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E_1934_Zeitung_Nr.046

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E AUTOMOBIL-REVUE

E AUTOMOBIL-REVUE lÄiii! Schweizerische Rundschau Der erfolgreiche Julier. Mit der Oeffnung der meisten Alpenpässe im Verlaufe des letzten Monats und der Erschliessung der restlichen hochalipinen Ueberfahrten im Verlaufe der nächsten Tage, war man nicht nur in Automobilistenkreisen, sondern auch in der gesamten Schweiz. Verkehrswirtschaft und Fremdenindustrie gespannt, welche Frequenzziffern der diesjährige Versuch, den Julier auch während der schneereichen Wintermonate dem Automobil offen zu halten, zur Folge haben würde. Vom 23. Januar 1934, dem ersten Tag der durchgehenden Fahrmöglichkeit, bis zum 5. Mai, d. h. in rund 95 Tagen, haben diesen Pass nicht weniger als 4000 Automobile befahren. Eine während dieser Zeit durchgeführte Kontrolle ergibt folgendes Nationalitätenbild: Bündner-Wagen 480, übrige Schweiz 363, Deutschland 405, Italien 74, Frankreich 27, Oesterreich 27, Grossbritannien 23, Fürstentum Lichtenstein 14, Tschechoslowakei 7, Holland 5, Dänemark 3, Polen 2, Spanien 2, Belgien 1 total also 1463 Wagen. Wie aus dieser Zusammenstellung hervorgeht, haben 843 schweizerische und 590 ausländische Automobilisten dem Reiz nicht widerstehen können, eine winterliche Alpenfahrt auszuführen. Diese Tatsache, resp. das Verhältnis der einheimischen zn den ausländischen Wagen, illustriert mit aller Deutlichkeit die Richtigkeit der von uns anlässlich der Analyse der monatlichen autotouristischen Statistik aufgestellten Behauptung, dass die ununterbrochene Zunahme von Qrenzübertritten während der Wintermonate zum grossen Teil auf die Oeffnung des Julier zurückzuführen sei. Im weitern hat die erste Versuchsperiode klipp und klaT bewiesen, dass es allerhöchste Zeit für unser Land war, eine durchgehende winterliche Alpentraversierung zu ermöglichen. Besonders ist dieser Punkt unter dem Gesichtswinkel der Fremdenverkehrswerbung, sowie unter demjenigen der Umfahrung schweizerischen Territoriums in Rechnung zu stellen. Immerhin sind beim diesjährigen Versuch noch die verschiedenen Unsicherheitsfaktoren mitzuberücksichtigen, die einer bedeutend stärkeren Frequenz entgegenstanden. Wir möchten in dieser Hinsicht nur auf die noch nicht'in alle Auto-, mobilistenkreise dringende Bekanntmachung über die Oeffung hinweisen, auf den Charakter des Schneebruchs und der Strassenfreilegung als ausgesprochene Versuchsarbeiten, sowie auf eine gewisse zurückhaltende Einstellung vieler Automobilisten gegenüber winterlichen Passfahrten. Zweifellos wird die Wiederholung und die damit in Verbindung stehende stärkere Propagierung die Frequenzziffer im nächsten Winter nicht unerheblich ansteigen lassen. Die Offenhaltung der Strecke Tiefenkastel- Mühlen-Bivio hat seit 1. Januar 1934 ohne Wegmacherlöhne Fr. 12,679 gekostet. Dazu kommen die üblichen Ausgaben für Bekiesung, sodass bis Ende des Jahres der Kanton Graubünden mit einer BudgetübeTschrcitung von 8000 Fr zu rechnen hat. Da die erheblichen Mehrkosten für die Offenhaltung nicht mehr aus dem kantonalen Strassenausbauiprogramm bestritten werden konnten* verlangte der Regiierungsrat in seiner letzten Sitzung einen entsprechenden Nachkredit, was auch stillschweiget! zugestanden wurde. Wie "aus der Frenquenzziffer hervorgeht, hat sich das initiative Vorgehen der Bündner gerechtfertigt, und sie haben sicherlich damit nicht nur ihrer notleidenden Fremdenindustrie, sondern dem schweizerischen Strassenwesen im besondern einen Markstein in der Geschichte der winterlichen Hochalpenerschliessung