver

Teilnehmer gefühlt, sondern eher als würde

ich alles von oben herab beobachten, wie in

einem Theater. Ich hatte das Gefühl, Sambia

wäre nicht real aber Deutschland auch nicht.

Ich habe am Anfang sehr viel geschlafen, um

mit dem ganzen Stress fertig zu werden.

Oft werde ich mit Fragen wie „Und? Wie

war es denn in Afrika? Erzähl doch mal.“

konfrontiert. Darunter gibt es auch Leute,

die sich ernsthaft mit dem Thema Sambia und seiner

Kultur auseinandersetzen wollen. Aber selten verspüre

ich Lust detailgetreu zu erzählen, da ich es sehr

anstrengend finde alles so zu erzählen, dass Sambia

nicht mit Afrika gleich gesetzt wird. Auch möchte

ich, das Klischee, dass „Afrika so arm ist“, nicht

bestätigen, da ich so viele Menschen kennen gelernt

habe, die überhaupt nicht arm waren und denen es

an nichts gefehlt hat. Das interessiert aber viele Leute

nicht. Sobald ich zum Beispiel davon erzähle, dass

zu bestimmten Zeiten das Wasser ausgefallen ist,

muss ich stundenlang versuchen, dieses klischeehafte

Bild wieder zu korrigieren. Aber die Leute haben

dann schon längst das gehört, was sie hören wollten.

Darum erzähle ich nur sehr wenig über dieses Jahr.

Bevor ich mich noch frustrieren lasse, behalte ich

einiges einfach für mich. Schließlich war es mein Jahr

mit meinen Erlebnissen, meinen Erfahrungen und

meinen Gefühlen.

Etwas was mir ein wenig Herzschmerz bereitet ist,

dass ich keinen richtigen Kontakt mehr zu meiner

sambischen Familie habe. Aus meiner Familie ist

mein Vater der Einzige, mit dem ich über das Handy

noch ab und zu schreibe, weil er der Einzige ist, der

ein Whatsapp-fähiges Handy hat. Darum vermisse

ich vor allem meine sambische Schwester sehr. Oft

sind wir in dem Jahr aneinander gekracht, aber hatten

genau so oft auch sehr schöne Momente miteinander

und wir haben viel gelacht.

Aachen. As expected, it was hard for me to deal with the

German stress and time. Constantly and everywhere,

my family complained to me that I do faster; in

situations where it was completely unnecessary to

hurry up. Everything was so confusing to me. In

Zambia, people were planning their day according

the times for meal: at first comes breakfast time. After

a short break, it‘s time for lunch. And then dinner is

prepared. But here in Germany I only eat when I‘m

hungry and I work late into the night. In the first days I

had to get used to it again. What I did not need time to

get used to was that there is always running water and

electricity. As a contrast to that, I still use my hands

for washing dishes. Sometimes I even forget that we

have a dishwasher in the house because it has become

much easier for me to wash by hand.

In the first month in Germany I felt like I was in a

bubble. I did not feel like an active participant, but

more like watching everything from the top down,

like in a theatre. I had the feeling that Zambia was not

real but neither Germany. I slept a lot in the beginning

to cope with all the stress.

Often people confront me with questions like „And?

How was it in Africa? Tell me.“. There are people who

seriously want to know about Zambia and its culture.

But I rarely feel like telling in detail because I find it

very exhausting telling everything in such a way that

Zambia is not equated with Africa. And also I do not

want to confirm the cliché that „Africa“ is so poor,


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Auch an Sister Chrisencia und Agnes denke ich

manchmal, da wir Freiwilligen mit ihnen auch einige

Zeit verbracht haben. Außerdem finde ich es sehr

schade, dass ich dem Baby unserer Nachbarn nicht

mehr beim Aufwachsen zuschauen kann. Ich wäre

so gern dabei, wenn es sprechen lernt. Und auch

die Kinder aus der Nachbarschaft und den Schulen

vermisse ich sehr. Generell denke ich oft an meine

Arbeit an der Vor- und Behindertenschule.

Um es kurz zu halten: Ich erinnere mich gerne an

das Jahr in Sambia zurück und

würde gerne schon bald wieder

in den Flieger steigen, um allen

mal hallo zu sagen. Da sich

aber ein Flug nach Sambia

nicht mal so eben finanzieren

lässt, hoffe ich einfach nur,

dass ich in vielleicht zwei bis

drei Jahren nochmal in mein

zweites Zuhause in Mazabuka

zurückkehren kann.

Alisha Ernst

since I got to know so many people

who were not poor at all. But as soon

as I tell them that at certain times

the water has failed, so many people

are not interested in that any longer.

And then I try to talk back for hours

but people have already heard what

they wanted to hear. That‘s why I tell

very little about this year. Before I get

frustrated, I keep some things simply

for me. After all, it was my year, with

my experiences and my feelings.

Something that causes me a little

heartache is that I no longer have any

real contact with my Zambian family.

From my family my dad is the only

one who has a phone which he can use

to chat with me in Germany. That‘s

why I especially miss my Zambian

sister. Often we crashed into each other during the

year but we also had very nice moments together and

we laughed a lot.

Sometimes I also miss Sister Chrisencia and Agnes

because we as well spend much time together.

I also miss watching the baby of our neighbours

growing older. I would like to be there when the baby

learns to speak. And I also miss the children from

the neighbourhood and the schools. In general, I

often think about my work at

the preschool and the disabled

school.

To keep it short: I like to

remember the year in Zambia

and would like to return there

soon to say hello. But since

a flight to Zambia cannot be

financed that easy, I hope in two

to three years I can return to

my second home in Mazabuka.

Alisha Ernst


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Seit August sind Ben und Silja die neuen

deutschen ewe-Freiwilligen in Sambia.

Hier ihre aktuellen Berichte…

Since August Ben and Silja are the new ewe

volunteers in Zambia.

These are their accounts…

Heute zwei Monate Gwembe

Two months Gwembe now

Ehrlich gesagt, kommt mir die Zeit sehr viel kürzer

vor, weil schon so vieles hier passiert ist.

Vor ungefähr zweieinhalb Monaten sind meine

Mitfreiwillige Silja und ich nach einem emotionalen

Abschied von der Familie und gefühlten Fünf-

Minuten-Flügen über Paris und Nairobi in Lusaka am

Kenneth Kaunda International Airport gelandet.

