ewe-aktuell 4/2017

eineweltengagement

Mitglieder- und Sponsoren Magazin des eine-welt-engagement.de

Jahrgang 20 - Dezember 2017

Orientierung finden

WEITERE THEMEN IN DIESER AUSGABE

Die Zeit vergeht

Berichte der Freiwilligen

Gemeinden im Bistum Monze


Seite 2 Seite 3

Editorial

Inhaltsverzeichnis

„Warum ist deine Haut schwarz?“

“Why is your skin black?”

Liebe Leser,

ich habe mich geirrt: in meinem letzten Vorwort hatte

ich die Prognose gewagt, Deutschland habe zum

Erscheinungsdatum eine neue Regierung – welch

absurde Vorstellung!

Dafür hat Sambias Nachbarland Simbabwe einen neuen

Präsidenten. Simbabwe ohne Mugabe – auch eine

absurde Vorstellung.

Und blickt man sich

in der Welt um, so

findet sich noch manch

anderes Absurdes,

seien es Winterspiele

am Schwarzen Meer,

eine Fußball-WM in

der Wüste oder, ganz

aktuell, in meiner

Heimat, die Aktion

„Bonn leuchtet“ – eine

Woche nachts in bunten

Farben angestrahlte

öffentliche Gebäude,

um während der Klimakonferenz mal so richtig Strom

zu verpulvern.

Manches davon lässt sich erklären, anderes weniger, oft

bedarf es zumindest einer gewissen Orientierung, im

Großen wie im Kleinen.

Von der Suche nach Orientierung höre ich viel in den

aktuellen Berichten der Freiwilligen. Vieles ist neu und

anders, für Deutsche in Sambia und auch für Sambier

in Deutschland. Das ist oft aufregend, aber auch nicht

immer gleich ganz toll. Ich freue mich daher über sehr

ehrliche Einschätzungen der Freiwilligen und über ihre

Offenheit und ihr Bemühen, sich mit dem „Anderen“

anzufreunden und so Orientierung zu finden.

Eine gute Orientierung wünsche ich euch und Ihnen

auch im kommenden Jahr – auf das wir für alle

Absurditäten gerüstet sind!

Johann Heilmann

2

5

10

16

18

Mbonyiwe

Jolina

Alisha

Gemeinden im

Bistum Monze

Editorial

Chilala

Charleen

Ausgewählt

Machtwechsel

Hoffnung?

3

7

14

17

Die Zeit vergeht sehr schnell und es fühlt sich an, als

wäre ich gerade erst vor ein paar Tagen angekommen,

obwohl ich jetzt seit bereits drei Monaten und

drei Wochen hier bin. Ich habe bereits viele Dinge

gesehen und viele Orte besucht. Auch habe ich bereits

Freunde kennengelernt wie beispielsweise meine

Arbeitskollegen, andere Freiwillige aus Südamerika

und andere Deutsche in meiner Seminargruppe, die Ihr

freiwilliges soziales Jahr absolvieren und letztendlich

natürlich die Kinder aus

dem Kindergarten.

Das Wetter spricht mich

leider absolut nicht an.

Es wird jeden Morgen

kälter und die Sonne

ist nie zu sehen. Am

30.10.2017 hatte ich

die Chance mit meiner

Familie für einen Urlaub

in die Niederlande zu

reisen. Es war ein toller

Urlaub für mich und

eine tolle Erfahrung,

die ganzen Wunder

der Welt zu sehen. Die

ganzen Gewässer haben

mich allerdings nicht so

in Holland überrascht,

weil ich schon ein wenig

über die Niederlande im

Voraus wusste.

Auf meiner Arbeitsstelle,

dem Kindergarten, fühle

ich mich sehr wohl und

mein Deutsch verbessert

sich mit jedem Tag – die

Kinder helfen einem

da ganz besonders. Sie

haben lauter Fragen und

sind immer neugierig.

Die lustigste Frage, die

ich gefragt wurde war

„Warum ist deine Haut

schwarz?“.

Ich bin wirklich

überwältigt, wenn

Time moves very fast, it is only like a few days ago

when I came to Germany but in reality, it‘s now 3

months and 3 weeks. And in this period, I have seen a

lot of things and been to many places.I have also made

a number of friends, that‘s my colleagues at work,

fellow volunteers from South America, as well as other

Germans who are having their social year who we are

in the same seminary group with and of course, the

kids at my kindergarten.


Seite 4 Seite 5

Fragen stellen und Lernen

Learning and asking questions

die Kinder sich meinen Namen richtig merken,

weil „Mbonyiwe“ für die meisten eine große

Herausforderung ist und hier in Deutschland hört es

sich immer eher nach „Bonive“ an. Ich habe auch ein

paar Probleme mit der Aussprache vor allem bei den

Wörtern die ein „ü“ enthalten, aber ich gewöhne mich

langsam daran.

Ich habe mich nun auch der deutschen Kultur

wie Zeitmanagement, Engagement zur Arbeit,

Terminplanung und anderen Dingen angepasst, die

dazu beitragen, dass man ein besserer Mensch in der

Gesellschaft wird.

Nach einer sehr langen Zeit konnte ich es nicht

mehr ohne Nshima aushalten und ich habe mich

entschlossen, es zusammen mit meiner Mutter

zum Mittag zu kochen. Der ganzen Familie hat es

geschmeckt und sie würden es alle gerne noch einmal

essen.

Mbonyiwe Banda

The weather is not favouring me at all,

it‘s getting colder each morning I wake up,

I hardly see the sun, However, on 30.10.17

to 01.11.17, I had a chance to travel to the

Netherlands with my family for our holiday,

it was really a good vacation for me and nice

experience to see such beautiful wonders of

the world. But the several big water bodies

didn‘t surprise me a lot because I had a little

history (information) about Holland.