gesetzt. Auf Grund der ersten Versuchsetappe wird es Afghanistan wird motorisiert. Demnächst sollen europäische 'Automobilfabriken auf spezielle Einladung der Nationalbank von Afghanistan, der Inhaberin des Monopols für die Automobil-Einfuhr, sachverständige Vertreter zum Studium der dortigen Verkehrsverhältnisse nach Kabul entsenden. Die Regierung soll sich entschlossen haben, einer < AufSchliessung des Landes mit Hilfe des Autos nicht nur keine Hindernisse in den Weg zu legen, sondern sie sogar durch Modernisierung des Strassennetzes einerseits, der Gesetzgebung andererseits zu fördern. Der erste Autobahnhof der Reichsbahn. Demnächst werden die Bauarbeiten, die zur Umwandlang der ehemaligen Dragonerkaserne in Mainz in einen Autobahnhof der Reichsbahn in Angriff genommen wurden, beendet sein. Die umfangreichen Stallgebäude und Reithallen sind nun zweckmässig umge~ baut und bieten Raum für rund 60 Lastwagen. Dieser Wagenpark wird im rhein-mainischen Wirtschaftsgebiet zwischen den Städten Mainz, Frankfurt, Wiesbaden und Darmstadt einerseits und Mainz, Worms, Mannheim, Ludwigshafen anderseits eingesetzt zwecks Beschleunigung und Verbesserung der Stückgütbeförderung. Trustbildung In der japanischen Automobflindustrie. Um die Konkurrenzfähigkeit der 'japanischen Automobilindustrie zu forcieren, unterstützt die Regierung die Bestrebungen innerhalb dieses Industriezweiges auf einen Zusammenschluss der führenden Automobilfirmen zu einer Exportgemeinschaft. Dieser Block der japanischen Automobilindustrie, dessen Zustandekommen aller Wahrscheinlichkeit nach demnächst zu erwarten ist, wird 5 Grossunternehmen umfassen. Welche Konkurrenzkraft der europäischen und amerikanischen Automobilindustrie daraus erwachsen wird, dürfte aus holländischen Quellen hervorgehen, wonach in Südafrika Automo-, bile japanischer Herkunft bereits für 480 fi: und schwere Motorräder für 120 fl. erhältlich sein sollen. Benzin aus Reis. ,~VTT' Die japanische Presse berichtet z. Zt. in grosser Aufmachung von einer Erfindung des japanischen Forschers Dr. Isobe, nach der es nun möglich sein, die im Verlaufe der letzten fünf Monate gesammelten Erfahrungen auszuwerten und eventuell auch auf einige andere Passstrassen zu übertragen, wobei allerdings auf die starke Variabilität der einzelnen Pässe in unserem *AIpengebiet hinsichtlich ihres Schneereichtums gebührend Rücksicht genommen werden muss. Erinnern wir uns nur der beiden letzten Winterperioden, so zeigt sich typisch dieser starke Unter- istischer möglich ist, Benzin aus Reis herzustellen. Es handelt sich hierbei um ein besonderes Hydrierungsverfahren, das auch die Hydrierung von Reis ermöglicht. Die Japanische Automobilindustrie hat Dr. Isobe bereits mehrere Versuchsiahrzeuge zur Verfügung gestellt. Sie sollen mit Reis-Benzin betrieben werden und den Beweis dafür erbringen, dass das aas dem Reis gewonnene Benzin den übrigen Brennstoffen an Qualität nicht nachsteht. Deutschlands Autostener-Aufkommen. Im Monat April stellt sich das deutsche Steuer-Aufkommen auf 13,2 Mill. RM. gegenüber 11,4 Mil. RM. im Vormonat. Die entsprechende Vorjahresziffer wurde nur um 12 Mill. unterschritten. Dieses Ergebnis konnte erzielt werden trotz Steuerfreiheit aller seit dem 31. März 1933 erstmalig in den Verkehr gesetzten Personenwagen, Bau polnischer Fernrerkehrsstrassen. Das polnische Verkehrsministerium ventiliert zur Zeit die Frage der Erstellung eines modernen Fernverkehr-Strassennetzes. Im Mittelpunkt der Diskussion steht die Ausarbeitung eines 5-Jahres Plans, der von 1935— 1940 die Realisierung grösserer Verkehrsprojekte vorsieht. Die Finanzierung dieser