SHE works! Magazin: Marken und Macherinnen

sheworks

Macherinnen, die Marken machen

Darunter: Sylvaine Delacourte, Chefparfumeurin die für Guerlain, Paris, Düfte
wie von L´Instant, Insolence, Le Petit Noir kreierte. Was motiviert sie, jetzt ihre
eigene Marke aufzubauen?
Alexandra von Rehlingen & Andrea Schoeller setzen mit ihrer Event/PR
Agentur seit Jahrzehnten die Top Events für und mit Prominenten ins Licht;
Caroline Dütsch-Kubik, Managing Partnerin der Vertikom, CH,
Tochtergesellschaft der drittgrößten inhabergeführten Werbeagentur in
Deutschland; Anna Alex, die Outfittery zum Stern der Start-up Szene machte;
Daniella Midenge, Top Fotografin, die in einem Atemzug mit Helmut Newton
und Peter Lindbergh genannt wird...

SHE

works!

#Frauen

#Wirtschaft

#Karriere

Ausgabe Juli 2018

KÖPFE

Fünf

starke Frauen im

Interview

MARKETING

Vom Markenaufbau zum

vertikalen

Touchpoint- Marketing

KARRIERETIPPS

Erfahrungen

Bücher

Veranstaltungen

1


Inhalt

Editorial

Seite 4

Titelthema Marketing

Von der Litfaßsäule zur personalisierten

Echtzeit-Werbung

Seite 6

Hohes Engagement und

Zuverlässigkeit

Alexandra von Rehlingen im Interview

über Markenaufbau und PR

Seite 9

Wenn der Kunde mit der Marke

in Berührung kommt -

Caroline Dütsch-Kubik im Interview über

Vertikales Touchpoint-Marketing

Seite 16

Eine Anzieherin zieht aus -

Anna Alex über ihren Ausstieg bei

Outfittery

Seite 29

Impressum

Herausgeber:

Anschrift:

Vertreten

durch:

SHE works!

Schäufele & Brößling GbR

Hagenweg 2a

37081 Göttingen

✆ 0551/4899075

info@she-works.de

Carolin Schäufele

Katja Brößling

V.i.S.d.P. Carolin Schäufele

(gem. § 55 Abs. 2 RStV)

Die freundliche Vermittlung der

Interviewpartnerinnen

Alexandra von Rehlingen,

Daniella Midenge,

Sylvaine Delacourte und

Caroline Dütsch-Kubik und Anna Alex

erfolgte durch:

Gabriele van den Berg,

Connecting Smartminds

Kontakt: connecting.smartminds@mail.de

2- SHE works!

Internet:

www.she-works.de


Der Duft des Erfolges -

Parfumeurin Sylvaine Delacourte

im Interview

Seite 33

Leben mit der Kamera -

Daniella Midenge, Fotografin und

Model

steht Rede und Antwort

Seite 37

Aufbruch der Rollenmuster -

Uma Hagenguth, 20, Tech-Gründerin

Seite 42

Individualität vs. Rollenbilder -

Frauen auf der Führungsebene

Seite 46

Buchtipps

Seite 50

EVENTS

Seite 54

Das Letzte...

Seite 59

Layout:

Fotonachweis:

Katja Brößling

Titelseite: Daniella Midenge

Seiten 2, 17, 24: Caroline Dütsch-Kubick

Seiten 9 & 10: Alexandra von Rehlingen

Seite 29: Anna Alex

Seiten 33-35: Sylvain Delacourte

Seiten 37,38,40,41: Daniella Midenge

Seite 42: Uma Hagenguth

Seiten 52 & 53: Daniella Midenge, teNeues Verlag

Seiten: 3,6,7,8,13,16,19-21,28,31,32,39,45,56,59,60

alle Pixabay.de

Social Media:

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SHE works! - 3


für das Unternehmen und die eigene

Marke werben, ist heutzutage

Standard. Zeitschriften, Zeitungen,

Radio, Fernsehen oder im Internet,

Werbung findet immer mehr Räume,

um den potenziellen Kunden zu

erreichen.

Als Unternehmerin können wir nicht oft

genug auf unser Produkt oder unsere

Dienstleistung hinweisen, sind wir

doch auf der Suche nach Käufern und

Interessenten.

Werbung als Kommunikation gibt es

im Übrigen schon seit ungefähr 2.000

Jahren.

Damals meißelten die Ägypter Listen

ihrer Waren in Stein und priesen so ihr

Angebot an.

Seitdem ist ein bisschen was passiert.

Heute hat Werbung den Zweck,

Marken zu etablieren und Wünsche zu

generieren. Mit Beginn des 20sten

Jahrhunderts gab es erste groß

angelegte Werbekampagnen, die

darauf ausgerichtet waren,

Konsumenten davon zu überzeugen,

dass sie das beworbene Produkt

tatsächlich brauchen, da es eine

Erleichterung im Alltag darstellt.

4- SHE works!


Was an Geld für Werbung ausgegeben

wird, ist schon enorm. Laut dem

Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft

lagen die Ausgaben im

vergangenen Jahr bei rund 26,12

Milliarden Euro.

Ein Grund, sich mit dem für uns alle so

wichtigen Thema etwas intensiver

auseinanderzusetzen. Denn ohne Marketing

kommt kein Unternehmen aus.

Und um der Wichtigkeit dieses Themas

gerecht zu werden, haben wir diese

Ausgabe mit vielen unglaublich großartigen

und erfolgreichen Frauen gefüllt.

Unser Cover ist von Daniella Midenge. Sie

lebt und arbeitet in Kalifornien. Auf Seite

38 erzählt sie von sich.

Was das Werben und Bewerben angeht,

haben uns Caroline Dütsch-Kubik,

Managing Partner bei Vertikom,

Alexandra von Rehlingen, PR-Expertin

von Schoeller & von Rehlingen, Anna

Alex, ehemals OUTFITTERY, und auch

Sylvaine Delacourte von Sylvaine

Delacourte Paris, ehemals Guerlain, Rede

und Antwort gestanden.

Wir freuen uns, diese erfolgreichen

Unternehmerinnen und Führungskräfte für

SHE works! gewonnen zu haben.

Und, schon neugierig, was sie uns erzählt

haben? Dann bitte umblättern und lesen!

Herzliche Grüße

Carolin Schäufele

&

Kat ößli

SHE works! - 5


Von der Litfaßsäule zur

personalisierten

Echtzeit-Werbung

Marketing im Wandel der Zeit

Von Katja Brößling

Sprechen wir von Marketing, denken die

meisten Menschen als erstes an

Maßnahmen der Neukundengewinnung.

Unternehmen und deren Angebot sollen

der Zielgruppe vorgestellt und

sprichwörtlich „schmackhaft“ gemacht

werden. Marketing zielt bei Weitem aber

nicht nur darauf ab, neue Wirkungskreise

zu erschließen und so die eigene

Bedeutung und den messbaren Umsatz

zu steigern.

Neben der Kundengewinnung geht es

auch um Kundenbindung, also darum

langfristiges Vertrauen aufzubauen.

Die klassische Werbung findet ihren

Ursprung im Jahr 1893 mit der Erfindung

des Backpulvers von Dr. Oetker. Um den

potentiellen Kunden und Kundinnen die

Vorteile des Produktes zu vermitteln,

entwickelte das Unternehmen eine

Werbekampagne. Kaum vorstellbar in

Zeiten ohne Internet, aber auch diese

Kampagne wurde schon zur

Massenwerbung.

6- SHE works!


Das Produkt steht im

Mittelpunkt

Durch die Industrialisierung und die

aufkommende Massenproduktion musste

Verkaufsförderung her – Marketing 1.0

sozusagen. Es entwickelten sich die

One-to-many-Kampagnen, bei denen es

hauptsächlich um die Produktorientierung

ging. Kunden galten als einheitliche

Gruppe mit ähnlichen Bedürfnissen.

Von der Produktzur

Kundenorientierung

In den 1960er Jahren fand ein erstes

Umdenken statt: weg von der reinen Produktorientierung,

hin zur Verkaufsorientierung.

Dem Vertrieb im Unternehmen wurde ein

größerer Stellenwert zuerkannt. Zehn Jahre

später begann man, Märkte zu segmentieren

und die Spezialisierung den Bedürfnissen

anzupassen. Ab den 80er Jahren konzentrierte

man sich auf die Alleinstellungsmerkmale

von Produkten und Unternehmen.

Die Zeiten wurden schnelllebiger und in den

90er Jahren fingen die Unternehmen an, auf

ökologische, politische, technologische oder

gesellschaftliche Veränderungen zu reagieren.

Mit der verstärkten Nutzung des Internets

legte man das Augenmerk auf den Dialog mit

den Kunden. Die Kommunikation wurde durch

die schnelle Verbreitung des Email-Verkehrs

interaktiv ausgerichtet.

Marketing 2.0 zielte also darauf ab, Kunden

durch eine One-to-One-Beziehung zufriedenzustellen

und an das Unternehmen zu binden.

Unternehmen positionierten ihre Produkte

ganz gezielt und begannen ihre

Marketingaktivitäten zu differenzieren.

SHE works! - 7


Der gläserne Kunde

Heute - in Zeiten von Marketing 3.0 und

höher - muss ein Produkt oder eine

Leistung nicht nur den Kunden

zufriedenstellen, nein es muss auch die

Welt verbessern. Der Kunde wird

ganzheitlich betrachten und es müssen

Kopf, Herz und Seele erreicht werden.

Marketing muss die Werte und Visionen

des Unternehmens transportieren.

Produkte müssen eine Mission erfüllen.

Es war aber auch nie einfacher, seine

Kunden zu durchleuchten. Zu keiner Zeit

standen so viele Daten über die Kunden

zur Verfügung. An jeder Ecke werden

Daten gesammelt und zusammengefügt:

beim Online-Einkauf, Bezahlen mit

Kredit- oder Girokarte, Punkte sammeln

bei Payback. Lässt der Kunde bei

seinem Smartphone den Zugriff auf die

Standortdaten zu, wird bereits im

Geschäft nach dem Einkaufserlebnis

gefragt oder es werden individualisierte

Angebote geschickt.

Smartphones oder Homesysteme wie

Alexa sammeln Schlagworte aus

Gesprächen und beim nächsten

Onlinesurfen wird Werbung angezeigt,

die sich auf erfasste Gespräch bezieht.

Glauben Sie nicht? Achten Sie mal

drauf!

Es war aber auch für den Kunden nie

schwerer. Unzählige Angebote mit

unterschiedlicher Qualität und

verschiedenen Preisen geben ihm von

vornherein das Gefühl, dass die

Wahrscheinlichkeit, sich falsch zu

entscheiden, überwiegt. Umso wichtiger

ist es da für das Unternehmen,

Vertrauen und Beständigkeit zu

vermitteln. Das gelingt über den Aufbau

einer Marke.

Unternehmen müssen den Kunden

abholen und bis zur endgültigen

Kaufentscheidung begleiten - hier hilft

das vertikale Touchpoint-Marketing.

Beide Marketingaktivitäten werden in

den folgenden Artikeln näher beleuchtet.

8- SHE works!