At my place of work, kindergarten, I‘m

really doing well and my German is getting

better by the day. The kids are the best

persons to be with. They are full of questions

and always curious, but the funny question

I was one day asked was, „why is your skin

black „?

I‘m overwhelmed when the kids try to remember

my name correctly because „Mbonyiwe“ is mostly

a challenge for people and now here In Germany it

sounds like ‚Bonive‘. And like suit I have difficulties

also in mentioning words with the letter “ü”, but am

slowly assimilating it.

I‘m now adapted to the German way of life

like time management, commitment to work, time

management and other vital things that push one to

be a better person in society. After a long time, I could

no longer hold my cravings for Nshima then I decided

to prepare it for lunch with my mother. The whole

family liked the meal and wished to have it again.

Mbonyiwe Banda

Wenn man an einem neuen Ort ist, dann muss man

immer besonders darauf achten, was alles passiert.

So war es bis jetzt für mich. Die drei Monate in

Deutschland waren für mich eine Zeit des Lernens

und des Fragenstellens, um immer sicher zu gehen

warum, wie, und wann. Bestimmte Dinge sollten gut

gemacht werden und alles ist gut für mich. Ich beginne

wirklich die Momente hier zu genießen, weil ich nun

mehr kennenlerne und verstehe.

Man kann das Leben

wirklich genießen, wenn

man an einem Ort ist, an

dem man lernen kann, wie

andere Menschen leben.

Außerdem erhält man

dieses Wissen, wenn man

in der Lage ist, Fragen zu

stellen über die Dinge,

denen wir uns nicht immer

alle direkt bewusst sind.

Dies führt wirklich dazu

das Leben genießen zu

können.

Neben vielen anderen

Dingen lerne ich auch

gerade zu schwimmen. Es

ist sehr spannend und ein

tolles Hobby für meine

Freizeit.

Meine Freiwilligenarbeit

findet im Krankenhaus

statt, was wirklich in

meinem Interesse ist. Die

Arbeit macht mir Spaß und

ich lerne sehr viel dort.

Die Familie ist jedoch am

allerwichtigsten für mich.

Meine Gastfamilie hilft mir

dabei Deutsch zu lernen.

Ich finde es sehr interessant

und auch einfach, von

meinem kleinen Gastbruder

und Schwester zu lernen.

Außerdem fühle ich mich

sehr frei und auch sicher in

When one is a at a new place, one needs to pay extra

attention to everything that happens,It has been

like that for me. The three months in Deutschland

have been a time of learning and asking questions to

specifically be sure why? How? And when? Certain

things should be done well, everything is good with

me and I am beginning to enjoy most moments

because I am getting to know more.

Life is really enjoyable in a place, when one learns


Seite 6 Seite 7

meiner Familie. Ich freue mich, allen mitzuteilen, dass

es mir sehr gut geht! Vielen Dank

Chilala Mpile

and knows the way of life of the people around,

furthermore, this knowledge comes about when one

is able to be to ask questions where one is not aware of

something, it really leads to a great enjoyment of life....

Besides learning many other different things, I have

also started to learn how to swim, it is so exiting and

good to spend my free time.

My voluntary work in the hospital is also good, the

work in the hospital is really in my great interest and

I am learning so much. Family is one of the most

important things, my guest family is very good to me,

with my Deutsch language, I find it very interesting

and easy to learn from my young guest brothers and

sister, in addition, I feel very free and safe with my

family. I am happy to report that everything is good

with me. Thank you!!!!

Chilala Mpile

Mehr und mehr im sambischen

Alltag

Nach drei Monaten in Sambia habe ich mich nun schon

an vieles gewöhnt und bin stolz sagen zu können, dass

ich mir hier mein eigenes Leben aufgebaut habe.

Von Montag bis Freitag gehe ich arbeiten in

der St. Mulumba Special School für behinderte

Kinder. Ich muss sagen, am Anfang war es eine

Herausforderung für mich in einem so neuen Umfeld

meinen Platz zu finden, zumal ich schließlich keine

ausgebildete Lehrerin bin und den Umgang mit den

verschiedensten Behinderungen nicht gewöhnt war.

Mit der Zeit habe ich aber gelernt, die Kinder richtig

einzuschätzen und jeden Schüler als einzigartig und

anders wahrzunehmen. Besonders einige der Kinder

mit Downsyndrom in der ersten Klasse sind mir ans

Herz gewachsen. Mit ihnen habe ich meine

ersten Wochen verbracht, und wir haben

zusammen gemalt, gesungen und getanzt.

More and more part of the zambian

daily life

After 3 months in Zambia I am finally used to a lot of

new things and traditions and I am proud to say, that

I managed to build my own life here.

Monday to Friday I work at St Mulumba Special School,

which is a school for children with various disabilities.

Although it was a challenge in the beginning to find

my place in the new environment, especially because

I am not a teacher and I am not trained to interact

with the disabled children, I learnt now that every

child is different and special, and deserves to be loved

in his own way. Above all some of the children with

Downsyndrom became more like my own children

for me, I spent my first weeks with them and they

showed me how they draw, sing and dance.

Nach einiger Zeit habe ich dann meinen

Schwerpunkt auf die Klassen der

Gehörlosen verschoben, um einen weiteren

Bereich der Schule kennenzulernen. Dank

der geduldigen Hilfe von einigen tauben

Kollegen beherrsche ich inzwischen sogar

eine ganze Menge der Gebärdensprache hier

und kann mich mit Kindern und Lehrern

unterhalten. Gebärdensprache macht uns

allen an der Schule so viel Spaß, dass wir

manchmal auch unter den Hörenden nur

mit Zeichen kommunizieren. Irgendwie

ist diese Sprache simpel und schnell und

schließt die Gehörlosen mit ein. Das

einzige Problem besteht dann, wenn

Gehörlose mit Blinden kommunizieren

möchten, das ist nämlich meistens nur

über einen gesunden Vermittler möglich.

