05.10.2016 Aufrufe

OCEAN7 2016-06

Slow Travel in Irland: Mit dem Hausboot auf dem Shannon durch die mystischen Midlands. The good and the bad: Weltumsegler Wolfgang Hausner über gute Gäste – schlechte Gäste an Bord. Bitte melden: Die besten Kontakte und (Daten-)Verbindungen für die Kommunikation auf Langfahrt.

Slow Travel in Irland: Mit dem Hausboot auf dem Shannon durch die mystischen Midlands.
The good and the bad: Weltumsegler Wolfgang Hausner über gute Gäste – schlechte Gäste an Bord.
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www.ocean7.at

Unabhängiges YACHTMAGAZIN für Österreich

06/2016 November/Dezember

Grand Soleil 58

Die Wandelbare

Bitte melden!

Kommunikation auf Langfahrt

Mit News der Verbände YCA und MSVÖ


3. BIS 6. MÄRZ 2011

2. - 5. März 2017

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Editorial

Zeit für

neue Kräfte

Alles was gut ist, kann man noch besser machen! OCEAN7

bekommt jetzt einen neuen, starken Impuls. Der heißt Tahsin Özen.

Er ist ein Vollblutjournalist, ein brillianter Schreiber und leidenschaftlicher,

erfahrener Segler. Seine hohe soziale Kompetenz

machen ihn zu einem perfekten Teamplayer. Tahsin ist von

Anfang an, also seit 2007, an Bord von OCEAN7. Viele wesentliche

Ideen zur Blattgestaltung kamen von ihm. Er war immer

einer meiner allerersten und wichtigsten Ansprechpartner, wenn

es um die strategische Ausrichtung, die Blattlinie und um inhaltliche

Fragen ging.

Jetzt engagiert sich Tahsin als neuer Chefredakteur – gemeinsam

mit unserer langjährigen Art-Direktorin Catharina Pichler – an

der Umsetzung und Angebotserweiterung unseres Magazins

OCEAN7, dem unabhängigen Yachtmagazin für Österreich.

Tahsin Özen, Jahrgang 1972, ist in Villach aufgewachsen und

Vater von zwei Töchtern und einem Sohn, die – kein Wunder

bei dem Vater – längst die Leidenschaft fürs Segeln bei sich

selbst entdeckt haben. Tahsin hat in Villach maturiert, anschließend

in Wien studiert und eine erfolgreiche journalistische

Karriere bei unterschiedlichen Magazinen gemacht. Er ist Inhaber

der Medienagentur fett und kursiv mit Sitz in Wien. Unsere

Leser kennen ihn bisher vor allem als Autor packend geschriebener

Reportagen, sachlich fundierter und sauber recherchierter

Yachttests und als ausgezeichneten Fotografen. Auf der Homepage

seiner Agentur wird Tahsin so beschrieben: In Ankara

geboren, in Villach integriert. Beides sehr gelungen. Was ihn

aber nicht davon abhielt, in Wien Jus zu studieren, um dann

doch lieber Chefredakteur von Automobil-, Tourismus- und

Gastronomie-Magazinen zu werden. Und weil er schrieb wie

gedruckt, drückte er sich auch nicht ums Drucken. Weshalb er

hernach in einer Redaktions- und PR-Agentur auch alles produzierte.

Nur Gutes natürlich. Wünscht sich einen Billardtisch.

Aber nicht, um die ruhige Kugel zu schieben.

Noch ein paar abschließende Sätze zu mir: Nach mehreren

Jahrzehnten als Redakteur, Redaktionsleiter und Chefredakteur

bei diversen großen Tageszeitungen in Österreich und vor allem

in Deutschland, als Medienentwickler – unter anderem der

kroatischen Tageszeitung 24sata und meinem Lieblingsprojekt

OCEAN7 – habe ich mich entschlossen, mich aus der operativen

Hauptverantwortung für OCEAN7 zurückzuziehen. Das fällt mir

leicht, da mit Tahsin nicht nur ein guter Freund, sondern vor

allem ein hervorragender Blattmacher voll neuer Ideen und

handwerklichen Fähigkeiten OCEAN7 weiterführen und weiterentwickeln

wird. Ich selbst werde OCEAN7 – wann immer das

gewünscht wird – auch weiterhin mit Rat zur Verfügung stehen

und gelegentlich die eine oder andere Reportage beitragen.

Ich bedanke mich nicht nur bei meinen zu Freunden gewordenen

Kollegen im Team von OCEAN7 und von der Satz- &

Druck-Team GmbH mit Wolfgang Forobosko, sondern vor allem

auch bei den vielen zehntausenden regelmäßigen Lesern von

OCEAN7, die uns in den vergangenen fast zehn Jahren zu dem

entscheidenden österreichischen Medium im Bereich Fahrten -

segeln und Motorbootfahren gemacht haben.

Ich wünsche dem neuen Chefredakteur

und OCEAN7 eine gute Zukunft.

Ganz herzlich,

Thomas D. Dobernigg

November/Dezember 2016 | OCEAN7 06/2016 3


06/2016 November/Dezember 4,50 EUR

Mit News der Verbände YCA und MSVÖ

9 190001 016481

OCEAN7Inhalt/Impressum

14

Impressum

Medieninhaber: Satz- und Druck-Team GmbH |

Feschnigstraße 232 | A-9020 Klagenfurt | +43(0)463/4619025

www.ocean7.at | redaktion@ocean7.at | office@ocean7.at

Firmenbuchnummer 105347 y | Landesgericht Klagenfurt |

UID ATU 25773801

Anwendbare Vorschrift: Österreichische Gewerbeordnung,

Mediengesetz (www.ris.bka.gv.at)

Geschäftsführer:

Wolfgang Forobosko

Chefredaktion:

Thomas D. Dobernigg,

Tahsin Özen

Witthauergasse 31

A-1180 Wien

+43(0)650/9122950

oezen@ocean7.at

Art-Direktion:

Catharina Pichler

Mitarbeiter dieser Ausgabe: Birgit Hackl, Wolfgang Hausner,

Bernd Hofstätter, Dr. Reinhard

Kikinger, Kirsten Panzer,

Alexandra Schöler-Haring,

Dr. Alfred Zellinger

Produktion:

Satz- und Druck-Team GmbH

Anzeigen:

Bernd Hofstätter

+43(0)664-5520932

b.hofstaetter@ocean7.at

Druck:

Satz- und Druck-Team GmbH

Einzelverkaufspreis:

Österreich 4,50 Euro

Abo-Preise:

Bezugspreis Inland für

sechs Ausgaben: 25 Euro

Abo-Bestellung:

abo@ocean7.at

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Vertrieb:

Presse Großvertrieb Austria

Trunk GmbH, St. Leonharder

Straße 10, 5081 Anif/Salzburg

Diese Zeitschrift und alle in ihr enthaltenen einzelnen Beiträge und

Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung

außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechts gesetzes bedarf

der Zustimmung des Herausgebers. Die Ver wendung von Zitaten

aus Berichten für Anzeigen ist möglich. Durch Annahme eines

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Offenlegung für OCEAN7

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OCEAN7 steht im Alleineigentum von

Satz- und Druck-Team GmbH, FN 105347 y

Unternehmensgegenstand: Druck bzw. Herstellung

von Druckwerken und Magazinen.

Grundlegende Richtung: OCEAN7 ist ein Magazin,

das sich an yachtsportinteressierte Österreicher richtet.

Verantwortlich für YCA-Mitteilungen

Yacht Club Austria, Generalsekretariat

A-4020 Linz, Lederergasse 88, www.yca.at

Verantwortlich für Mitteilungen

des Motorbootsport und

Seefahrtsverbandes Österreich

Motorbootsport und Seefahrtsverband Österreich,

Ketzergasse 30, 1230 Wien, msvoe@msvoe.at, www.msvoe.at

OCEAN7 ist ein Magazin der

Inhalt

06/2016

November/Dezember

Rubriken

3 | Editorial

6 | OCEAN7-Panorama

8 | Best of

10 | OCEAN-Woman

66 | Bücherschapp

Revier

12 | News

14 | Slow Travel in den Midlands

Irland: im Hausboot den Shannon entlang

20 | Venedig – Sailing Poetry

Schriftsteller Alfred Zellinger in der

und über die Lagunenstadt – Teil 1

People

26 | News

28 | The good, the bad

Wolfgang Hausner über Gäste an Bord, die

mit dem Feuer spielen – oder Segel flicken

www.OCEAN7.at

UNABHÄNGIGES YACHTMAGAZIN FÜR ÖSTERREICH

Grand Soleil 58

Die Wandelbare

Bitte melden!

Kommunikation auf Langfahrt

Coverfoto: Grand Soleil

P. b. b. 12Z039473 M · OCEAN7, Feschnigstraße 232, 9020 Klagenfurt

GmbH


Inhalt

44

54

Service

34 | News

36 | Wer will sich da noch prüfen lassen?

MSVÖ-Prüfungsreferent Harald Melwisch im Interview:

„Eine neue Prüfungsordnung muss her!“

40 | Gute Kontakte auf hoher See

Kommunikation auf Langfahrt

44 | Flagship species

Marine Flaggschiff-Arten – und ihr Meerwert

Yachten

52 | News

54 | Wunderbar wandelbar

Kleine Vorschau auf die große Grand Soleil 58

56 | Randsport für alle

Leistbarer Luxus: die Rand Picnic Sport aus Dänemark

Verbände

60 | Yacht Club Austria

64 | Motorbootsport und

Seefahrtsverband Österreich

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OCEAN7Panorama

Kuba

für Träumer


Kuba

Das beste Mittel gegen Minusgrade und Winterdepression? Kuba, der größte

ungeschliffene Rohdiamant der Karibik. Ein Traumrevier für Blauwassersegler,

erreicht man doch mit einem Segel-Katamaran von Dream Yacht Charter ab

Cienfuegos einsame Traumstrände und -inseln fernab der in den letzten Jahren

so sehr in Mode gekommenen Touristenhochburgen. Das kleine Eiland Cayo

Macho de Afuera beispielsweise, mit dessen Postkartenmotiven man einen ganzen

Jahreskalender schmücken könnte. Oder die Königinnengärten im Archipiélago

Jardines de la Reina – eines der letzten (noch) unberührten Paradiese für

Schnorchler und Segler, wie der Name des Archipels schon verheißt.

Damit der Karibik-Traumtörn im „sozialistischen“ Kuba ungetrübt bleibt, bietet

Master Yachting Deutschland individuelle Charter-Angebote und Packages mit

Rundumbetreuung an. Info: www.master-yachting.de

Text und Foto: Tahsin Özen


Bestof

Wer sind

Champions?

die

Nach 521 Tests von 169 Motorbooten aus 19 Ländern durch

17 unabhängige Fachjournalisten ist es nun soweit: Die Finalisten

der Best of Boat Awards 2016 sind nominiert,

die Gewinner werden am 23. November im Gala-Rahmen

der Boot & Fun Berlin präsentiert.

2014 von engagierten Journalisten ins Leben gerufen, stehen

die Best of Boats Awards für professionelle und überregionale

Motorboottests – ausschließlich aus dem Blickwinkel der

Nutzer und nur diesen verpflichtet. Der Philosophie dieser

jungen europäischen Auszeichnung für Motorboote folgen

aktuell 17 erfahrene Redakteure aus 15 Nationen.

Und sie waren fleißig: Über 500 Tests wurden allein in diesem

Jahr in enger Zusammenarbeit, Diskussion und Bewertung

bestritten, um die Finalisten für die fünf Best of Boat-

Kategorien bestimmen zu können. Auch OCEAN7-Chefredakteur

Thomas Dobernigg hat als Jury-Mitglied sein Bestes gegeben,

um die Besten der Besten zu ermitteln. Die Finalisten in den

jeweiligen Kategorien (im Bild die Frauscher 1414 Demon,

nominiert für die Kategorie Best for Fun) haben wir für Sie im

Kasten rechts gelistet.

Die Gewinner werden am 23. November im Rahmen der Messe

Boot & Fun Berlin feierlich verkündet, ein ausführlicher Bericht

folgt in der nächsten Ausgabe.

8 OCEAN7 01/2016 | November/Dezember 2016


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Die Finalisten

Best for Beginners

AMT 190 BR

Bayliner VR 6

Bella 700 BR

Silver Eagle BR 640

Best for Fishing

Beneteau Barracuda 8

Faster 545 CC

Jeanneau Merry Fisher 795

Best for Family

Bavaria R 40 Fly

Beneteau Gran Turismo 46

Finn Marin Finnmaster T7

Jeanneau Leader 46

Sargo 33

Targa 30.1

Best for Fun

Agapi 800

Axopar 37

Finnmaster Husky R8

Frauscher Schnell – 1414 komfaorabel Demon – extravagant – edela

Ganz Ovation 7.6

Jeanneau Cap Camarat 10.5 WA

Sea Ray 250 Sun Sport

Best for Travel

Bavaria E 40

Beneteau Swift Trawler 30

Delphia Escape 1150 Voyage

Elling E 6

Nimbus 305 Coupé E-Power

Foto: Frauscher-Werft

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OCEAN7Kolumne

Und wieder einer dieser Sonnenuntergänge, die wohl nirgendwo sonst so herrlich

zu betrachten sind wie vom Cockpit einer Segelyacht aus. Man genießt das Leben

an Bord und den Sundowner in der Hand, lässt den Blick über die Bucht schweifen

zu den sanften Hügeln der Insel vis-à-vis, zum Horizont – Farbenspiele!

Und dann die beunruhigte Stimme der Skipperin: „Der Sonnenuntergang

ist aber sehr rot. Gibt es da nicht diesen Spruch:

,Abendrot ist Seemanns Not‘ – oder so ähnlich?“

Auf der sich sanft in der Abendbrise wiegenden Segelyacht

entfacht sich eine Diskussion, die erst enden soll, als sich die

Dämmerung wie ein dunkelblaues Tuch über die Bucht gelegt

hat. Und das allwissende Netz befragt wurde.

„Abendrot und Morgenhell sind ein guter Wettergesell“, steht

da zumindest im Bauernkalender und schließlich international:

„Red sky at night, sailors delight.“

Red sky in morning, sailor’s warning.

Uff! Entspannt lehnt sich die Skipperin zurück und betrachtet

die hell blitzenden Sterne am Himmelszelt. „Bei rotem Mond

und hellen Sterne’ sind Gewitter gar nicht ferne.“ Das neue

Crew-Mitglied aus der Steiermark, erstmals per Schiff on Tour,

hat nun mit dieser Weisheit aus dem Munde seines bäuerlichen

Großvaters aus St. Stefan ob Stainz auch seine Wortspende

zum nächtlichen Thema abgegeben.

Blick nach oben. Sind sie hell, die leuchtenden Sterne über

uns? „Es gibt keinen Mond!“, streut der hungrige Teenager

beiläufig ein und beginnt, das Dinghi für den Aufbruch zum

Strand-Restaurant klar zu machen. Kein Mond? Bringt Neumond

nicht Schlechtwetter? „Neumond mit Wind ist zu Regen

oder Schnee gesinnt“ – das WLAN der Konoba funktioniert

bestens an Bord. Zwar streicht gerade ein sanfter Windhauch

über die kroatische Bucht, eines ist dennoch sicher: Mit Schnee

ist nicht zu rechnen. Wobei ich mich gerade mit Schrecken an

einen gar nicht lange zurückliegenden Sommer an Bord er -

innere: Ich verzehrte mich damals geradezu nach meinem

Neuseeland-Fleecepullover. Du meine Güte, die Wolken -

formationen dieses Sommers hätten ganze Fotobände gefüllt!

Apropos Wolken. Welche Wolken hatten wir denn heute, als

wir die etwas stürmische Kvarner bezwangen? „Keine Wolken“,

brummelt der Skipper und sucht seine Zigarillos im Schwalbennest.

Keine Wolken? Autsch, das klingt gefährlich – so kann

man ja überhaupt nichts voraussagen! „WeatherOnline spricht

von einem stabilen Hoch“, ruft der Skipper aus der Kombüse

auf der Suche nach einem Feuerzeug. „Wetter-Apps! Dass ich

nicht lache! Sitzen die mit uns in einem Boot?“, denkt die

nervöse Skipperin und erinnert die Mannschaft daran, dass

irgendwann nach dem Einlaufen am Nachmittag am Himmel

Cirren zu sehen waren.

„Marestails and mackerel scales make tall ships carry low sails.“

Unser steirisches Crew-Mitglied ist bereits eingetaucht in eine

mit vielen Seglersprüchen gespickte britische Website. Wie

bitte? Marestail heißt übersetzt Zinnkraut – und das hat in

10 OCEAN7 01/2016 06/2016 | November/Dezember 2016


OceanWoman

Alexandra Schöler ist

WOMAN@ocean7.at

ist Seglers …

seiner Form eine Ähnlichkeit mit den Cirren. Die berühmten

Cirrocumulus-Wolken ähneln hingegen den Schuppen der

gemeinen Makrele. Da erhebt der Skipper seine Stimme: „Nun

bleibt aber die Frage, ob diese Cirren am Nachmittag von SW

nach NW gezogen sind? Das könnte Schlechtwetter ankündigen

…“ „O nein!“, werfe ich ein. „… aber erst in zwei Tagen,

und nur, wenn sie sich verdichten“, ergänzt der Skipper und

lächelt ganz fein.

Verdichtet haben sie sich nicht, der Sonnenuntergang war

makellos. Aber rot. Ein sanfter Wind weht der Skipperin eine

Locke ins Gesicht. Aus West, Ost, Nord oder Süd?

„Landwind, es riecht nach gegrillten Calamares – ich hab’

Hunger“, ruft der 16-jährige Junior aus dem startklaren Dinghi.

Es riecht nach Fisch. Das hatten wir doch damals auch in der

Megaflaute auf dem Atlantik, oder? Folgte dann nicht eine

ausgewachsene Regenfront? „Kommt der Regen vor dem Wind,

ocean7 210x665 20151116DP_Layout 1 16.11.2015 17:15 Seite 1

nimm die Segel weg geschwind. Kommt der Wind vor dem

Regen, wirst bald Vollzeug setzen mögen.“

„Der Spruch stimmt immer“, meint der Skipper und zieht genüsslich

an seinem Zigarillo. Der Rauch zwirbelt sich senkrecht

in die Höhe. „Steigt der Rauch ganz gerade in die Höh‘n, bleibt

das Wetter lange schön“.

„Bauernkalendersprüche sind beruhigender als jede Wetter-

App!“, denkt sich die Skipperin, gönnt sich noch einen letzten

Rundblick auf den klaren Abendhimmel und macht sich klar

fürs Dinghi. „Aber Vorsicht beim Anlegen am Steg“, ermahnt

das steirische Crew-Mitglied und ergänzt: „Ist der Steg gespalten,

hat der Skipper sich verschalten!“

Gemächlich tuckern wir Richtung Konoba, hinter uns die immer

kleiner werdende Segelyacht, deren Mast nach den Sternen

zu greifen scheint. Gut so, denn: „Scheint die Sonne auf

das Schwert, macht der Skipper was verkehrt!“

DIE RICHTIGEN CHARTER-VERSICHERUNGEN

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RevierNews

Weltpremiere

20.–23. Oktober 2016:

Biograd Boat Show

– ganz Kroatien

in einem Hafen

Auf 32.800 m 2 präsentiert sich Kroatien, das

unangefochtene Lieblingsrevier der österreichischen

Yachties, Ende Oktober im Rahmen der größten

Bootsmesse des Landes.

Kroatien als Top-Destination für Segler und Motorbootfahrer ist naheliegend.

Nicht nur geografisch, sondern ganz besonders auch aufgrund

der über 1.700 Kilometer langen Küste und der mehr als 1.100 davor

eingestreuten Inseln, die eine Million und mehr Gelegenheiten für den

maritimen Genuss eröffnen. Welches Revier, welche Yacht, welcher

Vercharterer darf es denn nächstes Jahr sein?

Anworten auf diese Fragen und Einblicke auf die neuesten Trends für

die kommende Saison bietet die Biograd Boat Show, die größe Water-

In-Messe Zentraleuropas. Über 300 Aussteller und Boote werden

auch heuer wieder erwartet – als ein Highlight gilt unter anderem die

Präsentation der Greenline 36 Hybrid Motoryacht, die in Biograd ihre

Weltpremiere feiern wird.

Zur Einstimmung auf die Biograd Boat Show 18.0 kann man

übrigens unter www.bbs.com.hr eine virtuelle 360°-Tour durch

die Messe machen.

Als Gleityacht konzipiert, bietet die neue Greenline 36

Hybrid aus der slowenischen SVP-Werft auch die Option

auf geräuschlose Fahrt mittels E-Antrieb. Vorausgesetzt,

man entscheidet sich für die Variante mit dem Volvo-D3-

Motor, der die 2-Kabinen-Yacht auf bis zu 18 Knoten

Marschfahrt bringt. Unter Strom sollen dann mit Hilfe

von Lithium-Polymerbatterien (5,7 KW) bis zu 6,5 Knoten

machbar sein, die dazugehörige Fotovoltaikanlage auf

dem Dach (1,14 KW) bringt zusätzlichen Saft für Goodies

wie Klima oder Heizung im Innenraum. Salon und Cockpit

sind durch eine Schiebetür getrennt, liegen aber auf

gleicher Höhe, was dem Wohlbefinden an Bord durchaus

zuträglich ist. Erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wird

die neue Greenline 36 Hybrid auf der Biograd Boat Show

2016. Infos: www.greenlinehybrid.si

12 OCEAN7 06/2016 | November/Dezember 2016


Rum um die BVI

Ein See

voller

Ideen

Als 1842 ein verheerender Sturm die Fischerboote auf dem oberitalienischen Iseosee ver -

nichtete, schlug die Stunde des jungen Schiffsbauers Pietro Riva. Er entwarf und baute die

ersten Riva-Boote, die spätestens in den 1950er-Jahren unter Carlo Riva Inbegriff für edles

Design, italienischen Luxus und La Dolce Vita wurden. Sie gelten als Rolls Royce der Meere,

Prominente wie Brigitte Bardot, Sean Connery, Sophia Loren oder Richard Burton durften eine

Riva-Yacht ihr Eigen nennen. Eine Spurensuche auf dem Iseosee, dem viertgrößten der ober -

italienischen Seen, ist nicht nur von historischem oder landschaftlichem, sondern auch seglerischem

Reiz. Das Revier gilt aufgrund günstiger Fallwinde als Paradies für Segler und Surfer und

ist noch weit gehend vom Massentourismus verschont geblieben. Die Anreise mit dem Auto ist

unkompliziert, für künftige Besitzer einer Fiat Riva – eine Sonderedition des Fiat 500 mit

eleganten Details in Anlehnung an die große Schwester auf dem Wasser – ist sogar Pflicht.

Segeln auf dem Iseosee: www.avas.it | Riva-Yachten: www.riva-yacht.com

Fiat 500 Riva: www.fiat.at

Seit mehr als 40 Jahren

bietet Sunsail nun schon

Segelreisen rund um den

Erdball an. Wie wäre es

zum Beispiel mit einem

Karibik-Törn in einem nagelneuen

Sunsail-454-Katamaran?

Das neueste Modell

von Leopard Catamarans

kommt mit vier Kabinen und

360-Grad-Panoramablick

daher und wird im Frühjahr

auch für Törns in Kroatien

und Griechenland zur Ver -

fügung stehen.

Die Monohull-Flotte im

Mittelmeer wird zudem um

zwei neue Sunsail-Modelle

(beide Sun Odyssey von

Jeanneau) bereichert: Die

Sunsail 34 hat zwei Kabinen

und eine Nasszelle, die

Sunsail 38 wird als Drei-

Kabinen-Version mit zwei

Nasszellen buchbar sein.

In Italien und Kroatien

werden auch weiterhin

Wein- und Genussflottillen

angeboten. Zur neuen

Bahamas-Kiteboard-Flottille

gesellt sich nun – erstmals

im Sunsail-Programm – die

BVI-Rum-Flottille auf den

British Virgin Islands.

