BIBER 09_17 ansicht web A

dasbibermitscharf

Österreichische Post AG; MZ 09Z038106 M; Biber Verlagsgesellschaft mbH, Museumsplatz 1, E 1.4, 1070 Wien

www.dasbiber.at

MIT SCHARF

SEPTEMBER

2017

SPITZENPOLITIKER

UND IHR

DIGITALES ICH

WEM SCHICKEN SIE

FREUNDSCHAFTSANFRAGEN,

2

HERR KERN?


„ DER HUND

HAT MEINE

WAHLKARTE

GEFRESSEN“

Schick’ uns blöde Ausreden,

nicht zu WÄHLEN –

wir schicken dir 50 Euro!


Bezahlte Anzeige

#FAULEAUSREDEN

Wir können diese blöden Ausreden nicht mehr hören,

warum jemand nicht zur Wahl geht. Daher starten wir eine Woche vor der

Nationalratswahl am 15. Oktober 2017 die Kampagne #FAULEAUSREDEN.

Schick uns die blödesten Ausreden, die du je gehört hast. Wenn wir deinen

Spruch für unsere Kampagne verwenden, bekommst du von uns 50 Euro.

Schreib an ausreden@dasbiber.at

#FAULEAUSREDEN ist ein Beitrag von biber zur Erhöhung der Wahlbeteiligung bei der

Nationalratswahl am 15. Oktober 2017. Die Aktion wird von der Stadt Wien unterstützt.

www.dasbiber.at


Heute schon

grenzenlose

Freiheit getankt?

Mobilität ist, was Österreich bewegt und auch in Zukunft bewegen wird. Egal wie Sie vorankommen – ob

mit herkömmlichen oder modernen Kraftstoffen, die sich positiv auf die Lebensdauer Ihres Motors auswirken,

wie unsere MaxxMotion Treibstoffe. Die OMV bringt Energie ins Land, Innovationen in unseren

Alltag und Sie an Ihre Ziele. Damit Ihren Träumen und Ihrer mobilen Freiheit keine Grenzen gesetzt sind.

OMV. Die Energie für ein besseres Leben.

Mehr OMV erleben auf: www.omv.com/energie


Chris Wittig Art

3

minuten

mit

Mr Kärnten

Parsa

Djawadiraad

Er gefiel allen am besten

und wurde zum „Mr. Kärnten“

gekürt. Doch der jungen FPÖ

Kärnten gefiel seine iranische

Herkunft gar nicht. Wir haben

mit Parsa über die Mister-

Wahl, die Reaktionen und

darüber, was ein waschechter

Kärntner ist, gesprochen.

Von Aleksandra Tulej

BIBER: Bist du Kärntner?

PARSA: Ja, ich bin Kärntner. Ich bin hier aufgewachsen.

Alles, was ich heute bin, habe ich Österreich

und Kärnten zu verdanken.

Es hieß ja in der Aussendung seitens der jungen

FPÖ "ob sich Kärnten wirklich Parsa Djawadiraad

als Repräsentant bei der Mister-Österreich-Wahl

wünsche“. Hat dich das Kommentar gestört?

Ehrlich gesagt hat es mich am Anfang gestört. Vor

allem, weil sich die FPÖ davor nie für irgendwelche

Miss- oder Mr.-Wahlen interessiert hat. Und jetzt

auf einmal ist es ein Thema, nur weil ich wo anders

geboren wurde. An der österreichischen Grenze

stehen ja auch Soldaten mit bosnischen oder kroatischen

Gesichtszügen, die unser Land repräsentieren.

Da ist es dann aber kein Problem.

Du wurdest ja im Iran geboren, hast du irgendeinen

Bezug dazu?

Nein. Ich habe Verwandte dort, aber ich habe keinen

Bezug zu diesem Land. Ich gehöre hierher, nach

Österreich.

Gibt es für dich das Bild des „typischen“ Kärntners?

Oder gibt es den im Jahr 2017 nicht mehr?

Doch, ich verstehe auch die Menschen, die eine

Vorstellung von einem „typischen“ Kärntner haben.

Groß, gut gebaut, blond, helle Augen. Aber ich

finde, wir sollten jetzt schon so weit sein, dass die

Hautfarbe keine Rolle mehr spielen darf.

Wieso hast du bei der Wahl mitgemacht?

Meine Freundin (anm. d. Red. Die amtierende Vize-

Miss-Kärnten Marlin Ruiz) hat mich darauf gebracht,

und dann habe ich halt gewonnen (lacht).

Was machst du eigentlich beruflich? Und wie kann

man sich deine Freizeit vorstellen?

Ich bin Vertriebsmitarbeiter, ich liebe meinen Job,

ich habe den besten Chef der Welt und er unterstützt

mich auch bei der ganzen Model-Sache.

Nebenbei trainiere ich für die Mr. Austria-Wahlen,

und wenn ich mal abschalten will, dann gehe ich

rauf auf den Berg, auf die Alm – ich mag es, dass

dich dort einfach alle grüßen, dort gibt es irgendwie

diesen Hass und diese Rassentrennung nicht.

Name: Parsa Djawaridaad

Alter : 20

Geburtsort: Iran, kam mit 10 Jahren nach Österreich

Besonderes: Seine Freundin ist die amtierende Vize-

Miss-Kärnten Marlin Ruiz und sein Hobby ist Wandern.

/ 3 MINUTEN / 5


5 3 MINUTEN MIT

MR.KÄRTNEN

10 PLACE OF THE MONTH

Hotspot Oberlaa

12 IVANAS WELT

Ivana über das Glücksspiel mit der

guten Bildung.

POLITIKA

16 NETZPOLITIK

Das digitale Selfie der Spitzenpolitiker.

24 GEWALT AN FRAUEN

Drei geflüchtete Frauen erzählen über den

Feind, den sie nicht in ihrer Heimat lassen

konnten: den gewalttätigen Ex-Mann.

16

NETZPOLITIK

Welche Apps

verwenden sie?

Was streamen sie

auf Netflix? Wem

folgen sie auf

Instagram? Digitaler

Fußabdruck der

Spitzenpolitiker.

RAMBAZAMBA

32 TRANS-COP

Zwei Jahre lang war er als Frau auf Streife

unterwegs. Nun ist Marek ein Mann und offiziell

Polizist.

IN

38 HINTERM REUMANNPLATZ

Vier Redakteure erinnern sich an die Zeit, in

der die U1 noch nicht nach Oberlaa gefahren

ist.

44 WE ARE WATCHING YOU

Emir will eine vorbeugende HIV-Therapie und

landet plötzlich auf der Sex-Watchlist.

KARRIERE

50 KARRIERE NEWS

Andrea gibt die besten Karrieretipps

für Millenials.

TRANS COP STORIES

Als Frau geboren, in weiblicher Uniform

auf Streife, heute als männlicher Inspektor

unterwegs. Marek über seine Erlebnisse als

Trans-Mann bei der Polizei.

32

6 / MIT SCHARF /


24

DER FEIND IN

MEINEM BETT

Missbraucht,

bedroht, isoliert:

Geflüchtete

Frauen, die sich

in Österreich ein

neues Leben

aufbauen wollen,

aber keinen

Frieden vor ihren

gewalttätigen

Ehemännern

finden.

HALT SEPTEMBER

2017

52 SYRISCHES

RESTAURANTBUSINESS

Altes Sprichwort: „Mit dem Essen kommt die

Integration.“

58 SELBERMACHERIN

Blanka verkauft mit ihrem Label „TRIBBE“ die

coolsten Turbane der Stadt.

TECHNIK

60 TECHNIK-HACKS

Adam über Möchtegern-Hacker, Cyborg-

Bakterien und Drohnen-Versicherungen.

LIFE & STYLE

62 PREGNANCY LOOK

Die coolen Girls sind jetzt schwanger: Beyoncé,

Serena und unsere Delna. Ihr Verlobter

übrigens auch.

65 MANN & BODY

Artur gibt Tipps für festen Schlaf und

gute Laune.

UNTER

BEOBACHTUNG

44

AUF DER SEX

WATCHLIST

Wenn das

Kondom reißt,

besteht HIV-

Gefahr. Doch eine

vorbeugende

Therapie zu

bekommen, ist

schwieriger als

erhofft. Emir

darüber was

passiert, wenn

man über Nacht

höchstriskant

wird.

Inhalt: Christoph Liebentritt, Marko Mestrović, Mariella Lehner; Coverillustration: Mariella Lehner

KULTUR

66 KULTURNEWS

Jelena mit einer Riesenportion Kultur:

Kunstschatzi, Wienwoche und die Lange Nacht

der Museen.

70 DIE LEIDEN DES JUNGEN

TODOR

Todor wollte sehnlichst Blogger werden.

Irgendwie klappt’s aber nicht.

/ MIT SCHARF / 7


Liebe Leserinnen und Leser,

IMPRESSUM

MEDIENINHABER:

Biber Verlagsgesellschaft mbH, Quartier 21,

Museumsplatz 1, E-1.4, 1070 Wien

HERAUSGEBER & CHEFREDAKTEUR:

Simon Kravagna

wir haben schon seit Juli nichts voneinander gehört, habt ihr uns vermisst?

Nach einer wohlverdienten Sommerpause, leiten wir mit einer neuen

Ausgabe den Herbst ein!

Was, schon wieder Wahlkampf? Wir haben den Spitzenkandidaten die

wirklich wichtigen Fragen gestellt: Welche Serien sie streamen, was sie in

ihrer letzten WhatsApp Nachricht verschickt haben und was sie online so

bestellen. Das Digitale Ich unserer Spitzenpolitiker ab S 16.

Weniger locker geht es weiter mit geflüchteten syrischen Frauen, die einen

Feind nicht in ihrer Heimat lassen konnten: Den in ihrem Bett. Mehr über

die Flucht vor gewalttätigen Ex-Männern auf S 24.

Die Polizeischule hat Marek noch als Frau absolviert. Auf Streife

ging er in weiblicher Uniform. Doch gepasst hat das nie. Sich in einer

männerdominierten Branche als transident zu outen, erforderte Courage,

doch heute ist Inspektor Marek offiziell Polizist. Die Geschichte des

Transcops auf S 32.

Emir reißt beim Sex mit einem Mann das Kondom: Er will vorbeugend

eine HIV-Therapie machen, doch stößt bei jedem Schritt auf Hürden, die

ihn das Leben kosten könnten. Was passiert, wenn du über Nacht zum

Höchstrisiko wirst und auf der Sex Watchlist landest. S 44

Weiteres aus unserer Stadt: Syrische Restaurants sprießen wie Pilze aus

dem Boden (S 52) und kulturmäßig geht’s im Herbst richtig los (S 66)!

Aus der Redaktion gibt es auch News: Ihr wusstet es vielleicht nicht,

aber Karenz ist ansteckend! Während Wonderwoman und stellvertrende

Chefredakteurin Delna mal schnell ein Baby auf die Welt bringt, widmet

sich Chefica vom Dienst Jelena dem Aufpeppen ihrer E-Mail-Signatur und

macht den Master.

Viel Spaß beim Schmökern!

Bussis aus der Redaktion

STV. CHEFREDAKTEUR:

Amar Rajković

STV. CHEFREDAKTEURIN:

Delna Antia

CHEFIN VOM DIENST:

Jelena Pantić

CHEFREPORTERIN:

Melisa Erkurt

ONLINECHEFIN:

Alexandra Stanić

KOLUMNIST/INNEN:

Ivana Cucujkić, Todor Ovtcharov

FOTOCHEF:

Marko Mestrović

REDAKTION & FOTOGRAFIE:

Aleksandra Tulej, Artur Zolkiewicz,

Mamo Issa, Emir Dizdarević, Steven

Mayer, Nada El-Azar, Nour Khelifi,

Andrea Grman, Aykut Erdem, Dragan

Tatić, Christoph Liebentritt

ART DIRECTOR: Dieter Auracher

LAYOUT: Dieter Auracher

LEKTORAT: Christina Gaal

MARKETING: Adam Bezeczky

BUSINESS DEVELOPMENT:

Andreas Wiesmüller

GESCHÄFTSFÜHRUNG:

Wilfried Wiesinger, Simon Kravagna

KONTAKT: biber Verlagsgesellschaft mbH

Quartier 21, Museumsplatz 1,

E-1.4, 1070 Wien

Tel: +43/1/ 9577528

redaktion@dasbiber.at

marketing@dasbiber.at

abo@dasbiber.at

INTERNET: www.dasbiber.at

Österreichische Post AG; MZ 09Z038106 M; Biber Verlagsgesellschaft mbH, Museumsplatz 1, E 1.4, 1070 Wien

www.dasbiber.at

MIT SCHARF

SEPTEMBER

2017

SPITZENPOLITIKER

UND IHR

DIGITALES ICH

Österreichische Post AG; MZ 09Z038106 M; Biber Verlagsgesellschaft mbH, Museumsplatz 1, E 1.4, 1070 Wien

www.dasbiber.at

MIT SCHARF

SEPTEMBER

2017

SPITZENPOLITIKER

UND IHR

DIGITALES ICH

ÖAK GEPRÜFT 2. HJ 2016:

Druckauflage 85.000 Stück

verbreitete Auflage 78.650 Stück

DRUCK: mediaprint

WEM SCHICKEN SIE

FREUNDSCHAFTSANFRAGEN,

HERR KERN?

3

WAS SCHAUEN SIE

AUF NETFLIX,

HERR KURZ?

Bevor ihr wütende Leserbriefe schreibt: Wir haben‘s kurz gemacht und

im Kernteam beschlossen, beide Cover zu drucken.

1

8 / MIT SCHARF /


KEINE

HALBEN

SACHEN!

GANZTAGSSCHULE

ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG

Wie schön wär’s, wenn Ihr Kind von der Schule heimkommt und Sie die Zeit gemeinsam

voll und ganz genießen könnten? Wenn alles schon ganz erledigt wäre: Hausübungen,

Lernen, Spiel und Spaß mit FreundInnen – rundum bestens pädagogisch betreut.

Das geht ganz einfach: Ganztagsschule. keine-halben-sachen.at


PLACE

OF THE MONTH:

OBERLAA

Von Amar Rajković und Christoph Liebentritt (Foto)

Sie ist wieder die Königin des Untergrunds! Die

U1 wurde am 2. September feierlich um fünf

Stationen erweitert. Damit verdrängt sie ihre

ockerbraune Kollegin U6 in Punkto Länge auf

den zweiten Platz und ermöglicht Favoritens

unerprobten Gästen eine direkte Verbindung in

die Weiten des bevölkerungsreichsten Bezirks

der Hauptstadt. (Alleine die Albin-Hansson Siedlung

hat mehr Einwohner als Eisenstadt.)

Dass die Erweiterung der U1 nicht nur zahlentechnisch

relevant ist, wissen die vier Favoritner

Urgesteine Nada, Adam, Nour und Aykut. Sie

verbrachten ihre Jugend zwischen Gemeindebauten,

in der vollgestopften 67er Bim oder grölend

auf der Tribune des „Horrs“. Und wie das

bei Neuanfängen üblich ist, blickt man wehmütig

auf die gute alte Zeit zurück als das Fortuna-

Kino noch rege besucht war und die Maroni im

Herbst nirgendwo so gut schmeckten wie in der

Albin-Hansson Siedlung. Vier Favoritner, vier

Geschichten und ganz viele „Ghetto“-Anekdötchen,

wie die Einwohner des Zehnten

ihren Bezirk mit einem Augenzwinkern

selbst nennen.

Ab S.39

10 / MIT SCHARF /


Nein, das ist keine

Popband. Nada, Aykut,

Adam und Nour

(v.l.n.r.) schreiben über

ihr Ghetto Favoriten.

/ MIT SCHARF / 11


In Ivanas WELT berichtet die biber-Redakteurin

Ivana Cucujkić über ihr daily life.

IVANAS WELT

ENE-MENE-MU – DEN BILDUNGS-

AUFSTIEG SCHAFFST DU (VIELLEICHT)

Dass ich heute zwei Uni-Abschlüsse habe, war kein Masterplan meiner Eltern.

Es war reiner Zufall. Und viel Glück.

Meine kleine Nachbarin Anastasija wird heuer eingeschult.

Auf ihre Schultüte freut sie sich ganz besonders.

Ihre Eltern haben sich um eine ordentliche Schule und

eine prall gefüllte Zuckerltüte gekümmert. Ich hatte an

meinem ersten Schultag keine Schultüte dabei. Meine

Eltern wussten nichts von dieser österreichischen

Schulantrittstradition. Also stand ich im September

1990 in der 1C Leopoldsgasse neben zwanzig anderen

Erstklässlern und wunderte mich über die bunten Pappzylinder

mit Kreppschleifchen.

NONNEN, UNIFORM, JESUS DANKEN

Dafür war ich die schickste Siebenjährige an diesem

Tag. Meine Mutter gab sich viel Mühe, das schönste

Einstands-Outfit auszusuchen. Chinohosen in Taupe,

ein schwarzes Wollsakko mit Schulterpolstern und Kettenbrosche,

schwarze Lack-Ballerinas. Power-Dressing

für Halbwüchsige. Bei der Auswahl der Volksschule gingen

meine Eltern weniger durchdacht vor. Sie lag halt

günstig, nah an der Wohnung. Überhaupt war mein Bildungsweg

ein Glücksspiel. Die Nachmittagsbetreuung,

gleich nebenan, wie praktisch, fand in einer privaten

Klosterschule statt. Nonnen, Uniform, Jesus fürs Mittagessen

danken.

MIT DEN KINDERN AUS DEM 1. BEZIRK

Weil mein Vater einen neuen Job bekam, fiel vier Jahre

später die Wahl auf ein Gymnasium im neunten Bezirk

– ja, sie waren so aufmerksam und meinten‚ „bei dem

Kind, da geht noch was“. Es lag super auf dem Weg zur

neuen Arbeit, gut und streng soll es auch sein, ließen sie

sich sagen. „Da gehen die Kinder aus dem ersten Bezirk

hin, die muss gut sein.“

Sie gehörte tatsächlich zu den ‚besseren’ Schulen Wiens.

Ihre konservativen Professoren und der Leistungsdruck

haben mich echt herausgefordert. Mathe war

meine Achillesferse. Irgendwann legte mein Klassenvorstand

meinen Eltern eine „leichtere Schule“ für mich

nahe. Das lag aber bestimmt nicht daran, dass ich neben

einem Iraner und zwei Polen das einzige Migrantenkind

war, ah-ah. Meine Eltern aber ließen nicht locker.

Sie boxten mich mit viel teurer Nachhilfe durch zwei

Nachprüfungen bis zur Matura. Zum ersten Mal war Studieren

eine greifbare, realistische Option. Und so kam’s

auch. Der Bildungsaufstieg war geschafft.

IM ZWEIFELSFALL: HANDELSSCHULE

Der Bildungsweg von Migrantenkindern basiert auch

heute noch oft auf Zufall und fragwürdigen Entscheidungskriterien,

die nicht selten an den Talenten und

wahren Fähigkeiten der Kinder vorbeizielen. Im Zweifelsfall

landet die Mehrheit in der Handelsschule, ein

Verwandter ist sicher schon angemeldet. Dort treffen

die Kids ganz bestimmt auf topmotivierte Pädagogen.

Das Ergebnis sind Großteils orientierungslose Halberwachsene,

die „irgendwas im Büro“ arbeiten wollen.

Bildung darf kein Roulett sein. Eltern, Schulen und Politiker

dürfen sich hier gleichermaßen auf die Schulter

klopfen.

Bei meiner kleinen Nachbarin mache ich mir keine Sorgen.

Die Schultüte und die „tolle Schule“ sind schon mal

ein guter Anfang. In diesem Sinne: schönen Schulstart,

liebe Anastasija! Allen anderen: Viel Glück!

cucujkic@dasbiber.at

12 / MIT SCHARF /


GLÜCKLICH MIT GEORGE

ADRIANA GENIESST DEN SOMMERURLAUB. SIE IST HUNGRIG NACH SONNE UND ENTSPANNUNG.

SIE FÄHRT NACH UNGARN, ZUM BALATON, AUF URLAUB.

ADRIANA PACKT IHRE KOFFER

ADRIANA IST REISEFERTIG UND VERLÄSST DIE WOHNUNG. SIE HAT

KEINE ANGST VOR DEM „REISE-BLUES“

Egal

was passiert. Mit

meiner Kreditkarte bin

ich ja auch versichert.

Also ist auch im Fall der

Fälle alles ok.

Brauch ich

die Kreditkarte

wirklich mit? Was ist

wenn ich sie verliere oder sie mir

geklaut wird? Andererseits

habe ich ja George, wo ich meine

Kreditkarte sofort sperren

und neu bestellen kann...

ADRIANA IST ANGEKOMMEN. SIE HEBT

AM BANKOMATEN DER ERSTE BANK

IN UNGARN GELD AB UND FREUT SICH

KEINE GEBÜHREN DAFÜR ZU ZAHLEN * .

IN DER GEORGE-APP HAT ADRIANA

IHRE KARTEN IM BLICK

ADRIANA ENTSPANNT IN DER

SONNE UND DENKT NACH.

Warum

habe ich früher

so einen Stress mit

meinem Konto gehabt?

Mit George sind Bankgeschäfte

fast wie

Urlaub…

Susanne Einzenberger

Shoppen

und keine extra

Gebühren fürs Geld

abheben. Fast wie zu Hause

– nur mit besserem Wetter.

