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jetzt – Das Schweizer Familien- & Lifestyle Magazin – April 2018

Portrait Altes Handwerk

Portrait Altes Handwerk in Salzburg entdecken Handgemachte Regenschirme mit Kultstatus Ob in Salzburg die Sonne scheint oder ob es regnet, spielt dem Schirmmacher Andreas Kirchtag keine grosse Rolle. Die in Salzburg angefertigten Luxus- Regenschirme sind immer mehr im Trend und verkaufen sich gut ins Ausland. Salzburg die Mozartstadt ist aus vielen Gründen eine Reise wert. Hier geht die prunkvolle Vergangenheit eine charmante Symbiose mit der lebendigen Gegenwart ein. Zwischen den Stadtbergen verweisen die dicht gedrängten Kirchtürme auf den Wohlstand der Fürsterzbischöfe. Eine Stadt, die heute wie damals fasziniert und verführt. Verlässt man abgetretene Touristenpfade kann man Salzburg auch von einer anderen Seite entdecken. Salzburg auf den Spuren des alten Handwerks zu erkunden, lohnt sich. Ob Schlosser, Gerber oder Schirmmacher: In der bekannten Getreidegasse, wo Mozarts Geburtshaus steht, erhält man Einblick. Diesen Einblick gewährt auch Schirmmacher Andreas Kirchtag Interessierten immer wieder mit Freude. Seit 1903 stellt der Familienbetrieb in der verwinkelten Werkstätte über dem Verkaufsgeschäft in der Getreidegasse mitten in der Stadt Salzburg Regenschirme für Damen und Herren her. Der Betrieb gilt als letzter Schirmmacher in Österreich. Die über Dampf gebogenen Holzstöcke werden mit einem Gestänge aus Messing oder Aluminium versehen. Die Federn formen die Schirmmacher von Hand aus Klavierseitendraht. Für das Schleifen des Holzes und das Schirmgestell alleine benötigt man rund zweieinhalb Stunden. Nochmals zweieinhalb Stunden muss man rechnen, bis das Tuch aus Milano importiert von Hand zugeschnitten und vernäht ist. Das nennt man Handarbeit! Mit den handgefertigten Schirmen allein kommt der Betrieb heute nicht mehr über die Runden. Während in den 1960er-Jahren noch 80 Prozent der Ware aus handgefertigten Schirmen bestand, sind heute 70 Prozent des Angebots Lederwaren wie Taschen, Koffer oder Portemonnaies. Zudem führt die Manufaktur bis zu 1’500 Schirmreparaturen pro Jahr aus. Immer wieder erhält Andreas Kirchtag auch Aufträge aus dem In- und Ausland. So zeigt Kirchtag in seiner Werkstatt nicht ohne Stolz Schirme, die für die Formel 1 an Red Bull hergestellt und geliefert wurden. Wer aber kauft heute sonst noch einen handgemachten Schirm für 240 bis 400 Euro? Ob Laufkundschaft oder Stammkunden, ob jung oder alt: «Die Luxus-Regenschirme sind im Trend», freut sich Kirchtag. Und schliesslich: regnen wird es immer. • www.kirchtag.com • www.salzburg.info Traditionelle Beschriftung von Kirchtags Geschäft an der Griesgasse in Salzburgs Altstadt. Schirmrohlinge warten auf die Stoffbespannung. Andreas Kirchtag fertigt selber noch Schirme von Hand. Sein Unternehmen hat inzwischen längst auch industrielle Schirme im Angebot. 16 │ -online.ch

Blick ins umfangreiche Lager an Stoffen und bereits gefertigten Schirmstöcken. In der Kirchtag-Schirmmanufaktur werden sämtliche Teile eines Regenschirm von Hand gefertigt. -online.ch │ 17

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