Es lag vor allem an der Vorfreude, die ich auf das Jahr

hatte, dass mir der Flug so kurz vorkam.

Obwohl unser Hauptgepäck in Nairobi stecken

geblieben war - was an einer kurzen Umsteigezeit dort

lag - fühlten wir uns dank einer herzlichen

Umarmung von Sister Chrisencia und den

anderen Sisters of the Holy Spirit und einem

leckerem Essen am Abend sehr wohl. Dass

wir erst am Abend angekommen waren,

hatte vor allem den Grund, dass eine große

Baustelle auf einem Abschnitt der Strecke

und ein Unfall uns den Weg versperrten.

Diese mussten wir natürlich beim Abholen

des Gepäcks nochmal passieren. Die lange

Fahrt wurde jedoch durch wunderschöne

Sonnenauf- und Sonnenuntergänge und

nette Gespräche mit dem Fahrer der Sisters

sehr verkürzt.

Ansonsten durften wir erst mal entspannen

und uns im Haus der Sisters einleben. Das

„Touri-Gefühl“, dass ich immer ein bisschen

habe, wenn ich in einem anderen Land

ankomme, war natürlich da, verschwindet

aber immer mehr, seit ich hier bin.

Am Samstag stellte uns Sister Crisencia dann

den Plan für die kommende Woche vor.

Den Sonntag verbrachten wir in einer Messe

in Gwembe, der Stadt, die ich heute mein

zweites Zuhause nennen darf, und Chikuni,

wo Silja ihre Familie das erste Mal live und in

Farbe treffen konnte.

Die anschließende Woche, die wir im

To be honest, the time seems to pass by way quicker

because so much has happened so far.

About two and a half months ago my fellow volunteer

Silja and I landed at Kenneth Kaunda International

Airport in Lusaka after an emotional goodbye from

our families and seemingly five minute flights via

Paris and Nairobi.

The time probably passed so quick due to my

anticipation the year. Although our main luggage got

stuck in Nairobi, because of our short transfer time

there, we felt very welcomed thanks to a warm hug


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Gasthaus der Sisters verbrachten, war gefüllt

mit Chitonga-Unterricht durch die herzliche Mrs.

Mapanza, Einkäufen im lokalen Supermarkt, dem

Kochen für die Sisters mit eigenen Menüs und vielem

mehr. Dabei war der Unterricht nicht nur auf die

Sprache beschränkt, sondern enthielt auch kulturelle

Besonderheiten Sambias und einen Tag, an dem wir

jedes mögliche Essen probieren und mitnehmen

durften. Unsere Lehrerin, die aus der gleichen Stadt

kommt, in der ich derzeit lebe, betonte dabei immer

wieder, dass der Umgang jedoch in jeder Familie

anders sei, womit sie Recht behalten sollte.

Am letzten Tag zeigte sie uns dann noch ihre

eigentliche Arbeitsstelle, ein Ort für Kleinkinder

mit eigenem Platz für Vorschulunterricht und

einem wunderschönen Gemälde von einem lokalen,

befreundeten Künstler.

Nachdem der Samstag erst mal zum Entspannen und

Planen genutzt wurde, fuhren wir in den folgenden

Tagen mit kleinerem Gepäck nach Livingstone, um

dort die Viktoria-Wasserfälle mit der ehemaligen

from Sister Chrisencia and the other Sisters of the

Holy Spirit and a delicious dinner in the evening. The

fact that we arrived in the evening was mainly caused

by a big roadwork on our route and a car accident. Of

course we had to pass it again when we were picking

up our luggage. But the long trip was very much

shortened by beautiful sunrises and sunsets and nice

conversations with the driver of the Sisters.

Apart from that we were allowed to relax and settle in

at the house of the Sisters. The typical „tourist-feeling“

that you get when you visit another country for the

first time, was of course present, but it disappears

more and more since I am here.

On Saturday Sister Crisencia presented us the plan

for the coming week. Sunday we spent at a mass in

Gwembe, the city I can call my second home today,

and Chikuni, where Silja could meet her family live

and in colour for the first time.

The following week, which we spent at the Sister’s

guesthouse, was filledwith Chitonga lessons by

the lovely Mrs. Mapanza, shopping at the local


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Freiwilligen Nina und ihrem Bruder zu bestaunen.

Dabei durften wir dann auch nochmal richtig den

Tourist/die Touristin spielen: Kamera, drei Kilo

Sonnencreme im Gesicht und Kappe.

Für uns beide ging es dann zu unserer großen

Überraschung am Dienstag direkt in die Familien, in

denen wir jetzt seit zwei Monaten leben.

Ich fühle mich sehr wohl in meiner (Gast-)Familie, die

aus meinen beiden Eltern, meiner älteren und jüngeren

Schwester, meinem kleinen Bruder, dem Sohn meiner

älteren Schwester und einer Cousine besteht, die

derzeit mit uns hier lebt. Ein kleiner Anstieg also von 5

auf 8 Personen. Am Anfang war ich mir noch unsicher,

was für Aufgaben ich als einziger „Junge“ in der

Familie übernehmen soll, da in den letzten Jahren kein

Junge mit dem Ewe nach Sambia gereist war. Zudem

liegt diese Einstellung im Nachhinein betrachtet

vielleicht an einigen Vorurteilen, die ich – wenn

auch unterbewusst – aus Deutschland mitgebracht

habe. In meinem Kopf porträtierte sich die „typische

afrikanische“ Familie mit einer traditionellen

Rollenverteilung in patriarchaler Struktur: die

Frauen waschen, kochen, putzen und kümmern sich

um die Kinder; die Männer gehen arbeiten, treffen

wichtige Entscheidungen und lassen sich bedienen.