Hier könnte ich

bleiben …

* Kunden der Erste Bank und Sparkassen können in

Ländern in denen die Erste Group tätig ist, bei allen

Konzern-Geldausgabeautomaten kostenlos Geld beheben.

GEORGE IST DAS MODERNSTE BANKING ÖSTERREICHS.

ES BEGLEITET DICH, WO DU BIST. UND DU TÄTIGST

DEINE GELDGESCHÄFTE EINFACH UND SICHER, AUF

DER GANZEN WELT.

www.erstebank.at/george


europa

beginnt in

österreich.

das ist grün.

am 15. oktober: ulrike lunacek

14 / MIT SCHARF /


POLITIKA

„Auflegen, wählen.“

Foto von Maša Stanić


NETZ

POLITIK

Wir wollen wissen, wie die

SpitzenkandidatInnen der

Nationalratswahl online

ticken. Über Youtube-Videos,

die meist genutzten Emojis

und die unnötigsten Apps auf

ihrem Smartphone:

Von Alexandra Stanić und Simon Kravagna

Illustrationen: Mariella Lehner

Wir wissen es schon, den

Wahlkampf hatten alle satt,

bevor er richtig losgegangen

ist. Weil es aber trotzdem

wichtig ist, informiert zu sein,

blicken wir hinter die Kulissen,

oder besser gesagt in das Handy

der SpitzenkandidatInnen.

Ohne Polit-Blabla, dafür mit

Fragen, die doch alle interessieren,

wie etwa: Snapchat

oder Instagram?

ÖVP-Kandidat Sebastian

Kurz hat zwar die größte Social

Media-Fangemeinde, dafür fallen

seine Antworten sehr kurz

aus. Anders als Christian Kern

und Peter Pilz, die beide aus

dem Nähkästchen plaudern.

Der amtierende Bundeskanzler

erzählt sogar von Liebeserklärungen,

die er seiner Frau

über Whatsapp geschickt hat.

Ex-Grünen Pilz verrät uns, wie

viele Fotos er auf seinem Handy

hat und was zum Großteil

auf ihnen zu finden ist.

Neos-Chef Matthias Strolz

verweigert House of Cards und

die einzige weibliche Spitzenkandidatin

Ulrike Lunacek zeigt

uns ihr Lieblingsemoji. Spoiler:

Es ist grün.

SEBASTIAN KURZ

Was haben Sie zuletzt gegoogelt?

Etwas zur Berichterstattung der deutschen

TV-Konfrontation zwischen Merkel und

Schulz.

Welchen Film haben Sie zuletzt auf Netflix

gestreamt?

Den Action-Film Sniper.

Die App, die man auf Ihrem Handy nicht

vermuten würde:

Bergfex

Der letzte Online-Kauf?

Bergausrüstung

Ihre derzeitigen drei Lieblingssongs?

Viel von Muse und Blink182

Welche App hat Ihnen einmal so richtig aus

der Patsche geholfen?

FB: 690.407

Twitter: 238.956

Instagram: 15.000

Das Navi auf meinem Handy.

Welchen Twitter-Account finden Sie am interessantesten?

Für viel Aufsehen hat Donald Trump gesorgt.

Wem würden Sie auf Facebook niemals eine

Freundschaftsanfrage senden?

Leuten, die ich nicht kenne.

Hat Ihre Facebook-Fanseite die von Christian

Kern geliked?

Nein.

Welcher Politiker hat Ihrer Meinung nach den

besten Social Media Auftritt?

Obama.

Welches Emoji benutzen Sie am öftesten?

Das weinend-lachende Emoji.

16 / POLITIKA /


CHRISTIAN KERN

Was haben Sie zuletzt gegoogelt?

Die Osttiroler Ausgabe der Kleinen Zeitung.

Welche war die letzte Nachricht, die Sie auf

Whatsapp versendet haben?

Eine kleine Liebeserklärung an meine Frau. Ich

hab ihr mitgeteilt, dass ich wieder in Wien bin,

die Antwort waren dann ein paar Herzerl.

Die App, die man auf Ihrem Handy nicht vermuten

würde:

Shazam, um Musik zu erkennen.

Der letzte Online-Kauf?

Sportgewand zum Joggen von einem kleinen

britischen Laden.

Wie vielen Leuten folgen Sie auf Instagram?

Ich glaube nur einem und das aus Versehen,

unserem Regionalkandidaten Wolfgang Moitzi.

Mit dem war ich wandern und er hat dann

nette Bilder gemacht.

Welche Apps nutzen Sie am häufigsten?

Nachrichtenapps, Spiegel Online oder Ö1 zum

Beispiel. Für den Freizeitgebrauch Runtastic.

Welches Video haben Sie zuletzt auf YouTube

gesehen?

Ich schaue viele Ted Talks auf YouTube, zuletzt

von US-Ökonom Jeffrey Sachs.

Welcher ist Ihr Lieblingstwitter-Account?

Es gibt im Journalismus viele junge Frauen,

die eine witzige Art haben zu schreiben und

sich auszudrücken, zum Beispiel Claudia

Zettel.

Wem würden Sie auf Facebook niemals eine

Freundschaftsanfrage senden?

Ich hab schon so viele unabsichtlich

versendet, ich kann leider niemanden

richtig ausschließen. Aber allen

Rechtsradikalen und Rassisten

verweigere ich auf ewig meine

Freundschaft.

Wie viele Personen haben Sie auf Twitter

blockiert?

Da gibt es ein paar aus dem identitär-rassistischen

Milieu.

Welches Emoji benutzen Sie am öftesten?

Das Zwinker-Smiley. Das muss man dazu

machen, damit die Leute die Nachricht nicht

ganz missverstehen.

Snapchat oder Instagram?

Instagram, außer wenn ich Schwarzenegger

über den Weg laufe. Ich hab mit Erstaunen

festgestellt, dass Arnold Schwarzenegger,

immer wenn ich ihn treffe, ein kurzes Snapchat-Video

macht. Der wollte mir einreden, ich

sollte mir Snapchat machen.

FB: 214.111

Twitter: 66.192

Instagram: 8.560

/ POLITIKA / 17


MATTHIAS STROLZ

Welche war die Nachricht, die Sie zuletzt versendet

haben?

Ich hab mich bei einem Freund für einen Gefallen

bedankt.

Welche Serie oder welchen Film haben Sie zuletzt

gestreamt?

Die einzige Serie, die ich schaue, ist die ZIB2.

Wie viele Fotos haben Sie auf Ihrem privaten

Handy?

Ich spiele sie regelmäßig runter, sonst kommst du

nachher drauf, dass du die Fotos nicht gesichert

hast. Im Moment sind es circa 600.

Der letzte Online-Kauf?

Ein lila-schwarzer Schulrucksack für eine unserer

drei Töchter.

Welche App nutzen Sie am häufigsten?

Die Door2Door-App, eine Hausbesuchs-App, die

wir bei Neos verwenden.

Welches Video haben Sie zuletzt auf YouTube gesehen?

Von Christian Lindner, dem Spitzenkandidaten

der freien Demokraten

in Deutschland.

Wer ist Ihr Lieblingstwitter-

Account?

Armin Wolf. Streitbar, aber

spannend.

Wen würden Sie auf Facebook

niemals als FreundIn annehmen?

Alle vollbusigen Damen, die

anfragen und vorgeben, in

meiner Nachbarschaft zu wohnen, denen traue

ich nicht ganz, weil ich sie beim Müll rausbringen

noch nicht getroffen habe. Die lehne ich ab.

Sind Sie mit Sebastian Kurz auf Facebook

befreundet?

Nein. Aber ein Facebook-Freund ist jetzt nicht die

Vorstufe zum Taufpaten meiner Kinder. Ich kann

durchaus auch ein Interesse haben und jemandem

folgen wollen, ohne dass ich sage, mit dem

möchte ich morgen ein Bier trinken gehen.

Wie viele Personen haben Sie auf Twitter blockiert?

5-6.

Welchen Podcast können Sie empfehlen?

Der Problemlöser von Georg Jocham.

Ihre derzeitigen drei Lieblingssongs?

Despacito wird auf meinem Handy derzeit am

meisten gehört, aber nicht von mir, sondern von

meinen Kindern, weil sie sehr lustig dazu tanzen.

Ich hab mir zuletzt die neue Tour von U2 mit

dem mächtigen Bühnenbild angesehen

und bin ein großer Grönemeyer-

Fan.

Game of Thrones oder House

of Cards?

Beide nicht. Von Polit-Intrige

habe ich den ganzen

Tag genug. Ich glaub,

der Gärtner schaut auch

keine Gärtner-Sendung

abends zur Entspannung

an.

FB: 81.194

Twitter: 57.484

Instagram: 1.745

18 / POLITIKA /


FB: 18.777

Twitter: 10.693

ULRIKE LUNACEK

Was haben Sie zuletzt gegoogelt?

Die Liste der Hurrikans in den letzten 100

Jahren, die eindeutig zeigt, dass die Häufigkeit

und Stärke dieser verheerenden Stürme in den

letzten Jahren enorm zugenommen hat.

Welche Serie oder welchen Film haben Sie

zuletzt gestreamt?

Sense 8 auf Netflix.

Die App, die man auf Ihrem Handy nicht vermuten

würde:

Das Spiel Candy Crush.

Wie viele MitarbeiterInnen kümmern sich um

Ihren Internet-Auftritt?

3

Welche Apps nutzen Sie am häufigsten?

Telegram und Twitter.

Welche App hat Ihnen einmal so richtig aus

der Patsche geholfen?

Google Maps.

Wer ist Ihr Lieblingstwitter-Account?

Die Tagespresse.

Wem würden Sie auf Facebook niemals eine

Freundschaftsanfrage senden?

Jenen Menschen, mit denen ich im realen

Leben auch nicht gerne befreundet sein

würde.

Welcher österreichische Politiker hat Ihrer Meinung

nach den besten Social Media Auftritt?

Alexander Van der Bellen.

Die unnötigsten Apps auf Ihrem Handy?

Accupedo - eine Schrittzähler-App und

eBooks, weil ich lieber Papier in der Hand

habe.

Welchen Podcast können Sie empfehlen?

Den neue Falter-Podcast mit Raimund Löw.

Die ersten drei Songs auf Ihrer Spotify Playlist?

Because the Night - Patti Smith

I am what I am - Gloria Gaynor

Gimme Shelter - The Rolling Stones

Welches Emoji benutzen Sie am öftesten?

/ POLITIKA / 19


PETER PILZ

Was haben Sie zuletzt gegoogelt?

Mögliche ATIB-Kandidaten der Liste Kurz.

Welche war die letzte Nachricht, die Sie auf

Whatsapp versendet haben?

Ein Foto von meinem letzten Pilzfund, zwei frisch

übereinander gewachsene Herrenpilze. Die hab

ich an Tiroler Freunde versendet, weil die nie was

finden.

Welcher ist der gemeinste Kommentar, an den Sie

sich erinnern können?

Die saftigsten sind rund um meine Erdogan-

Auseinandersetzung gekommen. Da ist mir aufgefallen,

dass sehr viele, die mich kritisiert haben,

das Wort „Sauschädel“ nicht richtig geschrieben

haben.

Welche Serie oder welchen Film haben Sie zuletzt

gestreamt?

House of Cards, der Höhepunkt war für mich

immer, wenn er diese Spare Ribs im Hinterhof

essen gegangen ist.

Was war Ihre letzte Bewertung im

Internet?

Das sind fast immer Bücher,

zum Teil Bewertungen auf

Kindle. Das letzte war von US-Autor Raymond

Carver.

Die App, die man auf Ihrem Handy nicht vermuten

würde:

Die booking.com-App für Urlaube.

Wie viele Fotos haben Sie auf Ihrem Handy?

Um die 10.000, die Hälfte davon sind sicher

Pilze.

Welchen Song haben Sie zuletzt gehört?

Verdi Prati von Händel.

Wie viele Stunden verbringen Sie auf Twitter?

Um die zehn Minuten. Twitter ist für mich

nichts anderes als eine moderne Presse-Agentur.

Privatleben ist da Unsinn.

Sind Sie auf Instagram?

Nein, ist mir zu viel. Wenn du nicht selektiv mit

neuen Medien umgehst, gehst du unter.

Welche App hat Ihnen einmal so richtig

aus der Patsche geholfen?

Bergfex, weil ich ein Gewitter

erkannt habe und noch

rechtzeitig umdrehen

konnte.

FB: 25.348

Twitter: 36.927

Ehre wem Ehre gebührt: Ohne dem „Data-Selfie“ des Wired-

Magazins hätten wir unseren Zugang zum Wahlkampf nicht

gefunden. Hvala und teşekkür für die Inspiration!

20 / POLITIKA /


HEINZ-CHRISTIAN STRACHE

Liebe Leserinnen und Leser!

Demokratisch und tolerant wie

wir sind, haben wir auch FPÖ-

Spitzenkandidat Heinz-Christian

Strache eingeladen, mit uns über

sein digitales Ich zu sprechen.

Obwohl sich das bei uns im

Abendland so nicht gehört, hat

sein Pressesprecher aber nie

zurück gerufen.

FB: 727.222

Twitter: 19.880

Instagram: 4908

1

2

3

3 Routen:

Neustift bis Nußdorf

Strebersdorf bis Stammersdorf

Weinspaziergang Ottakring

Herrliche Aussicht auf Wien

Viele köstliche Labestationen

Insgesamt 25 km Weinwege

Der 11.Wiener Weinwandertag

www.umweltmusterstadt.wien.at

Wandern Sie durch die Wiener Weinberge

und genießen Sie dabei Wiener Wein

und Wiener Schmankerln, von Neustift

bis nach Nußdorf, von Strebersdorf bis

Stammersdorf und in Ottakring.

30. September

1. Oktober

10 – 18 Uhr

bis

2017

– bezahlte Anzeige – www.message.at, Foto: Julius Silver

Informieren Sie

sich auf unserer

Gratis-APP über

die Strecken!


NETZ POLITIK

DAS MAKING-OF

Von Alexandra Stanić

Zu Besuch bei Peter Pilz wurde nicht nur über Twitter gesprochen,

es gab auch Eiskaffee – mit Bio-Vanilleeis!

Das Neos-Büro sieht aus wie ein Start-Up.

Ob das wohl Absicht ist?

Alexandra Stanić, Julia Peternell

wgkk.at

www.wgkk.at

Die Online-Services der WGKK – rasch, einfach und sicher

Das geht jetzt online

unter wgkk.at/meinesv

• Anträge stellen

• Bestätigungen abrufen

• Ihre Daten bei der

WGKK einsehen

WGKK-Versicherte können mittels

Handy-Signatur zahlreiche Anträge online

stellen bzw. Unterlagen übermitteln.

So sparen Sie Papier, Porto und

persönliche Wege.

Erhältlich ist die Handy-Signatur unter

anderem in allen WGKK-Kundencentern.

Mehr unter wgkk.at/meinesv


Bundeskanzler Kern checkt gerade, welche Apps er

auf seinem Handy hat und wem er auf Instagram folgt.

Sebastian Kurz hat nicht nur die größte Social Media-

Gemeinde, auch bei der Abfahrt seines Busses wurde

er mit Applaus und La-Ola-Welle verabschiedet.

Öffi-

Nutzerin

Milena

schaut auf

dich.

wienerlinien.at/sicherheit

Sicher

ist sicher!

Mit dem Bahnsteig-Notruf

direkt zur Leitstelle. Oder:

(01)7909 -111


UN

GESCHLAGEN

24 / POLITIKA /


Missbraucht, bedroht und isoliert: Die Geschichte

dreier geflohener Frauen, die sich in Österreich

ein neues Leben aufbauen. In ständiger Angst,

ihrem gewalttätigen Ex-Ehemann zu begegnen.

Von Mamo Issa und Alexandra Stanić, Fotos: Christoph Liebentritt

Munas * Gesicht ist blutüberlaufen. Ihre Nase ist

geschwollen, ihr Auge ziert ein großer blauer

Fleck. Dieses Mal ist ihr Mann Ahmad * einen

Schritt zu weit gegangen. Als er den Stuhl packt

und auf sie einschlägt, weiß sie: Es reicht, sie muss hier raus.

Muna schafft es, die Wohnung zu verlassen, sie schreit um

Hilfe. Zunächst hört sie keiner – oder möchte sie nicht hören. In

ihrem Stock lebt nur eine weitere Person: ein irakischer Freund

ihres Ehemannes. „Wenn du meine Frau und mich streiten

hörst, ignorier das Geschreie einfach, wir

klären das unter uns“, hatte ihr Ehemann

ihn Monate zuvor gebeten. All die

Zeit hat er sich daran gehalten, auch an

diesem Abend, obwohl er zu Hause war.

Muna flüchtet auf die Straße, ihr Körper

schmerzt wegen der Schläge, sie kann

kaum gehen und sieht schlecht – das

Blut läuft ihr in die Augen. Schließlich eilt

ihr eine Nachbarin zu Hilfe, verständigt

die Polizei und die Rettung und lässt sie

in ihrer Wohnung warten.

An diesem Abend verlässt Muna

Ahmad * und zieht ins Frauenhaus. Seit

eineinhalb Jahren lebt die 34-Jährige in

Österreich, ihr Mann ist seit zweieinhalb

Jahren hier. Ursprünglich kommen sie

aus Syrien. Im Rahmen der Familienzuführung

holt ihr damaliger Ehemann

sie 2015 nach Wien. Sie leben in einer

kleinen Ein-Zimmer-Wohnung. Ahmad

war schon in Syrien gewalttätig. Als der Krieg beginnt, wird

es schlimmer. „In meiner Heimatstadt sind alle mit Waffen

rumgelaufen, selbst Kinder“, erzählt Muna. „Einmal war

Ahmad wieder wütend und hat in unserer Wohnung auf mich

geschossen und mich ganz knapp verfehlt.“ Zwei Mal hatte

sie Fehlgeburten, weil er ihr bei einem seiner Wutausbrüche

in den Bauch getreten hatte. „Seine Familie und er haben mir

die Schuld gegeben, dass wir keine Kinder kriegen konnten“,

erzählt Muna schluchzend. „Sie haben gesagt, dass ich keine


Ahmad war

wütend und

hat in unserer

Wohnung

auf mich

geschossen.


richtige Frau bin.“ Er verbrennt sie mit Zigaretten, sie zeigt mir

die Narben, die sie davongetragen hat. Auf die Frage, warum

sie ihm trotzdem nach Österreich gefolgt ist, antwortet sie:

„Weil in meinem Land Krieg herrscht.“ Zudem habe Muna auf

eine Veränderung gehofft, trotz der Misshandlungen liebte ein

Teil von ihr Ahmad. „Er hat mir geschworen, dass wir ein neues

Leben beginnen und er mich mit Blumen in Österreich erwartet“,

erinnert sich die Kindergartenpädagogin. „Aber besser

wurde nichts, nur noch viel grausamer.“

Dass solche Versprechen oft nicht

der Wahrheit entsprechen, weiß auch

Psychotherapeutin Homeyra Adjudan-

Garakin, die auf Opferarbeit spezialisiert

ist und als Beraterin in der Wiener

Interventionsstelle gegen Gewalt in der

Familie arbeitet. „Gewalttätige Männer

versprechen oft, dass alles besser wird,

wenn sie erst in ein europäisches Land

geflohen sind“, erklärt Adjudan-Garakin.

„Das Gegenteil ist der Fall, es wird meist

schlimmer. Außerdem sind Frauen schon

auf der Flucht nach Europa der Gewalt

ihrer Ehemänner ausgesetzt.“

Aber Gewalt gegen Frauen ist kein

syrisches Problem. In Österreich hat jede

fünfte Frau seit ihrem 15. Lebensjahr

körperliche und/oder sexuelle Gewalt

erfahren. Psychische Gewalt durch

ihren (Ex-)Partner haben 38 Prozent der

Frauen seit ihrem 15. Lebensjahr erlebt.

Zahlen zu Gewalt gegen Frauen in Syrien sind nicht verlässlich.

Eine Statistik, wie viele Frauen kürzlich nach Österreich gekommen

sind und sich aufgrund von Gewalt in der Ehe scheiden

haben lassen, gibt es nicht. „Frauen mit Fluchthintergrund

sind erfahrungsgemäß besonders gewaltgefährdet. Gründe

dafür sind zum Beispiel das Fehlen eines tragfähigen sozialen

Netzwerks, geringe Sprachkenntnisse oder rechtliche Hürden“,

heißt es auf Nachfrage im Frauenministerium. Der Aufbau

einer eigenständigen Existenz sei in der Regel langwierig und

/ POLITIKA / 25


Kein soziales

Umfeld und keine

Deutschkenntnisse:

All das hindert

geflüchtete

Frauen oft daran,

sich endgültig von

ihrem gewalttätigen

Ehemann

scheiden zu lassen.


Ich habe ein

Kontaktverbot

beantragt.

Kommt mir

Ahmad zu

nahe, wird er

weggesperrt.


kompliziert, das mache das Verlassen einer Gewaltbeziehung

oft besonders schwierig.

Kein soziales Umfeld und keine Deutschkenntnisse: All das

hinderte auch Muna lange daran, sich endgültig von ihrem

Ehemann zu trennen. Aber im Vordergrund steht vor allem die

Angst, von ihm umgebracht zu werden. Ihr Ex-Ehemann ist

alkoholkrank, betrinkt sich jeden Tag. „Er hat mich gezwungen,

mit ihm mitzutrinken, damit ich Dinge im Bett mit ihm

mache, die ich nicht wollte“, sagt sie und kann ihre Tränen

nicht unterdrücken. Sie wehrt sich, plädiert auf seine Vernunft.

