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Ggbg Heft 1_2018_Ostern

den Auf- oder Abstieg

den Auf- oder Abstieg zur bzw. von der Druckerei. Eines meiner ersten Anliegen war daher die Anschaffung eines Hektografiergeräts. Dass ich Jahre später um die Bereitstellung eines Kopiergeräts ansuchte, macht deutlich, dass die Vervielfältigungstechnik einen entscheidenden Sprung getan hatte und meine Bitten ums Hektografiergerät erfolglos geblieben waren. Nein, so einfach war das wirklich nicht – weshalb ich eines der vielen Gespräche, die ich mit Paulus Rusch führen durfte, dazu verwendete, um dem Bischof die Dringlichkeit der Anschaffung eines Kopiergeräts vor Augen zu führen. Das Gespräch hat sich nach meiner Erinnerung in etwa so abgespielt: „Zum Abschluss unsres heutigen Gesprächs noch eine Bitte. Herr Bischof, das Pressereferat braucht dringend ein Kopiergerät.“ „Ja, was! Und Sie meinen, dass Ihnen das nützlich wäre?“ „Die Anschaffung des Geräts hilft viel Zeit zu sparen und gleichzeitig schneller zu arbeiten.“ „Ich bin mit Ihrem Arbeitstempo durchaus zufrieden. Außerdem haben Sie ja die Möglichkeit, die Hausdruckerei in Anspruch zu nehmen. Das verringert den Arbeitsaufwand für Sie. Warum wollen Sie sich zusätzliche Arbeit schaffen?“ „Es gibt Situationen, in denen das Pressereferat rascher reagieren sollte. Wenn Sie zum Beispiel eine wichtige Aussage treffen, dann soll diese doch möglichst schnell die Medien erreichen und damit der Bevölkerung bekannt gemacht werden.“ „Da will ich Ihnen recht geben. Wenn Sie aber die Hausdruckerei für sich arbeiten lassen, haben Sie noch mehr Zeit zum Recherchieren und Schreiben.“ „Es gibt aber auch Situationen, in denen das Pressereferat rasch reagieren muss, die Druckerei aber nicht besetzt ist. Wenn Sie zum Beispiel an einem Sonn- oder Feiertag eine Aussage von besonderer Wichtigkeit und Brisanz treffen und diese steht nicht am Montag in der Zeitung, dann ist Ihnen das sicher nicht recht.“ „Da stimme ich Ihnen zu. Aber deshalb brauchen Sie doch kein Kopiergerät!“ „Am Sonntag ist die Druckerei unbesetzt. Wenn wir aber die Möglichkeit zum Kopieren haben, kann Bischof Paulus Rusch – 16 –

die Aussendung vervielfältigt und ins Landhaus gebracht werden.“ (Im Landhaus verfügten damals alle wesentlichen Medien über einen Postkasten.) „Ja, was! Als kirchlicher Pressereferent haben Sie an Sonntagen nicht zu arbeiten. Und wenn Sie an diesem Tag nicht arbeiten dürfen, dann brauchen Sie am Montag erst recht kein Kopiergerät.“ Das war’s dann. Ein Kopiergerät erhielt das Pressereferat erst unter Bischof Reinhold Stecher. VERWEIGERTE MODESCHAU Pressesprecher eines Bischofs zu sein, ist wahrlich nicht immer einfach – auch bei Bischof Paulus nicht. Von ihm hieß und heißt es, dass er, der zu Beginn seines Episkopats wegen seiner sozialen Einstellung der „rote Bischof “ genannt worden war, den Zug der Zeit verpasst hätte. Richtig gekannt haben dürften ihn allerdings nur die wenigsten seiner Kritiker. Paulus Rusch war mitunter unbequem, zu fest stand er zu seiner Meinungen, zu endgültig waren seine Entscheidungen – aber er war gleichzeitig ein gütiger, alter Herr, voll Humor und Verständnis für andere und mitunter sogar bereit, anderen einen Streich zu spielen.. Unter den Journalistenkollegen der Tagespresse befand sich der bereits erwähnte sangesfreudige und stimmgewaltige Robert Vinatzer, den ich seit Teutonentagen als Freund schätze. Bei einer Landespressekonferenz kamen wir wieder einmal nebeneinander zu sitzen. Er berichtete, irgendwo erfahren zu haben, dass Bischöfe zu bestimmten Anlässen eine Cappa magna tragen würden, und er wollte wissen, ob „mein“ Bischof auch „so eine Kluft“ besitze und, wenn ja, wann er diese zu tragen pflege. Ich war blamiert – des Bischofs Pressereferent hatte noch nie von einer Cappa magna gehört! Also machte ich mich kundig und erfuhr vom Innsbrucker Dompropst das Wesentliche. Er wies zudem auf Zeremonienbücher mit Bekleidungsvorschriften auch für Bischöfe bin. Kurz: Die Cappa magna ist das rotfarbene Prunkkleid eines Bischofs, einem sehr weiten Umhang ähnlich. Als ich Bischof Paulus darauf ansprach, meine er kurz und bündig: „Das einzig Wichtige daran ist, dass man das schon lange nicht mehr trägt.“ Ich war zufrieden und berichtete Robert darüber. Der zeigte aber nicht die erwartete Begeisterung, sondern keppelte: „Und wann kriegen wir Journalisten Deinen Paulus in dieser Gewandung endlich zu sehen?“ Ich zweifelte nicht daran, dass dies zu erreichen ein hartes Stück Arbeit sein würde. Und wirklich: Bischof Paulus dachte nicht eine Sekunde daran, den Medienvertretern das Prachtkostüm vorzuführen. „Dass ich den Wunsch der Presseleute und Ihre Bitte nicht erfüllen werde, wissen Sie.“ – – 17 –