SHE works! im Interview mit Alexandra von Rehlingen von “Schoeller

& von Rehlingen” zum Thema Markenaufbau

SHE works! - 9


Von Carolin Schäufele

Alexandra von Rehlingen leitet mit Andrea

Schoeller die Agentur Schoeller & von

Rehlingen PR. Die Public Relations

Agentur in Deutschland, die als Garant

dafür steht, große Marken pointiert zu

inszenieren und den Markenkern ins beste

Licht zu setzen.

Warenzeichen, Name oder Symbol: Eine

Marke kennzeichnet ein Produkt. Doch

was macht eine Marke eigentlich aus?

„Die wirklich großen Marken haben eins

gemeinsam: Sie haben eine Geschichte,

verfügen über eine hohe Qualität und

besitzen eine Seele“, sagt Alexandra von

Rehlingen. Sie weiß, wovon sie spricht.

Sie gründete gemeinsam mit ihrer

Geschäftspartnerin Andrea Schoeller 1986

die Agentur Schoeller & von Rehlingen

Public Relations mit Sitz in Hamburg,

München und Berlin.

Die PR-Managerinnen konzipieren

exklusive, hochklassige PR-Kampagnen

und Events. Und das schon seit über 30

Jahren sehr erfolgreich. Sie arbeiten für

große Marken und sind dabei selbst eine

geworden. Zu ihren Kunden gehören unter

anderem: Karl Lagerfeld, Montblanc,

Feinkost Käfer, und Porsche Hamburg.

„Als wir die Agentur gegründet haben, gab

es die Branche noch nicht. Auch diese

Form von Events war noch nicht bekannt;

das begann erst in den 90er Jahren“,

erklärt Alexandra von Rehlingen den

Werdegang der Agentur und der Marke

Schoeller & von Rehlingen Public

Relations. „Wir haben früh angefangen,

waren kontinuierlich, zäh, fleißig und nie

überheblich.“

Das resultierte in dem Erfolg, der heute

sichtbar ist: „Wir stehen persönlich und mit

sehr hohem Engagement hinter allem,

was wir tun. Mit unbedingter

Zuverlässigkeit.“

Adresslisten führen viele, was also macht

den Unterschied aus, will SHE works!

wissen.

10- SHE works!


„Wir kennen die meisten unserer Kunden

persönlich, ihre Vorlieben und zum Teil

auch ihre Familiengeschichte. So haben

wir uns zu einer hochspezialisierten

„PR-Boutique“ entwickelt. Unsere Marke

ist organisch gewachsen, mit unserer

Persönlichkeit und unserem Namen.“

„Wenn die öffentliche Wahrnehmung so

hoch ist, dass sie von der Zielgruppe und

darüber hinaus geschätzt und nachhaltig

Konversion generiert wird , dann hat man

es geschafft,“ resümiert Alexandra von

Rehlingen.

Eine Marke muss

Sympathien wecken

Was eine Marke heute ausmacht, ist die

persönliche Ansprache. Das

`Angeber`-Marketing zu Beginn des

20sten Jahrhunderts wurde abgelöst vom

`Sympathie`-Marketing. Hier steht der

Kunde im Zentrum und nicht die Marke

oder das Unternehmen selbst. Die Rollen

haben sich verändert: Ein Unternehmen

sollte den Kunden unterstützen und ihn

nicht bevormunden.

Heute steht der Kunde im Mittelpunkt.

Aussagen über das Preis-Leistungs-

Verhältnis oder die Qualität, die dem

Kunden zugutekommen, sind wichtig.

„Als Markenvorbild sehe ich Montblanc

an,“ sagt von Rehlingen und erläutert: „Der

Markenkern ist klar definiert und die

Qualität ist seit jeher konstant geblieben.

Es ist nicht nur eine Luxusmarke, es ist ein

Kulturgut. Montblanc hat sein Portfolio im

Laufe der Jahre um eine ganze Reihe an

Produkten erweitert.“

Dabei wurde der Qualitätsmaßstab

beibehalten: hochwertige Manufaktur.

Die Handschrift ist ein Ausdruck von

Persönlichkeit, von Vertrautheit und

Verlässlichkeit. „Das ist das Sinnbild und

der Ausdruck von Qualität, für den wir

auch mit unserer Agentur einstehen, mit

unserer Marke und unserem Namen,“

konstatiert von Rehlingen.

Marken auch im Kleinen?

Eine eigene Marke entwickeln, die einen

“Purpose“, einen wahrhaften Sinngehalt,

hat, ist der Weg zum Erfolg, auch für junge

Unternehmen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die

persönliche und authentische Ansprache,

die Vertrauen weckt. Alexandra von

Rehlingen hat aus dieser Leidenschaft,

Menschen kennenzulernen und zu

vernetzen, ihre Marke gemacht.

Von Nullen und Einsen –

Digitalisierung unterstützt

„Ob digital oder analog: Menschen

beeinflussen Menschen“, weiß von

Rehlingen. „Blogger oder Influencer, sie

sind Menschen und Persönlichkeiten, die

ihr Umfeld prägen.“ Durch die

Digitalisierung werden die Wege nur

schneller und direkter, mit dem

entsprechenden Potenzial ins Positive wie

Negative. Darauf muss man sich

einstellen, um am Markt zu überleben und

Mitbewerber zu überrunden“, so die

PR-Fachfrau.

SHE works! - 11


Alexandra von Rehlingen erinnert sich: „Wir hatten keinen

Business Plan, als wir die Agentur gründeten. Auch anschließend

hat sich alles organisch entwickelt. Andrea und ich sind

unterschiedliche Persönlichkeiten; sie ist eher ein Nachtmensch und

ich ein Morgenmensch”, sie lacht, „Unsere Werte und Prioritäten sind

dieselben. Es ergab sich durch einen großen Auftrag, dass ich das

Büro in Hamburg eröffnet habe. Die geografische Trennung der

Büros hat den Vorteil, dass wir unsere Kunden vor Ort betreuen.

Hinsichtlich der Organisation und im Service legen wir dieselben

Maßstäbe an. Natürlich haben wir im Laufe der Jahre auch einige

Reibungspunkte gehabt. Das ist natürlich, daran entwickeln wir uns

weiter, unsere Marke und auch uns persönlich,“ sagt Alexandra von

Rehlingen.

Was daraus erwuchs, ist die Marke Schoeller & von Rehlingen PR.

Wer bin ich und was macht mich aus?

Wofür möchte man stehen? Was soll ein Kunde mit der

Marke verbinden? Was wird genau angeboten? Was sollte

dem Kunden im Gedächtnis bleiben? Jede Unternehmerin

sollte diese Fragen beantworten, um daraus eigene,

individuelle Ansätze zu formulieren und zu einem eigenen

Image zu kreieren. Das kann die Basis für eine Marke oder

ein Brand sein.

12- SHE works!


Schaffen Sie eine klare Position!

Jede Unternehmerin sollte sich bei der Entwicklung

einer Marke fragen, wer sie ist und wofür sie steht.

Sie sollte sich ein Alleinstellungsmerkmal oder eine

Spezialisierung suchen und darauf aufbauen.

Allgemeine Fachgebiete wie Marketing oder

Coaching sorgen nicht für einen

Wiedererkennungswert.

Eine ganz eigene Optik

Jedes Produkt sollte einen eigenen optischen Auftritt

haben. Dabei wichtig sind Wahrnehmung und

Wiedererkennung. Im Kopf bleibt dabei nicht nur das

Logo, sondern auch die Farbgebung, Schriftarten,

Texturen und Grafikelemente. Dabei sollten alle diese

Merkmale auf das jeweilige Fachgebiet abgestimmt

werden. Eine PR-Agentur wird dabei andere Elemente

auswählen als eine Yogalehrerin.

Die eigene Sprache finden

Neben den grafischen Elementen ist auch die Wahl

der Ansprache sehr entscheidend für das Bauen einer

eigenen Marke. Jede Unternehmerin sollte im Vorfeld

klar festlegen, wie der Kunde angesprochen wird:

duzen oder siezen, locker oder seriös. Wer vorab ein

klares Wording festlegt, tut sich einen großen Gefallen.

Personal Brand - Wer bin ich?

Wer ein Personal Brand anstrebt, so wie Jamie Oliver

oder Madonna, der muss als Kernelement sich selbst

inszenieren. Sie selbst sind die Marke. Sie müssen sich

zeigen und bekannt machen. Die eigene Marke zu

kreieren kostet viel Zeit und Mühe! Und eigentlich ist die

Arbeit nie getan, denn eine Marke wächst und

verändert sich, muss gepflegt werden und sich immer

wieder präsentieren.

SHE works! - 13


Alexandra von Rehlingen im Interview

mit SHE works!

Frau von Rehlingen, Ihre Expertise

sind PR, Strategieberatung und die

Organisation von Events. Was ist Ihr

innerer Antrieb für Ihre Arbeit?

„Ich arbeite extrem gern, vernetze gerne

Menschen, Marken und gute Ideen. Das

alles ist in meinem Job möglich, daher bin

ich jeden Tag dankbar dafür, ihn machen

zu können.“

Wir haben gelesen, dass Sie vorrangig

mit Mitarbeiterinnen arbeiten. Warum?

„Zufall – wir freuen uns in letzter Zeit über

mehr männliche Mitarbeiter.“

Welche Hindernisse gab es auf dem

Weg?

„Nur die Üblichen: Personalprobleme,

schwierige Kunden....“

Welche drei Eigenschaften erachten

Sie als wesentlich für Ihren Erfolg?

„Kommunikationsfähigkeit, Disziplin,

emotionale Intelligenz.“

Was motiviert Sie täglich?

„Mein Terminkalender mit den vielfältigen

Aufgaben.“

Wie motivieren Sie ihre Mitarbeiter und

Mitarbeiterinnen?

Eine private und sehr persönliche

Frage zum Abschluss: Wie managt

man bei diesem Engagement auch

das Privatleben - als Managerin mit

40 Mitarbeitern, und als Mutter von

vier Kindern - wollen wir wissen.

Es gilt als Anekdote, dass die

Mitarbeiter der Agentur Schoeller &

von Rehlingen PR erst von den

Schwangerschaften ihrer Agenturchefin

erfuhren, als sie mit dem Kind

aus dem Krankenhaus kam.

„Ganz so war es nicht. Ich habe

allerdings tatsächlich keine große

Angelegenheit daraus gemacht und

immer gleich weitergearbeitet. Ich

bin nicht die Diva, die alles hat machen

lassen. Ich habe alles selber organisiert

und auch selber finanziert aus meinen

Einkünften. Nahezu meine gesamten

Einkünfte aus der Agentur habe ich für

Nannys und Au-pairs verwendet. Das

war es mir wert, so sind meine Kinder

auch mehrsprachig aufgewachsen.“

Welche Tipps haben Sie für

angehende weibliche Führungskräfte?

„Prioritäten setzen, unabhängig bleiben,

Kontinuität und Durchhaltevermögen.“

Vielen Dank für das Gespräch!

„Unser Markenumfeld und die Menschen,

mit denen wir zu tun haben, sowie unsere

Aufgaben sind Motivation für alle.“

14- SHE works!


