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E_1929_Zeitung_Nr.075

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AUTOMOBIL-REVUE

AUTOMOBIL-REVUE 1929 - N°75f BERGRENNEN AN DER BERNINA 25. AUGUST 1929 Tourenwagen 2000-3000 ccm STKAZZA auf 17 Minuten, 47,8 Sekunden SIEGER ALLER WAGEN! DIREKTE FABRIKVERTRETUNG: gesamte Ostschweiz Für die inkl. Kantone Aargau, Basel und Solothurn: BAUMBERGER & FORSTER ZÜRICH Ausstellung, Werkstätte und Ersatzteillager Löwenstrasse 17 (nächst Sihlporte) Tel. Selnau 98.60 Für den Kanton Bern: M. von ERNST Garage BERN Garage Werkstätte u. Ersatzteillager: Ausstellungslokal: Gartenstrasse 19 Bundesgasse 45 Tel. Bollwerk 37.37 od. 37.38

N»!5 II. Blatt BERN, 30. August 1929 II. Blatt BERN, 30. August 1929 Seit kaum einem Vierteljahrhundert sieht sich der Mensch in die Möglichkeit versetzt, seine natürliche Fortbewegungs-Geschwindigkeit auf dem Erdboden um ein Mehrfaches der Zahl 10 zu steigern. Nachdem sein Reaktions- und Denkvermögen jahrhundertelang nur auf Geschwindigkeiten von Dezimetern pro Sekunde eingestellt war, soll es nun plötzlich den Anforderungen genügen, die Geschwindigkeiten von mehreren Dekametern pro Sekunde stellen. Dass es darin trotz aller seiner natürlichen Anpassungsfähigkeit noch vielfach versagt, lehren die verhältnismässig grossen Autounfallszahlen. Nichts anderes wäre zu erwarten, wenn man einer Motte von heute auf morgen das Flugvermögen einer Schwalbe verliehe. Hindernisse, die von der naturgeborenen Schwalbe in rasendem Flug spielend und mit absoluter Sicherheit umflogen werden, würden für die beschleunigte Motte zur schwersten Gefahr. Die einzige Möglichkeit, um uns heutige Automobilisten vor den Gefahren einigermas- Aus der Fahrpraxis Gefahrenquellen auf der Strasse Äbb. 1. A will B vor der Kreuzung überholen. Er kann deshalb G nicht erkennen und stösst mit ihm zusammen. sen zu schützen, besteht darin, dass wir die Gefahren von vornherein auswendig lernen und in unserem Hirn rubrizieren und klassieren. Wir bilden uns Fahrregeln und konstruieren Fahrvorschriften. Wir destillieren aus einzelnen Vorfällen, die uns unterwegs begegnen, die Essenz heraus und versorgen sie ebenfalls im Gehirn. Alle diese erkannten Gefahren und als gut befundenen Regeln sollen sich dann im Notfall blitzschnell zu Ratschlägen und Befehlen an die Muskulatur umwandeln. So arbeiten wir unbewusst an der Beschleunigung unserer natürlichen Reaktionsfähigkeit. Abb. 2. A will B in der Kurve überholen und stosst mit G zusammen. Der Grad der Entwicklung des schnellverkehrstechnischen Denkvermögens und der Gütegrad des Reagierens auf bewusste und unbewusste Verkehrsgefahren unterscheiden den guten vom schlechten Automobilisten, den routinierten Fahrer vom Anfänger. Man muss sich von Anfang an und in jedem Moment darüber bewusst sein, dass das Automobilfahren Risiken bietet. Im Zeitraum von höchstens 10 Jahren hat jeder Fahrer einmal einen grösseren oder kleineren Unfall. Und er wird von vielen Fällen zu erzählen wissen, bei denen es « ums Haar » ging. Gefahrmoment und Geschwindigkeit. Die weitaus schwersten Unfälle entstehen, wie man es nicht anders erwartet, -bei hohen Geschwindigkeiten. Oft sind es schlüpfrige, nasse oder vereiste Strassen, die den Fahrer ganz überraschend der Gewalt über den Wagen berauben, oder es treten unvorhergesehene Hindernisse auf, vor denen.der Wagen nicht mehr gestoppt werden kann. Der Autler befindet sich dann in der atembeklemmenden Lage eines Fliegers, der mit ..Motordefe^t notlanden muss und von vornherein weiss, dass auf dem betreffenden Gelände ein Bruch nicht zu vermeiden ist. Trifft das Automobil z. B. mit 70 km Geschwindigkeit auf ein Hindernis, so ist