Obwohl ich von zu Hause viele Familien kenne,

in denen es auch anders läuft, und ich auch selber

nicht in solch einer konservativen Familienstruktur

aufgewachsen bin, hatte ich diese Erwartungen an

meine Gastfamilie. Ich denke, das liegt vor allem an

einem rassistischen Vorurteil, dass die Abwesenheit

von „westlicher“ Kultur häufig gleichgesetzt wird mit

einer Abwesenheit von Fortschritt, unter anderem

eben auch bei Geschlechterfragen. Auch wenn das

etwas war, das unterbewusst in meinem Kopf ablief,

bin ich froh, dass ich diesen sozialisierten Denkfehler

entdeckt habe und mich jetzt aktiv gegen solche

Gedanken wehren kann. Denn bis auf das Kümmern

um die beiden kleinen Jungen mache ich eigentlich

alles im Haushalt, wozu auch Kochen und Waschen

gehört. Übrigens wird mit Waschpaste, Wasser, einer

Wanne und den Händen gewaschen, was ich auch erst

mal lernen musste und was gar nicht so einfach ist ,

wie es sich anhört.

Das Essen ist super lecker und unterscheidet sich

im Aufbau und der Zusammensetzung nicht groß

supermarket, cooking for the Sisters with our own

menus and a lot of other activities. The lessons were

not only limited to the language but also included

cultural specialties of Zambia and on one day we

were allowed to try all kinds of food. Our teacher,

who comes from the same city where I live in at the

moment, emphasized again and again that interaction

in every family is different, which she should be

absolutely right about.

On the last day she showed us her actual job, a place

for small children with its own space for preschool

lessons and a beautiful painting by a local artist friend.

After Saturday was used for relaxing and planning,

we drove with smaller luggage to Livingston and the

following days we could admire the Victoria Falls with

a former volunteer Nina and her brother. And we

were allowed to behave like typical tourists: camera,

sunscreen, cap…

To our surprise, we both went directly to the families

on Tuesday, where we have been living for two months

now.

I feel very comfortable in my guest family, which

consists of my two parents, my older and younger

sisters, my little brother, the son of my older sister

and a cousin who lives with us here at the moment. A

small increase from 5 to 8 persons. At the beginning

I was still unsure what tasks I should take over as the

only „boy“ in the family, because in the past years

no boy came to Zambia with the ewe. In retrospect,

this attitude is perhaps due to some prejudices

that I have brought with me from Germany, albeit

subconsciously. In my head I portrayed the „typical

African“ family with traditional role models of a

patriarchal structure: the women wash, cook, clean

and look after the children; the men go to work, make

important decisions and are served. Although I know

many families from home where things are different

and I have not grown up in such a conservative family

structure, I had these expectations of my host family.

I think this is mainly due to a racist prejudice that the

absence of „Western“ culture is often equated with an

absence of progress, including gender issues. Even if

this was something that happened unintentionally

in my head, I am glad that I discovered this error of

thinking that I got through socialization and I can

now actively defend myself against such thoughts.


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von deutschem Essen. Die Zubereitung ist natürlich

anders und was in Deutschland die Kartoffel ist, ist

hier Nshima, ein fester Maisbrei, den man mit den

Händen isst und mit dem man das Essen greift.

Zwischendurch gibt es aber auch immer wieder Reis,

Kartoffeln oder Nudeln, die wir dann mit Messer und

Gabel essen. Wie ich Nhima mit Besteck essen sollte,

wüsste ich aber auch gar nicht.

Meine Arbeit habe ich erst vor kurzem begonnen,

da es einige kleine Organisationsschwierigkeiten

gab, was vor allem daran liegt, dass ich der erste

Freiwillige in Gwembe bin. Ich arbeite tagsüber im

Krankenhaus und habe vor kurzem vom Empfang, an

dem die Patienten/Patientinnen ankommen und ihre

Karteikarten erhalten, zur Physiotherapie Abteilung

gewechselt. Obwohl das Krankenhaus klein ist,

besitzt es eigentlich alle nötigen Stationen. Nur für

größere Operationen werden die Patienten mit einem

Krankenwagen nach Monze oder Chikuni geschickt.

Nach der Arbeit gibt es meistens erst mal etwas zu

essen und ich gehe zur „Youth-Group“. Das ist quasi

der Jugendtreff, der in Gwembe noch sehr jungen

römisch-katholischen Kirchengemeinde.

Mit der Gruppe hatte ich bereits zwei Auftritte mit

Tanzen und Liedern in Chitonga und Englisch. Einer

war bei dem monatlichen Konzert der Jugendgruppen,

bei dem sie Geld sammeln und der andere in der

Kirche. Was genau ich in Chitonga gesungen habe,

weiß ich nicht, da mir das Lernen und Sprechen der

Sprache schwerer fällt als gedacht. Ich versuche es aber

inzwischen mit einer Lehrerin, die ich auf einem der

Fahrradausflüge kennengelernt habe, zu denen mich

der Auszubildende Bruder Paul mitnimmt.

Ansonsten nutze ich meine Freizeit zum Treffen mit

bereits gefundenen Freunden/ Freundinnen, mit denen

ich dann Fußball oder Netball gucken gehe. Viele von

ihnen habe ich in der Kirche kennengelernt. Ich habe

auch vor, einem der vier großen Fußballvereine der

Gwembe-League in naher Zukunft beizutreten.

Abends gucken wir als Familie alle gemeinsam

Fernsehen, was sich, glaube ich, nicht groß von

typisch deutschen Abenden unterscheidet. Statt

Tatort und anderen Serien gucken wir aber immer

eine Bollywoodserie, die ich, wie ich zugeben muss,

manchmal in ihren Handlungen und Dialogen besser

als deutsches Fernsehen finde. Aber auch Serien von

Because apart from taking care of the two little boys,

I actually do everything in the household, including

cooking and washing. By the way I wash with washing

paste, water, a tub and my hands, which I had to learn

first and which is not as easy as it sounds.

The food is super tasty and does not differ much

from German food in structure and composition. The

preparation is of course different and what the potato

means for a German means Nshima for a Zambian: a

firm maize porridge that you eat with your hands and

with which you grab the food. In between there are

rice, potatoes or noodles, which we eat with a knife

and fork. But I wouldn‘t know how to eat Nshima with

my hands anyway.

I started my work only recently, because there were

some minor organization problems, which were

mainly due to the fact that I am the first volunteer in

Gwembe. I work in the hospital during the day and

have recently moved from the registration, where

patients arrive and receive their file cards, to the

physiotherapy department. Although the hospital

is small, it actually has all necessary wards. Only for

larger surgeries patients are sent to Monze or Chikuni

by ambulance.