Arbeiten soll aus öffentlichen Mitteln erfolgen. Amerikas Autoexporte. Während der ersten Quartals des laufenden Jahres sind nach Angaben der amerikanischen Automobilhandelskammer 240J000 Wagen auf den ausländischen Absatzmärkten untergebracht worden, was gegenüber der vorjährigen Parallelperiode einer Zunahme um den doppelten Betrag gleichkommt. In amerikanischen Automobilkreisen erhofft man durch Revision der Weltzolltarife einen weiteren kräftigen Wiederaufschwung des Automobilgeschäftes erwarten zu dürfen. Allerdings ist es merkwürdig, dass man erst heute in Amerika zur Erkenntnis der Revisionsbeßürftigkeit der Zolltarife gelangt, waren es doch im besonderen die Amerikaner, welche seit 1929 systematisch ihre Grenzen gegenüber dem Auslande abriegelten, so dass sich die übrigen Länder notgedrungenermassen zur Einführung von Abwehrmassnahmen genötigt sahen. schied im diesjährigen zum letztjährigen Verhältnis vom Gotthard zum Klausen. Während der letztere beinahe mühelos dem Automobil freigegeben werden konnte im Vergleich zu den vorjährigen grossen Schneebruoharbeiten, war es beim Gotthard erst 14 Tage später als 1933 möglich und nur unter Einsatz eines grossen Kontingents von Arbeitskräften diesen dem durchgehenden Verkehr zu erschliessen. Der diesjährige Versuch am Julier hat einerseits deutlich die unbedingte Notwendigkeit einer winterlichen Erschliessung unserer berühmten Passtrassen gezeigt, anderseits auch die" Möglichkeit, dass es heute mit den zur Verfügung stehenden technischen Mitteln verantwortet werden kann, auch im Winter eine bis über 2000 m hinaufsteigende Strasse freizulegen und freizuhalten. Allerdings sei vorläufig noch davor gewarnt, als ob nun jeder Kanton seine eigene winterliche Durchgangstrasse besitzen müsse. Die Auflösung der Verkehrsinteressen des gesamten Landes in verschiedene Einzelaktionen muss speziell auf diesem Gebiete zu einem Fiasko führen. Je schwieriger unsere Wirtschaftslage sich gestaltet und je drängender sich der Automobilverkehr entwickelt, um so notwendiger wird auch auf dem Gebiete des Alpenstrassenbaues, wie auch auf demjenigen der winterlichen Erschliessung der Alpenpässe, eine Konzentration der Kräfte allein nur für weitere Erfolge genügende Gewähr bieten. -my-. N°« Grosser Preis von Montreux (Fortsitzung von Seite 1) als die ersten Wagen in der Ferne wild aufxubrrmvmen begannen, nnd darauf, von Mechanikern besetzt, vor den Boxen hielten. Montreux war an diesem Tag früh aufgestanden. Das letzte Training, dieses letzte Rüsten vor dem Kampfe, bedeutete ein ernsthaftes Erproben der Kräfte. Seit sieben Uhr morgens wurde man an allen Ecken von Polizisten angehalten, die den Circuit peinlich freihielten, so dass punkt acht Uhr die ersten Maschinen losbrummen konnten. Wieder waren die meisten Fenster und Hotelterrassen dicht belagert, und auch auf den Tribünen hatte sich eine grosse Menge Interessierter eingefunden, von denen viele leidenschaftlich mit Stoppuhr und Bleistift hantierten. » Etancelin beherrschte das ganze Training. Der Tuchhändler aus Ronen, immer zwischen Spanien und Polen auf Reisen zu Autorennen unterwegs, setzte sich im gewöhnlichen Strassentenue in die Maschine, um darauf mit tollen Geschwindigkeiten durch die Stadt zu brausen. Seine Draufgängerei wurde von den Scuderia-Ferrari-Leuten nicht geteilt, die sich wiederum zurückhaltend zeigten. Diesmal war Varzi der Schnellste, doch auch er ging nicht über die lOO-km/St.-Marg© hinaus. Der Engländer Straight, der zusammen mit Hamilton direkt bei seiner an der Rennstrecke gelegenen Garage gestartet war, so dass die zwei weissen Maserati ganz unversehens vorüberdonnerten, fuhr ebenso ausgeglichen wie schnell. Er kam bis auf Mittel von 102,2 km/St, heran. Auch Falchetto schraubte heute auf und überschritt den 100-km/St.- Durchschnitt. Gegen den Ansturm Etancelins kam keiner auf. Der Franzose erledigte die schnellste Runde »mit dem Durchschnitt von 104,7 km/St Auch der Samstag verlief in jeder Beziehung ohne Störung. Varzi hatte oberhalb der 'Tribünen einmal das re