Aber er antwortet ihr nur: „Du bist meine Frau, du gehörst mir

und ich kann mit dir machen, was ich will.“ Dann vergewaltigt

er sie. Ahmad verbietet Muna Deutschkurse zu besuchen,

sie darf die Wohnung nicht ohne ihn verlassen. Setzt sie sich

zur Wehr, folgen Schläge. Ihr einziger sozialer Kontakt ist ihre

Cousine, die ebenfalls in Wien lebt. Zu der verbietet er ihr nach

wenigen Wochen den Kontakt, weil er sie für einen schlechten

Einfluss hält. Ahmad isoliert sie von

der Außenwelt, nimmt ihr ihr Handy weg.

„Wenn ich mit der Polizei gedroht habe,

hat er nur gelacht. Er hat mir gesagt, dass

er vielleicht ein oder zwei Nächte im Knast

verbringen würde, sobald er aber wieder

draußen wäre, würde er mich umbringen.“

Ihre Deutschkenntnisse seien zudem so

schlecht gewesen, dass sie sich nicht

ohne ihn zurechtgefunden hätte. „Er hat

mir verboten, mich weiterzubilden. Er

wollte, dass ich völlig abhängig von ihm

bin.“ Monatelang lebt sie so. Bis zu dem

Abend, an dem er sie mit einem Stuhl

attackiert hat. Muna hat sich entschieden,

ihre Geschichte zu erzählen, damit

auch andere Frauen Mut fassen und ihren

gewalttätigen Ehemann verlassen. „Ich

habe ein Kontaktverbot beantragt. Kommt

mir Ahmad zu nahe, wird er weggesperrt“,

beschreibt sie die derzeitige Situation. „In

Wirklichkeit gibt es aber nur einen Grund,

warum er mich endlich in Ruhe lässt: Die Angst vorm Staat

Österreich und die Angst, abgeschoben zu werden.“

EINE SCHANDE

Aysha * ist noch weit davon entfernt, in Frieden leben zu können,

auch wenn die 23-Jährige von ihrem Ehemann geschieden

ist. Mit 14 heiratet die Syrerin Mustafa * , der 13 Jahre älter

ist. Vor der Hochzeit trifft sie ihn nur zwei Mal. Auf die Frage,

ob sie zwangsverheiratet wurde, schüttelt sie den Kopf. „Keiner

hat mir gesagt, dass ich ihn heiraten muss“, erklärt Aysha.

„Ich habe einfach ja gesagt, was ein Fehler war. Aber es ist

irgendwie auch Teil unserer Kultur.“ Ähnlich wie bei Muna ist

ihr Ehemann schon in ihrer Heimat gewalttätig – auch Aysha

hofft auf Veränderung mit der Flucht nach Europa. „Ich war mir

sicher, dass wir hier ein neues Kapitel beginnen.“ Einmal hat er

sie krankenhausreif geschlagen, die Polizei wurde nie verständigt.

Mustafa hat sie auch in der Gegenwart anderer Menschen

verprügelt. An eine Scheidung war damals nicht zu denken.

26 / POLITIKA /


„Eine geschiedene Frau ist in unserer Kultur eine Schande“, so

Aysha. „Bis auf meine Mutter und meine Schwester weiß auch

bis heute niemand, dass ich hier in Österreich getrennt von

Mustafa lebe.“

Aysha hat vier Kinder, ihre älteste Tochter ist acht Jahre alt.

Auch ihre Kinder blieben nicht von den Schlägen ihres Vaters

verschont. Täglich prügelt er auf sie ein – wegen Nichtigkeiten.

Dabei war sich Aysha sicher, dass sie in Europa ein besseres

Leben haben würde, all ihre Hoffnung hat sie in dieses neue

Kapitel gesteckt. Aber als sie vor etwa einem Jahr und drei

Monaten in Österreich ankommen, wurden Mustafas Schläge

schlimmer und regelmäßiger. „Wenn er ein Glas Wasser

wollte und ich nicht schnell genug war, ist er ausgerastet.“ Als

Mustafa einmal einen besonders schlimmen Wutanfall hat,

schlägt er Aysha und sperrt sie daraufhin für sechs Stunden

ins Badezimmer ein. Am nächsten Morgen sucht sie wie jeden

Tag ihren Deutschkurs auf. Dort fällt sie in Ohnmacht. Mit Hilfe

ihrer Deutschlehrerin schafft sie es ins Krankenhaus und findet

einen Platz im Frauenhaus.

SOLIDARISIERUNG

Aber mit ihrer Entscheidung, Mustafa zu verlassen, ist Ayshas

Sicherheit noch nicht gewährt. Er terrorisiert sie mit Anrufen

und Nachrichten. Über mehrere Facebook-Profile versucht er

monatelang, auch heute noch, Kontakt mit ihr aufzunehmen. Er

beleidigt sie aufs Übelste und droht ihr, sie umzubringen. Meist

ignoriert sie seine Beleidigungen, einmal reagiert sie: „Ich habe

all deine Bedrohungen als Beweis, hör auf mir zu schreiben

oder ich rufe die Polizei.“ Zwei Tage später holt sie eines ihrer

Kinder vom Kindergarten und wird von einem fremden Mann

attackiert. „Er hat mir auf den Kopf geschlagen und mir das

Handy aus der Hand gerissen“, erinnert sie sich. „Weg waren

alle Beweise.“ Sie ist sich sicher, dass der Dieb ein Freund ihres

Ehemannes war: „An so einen Zufall glaube ich nicht.“

Zuletzt kontaktiert sie Mustafa vor einigen Wochen, um ihr

einmal mehr zu drohen, dass er sie umbringen wird. „Du hast

eine Woche, um mir die Kinder zu geben, ich möchte zurück

nach Syrien mit ihnen“, habe er ihr erklärt. „Lieber sollen sie

dort sterben als hier mit dir in Freiheit zu leben.“ Sie reagiert

nicht. Kurz darauf trifft sie einen Freund ihres Ex-Mannes auf

der Straße, der sie mit den Worten „Dir reichen Worte wohl

nicht“ in Panik versetzt. Zur Polizei ist sie nicht gegangen, zu

groß die Angst vor Mustafa.

„Manchmal solidarisieren sich Männer, wenn sich Frauen

von ihnen trennen wollen“, beschreibt Psychotherapeutin

Homeyra Adjudan-Garakin ein großes Problem. „Wenn eine

Frau vor ihrem Mann flüchtet, könnte das auch andere Frauen

motivieren, es ihr gleich zu tun. Das könnte sich ja in der

Community herumsprechen.“ Deswegen geben sich Männer

auch gegenseitig Tipps wie: „Sag, dass du sehr betrunken

warst“ oder „Du kannst dich einfach an nichts erinnern.“ Aber

auch Frauen, die in gewaltvollen Ehen leben und nicht den

Mut fassen können, ihren Partner zu verlassen, solidarisieren

sich mit diesen Männern und verurteilen Frauen, die die

Scheidung einreichen. „Ganz nach dem Motto: Es ist besser,

wenn es allen gleich schlecht geht und wir alle im selben Boot

sitzen“, so Adjudan-Garakin. Neben der eigenen Community,

/ POLITIKA /

Willst du das verstehen?

Willst du arbeiten?Integrier Dich!

Umgekehrt

THEATER, PERFORMANCE

Deutsch, Arabisch

FREIER EINTRITT

FR. 29. 09. 2017

19:00h

Im Anschluss Publikumsgespräch.

Moderation: Nadja Maleh

VHS Ottakring

Hilde Weinberger Saal

Ludo-Hartmann-Platz 7

A-1160 Wien

Wegen begrenzter

Teilnehmer_innenzahl

bitte bis 27.9. anmelden unter

reservation@wienwoche.org

“Umgekehrt” ist eine

Produktion im Rahmen von.


in Syrien gesagt, dass ich eine Schlampe bin“, so Nisrin. Als

sie die Campleitung über Hassan informiert, darf er das Heim

nicht mehr betreten. Damit nimmt seine Hasstirade aber kein

Ende. Er bezahlt andere Männer, um Nisrin zu fotografieren und

zu beobachten. Auf dem Weg zum AMS ist er ihr und ihrem

Dolmetscher gefolgt, wollte beide zusammenschlagen, beinahe

wäre die Situation eskaliert. „Er besteht die ganze Zeit darauf,

unsere 14-jährige Tochter Roni * zu sehen“, erzählt Nisrin.

„Nachdem er sie aber auch geschlagen hat, möchte sie nichts

mehr mit ihm zu tun haben.“ Mittlerweile lebt Nisrin mit ihrer

Tochter in einer kleinen Ein-Zimmer-Wohnung und hat einen

Job als Friseurin gefunden. Hassan versucht immer wieder,

Kontakt zu den beiden aufzunehmen. „Hebt meine Tochter

einmal ab, möchte er herausfinden, wo genau wir in Wiener

Neustadt leben und wo ich arbeite.“

Die Frauen leben in ständiger Angst, ihrem Ex-Ehemann

oder einem Bekannten von ihm zu begegnen.

die Frauen unter Druck setzt, gibt es einige Faktoren, die sie

vor der Scheidung zurückhalten. Das weiß die Psychotherapeutin

aus Erfahrung. Seit drei Jahren arbeitet sie intensiv

mit Flüchtlingen zusammen, die viel Gewalt erlebt haben und

traumatisiert in Österreich ankommen – sowohl Männer als

auch Frauen. „Wenn sie in Europa ankommen, müssen beide

traditionelle Geschlechterrollen abgeben“, erklärt sie. „Männer

können dann plötzlich nicht mehr Männer sein.“ Das sorgt für

Frust, den sie an ihren Ehefrauen auslassen. Eine große Rolle

spielt bei Frauen vor allem die Sorge, ihre Kinder zu verlieren.

„Sie verheimlichen ihre gewalttätigen Ehemänner, weil sie

Angst haben, dass man ihnen ihre Kinder wegnehmen könnte“,

erklärt die Psychotherapeutin.

Welche Dimensionen diese Solidarisierung von Männern

annehmen kann, zeigt auch die Geschichte von Nisrin * und

ihrem Ex-Ehemann Hassan * . Die 31-jährige Syrerin lebt in Wiener

Neustadt, „möglichst weit weg von meinem Ex, der in Wien

lebt.“ Bereits auf der Flucht nach Europa entscheidet sie sich,

ihn zu verlassen. Hassan stalkt sie daraufhin, ähnlich wie bei

Aysha belästigt er sie mit Anrufen und Nachrichten. Dann geht

er einen Schritt weiter, sucht sie im Flüchtlingscamp auf und

macht Fotos von ihr, die er dann mit üblen Beschimpfungen

in sozialen Netzwerken teilt. „Er hat meiner ganzen Familie

EIN NEUES LEBEN

Nisrins größter Wunsch ist es, dass Roni ein unbeschwertes

Leben in Österreich führt, zur Schule geht und nicht dieselben

Erfahrungen wie sie sammeln muss. „Ich möchte nicht,

dass sie jemals mit einem Mann zusammen ist, der sie brutal

zusammenschlägt, so wie es ihr Vater mit mir gemacht hat.“

Alle drei Frauen haben ein ähnliches Schicksal erlitten. Sie sind

aus ihrer Heimat vor dem Krieg geflohen und haben hier den

Mut gefasst, ein neues Leben zu beginnen – ohne ihre gewalttätigen

Ehemänner. Trotzdem leben sie in ständiger Angst,

diesen Männern oder deren Bekannten zu begegnen. Sie

fühlen sich hilflos und haben doch Hoffnung, dass sich – hier in

Österreich – alles zum Guten wendet. Auch die 23-jährige Hiba

versucht ein Vorbild für ihre vier Kinder zu sein. „Immer wieder

betone ich vor allem vor meinen drei Töchtern, dass sie unabhängig

und stark sein müssen, wenn sie groß sind“, erzählt sie.

„Meine achtjährige Tochter hat mir einmal geantwortet: Mama,

ich werde eines Tages stärker sein als du es warst – mein Ehemann

wird mich nie schlagen dürfen.“ ●

→ Die Frauenhelpline gegen Gewalt bietet auch

muttersprachliche Beratung in Arabisch,

Englisch, Bosnisch-Kroatisch-Serbisch,

Rumänisch, Spanisch und Türkisch an:

0800 222 555

→ Die „fem:HELP“ für Android-Handys und

iPhones soll von Gewalt betroffenen Frauen in

Österreich helfen, Hilfseinrichtungen schnell

zu kontaktieren.

→ Der 24-Stunden Frauennotruf der Stadt Wien:

0171719

→ Die Interventionsstelle gegen Gewalt in der

Familie bietet Informationen, Beratung und

Hilfe bei Gewalt an Frauen:

www.interventionsstelle-wien.at/

Die interviewten Frauen wollten aus Angst vor ihren Ex-Ehemännern anonym bleiben.

Deswegen hat sich unsere ehemalige Stipendiatin Mona bereit erklärt, für diese

Geschichte zu modeln.

28 / POLITIKA /


SICHER WÄHLEN

mit

Im Inland:

Wenn Sie Ihr Wahllokal

nicht aufsuchen können

• in jedem Wahlkarten-Wahllokal

• vor einer „fliegenden Wahlbehörde“

(sie kommt, wenn Sie bettlägerig,

geh- oder transportunfähig sind)

• portofrei – per Briefwahl

Im Ausland:

• portofrei – per Briefwahl

Nähere Informationen unter: Hotline 0800 202220 (gebührenfrei)

Montag bis Freitag 7.30 – 17.00 Uhr www.nrw-17.at


VERÄNDERUNG MIT

VERANTWORTUNG.

KANZLER MIT

SCHARF.

EINE KLARE ANSAGE: VON ÖSTERREICHS ERFOLG

MÜSSEN ALLE PROFITIEREN.

30 / POLITIKA /


RAMBAZAMBA

„Perfekt“

Foto von Kay von Aspern


HERR INSPEKTOR,

BITTE!

„Wenn es die Gay Cops

bei der Polizei gibt und

eine Transfrau beim Heer,

dann muss es auch als

Transmann bei der Polizei

gehen.“

32 / RAMBAZAMBA /


Zwei Jahre war Marek auf Streife im 1. Bezirk unterwegs – im Körper

einer Frau und in weiblicher Polizei-Uniform. Er wurde als Frau

geboren, doch fühlte sich nie wie eine. Marek änderte vor einem Jahr

sein Geschlecht. Nun ist die ehemalige Polizistin offiziell Polizist.

Von Steven Meyer und Marko Mestrović (Fotos)

Marek absolvierte die

Polizeischule als Frau

– zumindest auf offiziellen

Papieren. Danach arbeitete

er zwei Jahre als Polizistin in

Wien, bis der heute 26-Jährige

es nicht mehr aushielt und sich

outete: Sein weibliches Geburtsgeschlecht

passte einfach nicht.

Heute lebt er offen als Mann,

engagiert sich im Verein Gay Cops

und arbeitet beim Landeskriminalamt

im Erkennungsdienst. Wie

in allen Berufsgruppen arbeiten

natürlich auch bei der Polizei

schwule, lesbische, bisexuelle und

transidente Menschen. Ein Outing

– vor allem in einem von Männern

dominierten Berufsfeld wie der

Polizei – ist meistens mit Ängsten

vor Diskriminierung oder Karrierebrüchen

verbunden. Aus diesem

Grund sprechen viele nicht offen

über ihre sexuelle Orientierung

oder Identität – im Gegensatz zu

Marek. Wir haben uns mit ihm

getroffen.

BIBER: Marek, du kennst beide Seiten.

Du warst Polizistin, bist nun Polizist - was

ist der größte Unterschied?

MAREK: Als Frau wurde ich immer

gefragt: „Was? Ist der Beruf nicht viel

zu gefährlich?“ – was aber eigentlich

gemeint war, ist: Ist der Beruf nicht zu

gefährlich für eine Frau? Mittlerweile

kommen eher Fragen wie „Was hast du

schon erlebt?“ und es wird als cooler

Beruf wahrgenommen – allerdings nicht

von meiner Community.

Warum?

Innerhalb der LGBTIQ* (Lesbian, Gay, Bi,

Trans, Inter, Queer)-Community wollten

einige nichts mit mir zu tun haben, weil

mein Beruf als rechts angesehen wird,

da ich für den „unterdrückenden Staat“

arbeite. Mir wird vorgeworfen, einen Job

zu haben, der Gewalt ausübt. Ich habe

mehr Probleme, wenn ich mich in der

Community als Polizist oute, als wenn ich

mich als trans bei der Polizei oute. Das

fand ich sehr erstaunlich und traurig, da

die Community schließlich tolerant sein

sollte.

War dir eigentlich schon immer bewusst,

dass du ein Mann bist?

Anfangs war es eher die Ablehnung des

Weiblichen. Ich wusste, dass Frau 100%

nicht passt. Das mit dem Männlichen

kam nach und nach. Da es in Österreich

nur zwei Geschlechter gibt, fiel die Wahl

dann nicht so schwer.

Wie verlief der Wandel bei dir?

Angefangen hat der Prozess mit 16 Jahren.

Damals war trans noch kein Begriff

für mich. Ich habe in der Tourismusbranche

gearbeitet und wurde dauernd als

Fräulein angesprochen. Das passte nicht,

ich wusste, dass ich das nicht bin. Das

wirkliche Eingestehen hat aber sehr lange

gedauert. Mit 23, 24 Jahren war es

mir klar, habe es aber noch verheimlicht.

Erst als ich dann nach der Polizeischule

eine Therapiestelle gefunden hatte, kam

alles langsam ins Rollen.

Wie verlief dein Outing bei der Polizei?

Wie haben deine KollegInnen reagiert?

Damals war ich im Streifendienst in Wien

1010 und habe noch Uniform getragen.

Ich habe mich zuerst bei meiner Funkfahrtpartnerin

geoutet, weil ich wusste,

dass sie positiv reagieren würde. Dann

habe ich mich bei meinem Dienstvorgesetzten

geoutet und habe ihn gefragt, ob

er zu den anderen Outings als Unterstützung

mitgehen würde. Er hat sofort

ja gesagt. Einige haben Fragen gestellt,

andere haben nicht viel gesagt.

Hast du keine Diskriminierungen erfahren?

Ich hatte natürlich viele Sorgen und Ängste

diesbezüglich, aber sie wurden nicht

bestätigt. Anfangs war allerdings nicht

sicher, ob die Chefs mir den Männerspind

zugestehen können. Zuerst sollte

ich einen eigenen bekommen, was aber

aus Platzmangel nicht funktionierte. Zu

dieser Zeit habe ich aber meine Geburtsurkunde

ändern lassen, die ich innerhalb

von drei Tagen hatte und somit auch in

die Männerumkleide konnte. Es gab nur

einen Kollegen, der alles dran gesetzt

hat, den Spind neben mir nicht zu

bekommen. Der hat mir auch nicht mehr

die Hand gegeben.

/ RAMBAZAMBA / 33


GAY-COPS:

Die Gay Cops sind ein Verein,

den es mittlerweile seit

10 Jahren in Österreich gibt

und der Teil eines europaweiten

Netzwerkes von LGBTIQ+

Polizistinnen und Polizisten

ist. Der Verein mit etwas mehr

als 60 aktiven Polizist*innen

setzt sich für Sichtbarkeit und

ein Bewusstsein der Probleme

von queeren Minderheiten

innerhalb der Polizei ein.

Außerdem möchten sie, dass

ein Vortrag zur polizeiinternen

Sensibilisierung für LGBTIQ+

Themen in den Lehrplan der

Polizeiausbildung aufgenommen

wird.

werden will. Allerdings habe ich auch

geahnt, dass ich trans bin, und dachte

damals, ich müsste mir einen anderen

Traumberuf suchen. Dann habe ich

zufällig von den Gay Cops und über eine

Transfrau beim Bundesheer gelesen – da

dachte ich mir, wenn es die Gay Cops bei

der Polizei gibt und eine Transfrau beim

Heer, dann muss es auch als Transmann

bei der Polizei gehen. Nach der Polizeischule

habe ich mich gleich bei den Gay

Cops angemeldet. Ich möchte, dass es

andere LGBTIQ-Personen leichter haben

als ich und nicht Zweifel an ihrem Traumjob

haben, nur weil sie sind wie sie sind.

Gab es schon Trans-PolizistInnen vor dir?

Ja, es gibt ungefähr sechs oder sieben in

Österreich, von denen habe ich erst nach

dem Outing erfahren. Ich dachte ich sei

der Erste.

„Ich bin immer wieder überrascht, wenn mich Menschen sofort als männlich wahrnehmen.

Immerhin wurde ich 25 Jahre als weiblich wahrgenommen.“

Dein Outing verlief insgesamt gut. Woran

lag das?

Es kommt immer auf die Leute an, mit

denen man arbeitet. Vor allem auf die

Vorgesetzten. Es kann auch ganz anders

ablaufen – ich kenne jemanden, der die

Polizeiinspektion aufgrund eines Outings

wechseln musste. Man kann sich allerdings

auch über die Gleichbehandlungsstelle

gegen Mobbing wehren.

Du bist Mitglied der „Gay Cops“. Wie

kam das?