die Wucht des Anpralls gleich gross, wie wenn es aus rund 20 m lenker oder Fussgänger mag, wenn man sich 1 noch hundert Meter hinter ihm befindet, noch; so schön die rechte Strassenseite einhalten:! Eine Sekunde später schwenkt er vielleicht Höhe senkrecht abgestürzt wäre. auf die linke Strassenseite hinüber. Wird aber Hohe Geschwindigkeiten sollten nur auf schon ein Signal gegeben, dann überzeuge Strassen zur Anwendung kommen, deren Verlauf man genau kennt und bei denen even- bevor man vorfährt. man sich auch, dass es gehört worden ist, tuelle Querwege vollkommen übersichtlich sind. Ist die Aussicht nach den Seiten durch Bäume, Hecken oder Böschungen behindert, so kann man sicher damit rechnen, dass einmal knapp vor dem Wagen ein Pferdegespann, ein Radfahrer oder ein anderer Automobilist aus einem Seitenweg auftaucht. Alles Bremsen nützt dann oft nichts mehr. Bei einem Tempo von 70 km beträgt der mindestnotwendige Bremsweg ca. 35 m, wenn man die 10 m, die der Wagen während der Reaktionszeit des Fahrers zurücklegt, in Anrechnung bringt. Abb. 3. Ein Zusammenstoss als Folge des unvorsichtigen linksseitigen Ueberholens von" Tramwagen. fahren. Man nimmt dabei an, dass der Pferdelenker das Signal noch zur rechten Zeit hören und dann ausweichen werde. Ist das aber nicht der Fall, dann erweist sich nur zu oft der noch zur Verfügung stehende Bremsweg als zu kurz. Um trotzdem durchzukommen, muss.man irgend ein gewagtes Manöver anwenden, 1 das, wenn man es sich zur Gewohnheit werden lässt, bestimmt früher oder später zur Katastrophe führt. Ess'heisst den Leichtsinn auf die Spitze treiben, wenn man überhaupt ohne jedes vorherige Signalgeben vorfahren zu können glaubt. Der zu überholende Radfahrer, Rosse« Abb. 4. Geschwindigkeit der Tramwargen falsch ein-s geschätzt, Automobil zwischen ihnen eingeklemmt« Eine grosse Anzahl Unfälle entstehen jähr-* lieh immer wieder durch unvorsichtiges gegenseitiges Vorfahren von Automobilen. Die Die Gerade verleitet sehr leicht zum un-grösstvorsichtigekommende Verkehr. Da eine genaue Ab- Gefahr bedeutet dabei der entgegenschätzung der Zeit, die ein entgegenkommendes Fahrzeug bis zum Moment der Kreuzung Ueberholen anderer Fahrzeuge. Taucht z. B. vor einem ein in der gleichen benötigt; unmöglich ist, mache man sich zup Richtung fahrendes Pferdefuhrwerk auf, so Regel, nie vorzufahren, wenn die Strasse hinter dem zu überholenden Fahrzeug nicht voll- gerät man nur allzu leicht in die Versuchung, ohne Tempoverminderung an ihm vorbeizu- ständig frei ist. Unbedingt zu vermeiden ist ein Ueberholen vor Strassenkurven oder Kreuzungen, oder gar in der Kurve selbst. In den Skizzen 1 und 2 sind die Folgen, die sonst daraus entstehen können, dargestellt. Auto und Strassenbafan. Die Skizzen 3 und 4 zeigen Gefahren, denen man beim linksseitigen Ueberholen von: in der Mitte der Fahrbahn laufenden Strassenbahnzügen ausgesetzt ist. Sehr leicht kann ein Zusammenstoss mit einem aus der andern Richtung kommenden Fahrzeug stattfinden, oder das überholende Fahrzeug wird zwiw sehen zwei kreuzenden Strassenbahnzügen eingekeilt und zerquetscht. Die Gefahr ist hier deshalb mindestens ebenso gross wie auf der Landstrasse, weil die Strassehbahnzüge ja an ihre Schienen gebunden sind und nicht -ausweichen können. In richtiger Erkenntnis" dieser Tatsache haben die meisten grösseren Städte ein linksseitiges Ueberholen der Strassenbahn verboten. Das verpflichtet aber dert Off. General Motors Service Station in Bern für Ghewolet, Pontiac, Oldsmobile, Oakland Buick, La Salle, Cadillac GARAGE EFFINGERSTRASSE Effingerstr. 20 Tel. Bollw. 70.11 - 70.12 - 70.13 Einzige Grossgarage im Zentrum Berns mit jederzeit freier Bin= und Ausfahrt. A. G.