*P>» — 1954 AUTOMOBTL-REVUB kritischen Haarnadelkurve um und zieht sich nun durch die obere Stadt zurück. Wieder findet sich hier ein hinderndes Tramgeleise. Die S-Kurve bei der englischen Kirche, die zum Bahnhof hinaufführt, gilt allgemein als der giftigste Punkt des ganzen Parcours, da die Schwierigkeit hier unterschätzt wird. Die Bahn steigt dann leicht an. Die Avenue des Alpes verläuft ziemlich gerade. Wieder reihen sich hier links und rechts Schaufenster aneinander. Auch an Bahnhof und Post geht der Kurs vorbei. Zwei grosse Kurven führen die Strecke dann von der oberen Stedt wieder zurück zum Start. Der Stampfasphalt der Hauptstraasen wurde auf das Rennen hin mit einem Rauhbelat überzogen, der die Griffigkeit der Bahn st*rk erhöht und sich gün- «tir auswirken muss. Der grosse Tag. Montreux, 3. Juni 1994. Auch' wer lö der Samstag-Nacht in ausgiebiger Weise von den vielen Anlässen profitierte, die überall in dem auf Hochbetrieb eingestellten Kurort stattfanden, wurde heute morgen zeitig aus seinen Träumen gerissen. Draussen summte und lärmte es von unzähligen Atitos und Motoren, vom See hupten die Extraschiffe, und auf den Trottoirs wimmelte es bereits von den überall her eintreffenden Besuchern- Schon morgens 9 Uhr war Montreux ein einziger Ameisenhaufen, ein tolles Durcheinander von Einheimischen, die fast alle irgendwo ein Amt zu erfüllen hatten, und von Fremden. Zwischen den Menschenmassen bahnten sich hupend die Autos ihren Weg. Ununterbrochen schleppten die blauen Tramwagen Massen daher. Auf dem Bahnhof gab es an diesem Tag nichts zu lachen. Seit dem frühen Morgen führten auch die Züge Zuschauermassen herbei, die sich rechtzeitig ihre Plätze sichern wollten. Vor den Häusern, an denen noch Plätze an Fenstern frei waren, stellten sich fliegende Kassen auf, die die letzten Billette bald den Besuchern in die Hände gedrückt hatten. Lautsprecher schallten über den Platz, an den Tribünen wurde noch gehämmert und letzte Hand angelegt. Tausend Ritzen von Strassen und Gässchen galt es verstopfen, durch die die Menschenmassen die Bahn dringen konnten. Ueberall musste rechtzeitig eingegriffen werden, und dazu wurden gewaltige Massen Verkehrspolizei aufgeboten, denen auch Privatleute helfend zur Seite standen. Auch am Samstag-Abend hatte sich wieder ein Gewitter über der Stadt entladen, das dafür gute Witterung für den Sonntag versprach. In dem Getriebe der letzten Stunden vor dem Rennen beachtete man kaum, wie sich,über dem See neue dicke Wolken ballten, die sich bald riesengross ausbreiteten und rhlt Windeseile den ganzen Himmel verdunkelten. Der Wind peitschte den See zu hohen Wellen, begann in den Bäumen zu singen, und bald wirbelte er alles auf, was nicht niet- und nagelfest war. Ein rasender Sturni fegte über Montreux, und es schien •beinahe, als trage er diesen ganzen Grand Prix in alle Lüfte davon. Die Herren Organisatoren und alle Bewohner von Montreux fangen fassungslos die Hände. Was sollte es lür ein Rennen auf diesen Strassen geben, Ober die jetzt Bäche dahinschossen ? Die Hoffnung, das Unwetter, das einige Sekunden sogar noch Hagel bescherte, verziehe sich bald, schien sich lange nicht erfüllen zu wollen. Erst gegen Mittag hin zeigte