Daniela Kreissig, Veranstalterin:

Nutzen Sie diesen Tag um:

neue Kooperationspartner kennenlernen

neue Kontakte knüpfen,

von anderen Frauen zu lernen

die eigene Sichtbarkeit und den

Bekanntheitsgrad zu erhöhen

neue Blickwinkel für Ihren eigenen Weg zu

eröffnen

neue Impulse, Möglichkeiten, Inspiration aus

Vorträgen und Workshops zu erhalten

Blick über „den Tellerrand zu werfen

SHE works!- 15


16 - SHE works!


Wir sind immer da, wenn der Kunde

mit der Marke in Berührung kommt

SHE works! - 17


Vertikales Touchpoint-Marketing ist eine

Herangehensweise im Marketing.

Caroline Dütsch-Kubik arbeitet damit, jeden Tag.

Alles begann mit der Erfindung des

Backpulvers von Dr. Oetker im Jahr 1893.

Das Produkt war das erste, das mit einer

breiten Werbekampagne den Kunden

vorgestellt wurde.

Heute ist die Vermarktung eines

Produktes ohne die unterschiedlichen

Werbekanäle und Präsentationen kaum

mehr vorstellbar. Ob Fernsehen, Zeitung,

Hörfunk, Internet, überall trifft der

Verbraucher auf Werbung, die

größtenteils inhaltlich sogar auf ihn

zugeschnitten ist. Diese auf den Einzelne

zugeschnittene Werbung ist die derzeitige

Vermarktungsstrategie.

Die Herangehensweise der Vermarkter

wird getragen durch viel Know-how und

wissenschaftliche Erkenntnisse:

Die potenziellen Käufer unterscheiden

sich, haben unterschiedliche Interessen,

Denkweisen sowie Lebens- und

Gestaltungswege. Diese Informationen

über den Kunden bilden die Basis für die

Entwicklung einer Marketingstrategie: Wo

finde ich meinen Kunden? Wo und vor

allem wie erreiche ich ihn? Wo kommt er

mit meinem Produkt in Berührung? Wie

kann ich ihn vom Kauf überzeugen?

Caroline Dütsch-Kubik arbeitet im Bereich

Marketing, um genauer zu sein, im

Bereich vertikales Touchpoint-Marketing.

„Touchpoints sind die Berührungspunkte

zwischen Unternehmen und Kunden“,

erklärt Dütsch-Kubik, Managing Director

bei Vertikom.

18- SHE works!


„Mit vertikalem Touchpoint-Marketing

sind wir in der Lage, die unterschiedlichsten

Touchpoints, also Berührungspunkte,

zwischen Kunden und Produkt,

zu verfolgen. Nur wenn ich weiß, wo ein

Kunde auf mein Produkt trifft, kann ich

auch die entsprechende Marketingstrategie

kreieren, die optimal auf die

Bedürfnisse der Kunden zugeschnitten

ist.“

Als Markenexpertin weiß sie, wie

Anreize geschaffen und die

Aufmerksamkeit für ein Produkt erregt

werden kann: „Wir entwickeln Content in

den richtigen Kanälen und wissen wie,

wo und wann ein Produkt überzeugen

kann und muss. Wir machen Marken

erlebbar und sorgen für aktivierende

Momente. Wir sind direkt vor Ort – am

sogenannten Point-of-Sale - und

begleiten den Kunden bis zum Kauf.“

Marken erlebbar machen

Marketing baut heute darauf, ein

Produkt erlebbar zu machen. Nicht mehr

nur die reine Darstellung genügt, der

Kunde soll eine Beziehung aufbauen.

Produkte sollen ein Gefühl, möglichst

ein positives, auslösen. Hier greift

vertikales Touchpoint-Marketing, es

macht Marken erlebbar: „Wir machen

aus jedem Berührungspunkt einen

Anker, der schlussendlich im Kauf des

Produktes resultiert.“

Doch wie funktioniert das? Um ein

Markenerleben zu schaffen, muss es ein

einheitliches Zusammenspiel aus

Versprechen, Persönlichkeit und Signatur

geben. Die Slogans der Marken

müssen eine Assoziation oder ein

Gefühl entstehen lassen. Zalando

forderte auf: Schrei vor Glück – die FAZ

wirbt mit: Dahinter steckt immer ein

kluger Kopf.

Die Botschaft der Marken senden klare

Signale, die ein Versprechen beinhalten.

Ein Beispiel:

Adidas steht in Deutschland eher für

eine leistungsbezogene, kompetitive

aber durchaus auch spielerische

Sportlichkeit, die auch stark über die

Fußball-Kompetenz unterfüttert wird.

Nike ist im Vergleich cooler, aber auch

Ich-Bezogener und weniger gesellig.

SHE works! - 19


Digital ist wichtig,

persönlich aber wichtiger

Eine Wissenschaft für sich

Früher reichten eine Idee und ein

Grafiker, heute wird viel mit Psychologie

gearbeitet, um die Ware an den Mann und

die Frau zu bringen. Es werden Analysen

durchgeführt und Daten ausgewertet.

Wie das genau funktioniert, erklärt

Caroline Dütsch-Kubik anhand der

Vermarktung eines Magazins: „Es geht

zuerst darum, zu analysieren, wie sich die

Leserschaft verhält, wann und wie werden

sie auf das Magazin aufmerksam und was

triggert schlussendlich den Kauf? Gibt es

diverse Veranstaltungen, die exklusiv für

die angepeilte Leserschaft angeboten

werden? Wie kann man die

Kundenrelevanz steigern? Was

unterscheidet das eine Magazin von

einem anderen? Will der Leser mehr

Inspiration, Knowledge-Transfer oder

einfach nur berieselt werden? Was

bewegt ihn? Was braucht es, um

Markenbotschafter zu finden? Alles

Fragen, die man detailliert geklärt haben

muss, bevor man anfängt, an einer

Strategie zu arbeiten.“

Was die personalisierte Ansprache des

Kunden angeht, ist natürlich das

Einbeziehen der stetig voranschreitenden

Digitalisierung ein wichtiger Aspekt: „Wir in

unserem Unternehmen haben zwei

Agenturen, die darauf spezialisiert sind,

und eine eigene IT-Abteilung, die sich mit

unserem internen System täglich

auseinandersetzt, um sämtliche Consumer-

Touchpoints festzuhalten, zu analysieren

und in individuell zugeschnittenen Dashboards

den Kunden zur Verfügung stellen.

Sie verfolgen live mit, wie die Kampagne

ankommt, ob die KPI’s erreicht werden, um

direkt Einfluss zu nehmen, falls sie etwas

im Angebot oder an der Kampagne ändern

möchten.“

20- SHE works!


Doch Caroline Dütsch-Kubik ist sich

sicher, dass der persönliche Kontakt zum

Kunden nicht ersetzt werden kann. „Man

muss die Marke emotional erleben!“

Selbstverständlich verwende man

gewisse Technologien, um zu

interagieren, um mit individuell

zugeschnittenen Kampagnen auf

persönliche Vorlieben vom Kunden

einzugehen und zu versuchen, aus all

den Daten das perfekte Angebot

individuell maßzuschneidern: „Ich

glaube, all die Daten sind wichtig, um

uns eine Richtlinie zu geben wohin die

Reise gehen soll – aber schlussendlich

kommt es auf das emotionale Erlebnis

an, welches eine Marke im Bewusstsein

verankert oder nicht.“

Marken müssen für Menschen relevant sein, der

Verbraucher muss im Mittelpunkt stehen. Caroline

Dütsch-Kubik führt „Dove“ an: „95 % der Frauen

denken, dass sie nicht hübsch sind. Hier setzt Dove

an und stellt die Schönheit jeder Frau heraus, egal

welchen Alters, Haarfarbe oder Kleidergröße.“ Hier

fühlen sich Frauen abgeholt und angesprochen. Die

Marke wird erlebbar.

Die kreative Ausarbeitung muss immer







den Markenzweck und Tonfall reflektieren

die Idee zur Kernkampagne liefern

die Marke klar und konsequent präsentieren

die Kampagnennachricht transportieren

den richtigen Kommunikationskanal treffen

den Blick des Verbrauchers kennen

SHE works! - 21


Caroline Dütsch-Kubik im Interview

mit SHE works!

Was macht eine gute Kampagne

aus?

„Wenn der Konsument dadurch ein

emotional erlebbares und als

authentisch erlebtes Bild von der Marke

gewinnt, das nachhaltig Wirksamkeit hat

und am POS (Point of Sale) das

gewünschte Umsatzplus im besten Fall

noch

übersteigt.

Im Idealfall beauftragt unser Kunde uns

dazu mit einer integrierten Kampagne

über alle Kanäle hinweg. Sodass wir

aus einer Hand die Maßnahmen an den

einzelnen Touchpoints systematisch

aufeinander abstimmen können. Dann

können wir die Wirkkraft optimal

steuern.

Jeder der Touchpoints bedarf ein an die

Marke exakt angepasstes Vorgehen,

sodass der Mix insgesamt eine

stimmige Abfolge ergibt. Dabei haben

wir stets den ROI des Kunden im Blick.

Ein gelungenes Touchpoint-Marketing

ist vergleichbar mit einer ausgewogenen

asset allocation, in der wir die Mittel an

den erwartbar erfolgswirksamsten

Touchpoints (Supertouchpoints)

investieren.“

Wie erschaffen Sie ein emotional

nachempfindbares Markengefühl, in

einem Umfeld, das inzwischen mit

Vorliebe auf digitale Effekte setzt?

„Die digitalen Möglichkeiten, wie CGI

(computergenerated imaging) bieten neue

kreative Chancen und eine erhebliche

Kostenersparnis. Doch das nur in

Grenzen. Es ist eine Frage der Dosierung,

sonst kann es auch in die andere

Richtung gehen.

Das haben wir bei einem Kunden erlebt.

Seine vorige Kampagne war komplett

gescheitert. Für die Konsumenten war der

komplett via CGI geschaffene "Appetite

Appeal " kaum bis gar nicht erlebbar, wie

unsere Analyse ergab.

Das menschliche Bewusstsein zeichnet

sich durch eine - extrem feine - Sensorik

und scharfen Zensor aus. Zwischen

"Wahr/haftig und künstlich" wird

unwillkürlich und unterbewusst

entschieden. Letztlich ist das wohl ein

archaischer Instinkt, der uns seit einigen

Jahrtausenden das Überleben gesichert

hat. Daher haben wir bei der

Produktinszenierung weitestgehend

Echtprodukte eingesetzt. Das Ergebnis

unseres Mutes war ein voller Erfolg und

erzielte beste Scores.“

22- SHE works!


Frau Dütsch-Kubik, woher nehmen

Sie die Energie für Ihren Job?

„Ich glaube, wenn etwas Spaß macht,

dann zieht man daraus Energie und

verbraucht sie nicht nur. Nehmen wir als

Beispiel ein Kind: Das spielt den ganzen

Tag auch vor sich hin und macht nichts

anderes außer vielleicht Essen und

schlafen. Es zieht die Energie aus dieser

Welt und genau so geht es mir auch. Was

ich täglich tue, macht mir einfach

rundherum

Spaß.

Daher stehe ich jeden Morgen mit

frischem Elan auf und gehe mit meinem

fabelhaften Team an die Arbeit.“

Wie sind Sie ins Marketing und auf

die Spezialisierung auf Food

Communication gekommen?