In den verbleibenden Wochen bis zum

Ende des Terms im Dezember möchte

ich auch den Unterricht bei den blinden

Schülern besuchen und zumindest einen

Versuch starten, die Blindenschrift Braille

zu erlernen.


Seite 8 Seite 9

Neben all den spannenden Erfahrungen aus dem

Unterricht hat mir die Schule aber noch etwas

ganz anderes ermöglicht: Freunde zu finden. Ich

hatte das Glück, zusammen mit einigen Student

Teachers aus Lusaka meine Arbeit hier zu

beginnen. Da wir alle neu und relativ jung waren,

habe ich schnell Kontakt zu ihnen geknüpft.

Inzwischen sind mir einige von ihnen wirklich

ans Herz gewachsen, und wir verbringen auch

unsere Nachmittage nach der Arbeit zusammen.

Bei ihnen habe ich sozusagen ein zweites Zuhause

gefunden, und ich weiß, dass ich bei ihnen immer

willkommen bin. Das ist wirklich toll! Nur schade,

dass sie bald wieder zurück nach Lusaka aufs

College müssen, aber dann kommen wir uns eben

gegenseitig besuchen…

Außerdem habe ich herausgefunden, dass zum

Beispiel drei weitere Volontäre aus Deutschland und

eine weitere Volontärin aus Norwegen in meiner Stadt

wohnen. Manchmal tut es eben einfach gut, mit Leuten

aus der Heimat über die gemachten Erfahrungen zu

After some time I focussed more on the deaf children,

to learn more about the different partsof the school.

Thanks to the patient help of my deaf collegues

and pupils I can by now say almost everything in

sign language and am able to communicate with

the children. Sign language is very much fun and

extremely popular at my school, so that we sometimes

even use it between the hearing, because it is simple

and fast and includes our deaf friends. The only

problem comes up when deaf and blind people want

to communicate, then they need help from someone

to translate. In my next weeks I plan to visit some of

the vision impaired lessons too, to learn more about

the writing techniques in Braille.

Apart from those experiences my school made

something very important possible for me: Finding

my own friends. Luckily, I started my work there

together with a group of young student teachers from

Lusaka, who made it easy for me to socialize. Also the

other collegues are very openminded and nice, so that

I became close to some of my workmates. Now we

spend our afternoons after work together and I found

something like a second home with them. Just sad that

they have to get back to Lusaka soon, but then we will

visit each other …

I also found out that there are 3 other german

volunteers and one volunteer from Norway in my

town. Sometimes it just feels good to see them and

to talk about our experiences here and our far away

homes, so I really enjoy their company.

quatschen, und so genieße ich auch ihre Gesellschaft

sehr.

Ansonsten habe ich auch in der Kirche mehr

Anschluss gefunden, seit ich im englischen Chor

singe. Singen ist etwas super Schönes, was Freude und

Gemeinschaft bringt. Jeden Dienstag, Donnerstag

und Samstag proben wir zusammen. Letzten Samstag

haben wir sogar zusammen einen Ausflug an den

Karibasee gemacht, wo wir gegrillt, gebadet und

natürlich gesungen und getanzt haben.

Wenn ich nicht bei Freunden, in der Schule oder

in der Kirche bin, dann findet man mich Zuhause.

Auch wenn mir das Einleben hier aufgrund der

Sprachbarriere zum Teil immer noch nicht ganz

so leicht fällt, gebe ich mir wirklich Mühe, mich zu

integrieren. Letztens habe ich zum Beispiel deutsche

Brötchen und eine Pizza gebacken, die bei allen sehr

gut angekommen sind. Meine Mutter wollte sogar

aufhören, Brot zu kaufen, und mein Vater hat sich

einen Tag lang geweigert, das typische Nshima zu

essen. Im Alltag komme ich dann

aber doch nicht dazu, jeden Tag

für 10 Leute zu backen…

Abschließend kann ich sagen,

dass sich mein Wunsch aus dem

letzten Bericht erfüllt hat: Wenn

ich über die Straßen laufe, merke

ich, dass sich die meisten an den

Anblick einer Weißen gewöhnt

haben und mir nur noch selten

“Mzungu“ oder “Mugua“

hinterherrufen. Vielmehr freuen

sich die Menschen, die mich

tatsächlich kennen, wenn sie

mich sehen, und rufen mir ein

“Taonga, muli bwanji?“ hinterher

(Taonga, wie geht’s?). Ich bin

also nicht mehr nur die Fremde,

sondern werde Tag für Tag mehr

ein Teil Sambias.

Jolina Bilstein

Moreover I am part of my church since I joined the

english church choir. Singing is something amazing, it

brings joy and togetherness. Every Tuesday, Thursday

and Saturday we rehearse for the Sunday mass. Last

Saturday we even had a picnic near the Karibalake,

where we made barbeque, sang and danced.

If I am not with friendy, at work or at church, you will

find me home. Although I still find it hard sometimes

to feel like I was with my own family because of the

language barrier, I try to integrate by doing things like

baking buns or pizza with my family. My mom here

liked my buns so much that she told me she never

wants to buy bread again, and my dad refused to eat

Nsima for one day. In reality, I do not manage to bake

everyday, but at last once in a while I make buns for

everyone…

To sum it up I can say that my wish from the last

report became true: When I cross a street nowadays,

I feel that people are used to seeing me around. Most

of them stopped calling me “Mzungu“ or “Mugua“.

Only those ones

who really know

me are happy to see

me and greet me

with “He Taonga,

muli bwanji?“ I

am not the white

stranger anymore,

but become every

day more a part of

Zambia.