Infos: www.sunsail.de


Where dear old Shannon‘s flowing,

where the three leaved shamrock grows,

where my heart is I am going to my little Irish rose…

Aus „Where The River Shannon Flows“,

1904 komponiert von James I. Russell

Foto: Attila Jandi/Shutterstock


Irland/Midlands

Slow Travel

Wer die Midlands in Irland vom Hausboot aus erkunden will, sollte

genug Zeit, einen guten Fleecepulli und sein persönliches Teehäferl

mitbringen. Ein bisschen Aberglaube kann auch nicht schaden.

Text und Fotos: Alexandra Schöler-Haring

„Wow, der Shannon!“ Ich stehe auf der von Blumen gesäumten

Terrasse des Lakeside Hotel in Killaloe. „No, that’s Lough Derg

– a lake of the Shannon!“ Unser Busfahrer Frank blickt mich

milde an und beginnt, eine irische Weise pfeifend das Gepäck

zu entladen. Wir waren gerade zwei Stunden von Dublin ins

Herz der irischen Midlands (zwischen Dublin im Osten und

Galway im Westen) angereist. Das Gebiet ist durchzogen vom

viel besungenen Shannon River, der im Nordwesten Irlands

entspringt, sich seinen Weg bis zur moorigen Mitte Irlands

bahnt und viele fischreiche Seen speist (wie eben den Lough

Derg), um sich schließlich westlich von Limerick dem stürmischen

Atlantik zu ergeben.

250 Kilometer des Shannon sind schiffbar, wie mir unsere

Hausboot-Skipperin Katrina bestätigt. Ein Törn, der bei gemütlicher

Annäherung in zwei Wochen machbar sei. Natürlich gibt

es einige Schleusen (Locks) zu überwinden. Einige werden

gerne „Gin and Tonic Locks“ genannt. Katrina: „So easy, you

don’t have to put down your glas!“ Slow Travel ist hier in den

Midlands Programm – ein Spaziergang durch die kleine Stadt

Killaloe am Lough Derg bestätigt uns das eindrucksvoll.

Am nächsten Tag sind wir bei Lady and Lord Rosse auf Schloss

Birr eingeladen – eine besondere Ehre, denn für die Öffentlichkeit

ist nur der Park zugänglich. Als wir überwältigt von

soviel Eleganz und Romantik durch die Gemächer wandeln,

öffnet sich plötzlich eine damastbezogene Geheimtür und ein

kleiner Junge in Jeans steht vor uns, um seiner Oma, der Lady

des Anwesens, kurz Hallo zu sagen. Die Ahnengalerie im Speisezimmer

schmücken unter anderem Lady Mary, eine der

ersten Fotokünstlerinnen ihrer Zeit, und ihr Ehemann Willam

Parson, 3. Earl von Rosse, der 1845 das damals größte Teleskop

der Welt gebaut hatte. 17 Meter hoch ruht das „Leviathan“ genannte

Meisterwerk im herrschaftlichen Park wie eine überdimensionierte,

jedoch absolut friedliche Kanone. Die Tatsache,

dass eine klare Sternennacht in Irland Seltenheitswert hat, hat

den visionären Earl wohl nicht sehr beeindruckt. Ob es auch

ein Schlossgespenst gibt? „Yes“, schmunzelt Lord Ross unter

den wachsamen Augen seiner Ahnen in Öl, „but he is friendly!“

A wise man always takes a coat. Die

Silverbreeze, unser Hausboot von SilverLine Cruisers, empfängt

uns freundlich am Kai von Killaloe. Der gemütliche Aufenthaltsraum

und zugleich die Kombüse des Bootes – ausgeführt in

Teak und Stechpalmenholz (!) – duftet nach Tee und frisch -

gebackenen Scones. Ein Hochgenuss, während Skipperin

Katari na von Irish Whaterways Fahrt aufnimmt und wir mit

gemütlichen fünf Knoten in der Morgensonne über den Lough

Derg Richtung Mountshannon tuckern. Um uns grüne Hügel,

2

Schafe, Kühe – Irland pur. Auf Steuerbord nähern wir uns dem

Weltkulturerbe Holy Island, ein kleines Inselchen mit typisch

irischem Rundturm. Einst sollen auf dieser Pilgerstätte sieben

Kirchen gestanden sein. Heute ist sie ohne Dinghi nicht erreichbar

– das kann aber zum Hausboot dazugebucht werden. Ich

darf ins Dorf Dromeenir steuern, wo wir am weitläufigen Steg

anlegen (grundsätzlich ist es erlaubt, überall mit dem Hausboot

anzulegen und fünf Tage zu bleiben). Whaterways Irland stellt

freie Moorings und Anlegeplätze bereit, nur in manchen Stadthäfen

zahlt man ein paar Euro, z. B. für die warme Dusche – die

1 Im Weltkulturerbe: Das kleine Holy Island ist nur mit Dinghi erreichbar.

2 Im Paradies: Irische Kühe am Shannon, umgeben von unendlichem Grün.

November/Dezember 2016 | OCEAN7 06/2016 15


OCEAN7Revier

es aber an Bord des Hausbootes natürlich auch gibt. Ich spaziere die

kleine Marina der 100-Seelen-Gemeinde entlang und bleibe vor einer

großen Barke stehen. Ein Ehepaar bessert die Bordwände mit Farbe aus.

Gay und Ann leben seit zehn Jahren auf der Aurora, einem ehemaligen

Transportschiff, das innen ausgestattet ist wie ein kleines Landhaus,

gusseiserner Ofen inklusive! Wieder auf dem Hausboot, fordern Schwäne

auf der Plattform schnatternd ihren Tribut. Sie bekommen irisches Brot,

das ebenfalls zum „tea“ gereicht wird – mit gesalzener Butter.

Weiter Richtung Mountshannon. Es hat aufgefrischt – Fleecepulli überstülpen,

Regenjacken drüberziehen. Ein kurzer Regenschauer, und schon

strahlt wieder die Sonne – Fleecepulli und Regenjacke wieder ausziehen.

Das ist Irland: Wolken zum Anfassen nahe, Licht zum Niederknien schön.

In der Ferne Segelboote – gesegelt wird gerne in diesem Land. Mehrere

Yachtclubs säumen den Lough Derg („Lough“ ist übrigens das gälische

Wort für Lake, den See, und „Derg“ für Rot, die Färbung des Wassers,

verursacht durch Mineralstoffe aus den moorigen Böden des Umlandes.

Plötzlich aufkommender Wind in Mountshannon verlangt uns zwei

Anlegemanöver ab, ehe wir an Land können. Ja, man spürt und riecht

den Atlantik hier bereits, der so gerne mit raschen Wetterumschwüngen

auf sich aufmerksam macht. Also Fleecepulli wieder an, Regenjacke

drüber – und 15 Minuten später alles wieder retour. Es stimmt: The wise

man (and OCEAN Woman) always takes a coat – jedenfalls in Irland!

1

Life is like a cup of tea, it’s all in how you

make it! In Portumna im Norden des Lough Derg lerne ich ein

neues englisches Wort. „Glamping“, erklärt Dick Ridge, der Initator des

Pod Umna Glamping Village, „ist eine Kombination von Glamourous

und Camping.“ Als Seglerin verstehe ich sofort, was gemeint ist. Für alle,

die zwar gerne die Natur, das Wohlige und Urige am Campen mögen,

aber nicht die Ameisen, den Regen und schlechte Liegematten, stehen

in Dicks Garten einige „Eco Pods“ zur Verfügung: schnuckelige Holzhäuschen

wie kleine Waben – oder sagen wir einfach Kojen.

Sollten also einige Segler einmal Sehnsucht nach Landurlaub haben, ist

das durchaus eine gemütliche Alternative. Gekocht wird in der Gemein-

3

2

16 OCEAN7 06/2016 | November/Dezember 2016


Irland/Midlands xxxxxxx

schaftsküche, es gibt Fahrräder, um durch die Gegend zu

strolchen und ein Pub gleich ums Eck. Und selbstverständlich

Tee. Mit Scones und Marmelade, irischer Butter und einem

Klecks Schlagobers. Nicht die Engländer, sondern ihre irischen

Nachbarn sind die wahren Europameister im Teetrinken – der

Pro-Kopf-Verbrauch liegt bei 4,6 Kilo im Jahr. Wenig über -

raschend wird in Irland daher auch nicht aus dem Kaffeesud,

sondern aus den Teeblättern gelesen – Jeannette aus Galway

blickt sogar online in die Teetassen.

Ob „The Great Irish Famine“ – die große Hungersnot der

1850er Jahre – vorausgesagt wurde, bleibt offen, sichtbar sind

die Nachwirkungen bis heute. Workhouses, die Armenhäuser

jener Zeiten, geben Einblick in die harten Zeiten einer Insel,

deren geschichtliche und politische Entwicklung stets Zündstoff

für Macht- und Glaubenskämpfe war und teilweise ja noch ist.

Sláinte! Tuckert man mit dem Hausboot vom Lough Derg

Richtung Norden den Shannon hinauf ins Städtchen Athlone,

eröffnet eine einfache Lock dem Reisenden den Durchgang

zum nächsten See, dem Lough Ree. Tipp: Unbedingt eine Nacht

bleiben und im Sean‘s Pub, das angeblich über 1.000 Jahre alt

sein soll, ein Glas Guinness genießen, während gleich neben

dem Eingang auf der Langbank drei Musiker irische Lieder zum

Besten geben.

Schleusen? Gin

and Tonic Locks!

6

4

Holy Cow! Als ich meinem Sohn Finn Fotos von der

einzigartigen Klosterruine Clonamacnoise schicke, kommt

postwendend die Message „Game of Thrones!“ zurück. Die

Fantasy-Fernsehserie spielt in einer Welt des europäischen

Mittelalters und fände hier einen idealen Drehort. Der Heilige

Ciarán – im fünften Jahrhundert erst Zimmermann, dann

Mönch, bekam das Stück Land geschenkt und befand es als

guten Platz für ein Kloster. Mehrere Straßen führen hier zusammen

und vor allem der Shannon als Wasserstraße machen die

Infrastruktur perfekt. Absolut verkehrsgünstig gelegen (auch

für Hausboote), entwickelte sich das Kloster mehr und mehr

zu einer weitläufigen Anlage mit zahlreichen Kirchen, Rundtürmen

und den berühmten steinernen Hochkreuzen.

Ciarán selbst erlebte den großen Aufschwung aufgrund seines

frühen Ablebens zwar nicht, aber offenbar hatte er eine Lieblingskuh.

Denn im Skriptorium der Klosteranlage wurden

zahlreiche Schriften gefunden, darunter „Das Buch der dunkelhäutigen

Kuh“. Als Ciarán starb, kam der Haut dieses Rindviehs

Fotos: Shutterstock (2)

5

1 Birr Castle: Streng privat! Der Schlosspark steht aber allen Besuchern offen.

2 Die Schlossherren: Lady and Lord Ross führen ihre Privatgäste gerne

durch die Gemächer bis hin zur großen Ahnengalerie – im Speisezimmer.

3 Glückliche Enten am Lough Derg, dem Shannon-See im mittleren Westen

Irlands. Glückliche Wanderer erkennt man an Fleecepulli und Regenjacke.

4 Glamour und Camping? Willkommen im „Glamping“-Village in Portumna.

5 Tea time: Frisch gebackene Scones mit Butter und Marmelade gehören dazu.

6 Tor zum Lough Ree: die Schleuse von Athlone, ein weiterer Gin and Tonic Lock

November/Dezember 2016 | OCEAN7 06/2016 17


OCEAN7Revier

große Bedeutung zu: Wer als Sterbender auf ihr lag, so die Kunde,

sicherte sich eine gute Reise ins Jenseits! Gelegenheiten für solche

Reisen gab es zu jener Zeit übrigens viele: Normannen, Wikinger

und auch Engländer kamen und plünderten, was das Zeug hielt.

Eine gute Infrastruktur hat eben nicht nur Vorteile. Heute steht man

auf der „Wiese der Söhne des Nóise“, betrachtet die quicklebendigen

Kühe und kann, sofern man will, mit dem Hausboot neben

dem Friedhof übernachten. Ein mystischer Ort, der die wechselnden

Farbstimmungen Irlands eindrucksvoll zur Geltung bringt.

Heather everywhere. Irland und das Moor, „Bog“ genannt,

gehören untrennbar zusammen. Die Gebiete um den Shannon

River im Landesinneren sind geprägt von weiten Moorlandschaften,

die durch in Seen und Senken abgesunkene, verrottete

Bäume und Pflanzen entstanden sind.

Künstlerin Helen Conneely gräbt seit einigen Jahren nach Bogwood-Holzstücken,

ähnlich dem Treibholz an Stränden. Durch

Sauerstoffmangel nur teilweise verrottete Eichen-, Eiben- und

Kiefernhölzer lässt sie zwei Jahre austrocknen, um dann schleifend

und polierend wunderschöne Skulpturen zu erschaffen. Geschätztes

Alter des Holzes: 5.000 Jahre! Auch ich versuche mich an einem

kleinen Eichenstück in ihrem Celtic Roots Studio, aber die Schleiferei

erinnert mich zu sehr an unsere Schiffsarbeiten. Also radle ich

lieber durch den Lough Boora Sculpture Park und genieße den

Blick auf die Moorlandschaft. Erika – hier „Heather“ genannt –

wächst überall, ebenso Rosmarin und der fleischfressende Sonnentau.

Künstler haben ungewöhnliche Installationen in die Landschaft

eingebettet, selbst eine stillgelegte Lokomotive zum Torftransport

unterstreicht die Weite und Ruhe des Parks. Und es wäre nicht

Irland, würde es keinen Feenwald geben! Wer gut Ausschau hält,

entdeckt die kleinen, an Bäume genagelten Türchen der Feenhäuser.

Übrigens wird man an irischen Feenplätzen seine Sorgen ganz

leicht los, indem man die Hand auf einen Holzstamm legt.

1

2

When irish eyes are smiling, they are up

to something. „You like the Slow Travel Tour so far?“ fragt

Captain Ritchie von Baysports mit einem verschmitzten Lächeln im

Gesicht, als ich von unserem Hausboot auf sein riesiges Schlauchboot

umsteige. Na klar, und wie! Keine Hektik, kein Stress – zumindest

hier in den Midlands! Lough Ree, ein weiterer See entlang

des Shannon, liegt still vor uns. Weit und breit keine Boote. Nur

Schilf, Schwäne, freche Enten, sanfte Hügel querab. Und plötzlich

500 PS. Deshalb also Ritchies Grinsen. Sein mit gewaltigen Innenbordmotoren

ausgestattetes Schlauchboot fliegt über den See.

„Irgendwie ganz witzig, aber wohl weniger lustig für Segler und

Hausbootreisende“, denke ich mir beim Anblick der gewaltigen

Bugwelle. In der Ferne erscheint auch schon der Mast eines Segel-

3

Fotos: Shutterstock (1), Ingo Mehling (1)

Nicht die Engländer, sondern die

Iren sind Weltmeister im Teetrinken

18 OCEAN7 06/2016 | November/Dezember 2016


Lough Ree

Athlone

Clonmacnoise

4

Portumna

Mountshannon

Dromeenir

Holy Island

Lough Derg

Killaloe

5

Slow Travel und mehr in Irland

www.ireland.com

Alle Infos über Irland auf dem Land

www.waterwaysireland.org Alles Infos über Irland auf dem Wasser

www.birrcastle.com

Schloss mit Gespenst und Teleskop

www.podumnavillage.ie „Glamping“ – glamouröses Camping

www.irishworkhousecentre.ie Irische (Armen-)Geschichte

www.celtic-roots.com Die Künstlerin Helen Conneely

www.wineport.ie

Das Hotel am Wasser für Genießer

Limerick

Ihr Ihr Ihr starker Partner für für für die die die Fahrtensegler

bootes, das Ritchies wachsamen Augen nicht entgangen ist – er

steigt sofort vom Gas. Irische Seemannschaft. Davon könnte

sich so mancher Adria-Kapitän gerne anstecken lassen!

Den letzten Abend versüßt uns das wunderschöne Wineport

Lodge Hotel. Schiff am Steg, Drink am Kamin, Essen bei Kerzenlicht.

„Dessert?“, fragt der Chef des Hauses fürsorglich. „Was

ganz Kleines bitte“, antworte ich. Ein Lächeln umspielt die

hellblauen Augen des Hausherren – und wenig später reihen

sich Brownies neben Rhabarber Crumble Cake und Lemon Tart

vor mir. Ein krönender Schluss nach den Scones vom Nachmittag

mit Cream, Jam und Butter.

1 Athlone. Top: Das Steak im Left Bank Bistro und das Guinnes im Sean‘s Pub.

2 Clonmacnoise. Die Klosterruine wäre die perfekte „Game of Thrones“-Kulisse.

3 Celtic Roots Studio. Hier bearbeitet Helen Conneely 5.000 Jahre altes Holz.

4 Perfekte Infrastruktur? In Irland nur mit Anbindung an eine Wasserstraße.

5 Blumen auf dem „Bog“ – so nennen die Iren ihre mystische Moorlandschaft.

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OCEAN7Revier

Teil 1

Sailing

PoetryTeil 1

Alfred Zellinger, nach seinen „40 Jahren im Auge des Kapitalismus“

jetzt „nur mehr“ Schriftsteller und Segler, liegt mit seinem Boot

seit dieser Saison in der neuen Marina Sant’Elena/Venedig und

schreibt übers Segeln durch europäische Kulturen, Geschichte und

Geschichten – wofür das adriatische Meer und insbesondere Venedig

ihm reichlich Material bieten.

Fotos: Isabella Gaupmann, Alfred Zellinger

20 OCEAN7 06/2016 | November/Dezember 2016


Seglertweet: Bin Venedig/im Café oder

auf dem Boot/Sant‘Elena, Pier Ce

Ankergrund Europa. Was wäre eigentlich typisch für Europa? Michel -

angelos David? Da Vincis Mona Lisa? Botticellis Schaumgeborene Venus? Die

Guernica? Homer? Ovid? Da Vincis Homo Vitruvianus? Die Königstochter Europa

und der verliebte Zeus als Stier? Oder vielleicht einfach eine segelnde Barke, wie

sie in der Geschichte auftauchte, im Zweitstromland Mesopotamiens, dann auf dem

Nil und schließlich im Mittelmeer, erst nur die Küsten befahrend, später hinaus auf

die offene See segelnd.

Das Mittelmeer, Jahrtausende still und schifflos, trennte die Menschen erst, verband

sie dann aber zwischen seinen Ufern, sobald mit der Seefahrt Wasser und Land zu

leben begannen. Segel tauchen auf zwischen den Inseln, Neugier, Entdeckungs -

fieber, Hoffnung auf Gewinn, Machtstreben und, ja, heute auch sportlicher Ehrgeiz

treiben Menschen auf die Meere.

Orient und Occident treffen aufeinander, Waren, Erkenntnisse, Techniken werden

ausgetauscht, Kulturen breiten sich aus, die zu europäischen werden. Es gäbe keine

Zivilisation ohne diese Segelbarken.

Sailing Ulysses. Lese wieder die Odyssee, die mich mein Leben lang

begleitet und früh meine europäische Identität prägte. Der Gesang der Schiffer, von

den Wellen aufgenommen, zu den Küsten getragen, erzählt von Ufer zu Ufer, weitergesponnen

in den Hafenbars, von Dichtern niedergeschrieben – so entstehen

Geschichten, so entstehen Mythen.

So werden diese weitergegeben.

Der mediterrane Raum ist voll von Legenden, die Odyssee wurde erzählt von einer

Hafentaverne zur nächsten, Homer war kein Segler, aber er hat die Seeleute seiner

Zeit befragt, weshalb seine navigatorischen Angaben heute noch zutreffen.

Seine interessantesten Abenteuer hat Odysseus übrigens nicht im ägäischen Meer

erlebt, sondern im Ligurischen, Jonischen, Thyrrhenischen und Adriatischen Meer

– und auf diesen Meeren habe ich seine Kurse gekreuzt. Eine Ausgabe der Odyssee

befindet sich stets bei mir an Bord.

Seglertweet: Von Leuchtfeuer zu

Leuchtfeuer schreitet der Segler voran.

Biograd–Venedig. Mit der Katawa, einer 46 Fuß-Grand Soleil, von Biograd

nach Sant’Elena, Venedig. Wie schon mehrmals in früheren Jahren segeln wir die

Strecke in drei Tagen.

1. Tag, Biograd–Mali Lošinj: Machen fest in der geräumigen Stadtmarina, essen gut

in einer Konoba mit dem passenden Namen für Seefahrer: Odisej.

2. Tag, Mali Lošinj–Poreč: Anlegen an der Stadtmole, essen ausgezeichnet im

Fischrestaurant Ulysses, oben beim alten Kloster, wo man sich auf istrische und

Wir kreuzen den Kurs eines seltsamen Bootes, indigoblau,

am Bug ein Auge aufgemalt, der Rumpf geteert,

10 Riemen auf jeder Seite, ein Mast, eine Rah, Wanten

aus Leder, das Segel aus Papyrus nützt den günstig

stehenden Wind, wir bergen die Segel und gehen

längsseits, der Skipper stellt sich vor als Odysseus; Herr

von Ithaka und von Bord zu Bord unterhalten wir uns.

Er komme von den Säulen der Herkules, habe dort den

ewigen Strom des Okeanos geschaut und schaudernd

kehrtgemacht, erzählt er, hätte den Winter zuvor auf der

Insel der Circe verbracht, sein Boot dort an Land

gezogen.

Unsere Geschichte wird noch erzählt werden, sagt er,

die Geschichte von Männern, die von der schönen

Circe, die man eine „Zauberin“ nennen wird, in

Schweine verwandelt wurden.

Das ist wohl nicht weiter schwierig, sage ich, auf sowas

verstünde sich doch jede schöne Frau – ganz ohne

Zauberei.

Circe verbringt den Sommer übrigens in dieser neuen Stadt

am Fluss Tiberis, die man Rom nennt, sage ich, etwas

landeinwärts, von Aeneas gegründet nach seiner Flucht aus

dem brennenden Troja, habe die Frau an der Rezeption der

Marina di Roma getroffen und zu einer Party mitgenommen

in die Via Veneto, über Harry’s Bar, sie erfreue jetzt

dort eine hohe Zahl neuer Anbeter. Wusste ich doch, lacht

Odysseus, dass sie nicht lange um mich trauern wird …

Dann setzen wir unseren Kurs fort und das Boot des

Odysseus verschwindet hinter uns am Horizont.

Logbucheintrag: Haben zwischen Tripolis und

Lampedusa einen neuen Bootstyp gesichtet: etwa

30 Tonnen, schwarz, hat die Form eines riesigen

Sarges, das Deck wie ein Deckel aufgeklappt,

vollbeladen mit hunderten Menschen.

Später funkt Odysseus von seinem schnellgeruderten

Boot, er sei bei einer Kalypso hängenge blieben, auf

deren Felsen Ogygia, von dort beobachte er neue

Himmelskörper, nach denen sich jedoch nicht navigieren

lässt, die aufsteigen von stählernen Flößen im Meer, sich

rasch gegen die Küste bewegen und feurige Explosionen

bewirken, heller als die Sonne, er folge dem Schein der

Feuer am Horizont, dort, wo das Land der Lotophagen

liegt, der Blütenfresser und wo eben ein Aufstand gegen

den König tobt, der Menschen auf den Straßen

niedermachen lässt.

Unbehagen/im Land der Lotophagen, sind denn alle

high, fragt er, welchen Krauts Blüte ist es, von dem dieses

Land den Namen hat? Aber jetzt hänge er erst einmal fest

bei dieser Nymphe Kalypso, funkt O., ein Gott müsse erst

kommen, die Gute zu bewegen, ihm sein Boot wieder

freizugeben. Heute geht das einfacher: SMS senden

und Beziehungsstatus im Facebook ändern.

Circes navigatorische Anweisungen lauteten:

Vor dem rauchenden Vulkan habe man sich zu

entscheiden: südlich sich zu halten für den

längeren Weg um Sizilien oder

südöstlich zu jener Meerenge, die

OCEAN7 06/2016 21


man heute die Straße von Messina nennt.