After work I go home and have lunch. And then I

attend the local Youth Group, the youth club of the

roman-catholic church in Gwembe which is still very

young.

With the group I already performed two times with

dances and songs in Chitonga and English. One

performance was at the monthly concert of the youth

groups, where they collect money and the other

one was in the church. What exactly I did sing in

Chitonga, I don‘t know, because learning and speaking

the language is more difficult than I thought. In the

meantime I am trying to learn the language with

a teacher whom I met on one of the bicycle trips to

which Brother Paul, an apprentice, takes me.

Furthermore, I use my free-time to meet with friends.

Together we then go watch football and netball. I got

to know many of them in church. I also plan to join

one of the four big football clubs of the Gwembe-

League in the near future.

In the evenings we all watch television together as a

family. This, I think, does not differ much from typical

German evenings. But instead of crime scenes and


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sambischen oder namibischen Produktionsfirmen

gibt es viele. Und obwohl es mir die Handlungen noch

nicht so angetan haben, finde ich die Schauspieler/

Schauspielerinnen hier häufig besser und

überzeugender als bei amerikanischen Produktionen.

Bis auf eine kleine Unterbrechung am Tag der

deutschen Einheit, zu dem wir nach Lusaka in die

deutsche Botschaft eingeladen wurden, lebe ich jetzt

zwei Monate in Gwembe und fühle mich super wohl.

Wie beschrieben unterscheidet sich mein Leben hier

in vielen Dingen vom Leben in Deutschland, vieles

ist aber auch gar nicht so anders, wie man sich das

vorstellt. Trotzdem freue ich mich, weiter hier vieles zu

lernen und mein weiteres Jahr in Sambia verbringen

zu dürfen.

Ben Lukas Koch

other series we always watch Bollywood series, which

I have to admit I like better than German television,

when it comes to its plot and dialogues. But there are

also many series by Zambian or Namibian production

companies. And although I am not that much into the

plot, I often think that the actors here are better and

more convincing than in American productions.

Apart from a small interruption on the Day of German

Unity, to which we were invited by the German

embassy in Lusaka, I now live in Gwembe for two

months and feel super comfortable. As described, my

life here differs in many ways from life in Germany, but

many things are not as different as you might imagine.

Nevertheless, I am happy to continue to learn a lot

here and to be allowed to spend the continuing year

in Zambia.

Ben Lukas Koch


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Willkommen in Sambia

Welcome to Zambia

Nun bin ich schon etwas mehr als zwei Monate in

Sambia und ich muss sagen, dass ich mich schon

richtig gut eingelebt habe. Natürlich waren die ersten

Tage ein kleiner Kulturschock, aber die Menschen

haben uns sehr freundlich empfangen. Wir haben

sogar die Viktoria Fälle gesehen. Auch wenn sie zu

dieser Zeit eher wenig Wasser hatten, so waren sie

doch sehr beeindruckend.

Nach der Eingewöhnungswoche sind wir dann endlich

zu unseren Familien gekommen. Ich war schon

echt aufgeregt und der Empfang war sehr herzlich.

Zudem habe ich einen leckeren Willkommenskuchen

bekommen und wir haben viel geredet und gelacht. In

meiner sambischen Schwester Martha habe ich eine

I have been in Zambia for a little more than two months

now and I have to say that I have already settled in

pretty well. Of course, I experienced a moderate

cultural shock in the first few days, but the people here

have welcomed us in a very warm and friendly way.

We even went to the Victoria Falls. Although they did

not have a lot of water at that time, they were a very

impressive sight to behold.

After a week of settling in, we were sent to our host

families. I was very excited and they received me

very warmly. They made me a very tasty welcoming

cake and we talked and laughed a lot. I have found a

very good conversation buddy in my Zambian sister

Martha. In my new Zambian family we have an open

relation. My Tonga name is Chabilo,

which means something like jubilee or

cheering.

Unfortunately I often have to face black

outs and small availability of water, but

we always find solutions to get through

these hours.

After the first few weeks of living with

my Zambian family I had to choose a

work place, and I picked working at the

local hospital, which is why I am now

working in the maternity ward. It is a

very exciting and wonderful work.

I have slowly started to learn Tonga,

which is the most commonly spoken

language in my region. So far, I only

know how to greet people, but who

knows how much I will know in a year.

The people in Chikuni are very friendly.

We are lucky, because we have a very

talented seamstress living close by, and I

have already gotten two very beautifully

stunning dresses from her. The clothes

are made from Chitenge, which is a cloth

with colorful designs and patterns that

the women here wear as a kind of skirt.

It also serves as protection from dirt and

it just looks beautiful.


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gute Gesprächspartnerin gefunden. Auch

pflegen wir als Familie ein offenes Verhältnis.

Mein Tonga-Name ist Chabilo, was so viel

wie jubeln oder anfeuern bedeutet.

Leider muss man sich sehr oft auf

Stromausfälle und wenig Wasser einstellen,

aber wir haben sehr gute Lösungen gefunden,

um diese Stunden gut zu überbrücken.

Nach den ersten paar Wochen zu Hause

hatte ich die Wahl, mir eine Arbeitsstelle

auszusuchen. Ich habe mich für das

Krankenhaus entschieden und arbeite nun

auf der Entbindungsstation. Es ist eine sehr

spannende und wundervolle Arbeit.

Langsam aber sicher fange ich an Tonga zu

lernen. Tonga ist in unserer Region die am

meisten gesprochene Sprache. Bis jetzt kann

ich zwar nur die Begrüßung, aber wer weiß,

wie es nach einem Jahr damit aussieht. Die

Menschen in Chikuni sind sehr freundlich

und haben mich gut empfangen. Wir haben

das Glück, dass in unserer Nähe eine sehr

gute Näherin wohnt und bis jetzt habe

ich auch schon zwei sehr schöne Kleider

genäht bekommen. Die Kleider werden aus

Chitenge gemacht, einem bunt gemusterten

Stoff, den die Frauen hier als eine Art Rock

tragen. Zudem ist er als Schutz vor Staub

gedacht und sieht sehr schön aus.

Am 24. Oktober war der Independence Day in Sambia.