sich über dem See ein heller Streifen, der sich bald ausbreitete und dem starken Regen Einhalt gebot. Die Verkehrspolizei wagte sich wieder aus ihren Haustoren hervor, auf den Strassen begann das Leben wieder zu pulsen, und so klappte die Organisation dennoch reibungslos, als die Zeiger der Uhr langsam auf 14 Uhr rückten, diesen Zeitpunkt, dem die Stadt seit Tagen, vielleicht seit Wochen mit fiebernder Erwartung entgegengesehen hatte. Schon lange bevor ein Erster der wilden S?enner auftauchte, ergriff das in gewaltigen Massen anwesende Publikum von seinen Plätzen Besitz. Fenster um Fenster wurde dicht belagert, auf den Baikonen hingen sie wie Trauben, hoch auf den Zinnen stauten sich die Menschen, und ganz Waghalsige setzten säch kurzerhand auf die Dachränder. Kein vorstehender Punkt, wo nicht irgend ein Neugieriger sich eingefunden hätte, kein Fenster, aus dem sich nicht gleichzeitig ein halbes Dutzend Köpfe gestreckt hätten. So weit der Blick überall reichte, waren nichts als Menschenmassen zu entdecken, die alle verfügbaren Plätze besetzt hielten. Die Tribüne wurde im Sturm genommen. Rund 100 Pressevertreter hatten ihre Bleistifte gezückt. Elegante Toiletten durften sich unter dem gnädigen Lächeln der Sonne ans Tageslicht wagen, und so sah man manche elegante Frau auf den Tribünen. Nur langsam liefen die Minuten. Die ersten Wagen wurden an die Boxen geführt, sorgsam betreut von den Mechanikern. Sobald ein Fahrer auftauchte, reckten sich die Köpfe. Jeder wollte ihn zuerst gesehen haben. Bald war jeder Mechaniker in seinem bläuen Ueberkleid eine «grosse Kanone >. Plötzlich sah man Moll in den Boxen, den hübschen jungen Burschen mit liebenswürdigem Gesicht. In seinen weissen Hosen und dem sportlichen Sommerhemd schien er eher für eine Seglerpartie verabredet zu sein, als für diesen wilden Kampf um die Geschwindigkeit. Varzi hatte seine ewige Zigarette im Mund, wie gewohnt im blauen Ueberkleid. Ein paar junge Italiener entdeckten ihn und baten ihn um einen Gruss. Liebenswürdig drückte ihnen Varzi die Hand, zur fassungslosen Freude der jungen Landsleute. Der junge Straight, ein hübscher Typ von überaus gewinnendem Benehmen, grüsste Freund und Feind mit der gleichen Herzlichkeit. Zehender sass mit Maserati zusammen in der Boxe und besprach mit dem bekannten Konstrukteur die letzten Chancen. Charles Faroux etablierte sich in der Boxe von Veyron, trnd Etancelin war bis zum letzten Moment mit seinem gewöhnlichen hellen Strassenanzug zu sehea Kurz nach 2 Uhr erhielten die Fahrer ihre letzten Anweisungen, Dlie Wagen wurden zum Start geschoben. Gleichmütig rauchten die Piloten ihre letzte Zigarette. Freundlich winkten sie zu der Tribüne hinauf. Dr. Mende erschien bereits mit seiner Startfahne. Der grosse Augenblick war da... Fiebernd starrte man auf die zwölf Renner, die voll verhaltener Kraft lauerten, auf den ersten Wink loszuschiessen. Da — mm stieg ein brüllendes Donnern zum Himmel. Die beiden ersten Wagen stürzten vor. Geschlossen hetzte das Feld davon, ein herrliches Bild der Kraft in der dahinstürmenden Wucht dieser stählernen Leiber. Langs-am formierte sich aus dem in Doppelreihe gestarteten Feld eine Linie. Blauer Rauch wehte über die Bahn. Schon versackte unten der letzte Lärm in den Häusergassen. Der Grand Prix von Montreux hatte begonnen... Kaum hatte man richtig Zeit, seiner ersten Aufregung richtig Herr zu werden, und schon scholl von der Obern Stadt neues Geheul. Ein Aufbrüllen — und die Spitze raste mit vollem Tempo vorüber. Einer nach dem andern folgte, ein ständig wechselndes Bild. Kaum aufgetaucht, war der Spuk wieder verschwunden. So zog sich