Jolina Bilstein


Seite 10 Seite 11

Ein Friedensgruß

A Zambian home is never calm

Man sagt, wenn man die Zeit genießt, vergeht sie

schneller. Das kann ich definitiv bestätigen, denn

die letzten 88 Tage und somit fast drei Monate sind

rasend schnell vergangen. Ich habe mich gut hier

eingelebt und langsam routiniert sich mein Alltag.

Ich habe angefangen im Krankenhaus zu arbeiten und

bin der Jugendgruppe sowie dem Chor meiner Kirche

beigetreten. Was ich dort für Erfahrungen gesammelt

habe, erfahrt ihr nun im Folgenden.

Ich arbeite seit nun einem Monat von montags bis

freitags im Monze Mission Hospital und finde es

People say when you enjoy yourself time flies. Now I

agree cause the last 88 days and nearly three months

fleiw very fast. I have immerse myself quickly and

good so that everything turns to daily routine now.

I started working in a hospital, joined the Youths and

quire from church. In the following I will tell u what

Inhaber experienced there.

Since nearly one month I‘m working Mondays till

Fridays in the Monze Mission Hospital and I enjoy

working there so much that I‘m sure that I will stay

there for the complete year.

Within the frame of an internship I got

the permission to work in every of the 25

Departments, from Children Ward to the

Theatre.

How long I work in which department I can

decide by myself.

First I had a short guidance where someone

showed me all the departments.

Alone there I got many new impressions.

The Mission Hospital has around 230 workers,

including 40 Doctors and has capacities for

around 330 patients.

The Hospital has many yellow buildings, which

are all connected like a labyrinth. From inside it

looks a little bit like German Hospitals in the 50s.

They are big halls with up to 50 Beds for the

Patients. Sometimes the beds aren‘t enough so

that some have to sleep at the floor.

Often privacy is just made through cloth which

are hanging from the ceiling.

First u started working in High Cost Department

where staff and their relatives are treated which

are insurances by the companies where there are

working. Less people have this insurance so that

we also had less work, in comparison to the other

departments. Nevertheless I learned medical

basics and made the patients files. I extra started

first at High Cost, cause I have known that I have

the possibility to learn things calmly there, so

that It will be easier in the other departments

where more work has to be done.

Especially at Female Ward was a lot to do. Now

bisher so klasse, dass ich jetzt schon sagen kann, dass

ich sicherlich während meines ganzen Aufenthaltes

dort arbeiten werde.

Im Rahmen eines Praktikums habe ich die Erlaubnis

bekommen, in jeder der 25 Abteilungen arbeiten zu

dürfen, von der Kinderstation bis zum OP.

Wie lange ich auf welcher Station arbeite, steht mir

vollkommen frei.

Zuerst gab es eine kleine Führung, bei der mir alle

Stationen gezeigt wurden.

Allein bei der Führung habe ich viele neue Eindrücke

sammeln können.

Das Mission Hospital umfasst ein Personal von ca. 230

Personen, inklusive 40 Ärzten und hat Kapazitäten für

ca. 330 Patienten.

Das Krankenhaus besteht aus mehreren einstöckigen

gelben Gebäuden, die ein bisschen wie ein Labyrinth

ineinander übergehen. Von innen sehen die meisten

Gebäude aus, als würden sie aus den 50er Jahren

stammen.

Die Männer-, Frauen- und Kinder-Station erinnert

mich ein wenig an die Krankenstation von Hogwards.

Große Säle mit bis zu 50 Metallbetten. Manchmal sind

die Patienten aufgrund von Platzmangel gezwungen

auf dem Boden zu schlafen. Privatsphäre wird meist

nur durch Stofffetzen geschaffen, die vereinzelt von

der Decke herunterhängen.

Zuerst habe ich im High Cost Department gearbeitet.

Dort werden Angestellte und ihre Angehörigen

untersucht und behandelt, die eine betriebliche

Krankenversicherung haben oder extra zahlen.

Da sich dies in der Regel jedoch nur wenige leisten

können, gab es dort im Vergleich zu den anderen

Stationen nicht so viel zu tun.

Dort habe ich jedoch einige medizinische Grundlagen

lernen können und Akten für die Patienten angelegt.

Mir schien das High Cost Department als besonders

gut geeignete erste Station, da ich die dort erworbenen

Grundlagen und Fähigkeiten direkt in der nächsten

Station anwenden konnte, wo sich die Arbeit als

stressiger herausgestellt hat. Vor allem auf der

Frauenstation, gab es immer viel zu tun.

Viele Patienten haben mich am Anfang für eine

I‘m at Male Ward we‘re it is similar.

At the beginning many patients were thinking that

I‘m a doctor, so that I first had to explain that I just

graduated from school.

Less doctors are specialists like I know it from

Germany, that‘s why doctors here know a lot of all

areas.

Before we help and treat the patients we (the Nurses

and Students) have to clean everything.

In reference to medicine most people get Saline,

Iodine and Paracetamol. I learned that most patients

use traditional healthcare at home. For example one

patient was bitten by a Cobra and was treated at home

with leaves which drag out the patients, before he

came to the hospital. I heard people saying that he

survived because of that. I‘m not sure if it‘s true or not

but nevertheless he survived what‘s great!

I‘m not sure on which station I will Station I will work

next, but I‘m sure no matter in which department I

work, I will also enjoy being there!

At the weekends I go to the quire at Saturday‘s, where

I will be taught to sing soprano. Sundays after church I

visit the Youths meetings, where we discuss with each

other, share experiences and enjoy time together.

Once a Youth told me that people here call hard

working or strong persons ‚German Machines‘. It‘s

really interesting to interact with each other.

It‘s easy to be a part of this group so that I‘m always


Seite 12 Seite 13

Ärztin gehalten, sodass ich erst mal

erklären musste, dass ich gerade mal

mein Abitur habe.