Ich wusste schon immer, dass ich Polizist

Hat sich dein beruflicher Alltag verändert?

Teilweise war es sehr schwer. In der

Uniform wurde ich viel schneller als

weiblich angesehen als in Privatkleidung.

Da war es dann heftig zurückzustecken

und wieder „Frau Inspektor“ zu

hören. Mit meinen Chefs habe ich auch

besprochen, dass ich keine Personendurchsuchungen

mache, solange mein

Geschlecht äußerlich unklar ist. Ich selbst

wollte keine weiblichen Personen mehr

durchsuchen, weil ich per Gesetz seit

der Geburtsurkundenänderung männlich

war. Für die Männer war ich aber noch

nicht erkenntlich Mann. Aus diesem

Grund haben wir beschlossen, dass ich

niemanden durchsuche. So konnte ich

auch dummen Kommentaren der Durchsuchten

entgehen.

Wie verlief der Wandel allgemein für

dich? Du hast dich auch Operationen

unterzogen, richtig?

34 / RAMBAZAMBA /


Insgesamt lief meine gesamte Transition

gut. Die erste Psychiaterin hätte ich

mir sparen können, da sie sehr unangenehme

Fragen gestellt hat. Da man

aber auf ein Gutachten angewiesen ist,

beantwortet man Fragen, die man nicht

beantworten möchte. Außerdem hätte

ich nicht erwartet, dass man nach den

Operationen so lange braucht, bis man

körperlich wieder fit ist. Bei mir hat es

sechs Monate nach den OPs gedauert,

bis ich wieder so leistungsfähig

wie davor war. Ich habe mir die Brüste

abnehmen und auch Eierstöcke und

Gebärmutter entfernen lassen.

Weil du beide Seiten kennst: Wie unterscheiden

sich die Anforderungen an

Männer und Frauen bei der Polizei?

Beim Sporttest gibt es zwischen Männern

und Frauen noch Unterschiede – da

ist es für Frauen einfacher. Durch meine

Hormontherapie spüre ich die Unterschiede

zwischen einem männlichen und

einem weiblichen Körper. Durch Testosteron

konnte ich innerhalb eines Monats

das Doppelte leisten, weshalb ich den

Unterschied verstehe und gut finde.

Hast du einen Vorteil bei der Arbeit als

Transpolizist?

Man ist feinfühliger hinsichtlich Minderheiten,

weil man auch in der Community

eingebunden ist. Man kennt etwa ihre

Bedenken, eine Anzeige zu machen und

man versteht, dass oft keine Anzeige

erstattet wird. Ansonsten unterscheidet

es sich nicht wirklich.

Gab es dann aufgrund der unterschiedlichen

Anforderungen Anmerkungen

nach dem Outing?

Nein, ich habe den Sporttest damals als

Frau absolviert. Jetzt mache ich den

Dienstführendenkurs und hab den Sporttest

als Mann absolviert. Ich habe alle

Limits erfüllt.

Mittlerweile wirst du als männlich angesehen.

Wie ist das für dich?

Ich bin immer wieder überrascht, wenn

mich Menschen sofort als männlich

wahrnehmen. Nach wie vor bin ich in der

Gewöhnungsphase, da ich 25 Jahre als

weiblich wahrgenommen wurde. Jetzt,

innerhalb eines halben Jahres, werde ich

10FACHES RISIKO!

Die Gay Cops veröffentlichten 2015

zusammen mit der IG Soziologie eine

Studie, deren Ergebnisse polizeiintern

ignoriert wurden. Es ging um Hassverbrechen

gegenüber LGBTIQ* in Österreich,

in der herauskam, dass LGBTIQ*

Personen ein zehnfach höheres

Risiko als die restliche Bevölkerung

haben, Opfer von Gewaltverbrechen

zu werden und dass die wenigsten

dieser Verbrechen eine Anzeige zur

Folge haben. Mangelndes Vertrauen

in die Polizei ist der Grund dafür.

Sollte es dennoch zu einer Anzeige

nach einem Hassverbrechen kommen,

führt diese selten zur Verurteilung.

Einen Tatbestand „Hassverbrechen“

gibt es in Österreich nämlich nicht,

sondern lediglich die Möglichkeit zu

einer Straferhöhung bei besonderen

Umständen der Tat. Beispielsweise

bei rassistischen oder homophoben

Motiven. Dieser Erhöhungstatbestand

kommt allerdings nur zum Tragen,

wenn es verschiedene Instanzen

durchläuft – und das passiert selten.

Bezahlte Anzeige

Bezahlte Anzeige

Ein neuer Stil.

Es ist Zeit.

Wenn wir wir das das Land verändern wollen, muss Politik

sich sich verändern. Dazu braucht es es einen neuen Stil: Stil:

sagen, was was Sache ist. ist. Und tun, tun, was was richtig ist. ist.

www.sebastian-kurz.at


„Es fehlt einfach noch

das Bewusstsein, dass

Transmänner Männer

sind und Transfrauen

Frauen sind.“

Für alle LeserInnen,

die wie wir eine

Enzyklopädie zum

Verständnis brauchten:

als männlich angesehen. Da freue ich mich

noch jedes Mal drüber.

Und deine Familie, dein Freundeskreis –

welche Reaktionen hast du erfahren?

In der Familie hat es bei einigen länger

gedauert. Meine Oma hat es beispielsweise

nicht verstanden. Nach einigen Monaten

hat sie sich dann aber bemüht. Bei meinem

Vater hat es auch länger gedauert. Nachdem

ich ihm einen Outing-Brief geschrieben

habe, hat er sich bemüht und nennt mich

jetzt in den meisten Fällen bei meinem

neuen, richtigen Namen. Mir war wichtig zu

wissen, dass die Personen versuchen meinen

neuen männlichen Namen zu sagen.

Meinen alten Namen möchte ich nicht mehr

hören oder benutzen.

(Anm. der Redaktion: Aus diesem Grund

nennt er den Namen auch im Interview

nicht)

Wie ist der Umgang mit Transpersonen?

Ich werde oft – vor allem von Schwulen –

gefragt, was ich denn eigentlich in der Hose

habe, obwohl das einfach nur relevant ist,

wenn man in einer Beziehung ist. Außerdem

kommt es in der Community oft vor,

dass Transfrauen bei Lesbentreffen explizit

ausgeschlossen werden. Umgekehrt werden

jedoch Transmänner eingeladen, da sie

ja „doch irgendwie noch Frauen sind“. Es

fehlt einfach noch das Bewusstsein, dass

Transmänner Männer sind und Transfrauen

Frauen sind.

Bist du eigentlich homosexuell, heterosexuell

oder bisexuell?

Nein, ich bin pansexuell.

Was heißt das?

Mir kommt es nicht auf das Geschlecht an.

Eine der ersten Fragen lautet immer „Auf

was stehst du jetzt?“. Das fand ich komisch,

weil es vorher auch niemanden interessiert

hat und mit trans ja absolut nichts zu tun

hat. Ich habe dann entweder ausweichend

geantwortet, mittlerweile sage ich aber

offen, dass mir der Körper egal ist. Ich weiß

nämlich selbst, dass der Körper nicht immer

das aussagt, was innen dann steckt. Mir

kommt es auf den Menschen an. ●

CIS-PERSONEN: bezeichnet

jene Menschen, die sich mit

ihrem Geburtsgeschlecht identifizieren

(Übersetzung: „diesseits“

im Gegensatz zu trans (jenseits))

LGBTIQ*: Abkürzung für Les-

bian-Gay-Bi-Trans-Inter-Queer-

Community

PANSEXUELL: sind Personen,

die in ihrem Begehren keine

Vorauswahl nach Geschlecht

bzw. Geschlechtsidentität treffen

TRANS/TRANSIDENT: sind

Personen, die sich mit ihrem

zugewiesenen Geschlecht nicht

(ganz) identifizieren

TRANSITION: ist der Überbegriff

für jegliche Änderung

(Name, Personenstand),

Geschlechtsangleichung (Hormone,

Operationen) und Prozesse

(Selbstfindung, Outing)

Um das Geschlecht in der

Geburtsurkunde in Österreich

anzupassen, ist auch noch immer

eine fachärztliche Diagnose der

Transidentität notwendig. Außerdem

muss bestätigt werden, dass

sich das äußere Erscheinungsbild

an das angepasste Geschlecht

annähert. Was auch immer das

heißen soll.

+ NO-GO „WAS HAST DU IN

DER HOSE?“

Transpersonen haben selbst nach

einem Outing oft damit zu kämpfen,

nicht als Mann oder Frau

anerkannt zu werden. Die Frage

danach, „was sie denn nun in

der Hose haben“ – obwohl diese

Information sehr privat und irrelevant

für die Geschlechtsidentität

ist – oder die Benutzung des

falschen Personalpronomens sind

Probleme mit denen Transpersonen

täglich konfrontiert sind.

36 / RAMBAZAMBA /


Und was gefällt dir

am besten an mir?

Dass du jetzt eine

Ausbildung machst!

AusBildung bis 18 startet. Davon werden nicht nur Jugendliche und

ihre Familien profitieren, sondern wir alle. Denn das Risiko, arbeitslos

zu werden, wird durch eine bessere Ausbildung auf ein Drittel reduziert.

Und die Gefahr, einen schlecht bezahlten Hilfsarbeitsjob zu bekommen,

sogar auf ein Viertel. Jetzt informieren: www.AusBildungbis18.at

ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG

DES SOZIALMINISTERIUMS

IN ZUSAMMENARBEIT MIT

EINE INITIATIVE DER

BUNDESREGIERUNG


Vier Ur-Favoritner

auf einem Foto: Nada,

Aykut, Adam, Nour.

(v.l.n.r.)

38 / RAMBAZAMBA /


Seit 2.9. fährt die U1 bis nach Oberlaa. Nada, Adam, Nour und Aykut

erinnern sich an die Zeit, bevor Favoritens Prärie in zehn Minuten vom

Reumannplatz aus erreichbar war. Über Pornokinos, die legendäre

67er Bim, Büchereien im Gemeindebau und wohlernährte Bäuche.

Von Amar Rajković und Christoph Liebentritt (Fotos)

Troststraße

MUNDGERUCH

UND FORTUNA

Herrje, ihr altes Favoriten ist kaum wiederzuerkennen!

Dass sie ausgerechnet der Linie

67 wehmütig nachsehen würde, hätte sich

Nada niemals erträumen lassen.

Ich befinde mich in der überfüllten 67er Bim, es

ist 10 Minuten vor 8 und ich komme garantiert

zu spät in die Schule. Mit meinen 1,55m schaffe

ich es gerade so noch, mich über drei Kinderköpfe

an einer der Halteschlaufen festzuklammern.

Das Publikum im 67er ist so Wienerisch

wie der unfreundliche Kellner im Kaffeehaus:

Von Anzugbeamten, k.u.k. Omas mit Broschen

und Föhnfrisur bis zum Bauhackler und Mutter

mit Einkaufswagen voller Viktor-Adler-Markt-

Gemüse ist hier alles dabei. Spätestens an der

Station „Troststaße“ pressen sich die letzten

Nachzügler jeden Alters in den stinkenden

Waggon, der morgendliche Mundgeruch der

Bimschwätzer ist unverkennbar.

Einer der bekanntesten Orte in Favoriten - Nada vor dem Fortuna-Kino.

ES BLEIBT DER TROST

Die Bim quetscht sich über die kreischenden,

neu verlegten Gleisen an der großen Baugrube

und der Plattform mit dem skeletthaften

Überbau vorbei. „Da kommt die U1 bald auch

hin, dann braucht niemand mehr diese grausliche

Bim!“, meint eine Mutter zu ihrem Zögling.

So, so… die U1 – hier? Die Linie 67 ist doch die

Halsschlagader Favoritens! Zu allen Tageszeiten

sind Menschen hier unterwegs – wenn es hier

mal leer ist, dann nur, weil dieser Verrückte vom

Pernerstorferhof mitfährt, der immer mit sich

selbst streitet!

Ich bin so viele Jahre um diese Uhrzeit in

dieser Bim gestanden, dass ich die einzelnen

Waggone an den Filzstiftschmierereien wiedererkenne.

Eigentlich muss ich schon lange nicht

mehr aus dem Fenster schauen, um zu wissen,

was draußen passiert. Immer dieselben müden

Gesichter, die gleichen Hunde jeden Tag, die

immer an dieses eine Gebäudeeck pinkeln. Der

glatzköpfige Besitzer des uralten Fortuna Sexkinos

poliert die Glasvitrinen. Einige Gasthäuser und

Imbisse reihen sich wie Perlen an einer Kette an

der ewigen Favoritenstraße auf. Im Gegensatz

zu den Wettbüros hier, sehe ich allerdings keine

Gäste dort ein- und ausgehen… Naja, eigentlich

bin ich doch irgendwie froh, dass sich nun alles

ins Unterirdische verlagert. Zurücktreten bitte,

lieber 67er! Hier kommt die U1!

Nada El-Azar, 21, Studentin.

/ RAMBAZAMBA / 39


Altes Landgut

DAHAM IM HORR

„Altes Landgut“ klingt wie die kaiserliche

Sommerresidenz mit Jagdschloss und

Gestüt. Pferde gibt es hier höchstens unter

der Motorhaube. Dafür verlor Adam seine

Fußballunschuld nebenan im Horr­Stadion.

Jeder Wiener Autofahrer kennt das Alte Landgut

aus dem Radio durch die Meldung „Stau am

Verteilerkreis“ – pünktlich zur Rush-Hour ereilt

der Verkehrsinfarkt diese Gegend. Hoch über

dieser funktionalen Verkehrsfläche thront die

Heimstätte des FK Austria Wien, die Generali

Arena. Bis 2010 hieß der Platz „Franz Horr Stadion“

und wird im Volksmund immer noch als „das

Horr“ bezeichnet. Trotz Namensänderung fühlen

sich Fans hier immer „daham“.

PFEFFER UND OGRIS

Meine fußballerische Taufe fand auf der berüchtigten

„West“ (Westtribüne) statt: im zarten Alter

von 14 Jahren, ohne Begleitung der Eltern, nur

mit Schulfreunden, besuchte ich das erste Mal

ein Fußballspiel der Austria. Und das auch gleich

im lautesten Sektor: Da saßen die Anhänger der

Austria nicht auf gemütlichen Plastiksesseln,

sondern klammerten sich an Metalllehnen, die

auf den kalten Beton geschraubt waren.

Beim Spiel selbst wurde angefeuert, mitgefiebert

und kritisiert. Die Kicker- und Schiedsrichterkritik

war direkt, unerbittlich, nicht jugendfrei.

Es war ein Privileg Legenden wie Toni „Rambo“

Pfeffer und Andi Ogris in Action zu sehen. Weitere

Besuche verfestigten das Bild: treue Fans,

die bei Regen und Wind zu ihrer Mannschaft

stehen, egal ob an der Tabellenspitze oder mit

roter Laterne am Tabellenende. Die „West“

war für mich auch eine Art Milieustudie: echte

Wiener in ihrem natürlichen Biotop ungestört

beobachten.

So sehen echte Austrianer aus - Adam in Gedanken an Ogris und Pfeffer.

MEHR ALS KRÄHE

In den 90ern hatte die Austria kein Leiberl – die

Stars der Bundesliga waren andere. Sturm Graz

spielte zum Beispiel in der Champions Leauge,

die Austria irgendwo im Nirgendwo. Und

auch die Umgebung am Alten Landgut, das

übrigens nach einer 1900 abgerissenen Gastwirtschaft

benannt ist, war eher karg. Nichts als

vielbefahrene Straße und ein paar verschreckt

dreinschauende Krähen. Mit dem U1-Ausbau

holt sich Favoriten den Titel „die längste U-Bahn

Linie der Stadt“ zurück. Und die Gegend um den

Verteilerkreis entwickelt sich rasant weiter. Wo

früher nur grüne Wiese war, bildet heute eine

Fachhochschule die Bildungselite aus, im Freibad

nebenan braten die Poser in der Sonne, und ab

Sommer 2018 feiert die Austria ihre Siege im

neu errichteten Stadion.

Adam Bezeczky, 33, biber Marketing

40 / RAMBAZAMBA /


Alaudagasse und Neulaa

DIE STREBERIN

DER SIEDLUNG

Wenn was vom Taschengeld übrig

war, schlenderte Nour nach ihrem

Büchereibesuch durch die Albin­

Hansson­Siedlung auf der Suche nach

Süßigkeiten und Maroni.

Wer an dieser Stelle die ärgsten Wien

Favoriten-Anekdoten erwartet, in denen

es um Spielplatzfetzereien oder Ćevapeund

Dönereskapaden geht, hat sich

geschnitten. Wo früher noch die 67er

Straßenbahn angehalten hat, um mich

bei der Per-Albin-Hansson Siedlung

abzusetzen, erstrahlt eine neue U-Bahnstation,

die Alaudagasse.

Die Gegend war immer schon ruhig

mit viel Grün rundherum. Ein harter

Kontrast zum Reumannplatz. Mich hat es

immer in die Per-Albin-Hansson Siedlung,

meine Lieblingsbücherei, verschlagen.

Weil ich eine Leseratte deluxe war

und immer noch bin. Die Alaudagasse

war DER Fixpunkt am Freitagnachmittag.

Ein bisschen durch die Siedlung schlendern

und all mein Taschengeld für Süßigkeiten

und je nach Jahreszeit für Eis oder

Maroni ausgeben. Danach mit der Tasche

voll Bücher und Comics einen kurzen

Abstecher in den Park machen.

Ja, schon als Kind habe ich einen auf

pseudo-intellektueller Gangster gemacht.

Manchmal sind mir sogar meine Tragtaschen

gerissen, weil ich mehr Bücher

ausgeborgt habe, als ich vorhatte. Diese

Situationen haben mir auch die ein oder

andere lustige Konversation mit Pensionistinnen

und Pensionisten beschert, die

gerade von der Therme Oberlaa kamen.

Die paar Stationen, die ich immer bis

Schau nicht so Ghetto! Nour vor ihrem

persönlichen Alcatraz.

DIE BEWEGUNG FÜR EIN

WELTOFFENES ÖSTERREICH

WEIL DIE PERSPEKTIVE

DER MENSCHEN ZÄHLT

NEOS - das neue Österreich, Neustiftgasse 73-75, 1070 Wien


Station Oberlaa

zur Alaudagasse fuhr, waren für mich als

Kind irre spannend. Die weiten, grünen

Flächen fingen beim Alten Landgut an –

wenn die Straßenbahn endlich aus dem

Betonpark rausfuhr. Wenn ich die grünen

Hügel und breiten Wiesen gesehen habe,

fragte ich mich jedes Mal dasselbe:

„Warum keinen Riesenpark dorthin bauen

oder einen Zirkus nach dem anderen

dort gastieren lassen?“ Aus der grünen

Wiese wurde später kein Park, dafür eine

Fachhochschule. Stieg man dann bei

der Alaudagasse aus, kam man aus dem

Staunen gar nicht heraus. Die Per-Albin-

Hansson Siedlung war für mich als Kind

keine Siedlung, sondern eine eigene

Welt. Mit meinen zehn Jahren dachte

ich, dass da sicher hunderttausende

von Menschen drinnen wohnen würden.

(Info: Es leben rund 16.000 Menschen in

der Siedlung.) Die riesigen Häuserblocks

jagten mir Angst ein. Sie erinnerten mich

zu sehr an die amerikanische Gefängnisinsel

Alcatraz. Als Kind fantasiert und

dramatisiert man eben gerne.

Nour Khelifi, 23, Journalistin

„KEBAB OBERLAA

– BESTE WO GIBT!“

Aykut und seine Wampe freuen sich

auf die U1-Erweiterung nach Oberlaa.

Die Erschließung der Favoritner Prärie

bringt sie dem Dönerhändler ihres

Vertrauens näher – und lässt Aykuts

Magen wehmütig an die alten Zeiten

zurückknurren.

Wer kennt das nicht? Mittagspause in

der Schule und die Frage aller Fragen,

die man sich jedes Mal aufs Neue stellen

muss: “Was esse ich heute?“ Für mich

und meine Jungs, Manuel und Ray, alle

waschechte Favoritner, war es klar. „Mäci

Bruder“ können wir nicht schon wieder

machen. Es braucht schon gesundes

Slowfood à la Favoriten. „Kebab Oberlaa

– Beste wo gibt“ war dann die logische

Antwort. Auch wenn wir dafür eine lange

Odyssee mit dem 67er in Kauf nehmen

mussten – der erste Biss in den Döner

ließ uns die Reisestrapazen schnell

vergessen. Das schönste an der ganze

Sache: Ich konnte beobachten, wie

der Bier trinkende Herbert gleichzeitig

mit dem Ayran schlürfenden Hassan

in seinen Döner hineinbeißt. Das kurze

Schmunzeln in ihren Gesichtern danach

bezeichnen die Linguisten wohl als pure

Glückseligkeit.

DER LANGE SCHATTEN

FAVORITENS

Als ich älter wurde, fielen mir die

zahlreichen Facetten des 10. Wiener

Gemeindebezirks, dem Ghetto Wiens,

immer stärker auf. An dieser Stelle

angemerkt: Natürlich ist Favoriten keine

Bronx. Aber jedes Mal, wenn ich mit

meinen Freunden Markus und Stöger

(Bitte nicht falsch verstehen, Jungs)

eine Unterhaltung über den Zehnten

führe, geben sie mir zu verstehen, dass

die Gegend um den Reumannplatz das

schlimmste Ghetto Wiens sei. Wir Favoritner

wissen alle, dass das nicht stimmt.