Wir haben an diesem Tag zusammen Hähnchen

gegrillt und zusammen getanzt. Die Feier ging bis

in den Abend hinein und alle hatten eine Menge

Spaß zusammen. Zudem habe ich viele neue Leute

kennengelernt und viel geredet.

Jetzt fängt so langsam die Regenzeit an und nach den

heißen Tagen ist das eine schöne Abkühlung.

Insgesamt habe ich mich sehr gut eingelebt und fühle

mich sehr wohl. Ich freue mich schon auf viele neue

Erfahrungen und Erlebnisse.

On the 24th of October we celebrated Independence

Day in Zambia. We all grilled chicken together on that

day and danced. The party lasted well into the night

and everyone had an amazing time. I also met a lot of

new people. The rainy season is slowly starting which

is a welcome relief after the hot days.

All in all, I can say that I have settled in quite nicely

and that I feel at home already. I look forward to lots

of new experiences and adventures.

Silja Thönnes

Silja Thönnes


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Edith und Cecilia haben sich als sambische

Freiwillige schon gut in Deutschland

eingelebt. Dies haben sie zu berichten…

The Zambian volunteers Edith and Cecilia

enjoy their life in Germany. This is what

they have to tell us…

Worte von Amanda

Words from Amanda

Es schien fast für alle Ewigkeit, für einen Augenblick

dachte ich, dass die Zeit angehalten wurde und ich

einen Tag für immer und ewig lebe, aber es stimmt:

„Die Zeit heilt Wunden“.

Amanda: „Alles wird gut, lass dir Zeit und du wirst

dich wohl daran gewöhnen.... „

Es ist erstaunlich und überraschend, dass ich schon

seit drei Monaten in Deutschland bin, mein Kopf

scheint immer unternehmungslustiger zu werden,

und ich möchte alles wissen.

Aller Anfang ist schwer. Oft möchte man

fast aufgeben. Denn alles, was man erlebt,

hängt auch davon ab, mit wie viel Geduld

man übt und wie einfach oder schwer der

Zugang zum Lernen ist.

Was kann ich über meine Arbeit sagen? Es

wird jeden Tag besser und leichter. Obwohl

ich noch nie im Krankenhaus gearbeitet

habe, wird es mit der Zeit besser. Es war

zunächst nicht so ganz einfach, aber mit

der Unterstützung der Krankenschwestern

und Studenten klappt es jetzt ganz gut.

Hinzu kommt, dass meine Gastfamilie

mich sehr unterstützt und immer hilfsbereit

ist. Sie verpassen nie den Augenblick, mich

zu fragen, wie es mir geht und wie es läuft.

Gott segne diese Familie.

Ich bin noch immer neugierig zu verstehen,

warum die Deutschen Formulare so sehr

lieben! Ich wundere mich manchmal, wie

viele Papiere Studenten und Arbeiter, die in

unterschiedlichen Branchen und Firmen

arbeiten, besitzen und wie sie damit

umgehen können, weil ich das nicht kann!

Nichtsdestotrotz habe ich eine gute Zeit

hier, ich mag es hier - bis auf die Kälte, die

jeden Tag schlimmer wird. Und natürlich

mag ich die vielen Brot- und Brötchensorten

essen, die es so vielfältig jeden Tag gibt.

It almost seemed forever, for a moment I thought time

has stopped moving and I will live one day forever but

it‘s true that „time heals all wounds“.

Amanda: „Everything will be OK, just give it time you

will eventually get used“.....

Surprisingly amazing I have already been in

Deutschland for three months, while my mind seems

more and more adventurous every time and I want to

know it all.


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Und dann die vielen Festivals und Events, auf die

die Deutschen so sehr achtgeben und die sie nicht

verpassen wollen. Ich muss sagen, dass ich die Art

mag, sich so sehr zu engagieren bei allem,

was um sie herum los ist. Obwohl – nicht

bei allem.

Jetzt hat mein vierter Monat begonnen,

es bleiben noch acht weitere Monate und

ich hoffe, dass es so gut weitergeht.

Mummy, deine Gebete tun das ihre und

ich bitte dich um mehr davon!!

First time of everything is never good, a lot of times

you might feel like giving up because of what you go to

experience, it all goes up to with how much patience

you exercise and how much is readily available to

learn.

My work, what can I say about it? It gets better and

easier every day. Though didn‘t really place myself in

such a workplace but it gets better with time I guess.

Though it has not really been easy in the beginning,

with the support of the nurses and students it all yields

to good results.

In addition to that my host family has been very

supportive and helpful to me, they never miss a

moment to ask how I am and how things are going at

that moment. God bless this family.

Cecilia Tatila

Cecilias Arbeitsstätte


Seite 18

I am still curious to why Germans respect paper work

so much?? I sometimes wonder how much paper

students and workers in different departments and

companies possess and if they can handle it cause I

myself can‘t!

Nevertheless, I am having a good time and I like this

place apart from the coldness which is getting worse

by the day and of course eating all the different types

of “Brot” and “Brötchen” you get a lot almost every

day.

All the festivals and events that Germans pay so

much attention to and that they just don‘t want to

miss!! I must say, I love the way they give in all their

commitment to everything that takes place around

them...... Though not everything!

I am in the fourth month, eight more to go and I only

hope for the best.

Mummy your prayers are working I only ask for more

please!!

Cecilia Tatila


Seite 19

Du lässt keine Trommel erschallen,

um die Abschnitte deines

Erwachsenseins zu markieren

Nun bin ich seit mehr als drei Monaten in Deutschland

und habe ganz verschiedene Stimmungen erlebt.

Es gab glückliche Momente, traurige, einsame und

solche voller Heimweh und dann auch glücklich sein

und traurig sein zur gleichen Zeit.

In meinem Bericht möchte ich über drei Dinge

sprechen: über die Familie, in der ich lebe, meinen

Arbeitsplatz und die erste Seminarwoche, die wir im

September hatten.

“You do not sound a drum to mark

the stage of your adulthood“

During my three months of staying in Deutschland,

I have experienced different types of moods. I have

experienced the mood of being happy, sad, lonely, and

homesick and also the mood of being happy and sad

at the same time.

In my report I will talk about three things which are:

family where am staying, work place and the seminar

week which we had.

In my host family I am really well settled. I have

nothing to complain about it.