OCEAN7Revier

Odysseus entschied sich für diesen Kurs:

Als er die Spitze Siziliens erreicht mit

seinem markanten Strommast und den

im Viertelstundentakt kreuzenden Fähren,

beginnt es bereits zu dunkeln, backbords

die Lichter des Fischerdorfes Scilla, wo in

senkrechtem Fels die sechsköpfige Skylla

haust und von oben nach Thunfischen

fischt und nach Seeleuten. Steuerbords die

Strudel der Charybdis, die sein Schiff zu

verschlingen drohen. Dort lauert

Charybdis, die wasserstrudelnde Göttin,

dreimal gurgelt sie täglich es aus und

schlurfet es dreimal schrecklich hinein,

weh dir, wofern du der Schlurfenden

nahest, selbst Poseidon könnte dich nicht

dem Verderben entreißen, drum steure du

dicht an Skyllas Felsen und rudre schnell

mit dem Schiffe davon.

Odysseus hält sich Backbord und verliert

sechs Seeleute.

Seufzend ruderten wir hinein in die

schreckliche Enge, denn hier drohte Skylla,

und dort die wilde Charybdis, hochauf

spritzte der Schaum und bedeckte die

beiden Gipfel der Felsen, ringsum

donnerte furchtbar der Fels und unten

blickten des Grundes schwarze Kiesel

hervor, bleiches Entsetzen ergriff uns.

Auf dem Weg also von Circes Halbinsel

werden wir den Stromboli passieren,

dessen Lava rauchend den Nordhang sich

hinunterwälzt und aufdampfend ins Meer

stürzt, wie schon zur Zeit, als Odysseus

ihn steuerbords ließ; wir werden die

Sireneninseln kreuzen, Skylla und

Charybdis durchschiffen, das Jonische

Meer durchsegeln, mit Ithaka an

Steuerbord das adriatische Meer erreichen,

dann über Ragusa, das man jetzt

Dubrovnik nennt, über Split, Pola und

Triest. Venedigs neue Marina Sant’Elena

anlaufen.

Und Odysseus funkt, diesmal stecke er in

der Höhle der Zyklopin fest, die sieht sich

als seine Gefangenenwärterin, unter ihrer

Aufsicht muss er schreiben, bis der Schnee

dem Frühjahr weicht und dann ein

Manuskript abliefern, das ihr gefällt. Jetzt

ist der Gute O. wirklich in Schwierigkeiten,

wohl die Strafe für den Lendenbraten vom

Heliosrind, genossen gemeinsam mit Circe

in Rom. Doch dem ideenreichen Odysseus

ist alles recht, den Winter über schreibt er

diesmal, macht aus dem Logbuch einen

Roman und erweicht so der Zyklopin Herz.

1 2

Seglertweet: Venedig auf eigenem Ki

einem alten Palast von der Vorderfr

den Hintereingängen des Flughafens

mediterrane Rezepte konzentriert. Morgens meutert die Crew: Ich hätte mehr Bücher an Bord

als Bier. Einigen uns auf den Kompromiss: je Buch ein Bier.

3. Tag, Poreč–Venedig: Ausklarieren bei Zoll und Hafenkapitän, wozu bürokratisch verlangt

wird, das Boot, das keine 20 Meter vom Zollsteg entfernt liegt, extra an diesen zu verlegen,

dann Kurs 283, am frühen Abend erreichen wir die Lagune.

Wäre auch in zwei Tagen erreichbar gewesen, mit einer Nachtfahrt: Spätnachmittags ausklarieren,

dann Kurs direkt nach Venedig, nichts ist dabei im Weg, keine Klippen, keine Inseln, gelegentlich

Schiffe. Vorher also die Lichterführung der Schifffahrt zu memorieren empfiehlt sich.

Radar-Overlay über dem Kartenplotter gibt Sicherheit. Aber Nachtfahrten sind nicht wirklich

angenehm, wenn in den frühen Morgenstunden die Kälte ins Ölzeug kriecht …

Melden uns per Funk an, Kanal 77, passieren den Leuchtturm am Porto di Lido, halten uns von

der Einfahrt zur Lagune backbords Richtung San Marco; Bojen, Dalben und Damas bezeichnen

deutlich den Weg, an der Festung Sant’Andrea vorbei, der ziegelrote Kirchturm der Chiesa

S. Elena, die aus dem 12. Jahrhundert stammt, ist markanter Ansteuerungspunkt. Legen also in

Sant’Elena an, bestens empfangen von der charmanten Signora Adelaide, der Managerin. Mitsegler

waren Toni Kossina, UYCT, und Manfred Habermann, Wien.

Was mir übrigens in Häfen immer wieder auffällt: Die berühmte „Chicagoer Schule der teil -

nehmenden Soziologie“ muss entstanden sein, weil einer der Professoren dort Segler war und

das höchste Vergnügen aller Segler kannte, nämlich die teilnehmende Beobachtung der mehr

oder weniger geschickten Anlegemanöver anderer Segler im Hafen, auch genannt „Hafenkino“

– vom eigenen Decksstuhl aus betrachtet und am besten mit einem Longdrink in der Hand.

Marina Sant’Elena/Venedig. Nachdem ich schon im Vorjahr anlässlich der Eröffnung

der Kunstbiennale die neue Marina Sant’Elena genutzt habe, entschloss ich mich, mein

Boot hierher zu verlegen. Was hier gleich auffällt: großzügige Steganlangen mit hinreichend

Manövrierplatz dazwischen, mehr als man gewohnt ist, sowohl mit den in Italien üblichen

Pfählen ausgestattet als auch teilweise mit Moorings. Die Marina ist für 160 Boote bis zu einer

Länge von 60 Metern angelegt, bei einer Tiefe von 4,5 bis 6 m. Noch sind genügend Plätze frei,

würde bald aber Reservierungen empfehlen.

Erstes Plus: Ein wirklich funktionierendes Wi-Fi, anders als die Alibi-Installationen in anderen

Marinas. Überzeugender Vorzug von Sant’Elena für mich ist aber: Man kann von dort bequem

Foto: Photoman29/Shutterstock (1)

22 OCEAN7 06/2016 | November/Dezember 2016


Palazzo

Vendramin Calergi

San Michele

Italien/Venedig

Le Vignole

Palazzo

Venier dei leoni

Giudecca

Markusplatz

Biennale

Biennale

Giardini

La Certosa

Marina

Sant’Elena

Flughafen

Venezia-Lido

el anzulaufen heißt, sich

ont zu nähern, statt von

und der Bahnhöfe.

3

4

Santa Maria

Elisabetta

zu Fuß, ohne auf Vaporetti angewiesen zu sein, in wenigen

Minuten zu den Giardini mit den Ausstellungspavillons spazieren

oder in 30 Minuten über die menschenreiche Riva degli Schiavoni

zum Markusplatz.

Im Süden sieht man gegenüber die Kuppel von Santa Maria

Elisabetta auf dem Lido – für einen Badenachmittag nur eine

Vaporettostation entfernt –, nach Norden kann man bis zu den

österreichischen Bergen sehen – im Frühjahr noch schneebedeckt,

während in Venedig schon Frühling herrscht. Und morgens

werde ich geweckt von einer Art venezianischer Symphonie,

gebildet aus dem Klang der Glocken der alten Kirche

Sant’Elena, dem Zapfenstreich der Kadettenschule nebenan und

Möwenschreien. Man könnte ein Stück konkreter Musik schreiben:

für Kirchenglocken und Fanfaren, Schiffshörner und Möwenschreie.

Dasselbe Unternehmen, die Cantiere Celli Srl betreibt übrigens

auch die ebenfalls in der Lagune gelegene Marina Fiorita: von

der Einfahrt steuerbords gelegen den Canale Treporti etwa zwei

Meilen entlang, eine angenehm ruhige Marina mit dem melancholischen

Charme eines Lagunen-Steppensees, umgeben von

flachen Inseln mit Schilf und einsamen Fischern. Diese Marina

wäre sogar mit dem Wagen vom Festland aus zu erreichen, mit

Parkplatz direkt neben der Anlage.

Die perfekt platzierte Marina Sant’Elena aber, gelegen inmitten

von Venedig, umgeben von Geschichte und Modernität zugleich,

1 Der Leuchtturm Porer wurde 1833 auf der gleichnamigen Insel errichtet

2 Der Leuchtturm am Porto di Lido weist den Weg nach Venedig

3 Marina Sant’Elena/Venedig: noch sind genügend Liegeplätze frei,

4 doch bei dieser Top-Lage inmitten der Lagunenstadt wohl nicht mehr lange

wird jedenfalls mein Hauptquartier sein für die nächsten Jahre

und für meine Art des Segelns. Und wird wohl auch ein interessanter

Platz werden für Segler aus aller Welt.

Die Biennale di Venezia. Die Kunstbiennale ist

immer ein guter Grund, Venedig zu besuchen. Es gibt sie seit

mehr als 120 Jahren und ich frequentiere sie seit vier Jahrzehnten;

die letzten Male bin ich Venedig dazu bereits mit der Katawa

angelaufen – immer gespannt auf die jeweils etwa 5.000 Werke,

ausgestellt von etwa 130 Staaten und von an die 500 Künstlern.

Darunter befindet sich immer mindestens ein halbes Dutzend,

die mich bewegen und mir im Gedächtnis bleiben. Seit 1980 gibt

es in den Jahren dazwischen die Biennale di Architettura, die ich

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OCEAN7Revier

Mit dem Blick des Flaneurs durch Europas

Städte und Häfen streifen, sie fügen zur

Collage eines persönlichen, imaginären

Europas, gelegen irgendwo zwischen Rom,

Triest, London, Ge schichten notieren, wo

immer man auf sie trifft, sie niederschreiben

in den Cafés und Bars an den Kais, Notizen

fürs Online-Stammcafé: Sailing Poetry.

heuer erstmals besuche. Deren Motto ist „Reporting from the

front“. Wer hinsieht, findet Ideen für die nächsten zwei oder auch

200 Jahre.

Spaziere vom Boot also morgens hinüber zur Eröffnung, habe

mich für die drei Preview-Tage akkreditieren lassen. Komme

zurecht zur Eröffnung der Ausstellung im Österreich-Pavillon: Die

halbe Wiener Kulturszene ist hier versammelt; alle freuen sich,

alle danken einander, die Kuratorin freut sich und dankt, die

Architekten freuen sich und danken, der neue Kulturminister

Drozda dankt dem alten Kulturminister Ostermayer für die Auswahl

der Kuratorin, freut sich und dankt, dann darf man endlich

zur Ausstellung. Jetzt freu’ ich mich und danke. Danach zurück

aufs Boot, umziehen und ins Café Florian zum üblichen Biennale-

Empfang. Die Biennale di Architettura ist noch bis 27.11. geöffnet;

2017 gibt’s wieder die Kunstbiennale; Eröffnung am

13.5., Preview 10–12.5., Thema: Universes in Universe.

1 2

An der Riva degli Schiavoni treffe ich auf Richard Wagner, Riccardo, wie ihn die

Venezianer nennen, im Gefolge Cosima und Franz Liszt. Wir kommen gerade von

den Giardini, sagt er, die einzige nennenswerte Ansammlung von Bäumen in

Venedig, spaziere gern diesen Weg nach dem Abendessen, ehe ich nachts wieder den

schweigsamen Kanal hinabfahre zu meinem einsamen Arbeitszimmer.

Sie arbeiten an Ihrem großen Werk, dem Parsifal, sage ich. Er hat mir gestern erstmals

die gesamte Ouvertüre am Klavier vorgespielt, wirft Cosima ein.

Ja, sagt Wagner, auch wenn es um meine Gesundheit nicht zum Besten steht, der

Parsifal hat Vorrang, und Bayreuth bleibt geschlossen, bis er fertig ist. Aber dieser Jude

Levi darf den Parsifal nicht dirigieren, sagt Cosima, jedenfalls nicht ungetauft!

Der ist allerdings der Generalmusikdirektor in München und als Dirigent der beste für

dieses Werk, meint Wagner, ich halte an ihm fest, auch wenn ich die jüdische Rasse

für den geborenen Feind der reinen Menschheit und alles Edlen halte ... an dem

namentlich wir Deutsche zu Grunde gehen werden, fügt Cosima dieser antisemi -

tischen Tirade hinzu und ich ziehe mich mit einer höflichen Verbeugung zurück.

24 OCEAN7 06/2016 | November/Dezember 2016


Venedig

Foto: Shutterstock (1), Jaione Garcia/Shutterstock (1)

Wenn ich in Venedig bin, schau’ ich stets auch im

Palazzo Venier dei Leoni vorbei. Gestern stoße ich dort

wieder auf dessen Herrin: Peggy Guggenheim, la ultima

Dogaressa, wie man sie in Venedig nennt.

Sie sitzt still in einer Ecke, trägt ein venezianisches Kleid

mit Krinoline im Stil des 16 Jahrhunderts, ist mit zwei

riesigen Ohrringen geschmückt, jene, die Marcel

Duchamp für sie gestaltet hat und die ich zuletzt an der

Wand ihres Schlafzimmers gesehen habe, die vollbestückt

ist mit Ohr ringen, von Künstlern des 20. Jahrhunderts für

Peggy persönlich gestaltet. Sie sieht aus wie eine ihrer

Skulpturen, wenn auch nicht eine von Giacometti.

Jetzt sieht sie ihren Besuchern zu, meist unerkannt, wie

die sich ihre Kunst ansehen. Ich weiß, was sie von ihren

Gästen erwartet und küsse ihr wie immer zur Begrüßung

die Hand, keine besondere Angelegenheit, kann mir aber

gut William Burroughs vorstellen, den sogenannten

Beat-Poeten, der auf Besuch in Venedig bei der berühmten,

reichen Amerikanerin zu Gast sein wollte.

„Naked Lunch“ war gerade erschienen und der, als man

ihm zu einem Handkuss riet, einen etwas derben Witz

machte: Wohin er Peggy durchaus küssen wolle, wenn

auch nicht gerade auf die Hand, was ihr zu Ohren kam

und worauf sie ihn aus ihrem Haus verbannte. Niemand

beherrscht den Handkuss so wie Sie, sagt Peggy lachend.

In Wien pflegt man den sogar im Kaffeehaus, sage ich,

erinnere sie dann an die Geschichte mit Burrroughs.

Sie lacht und sagt: Ich liebte ja stets die sogenannte

Boheme, wenn deren Vertreter sich nur etwas besser zu

benehmen wüssten. Es ist merkwürdig, in einem Museum

zu wohnen, fährt sie fort, seitdem ich hier dreimal die

Woche geöffnet habe, muss ich Seile spannen lassen,

damit ich wenigstens im Schlafzimmer Ruhe habe

und im Bad.

Ihr Pavillon auf der Biennale wird hoch gelobt, sage ich.

Ja, der griechische stand leer, des Bürgerkrieges wegen, so

konnte ich ihn nutzen und die USA sehen sich durch

mich gut repräsentiert, ihr eigener Pavillon ist nicht

rechtzeitig fertig geworden, so habe ich Picasso ausgestellt,

Matisse, Kandinsky, Polloc, Duchamp, Miro, Max Ernst,

Giacometti, Paul Klee ... ist ohnehin nicht viel Besseres

nachgekommen, die Malerei auf der Biennale wird jedes

Jahr schlechter, es fehlt heute der Pioniergeist in der Kunst,

wie es ihn gab, als ich noch sammelte. Heute wollen die

Künstler alle nur mehr originell sein und gute Preise

erzielen und ich kann mir ihre Werke gar nicht mehr

leisten, gehöre ja bekanntlich zum armen Zweig der

Guggenheims ...

Habe übrigens gerade meine Gondel gerufen, mich zu

den Giardini zu bringen, kommen Sie doch mit!

Mit einer Gondel? frage ich etwas dämlich. Es

ist die letzte Privatgondel Venedigs, sagt sie,

mit einem Riva-Motorboot kann jeder fahren.

Im Vorhof des Palazzos zum Canale hin steht

die Skulptur Mario Marinis, ein Pferd mit

einem nackten Reiter, der einen deutlich

erigierten Penis zur Schau stellt. Diesen Penis

hier vor dem Palazzo haben mir die

Venezianer nie ganz verziehen, lacht Peggy,

man erzählt sich, dass er abschraubbar sei

und dass es ihn in verschiedenen Größen

gäbe – je nach Bedarf.

Und selbstverständlich stimmt, was man sich

erzählt, sage ich, und Peggy, die indirekte

Frage elegant übergehend, setzt fort: An hohen Feiertagen

entferne ich ihn allerdings aus Respekt vor den Nonnen,

die hier vorbei zu Santa Maria della Salute gerudert

werden. Dass ich hier gern nackt meine Sonnenbäder

nehme, missfällt den Venezianern übrigens auch, aber

meist beobachten mich nur die Carabinieri von ihren

Booten aus, mit Ferngläsern – so fühle ich mich stets gut

beschützt in Venedig.

Fahre diesmal also in Peggys Gondel zu den Giardini, ein

junger, gut aussehender Gondoliere rudert uns, der mit

seiner Chefin vertraut zu sein scheint und jedem Wink

ihrer Hand gehorcht.

Zum Abschied sagt Peggy zu mir: Kommen Sie doch heute

Abend zu meinem kleinen Empfang, wir feiern auf der

Dachterrasse, Sie werden ein paar Schriftstellerkollegen

treffen – und nehmen Sie sich nichts mehr vor für diese

Nacht. Als ich zu zögern scheine, sagt sie lachend: Nur

keine Angst, es stimmt zwar, dass manche Männer sich

von mir überfordert fühlen, wobei ich ihnen aber nicht

mehr abverlange als das, was ich schon als junge Frau

auf den pompejanischen Gemälden gesehen habe – und

das darf man doch erwarten, oder?

Werde mir diese pompejanischen Wandgemälde

noch einmal genauer ansehen müssen.

3

1 Biennale, Hauptpavillon

2 Im Palazzo Vendramin

Calergi, heute als Casino

genutzt, wohnte Richard

Wagner.

3 Mario Marini, L’Angelo

della Città, 1948

4 Palazzo Guggenheim

5 Peggy Guggenheim

5

4

November/Dezember 2016 | OCEAN7 06/2016 25


PeopleNews

„Alles kann man kaufen,

nur das Leben nicht.“

Emmy Motschiunig, drei Wochen nach ihrer Rettung

Text: Kirsten Panzer

„Es ist einfach unglaublich, was man alles leisten kann, wenn

es darum geht, zu überleben!“, Emmy Motschiunigs Augen

strahlen, dass es eine wahre Freude ist – und zaubern auch

ihrem Ehemann Walter ein Lächeln ins Gesicht. Und Emmy

weiß, wovon sie spricht, denn sie hat überlebt. Das „Wie“ ist

ihr allerdings bis heute ein Rätsel. Denn nie hätte sie gedacht,

jemals zu einem solchen Kraftakt und zu einer solchen Aus -

dauer fähig zu sein, ohne die sie heute nicht daheim sitzen

und lachend das laute Schnorcheln der Kaffeemaschine

kommentieren könnte. Gut sieht sie aus und unheimlich frisch,

so als hätte sie gerade einen erholsamen Urlaub hinter sich

und nicht vor kurzem erst Schiffbruch erlitten.

Mitten in der Nacht. Mitten im südchinesischen

Meer. Fest geschlafen hat sie, als es geschah und ein enormer

Krach sie hochschrecken ließ. Walter war im Cockpit, sie

unter Deck. Was war passiert? „Ein unbeleuchteter Frachter

hat uns gerammt, genau in die Seite. Er fuhr ohne AIS und

sein Radar kann auch nicht besetzt gewesen sein. Mit allen

Schiffen um uns herum waren wir in Kontakt. Sie haben uns

gesehen und uns gesagt, wie wir sie am besten passieren

sollten. Nur der Riesenfrachter, der kam aus dem Nichts, wie

ein Zombie.“ Emmy kann es heute noch nicht begreifen, wie

so ein Schiff auf See unterwegs sein kann und vermutet, dass

es sich um einen ausrangierten Frachter auf dem Weg zum Abwracken

nach Bangladesch gehandelt haben muss.

Dann ging alles ganz schnell. Der Frachter

fuhr mit voller Fahrt weiter, der Mast der Calamares, eine

C-Yacht 1100, hatte sich

im Buganker verfangen, die

obere Saling hing fest. Dann

wurde die Yacht an der

Bordwand mitgeschleift, an

der Seite ein großes Loch.

„Man muss sich einmal vorstellen,

wie riesig das Schiff

gewesen sein muss. Unser

Emmy und Walter…

... nach ihrer Rettung.

Die Calamares, eine C-Yacht 1100, sank binnen vier Minuten

nach der Kollision mit einem „Zombie“-Frachter – Emmy

und Walter Motschiunig überlebten nur knapp.

26 OCEAN7 06/2016 | November/Dezember 2016


Mast war immerhin 17 Meter hoch.“ Wassereintritt. Die Segelyacht sank innerhalb von

drei, vier Minuten. „Dass das so schnell gehen würde, damit hätte ich nie gerechnet.

Unsere Calamares ist einfach kopfüber abgetaucht, das hätte ich nicht für möglich

gehalten“, erinnert sich Emmy an ihre bislang schrecklichste Nacht. Ihre Fröhlichkeit

weicht kurz der Ungläubigkeit. Was sie noch immer verwundert ist aber, dass sie während

des Unglücks kaum fähig gewesen sei zu denken. Mayday konnte sie noch funken,

„doch ich habe in der Panik vergessen, die DSC-Taste zu drücken“. Erschreckend sei

gewesen, wie sehr ein Kopf weh tun könne, wenn man nicht mehr denken kann. Eine

Erfahrung, die sie nicht so leicht vergessen werde.

Zieht euch nicht aus, sondern an! Die erfahrene Skipperin, die

seit sieben Jahren immer sieben Monate am Stück mit ihrem Mann um die Welt segelt

und dabei über 35.000 Seemeilen zurückgelegt hat, war hilflos, Walter übernahm

ihr Kommando. „Ich lief immer nur hin und her und rief: ‚Ich hab’ nix an, ich hab’ nix an‘,

ich kam ja gerade aus der Koje.“ Ist es das, woran man als Frau zuerst denkt, wenn

man anfängt zu realisieren, dass da gerade ein unvorstellbares Unglück passiert?

Nicht unbedingt, aber Emmy hat es getan, und das war wieder so ein intuitiv richtiger

Gedanke, wie sie ihn oft während ihres Seglerlebens hatte. Wenn sie entschied, es

wird ein Reff eingelegt, dann war es richtig, genauso ein Segel- oder Kurswechsel. In

Momenten, in denen ihr Mann Walter noch lange nicht gehandelt hätte, entschied sie

genau das Richtige. „Oft hat sich Walter nachher bei mir bedankt und gesehen, dass

meine Entscheidung genau im richtigen Moment gefallen ist.“

Ob es nun Intuition war, weibliche Umsicht oder einfach nur seglerisches Wissen:

Darum ging es ihr damals nicht und geht es ihr auch heute nicht. Aber zum Bademantel

hat sie wieder einmal zum genau richtigen Zeitpunkt gegriffen. „Den habe ich ganz

eng um mich geschlungen, wenn ich anfing zu frieren, wir sind ja über neun Stunden

im Wasser geschwommen, und er hat mich vor der Sonne geschützt und… vielleicht

ist es ja auch nur Einbildung: Er hat mir Auftrieb gegeben, wenn er so um mich herum

im Wasser aufschwamm.“ Vielleicht war es einfach das Gefühl, eine kleine eigene

Insel um sich zu haben, während sie versuchten, eine immer kleiner werdende Insel

zu erreichen. „Und das ist wirklich etwas, was ich jedem Skipper in einer solchen Not -

situation mit auf den Weg geben möchte: Zieht euch nicht aus, sondern an! Zumindest

etwas Leichtes. Dickes Ölzeug wird sicherlich zu schwer mit der Zeit, aber etwas

Dünnes sollte man auf alle Fälle tragen.“

Doch bis sie um ihr Leben schwimmen konnte, musste sie es erst einmal schaffen,

aufzutauchen, denn die Calamares sank schnell und verschwand kopfüber in die Tiefe.