In Sambia gibt es relativ wenige

Ärzte, die sich auf Fachbereiche

spezialisieren, so wie wir es aus

Deutschland gewohnt sind. Deshalb

verfügen die Ärzte hier über

bemerkenswert viel Wissen.

Bevor die Patienten behandelt werden,

wird alles von den Krankenschwestern

bzw. Studenten und nun auch von mir

gereinigt, da das Reinigungspersonal

sich auf andere Bereiche beschränkt.

Was die Medikamente betrifft, so

werden überwiegend Salzlösungen,

Jod und Paracetamol eingesetzt.

Gleichzeitig werden in den privaten Haushalten

traditionelle Heilmittel benutzt.

Manchmal sind diese Maßnahmen sogar

überlebenswichtig.

Ein Patient wurde zum Beispiel nach einem

Schlangenbiss mit Mangoblättern behandelt, um

das Gift herauszuziehen und danach direkt ins

Krankenhaus gebracht. Die Ärzte haben tatsächlich

gesagt, dass der Junge wahrscheinlich nur dadurch

überlebt hat. Was da wirklich dran ist, werde ich wohl

nie erfahren, aber ich bin froh, dass es anscheinend

geholfen hat.

Auf welcher Station ich als nächstes arbeiten werde,

weiß ich noch nicht. Was ich jedoch weiß, ist, dass ich

nach den interessanten Erfahrungen, die ich bisher

im Krankenhaus machen konnte, ich es sicherlich

genauso genießen werde wie bisher.

happy when it is finally Sunday again.

Sundays I meet friends from work or church.

On 24 October was the Independence Day. After mess

we drove all together with the Youths on the back of a

counter to the Atschanga River.

We have made a Picknick, were swimming, roasted

Chicken, danced and sung together.

They tried to teach me how to dance. I failed, but I‘m

sure that I will learn in the following nine month how

to dance like a Zambian.

It was a wonderful day which I won‘t forget that fast!

I still feel very comfortable in my family and am

planen. Dort hat mir ein Jugendlicher z.B. erzählt,

dass starke oder fleißige Menschen hier ‚German

Machines‘ genannt werden, aufgrund des guten Rufes,

den deutsche Maschinen hier haben.

Man kann sich gut und leicht in die Gruppe einbringen,

sodass ich mich jeden Sonntag auf das Treffen freue.

An den anderen Tagen verabrede ich mich mit den

Studenten aus dem Krankenhaus oder Jugendlichen

aus der Kirche.

Am 24. Oktober war der Unabhängigkeitstag. Ich

bin gemeinsam mit den Youths zum Atschanga River

gefahren.

Der Tag wurde mit einem Gottesdienst eröffnet,

danach ging es mit allen auf der Ladefläche eines

Pick-Ups zum See.

Dort angekommen haben wir ein Picknick gemacht,

sind geschwommen, haben Chicken gegrillt,

zusammen getanzt und gesungen.

Die Youths haben mir vergeblich versucht beizubringen

sambisch zu tanzen. Trotzdem bin ich zuversichtlich,

dass ich im Laufe des Jahres noch lernen werde, wie

man das sambische Tanzbein schwingt.

Es war eine unglaubliche Kulisse, die ich nicht so

schnell vergessen werde.

Nach wie vor fühle ich mich super wohl in meiner

Familie und bin überaus glücklich darüber, dass

meine Gasteltern mich wirklich wie eines ihrer Kinder

behandeln.

Ich habe von meiner Familie sogar einen Tonga-

Namen erhalten und werde von nun an nicht mehr

irrtümlicherweise Chareen oder Charleeni, sondern

Lumuno genannt.

Es ist schön, dass Namen hier eine Bedeutung haben.

Die Bedeutung meines Namens ist ‚Frieden‘.

thankful that they treat me like their own child.

I even got a new tonga name, so that people call me

now Lumuno.

It‘s nice to have a Tonga name, cause I‘m proud to be

a part of that culture.

I can‘t wait till it‘s finally Christmas and my siblings

and cousins are back from Boarding Schools and

Colleges.

That‘s why it‘s more calm at home. Okay actually a

Zambian home is never that calm.

Charleen Kovac

Am Wochenende gehe ich samstags zum Chor, wo

mir ab nächster Woche sogar beigebracht wird, wie

ich Sopran singen kann.

Sonntags nach der Kirche treffe ich mich mit den

Youths, einer kirchlichen Jugendgruppe, der ich

beigetreten bin.

Die Youths sind eine Gruppe von 15 bis 25-jährigen,

die sich jeden Sonntag treffen, um sich auszutauschen

und gemeinsame Veranstaltungen oder Projekte zu

Ausnahmsweise kann ich es sogar kaum erwarten, dass

endlich Weihnachten ist und alle meine Geschwister

und Cousinen wieder zuhause sind.

Die meisten gehen momentan auf Internate oder aufs

College, sodass es relativ ruhig zuhause ist. Naja okay,

so richtig ruhig ist es in einem sambischen Haus ja

meistens nie.

Charleen Kovac


Seite 14 Seite 15

„Du bist angekommen“

Hier in Mazabuka, schon früh am Morgen, nämlich

zwischen fünf und sechs Uhr: Meine Mutter und meine

Bruder können mir jetzt schon auf Deutsch einen guten

Morgen wünschen. Meiner Schwester habe ich sogar

schon ganze Sätze auf Deutsch beigebracht. Nach dem

Aufstehen und noch vor dem Frühstück wird erstmal

das Haus geputzt und die Wäsche gewaschen, mit den

Händen versteht sich.