Wir bezeichnen unsere Hood trotzdem

als Ghetto. Soll das mal einer verstehen.

Zurück zur 67er Bim. Die langen

Fahrten mit ihr werden mir abgehen. Sie

war neun Jahre lang mein Begleiter zur

Schule hin und zurück. Ich weiß noch,

als ich meinen Volkschulfreund Manuel

jedes Mal überreden musste, den längeren

Heimweg mit der 67er zu wählen.

Nur damit wir eine Runde länger Mario

Kart auf unserem Nintendo DS spielen

konnten. Diese Zeiten bleiben immer in

meinem Herzen. Gleichzeitig freue ich

mich am Reumannplatz einzusteigen und

nur paar Minuten später in Oberlaa den

besten Döner zu verschlingen.

Aykut Erdem, 21, Inhaber

KusKut Weine

Denken nur an das Essen - Aykut und sein nimmersatter Vierbeiner ‚Buba‘

42 / RAMBAZAMBA /


Umwelt- und Öffistadträtin Ulli Sima über ehrliche Wiener,

Kristallluster in St. Petersburg und 11-Millionen-Euro-Züge.

Von Amar Rajkovic, Antonia Frank (Mitarbeit) und Christoph Liebentritt (Foto)

Wir sind zusammen mit Öffi-Stadträtin

Ulli Sima nach Oberlaa gefahren und

haben alle neuen Stationen der U1

einmal ausgetestet.

„WIR

KLAUEN

GUTE

IDEEN.“

biber: Wie oft nutzen Sie selbst die Öffis

und mit welchen Linien fahren Sie am

meisten?

Ulli Sima: Ich fahre regelmäßig mit den

Öffis. Da ich in Ottakring lebe, benutze

ich oft die U6 und natürlich die U2, die

direkt zum Rathaus fährt.

Wenn man dem Boulevard glaubt, ist es

lebensgefährlich mit der U6 zu fahren.

Empfinden Sie das auch?

Die Lage letztes Jahr mit der plötzlich

aufkommenden Drogenszene an der

U6 war nicht hinnehmbar. Ich habe das

nd_ Anzeige Biber_207x66mm

selbst erlebt, weil ich bei der Thaliastraße

lebe. Wir haben versucht, die

Gesetzeslücke zu schließen und auf

Bundesebene der Polizei zu ermöglichen,

die verdächtigten Drogendealer auch

festzunehmen. Das ist gelungen und

nun bleiben wir natürlich weiter dran am

Thema Sicherheit.

Mit welchen Maßnahmen?

Die Wiener Linien haben ihre Personalpräsenz

massiv verstärkt. Wir haben

ein umfassendes Paket geschnürt, im

Rahmen dessen im Endausbau über 300

Personen für Sicherheit und Service sorgen.

Ein Teil davon sind eigene Security-Mitarbeiter

und der andere Teil sind

Mitarbeiter, die nicht mehr hinter dem

dunklen Glas versteckt bleiben, sondern

in den Stationen unterwegs sind.

Das heißt, die Menschen haben doch

ein Bedürfnis nach Maßnahmen, die ihre

subjektive Sicherheit steigern. Warum?

In Wahrheit sind die Stationen der Wiener

Linien der sicherste Ort in der Stadt.

Über 11.000 Kameras, jedes Delikt wird

aufgeklärt, die Stationen sind noch heller

ausgeleuchtet. Wenn die Menschen z.B.

über Drogendealer lesen und sie dann

auch sehen, fühlen sie sich bestätigt.

Aber unsere Mitarbeiter sind präsent und

es gibt zahlreiche Notrufeinrichtungen.

Was kostet ein neuer Zug?

Da würde ich Sie bitten zu raten.

Acht Millionen?

Da waren Sie gar nicht schlecht. Rund

elf Millionen Euro kostet ein neuer Zug in

der Anschaffung.

An welchen internationalen Vorbildern

orientieren Sie sich?

Wir sind Vorbild für viele Städte. Aber

wir“ klauen“ gnadenlos alle guten Ideen

von anderen Städten. Von London haben

wir uns das Konzept der U-Bahn-Stars

mitgenommen (Musiker spielen an frequentierten

Stationen der U-Bahn), die

Sprüche auf den Mistkübeln haben wir

aus Hamburg und Berlin importiert, das

„Ascherohr“ haben wir aus Augsburg

mitgebracht.

Welche U-Bahn ist Ihnen international im

Gedächtnis geblieben?

In St.Petersburg hängen überall Kristallluster.

London hat seinen eigenen

Charme, von der Barrierefreiheit haben

sie aber nur wenig gehört.

Wie viele der in den Öffis kontrollierten

Menschen haben keinen Fahrschein?

Nur 1,8% der kontrollierten Fahrgäste

hatten 2016 keinen gültigen Fahrschein.

Warum sind die Wiener so ehrlich?

Das hat sowohl mit der billigen Jahreskarte

um 365 Euro als auch mit der

Angst zu tun, vor anderen Fahrgästen als

Schwarzfahrer entlarvt zu werden. ●

• AHS-Matura

• Berufsreifeprüfung

• Studienberechtigungsprüfung

• Sprachkurse, Latinum

• Fernunterricht

(Beginn jederzeit)

Beginn: Frühjahr & Herbst

HÖCHSTE

ERFOLGSZAHL

ÖSTERREICHS

Tel.: 01/523 14 88, Neubaugasse 43, 1070 Wien, www.roland.at


UNTER

BEOBACHTUNG

44 / RAMBAZAMBA /


Die Sex-Watchlist

Als mir das Kondom beim Sex mit einem unbekannten

Mann reißt, möchte ich mit einer Therapie eine mögliche

Ansteckung mit HIV verhindern. Doch die Krankenkasse

ist gesetzlich nicht verpflichtet, die Therapie zu bewilligen.

Mein Spießrutenlauf beginnt.

Von: Emir Dizdarević und Marko Mestrović (Fotos)

Es war ein geiler Abend. Vorglühen bei Freunden,

von einem Club in den anderen ziehen, tanzen,

sich einen hübschen Typen anlachen und ihn mit

nach Hause nehmen. Bei mir dann Sex. Als wir

fertig sind, merken wir, dass das Kondom gerissen

ist. Die ganze Leichtigkeit des Abends ist mit einem Mal weg.

Es ist ernst. Er geht sich duschen. „Zur Beruhigung“, wie er

sagt. Ich döse kurz ein und als ich aufwache, ist er weg. Kein

Name, keine Nummer, nichts. „Und was ist, wenn er jetzt HIVpositiv

ist?“, frage ich mich.

Es ist Sonntag. Ich fahre auf die Notfall-Ambulanz des Allgemeinen

Krankenhauses der Stadt Wien (AKH), um einen HIV-

Schnelltest zu machen. Wirklich Sinn

macht das nicht. Erst nach sechs

Wochen lässt sich sagen, ob ich

infiziert bin oder nicht. Aber irgendetwas

muss ich tun. Irgendetwas, egal

was. Und auf der Station zu sein,

hilft mir dabei. Die Krankenschwester

spricht mir gut zu und der Arzt versucht

mich ein bisschen aufzulockern, indem er Scherze über

mein „geplatztes Verhüterle“ macht. Die Aufheiterungsversuche

funktionieren. Nach der Blutabnahme schicken sie mich

in die HIV-Abteilung. Schließlich kann man einer Infektion jetzt

noch entgegenwirken und dort können sie mich am besten

darüber informieren.

ICH BIN „HÖCHSTRISKANT“

Ich sitze in der HIV-Abteilung. „Gibt es irgendeine Möglichkeit

Ihren Partner ausfindig zu machen?“, fragt mich der Arzt drei

Mal. „Nein“, muss ich immer wieder antworten. Würde ich

ihn kennen, wäre alles einfach. Mein Partner und ich könnten

uns beide einem Schnelltest unterziehen und binnen weniger

Stunden wüssten wir unseren Status und ob Infektionsgefahr

Statistisch gesehen bin

ich in diesem Moment

höchstriskant.

besteht. So ist es alles ungewiss und wir können uns nur auf

Wahrscheinlichkeiten und Statistiken verlassen. Es folgen Zahlen,

Daten, Fakten.

Generell gilt, dass immer der Empfänger beim Sex das

größte Risiko trägt. Bei Heterosexuellen also die Frau und

bei Männern jener, der passiv ist. So wie ich es bei meinem

Geschlechtsverkehr war. Die Infektion geschieht in beiden Fällen

durch Schleimhautverletzungen. Entweder durch die in der

Vaginalschleimhaut oder in der Analschleimhaut. Bei Zweiterer

kommt es jedoch leichter zu Verletzungen, was das Ansteckungsrisiko

deutlich erhöht. Auch bei der Anzahl der Sexpartner

liegen Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), vorne.

Das alles steigert die Wahrscheinlichkeit

einer Infektion noch einmal

deutlich. Die Infektionsrate liegt bei

Vaginalverkehr bei 0,3 Prozent und

bei Analverkehr bei bis zu 3 Prozent.

Also bis zu zehn Mal so hoch. Statistisch

gesehen bin ich also in diesem

Moment höchstriskant.

Ich entscheide mich für eine Postexpositionsprophylaxe,

kurz PEP. Dabei handelt es sich um eine vierwöchige Therapie,

die die HI-Viren daran hindern sich im Körper festzusetzen.

Statistisch vermindert das die Möglichkeit einer Infektion um

weitere 90 Prozent. Der Arzt stellt mir das Rezept aus, macht

mich aber noch darauf aufmerksam, dass ich mein Rezept bei

der Bezirksstelle der Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK)

bewilligen lassen muss. Da heute Sonntag ist, gibt er mir PEP

für zwei Tage aus dem Medizinschrank der Station mit. Schließlich

ist es entscheidend, dass ich so früh wie möglich mit der

Therapie beginne. Am besten innerhalb von vier Stunden.

Maximal aber binnen von 48 Stunden. In diesem Zeitrahmen

bewege ich mich noch. Inzwischen liegt auch das Ergebnis

meines Schnelltests vor. Derweil bin ich HIV-negativ.

/ RAMBAZAMBA / 45


Die PEP-Thearpie dauert einen Monat lang, in dem der Patient zwei

verschiedene Medikamente (Truvada und Tivicay) nimmt. Kosten privat: 1800 Euro.

46 / / RAMBAZAMBA MIT SCHARF / /


l

i

t

m e l d e

s

SPIELBALL PATIENT

Am nächsten Tag hätte ich eigentlich Mitarbeitergespräch,

entschuldige mich aber aus gesundheitlichen Gründen. Das

hat jetzt Vorrang. Als ich beim Arzt in der WGKK Mariahilf

in sein Zimmer gerufen werde, grüßt er mich freundlich. Ich

reiche ihm das Rezept. Als er es mustert, ziehen sich seine

Mundwinkel nach unten. „Den Befund bitte“, sagt er. Ich

reiche ihm mein Rezept, auf dem nicht viel außer „Kondom

gerissen“ steht. „Dafür sind wir nicht zuständig.“ Obwohl ich

ihn verstanden habe, frage ich nach was er meint. Der Arzt

in der HIV-Abteilung hatte gemeint, dass ich es hier bewilligen

lassen könnte, sage ich ihm. „Das ist eine Fehlinformation“,

antwortet er. Ich versuche es weiter. Es sei dringend,

erkläre ich ihm. Ich hätte nur noch PEP für heute, ich dürfte

doch keinen Tag auslassen und überhaupt sei morgen ein

Feiertag, wodurch alle Stellen geschlossen sind. „Das tut mir

leid. Alles Gute“, schließt er das Gespräch ab und beendet

damit all meine Überzeugungsversuche. Eigentlich wäre der

Arzt verpflichtet gewesen sein Verneinen meines Antrages

schriftlich festzuhalten. Mit einem Abdruck eines „Nicht

bewilligt“-Stempels etwa. Er tut es nicht. Von dieser Pflicht

erfahre ich erst später von HIV-Spezialisten Dr. Lang. Keine

Bewilligung zu bekommen, heißt als Patient die Kosten selber

tragen zu müssen. Kostenpunkt: 1800 Euro.

Gesetzlich ist die Krankenkasse aber tatsächlich nicht

verpflichtet, mir die Therapie zu bewilligen. Die Politik hat

versagt, das zu regeln. Trotzdem bewilligt die WGKK in Einzelfällen

die PEP-Therapie. „Eine PEP wird grundsätzlich nach

sorgfältiger Einzelfallprüfung seitens der WGKK übernommen,

wenn ein erhöhtes Krankheitsrisiko nachweisbar ist

(z.B. Kondomriss). Die entsprechende Aufklärung, Indikationsstellung

und Verordnung muss durch eine Fachambulanz/ExpertInnen

erfolgen“, heißt es von Seiten der WGKK.

Ich fahre wieder ins AKH. Ich bin stinksauer. Ich glaube

im Krankenhaus falsch beraten worden zu sein. Dass meine

Situation nicht ernst genommen wurde. Und das, obwohl

es hier um mein Leben geht. Ich erreiche die HIV-Abteilung

noch kurz bevor sie zusperrt und bekomme noch einen Arzt

zu sprechen, Dr. Gerold Felician Lang. Ich erkläre ihm was

passiert ist. Für ihn nichts Unbekanntes.

„SIE MÜSSEN JETZT KÄMPFEN.“

Seit einigen Jahren erlebt Dr. Lang immer wieder nicht

nachvollziehbares Verhalten seitens der Krankenkassen in

ganz Österreich. So springt zum Beispiel in der Steiermark

in den meisten Fällen die Uni Klinik Graz mit ihrem eigenen

Budget ein und im Burgenland bewillige man nur in Härtefällen.

Eine österreichweit einheitliche Regelung gibt es nicht.

Die Kulanz entscheidet, berichtet mir Dr. Lang. Dr. Lang

erinnert sich auch an einen Fall, in dem ein 21-Jähriger von

mehreren Männern vergewaltigt wurde und die PEP anforderte.

Das Ansuchen wurde jedoch bei der ersten Anfrage

verweigert. „Er hätte ja nicht mitgehen müssen“, lautete die

Begründung. Dr. Lang musste schließlich damit drohen in die

Medien zu gehen, um eine Bewilligung zu erhalten. In Wien

allerdings gab es lange Zeit kein Problem bei der PEP-Vergabe,

erzählt HIV-Experte Dr. Lang.

s

t

b e ko m m

W a s

s t

W a s

u d

e

mm

W a n n

d i e

W a s

as

e o

W i e t e i l e i c h

s i n d

i e

p ?

W o

s o l l i c h

u

ssun

l

zula

Vo r a u s s e t z u n g e n

studienbeihilFenbehörde

e

r

a u s l a n d s s t u d

b e k o m m s t

W i e m e l d e i c h

c

i s t

g e h ö r t

e

h

m i c h

W

e

W e

g

d u

e c t s

- p u n k t e

e r a s m u s

e

b

g

s t u d i e r e n ?

t

s ,

e

z u

e i n

i c h e i n e F i n a n z i e l l e

W o z u i m a u s l a n d

n

W o

h

e r a s m u s + m o b i l i tät i n

F ö r d e r u n g s s t i p e n d i e n

i

m a u

o d e r

u n i

W a s s i n d

d e r s t a a t l

g zum

b o l o g n a

b r au c h t m a n

s

u

u m z u

b i n

+

e c t s -

p u n k t e

studium


i c h

s l a

m e i n s e m e s t e r e i n ?

F h ?

m o b i l i tä

e u r o pa

W e l c h e V o r a u s s e t z u n g e n

ö s t e r r e i c h i s c h e d a t e n b a n k

i

W a s i s t

e i n

l F t d

W a s i s t e

i n

e

i n

i r

W i e m e l d e i c h m i c h

W a s b e d e u t e n e c t s , s t e o p, V o . .

d o k to r at s ko l l e g s ?

W a n n

e r a s m u s +

i

W

e

i c h

us

c h u s

u s

z u s

Wa

W

s

i s t

Fö rder u n g

p

stipe

m ö c h t e

p r o m oV i e r e n

t i n e u r o pa

l

We e

ndien

Vo

auFnah meVe r F a h r e n u n d

studi e n r

V

c h e

l l -

u e d t s t

s ein i

m i c h z u

z u m p r o m oV i ere n

e i n e

m o b i l i tät

i c h e n

p r o m o V i e r e n ?

u n t e r s t ü t z u n g ?

i u m - a n e r k e n n u n g i n

V e r a n s ta l t u n g e n

a u F n a h m e V e r F a h r e n

s t u d i e r e n ? V e r b e s s e r u n g

lu s t

s

s o l l

i n e d

W e l c h e

e i n e s t u d i e n b e r e c h t i g u n g s p r ü F u n g ?

i c h

b e

d o k t o r a n d

n

d

s t u d i e r e n ?

e r F o lg t

immatrikulat

bekom m e i c h

W a s

i c h t u n g e n

s o l l i c h

o d e r t e i l z e i t s t u d i u m ?

W e g e

z u l a s s ung

d i

i c h

V e r a n s ta lt u

u nd

s t r u k t u r i e r t e p r o m o t i o n s p r o g r a m m e ?

gibt es

ng

n

es

e

enberecht

W e lt W e i t

e n

a

e i n au s l a n

zu m

b e t r e u u n g s z u s a g e

in europa

s t u d

F ö r d e r u n g s s t i p e n d i u m ?

d e r e u r o pä i s c h e

i

F ü r

W a h

d o k t o r a n d

i s s e r t a t

W a s

m u s s t

u n d

au F V e r ä n d e r u n g ?

t u

d i

F ö r d

b

r d

i n

e n u n

e r u n g e n

i c h

z u m

z u V e r anstalt

t e r

z u l a s s u n g

u n t e r l a g

i n n e n -

pa

p

s

i o n ?

s t i p e n d

W e l t W e i t

ö s t e r r e

u n d

i e n

e i n e

n g

g e e i g n e t ?

p r ü F u n g e

b e i h i l

ion und

h

,

e n

eine

um

und WeltW e i t

t ü

l

p r o m oV i e r e n

g e e

i g n e t ?

a g

l

i n n e n

lt

u n d

u n d

-

d u F ü r

. ?

z u l a s s u n g

d i e

d o k t o r a n d e n s t i p e n d

u n d d o k t o r a n d e n s t i p e n d i u m ?

V e r s t e h t m a n

i e n u n d

i c h ? s t i p e n d i e n / F ö r d e r u n g e n

d e i n e r

z u l a s s u n g z u einem dokt

m o b i l i tät s - u n d

s t u d i e n b e i h i l F e n ,

s

z u l a s s u n g z u m d o k to r at s s t u d i u m ?

a n

z u l a

e c t s

ss l a

u

s t u d i e r e n

zu

s t u d i u m

d s s e m

e m

e s e r

p ro m o Vi

s u

e n

Vi

i g u n g s p r ü F u n g ?

u

g e

t u d i e r e n

F e

inskription? n?

Finanzielle

n d

F r e m d s p r a c h e n - k e n n t n

p r ü F

a b s o lV i e r e n ?

?

n g s F r i s t e n ?

W a n n

uni oder

V e r e n ?

u n

unterstützung?

n ?

g e

n a

W i e

au F n a h m e V e r Fa h r e n u n d

s t u d i e r e n . at

Vo r d e r z u l a s s u n g

h o c h s c h u l r au m . Welche

t z u n g

e n

s t

z u m

W e r d e n

ungen u nd prüFungen

b e g

F a m i

i p e n d i e n

l

s t u d

i n n d e s

i

d e

u n d z u l a s s u n g s F r i s t e n ?

n

Wie

s t u d i u m s

z u m

lange dauert

u n t e r p r o m o t i o n ?

F o r s c h u n g s F ö r d e r u n g e n

e n

b e n öt i g t ?

s t u d i e n

a n ? z u l a s s un g z u m s t u d i u m

b

i u m

e

d i e

r s t

o h n e m a t u r a ?

i h

n

i

k o o p e r at i o n s p r o g r a m -

Wi e

s t u d

b z W. s ta n d o r t W e c h s e l

Fa n g e i c h

s t i p e n d

l

Vort

F

e

r

an?

kt

k

!

i u m

orat

e i n e s

i u m ?

ein doktora

a sstudium

i s s e

i e n u n d

Fh?

n ?

e s

b i n

ra

r

a n ?

m e l d e

z u l a s -

i c h

d o k to -

eile habe ich?

Vo r au s s e t z u n g e n

a

a t l i

c

s t u d i e n b e

Du bist einzigartig

Dein Studium ist es auch

Antworten auf Fragen rund um das Studium

findest du auf www.studiversum.at

h e

i h

n

i l F e

t

Entgeltliche Einschaltung

/ RAMBAZAMBA /

www.studiversum.at


Aber auch in Wien hat sich einiges verändert. Seit zwei

Jahren braucht es nun eine genaue Schilderung des „Sexualunfalls“.

Und seit drei Monaten sei es besonders schlimm,

da alle Bewilligungen „kategorisch“ abgelehnt werden. Als

Argument werden die „inflationären Kosten“ der PEP und eine

„Weisung von Oben“ hergenommen – das alles schildert mir Dr.