The family where I am really

accepted me with all their heart,

because keeping someone who

you do not know is not an easy

thing. I really like the family

because they really take good

care of me. Not only that they

gave me the right to say what I

want and what I do not want.

For the short period of time

being with them, I have visited

nice countries and places. I have

been in the Netherlands where

I saw a sea for the first time.

I really enjoyed being there. I

rode a bicycle in the Netherlands

though it was cold for me. I have

been also in Belgium where I

saw a famous building called

Belfort. In short, the family is

keeping me well, therefore I have

nothing bad to say about them. I

would wish to spend my whole

voluntary year with them if at all

they are willing and also if it is

possible.

The working place is the place

where I spend much of the time.

Life at the hospital is good and

is also bad when it comes to

language barrier, because it is

not everything that I understand

in German language. Therefore,


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In meiner Gastfamilie bin ich inzwischen sehr gut

angekommen, da kann ich mich überhaupt nicht

beschweren.

Diese Familie hat mich wirklich mit ganzem Herzen

angenommen, es ist nicht so einfach jemand

aufzunehmen, den man vorher gar nicht kennt. Ich

mag diese Familie sehr, weil sie sich so gut um mich

kümmert. Und das ist nicht alles, sie gibt mir immer

auch die Gelegenheit über Dinge zu sprechen, die ich

gerne mag und die ich nicht möchte. In der kurzen

Zeit, in der ich jetzt bei ihr lebe, habe ich schon nette

Orte und Länder kennengelernt. Ich bin in Holland

gewesen, wo ich das erste Mal

das Meer gesehen habe. Es hat

mir wirklich gut gefallen, dort

zu sein. Wir sind dort auch mit

dem Fahrrad gefahren, obwohl

es für mich ziemlich kalt war.

Ich war auch in Belgien, wo

ich ein berühmtes Gebäude

gesehen habe, das man Belfort

nennt. Kurz gesagt, die Familie

kümmert sich gut um mich,

und von meiner Seite würde ich

gerne das ganze Jahr bei ihnen

verbringen, wenn sie das auch

wollen und es möglich ist.

Am Arbeitsplatz verbringe

ich sehr viel Zeit. Das Leben

im Krankenhaus ist einerseits

gut und andererseits auch

schlecht, wenn die Sprache

eine Hürde bildet, weil ich

noch nicht alles auf Deutsch

verstehe. Deshalb kommt es

mir manchmal hart vor. Auch

wenn es schwierig ist, alles auf

Deutsch zu sagen, so versuche

ich mit allen Mitteln, mich mit

meinen Deutschkenntnissen

auszudrücken. Meine Kollegen

im Krankenhaus mögen mich,

und ich mag sie auch genauso

wie die Patienten, vor allem

diejenigen, denen ich beim

Baden und Essen helfe. Deshalb

sometimes it seems to be hard for me. Even if it is

hard to say everything in German I try by all means

to say what I know in German. The people who work

in the hospital love me and I also love them including

the patients, especially those that I help bathing and

feeding. Therefore I am getting used waking up early,

because it was a bit challenge for me in the first days

of starting working.

The seminar week was good, because the people who

were looking after us really considered our presence

by trying their best to help us with the language.

In my conclusion, life in Germany is good and is bad,


Seite 21

gewöhne ich mich auch an das frühe Aufstehen, weil

dies in den ersten Tagen meiner Arbeit schon eine

große Herausforderung war.

Die Seminarwoche war sehr schön, weil die

Durchführenden immer berücksichtigt haben, dass

wir noch nicht so gut Deutsch sprechen, und sie haben

ihr Bestes gegeben, uns mit der Sprache zu helfen.

So kann ich zusammenfassen, dass das Leben in

Deutschland seine guten und seine schlechten Seiten

hat, aber alles was ich tun kann ist stark und reif

zu sein, wie das Sprichwort bei uns sagt „Du lässt

keine Trommel erschallen, die die Abschnitte deines

Erwachsenseins kennzeichnen“.

Ich danke dem eine-welt-engagement (EWE), dass

ich solch eine Gelegenheit habe, nach Deutschland zu

kommen und das Leben hier zu sehen und die guten

Dinge rundherum.

but all what I can do is to be strong and matured as the

proverb says „you do not sound a drum to mark the

stage of your adulthood“. I will always thank the One

World Engagement (EWE Organisation) for giving

me such an opportunity of coming to Germany to

learn how life is and see good things around.

Thank you,

Edith Nabbili.

DANKE

Edith Nabbili


Seite 22

NEUES AUS SAMBIA

Offiziell Offiziell gibt es in Sambia, anders als

in vielen umliegenden Ländern, noch immer die

Todesstrafe. De-facto wurde aber schon länger

kein Todesurteil mehr unterschrieben. Bei den

Vereinten Nationen bekräftigte Justizminister

Given Lubinda, dass das Moratorium für die

Todesstrafe aufrechterhalten wird.

Die sambische Fußball-Nationalmannschaft

hat die Qualifikation für die Afrika-Meisterschaft

in Kamerun 2019 verpasst. Nach einem

Heimsieg gegen Guinea-Bissau im Oktober

kam vorübergehend Hoffnung aus, anschließend

wurde jedoch nicht nur das Rückspiel in Bissau

verloren, sondern auch der folgende Auswärtsauftritt

in Mosambik. Die Chipolopolo Boys können selbst

durch einen Sieg im abschließenden Gruppenspiel im

März gegen Namibia nicht mehr auf einen der ersten

beiden Plätze springen. 2012 hatte Sambia zum ersten

und bisher einzigen Mal die Afrika-Meisterschaft

gewonnen.

Ende November besuchte der britische Prinz Harry

Sambia. Der Herzog von Sussex wurde zunächst

von Präsident Lungu im State Hous willkommen

geheißen. Auf der Agenda standen anschließend die

britisch-sambischen Beziehungen sowie ein Besuch

der Burma Barracks, wo Harry der sambischen

Veteranen der beiden Weltkriege gedachte und sich

Wahlkampf der Opposition

mit Kriegswitwen traf. Abschließend machte sich

Harry zum BongoHive auf, dem ersten sambischen

Technologie- und Innovationshub.