Wenn es ums Essen geht, wird hier eigentlich fast

immer gekocht, auch zum Frühstück. Hühner

werden im Vorgarten geschlachtet und Fische selber

ausgenommen. Nshima kochen kann ich jetzt schon von

A bis Z ganz alleine, denn das ist eines der wichtigsten

Dinge, die man hier als Mädchen können sollte. An

einem Tag habe ich meiner Gastmutter geholfen, eine

bestimmte Art von Gemüse zuzubereiten: Die Blätter

haben wir, nachdem wir sie alle einzeln von ihrem

Strunk gerupft haben, dann in einer Art großen Mörser

aus Holz zu einem Brei gestampft. Dabei habe ich mich

richtig wie eine sambische Hausfrau gefühlt, wie ich so

in meinem Chitenge auf einer Bambusmatte sitze und

Essen zubereite auf eine Art und Weise, die ich vorher

nur aus Filmen kannte.

Ich arbeite jetzt in einer Vorschule. Die Schule besteht

aus einem einzigen

Klassenraum, 30

Kindern zwischen 2

und 6 Jahren, einer

Lehrerin und mir. Ich

helfe den Kindern

zu lernen bis 10 zu

zählen oder ihren

Namen zu schreiben.

Ganz besonders

freue ich mich

jeden Freitag auf

die Tonga-Stunde,

denn da kann ich

auch noch die eine

oder andere Vokabel

lernen. Das hilft

mir aber auch nicht

weiter, da die meisten

Kinder zwar Englisch

verstehen, aber fast

ausschließlich Tonga

sprechen.

Ein großer Unterschied zu Deutschland ist zum

Beispiel, dass wenn das Handy der Lehrerin im

Unterricht klingelt, sie auch abhebt. Denn es könnte ja

was Wichtiges sein. In Deutschland könnte ich mir das

nicht vorstellen. Aber schon alleine der Fakt, dass selbst

2-jährige hier schon zur Schule gehen, hat mich sehr

erstaunt. Und das ist etwas, was ich nicht recht verstehe,

da ich der Meinung bin, dass Kinder in Deutschland

genauso schnell lernen, auch wenn sie bis zu ihrem

sechsten Lebensjahr nur spielen.

Auch an meinem Arbeitsplatz habe ich unabsichtlich

eine deutsche Verhaltensweise auf die Lehrerin

übertragen: Sie erzählte mir eines Tages, dass ich ihr

beigebracht hätte, die Hefte der Kinder nach Fächern

geordnet fein säuberlich auf das Pult zu legen, um auf

den Unterricht vorbereitet zu sein.

Auf meinem Weg zur Arbeit und auch wieder zurück

begrüßen mich sehr viele Menschen. Das liegt zum

einen daran, dass ich als Weiße nun mal in meinem

Viertel sehr auffalle. Aber zum anderen auch daran, dass

es Teil der sambischen Kultur ist, jeden zu begrüßen,

den man kennt, wenn auch nur flüchtig. Sobald ich

in meine Straße einbiege, geht´s aber so richtig los:

Sobald eines der vielen Kinder, die dort wohnen, mich

sieht und meinen Namen ruft,

stürmen auch die anderen

Kinder aus ihren Häusern und

Gärten, und ich darf erstmal

nicht weiter gehen. Dann

umarmen mich viele kleine

Kindern oder wollen auf den

Arm genommen werden. Die

etwas älteren Kinder wollen

sich mit mir unterhalten, ganz

egal wie erschöpft ich von der

Arbeit bin.

Im Oktober ist mir nochmal

aufgefallen, wie stark hier der

Bezug zur Bibel ist. Es ist der

Monat des Rosenkranz. Das ist

eine bestimmte Art zu beten,

nämlich mit einer Gebetskette.

So haben wir in diesem Monat

jeden Abend mit der ganzen

Familie zusammengesessen

und den Rosenkranz gebetet: Für jede einzelne Perle

haben wir gemeinsam das jeweilige Gebet gesprochen.

Das hat seine Zeit gedauert.

An einem Tag habe ich meine Schwester in ihrer Schule

besucht. Auch hier wurde der Bezug zur Religion

deutlich: Sie haben eine große Marienstatue auf dem

Schulhof stehen und eine eigene Kirche auf dem

Schulgelände.

Ich war auch bei einer sambischen Hochzeit dabei,

die erstaunlicherweise bescheidener ausgefallen ist,

als ich es mir vorgestellt hatte. Das einzige, was mich

sehr überrascht hat, war, dass auch die Gäste weiß

tragen durften und nicht nur die Braut, wie ich es aus

Deutschland kenne.

Die sambische Zeit, also das viele Warten, ist für mich

kein Problem. Ich glaube, das liegt daran, dass ich mich

von Anfang an darauf eingestellte habe, dass Warten

jetzt zu meinem Alltag gehört…

Ich habe jetzt übrigens auch einen sambischen Namen:

Wiza. Das ist Mambwe und bedeutet etwa so was wie

„Du bist angekommen“. So richtig angekommen fühle

ich mich zwar noch nicht, da ich es sehr schwer finde,

mit der ständigen Aufmerksamkeit auf der Straße

klar zu kommen. Aber ich bin zuversichtlich, dass es

mir mit der Hilfe von ein paar Freunden bald leichter

fallen wird. Alles in allem fühle ich mich mit jedem

Tag wohler hier und freue mich, noch eine Weile hier

bleiben zu dürfen.

Alisha Ernst


Seite 16 Seite 17

Ausgewählt

Gemeinden im Bistum Monze - Heute: Kalomo

Seit Jahren beobachten wir mit Sorge, dass sich für

die Freiwilligendienste im Ausland immer weniger

Jugendliche interessieren. Nicht nur wir im ewe,

sondern auch andere Entsendeorganisationen, mit

denen wir verbunden sind, berichten ähnliches.

Umso erfreulicher, dass wir für das Entsendejahr

2018/ 2019 einige Bewerbungen hatten.