„Ich bin quasi in ein 3-Sterne Restaurant

hineingeboren worden; meine Eltern

führten eines der renommiertesten

Häuser der Schweiz. So habe ich ein

intuitives Gespür für die Verbindung von

gutem Essen und Geselligkeit entwickelt.

Beides ist für mich unabdingbar

miteinander verbunden. Daraus hat sich

auch mein absoluter Anspruch an Qualität

entwickelt und an Authentizität.“

Welche Ziele haben Sie sich zu Beginn

ihrer Karriere gesetzt?

„Ganz ehrlich? Eigentlich habe ich mir keine

gesetzt, außer dass ich Spaß haben will an

dem, was ich mache. Ich versuche so gut es

geht, Energie-Vampire zu vermeiden. Damit

meine ich zum einen Menschen, mit denen

kein Austausch zustande kommt, die mich

und meine Kompetenz nur für ihre Zwecke

benutzen. Ich bin integer und das erwarte ich

auch von anderen. Wenn hier meine Grenze

überschritten wird, dann bin ich schnell sehr

konsequent und sage es direkt und offen.

Zum anderen meine ich damit - ich delegiere

Arbeiten, die ich nicht notwendigerweise

machen muss. So habe ich Stück für Stück

auch mein Team aufgebaut und jeden hoch

motiviert, weil ich mit einem Arbeitspaket

auch immer die Verantwortung insgesamt

meinem Mitarbeiter überlasse.

Ich neige nicht dazu, meine Arbeitsweise

anderen aufzuerlegen oder ständig zu

kontrollieren. Ich motiviere lieber und schaue

eher über Kleinigkeiten hinweg, erhalte und

fördere so den Elan meiner Mitarbeiter und

ihr Verantwortungsbewusstsein für den

Erfolg der Umsetzung.

Ich bin hier, um etwas aufzubauen, um

gemeinsam neue Momente zu kreieren und

gemeinsam Träume zu verwirklichen.“

SHE works! - 23


Welche Hindernisse gab es auf dem

Weg?

„Das größte Hindernis ist der Mensch

selbst. Wir blockieren uns eigentlich fast

immer selbst und trauen uns vieles nicht

zu. Statt Herausforderungen wahrzunehmen

und einfach so lange querzudenken,

bis die Lösung sich herauskristallisiert.

Ich liebe das Gefühl, wenn sich

die Lösung zu erkennen gibt. Wir, als

Mensch, erlauben uns nicht, uns von alten

Gedankengängen zu lösen und unsere

Gedanken auf Reisen zu senden um zu

sehen, was wäre denn hinter dem

sichtbaren

Horizont.“

Warum haben Sie ihre steile

Managementkarriere bei Kraft

Foods/Mondelez aufgegeben und

sich anschließend selbstständig

gemacht?

„Kraft Foods/Mondelez hat einige Hundert

Brands und ich war in meiner Position als

Food Communication Europe überwiegend

für das Trouble-Shooting zuständig. Wann

immer es bei einer Marke brannte, habe ich

mit meinem Team temporär eingegriffen.

Ich habe dabei aber nie die ganze weitere

Entwicklung verfolgen oder steuern

können. Das war zunächst aufgrund der

hohen Verantwortung und der erzielten

Erfolge sehr reizvoll. Allerdings hat es auch

viel Energie abgezogen und es war auf

Dauer unbefriedigend, da ich letztlich nur

Brandherde

versorgte.“

Ich wollte konzeptioneller arbeiten und die

gesamte Aktivierung einer Marke

strategisch ausarbeiten können und die

Umsetzung steuern. Dafür habe ich mir

über die Jahre hinweg während meiner

Tätigkeit für Mondelez die besten ihrer

Klasse zusammengesucht - Fotografen,

Stylisten, ein SFX (Special Effect) Team,

die ich nun gezielt auf einen Job ansetzen

kann.“

Wie behaupten Sie sich zwischen den

Männern in der Geschäftsleitung?

„Eigentlich mache ich keinen Unterschied

zwischen Mann und Frau. Mir ist wichtig,

dass jemand seine Rolle und

Verantwortlichkeit wahrnimmt und auch so

handelt. Ich war schon immer ein Mensch

der Taten. Hands on – wenn ich was

verspreche, dann halte ich dies auch und

das erwarte ich auch von meinem

Gegenüber.“

Welche drei Eigenschaften erachten

Sie als wesentlich für Ihren Erfolg?

„Durchhaltevermögen, Lösungsorientierung

und Kreativität.“

24- SHE works!


Welche Genderunterschiede sehen

Sie in der Art und Weise der

Führung?

„Empathie, sich hineinversetzen können in

das Umfeld, die Marke oder das Problem.

Das ist sehr weiblich. Daher denke ich,

was die Führung betrifft, können Frauen

sehr viel beisteuern, um ein Unternehmen

erfolgreich zu führen. Eigentlich ist es uns

angeboren, eine Familie zu managen, mit

dem Haushaltsgeld sorgsam umzugehen

und sicherzustellen, dass sich die gesamte

Familie erfolgreich weiterentwickelt –

genau diese Qualitäten braucht es, um ein

Unternehmen zu führen, oder?“

Was motiviert Sie täglich?

„Ich liebe es, wenn ich meine Ideen

einbringen darf und sehe, wie die

Mitarbeiter diesen Ball aufnehmen und

versuchen aus sich heraus zu wachsen

und neue Wege zu beschreiten. Ihnen die

Angst zu nehmen vor Veränderungen und

immer wieder Ways of Working zu

hinterfragen und zu überlegen wie man

alles optimieren kann.“

Hatten Sie einen Mentor oder eine

Mentorin?

„Ja, einige sogar. Mein erster und mir

immer noch zur Verfügung stehender

Mentor

ist

Jean-Daniel DeSchaller von der Diethelm

Keller Group. Er begleitet mich seit über 20

Jahren.

Kennengelernt habe ich ihn bereits mit

sieben Jahren, als ich im Restaurant

meiner Eltern an der Bar ausgeholfen habe.

Meine Kenntnisse als Sommelier haben ihn

gleich beeindruckt (lacht). Seither habe ich

nahezu jede berufliche und zum Teil auch

private Entscheidungen mit ihm

abgestimmt. Gerade auch, als ich mich

selbstständig gemacht habe. Noch heute

sprechen wir uns regelmäßig und

mindestens zweimal im Jahr gehen wir

zusammen Essen.

Aus seiner fachlichen Erfahrung und seiner

menschlichen Nähe habe ich viel

gewonnen.“

SHE works! - 25


Wie gehen Sie mit Frustration im

Beruf und was verursacht bei Ihnen

Niedergeschlagenheit?

„Ganz ehrlich? Kenne ich so gut wie gar

nicht. Dadurch, dass ich keinerlei

Hemmungen habe, Probleme beim Namen

zu nennen, und sie umgehend löse,

komme ich gar nicht erst in solch eine

Lage. Ich glaube, ich habe viel daraus

gewonnen, dass ich als Kind in dem

Sterne-Restaurant meiner Eltern ganz

unbefangen auf - hochgestellte -

Persönlichkeiten zugegangen bin. Das hat

sicher dazu beigetragen, dass ich immer

den Menschen sehe und die Sache, und

mich durch Titel und Positionen nicht

beeindrucken

lasse.“

Welche Ratschläge haben Sie

besonders weitergebracht und

motiviert?

„Caro, es liegt alles in Deiner Hand – The

Sky is the Limit.“

Welche Tipps haben Sie für

angehende weibliche Führungskräfte?

„Es gibt leider kein universelles Handbuch

zum Erfolg. Ich glaube, wir sind als Person

jeder ein Individuum und selbst für unser

Glück verantwortlich. Keiner wird es für uns

machen, sondern wir sind gefordert es

selbst in die Hand zu nehmen.

Egal was, solange es Ihre Passion ist

und sie voll und ganz überzeugt davon

sind, dann machen sie es. Es kann nur

gut werden.“

Wie behalten Sie die Work-Balance

im

Blick?

„Zuhause ist zuhause, und Arbeit ist

Arbeit. Zuhause wird jeden Abend

gemeinsam gegessen und der Tag

besprochen. Wir sind eine Art

Patchwork-Family bei der meine

Schwester mit Familie, mein Mann und

ich, inklusive der Eltern und oft auch

Besuch unter einem Dach leben. Daher

ist immer was los und ein Kommen und

Gehen. Es darf nicht nur mich geben –

es gibt auch die anderen und Ihre

Geschichten sind alle sehr bereichernd.“

Wie werden Sie von Ihrem Partner

unterstützt?

„Er ist die gute Seele, die schaut, dass

zuhause alles im Lot ist und plant alles

bis ins Detail. Neben seiner Arbeit

schmeißt er meist auch den Haushalt -

ohne ihn wäre ich aufgeschmissen.“

Vielen Dank für das Gespräch!

26- SHE works!


SHE works! - 27


Co-Founderin Anna Alex verlässt nach sechs Jahren das von ihr

mitgegründete Startup OUTFITTERY.

29- SHE works!


Frau Alex, Sie haben Ihr Unternehmen

OUTFITTERY verlassen und beraten

„nur“ noch im Beirat. Planen Sie etwas

Neues?

„Ja das tue ich mittelfristig. Das ist

allerdings momentan leider noch nicht

spruchreif.“

OUTFITTERY ist innerhalb von sechs

Jahren zu einem sehr erfolgreichen

Männermode-Start-up geworden. Wie

baut man innerhalb einer solchen

Zeitspanne eine solche Marke auf?

„Mit Blut, Schweiß und Tränen. Nein Scherz

beiseite – das ist natürlich nicht einfach. Wir

haben mit OUTFITTERY in vielerlei Hinsicht

einfach den Zahn der Zeit getroffen. Viele

Menschen sind überwältigt von der Auswahl

an Artikeln, die man dort draußen findet und

wollen trotzdem gut aussehen und Ihren Stil

zeigen. Viele unserer Kunden haben uns,

nachdem sie es ausprobiert haben, ihren

Freunden empfohlen.“

Wie sind Sie und Ihre Co-Founder an

potenzielle Investoren herangetreten?

„Die meisten hatten wir bereits in unserem

Netzwerk. Das ist auch meistens die

vielversprechendste Ansprache. Man sollte

immer schauen, wer einem einen Investor

vorstellen kann. Zum einen schauen die

Investoren dann genauer hin, zum anderen

kann man auch gleich mehr über den

Investoren erfahren. Wir haben tolle

Investoren bei uns im Board.“

Welche Form von Kommunikation muss

man wählen, um ein Unternehmen zu

branden?

„Man muss in allererster Linie authentisch

sein. Besonders in so einem

beratungsintensiven Geschäft wie dem

unseren. Unsere Stylisten haben direkten

Kundenkontakt und telefonieren mit vielen

Kunden. Da ist es wichtig, dass sie sie

selbst sein können.“

Die Idee ist gut, die Co-Founder passen,

die Finanzen stehen. Wie fange ich an,

eine Marke aufzubauen?

„Es ist durchaus sinnvoll, sich früh mit dem

Thema Markenaufbau zu beschäftigen.