Befürchtungen, dass sich die autoritären

Tendenzen der Regierung verstärken, sind weiterhin

berechtigt. Die Opposition fühlt sich weiter extrem

gegängelt. In einem BBC-Interview am 11. November

sprach der Vorsitzende der UPND (United Party

for National Development), Hakainde Hichilema,

der bei den vergangenen Präsidentschaftswahlen

Edgar Lungu nur knapp unterlegen war, von seiner

Befürchtung, schon bald erneut inhaftiert zu werden.

Hichilema hatte zuvor in einem Radiointerview

darauf hingewiesen, dass die Regierung den Verkauf

einer staatlichen Holzfirma an einen chinesischen

Investor plane. Daraufhin war es in

der Stadt Kitwe im Copperbelt zu

Ausschreitungen gekommen. Die

Regierung warf Hichilema vor, diese

Ausschreitungen provoziert zu haben.


Seite 23

Gemeinden im Bistum Monze - Heute: Choma

Über viele Gemeinden im Bistum

habe ich in den vergangenen

Jahren berichtet, bis mir nun

auffiel, dass die einwohnerstärkste

Stadt des Bistums bisher noch

unerwähnt geblieben ist: Choma.

Choma war zunächst oft temporäre

Heimat der ewe-Freiwilligen,

weil diese schon in den frühen

Jahren des Jahrtausends oft für

einige Wochen in den Süden der

Südprovinz kamen, um dort an

der Förderschule St. Matthias

Mulumba zu hospitieren, die

der ewe auch zeitweilig durch

Projektarbeit unterstützte. 2007

verbrachte dann zum ersten Mal

eine Freiwillige ihr gesamtes Jahr in der St. Mary’s-

Gemeinde in Choma, weitere Freiwillige folgten

seitdem.

Choma liegt etwa 100 Kilometer südlich von Monze

auf der Hauptverbindungsstraße zwischen Lusaka und

Livingstone. Choma hat auch für die katholische Kirche

eine besondere Bedeutung, denn an der dortigen St

Joseph Mukasa Minor Seminary School lernten viele

aktuelle Priester des Bistums und machten dort ihren

Schulabschluss, bevor sie anschließend ins nationale

Priesterseminar nach Lusaka wechselten. Bekannt ist

Choma auch für sein Museum, das einen interessanten

Einblick in die sambische Geschichte gibt und

insbesondere viele traditionelle Ausstellungsstücke

und Handwerksgegenstände der Tonga zeigt.

Im Januar 2016 sorgte der sambische Minister für

tertiäre Bildung für Aufsehen mit dem Auftrag an

die Verwaltung der Südprovinz, eine Universität

in Choma zu errichten. Unter Präsident Michael

Sata war Choma offiziell zur

Provinzhauptstadt ernannt

worden. Seitdem stagnieren die

Pläne allerdings.

Das Choma Museum


Seite 24

Ein Wiedersehen

Reunion – Coming home to Pemba

Vor meiner vierwöchigen Reise nach Sambia war

ich ganz schön aufgeregt und habe mich gefragt, was

mich dort erwarten würde. Was hat sich verändert?

Wer wird mich wohl wiedererkennen? Wie wird es

sein, meine Gastfamilie wieder zu sehen?

Ich hatte vorab nur meiner Gast-Oma erzählt, dass

ich zu Besuch komme. Angekommen in Pemba

stieg ich aus dem Bus aus, niemand bemerkte mich

erst einmal, ich lief die Straße runter bis zu unserem

Haus, der Kellner in unserem Restaurant fragte mich,

wohin ich möchte und ich antwortete intuitiv „nach

Hause“. „Nach Hause?“ Ein paar Momente Stille,

bis es dann Klick machte. „Nina, das glaube ich

nicht, bist du es? Wir dachten schon, du hättest uns

vergessen, willkommen zuhause!“ Erleichterung. Es

hat sich nichts verändert. Sofort kehrt das Gefühl von

Zuhause wieder ein. Dieses Mal begleitete mich mein

jüngerer Bruder auf meiner Reise, der Sambia bisher

nur aus meinen lebhaften Erzählungen kannte. Einige

Mitbewohner unseres Hauses musste ich enttäuschen,

da es leider nicht mein Ehemann, sondern mein Bruder

war. Auf den zweiten Blick lachten dann auch alle

herzlich darüber, weil wir uns tatsächlich sehr ähnlich

sehen. Meine Gastfamilie hat sich sehr darüber gefreut,

nun ein weiteres Familienmitglied kennenzulernen.

Mein Vater hatte mich mit fairreisen während meines

Freiwilligendienstes besucht. Welcome, welcome

Vincent. Schnell war er der neue Sohn, der Bruder

und der ganze Stolz der Fußballmannschaft. Und

ich? Ich konnte mich entspannt zurücklehnen und

alle Eindrücke, einschließlich der Sonnenstrahlen

einsaugen und viel erzählen.

Trotz der regelmäßigen Kontakte gab es viel zu

berichten. Wir hatten fünf Jahre aufzuholen. Meine

Rückkehr nach Pemba war wie ein Nachhausekommen

in den Familienalltag meiner zweiten Familie. Auch

mit Solomon Phiri, dem Vorsitzenden unseres

Vereins auf sambischer Seite, sprach ich über dieses

Gefühl von Zuhause. Das ist auch eines der schönen

Resultate unserer Vereinsarbeit, dass wir nicht nur

den interkulturellen Austausch fördern, sondern

dass durch das Zusammenleben der Freiwilligen

mit den Gastfamilien und Gemeinden persönliche

Begegnungen stattfinden, aus denen intensive

Freundschaften und auch Familien entstehen, die auf

lange Sicht hin zusammen halten.

Before taking off to my four-weeks-journey to Zambia

I have been very excited and I have been wondering

I had to expect. What did change? Who is going to

recognize me? How will it be to meet my host family

again?

Only my Zambian grandma knew in advance that

I was going to visit. Arriving at Pemba I got out of

the bus and at first nobody took notice of me. I went

down the street to our house. The waiter in our

restaurant asked where I wanted to go and I genuinely

answered “home”. “Home?” For a few seconds there

was silence. Then he realized: “Nina, I can`t believe

it, is this really you? We already thought that you had

forgotten us. Welcome back home!” Relieve. Nothing

had changed. Immediately the feeling of being home

came back again. This time my younger brother, who

only knew about Zambia from my vivid descriptions,

was accompanying me. Realizing that he was only

my brother and not my husband some people at

home were disappointed. But taking a second glance

everybody started laughing because my brother and

I actually look quite similar. My host family has been

very delighted to finally meet another family member.