Wir hatten für das 2. Adventwochenende ins KHG-

Haus nach Heimbach eingeladen und ein intensives

Wochenende vorbereitet, um die drei verbliebenen

Bewerber/in umfassend informieren und testen zu

können. Alle Beteiligten müssen das Gefühl haben,

dass wir zueinander passen. Erstmals haben wir auch

die sambischen Freiwilligen Chilala und Mbonyiwe

mit einbezogen. Sie waren mit ihrer Kenntnis von

Land und Leuten und insbesondere als sambische

Jugendliche wichtig, sodass im Gespräch und in

Rollenspielen authentische sambische Wirklichkeit

spürbar war.

Am Ende musste dem Wunsch unserer Partner in

Sambia entsprechend ausgewählt werden.

Diese Aufgabe kam den beiden Verantwortlichen

Gesine und Helen (zum ersten Mal in dieser neuen

Aufgabe) und dem Vorsitzenden zu.

Wir haben gewählt:

Silja Thönnes und Ben Lukas Koch, beide aus Aachen

sind die Gesichter des ewe im Freiwilligen Jahr 2018/

2019 in Sambia

Guido Schürenberg

Wer einfach nur von Lusaka nach Livingstone fährt,

hat oberflächlich schnell das Gefühl, dass auf dem Weg

nicht viel anzutreffen ist und die Städte praktisch bloß

aus ein paar Ansammlungen entlang der Hauptstraße

bestehen. Dem oberflächlichen Betrachter mag es

auch in Kalomo so gehen. Wer duchrast, erkennt

vielleicht noch den Schriftzug des „Kalomo Hotel“

und hat dann noch knapp 130 km bis Livingstone

und zu den Viktoriafällen vor sich. Doch natürlich ist

Kalomo mehr, wie nicht zuletzt auch mittlerweile drei

ehemalige ewe-Freiwillige erzählen können.

Tatsächlich war Kalomo zu Beginn des 20. Jahrhunderts

die erste Hauptstadt des britischen Nordrhodesien,

bevor diese 1907 nach Livingstone verlagert wurde.

Das Haus des damaligen Administrators gilt als

heute noch einziges erhaltenes Zeugnis von Kalomos

Hauptstadtvergangenheit, ein kleiner Gedenkstein

am Straßenrand weist darauf hin. Gerade abseits der

Hauptstraße ist Kalomo aber heute ein lebendiger Ort

– und außerdem Ausgangspunkt für Fahrten in den

südlichen Teil des Kafue-Nationalparks. Eine weitere

Aufwertung soll die Stadt in Kürze erfahren: Im

Rahmen eines nationalen Plans zur Verbesserung der

Gesundheitsversorgung

plant die Regierung

die Errichtung von

sogenannten „first level

hospitals“, zunächst in

einigen Pilotdistrikten.

Kalomo ist einer davon,

Weiterfahrten vom alten

Krankenhaus in die

besser ausgestatteten

Choma, Zimba oder

sogar Livingstone

gehören dann der

Vergangenheit an.


Seite 18 Seite 19

Machtwechsel auf der anderen Seite des Sambesi – Hoffnung für Sambias

Nachbarn Simbabwe?

Bis zur Unabhängigkeit 1964 war die Geschichte Sambias

eng mit der des südlichen Nachbarlandes Simbabwe

verbunden. In der Föderation Rhodesien und Nyasaland

stand Sambia gemeinsam mit Simbabwe und Malawi

unter britischer Verwaltung. Doch während Sambia

und Malawi offiziell in die Unabhängigkeit entlassen

wurden, erklärten weiße Siedler in Simbabwe (damals

noch Südrhodesien) 1965 einseitig ihre Unabhängigkeit.

Erst nach einem langen Befreiungskampf bekam die

schwarze Bevölkerungsmehrheit 1980 ihre Freiheit –

und mit Robert Mugabe ihren ersten Regierungschef.

Jener Robert Mugabe führte Simbabwe auch noch 37

Jahre später an – zumindest offiziell, denn es war längst

kein Geheimnis mehr, dass der inzwischen 93-Jährige

nicht mehr umfassend Herr seiner geistigen Kräfte

war. Insider berichteten, er brauche 20 Stunden Schlaf

am Tag. Er war bisweilen in öffentlichen Sitzungen

eingenickt, und dass er zu verschiedenen Anlässen

dieselbe Rede vortrug, fiel zwar allen Anwesenden auf,

ihm selbst aber wohl nicht. Doch nun ist Mugabe als

Präsident Geschichte. Nach einem unblutigen Putsch,

der am Abend des 14.11. diesen Jahres seinen Anfang

nahm und offiziell nicht so heißen durfte, hat Simbabwe

nun einen Präsidenten, der nicht mehr Mugabe heißt.

Am 19.11. wurde der 75-jährige Emmerson Mnangagwa

als neuer Präsident vereidigt. Auch der sambische

Präsident Edgar Lungu war zugegen.

Ist das eine gute Nachricht? Hört man den meisten

Simbabwern zu, so muss die Antwort „ja“ lauten. Zu

groß ist die Hoffnung, dass es nach dem

Ende der Mugabe-Ära wirtschaftlich

endlich wieder aufwärts geht. Nach

hoffnungsvollem Start hatte Mugabe sich

zunehmend zum Diktator gemausert und

das Land komplett herunterwirtschaftet.

Wahlen wurden systematisch gefälscht,

die Opposition eingeschüchtert,

tyrannisiert und verfolgt. So machte

sich nach dem Putsch zwar zunächst

gespenstische Stille auf den Straßen des

Landes breit. Doch als Mugabe, den man

unter Hausarrest gestellt hatte, offiziell

abdankte, brandete großer Jubel im

ganzen Land auf. Sogar die Opposition

klatschte Beifall, und Exil-Simbabwer

feierten wilde Partys.