Viele Start-ups tun das zu spät. Ich glaube

für Start-ups ist es wichtig früh zu

definieren, was die Vision und die Sprache

der Marke ist.“

Wie trete ich mit einem solchen

Unterfangen an die Öffentlichkeit?

„Das kann man so pauschal nicht sagen.

Wir waren sehr in der Presse präsent und

wurden häufig erwähnt und von

Redakteuren „getestet“. Das war immer für

alle Beteiligten spannend.“

Wie sieht Ihrer Meinung nach gutes

Marketing und die dazu passende

Kommunikation aus?

„Ich glaube, es ist wichtig, dass man

authentisch und vor allem mutig ist. Man

muss sich irgendwie aus der Masse

hervorheben.

SHE works! - 30


Viele unserer Kunden haben zb. Einen

runden Geburtstag. Einige haben wir sogar

schon für ihre Hochzeit ausgestattet!

Frauen sind eher Impulskäufer. Sie sehen

irgendwo etwas Schönes und möchten

dieses Teil dann auch haben. Das hat

natürlich Auswirkungen auf die

Marketing-Strategien.“

Mode scheint trotz der eher weiblichen

Zielgruppe sehr männerdominiert zu sein.

Täuscht das?

Auch wenn das nicht immer allen passt,

sollte eine Marke ihrem Stil treu bleiben.

Manche Marken sind provokativer und

mutiger als andere.“

In der Modebranche wird sicher

anders kommuniziert als in anderen

Branchen. Wie sieht der typische

„Mode-Sprech“ aus?

„Oh ja, davon gibt es viel. Angefangen

bei TW, was die Abkürzung für das

Branchenmagazin Textilwirtschaft ist über

NOS was für „never out of stock“ steht

und Evergreens bezeichnet. Das musste

ich auch alles über die Zeit erst lernen.“

Wie unterscheiden sich

Marketing-Strategien für Männer bzw.

Frauen als Zielgruppe?

„Männer kaufen sehr anlassbezogen ein.

Das heißt es kommt ein großes Event

und das löst bei ihnen aus darüber

nachzudenken etwas Neues zu kaufen.

„Nein. Wie in fast allen Industrien gibt es

leider viel zu wenig weibliche Gründer.

Allerdings gibt es dennoch recht viele

weibliche Designer. Das ist ja schon mal

etwas!“

Welche Eigenschaften sollte man Ihrer

Meinung nach mitbringen, wenn man

Erfolg haben möchte?

„Köpfchen und Durchhaltevermögen. Mit

einer guten Kombination aus dem beiden

kann man eigentlich alles schaffen!“

Was motiviert Sie täglich?

„Etwas auszubauen und bewegen zu

können.“

Welchen Tipp haben Sie für weibliche

Führungskräfte?

„Im Job geht es nicht darum gemocht zu

werden. Das ist uns Frauen viel zu häufig

viel zu wichtig. Es geht, darum gute

Ergebnisse zu erzielen.“

Vielen Dank für das Gespräch.

SHE works! - 31


32- SHE works!


Sylvaine Delacourte war jahrelang Leiterin der Duftsparte bei Guerlain und kreierte eine

ganze Reihe namenhafter Parfums für das Unternehmen. Jetzt hat sie den Schritt in die

Selbstständigkeit gewagt. SHE works! hat sie zu diesem Schritt interviewt.

SHE works! - 33


Frau Delacourte, was macht ein

außergewöhnliches Parfum aus?

„Es muss kreativ sein, ein Duft, den man

noch nie vorher gerochen hat, mit einer

gewissen Zartheit, Dauerhaftigkeit und

Projektion.

Ein Parfum muss Gefühle wecken und

direkt das Herz ansprechen, nicht den

Kopf.

Können Sie unseren Leserinnen einen

Einblick gewähren: Was war in Ihrem

Beruf die größte Herausforderung?

Und wie haben Sie diese gemeistert?

„Während meiner Karriere wurde ich viele

Male herausgefordert, besonders als ich

einige renommierte und internationale

Parfums entwickelte.

Stellen Sie sich vor, Sie sind in der

gleichen Ausgangslage wie ihre

Mitbewerber und müssen das gleiche

Projekt bearbeiten.

Es ist wichtig, hartnäckig zu bleiben und

keine Kompromisse bei der Qualität und der

Kreativität des Parfums einzugehen, das

Sie kreieren möchten.

Parfum ist heutzutage mehr oder

weniger ein Luxusgut. Häufig werden

billige Parfums in Discountern gekauft.

Teilen Sie diese Ansicht?

„Man kann schon sagen, dass man billige

Parfums, weltweit Parfums von

internationalen Marken und

Nischenparfums von eher zurückhaltenden

Marken für mehr elitäre Kunden finden

kann.

Aber die genannte Ansicht teile ich nicht.

Ich glaube, man kann den Menschen zur

Nutzung guter Parfums erziehen. Kunden

haben eine große Auswahl und je mehr sie

ausprobieren und nutzen, desto eher

möchten sie mehr Qualität. Sie wollen, dass

es “Ihr” Parfum ist und sich auch von der

Menge unterscheidet.

Hat sich die Bedeutung und Wertigkeit

von Parfum in den letzten Jahren

verändert?

„Ja, es hat einen großen Schritt von der

Verführung hin zu einem Gefühl von

Vertrauen gegeben.

Parfum wurde zum Verführen benutzt.

Mittlerweile wird das Parfum oder auch

mehrere Parfums (immer mehr Menschen

tragen nicht nur das eine sondern

verschiedene Parfums) benutzt, um sich

wohl zu fühlen oder sich selbstsicher zu

fühlen

34- SHE works!


Sie haben Ihr berufliches Leben der

Parfümerie gewidmet. Was

fasziniert Sie an dieser Branche?

„Wie auch in der Musik , ist es

erstaunlich, dass es endlos viele

Möglichkeiten gibt neue Harmonien zu

entdecken und kreativ zu sein. Es ist

wirklich faszinierend.

Was ist ihr “Traumduft”, den Sie

gern komponieren würden?

„Ich möchte ein Parfum im gleichen

Geist kreieren wie Cuir Beluga von

Guerlain, an dem ich gearbeitet habe,

ein Parfüm, das das gleiche Gefühl

von Samt, Kaschmir, Eleganz,

Präsenz und Diskretion vermittelt.

Was war bisher der schwierigste

Duft, den Sie kreieren mussten?

„Die schwierigsten Parfums sind die

frischen Düfte, weil Frische durch

Essenz flüchtig ist und kaum haltbar.

Die Herausforderung besteht darin, dieser

Frische Langlebigkeit und Projektion zu

geben, um ein wirklich gutes Parfüm zu

erhalten, und das ist eine wirklich große

Herausforderung.

Ist die Parfümerie eher eine männliche

oder weibliche Branche?

„Als meine Karriere begann, war es einen

männliche Branche aber das ändert sich

langsam.

Sie haben lange für Guerlain gearbeitet

und haben jetzt ihr eigenes Unternehmen

gegründet. War das ein schwieriger

Schritt?

„Nein, ich bin da seit langem darauf

vorbereitet. Ich habe davon geträumt,

meinen eigene Marke herauszubringen, aber

ich habe auf den richtigen Zeitpunkt

gewartet, um mit einem kompetenten

Mitgründer an den Start zu gehen, damit wir

in einem hart umkämpften Markt ein echtes

Geschäft aufbauen können

SHE works! - 35


Konnten Sie von Ihren Erfahrungen

aus dem Unternehmen für Ihre

Gründung profitieren?

„Ich habe viel von Guerlain in Bezug auf

hohe Qualität gelernt und wie man

Leuten lehrt ein großartiges Parfum zu

kreieren.

Was ist der Unterschied zwischen

der Arbeit im Unternehmen und der

Arbeit als Freiberufler?

„Ganz klar die totale Freiheit der

Kreativität!

Was treibt Sie in Ihrem Beruf an?

„Ich habe mit in Düfte und Rohstoffe

verliebt als ich fast 30 Jahre alt war. Es

war wirklich eine Offenbarung, es hat

mein Leben verändert und ich bin

immer noch leidenschaftlich dabei.

Was bedeutet Erfolg für Sie?

„Es ist natürlich eine Befriedigung, es

ist eine Belohnung für den gesamten

Entstehungsprozess, der so lange

dauert, bis er an die Öffentlichkeit

gelangt.

Welche drei Eigenschaften erachten

Sie als wesentlich für Ihren Erfolg?

„Visionen, Kreativität und Menschen,

die mich umgeben.

Wie gehen Sie mit Fehlern um?

„Es ist immer eine gute Erfahrung zu

lernen, vor allem, wenn Sie Ihr

Unternehmen in einem hart

umkämpften Markt starten, niemand

wartet auf Sie und nichts ist einfach,

aber es ist besser zu versuchen als

nichts zu tun.

Hatten Sie Unterstützung bei Ihrer

Gründung?

„Ja natürlich konnte ich nicht alles allein

übernehmen,

Vor allem mussten wir ja neben meiner

kreativen Arbeit (Produktion, Logistik,

Marketing, Finanzen, etc.) viele

verschiedene Aspekte berücksichtigen.

Was motiviert Sie täglich?

„Neue Ideen für die Marke zu bekommen,

meine nächste Kollektion zu kreieren und

mit Händlern zusammenzuarbeiten, die

an die Marke und meine Arbeit glauben -

das bringt Motivation.

Arbeiten Sie lieber mit männlichen

oder weiblichen Kollegen?

„Es kommt darauf an, ich mag beide, es

ist eine Frage von Werten, Gefühlen und

Kollegialität.

Was ist am wichtigsten für diesen

Beruf - außer einem

außergewöhnlichen Geruchssinn?

„Intuition und die Vision des Endprodukts.

Das Parfüm erscheint in meinem Kopf,

bevor ich es tatsächlich kreiere. Ich

würde auch sagen, Neugier gepaart mit

Reisen und den verbunden Erfahrungen

vor Ort (Essen, Trinken, Cocktails,

Ausstellungen). Auch wenn es nicht so

scheint, aber alles kann eine Quelle der

Inspiration sein.

Was können Sie angehenden

weiblichen Führungskräften raten?

„Wage etwas, kenne deine Stärken und

Schwächen und finde Leute, die dir

helfen können, deine Träume zu erfüllen.

36- SHE works!


Daniella Midenge ist eine Ausnahmefotografin. Ihre Bilder zeigen

Frauen in ihrer ganzen Stärke und Schönheit. Sie wird auf eine

Stufe gestellt mit Kollegen wie Helmut Newton und Peter Lindbergh.

Sie kennt aber auch das Leben vor der Kamera - schließlich war sie

ein gefragtes Fotomodell. SHE works! hat sie Einblicke in ihre

Berufung gewährt.

SHE works! - 37


Nach Ihrer Zeit als Model sind Sie hinter

die Kamera getreten. Was war der

Auslöser

dafür?

„Viele glauben, dass das die

chronologische Abfolge war, aber ich war

zuerst Fotografin und davor war ich noch

weiter hinter der Kamera, nämlich als

Make up- und Haarstylistin.“

Hatten Sie je einen Mentor oder eine

Mentorin?