nun der gespenstische Korso der Schnelligkeit auf diesem Kurs dahin, auf Geraden, durch Kurven, bergauf und bergab, ein tolles Karussel. Nach einiger Zeit fand man auch Zeit, sich wieder etwas umzusehen. Das Wetter hatte sich aufgeheitert, über den Felsen und Hängen strahlte ©in klarer Sonnenhimmel. In den Boxen war bereits wieder Ruhe eingekehrt. Auf den Tribünen bedeutete das Auftauchen der Spitze immer eine Sensation. Der neue Die erste grosse Aufregung bemächtigt sich der Massen, als Moll schon nach kurzer Zeit bei den Boxen wieder hielt. Die, Mechaniker warfen sich mit grösster Behendigkeit unter seinen Wagen, unterdessen trank der junge Avus-Sieger gierig aus einer Flasche. (Mit Ruhe sah er sich die Arbeiten an, um dann wieder in den Wagen zu springen und davon zu hetzen. Die Konkurrenz dieser gefährlichen roten Maschinen, Maserati, stand schweigend m der Boxe und kontrollierte stoisch die Zeiten von Zehender. Das Publikum gebärdet« sich zehnmal aufgeregter als alle, die am Rennen direkt oder indirekt beteiligt waren- Schon legten auch die ersten Wagen bei den Boxen an, um darauf auf einem Trottoir von ihrer allzu kurzen Reise auszuruhen. Runde um Runde zog vorbei, ohne, jede Störung wickelte sich das Rennen ab. Die Organisation klappte bis in alle Details. Eine Tatsache, die bewunderungswürdig ist, wenn man weiss, in welch kurzer Frist dieses Rennen auf die Beine gestellt wurde. Eine für die Pressebulletins bestimmte kleine Schachtel schaukelte hoch über der Rennstrecke von dem Chronometerhäuschen auf die andere Strassenseite, bezeichnenderweise mit einer Ente bemalt! Eine Nervenprobe bedeutete es jedesmal, mitzuerleben, wie ein Fahrer überholt wurde. Rasend zogen die Maschinen aneinander vorbei. Ein einziger Fehlgriff. — und der Rest wäre nicht auszudenken. Die Boxensignalisation offenbarte wieder geniale Einfälle. So bedeutete, wie wir wenigstens vermuten, eine gezeichnete Spitze mit einer Zahl daneben für den betreffenden Fahrer den Rundenstand der Spitze. Eine Runde nachher erhielt dieser gleiche Konkurrent dann auch seine eigene Rundenzahl mitgeteilt. Farben, Buchstaben und Zahlen dienten abwechslungsweise dazu, die Fahrer über die Position im Felde zu orientieren. Zur Sensation wurde der Halt VarzSs an der Boxe, nachdem er in bester Position gelegen war. Das flog aus diesen Mechanikerhänden, dass es eine Lust war! Varzi nestelte sich rasch eine andere Schutzbrille hervor und nahm einen Schluck Wasser. Unterdessen war der Wagen wieder fit, und unter dem donnernden Beifall des Publikums ging der Alfa Romeo wieder auf die Strecke. Molls Aufgabe wurde mit Bedauern vermerkt. Den jungen Fahrer schien der Ehrgeiz zu stechen, jedenfalls kleidete er sich ist wirklich ein wunderbarer Wagen Er ist eine der ersten Leistungen der Automobil- Technik, von der man in aller Wirklichkeit behaupten kann, dass sie die wirtschaftlichen Vorteile des Kleinwagens mit den Vorzügen eines grossen Wagens verbindet. Probieren Sie ihn! Sie werden sich davon überzeugen und seine Schnelligkeit, seine Fahrsicherheit und seinen Komfort bewundern. Bitte telephonieren Sie uns für eine unverbindliche Probefahrt! 