Lang. „Wir haben im Jahr 80 PEP-

Fälle. Wir sind das größte Zentrum in

Österreich mit 1.600 HIV-Patienten in

Behandlung. 80 Fälle ist nichts, das

sind in Wahrheit viel zu wenig – wenn

man sich überlegt, wie viele Risikokontakte

stattfinden müssen. Das als

großen Kostenfaktor aufzulisten, ist

lächerlich“, sagt Lang.

Alle Versuche von Dr. Lang eine rechtlich verbindliche Auskunft

zu bekommen, scheitern. In einer Mail verlangt er nach

klaren Richtlinien, wann eine PEP bewilligt wird. Ohne Erfolg.

Allerdings verweist man ihn darauf dieses Vorgehen als „edukative

Maßnahme“ der Patienten zu verstehen. Auf welcher

rechtlichen Grundlage, ist für ihn nicht nachvollziehbar. In der

Zwischenzeit erfährt er aber von einem Fall, bei dem die PEP

verweigert wurde, der Patient aber klagt und verliert. Angeblich

bereits in der ersten Instanz. „Wir würden alle so gerne dieses

Urteil lesen. Die Krankenkasse kennt das, stellt es uns aber

nicht zur Verfügung. Müssen sie auch nicht. Aber aus einem

Erstinstanzurteil eine rechtliche Verbindlichkeit abzuleiten und

die PEP nicht mehr zu bewilligen, ist vermessen. Erstinstanzliche

Urteile sind nicht verbindlich“, sagt Lang.

All das muss ich jetzt ignorieren. Für mich heißt es jetzt

nur eines: Mein Rezept bewilligt bekommen. Dr. Lang stellt mir

einen neuen Befund aus. In diesem gibt er an, dass ich abgelehnt

wurde, obwohl „Höchstrisiko“ bei mir besteht. Weiter

führt er an, dass dieses Vorgehen nicht nachvollziehbar sei

und gegen sämtliche internationale Leitlinien der PEP-Vergabe

verstößt. Schlussendlich schreiben wir auch, dass ich bei

einer erneuten Ablehnung gerichtlich klagen werde. Wieder

bekomme ich PEP für zwei Tage mit auf den Weg. „Sie müssen

jetzt kämpfen“, sagt er mir zum Abschied.

UNTER BEOBACHTUNG: DIE

MÄNNER AUF DER WATCHLIST

Da der Dienstag ein Feiertag ist, kann ich erst am Mittwoch

wieder um die PEP ansuchen. Das ist der vierte Tage seit

meiner möglichen Infektion. Ohne die Versorgung durch die

HIV-Abteilung wäre es für eine PEP-Therapie längst zu spät.

Diesmal gehe ich zur WGKK am AKH. Ich gebe der Ärztin dort

mein Rezept samt neuem Befund und werde nach längerer

Wartezeit in ihr Zimmer gerufen. „Ich habe das jetzt ausnahmsweise

bewilligt“, sagt sie mir. „Sie müssen wissen, wir

sind mit der Vergabe sehr restriktiv, also seien Sie vorsichtig.

Es gibt nämlich sehr wohl auch eine Watchlist, wie oft Sie bei

uns waren. Und weswegen.“ Ich beginne mit ihr zu diskutieren

und betone, dass mir das zum ersten Mal in meinen 28 Jahren

passiert und jedem das Kondom reißen kann. Auch heterosexuellen

Menschen. „Nein, es sind doch immer die MSM (Männer,

die Sex mit Männern haben), die hierherkommen.“ Nach diesen

Worten nehme ich mein bewilligtes Rezept und gehe. Die Pressestelle

der WGKK bestreitet auf Anfragen die Existenz einer

solchen Liste.

Ich fühle mich bloßgestellt und stelle mir vor, mir wäre das

mit 18 Jahren passiert, als ich noch nicht so viel Selbstvertrauen

hatte. Hätte ich das alles durchgezogen, oder hätte ich

verschüchtert aufgegeben? Oder

wenn ich gerade viel Stress in der

Ich fühle mich

Arbeit hätte und keine so verständnisvolle

Chefin? Immerhin habe ich

bloßgestellt und werde

deswegen mehrere Tage im Büro

wieder wütend.

gefehlt und mein Mitarbeitergespräch

abgesagt. Alles Dinge, die ich jetzt

nachholen muss. Ich bin mir nicht

sicher, ob das immer möglich wäre. Anstatt mir zu helfen, mich

zu beraten und zu versorgen, wurden mir Hürden in den Weg

gelegt. Auch auf mich wirkt es so, als ob man mir hier eine

Lehre erteilen will. Eine Lehre wofür? Ein gerissenes Kondom?

Schwulen Sex? Steht einer Krankenkasse irgendein moralisches

Urteil überhaupt zu? Ich halte die PEP jetzt in den Händen.

Diesmal hatte ich noch Glück. Ich weiß nicht was sein wird,

sollte mir das ein zweites Mal passieren. Schließlich gehöre ich

jetzt auch zu ihnen: den Männern auf der Watchlist. ●

Statement der WGKK:

Gibt es bei der WGKK eine Watchlist? Also eine Liste, auf

der vermerkt wird, wie oft und wieso jemand bei Ihnen

war? Nein, diese gibt es nicht.

... bezüglich der Kostenübernahme: Herr Dizdarevic hat die

PEP­Therapie auf Kosten der Wiener Gebietskrankenkasse

(WGKK) erhalten.

... bezüglich des Ablaufs: Die Rezepte für eine PEP­Therapie

werden prinzipiell direkt im ärztlichen Dienst der WGKK

des zuständigen Spitals bearbeitet. Herr Dizdarevic war

im AKH in der zuständigen Ambulanz, die auch das Rezept

ausgestellt hat. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

dieser Ambulanz hätten ihn zur Bewilligungsstelle

des AKH schicken müssen. Warum der Patient ins

Gesundheitszentrum Wien­Mariahilf gegangen ist, wissen

wir nicht. Der Arzt im Gesundheitszentrum Wien­Mariahilf

hat Herrn Dizdarevic aufgrund fehlender Befunde an die

zuständige Stelle ins AKH geschickt. Nach Rücksprache

mit der Ambulanz konnte die zuständige Ärztin der

Bewilligungsstelle im AKH das Rezept bearbeiten.

Statement Österreichische AIDS-Gesellschaft –

Dr. Horst Schalk, Vizepräsident der österreichischen

AIDS-Gesellschaft:

„Dass die PEP trotz Rezept eines HIV­Spezialisten immer

öfter durch die WGKK nicht bewilligt wird, ist uns

bekannt. Besonders in den Krankenhäusern ist das ein

Problem, weniger in den Praxen. Genaue Zahlen sind

uns leider nicht bekannt. Da es sich bei der PEP um eine

Prophylaxe handelt, ist die Krankenkasse gesetzlich

nicht dazu verpflichtet. Vergleichbar wäre das etwa mit

Schutzimpfungen, da besteht auch keine Pflicht. Wir

befinden uns allerdings momentan mit den Krankenkassen

in Verhandlungen und versuchen den Zugang zu der PEP

allgemein zu erleichtern.“

48 / RAMBAZAMBA /


FOTO © KHM-MUSEUMSVERBAND

SA | 7. OKT | 2017

IN GANZ ÖSTERREICH AB 18:00 | LANGENACHT.ORF.AT

TICKETS UNTER TICKETS.ORF.AT


KARRIERE & KOHLE

Studieren statt Saunieren

Von Andrea Grman

MEINUNG

Mehr Verantwortung,

bitte!

Wie wählst du das Unternehmen, in

dem du zukünftig arbeiten möchtest?

Gehalt? Prestige? Arbeitskollegen?

Das kann alles entscheidend sein,

wenn es darum geht, dass du dich

wertgeschätzt und wohl fühlst. Sehr

vielen jungen Menschen ist jedoch

eines zunehmend wichtiger: gesellschaftliche

Verantwortung. Studien

haben gezeigt, dass die sogenannte

„Generation Y“ - also alle zwischen

1980 und 2000 Geborenen - sich

vermehrt für soziale und ökologische

Probleme einsetzen. Und das nicht

nur privat: Sie möchten einer Arbeit

nachgehen, bei der sie einen positiven

Beitrag für ihre Gesellschaft

leisten können. Themen wie Kinderarbeit

und Ausbeutung in Entwicklungsländern

sind absolutes Tabu,

während fairer Handel und grüne

Energie großgeschrieben werden.

Unternehmen, die für junge, motivierte

Arbeitskräfte attraktiv bleiben

wollen, müssen sich somit gut

überlegen, wie sie in Zukunft handeln

möchten. Da zeigt sich: Man muss

nicht unbedingt im Chefsessel sitzen,

um etwas zu verändern.

grman@dasbiber.at

Coole

Sache!

Das Start-up

refugees{code} bringt

Flüchtlingen Programmieren

bei, um so ihre

Chancen am Arbeitsmarkt

zu erhöhen. Im

Herbst 2017 beginnt der

nächste Kurs.

Es gibt schon etliche

Carsharing-Anbieter.

Was ist bei euch

anders?

Im Vergleich zu

bisherigen Sharing-

Anbietern setzen wir

stark auf e-Mobilität.

Mit unseren Fahrzeugen

muss man

nie Parkplätze

suchen und bewegt

sich schneller durch

den Stau.

Seit August kann

man sich eure

e-Mopeds ausleihen.

Wie lange habt ihr

gearbeitet, um so

weit zu kommen?

Offiziell ging es

schon im November

2015 los. Wir haben unser

Unternehmen dann im April

3

FRAGEN AN:

Bojan Jukić

Co-Founder des e-Mobility

Start-ups goUrban

WebTipp

HERUMKOMMEN

Du möchtest viel reisen, dir fehlt aber

das nötige Kleingeld? Kein Problem!

Bei opportunitydesk.org findest du

zahlreiche internationale Stipendien,

Konferenzen und Praktika, für die du

dich bewerben kannst. So entdeckst

du die Welt - und es macht sich auch

noch gut im Lebenslauf.

von Andrea Grman

2016 gegründet. In

dieser Zeit haben wir

sehr viele wertvolle

Erfahrungen am

umkämpften Markt

gesammelt und den

Markteintritt gründlich

vorbereitet.

Wie komme ich zu

euren e-Mopeds??

Sehr einfach! Du findest

unsere App im

Store und kannst sie

herunterladen. Dort

siehst du auf einer

Karte alle Fahrzeuge

in deiner Umgebung

und kannst diese

buchen. Um unseren

Service nutzen zu

können, musst du

nur einen Autoführerschein

besitzen und über

18 Jahre alt sein.

Jakob Owens/unsplash, Marko Mestrović, GoUrban

50 / KARRIERE /


Wir feiern

Aktion

18. - 22. 9. 2017:

– 40 %

ab der Buchung

von 2 Kursen*

130 Jahre und alle

feiern mit!

Und so wird am 21. 9. 2017 gefeiert:

– Gratiskurse in der VHS Straßenbahn

– Minus 10 Euro auf die VHS science card

– Gratis Schnupperkurse

– Gratis Sprachberatung u.v.m.

Weitere Infos auf vhs.at/130Jahre

* ab der Buchung von 2 Kursen ist der günstigere Kurs um 40 % ermäßigt; gilt nur für Kurse

im Herbstsemester für dieselbe Person, bei Buchung vor Ort;

ausgenommen Lehrgänge, Einzelunterricht und höhere Bildungsabschlüsse;

die Aktion ist nicht mit anderen Rabatten kombinierbar, keine Online-Buchungen

www.vhs.at


„MIT DEM

ESSEN

KOMMT

DIE INTE-

GRATION“

Das einst türkische

Restaurant „Lale“ am

Brunnenmarkt wurde

vor sechs Monaten

vom 24-jährigen Syrer

Mohammad Halak

übernommen.

52 / KARRIERE /


In Wien eröffnen immer

mehr syrische Restaurants.

Das schafft Arbeitsplätze

und integriert. Doch viele

der Jungunternehmer

sind mit der Bürokratie

überfordert und auch

die österreichischen

Gäste bleiben aus. Ein

Lokalaugenschein.

Von Melisa Erkurt und Bilal Albeirouti,

Fotos: Christoph Liebentritt

Von Außen merkt man keinen Unterschied.

Noch immer ziert der „Lale“-

Schriftzug die Außenfassade, noch

immer riecht es beim Vorbeigehen nach

orientalischen Gewürzen – selbst die

Einrichtung ist immer noch die gleiche. Doch das türkische

Restaurant „Lale“ wurde vor sechs Monaten vom

24-jährigen Syrer Mohammad Halak übernommen. Das

Lale ist jetzt ein syrisches Restaurant, mittlerweile eines

von vielen. Denn seit der Flüchtlingswelle sperrt in Wien

gefühlt fast täglich „ein Syrer“ auf.

Für Österreicher fast unbemerkt,

denn ob der Kebap jetzt Schawarma

heißt, macht für viele kaum einen

Unterschied. Doch für Syrer bedeuten

ihre Restaurants eine Menge

– sie schaffen neue Arbeitsplätze –

aber vor allem bringen sie auch ein

Stück Heimat nach Österreich.

„Kultur wird über das Essen

weitergegeben. Durch das syrische

Essen behalten wir unsere Kultur

bei und können diese den Österreichern

näherbringen“, erzählt Hussen

Alhassan, der vor zehn Monaten

das Imbiss-Restaurant „Hum Yum“

in Favoriten eröffnet hat. Alhassan

kommt aus Aleppo, seit drei Jahren

lebt er in Österreich. „Mit dem Essen

kommt die Integration“, sagt der

Syrer. In Österreich sein eigener

Chef zu sein gibt ihm aber auch

Selbstbewusstsein. In Aleppo war

Alhassan als Computeringenieur in einer Führungsposition,

in Österreich war er Flüchtling und angewiesen auf

Sozialleistungen. Das ändert sich mit seinem Imbiss-

Restaurant. Er beschäftigt jetzt selber elf Mitarbeiter,

alles syrische Flüchtlinge, die ohne Deutschkenntnisse

woanders schwer eine Arbeit gefunden hätten.

Arbeit, die bitter nötig ist: 75 Prozent der Syrer in

Österreich sind derzeit arbeitslos oder in Schulung und

leben von Sozialhilfe. Etwa 200 Syrer sind offiziell als

selbstständig gemeldet. Aktuell sind laut Wirtschaftskammer

0,4 Prozent aller Mitglieder der Fachgruppe

Gastronomie und 1,2 Prozent der Mitglieder mit nichtösterreichischer

Staatsbürgerschaft in der Fachgruppe

Gastronomie in Wien syrischer Herkunft. Wie viele

syrische Restaurants es genau gibt, darüber gibt es

keine Auskunft. Unser syrischer Redakteur hat in Wien

25 ausfindig gemacht.

Flüchtlinge schaffen Arbeitsplätze für Flüchtlinge –

klingt eigentlich alles prima, doch ein Problem gibt es:

Viele der Jungunternehmer haben keine Erfahrung in

der Gastronomie und müssen nach wenigen Wochen

schon wieder schließen, weil sie mit der Bürokratie überfordert

sind.

SCHEITERN AN DER BÜROKRATIE

„95 Prozent jener Syrer, die hier ein Restaurant aufmachen,

haben keine Kenntnisse über die Gesetze, Steuern

und Kalkulationen. Die Gewinnspanne eines Restaurants

in Syrien ist sehr hoch, in Österreich dagegen muss

man viele Abgaben leisten, das wissen viele Syrer nicht,

Hum Yum Chef Alhassan plant schon weitere Standorte.

/ KARRIERE / 53


wenn sie in Österreich ein Restaurant eröffnen“, erzählt

Ali Shik, der vor einem Monat das syrische Restaurant

„Papay“ im zehnten Bezirk eröffnet hat. „Finanzamt,

Steuerberater, Krankenkasse – damit sind die meisten

überfordert“, sagt Shik, der bereits in den 90ern nach

Österreich kam und lange in einem italienischen Restaurant

arbeitete. Auch in Gesprächen zwischen biber und

fünfzehn syrischen Restaurantbesitzern zeigt sich, dass

alle die Bürokratie in Österreich unterschätzt hatten.

Mirvat Yasin schüttelt noch immer den Kopf, wenn

sie daran denkt, dass sie das Hin und Her wegen der

Lüftungsanlage mit dem Magistrat zwei Jahre gekostet

hat. 2013 eröffnen sie und ihr Mann das

syrische Restaurant „Jasmin al Sham“ im

19. Bezirk. Damals gibt es nur ungefähr

fünf syrische Restaurants in Wien.

Heute beschäftigen sie 25 Mitarbeiter,

alles syrische Flüchtlinge. Viele ihrer

ehemaligen Mitarbeiter haben mittlerweile

ein eigenes Restaurant eröffnet.

Direkt gegenüber von „Jasmin

al Sham“ befindet sich ein syrischer

Imbiss, das „Tommy’s“. Mirvat sieht kein

Problem in der Konkurrenz. „Das einzige,

was ich schlecht finde, ist, dass manche

Schawarma für einen Euro anbieten, das geht

nicht.“ In Mirvats Restaurant bekommt man Schawarma

für 2,50, das ist derzeit der gängige Preis für das Döner

ähnliche arabische Traditionsgericht. Doch nicht nur das

Essen, auch die Wasserpfeifen machen einen großen

Teil des Gewinns aus. Das Rauchergesetz 2018 trifft

viele syrische Restaurants daher hart.

„Es gibt

gar nicht so

viele syrische

Köche, wie es

Restaurants

gibt.“

SELBSTSTÄNDIGKEIT STATT

SOZIALLEISTUNGEN

Auch Halak, der das „Lale“ übernommen hat und noch

immer unter demselben Namen führt, schüttelt den

Kopf. Der junge Syrer ist überfordert. Er wünscht sich

vor allem jetzt in der Anfangszeit Unterstützung von

der Wirtschaftskammer. „Ich habe monatliche Ausgaben

von 12.000 Euro und keinen, der mir erklärt, was

ich besser machen könnte“, sagt der 24-Jährige, der

in seiner Heimat Wirtschaft studiert hat und seit zwei

Jahren in Österreich lebt. Weil der junge Syrer nicht

von Sozialleistungen leben wollte, hat er sich selbstständig

gemacht. Das Geld für das Restaurant

hat er noch aus Syrien, wie die meisten der

syrischen Gastronomen.

„Wir sind nicht arm, wir sind ja

nicht vor der Armut, sondern vor dem

Krieg geflohen“, versucht Alhassan

von „Hum Yum“ zu erklären, woher

die syrischen Flüchtlinge das Geld

haben, ein Restaurant zu eröffnen.

„Viele hatten in ihrer Heimat Geld

gespart oder haben Grundstücke,

Immobilien und Felder verkauft“, sagt der

40-Jährige. Tatsächlich geben fast alle der

fünfzehn syrischen Restaurantbesitzer, mit denen

für diesen Artikel gesprochen wurde, an, das Geld aus

Grundstücksverkäufen in Syrien zu haben.

Schnell wird klar: Geld ist nicht das größte Problem.

Das fehlende professionelle Personal macht den Jungunternehmern

viel eher zu schaffen. „Neulich hatten

wir ein Bewerbungsgespräch mit einem syrischen Koch

aus Villach, weil es in Wien einfach nicht mehr ausgebildetes

syrisches Personal gibt“, erzählt Alhassan. Nicht

nur die Restaurantbesitzer, auch

die meisten der Mitarbeiter haben

davor nie in der Gastronomie gearbeitet,

manche haben ihre ersten

Erfahrungen auf der Flucht in der

Türkei gesammelt, die meisten aber

arbeiten das erste Mal in Österreich

in der Küche oder im Service. Alhassan

sieht darin auch einen weiteren

Grund, wieso viele Syrer nach ein

paar Wochen ihr Restaurant wieder

schließen müssen: „Wenn die Mitarbeiter

keine Profis sind, passt die

Qualität auch nicht.“

Ali Tag leitet das „Zeno“, ein kleines Restaurant in Favoriten, in dem alle Zutaten

frisch vom Markt beschafft werden.

DER ERSTE SYRISCHE

SUPERMARKT IN WIEN

Das kann auch Ali Tag bestätigen.

Der 50-Jährige lebt seit 25 Jahren

in Österreich. Seit 2016 leitet er das

kleine syrische Restaurant „Zeno“

in Favoriten, davor hat er jahrelang

in der Gastro gearbeitet. „Es gibt

54 / KARRIERE /


mittlerweile gar nicht mehr so viele syrische Köche, wie

es syrische Restaurants in Wien gibt“, erzählt der gebürtige

Syrer. „Viele Syrer sehen, dass die Restaurants gut

laufen und wollen deshalb auch eines aufmachen, aber

weiter denken sie nicht“, so Tag. „Sie wissen nicht einmal,

wo sie die Lebensmittel herbekommen.“ Er selbst

kauft frisch vom Markt, beim Ägypter und beim Türken

ein. Vor kurzem hat der syrische Supermarkt „Durra“ am

Gürtel aufgemacht, davon ist Tag begeistert. „Original

syrische Produkte, die es davor nirgends zu finden gab

und tolle Mehlspeisen“, schwärmt er.

Syrische Restaurants gibt es mittlerweile einige,

aber syrische Lebensmittel waren bisher schwieriger

zu beschaffen. Das ändert sich mit der Eröffnung von

„Durra“ im Juli 2017 am Neubaugürtel. Im Supermarkt

mit angeschlossenem kleinen Restaurant, in dem frisch

Mehlspeisen zubereitet werden, ist bereits einen Monat

nach Eröffnung viel los, vor allem arabische Kundschaft

reiht sich in der Kassa-Schlange. Der Chef Emad Aldurra

ist in Syrien jedem ein Name. Seiner Familie gehört der

Lebensmittelhersteller „Durra“.