„Ich wünschte es - aber leider nein.“

Als Fotografin schaffen Sie einzigartige

Bilder, die Frauen in ihrer ganzen Stärke

und Schönheit zeigen und werden doch

immer mit den - sogenannten -

berühmten männlichen Kollegen

verglichen. Nervt Sie das?

„Hängt davon ab, auf wen es sich bezieht,

aber wenn es die üblichen Verdächtigen

sind, bin ich mehr als geschmeichelt! Ich

mache mir keine Sorge darüber, mit

welchem ​Geschlecht ich verglichen

werde, aber mit welcher Meinung.“

Welche Arbeit ist anstrengender, vor

oder hinter der Kamera?

„Dahinter. 100 mal anstrengender - aber

auch lohnender!“

Hilft Ihnen die Erfahrung aus der

Modellzeit heute als Fotografin?

„Ja, auf alle Fälle. Ich habe großes

Verständnis für die Frauen vor meiner

Linse und kann mich gut in sie

hineinversetzen. Und ich kenne die Tricks,

wie man jemanden zum Entspannen

bringt und ich erkenne, ob sich die Models

wohlfühlen oder nicht.“

38- SHE works!


Sie machen nicht nur die Aufnahmen, sie

übernehmen auch das Styling der Models und

zusätzlich liegt auch die Entwicklung ihrer Bilder

in ihrer Hand. Ist das typisch weibliches

Multitasking?

„Mag sein. Die meisten Make-up-Artists kümmern

sich auch um die Frisur. Es ist eigentlich schon eine

Sache zuviel. Deshalb kann ich nicht sagen, ob das

eine rein weibliche Fähigkeit ist. Ich hatte schon

immer sehr viel Energie - ich schlafe nicht wirklich

gern und lange entspannen kann ich auch nicht - es

sei denn, mit Anmut oder unter besonderen

Umständen. Ich denke also es liegt an meiner

Persönlichkeit. Ich habe das Gefühl, es dauert viel

länger, jemanden zu erklären was ich will, als wenn

ich es gleich selbst mache. Wenn ich alles selbst

mache, sind die Produktionen wesentlich effizienter

und kürzer. Mit einem traditionellen Team dauert es

um die 8 Stunden, um 4-5 Bilder zu produzieren.ICh

bin Schwedin und ich denke, dass Frauen und

Männer in unserem Land sehr ähnlich aufwachsen

und erzogen werden und das spiegelt sich auch darin

wieder, wie wir die Dinge später im Leben angehen.“

Kaum ein anderer - männlicher - Fotograf macht das -

oder ist dazu in der Lage.

„In meinen Bildern geht es hauptsächlich um das Aussehen

der Frau und nicht um extrem interessante Lichter oder

riesige Sets. Wenn jemand anderes all die Art-Direction und

Haare und Make-up machen würde und ich würde nur das

Foto machen, ich glaube nicht, dass meine Bilder dann das

ausdrücken würden, was sie ausdrücken sollen. Ich weiß

nicht, ob es andere weibliche Fotografen gibt, die das auch

tun.“

Warum machen Sie das alles?

„Es hat sich für mich herauskristallisiert dass der einfachste

und schnellste Weg zu erreichen, was ich will, ist, es selbst

zu tun. Wenn sich jemand anderes einmischt, würde ich

einfach da stehen und kommentieren. Ich könnte mich in

der Zeit also auch nicht mit etwas anderem beschäftigen.

Ich brauche zu viel Zeit zu erklären, warum ich etwas nicht

mag. Aber nach einem Shooting bin ich total erschöpft.

Obwohl das Adrenalin mich am Laufen hält.“

SHE works! - 39


Für viele junge Frauen ist Ist Model sein immer noch ein

Traumjob. Ist es wirklich so traumhaft? Was würden Sie

diesen jungen Frauen gern sagen?

„Ich denke, es ist ein einsamer Job. Man ist aber auch

ständig auf Reisen zu verschiedenen Orten. Es ist auch eine

großartige Möglichkeit, neue Leute zu treffen - auch wenn es

sehr kurzlebig ist. Es ist definitiv eine Möglichkeit, die Welt zu

sehen und tatsächlich darin zu leben und zu arbeiten. Die

Hauptsache, an die man imme denken sollte ist: auch wenn

es überhaupt nicht so aussieht, deine Persönlichkeit

erscheint immer stärker als dein Aussehen - also verlasse

dich niemals nur darauf.“

Lassen Sie uns zur Fotografie zurückkehren. Wie hoch ist der Anteil an

erfolgreichen Frauen in dieser Branche?

„Hm.. vielleicht 20%.“

Wie schwierig ist es als Frau in der Branche akzeptiert zu werden?

„Ich denke als Frau haben wir einen Vorteil in diesem Job, gerade nach der “Me too”

Bewegung. Aber man braucht Mut und Motivation um als Freelancer zu gründen in

der Branche zu bestehen. Ich denke, das ist der Punkt, an dem die meisten scheitern.

Aber eine Frau in der Branche für Schönheit und Mode zu sein? P

erfekt.“

Sie arbeiten mit Kreativität und Ihre Arbeiten zeugen immer auch von einer

“inneren Überzeugung”. Wie gehen Sie da mit Kritik um?

„Es macht mir nichts aus. Nicht jeder kann einen großartigen Song erkennen, denn

wir haben natürlich alle einen anderen Geschmack: Rock, Hiphop, Klassik .....so ist

das mit der Kunst.“

40- SHE works!


Wer unterstützt Sie in Zeiten von Unsicherheit und Zweifel?

„Eines meiner derzeitigen Alter Ego's.“

Wer oder was ermutigt Sie, Ihren Stil zu bewahren?

„Die Tatsache, dass ich ständig andere Dinge versuche und nicht

immer den gleiche Kick bekomme. Es bieten sich so viele

Möglichkeiten in der heutigen Zeit, da ist es gerade wichtig, sich

selbst treu zu bleiben und das zu tun, was man am besten kann

und zu erkennen “Das bin ich!”. Man muss nicht jemand anderes

sein. Das wäre so, als würde Puff Daddy anfangen, Opern zu

singen.“

Was treibt Sie jeden Tag an?

„Mein Auto. Und eine Menge

Uber-Fahrer.“

(lacht)

Was bedeutet Erfolg für Sie?

„Meine Tage damit zu

verbringen, etwas Sinnvolles zu

tun.“

Was raten Sie Frauen, die ihr

Potential voll ausschöpfen

wollen?

„Denke nicht, tu es einfach.

Courage und Selbstvertrauen

sind leider wichtiger als Talent.“

Vielen Dank für das

Gespräch!

SHE works! - 41


Die 20-jährige Uma Hagenguth ist Mitgründerin von Appics, der ersten auf der

Blockchain basierenden Social Media App für jeden. Sie ist Vorbild für alle jungen

Frauen, die immer noch glauben, Frauen und Technik passen nicht zusammen. SHE

works! wollte genau wissen, wie Appics eigentlich funktioniert und wie man als junge

Frau den Fuß in die Tür der Tech-Branche bekommt.

42- SHE works!


Frau Hagenguth, Sie haben Appics - die

erste Social Media Blockchain

mitgegründet. Was erwartet jemanden,

der sich damit auseinandersetzt?

„Appics ist die erste Social-Media-App, die

auf Blockchain-Technologie basiert und

trotzdem für jeden nutzbar ist. Im Prinzip

funktioniert sie wie Instagram – mit dem

Unterschied dass nicht nur “Likes” verteilt

werden, sondern “Votes”vergeben werden,

wodurch Währung entsteht - Appics Token

(XAP) - wobei nicht Algorithmen, sondern

die Community über den Erfolg der User

und die Qualität des Contents

entscheiden.

Der Wert der Inhalte entsteht durch die

Votes. Außer der Gesamtanzahl an Votes,

wird der monetäre Wert unter dem Post

angezeigt und der Hauptpunkt: nach 7

Tagen wird die Währung (XAP) sowohl an

den Content-Kreierenden, als auch die

“Voter” ausgeschüttet. Somit werden die

Nutzer der Plattform für ihren geleisteten

Beitrag direkt vergütet. Was den Meisten

nicht bewusst ist - Kryptowährung, wie

unter anderem Bitcoin, oder in dem Fall

von Appics: Appics Coins (XAP) gelten als

anerkannte Währung und können direkt in

jede beliebige Währung umgetauscht

werden. Somit bietet Appics den Nutzern

der Plattform eine neue Art der direkten

Monetarisierung von Content.“

Was ist eigentlich eine

Blockchain?

Im Prinzip kann man sich die Blockchain wie

eine riesige Datenbank vorstellen. Immer,

wenn Daten von einem Nutzer zu einem

anderen geschickt werden, gibt es dort einen

Eintrag.

Das Besondere: Diese Datenbank wird nicht

irgendwo auf einem zentralen Server

gespeichert, auf den nur ein paar Menschen

Zugriff haben - es gibt Kopien auf tausenden

Computern rund um die Welt. Jeder dieser

Computer sieht einen neuen Eintrag und muss

ihn bestätigen. Erst dann ist ein

Datenaustausch

gültig.

Momentan wird hauptsächlich Geld hin- und

hergeschickt. Aber theoretisch könnten

sämtliche Informationen (Wahlen, Verträge,

Texte oder auch Fotos & Videos) künftig so

behandelt

werden.

Der Vorteil ist dabei nämlich: Niemand hat

Macht über diese Informationen. Niemand

kann sie manipulieren, hacken oder löschen.

Alle Abläufe sind komplett transparent und

theoretisch für jeden nachvollziehbar. Deshalb

gilt die Blockchain - verglichen mit allen

Systemen, über die wir heute Informationen

verschicken - als fälschungssicher.

SHE works! - 43


Wer ist die Zielgruppe für Ihr Produkt?

„Generell sprechen wir eine junge Zielgruppe

an (12-24). Die nächste Generation wächst

praktisch mit einer Onlinepräsenz auf. Vor

allem Teens und jüngere Nutzer verbringen

nicht nur am meisten Zeit auf sozialen

Netzwerken, sondern suchen auch aktiv

nach Möglichkeiten um Geld zu verdienen

und “unabhängig” von den Eltern zu sein. Es

ist mittlerweile zur Norm geworden, dass

“Youtuber” oder “Influencer” der Traumberuf

vieler Kinder und Jugendlicher ist. Allerdings

ist Vielen auch bewusst dass dies kein

einfacher Weg ist und nur sehr Wenige

durch eine “Personal Brand” online Geld

verdienen können.

Mit Appics haben Sie nun ein Werkzeug um

statt Zeitungen auszutragen, ihr Hobby zum

Job zu machen und das wird Wellen

schlagen.“

Hatten Sie Unterstützung bei der

Umsetzung Ihrer Geschäftsidee?

„Ja, das Konzept von Appics habe ich

zusammen mit meinen Geschäftspartnern

Tony Winchester und Sandro Ieva

entwickelt. Tony ist schon seit 2011 in der

Crypto-szene tätig, als früher Bitcoin-Miner,

Programmierer und hat 2016 auf dem Markt

eine neue Blockchain entdeckt: Steem. Er

kam gerade zurück von einer Reise und

erzählte mir sofort von seiner Entdeckung.