During my stay as a volunteer my father had already

visited us with a fair travel group. Welcome, welcome,

Vincent. He quickly became the new son, brother

and the pride of the football team. And me? I could

lay back and relax, could suck in all the impressions

including the warm sunbeams and could finally chat

with my Zambian family.


Seite 25

Ich für meinen Teil weiß, dass nun auch mein Bruder,

den Kontakt zu meiner Gastfamilie aufrechterhalten

wird und sicherlich nicht das letzte Mal dort war.

Wenn ich auf die letzten fünf Jahre seit meiner

Rückkehr von meinem Freiwilligendienst 2011/2012

zurückschaue, dann merke ich immer wieder, wie

mich dieses Jahr geprägt hat. Bezüglich meiner

beruflichen Laufbahn hat mein Freiwilligendienst

mich sehr positiv beeinflusst. Meine Erfahrungen vor

Ort konnte ich während meines Ethnologiestudiums

hilfreich anwenden und viele Dinge aus der Theorie

in die Praxis übertragen. Ein Beispiel dafür ist,

dass Vorstellungen von Erziehung kulturell sehr

unterschiedlich sein können. So auch in Sambia, wo

Kinder meist nicht nur durch die Kernfamilie, also

in einem Haushalt bei Mutter und Vater aufwachsen,

sondern in einem Mehrgenerationenhaushalt leben

und Elternschaft sozial gesehen eine ganz andere

Dimension hat. Verwandtschaft beruht nicht nur auf

Blutsverwandtschaft, sondern auch andere Mitglieder,

die in einem Haushalt leben, werden als Tante oder

Onkel bezeichnet. Meine Erfahrungen in Sambia

helfen mir auch bei meiner aktuellen Arbeit als

Despite the periodic contact we had since I left, there

was a lot to tell. We had to catch up five years after all.

Returning to Pemba was coming back to my second

family’s life and daily routines and it felt like coming

home. I talked to Solomon Phiri, the chairman of the

Zambian side of our ewe, about this feeling. Beside the

support of intercultural exchange, one the beautiful

results of our organisation’s work is that by living in

host families and parishes our volunteers make many

personal encounters from which close friendships as

well as families develop that will last for a lifetime.

For my part, I know that from now on my brother will

keep in touch with my host family, too, and that it was

not his last visit for sure.

Looking back at five years that have passed since

I finished my voluntary service and returned to

Germany in 2012, I realize time and again that the year

was a formative experience to me. Concerning my

professional carrier, it influenced me in a positive way.

During my studies of ethnology, I could helpfully apply

many experiences that I made in Zambia and I could

transfer theoretic aspects to practice. One example is

that understandings of and attitudes towards education

might be very different depending on one’s culture.

The Zambian view on it differs from the German, for

instance. In Zambia children are not only raised by

the nuclear family - meaning by mother and father

- but they grow up in multigenerational households.

Parenthood has a different social dimension. Family

relationships are not based on blood relation and

other members that live in the same household are

called “Auntie” and “Uncle”, too. In Germany, I work


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Sozialarbeiterin in einer Beratungsstelle für Menschen

mit Migrationshintergrund. Ich habe in Sambia

gelernt, was es heißt über den eigenen Tellerrand- die

eigene Familie, die eigene Stadt, die Gesellschaft,

den Kontinent hinauszuschauen und Wertesysteme,

kulturelle Unterschiede, politische, soziale und

historische Gegebenheiten wahrzunehmen, zu

hinterfragen und zu akzeptieren. Während meines

Freiwilligendienstes habe ich eine der wichtigsten

Erkenntnisse in meinem Leben gehabt, nämlich nicht

davon auszugehen und anderen zu vermitteln, dass

eigene Vorstellungen und Werte, so wie sie mir durch

meine Familie und die Institution Schule beigebracht

wurden „die Richtigen“ und „die Normalen“ sind,

sondern es immer auch noch andere Ansichten

von etwas gibt. Interkulturelle Begegnungen sind

komplex! Gerade in der heutigen Zeit von einseitiger

Berichterstattung, Rechtspopulismus und politischen

as a social worker at a counseling centre for people

with migrant background. The experiences I made in

Zambia are very helpful for that. During my year there

I learned what it means to take a look beyond – beyond


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und wirtschaftlichen Veränderungen ist es immer

wichtig die Gefahr einer einseitigen Geschichte nicht

aus den Augen zu verlieren.

Seit vier Jahren engagiere ich mich ehrenamtlich für

unseren Vorstand. Zum einen, weil ich es absolut

sinnvoll finde, diese Art von persönlichem Austausch

zu fördern und zum anderen, weil ich auf diese Art

neben den Gesprächen mit meiner Gastfamilie

mit Sambia in Kontakt bleibe. Ich möchte an dieser

Stelle alle Leserinnen und Leser herzlich einladen, in

unserem Vereinsvorstand mitzuwirken. Wir freuen

uns über jedes Engagement. Bei Interesse informieren

wir gerne über mögliche Aufgabenbereiche.

Herzliche Grüße an alle!

Nina Braun

one’s own family, one’s own city, one’s society and the

continent. I learned to see, question and accept value

systems, cultural differences, and political, social and

historical circumstances. During that year I made one

of the most important realizations of my life: not to

presume and not to convey that one’s own concepts

and values taught by family and teachers are “right”

or “normal”. There are always different views on the

same thing. Intercultural encounters are complex!

Especially today, in times of one-sided reporting,

right-wing populism and many political as well as

economic changes, it is most important to be aware of

the danger of one-sided stories.

For four years now I have been working voluntarily

for our board. Firstly, because I consider the ewe’s

kind of personal exchange very meaningful. Secondly,

because it is a way to stay in contact with Zambia

beyond the communication with my host family. At

this point I would like to warmly invite everyone to

join our organisation’s board. We are happy about

everyone who gets involved. So, if you are interested

we gladly provide more information.

Greetings to

everyone!

Nina Braun

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