Emad Aldurra wohnt in Jordanien, kommt aber

ursprünglich aus Syrien. Seit zwei Monaten ist er in

Österreich, um das Geschäft zu eröffnen. Als nächstes

möchte der 37-Jährige einen Supermarkt mit Restaurant

im November in Stuttgart eröffnen. „Ich möchte in

jedem europäischen Land, in dem es viele Syrer gibt, ein

Durra ist der erste syrische Supermarkt in Österreich.

Neben Lebensmitteln werden hier frische Mehlspeisen

und Süßigkeiten zubereitet.

9 – 18 UHR, 1170 WIEN, RICHTHAUSENSTR. 2

Mistfest

2017

Bezahlte Anzeige

www.abfall.wien.at

die48er


„Durra“ eröffnen. In Wien beschäftigt

er 20 Mitarbeiter, darunter auch

Österreicher.

„MEHR ÖSTERREICHER,

BITTE!“

Außer bei „Jasmin al Sham“, das

sich nach über vier Jahren bereits

bei Österreichern einen Namen

gemacht hat, und bei „Lale“, das

viele noch immer für das gewohnte

türkische Restaurant halten, ist

der Großteil der Kundschaft der

syrischen Restaurants arabisch. „Oft

kommen türkische Gäste, aber wenn

sie sehen, dass das Lale jetzt syrisch

ist, gehen sie wieder“, erzählt Halak.

Seine österreichische Kundschaft

stört es dagegen nicht, dass das

Lale jetzt in syrischer Hand ist. Für

sie hat Halak extra Schnitzel auf der

Karte und auch türkischen Kebap,

falls jemandem die Schawarma nicht

schmeckt.

„Wir müssen unsere Gerichte dem österreichischen

Geschmack anpassen“, sagt Hekmat Kotish, der seit fast

zwei Jahren in Österreich lebt und plant ein syrisches

Restaurant zu eröffnen. „Wir brauchen mehr Vegetarisches

auf der Karte und müssen mit weniger Fett

kochen“, weiß er. Restaurants wie „Zina’s“, „Habibi und

Hawara“ und „Zsam-Zsam“ haben das bereits umgesetzt.

„Die machen ein gutes Geschäft, weil dort hauptsächlich

Österreicher essen“, sagt Kotish. Ein weiterer

Grund, wieso die meisten syrischen Restaurants nur

arabische Kundschaft haben: Im Gegensatz zu Zina’s“,

„Habibi und Hawara“ und „Zsam-Zsam“ wird in fast

allen der anderen syrischen Restaurants kein Alkohol

ausgeschenkt. „Wenn in einem syrischen Lokal Alkohol

ausgeschenkt wird, schreibt jemand in die „Syrer in

Österreich“ Facebook-Gruppe, die über 39.000 Mitglieder

fasst, dass man nicht in dieses Lokal gehen soll. Es

wird Druck auf die Gastronomen ausgeübt“, erzählt ein

junger Syrer.

Aber können die Restaurants überleben, wenn sie

nur auf syrische Kundschaft angewiesen sind? Noch

immer sind die meisten Syrer in Wien Flüchtlinge mit

wenig Einkommen. „Wenn am 27. des Monats das Geld

vom Sozialamt kommt, ist in den syrischen Restaurants

immer viel los, in den darauffolgenden Wochen kommen

immer weniger“, weiß Kotish. Der 36-Jährige möchte

unbedingt ein Restaurant eröffnen und es internationaler

ausrichten, auch um den Österreichern seine

Dankbarkeit zu zeigen: „Wir sind dankbar für alles, was

wir in Österreich bekommen und wollen Österreich mit

unserem Essen etwas zurückgeben.“●

Das Durra hat erst im Juli eröffnet, ist aber schon so erfolgreich, dass weitere

Standorte in Wien und anderen europäischen Städten geplant sind.

Syrische Restaurants in Wien – eine Sammlung

von biber-Redakteur Bilal Albeirouti:

Zina´s, Praterstrasse 55, 1020

Zeno, Senefeldergasse 14, 1100

Alraian, Mariahilfer Gürtel 3, 1150

Lale, Brunnengasse 51, 1160

Layali Alsham, Migerkastrasse 5, 1100

Bauabet Alschark, Huttengasse 45, 1160

Papay, Keplergasse 7, 1100

Maya, Lerchenfelder Gürtel 55A, 1160

Sindbad, Hernalser Gürtel 39, 1170

Hum Yum, Columbusgasse 61 , 1100

Tarbush, Schröttergasse 3, 1100

Layali Alons, Laxenburgerstrasse 14, 1100

Alarabi excellence, Arbeitergasse 20, 1050

Bab Tooma, Schönbrunner Strasse 86, 1050

Habibi & Hawara , Wipplingerstasse 29, 1010

Zsam Zsam, Vivenotgasse 8, 1120

Syriacus-Damas, Hamburger Strasse 16, 1050

Jasmin Alsham, Heiligenstädterstraße 9, 1190

Castle, Laxenburger Strasse 80, 1100

Laziza, Haberlgasse 53, 1160

Bab Alhara, Lerchenfelder Gürtel 19, 1160

Falafel Maria, Thaliastraße 59, 1160

Falafel Abo Noor, Brunnengasse 59, 1160

Burger Haus, Längenfeldgasse 4, 1120

Afamia Lounge, Herbststraße 2, 1160

56 / KARRIERE /


»Worauf es ankommt,

ist dein

Engagement –

egal, woher du

kommst.«

Mahmudur Rahman

Z:Ö Integrationsbotschafter

mit Wurzeln in Bangladesch

Die Integrationsbotschafter/innen von ZUSAMMEN:ÖSTERREICH kommen an deine Schule und diskutieren

mit dir und deiner Klasse, was zu einer erfolgreichen Integration gehört und wie man Vorurteile abbauen

und Motivation schaffen kann.

Jetzt kostenlosen Schulbesuch buchen!

T 01/715 10 51 – 222 | M 0676/55 33 987 | E zusammen-oesterreich@integrationsfonds.at

www.zusammen-oesterreich.at


Selbermacherin

Um den

Kopf

gewickelt

Bei Blanka Slak Rupnik dreht

sich alles um den Turban. Wie das

extravagante Accessoire das Leben

der Slowenin veränderte, und von

Wien aus die ganze Welt erobern soll.

Von Nada El-Azar, Foto: Zoe Opratko

Woher das mit den Turbanen

kommt, ist eine weniger

glamouröse Geschichte, als

es nach außen hin aussieht“, erzählt die

29-jährige Designerin. Ihre Großmutter

mütterlicherseits, eine modische und

temperamentvolle Italienerin, brachte

ihr das Nähen bei. „Sie hatte immer

diesen Coco-Chanel-Flair“, erinnert sie

sich zurück. Als Blanka etwa 18 Jahre

alt war, erkrankte ihre Großmutter an

Krebs und verlor ihr ganzes Haar. Um

58 / KARRIERE /


ihr in Zeiten der Krankheit ein bisschen

Glamour zurückzugeben, begann ihre

Enkelin verzierte Turbane für sie zu

nähen.

TURBAN STATT HIDJAB

Heute verkauft Blanka ihre Turbane

unter dem Namen „TRIBBE Hats By

Blanka “ in ihrem Online-Shop. Der

Kopfschmuck verleiht seiner Trägerin

Stärke und Selbstbewusstsein – dass

ihre Kundinnen sich so fühlen, ist für

Blanka ein großer Antrieb: „Ich hätte

niemals gedacht, dass ein Stück aus

einer so traurigen Zeit in meinem Leben

so vielen Menschen so große Freude

bereiten könnte.“ Eigentlich ist Blanka

Psychologin, aber das hing sie an

den Nagel, nachdem die Turbane die

Oberhand über ihr Leben gewannen.

Ihre Ausbildung hilft ihr allerdings dabei,

besser auf die Bedürfnisse ihrer Kundinnen

eingehen zu können. Viele muslimische

Frauen ziehen Blankas Turbane

als stylische Alternative einem gewöhnlichen

Kopftuch vor. „Neben Russinnen

gehören Araberinnen zu meinen besten

Kunden!“, lächelt sie stolz.

GESCHÄFTSFRAU UND MUTTER

Blanka ist ehrgeizige Geschäftsfrau und

dreifache Mutter – Selbstständigkeit und

Familie unter einen Hut zu bringen, ist für

die Powerfrau ein ständiger Balanceakt.

„Wenn ich mit meinen Kindern zusammen

bin, vermisse ich die Arbeit. Wenn

ich arbeite, ist es umgekehrt!“ Blankas

vierjährige Tochter steht gerne mal auf

Instagram als Mini-Testimonial vor der

Kamera. Als Mutter erlaubt sich Blanka

nicht, Party zu machen. Ihre ganze

jugendliche Verspieltheit spiegelt sich

dafür in ihren Designs wider.

Gerade laufen die Vorbereitungen für

die Eröffnung ihrer ersten Boutique am

21. September 2017 in der Bognergasse

7 im Wiener Goldenen Quartier auf

Hochtouren. Das Innenleben bestimmt

sie – der Laden ist eine Repräsentation

ihres Selbst. Wien sollte der Dreh- und

Angelpunkt in ihrer Karriere bleiben, aber

dies ist erst der Anfang. „In 10 Jahren

möchte ich Läden in Berlin, Bangkok und

New York eröffnet haben.“ ●

WKO-WIEN HILFT

Im Gründerservice der WKO­Wien

kann man bei einem Beratungsgespräch

alle Fragen stellen, die

die Gründung eines Unternehmens

betreffen. Im Vorhinein kann man

sich auch schon eigenständig

online informieren. Ob generelle

Tipps zur Selbstständigkeit,

rechtliche Voraussetzungen, Amtswege

oder Finanzierungs­ und

Förderungsmöglichkeiten: Auf der

Website kommt man mit wenigen

Klicks zu allen wichtigen Informationen.

wko.at/wien

www.gruenderservice.at

Die Selbermacherin-Serie ist eine

redaktionelle Kooperation von das

biber mit der Wirtschaftskammer

Wien.

DER ERSTE

SCHRITT ZUM

ERFOLG!

»

IHR SERVICEKONTAKT

+43 1 514 50 - 1050

Das WK Wien-Servicepaket ist randvoll mit Unterstützung, Beratung und

ExpertInnenkontakten. Besonders bei der Beratung zur Unternehmensgründung.

W wko.at/wien/gruenden


TECHNIK & MOBIL

Alt+F4 und der Tag gehört dir.

Von Adam Bezeczky

MEINUNG

Alle wollen

Hacker sein

Das Bild der Hacker hat sich

gewandelt. Früher wurden sie als

Aussätzige porträtiert, als Geeks

ohne Leben und ohne Freundin,

die nur vor dem Rechner

hockten. Inzwischen, in unser

immer stärker computerisierten

Welt, hat der Begriff dank Marketing

eine völlig neue Bedeutung.

Jedes YouTube-Tutorial ist schon

ein „hack“. Großteils sind das

aber solche „nonaned“ Tipps, die

jede(r) mit ein bisschen Hausverstand

drauf hat. Das gleiche gilt

übrigens für „Punk“ und „Pirat“ –

viele lauwarme Veranstaltungen

bedienen sich dieser Begriffe,

die nix mit ihrem eigentlichen

Sinn zu tun haben. Klar, Sprache

verändert sich – aber bitte, nur

weil man eine Nieten-Lederjacke

trägt, wird man nicht zum Punk.

Und durch einen „YouTube Life

Hack“ auch nicht zum Hacker.

bezeczky@dasbiber.at

Drohnen-

Versicherung

Sie sind überall – Drohnen!

In der Steiermark werden

sie bereits bejagt (ein

Jäger hat eines einfach

abgeschossen), aber auch

ein kleiner technischer

Defekt reicht für einen

Absturz. Was viele nicht

wissen: Drohnen ab 250

Gramm Gewicht müssen extra versichert

werden, sie gelten nicht mehr als Spielzeug,

sondern als Luftfahrzeug. Die Wiener Städtische

versichert Luftfahrzeuge der 1. Klasse

mit einer eigenen Drohnen-Versicherung – ein

gutes Investment, wenn so ein Teil einmal vom

Himmel fällt.

Farbklecks

Im hyper-farbenfrohen Shooter „Splatoon 2“

auf der Nintendo Switch geht’s um eines: den

Gegner mit möglichst viel Farbe zuzukleistern.

Der kinderfreundliche Shooter in der dritten Person

unterhält mit spannenden Levels und einer

bunten Story. Unterstütze die Inklinge im Kampf

gegen die fiesen Ocatrianer!

Cyborg-

Bakterien

mit Solarzellen

Pflanzen erzeugen über

die Photosynthese Sauerstoff.

Bakterien der

Gattung Moorella thermoacetica,

die zunächst

mit Cadmium und der

Aminosäure Cyston

gefüttert werden, entwickeln

Mini-Solarzellen auf

ihrem Körper und steigern

die Wirksamkeit bei der

Photosynthese auf 80

Prozent. Pflanzen schaffen

im Vergleich nur mickrige

zwei Prozent. Bald erzeugen

wir vielleicht Strom

aus Cyborg-Bakterien.

DAS SUPER-HANDYBATTLE

Die Spitzenmodelle iPhone 8 und Samsung Note 8 liefern

sich einen spannenden Kampf. Das Note 8 punktet mit Stift

und DeX-Bidlschrim und Maus-Kompatibiliät, das iPhone X mit

Gesichtsscanner. Hardwaretechnisch und preislich sind beide

Modelle jedenfalls im Spitzensegment angesiedelt: Jenseits der

999 Euro Grenze müssen Fans tief in die Tasche greifen.

bereitgestellt, Apple, Marko Mestrović

60 / TECHNIK /


Der ökologische

Stromtarif

Der flexible

Erdgastarif

Der Stromtarif für

Photovoltaik-

Anlagen

HOLEN SIE SICH JETZT

DEN ENERGIE-TARIF,

DER IN IHR LEBEN PASST!

Ganz einfach auf wienenergie.at/tarife

Der Erdgastarif für

Webbegeisterte

Der Stromtarif für

Nachteulen

Der fixe

Erdgastarif

Der Stromtarif

ohne Bindung

Der flexible und

sichere Stromtarif

Flexibel je nach Marktlage oder mit Fixpreisgarantie? 100% ökologisch oder

beste Preis-Leistung? Unsere bunten Strom- und Erdgas-Tarife bieten für

jeden genau das Richtige. Welcher passt zu Ihnen? Finden Sie es mit unserem

Tarifempfehler ganz einfach heraus auf wienenergie.at/tarife

www.wienenergie.at

Wasserkraft 45,83 %

Windenergie 9,09 %

feste oder flüssige Biomasse 3,42 %

Sonnenenergie 1,03 %

Erdgas 39,62 %

sonstige Ökoenergie 1,01 %

CO 2 -Emissionen

radioaktiver Abfall

131,55 g/kWh

0,00000 mg/kWh

Wien Energie Vertrieb, ein Unternehmen der EnergieAllianz Austria.

Stromkennzeichnung des Lieferanten: Gemäß § 78 Abs. 1 und 2 ElWOG 2010 und

Stromkennzeichnungsverordnung hat die Wien Energie Vertrieb GmbH & Co KG

im Zeitraum 1.1.2016–31.12.2016 auf Basis der in der nebenstehenden Tabelle

angeführten Primärenergieträger Strom an Endverbraucher verkauft. Die Herkunftsnachweise

stammen aus Österreich (86,65 %) und Norwegen (13,35 %). Das

Erdgas wird mit höchster Effizienz in modernen KWK-Kraftwerken zur gleich zeitigen

Erzeugung von Strom und Fernwärme eingesetzt. Gemäß § 78 Abs. 2 ElWOG

2010 und Stromkennzeichnungsverordnung entstanden bei der Stromerzeugung

in diesem Zeitraum nebenstehende Umweltauswirkungen. Unsere Lieferungen

sind frei von Atomstrom. Bei der Erzeugung entstehen keine radioaktiven Abfälle.


MEINUNG

So schwanger

Ich habe die Eleganz eines Sumoringers. Und

funktioniere nur mehr breitbeinig. Kleider hindern

mich nicht daran. Wenn ich gehe, rudere ich mich

nach vorne, während ich seitlich im Pinguintakt

schwanke. Für meine Grazie gibt es viele Vergleiche.

Außerdem stöhne ich. Ich stöhne, wenn ich

mich hinsetzte (erleichtert), ich stöhne, wenn ich

vom Sofa aufstehe (hilflos) und ich stöhne bei

Steigungen und Stiegen (Lokomotive). Dies ist

mein Lifestyle. Ich bin schwanger. Wie Frauen ohne

Partner das managen, kann ich nur bewundern. Ich

brauche Hilfe beim Sockenanziehen wie Denken.

Konzentration = Fehlanzeige. Obwohl nichts mehr

so „geht“ wie vorher und mein ökologischer Fußabdruck

dank 11 Kilo mehr und fremdgesteuerter

Lust auf Schweinefleisch

nun deutlich tiefer einsinkt, möchte ich

nicht mehr ohne Bauch. Erstens kann ich

mich nun legal auf den „Behinderten“-

Sitzen in der U-Bahn niederlassen. Und

zweitens: Dieser Bauch beweist mir

jeden Tag, was für ein vollautomatisches

High-Tech-Wunder der weibliche Körper

ist. Frauen = Wahnsinn. Und Stars von

Beyoncé bis Serena W. zelebrieren dieses

Wunder. Galt „Mami-Werden“ früher

als Emanzipationsniederlage, wird der

Bauch heuer zum Ur-Symbol von starken

Frauen. Ich hoffe, das ist nicht nur ein

PR-Gag. Denn nun watschle ich selig in

die Karenz und sage Aufwiedersehen!

Drop the mic - Antia out.

antia@dasbiber.at

LIFE & STYLE

Ciao,

Ich werd dann mal Mama

Von Delna Antia

HAUTTIPP

Perfekte

Wassereinlagerung

Wirkt! Dieses Beauty-

Elixier des steirischen

Natur-Labels Ringana

spendet Feuchtigkeit

genau da, wo man sie

haben will. Nämlich im

Gesicht – für ein frisches

Babyface.

Big Summit am Rathaus:

Ein Bauch und ein Bürgermeister.

Farbtipp

ROT, BABY

Rot ist DAS Muss diese Saison.

Auch im Kreißsaal. So empfehlen

die allgemeinen „Checklists“

für den Geburts-Koffer auch

Make-Up für die Mami. Mein

Tipp: „Flame“ Lippenstift

von Tom Ford und alle

so: Mamma mia!

FASHIONTIPP

Kein Style für Bäuche

Die Schwangerschaftsabteilung von H&M

empfehle ich Businessfrauen. Oder Frauen,

die bald nach Sylt reisen. Schwangeren

empfehle ich sie jedenfalls nicht. Bei all

den Nadelstreifen, gedeckten Farben

und blau-weiß-Gestreiftem wird man

nur depressiv. Die Abteilung suggeriert:

Kaschiere den Bauch, „hübsch“

war gestern. Dabei will ich

doch protzen. Außerdem,

welcher Mensch mit Wassereinlagerungen

möchte

ernsthaft Skinny-Jeans

mit Reißverschlüssen an

den Waden tragen? Selbst

spezielle „Mami-Geschäfte“

konnten den Shoppingfrust

nicht beheben: „Grannys

werden Mütter“ hieß wohl

die Kollektion der Saison.

Leute, mehr Bauch, Busen

und Beine sind doch bitte

kein Style-Umstand!

Tipp: Ausnahmen bestätigen

die Regel! Das neue

H&M-Dress für Bellys in Red

H&M, Dragan Tatić, Marko Mestrović, Ringana, Tom Ford

62 / LIFESTYLE /


Meine Karte. Meine Filme. Meine Mädels.

Nur 24,90 Euro im Monat.

Kino ohne Limit. Gilt für alle Tage, beinhaltet

alle Zuschläge für 3D, Loge, VIP, iSens.

Jetzt beantragen auf uci-kinowelt.at

KINOWELT


MEIN FREUND

IST SCHWANGER

Es kann auch Männern passieren.

Von Delna Antia, Fotos: Dragan Tatić

Schwangerschaft

liegt im

Trend. Sowohl

was die Statistik

betrifft als auch den

Lifestyle. Der Babybauch,

so könnte

man meinen, wächst

zum feministischen

Symbol: Beyonce

performte als

Fruchtbarkeitsgöttin,

Serena posierte

als Amazone am

ELLE-Cover und Gal

Gadot mimte im 5.

Monat noch Wonder

Woman. Starke Frauen sind schwanger,

so die Message. Nun, nicht nur

starke Frauen. Mein Freund ist auch

schwanger. Und er ist stark dabei.

Seine Schwangerschaft verläuft

Gott sei Dank gut. Die ersten Unwohligkeiten

haben sich eingependelt

und er muss nur noch höchstens drei

Mal am Tag weinen. Aber wie jede

Schwangere aus Erfahrung weiß, es

sind die ersten drei Monate, die es in

sich haben. Mein Freund litt etwa unter

Schwindelattacken beim Duschen. Er

sprach von plötzlichem Unterleibsziehen

im Bett (und das, obwohl er bis

dato den Unterleib nicht vom Magen

unterscheiden konnte, sondern alles

jenseits der Brust als „Bauch“ empfand).