Noch am selben Tag, im Juli 2016 bin ich

somit aktiv auf Steemit geworden und habe

meinen ersten Blogpost veröffentlicht um die

Technologie zu testen. Und ab dem Tag

nahm die Geschichte seinen Lauf. Wir sahen

das Potential hinter der Idee “Likes =

Währung”, verstanden die Technologie, und

44- SHE works!

beschlossen ein Konzept zu entwickeln

dass sich für die Masse eignet und die

Blockchain Revolution spielerisch an den

“Mainstream Markt” bringt. Vor Appics

waren wir bereits Geschäftspartner und

Gründer einer Marketingagentur, weshalb

es für uns von Anfang an ein natürlicher

Prozess war und wir bereits mit einem

engagierten Team, entsprechenden

Ressourcen, und einem globalen

Netzwerk starten konnten.

Was gab den Impuls sich selbstständig

zu machen?

„Der frühe Einblick in das Leben eines

Unternehmers war der wohl größte

entscheidende Punkt. Ich hatte das Glück

im jungen Alter einen Mentor in meinem

Leben zu haben, der sein Leben lang

selbständig, unabhängig und frei war und

sich alles selbst beigebracht hat. Von ihm

lernte ich was es bedeutet Unternehmer

zu sein. Ich lernte das System, das

Fundament unserer Gesellschaft aus

einer neuen Perspektive kennen, von

außen. Ich fing an mich mit Fragen zu

beschäftigen wie “wo kommt Geld her,

wie funktioniert unser Banksystem etc.”

und mit diesem fundamentalen

Verständnis fing ich an, meiner Neugier

nachzugehen und mich als junge

Unternehmerin während der Schulzeit zu

testen. Ich schätze mich noch immer sehr

glücklich und bin sehr dankbar dafür eine

Person wie meinen Mentor in meinem

Leben zu haben, das hat nicht Jeder. Er

gab mir Wissen und brachte mir bei selbst

zu forschen, auszuprobieren, zu lernen

und die Leidenschaft für Probleme lösen

zu entwickeln - was die Hauptaufgabe

eines jeden Unternehmers ist.“


Ihr Tipp für andere Gründerinnen:

„Konzentriere dich auf deinen Spielplan,

lass dich nicht ablenken und gib nicht auf.

Vor einigen Jahren war “Gründen” etwas

besonderes, was sich nur wenige trauten,

da es mit viel Verantwortung, Kosten und

Risiko verbunden war. Heutzutage kann

theoretisch Jeder Unternehmer werden,

dank dem Internet und insbesondere

Social Media. Allerdings ist den Meisten

dabei nicht bewusst, dass dies nicht gleich

Erfolg bedeutet. Die Möglichkeiten haben

sich geändert, aber das Motto und

Fundament eines erfolgreichen

Unternehmen ist dasselbe: “Hard Work &

Dedication”.

In anderen Worten, Weniger auf das Leben

von Anderen schauen und mit Tunnelblick an

der eigenen Vision arbeiten, alle Werkzeuge

unserer Zeit nutzen, analysieren, probieren

und dann kommt dazu nicht aufzugeben. Das

sehe ich als eine der größten Schwächen

heutzutage - Angst vor Misserfolg. Wenn

man mit etwas anfängt, sollte man nicht

erwarten dass es auf Anhieb funktioniert -

weniger auf den Erfolg konzentrieren und

mehr darauf so viel wie möglich

auszuprobieren, denn nur wer testet kann

nicht verlieren. Hilfreich ist dabei und das

halte ich für sehr wichtig, sich mit den

richtigen Leuten zu umgeben die dasselbe

Ziel verfolgen wie du. Alleine kommt man

nicht weit, nur mit dem richtigen Team ist

alles möglich.“

SHE works! - 45


INDUÄT

vs

ROLLENBILDER

Wie Frauen sich auf

Führungsebene bewegen

könn(t)en, ohne in die

Gefälligkeitsfalle zu tappen

von Felix Maria Arnet

46- SHE works!


Tipp 1: Definieren Sie klar die Werte,

auf deren Grundlage Sie handeln

möchten. Streben Sie danach, diesen

Werten gerecht zu werden, aber

versuchen Sie nicht per se „nett“ zu

sein!

Im gesellschaftlichen Diskurs wird

immer wieder die Frage gestellt, ob es

einen spezifisch weiblichen

Führungsstil gibt, der sich als

besonders praktisch oder sogar

normativ erwiesen hat. Diese Frage ist,

in meinen Augen, schon im Ansatz

falsch. Es mag anachronistisch klingen,

aber es hat eine nachweislich lange

Tradition, dass Frauen folgen, und nicht

führen sollen. Den Umbruch erleben wir

zwar gerade auch auf anderen Ebenen

der Gesellschaft (metoo – Debatte),

jedoch sind dessen Resultate und

langfristige Auswirkungen noch lange

keine Selbstverständlichkeit. „Folgen“

assoziieren wir mit Attributen wie

duldsam, nachgiebig, bescheiden,

aufopfernd und bemüht. Diese

Eigenschaften – man könnte auch

Tugenden sagen - werden als typisch

weiblich konnotiert. Der Widerspruch

liegt auf der Hand: „Führung“ und

„Macht“ verbinden wir eher mit

Merkmalen wie dominant, ehrgeizig,

bestimmt, unnachgiebig und

konsequent. Und diese werden

klassischerweise mit Maskulinität in

Verbindung gebracht. Wenn man sich

aber die allgemeingültigen

Kernkompetenzen ansieht die eine

moderne Führungskraft mitbringen

muss, nämlich Eigenschaften wie

Präsenz, Offenheit, Authentizität,

Integrität, Konfliktfähigkeit und

Empathie, fällt schnell auf, dass diese

Zuschreibungen nicht mehr

geschlechterspezifisch sind, sondern

eine individuelle Charakterfrage.

Deshalb bin ich der Meinung, dass die

Debatte aus den tradierten

Rollenbildern herausgehoben werden

muss. So simpel es vielleicht klingen

mag: Definieren Sie Ihre eigenen

Werte, mit denen Sie sich identifizieren

können. Und zwar unabhängig davon,

was man von Ihnen erwartet – oder

was Sie glauben, was man von Ihnen

erwartet.

Ein guter Ansatz sind nach wie vor die

drei Führungsstile nach Kurt Lewin:

Überprüfen Sie für sich, welcher am

ehesten mit Ihren Charaktereigenschaften

vereinbar ist. Auf dieser

Grundlage können Sie Ihren ganz

eigenen Modus finden und

weiterentwickeln, der die Frage, ob Sie

nun eher maskuline oder eher feminine

Attribute in Ihren Führungsstil

einbringen, als bestenfalls zweitrangig

erscheinen lässt.

SHE works! - 47


Tipp 2: Achten Sie auf Ihre

nonverbale Kommunikation! Eine

offene und expansive Körpersprache

drückt Stärke aus – muss aber auch

zu Ihrer Persönlichkeit passen.

Egal ob auf großer Bühne oder in

kleinem Meeting, ob Vorstandssitzung,

Teambesprechung oder Mitarbeitergespräch

– eine Führungsposition stellt

höchste Ansprüche an die

kommunikativen Fähigkeiten ihres

Platzhalters. Erfolgreiche Kommunikation

ist ein Schlüsselelement im

gehobenen Management. So weit, so

bekannt. Was aber nicht jeder weiß:

Die Wortwahl ist, glaubt man den

jüngsten Erkenntnissen aus der

Persuasionsforschung, nur zu einem

verschwindend geringen Anteil für die

Gesamtwirkung einer verbalen

Aussage ausschlaggebend. Mit 55% ist

die Körpersprache neben Wortwahl

(7%) und Tonfall (38%) der absolute

Spitzenreiter in Sachen Influencing

Skills. Was bedeutet das für weibliche

Führungskräfte? Hier ergibt sich, aus

gesellschaftlicher Perspektive, wieder

ein kleines Dilemma: Frauen wird

schon im Kleinstalter antrainiert, sich

möglichst unauffällig und passiv zu

artikulieren. Große Gesten, ausufernde

Armbewegungen und dominantes

Gebahren ist wieder etwas,

was eher mit maskulinem Verhalten

assoziiert wird – und dennoch als

wichtiges Attribut gilt, wenn es um

Führungsqualitäten geht.

Der Umkehrschluss darf aber nicht

lauten, dass Frauen männliche

Körpersprache kopieren sollten, denn

leider machen Frauen im beruflichen

wie privaten Umfeld immer wieder die

Erfahrung, dadurch mit negativen

Zuschreibungen wie Aggressivität und

sogar Unsicherheit behaftet zu werden.

Auch hier gilt wieder: Es gibt keinen

kategorischen Imperativ. Ob Sie sich

mehr einer minimalistischen Körper.

sprache bedienen, um damit Ihren

Worten durch Betonung und

Sprechpausen mehr Gewicht zu

verleihen, oder ob Sie eine aktive,

ausladenden Gestik pflegen möchten,

hängt von Ihrem individuellen Typ ab.

Gehen Sie mit sich selbst in Revision

und fragen Sie sich, womit Sie sich

ganz persönlich wohlfühlen und

identifizieren können. Nur dann wird

Ihre Präsenz auf den kleinen und

großen Bühnen der Welt authentisch

und organisch sein.

48- SHE works!


Tipp 3: Erfolg besteht immer im

Austausch mit anderen Menschen.

Pflegen Sie systematisch Kontakte zu

interessanten Menschen und machen

Sie sich „Netzwerken“ zu einer

Gewohnheit!

In Zeiten von Digitalisierung und Social

Media ist es ein allgegenwärtiges

Mantra. Und doch bleibt es eine

Königsdisziplin auf dem Weg nach

oben: Das Netzwerken. Ich höre in

diesem Zusammenhang immer wieder,

dass Frauen schlechter „netzwerken“

als Männer, respektive größere

Schwierigkeiten damit haben. Unsinn!

Ganz im Gegenteil: Frauen haben, im

Gegensatz zu vielen Männern, die

Eigenschaft, sich in alle Richtungen zu

orientieren, und nicht nur im Rahmen

der „Hackordnung“, also von unten

nach oben, beziehungsweise

umgekehrt. Frauen sind auch per se

nicht so sehr dem Rollenbild des

„einsamen Wolfs“ verhaftet, und haben

oft eine deutlich niedrigere

Hemmschwelle wenn es darum geht,

Hilfe anzunehmen. Diese

Eigenschaften prädestinieren sie

geradezu für erfolgreiches und breit

angelegtes Netzwerken. Trotzdem: Es

kann niemandem schaden, es sich zu

einer regelmäßigen Gewohnheit zu

machen. Verbinden Sie dies am besten

mit einer konkreten Zielsetzung, wie

zum Beispiel pro Woche drei neue,

interessante Kontakte zu knüpfen.

All diese Ansätze sind von Natur aus

diskursiv und nicht als allgemeingültige

Methodik zu verstehen. Wenn sich der

gesellschaftliche Fortschritt in eine

faktische Gleichberechtigung und

-verteilung entwickelt, wird hoffentlich in

ein paar Jahren ein

Empfehlungskatalog wie dieser ein

Relikt der Vergangenheit sein, und in

etwa so antiquiert und amüsant wirken,

wie heute Fernsehwerbung aus den

50er Jahren. Ich wünsche es nicht nur

den Frauen, sondern unserer

Gesellschaft.

http://www.felix-maria-arnet.de

Felix Maria Arnet

ist Business Coach,

Speaker, Autor und

Experte für persönliches

Wachstum.