Für Emmy der schrecklichste Augenblick während der ganzen Katastrophe: „Man

versucht, nach oben zu schwimmen und weiß nicht, ob man es schaffen wird. Das war

einfach furchtbar und für mich und mit Abstand das Allerschlimmste!“

Aber scheinbar war es noch nicht Zeit zu gehen. Ein

Satz, den sie immer wieder betont! Denn obwohl den Eheleuten wohl das Schlimmste

passiert ist, was einem Segler geschehen kann, hatten sie doch viel Glück – das Wasser

war 29 Grad warm, die Gefahr auszukühlen bestand in den ersten Stunden nicht.

Den Hai, der sie zwischendurch umkreiste, hat Emmy nicht gesehen: „Mein Mann hat

mich auf einmal angeschoben und ich hab’ noch gesagt, dass er es sein lassen soll,

ich seine Hilfe nicht brauche.“ Erst später erzählte er ihr, dass er sie beide optisch

vor dem Hai größer machen wollte, was unter Tauchern als gute Möglichkeit gilt,

Haie zu vertreiben.

Die See blieb ruhig, eine Dünung baute sich erst kurz vor ihrer Rettung auf und auch

die war unglaublich: Mitten im knapp 30 Meter tiefen Meer eine Sandbank und auf

dieser ein wegen eines Motorschadens ankerndes, kleines Fischerboot. „Da muss

doch irgendjemand seine Hand im Spiel gehabt haben!“, schwört Emmy und

ist einfach nur froh, wieder zu Hause zu sein.

LAND IST

NICHT GENUG

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OCEAN7People

Gäste,

the good

&

the bad

Text und Fotos: Wolfgang Hausner

Meinen 18-Meter-Kat Taboo III habe

ich vor mehr als 37 Jahren auf den

Philippinen entworfen und dann

dort auch gebaut. Ein Kriterium für

die Größe war der Wunsch, zahlende

Gäste unterzubringen und ihnen die

Möglichkeit zu geben, in einem

netten Revier auszuspannen, die

Seele baumeln zu lassen und zur

selben Zeit natürlich die Bordkasse

aufzu füllen. Das im Gegensatz zu

langen Törns über größere Strecken,

denn es ist nicht jedermanns Sache,

für ein oder zwei Wochen über das

Meer zu schaukeln und nur Wasser

zu sehen. Aber Eiland-Hopping in

einer netten Gegend mit Schnorcheln

und Landausflügen ist etwas

anderes. Über die Jahrzehnte hatte

ich dann viele Gäste, von denen

einige einen bleibenden Eindruck

hinterließen. Nicht alle sind erwähnenswert,

also beschränke ich mich

aus Platz gründen auf fünf Begegnungen,

die amüsant, negativ,

normal und positiv waren. Gleich -

zeitig möchte ich betonen, dass es sich

bei den schlechten Erfahrungen um

echte Ausnahmen handelt. Ich habe

recherchiert und herausgefunden,

dass weniger als ein Prozent zu den

unangenehmen Zeitgenossen zählt,

die ich nicht mehr an Bord haben

möchte. Der Rest sind durchwegs

nette Leute und einige davon zählen

jetzt zu meinem Freundeskreis.

28 OCEAN7 06/2016 | November/Dezember 2016


Wolfgang Hausners Gäste

Ester, das technische Genie. Wir waren mit

einem Ehepaar und drei Kindern unterwegs. Alles lief seine

gewohnte Bahn, bis die Mutter eine leichte Magenverstimmung

bekam und ab diesem Zeitpunkt nur noch abgekochtes Wasser

trinken wollte. Was mich natürlich irritierte, weil Ester mir das

Gefühl gab, das Wasser an Bord wäre schuld an ihrer Misere.

Sie war übrigens die einzige, die ein Problem hatte.

Egal wie, sie bekam regelmäßig ihr abgekochtes Wasser, bis sie

eines Tages die Idee hatte, das selbst zu tun. Mit einem Gasherd

überhaupt kein Problem, aber zu dem Zeitpunkt verwendete

ich noch einen Primus-Kocher, der mit Petroleum betrieben

wird. Nur müssen die Brenner mit Spiritus vorgeheizt werden,

damit das unter Druck stehende Petroleum vergast und so eine

normale Flamme bildet.

Eines Morgens, relativ zeitig, hörten wir jemanden undeutlich

rufen, kurz darauf kam die 13-jährige Tochter den Niedergang

runter – und schoss sofort wieder hinaus. Rodelyn und ich

waren miteinander verstrickt und der Anblick dieser intimen

Beschäftigung war einfach zu viel für sie. Draußen rief sie

„Feuer, Feuer“. Ich zog mir eine Hose an und sprang ihr nach.

Aus dem anderem Kajütniedergang quoll schwarzer Rauch –

zum Teufel, was war da los? Ich stürzte runter und sah, dass der

Kocher praktisch in Brand stand.

Was war passiert? Ester hatte in ihrer Blödheit einfach den Herd

aufgedreht ohne vorher den Brenner vorzuheizen, obwohl sie

mir schon einige Male dabei zugesehen hatte. Das Petroleum

stand unter Druck und brannte sofort mit einer ekligen Rauchentwicklung,

die die Umgebung schwarz einfärbte. Ich drehte

den Hahn ab und schüttete Wasser auf den Kocher, was die

Flammen sofort zum Erlöschen brachten – nicht aber meinen

aufgestauten Ärger.

Karl, der Angsthase. Im November war ich in

Boracay und erwartete meinen nächsten Gast. Karl war ein

Beamter, der laut eigener Erzählung ein einfaches Thai-Mädchen

direkt vom Reisfeld weg geheiratet hatte. Einfach war sie vielleicht,

aber nicht dumm: Bald sprach seine Frau deutsch,

brachte Karl dazu, die Abendschule zu besuchen, um sich beruflich

zu verbessern und so mehr Geld zu verdienen. Karl hatte

Probleme, sich auf einen Ankunftstag bei mir festzulegen, da er

einige Internet-Bekanntschaften vor seiner Abreise geknüpft

hatte. Diese Damen mussten alle besucht und wenn möglich

ausprobiert werden. Der einwöchige Törn auf Taboo III war

sicherlich ein Vorwand für diese Reise nach Südost-Asien.

Aber schlussendlich war er da und wir segelten noch am selben

Tag ab. Weiter nördlich schraubte sich ein tropischer Wirbelsturm

durch die Gegend, aber das verschwieg ich Karl. Mit

seinem gleitenden Ankunftstermin hatte er mich genug genervt

und jetzt war mein Motto: Mitgehangen ist mitgefangen. Außerdem

hatte der Südwestwind den Ankerplatz ungemütlich gemacht,

also mussten wir sowieso weg.

Wir ankerten bald hinter der Insel Cabahan auf Tablas, verlegten

uns aber später weiter in die Bucht hinein, um mehr Schutz vor

dem auffrischenden Wind zu finden.

Seit meinen letzten Erfahrungen mit Taifunen nehme ich ein

Angebot von www.typhoon2000.com in Anspruch: Alle sechs

Stunden bekommt man eine SMS aufs Handy, die totale Information

liefert. Und das war auch jetzt der Fall: Supertaifun

Reming befand sich momentan auf 13.5 N und 124.9 E, ent -

wickelte über 250 km/h, schob 41 Fuß hohe Wellen vor sich

her und bewegte sich mit 17 km/h nach dem Westen. Die km/h

finde ich irritierend, ist aber verständlicher für die lokale Bevölkerung,

die mit Knoten und Seemeilen wenig anfangen kann.

November/Dezember 2016 | OCEAN7 06/2016 29


OCEAN7People

„Feuer, Feuer“. Ich zog mir eine Hose

Diese Informationen behielt ich für mich. Karl war kein Draufgänger.

Obwohl wir jetzt vor zwei Anker vollkommen sicher

lagen, würde er vielleicht die Situation falsch einschätzen und

sich glatt in Gefahr wägen. Reming war 120 Seemeilen weiter

nördlich und damit konnte ich leben. Um Mitternacht würde er

uns am nächsten sein und ab dann konnte es nur besser werden.

Aber noch pfiff uns der Sturm schrill um die Ohren. Es

dauerte einige Stunden, bis er auf West drehte und damit hatten

wir das Schlimmste hinter uns.

Der nächste Tag war fast normal, Karl hatte jedoch die Nase voll

und wollte zurück nach Boracay und wieder festen Boden

unter seinen Beinen haben. Nachdem er seinen Aufenthalt auf

Taboo III bereits beglichen hatte, war das kein Problem für mich.

Karl: „Also, das ist es?“

„Ja, das ist es.“ Und damit war das Kapitel Karl endgültig abgeschlossen.

Das war eine eher unterhaltende Episode, aber es

kann auch unangenehmer zugehen, wie ich Jahre später herausfand.

Renate, die Fast-Alkoholikerin. Der Taifun

Haiyan war der letzte im Jahr 2013 gewesen und der tropische

Sturm Lingling ein paar Wochen später der erste in 2014. Er

begann als tropische Depression am 4. Januar südöstlich von

Mindanao, zog langsam nach dem Westen, überquerte die

Insel und rappelte sich innerhalb einer Woche zu einem tropischen

Sturm hoch. Wir waren zu diesem Zeitpunkt an der

Die Parole war: „Nichts wie weg!“

Das taten wir auch tags darauf bei gutem Wetter, nur hatten wir

in der Nacht davor vor Anker ein heftiges Gewitter. Als wir beide

am nächsten Morgen aus unseren Kabinen krabbelten, meinte

ich: „Das war ein saftiges Gewitter“, aber Karl erwiderte ganz

erbost: „Was, das waren fünf.“ Er musste die üppige Donnerei

eindeutig in Gruppen eingeteilt haben.

Mit zwei neuen Gästen segelte ich ein paar Tage später die selbe

Strecke und dann weiter nach Sibuyan, eine Insel, die 30 Seemeilen

weiter östlich liegt. Auf halbem Weg klingelte das Handy.

„Ja, wer ist da?“

„Der, der ausgestiegen ist“, also Karl.

„Und, was ist?“

„Ich möchte wieder einsteigen!“

„Das geht nicht, wir sind auf halbem Weg nach Sibuyan und

wenn ich jetzt zurück nach Boracay segle, verlieren wir einen

ganzen Tag, und das kann ich meinen Gästen nicht antun.“

Küste von Leyte unterwegs und segelten nach Einbruch der

Dunkelheit in die Dupon Bucht, um dort einen sicheren Ankerplatz

zu finden. Sicherlich kein Ausflugsort, am Ufer befand

sich eine riesige Fabrik, die Kupfererz aufbereitete. In der

Bucht lagen mindestens fünfzehn chinesische Frachter in der

Warteschlange, um das Erz nach China zu bringen. Lingling

sollte südlich von uns vorbeiziehen – damit hätten wir nördliche

Winde und würden total geschützt am Ende der tiefen

Bucht liegen.

Also sozusagen alles unter Kontrolle, sollte man meinen, aber

es kam nicht so. Lingling änderte den Kurs und kam ziemlich

genau auf uns zu, und im Nu begann es kräftig zu blasen. Der

Plattenanker schlierte, also wechselte ich ihn gegen den schweren

Pflugscharanker aus, der mich bei Schlammgrund noch nie

im Stich gelassen hatte. Ich fuhr mit dem Kat ins seichte Wasser,

bis ich fast im Schlamm steckenblieb, und ließ den Anker mit

30 OCEAN7 06/2016 | November/Dezember 2016


Wolfgang Hausners Gäste

an und sprang ihr nach.

zehn Meter Kettenvorlauf fallen. Der starke Wind blies den

Kat zurück und wir hingen bombenfest an der geflochtenen

Nylontrosse.

An Bord war ein junges Pärchen aus Südtirol, Josef und Christine,

sowie das ältere Ehepaar Frank und Renate. Vom ersten

Tag an war mir aufgefallen, dass Renate gerne dem Alkohol

zusprach und mengenmäßig die anderen Gäste weit hinter

sich ließ. Die kostenlosen alkoholischen Getränke an Bord

sind natürlich eine Versuchung für Menschen, die ihr Alkoholproblem

nicht im Griff haben und sich dann fast bis zur Besinnungslosigkeit

zuschütten. Dieses Gehabe stört mich nicht

sonderlich, meine Gäste können trinken, soviel sie wollen,

solange sie nicht im Rausch über Bord fallen oder einen Blödsinn

machen.

Und genau letzteres sollte passieren. Aber noch waren sie nach

dem Abendmahl in bester Stimmung, während ich an Deck

Ankerwache hielt. Der Wind war jetzt schräg auflandig und

das Ufer steinig. Sollte der Kat schlieren, müsste ich so rasch

wie möglich aus der Bucht raus, denn noch einmal Ankern

bei diesen Windgeschwindigkeiten war nicht mehr möglich.

Das hieße dann mit voller Maschinenkraft quer zum Wind

fahren, während uns der Sturm aus der Bucht auf das offene

Meer blies.

Etwa um zehn Uhr kam ein Schlepper angedampft und fuhr ins

seichte Wasser, bis er schräg vor uns steckenblieb und die Kette

runterrasseln ließ. Kurz danach trieb er mit der ansteigenden

Tide zurück und ankerte fürs erste. Eine Stunde später, der

Sturm pfiff uns mit ca. 50 Knoten um die Ohren, legte sich der

Schlepper quer zum Wind und schlierte knapp an uns vorbei.

An Deck und auf der Brücke war keine Menschenseele zu sehen.

Erst Minuten später, als das Schiff bereits inmitten der

Frachter war, begann sich Leben zu zeigen. Die großen Schiffe

selbst hatten auch Probleme, mehrere fuhren ziellos durch die

Gegend, weil sie nicht mehr ankern konnten.

Um Mitternacht begann der Sturm rapide nachzulassen, er

drehte auf Süd, und kurz darauf begann eine starke Dünung in

die Bucht zu rollen. Jetzt hingen wir an dem zweiten Pflugscharanker,

den ich vorher zur Sicherheit gesetzt hatte. Die Parole

war „nichts wie weg“, wir hatten nur einen Meter Wasser unter

dem Totholz.

Auf meinem GPS hatte ich einen vorherigen Ankerplatz gespeichert

und den steuerten wir nun in der Dunkelheit an. Bald

ankerten wir im Lee der steinigen Küste und ich konnte kurz

Bilanz ziehen: Lingling war knapp südlich von uns vorbeigezogen,

das erklärte den plötzlich drehenden Wind, jetzt entfernte

er sich und damit begann sich alles wieder zu normalisieren. Es

war knapp vor zwei Uhr morgens, die Gäste schliefen seit Stunden

und wir taten kurz darauf dasselbe.

Kurz vor sechs wurde ich von Christine geweckt: „Wolfgang, da

ist Wasser in der Kabine und der ganze Fußboden ist nass“. Ich

stürzte rüber und sah mir die Bescherung an.

„Ich wollte auf die Toilette gehen, aber sie lief ständig über“,

sagte Christine. Und warum das? Ganz einfach: Die Person, die

sie zum letzten Mal benutzt hatte, hatte die elektrische Pumpe

nicht abgeschaltet, die das Seewasser in die Muschel befördert.

Sofort musste ich an Renate denken, die auch immer vergaß,

das Licht abzudrehen. Aber momentan hatte ich andere Sorgen,

sämtliche Bilgen in dem Bereich und im Salon waren bis knapp

unter die Bodenbretter voll. Plastikbehälter schwammen herum,

die aber dicht waren. Nicht so gut ging es ca. 150 Büchern –

Lesematerial, das ich ständig mit anderen Yachties tauschte –,

und total abgesoffen war der Entsafter. Zuerst musste das Wasser

ausgepumpt werden und danach war meine Crew Rodelyn

mehr als zwei Stunden damit beschäftigt, die Bilgen trockenzuwischen.

Erst danach frühstückten wir und segelten ab. Die Bücher

legten wir in die Sonne, das elektrische Küchengerät ging

zuerst auf Tauchstation in Süßwasser, bevor ich es zerlegte und

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mit etwas Öl einsprühte. Ich sprach mit Christine und Josef:

Es war eindeutig, dass Renate für das Fiasko verantwortlich

war. Die beiden Südtiroler tranken in normalem Maß und

dasselbe galt für Frank, der einen netten Eindruck machte,

aber sehr unter dem Einfluss seiner herben Frau stand. Renate

hatte überhaupt keinen Kommentar zu dem Vorfall. Ich wartete

den ganzen Tag auf irgendeine Reaktion, aber sie tat, als ob

nichts passiert wäre.

Am nächsten Morgen beim Frühstück legte ich dann los: „Irgendjemand

von euch hat vorletzte Nacht im Suff die Toilettenpumpe

laufen gelassen, was Schaden und obendrein eine

Menge Arbeit verursacht hat“, und fixierte dabei die ganze Zeit

Renate. „Und das kostet euch 500 Euro, die ich jetzt haben

möchte.“ Zwei Minuten später lag das Geld auf dem Tisch, von

dem ich Josef und Christine die Hälfte später wieder zurückgab.

Das hatten wir vorher vereinbart, denn hätte ich nur

Renate zur Verantwortung gezogen, hätte sie sicherlich alles

geleugnet.

Ein paar Tage später segelten wir über das sonnige Meer südlich

von Bohol und trauten unseren Augen nicht: Vor uns

schwamm ein kleines, etwas windschiefes Haus, komplett mit

dem üblichen Nippa-Dach. Der Taifun Haiyan musste es auf

das Meer hinausgespült haben und jetzt trieb die schwimm -

fähige Bambuskonstruktion herrenlos über das Wasser. Irgendwann

wird es sicherlich an einem Ufer landen und vielleicht

wieder dem ursprünglichen Zweck zugeführt werden.

1

Ganz normale Gäste. Robert und Ernie Hausner aus

der Steiermark hießen zwar so wie ich, aber wir waren nicht

verwandt, außer über irgendwelche nicht nachvollziehbare

Ecken. Robert brachte unter anderem den acht Kilogramm

schweren Wärmetauscher mit, wofür ich ihm wirklich dankbar

war. Schicken aus England hätte ewig lang gedauert und dann

hätte ich mich noch mit dem hiesigen Zoll herumärgern müssen.

Mit dabei auf dem Törn war meine Tochter Vaitea, die schon

einige Wochen an Bord war. Die beiden anderen Gäste Anita und

Andre aus Deutschland hatte ich gebeten, Glühkerzen und eine

Reibahle zu besorgen. Letztlich hatte der alte Mercedes-Motor,

der noch vorgeglüht werden musste, Hustenanfälle beim Starten.

Das zusammen mit der maroden Kühlung begann mich langsam

zu nerven. Es war, als ob mein Antrieb nach 36 Jahren das Handtuch

schmeißen wollte. Den neuen Wärmetauscher zu installieren

war zu aufwendig, das wollte ich später machen, aber das Startproblem

mit den Glühkerzen bereinigten Robert und ich.

Anita und Andre waren schon länger ein Paar, jetzt wollte Andre

seinen Heiratsantrag auf dieser Fahrt machen, allerdings auf

einem Super-Platz. Zuerst schlug ich Daquio vor, einer winzigen

Insel wie aus dem Bilderbuch, nur regnete es dort gerade. „Ist

das jetzt der schönste Platz, wo wir hinkommen, Wolfgang?“,

fragte mich Andre. „Ja, aber es kann sein, dass Calangaman noch

schöner ist, dort werden wir ein ein paar Tagen sein“, antwortete

ich.

Als wir in Calangaman ankerten, regnete es auch da und damit

wurde der Kniefall bis auf weiteres auf Eis gelegt. Aber aufgeschoben

ist nicht aufgehoben, es klappte dann doch, wie wir

später erfuhren. Zwar nicht auf einer Insel wie geplant, sondern

im Wasser des Infinity-Pools auf dem Dach des feudalen Marina

Bay Sands Hotel in Singapur.

Willi, der Unermüdliche. Ein Jahr später waren wir

unterwegs nach Dinigat, einer Insel am östlichen Ende von

Mindanao. Auf dieser Fahrt segelten wir südlich von Leyte an

Binit Point vorbei. Und gerade dort platzte das Groß wieder –

nicht nur an einer Naht, die ich schon vorher geklebt hatte,

sondern gleich großflächiger. Fallwinde von den Bergen hatten

den Nordost-Monsun kurzweilig verstärkt und dem altersschwachen

Segel den Gnadenstoß versetzt. Es war meine Schuld:

Hätte ich mich von den steilen Klippen einige Meilen ferngehalten,

wäre es nicht passiert. Aber ich wollte keine Höhe

verschenken, aus Erfahrung wusste ich, dass uns die starke

Strömung in der Surigao-Straße um 30 bis 40° nach dem Süden

versetzen würde. Egal wie – das Segel musste sofort runter, ehe

es sich noch mehr auflöste, und unter Fock und Klüver segelten

wir weiter.

Willi suchte immer etwas, das er

reparieren oder verbessern könnte

32 OCEAN7 06/2016 | November/Dezember 2016


Wolfgang Hausners Gäste

2 3

4 5

Mit an Bord waren Manuela und Willi aus Wien, die bereits

zum fünften Mal zu Besuch waren. Willi meinte: „Das ist kein

Problem, das reparieren wir am nächsten Ankerplatz.“ Diesen

fanden wir in einer malerischen Bucht auf der Insel Unib.

Über dem weißen Strand wiegten sich die Palmen, senkrechte

Klippen stiegen dahinter in die Höhe, von wo auch Fisch adler

ihre Rundflüge starteten. Willi übernahm die Reparatur, er war

Tapeziermeister an der Wiener Volksoper gewesen und ich

konnte ihm da wenig reinreden, nur mithelfen.

Die wieder aufgegangene Naht und die anderen Risse mussten

genäht werden, kleben ging nicht mehr, da der Härter hart

wie Stein war. Bald war Willi im Segel begraben, während ich

außen stand und wir abwechselnd die Nadel durch die alten

Löcher der Naht stießen. Das dauerte natürlich Stunden, Willi

schwitzte sich zu Tode, während ich es draußen luftiger hatte.

Manuela sagte mir, wenn Willi einmal eine Arbeit angefangen

hat, gibt es keine Pause, bis er fertig ist.

Außerdem sucht er sich immer etwas, das er reparieren oder

verbessern könnte. Bei einem vorherigen Besuch spleißte er

das 8-kardelige Ankerseil in die 10 mm-Edelstahlkette, diese

Kombination lief dann nahtlos über die Kettennuss des elektrischen

Ankerspills und erleichterte das Anker-auf-Manöver. Ein

anderes Mal mussten wir den Motor des Ankerspills ausbauen

und da war es auch Willi, der eingeklemmt in dem engen

Kettenkasten mit dem schweren Teil kämpfte. Als ich das später

einmal selbst tun musste, schätzte ich Willis Bemühungen

umso mehr. Von dem ausgerissenen Auge der Genua möchte

ich gar nicht reden, das war eine Kleinigkeit für ihn, er hatte ja

immer seine Nadeln und anderes Werkzeug mit. Mit anderen

Worten: Gäste wie Willi kann man sich nur wünschen!

1 Auf Kollisionskurs mit einem windschiefen Haus auf See südlich von Bohol.

2 Vaitea und Loida verstanden sich auf Anhieb an Bord der Taboo III.

3 Loida und die guten Gäste Andre, Wolfgang, Anita, vorne Ernie und Robert.

4 Gäste an Bord, Gäste im Wasser: Auch Delfine besuchen uns gerne.

5 Willi, vormals Tapezierer an der Wiener Volksoper, beim Segelnähen.

© Yachtfilm.com

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ServiceNews

Die ganze Welt des Wassersports –

auf der Boot Tulln 2017

Seit 46 Jahren gibt die Messe-Metropole Tulln die Kulisse für die Austrian

Boat Show. Über 48.000 Besucher pilgerten im Vorjahr in die Stadt an

der Donau, 2017 hat sich die Messe Tulln höchste Ziele gesetzt.

Große Yachten, kleine Jollen, aktuelle Trends und viele Produktneuheiten

rund um den Tauchsport, Bootsausrüstungen der

neuesten Generation, maritime Serviceleistungen und Infos über

die schönsten Destinationen rund um den Globus – das Leistungsspektrum

der Boot Tulln wird 2017 noch breiter gefächert

sein. Die Location für die größte Bootsmesse Österreichs hat

ein Facelifting bekommen: Die Messehalle 3 – Ausstellungszentrum

für Motorboote, Motoryachten und Elektroboote – beherbergt

nun auch das neu gestaltete Messerestaurant und ein

Tagungszentrum für moderne Infotainmentshows.

Als Highlight wird die Niederösterreich-Halle auch heuer

wieder Segelyachten mit bis zu 50 Fuß Länge beherbergen,

aber auch für Daysailer und Multihulls genügend Platz bieten.

Zur besseren Übersicht wird die Boot Tulln 2017 in sechs

Kompetenzzentren gegliedert sein:

1. Segeln: Segelyachten, Segelboote,

Katamarane,Trimarane, Jollen, Ausbildung

2. Motorboote: Motoryachten, Motorboote,

Elektroboote, Schlauchboote, Ausbildung

3. Tauchen: Ausrüstung, Reviere, Reisen,

Ausbildung, Unterwasserfotografie

4. Paddeln: Kajaks, Kanus, Stand Up Paddling

5. Tourismus: Infos Wassersport-Destinationen,

Marinas, weltweite Charter-Angebote

6. Zubehör: Bootsausstattung, -ausrüstung, Bekleidung

Messedirektor Mag. Thomas Diglas: „Als Veranstalter der

größten und vielfältigsten Boots- und Wassersportfachmesse

in Zentral- und Osteuropa haben wir unsere Ziele für 2017

hoch angesetzt. Unter dem Motto Wassersport Total bietet

die Messe Tulln die optimale Plattform für den kompletten

Marktüberblick.“

Austrian Boat Show –

Boot Tulln

2. bis 5. März 2017

Eintrittspreise

Erwachsene

13 Euro

Senioren- und Studentenkarte 11 Euro

Jugendkarte (6–15 Jahre) 3 Euro

Kinder bis 6 Jahre

Eintritt frei

Gruppenkarte (ab 20 Pers.) 11 Euro

Öffnungszeiten

Donnerstag, 2. bis Sonntag, 5. März 2017,

10.00 bis 18.00 Uhr

Infos und ermäßigte Tickets unter www.boot-tulln.at

34 OCEAN7 06/2016 | November/Dezember 2016


Tea Time

Hurra, das erste rutschfeste Bootsporzellan ist da!

Für festen Halt bei Wind oder Welle sorgt der für das

Auge beinahe unsichtbare transparente Magic-Grip-Reif,

der fest mit dem Porzellanboden verbunden ist.

Positiver Nebeneffekt: das Geschirr ist spülmaschinenfest,

wie der deutsche Hersteller Kahla versichert.

Die Sets werden in zwei maritimen Designs und in Weiß

angeboten, das 14-teilige To-Go-Basisset für zwei Personen

besteht aus je zwei Henkelbechern, Kaffeetassen,

Snack-, Kuchen-, Pasta- und Esstellern sowie zwei

Mini-snacktellern, die auch als Deckel oder Untertassen

genutzt werden können. Natürlich alles stapelbar, so

wie es sich nun einmal für Bootsgeschirr gehört.

www.kahlaporzellan.com

Safety first

Checkpoint

Geschwindigkeit, Wassertiefe, Windstärke …, mit der

quatix 3 von Garmin hat man alles stets im Blick – und zwar

von überall an Bord. Die Marineuhr fungiert dabei einfach als

tragbares Instrument, das NMEA 2000-Daten von kompatiblen

Garmin-Geräten anzeigt. Segelsportler werden auch die

speziellen Regattafunktionen wie virtuelle Startlinie, Wende-

Assistent und Wettkampf-Timer zu schätzen wissen.

Die richtungsweisende Watersports-Smartwatch im edlen

Design überzeugt aber nicht nur mit Boots-, Segel- und Angel-

Features und vielen weiteren vorinstallierten Marinefunktionen.

Sie begleitet das Herrchen gerne auch beim Laufen, Radfahren,

Schwimmen oder Golfen.

www.garmin.de

Arbeiten unter extremen Bedingungen

am oder auf dem Wasser erfordern

auch extrem sicheres und zuverlässiges

Arbeitsmaterial. Dazu zählen z. B.

die Rettungswesten aus dem traditionsreichen

Hause Secumar, deren innovative

Produkte auch im Deutschen Museum in München ausgestellt

sind. Soeben auf den Markt gekommen ist die neue Rettungsweste

Golf 275 neon mit extrem reiß- und abriebfester Schutzhülle, die

abwischbar und daher leicht zu reinigen ist. Damit der Tragekomfort

nicht zu kurz kommt, wurde im Halsbereich ein Materialmix

aus weichem Polyamidgewebe integriert. Die leuchtend neongelbe

Farbe ist kein Modetrend, sondern dient der besseren Sichtbarkeit

auch unter widrigsten Sichtverhältnissen.

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36 OCEAN7 06/2016 | November/Dezember 2016


Seeschifffahrtsgesetz

Fotos: Shutterstock

Bereits 2012 wurde das Seeschifffahrts -

gesetz vom österreichischen Verkehrsministerium

geändert. Eines der Ziele war

damals, neben MSVÖ und ÖSV auch anderen

Prüfungsorganisationen die Abnahme von

Sportbootführerscheinprüfungen See zu

ermöglichen. Festgelegt wurde, dass alle

Prüfungsorganisationen zusammenarbeiten

und dem Bundesministerium für Verkehr,

Innovation und Technologie jährlich berichten

sollten. Falls dies nicht geschehe, was

einige Pessimisten auch von Beginn an

erwartet hatten, werde vom Ministerium

eine einheitliche Prüfungsordnung erlassen.

An deren Ausarbeitung wurde ab Ende

2014 gearbeitet. Einer der Hauptpunkte

des Entwurfes war „… wie Österreicherinnen

und Österreichern ein leichterer Zugang zur

Jachtführung ermöglicht, im Wesentlichen

die Ablegung einer Schiffsführerprüfung

vor Behörden eines anderen Staates und

in einer anderen Sprache erspart werden

könne“ (Quelle: ProJacht_Erläuterungen des

Bundesministeriums, 12/2014).

Doch was ist nun aus den hehren Plänen des

Ministeriums geworden?

OCEAN7 hat dort nachgefragt, wo die

Umsetzung erfolgen und die Erleichterung

spürbar geworden sein sollte, bei DI Harald

Melwisch – langjähriger Prüfungsreferent

des MSVÖ und Präsident des King Yachting

Clubs, also bei einem Profi, der mit der

segelnden und Motorboot fahrenden Basis in

engem Kontakt steht und täglich spürt, was

Wassersportler bewegt.

?

Wer will sich da noch

prüfen lassen

November/Dezember 2016 | OCEAN7 06/2016 37


OCEAN7Service

OCEAN7: Herr Melwisch, was waren Ihre

ersten Gedanken, als sie von der Ziel -

setzung des Ministeriums hörten?

H. Melwisch: Ich war begeistert. Mir schien es damals so,

dass das Verkehrsministerium seinen Auftrag verstanden hatte

und der „Bootsführerscheintourismus“, der für Österreich ein

Problem darstellt, endlich eingedämmt werden würde.

Österreich hat höhere

Anforderungen als Deutschland?

Ja, unglaublich, aber wahr. So müssen beispielsweise bei uns die

Prüflinge für den Fahrtenbereich 2 nun auch nicht mehr wie

früher 500 sm nachweisen, sondern 500 sm auf einem Segelboot

(unwichtig, ob unter Segeln oder Maschine) und 100 sm auf

einem Motorboot. Zusammen also 600 sm. Im Vergleich dazu

werden für den deutschen SKS für Motor- und Segelboote (inklusive

International Certificate) nur 300 sm auf einem Segelboot

verlangt. Im Fahrtbereich 3 sieht es noch viel schlimmer aus.

Hier wurden bis zum vergangenen Jahr 1.000 sm als Erfahrungsnachweis

verlangt. Jetzt müssen 1.500 zurückgelegte Seemeilen

auf einem Segelboot und zusätzlich noch 900 sm auf einem

Motorboot nachgewiesen werden. Und als ob das nicht schon

mehr als genug wäre, muss ein Schlag mindestens 50 Stunden

lang gewesen sein, bevor man zur Prüfung antreten kann. Das

ist doch total unverhältnismäßig! Das gibt es in keinem anderen

Land, nur in unserer schönen Alpenrepublik ohne Meerzugang.

Was ist dann geschehen?

Es wurde zwar eine einheitliche Prüfungsverordnung verabschiedet,

aber die Anforderungen sowohl an die Prüflinge als

auch an die Prüfer wurden dabei so stark angehoben, wie es in

keinem anderen Land der Fall ist. Mit dieser Verordnung werden

österreichische Wassersportler geradezu aufgefordert, ihre

Scheine im benachbarten Ausland zu machen.

Können Sie

unseren Lesern

vielleicht ein oder

zwei Beispiele

nennen?

Für eine Prüfung zum österreichischen

International

Certificate für Motorund

Segelboote müssen

zwei Praxisprüfungen abgelegt

werden – eine auf

einem Motorboot, eine auf

einem Segelboot. Dabei

müssen 71 von 71 möglichen

Punkten geprüft

werden (!). Bis 2015 war

es üblich, so wie in anderen

Ländern auch, dass

Motorbootmanöver auf einem Segelboot unter Motor geprüft

werden, was die Prüfung wesentlich vereinfacht. Dagegen dürfen

in Deutschland z. B. für den SKS für Motor- und Segelboote

(inklusive International Certificate) Motorbootmanöver auf einem

Segelboot unter Motor geprüft werden, es werden 13 Punkte von

25 möglichen geprüft.

Eine Erleichterung ist da wirklich nicht

zu sehen. Aber wie sieht es mit den

Prüfern aus? Hat sich da etwas zum

Besseren gewendet?

Da braucht man eigentlich nur ein „Salzbuckel“ zu sein, also

genug Seemeilen gesammelt haben, sonst nichts. Allerdings wird

auch in diesem Bereich wesentlich mehr verlangt als bisher.

Waren es vor einem Jahr

noch 5.000 sm, so muss

ein Prüfer für FB3 jetzt

10.000 sm auf einem Segelboot

und 7.000 Seemeilen

auf einem Motorboot

zurückgelegt

haben. In Deutschland

muss ein Prüfer „geeignet

und zuverlässig

sein“ und die Prüfungsvorschriften

kennen, in

Österreich muss nur die

„Eine neue Prüfungsordnung

muss her.“

DI Harald Melwisch, MSVÖ-Prüfungsreferent

Summe der Seemeilen

stimmen.

Das hört sich

nicht nach Fortschritt

an.

Nein. Es sieht vielmehr so aus, als habe das Verkehrsministerium

seinen Auftrag vollkommen missverstanden und mit einer gemeinsamen

Prüfungsordnung auch gleich noch die Anforderungen

maßlos überzogen.

Sieht es so aus oder ist es tatsächlich so?

Das viel zu hohe Anforderungsniveau liegt auf der Hand. Doch

sieht es ganz so aus, als ob das Verkehrsministerium nicht selbst

an der Ausarbeitung der „Yachtführung-Prüfungsordnung 2015“

beteiligt war. Jedenfalls bestreiten die Beamten der obersten

Schifffahrtsbehörde, dass der absurde Kriterienkatalog auf ihrem

Mist gewachsen sei. Es muss also Hintermänner gegeben haben,

die entweder den Auftrag falsch verstanden haben, oder denen

daran gelegen war, die Anforderungen so schamlos zu erhöhen.

Sie wissen also, wer …?

Ich weiß jedenfalls von Dokumenten, die es schon vor der

Veröffentlichung der neuen Prüfungsordnung gab und an das

38 OCEAN7 06/2016 | November/Dezember 2016


Seeschifffahrtsgesetz

Herrn Schnabls Schreibtisch aus ans Ministerium geschickt wurden

– oder zumindest mit seiner Kenntnis.

Können Sie erklären, warum gerade diese

Ausarbeitungen in die neue Prüfungsordnung

übernommen wurden? Es sollen ja auch

andere Vorschläge beim Ministerium

eingegangen sein.

Für mich gibt es in dieser Sache zwei Indizien: Zum einen hatten

die zuständigen Beamten kaum bis gar kein Mitspracherecht. Aus

Äußerungen von Beamten mir gegenüber lässt sich nur vermuten,

dass hier Einfluss von „oben“ genommen wurde. Zum anderen hat

der ehemalige Bundeskanzler Werner Faymann 2014 seinen Segelschein

bei der Segelschule Hofbauer gemacht. So ein Zufall – meinen

Sie nicht?

Ministerium gingen. Es handelte sich dabei um eine Auflistung

der erhöhten Anforderungen an Prüflinge und

Prüfer, geschrieben von Peter Schnabl. Ich weiß allerdings

nicht, ob Herr Schnabl diese Zusammenstellungen als

Kompagnon des Herrn Gießler von der Segelschule Hofbauer

oder als Mitglied der Wassersport Schulvereinigung

Österreichs (WSVO) geschrieben hat. Außerdem gibt es

vom Mai 2015 noch eine Praxis-Checkliste, die der Anlage

3b der Prüfungsordnung entspricht. Als Autor wird von

Schnabl der Herr Fritz Pohle genannt.

Und wie geht es nun weiter? Gibt es Ihrer

Meinung nach eine Möglichkeit, um das Prüfungswesen

in Österreich wieder in richtige

Bahnen zu lenken?

Ich möchte den neuen Bundesminister Jörg Leichtfried bitten, sich

genau anzusehen, was da gelaufen ist. Denn diese Vorgänge haben

dem österreichischen Yachtsport und seinem Ansehen im In- und

Ausland sehr geschadet – und tun es noch immer. Dann müsste

nachgebessert bzw. überhaupt eine neue Prüfungsordung erlassen

werden, die dem ursprünglichen Ziel dient, den Österreicherinnen

und Österreichern einen leichteren Zugang zu Yachtprüfung im

Heimatland zu ermöglichen und dabei dem internationalen Standard

zu entsprechen. Die überzogenen Anforderungen müssen

wieder zurückgenommen werden, sonst wird niemand mehr in

Österreich eine Prüfung für den Yachtsport ablegen und der Run

auf das kroatische Küstenpatent und den deutschen Sportbootführerschein

See wird eine noch nie dagewesene Renaissance erleben.

Wir wollten von Anfang an genau das Gegenteil erreichen.

Herr Melwisch, vielen Dank

für das Gespräch.

Frühbucher Preise

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Foto: Tahsin Özen (1)

Wie kommen Sie an diese Dokumente?

Herr Schnabl hat sie Anfang Mai 2015 an den MSVÖ geschickt

mit der Frage, ob dieser damit einverstanden sei.

Klingt doch nach fairer Rücksprache …

Ja, aber der MSVÖ war mit der extremen Erhöhung der

Prüfungsanforderungen in keinster Weise einverstanden

– und dennoch sind die Dokumente ans Ministerium

gegangen. Daraus kann man ja nur noch schließen, dass

die Dokumente ohne Einverständnis des MSVÖ von

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3x Türkei

Griechenland

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November/Dezember 2016 | OCEAN7 06/2016 39


OCEAN7Service

40 OCEAN7 06/2016 | November/Dezember 2016


Gute Kontakte auf hoher See

In Österreich ist es mittlerweile zur Selbst -

verständlichkeit geworden, dass jedes Haus

Breitbandanschluss hat. Auch unterwegs sind

Herr und Frau Österreicher (und ihre Sprösslinge)

mittels Smartphone immer und überall online,

auf Facebook wird jede Kleinigkeit des Lebens

via www gepostet, Google steht bei Unklarheiten

prompt mit Antworten bereit und auch riesige

Dokumente können schwuppdiwupp hoch- und

runtergeladen werden. Als Langfahrtsegler leben

wir im Vergleich dazu noch immer im finsteren

Kommunikationsmittelalter.

Text: Birgit Hackl und Christian Feldbauer

Fotos: Christian Feldbauer, Angus MacFeeley

Neben klassischem Sprachfunk über Kurzwelle beschränkt sich

unsere Kommunikation hauptsächlich auf das Empfangen von

Wettervorhersagen, rudimentärem E-Mail-Verkehr (nur Text),

und eventuell dem Publizieren kurzer Blogeinträge. Größere

Dokumente (wie z. B. diesen Artikel hier) können wir nur

versenden, wenn wir gerade vor einer Stadt vor Anker liegen

und mit etwas Glück Wi-Fi finden. Selbst dann dauert es oft

Stunden, bis alle Fotos hochgeladen sind – besonders ärgerlich,

wenn dann bei 99 % doch wieder die Verbindung versagt.

Mit viel Geduld und mehreren Anläufen klappt’s aber doch

meist und es findet wieder ein Bericht von Pitufa unterwegs

den Weg in die OCEAN7-Redaktion.

Praktisch jede Yacht hat ein UKW-Funkgerät (englisch VHF),

denn so ein Gerät ist unabdinglich zum Hören oder (Klopfauf-Holz)

Senden von Notrufen und Kommunikation mit feindlichem

Schiffsverkehr in brenzligen Situationen („Big Ship, Big

Ship, we‘re on a collision course“). Im Alltag verwenden wir

das UKW-Gerät hauptsächlich, um mit anderen Seglern zu

tratschen, aber auch um tägliche Wetterdurchsagen oder Warnungen

und Info der Küstenwache auf Kanal 16 zu hören.

UKW-Funk funktioniert aber nur über kurze Distanzen, schon

nach wenigen Seemeilen oder auch hinter einem hohen Berg

wird das Funksignal zu schwach. In besiedelten Buchten und

nahe der Küste kann man via Handy die Mobiltelefon-Netze

nutzen. Bleibt man länger in einem Land, ist es ratsam, sich

lokale SIM-Karten für Handy und UMTS/HSPA-Modem (z. B.

USB-3G-Datastick fürs Notebook) zu besorgen. Führt der Törn

über den Atlantik, stellt sich beim euphorischen Ankunfts-Blog

allerdings schon ein Problem: Amerika und Europa verwenden

unterschiedliche GSM-Frequenzen. Quadband-Geräte sollten

weltweit funktionieren (Triband nur eingeschränkt).

Auf Datenfang mit dem Laptop. Leider lässt

die Daten-Geschwindigkeit vielerorts sehr zu wünschen übrig,

sodass Surfen im Internet zum Geduldsspiel wird. 3G-Netze

findet man abseits der westlichen Welt nur in größeren Städten,

abseits davon oft nur 2G (EDGE) oder gar kein Netz. Am

besten legt man sich eine Zeitung neben den Laptop, denn bis

eine Seite aufgeht, kann schon einmal eine Viertelstunde vergehen.

Geht gar nix mehr, hilft es manchmal, den Laptop aufs

Bimini zu stellen oder über Kopf nach verschiedenen Seiten

auszurichten. Verzweifelte, kommunikationshungrige Cruiser

wurden auch schon dabei beobachtet, wie sie den Laptop im

Dinghi auf der Suche nach dem fehlenden Empfangsbalken

spazieren fuhren (Achtung, Spritzwassergefahr!). Eine schlechte

Verbindung ist besonders in Kombination mit deftigen Preisen

ärgerlich (wie z. B. hier bei uns in Französisch-Polynesien)!

auf Langfahrt

November/Dezember 2016 | OCEAN7 06/2016 41


OCEAN7Service

Bad boy, bad boy! Geht man in der Nähe von Städten

vor Anker, kann man auch deren Wi-Fi-Hotspots verwenden.

Marinas (wenn vorhanden) und populäre Ankerbuchten

werden oft mit Wi-Fi versorgt. Eine Verstärkerantenne an Bord

hilft, auch schwache bzw. weiter entfernte Hotspots verwenden

zu können. Auf Pitufa fährt seit vier Jahren ein „Bad Boy“

mit, dessen Antenne wir im Buchtmodus mit einem Fall ins

Rigg hochziehen. Vor Törns bauen wir das Gerät wieder ab.

Es gibt mittlerweile auch schon Kombinationen, die Verstärkerantennen

für Wi-Fi und Mobiltelefon-Netze in einem Gerät

bieten (z. B. „The Wirie pro“, www.thewirie.com).

Eine traditionelle Kommunikationsmethode für Seefahrer ist

das Kurzwellenfunkgerät (englisch Single-Sideband oder SSB),

das Sprachkommunikation über weite Distanzen ermöglicht.

Wir haben gute Erfahrungen mit unserem Yaesu FT-857, einem

relativ günstigen und kompakten Gerät, das in Kombination

mit einem CG3000-Automatik-Tuner eine ausgezeichnete

Funkqualität bringt. Früher hatten wir ein isoliertes Achterstag

als Antenne, beim Austauschen des Stags entschieden wir uns

aus Kostengründen gegen Isolatoren im Stag (somit nur zwei

statt sechs Terminals) und spannten stattdessen einen separaten

Antennendraht vom Geräteträger zur Mastspitze, die Qualität

blieb gleich. Man sieht auch immer wieder einige Boote

mit langen Peitschenantennen.

Fahrtenseglerrunden treffen sich in SSB/HAM-Nets (Funkrunden

zu bestimmten Zeiten auf bestimmten Frequenzen), um

auf Törns Informationen zu Wetter, Seegang, Strömungen etc.

auszutauschen. Wegen der täglichen Angabe von Position samt

Kurs und Geschwindigkeit stellen diese Funknetze auch einen

gewissen Sicherheitsfaktor dar. In manchen Segelrevieren gibt

es dauerhaft Funkrunden, die dann weniger formell vonstatten

gehen und eher Plauderstunden mit eingestreuter Info zu Ankerplätzen

(Wetter, wie viele Boote etc.) gleichen. Zeiten und

Frequenzen dieser Funkrunden findet man in Cruising Guides

oder man fragt alte, hängengebliebene Hasen. In Kombi nation

mit einem Paktor-Modem (leider fast so teuer wie das SSB-

Funkgerät) ermöglicht SSB weltweiten E-Mail-Verkehr.

Starke Kontakte auf hoher See. Winlink ist

ein Netzwerk von Amateurfunkstationen (Amateurfunklizenz

erforderlich!), der Account und die Nutzung ist kostenlos.

Unglaublich, aber wahr: Private, Vereine und mancherorts

Navy-Basen bauen aus technischem Interesse in Verbindung

mit viel Philanthropie Riesenanlagen samt rotierbaren Richtantennen

und stellen diese gratis für weltweite Nutzer zur

Verfügung. Sie reihen oft gleich mehrere Funkgeräte und

Paktormodems aneinander, um gleichzeitig Verbindungen auf

mehreren Frequenzen zu ermöglichen. Als Nutzer hat man

eine lange Liste mit Stationen rund um den Globus und deren

Frequenzen zur Auswahl.

1

Datenrate: 3 bis 8

Fernab der Zivilisation und auf hoher See ermöglicht dieses

tolle Service Fahrtenseglern eine Verbindung zur Außenwelt.

Man ruft via Paktormodem die nächste oder am besten funktionierende

Station (in Polynesien ist das zurzeit eine Navy-

Basis auf Hawaii, Rufzeichen KH6UL und KH6SP) und sendet

an diese (bzw. empfängt von dieser) E-Mails. Die Station ist

mit dem Internet verbunden und leitet Anfragen an die betreffenden

Stellen weiter. Die Übertragung ist allerdings sehr

langsam, die geringe Datenrate (in der Praxis 3 bis 8 kBytes/

Minute) ermöglicht nur das Senden/Empfangen von Text-

E-Mails, was man auch berücksichtigen sollte, wenn man von

4

42 OCEAN7 06/2016 | November/Dezember 2016


Gute Kontakte auf hoher See

2 3

kb pro Minute …

zu Hause aus an eine Yacht auf großer Fahrt schreibt: Bitte

niemals Fotos und größeren Anhänge an eine Winlink-Adresse

schicken!

Ein sehr praktisches Service ist Saildocs. Via E-Mail fordert man

bestimmte Wettervorhersagen oder gar beliebige Web-Sites

(bzw. deren Text-Inhalt) an. Wetterberichte empfangen wir in

Form von Textbulletins und Grib-Files (letztere ca. 10 bis 20

kB, also mehrere Minuten Übertragungszeit).

Weiters gibt es Services, die es uns ermöglichen, via Paktor-E-

Mail Zugriff auf „normale“ E-Mail-Accounts (z. B. Google oder

Yahoo) zu erhalten oder Nachrichten in Kurzform (RSS-News-

Feeds) zu lesen. Um einen neuen Eintrag (eventuell mit Positionsbericht)

auf unserem Blog (www.de.pitufa.at) zu schreiben,

müssen wir nur ein (Paktor-)E-Mail einsenden und so

können wir auch unterwegs regelmäßige Updates auf unserer

Homepage veröffentlichen. Segler, die keine Amateurfunklizenz

haben, finden mit SailMail ein weiteres Netzwerk aus

weltweiten Paktor-Funkstationen. Dieses läuft auf Marinefunkfrequenzen

(Schiffsfunk-Lizenz) und ein Account kostet 275

USD jährlich. Für Kurzwellenfunk (und somit auch für Winlink

oder SailMail) braucht man schon beim Einbau und Set-up

einiges an technischem Fachverständnis. Das tägliche Einwählen

bei einer gewissen Station funktioniert aufgrund der Natur

der Kurzwellenausbreitung nur während kurzer Zeitfenster

(abhängig von Sonnenaktivität, Tages- und Jahreszeit), manchmal

auch gar nicht.

Das Satellitentelefon als Modem. Wer sich

nicht mit Amateurfunkkursen und Wellenausbreitung auseinandersetzen

möchte, kann mittels Satellitentelefon den Kontakt

zur Außenwelt aufrecht erhalten. Verschiedene Provider bieten

Dienste für unterschiedliche Ansprüche. Iridium bietet eine

globale Abdeckung, die Geräte sind allerdings nicht ganz

billig (700 bis 1.000 USD) und dann zahlt man noch zusätzlich

für Wertkarten (ca. 700 USD für 500 Minuten, gültig für ein

Jahr). Globalstar funktioniert nur entlang von Küsten (keine

Ozean-Abdeckung). Falls man in der Karibik oder entlang der

Kontinente unterwegs ist, ist dieser Anbieter eine günstigere

Alternative als Iridium. Satellitentelefone können auch per

USB-Kabel am Laptop angeschlossen und als Modem verwendet

werden. Das neuere Iridium GO! erzeugt einen lokalen

Wi-Fi-Hotspot für die Verwendung mit Smartphones. Leider ist

auch die Iridium-Technologie relativ veraltet und die Datenrate

ist mit maximal 18 kBytes/Minute nicht sehr viel größer als bei

Kurzwelle+Paktor, dafür funktioniert die Datenübertragung

rund um die Uhr. Inmarsat bietet globales Breitband-Internet

an, erfordert aber spezielle, relativ große Antennen und ist

wegen der stolzen Preise eher für die kommerzielle Schifffahrt

oder Superyachten gedacht.

Wir kennen Segler, die ganz auf Kommunikation unterwegs

verzichten, denn die Chance auf Kontakt mit der Außenwelt

bringt auch die Verpflichtung, sich regelmäßig zu melden. Das

nimmt dem Leben unter Segeln ein wenig den Hauch von

Freiheit und Romantik, doch tägliche Wetterberichte bringen

im Gegenzug einiges an Sicherheit und regelmäßige E-Mails

und Blogeinträge sparen den Daheimgebliebenen unnötige

Sorgen. Dafür opfern wir gern eine Viertelstunde pro Tag,

lauschen dem kryptischen Singen, Heulen und und Krachen

im Äther und senden aktuelle Erfahrungsberichte aus der

Südsee an alle da draußen, die‘s interessiert. Nachzulesen auf

unserem Blog www.de.pitufa.at.

1 Die Station mit dem Rufzeichen KH6UL auf Hawaii ist

Pitufas wichtigste Verbindung zur Außenwelt.

2 Kontaktfreudiger Equipmentschrank der Winlink-Station auf

Hawaii – ein tolles Tool auf Langfahrt.

3 Die Station auf Hawaii ist vollautomatisiert, solarbetrieben und

mit dem Internet verbunden.

4 Auch abgelegene Insulaner (hier Inmarsat auf Maupihaa) halten

via Satphone den Kontakt aufrecht.

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Als „Flaggschiff“ wird üblicherweise das Führungsschiff eines

Flottenverbandes bezeichnet. Auch das größte Schiff einer Flotte oder

Reederei wird so genannt. Ganz allgemein dient der Begriff „Flaggschiff“

als Synonym für herausragende Produkte oder Unternehmungen.

In unserem Fall sprechen wir von ganz besonderen Meeresbewohnern.

Text und Fotos: Dr. Reinhard Kikinger


Flaggschiff-Arten

Flaggschiff

Arten

Schutzschirm für Lebensräume

2

Mantas, Meeresschildkröten, Haie und einige weitere spektakuläre

Meeresbewohner werden oft als marine Flaggschiffarten

oder „Flagship species“ bezeichnet. Sie stechen

wegen ihrer Größe und Popularität aus der Fülle der marinen

Fauna hervor, lokal sind sie für den Tauchtourismus

von großer wirtschaftlicher Bedeutung. Ihr Schutz spannt

im besten Fall einen Schutzschirm über sämtliche Mitbewohner

ihres Lebensraums, indem zum Beispiel ein

Korallenriff oder eine große Meeresbucht komplett

unter Schutz gestellt werden. Diese Schutzschirm-

Funktion, ökologisch wichtig und ökonomisch

sinnvoll, verleiht diesen „Flagship species“ die

zusätzliche Bezeichnung „Umbrella species“.

1 Der Flottenverband besteht hier aus Pilotfischen aus der Familie der

Stachelmakrelen und dem Flaggschiff namens Manta alfredi. Mantas

und weitere spektakuläre Meeresbewohner werden „Flagship-“ oder

„Umbrella Species“ der Ozeane genannt. Wie diese Bezeichnung zu

verstehen ist, wer dazu gehört und welche Aufgaben diese Arten

erfüllen, diskutiert dieser Beitrag.

2 Voller Erwartung. Das Safariboot hat den Motor abgestellt und schaukelt

vor dem Strand einer unbewohnten Malediveninsel. Die Gruppe von

Schnorchlern ist bereits im Wasser und erwartet gespannt die

Begegnungen, die sich am Außenriff des Atolls ergeben könnten.

November/Dezember 2016 | OCEAN7 06/2016 45


OCEAN7Service

1 2

Mantas. Die Begegnung mit diesen Riesen -

rochen wünschen sich die meisten Taucher

und Schnorchler. Dafür gibt es mehrere Gründe:

Mantas sind groß, elegant, oft nahe der Wasseroberfläche,

harmlos, langsam schwimmend und meistens

auch nicht scheu. Sie eignen sich daher

hervorragend als Fotomotiv. Die sogenannten

„Manta Points“, wo sich mit großer

Wahrscheinlichkeit Mantas aufhalten,

sind höchst beliebte Ziele von Tauch- und

Schnorchel-Safaris. Allerdings gilt auch hier: Nur ein

gründliches Briefing an Bord zum richtigen Verhalten

unter Wasser garantiert, dass der „Manta Point“ auch ein solcher

bleibt. Wenn die Springer von Bord laut klatschend neben

den Tieren landen anstatt leise in das Wasser zu gleiten, wenn

3

4

Die riesigen Mantas ernähren

sich von winzigem Plankton

46 OCEAN7 06/2016 | November/Dezember 2016


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Schnorchler mit rekordverdächtiger Flossen-

Schlagzahl hinter den Mantas herjagen anstatt ruhig

an der Oberfläche treibend die Tiere zu beobachten, wenn

Taucher hektisch herumfuchteln oder versuchen, die Mantas zu

berühren – dann haben sie es geschafft, die Mantas zu verjagen und

haben sich selbst um das ersehnte Vergnügen gebracht. Ruhiges Verhalten,

respektvoller Abstand und Einfühlung in die Lebenswelt der Tiere sind ganz allgemein

die Schlüssel, um Manta und Co. ausgiebig beobachten und fotografieren

zu können, ohne sie zu stören. Bei Tauchgängen an Korallenriffen ist es meistens

der Riffmanta Manta alfredi, der uns begegnet. Er kann Spannweiten bis zu vier

Meter erreichen. Noch größer wird der Ozeanische Manta Manta birostris, der

sich eher in den Weiten des offenen Ozeans aufhält. Aber auch er kommt an die

Riffe zu sogenannten Putzerstationen, um durch Putzerfische von Parasiten befreit

zu werden. Die beiden Manta-Arten unterscheiden sich nicht nur durch ihre Größe,

sondern auch durch ihre Zeichnung an Dorsal- und Ventralseite und durch die

Art der begleitenden Schiffshalter.

Haie. Sie zählen zu den Ikonen der Meerestiere. Spätestens seit Hans Hass haben

sie nicht nur in Österreich ein legendäres Image, für Hollywood dienen sie immer

noch als gewinnträchtige Hauptdarsteller in Gruselschockern. Dort ist es meist der

Weiße Hai, Carcharodon carcharias, der für klingelnde Kinokassen sorgt. Dieser

Art blickt man ja tatsächlich am besten aus einem Schutzkäfig ins Auge. Aber unter

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So wird die AASW 2017

Wiener Seglerfamilie in Kroatien

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OCEAN7 auf den Kapverden

Inseln der Sehnsucht

Mit News der Verbände YCA, MSVÖ und SFVS

Gutes noch

besser machen

Kampf um Gerechtigkeit

Fair Trade mit Tres Hombres

Auf alten

Segelrouten

Tender 06

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Cool Running

Mit News der Verbände YCA, MSVÖ und SFVS

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0 3 / 2 0 1 6 M a i / J u n i 4 , 5 0 E U R

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0 4 / 2 0 1 6 J u l i / A u g u s t 4 , 5 0 E U R

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0 5 / 2 0 1 6 S e p t e m b e r / O k t o b e r 4 , 5 0 E U R

Mit News der Verbände YCA, MSVÖ und SFVS

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Fahrtensegler berichten

Mit News der Verbände YCA, MSVÖ und SFVS

OVERBLUE 44 im Test

Alpe Adria Sailing Week 2016

Mit News der Verbände YCA, MSVÖ und SFVS

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Menschen im Hintergrund

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R40 Fly

Das nächste Level

So ankern wir sicher

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Grand Soleil 58

Die Wandelbare

Bitte melden!

Kommunikation auf Langfahrt

Mit News der Verbände YCA und MSVÖ

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Ausland zzgl. €

13,– Porto

1 Neugier. Mit etwas Glück sind Mantas an Tauchern und Schnorchlern interessiert und kommen zur

genaueren Inspektion der sonderbaren Besucher näher. Die Augen sitzen weit vorne seitlich am Kopf.

Während ich ihn fotografiere, mustert er mich aufmerksam.

2 Loopings. Um eine räumlich begrenzte Planktonwolke besonders effizient beweiden zu können, vollführen

diese beiden Mantas eine Serie von Loopings. Hier sind sie gerade im Übergang in die Rückenlage.

3 Ungeheuer elegant. Ein Manta schwebt die Küste entlang. Seine beiden Kopflappen sind eingerollt und

erinnern an Hörner. Das ist wohl der Grund, warum diese sanften Tiere in früheren Zeiten den Namen

Teufelsrochen erhalten haben.

4 Essenszeit. Mantas sind Planktonfresser. Im weit geöffneten Maul sind die Kiemenreusen zu sehen.

Die Kopflappen fungieren nun als Spoiler, die das planktonreiche Wasser in die Mundöffnung leiten.

5 Rendezvous. Mantas schließen sich bei verschiedenen Gelegenheiten zu größeren Gruppen zusammen:

an Putzer-Stationen, in reichen Weidegründen und wie hier zur Partnerwahl. Es ist ein Reigen mehrerer

Mantas zu sehen, in dem Männchen und Weibchen anmutige Kreise ziehen.

6 Unverwechselbar. Das Muster von dunklen Flecken an der hellen Bauchseite der Mantas ist

vergleichbar mit unserem Fingerabdruck. Jedes Individuum ist damit eindeutig identifizierbar.

abo@ocean7.at

www.ocean7.at


OCEAN7Service

1

Auch der Walhai ist ein

Plankton-Konsument

den hunderten Hai-Arten gibt es etliche, die ohne wesentliches

Gefahrenpotential von Tauchern und Schnorchlern an

ihren Urlaubsorten beobachtet werden können. Erhöhter

Pulsschlag ist auf alle Fälle bei der ersten Hai-Begegnung

garantiert, auch wenn der Hai nur einen Meter groß ist. Unter

Wasser sieht er ohnehin größer aus, und die Tatsache,

dass es ein Hai war, lässt ihn in der Erinnerung gleich nochmal

ein Stück wachsen. Nachdem viele Touristen diese eleganten

Raubfische in ihrem Lebensraum sehen wollen, sind

Riff-Haie vor den Resorts vieler tropischer Inseln und an

speziellen Tauchplätzen nicht nur geduldet, sondern erwünscht

und geschützt. Die daraus erzielten Einnahmen

durch den Tourismus sind die nachhaltige Alternative zu dem

zerstörerischen und brutalen Handel mit den Flossen der

Haie für Suppen.

nach Groß-fischen Ausschau hält. Der Napoleon ist stationär,

daher mit einiger Sicherheit in seinem Revier anzutreffen.

Neugierig und daher gut anzulocken, besticht er durch

seine Farbenpracht und entwickelt im Alter ein markantes

Kopfprofil. Mit bis über zwei Metern Körperlänge und

3

Napoleon-Fisch. Neben den großen

Zackenbarschen ist es vor allem der

Napoleon-Fisch, Cheilinus undulatus, der

das Herz jedes Unterwasserfotografen

höher schlagen lässt, wenn er

4

48 OCEAN7 06/2016 | November/Dezember 2016

2


Flaggschiff-Arten

5 6

massivem Körperbau zählt er zu den eindrucksvollsten Bewohnern

steiler Außenriffe. Er hat noch einen weiteren Vorzug, der

ihm jedoch zum Verhängnis wird: Er ist schmackhaft. Das ist der

Grund, warum seine Bestände in vielen Riffen stark zurückgehen.

Er wird gefangen und zu Spezialitäten-Restaurants vor allem in

Hongkong und Singapur exportiert, wobei der Lebendtransport

am gewinnträchtigsten ist. Dort kann der Gast, der es

offenbar nötig hat, unter verschiedenen Körperteilen des

lebenden Gefangenen wählen. Am teuersten und prestigeträchtigsten

sind die wulstigen Lippen des unglücklichen

Fisches. Auch in diesem Fall ist Tauch-Tourismus

eine alternative Einkunftsquelle, bei der der Fisch nicht

nur einmal, sondern jahrelang gewinnbringend und

umweltfreundlich genützt werden kann.

7

1 Sanfter Riese. Der Walhai, Rhincodon typus, ist mit bis zu zwölf Meter

Länge der größte aller Haie. Eine Begegnung mit ihm zählt zu den absoluten

Höhepunkten jedes Taucherlebens.

2 Schiffshalter. An der Flanke des Schwarzspitzen-Riffhais hat sich ein Schiffshalter,

Echeneis sp., festgesaugt und wird auf diese Weise ohne eigenen

Energieaufwand transportiert. Mit einer gefurchten Haftscheibe auf ihrem

Kopf saugen sich diese Fische an Haien, Rochen, Walen, Schildkröten und

versuchsweise auch mal an Tauchern fest.

3 Begleitschutz. Eine Schule junger Gold Stachelmakrelen, Gnathanodon

speciosus, findet im geöffneten Maul des Mantas Schutz vor Freßfeinden.

Diese sogenannten Pilotfische nützen den großen Begleiter zu ihrer eigenen

Sicherheit.

4 Wegwerf-Wirtschaft. Dieser Manta wurde von Fischern getötet und seine

Flossenspitzen wurden abgeschnitten. Sie dienen als Köder für den Fang

von Tigerhaien. Sollte ein Tigerhai an die Angel gehen, werden auch ihm die

Flossen abgeschnitten und für Haifischflossen-Suppe an den asiatischen

Markt verkauft.

5 Auf Patrouille. Zwei Schwarzspitzen-Riffhaie, Carcharhinus melanopterus,

patrouillieren das Riff entlang. Es sind zwei Weibchen, erkennbar an den

nicht vorhandenen Claspern der Bauchflossen.

6 Aristoteles‘ Irrtum. Das unterständige Maul der Haie führte zur irrigen

Annahme, dass sich Haie in Rückenlage drehen müssten, um zu fressen.

Durch die spätere Möglichkeit der direkten Beobachtung unter Wasser

wurde dieser Irrtum geklärt.

8

7 Charakterkopf. Der Napoleon-Fisch, Cheilinus undulatus, erreicht mit über

zwei Metern Länge eindrucksvolle Größen. Der ausgeprägte Stirnhöcker

adulter Tiere erinnert an den Napoleon-Hut des französischen Kaisers, daher

der deutsche Name dieses größten aller Lippfische.

8 Besucher kommen. Dieser Napoleon-Fisch erwartet schon die Taucher des

Safari-Bootes. Für ihn sind die Taucher eine willkommene Abwechslung.

Umgekehrt sind für die Taucher die großen Napoleon-Fische ein sehr

beliebtes Foto Motiv. Eine klassische Win–Win-Situation.

November/Dezember 2016 | OCEAN7 06/2016 49


OCEAN7Service

Schildkröten. Ich kenne niemanden, der Meeresschildkröten

nicht mag (ausgenommen manche Fischer). Jeder, der die

Babys beim Schlupf aus dem Nest und bei ihrer Wanderung zum

Meer gesehen hat, wird zum nachdenklichen Bewunderer dieser

Tiere. Nach langer und gefahrvoller Entwicklung im offenen Meer

kehren sie im Adult-Stadium an die Küsten zurück und dort haben

wir dann die Chance, gemeinsam mit ihnen zu tauchen und zu

schnorcheln. Sie zählen zu den absoluten Lieblingen der Urlauber

und der Schutz dieser devisenbringenden Reptilien ist daher auch

im Interesse von Reiseveranstaltern und Resort-Betreibern. Auch

hier gilt Ähnliches wie bei den voran gegangenen Beispielen: Der

Schutz der Flaggschiffarten generiert nachhaltiges und andauerndes

Einkommen. Dagegen ist ihre einmalige Verwendung als

Materiallieferant – sei es als Köder, als Luxusdelikatesse oder als

Schmuckartikel – nur kurzfristig möglich und führt im schlimmsten

Fall zum Kollaps des Bestandes.

1

2 3

Die Echte Karettschildkröte

verspeist gerne Schwämme

Literatur und Links

SPOTILA, J.R. (2004). Sea Turtles. A complete guide

to their biology, behaviour, and conservation.

The Johns Hopkins University Press and

Oakwood Arts. 227pp. ISBN 0-8018-8007-6.

50 OCEAN7 06/2016 | November/Dezember 2016

www.mantatrust.org

www.sharkproject.org

4

50 OCEAN7 06/2016 | November/Dezember 2016


Flaggschiff-Arten

1 Synchron-Schwimmen. Die beste Interaktion mit

Meerestieren ist berührungslos. Wenn die Tiere

keine Angst haben und die Menschen so wie diese

Freitaucherin über entsprechendes Wissen und

Können verfügen, dann sind gemeinsame Aktionen

wie diese möglich.

2 Kontaktfreudig. Wo Meeresschildkröten keine

schlechten Erfahrungen mit Menschen machten,

sind sie uns gegenüber nicht scheu und kommen

nahe an uns heran.

3 Gepanzert und doch verletzlich. Die Hornschuppen

der Echten Karettschildkröte, Eretmochelys

imbricata, sind für Schmuckartikel und

Gebrauchsgegenstände wie Brillenfassungen und

Kämme begehrt. Wir als Konsumenten haben die

Wahl, ob wir solche Artikel aus Raubbau an der

Natur kaufen oder verweigern.

4 Leckerbissen. Wenn Meerestiere angefüttert

werden, dann nur mit ihrem natürlichen Futter. In

diesem Fall ist es ein Stück Schwamm, das die

Echte Karettschildkröte sonst mühsam im Riff

zwischen Korallen suchen muss. Hier wird ihr der

Leckerbissen aus der Hand serviert.

5 Luftholen. Meeresschildkröten und Meeressäuger

müssen von Zeit zu Zeit an der Oberfläche Luft

holen. Schnell fahrende Motorboote werden für sie

schnell zur tödlichen Gefahr.

5

eigene Basen in Kroatien

Y A C H T C H A R T E R

Y A C H T S A L E

Y A C H T M A N A G E M E N T

A-4112 St. Gotthard / Linz, Am Steinberg 8

Tel. +43 7234 84545, Fax +43 7234 84545-20

office@yachting2000.at


YachtNews

Hanse

mit Strom

Die Hanse 315 mit dem neuen, speziell für den

Einsatz auf Seen entwickelten Elektroantrieb ist

ein besonderes Highlight der diesjährigen Boat

Show Bernau vom 25. bis 27. November am

Chiemsee – es werden aber auch die Hanse 345,

385, 415, 445 und 455 im Yachtzentrum zu

sehen sein.

Darüber hinaus wird die nahezu komplette Palette

an Dehler-Segelyachten zur Schau gestellt,

darunter auch die neue Dehler 34, die vor

kurzem erst ihre Weltpremiere gefeiert hat.

Wer vor Ort fündig wird, darf sich über die Dehler

Champion Choice-Rabatt-Aktion oder den Hanse

Early Bird-Rabatt für Neuboote freuen.

www.hanseyachtsvertrieb.de

Luxury please

„Super- und Mega-Yachts only“, das ist das Motto der elitären Ferretti

Group, die sich auf den Bau von Luxus-Cruisern von 30 bis 90 Metern

Länge spezialisiert hat. Mit der neuen Navetta 37, kürzlich auf der

Monaco Yacht Show als Flaggschiff der Halbgleiter-Flotte präsentiert,

gibt das traditionsreiche Unternehmen das erste Exempel für die

Rundumerneuerung der gesamten Navetta Custom Line.

Vier Exemplare der 37-Meter-Yacht mit komplett neuer Frontpartie

für noch mehr Komfort außen wie innen sind bereits verkauft, über den

Preis kann man nur spekulieren. Der spielt für potenzielle Käufer aber

sowieso nur eine untergeordnete Rolle.

www.ferretti-yachts.com

Love me Tender

Ob als Dinghi oder als rasantes RIB – die norditalienischen Schlauchboote

von SURMarine sind eine „Allzweckwaffe“. Elegant, dynamisch und

belastbar bieten diese Tender viele Optionen und individuelle Anpassungsmöglichkeiten.

Typisch italienisch eben. Elegant und funktional.

Hergestellt werden die Boote von SURMarine in der 1999 in Norditalien

gegründeten Produktionsstätte. Dort wird großes Augenmerk auf hohe

Leistungsfähigkeit, geringes Gewicht, niedrige Wartungskosten und

kompakte Größen (1,90 bis 4,80 m Länge) gelegt. Jetzt gibt es die

Schlauchboote von SURMarine auch in Österreich. Exklusivvertrieb:

Peter Pöschl, www.navigation4you.at

52 OCEAN7 06/2016 | November/Dezember 2016


Falten und lospaddeln

Ein Papierschiff gefaltet und dann schwimmen

lassen – wer hat das noch nicht gemacht? Otto Van de

Steene und Thomas Weyn haben das gleiche Prinzip in

einem größeren Maßstab angewandt. Heraus kam ein

Origami-Kanu, das wie ein Papierschiffchen gefaltet

wird. Natürlich ist es nicht aus Papier, sondern aus

einem leichtgewichtigen HiTech-Kunststoff. Das Onak-

Kajak passt in einen Koffer und ist in zehn Minuten

einsatzbereit. Das clevere Konzept überzeugte die

Juroren der Outdoor-Show in Friedrichshafen und die

beiden innovativen Kajak-Freaks gingen mit der

Siegerprämie nach Hause. 1195 bis 1295 Euro.

www.onakcanoes.com

Foilen im

Retro-Style

Hat da jemand verschollene Pläne eines geheimen

Projektes entdeckt und dann nachgebaut? Der

Motorfoiler des Slowenen Tomaž Zore, Aeronautik-

Ingenieuer und Linienpilot, ist bereits in zwei

Ausführungen erfolgreich auf dem Wasser unterwegs.

Der stylische Retro-Racer wartet noch auf eine

Investitionsspitze von rund vier Millionen Euro, um

in die Serienproduktion gehen zu können. In der

Zwischenzeit schauen wir uns die Youtube-Filme

an und träumen weiter vom Flug übers Wasser …

www.wfoilsail.com

Bootsschau in

den Tiroler Bergen

Eine besonders reizvolle Gelegenheit, um Maritimes mit dem Alpinen zu

verbinden, bietet sich von 10. bis 13. November in Kirchbichl in Tirol.

An diesen vier Tagen lädt Familie Grassl zur Trend Travel & Yachting

Hausmesse vor imposanter Bergkulisse.

Neben zahlreichen Neu- und Gebrauchtyachten – im Fokus die drei

Sun Odyssey-Segelyachten 419, 479 und 519 – werden auch die

neuesten Charter-Angebote präsentiert. Das Familienunternehmen

betreut übrigens selbst rund 60 Charterschiffe auf eigenen Stützpunkten

in Kroatien und auf den Kapverden.

Tipp: Neben Jeanneau-Yachten sind auch Fountaine Pajot-Katamarane und

Neel-Trimarane über Trend Travel & Yachting erhältlich.

www.trend-travel-yachting.com

November/Dezember 2016 | OCEAN7 06/2016 53


OCEAN7Yachten

Wunderbar

wandelbar

Text: Tahsin Özen | Fotos: Werft

Gestern noch auf dem Reißbrett, heute schon sieben Stück

verkauft. Und keine Yacht gleicht der anderen, wie werftseitig

stolz verkündet wird. Aber natürlich gibt es Basics, die nicht

verhandelbar sind.

Das Design beispielsweise – ein italienisches Gustostück, entstanden

in kreativer Kooperation von Nauta Design und dem

Stararchitekten Umberto Felci. Die Früchte der Verbindung

können sich sehen lassen: Fast schon spartanisch wirkt der

Rumpf mit seiner scharfen Form, die, am breiten Heck ansetzend,

wie lasergesteuert den Bug sucht und letztlich im Bugspriet

aus Karbon (optional) sein Ziel findet.

Kompromisslos klare Linien, Schrägen und Kanten an Deck,

ein weit ausladendes Cockpit und zwei schwarze Steuerräder,

die ganz unmissverständlich die sportliche Stärke der 58er in

den Fokus rücken. Würde man allein da oben stehen, während

die restliche Crew das Leben unter Deck genießt, dürfte man

sich zu Recht etwas einsam und verlassen fühlen.

Zwei Leitmotive: Genuss und Sport. Ohne

Zweifel kann man sich hier auf dem Deck der GS58 zwei

Großfamilien auf Urlaubstörn ebenso gut vorstellen wie ein

gutes Dutzend Regattasegler, die es definitiv nicht auf die Rote

Laterne abgesehen haben. Letztere werden sich daher auch

für den sportlich ausgelegten Segelplan und gegen die Selbstwendefock

entscheiden und den Konstrukteuren Rosen dafür

streuen, dass in die Konzeption des Schiffsrumpfs vor allem

ihre ganze Erfahrung aus dem „Fast Cruiser“-Programm eingeflossen

ist.

Dass auf Sicherheit und einfaches Handling ebenso Wert gelegt

wurde, dürften die Genuss-Segler wohlwollend zur Kenntnis

nehmen. Die Leinen, Fallen und Schoten sind verdeckt und

weit außen bis nach Achtern geführt, sodass sich beide Seiten

im Cockpit sicher und frei bewegen können. Im Weg stehen

wird man sich bei so viel Raum (mit Platz für zwei Cockpit-

Tische) kaum.

54 OCEAN7 06/2016 | November/Dezember 2016


Auf einer Länge von

fast 18 und einer Breite

von über fünf Metern

bietet die neue GS58

aus dem Hause Grand

Soleil viel Spielraum

auf höchstem Niveau

– für Langfahrtsegler

ebenso wie für sportlich

ambitionierte Racer. Ein

cleveres Modulsystem

macht’s möglich.

Yacht-Shopping. Klassische Pantry in L-Form achtern

oder doch lieber eine quer laufende Küchenzeile vorne beim

Mast? Zwei Einzelbetten oder je ein „King size bed“ in den

beiden freundlicherweise auch für den Kopf barrierefreien

Achterkabinen? Selbst in der Eignerkabine muss man sich

zwischen einem großen Bett in der Mitte oder an der Seite

entscheiden, Platz für ausreichend Stauraum und sogar einen

Schminktisch bleibt aber in jedem Fall. Ein modulares Planungssystem,

mit dem Grand Soleil das für die Zukunft gesteckte

Ziel der standardisierten „Customization“ erreichen will,

soll maßgeblich zur Entscheidungsfindung beitragen.

Das Tüpfelchen auf dem i lieferte die Werft Cantiere del Pardo

bereits auf der Messe in Genua: Sie präsentierten ein im Maßstab

1:1 nachgebautes GS58-Modularmodell, das von Interessenten

begangen, besichtigt und nach eigenen Wünschen zusammengestellt

werden konnte. So macht Yacht-Shopping Spaß.

Info, Beratung und Verkauf: www.navigation4you.at

Technische Daten

Länge über alles .........................17,5 m

Maximale Breite. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5,2 m

Tiefgang ................................2,9 m

Verdrängung ..........................18.900 kg

Motorisierung ............................75 PS

Dieseltank ............................... 600 l

Wassertank .............................. 800 l

Schlafplätze ...............................8/10

November/Dezember 2016 | OCEAN7 06/2016 55


OCEAN7Yachten

Randsport

für alle

„Das Teil ist einfach geil“, sagt Nils Möstl, als er die Planen von

seinen beiden Picnic Sports hievt. Als Importeur in Österreich

(Sailing Center Möstl & Möstl) hat er OCEAN7 zu einer Testfahrt

auf dem Neusiedler See eingeladen und offenbar auch

das passende Wetter dafür gleich mitbestellt: Die Herbstsonne

tanzt vergnügt auf dem See und der sonst so konstante Wind

hat sich eine Auszeit genommen – keine Welle.

Da liegen sie nun, die in Sky Grey mit dem Torqeedo Cruise

10.0, die in Lake Blue mit dem 4.0-Außenborder bestückt.

E-Antrieb als Garant für geräusch- und emissionsfreien Vortrieb

– so macht das Cruisen und Erkunden von stillen Buchten in

geselliger Runde besonders viel Spaß.

Potenziert wird der Fun-Faktor durch die großzügige Sitzgruppe,

die dank des breiten Hecks in weitem Rund um den

zentralen Tisch angelegt ist und auf den ersten Blick an eine

Chillout-Lounge erinnert. Die Bestätigung folgt auf den zweiten

Blick, nämlich nach dem Absenken des Tisches auf Sitzbankhöhe.

Gefertigt ist er (wie auch der Steuerstand und das Deck)

aus Kebony-Holz – der ökologischen Alternative zu Teak,

gefertigt aus veredeltem norwegischen Ahorn aus nachhaltiger

Forstwirtschaft. Und der Schiffsrumpf? Gebaut mit Material aus

recycelten Plastikflaschen.

„Schaut billig aus“, möchte man meinen, genau das Gegenteil

ist der Fall. CEO Carl Rand, der Architektur und Bootsdesign

studiert hat, legte schon auf dem Reißbrett größten Wert auf

dänisches Design. Wer Bang & Olufsen, Hans J. Wegner oder

Arne Jacobsen kennt, weiß, was das bedeutet: klare Linien,

schlichte und zeitlose Formen, keine harten Ecken und Kanten,

kein Schnickschnack. Selbst die Scheuerleiste aus schwarzem

Gummi rund um das Freibord unterstreicht dezent das puristische

Erscheinungsbild der Rand Picnic Sport.

Größer, luxuriöser, teurer. Diesem aktuellen

Yacht-Trend kontert jetzt die junge dänische

Werft Rand und zeigt mit der Picnic Sport,

dass nachhaltiger Bootsbau, puristisches

Design und hoher Komfort einander nicht

ausschließen. Unverschämt? Das ist der

Preis auch.

Text und Fotos: Tahsin Özen

Vom Leben auf dem Wasser. Mit wenigen

Handgriffen hat Nils das Sonnentuch aus der Backskiste am

Heck (fasst 700 Liter) gefischt und über uns gespannt. Vor uns

der elegante Steuerstand mit chromblitzendem Lenkrad, rechts

56 OCEAN7 06/2016 | November/Dezember 2016


Rand Picnic Sport

oben die Bedieneinheit des E-Außenborders. Hebel nach vor,

Energie! Obwohl unter Spannung, cruist die Picnic Sport geräuschlos

und leger aus der Neusiedler Rinne auf den See.

Volle Fahrt voraus – aber auch das macht dem Motorboot

nichts aus. Nur ein leichtes Surren und der schneller vorbeiziehende

Schilfgürtel verraten, dass wir ganz ordentlich Fahrt

machen – die werftseitig angegebene Maximalgeschwindigkeit

von 13 km/h (Cruise 4.0) reizen wir aber nicht aus.

Wir halten uns an die Philosophie von Carl Rand: cruisen und

genießen. Das fällt leicht, denn selbst bei strenger Kurvenfahrt

ist die Picnic Sport nicht aus dem Gleichgewicht zu bringen

– keine Ausreden mehr, wenn die Limo-Flasche auf dem Tisch

umkippt. Dafür viel Raum für einen sonnigen Nachmittag mit

der Familie oder mit Freunden in einer stillen Bucht. Wer will,

kann über die Badeplattform ins Wasser abtauchen – über die

per Knopfdruck ausfahrende Badeleiter kommt man stilvoll

wieder an Bord. Und dann – nomen est omen – ist es Zeit für

das Picknick, dazu ein gutes Glas (burgenländischen) Wein,

begleitet von Lounge-Musik aus der satten, formschön in den

Steuerstand integrierten Stereoanlage.

Klingt nach Luxus? Ist es aber nicht. Mit einem

Basispreis von nur 12.990 Euro bietet die Picnic Sport einen

unschlagbar günstigen Einstieg in die Welt der Motorboote für

alle, die das Leben auf dem Wasser und die Natur lieben. „Der

Mix aus modernem Design, Komfort, einfacher Technik und

kinderleichter Bedienung ist einzigartig in dieser Klasse, und

der Preis ist unschlagbar“, sagt Nils auf dem Weg zurück in die

Marina, den wir auf der Picnic Sport mit dem Torqeedo Cruise

10.0-E-Motor begehen.

Noch einmal rutscht uns der Hebel ganz nach vorne aus. Und

obwohl es sich beinahe schon so anfühlt, als würden wir

1 Rand Picnic Sport: Nicht nur formschön, sondern auch formstabil geschnitten.

2 Rand und Torqeedo in nachhaltiger und umweltfreundlicher Symbiose.

3 Gut im Griff: Das Lenkrad aus edlem Chrom und Kebony-Holz.

4 Puristisch: Der zentral positionierte Steuerstand mit moderner Steuereinheit.

5 So hebt man stilvoll den Außenborder aus dem Wasser – und macht Musik.

November/Dezember 2016 | OCEAN7 06/2016 57


OCEAN7Yachten

gleiten, pickt die Picnic Sport auf dem Wasser wie frischer Leim zwischen

den Fingern. Maximum Speed lt. Werft: 35 km/h. Auf dem Neusiedler See

aber ein seemännisches No-Go. Zurück in der Marina belegt Nils die Picnic

Sport an den formvollendeten Klampen (eine schmückt den Bug, zwei

weitere das Heck) und tätschelt liebevoll auf die acht Zentimeter breite

Rumpfkante, über die wir so leicht von Bord gehen, als würde die Picnic

Sport selbst unser Gewicht auf der anderen Seite ausgleichen.

Technische Daten

Länge ..................500 cm

Breite ..................205 cm

Gewicht .................280 kg

Tiefgang .................15 cm

Max. Zuladung ............900 kg

Max. Crew ........... 10 Personen

Max. Power ............... 25 PS

Motorisierung: Für den Antrieb

der Rand Picnic Sport stehen drei

E-Motoren und drei Verbrennungs -

motoren zur Auswahl.

Alle technischen Details unter

www.randboats.com

Allgemeine Infos:

www.randboats.com

Beratung, Probefahrten

und Verkauf in Österreich:

www.sailing-center.at

Carl Rand ist CEO der gerade mal

ein Jahr alten Werft Rand, Erfinder

der Picnic Sport und Bootsverleiher

in Kopenhagen. Im Exklusiv-Interview

mit OCEAN7 im September verrät

er, warum in der Werft gerade an der

Picnic Sport Version III gefeilt wird

und warum man ein bisschen „crazy“

sein muss, um auf andere, innovative

Gedanken zu kommen.

Ein bisschen

Kopenhagen. Ein Hauch von Abenteuer

liegt in der Luft. Ein ausgedehnter Spaziergang

durch die Altstadt, vorbei an der königlichen

Wasserstraße Nyhavn (Bild oben) mit seinen

mittelalterlichen Schiffen und Häusern, entlang

der Uferpromenade Langelinie bis zur weltberühmten

Kleinen Meerjungfrau und retour über

den hippen Stadtteil Christianshavn mit dem

vielleicht modernsten Opernhaus der Welt zeigt:

Hier werden Visionen nicht nur geboren,

sondern auch formschöne Realität.

Heimvorteil für Carl Rand. Er empfing uns zum

Interview in seinem Bootsverleih GoBoat an der

Uferpromenade Islands Brygge – und spendierte

uns gleich auf einer seiner für Ausflugsgäste

etwas abgespeckten Ur-Picnic-Motorboote eine

Stadtrundfahrt auf dem Wasser.

OCEAN7: Ganz ehrlich Herr

Rand, wir hätten uns einen

altehrwürdigen Manager in

Anzug und Krawatte erwartet

– wie alt sind Sie?

Carl Rand (lacht): 31 Jahre, tut mir Leid,

wenn ich Sie jetzt enttäuscht habe.

Ganz und gar nicht, sehr

erfreut! Und wie alt ist das

Boot, in dem wir nun sitzen?

Rand (checkt seine App auf dem

Smartphone): Sagen wir es einmal so:

In Summe ist es bereits dreimal um die Welt

gefahren – in den drei Jahren seiner Existenz.

Das ist ja irre …

Ja, so wie wir auch.

58 OCEAN7 06/2016 | November/Dezember 2016


verrückt sind wir schon

Wie meinen Sie das?

Wir lassen einfach nicht locker. Seit meinem sechsten Lebensjahr

wusste ich schon, dass ich einmal Boote designen werde. Mit der

Rand Picnic habe ich mir diesen Traum erfüllt, dachte ich jedenfalls.

Dann habe ich mein Team zusammengetrommelt und gesagt: „Da

geht noch mehr.“ Die Picnic Sport war geboren. Dann habe ich mein

Team angeschaut und gefragt: „Sind wir jetzt on top?“ Die Antwort

quer durch die Bank: „Da geht noch mehr.“ Und wir ließen die

Picnic Sport II vom Stapel laufen. Derzeit tüfteln wir …

Lassen Sie mich raten: An der Picnic

Sport Version III. Was wird anders sein?

Nun ja, sie wird um einen Fuß länger sein und über einen

zusätzlichen Stauraum im Bug verfügen, alles andere sind Details

– wir sind Perfektionisten.

Tipp: „Venedig des Nordens“ wird Kopenhagen völlig zu

Recht auch genannt. Wer die Designer-Metropole vom Wasser

aus erkunden will, kann sich bei GoBoat eine „basic“-Picnic

leihen und auf eigene Faust durch die Kanäle schippern.

Infos: www.goboat.dk/en

Mit Geschmack, das

dänische Design ist

unverkennbar.

Dänisch ist nicht nur das Design,

die Picnic Sport wird auch in

meiner Werft in Kopenhagen

gebaut. Ich geselle mich gerne zu

meinen zehn Mitarbeitern und wir

schleifen, bürsten, schrauben und

kleben gemeinsam oft bis tief in

die Nacht hinein. Mit dem Ziel,

ein möglichst schönes, einfach zu bedienendes und für alle

erschwingliches Motorboot zu bauen, das Freude macht.

Nicht nur den Menschen,

sondern auch der Natur …

Genau, darauf lege ich großen Wert. Von den Baumaterialien bis hin

zur Motorisierung. Zwar müssen wir noch Verbrennungsmotoren im

Programm haben, doch die Zukunft geht ganz klar in Richtung

Elektroantrieb. Und da sind wir mit den drei E-Motoren ganz klar

vorne. Mein Leitmotiv ist ja, Mensch und Natur auf dem Wasser

zusammenzubringen – ich nenne das „Natural Socializing“ – und da

passt der Verbrennungsmotor nicht wirklich ins Bild.

Mit einem Startpreis von 12.990 Euro

wurde die Messlatte erstaunlich niedrig

angelegt …

Wie ich schon sagte: Ein bisschen verrückt sind wir schon. Aber

wenn ich mir so anschaue, was einem da für viel Geld angeboten

wird – das will ich nicht. Lassen Sie es mich so ausdrücken: Wir

wollen so gut sein wie Tesla, aber nicht so teuer. Kein Luxusgut,

das sich nur einige wenige leisten können. Sondern ein stilvolles

Motorboot, das möglichst viele Menschen zusammenbringt und

einfach Spaß macht.

Herr Rand, vielen Dank für das Gespräch.

November/Dezember 2016 | OCEAN7 06/2016 59


Yacht Club Austria

Interview mit einem der Masterminds

im Yacht Club Austria: Gottfried

„Titzl“ Rieser ist seit Mai 2016 für die

Ausbildung im Club zuständig.

Gottfried

Titzl

Rieser

Interview geführt von Denise Hurch

Foto: Gottfried Rieser

Bitte stell’ dich den Lesern kurz vor.

Nun, ich segle seit fast 30 Jahren in den verschiedensten Revieren

Europas, sei es hoch im Norden am 70. Breitengrad oder vor

Ägypten. Eines meiner Favoritenreviere ist Schottland, mein

Heimatrevier ist aber die Adria, da geht nichts drüber. Ich bin 60

Jahre alt, verheiratet mit einer wunderbaren Frau, zwei Buben

samt Familie und fünf Enkelkinder. Ich wohne im Zentralraum

Linz in einem alten, umgebauten Bauernhof und bin seit heuer

in der Freizeitphase meiner Altersteilzeit.

Du bist bei vielen auch unter dem Namen Titzl bekannt.

Woher kommt dieser Spitzname?

Das ist eine lange Geschichte, hier die Kurzversion: Zum Nachbarsbuben

haben alle nur „Tarzan“ gesagt – damals war noch

Lex Barker die Idealbesetzung für die gleichnamigen Filme – und

ich konnte das nicht aussprechen, irgendwie klang es so wie

„Titzi“. Und weil das wahrscheinlich so witzig war, haben mich

meine Eltern, Geschwister, die Nachbarn, die Lehrerinnen, meine

Freunde – mit einem Wort alle – nur mehr „Titzi“ gerufen – und

das ist mir bis heute geblieben.

Du bist schon seit Jahren ein aktives Mitglied des Yacht Club

Austria: In welchen Bereichen des Yacht Club Austria

warst du bis jetzt freiwillig tätig und was hat dich dazu

bewogen, aktiv mitzuwirken?

Ich war tatsächlich schon in einigen Funktionen tätig: 2008 bis

2013 Generalsekretär, vorher Assistent im Vorstand, Crew-

Commander in der Crew Oberösterreich. Ich habe verschiedene

Arbeitsgruppen geleitet und einige Projekte auf die Beine

gestellt.

Warum ich das mache? Ganz einfach: Der Yacht Club Austria ist

für mich der beste Yacht Club Österreichs. Er ist in allen Bundesländern

aktiv, seine Struktur ist demokratisch aufgestellt, jedes

einzelne Mitglied hat die Möglichkeit, ohne große Umwege direkt

zum Vorstand zu kommen, Wünsche und Anregungen zu

deponieren und auch mitzuarbeiten. Unser Wirkungskreis und

unser Portfolio sind einfach so vielfältig, da findet sich für jeden

Nautiker etwas.

Wie bist du zu der Stelle als Ausbildungsreferent gekommen

und welcher Aspekt gefällt dir dabei am besten?

Die Ausbildung ist die Kernkompetenz des Yacht Club Austria

– da sind wir einerseits unseren Gründungsvätern verpflichtet

und andererseits wollen wir unseren Mitgliedern die bestmögliche

Ausbildung zukommen lassen. Heuer im Frühjahr stellte

unser Commodore sein Programm „YCA 2020“ vor, im Zuge

dieser Zukunftsvision hat er auch sein Team zusammengestellt.

Und beim Thema „Ausbildung“ hat er mich ersucht, die entsprechenden

Weichen zu stellen.

Insgesamt ist es für mich eine große Ehre, hier mitzuarbeiten.

Denn im Yacht Club Austria kann ich was bewegen, und das

tut gut!

Wie würdest du deine Tätigkeit beschreiben?

Mein Job lässt sich in drei Kategorien teilen:

a) Die Ausbildung der SchiffsführerInnen: Hier ist das Konzept

zu erstellen, das Seminardesign zu entwickeln, die einzelnen

Schritte abzugleichen. Gott sei dank unterstützen mich da unsere

TrainerInnen und ReferentInnen, die mir rückmelden, was gut

läuft oder was holprig rüberkommt.

60 OCEAN7 06/2016 | November/Dezember 2016


News November/Dezember 2016

b) Die Ausbildung unserer TrainerInnen: Im Artikel auf der nächsten Seite

wird ja der 4. Lehrgang „Ausbildung zum zertifizierten Trainer im YCA“

beschrieben. Als Ausbildungsreferent bin ich da als Lehrgangsleiter und

Organisator gefordert.

c) Die Systematisierung der YCA-Bildungsmaßnahmen: Das ist ein neuer

Zugang zur Aus- und Weiterbildung im YCA. An diesem Projekt arbeiten

derzeit engagierte Trainer und Ausbildungsverantwortliche. Wir wollen

damit erreichen, dass unsere Skipper und Skipperinnen nicht nach der

guten YCA-Ausbildung aufhören zu lernen, sondern sich immer wieder

weiterbilden. Diese Weiterbildung soll auch ein System haben und nicht

auf einen Zufallsgenerator angewiesen sein.

Wir wissen eh alle: Die See ist der größte Lehrmeister. Es gibt aber schon

auch Möglichkeiten, nicht alles empirisch zu erfahren und hautnah mitzuerleben.

Und hier wollen wir ansetzen und geeignete Angebote an unsere

Mitglieder machen. Ein Beispiel gefällig? Mir ist lieber, ein Skipper besucht

einen Skipper-Medic-Kurs und weiß, wie er sich im Fall des Falles zu verhalten

hat, bevor einem seiner Mitsegler etwas passiert.

Die Jugend-Ausbildung beim YCA liegt dir sehr am Herzen und

es gibt heuer ja auch das österreichweite Jugendförderungsprogramm

des YCA. Warum sollen junge Leute segeln?

Was soll ich sagen? Die Jugend ist unsere Zukunft. Punkt. Unsere durchschnittliche

Altersstruktur im Club ist sehr hoch angesiedelt. Segeln ist halt

auch ein teures Freizeitvergnügen, da brauchen wir uns nichts vormachen.

Nicht jeder kann sich das leisten.