Und natürlich muss man den Abgang

Mugabes mit der Hoffnung auf einen politischen und

wirtschaftlichen Neuanfang verbinden. Doch diese

Hoffnung nährt sich allein aus der Tatsache, dass es nun

nicht mehr Mugabe ist, der Geschicke leitet. Bei näherer

Betrachtung gibt es nicht viele Gründe zu Optimismus:

1. Wie viel Macht Mugabe vor dem Putsch noch hatte,

ist schwer zu beurteilen. Dass das Militär aber eine

zentrale Rolle im simbabwischen Machtpoker spielt, ist

offensichtlich. Solange Mugabe den Einfluss des Militärs

und dessen Zugang zu Geld und Rohstoffen sicherte,

bestand kein Grund zu einem Putsch. Als Mugabe

jedoch Mnangagwa als Vize-Präsidenten entließ, um

seine Ehefrau Grace für seine Nachfolge in Stellung

zu bringen, überspannte er den Bogen. Mnangagwa

selbst kommt aus dem Militär und genießt dort starken

Rückhalt. Mit seiner Entlassung lieferte Mugabe dem

Militär den Anlass für den Putsch. Ob sich nun also

an den Machtverhältnissen und den Interessen der

Regierenden etwas ändert, ist fraglich.

2. Emmerson Mnangagwa steht für vieles, nicht aber

für einen ehrlichen Neuanfang. Er war stets treuer

Begleiter Mugabes und an dessen Seite schon in den

achtziger Jahren mitverantwortlich für Massaker an der

Volksgruppe der Ndebele, während derer mutmaßlich

20.000 Menschen ums Leben kamen. Mnangagwa war

treibende Kraft bei Farmenteignungen und zahlreichen

Einschüchterungsaktionen der Opposition. Dass er sich

nun plötzlich zum Demokraten

wandelt, wäre eine große

Überraschung.

3. Eigentlich sendet der Putsch

eine völlig falsche Botschaft aus.

Auch wenn es offensichtlich war,

dass die vergangenen Wahlen

stets massiv manipuliert waren, so

war Mugabe doch ein Präsident,

der durch einen, wenn auch nicht

demokratischen, Wahlprozess

an die Macht kam bzw. sich dort

hielt. Die Lektion nun ist: Wenn

wir eines Herrschers überdrüssig

sind, brauchen wir einen

Militärputsch. Das öffentlich

geäußerte Einverständnis der Opposition spiegelt die

herrschende Meinung diesbezüglich eindrücklich

wider. Nach demokratischem Verständnis muss es

jedoch darum gehen, Wahlen zunehmend freier und

fairer zu gestalten, um Machtwechsel zu ermöglichen.

Dies mag westlich naiv klingen, doch welche Bedeutung

sollen die Wahlen im kommenden Jahr in den Augen

der Bevölkerung haben, wenn Machtwechsel nur durch

den Einsatz des Militärs zustande kommen können?

4. Die Wahlen im kommenden Jahr: Mugabe wollte

wieder antreten, das Volk war ihm überdrüssig. Es

hätte schon eines massiven Einschüchterungs- und

Manipulationsapparats bedurft, um seinen Wahlsieg

erneut zu sichern. Nun wird Mnangagwa als Kandidat

der Regierungspartei ZANU-PF antreten, denn das

er sich nur als Übergangspräsident versteht und im

kommenden Jahr wieder abtritt, ist nicht zu erwarten.

Er ist der Mann des Militärs. Dass er die Wahlen nicht

gewinnt, wird das Militär nach dem Aufwand des

Putsches kaum zulassen. Und im Volk kann er sich

nun trotz seiner Vergangenheit an der Seite Mugabes

als derjenige profilieren, der der Mugabe-Ära ein Ende

gesetzt hat.

5. Auch ein Blick auf den Zustand der Opposition

stimmt nicht positiv. Zugegeben: Die Entbehrungen

und Einschüchterungen waren hart in den letzten

knapp 20 Jahren. Mehr als einmal wurde der Chef

der wichtigsten Oppositionspartei MDC, Morgan

Tsvangirai, Opfer von Gewalt. Doch musste die

MDC immer wieder Abspaltungen hinnehmen, und

ihr demokratisches Verständnis scheint, wie auch

die Äußerungen zum Putsch zeigen, begrenzt. Viel

schwerer wiegt jedoch die Tatsache, dass sich die MDC

die Rolle des Herausforderers mit der erst kürzlich

gegründeten Partei von Joice Mujuru teilen muss. Und

Mujuru steht nun weder für Demokratie noch für einen

wie auch immer gearteten Neuanfang. Sie stand lange

Zeit genauso eng an der Seite Mugabes wie Mnangagwa

und machte sich Hoffnung auf dessen Nachfolge. Erst

als ihre Ambitionen zu offensichtlich wurden, wurde sie

2014 aus der ZANU-PF ausgeschlossen.

Es bleibt also nicht viel außer der Hoffnung, dass nun

ein neuer Dialog mit Simbabwe entsteht. Ein Dialog,

in dem die anderen Staats- und Regierungschefs im

südlichen Afrika ihre Verantwortung wahrnehmen

(von denen sich allerdings nur wenige bisher als

Demokraten profiliert haben) und an dem vor allem

auch Großbritannien und die Europäische Union

wieder teilnehmen und somit sanften Druck ausüben

können. Von China, immer noch ein treuer Partner

Simbabwes, wird dieser Druck sicherlich nicht

kommen. Den Simbabwern bleibt zu wünschen, dass es

ihnen ermöglicht wird, auf vielfältige Weise selbst ihr

Schicksal in die Hand zu nehmen, um den dringend

benötigten Wandel einzufordern.

Johann Heilmann

Weitere Magazine dieses Users