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Dann sandte er noch einen linden Guss über die Stadt, gleichsam schon zum Abschied. Als die letzten Runden nahten, und der Sieger Trossi sich aus mittlerer Position bis nach vorne gekämpft hatte, ergriff höchste Spannung die Massen. Etancelin und Trossi rangen um die Führung, müde und abgehetzt der eine, noch voller Kraiftreserven und immer schneller deT andere. Und dann kam es, dass kurz vor dem Schluss der Sieg entschieden wurde. Jubelnd wurden Besiegte und Sieger empfangen, und von den Behörden und führenden Persönlichkeiten des Automobilismus beglückwünscht. Jetzt gab es für die Menge kein Halten mehr — innert Minutenfrist war die Bahn schwarz von Menschen, und wieder wurde Montreux zum Chaos, in dem es sich nur noch schwer zurechtfinden Hess. — Das erste Stadtrundstreckenrennen der Schweiz wurde ein grosser Erfolg. Man wird es wiedersehen wollen! bo. Der Film des Rennens. cAfle angemeldeten Fahrer erschienen am Start», konnte das erste Pressebulletin mit berechtigtem Stolz melden. Genau ein Dutzend von Konkurrenten, von denen kein einziger nach der Einiführune bei unsern Lesern bedürfte, haben mit ihrer Teilnahme in Montreux mitgeholfen, dieses reizvolle Rennen aus der Taufe zu heben, das nun wohl einen dauernden und ehrenvollen Platz im künftigen schweizerischen und internationalen Rettnkalender einnehmen wird. Braillard, der einzige Einheimische in dieser erlesenen Phalanx, konnte nicht, wie vorgesehen, mit seinem neuen Maserati starten, Hess sich aber dadurch nicht abhalten und zog den kampferprobten Bugatti 2,3 l wieder zu Ehren. Die Reihenfolge für den Start war durch die Trainingszeiten bestimmt, ein Verfahren, das immer mehr Anklang findet und damit den blinden Zufall eines Loses mit Recht ausscheidet. In der vordersten Reihe Standen Etancelin und Straight, dahinter hatten Moll und Falchfttto Aufstellung genommen, gefolgt von den übrigen Zweiergruppen. Gleich vom Start weg, den Dr. Mende gab, zoz Etancelin mächtig aus, gefolgt von einem geschlossenen Feld. Rasch vermag der Franzose an Terrain zu gewinnen und distanziert auch seine nächsten Verfolger bereits recht deutlich. Die Spitzengruppe, der Straight, Moll, Falchetto und Trossi angehören, hat sich bereits merklich in die Länge gezogen, und auch das Gros weist schon allerlei Verschiebungen undi Lücken auf. Nach ', i, ,> Öer 5. Runde l "Wt \ ergibt siefc folgendes Klassement: 1. Etanqelin ; 10' 07" ! I 2. Straight |]lpl"M 10' 13" ' ' S. Moll FTT! 10" 16" *. Falchetto ' 10' 22" 5. Comte F. Trossi 10" 31" Etancelin hat sich also in dieser kurzen Zeit einen Vorsprung von 6 Sekunden auf seinen vorläufig schärfsten Widersacher Straight erkämpft, und seine bestimmte und forsche Haltung lässt erwarten, dass er seine Spitzenposition immer mehr festigen werde. Er erweist sich übrigens auch in Montreux, wie schon an so manch anderem Grossen Preis, als der Animator und Schrittmacher des Rennens. Er ist daher überall ein gern gesehener Gast und geschätzter Pilot, der immer für Bewegung im Felde sorgt und keine Ruhe und Rast kennt. Leider aber hat er diese Angriffslust schon mit so viel Pech und Enttäuschungen bezahlt, dass man ihn nur immer aufs neue wegen seines ungebrochenen Mutes bewundern kann. Auch heute hielt ihn eine launische Fortuna zum Narren und nachdem er bis wenige Minuten vor der Schlussrunde alle konzentrierten Angriffe abzuwehren verstanden hatte und jede Attacke mit einem eigenen Vorstoss beantwortete, musste er den scheinbar sicheren Sieg noch abtreten. Als ein ebenso verwegener Draufgänger und dennoch fein abwägenden Piloten hat sich Moll erwiesen, der mit seinem Siege in Monte Carlo, einem Kometen gleich, aus bescheidenem Hintergrunde aufzog und seither schon viel von sich reden gemacht hat.,. In der achten Runde gelingt es ihm, nach verschiedenen Versuchen. Straight zu überholen und damit auf den zweiten Platz aufzurücken, den er dann allerdings nicht lange halten konnte, da ihn wenig später ein Defekt an der Öelleitung zu längerem Aufenthalt zwingt. Obwohl er dann in fast (Fortsetzung SeiteIOJ !