Auch den morgendlichen Kaffee

brachte mein Freund auf einmal nicht

mehr hinunter. Zu salzig schmeckte

ihm dieser. Wir recherchierten natürlich,

ob seine Symptome ernsthaft

bedrohlich sind, doch es zeigte sich:

Das Phänomen ist bekannt. „Couvade-

Syndrom“ nennt die Medizin es, wenn

Männer unter Schwangerschaftssymptomen

leiden. Das beruhigte ihn.

Seine Schwangerschaft verläuft Gott sei Dank gut. Die ersten Unwohligkeiten

haben sich eingependelt und er besitzt den Pregnancy-Glow.

Überhaupt bildete er sich in kurzer

Zeit zum Ssw-Experten aus. (Für

Nicht-Schwangere, Ssw = Schwangerschaftswoche)

Am liebsten surfte er

auf netmoms.de und fragmutti.at. Bald

warf er nur mehr mit Fachvokabular

um sich: Er sprach vom Trimenon, von

Bonding, Bugaboos und konnte mir

das Braxton-Hicks-Syndrom im Detail

erklären (= Übungswehen).

STILL-DISKRIMINIERUNG

Doch leider ist das Internet auch

für den stärksten Schwangeren ein

schwarzmalender Ratgeber. So wurde

mein sonst so gelassen veranlagter

Freund zunehmend zur Nervensäge.

Er machte sich Sorgen um alles.

Ich musste ein Machtwort sprechen

und das Internet bekam eine Kindersicherung.

So begann er allmählich

seine Schwangerschaft zu genießen.

Freunde sprachen ihn bald schon auf

seinen „Pregnancy-Glow“ an – dieses

tiefere, innere Strahlen und selige

Lächeln, das ihn nun umgab. Und sein

Haar erschien voller, es glänzte.

Wie bei den meisten Schwangeren

pendelten sich

die anfänglichen

Symptome im zweiten

Drittel ein. Der

Kaffee schmeckt

nun wieder und über

Schwindel klagt mein

Freund kaum noch.

Lediglich krampft

sich sein Unterleib

schmerzhaft zusammen

und er presst

seine Augenlider

aufeinander, sobald

es um das Thema

der Geburt geht.

Wir hoffen, dass er

sie gut überstehen wird. Für Dammöl

ist er jedoch noch nicht offen. Allerdings

für Sonnenmilch. So achtete er

im Sommerurlaub erstmals auf seine

Haut, da er nun Verantwortung trägt,

und cremte sich mit Lichtschutzfaktor

jenseits der „7“ ein. Als die besondere

Schwangerschaftsphase der zunehmenden

Kindsbewegungen begann,

wurde bald auch der Körper meines

Freundes von innen durchrüttelt: Per

leichter Magenverstimmungen konnte

er Bewegungen in seinem Bauchraum

wahrnehmen. So wurde sein Wunsch,

die Schwangerschaft möglichst nah

zu spüren, zur psychosomatischen

Angelegenheit. In diesem Sinn war es

natürlich ein Schock – ein gewaltiger

– als Hebamme Beatrix ihm bei der

Geburtsanmeldung erklärte, dass er

gerne an allen Terminen teilhaben könne,

außer doch bitte beim Stillkurs. Er

schaute konsterniert, verstört, wollte

wissen warum?!? Hebamme Beatrix

hat es ihm dann sehr sensibel erklärt.

Nur das mit dem „Mutter-Kind-Pass“

bleibt unverständlich. Was ist mit den

schwangeren Vätern? ●

64 / LIFESTYLE /


MANN & BODY

Marko Mestrović,

MEINUNG

Schlaf Dich aus!

Du bist,

was du isst

Von Artur Zolkiewicz

Probleme mit Einschlafen haben

heutzutage viele. Die Gründe dafür

können sehr unterschiedlich sein:

von einem “Binge Watching”-

Marathon (eine aktuelle Studie

weist nach: Binge Watcher schlafen

schlechter) bis zu persönlichen

Problemen. Wer hat das nicht

schon mal erlebt: Kurz vor dem

Zubettgehen ist man todmüde,

sobald man sich aber hinlegt, ist

man wach wie am frühen Morgen.

Die Reaktion? Schnell auf Instagram

ein paar Bilder ansehen, einen

Freund auf Facebook anschreiben

oder vielleicht noch eine Folge

schauen. Dass Schlaf wichtig ist,

weiß jeder. Doch was tun, wenn

die Kakophonie der Gedanken dich

nicht einschlafen lässt? Wer nicht

meditieren mag, kann seinen “monkey

mind” mit einfachen Atmungsübungen

kontrollieren lernen. Und ja,

es gibt eine App dazu: Pranayama.

Man stellt die Dauer der Atemsequenzen

ein, legt sich bequem hin

und schon ist man in der Welt der

Träume. Die Atemübungen können

durchaus auch in stressigen Zeiten

eingesetzt werden und dienen

zur Not auch als wirkungsvolles

Entspannungs-Tool.

zolkiewicz@dasbiber.at

Tipp

Gute Laune

mit Ananas

Ananas schmeckt nicht

nur gut, sondern ist auch

sehr gesund. Abgesehen

von vielen anderen Vitaminen,

Mineralstoffen und

Spurenelementen enthält

die Tropenfrucht Vanillin.

Diesem Aromastoff wird

eine anregende, erotisierende

und euphorisierende

Wirkung nachgesagt.

Stimmungsaufheller pur!

Zahl

des Monats

35 $

soviel hat die Studentin

bekommen, die das Nike-

Logo entworfen hat.

FUN FACT

Daniel Kish kann trotz

Blindheit mithilfe der Echo-

Ortung Fahrrad fahren. Dazu

schnalzt er mit seiner Zunge

und hört auf die Echos.

FM4

Unlimited

im Wiener

Prater

FR 20.10.2017

& live auf

Radio FM4

/ LIFESTYLE /

@RADIOFM4


MEINUNG

Bücher entspannen

mich nicht

Meistens kaufe ich Bücher in Schüben.

Und dann lese ich die Hälfte entweder

am selben Tag durch oder sie stehen

monate/jahre/jahrzehntelang im

Regal oder am Nachtkasterl. Ich habe

versucht, ein Buch nach dem anderen

zu lesen wie ein normaler Mensch, aber

ich bekomme es einfach nicht hin. Ich

muss mehrere Bücher parallel zueinander,

je nach Laune, lesen und wenn

sie mir nicht auf Anhieb gefallen, lese

ich sie auch oft nicht zu Ende. Rebellisch

oder chaotisch? Sucht es auch

aus. Eindeutig rebellisch ist zumindest

die Bücherration, die letztens bei mir

eingetrudelt ist: Feminist Fight Club,

Bad Feminist, Milk and Honey und We

Should All Be Feminists. Das Motto ist

offensichtlich. Brav noch ein Foto auf

Instagram gepostet, um zu zeigen wie

belesen man ist und los geht’s. Mein

Plan: mich ausklinken und einfach

lesen. Also hab ich mir einen Tee

gekocht, eine Kerze angemacht und

mich an Rupi Kaurs „Milk and Honey“

gesetzt. Nach dem neunten Gedicht

musste ich so viel heulen, dass mir

Tränen in den Kamillentee geflossen

sind. So viel zu Entspannung. Danach

begann ich mit „Bad Feminist“ und

musste mir alle fünf Minuten Notizen

machen. Manche Bücher sind wohl

nicht zum entspannten Lesen gedacht.

Oder liegt es an der Leserin?

pantic@dasbiber.at

KULTURA NEWS

Verstaubte Museen sind

Schnee von gestern.

Von Jelena Pantić

GEWALT, SEX &

MIGRATION:

KUNSTSCHATZI

MIT SCHARF!

Große Premiere: Das kommende

Kunstschatzi am 19.9.

trägt einen biber-Stempel! Das

KUNSTSCHATZI MIT SCHARF

wurde geboren und eines

können wir euch versichern:

Es wird sehr heiß zugehen.

Beim Kunstschatzi im Kunsthistorischen

Museum kannst

du das Museum und seine

Sammlungen in einem sehr

lässigen Rahmen genießen.

Extra für die biber-Edition des

Kunstschatzi gibt es sechs (!)

vom Kunsthistorischen Museum

eigens kreierte Touren,

die Namen wie “Hammerheiß

& göttlich geil” oder “Kemet

sehen und sterben” tragen.

Es gibt sogar einen eigenen

scharfen Cocktail - Stichwort:

Chilli infused Vodka. Komm

vorbei, um 19 Uhr geht’s los!

Kunstschatzi mit scharf, 19.9.

2017 ab 19 Uhr im Kunsthistorischen

Museum, Maria-Theresien-Platz,

1010 Wien

Tipp

ELEKTRO-

WELTPREMIERE IN

WIEN!

Elektronische Beats plus riesige Lichtshows

in einer Wiener Kirche? Fix dabei.

Die Konzerttournee Electric Church von

Sergio Manoel Flores kommt zur Weltpremiere

nach Wien und sowas habt ihr

noch nicht gesehen!

28. & 29. September in Wien in der

Kirche am Hof, weitere Termine bis

April 2018 auf

www.electric-church.at

NEUER KUSTURICA

Liebe und Krieg? Der Stoff, aus dem erfolgreiche

Balkanfilme gemacht sind. Emir Kusturica

kehrt mit seinem neuen Film ON THE

MILKY ROAD zurück. Milchmann Kosta soll die

schönste Frau des Dorfes, Milena, die kleine

Schwester des “Kriegshelden” Žaga, heiraten.

Doch dann verliebt sich Kosta Hals über Kopf

in eine geheimnisvolle Italienerin (gespielt von

Monica Bellucci!) - Žagas Braut. Geplant ist

eine Doppelhochzeit, doch wie das Drama es

will, brennen Kosta und die schöne Italienerin

schon davor durch. Keine gute Idee. Ab 29.9.

ist ON THE MILKY ROAD in den Kinos.

KHM-Verband, Petr Nasic, Julia Peternell, Electric Church

66 / KULTURA /


Flüchtige

ZWISCHEN POLSKA-SCHAL

UND WIRTSCHAFTSUNI:

WER IST EINFACHSO?

Von Aleksandra Tulej und Julia Peternell (Fotos)

Territorien

Kuratiert von Maren Richter

und Klaus Schafler

„Das ist doch dieser Pole mit Bauchtasche, der mit

Jugo Ürdens auftritt.“

Der 19-jährige Wiener Rapper EINFACHSO, der polnische

Wurzeln hat, hat kürzlich seine erste eigene EP

namens „TakTak“ herausgebracht. Mit Biber spricht er

über seine Musik, den Flötenunterricht in der Volksschule

und darüber, was zur Hölle ihn auf die Wirtschaftsuni

getrieben hat.

BIBER: Wieso nennst du dich EINFACHSO?

EINFACHSO: Das erklärt sich eh von selber. Ich wollte

etwas, das bei den Leuten hängenbleibt. Einfach so halt.

Was machst du neben der Musik so? Studieren, arbeiten?

Ich hab’ mich gestern für Wirtschaftsrecht an der WU

inskribiert, weil die Anmeldefrist bis gestern war. Ich will

halt auf 16 ECTS kommen, damit ich die Familienbeihilfe

krieg. Und sonst arbeite ich als Security. Einfach da stehen

und Geld verdienen.

Wie würdest du deinen Stil beschreiben? Bist du immer

schon so rumgelaufen oder ist das ein Statement?

Meinst du wegen Bauchtasche und so? Ich lauf schon seit

zehn Jahren so herum, nicht wie die Kids, die auf einmal

auf cool tun. Ich würd’ sagen mein Stil ist so ein Mix aus

drei Streifen (anm. Adidas) und Vans.

Wie bist du zum Rappen gekommen?

Ich hab in der Volksschule Flöte und Gitarre gespielt, der

Klassiker halt. Dann (habe ich) immer mehr Deutschrap

gehört und dann irgendwann gemeint ich kann’s besser

(als die meisten Deutschrapper).

Und – kannst du’s besser?

Besser als 70 % von denen, die es versuchen.

Das ganze Interview gibt es auf www.dasbiber.at

29 09 201709 12 2017

07 10

ab 19.00H

16 11

ab 18:00H

ERÖFFNUNG DO 28 09 2017 19.00H

PROGRAMM ZUR AUSSTELLUNG

LANGE NACHT DER MUSEEN

RESANITA: „Von der

Be- und Eingrenzung

und Inbesitznahme der

Natur bis zu ihrer aktiven

Veränderung“

VIENNA ART WEEK

Kuratorenführung, danach

Lecture von Peter Fend

VERANSTALTUNGSDETAILS

www.kunstraum.net

KUNSTRAUM NOE HERRENGASSE 13 1010 WIEN T +43 1 90 42 111

/ KULTURA /


Wie wär’s eigentlich mit BLAUMACHEN?

Von 22.9. - 1.10. ist die Wienwoche

2017 im Gange, und zwar unter dem

Thema DOLCE FAR NIENTE. Wer

steht nicht auf süßes Nichtstun?

Das Wiener Festival kreiert für

uns künstlerisch ein Leben jenseits

kapitalistischer Produktion. DOLCE

FAR NIENTE verlangt danach,

Arbeit und Zeit zu revolutionieren.

Wir haben für euch zwei Highlights

herausgepickt:

UMGEKEHRT

Fr, 29. 9., 19 Uhr

VHS Ottakring, Ludo-Hartmann-Platz 7, 1160

Wien

FELDFORSCHUNG

Sa, 30. 9. ud 1.10. 20 Uhr

WERK X-Eldorado, Petersplatz 1,

1010 Wien

Was wenn wir die Syrer wären? Stell dir vor, du

bist aus deiner Heimat geflüchtet und musst

dir nun ein komplett neues Leben in einem

fremden Land aufbauen - und das am unteren

Ende einer hierarchischen Gesellschaft.

Hauptsache #cleaneating und #healthylifestyle

- Aber unter welchen Bedingungen

arbeiten die PflückerInnen, die

uns täglich das Gemüse auf den Teller

bringen?

Im Theaterstück UMGEKEHRT wird das Publikum

an einem fiktiven Ort zwischen Syrien

und Österreich Teil einer Handlung, die nach

Alternativen zur Eingliederung und Unterwerfung

sucht. Dahinter steht das mafi-Kollektiv, ein

Zusammenschluss von Kulturschaffenden und

AktivistInnen.

Eine von ihnen, Miša Krenčeyová zum Projekt: „Die

Performance ist auf Arabisch und Deutsch, ohne

DolmetscherInnen. Schon allein aufgrund der Sprache

vermischen sich Gefühle von Fremdheit und

Vertrautheit.“

Der Eintritt ist wie für die gesamte Wienwoche

frei! Eine verbindliche Anmeldung bis

27. September unter reservation@wienwoche.org

ist aber notwendig.

Für weitere Infos zum Festival schaut

unter www.wienwoche.org vorbei!

Am 1. Oktober 2013 traten rund 70 ErntehelferInnen

aus Rumänien und Serbien bei einem

Großbauern in Tirol gegen massive Ausbeutung

und willkürliche Behandlung in den Streik.

Interviews mit damaligen Protestierenden

bilden die Grundlage für die Lecture-Performance

FELDFORSCHUNG. Co-Regisseur

Franz Xaver: “Der Wohlstand Österreichs wird

genau von denjenigen Menschen gesichert,

die in diesem Land täglich von Rassismus

betroffen sind: Migrantinnen und Migranten.

Und während Bio allgegenwärtig ist, kümmert

sich kaum jemand um die Arbeitsbedingungen

der FeldarbeiterInnen.”

Freier Eintritt, wegen begrenzter TeilnehmerInnenzahl

aber bis 28.9. anmelden unter

reservation@wienwoche.org.

Dieser Artikel ist eine entgeltliche Schaltung in Form einer Kulturkooperation mit der Wienwoche. Die redaktionelle Verantwortung liegt allein bei biber.

Hans Leitner, Ivan Krenčey, Petr Nasić, Wienwoche

68 / KULTURA /


LUST AUF EINE

NACHT MIT BIBER?

Haltet euch fest: 1 Nacht, 670

Museen, für euch umsonst. biber

verlost 20 Tickets für die ORF

Lange Nacht der Museen!

Am 7. Oktober 2017 stehen euch

670 Wiener Museen und Galerien

von 18 bis 01 Uhr Früh offen.

Die GewinnerInnen kommen zu

einem kleinen aber feinen Get-

Together zu uns. Da sich das Biber

Headquarter im Museumsquartier

befindet, haben wir einen tollen

Startpunkt, von dem wir alle

gemeinsam aus losgehen.

Reguläre Tickets kosten übrigens

15 Euro (ermäßigt 12 Euro) und

sind unter tickets.ORF.at erhältlich.

Kinder bis 12 Jahre kommen

gratis rein.

Alle weiteren Infos unter:

langenacht.ORF.at

Für ein biber-Rendezvous schreibt eine Mail an pantic@dasbiber.at.

Die GewinnerInnen werden benachrichtigt und mit Details versorgt.

Kunsthistorisches

Museum

Albertina

Kunsthalle Wien

Die biber

Highlights

Wien Museum

Kunstraum NÖ

/ KULTURA / 69


„Die Leiden des jungen Todor“

Von Todor Ovtcharov

Der coolste Blogger

Ich habe mich entschieden ein Blogger zu

werden. Der Grund für diese Entscheidung

ist die Geschichte eines Bekannten, dessen

Schwester Bloggerin ist und anbgeblich wahnsinnig

viel Geld damit verdient. Diese junge Frau

fotografiert sich auf Instagram wie sie Smoothies

trinkt und Eis isst, in diversen modernen Locations

auf der ganzen Welt. Modemarken geben ihr Geld,

damit sie in ihren Kleidern Eis isst. Sie wird von

vielen Menschen gefollowed und geliked. Ich will

auch Geld vom Internet verdienen.

Ich bin gerade dabei zu überlegen, wie mein Blog

ausschauen kann. Was kann ich wohl der Menschheit

aus dem Internet zeigen? Ich kann nicht wie

die Schwester meines Bekannten sein. Niemand

wird mich beim Eis essen betrachten wollen. Alle

werden nur sagen: „Hör auf Eis zu essen, du

Nilpferd!“ Ich könnte natürlich was Gesünderes

essen, aber wenn ich an gesunde Nahrung denke,

wird mir übel.

Ich muss natürlich nicht ich selbst sein. Einer der

erfolgreichsten bulgarischen Blogger ist 28, gibt

sich aber als 15-Jähriger aus. Es ist bemerkenswert,

dass das so viele Jahre durchgeht. Seit 10

Jahren macht er den perfekten 15-Jährigen und

die Teenager lieben ihn. Dieser Blogger sagt den

Jugendlichen, was sie machen sollen, um cool

in der Schule zu sein. Nicht, dass ich in meinen

Schuljahren nicht cool war, aber ich habe schon

vergessen, wie das geht. Also das mit dem Teenagerblog

wird auch nicht klappen.

Ich könnte probieren, einen politischen Blog zu

starten. Die Politiker aus aller Welt geben so viele

Möglichkeiten, um sie satirisch zu kommentieren.

Ich werde politisch unabhängig sein und Trump,

Putin, Merkel und Macron ärgern. Ich habe aber

keine Ahnung, wie ich damit zu Kohle kommen

kann. Trump gibt mir sicherlich kein Geld. Merkel

wohl auch nicht. Und ich bin mir nicht sicher, ob

ich Putins Geld will.

Ich habe darüber mit meinem Bruder gesprochen.

Er würde mitmachen, wenn wir unseren

Blog „Die nackten Migranten“ nennen. So können

wir sowohl die politisch Interessierten, sowie alle,

die auf Pornos stehen, als Publikum anziehen. Es

wäre nur ein bisschen umständlich, da ich überall,

wo es um Migranten geht, nackt auftreten

müsste. Und wo wird mein Mikro befestigt, wenn

ich meine Hände frei haben will? Dieses technische

Problem tötete unsere avantgardistische

Idee.

Freunde von mir meinen, ich solle nicht so lange

überlegen, sondern gleich losbloggen, vloggen

und so weiter. Die meisten Blogs sind eh komplett

sinnlos, haben aber hunderttausende Fans.

Die bloße Tatsache, dass ich so lange überlege,

wie mein Blog ausschauen wird, macht meine

Idee einen Blog zu gründen sinnlos… ●

70 / MIT SCHARF /


WENN GENUSS

slow

low

schonend vorgegart

COOKED

zart und saftig

VON SPAR

schonend

bei Niedertemperatur

vorgegart

das schnell e

slow-food

raff iniert mariniert

Der Pull ed Meat Klassiker:

Pull ed Pork Burger

Weckerl, Pita-Brot oder Burger

Bun aufschneiden, auf

die untere Hälfte gleichmäßig

Kraut bzw. Coleslaw-Salat

verteilen, das Pulled

Pork darüber geben

und z.B. mit Zwiebel-,

tomaten-, Gurkenscheiben

und Salat

garnieren.

Exklusiv bei:


FOTO © KHM-MUSEUMSVERBAND

SA | 7. OKT | 2017

IN GANZ ÖSTERREICH AB 18:00 | LANGENACHT.ORF.AT

TICKETS UNTER TICKETS.ORF.AT

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine