20.12.2016 Aufrufe

Nr. 16 (IV-2016) - Osnabrücker Wissen

Nr. 16 (VI-2016) - Osnabrücker Wissen Wir beantworten Fragen rund um die Osnabrücker Region. Alle drei Monate als Printausgabe. Kostenlos! Und online unter www.osnabruecker-wissen.de

Nr. 16 (VI-2016) - Osnabrücker Wissen

Wir beantworten Fragen rund um die Osnabrücker Region. Alle drei Monate als Printausgabe. Kostenlos! Und online unter www.osnabruecker-wissen.de

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<strong>Nr</strong>. <strong>16</strong> · kostenlos · Ausgabe <strong>IV</strong> / 20<strong>16</strong><br />

Dezember · Januar · Februar<br />

AUFGEWECKT DURCH STADT UND LANDKREIS<br />

KOSTENLOS!<br />

19<br />

AUSBILDUNG & KARRIERE<br />

Wo werden Roboter von Schülern programmiert?<br />

Wer löscht<br />

OSNABRÜCK?<br />

28<br />

STADT- & LANDGESCHICHTEN<br />

Warum verschwand die Straßenbahn?<br />

38<br />

LEBEN & GESELLSCHAFT<br />

Was wird aus den guten Vorsätzen für 2017?<br />

55<br />

FAMILIE & SOZIALES<br />

Für wen schiebt man einen Kaffee auf?


CROSS-SELLING.<br />

CROSS-THINKING.<br />

CROSSING SOON.<br />

Foto © Paul Stegemann<br />

EDITORIAL<br />

„Leicht wird ein kleines Feuer ausgetreten,<br />

das – erst geduldet – Flüsse nicht mehr löschen.“<br />

William Shakespeare (1564-<strong>16</strong><strong>16</strong>): Heinrich VI.<br />

Sortierst Du auch ständig<br />

Buchstaben zu Wörtern?<br />

Am 1. Januar 2017 startet CROSS COMMUNICATION - die <strong>Osnabrücker</strong> Agentur für crossmediale<br />

Kommunikation von kleinen und mittleren Unternehmen. Im Verbund der metacrew group<br />

arbeiten wir für Ihren Erfolg mit 6 Unternehmen und 65 kreativen Cross- und Querdenkern.<br />

wenn es brennt, sind sie da. Aber nicht nur dann. Die Feuerwehren in Stadt und<br />

Land helfen bei Unfällen, Naturkatastrophen und in vielen anderen brenzligen<br />

Situationen. Für die letzte Ausgabe des Jahres 20<strong>16</strong> haben wir einen Blick auf<br />

Geschichte und Gegenwart der <strong>Osnabrücker</strong> Feuerwehren geworfen, viele<br />

engagierte Menschen getroffen und technische Gerätschaften bewundert, die<br />

nicht nur Kinderherzen höherschlagen lassen.<br />

Außerdem geben wir einmal mehr Antworten auf faszinierende Fragen: Wie alt<br />

ist eigentlich die <strong>Osnabrücker</strong> Neustadt? Was genau sind Löwendlinnen? Wie<br />

kam ein Schwergewichtsboxer an den Vornamen eines Friedensnobelpreisträgers?<br />

Und was macht ein Press-Schnecken-Separator bloß mit Elefantengras?<br />

Darüber hinaus starten wir in dieser Ausgabe, auf der Doppelseite 28 & 29,<br />

eine neue Rubrik, die sich mit Themen aus den 50er und 60er Jahren beschäftigt.<br />

Zum Auftakt geht es um die legendäre Straßenbahn, die im Mai 1960<br />

ihre letzten Runden durch Osnabrück drehte.<br />

Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Stöbern und Entdecken, das nötige<br />

Quäntchen Glück bei unserem Gewinnspiel (S. 58) – und natürlich erholsame<br />

Feiertage und einen gut gelaunten Jahreswechsel. 2017 lesen wir uns wieder!<br />

Dann suchen wir vielleicht genau Dich!<br />

Für unser Magazin „<strong>Osnabrücker</strong> <strong>Wissen</strong>“<br />

und andere aufregende Medienprojekte<br />

verstärken wir unser Redaktionsteam und<br />

suchen ab dem 1. Quartal 2017:<br />

Redaktionsassistent/in<br />

Teil- oder Vollzeit<br />

Zur Koordination der Redaktion, Betreuung sowie<br />

Neu- und Weiterentwicklung von Schreibprojekten<br />

und Unterstützung von Vertriebsmaßnahmen.<br />

(freie) Redakteure<br />

auf Honorarbasis<br />

Für die Umsetzung einzelner Storys.<br />

Spezialität des Hauses: Auf digitalen Kanälen reale Geschäftskontakte anzubahnen. Und Ihr<br />

Budget so einzusetzen, dass die Investition pro Neukunde messbar geringer ausfällt .<br />

Dr. Thorsten Stegemann<br />

Chefredakteur<br />

Stephan Buchholz<br />

Herausgeber<br />

Herausgeber von<br />

AUFGEWECKT DURCH STADT UND LANDKREIS<br />

Erste Infos zu mehr Effizienz im Marketing gibt es hier:<br />

www.cross-communication.de<br />

Jetzt auch online noch mehr Fragen zur Region entdecken!<br />

Einfach „liken“ und regelmäßig weitere spannende Antworten finden:<br />

www.osnabruecker-wissen.de/facebook<br />

Medienagentur KreativKompass GmbH<br />

Herrn Stephan Buchholz<br />

Im Hamme 7 · 49205 Hasbergen<br />

E-Mail: buchholz@kreativkompass.de


IMPRESSUM<br />

<strong>16</strong><br />

<strong>Nr</strong>.<br />

INHALT<br />

Welche Fragen zur <strong>Osnabrücker</strong> Region<br />

beantworten wir in dieser Ausgabe?<br />

TOPTHEMA<br />

AUFGEWECKT DURCH STADT UND LANDKREIS<br />

Ein Medienprojekt der<br />

Medienagentur KreativKompass GmbH<br />

Geschäftsführer: Stephan Buchholz<br />

Im Hamme 7<br />

49205 Hasbergen<br />

Telefon: +49 5405 / 80 83 2<strong>16</strong><br />

E-Mail: kontakt@kreativkompass.de<br />

Internet: www.kreativkompass.de<br />

REDAKTION<br />

Chefredakteur:<br />

Dr. Thorsten Stegemann<br />

Weitere Redaktionsmitglieder<br />

dieser Ausgabe:<br />

Ebba Ehrnsberger<br />

Dr. Christof Spannhoff<br />

Heiko Schulze<br />

Sina-Christin Wilk<br />

Kristina Hoffmann<br />

Eva Specker<br />

Julia Eismann<br />

Carsten Neyer / Werner Beermann<br />

Gastbeiträge in dieser Ausgabe:<br />

Daniela A. Ben Said<br />

Quid agis* GmbH, Redner-Agentur<br />

Barbara Kahlert<br />

Museum Industriekultur Osnabrück<br />

Marie Meierhofer<br />

Zoo Osnabrück<br />

Bodo Zehm<br />

Stadt- und Kreisarchäologie Osnabrück<br />

Beatrice le Coutre-Bick<br />

Literaturbüro Westniedersachsen / Osnabrück<br />

Carina Sander<br />

Schüler-Forschungs-Zentrum Osnabrück<br />

Dr. Heidrun Derks<br />

Museum und Park Kalkriese<br />

Lisa Mammitzsch<br />

Museum am Schölerberg<br />

Leitung Vermarktung & Mediengestaltung<br />

Stephan Buchholz<br />

Mediengestaltung<br />

Laura Fromm<br />

Projektmanagement & Vermarktung<br />

Igor Hafner<br />

Projektmanagement & Distribution<br />

Sebastian Buchholz<br />

BILDMATERIAL<br />

Jana Lange · www.jana-fotografiert.de<br />

Oliver Schratz · www.blendeneffekte.de<br />

sowie siehe Bildnachweise.<br />

Grundmotiv Titelfoto © Smileus, Fotolia.de -<br />

Collage Medienagentur KreativKompass<br />

DRUCK & PRODUKTION<br />

Levien-Druck GmbH<br />

Eduard-Pestel-Straße <strong>16</strong><br />

49080 Osnabrueck<br />

Telefon: +49 5 41 / 9 59 29-0<br />

Internet: www.levien.de<br />

REDAKTIONSSCHLUSS:<br />

November 20<strong>16</strong><br />

COPYRIGHT<br />

Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, Veröffentlichung im<br />

Internet oder Vervielfältigung auf Datenträgern nur nach<br />

vorheriger schriftlicher Genehmigung der Medienagentur<br />

KreativKompass GmbH. Trotz sorgfältiger Prüfung keine<br />

Gewähr für eventuelle Druckfehler. Unsere Redaktion ist<br />

selbstverständlich bemüht, alle Ansprüche im Bereich der<br />

Urheberrechte (insbesondere der Bildrechte) vor Drucklegung<br />

zu klären und zu berücksichtigen. Sollte uns trotzdem einmal ein<br />

unbeabsichtigter Fehler unterlaufen, wenden Sie sich bitte direkt<br />

an: redaktion@osnabruecker-wissen.de, damit wir schnell eine<br />

einvernehmliche Lösung finden.<br />

TOPTHEMA<br />

Wer löscht Osnabrück? 5<br />

WIRTSCHAFT & TECHNIK<br />

Warum wurde der Augustaschacht in<br />

Hasbergen-Ohrbeck erbaut? 10<br />

Wer brachte das "Kino in Kleinformat" in die Kinderzimmer? 12<br />

Wie integriert man neue Maschinen in einen Flugplan? 13<br />

Was ist Löwendlinnen? 14<br />

Warum fließt kein Öl in den Kanal? <strong>16</strong><br />

Wann steht ein Auto im Kino? 17<br />

Was ist in der <strong>Osnabrücker</strong> Startup-Szene los? 18<br />

AUSBILDUNG & KARRIERE<br />

Wo werden Roboter von Schülern programmiert? 19<br />

Was macht ein Press-Schnecken-Separator<br />

mit Elefantengras? 20<br />

STADT- & LANDGESCHICHTEN<br />

Hinten im Wald oder vor dem Berg? 22<br />

Hatten die Römer ein lockeres Verhältnis zum Geld? 23<br />

Wie alt ist die Neustadt? 24<br />

Wie kam Presse aus der Presse? (Teil 2: 1864 bis heute) 26<br />

Warum verschwand die Straßenbahn? 28<br />

Wie hoch ist Osnabrück? 32<br />

MOMENTAUFNAHMEN<br />

Wie frostig ist die Region? 30<br />

LEBEN & GESELLSCHAFT<br />

Wie schafft man einen Schrank(t)raum? 35<br />

Wer feiert Gottesdienst im Ledenhof? 36<br />

Was wird aus den guten Vorsätzen für 2017? 38<br />

SPORT & GESUNDHEIT<br />

Wer sorgt für mehr Patientensicherheit? 40<br />

Welcher Schwergewichtsboxer wurde nach einem<br />

Friedensnobelpreisträger benannt? 42<br />

DIE BESTEN KÖCHE DER REGION<br />

Wo treffen sich Frische und Vielfalt aus der Region? (Teil 2) 43<br />

NATUR & UMWELT<br />

Wer kennt die prachtvollste Antilope Afrikas? 44<br />

Wie holt man die Natur ins Museum? 45<br />

HINTER DEN KULISSEN<br />

Wer gibt grünes Licht in der City? 46<br />

KUNST & KULTUR<br />

Warum spricht die Justiz kein Recht? 48<br />

Wer fotografiert Bücher? 50<br />

Was tun, wenn Pamina krank wird? 52<br />

FAMILIE & SOZIALES<br />

Wo drohen soziale Schieflagen? 54<br />

Für wen schiebt man einen Kaffee auf? 55<br />

SCHÖNE GRÜSSE & GOLDENES BUCH<br />

Hallo, wie geht‘s? 56<br />

Wer trug sich ins Goldene Buch ein? 56<br />

HANDGEZEICHNET<br />

Was wurde aus dem sauren Regen? 57<br />

RÄTSELN & GEWINNEN<br />

Wie viel <strong>Wissen</strong> steckt in Ihnen? Kreuzworträtsel 58<br />

Was gibt es zu gewinnen? Preisübersicht 59<br />

Gründerfoto © Feuerwehr Osnabrück // BIld oben © Kzenon; fotolia.de // flammen © irontrybex; fotolia.de // falmmen © irontrybex; fotolia.de<br />

Wer loscht Osnabruck?<br />

Bereits kleine Kinder lernen, dass sie im Notfall die 112 wählen sollen. Nur wenig später rückt<br />

die Feuerwehr an, um bei Bränden und Unfällen zu Hilfe zu eilen. Was für uns selbstverständlich<br />

geworden ist, erfordert jedoch ein komplexes Zusammenspiel vieler einzelner Faktoren.<br />

Osnabrück, 1864: Eine Stadt war in Aufruhr - es brannte! Die Flammen<br />

schlugen mehrere Meter hoch. Herbei eilten über 200 Männer<br />

zwischen 18 und 60 aus den angrenzenden Straßen, allesamt zum<br />

Löschdienst verpflichtet, um mit Hilfe von Ledereimern den Brand<br />

zu löschen. Aber auch die bereits 1772 angeschaffte Feuerspritze<br />

kam nicht gegen die Feuersbrunst an. So brannte das Kaffeehaus<br />

Bellevue vollständig ab. Schlimmeres konnte nur durch das beherzte<br />

Eingreifen der Turner, die in der Nähe trainierten, abgewendet<br />

werden. Diesem<br />

Beispiel von disziplinierter<br />

Zusammenarbeit<br />

war es<br />

zu verdanken, dass<br />

Gründungsfoto der Turnerfeuerwehr<br />

auch Osnabrück dem allgemeinen Trend der Zeit folgte und<br />

die Gründung einer professionellen Feuerwehr mit festgelegten<br />

Statuten ins Auge fasste. Ab 1865 trieb die Turner-<br />

Feuerwehr die personelle und technische Ausstattung voran, um<br />

den Brandschutz der wachsenden Stadt zu gewährleisten.<br />

Eine straffe interne Organisation setzte sich alsbald durch, die<br />

eine klare Aufgabenteilung gemäß der militärisch anmutenden<br />

Satzung vorsah. 1909 wurde erstmalig ein hauptamtlicher Brandmeister<br />

eingestellt, der den Löschtrupp anführte. Mit der zunehmenden<br />

Industrialisierung kam auch effizienteres Lösch-Equipment<br />

auf den Markt: Die Stadt investierte trotz knappem<br />

Budget 1912 in eine Motorspritze und orderte 1919 erstmalig ein<br />

5


TOPTHEMA<br />

Pumpe-Verteiler © Jennewein Photo; fotolia.de // flammen © irontrybex; fotolia.de // Bilder oben © Sina-Christin Wilk<br />

motorisiertes Lösch-Fahrzeug. Seit 1926<br />

verfügt die Stadt Osnabrück über eine<br />

ordentliche Berufsfeuerwehr – mittlerweile<br />

verlangt das Niedersächsische Brandschutzgesetz<br />

dies von allen Kommunen<br />

mit mehr als 100.000 Einwohnern.<br />

Wer ist wer?<br />

Wenngleich die Stadt allerorten sparen<br />

muss, verfügt die Feuerwehr Osnabrück,<br />

welche sich aus Berufsfeuerwehr (BF) und<br />

Freiwilliger Feuerwehr (FF) zusammensetzt,<br />

über die notwendige Ausstattung.<br />

Zuständig sind sie für Notfälle wie Brände<br />

und Unfälle, aber auch bei Kleinsteinsätzen<br />

wie dem klassischen Fall der Katze auf<br />

dem Baum.<br />

Der Fuhrpark besteht aus 40 Fahrzeugen,<br />

deren jeweiliger Anschaffungspreis<br />

zwischen 20.000 Euro für einen PKW über<br />

300.000 Euro (Löschfahrzeug) bis hin zu<br />

1,1 Mio. Euro (Fahrzeug mit Drehleiter)<br />

liegt. Alle vier Jahre wechseln zwei Löschfahrzeuge<br />

vom Bestand der Berufsfeuerwehr<br />

in den der Freiwilligen Feuerwehr.<br />

Eine Besonderheit in Osnabrück stellt<br />

die enge Verzahnung von Berufsfeuerwehr<br />

und Freiwilliger Feuerwehr dar. Die<br />

Einsätze im Bereich Brandschutz werden<br />

stets gemeinsam gefahren, denn wie<br />

Stadtbrandmeister Markus Bergen aus<br />

Erfahrung zu berichten weiß, „können<br />

die Einsätze weder ausschließlich von der<br />

Berufsfeuerwehr noch von der Freiwilligen<br />

Feuerwehr abgedeckt werden“. Grundsätzlich<br />

werden die BF und die Ortsfeuerwehr<br />

alarmiert, die am nächsten gelegen sind.<br />

Je nach Situation umfasst die Zusammenarbeit<br />

sogar weitere Einheiten wie Polizei,<br />

THW und Ordnungsamt. Beispiele hierfür<br />

sind die Sondereinsatzgruppe (SEG),<br />

die bei Massenunfällen von Verletzten<br />

zum Einsatz kommt, und die vorbildliche<br />

Kooperation im Falle von Bombenräumungen.<br />

„Da seit 1998 regelmäßig<br />

Blindgänger aufgespürt und entschärft<br />

werden, haben wir inzwischen ein<br />

eingespieltes Team aus allen Hilfsorganisationen<br />

zusammengestellt, das routiniert<br />

und souverän für eine schnelle und sichere<br />

Räumung sorgt“, erklärt Klaus Fiening,<br />

Sachgebietsleiter vom Vorbeugenden<br />

Brandschutz.<br />

Was ist eine Bunte Leitstelle?<br />

Die „Bunte Leitstelle“ im Kreishaus am<br />

Schölerberg koordiniert die Einsätze von<br />

Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei<br />

in Osnabrück-Stadt. Auch wenn es - wegen<br />

akut erhöhtem Personalbedarf oder<br />

Bedarf an spezieller Ausrüstung - zu<br />

einer Zusammenarbeit der Feuerwehr<br />

OS und der Kreisfeuerwehr, die im Landkreis<br />

zuständig ist, kommt, wird diese hier<br />

organisiert. Zudem bilden die Hilfskräfte<br />

aus Stadt und Landkreis gemeinsam zwei<br />

Gruppen des Umweltschutzes mit den<br />

Schwerpunkten „Messen von Gefahrstoffen“<br />

und „Gewässerschutz“.<br />

Die Zuständigkeit der „Bunten Leitstelle“<br />

endet jedoch nicht an den Grenzen des<br />

Landkreises, denn die Einsätze für die<br />

Kreise Grafschaft Bentheim, Emsland und<br />

Leer fallen ebenfalls in ihre Verantwortlichkeit.<br />

Falls sich jemand in Osnabrück in einer<br />

Gefahren- oder Notsituation verwählt,<br />

stellt dies kein Problem dar: Alle Notrufe,<br />

die über 110 und 112 eingehen, werden<br />

zentral verwaltet und an die passenden<br />

Stellen weitergeleitet. Einer exakten<br />

Alarm- und Ausrückordnung entsprechend<br />

werden 95 % aller Notrufe mit<br />

bestimmten Codewörtern abgedeckt, die<br />

für jeden spezifischen Fall genau festlegen,<br />

wer alarmiert wird und welche Ausrüstung<br />

- wie beispielsweise spezielle Wasserwerfer,<br />

DLRG oder Hundestaffel - benötigt<br />

wird. Wird ein Alarm bei der BF ausgelöst,<br />

fahren die Tore der Garagen automatisch<br />

hoch, die Feuerwehrleute schlüpfen in<br />

ihre vorbereitete Einsatzkleidung und der<br />

Löschzug fährt innerhalb von einer Minute<br />

vom Hof. Kommt es zu einem Ausfall<br />

der Leitstelle, wie es im November<br />

20<strong>16</strong> der Fall war, wird innerhalb einer<br />

Viertelstunde das Notprogramm in Kraft<br />

gesetzt: Alle Gerätehäuser und Wachen<br />

werden besetzt und die Notrufe auf Notleitstellen<br />

umgeleitet. Die Kommunikation<br />

zwischen den einzelnen Feuerwehrkräften<br />

erfolgt über Telefon und Funk. Die<br />

durchstrukturierte Koordination der Leitstelle<br />

ermöglicht es in 65% der Einsätze,<br />

das angepeilte Schutzziel einzuhalten und<br />

somit innerhalb von acht Minuten am<br />

Einsatzort zu sein. Da dies in den östlich<br />

gelegenen Stadtteilen Lüstringen, Gretesch<br />

und Darum nicht ohne weiteres möglich<br />

ist - hier gibt es keine Ortsfeuerwehr -,<br />

besteht eine Kooperation mit einer der drei<br />

7


TOPTHEMA<br />

Große Schläuche im Anhänger<br />

Werkfeuerwehren (WF) in Osnabrück.<br />

Die WF der Firma Schöller steht der BF<br />

unterstützend zur Seite und rückt aus,<br />

wenn hier Alarm gegeben wird. Diese<br />

Zusammenarbeit ist keinesfalls selbstverständlich<br />

und deutschlandweit in<br />

dieser Form nur dreimal anzutreffen. Der<br />

Grundstein für eine weitere Besserung<br />

der Versorgungssituation ist bereits gelegt:<br />

20<strong>16</strong> fand ein Realisierungswettbewerb<br />

statt, durch den in absehbarer Zeit der<br />

Neubau der „Feuerwache Nordstraße“ in<br />

Angriff genommen wird.<br />

Auch der „Rendezvous-Einsatz“ ist eine<br />

Besonderheit des Rettungsdienstes. Dabei<br />

wird der Rettungswagen alarmiert,<br />

der sich in nächstgelegener Position zum<br />

abgesetzten Notruf befindet – unabhängig<br />

davon, ob es sich um einen Wagen der<br />

Feuerwehr oder eines anderen Rettungsdienstes<br />

handelt. Zusätzlich wird das<br />

Einsatzfahrzeug mit einem Notarzt losgeschickt,<br />

der dann vor Ort auf das Team des<br />

Rettungswagens trifft.<br />

Wie ist der Dienstplan<br />

der Feuerwehr aufgebaut?<br />

Die Dienstpläne der Führungskräfte der<br />

Berufsfeuerwehr werden bereits ein Jahr<br />

im Voraus abgestimmt. Die weiteren<br />

Mitarbeiter bekommen erst kurz vor<br />

Monatsbeginn ihre Dienste verbindlich<br />

zugeteilt, haben hier aber ein Mitspracherecht,<br />

soweit alle erforderlichen Funktionen<br />

besetzt sind, die täglich abgedeckt<br />

werden müssen. Die Mitarbeiter werden<br />

in 24-Stunden-Dienste in die rotierenden<br />

Kesselbrand: Gelöscht wird mit Löschschaum<br />

Wachschichten A und B eingeteilt, die<br />

jeweils über einen Pool von 55 Leuten<br />

verfügen. Pro Schicht werden <strong>16</strong> Leute<br />

für den Löschzug, 5 Leute für Sonderfahrzeuge<br />

und 6 Leute (3 Notärzte und 3<br />

Rettungskräfte) für den Rettungsdienst<br />

vorgehalten. So genannte „Verfüger“, zwei<br />

Personen aus dem mittleren Dienst, stehen<br />

zudem mit Rufbereitschaft auf dem<br />

Plan. Je nach Lage werden sie innerhalb<br />

von einer Stunde nach Dienstbeginn<br />

telefonisch zur Schicht gerufen oder haben<br />

frei. Die Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr<br />

haben keinen geregelten Dienstplan,<br />

müssen aber im Falle eines Notrufs vom<br />

Arbeitgeber freigestellt werden. Die<br />

Freiwillige Feuerwehr ist verpflichtet, zu<br />

jeder Tages- und Jahreszeit mindestens<br />

sechs Kräfte einsatzbereit zu halten, um<br />

die Berufsfeuerwehr zu unterstützen.<br />

Übungswagen für Feuerwehrleute<br />

Was lernen junge Feuerwehrleute?<br />

Nachwuchssorgen hat die Feuerwehr in<br />

Osnabrück nicht. Bereits bei Kindern ab<br />

sechs Jahren erfreut sich die Mitgliedschaft<br />

in der Freiwilligen Feuerwehr großer<br />

Beliebtheit. Die drei Kinderfeuerwehren<br />

in Osnabrück haben lange Wartelisten,<br />

sodass bereits die Einrichtung einer<br />

vierten Gruppe in Planung ist. Aus vielen<br />

Nachwuchskräften werden erwachsene<br />

Feuerwehrleute, einige bewerben<br />

sich dann später bei der Berufsfeuerwehr.<br />

Die Kräfte der FF kommen aus allen<br />

Berufs- und Gesellschaftsschichten,<br />

während es für den Eintritt in die BF<br />

Voraussetzung ist, zuvor einen handwerklichen<br />

Beruf gelernt zu haben. Die Ausbildungsinhalte<br />

sind für beide Gruppen<br />

relativ gleich, wenngleich die Ausbildungszeit<br />

bei der FF länger dauert, da sie<br />

berufsbegleitend erfolgen muss.<br />

Gelernt werden sämtliche Tätigkeiten eines<br />

Rettungssanitäters, außerdem gibt es<br />

Atemschutzschulungen und Feuerlöschprüfungen<br />

oder Unterrichtseinheiten zur<br />

Fahrzeugtechnik und zum Bedienen der<br />

Fahrzeuge.<br />

Bis zu einem Alter von 50 muss alle drei<br />

Jahre die arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung<br />

„G 26.3“ als bestanden<br />

bescheinigt werden, ab 50 erfolgt diese<br />

Untersuchung sicherheitshalber jährlich.<br />

Darüber hinaus muss die Fitness<br />

durch das Ablegen des Deutschen Sportabzeichens<br />

und des DLRG-Rettungsschwimmscheins<br />

in Silber gesichert sein.<br />

Regelmäßiger Dienstsport bzw. Gruppensport<br />

gehört zum Pflichtprogramm einer<br />

jeden Feuerwehrkraft. Hierfür werden<br />

seitens der Stadt sowohl Sporthallen zur<br />

Verfügung gestellt als auch ein begrenzter,<br />

kostenloser Zugang zu den städtischen<br />

Sportschwimmbädern ermöglicht.<br />

Die Kräfte der Berufsfeuerwehr steigen<br />

in den mittleren Dienst ein und können<br />

sich in weiterführenden Lehrgängen an<br />

der Niedersächsischen Akademie für<br />

Brand- und Katastrophenschutz in Celle<br />

für den gehobenen Dienst qualifizieren. In<br />

den Führungspositionen sind außerdem<br />

Akademiker vertreten, die vorwiegend<br />

organisatorische und strategische Aufgaben<br />

übernehmen.<br />

falmmen © irontrybex; fotolia.de // Schläuche; Auto © Sina-Christin Wilk // Kesselbrand © KlausFiening<br />

flammen © irontrybex; fotolia.de // Schutzanzüge © Sina-Christin Wilk // Feuerwehrauto im Wasser © JanSüdmersen<br />

Womit wird gelöscht?<br />

Jede Kommune ist verpflichtet, den<br />

Grundschutz an Löschwasser zu stellen.<br />

Konkret heißt das, dass (Trink-)Wasser<br />

aus Kanälen, Flüssen, Löschwasserteichen,<br />

Wasserstellen und Zisternen entnommen<br />

wird. Wird Wasser aus Unterflorhydranten<br />

genutzt, laufen 800l/ Min. mithilfe von<br />

Druckerhöhungspumpe in die Schläuche.<br />

Oberflorhydranten stehen unter Dauerdruck<br />

und liefern bis zu 8000 l/Minute. Je<br />

nach Größe des Objekts muss allerdings<br />

ein Betreiber von beispielsweise Gewerbe-,<br />

Industrie- oder Veranstaltungsräumlichkeiten<br />

gemäß der Ordnung „Objektschutz“<br />

einen Vorrat von 48, 96 oder 192 Kubikmeter<br />

Wasser gewährleisten. Ggf. wird dem<br />

genutzten Wasser Löschschaum zugefügt.<br />

Die Schläuche bestehen aus einem<br />

gummierten Kunstfasergewebe, das je<br />

nach Verwendungszeck und Druck durch<br />

die Flüssigkeiten in unterschiedlichen<br />

Längen (bis zu 80m) und Durchmessern<br />

(bis 11cm) vorhanden ist. In der Schlauchwerkstatt<br />

werden die Schläuche nach jeder<br />

Nutzung gewartet und repariert. Bevor sie<br />

wieder zum Einsatz freigegeben werden,<br />

werden sie zudem in einer Waschstraße<br />

gereinigt und in den Schlauchturm zum<br />

Trocknen aufgehängt.<br />

Hochwasser-Einsatz:<br />

Ein Feuerwehrwagen in<br />

Osnabrück kämpft sich durch<br />

die Wassermassen<br />

Wann löste der Oberbürgermeister<br />

Katastrophenalarm aus?<br />

2010 blieb dem Stadtoberhaupt – erstmals<br />

seit dem Zweiten Weltkrieg – keine<br />

andere Wahl. Innerhalb von 48 Stunden<br />

strömte so viel Regen auf Osnabrück wie<br />

sonst im Zeitraum von drei Monaten. Hase<br />

und Düte traten über die Ufer, der Starkregen<br />

flutete Umschaltwerke, das Wasser<br />

stand auf den Straßen und die Keller<br />

liefen voll. Abpumpen war aussichtslos, man<br />

versuchte den Schaden durch den<br />

Einsatz von 2.000 Menschen (auch das<br />

THW wurde bundesweit zu Hilfe gerufen)<br />

abzuwenden und die Infrastruktur<br />

weitgehend aufrecht zu erhalten. Am Ende<br />

bekamen die Helfer die Lage in den Griff.<br />

„Außergewöhnliche Wetterphänomene<br />

können aber auch in Zukunft immer<br />

häufiger unvorhersehbare Gefahrensituationen<br />

verursachen“, sagt Guido Maunert,<br />

Sachbearbeiter der Berufsfeuerwehr und<br />

Freiwilligen Feuerwehr.<br />

Schutzanzüge:<br />

Die Anzüge schützen<br />

die Feuerwehrleute vor Säure<br />

Wer hilft den Helfern?<br />

Zahlreiche Einsätze stellen eine mentale<br />

Belastungsprobe für Feuerwehrleute<br />

dar. Deshalb finden nach jedem größeren<br />

Einsatz Gesprächsrunden statt. „Manchmal<br />

tut es einfach gut, darüber zu reden“,<br />

erklärt Bergen. Doch weder die Feuerwehrleute<br />

noch Betroffene an den Einsatzorten<br />

werden alleine gelassen: Psychologen und<br />

speziell geschulte Seelsorger kümmern<br />

sich darum, dass die Menschen, die für die<br />

Sicherheit anderer alles stehen und liegen<br />

lassen, auch in Zukunft tatkräftig ihrer<br />

verantwortungsvollen Rolle nachkommen<br />

können. | Sina-Christin Wilk<br />

WISSEN KOMPAKT<br />

EINSÄTZE 2015<br />

Brände und Brandmeldungen: 652<br />

Rettungsdienst: 11.978<br />

Technische Hilfsleistungen: 2147<br />

MITGLIEDER<br />

Berufsfeuerwehr (18-60 Jahre):<br />

140, davon 7 Frauen<br />

7 Freiwillige Feuerwehren<br />

(18-63 Jahre): 300, davon 30 Frauen<br />

7 Jugendfeuerwehren<br />

(10-17 Jahre): 100<br />

3 Kinderfeuerwehren<br />

(6-10 Jahre): 45<br />

Gemeinsame Altersabteilung:<br />

ca. 50<br />

Feuerwehr- und Rettungsleitstelle<br />

Nobbenburger Straße 4<br />

49076 Osnabrück<br />

www.osnabrueck.de/feuerwehr<br />

8<br />

9


WIRTSCHAFT & TECHNIK<br />

Warum wurde der<br />

Augustaschacht<br />

in Hasbergen-Ohrbeck erbaut?<br />

„Dornröschenschlaf“, aus dem sie erst ab 2002 mit der<br />

Einrichtung einer Gedenkstätte wiedererwachte. Bereits<br />

im Jahre 2000 gründeten Bürger aus Stadt- und Landkreis<br />

Osnabrück einen Verein zur Errichtung einer<br />

Gedenkstätte im ehemaligen Lagergebäude. Für einen<br />

symbolischen Betrag überließ die Georgsmarienhütte<br />

GmbH dem Verein das vor allem im Inneren stark<br />

sanierungsbedürftige Augustaschachtgebäude.<br />

Der Hüggel spielte eine zentrale Rolle in der Bergbaugeschichte des <strong>Osnabrücker</strong> Landes.<br />

Carsten Neyer und Werner Beermann, die den Weg des Erzes vom Abbau über den Transport<br />

bis hin zur Verarbeitung in Georgsmarienhütte in einem neuen Bildband mit dem Titel „Vom<br />

Hüggelerz zum Hüttenstahl“ beschrieben haben, lassen für „<strong>Osnabrücker</strong> <strong>Wissen</strong>“ drei<br />

besonders spannende Kapitel lebendig werden. Wir beginnen mit dem Augustaschacht in<br />

Hasbergen-Ohrbeck.<br />

Das Vorkommen von Eisenerz am<br />

Hüggel war eine der Voraussetzungen<br />

für die Gründung des Eisenhüttenwerkes<br />

Georgsmarienhütte im Jahr 1856.<br />

Der Abbau der Erze erfolgte in Tage- und<br />

Untertagebauen in den Gemeinden<br />

Ohrbeck und Hasbergen. Bis zur<br />

Fertigstellung der Hüggeleisenbahnstrecke<br />

1866 wurde es mit Pferdefuhrwerken<br />

zum etwa vier Kilometer östlich<br />

errichteten Hüttenwerk transportiert. Zur<br />

Entwässerung der ausgedehnten Abbaufelder<br />

wurde mit dem Bau des Mathildenstollens<br />

begonnen, der das in erheblichen<br />

Mengen anfallende Grubenwasser mit<br />

natürlichem Gefälle zu Tage leitete.<br />

Wie viel PS braucht eine Pumpe?<br />

Mit fortschreitendem Erzabbau in<br />

tieferen Lagen musste jedoch eine andere<br />

Lösung zur Entwässerung gefunden werden.<br />

Man trieb hierfür 20 Meter unter<br />

der Mathildenstollensohle einen Entwässerungsstollen<br />

bis zum Augustaschacht<br />

vor. Dort wurde zwischen 1874 und 1876<br />

der etwa 30 Meter tiefe Wasserhaltungsschacht<br />

abgeteuft und darüber das heute<br />

noch im Original erhaltene Pumpenhaus<br />

mit einem Dampfkesselhaus daneben<br />

errichtet. In dem aus Hüttenschlackensteinen<br />

erbauten Pumpenhaus<br />

installierte man eine dem damaligen<br />

Stand der Technik entsprechende<br />

große dampfbetriebene Kolbenpumpe<br />

mit einem riesigen Schwungrad.<br />

Die 300 PS leistende Wasserhaltungsmaschine<br />

förderte bei fünf bis sechs Hüben<br />

pro Minute etwa sechs Kubikmeter<br />

Grubenwasser zu Tage. Nach dem Bau<br />

eines Elektrizitätswerkes im Hüttenwerk<br />

in Georgsmarienhütte von 1907 bis 1908<br />

wurde eine 1.650 Volt Starkstromleitung<br />

zum Augustaschacht verlegt. Nach ca. 30<br />

Jahren Betrieb ersetzte man die bisherige<br />

dampfbetriebene Pumpe durch eine Elektrische.<br />

Wie wurde aus der Bergwerksanlage<br />

eine Gedenkstätte?<br />

Das Dampfkesselgebäude wurde um<br />

1922 zu Wohnungen für Werksangehörige<br />

und ihre Familien umgebaut.<br />

Während des Zweiten Weltkrieges gab<br />

es am Augustaschacht zunächst ein<br />

Lager für französische Kriegsgefangene,<br />

die im Hüttenwerk arbeiten mussten.<br />

Von Januar 1944 bis April 1945 wurde das<br />

Pumpenhaus als das berüchtigte Arbeitserziehungslager<br />

Ohrbeck von der Gestapo<br />

Osnabrück genutzt. Nach Kriegsende<br />

wurden die beiden Augustaschachtgebäude<br />

für ausgebombte <strong>Osnabrücker</strong> und Flüchtlingsfamilien<br />

hergerichtet. Im ehemaligen<br />

Kesselhaus lebten auch weiterhin Familien<br />

von Werksangehörigen, später wurde<br />

es abgerissen. Mit dem Bau von Werkswohnungen<br />

in Oesede und Holzhausen<br />

von 1952 bis 1960 wurden die Wohnungen<br />

am Augustaschacht später geräumt.<br />

Viele Jahre lag die ehemalige<br />

Bergwerksanlage dann in einer Art<br />

Bilder © Archiv Beermann<br />

2002 begannen die Mitglieder des Vereins, unterstützt von<br />

einer Vielzahl freiwilliger Helfer und Förderer, mit den Sanierungs-<br />

und Ausbauarbeiten. Nach und nach richtete man die<br />

über die Grenzen des <strong>Osnabrücker</strong> Landes hinaus bekannte<br />

Gedenkstätte Augustaschacht ein, die am 6. April 2008<br />

eröffnet wurde. Heute erinnert sie in Verbindung mit der<br />

Gedenkstätte Gestapokeller an Überwachung, Terror<br />

und Gewaltausübung der Gestapo im Grenzgebiet zu den<br />

Niederlanden. | Carsten Neyer / Werner Beermann<br />

„<strong>Osnabrücker</strong> <strong>Wissen</strong>“<br />

verlost zwei<br />

Exemplare des sehens-,<br />

aber auch lesenswerten<br />

Bildbandes -<br />

siehe Seite 59.<br />

WISSEN KOMPAKT<br />

NEUER BILDBAND IM<br />

GEWINNSPIEL<br />

Das Buch „Vom Hüggelerz zum<br />

Hüttenstahl. Hasberger Erz für die<br />

Georgsmarienhütte“ ist 20<strong>16</strong> im<br />

Sutton Verlag erschienen und kostet<br />

19,99 EUR.<br />

<strong>16</strong>05_TV_Anzeige_Image_111x150mm_pfad.indd 1 03.05.20<strong>16</strong> 17:10:24<br />

Ab März 2017 -<br />

In der nächsten Ausgabe!<br />

Lesen Sie im zweiten Teil unserer Serie,<br />

wie Eisenerz, Kalkstein sowie Kohle zum Hüttenwerk<br />

transportiert wurden.<br />

10<br />

11


WIRTSCHAFT & TECHNIK<br />

WIRTSCHAFT & TECHNIK<br />

Wer brachte das „Kino in<br />

Kleinformat“ in die Kinderzimmer?<br />

Zum letzten Mal im Jahr 20<strong>16</strong> werfen wir einen Blick in das Depot<br />

des Museums Industriekultur und finden einen Spielzeugprojektor, der<br />

Comic-Helden der 70er auf einen Verpackungsdeckel wirft. Das<br />

Kult-Gerät ist – parallel zum Erscheinen dieser Ausgabe – im Museum<br />

zu sehen.<br />

Das DUX elkino 900 ist klein, leicht und<br />

kompakt, bringt aber etwas ganz Großartiges<br />

in die Kinderzimmer der 1970er Jahre.<br />

Mit dem Spielzeugprojektor<br />

können Kinder<br />

spannende wie lustige<br />

Filme selber<br />

abspielen. Das<br />

Gerät lässt<br />

sich spielend<br />

leicht bedienen:<br />

Stecker<br />

rein, Film<br />

rein, Knopf<br />

drücken und<br />

schon beginnt<br />

für die Kleinen das<br />

Kinoerlebnis. Als Leinwand<br />

dient die Innenseite des<br />

Verpackungsdeckels. Die Filmauswahl ist<br />

groß, es gibt Filme in Schwarz-Weiß und<br />

in Farbe, in 1,5 bis 3 Minuten Länge. Unter<br />

den Disney-Filmen finden sich vor allem<br />

die Klassiker, zum<br />

Beispiel Mickey Mouse, Donald Duck,<br />

Pinocchio, Bambi oder Schneewittchen.<br />

Deutsche Märchen wie Aschenputtel sind<br />

im Sortiment und zahlreiche andere Filme.<br />

Es gibt Heidi, Biene Maja, Sindbad,<br />

Tom und Jerry und natürlich Dick und<br />

Doof. Ist die Auswahl erst einmal getroffen<br />

und die Filme laufen, lassen sich die<br />

Kinder nur schwer von ihren Comic-Helden<br />

trennen.<br />

Allerdings ist das Gerät mit 72,50 DM<br />

nicht preiswert und viele Eltern können<br />

ihrem Kind diesen Wunsch nicht erfüllen.<br />

Auch wenn es die Filme Max und<br />

Moritz–Streich 1 und 2 gratis gibt, müssen<br />

weitere Filme zusätzlich finanziert werden.<br />

Sie kosten je nach Filmlänge bis zu 11 DM,<br />

was in den 1970er Jahren viel Geld ist.<br />

Welcher Hersteller macht sich um<br />

die Unterhaltung der Kleinsten<br />

verdient?<br />

Dies verrät die kleine Schwalbe, die auf<br />

dem für die 70er typisch orangefarbenen<br />

Kunststoffgehäuse abgebildet ist. Es ist das<br />

Firmenzeichen des Lüdenscheider Unternehmens<br />

Markes & Co alias Dux, gegründet<br />

von Carl Markes im Jahre 1904. Zu Beginn<br />

fertigt das Unternehmen nur Bauteile<br />

für den Hersteller von Stabilo-Baukästen<br />

an, bis es 1933 mit der Produktion von<br />

eigenem Blechspielzeug startet.<br />

1935 wagt die Firma etwas Neues. Sie<br />

bringt ein von dem spanischen Ingenieur<br />

Nebel entwickeltes optisches Spielzeug<br />

auf den Markt – das erste Modell der sogenannten<br />

Dux Kinos. Gab es zuvor mit<br />

der Laterna Magica nur optisches Spielzeug<br />

mit stehenden Bildern, kommt nun<br />

Bewegung ins Spiel. Anders als der DUX<br />

elkino 900, der mit einem Motor angetrieben<br />

wird, müssen die Filme der ersten<br />

Modelle allerdings noch mit einer<br />

Handkurbel zum Laufen gebracht werden.<br />

| Barbara Kahlert<br />

Bilder © Maren Kiupel<br />

Bilder Crew und Passagiere © Germania // Flugzeugstart © FMO // Flugplan © Fotolia.de, zhu difeng<br />

Wie integriert man neue<br />

Maschinen in einen Flugplan?<br />

Die Sonne liegt so nah: Nur wenige Kilometer von der <strong>Osnabrücker</strong> Fußgängerzone entfernt<br />

kann man am Flughafen Münster/Osnabrück in den Urlaub starten. Wer aufs Rollfeld blickt und<br />

die verschiedenen Fahrzeuge beobachtet, bekommt eine Idee, welch enormer Aufwand im<br />

Hintergrund abläuft. Nun stationiert die Germania ein weiteres Flugzeug am FMO. Grund für<br />

uns, neugierig zu werden.<br />

Aktuell starten am FMO im Sommerflugplan<br />

10 Fluggesellschaften. Das bedeutet<br />

pro Tag etwa 120 Starts und Landungen<br />

für Passagiere. Ab 2017 bietet<br />

die Fluggesellschaft Germania mit einer<br />

zweiten Maschine mehr als doppelt<br />

so viele Plätze in Richtung<br />

Urlaub an. Kapazität<br />

und Frequenz auf beliebten<br />

Destinationen<br />

wie Mallorca, den<br />

Kanaren, Malaga und<br />

Kreta werden deutlich<br />

ausgeweitet. Neu<br />

kommt Faro an der<br />

Algarve hinzu.<br />

Wer bestimmt die Ziele?<br />

„Wir erkennen Wunschziele aus unseren<br />

Analysen, aber auch aus der Kommunikation<br />

mit Fluggästen. Diese<br />

schlagen wir dann den Airlines vor und<br />

erarbeiten gemeinsam Erweiterungen<br />

im Streckennetz oder Ausweitungen<br />

der Frequenzen auf bestimmte Ziele“,<br />

erklärt Andres Heinemann, Leiter<br />

Marketing und Kommunikation am<br />

FMO. Die Airlines – in diesem Fall die<br />

Germania – ermitteln ebenfalls, zu welchen<br />

Zielen sie Potential sehen. Im Dialog<br />

mit dem Flughafen entsteht dann<br />

die Strecken- und Flugplanung.<br />

Auch sollte dabei berücksichtigt<br />

werden, dass die<br />

Crews entsprechend ihrenjeweiligen<br />

Arbeitszeiten<br />

getauscht werden<br />

müssen und wo das<br />

jeweils am besten geschehen<br />

kann.<br />

„Das Plus an Passagieren<br />

muss vorbereitet werden“,<br />

berichtet Dirk Helf, Director Scheduling<br />

bei Germania. Die Airline<br />

schließt dafür Verträge mit Catering-<br />

Firmen oder für die Räumlichkeiten am<br />

Flughafen und der Abfertigung.<br />

Auch in der Flugplanung wächst<br />

der Aufwand, schließlich müssen<br />

die Flugzeuge mit allen Himmels-<br />

bewegungen koordiniert werden. Mehrarbeit<br />

gibt es ebenso für die Techniker<br />

in der Wartung und natürlich für<br />

Piloten und Pilotinnen und die Flugbegleiter.<br />

Woher kommt das Personal<br />

fur das neue Flugzeug?<br />

Es gibt festes Personal, das im <strong>Osnabrücker</strong><br />

Land wohnt. Für die Spitzenzeiten<br />

verstärken übergangsweise Cockpit- und<br />

Kabinenmitglieder von anderen Stationen.<br />

Gemeinsam mit den Airlines erreicht<br />

der FMO nicht zuletzt durch die schnelle<br />

Erreichbarkeit, entspannte Atmosphäre,<br />

gute Parkmöglichkeiten und den Ausbau<br />

des Flugplans wieder wachsende Beliebtheit<br />

bei den Fluggästen.<br />

| Julia Eismann<br />

13


WIRTSCHAFT & TECHNIK<br />

Frauen beim Flachsriepen und Flachsboken<br />

Was ist Löwendlinnen?<br />

Vom 22. Mai bis zum 28. August wurde im Kulturgeschichtlichen Museum Osnabrück die<br />

Sonderausstellung „true born Osnabrughs – Leinen 20<strong>16</strong>“ gezeigt. Sie war das Ergebnis<br />

eines Studienprojektes zum Thema „Leinen und Flachs“, das an der Universität Osnabrück,<br />

Fachbereich 1 Textiles Gestalten, unter der Leitung von Prof. Dr. Bärbel Schmidt in Kooperation<br />

von Dr. Eva Berger, Direktorin des Kulturgeschichtlichen Museums Osnabrück, durchgeführt<br />

wurde. Neben der heutigen Nutzung von Leinen thematisierte die Ausstellung auch die<br />

besondere historische Bedeutung, die das Gewebe für die Entwicklung Osnabrücks hatte.<br />

Die Herstellung und der Vertrieb von<br />

Leinenstoff war bis in das 19. Jahrhundert<br />

hinein ein wichtiger Faktor der<br />

<strong>Osnabrücker</strong> Wirtschaft – sowohl in der<br />

Stadt wie auch auf dem Lande. Für den<br />

<strong>Osnabrücker</strong> Landtag stellten Leinenproduktion<br />

und -handel seit 1766 sogar<br />

die „vornehmsten Mittel der Nahrung<br />

und des Gelderwerbs in verschiedenen<br />

Distrikten und Gegenden des Hochstifts<br />

Osnabrück“ dar.<br />

Mitte des 18. Jahrhunderts war es allerdings<br />

aufgrund ausländischer Konkurrenzprodukte,<br />

minderwertiger heimischer<br />

Fertigung und den Folgen des Siebenjährigen<br />

Krieges (1756–1763) zu einer<br />

Depression des Leinengewerbes gekommen.<br />

Deshalb bemühte sich in der Folge<br />

kein Geringerer als der Jurist, Staatsmann,<br />

Historiker und Literat Justus Möser (1720–<br />

1794), das Leinengewerbe in Stadt und<br />

Textilverarbeitung (Kupferstich) aus den<br />

„Georgica Curiosa Aucta“<br />

Hochstift Osnabrück wiederzubeleben.<br />

Und seine Maßnahmen, die von der Qualitätskontrolle<br />

des Saatgutes über verbesserte<br />

Methoden des Flachs- und Hanfanbaus,<br />

der Vereinheitlichung des Herstellungsprozesses<br />

bis hin zur Gütekontrolle des<br />

fertigen Stoffes reichten, hatten Erfolg: Seit<br />

1770 stand <strong>Osnabrücker</strong> Leinen wieder<br />

hoch im Kurs. Das <strong>Osnabrücker</strong> Rad als<br />

Gütesiegel war erneut zu einem weltweit<br />

anerkannten Markenzeichen geworden.<br />

Flachsbreche mit Holzschienen<br />

Woraus wurde<br />

Leinen gefertigt?<br />

Das <strong>Osnabrücker</strong> Leinen wurde sowohl<br />

aus Hanf als auch aus Flachs gefertigt. War<br />

ursprünglich mehr Flachs zur Produktion<br />

genutzt worden, so verwendete man am<br />

Ende des 18. Jahrhunderts hauptsächlich<br />

Hanf zur Herstellung des Leinens, weil<br />

dessen Anbau eine sichere Ernte versprach,<br />

mehr Garn aus den Hanfpflanzen gewonnen<br />

werden konnte und die Hanffaser<br />

stabiler war. Aus dem <strong>Osnabrücker</strong> Leinen<br />

wurde neben Bettwäsche und Segelstoff<br />

vor allem Alltagskleidung, z.B. Hemden<br />

und Hosen, gefertigt, die vor allem in<br />

wärmeren Klimazonen sehr beliebt war.<br />

Um das Leinen weiß zu bekommen, wurde<br />

es in Asche gekocht und später gebleicht.<br />

Wo wurde „Löwendlinnen“<br />

hergestellt und wohin<br />

wurde es vertrieben?<br />

Das Produkt, das zumeist in häuslichem<br />

Nebenerwerb von der unterbäuerlichen<br />

Bevölkerung hergestellt und dann<br />

von Leinenhändlern aufgekauft oder<br />

direkt im Verlagssystem gefertigt wurde,<br />

nannte man im <strong>Osnabrücker</strong> Land<br />

„Löwendlinnen“. Dieser Stoff wurde weit<br />

über die Grenzen des Hochstifts geschätzt,<br />

wie der Ibbenbürener Leggemeister Friedrich<br />

Meese 1792 im dritten Band des<br />

Kupferstich © Daniel Chodowiecki; Haspel und Krone, Spinnrad und Webstuhl © Kreisarchiv Steinfurt; Flachsbreche mit Holzschienen © Roemer Visscher, Sinnepoppen; Flachsverarbeitung<br />

(Kupferstich) aus den „Georgica Curiosa Aucta“ © Wolf Helmhardt von Hohberg<br />

Neuen Westphälischen Magazins zur Geographie,<br />

Historie und Statistik berichtet:<br />

„Unter den verschiedenen und mancherley<br />

Arten von Leinwand, welche in Westphalen<br />

gemacht, und von da aus weit und breit<br />

verführet wird, verdienet unter anderem<br />

auch das Löwendlinnen, welches man auch<br />

in einigen Provinzen Lauendlinnen heißt,<br />

eine Beschreibung […]. Diese Linnen<br />

werden vornehmlich im Osnabrückschen,<br />

Tecklenburgschen und Ravensbergschen,<br />

der übrige weit geringere Theil in Diepholtschen,<br />

Mindenschen, der Obergrafschaft<br />

Lingen [Brochterbeck, Ibbenbüren,<br />

Mettingen und Recke], und in ein<br />

paar Kirchspielen im Münsterlande<br />

an den Grenzen der Obergrafschaft<br />

Lingen verfertigt.“ Das <strong>Osnabrücker</strong><br />

Leinen, das laut Meese über<br />

Bremen, Amsterdam und Hamburg<br />

größtenteils nach Spanien, Portugal,<br />

England, aber auch nach Schottland und<br />

Frankreich – und über diese Länder auch<br />

in deren Kolonien in Amerika, Ostindien<br />

und Nordafrika – exportiert wurde, trug<br />

also die Bezeichnung „Löwendlinnen“.<br />

Haspel und Krone zur Vorbereitung des Garns zum Weben<br />

Essen ist fertig!<br />

Woher kommt der Begriff?<br />

Es ist die Ansicht vertreten worden, das<br />

Löwendlinnen habe seinen Namen von<br />

einem Löwenbild auf dem Leggestempel<br />

erhalten. Mit einem Stempelabdruck<br />

auf dem Leinenstoff wurde – je nachdem,<br />

an welcher Stelle er angebracht war<br />

– die Qualität des Leinens eingestuft und<br />

bestätigt. Diese Prüfung wurde in der<br />

sogenannten „Legge“ vorgenommen.<br />

Der Begriff Legge kommt übrigens von<br />

niederdeutsch leggen ‚legen‘, weil das<br />

Leinen zur Begutachtung auf einem<br />

langen Tisch „ausgelegt“ wurde. Doch zeigen<br />

die überlieferten Leggestempel keinen<br />

Löwen im Bild, sondern das Wappen der<br />

jeweiligen Region – in Osnabrück natürlich<br />

das Rad – oder eine Krone. Der Begriff<br />

„Löwendlinnen“ hat auch ursprünglich<br />

nichts mit dem Löwen zu tun. In seinem<br />

Bestandteil „Löwend“ steckt vielmehr der<br />

alte, mittelniederdeutsche Begriff Lowand,<br />

Luwand, Lawand, Louwend, der nichts<br />

Flachsverarbeitung (Kupferstich)<br />

WIRTSCHAFT & TECHNIK<br />

anderes als ‚Leinwand‘ bedeutet, also das<br />

Leinen selbst bezeichnet. Das zeigen auch<br />

weitere mittelniederdeutsche Zusammensetzungen<br />

wie Louwenthose ‚Hose<br />

aus Leinen‘ oder die Bezeichnungen für<br />

den Leinwandhändler: Louwantkoper<br />

‚Leinwandkäufer‘, Louwantsnider ‚ Leinwandschneider‘,<br />

Louwantstriker ‚ Leinwandstreicher,<br />

Tuchmesser‘. Darüber gibt<br />

das sechsbändige Mittelniederdeutsche<br />

Wörterbuch von Karl Schiller und August<br />

Lübben Auskunft, das zwischen 1875 und<br />

1881 erschienen ist, aber noch immer unersetzlich<br />

ist. Der Ausdruck „Löwendlinnen“<br />

ist also eine Tautologie, eine Wiederholung<br />

des ersten Wortbestandteiles wie etwa<br />

heute in La-Ola-Welle, Guerillakrieg oder<br />

Salsa-Sauce, die entstanden ist, weil man<br />

in späterer Zeit das Wort Löwend nicht<br />

mehr verstanden hat. Löwendlinnen heißt<br />

also übersetzt lediglich ‚Leinwand-Leinen‘.<br />

| Christof Spannhoff<br />

Männer beim Flachsboken. Buchmalerei eines<br />

flämischen Stundenbuches um 1520<br />

Längst vergessene Speisen kommen hier wieder auf den<br />

Tisch. Im Wirtschaftswunder genießen Sie Klassiker der<br />

50er & 60er Jahre und das Beste von heute.<br />

In Petticoat und Hosenträgern begrüßt Sie das Team täglich<br />

ab 18.00 Uhr.<br />

Wirtschaftswunder einfach essen + trinken im arcona L<strong>IV</strong>ING OSNABRÜCK · Neuer Graben 39 · 49074 Osnabrück<br />

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14<br />

15


WIRTSCHAFT & TECHNIK<br />

Wann steht ein<br />

Auto im Kino?<br />

Sie gehören bei einem Kinobesuch einfach dazu: Kaum<br />

nimmt man im gemütlichen Sessel Platz und genießt die<br />

ersten Popcornflocken, flimmern Werbespots über die<br />

Leinwand. Eine Werbeform, an der man nicht so einfach vorbeikommt und die<br />

mitunter bereits Kultstatus erlangt hat. „<strong>Osnabrücker</strong> <strong>Wissen</strong>“ wollte wissen, was es darüber<br />

hinaus noch für Werbeformen in Lichtspielhäusern gibt.<br />

Warum fließt kein Öl in den Kanal?<br />

Mehr als 100 Schiffe steuern alljährlich den <strong>Osnabrücker</strong> Hafen an, um hier Heiz- und Dieselöl<br />

zu verladen. Während die Fracht durch eine Pipeline über die Elbe- und Brückenstraße in drei<br />

Hochtanklager gepumpt wird, sorgt ein ebenso einfaches wie effektives System für Sicherheit.<br />

Wenn die Schiffe die Hollager Schleuse<br />

hinter sich haben, drehen sie im Piesberger<br />

Wendebecken und fahren rückwärts<br />

in den <strong>Osnabrücker</strong> Ölhafen. Dieser<br />

wird seit 1966/67 durch eine sogenannte<br />

Pressluftölsperre gesichert. Sie besteht aus<br />

einem Düsenrohr, das von einem Kompressor<br />

angetrieben wird und Luftblasen<br />

in das Hafenwasser drückt. An der<br />

Oberfläche teilt sich die aufsteigende Luft<br />

in zwei horizontale, leicht schäumende<br />

Strömungen, die schwimmendes Öl und<br />

treibende Stoffe daran hindern, in andere<br />

Hafenbereiche oder in den Stichkanal zu<br />

fließen.<br />

Die Ölsperre hat sich in Osnabrück<br />

vielfach bewährt. „Es kommt immer mal<br />

wieder zu kleineren Leckagen – vor allem<br />

beim Verladen der Kraftstoffe.<br />

Mitunter muss dann sogar die<br />

Wasserpolizei gerufen und das<br />

ausgelaufene Öl von einem professionellen<br />

Entsorgungsunternehmen beseitigt<br />

werden“, erzählt Maik Medlitz, Leiter des<br />

Bereichs Infrastruktur, Bau und Unterhaltung<br />

bei der Eisenbahn- und Hafenbetriebsgesellschaft<br />

Region Osnabrück<br />

(EHB). Mit großen, folgenschweren Unfällen<br />

habe man bislang allerdings – Gott<br />

sei Dank – nichts zu tun gehabt. Damit<br />

das so bleibt, gelten im Ölhafen umfassende<br />

Sicherheitsbestimmungen. Das<br />

Becken darf immer nur von einem Schiff<br />

angesteuert werden. Außerdem bleibt die<br />

Pressluftölsperre während der rund sechsstündigen<br />

Entladung durchgehend eingeschaltet.<br />

Kein Wunder also, dass sie selbst<br />

regelmäßig gewartet werden muss.<br />

2010 wurde die Anlage für 50.000 Euro<br />

generalüberholt, alle zwei Jahre kommt<br />

der Kompressor auf den Prüfstand und<br />

einmal im Jahr machen sich DLRG-<br />

Taucher daran, das Düsenrohr von<br />

Schlamm und Muscheln zu befreien. Ein<br />

reibungsloser Betrieb der wichtigen Anlage<br />

ist somit garantiert. | Thorsten Stegemann<br />

WISSEN KOMPAKT<br />

DER ÖLHAFEN<br />

Öl wird nur in einem Teil des<br />

<strong>Osnabrücker</strong> Hafens umgeschlagen,<br />

die Zahlen sind trotzdem<br />

imposant: Im Jahr 2015 entluden<br />

129 Schiffe hier 142.000 Tonnen<br />

Heiz- und Dieselöl. Die Pressluftölsperre<br />

kam so in 12 Monaten auf<br />

rund 774 Betriebsstunden.<br />

Bilder © Thorsten Stegemann<br />

Auto © Filmpassage // Vorhang © razoomanetu, fotolia.de // Scheinwerfer © SkyLine, fotolia.de<br />

Die klassischste Variante in einem Kino<br />

ist natürlich zunächst die Leinwandwerbung.<br />

Ein Spot im Kino dauert in der Regel<br />

zwischen 30 und 45 Sekunden und transportiert<br />

in dieser Zeit eine konkrete<br />

Botschaft. Hier wird vor allem auf die Langversionen<br />

von Werbespots zurückgegriffen,<br />

die deutlich länger sind als im TV. Moderne<br />

Digitaltechniken ermöglichen, dass Spots<br />

schnell und zielgenau geschaltet werden.<br />

Filmabhängig, dem Genre und der<br />

Zielgruppe entsprechend, wird die Werbung<br />

im Kino abgespielt. Somit sind Spots sowohl<br />

regional als auch überregional auf den Leinwänden<br />

zu sehen. Doch auch in kleineren<br />

Bildschirmformaten lässt sich Werbung im<br />

Kino platzieren. Auf Monitoren, die sich im<br />

Foyer der Kinos befinden, können Imagefilme<br />

abgespielt werden. Während des täglichen<br />

Spielbetriebes werden damit Besucher<br />

erreicht, die sich in den gemütlichen Wartezonen<br />

aufhalten. „Gut gemachte Werbung<br />

erreicht den Kinobesucher sekundenschnell,<br />

das heißt für den Werbespot: lieber kurz und<br />

knackig als ausführlich und langweilig“,<br />

weiß Anja Thies, geschäftsführende Gesellschafterin<br />

der Filmpassage Osnabrück.<br />

Auch die Kinotickets sind ein interessantes<br />

Werbemedium, das jeder Kunde in die<br />

Hände bekommt. Viele Cineasten nehmen<br />

sie sogar gerne mit nach Hause und sammeln<br />

damit zahlreiche Werbebotschaften.<br />

Auf der Rückseite der Karte können Werbepartner<br />

des Kinos ihre Unternehmen und<br />

Produkte in Szene setzen. Hierbei wird die<br />

Werbung im Wechsel auf jedes zweite Ticket<br />

gedruckt, da Kinogänger in der Regel Paare<br />

oder Gruppen sind und somit eine höhere<br />

Streuwirkung erzielt wird. Vom Gutschein<br />

für einen Kakao im naheliegenden Café bis<br />

hin zum Aktionsangebot eines Fahrradhändlers<br />

ist hier (nahezu) alles denkbar.<br />

In der Filmpassage Osnabrück gibt es noch<br />

weitere spannende Werbeformen. Die vielen<br />

Plakatrahmen, Schaukästen und Glasgalerien<br />

auf den Gängen und im Eingangsbereich<br />

des Kinos können ebenfalls als Werbeplattform<br />

genutzt werden. Große DIN<br />

A1-Rahmen werden mit interessanten Unternehmens-Plakaten<br />

bestückt. Tiefe Schaukästen<br />

mit spezieller Beleuchtung ermöglichen<br />

zudem eine dreidimensionale Präsentation.<br />

Auch außergewöhnliche Promo-Aktionen<br />

oder Ausstellungen sind im Kino an der<br />

Johannisstraße möglich, in dem Produkte<br />

für einen bestimmten Zeitraum gezielt<br />

platziert werden. Zum Beispiel könnte bei<br />

Betreten des weitläufigen Foyers der Blick<br />

direkt auf einen schicken Aston Martin<br />

fallen, während im Kinosaal daneben gleich<br />

der neue James Bond gezeigt wird. Oder ein<br />

silberner DeLorean wartet auf die Besucher,<br />

um zurück in die Zukunft zu reisen.<br />

Wer möchte da nicht<br />

gerne einsteigen?<br />

Des Weiteren bieten Kinos großformatige<br />

Bannerwerbung als Präsentationsfläche an.<br />

Außerdem können Flyer und Give-Aways<br />

nach Rücksprache mit dem Kinobetreiber<br />

entweder an der Kasse ausgegeben oder auf<br />

Tischen platziert werden. Auch die hauseigenen<br />

Programm-Folder eines Kinos bieten<br />

Platz für Anzeigen. Nicht zuletzt ist Werbung<br />

auf der Dienstkleidung der Kinomitarbeiter<br />

oder den Sesselhussen, die im Saal über<br />

die Bestuhlung gezogen werden, möglich.<br />

Firmenlogos können ganz einfach auf<br />

den Stoff gestickt werden und sind<br />

somit für jeden Besucher gut sichtbar. Das<br />

Saalbranding, also die Benennung eines oder<br />

mehrerer ganzer Kinosäle, stellt ebenfalls<br />

eine wirksame Werbemöglichkeit dar.<br />

Nicht zu vergessen ist natürlich das bekannte<br />

Popcorntüten-Branding. Wer sich im Kino<br />

eine Portion schmecken lässt, hält nebenbei<br />

noch eine gängige Werbeform in der Hand,<br />

die ins Auge sticht. | Kristina Hoffmann<br />

Filmpassage<br />

Osnabrück<br />

Maik Medlitz, Leiter des Bereichs Infrastruktur, Bau und<br />

Unterhaltung bei der Eisenbahn- und Hafenbetriebsgesellschaft<br />

Region Osnabrück, vor dem <strong>Osnabrücker</strong> Ölhafen<br />

17


WIRTSCHAFT & TECHNIK<br />

AUSBILDUNG & KARRIERE<br />

Wo werden Roboter von Schülern programmiert?<br />

Alle auf die Bühne! Preisträger und Akteure trafen sich natürlich auch zum Gruppenbild<br />

Was ist in der <strong>Osnabrücker</strong><br />

Startup-Szene los?<br />

Eine gute Geschäftsidee, viel Engagement und große Leidenschaft sind<br />

die wesentlichen Zutaten für ein erfolgreiches Startup. Und natürlich<br />

braucht man auch ein gutes Netzwerk. Für all das gibt es in Osnabrück<br />

eine beachtliche Szene, die sich im November 20<strong>16</strong> zum sechsten Mal<br />

zur Verleihung des innovate-Awards im Theater traf.<br />

Hier in der Region tut sich viel Innovatives<br />

und es gibt gute Vorraussetzungen für<br />

Gründer und Starter von Unternehmen.<br />

Repräsentativ dafür hielt Jens Bormann<br />

den zentralen Vortrag über Unternehmertum.<br />

Bormann ist einer der Gründer von<br />

buw, die das Unternehmen im Spätsommer<br />

20<strong>16</strong> für weit über hundert Millionen<br />

Euro verkauft haben. Im Umfeld von<br />

InnovationsCentrum und Hochschule<br />

haben die neuen Ideen fruchtbaren Boden.<br />

Die innovate bestärkt diesen Schwung<br />

und kooperiert mit weiteren Hochschulen<br />

im Umfeld. Mit den beiden Award-<br />

Kategorien zeigt die innovate die<br />

Bandbreite unternehmerischer Entwicklungskraft:<br />

Der Campus-Award belohnt<br />

Ideen aus dem Hochschulumfeld, die kurz<br />

vor oder in der Gründung stehen. Er ging<br />

in diesem Jahr an Valispace. Valispace ist<br />

die erste Ingenieurssoftware, die es Teams<br />

von Ingenieuren erlaubt kollaborativ<br />

komplexe Produkte zu entwickeln. Der<br />

Company-Award geht an bereits etablierte<br />

Unternehmen, die innovative<br />

Lösungen bereit halten. In 20<strong>16</strong> war das<br />

das <strong>Osnabrücker</strong> Unternehmen Infomantis,<br />

das mit dem Sensellite ein Armband<br />

für Menschen an Risikoarbeitsplätzen<br />

entwickelt hat. Via Sensoren meldet das<br />

Preisübergabe: Tobias Eismann(metacrew)<br />

gratuliert Marco Witzmann vom Gewinner-<br />

Unternehmen Valispace zum Sieg<br />

Wearable dem Träger etwa Temperaturen<br />

oder auch Werte für bestimmte Gase und<br />

Luftverunreinigungen. Im Notfall löst es<br />

direkt Alarm aus und meldet den Standort<br />

des Trägers an die Rettungskräfte. In<br />

beiden Fällen wurden als Preisträger<br />

Teams und Unternehmen ausgezeichnet,<br />

die auf ihrem Gebiet völlig neu<br />

gedacht haben und mit der erarbeiteten<br />

Innovation Verbesserungen herbeiführen.<br />

Bestimmt hätte Steve Jobs auch einen<br />

innovate Award bekommen – wenn, ja<br />

wenn er doch nur bis ins <strong>Osnabrücker</strong><br />

Theater gekommen wäre … | Redaktion<br />

Bilder © Moritz Melzheimer<br />

Bilder Kinder © Carina Sander // Bild Nahaufnahme © golubovy, fotola.de<br />

Besucht man am Freitagnachmittag das Gebäude SP der Hochschule Osnabrück auf dem<br />

Campus Westerberg, begegnet man nicht wie üblich Studierenden, sondern trifft auf etwa 35<br />

Schülerinnen und Schüler im Alter von 10 bis 19 Jahren, die dort in Teams an Robotern bauen<br />

und diese programmieren.<br />

Die nehmen am Angebot „Robotics“ des<br />

Schüler-Forschungs-Zentrums (SFZ)<br />

Osnabrück teil und treffen sich in der<br />

Schulzeit jeden Freitag, um im Team an<br />

den Robotern zu arbeiten. Die Teams<br />

bereiten sich unter anderem auf die<br />

Teilnahme am RoboCup Junior vor, dem<br />

Schülerwettbewerb des internationalen<br />

RoboCup.<br />

Wie kann ein „ pfer“ von<br />

einem Roboter gefunden<br />

werden?<br />

In der Disziplin „Rescue“ des RoboCup<br />

Juniors haben die SchülerInnen die<br />

Aufgabe den Robotern beizubringen, ein<br />

„Opfer“ zu finden. Diese Such- und<br />

Bergeaufgaben sind vereinfachte Fragestellungen,<br />

die auch bei der Erforschung<br />

und Entwicklung „echter“ Such- und<br />

Rettungsroboter gelöst werden müssen.<br />

Dazu bringen die SchülerInnen den Robotern<br />

in der Unterdisziplin „Line“ bei, im<br />

Parcours einer Linie zu folgen, die über aufund<br />

absteigende Rampen verläuft. Auf der<br />

Linie stehende Hindernisse müssen die<br />

Roboter erkennen, umfahren und die Linie<br />

wiederfinden, um schließlich die<br />

„Opfer“ in Form von Metallkugeln<br />

zu erkennen und zu bergen. In der<br />

Unterdisziplin „Maze“ haben die Roboter<br />

die Aufgabe sich in einem Labyrinth<br />

mit mehreren Räumen und Ebenen zu<br />

orientieren und die „Opfer“ in Form von<br />

Heizelementen an den Wänden des<br />

Labyrinths zu erkennen.<br />

Wie kann ein Roboter einer<br />

Linie folgen?<br />

Die SchülerInnen statten ihre Roboter<br />

mit Licht- bzw. Farbsensoren zur Linienerkennung<br />

aus. Damit der Roboter der<br />

Linie folgt, muss der Sensor hinsichtlich<br />

der Abweichung zum Kurs sowie der<br />

Abweisungsrichtung ausgelesen werden<br />

und die Ergebnisse müssen den Motor<br />

des Roboters entsprechend steuern. Das<br />

Programm wird zu Beginn des Parcours<br />

einmal gestartet, danach müssen die<br />

Roboter der Linie selbstständig folgen.<br />

Wichtig ist dabei, dass der Roboter der<br />

Linie ohne starke Regelschwingungen,<br />

das heißt Hin- und Herschwanken von<br />

rechts nach links, folgt.<br />

Wie lernen die SchülerInnen<br />

die Programmierung der<br />

Roboter?<br />

Die SchülerInnen können zum einen<br />

LEGO® Mindstorms-Roboter konstruieren<br />

und programmieren. Die Mindstorms<br />

haben eine eigene Programmiersprache.<br />

Diese funktioniert mit Symbolen, die<br />

als Befehle hinter- bzw. nebeneinander<br />

gehängt werden. Für die ASURO-<br />

Roboter, die komplett selber gebaut<br />

werden, wird die Programmiersprache<br />

C verwendet. Die SchülerInnen arbeiten<br />

in kleinen Teams an ihren Robotern und<br />

helfen sich gegenseitig bei Problemen<br />

oder Fragen. Unterstützt werden sie von<br />

der Lehrerin Dr. Katrin Lückmann vom<br />

Gymnasium in der Wüste und<br />

Danuta Prasse sowie von studentischen<br />

Hilfskräften der Hochschule Osnabrück.<br />

| Carina Sander<br />

Grafikdesign<br />

Webentwicklung<br />

Marketingkonzept<br />

Werbetext<br />

Werbefotografie<br />

Studio & On Location<br />

Produkt, Mode, People<br />

Architektur, Industrie …<br />

Digital- & Offsetdruck<br />

Bücher, Broschüren<br />

Plakate, Flyer, Kalender<br />

Geschäftsdrucksachen …<br />

www.medienpark-ankum.de<br />

Fahrzeugbeschriftung<br />

Schilder, Banner<br />

Schaufensterbeschriftung<br />

Messe- & Displaysysteme<br />

18 19


AUSBILDUNG & KARRIERE<br />

Was macht ein Press-Schnecken-Separator mit Elefantengras?<br />

VOR FÜNF JAHREN ENTWICKELTE DIPL.-ING. AGR. MARTIN PAULUS, GESCHÄFTSINHABER DER IM ICO<br />

OSNABRÜCK ANSÄSSIGEN FIRMA TECNOTRANS, IN ZUSAMMENARBEIT MIT EINEM SÜDDEUTSCHEN<br />

UNTERNEHMEN EINE HIGH-TECH-MASCHINE MIT AUSSERGEWÖHNLICHEN<br />

FÄHIGKEITEN.<br />

Der sogenannte Press-Schnecken-Separator<br />

trennt kontinuierlich und vollautomatisch<br />

Feststoffe von Flüssigkeiten<br />

und funktioniert sowohl<br />

bei dünn- als auch bei<br />

dickflüssigen Gemischen.<br />

Seine vielfältigen<br />

Anwendungsmöglichkeiten<br />

beweist<br />

er seit kurzem in der<br />

niederländischen Papierfabrik<br />

„VanHoutum“, in der ein besonderer<br />

Rohstoff verarbeitet wird.<br />

An der niederländischen Küste setzt man<br />

auf Elefantengras. Das auch als Chinaschilf<br />

oder Chinagras bekannte, schnellwüchsige<br />

und anspruchslose Gewächs<br />

wird hier extensiv kultiviert. Wegen<br />

seiner starken Zuwächse bei minimalem<br />

Input und geringem Nährstoffentzug<br />

bietet es ideale Voraussetzungen für die<br />

Nutzung als hochwertiger nachwachsender<br />

Rohstoff.<br />

In der Papierfabrik „VanHoutum“ wird<br />

das Elefantengras verschiedenen verfahrenstechnischen<br />

Prozessen unterzogen,<br />

bevor es als Ersatz für herkömmliche<br />

Zellulose verwertet werden kann. Nach<br />

einer mechanischen und thermischen<br />

Behandlung werden die Pflanzenfasern<br />

aus dieser Biomasse in einer wässrig alkalischen<br />

Lösung aufgeschlossen.<br />

Anschließend erfolgt die Feststoff-Flüssigkeitstrennung<br />

mit dem Separator der<br />

Firma TECNOTRANS: Die in der Lösung<br />

befindlichen Fasern werden herausgefiltert,<br />

gleichzeitig hochgradig entwässert<br />

und dann auf eine Papiermaschine<br />

geführt, die Toilettenpapier-Rollen in<br />

Serie fertigt. Ein nachhaltiges und umweltbewusstes<br />

Produktionsverfahren, das<br />

Rohstoffe vor der eigenen Haustür nutzt,<br />

findet so seinen Abschluss. | Redaktion<br />

Weitere Infos unter:<br />

www.hydro-tecnotrans.de<br />

Bilder © TECNOTRANS<br />

+++ Motion Media GmbH - stolp+friends kooperiert mit<br />

Motion Media. Zusammen bewerben und vermarkten<br />

die Partner die Websoftware WoWi 360 in der Wohnungswirtschaft.<br />

Die innovative Websoftware ermöglicht<br />

die Erstellung, Bearbeitung und Veröffentlichung<br />

von virtuellen Wohnungsbesichtigungen. Damit wird<br />

die Immobilienvermarktung für Wohnungsunternehmen<br />

deutlich einfacher. Weitere Informationen unter<br />

www.wowi360.de +++ Forestage Technologies GbR - 3D-<br />

Daten in der Virtual Reality erleben - in Sekunden.<br />

Das bietet die von der im ICO ansässigen Firma Forestage<br />

Technologies entwickelte, gleichnamige Softwarelösung<br />

Forestage. Weitere Informationen auf<br />

www.forestage.de +++ K-os Engineering - Neuer 3D-Drucker<br />

im Bau für große ABS und PLA Modelle im<br />

FDM Verfahren - mit Dualextruder und Druckbettgröße<br />

700 x 800 x 460mm. Die Fertigstellung ist<br />

für Januar 2017 geplant, um Formen und Fahrradrahmen<br />

im Rapid-Prototyping günstig anbieten zu<br />

können. Anfragen: kontakt@k-os.info +++ KÖLNDATA -<br />

am 17./ 18.01.2017 findet im ICO ein Seminar zur<br />

Vorbereitung auf die Zertifizierung „Professional<br />

Scrum Master“ (PSM) statt. Wer agiles Projektmanagement<br />

kennenlernen will und/ oder die Zertifizierung<br />

zum PSM anstrebt, ist hier genau richtig. Mehr<br />

Infos auf www.koelndata.de +++<br />

Kontakt<br />

ICO InnovationsCentrum Osnabrück GmbH<br />

Albert-Einstein-Straße 1<br />

49076 Osnabrück<br />

fon +49 541 202 80 - 0<br />

info@innovationscentrum-osnabrueck.de<br />

www.innovationscentrum-osnabrueck.de<br />

20<br />

Heimat genießen!<br />

www.spirit49.de


STADT- & LANDGESCHICHTEN<br />

STADT- & LANDGESCHICHTEN<br />

Orte in Stadt und Land (9)<br />

Hinten im Wald oder vor dem Berg?<br />

Hatten die Römer ein lockeres Verhältnis zum Geld?<br />

Himbergen hat 134 Einwohner, aber keinen Einkaufsladen,<br />

keine Kirche, keine Gaststätte und schon lange keinen<br />

Bürgermeister mehr. In dem kleinen Ort an den<br />

Ausläufern des Teutoburger Waldes gibt es aber einen Treffpunkt,<br />

doch der erfordert einen besonderen Anlass. Bei Hochzeiten zieht es Brautpaar und<br />

Gäste zur Rundbank an der alten Eiche.<br />

Der Ort Himbergen mit seinen nur noch sechs Bauernhöfen<br />

ist ein alter Flecken Erde in der Gemeinde Bissendorf. Seinen<br />

Ursprung datiert der Heimatforscher Günther Wrede auf das 12.<br />

Jahrhundert. Der Name war allerdings im Laufe der Vergangenheit<br />

vielen Veränderungen unterworfen. Aus Hembergen (1200)<br />

wurde zunächst Himberghe (1350), dann Lymberghen (1412) und<br />

schließlich Hymbergen (1412). Im 15. Jahrhundert bekam der<br />

kleine Ort seinen heute noch bekannten Ortsnamen Himbergen.<br />

Es gibt zwei Theorien, die die Bedeutung des Namens erklären.<br />

Beim Heimatforscher Hermann Jellinghaus kann man nachlesen,<br />

dass das Bestimmungswort „hind“ mit der Präposition „hinten“<br />

gleichzusetzen sei. Das Grundwort „bergen“ könnte im<br />

Ursprung von „bere“ abgeleitet werden. Jellinghaus, ebenso<br />

wie Wrede, bezeichnen „bere“ als einen aus Eichen und<br />

Buchen bestehenden Fruchtwald. Auch „him“ würde<br />

vor dem Panorama der Holter Berge einen Sinn ergeben.<br />

Damit ist ein mächtiger Stamm gemeint, der zum Himmel<br />

ragt und den Fruchtwald schützt.<br />

Die zweite These stammt vom Namensforscher Jürgen<br />

Udolph. Allerdings ist damit Himbergen im Landkreis<br />

Uelzen gemeint. In diesem Falle steht der Ortsname für<br />

„hinter dem Berge“, eine Erklärung, die augenscheinlich<br />

auch auf Himbergen bei Bissendorf zutreffen könnte. Das<br />

wäre dann allerdings der Blickwinkel, mit dem die Ritter<br />

von der Holter Burg auf Himbergen geschaut haben - und<br />

nicht aus Bissendorf. | Ebba Ehrnsberger<br />

Bilder © Ebba Ehrnsberger<br />

Münzen unten links © Varusschlacht im <strong>Osnabrücker</strong> Land, Hermann Pentermann // Münzen unten rechts © Varusschlacht im <strong>Osnabrücker</strong><br />

Land, Karten Keune // Münze oben Varusschlacht im <strong>Osnabrücker</strong> Land, Manfred Pollert<br />

Seit mehreren Jahrzenten wird in Kalkriese intensiv archäologisch geforscht. Das Ergebnis kann<br />

sich sehen lassen. Wer allerdings glaubte, dass mittlerweile das Ende in Sicht käme, hat sich<br />

geirrt, wie dieser Sommer einmal mehr zeigte.<br />

In diesem Jahr fanden die Ausgrabungen<br />

in den nördlich angrenzenden Waldschneisen<br />

im Park des Museums statt.<br />

Der Park ist in dem bisher bekannten<br />

Fundareal von rund 30 Quadratkilometern<br />

die archäologische Kernzone<br />

mit den konkretesten Hinweisen auf<br />

das Schlachtgeschehen, darunter neben<br />

tausenden römischer Funde die<br />

berühmte römische Gesichtsmaske oder<br />

die menschlichen Knochen mit Spuren<br />

tödlicher Verletzungen. Der andauernde<br />

Regen machte die diesjährige Ausgrabung<br />

allerdings zu einer Schlammschlacht:<br />

der Boden war tiefgründig aufgeweicht,<br />

überall sammelte sich das Wasser und<br />

Baufahrzeuge fuhren sich fest. Schnell<br />

war klar, dass unter diesen Bedingungen<br />

mehr zerstört als geborgen werden würde.<br />

Zwei Lösungen boten sich an: Abbrechen<br />

oder anstatt kleiner Teilbereiche die<br />

gesamte Waldschneise, rund 1000 Quadratmeter,<br />

untersuchen. Die Entscheidung<br />

fiel auf letzteres. Zum Glück, wie sich<br />

wenig später erweisen sollte! Am 9. Juni,<br />

gerade war mit der Baggerschaufel eine<br />

weitere Schicht Erde abgenommen<br />

worden, weckte ein ungewöhnliches<br />

Glitzern die Aufmerksamkeit der Archäologen.<br />

Kein Kaugummipapier, kein Rest<br />

einer Cola-Dose, kein Glimmerkram!<br />

Was da wenig später auf der Kelle lag, war<br />

eine Goldmünze aus der Zeit des Kaisers<br />

Augustus – und mit jedem weiteren<br />

Bodenabtrag traten weitere Goldmünzen<br />

zutage. Am Abend des 10. Juni konnten<br />

die Ausgräber die Entdeckung von<br />

acht römischen Goldmünzen bilanzieren.<br />

Die Münzen wurden um 2 v. Chr. in<br />

Lugdunum, dem heutigen Lyon, geprägt<br />

und zeigen auf der Rückseite<br />

Augustus‘ Enkel und Adoptivsöhne<br />

Gaius und Lucius. Mit<br />

dieser Münze gab Augustus im ganzen<br />

Reich die Namen der von ihm auserkorenen<br />

potentiellen Nachfolger bekannt.<br />

Leider sollte keiner der beiden das Amt<br />

antreten, sie verunglückten lange bevor<br />

Augustus starb.<br />

Für Kalkriese ist dieser Fund in mehrfacher<br />

Hinsicht bemerkenswert. Zum<br />

einen erhöht sich die Zahl der bisher bekannten<br />

Goldmünzen beträchtlich. Zum<br />

anderen wird einmal mehr deutlich, dass<br />

Kalkriese ein wirklich besonderer Fundplatz<br />

ist. Mittlerweile wurden hier so viele<br />

römische Münzen entdeckt wie sonst nur<br />

an wirklich langjährigen Lagerstandorten<br />

– und das will doch was heißen. Ob die<br />

Münzen einfach nur verloren oder aber<br />

gezielt versteckt wurden, ist allerdings<br />

weiterhin unklar. Nur eines ist gewiss:<br />

Römische Legionäre warfen nicht mit<br />

Geld um sich, dazu hatten sie es sich zu<br />

hart verdient. | Heidrun Derks<br />

WISSEN KOMPAKT<br />

AUSSTELLUNG IN KALKRIESE<br />

Die Goldmünzen und ihre Bedeutung<br />

sind auch Thema der aktuellen<br />

Kabinettausstellung „Neues<br />

Gold aus Kalkriese“. Sie ist noch bis<br />

zum 15. Januar 2017 in Kalkriese zu<br />

sehen.<br />

23


Plan des Historikers Karsten<br />

Igel von der Lage der<br />

Alt- und Neustadt um 1250.<br />

STADT- & LANDGESCHICHTEN<br />

Sie verfügen darüber hinaus heute auch<br />

über naturwissenschaftliche Datierungsmöglichkeiten,<br />

die wie im Falle der<br />

Dendrochronologie (Baumringmethode)<br />

sogar eine jahrgenaue Altersbestimmung<br />

ermöglichen. Doch das Ganze hat eine<br />

entscheidende Schwachstelle: Sie datieren<br />

damit nur einen Ausschnitt aus der damaligen<br />

Sachkultur, nicht aber ein Ereignis<br />

oder eine Botschaft, wie es durch Schriftquellen<br />

dokumentiert wird.<br />

Archäologische Ausgrabungen liefern<br />

daher nur Anhaltspunkte für die Altersbestimmung<br />

der Ansiedlung, zu der diese<br />

Sachkultur gehört. Bei Schriftquellen<br />

handelt es sich dagegen in der Regel um<br />

eine Botschaft oder eine Darstellung mit<br />

der Absicht des Verfassers, anderen etwas<br />

mitteilen zu wollen. Schriftquellen sind<br />

daher wesentlich besser geeignet, ein<br />

Gründungsdatum, ein besonderes Ereignis<br />

oder eine wichtige Entwicklungsstufe<br />

zu belegen.<br />

Bei den Ausgrabungen an der Großen Rosenstraße wurden<br />

verschiedene spätmittelalterliche bis frühneuzeitliche Gebäudereste<br />

freigelegt. Ihre Bewohner waren als Wollweber tätig und<br />

produzierten den „Rosenstrater“, eine um <strong>16</strong>00 sehr beliebte<br />

Tuchware.<br />

Wie alt ist die Neustadt?<br />

Wenn historische Schriftquellen fehlen, bleibt als letzte Hoffnung<br />

für die Frage nach dem Alter einer Siedlung oder einer Stadt<br />

die archäologische Ausgrabung. Denn Archäologen können<br />

recht genau das Alter der in diesem Bereich vorkommenden<br />

Fundstücke bestimmen.<br />

Welche Dokumente liegen über<br />

die Entstehung der <strong>Osnabrücker</strong><br />

Neustadt vor?<br />

Genau wie im Falle der Altstadt ist auch<br />

die Entstehung der Neustadt nicht direkt<br />

über Schriftquellen datierbar. Es gibt nur<br />

eine Ausnahme: Das Alter der Kirche<br />

St. Johann ist auf den Tag genau bekannt.<br />

Sie wurde als Stiftskirche auf Veranlassung<br />

des <strong>Osnabrücker</strong> Bischofs Detmar am 13.<br />

Juli 1011 gegründet. Die dazugehörigen<br />

Stiftsgebäude gruppierten sich in einem<br />

großen Bogen um dieses Zentrum, der heute<br />

noch am Straßenverlauf im Umfeld der<br />

Johannisfreiheit ungefähr erkennbar ist.<br />

Die Johanniskirche wird zwar gerne als<br />

historisches Zentrum und als Keimzelle<br />

der Neustadt gesehen, aber bei genauerer<br />

Betrachtung des Stadtplans fällt auf,<br />

dass es innerhalb dieses Gesamtkomplexes<br />

zwei deutlich unterschiedliche<br />

Bereiche gibt - einen Kernbereich rund um<br />

St. Johann mit der bogenförmigen<br />

Umfassung und einen großflächigen<br />

Siedlungsbereich westlich und südlich<br />

von St. Johann, der wie eine planmäßige<br />

Gründung aussieht. Hier verlaufen die<br />

Kommenderiestraße, die Johannisstraße<br />

und die Holtstraße etwa parallel mit<br />

fast gleichen Abständen zueinander und<br />

werden von den Nebenstraßen etwa rechtwinklig<br />

geschnitten.<br />

Über die Gründung dieser Planstadt<br />

existiert keine Urkunde, doch der Historiker<br />

Karsten Igel konnte rekonstruieren,<br />

dass das Ganze gegen Ende der Amtszeit<br />

des <strong>Osnabrücker</strong> Bischofs Konrad<br />

zwischen 1236 und 1238 erfolgt sein muss.<br />

Die erste urkundliche Erwähnung der<br />

Neustadt stammt aus dem Jahre 1248.<br />

Ergänzend dazu konnte die Stadtund<br />

Kreisarchäologie die Errichtung<br />

des einzigen Neustädter Stadttores,<br />

des Johannistores, in das Jahr 1249<br />

datieren. Über den Zusammenschluss<br />

zwischen Alt- und Neustadt existiert eine<br />

Urkunde aus dem Jahre 1307.<br />

Die Gründung von St. Johann erfolgte<br />

ursprünglich weit abseits der Altstadt,<br />

durch eine etwa 300 bis 500 Meter breite<br />

unbesiedelte (?) Landschaft und die mehr<br />

als 30 Meter breite Niederung des Wiesenbachs<br />

voneinander getrennt. Als um 1237<br />

die Neustadt entstand, ist zu vermuten,<br />

Karte (links) © Kartografie Grundlage: Klaus Meinert // Karte rechts © Stadt Osnabrück, Fachbereich Geodaten //<br />

Ausgrabung © Daniel Lau, Stadt- und Kreisarchäologie Osnabrück // Kirche © wikimedia.org<br />

dass auch sie zunächst jenseits der Wiesenbachniederung<br />

lag, also ebenfalls deutlich<br />

abseits der Altstadt. Über die Nutzung des<br />

Geländes dazwischen, d. h. zwischen dem<br />

heutigen Neumarkt und dem Wiesenbach,<br />

existierten weder historische Dokumente<br />

noch archäologische Forschungsergebnisse.<br />

Die Ausgrabungen der Stadt- und Kreisarchäologie<br />

von Juli bis September 20<strong>16</strong> an<br />

der Großen Rosenstraße waren daher die<br />

letzte Gelegenheit, dieser Frage auf einer<br />

zusammenhängenden Fläche nachzugehen,<br />

Wohlfühlen<br />

ist einfach.<br />

sparkasse.de<br />

Der Verlauf des Wiesenbachs (gestrichelt) ist<br />

heute noch als Fußwegverbindung zwischen<br />

Schlossstraße und Johannisstraße erkennbar.<br />

bevor der gesamte Bereich durch den nachfolgend<br />

geplanten Bau des Einkaufszentrums<br />

unwiederbringlich zerstört wird. Dabei<br />

zeigte sich, dass hier tatsächlich keine Siedlungsspuren<br />

vorkommen, die eine intensive<br />

Nutzung des Geländes im 12. oder<br />

frühen 13. Jahrhundert beweisen. Mit anderen<br />

Worten: die planmäßig angelegte<br />

Neustadt war ursprünglich tatsächlich eine<br />

eigene, von der Altstadt räumlich getrennte<br />

bauliche Einheit. Ihre Nordgrenze, d. h.<br />

die Grenze in Richtung Altstadt, war der<br />

Wenn man einen<br />

Immobilienpartner<br />

hat, der von Anfang<br />

bis Eigentum an<br />

alles denkt.<br />

© TRÄGERGEMEINSCHAFT „500 JAHRE REFORMATION – OSNABRÜCK“<br />

Wiesenbach. Er floss dort, wo heute eine<br />

Fußgängerverbindung von der Schlossstraße<br />

zur Johannisstraße verläuft, und von<br />

da aus weiter, wo sich ein Fußgängerdurchgang<br />

neben dem Modehaus Sinn-Leffers<br />

in Richtung Hase befindet. Doch bereits<br />

spätestens um 1300, d. h. innerhalb von<br />

gut 50 Jahren, war der Zwischenraum<br />

zwischen Alt- und Neustadt zugebaut. Die<br />

Ausgrabungen bestätigten anhand von<br />

verschiedenen Fundstücken, dass sich hier<br />

überwiegend Wollweber angesiedelt hatten.<br />

Ihr Siedlungsgebiet, die Große Rosenstraße,<br />

wurde erstmals 1306 als „platea rosarum“<br />

erwähnt. Das von ihnen produzierte Tuch<br />

wurde unter dem Namen „Rosenstrater“<br />

zum beliebten Handelsgut. Mit dem offiziellen<br />

Zusammenschluss von Alt- und Neustadt<br />

im Jahre 1307 war dieser städtebauliche<br />

Entwicklungsprozess abgeschlossen.<br />

Von nun an war nicht mehr der Wiesenbach,<br />

sondern der Neue Graben die Grenze<br />

und ist es bis heute auch geblieben.<br />

| Bodo Zehm<br />

2017<br />

WAS<br />

KOMMT<br />

?<br />

500 JAHRE REFORMATION | REGION OSNABRÜCK<br />

www.2017osnabrueck.de<br />

24<br />

25


STADT- & LANDGESCHICHTEN<br />

Logo_Zeit<br />

Teil 2: 1864 bis heute<br />

Logo_Zeit_orange<br />

Farbvariante<br />

orange: CMYK 0/50/100/0 RGB 221/<strong>16</strong>0/47 # dda02f<br />

Logo_Zeit+OS<br />

Wie kam Presse aus der Presse?<br />

„Wöchentliche Osnabrückische Anzeigen“ stand auf dem ersten <strong>Osnabrücker</strong> Presseerzeugnis,<br />

das vor 250 Jahren das Licht der Welt erblickte. Wahrlich Anlass genug, auf ein Vierteljahrhundert<br />

Zeitungsgeschichte zurückzublicken. Heiko Schulze, Autor eines neuen Buches zum<br />

Thema, hat sich in der vorherigen Nummer von „<strong>Osnabrücker</strong> <strong>Wissen</strong>“ mit der Zeit zwischen<br />

1766 und der Mitte des 19. Jahrhunderts befasst. In dieser Ausgabe schildert er Blätter und<br />

Ereignisse bis zur heutigen Zeit.<br />

Wann endete die<br />

Tablet-Grösse?<br />

Logo_Zeit+OS_orange<br />

Literatur und das <strong>Osnabrücker</strong> Theaterleben.<br />

Schon 1866 muss Liesecke sein<br />

Kontakt<br />

Justus Mösers „Wöchentliche Osnabrückische<br />

Projekt jedoch aus wirtschaftlichen Gründen<br />

Anzeigen“ (seit 1766, Maße: <strong>16</strong>x26 cm) aufgeben.<br />

Stadt Osnabrück | Projektbüro im Fachbereich Kultur | Anke Bramlage, E-Mail: bramlage@osnabrueck.de, Tel. 0541 323-4211<br />

www.100tagezeit.de<br />

bis hin zu Carl Rosenthals „Tageblatt“ (1848-<br />

1851,19x24 cm) und Carl Stüves „Volksblatt“<br />

Was reizt am<br />

(1848-1853,20x26 cm) sind dünn und Generalanzeiger?<br />

winzig. Alle Blätter sind höchstens so groß Mit dem neuen „<strong>Osnabrücker</strong> Tageblatt“<br />

wie ein modernes Tablet. 1864 kommt es tritt 1884 eine Zeitung auf den Plan, die zum<br />

zum Bruch dieser Tradition: Die Leser ersten Mal bewusst auf eine parteipolitische<br />

studieren erstmals die „<strong>Osnabrücker</strong><br />

Ausrichtung verzichtet. Kommunales<br />

Zeitung“ im „Doppelfolio“-Format“ das Geschehen, nicht das Parteiprogramm<br />

30x43 cm misst. Jene Größe wird richtungsweisend<br />

steht im Vordergrund. Wirtschaftlich wird<br />

für alle späteren Blätter. Inhaltlich all dies zum eigentlichen Erfolgsrezept:<br />

setzt die von Alexander Liesecke produzierte<br />

Die Einnahmen aus großen Anzeigen und<br />

Zeitung Maßstäbe. Der Leser findet eine privaten Inseraten sprudeln. Die Leserschaft<br />

nie dagewesene Themenfülle: politische, wächst schnell. Und der Preis lässt sich aus<br />

Amts- und Landes-Nachrichten, Lokalmeldungen,<br />

all diesen Gründen konkurrenzlos gering<br />

vermischte Nachrichten, Neues von halten.<br />

Handel und Verkehr, Feuilleton-Meldungen<br />

und Inserate, Aufsätze zur <strong>Osnabrücker</strong><br />

Stadtgeschichte, über <strong>Wissen</strong>schaft,<br />

Klappt Crowdfunding aus<br />

der schmalen Lohntüte?<br />

Ja. Und zwar auch für Zeitungsfreunde mit<br />

kleinem Geldbeutel. Die sozialdemokratische<br />

Freie Presse kann im Jahre 1920 nur<br />

deshalb gegründet werden, weil die zumeist<br />

als einfache Arbeiter tätigen Parteianhänger<br />

Schuldscheine im Wert von 5, 30 oder gar 50<br />

Reichsmark erwerben. Mit dem eingesammelten<br />

Geld werden Räume hergerichtet,<br />

Druckmaschinen angeschafft und Papierrollen<br />

besorgt. Als Trägerin der Zeitung<br />

gründen die Unterstützer eine eingetragene<br />

Druckereigesellschaft. Immerhin 9.000<br />

Exemplare werden es anno 1929 sein, die auf<br />

dieser Basis in Stadt und Umland gelesen<br />

werden können.<br />

Wann gab es die meisten<br />

Tageszeitungen?<br />

In der Weimarer Republik (1919-1933) wetteiferten<br />

fünf (!) Tageszeitungen um die hiesige<br />

Leserschaft: Die <strong>Osnabrücker</strong> Zeitung<br />

ist lange nationalliberal, ab 1931 die Hauspostille<br />

der NSDAP. Die <strong>Osnabrücker</strong> Volkszeitung<br />

ist das örtliche Zentrumsorgan. Als<br />

Generalanzeiger begegnet uns das <strong>Osnabrücker</strong><br />

Tageblatt. Die Freie Presse ist sozialdemokratisch.<br />

Die <strong>Osnabrücker</strong> Allgemeine<br />

Zeitung bedient letztendlich die altkaisertreuen<br />

und nationalistischen Strömungen.<br />

Redaktion des <strong>Osnabrücker</strong> Tageblatts © Medienzentrum Osnabrück // Demütigung von Josef Burgdorf © Landesarchiv Osnabrück //<br />

Portrait © wikimedia.org<br />

Was wissen Nachbarn und<br />

der Briefträger?<br />

Parteipolitisch geprägte Blätter bringen es<br />

mit sich, dass Briefträger und Nachbarn<br />

die politische Gesinnung vieler Menschen<br />

bereits an der Zeitung im Briefkasten erkennen.<br />

Dies wiederum scheint zigtausenden<br />

von Lesern jahrzehntelang aber nicht viel<br />

auszumachen.<br />

Gab es prominente<br />

Schreiber?<br />

Über den von Goethe verehrten Justus<br />

Möser haben wir bereits in der letzten<br />

Nummer berichtet. Der Jurist, Historiker,<br />

zeitweilige Hannoversche Innenminister<br />

und Bürgermeister Johann Carl Bertram<br />

Stüve verschafft sich immer wieder mit<br />

Zeitungsprojekten wie den „Blättern gegen<br />

Branntwein und Berauschung“ oder der<br />

„<strong>Osnabrücker</strong> Volkszeitung“ sein Lesepublikum.<br />

Chef-Kolumnist der <strong>Osnabrücker</strong> Zeitung<br />

ist von 1864-1866 kein Geringerer als der<br />

Mitbegründer der deutschen Sozialdemokratie,<br />

Wilhelm Liebknecht. Seine Beiträge<br />

muss er von fern übermitteln, weil er aus<br />

politischen Gründen polizeilich verfolgt<br />

wird. Wegweiser der deutschen Geschichte<br />

werden auch zwei sozialdemokratische<br />

Verfassungsväter aus <strong>Osnabrücker</strong><br />

Redaktionsstuben: Otto Vesper (<strong>Osnabrücker</strong><br />

Abendpost) gehört zu den Autoren der<br />

Weimarer Verfassung von 1919. Hans<br />

Wunderlich (Freie Presse bzw. Nordwestdeutsche<br />

Rundschau) gilt anno 1949 wie<br />

64 weitere Mitglieder des Parlamentarischen<br />

Rats als ein Vater des Grundgesetzes.<br />

Karl Kühling (CDU), zuletzt Chefredakteur<br />

der Neuen Tagespost und Träger der<br />

Mösermedaille, wird wiederum zum Autor<br />

zahlreicher wegweisender stadtgeschichtlicher<br />

Bücher.<br />

Gab es Wutbürger im<br />

Blatt-Format?<br />

Von 1929 bis 1931 übergießt der „Reformmediziner“<br />

Dr. Heinrich Schierbaum<br />

Osnabrücks Ärzteschaft - immer heftiger<br />

auch Stadtverwaltung, örtliche Zeitungen<br />

und Parteien - mit wahren Schimpfkanonaden.<br />

Jeder, der sich wegen angeblich<br />

ungerechter Behandlung benachteiligt fühlt,<br />

findet in Schierbaums Wochenzeitung<br />

„Der Stadtwächter“ sein Forum. Besonders<br />

hetzerisch gebärdet sich Schierbaum gegen<br />

jüdische Mitbürger. Zunächst enger Bündnispartner,<br />

macht sich der Zeitungsmacher<br />

allerdings später bei den Nazis unbeliebt,<br />

weil er gegen sie eine ebenfalls faschistische<br />

„Weiße Wehr“ aufbauen will. Er stirbt 1934.<br />

Wann ging die<br />

Meinungsfreiheit unter?<br />

Hier spiegelt sich in Osnabrück wider, was<br />

in Deutschland landauf, landab geschieht:<br />

Im Ersten Weltkrieg (1914-1918) lassen<br />

kaiserliche Zensurbehörden<br />

keine Kritik am<br />

Kriegsgeschehen zu. In<br />

der NS-Zeit (1933-1945)<br />

wird die Freie Presse<br />

sofort verboten. Die<br />

katholische <strong>Osnabrücker</strong><br />

Volkszeitung wird<br />

schrittweise gleichgeschaltet<br />

und 1935 mit<br />

der <strong>Osnabrücker</strong> Zeitung<br />

zum offiziellen NSDAP-<br />

Organ „Neue Volksblätter“<br />

zusammengelegt.<br />

1943 wird auch das<br />

<strong>Osnabrücker</strong> Tageblatt<br />

bis 1945 in das Nazi-Blatt<br />

einverleibt.<br />

Wie kam es zur<br />

einen Zeitung?<br />

Im Jahre 1967 ist es mit<br />

dem bis dahin bestehenden<br />

„Dreiklang“ aus sozialdemokratischer<br />

Freier<br />

Presse, der konservativ-<br />

katholischen <strong>Osnabrücker</strong> Tagespost und<br />

dem unabhängigen <strong>Osnabrücker</strong> Tageblatt<br />

vorbei. Die Freie Presse wird als Ortsausgabe<br />

der Bielefelder Neuen Westfälischen bis Ende<br />

1967 ersatzlos eingestellt. Tagespost und<br />

Tageblatt fusionieren zur Neuen<br />

<strong>Osnabrücker</strong> Zeitung. | Heiko Schulze<br />

Redaktion des <strong>Osnabrücker</strong> Tageblatts im Jahr 1910<br />

Postadresse: Bierstraße 17/18 49074 Osnabrück<br />

Tel. 0541-750 23 40 Fax 0541-20 20 622<br />

zeitseeing@osnanet.de<br />

www.osnabrueck-stadtfuehrungen.d e<br />

Inh. Renate Frankenberg<br />

27


STADT- & LANDGESCHICHTEN<br />

1906 fährt die Straßenbahn erstmals durch<br />

Osnabrück. Hier die Haltestelle Lotterstraße.<br />

Eine Träne zum Abschied: 1960 endet das<br />

Zeitalter der Straßenbahn in Osnabrück.<br />

Schlagzeilen<br />

des Jahres 1960<br />

präsentiert: Osnabrück in den 50er und 60er Jahren<br />

14. März<br />

Im New Yorker Hotel Waldorf Astoria<br />

treffen sich der deutsche Bundeskanzler<br />

Konrad Adenauer und der<br />

israelische Ministerpräsident David<br />

Ben Gurion zum ersten Mal persönlich.<br />

Warum verschwand die Straßenbahn?<br />

Die Popularität der Straßenbahn hat ihre letzte Fahrt schon 66 Jahre überdauert. Und auch in<br />

Zukunft wird kaum eine Diskussion über den <strong>Osnabrücker</strong> Nahverkehr auf sie verzichten.<br />

Die Geschichte der „Elektrischen“<br />

begann 1906. Pferdeomnibusse, mit denen<br />

sich die <strong>Osnabrücker</strong> schon im späten 19.<br />

Jahrhundert kutschieren ließen, genügten<br />

den modernen Ansprüchen nicht mehr und<br />

so wurde ein 5.110 Meter langes Streckennetz<br />

entworfen, das auf zwei Linien durch<br />

die Innenstadt führte. Mit bis zu 15 km/h<br />

brachte die „blaue“ Route ihre Fahrgäste<br />

vom Hauptbahnhof zum Neumarkt, folgte<br />

der Großen Straße und steuerte schließlich<br />

über den heutigen Rißmüllerplatz<br />

die Lotter Straße an. Die rote Linie führte<br />

vom Hasetor durch die Hasestraße, nahm<br />

dann ebenfalls Kurs auf die Große Straße<br />

und ratterte anschließend durch die<br />

Johannisstraße bis zum Rosenplatz. In den<br />

folgenden Jahren wurde das Streckennetz<br />

ausgebaut, auch im Schinkel und an der<br />

Hastermühle konnten die <strong>Osnabrücker</strong><br />

nun die „Elektrische“ benutzen. Das<br />

beliebte Verkehrsmittel war allerdings<br />

schon in diesen Anfangsjahren Gegenstand<br />

hitziger Debatten. Die Wirtschaftskrise<br />

nach dem Ersten Weltkrieg erzwang<br />

1922 eine vorübergehende Einstellung<br />

des Betriebs, selten frequentierte<br />

Strecken mussten mit öffentlichen Geldern<br />

subventioniert werden und Anfang der<br />

1930er Jahre störten die nun schon wieder<br />

altertümlichen Metallschleifbügel den<br />

Empfang der nagelneuen Radiogeräte und<br />

mussten auf Kohleschleifbügel umgerüstet<br />

werden.<br />

Wer kam der<br />

Elektrischen in die Quere?<br />

Anderthalb Jahrzehnte später lagen die<br />

Schuttberge des Zweiten Weltkriegs auch<br />

auf den Straßen Osnabrücks. Überdies<br />

musste Strom gespart werden, auch bei<br />

der Elektrischen, die ihre Runden nun mit<br />

größeren, oft unvorhersehbaren Unterbrechungen<br />

drehte. Trotzdem beförderte<br />

sie bald wieder bis zu 70.000 Fahrgäste am<br />

Tag. Doch das Wirtschaftswunder, das<br />

in den 50er Jahren einen überraschend<br />

schnellen Weg aus der Krise bahnte, stellte<br />

das scheinbar unverwüstliche Vehikel<br />

vor noch größere Probleme. Die Straßenbahnen<br />

waren schließlich an ihre Schienen<br />

gebunden und mussten sich den Platz<br />

mit immer mehr Autos teilen, die vor,<br />

hinter und neben der Elektrischen durch<br />

die engen <strong>Osnabrücker</strong> Straßen wollten.<br />

Ein Blick auf die gesamtdeutsche Situation<br />

verdeutlicht die dramatischen Veränderungen:<br />

Zwischen 1957 und 1960<br />

konnten die deutschen Pkw-Hersteller<br />

ihre Inlandsproduktion von rund einer<br />

Million auf 1,8 Millionen Fahrzeuge nahezu<br />

verdoppeln. 1958 rang sich der Stadtrat<br />

zu einer weitreichenden verkehrspolitischen<br />

Entscheidung durch: Die Straßenbahn<br />

sollte abgeschafft und durch Oberleitungsbusse<br />

ersetzt werden, die bereits<br />

seit 1948 unterwegs waren. Osnabrücks<br />

beliebteste Bahn fuhr am 29. Mai 1960<br />

zum letzten Mal in ihr Depot, doch ihr<br />

Nachfolger überlebte sie nicht lange. Die<br />

Masten und Stromleitungen für die unflexiblen<br />

und wenig wirtschaftlichen<br />

Bilder Straßenbahnen © Stadtwerke Osnabrück // Wohnzimmer © arcona L<strong>IV</strong>ING<br />

O-Busse wurden 1968 wieder abgebaut.<br />

Die Zukunft gehörte den frei<br />

beweglichen Bussen, die in Osnabrück<br />

übrigens schon seit 1929 im<br />

Einsatz waren. Andere Kommunen folgten<br />

nicht der <strong>Osnabrücker</strong> Linie. So setzte<br />

beispielsweise die Nachbarstadt Bielefeld<br />

weiter auf die Schiene. Sie verfügt heute<br />

über ein modernes Stadtbahnsystem, das<br />

ständig ausgebaut wird.<br />

Kommt die<br />

Elektrische zurück?<br />

Könnte die Straßenbahn nicht auch im 21.<br />

Jahrhundert eine sinnvolle Alternative im<br />

<strong>Osnabrücker</strong> Personennahverkehr sein?<br />

Ja, meint die Stadtbahn-Initiative, und<br />

das nicht nur aus ökologischen Gründen.<br />

Aber auch einer der besten Kenner der<br />

<strong>Osnabrücker</strong> Verkehrsgeschichte, der<br />

sämtliche Modelle der hier eingesetzten<br />

Elektrischen eigenhändig nachgebaut hat,<br />

hält ein Comeback des ratternden Kultobjekts<br />

zumindest für möglich. „Technisch<br />

ist das absolut machbar und auch<br />

wirtschaftlich würde sich die Wiedereinführung<br />

der Straßenbahn – allein wegen<br />

des sogenannten „Schienenbonus, also<br />

der deutlich höheren Fahrgastzahlen –<br />

auf lange Sicht rentieren. Unsere Partnerstadt<br />

Angers hat ja vorgemacht, dass so<br />

etwas funktionieren kann“, sagt Alfred<br />

Spühr auf Nachfrage von „<strong>Osnabrücker</strong><br />

<strong>Wissen</strong>“. Trotzdem ist der Experte davon<br />

überzeugt, dass es nicht dazu kommen<br />

wird. „In Osnabrück fehlt einfach der<br />

politische Wille, um so eine Maßnahme<br />

konsequent umzusetzen.“<br />

| Thorsten Stegemann<br />

WISSEN KOMPAKT<br />

HAUSHALTE IN DEN<br />

FRÜHEN 60ERN<br />

Haushaltsgeräte, die heute zum<br />

Standard gehören, waren noch<br />

Luxusgüter, als die <strong>Osnabrücker</strong><br />

Straßenbahn ihre letzten Runden<br />

drehte. Das Wirtschaftswunder<br />

sollte daran bald Entscheidendes<br />

ändern, aber Anfang der 60er<br />

besaßen nur 14 % aller westdeutschen<br />

Haushalte ein Telefon.<br />

Einen Fernseher konnten sich<br />

34 % leisten, Kühlschränke gab<br />

es bei 52 %. 47 % der Haushalte<br />

verfügten allerdings über mechanische<br />

Nähmaschinen.<br />

30. März<br />

Die Bundesrepublik vereinbart<br />

Anwerberegelungen für "Gastarbeiter"<br />

mit Griechenland und Spanien.<br />

1955 hatte es bereits eine Vereinbarung<br />

mit Italien gegeben, in den 60ern<br />

folgen weitere mit der Türkei, Marokko,<br />

Portugal, Tunesien oder Jugoslawien.<br />

Das <strong>Osnabrücker</strong> Traditionsunternehmen<br />

Karmann hatte 1959 mit<br />

der Anwerbung ausländischer Arbeitnehmer<br />

begonnen und beschäftigte<br />

ein Jahr später 180 Mitarbeiter aus<br />

Italien und 20 aus Spanien.<br />

21. Juni<br />

Der deutsche Sprinter Armin Hary<br />

läuft in Zürich als erster Mensch der<br />

Welt die 100 Meter in zehn Sekunden.<br />

8. Juli<br />

Arbeitgeber und IG-Metall einigen<br />

sich auf die schrittweise Einführung<br />

der 40-Stunden-Woche.<br />

9. August<br />

Das Jugendarbeitschutzgesetz untersagt<br />

die Beschäftigung von Kindern<br />

unter 14 Jahren. Auch die Akkord- und<br />

Fließbandarbeit für Jugendliche wird<br />

verboten. Für diese Regelung hatte<br />

auch die <strong>Osnabrücker</strong> Arbeiterschaft<br />

jahrzehntelang gekämpft. Schon 1890<br />

entsandte sie eine entsprechende<br />

Resolution an den Deutschen<br />

Reichstag.<br />

8. November<br />

John F. Kennedy wird der jüngste<br />

Präsident der USA.<br />

28<br />

Das "Wohnzimmer" im <strong>Osnabrücker</strong> acrona L<strong>IV</strong>ING,<br />

eingerichtet im original Stil der Wirtschaftswunderzeit.<br />

29


MOMENTAUFNAHMEN<br />

Wie frostig<br />

ist die Region?<br />

Stimmungsvolle Winterlandschaften, wie sie<br />

unser Fotograf Oliver Schratz in der Nähe von<br />

Jeggen gefunden hat, sollten wir genießen! Seit<br />

1989 bescherten uns nur vier Winter mehr als<br />

20 Dauerfrost-Tage mit einer Höchsttemperatur<br />

unter 0,0°C. Im Gegenzug blieb die Region in<br />

der kalten Jahreszeit zumeist von Wetterkatastrophen<br />

verschont. Die letzte hatte es freilich in sich<br />

und ging als „Münsterländer Schneechaos“ in die<br />

Geschichte ein. Am 25. November 2005 fielen<br />

vom Emsland über Osnabrück und Münster bis<br />

hinunter ins Bergische Land und ins Ruhrgebiet<br />

streckenweise 50 Zentimeter Schnee. Es gab rund<br />

2.000 Unfälle und Schäden in Millionenhöhe.<br />

Außerdem waren 250.000 Menschen vom größten<br />

Stromausfall in Deutschland seit Ende des<br />

Zweiten Weltkriegs betroffen. | Thorsten Stegemann<br />

Foto © Blendeneffekte.de, Oliver Schratz<br />

30


STADT- & LANDGESCHICHTEN<br />

Das höchste Gebäude in Osnabrück:<br />

Der Fernmeldeturm auf dem Schinkelberg<br />

WIE HOCH IST OSNABRÜCK?<br />

Auch wenn die New Yorker oder Londoner Skyline wahrscheinlich mehr hermacht, muss<br />

Osnabrück sich mit seinen zum Teil schon historischen Bauwerken nicht verstecken. In luftiger<br />

Höhe lassen sich einige Kirchen, aber auch andere Gebäude antreffen.<br />

Mit einer Höhe von 47 Metern ist die<br />

Herz-Jesu-Kirche das elfthöchste Bauwerk<br />

in der Friedensstadt. Zudem ist sie<br />

die erste römisch-katholische Kirche,<br />

die nach der Reformation in Osnabrück<br />

errichtet wurde. Die Filialkirche, also<br />

Nebenkirche, sollte den angebundenen<br />

Dom St. Peter entlasten und wurde so auf<br />

einem Grundstück der Domschule erbaut.<br />

Vier Meter höher ist der Turm der Hauptkirche,<br />

des Doms. Das jahrhundertealte<br />

Bauwerk fällt mit seinen Doppeltürmen<br />

beim Spaziergang durch die Altstadt direkt<br />

ins Auge. Der Dom St. Peter war nach<br />

der Bistumsgründung<br />

durch<br />

Karl den Großen die erste Kirche in Osnabrück.<br />

Dicht danach folgt die Pauluskirche<br />

im Stadtteil Schinkel mit 53 Metern. Die<br />

evangelisch-lutherische Kirche besticht<br />

mit seinen auffälligen schwarzen Dach<br />

und dem schlanken Kirchturm.<br />

Auf Platz acht folgt die 56 Meter hohe<br />

St. Joseph Kirche mit der größten Kuppel<br />

Nordwestdeutschlands. Nach einer aufwendigen<br />

Renovierung der Kirche an der<br />

Miquelstraße befindet sich ebenfalls das<br />

Gemeindehaus in der Kirche.<br />

Einen Meter mehr verzeichnet die<br />

Johanniskirche. Mit ihrem Doppelturm<br />

erinnert die katholische Kirche spontan an<br />

den Dom. Doch St. Johann wurde deutlich<br />

später erbaut und ist durch seinem langgestreckten<br />

Hauptteil eine Hallenkirche.<br />

Vielen <strong>Osnabrücker</strong>n ist es bekannt:<br />

Das Iduna-Hochhaus am Erich-Maria-<br />

Remarque-Ring. Auf 67 Metern Höhe und<br />

21 Etagen ergeben sich zahlreiche Wohnmöglichkeiten.<br />

Was in den 1970er-Jahren<br />

noch revolutionär war, steht mit seiner<br />

graubraunen Außenfassade inmitten der<br />

Innenstadt. Das höchste Haus Osnabrücks<br />

prägt das Stadtbild jedoch ungemein. Auf<br />

dem nächsten Platz tummeln sich gleich<br />

zwei <strong>Osnabrücker</strong> Bauwerke. Mit 81<br />

Metern konkurrieren die Marienkirche<br />

und der Turm der Lackierhalle von VW<br />

Osnabrück um den vierten Platz. Direkt<br />

Luftbild © Frank Wollinger // Fernemeldeturm Schinkel © Deutsche Telekom AG<br />

am Marktplatz, neben<br />

dem <strong>Osnabrücker</strong> Rathaus, befindet sich<br />

eins der bedeutendsten Baudenkmäler<br />

der Stadt. Die evangelisch-lutherische<br />

Marienkirche ermöglichte archäologische<br />

Grabungen, durch die sich die Baugeschichte<br />

nachvollziehen ließ. So konnten<br />

mindestens drei Vorgängerbauten nachgewiesen<br />

werden.<br />

Im Industriegebiet Fledder ragt der VW-<br />

Turm in die Höhe. Anlass für die Montage<br />

des strahlende VW-Emblems war der Besuch<br />

des ehemaligen Bundespräsidenten<br />

Christian Wulff im Jahr 2011. Die<br />

Katharinenkirche knackt die Hundertermarke!<br />

Mit 103 Metern ist die<br />

Hallenkirche die höchste Kirche in<br />

Osnabrück. Der letzte Luftangriff auf die<br />

Hasestadt Ende des Zweiten Weltkrieges<br />

traf St. Katharinen hart. Aber es verging<br />

nicht viel Zeit, bis die Kirche 1950 wieder<br />

eingeweiht werden konnte.<br />

Auch auf dem Siegertreppchen stehen<br />

die drei Windkraftanlagen im Windpark<br />

am Piesberg mit jeweils 109 Metern<br />

Nabenhöhe. Mit einer Rotorgeschwindigkeit<br />

von bis zu 300 km/h und der Alt-<br />

Anlage aus dem Jahr 2002 können 3.900<br />

<strong>Osnabrücker</strong> Haushalte allein durch den<br />

Piesberger Ökostrom versorgt werden.<br />

Unangefochten an der Spitze der<br />

<strong>Osnabrücker</strong> Skyline ist der Fernmeldeturm<br />

auf dem Schinkelberg. Das eigentliche<br />

Bauwerk bringt es hierbei auf 126<br />

Meter, zählt man die Antenne hinzu, ragt<br />

der Funkturm sogar in 158 Meter Höhe.<br />

Auf 550 Treppen geht es sportlich nach<br />

oben in das Betriebsgeschoss. Ein Aufzug<br />

schafft die Strecke in 100 Sekunden.<br />

Die Top Eleven der höchsten Bauwerke<br />

in Osnabrück können sich in jedem Fall<br />

sehen lassen. Wer hoch hinaus will, kann<br />

sonntags von 11.30 bis 13 Uhr sein Durchhaltevermögen<br />

unter Beweis stellen.<br />

Wer die Treppen zum Marienkirchturm<br />

besteigt, kann sich auf einen atemberaubenden<br />

Ausblick freuen. | Eva Specker<br />

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06<br />

Deutschland verändert sich:<br />

Was für Folgen hat der<br />

demografische Wandel?<br />

10<br />

Steuerberater Marc Gösling verrät:<br />

Welche Steuervorteile können<br />

Immobilien bringen?<br />

KOMPASS<br />

PFLEGEIMMOBILIEN<br />

Ratgeber für Interessenten & Investoren<br />

Top-Thema:<br />

WANN WIRD DIE IMMOBILIE<br />

ZUR ALTERSVORSORGE? 04<br />

19<br />

Förderungen und Qualitätssiegel:<br />

Was bedeutet der Begriff<br />

„KfW-Standard“?<br />

21<br />

Pflegeimmobilien als sichere<br />

Kapitalanlage<br />

Barrierefrei bauen in nur 12 Monaten:<br />

Wie individuell ist der Bau von<br />

Pflegeeinrichtungen?<br />

33


LEBEN & GESELLSCHAFT<br />

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Wie schafft man einen Schrank(t)raum?<br />

Wenn die Klamotten wieder einmal eher zerknittert als tragfähig sind und Ordnung weit entfernt scheint, entsteht<br />

schnell der Wunsch nach einem größeren, komfortableren oder vielleicht sogar begehbaren Kleiderschrank.<br />

7 hilfreiche Tipps für mehr<br />

Ordnung im Kleiderschrank<br />

1. Überblick verschaffen!<br />

Was hat man? Was kann weg? Kleidung, die seit<br />

einem Jahr nicht mehr getragen wurde, kann<br />

(wirklich!) in die Altkleidersammlung wandern.<br />

2. Logistische Meisterleitung<br />

Was möchte man hängen und was wird<br />

zusammengelegt? Wie viele Kleiderbügel,<br />

Regale, Kästen oder Schubladen braucht man<br />

für seine Kollektion? Planung ist die halbe Miete<br />

beim Neuanfang im Kleiderschrank.<br />

3. Alles Wichtige im Blick<br />

Lieblingsteile, die man oft trägt, griffbereit nach<br />

vorne hängen - was wenig zum Einsatz kommt,<br />

findet weiter hinten, ganz oben oder unten<br />

seinen Platz.<br />

Clevere Schranklösungen. Vom klassischen Schwebetüren- oder<br />

Drehtürenfunktionsschrank über passgenaue Einbauschränke<br />

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Dabei ist ein geordneter Schrank überhaupt<br />

nicht schwer zu realisieren, wie der<br />

Schlafraumspezialist Andreas Sommer<br />

von der Kluso Möbelgalerie erklärt.<br />

Sogar sieben einfache Tipps für<br />

zukünftige Ordnung im Kleiderschrank<br />

verrät er im Info-Kasten rechts.<br />

Machen begehbare Kleiderschränke<br />

nur in einer großen Villa Sinn?<br />

In nahezu jeder Wohnung und allen Zimmern<br />

ist es möglich, mit den richtigen<br />

Schrankkonstruktionen und für oft schon<br />

kleines Budget Ordnung zu schaffen. Schaut<br />

man sich genau um, werden selbst in einer<br />

kleinen Wohnung Nischen und Ecken<br />

sichtbar, die ungenutzt sind – perfekte<br />

Plätze für moderne Schranksysteme. Vor<br />

allem Schiebetüren sind bei Schranklösungen<br />

oft von Vorteil. Da sie sich zur<br />

Seite öffnen lassen, nehmen sie wenig Platz<br />

weg. „Außerdem kann man zwischen<br />

verschiedenen Materialien und Optiken<br />

aus zum Beispiel Holz, Glas, Tapete<br />

oder Stoff wählen“, erklärt Andreas<br />

Sommer und fügt hinzu: „Mit einem<br />

aufgedruckten Wunschmotiv auf den<br />

Elementen wird der Schrank sogar schnell<br />

zu einem individuellem Unikat“.<br />

Wie löst man schräge Situationen?<br />

Schrägen sorgen für Gemütlichkeit, können<br />

aber auch einengen und verwehren<br />

Standardlösungen schnell den nötigen<br />

Platz. Hier können maßgenaue Einbauschränke<br />

und Schiebetürelemente helfen.<br />

Die Führungsschienen, durch die die<br />

Schiebetüren leise hin- und hergleiten<br />

können, werden hierbei einfach maßgefertigt<br />

vom Fachmann in die Schräge<br />

integriert. Zusätzlich passen sich abgeschrägte<br />

Türflügel ganz genau<br />

dem Winkel an. So kann auch trotz<br />

schwieriger Dachschrägen erstaunlich viel<br />

Stauraum erreicht werden.<br />

Ob mit oder ohne Schräge konstruiert - für<br />

Sommer steht fest: „Auf Maß angefertigte<br />

Konstruktionen wirken um ein vielfaches<br />

eleganter und durch Lösungen vom Boden<br />

bis zur Decke oder von einer zur anderen<br />

Wand wirkt der Raum stets deutlich aufgeräumter.“<br />

Können maßgefertigte<br />

Schränke umziehen?<br />

Auch dies ist laut Sommer nicht so schwer,<br />

wie oft angenommen. Wer sich von seinem<br />

Schranksystem beim Umzug nicht trennen<br />

kann oder zwecks Übernahme des Nachmieters<br />

oder Immobilien-Käufers keine<br />

Einigung findet, kann das System in der<br />

Regel auch mitnehmen. Natürlich passen<br />

die extra angefertigten Konstruktionen<br />

bei einem Umzug mit hoher Wahrscheinlichkeit<br />

nicht 1:1 in den neuen Raum. Die<br />

Elemente können aber meist gekürzt oder<br />

gekonnt vom Spezialisten verlängert,<br />

erneut individuell eingepasst und so auch<br />

im zukünftigen Zuhause weiter optimal<br />

genutzt werden. | Kristina Hoffmann<br />

4. Die Sortierung macht‘s<br />

Die Kleidungsstücke nach Farbe, Art oder Saison<br />

ordnen - erleichtert nach dem Winter das<br />

Wiederfinden der Frühlingsmode und nach dem<br />

Sommer das der warmen Kleidungsstücke.<br />

5. Licht ins Dunkel bringen<br />

Damit Kleidungsstücke in hinteren Ecken nicht<br />

in Vergessenheit geraten, kann man durch<br />

LED-Leuchten sowohl außerhalb des Schranks<br />

als auch im Inneren für gute Ausleuchtung<br />

sorgen. Und sieht schick aus!<br />

6. Schal-T(r)ick<br />

Kann man sich vor Schals und Tüchern kaum<br />

retten, können auch mal einfache Handtuchstangen<br />

helfen. Innen angebracht bieten sie<br />

eine praktische Möglichkeit, um die Halswärmer<br />

aufzuhängen.<br />

7. Living in a box<br />

Um (nicht nur) Schuhe vor dem Zustauben zu<br />

retten, kann man durchsichtige Kunststoffboxen<br />

nutzen. So sieht man auch direkt, was<br />

drin ist. Alternativ sollten blickdichte Aufbewahrungsboxen<br />

immer beschriftet werden.<br />

35


LEBEN & GESELLSCHAFT<br />

LEBEN & GESELLSCHAFT<br />

Wer feiert Gottesdienst im Ledenhof?<br />

Die christlichen Kirchen haben seit Jahren ein Problem: Ihre Gemeindemitglieder und<br />

Gottesdienstbesucher werden immer weniger. 2015 verzeichnete allein das Bistum Osnabrück<br />

3.010 Kirchenaustritte. Doch es gibt Menschen, die den Trend stoppen und Glauben und Kirche<br />

neu gestalten wollen.<br />

„Schön, dass Du da bist!“ heißt es an der<br />

Eingangstür des Ledenhofs in weißer<br />

Kreide auf einer großen, schwarzen Tafel.<br />

Hier findet ein Gottesdienst statt, doch an<br />

Kirche, Gebete und Messe denkt man<br />

nicht unbedingt, wenn der Blick auf das<br />

Buffet mit Kaffee, Kuchen und Leckereien<br />

fällt. Blumensträuße zieren die kleinen<br />

Tische. Vorne steht ein Flügel - Gitarre,<br />

Beamer und Laptop sind ebenfalls<br />

aufgebaut.<br />

Findet hier wirklich ein Gottesdienst statt?<br />

„Ja, klar“, sagt Tom Herter, Gemeindegründer<br />

und Pastor der Freien evangelischen<br />

Gemeinde Osnabrück (FeG). „Man<br />

muss sich in einer Gemeinde wohlfühlen<br />

und locker über das Thema Glauben<br />

sprechen können.“<br />

Wer dient wem?<br />

Nur noch wenige Christinnen und<br />

Christen gehen sonntags zum Gottesdienst<br />

oder beten das Vaterunser. Was<br />

früher ein Event für die ganze Familie<br />

war und ausschließlich in schicker<br />

Garderobe besucht wurde, ist heute oft<br />

nur noch eine Gewohnheit der älteren<br />

Generation. Für viele junge Menschen<br />

werden Gottesdienste schnell langweilig<br />

und ermüdend. „Die Kirche muss dem<br />

Menschen dienen und nicht der Mensch<br />

der Kirche“, sagt Tom Herter und ergänzt:<br />

„Man beschäftigt sich im Laufe des Lebens<br />

zwangsläufig mit den unterschiedlichsten<br />

Themen. Und nicht nur die Themen ändern<br />

sich, sondern auch der Mensch selbst. In<br />

einer Gemeinde, in der sich nichts tut,<br />

fühlt sich niemand wohl.“<br />

Aus diesem Grund stehen neue Aspekte<br />

im Vordergrund der FeG-Gottesdienste,<br />

die einmal im Monat stattfinden. Mal<br />

geht es um Beziehung, Partnerschaft<br />

und Sexualität, ein anderes Mal um die<br />

Berufswelt und die Frage, was der<br />

christliche Glauben damit zu tun hat.<br />

„Eine flexible Gemeinde, in der der<br />

Glaube authentisch gelebt wird und<br />

nichts peinlich sein muss“, schmunzelt<br />

Herter. Das klingt schon weniger nach<br />

einem müden Gähnen auf der Kirchenbank<br />

zwischen Predigt und Fürbitte.<br />

Wie funktioniert eine<br />

Gemeindegründung?<br />

Die Gründung einer Gemeinde ist<br />

vergleichbar mit dem Beginn eines<br />

Bilder © Philipp Eifler; nia-wortmusik.de<br />

Start-Up-Unternehmens. Dabei gibt es<br />

keine Prototypen. Die persönliche Überzeugung,<br />

der christliche Glaube, aber<br />

vor allem das Engagement stehen im<br />

Vordergrund. Doch eine Gemeindegründung<br />

ist kein Einzelprojekt. Tom Herter<br />

bestätigt, dass Menschen, die ehrenamtlich<br />

mitmachen und selbst gestalten<br />

wollen, das wichtigste Element sind.<br />

Außerdem müsse man schnell online sein<br />

und viral mitmischen. „Wir laden Euch<br />

zu unserem Gottesdienst nächste Woche<br />

ein!“ oder „Unsere Gemeinde verändert<br />

sich. Und damit auch unsere<br />

Homepage!“ – die FeG<br />

ist natürlich auch bei<br />

Facebook.<br />

Die Freie evangelische Gemeinde<br />

finanziert sich ausschließlich über<br />

Spenden. Der größte Teil kommt von<br />

der Inland-Mission, die zum Bund<br />

Freier evangelischer Gemeinden<br />

gehört. Aber auch einige private Spenden<br />

gehen auf das Konto der Gemeinde ein.<br />

Es ertönt die bis gerade noch schweigsame<br />

Gitarre im Ledenhof. In seiner<br />

Predigt spricht Tom Herter über moderne<br />

Themen und alltägliche Situationen. Da<br />

geht es auch schon mal um „Apps auf dem<br />

Smartphone“, „Sich im Club kennenlernen“<br />

oder „Pille und Pornografie“.<br />

Und nach dem Gottesdienst<br />

klappern dann wieder<br />

die Kaffeetassen.<br />

| Kristina Hoffmann<br />

WISSEN KOMPAKT<br />

EVANGELISCHE FREIKIRCHEN<br />

Freikirchliche Gemeinden befürworten<br />

die Trennung von Kirche<br />

und Staat. Aus diesem Grund wird<br />

auch keine Kirchensteuer erhoben,<br />

die Mitglieder spenden freiwillig.<br />

Außerdem sehen die meisten Freikirchen<br />

von der Säuglingstaufe ab.<br />

Jeder Mensch soll als Erwachsener<br />

frei entscheiden können, ob, wie<br />

und wann er getauft wird. Gemeindemitglieder<br />

können gleichzeitig<br />

Engagierte sein, die ihre Gemeinde<br />

selbst gestalten.<br />

Die evangelischen Freikirchen<br />

teilen das Erbe der Reformation,<br />

betonen die Verantwortung des<br />

Gewissens des Einzelnen und<br />

die Selbstständigkeit der Ortsgemeinde.<br />

Gleichzeitig sind sie untereinander<br />

und mit anderen Kirchen<br />

verbunden.<br />

Mehr gibt es hier: www.feg.de<br />

und www.feg-osnabrueck.de<br />

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Coaching-Serie<br />

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Akademie exklusiv<br />

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<strong>Wissen</strong>!<br />

LEBEN & GESELLSCHAFT<br />

Persönlichkeits-Ratgeber | Teil 1<br />

Was wird aus den<br />

guten Vorsätzen für 2017?<br />

Diät! Mehr Sport!! Mit dem Rauchen aufhören!!! Früher ins Bett gehen!!!! Weniger Alkohol!!!!! Die<br />

Liste der guten Vorsätze ist immer lang. Gerne am 1.1. des Jahres sagen wir: Ab jetzt wird alles<br />

anders ... und dann?<br />

© Medienagentur kreativkompass<br />

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*Nur für Nichtmitglieder<br />

Quid agis* Akademie<br />

Dieser Beitrag von Daniela A. Ben Said<br />

eröffnet eine neue Kooperation mit der<br />

Quid agis*-Akademie. Sie bildet seit<br />

2013 Coaches, Trainer und Speaker<br />

aus. Ab 2017 handelt es sich um eine<br />

Fern-Ausbildung, sodass Interessentinnen<br />

und Interessenten zu jeder Zeit und<br />

völlig unabhängig von beruflichen oder weiteren<br />

Verpflichtungen in eine neue Karriere<br />

starten können.<br />

Ab sofort steuern Daniela A. Ben Said und<br />

ihre Speaker zu jeder Ausgabe einen Artikel<br />

für „<strong>Osnabrücker</strong> <strong>Wissen</strong>“ bei.<br />

Bild oben © Visions-AD, fotola.de // Workshop Bilder © Quid agis*, Daniela A. Ben Said<br />

Die Diät weicht der Schokolade, der<br />

Sport macht keinen Spaß, die Serie am<br />

Abend war dann doch zu spannend<br />

und so ein Glas Wein mit Freunden<br />

soll man sich auch nicht verwehren.<br />

Würden wir nur die Hälfte der guten<br />

Vorsätze umsetzen, dann wären wir heute<br />

wahrscheinlich ein gesunder, sportlicher<br />

und gut ausgeschlafener Mensch.<br />

Doch warum versuchen wir eigentlich<br />

immer wieder, zum Beginn eines neuen<br />

Jahres unser Leben umzukrempeln? Und<br />

warum scheitern wird damit in schöner<br />

Regelmäßigkeit?<br />

Warum werden wir schwach?<br />

Weil es oft gar nicht unsere Ziele sind,<br />

sondern nur Ziele von denen wir glauben,<br />

dass wir das tun sollten. Vor einer Hochzeit<br />

kann fast jede Frau die Disziplin eines<br />

Olympioniken aufbringen, weil sie will,<br />

dass die Hochzeitsbilder auf dem Kaminsims<br />

einfach wunderschön sind. Das ist<br />

dann ihre eigene Motivation. Wenn es nur<br />

darum geht, „man müsste sich mal gesünder<br />

ernähren“ ist einfach die Motivation<br />

nicht hoch genug.<br />

Wie schaffe ich es<br />

denn nun doch?<br />

1. Konkrete Ziele ins Auge fassen<br />

Setzen Sie sich ein ganz klares Ziel: Was<br />

will ich wie genau bis wann erreicht haben.<br />

Formulieren Sie ihr Ziel positiv (also nicht:<br />

ich will nicht mehr so viel Fast food essen<br />

– sondern – ich ernähre mich täglich mit<br />

Gemüse und Eiweiß.) Fragen Sie sich auch,<br />

was so gut daran ist, wenn Sie das Ziel erreicht<br />

haben und wie Sie sich dann fühlen.<br />

Sie müssen Bock auf ihr Ziel haben! Dann<br />

wird’s auch was mit der Umsetzung.<br />

2. Wer schreibt, der bleibt<br />

Das wussten unsere Großeltern schon:<br />

Wer schreibt, der bleibt. Es ist dann verbindlicher<br />

– so eine Art Vertrag mit uns<br />

selbst. Ein kleiner Zettel am Kühlschrank<br />

appelliert ans schlechte Gewissen und<br />

kann so daran erinnern, dass man sich<br />

heute eigentlich noch bewegen wollte.<br />

Hilfreich sind auch Tagebücher, in denen<br />

Erfolge und Misserfolge festgehalten<br />

werden.<br />

3. In kleinen Schritten zum Erfolg<br />

Viele Menschen setzen sich die Ziele<br />

zu hoch oder wollen zu viel auf einmal.<br />

Beginnen Sie mit einem perfekten Tag<br />

pro Woche und wenn das klappt – dann<br />

kommt der 2 Tag dazu usw. Wer alles auf<br />

einmal umsetzen will, hat das Scheitern<br />

schon vorprogrammiert.<br />

4. Sich regen, ist Segen! Und darüber<br />

reden bringt den Erfolg.<br />

Sprechen Sie mit Freunden und Bekannten<br />

über die Ziele. So fühlen Sie sich gleich<br />

stärker verpflichtet. Sinnvoll ist es auch,<br />

sich Gleichgesinnte zu suchen oder die<br />

ganze Familie miteinzubinden.<br />

5. Belohnen Sie sich!<br />

Belohnen Sie sich, auch für kleine Erfolge!<br />

Das streichelt die Seele, sorgt für Glücksmomente<br />

und motiviert, sein Ziel weiter<br />

zu verfolgen.<br />

Werden diese Tipps umgesetzt, stehen die<br />

Chancen nicht schlecht, dass die guten<br />

Vorsätze sogar den Februar erleben. Bei<br />

allen Vorsätzen ist es immer gut, sie sich<br />

zu setzen, da die Reflektion über sich selbst<br />

ein erster Schritt ist, um Dinge zu verändern.<br />

Und das können wir an 365 Tagen<br />

im Jahr jeden Tag wieder neu üben.<br />

Dabei wünsche ich Ihnen viel Erfolg.<br />

Und sollte ein Vorsatz sein, glücklicher zu<br />

sein, besuchen Sie unsere Tournee:<br />

www.allendorfundriehl-live.de/<br />

tickets/tickets-daniela/<br />

Herzlichst, Ihre<br />

Daniela A. Ben Said<br />

Quid agis* GmbH<br />

Scharfe Hegge 35 · 49086 Osnabrück<br />

E-Mail: info@quid-agis.de<br />

Telefon: 05 41 / 58 05 78-10<br />

www.danielabensaid.com<br />

39


SPORT & GESUNDHEIT<br />

Hier werden koordinierte Fehleranalysen<br />

durchgeführt, außerdem beschäftigen sich<br />

Arbeitsgruppen mit Fragen des Risikomanagements,<br />

OP-Checklisten, Armbändern<br />

zur Patientenidentifizierung, Notfalltrainings,<br />

Medikationsplänen und anderen<br />

Aspekten der Qualitätssicherung. Am Ende<br />

geben die Experten praktische Empfehlungen<br />

zur Verbesserung der Patientensicherheit,<br />

die von allen Krankenhäusern frei<br />

genutzt werden können.<br />

Auf dem Finkenhügel profitiert man schon<br />

seit geraumer Zeit von der Arbeit des<br />

Aktionsbündnisses. Etwa bei den vielfältigen<br />

Sicherheitsvorkehrungen einer<br />

bevorstehenden Operation sowie der zweifelsfreien<br />

Identifikation von Patienten<br />

in jeder Situation. Außerdem führte das<br />

Klinikum das von dem Aktionsbündnis<br />

initiierte Meldesystem für sicherheits-<br />

relevante Ereignisse im Krankenhaus ein.<br />

Das „Critical Incident Reporting System“<br />

sammelt Behandlungsfehler und erforscht<br />

präventive Maßnahmen, um eine Wiederholung<br />

auszuschließen.<br />

„Nach den vielen positiven Erfahrungen<br />

mit diesem Netzwerk möchten wir uns<br />

auch selbst engagieren und mit unseren<br />

Experten an Methoden zur Verbesserung der<br />

Patientensicherheit arbeiten“, erklärt Steffen<br />

Jaeger. „Als aktiver Teil des Bündnisses<br />

sind wir außerdem noch enger mit den<br />

Themen befasst und können Optimierungspotentiale<br />

schneller erkennen und umsetzen.“<br />

| Redaktion<br />

WISSEN KOMPAKT<br />

WAS IST PATIENTENSICHERHEIT?<br />

Das Aktionsbündnis definiert den<br />

zentralen Begriff als „Abwesenheit<br />

unerwünschter Ereignisse“.<br />

Darunter sei „ein schädliches<br />

Vorkommnis“ zu verstehen, „das<br />

eher auf der Behandlung denn auf<br />

der Erkrankung beruht. Es kann<br />

vermeidbar oder unvermeidbar<br />

sein.“<br />

- Anzeigensonderseite -<br />

Wer sorgt für mehr Patientensicherheit?<br />

Die Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der Bundesärztekammer<br />

entschieden im Jahr 2015 insgesamt 7.215 Mal<br />

über mutmaßliche Behandlungsfehler bundeseweit. In 2.132<br />

Fällen lag tatsächlich ein Fehlverhalten von Seiten des medizinischen<br />

Fachpersonals vor - für 1.774 Patienten ergab sich<br />

Im Herbst 20<strong>16</strong> ist das Klinikum Osnabrück dem „Aktionsbündnis<br />

Patientensicherheit“ beigetreten. In dem bundesweiten<br />

Experten-Netzwerk, das als gemeinnütziger Verein fungiert,<br />

engagieren sich Krankenhäuser, Fach- und Berufsverbände,<br />

Patientenorganisationen, Krankenkassen, Haftpflichtversicherungen<br />

und andere Akteure aus dem Gesundheitswesen.<br />

Ihr gemeinsames Ziel lautet: Aus Fehlern lernen und so mehr<br />

Sicherheit in der medizinischen Versorgung schaffen!<br />

daraus ein Anspruch auf Entschädigung. Im Vergleich zu den<br />

rund 700 Millionen ambulanten und stationären Behandlungsfällen<br />

bewegt sich die Zahl der Fehler im Promillebereich. Doch<br />

Steffen Jaeger, der Leiter des Qualitäts- und Risikomanagements<br />

am Klinikum Osnabrück, weiß, dass diese Zahlen die Realität nur<br />

Bild außen rechts OP Raum, Bild oben groß © Klinikum Osnabrück, //<br />

Armband © praisaeng, fotoila,de // Klemmbett © Peter Atkins; fotolia.de<br />

unvollständig abbilden.<br />

„Strittige Fälle sind hier ebenso wenig<br />

berücksichtigt wie diejenigen, die durch<br />

einen Vergleich beigelegt werden. Außerdem<br />

gibt es deutschlandweit im<br />

Bereich der Behandlungsfehler eine<br />

Dunkelziffer. Von all dem abgesehen ist<br />

natürlich jeder Fehler einer zu viel, weil er<br />

für die Betroffenen schwerwiegende Folgen<br />

haben kann“, sagt Jaeger.<br />

Es gibt also gute Gründe, das Thema<br />

Patientensicherheit noch stärker als bisher<br />

in den Fokus zu rücken. Das Aktionsbündnis<br />

bietet dafür eine optimale Basis.<br />

Klinikum Osnabrück GmbH<br />

Am Finkenhügel 1 · 49076 Osnabrück<br />

Telefon: : 0541 405 0 · Fax: 0541 405 4997<br />

E-Mail: info@klinikum-os.de<br />

www.klinikum-os.de<br />

40 41


SPORT & GESUNDHEIT<br />

Welcher Schwergewichtsboxer wurde nach<br />

einem Friedensnobelpreisträger benannt?<br />

4. September 1949: Rund 10.000 Besucher<br />

drängen sich auf dem Gelände des OTV, um<br />

den Kampf des <strong>Osnabrücker</strong> Schwergewichtlers<br />

Wilson Kohlbrecher gegen seinen Berliner Konkurrenten<br />

Hans-Joachim Drägestein zu verfolgen. Doch auch der<br />

Unparteiische erregt das Interesse des Publikums: Es ist<br />

kein Geringerer als Weltmeister Max Schmeling.<br />

Die Besten köche<br />

der<br />

region<br />

ESSEN & TRINKEN<br />

präsentiert von<br />

Drägestein ist zwei Jahre zuvor noch<br />

selbst gegen Schmeling angetreten und<br />

kennt auch seinen aktuellen Kontrahenten<br />

gut. Beide haben sich bereits mit wechselndem<br />

Erfolg im Ring gegenübergestanden.<br />

Doch an diesem Tag nutzt Kohlbrecher<br />

den Heimvorteil. An der Jahnstraße,<br />

wo sich heute das Uni-Sportzentrum<br />

erstreckt, besiegt er Drägestein nach<br />

Punkten.<br />

Ein knappes Jahr später kämpft<br />

Wilson Kohlbrecher auf der Berliner<br />

Waldbühne. Doch gegen den<br />

amtierenden Deutschen Meister<br />

steht er auf verlorenem Posten.<br />

Hein ten Hoff streckt den Herausforderer<br />

schon in der 2. Runde auf<br />

den Ringboden. 1952 bekommt<br />

Kohlbrecher eine weitere große<br />

Chance. In der Dortmunder<br />

Westfalenhalle kämpft er gegen<br />

Heinz Neuhaus um die Europameisterschaft<br />

im Schwergewicht.<br />

Aber auch diesmal geht<br />

der schlagstarke <strong>Osnabrücker</strong><br />

k.o. – allerdings erst in der vierten<br />

Runde. Wilson Kohlbrecher<br />

wurde am 9. November<br />

1918 in Hannover geboren. Der weltpolitisch<br />

interessierte Vater, der sein Geld<br />

als „Klempner“ verdiente, soll ihn nach<br />

dem amerikanischen Präsidenten Woodrow<br />

Wilson benannt haben, dem wegen<br />

seiner Verdienste um die Gründung des<br />

Völkerbundes der Friedensnobelpreis<br />

verliehen wurde. Kohlbrecher Jr. setzte<br />

allerdings eher auf handfeste Argumente.<br />

Nach einer erfolgreichen Zeit als Amateur<br />

wurde er 1947 Profiboxer. Die <strong>Osnabrücker</strong><br />

Klempner-Firma Kohlbrecher habe<br />

nun Aussicht, „mit erheblichem Kapitalaufwand<br />

ausgebaut zu werden“, schrieb<br />

„Der Spiegel“, denn figürlich sei Wilson<br />

immerhin ein deutscher Joe Louis: „Keine<br />

Unze Fett auf den Rippen; dafür aber mit<br />

unwahrscheinlichen Muskelpaketen<br />

gesegnet.“ Max Machon übernahm<br />

schließlich die Betreuung des Schwergewichtlers.<br />

Er wolle Kohlbrecher so<br />

herausbringen, „wie er es verdient“,<br />

gab der langjährige Manager von Max<br />

Schmeling zu Protokoll. Bis 1954 absolvierte<br />

der Boxer 45 Kämpfe, 26 Mal<br />

verließ er den Ring als Sieger. Doch zehn<br />

Niederlagen verhinderten den ganz großen<br />

Durchbruch. Nach dem Ende seiner<br />

Laufbahn war er – in Deutschland und den<br />

USA – noch lange Jahre als Catcher<br />

aktiv. Wilson Kohlbrecher starb am<br />

1. September 1972. | Thorsten Stegemann<br />

Autogrammkarte © Privatarchiv<br />

Bilder © Steigenberger Remarque<br />

www.dransmann.com<br />

Wo treffen sich Frische und Vielfalt aus der Region?<br />

Teil 2: Rotweinschaumsuppe mit Lammfilet und Artischocken<br />

Klassische Stilelemente im modernen Ambiente - seit August 20<strong>16</strong> präsentiert sich<br />

das Restaurant im Steigenberger Hotel Remarque in ungewohnter Optik. Showküche<br />

und die Weinwirtschaft erstrahlen in neuem Glanz. Eines aber ist gleich<br />

geblieben: Das Haus gehört weiter zu den festen Größen der <strong>Osnabrücker</strong><br />

Gastronomieszene.<br />

Küchendirektor Andreas Klatt und Küchenchef<br />

Jürgen Kloester sind seit 18 Jahren die<br />

Garanten für kulinarische Erlebnisse der besonderen<br />

Art. Und das kommt nicht von Ungefähr.<br />

„Regional trifft bei uns auf regional. z.B.<br />

beziehen wir den Spargel aus Damme. Unsere<br />

Küche ist einfach und jeder findet hier etwas“,<br />

erläutert Jürgen Kloester.<br />

Nachdem Andreas Klatt in unserer letzten<br />

Ausgabe in Rotwein geschmorte Ochsenbäckchen<br />

präsentierte, verrät uns Kloester heute<br />

das Rezept für Rotweinschaumsuppe mit<br />

Lammfilet und Artischocken. | Redaktion<br />

Einkaufsliste (für 4 Personen)<br />

0,75 l Rotwein<br />

0,25 l roter Portwein<br />

10 g Zucker<br />

300 g Wurzelgemüse<br />

(Schalotten, Sellerie, weißer Lauch)<br />

0,6 l Geflügelbrühe<br />

0,4 l Sahne<br />

etwas Piment<br />

Wacholder<br />

Estragon<br />

4 Lammfilets<br />

4 Artischocken<br />

Butter<br />

Rosmarin & Thymian<br />

Salz & Pfeffer<br />

Zubereitung<br />

„Rotweinschaumsuppe“<br />

mit Lammfilet und Artischocken<br />

Rot- und Portwein zusammen mit dem<br />

Zucker auf 0,1 l reduzieren. Wurzelgemüse<br />

putzen, schneiden, anschwitzen<br />

und mit Brühe, Sahne auffüllen. Gewürze<br />

dazugeben und köcheln lassen, anschließend<br />

durch ein feines Sieb passieren.<br />

Mit Salz und Pfeffer abschmecken, die<br />

Rotwein-Reduktion zugeben und aufmixen.<br />

Artischocken putzen, vierteln und in<br />

Salzwasser blanchieren. In Butter mit<br />

Rosmarin & Thymian braten.<br />

Lammfilets ebenfalls in Butter mit Rosmarin<br />

& Thymian braten, mit Salz & Pfeffer würzen.<br />

Lammfilets aufschneiden, zusammen mit<br />

den Artischocken in einem Teller arrangieren,<br />

mit der Suppe angießen.<br />

Wir wünschen Guten Appetit!<br />

42


NATUR & UMWELT<br />

Wer kennt die prachtvollste<br />

Antilope Afrikas?<br />

Die Großen Kudus gehören als eine von insgesamt sechs<br />

Antilopenarten im Zoo Osnabrück sicherlich zu den ruhigeren, unauffälligeren Tieren unter den<br />

Zoobewohnern. Dabei sind sie aber alles andere als langweilig:<br />

Geschichte(n) aus dem<br />

NATUR & UMWELT<br />

Sie leben zusammen mit den Netzgiraffen,<br />

Straußen und verwandten Antilopen wie den<br />

Impalas und Ellipsenwasserböcken auf der<br />

großen Anlage in der afrikanischen Tierwelt<br />

„Samburu“. Ursprünglich kommen Große<br />

Kudus aus Zentral-, Ost- und Südafrika.<br />

Dort leben sie zumeist in geschützten Gebieten<br />

oder auf privaten Farmen. Ihr Bestand<br />

wird derzeit als nicht gefährdet eingestuft.<br />

Woher stammt der<br />

Name „Großer Kudu“?<br />

Der Große Kudu wird als Paarhufer eingeordnet<br />

und gehört zur Familie der Hornträger.<br />

Mit einer Schulterhöhe von bis zu<br />

1,70 Meter gehören sie zu den mächtigsten<br />

und schönsten Antilopen Afrikas. Die Bullen<br />

tragen eindrucksvolle, schraubenförmig<br />

geschwungene Hörner, die bis zu 1,80 Meter<br />

lang werden. Damit haben sie die größten<br />

Gehörne aller Waldböcke. Es kann vorkommen,<br />

dass sich zwei Männchen im Kampf<br />

mit ihren Hörnern so ineinander verkeilen,<br />

dass sie sich nicht mehr befreien können und<br />

die Begegnung für beide tödlich endet. Die<br />

Fellfarbe reicht von einem hellen braun bis<br />

zu einem hellen grau. Besonders auffällig<br />

ist die Fellzeichnung der Großen Kudus:<br />

Dünne, weiße, vertikale Streifen zieren ihre<br />

Flanken. Die Männchen unterscheiden sich<br />

nicht nur durch ihre Hörner von den Weibchen,<br />

sie tragen eine deutlich erkennbare<br />

Halsmähne. Das Körpergewicht von Großen<br />

Kudus liegt zwischen 180 Kilogramm und<br />

310 Kilogramm, wobei die Männchen deutlich<br />

schwerer sind als die Weibchen.<br />

Nach einer Tragezeit von circa 280<br />

Tagen gebären die Weibchen ein<br />

Kalb, welches zwischen 15 und<br />

20 Kilogramm wiegt. Nach einer<br />

Säugezeit von sechs Monaten<br />

steigt der Nachwuchs auf eine<br />

rein pflanzliche Ernährung um.<br />

Hauptsächlich fressen Große Kudus Blätter,<br />

Kräuter, Früchte, Blüten und Gräser, die sie<br />

in den lichten Waldgebieten sowie Baumund<br />

Buschsavannen suchen.<br />

Wie schützen sie ihre<br />

Jungtiere vor Fressfeinden?<br />

Der Nachwuchs bleibt insgesamt zwei Jahre<br />

lang bei der Mutter. Dabei leben die Weibchen<br />

und Jungtiere in Gruppen von bis zu<br />

25 Individuen. Die Männchen bilden lockere<br />

Junggesellengruppen und suchen die Weibchen<br />

nur in der Brunftzeit auf. Die Jungtiere<br />

sind sogenannte „Ablieger“. Das bedeutet,<br />

dass sie sich an einem gut geschützten Ort<br />

ablegen und dort warten, während die Mutter<br />

auf Nahrungssuche geht. Erst nach rund<br />

zwei Wochen, wenn sie kräftig und schnell<br />

genug sind, laufen sie mit der Herde mit.<br />

Wie überlebt der Große Kudu in der<br />

trockenen und warmen Savanne?<br />

Große Kudus sind wahre Überlebenskünstler.<br />

Unter günstigen Bedingungen können sie<br />

ihren gesamten Wasserbedarf allein durch<br />

die in ihrer Nahrung enthaltene Feuchtigkeit<br />

decken. Lediglich in dürren Zeiten, wenn<br />

die Vegetation sehr trocken ist, sind sie auf<br />

Wasserstellen angewiesen. Dies ist eine besondere<br />

Anpassung an ihren ursprünglichen<br />

Lebensraum, die trockenen Savannen Afrikas.<br />

In diesem Zusammenhang bezeichnet<br />

man die Großen Kudus auch als Kulturfolger,<br />

weil sie künstlich angelegte Brunnen zu<br />

nutzen gelernt haben. Da sie sehr gut springen<br />

können, müssen die Zäune um derartige<br />

Brunnen, auf privaten Farmen beispielsweise,<br />

schon deutlich höher als zwei Meter sein, damit<br />

die Großen Kudus sie nicht überspringen<br />

können.<br />

Viele der in Afrika lebenden Antilopenarten,<br />

so auch die Großen Kudus, sind mit sehr<br />

großen Ohren ausgestattet. Diese dienen auf<br />

der einen Seite dem besseren Gehör, auf der<br />

anderen Seite folgt dieses Merkmal der sogenannten<br />

Allenschen Regel: Tierarten in wärmeren<br />

Gebieten haben größere Gliedmaßen<br />

als ihre Artverwandten in kälteren Gebieten.<br />

Indem sie überschüssige Wärme über die<br />

große Oberfläche der Ohren abgeben, können<br />

sie ihre Körpertemperatur besser regulieren.<br />

Wer die Großen Kudus im Zoo Osnabrück<br />

besucht, trifft auf den Bock Malabo<br />

und seine zwei Weibchen Louna und Nadra<br />

sowie den dreifachen Nachwuchs der Gruppe.<br />

Das Weibchen Nakia ist bereits im Jahr<br />

2015 im <strong>Osnabrücker</strong> Zoo geboren, die anderen<br />

beiden Sprösslinge, Lutalo und Nakawa,<br />

kamen im August und September 20<strong>16</strong> zur<br />

Welt. | Marie Meierhofer<br />

Bilder © Zoo Osnabrück // Afrika Hintergrund © canvasoflight, fotolia.de<br />

Sonnenstrahlen © Bernhard Volmer // Frosch © Hans-Detlev Kampf<br />

Wie holt man die Natur ins Museum?<br />

Die Natur und ihre Phänomene lösen immer wieder große Begeisterung bei uns Menschen aus.<br />

Doch wie kann man Sonnenstrahlen einfangen oder Tiere, die normalerweise menschenscheu sind,<br />

aus der Nähe betrachten? Museen und ihre Ausstellungen machen dies möglich.<br />

In der Dauerausstellung des Museums am<br />

Schölerberg werden Abbilder der echten<br />

Natur inszeniert und zeigen Ausschnitte<br />

aus der direkten Umwelt von Osnabrück.<br />

So kann man unter anderem durch den<br />

Wald spazieren und die dortigen Pflanzen<br />

und Tiere dieses komplexen Ökosystems<br />

einmal genauer kennenlernen. Der eher<br />

selten zu sehende Dachs ist einer dieser<br />

Waldbewohner. Doch es werden nicht<br />

nur Abbilder dieser Natur geschaffen,<br />

sondern auch vertiefende Zusammenhänge,<br />

wie Waldnutzung und Waldschäden,<br />

dargestellt. Zudem kann man sich „unter<br />

die Erde“ begeben. Dort begegnet man<br />

Lebewesen, denen wir Menschen sonst<br />

nur auf dem Kopf herumlaufen. Dazu<br />

gehören vor allem Springschwänze,<br />

Pseudoskorpione<br />

und<br />

Regenwürmer. Um diesen<br />

regionalen Bezug etwas<br />

zu erweitern, werden in<br />

regelmäßigen Abständen<br />

verschiedenste<br />

Sonderausstellungen<br />

gezeigt. Neben den erwähnten Inszenierungen<br />

und klassischen „Vitrinen-Ausstellungen“<br />

lässt sich die Natur mit ihren<br />

Phänomenen auch auf andere Art und<br />

Weise darstellen - mit Hilfe der Naturfotografie.<br />

In Osnabrück haben sich hierfür Fotografen<br />

zusammengetan, die sich in ihrer<br />

Freizeit unter anderem Lichtphänomenen<br />

der Natur gewidmet haben. Das Licht ist –<br />

neben dem Wasser – ein enorm wichtiger<br />

Faktor für einen Großteil der Organismen<br />

dieser Erde. Pflanzen könnten nicht wachsen,<br />

es gäbe keinen Tag-Nacht-Rhythmus,<br />

keinen Regenbogen oder keine Nordlichter.<br />

Es ist übrigens nicht selten, dass auch<br />

Nicht-<strong>Wissen</strong>schaftler einen<br />

wichtigen Beitrag zur<br />

Museumsarbeit leisten<br />

(sog. „Citizen<br />

Science“). Diese<br />

Form der Zusammenarbeit<br />

zwischen Wiss-<br />

Museum am Schölerberg<br />

Natur & Umwelt -<br />

Planetarium -<br />

Umweltbildungszentrum<br />

Klaus-Strick-Weg 10<br />

49082 Osnabrück<br />

Telefon: 0541 56003-0<br />

Öffnungszeiten:<br />

Montag: geschlossen · Dienstag: 9 bis 20 Uhr<br />

Mittwoch bis Freitag: 9 bis 18 Uhr<br />

Samstag: 14 bis 18 Uhr · Sonntag: 10 bis 18 Uhr<br />

www.museum-am-schoelerberg.de<br />

enschaftlern und der (oft unterschätzten)<br />

Expertise von Menschen, die sich neben<br />

ihrem Beruf der Natur und ihrer<br />

Vielfalt berufen fühlen, bringen immer<br />

wieder neue Aspekte in ein Museen ein.<br />

| Lisa Mammitzsch<br />

WISSEN KOMPAKT<br />

BILDER VON OSNABRÜCKER<br />

NATURFOTOGRAFEN<br />

Die Sonderausstellung „NATURlicht“<br />

zeigt einzigartige Momentaufnahmen<br />

der Naturschätze<br />

des heimischen Gartens, des<br />

<strong>Osnabrücker</strong> Landes, Helgolands,<br />

Islands, der afrikanischen Savanne,<br />

den Sümpfen Floridas bis hin<br />

zu den rauen Küsten der Falklandinseln.<br />

Präsentiert werden diese<br />

großformatigen Bilder von den<br />

<strong>Osnabrücker</strong> Naturfotografen.<br />

Dauer der Sonderausstellung:<br />

9.Dezember 20<strong>16</strong> bis 4. Juni 2017<br />

44<br />

45


HINTER DEN KULISSEN<br />

HINTER DEN KULISSEN<br />

Wer gibt grünes Licht in der City?<br />

Viele <strong>Osnabrücker</strong> Autofahrer kennen das: Nach einem stressigen Arbeitstag möchte man schnell<br />

nach Hause und die Füße hochlegen. Die Chancen dazu stehen gut, wenn man zur entsprechenden<br />

Zeit die „Grüne Welle“ auf dem Stadtwall erwischt. Wer entscheidet dabei über Rot, Gelb oder Grün?<br />

Wie wird die<br />

Ampelschaltung geregelt?<br />

Burghard Albers vom städtischen<br />

Fachdienst Verkehrsanlagen betritt<br />

morgens keine riesige Schaltzentrale<br />

mit unzähligen Rechnern. Es gibt<br />

keine Knöpfe oder Hebel, mit denen er<br />

die Ampeln auf Grün oder Rot stellen<br />

kann. Das wäre bei 205 Ampelanlagen<br />

im <strong>Osnabrücker</strong> Stadtgebiet<br />

auch wahrlich zu kompliziert. Vielmehr<br />

unterstützen ihn spezielle EDV-<br />

Programme bei der Arbeit. In einem<br />

Signalzeitenplan werden die Längen<br />

jeder Ampelphase festgelegt. Es entsteht<br />

ein mehrzeiliges Konstrukt, aus dem<br />

Burghard Albers bei der Arbeit<br />

ersichtlich ist, wie viele Sekunden jede<br />

Ampel einer Anlage rot bzw. grün ist.<br />

Vorher werden allerdings die Wege zu<br />

den Konfliktpunkten der verschiedenen<br />

Fahrtrichtungen gemessen. „Daraus<br />

ergibt sich für jeden Knotenpunkt<br />

eine Zwischenzeitenmatrix“, sagt<br />

Albers und erläutert: „In ihr ist die Zeit<br />

festgelegt, die zwischen dem Ende der<br />

Grünzeit des räumenden Verkehrsstromes<br />

und dem Beginn der Grünzeit<br />

eines einfahrenden Stromes bestehen<br />

muss, damit es nicht im schlimmsten<br />

Fall zu Kollisionen auf der Kreuzung<br />

kommt.“ Sind Signalzeitenplan und<br />

Zwischenzeitenmatrix für eine Ampelanlage<br />

erstellt und durch Computer-<br />

programm und mehrere Gegenkontrollen<br />

freigegeben, gehen diese an<br />

die Versorgungskästen der jeweiligen<br />

Anlage. Monteure geben die Pläne in<br />

ein spezielles Computerprogramm<br />

auf dem Rechner des Kastens ein und<br />

schon wird der Straßenverkehr einwandfrei<br />

geregelt. Gibt es Störungen<br />

bei einer bestimmten Ampelanlage,<br />

kann Burghard Albers dies direkt auf<br />

seinem Bildschirm im Büro mitverfolgen.<br />

Schaltet eine Ampel<br />

immer gleich?<br />

Ist eine Ampelanlage im sogenannten Festzeitprogramm,<br />

gibt es vier verschiedene<br />

Signalpläne, die den Verkehr regeln.<br />

Bilder © Kristina Hoffmann // Grafiken © Burghard Albers // Foto Ampel / Gewerkschaftsgebäude © blendeneffekte.de, Oliver Schratz<br />

Signalplan 1 greift bei „normalem“<br />

Verkehr, also außerhalb der Stoßzeiten.<br />

Wenn morgens der Berufsverkehr<br />

vermehrt in die Stadt gerichtet ist, wird<br />

automatisch Signalplan 2 geschaltet.<br />

Signalplan 3 regelt dies in umgekehrter<br />

Weise - wenn Autofahrer zum Feierabend<br />

die Stadt wieder verlassen. Das vierte und<br />

letzte Programm ist für die Nachtzeiten<br />

bestimmt. Jede zweite Ampelanlage im<br />

Stadtgebiet von Osnabrück geht nachts<br />

jedoch aus. Darüber hinaus gibt es noch<br />

verkehrsabhängige Schaltungen. Diese<br />

reagieren beispielsweise auf Signale durch<br />

Induktionsschleifen oder Videokameras.<br />

So funktionieren auch die meisten Fußgängerampeln:<br />

Passanten machen sich<br />

durch den Druckknopf am Ampelmast<br />

bemerkbar, um kurz darauf Grün zu<br />

sehen.<br />

Woher kommt das Licht<br />

in der Ampel?<br />

In Lichtsignalanlagen befinden sich<br />

lediglich weiße Glühbirnen. Die Lichtgeber<br />

des markanten Rot-, Gelb- und<br />

Grüntons sind tatsächlich die Gläser. Hier<br />

werden aber keine einfachen Gläser oder<br />

Kunststoffscheiben verwendet, sondern<br />

Material, dass eine gute Lichtdurchlässigkeit<br />

gewährleistet. Neben den montierten<br />

Abschirmblenden wirkt das Glas ebenfalls<br />

gegen „Phantomlicht“, das durch starke<br />

Sonneneinstrahlung entsteht. Außerdem<br />

wird hinter der Glühbirne oft ein Spiegel<br />

angebracht, um die Lichtausbeute zu<br />

optimieren. Bei der neueren LED-Technik<br />

wiederum wird jede einzelne LED-Leuchte<br />

in ihrer jeweiligen Farbe dargestellt.<br />

Wo stand Osnabrücks<br />

erste Ampel?<br />

Auf der Kreuzung Neumarkt/ Große<br />

Straße/ Johannisstraße. Im Dezember<br />

1936 schmückte erstmals eine sogenannte<br />

Heuerampel den heutigen Neumarkt.<br />

Gleichzeitig mussten <strong>Osnabrücker</strong>innen<br />

und <strong>Osnabrücker</strong> von nun an mit ihren<br />

fahrbaren Untersätzen warten oder beim<br />

Spaziergang auch auf der Kreuzung<br />

Wittekindstraße/ Möserstraße innehalten,<br />

bis der Zeiger auf Grün stand und den Weg<br />

freigab. | Kristina Hoffmann<br />

WISSEN KOMPAKT<br />

HEUERAMPELN<br />

Von 1930 bis in die 60er-Jahre<br />

wurden in Deutschland unter<br />

anderem auch Heuerampeln als<br />

Lichtsignalanlagen verwendet.<br />

Die würfelförmigen Ampeln hingen<br />

über der Mitte einer Straßenkreuzung<br />

an Drahtseilen. Rote<br />

und grüne Kreissegmente<br />

zierten eine Drehscheibe, in deren<br />

Mitte ein Zeiger die jeweilige Rotbeziehungsweise<br />

Grünphase<br />

signalisierte.<br />

Hasetor-Grafik mit Signalzeitenplan<br />

2015-09-21_Stadtblatt-Campus.indd 1 21.09.15 15:45<br />

47


KUNST & KULTUR<br />

KUNST & KULTUR<br />

Warum spricht die<br />

Justiz kein Recht?<br />

Vergessene Bücher (4): Günther Weisenborns Roman „Der Verfolger“<br />

Er bekämpfte den Faschismus nicht nur literarisch, sondern unterstützte mitten in Berlin die Widerstandsgruppe<br />

„Rote Kapelle“. 1942 wurde Günther Weisenborn verhaftet, erst zum Tod und dann – nach einer<br />

entlastenden Zeugenaussage – zu zehn Jahren Festungshaft verurteilt. Die Kurzgeschichte „Die Aussage“,<br />

in der er die dramatischen Erlebnisse in der Todeszelle beschreibt, ist bis heute Schullektüre, aber auch sein<br />

einziges Werk, das die Jahrzehnte überdauert hat.<br />

Dabei gehörte Günther<br />

Weisenborn, der 1902 in<br />

Velbert geboren wurde<br />

und 1969 in Berlin starb,<br />

zu den profiliertesten<br />

deutschen Autoren des<br />

20. Jahrhunderts. Schon<br />

seit erstes Theaterstück<br />

„U-Boot S 4“, das 1928<br />

zeitgleich in Berlin<br />

(wo Heinrich George<br />

eine der Hauptrollen<br />

übernahm) sowie in<br />

Oldenburg, Bonn und<br />

Stuttgart uraufgeführt<br />

wurde, stellte bohrende<br />

Fragen nach<br />

der politischen und<br />

gesellschaftlichen<br />

Verantwortung für<br />

Krieg und Gewalt. Es<br />

war das erste, aber<br />

nicht das letzte Weisenborn-Drama,<br />

das<br />

in der rechtsnationalen<br />

Presse einen<br />

Sturm der Entrüstung<br />

provozierte.<br />

1933 wurden seine<br />

Bücher verboten.<br />

Weisenborn<br />

ging zunächst in Exil, kehrte dann<br />

aber nach Deutschland zurück und<br />

begann ein gefährliches Doppelleben.<br />

Er arbeitete im nationalsozialistischen<br />

Kulturbetrieb und unterstützte gleichzeitig<br />

die Gruppe um Harro Schulze-Boysen<br />

und Arvid Harnack, die zur<br />

„Roten Kapelle“ gehörte und zahlreiche<br />

Widerstandsaktionen durchführte.<br />

Nach Kriegsende war Weisenborn, der<br />

sich immer wieder mit dem haltlosen<br />

Vorwurf ein sowjetischer Spion zu sein<br />

konfrontiert sah, an der Gründung des<br />

Hebbel-Theaters und der Zeitschrift<br />

„Ulenspiegel“ beteiligt.<br />

„Ich leb nicht für etwas … ich will auch<br />

nicht für etwas sterben, auch nicht fürs<br />

Vaterland!“<br />

Zitat aus „U-Boot S4“<br />

Er widmete sich aber vor allem der<br />

Geschichte des deutschen Widerstands,<br />

dem er in dem Schauspiel „Die<br />

Illegalen“ (1946), das innerhalb von<br />

zwei Jahren angeblich auf 350 Bühnen<br />

gespielt wurde, in dem bahnbrechenden<br />

Dokumentarband „Der lautlose<br />

Aufstand“ (1953) oder in dem Drehbuch<br />

zu Falk Harnacks Film „Der 20.<br />

Juli“ (1955) ein Denkmal setzte.<br />

Bilder © wikimedia.org // Zitat-Quellen © Günther Weisenborn: Theater, Bandd 3: Frühe Stücke, Henschelverlag Berlin 1967, S. 37 Günther Weisenborn: Memorial / Der Verfolger, Aufbau-Verlag Berlin 1962, S.369/381<br />

Sechs Jahre später erschien<br />

der Roman „Der Verfolger“<br />

mit dem Untertitel „Die<br />

Niederschrift des Daniel<br />

Brendel“. Hier thematisiert<br />

Weisenborn ein dunkles<br />

Kapitel der deutschen<br />

Nachkriegsgeschichte.<br />

Es beginnt um drei Uhr<br />

morgens in einem parkenden<br />

Auto. Am Steuer<br />

wartet ein Mann auf<br />

den Spitzel, der seine<br />

Widerstandsgruppe „Die<br />

silberne Sechs“ einst an<br />

die Gestapo verraten<br />

hat. Daniel Brendel will einen tödlichen<br />

Unfall vortäuschen, doch Paul<br />

Riedel, der Denunziant, lässt exakt<br />

61 Minuten auf sich warten. In dieser<br />

Zeit rollt Brendel den Fall ein<br />

letztes Mal auf. Die Leser begleiten<br />

ihn durch die Bombennächte des<br />

Zweiten Weltkriegs, zu konspirativen<br />

Treffen, in die Gefängniszelle<br />

und vor Gericht. Sie werden aber<br />

auch Zeugen, wie Brendel nach 1945<br />

vergeblich versucht, die Juristen der<br />

Bundesrepublik in den Dienst der<br />

Gerechtigkeit zu zwingen. Richter,<br />

Verteidiger und Staatsanwälte<br />

wollen mit der braunen Vergangenheit,<br />

die auch ihre eigene ist,<br />

nichts mehr zu tun haben. Akten<br />

und Zeugen seien unauffindbar,<br />

befindet Brendels Rechtsbeistand<br />

und folgert: „Wir müssen die Akten<br />

schließen, so leid es mir tut.“ In<br />

den Erfahrungen seiner Hauptfigur<br />

spiegeln sich die von Günther<br />

Weisenborn, der nach dem Krieg<br />

versucht, einen Prozess gegen Manfred<br />

Roeder, den Chefankläger der<br />

„Roten Kapelle“, anzustrengen. Die<br />

Ermittlungen gegen den fanatischen<br />

Nationalsozialisten, der stolz<br />

darauf ist, „dem Führer etwa 90<br />

Köpfe zur Verfügung gestellt“ zu<br />

haben, werden aber verschleppt und<br />

schließlich eingestellt.<br />

Das Gros der deutschen Bevölkerung<br />

hat freilich ebenfalls kein Interesse<br />

daran, sich intensiver mit<br />

seiner Geschichte auseinanderzusetzen:<br />

„Wollten sie, die uns damals vergessen<br />

hatten, als wir in die Keller des Todes<br />

hinabgeschleudert wurden, wollten sie<br />

wirklich nicht erfahren, was sich damals<br />

zugetragen hatte? Nein, sie wollten<br />

nichts wissen. Sie fragten nicht.<br />

Sie liefen durch die Ruinenfelder und<br />

jagten nach einem Stück Brot oder Zigaretten.“<br />

Zitat aus „Der Verfolger“<br />

Hat Daniel Brendel deshalb das<br />

Recht, Selbstjustiz zu üben? Seine<br />

frühere Weggefährtin Eva schlägt<br />

ihm eindringlich andere Wege vor,<br />

um Vergangenes zu bewältigen und<br />

Zukunft zu gestalten. Doch Brendels<br />

Entscheidung fällt erst um 4.01<br />

Uhr …<br />

1955 kauften Günther Weisenborn<br />

und seine Frau Joy ein kleines Haus<br />

in Aragone. Der Landstrich im<br />

Tessin erwies sich als Treffpunkt<br />

der (antifaschistischen) Dichter<br />

und Denker. In der näheren Umgebung<br />

hatten auch die in Osnabrück<br />

geborenen Schriftsteller Erich<br />

Maria Remarque und Heinz Liepman<br />

eine Bleibe gefunden. Zum<br />

Freundeskreis gehörten überdies<br />

Autoren wie Alfred Andersch<br />

oder Robert Neumann.<br />

| Thorsten Stegemann<br />

WISSEN KOMPAKT<br />

WEISENBORN LESEN<br />

Die genannten und alle anderen<br />

Werke sind heute nur<br />

noch antiquarisch erhältlich.<br />

In der Stadt- und Unibibliothek<br />

finden sich einige wenige<br />

Bücher Weisenborns –<br />

„Der Verfolger“ ist allerdings<br />

nicht dabei.<br />

49


KUNST & KULTUR<br />

Der Kalender-Tipp<br />

wird präsentiert vom<br />

Für<br />

Für<br />

Stadtlichter.<br />

Stadtlichter.<br />

Wer fotografiert Bücher?<br />

Bücher und ihre ästhetische Faszination sind das Thema des 1960 geborenen <strong>Osnabrücker</strong><br />

Fotografen und Pädagogen Richard Otten-Wagener, der seine Arbeiten seit 2005 bereits in<br />

zahlreichen Ausstellungen präsentiert und als Kalender-Editionen veröffentlicht.<br />

Durch kreativen Lichteinsatz und bewusst<br />

klare Strukturen, die das Auge gekonnt<br />

leiten, lässt Otten-Wagener den Betrachter<br />

mit seinen künstlerischen Aufnahmen<br />

das Buch als Phantasie- und Inspirationsquelle<br />

ganz neu entdecken. Mithilfe von<br />

Perspektive, grafischen Elementen oder<br />

Lichteinfall macht der Fotograf aus Dingen<br />

des alltäglichen Lebens Kunst-Objekte,<br />

die zum Staunen einladen. Es gelingt<br />

ihm so, das Buch zum<br />

Symbol für freie Gedanken, Träume und<br />

Fantasien werden zu lassen. Auch der<br />

Kalender „Offene Bücher“ für das Jahr<br />

2017 ist wieder von Monat zu Monat ein<br />

wahrer Augenschmaus - nicht nur für<br />

Bibliophile. Für 2017 hat Richard Otten-<br />

Wagener außerdem zwei Foto-Kalender<br />

im Format DIN A3 zu den Themen<br />

„Mohn“ und „Sinnbilder“ zusammengestellt.<br />

Auf der Homepage des Fotografen werden<br />

alle drei Kalender im Detail vorgestellt:<br />

www.otten-wagener.de<br />

Sie können hier zum Preis von 20 € bestellt<br />

werden. | Beatrice le Coutre-Bick<br />

„<strong>Osnabrücker</strong> <strong>Wissen</strong>“ verlost zwei<br />

Exemplare des Kalenders „Offene<br />

Bücher“ für das Jahr 2017.<br />

Mehr auf Seite 59!<br />

Bilder © Richard Otten-Wagener<br />

Der Fotograf<br />

Richard Otten-Wagener<br />

WISSEN KOMPAKT<br />

AUSSTELLUNG IM JANUAR UND<br />

FEBRUAR 2017<br />

Vom 9. Januar 2017 bis zum <strong>16</strong>.<br />

Februar 2017 ist eine Ausstellung<br />

mit Bildern von Otten-Wagener<br />

in der Katholischen Familien-<br />

Bildungsstätte (Große Rosenstr.18<br />

49074 Osnabrück) zu sehen. Sie<br />

trägt den Titel „Sinnbilder – Die<br />

Impression des Vertrauten“.<br />

50


KUNST & KULTUR<br />

Was tun, wenn Pamina krank wird?<br />

Als Lisa-Marie Oliva um neun Uhr morgens ihr Büro im Theater am Domhof betritt, leuchtet<br />

bereits der kleine eckige Briefkasten auf ihrem Telefon. Unter den vielen Anrufen ist auch eine<br />

Sängerin, die in der Oper „Die Zauberflöte“ eine Hauptrolle verkörpert. Lisa-Marie Oliva, Leiterin<br />

des Künstlerischen Betriebsbüros, wird nervös, denn ein Anruf eines Darstellers heißt oft nichts<br />

Gutes. Die Vermutung bestätigt sich. „Paminas“ Stimme funktioniert nicht, wie sie sollte. Sie wird<br />

am Abend nicht auf der Bühne stehen können. Und nun?<br />

Jetzt muss Lisa-Marie Oliva schnell handeln.<br />

Am Theater Osnabrück gibt es für<br />

diese Partie keine feste Zweitbesetzung, die<br />

mal eben einspringen kann. Ist vor Beginn<br />

der Spielzeit schon sicher, dass dieser oder<br />

jener Sänger an einem Auftrittstermin<br />

verhindert sein wird, lässt sich im Vorfeld<br />

leicht ein Gast organisieren. Doch wenn<br />

ein wichtiger Darsteller kurzfristig ausfällt,<br />

wünschen sich die Leiterin des Künstlerischen<br />

Betriebsbüros und ihre Kollegin<br />

Patricia Vieregg schon mal eine Kristallkugel<br />

auf ihrem Schreibtisch. In einem<br />

solchen Fall muss unverzüglich das<br />

gesamte Team informiert werden. Dazu<br />

zählen vor allem der Intendant des<br />

Theaters, der musikalische Leiter und der<br />

Regieassistent. Zusammen wird überlegt,<br />

ob für die Aufführung eine geeignete<br />

Sängerin aus einer anderen Stadt nach<br />

Osnabrück geholt werden kann. Intendant<br />

Dr. Ralf Waldschmidt schlägt einige<br />

ihm bekannte Optionen vor. Es wird telefoniert,<br />

Kontakte werden hergestellt, doch<br />

keiner antwortet oder hat Zeit.<br />

Ein Glück, es ist nicht Sonntag! Das<br />

heißt, Lisa-Marie Olivia kann sich an die<br />

ZAV-Künstlervermittlung (Zentrale Auslands-<br />

und Fachvermittlung) wenden und<br />

zwischen Künstlerinnen wählen, die „ihre“<br />

Pamina vertreten könnten. Wieder wird<br />

telefoniert. Niemand hat Zeit, niemand<br />

kann die gespielte Fassung auswendig.<br />

Langsam wird die Angelegenheit zur Zitterpartie.<br />

Dann wirft die Chefdisponentin<br />

einen Blick auf die ellenlangen Listen, auf<br />

denen alle Darstellerinnen verzeichnet<br />

sind, die für eine bestimmte Rolle in Frage<br />

kommen. Richtig! Bei einer Sängerin aus<br />

Hamburg haben sie es noch nicht versucht.<br />

Es tutet, der Anruf geht durch und Volltreffer!<br />

Sie beherrscht den Text und kann<br />

Bild © Uwe Lewandowski<br />

in den nächsten drei Stunden in Osnabrück<br />

sein. Erleichterung! Das Theater Osnabrück<br />

hat für solche Fälle, die immer einmal wieder<br />

vorkommen, auch wenn wir diesen speziellen<br />

frei erfunden haben, einen Notfalletat. Fahrt,<br />

Übernachtung und natürlich die Abendgage<br />

der „Ersatz-Pamina“ werden daraus bezahlt.<br />

Hier werden keine Kosten und vor allem<br />

Mühen gescheut, denn fest steht: Ohne<br />

Pamina keine „Zauberflöte“! Eine abgesagte<br />

Vorstellung hätte dann nicht nur Einnahmeeinbußen,<br />

sondern vor allem ein enttäuschtes<br />

Publikum zur Folge. Gerade in der Winterzeit<br />

ist das Krankheitsrisiko natürlich höher. Dass<br />

deswegen ein Stück ausfallen muss,<br />

kommt trotzdem sehr selten vor. „Der<br />

Vorhang muss einfach aufgehen“, weiß<br />

Chefdisponentin Patricia Vieregg. Und<br />

genau das macht der Vorhang auch: Es<br />

kann gespielt werden! Der Abend ist<br />

gerettet. | Kristina Hoffmann<br />

WISSEN KOMPAKT<br />

SPIELTERMINE IM<br />

THEATER AM DOMHOF<br />

So., 18.12.20<strong>16</strong> | 15:00 Uhr<br />

Di., 20.12.20<strong>16</strong> | 19:30 Uhr<br />

Fr., 23.12.20<strong>16</strong> | 19:30 Uhr<br />

Mo., 26.12.20<strong>16</strong> | 19:30 Uhr<br />

Do., <strong>16</strong>.03.2017 | 19:30 Uhr<br />

Mi., 22.03.2017 | 19:30 Uhr<br />

So., 09.04.2017 | 15:00 Uhr<br />

Mo., 17.04.2017 | 15:00 Uhr<br />

Weitere Informationen unter:<br />

www.theater-osnabrueck.de<br />

53


FAMILIE & SOZIALES<br />

FAMILIE & & SOZIALES<br />

Für wen schiebt man<br />

einen Kaffee auf?<br />

Gesamtindex Soziale Ungleichheit<br />

Die Überlagerung von Statusindex und Dynamikindex<br />

lässt sich in einer Karte darstellen. Um<br />

die verschiedenen Ausprägungen grafisch zu<br />

veranschaulichen wird hierbei auf eine Kreuztabelle<br />

zurückgegriffen. Durch die Kombination<br />

der vier Statusindex-Gruppen („hoch“, „mittel“,<br />

Wo drohen soziale Schieflagen?<br />

„niedrig“ und „sehr niedrig“) und der drei Dynamikindex-Gruppen<br />

(„positiv“, „stabil“ und „negativ“)<br />

kann jeder statistische Bezirk entsprechend<br />

des so gebildeten Gesamtindex soziale<br />

Ungleichheit (Status/Dynamik-Index) einer der<br />

zwölf Kategorien zugeordnet werden.<br />

Abbildung 2: Gesamtindex Soziale Ungleichheit - Kreuztabelle<br />

Mitte Oktober stellte Status die 2015Stadt Osnabrück ihr Sozialmonitoring für das Jahr 2015 vor und<br />

hoch mittel niedrig sehr niedrig<br />

konstatierte positiv eine alles in allem „stabile Gesamtsituation“. Doch in 11 von 118 untersuchten<br />

Dynamik<br />

stabil<br />

Bezirken sah die Lage anders aus.<br />

2014-2015<br />

negativ<br />

Überträgt man diese Systematik auf eine Karte,<br />

ergibt sich das unten dargestellte Bild. Statistische<br />

Bezirke, die über keine farbliche Füllung<br />

verfügen, wurden aus der Berechnung ausgenommen,<br />

da sie über zu wenig Einwohner<br />

verfügen (eine Auflistung findet sich im Anhang<br />

2). Die Kombination hoher Status und positive<br />

Dynamik sowie hoher Status und negative Dynamik<br />

sind im Fall Osnabrücks nicht vergeben.<br />

Abbildung 3: Gesamtindex Soziale Ungleichheit - Räumliche Verteilung<br />

Gesamtindex Soziale Ungleichheit<br />

Für Gebiete der Stadtteile Schinkel, Fledder, Widukindland,<br />

Eversburg, Hafen, Darum-Gretesch-Lüstringen und Dodesheide<br />

bestehe ein „besonderer sozialer Aufmerksamkeitsbedarf“ stellten<br />

die Autoren fest. Hier leben gut 21.000 Menschen, die überdurchschnittlich<br />

häufig von (Langzeit)arbeitslosigkeit sowie Kinderoder<br />

Altersarmut betroffen sind und entsprechende Transferleistungen<br />

beziehen.<br />

Die Überlagerung von Statusindex und Dynamikindex<br />

lässt sich in einer Karte darstellen. Um<br />

die verschiedenen Ausprägungen grafisch zu<br />

veranschaulichen wird hierbei auf eine Kreuztabelle<br />

zurückgegriffen. Durch die Kombination<br />

der vier Statusindex-Gruppen („hoch“, „mittel“,<br />

„niedrig“ und „sehr niedrig“) und der drei Dyna-<br />

Da die Entwicklung in vielen Bezirken schon seit<br />

Jahren anhält, befürchten Experten, dass sich hier<br />

dauerhaft „soziale Problemlagen“ bilden könnten.<br />

Abwärtstrends lassen sich freilich auch umkehren<br />

– etwa durch eine zielgerichtete Wohnungsbaupolitik<br />

oder eine Intensivierung der Sozialarbeit vor<br />

Ort. Auch Wolfgang Griesert will sich nicht mit<br />

der aktuellen Situation zufrieden geben. Im Vorwort<br />

zum „stabil“ neuen Sozialmonitoring und „ne-<br />

verspricht der<br />

mikindex-Gruppen („positiv“,<br />

gativ“) kann jeder statistische Oberbürgermeister Bezirk entsprechend<br />

des so gebildeten Gesamtindex soziale<br />

weitere Anstrengungen – im<br />

Rahmen des Stadtentwicklungsprojekts „Migration<br />

und Teilhabe“, beim Handlungsprogramm<br />

Ungleichheit (Status/Dynamik-Index) einer der<br />

„Bezahlbarer Wohnraum“ oder auch bei der<br />

zwölf Kategorien zugeordnet Bewerbung werden. um die Fortführung des Programms<br />

„Soziale Stadt“ im <strong>Osnabrücker</strong> Stadtteil Schinkel.<br />

| Redaktion<br />

Schützende Hände © Photocreo Bednarek, fotolia.de // Grafik © Stadt Osnabrück<br />

Bilder Kaffee © Sina-Christin Wilk // alter Mann mit Kaffee Tasse © Alextype, fotolia.de<br />

Als Carlos Tomas, Geschäftsführer der Kaffeerösterei „Kaffee 1871“, 2013 auf einer Messe in<br />

Triest war, lernte er das Projekt „Suspended Coffee Supporter“ kennen. Die Idee ist ebenso<br />

einfach wie überzeugend: Kunden, die im Ladengeschäft einkaufen oder sich in den Cafébereich<br />

setzen, können einen Kaffee, den sie selbst nicht trinken, bezahlen. Dieser wird dann als<br />

spezieller Gutschein zur Verfügung gestellt und an Bedürftige ausgegeben.<br />

Das Angebot wird auch in Osnabrück<br />

positiv aufgenommen, erzählt Tomas.<br />

Einige (Stamm)Gäste bezahlen regelmäßig<br />

einen zweiten Kaffee, andere zeigen sich<br />

gerade zur Oster- oder Weihnachtszeit<br />

besonders spendabel.<br />

Wer trinkt den<br />

„aufgeschobenen Kaffee“?<br />

In der Szene der Obdachlosen, an die sich<br />

das Angebot hauptsächlich richtet, ist<br />

das Projekt samt Anlaufstellen bekannt.<br />

Mund-zu-Mund-Propaganda scheint hier<br />

die beste Werbung zu sein. Gelegentlich<br />

gehen die Mitarbeiter des „Kaffee 1871“<br />

auch zu den bekannten Hotspots der<br />

Innenstadt und liefern das Getränk frei<br />

Haus. Wenngleich die Zielgruppe überaus<br />

dankbar für eine wärmende Tasse<br />

Kaffee ist, sei die Hemmschwelle recht<br />

groß, das Angebot aktiv in Anspruch<br />

zu nehmen, berichtet Tomas. „Häufig<br />

sehen wir Menschen, die vor unserem<br />

Ladenfenster stehen und versuchen, auf<br />

sich aufmerksam zu machen.“<br />

Was motiviert zur<br />

Teilnahme?<br />

Tomas, der brasilianische und portugiesische<br />

Wurzeln hat, hält optimistisch an<br />

der Idee des „aufgeschobenen Kaffees“ fest<br />

und engagiert sich darüber hinaus mit dem<br />

Verkauf seiner Feinkostprodukte der Marke<br />

„Genuss-Mafia“ für wohltätige Zwecke<br />

in der Region. Aus seinem privaten Umfeld<br />

seien ihm Not und Elend bekannt, deshalb<br />

wisse er, dass man Menschen selbst<br />

mit kleinen Gesten eine große Freude<br />

bereiten könne. Eben deshalb sei er 2014<br />

kurzentschlossen Mitglied im Verband<br />

„Suspended Coffees Germany“ geworden,<br />

um die Aktion nach Osnabrück zu holen.<br />

Inzwischen haben sich in ganz<br />

Deutschland weitere Cafés angeschlossen,<br />

eine Übersicht gibt es auf der<br />

Homepage: www.suspendedcoffee.de<br />

| Sina-Christin Wilk<br />

WISSEN KOMPAKT<br />

SUSPENDED COFFEE<br />

Seinen Ursprung hat der Suspended<br />

Coffee in Italien: Im Ersten Weltkrieg<br />

verloren viele Menschen ihre wirtschaftliche<br />

Grundlage. Da der Kaffee<br />

einen besonderen Stellenwert hatte,<br />

wurde die Tradition begründet, bedürftigen<br />

Mitmenschen aus Solidarität<br />

ein Heißgetränk zu spendieren<br />

– den „Caffè Sospeso“.<br />

Weitere Infos: www.kaffee1871.de<br />

Abbildung 2: Gesamtindex Soziale Ungleichheit - Kreuztabelle<br />

<strong>16</strong><br />

Dynamik<br />

2014-2015<br />

positiv<br />

stabil<br />

negativ<br />

Status 2015<br />

hoch mittel niedrig sehr niedrig<br />

Überträgt man diese Systematik auf eine Karte,<br />

ergibt sich 54 das unten dargestellte Bild. Statistische<br />

Bezirke, die über keine farbliche Füllung<br />

verfügen (eine Auflistung findet sich im Anhang<br />

2). Die Kombination hoher Status und positive<br />

Dynamik sowie hoher Status und negative Dy-<br />

55


Wer trug sich ins<br />

Goldene Buch ein?<br />

Teil <strong>16</strong>: Günter Grass<br />

Er war einer der bedeutendsten, aber auch einer der streitbarsten<br />

deutschen Schriftsteller des 20. und frühen Jahrhunderts. Und so wird<br />

sein Name mit der „Blechtrommel“, „Katz und Maus“ oder dem „Butt“,<br />

verbunden bleiben, aber auch mit dem bizarren Gedicht „Was gesagt<br />

werden muss“ oder dem späten Geständnis, als 17-Jähriger Angehöriger<br />

der Waffen-SS gewesen zu sein.<br />

Bei seinen drei Besuchen in Osnabrück zeigte sich Günter Grass (1927-<br />

2015) ebenfalls äußerst diskussionsfreudig. Zum ersten Mal kam der<br />

Literatur-Nobelpreisträger am 12. Juni 2002 in die Hasestadt, um aus<br />

seiner Novelle „Im Krebsgang“ zu lesen. Seine letzte Visite datiert vom<br />

Januar 2014, als Grass eine Ausstellung seiner Grafiken im Kunstquartier<br />

des BBK eröffnete und in der OsnabrückHalle Ausschnitte aus<br />

dem Roman „Hundejahre“ vortrug. | Thorsten Stegemann<br />

56<br />

SCHÖNE GRÜSSE & GOLDENES BUCH<br />

Postkarte: Privatarchiv<br />

Hallo, wie geht‘s?“<br />

"<br />

GRÜSSE AUS DER REGION!<br />

Im Mai 1930 reiste Lilly Vogel mit ihren Kindern nach Osnabrück<br />

und ließ den „lieben Verwandten“ im heimischen Erzgebirge herzliche<br />

Grüße zukommen. Die Natur stehe hier zwar in voller Blüte, es sei aber<br />

immer noch ziemlich kühl.<br />

Die Vorderseite der Postkarte zeigt das bis heute unveränderte „Brautportal“<br />

der Marienkirche. Die Figuren links und rechts stellen das<br />

Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen aus dem Matthäus-<br />

Evangelium dar – über dem Portal ist die Krönung der Gottesmutter<br />

Maria zu sehen.<br />

Empfänger des Grußes war die Familie Karl August Gläser, die in<br />

Drehbach eine Strumpffabrik betrieb. Das 1925 errichtete, inzwischen<br />

denkmalgeschützte Gebäude dient heute als Bürgerhaus.<br />

| Thorsten Stegemann<br />

Günter Grass beim Eintrag ins Goldene Buch der Stadt<br />

Archivfoto © Kurt Löckmann, Presse- und Informationsamt Stadt Osnabrück // Unterschriftenbild © Stadt Osnabrück | Postkarte: Privatarchiv<br />

Karikatur © Marcus Wolf<br />

Was wurde aus dem sauren Regen?<br />

Im Haus durften sie nicht nadeln, draußen konnten sie es nicht mehr, weil der saure<br />

Regen die deutschen Wälder zum Massensterben verurteilt hatte. Die hitzige Diskussion,<br />

die Fritz Wolf 1984 zu einem boshaften Weihnachtsgruß inspirierte, hat sich<br />

inzwischen beruhigt. Heute gibt es in Deutschland gut elf Millionen Hektar Waldfläche,<br />

deutlich mehr als in den frühen 80ern. War die Sorge vor dem ökologischen Raubbau<br />

deshalb übertrieben? Oder verdankt der Wald seine vorläufige Erholung einem veränderten<br />

gesellschaftlichen Bewusstsein und schärferen Umweltgesetzen?<br />

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Fritz Wolf wurde am 7. Mai 1918 in<br />

Mülheim an der Ruhr geboren und<br />

starb am 23. Dezember 2001 in<br />

Bad Rothenfelde. Im Vorfeld seines<br />

100. Geburtstages erinnern wir in<br />

jeder Ausgabe an den legendären<br />

Karikaturisten.<br />

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Einsendeschluss: 28. Februar 2017<br />

Die Gewinner werden benachrichtigt. Sollten<br />

mehr richtige Antworten eingehen als Preise<br />

zur Verfügung stehen, entscheidet das Los.<br />

Das Redaktionsteam wünscht viel Erfolg!<br />

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen, keine Auszahlung der Preise in bar.<br />

Mitarbeiter und Angehörige der teilnehmenden Unternehmen sind<br />

von der Verlosung ausgeschlossen.<br />

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Bäumen und<br />

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wachsend<br />

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Ober- und<br />

Unterarm<br />

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Osnabrück<br />

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Redaktions- und Anzeigenschluss:<br />

10. Februar 2017<br />

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