Daher auch unsere Jugendförderung in der Ausbildung, bei unseren Regatten

und bei unseren Binnenaktivitäten auf dem Attersee, auf dem Wörthersee,

in Grado und bei unserer Clubyacht in Izola (nähere Details in der

nächsten Ausgabe).

Welche Ziele hast du dir für das Jahr 2017 gesetzt?

2017 wird echt spannend: Es ist uns gelungen, österreichweit das gleiche

Ausbildungsschema anzubieten und 2017 wird sich zeigen, ob wir damit

erfolgreich sind. Und das Projekt „Systematisierung der Aus- und Weiterbildung“

wird (hoffentlich) umgesetzt. Und unsere Clubyacht Vaju geht in

Betrieb. Und der 4. Ausbildungslehrgang startet im Jänner 2017. Und unsere

zwei Laser auf dem Attersee werden viel gesegelt. Und unser Weiter -

bildungsprogramm auf der Clubyacht Isabell wird von den Mitgliedern

angenommen. Und, und, und …

Was möchtest du den Lesern noch mitteilen?

Jeder Verein ist nur so stark, wie sich die Mitglieder einbringen. Ich freue

mich über jede Anregung, über Rückmeldungen und natürlich auch über

die Mitarbeit, no na!

Ach ja, einen Gedanken von Antoine de Saint‘Exupery möchte

ich den p.t. Lesern noch mitgeben: „Wenn Du ein Schiff

bauen willst, so trommle nicht Leute zusammen,

um Holz zu beschaffen, Werkzeuge

vorzubereiten, Aufgaben zu vergeben

und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die

Menschen die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.“

YACHT CLUB AUSTRIA

Generalsekretariat

Lederergasse 88 · A-4020 Linz

+43(0)732/781086

office@yca.at · www.yca.at

Crew Wien,

Nö, Burgenland

Crew-Commander Christian Schifter

Ludwiggasse 3, Haus 4

1140 Wien · +43/(0)1/7109222

cschifter@pantaenius.com

Crew Salzburg

Crew-Commander

Arch. DI Christian Zimmer

Fadingerstraße 6 · 5020 Salzburg

+43(0)650/4229647

zimmer_christian@ymail.com

Crew Oberösterreich

Crew-Commander

Thomas Hickersberger

Haiderstraße 14 · 4030 Linz

+43/(0)676/3067224

thomas.hickersberger@yca.at

Crew Tirol und

Vorarlberg

Crew-Commander Johannes Lindig

Andechsstraße 17 · 6020 Innsbruck

+43/(0)660/5208136

j.lindig@tsn.at

Crew Kärnten

Crew-Commander Fritz Abl

Waidmannsdorfer Straße 64

9020 Klagenfurt

+43/(0)664/2436871

office@yca-crew-ktn.at

www.yca-crew-ktn.at

Crew Steiermark

Crew-Commander Mike Hecker

Raiffeisenstraße 9/3/16

8600 Bruck a. d. Mur

+43/(0)676/86643046

mike.hecker@yca.at

Crew Jugend

Jugendbeauftragter

Matthias Eckerstorfer

Neufahrergasse 30 · 4040 Linz

+43/(0)650/5583470

matthias.eckerstorfer@gmail.com

Ausbildung

YCA-Ausbildungsleiter

Gottfried „Titzl“ Rieser

Fischillstraße 1 · 4063 Hörsching

+43/(0)664/3706027

gottfried.rieser@yca.at


Yacht Club Austria

4.OSI-

Lehrgang

2017/2018

Text: Gottfried Rieser

Seit nunmehr sechs Jahren ist der Yacht Club Austria in der

Qualifizierung für Trainer im Offshore-Bereich aktiv und

setzt österreichweit und über die Grenzen hinaus beachtete

Initiativen in seiner Trainerausbildung.

Der 4. YCA-Ausbildungslehrgang für Trainer steht fest und

startet mit einem Theorie-Assessment am 14./15. Jänner 2017

(Termine, Inhalte und Beschreibung unter www.yca.at).

Die beiden Säulen des Programms sind einerseits die

Vertiefung der Theorie-Kenntnisse sowie eine fundierte

Weiterbildung in der Praxis. So werden Sie beispielsweise

als Abschluss dieser Ausbildung im Solent an der Südküste

Englands den Feinschliff erhalten. Wer Interesse hat, als

Trainer/Trainerin sowohl im Theoriesaal als auch auf der

Yacht auf dem Meer oder der Donau oder auf Binnengewässern

tätig zu sein, ist in diesem Lehrgang genau richtig.

Foto: Shutterstock

Der Ferlacher Michael Huss (45) wurde während des

Segelurlaubs mit seiner Familie auf den Seychellen zum

Lebensretter. In einem Gespräch mit OCEAN7 berichtet

er von den dramatischen Ereignissen.

Text: Thomas D. Dobernigg

Fotos: Seychelles News Agency, Shutterstock

Michi Huss

Kärn

3 Me

Michael Huss ist ein erfahrener, gewissenhafter Segler mit solider Ausbildung.

Diesen Voraussetzungen haben es drei Menschen auf den

Seychellen zu verdanken, dass sie eine schreckliche Tragödie überleben

konnten, bei der drei ihrer Angehörigen starben.

„Ich saß mit meiner Frau Karin, meinem Co-Skipper Wilfried Schippel

und dessen Begleiterin Dagmar im Cockpit des gecharterten 40-Fuß-

Katamarans und wir spielten Karten. Wir waren vor Anker vor der

Hafeneinfahrt von La Digue auf den Seychellen. Im Hafen war ein

großes Fest zum Marienfeiertag im Gange, mein Sohn war mit seiner

Freundin mit dem Dinghi dorthin gefahren,“ erzählt Michael Huss.

Es war 20.30 Uhr und stockfinster, wie das in den Tropen so ist. Michael

Huss berichtet weiter: „Trotz der lauten Feiern in dem rund 150 Meter

entfernten Hafen hörten wir plötzlich neben dem Steuerbordrumpf

einen Schwimmer im Wasser ,Help! I need help!‘ rufen. Dann klammerte

sich ein Mann an die Heckstufen und stammelte immer wieder

,Help. I need a tender‘. Er zitterte am ganzen Körper, war restlos erschöpft

und verstört. Es war Skipper Teddy Stravens und er berichtete

Apropos Binnengewässer: Eine Neuerung bringt dieser

vierte Lehrgang: Aufgrund der großen Nachfrage werden

wir auch Trainer für die Binnengewässer (Donau, Wasserstraßen,

Flüsse, Seen) ausbilden. Um die Entscheidung

vielleicht leichter zu machen, stellen wir folgende Fragen:

· Glauben Sie, dass Sie fachlich in der Lage sind, anderen

Personen nautische Theoriekenntnisse zu vermitteln?

· Glauben Sie, dass Sie in der nautischen Praxis so fit sind,

dass Sie Ihr Wissen und Ihr Können an Auszubildende

und Trainees weitergeben können?

· Können Sie sich vorstellen, als Trainer im Aus- und Weiterbildungsangebot

des Yacht Club Austria tätig zu sein?

Wenn diese Fragen mit einem Ja beantwortet werden, dann

spricht alles für eine Teilnahme. Und wenn dann auch noch

die formalen Voraussetzungen (Seemeilen, Befähigungsnachweise

etc.) vorliegen, freuen wir uns auf Ihre Anmeldung.

Rückfragen an: Gottfried Rieser OSI

gottfried.rieser@yca.at, +43(0)664/37060 27

62 OCEAN7 06/2016 | November/Dezember 2016


News November/Dezember 2016

ist YCA-Offshore Sailing Instructor

tner rettet

nschenleben

von zwei Meter hohen Wellen auf der Fahrt vom

Marienfest zur Nachbarinsel Praslin und davon,

dass sein kleines Fischerboot plötzlich kenterte.

Niemand hatte Rettungswesten. Es war ein älteres

Paar an Bord, ein junges Paar und ein sechsjähriger

Junge. Und er. Er entschied sich, loszuschwimmen.

Nach rund einer Stunde durch die Nacht, bei zwei

Meter hohen Wellen, erreichte er schwimmend und

mit letzter Kraft unseren Katamaran“.

La Digue

Michael Huss reagierte zielgerichtet, klar, strukturiert und ohne zu zögern

richtig. Er holte alle notwendigen Informationen ein, dann setzte er über

Funk auf Kanal 16 dreimal seinen Mayday-Ruf ab, um eine Rettungsaktion

einzuleiten. Huss: „Aber ich hörte keine Antwort. Niemand reagierte auf den

Funkspruch.“ Dann, endlich, meldete sich ein in der Nähe liegender Einhand-Weltumsegler.

Ein Hamburger, der unter südafrikanischer Flagge segelt.

Er bestätigte den Mayday-Ruf und auch, dass dieser die Küstenwache erreicht

hatte und fungierte fortan als Relais-Station. So konnte Huss über

Funk schließlich auch die Aktivitäten der Küstenwache mitverfolgen.

Es dauerte bis 23 Uhr, bis die Rettungsaktion voll anlief, die Michael Huss,

der Pipeline-Techniker aus Ferlach, in die Wege geleitet hatte. Die ganze

Nacht hindurch sah er die Suchscheinwerfer, hörte die Meldungen am Funk

und erfuhr so, dass Küstenwache und Navy im Einsatz waren. „Ich habe erst

vor kurzem ein ISAF-Training absolviert und kannte die Zeitkurve für die

Überlebenschancen genau. Die wurden von Minute zu Minute geringer. Es

war ein beklemmendes Gefühl.“

Schließlich schlief Huss im Morgengrauen erschöpft im Cockpit ein, wurde

aber sofort von schwerem Rotorengeräusch wieder geweckt: „Ein gewaltiger

Hubschrauber der australischen Marine beteiligte sich an der weiteren

Suche. Ihm und seiner Besatzung war es schließlich zu verdanken, dass 16

Stunden nach dem schrecklichen Unglück zwei Menschen lebend aus dem

27 Grad warmen Wasser geborgen werden konnten. Es war der 33-jährige

Aubrey Jacqueline und der sechsjährige Sohn seiner Geliebten. Ihr hatte er,

unmittelbar bevor sie in den Fluten versank, noch das Versprechen gegeben,

zu überleben und den kleinen Chang-Tave zu retten.“

Michael Huss hat so perfekt und richtig reagiert, weil er hervorragend ausgebildet

ist, selbst im größten Stress die Ruhe bewahrte und genau wusste,

was er zu tun hatte: Alle relevanten Informationen einholen, sie langsam

und deutlich in das Funkgerät zu sprechen und dreimal zu wiederholen,

wie das für das GMDSS, das weltweite Seenot- und Sicherheitsfunksystem,

vorgeschrieben ist. „Ich habe erst unlängst einen entsprechenden Kurs über

den Yacht Club Austria bei Conny Schifter absolviert und das alles ver -

innerlicht.“ Huss hat mehr als 10.000 Seemeilen in seinem Logbuch stehen,

hat den Offshore Sailing Instructor erfolgreich absolviert und ist Skipper

seiner eigenen Hochsee-Regattacrew „Carinthian Gipsy Sailors“. Mit Skipper

Peter Schicho und dessen Trinity nahm Michael Huss bereits dreimal erfolgreich

an der Alpe Adria Sailing Week teil.

Sein Rat an alle Urlaubssegler: „Auch am Ankerplatz muss das Funkgerät

mit Kanal 16 immer eingeschaltet sein. Es geht schließlich nicht nur darum,

bei einem eigenen Notfall Hilfe erreichen zu können, sondern auch anderen

in der Not helfen zu können“.

Aubrey Jacqueline

November/Dezember 2016 | OCEAN7 01/2016 63


Motorbootsport und SeefahrtsVerband Österreich

Motorboot

rennsport

2016

Text und Foto:

Alfred Tissot

Rupert Temper. Rupp fährt heuer wieder in der Klasse

F2 und seine Saison verläuft bis dato sehr erfolgreich. Beim

Rennen in Brodenbach im Mai konnte er bei der international

ausgeschriebenen deutschen Meisterschaft nach hartem Kampf

mit Stefan Hagin den ersten Platz erringen.

In der Klasse World Formula 2 startete er in Finnland mit einem

Defekt der Steuerbox, welcher ihm ca. 20 % mehr Öl in

den Motor pumpte als normal. Dennoch belegte er Platz 2.

Nach dem Rennen überschlugen sich aber die Ereignisse: Der

Sieger wurde disqualifiziert und Rupp an die erste Stelle gereiht.

Kurz vor Protestschluss wurde aber auch Rupp wegen

einer angeblichen illegalen Benzinleitung disqualifiziert. Alles

Protestieren half nichts, er musste ohne Punkte nach Hause

fahren. Im zweiten Rennen in der Schweiz blieb er im 2. Qualifying

ohne Sprit liegen und musste somit als Letzter an den

Start gehen. Bei der starken Aufholjagd konnte er das Rennen

trotz eines Überschlags als Zehnter beenden. Im dritten Rennen

in Tvedestrand/NOR befand er sich aufgrund eines falschen

Propellers permanent in Gefahr, mit dem Boot abzuheben

– trotzdem schaffte er es zum ersten Mal auf das Podium

und wurde Dritter. Beim vierten Rennen in Tonsberg/NOR

gewann er das Speedrace, wurde im Matchrace Dritter und

startete das Rennen auf dem zweiten Platz. Im Kampf um den

Sieg hatte er einen Überschlag, wurde aber trotz defektem

Boot Siebenter. In Zarasai/LIT waren beim Rennen gleich 14

Fahrer mit einem Abstand von max. 1,4 Sekunden fast gleich

schnell, Rupp gelang es, auf den zweiten Platz zu fahren. In

der Gesamtwertung liegt er nun an dritter Stelle und sieht dem

letzten Rennen in Portugal mit großem Ehrgeiz entgegen.

Attila Havas. Beim Europameisterschaftslauf der Klasse

O-700 in Jedovnice/CZ begann das Training sehr vielversprechend.

Den ersten Lauf konnte Attila mit großem Vorsprung

als Erster beenden. Am Steg angekommen, bemerkten die

In der Gesamtwertung liegt Attila Havas vor dem letzten Rennen in Boretto auf Platz Vier.

64 OCEAN7 01/2016 | November/Dezember 2016


Wasserski-

Racing

Text: DI Hans Lux

Mechaniker aber einen Riss im Propellerblatt, somit musste

er den zweiten Lauf mit einem anderen Propeller angehen.

Dabei konnte er seine Leistung vom Vortag nicht mehr

wiederholen und wurde Zweiter. Im dritten Lauf brach ihm

zwei Runden vor Schluss eine Zündkerze, er kämpfte sich

trotz Handikap als Zweiter ins Ziel, fuhr aber entgegen dem

Reglement direkt ins Fahrerlager und wurde

somit disqualifiziert. Im vierten und letzten Lauf

kämpfte er sich mit einem angeschlagenen Motor

als Dritter ins Ziel und wurde nach Punkten

Vize-Europameister in der Klasse O-700.

Attila startet auch in der Klasse World F-500.

Beim ersten Rennen in Barcis/IT hatte sein Motor

wegen einer undichten Stelle zu wenig Leistung,

er beendete das Rennen trotzdem als

Zweiter.

Im dritten Rennen in Baja/HU war er Trainingsschnellster,

leider brach ihm aber im ersten Lauf

am Samstag das Getriebe – er kam nicht ins Ziel.

Am Sonntag herrschte den ganzen Tag über so

starker Wind, dass das Rennen letztlich abgesagt

werden musste und Attila ohne Punkte nach

Hause fuhr.

Das dritte Rennen fand in Ternoplo/UK statt. Bei

diesem Rennen explodierte sein Motorblock und

da er keinen Ersatz für 500 ccm dabei hatte,

musste er auf den 700er-Block ausweichen. Dieser

passte natürlich nicht hundertprozentig –

und somit wurde er nur Fünfter. In der Gesamtwertung

liegt er vor dem letzten Rennen in

Boretto auf Platz Vier.

Ferenc Csako belegte bei der EM O-700

den fünften Rang, er hatte während des ganzen

Wochenendes mit mehreren Problemen zu

kämpfen. In der Klasse F-500 konnte er bei den

ersten beiden Rennen jeweils den achten Rang

erreichen und im dritten Rennen wurde er

Neunter. Somit liegt er vor dem letzten Rennen

auf dem fünften Gesamtrang.

Anton Rosenleitner konnte bei der

EM der Klasse O-700 den sechsten Platz erreichen.

Bei der F-500 läuft es zur Zeit nicht so gut,

in Barcis/IT hatte er immer wieder Probleme mit

dem Propeller und dem Getriebe und wurde

somit nur Elfter. Das Rennen in Baja/HU beendete

er auf dem siebenten Platz. Damit liegt er

vor dem letzten Rennen gesamt auf Platz 10.

Bei der Europameisterschaft in Krems

lieferten sich Sabine und Kathrin Ortlieb ein

Kopf-an-Kopf-Rennen, letztlich holte sich

Sabine mit zwei Punkten Vorsprung Gold vor

Kathrin. Beide starteten in der Klasse Ladies

F1 (bis 1600 PS) als Favoritinnen. Pech für

Haselsteiner: Für sie kam nach einem

Motorschaden das Aus.

Rund 60 Teams aus ganz Europa bestritten

vier Wettbewerbe innerhalb von acht Tagen.

Die jüngere Sabine holte sich den ersten Sieg.

Kathrin folgte knapp dahinter mit fünf

Punkten Rückstand. Der dritte Platz ging an

die Australierin Chelsea Blight, die außer

Wertung startete.

Beim zweiten Rennen setzten sich die

Geschwister vom Start weg an die Spitze.

Diesmal gewann Kathrin vor Sabine mit drei

Punkten Vorsprung. WSC-Tulln-Kollegin

Katharina Haselsteiner musste wegen

eines Motorschadens bereits vor dem Start

aufgeben und konnte die restlichen

Rennen nicht bestreiten.

Am dritten Wettkampftag musste Sabine, die

von Anfang an in Führung gelegen war,

aufgrund eines Motorschadens plötzlich

anhalten. Das Rennen war gelaufen, die

1.000 Punkte gingen an Kathrin.

Damit stand fest: Die Entscheidung fällt im

letzten Lauf. Kathrin hatte mit 2.995 Punkten

eine gute Ausgangslage. Sabine musste

gewinnen und noch dazu vier Punkte vor

ihrer Schwester ins Ziel kommen. Kathrin

genügte ein zweiter Platz für den EM-Titel.

Bei Geschwindigkeiten von über 140 km/h

wurde Kathrin dann plötzlich in der ersten

Wende zum Stoppen gezwungen. Der Motor

war ausgefallen. Damit konnte sie das

Rennen nicht beenden und Sabine holte sich

souverän die 1.000 Punkte ab. Mit insgesamt

2.997 Punkten lag sie knapp vor ihrer

Schwester und gewann damit Gold und den

EM-Titel in der F1.

Insgesamt gingen bei der Europameisterschaft

zehn Tullner in den verschiedensten Klassen

an den Start. Dabei zeigten auch die

Familienmitglieder Ernst und Christian

Ortlieb gute Leistungen. Ersterer konnte sich

bei den Masters (35 plus) Platz vier belegen,

Christian fuhr bei den Herren F2 (bis 300 PS)

auf den fünften Rang.

In der Klasse Eurokids B (bis 14 Jahre)

errang Hubertus Mayerhofer nach Bronze.

Natascha Storf landete auf Platz fünf.

Victoria Storf erreichte bei den Junioren (bis

17 Jahre) Platz vier. Insgesamt ein sehr

respektables Ergebnis für die hochmotivierten

Tullner Nachwuchsläufer.

65

Foto: Shutterstock


OCEAN7 Bücherschapp

Wenn an Bord

das Licht ausgeht

Yachteigner und Bootsbesitzer wissen: Bord -

elektrik ist ein weites (Spannungs-)Feld. Gehen

in der Kajüte die Lichter oder gar die Instrumente

aus, beginnt die fieberhafte Suche nach

der Fehlerquelle in den unterschiedlichsten

Schaltkreisen an Bord. Und endet nicht selten

mit einem wütend in die Ecke geworfenen

Schraubenzieher. Dass es auch anders geht,

zeigt Andy Johnson im neu erschienenen Handbuch

Perfekte Bootselektrik. Darin erläutert er

alle relevanten Aspekte der Bootselektrik und

vermittelt Motorbootfahrern und Seglern anhand

von leicht verständlichen Schritt-für-

Schritt-Bildfolgen sowie vielen Detailzeichnungen

und Tabellen das nötige Fachwissen, um

elektrische Probleme an Bord selbst lösen zu können.

Andy Johnson: „Wer noch nie Arbeiten an der Bordelektrik durchgeführt hat oder vor

den ersten Schritten zögert, dem hilft dieses Buch, Schalter, Kabel, Sicherungen

und andere Bestandteile der batteriegespeisten elektrischen Ausrüstung an Bord

besser zu verstehen. Wo nötig, erlauben die ausführlichen Erklärungen einen

tieferen Einblick in die Arbeitsweise des Bordnetzes.“

Sehr entspannend …

Perfekte Bootselektrik

Von Andy Johnson, erschienen im Delius Klasing Verlag,

gebundene Ausgabe, 192 Seiten, 200 x 252 mm, ISBN 978-3-667-10684-1, € 30,80

Terra Mystica

Gespenstische Inseln, mystische Felsformationen

aus Gold, verwunschene Kontinente: Die Seefahrtsgeschichte

ist reich an sagenumwobenem Land,

das oft auch in alten Karten der Weltmeere auftaucht

– und das es nie gegeben hat. Dennoch

waren sie Ziel tollkühner Expeditionen, über Jahrhunderte

waren Seefahrer, Könige, Militär, Piraten

und Kartenmacher überzeugt von ihrer Existenz

und suchten mit Schiffen, zu Fuß und aus der Luft

nach ihnen.

Dirk Liesemer, freiberuflicher Journalist, begab sich

auf Spurensuche und listet nun in seinem Buch

Lexikon der Phantominseln dreißig dieser imaginären

Inseln auf. Mit allem Wissenswerten von

ihrer vermeintlichen Entdeckung bis zu ihrer

Widerlegung: vielfältige, kuriose Geschichten, die über alle Ozeane und quer durch

die Weltgeschichte führen. So ist das Lexikon der Phantominseln nicht nur spannender

Lesestoff für die kalte Jahreszeit, sondern auch eine Chronik menschlicher Irrungen

und Wirrungen. Mit Fingerzeig auf Machtgelüste, Hochstapelei, Kurzsichtigkeit – und

auf die List der Täuschung.

Lexikon der Phantominseln

Von Dirk Liesemer, erschienen im mare-Verlag, 160 Seiten mit Illustrationen,

gebunden mit Schutzumschlag, ISBN 978-3-86648-236-4, € 24,70

12 Superyachten

für zu Hause

Ganz ehrlich: Träumt nicht jeder von uns

davon, einmal am Steuer einer Superyacht

zu stehen und unter vollen Segeln oder

vollem Schub übers Meer zu sausen? Mit

dem Super Yachts Kalender 2017 kann

man seine Fantasie jeden Monat aufs

Neue beflügeln, ein ganzes Jahr lang. Ob

brandneue Schiffe wie die Symphony oder

die Silver Fast, Mega-Yachten wie die 147

Meter lange Topaz oder legendäre

Segelyachten wie die Athena, die Eos oder

die Vertigo – mit zwölf beeindruckenden

Motiven gibt der Prachtkalender einen

spannenden Einblick in die große Welt

der Superyachten.

Super Yachts 2017

Kalender mit Cover und 12 farbigen

Monatsblättern im Format 56 x 41,5 cm,

ISBN 978-3-7822-1254-0, Koehlers

Verlagsgesellschaft, € 25,60

OCEAN7 verlost drei Kalender Super

Yachts 2017. Einfach eine E-Mail mit

Betreff-Zeile „Kalender Super Yachts 2017“

an gewinnen@ocean7.at schicken und mit

etwas Glück gewinnen! Einsendeschluss:

30.11.2016. Die Gewinner werden per

E-Mail verständigt. Keine Barablöse. Der

Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Gewinn

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Veranstalter:

20.-23.10. 2016.

BIOGRAD

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