Das Handelsblatt

bezeichnete ihn als den

"Wirkungsspezialisten".

Er zählt zu den Top 100

Trainern in Deutschland.

SHE works! - 49


BUCHTIPP

So kommen Frauen in Führung!

Broschur, 96 Seiten

Format: 11,5 x 17 cm

€ 8,90 (D) / € 9,20 (A)

ISBN: 978-3-86936-845-0

2018 / GABAL Verlag

Auch als E-Book erhältlich

Katja Kruckeberg und

Felix Maria Arnet

50- SHE works!


BUCHTIPP

Netzwerken und Eigenmarketing ist für

Unternehmer/innen wichtiger denn je.

Denn Produkte und Dienstleistungen

werden immer ähnlicher und

austauschbarer. Was zählt ist der

Mensch dahinter. Menschen kaufen von

Menschen und bereits heute folgen die

meisten Personen Empfehlungen von

anderen. Dabei sollten Sie nicht mit der

Tür ins Haus fallen, sondern einige

Regeln beachten. Wie Sie sich

professionell vor Kunden,

Geschäftspartnern, in Social Media und

beim Netzwerken präsentieren, welche

Fallstricke zu beachten sind und wie Sie

sich langfristig ein gutes Netzwerk

aufbauen, welches Ihnen den

Business-und privaten Alltag erleichtert,

dazu verhilft Ihnen dieser Ratgeber.

Taschenbuch, 122 Seiten

Preis: 19,80 €

Autorin:

Daniela Kreissig ist Eventmanagerin, Coach, Netzwerkerin, Gründerin und Organisatorin

des Unternehmerinnenkongress und Inhaberin der Unternehmerinnen Community. In ihren

Coachings berät die langjährige Fotografin Unternehmer/innen, wie sie ihr Eigenmarketing

verbessern, bekannter werden und sich ein eigenes Netzwerk aufbauen.

Sie hat zwei Söhne und lebt mit ihrem Mann und ihrer Familie in Dresden.

SHE works! - 51


BUCHTIPP

© Sex & Cigarettes by Daniella Midenge, published by teNeues, www.teneues.com, Chloe,

Hamburg, 2014, Photo © 2017 Daniella Midenge. All rights reserved. www.midenge.com

52- SHE works!


BUCHTIPP

Es sind besondere Bilder von Daniella Midenge, die uns in den Magazinen

auffallen: starke Frauen, so in Szene gesetzt, dass stets Schönheit und

Sinnlichkeit in den Vordergrund rücken. Auch ihre Modefotografie lässt erkennen,

worum es geht. Es ist das Gefühl, das aus den Aufnahmen spricht, die Intimität

und Leidenschaft, nicht die Bedeutung der äußeren Hülle. Egal ob in

schwarz-weiß oder knallbunt, ihre Fotos haben eine ungeheure Ausdruckskraft,

die Männer wie Frauen gleichermaßen anzieht.

Autor:

Daniella Midenge

Artikelnummer: 71053-deu

ISBN: 978-3-96171-053-9

EAN: 9783961710539

Ausführung:

27,5 x 34 cm

176 Seiten, 60 Farb- und 60

Schwarz-Weiß-Fotografien

Hardcover mit Schutzumschlag

Text:

Englisch

Verlag:

teNeues

Preis: 59,90 €

SHE works! - 53


EVENTS

30.09.

München

Tarana Burke, Gründerin der

#MeToo Bewegung -

Keynote Speakerin bei

Bits & Pretzels 2018

Tarana Burke ist Teil der Silence

Breakers, und wurde letztes Jahr

als Time’s Person of the Year

ausgezeichnet. Die Silence

Breakers - das sind die Frauen

und Männer, die sich öffentlich

zum Thema sexuelle Belästigung

ausgesprochen und sich aktiv

dagegen eingesetzt haben.

Bei Bits & Pretzels wird diese

starke Frau am ersten Tag des

Festivals, das vom 30.

September - 2. Oktober 2018 in

München stattfindet, ihre Keynote

Rede halten.

Bits & Pretzels ist ein dreitägiges

Festival, das 5.000 Gründer,

Investoren, Startup-Enthusiasten

und andere Entscheider aus dem

Startup-Ökosystem zusammen

bringt. Die erfolgreichsten Entrepreneure

aus aller Welt sowie

junge, aufstrebende Unternehmer treffen sich bei dem Event, um sich mit

Gleichgesinnten auszutauschen.

Tickets jetzt sichern!

54- SHE works!


EVENTS

12.09.

14.00 Uhr

Frankfurt / Main

PITCH CLUB FFM #16

Female Edition

Der nächste PITCH CLUB FFM #16 findet am

Mittwoch, den 12. September 2018 im TNT – Thurn ´N Taxis Palais

(Thurn-und-Taxis-Platz 1, 60313 Frankfurt am Main), im Herzen Frankfurts statt.

In erlesener, kleiner Runde präsentieren sich dann wieder ausgewählte,

kapitalsuchende Startups vor erfahrenen Investoren.

Am frühen Nachmittag ab 14:00 Uhr stellen sich die Female Startups zunächst im

klassischen Elevator Pitch Verfahren vor. Anschließend folgt jeweils eine

Q&A-Runde, in der das Geschäftsmodell auf Herz und Nieren geprüft wird.

Ab 18 Uhr geht die Veranstaltung dann in die legendäre After Work Party über

und findet ihren Ausklang bei kühlen Drinks und guten Club Beats. Hierbei haben

die teilnehmenden Unternehmen einen abgesperrten Bereich für sich, in welchem

sie auf direktem Weg mit den Investoren sprechen, netzwerken – und vielleicht

sogar schon die ersten Deals aushandeln können.

SHE works! - 55


Die Webgrrls Bayern laden zum Mitgestalten des Vortragsprogramms

2019 ein. Die Regionalgruppe Bayern der

Webgrrls – dem Business-Netzwerk von und für Frauen –

startet den Call for Papers für das Vortragsprogramm 2019.

56- SHE works!


Interessierte Referentinnen und Referenten sind

eingeladen, bis 28. September 2018 einen

Vorschlag für einen lebendigen Vortrag über 1,5

Stunden inklusive Fragerunde einzureichen. „Mit

dem Vortragsprogramm bieten wir Businessfrauen

eine Plattform, um zusammenzuarbeiten,

Erfahrungen auszutauschen und sich gegenseitig

zu unterstützen“, erläutert Mandy Ahlendorf,

Kommunikationsexpertin und Regioleiterin der

Webgrrls Bayern. „Wir freuen uns, auch im

kommenden Jahr ein abwechslungsreiches und

informatives Programm für Frauen jedes Alters

anzubieten.“

Vielfalt von Berufsgruppen

und Branchen ist groß

Die Vielfalt der Berufsgruppen und Branchen bei

den Webgrrls ist groß. Sie reicht von IT und

Technik über Medien und Kommunikation bis hin zu

Lebenshilfe, Gesundheit und Kunst. Gewünscht

sind daher Vortragsthemen zu sowohl beruflicher

als auch persönlicher Weiterentwicklung. Dazu

gehören unter anderem: gesellschaftliche Trends,

Digitalisierung, die Situation und Rolle der Frau in

Berufswelt und Gesellschaft, Verhandeln,

Konfliktmanagement, Organisationskultur, Teambuilding,

Selbstfürsorge und Selbstmanagement.

Auch Themen wie Marketing und Akquise sowie

Wissens- und Ideenmanagement beschäftigen die

Webgrrls. Etwa ein Drittel der Webgrrls ist

angestellt, zwei Drittel sind selbstständig oder in

der Geschäftsführung tätig. Die Beiträge sollten für

die gesamte Zielgruppe der Webgrrls relevant sein,

das heißt, sie müssen sowohl Angestellte als auch

Selbstständige betreffen. Wissen. Erfahren. Teilen.

Die Webgrrls sind ein Business-Netzwerk für

Frauen.

Ihr Motto lautet:

Wissen. Erfahren. Teilen.

Wertschätzend, respektvoll und achtsam

unterstützen und stärken sie einander in ihrer

beruflichen und persönlichen Entwicklung.

Nach außen ist ihr Anliegen, die Sichtbarkeit

von Frauen in der Berufswelt zu erhöhen. Die

Webgrrls Bayern informieren, tauschen sich

aus und ermutigen sich gegenseitig bei über 30

Treffen pro Jahr in Bayern. Sie organisieren

übers Jahr verteilt neun Vorträge, sechs

Frühstücke und sechs Twittagessen, bei denen

sie sich unter sich und zum Teil mit Gästen

treffen. Zudem finden jährlich vier

Netzwerktreffen sowie ein „Betriebsausflug“

statt.

Für die jüngeren Webgrrls gibt es eigene

Treffen, Workshops und ein

Mentoringprogramm, um sich zu Themen für

Berufsanfängerinnen auszutauschen. Weiterhin

nehmen die Webgrrls an Messen,

Vortragsveranstaltungen

und

Aktionsveranstaltungen wie Equal Pay Day,

IsarCamp und Münchner Webwoche teil und

kooperieren mit anderen Business-Netzwerken

wie den Digital Media Women und dem

Verband der Gründer und Selbstständigen e.V.

(VGSD).

SHE works! - 57


Erzählen Sie Ihre DIVERSITY STORY!

Möchte Sie ihre persönliche Erfolgsgeschichte teilen?

Fördert Ihr Unternehmen aktiv ein vielfältiges Team-Setup?

Haben Sie ein Produkt geschaffen, das Inklusion fördert? …

Dann wollen wir IHRE Geschichte hören!

In diesem Jahr geht es um Vielfalt und darum, wie sie

das unternehmerische Potenzial freisetzt.

Wir wollen nicht über Quoten sprechen und über Ungleichheiten klagen; unser Ziel ist es,

sich auf die positiven Aspekte zu konzentrieren,

die Vielfalt auf Ihr Unternehmen haben kann!

Um diese positiven Aspekte zu unterstreichen und die Stimme der Menschen zu

verstärken, die das unternehmerische Potenzial von Diversity bereits erfolgreich genutzt

haben, haben wir die Diversity Challenge eingeführt, bei der wir

200 Freikarten für Bits & Pretzels 2018 vergeben!

Die aufregendsten Geschichten werden auf # bits18 auf der Center Stage geteilt!

58- SHE works!


Frauen mit dicken Hintern

sind schlauer?!

Das will eine US-amerikanische Studie erforscht haben

Von Jürgen Jenauer

So, so. Sind wir also wieder soweit? Oder immer noch. Klar, grundsätzlich muss es ja wohl

irgendwie immer noch so sein, dass Frauen vor allem über ihr Äußeres definiert werden, oder

wie? Ich würde sagen: Willkommen zurück in der Bonner Republik, wenn es nicht eine

amerikanische Studie wäre. Ach ja, eine von Männern durchgeführte Studie, übrigens. Von

den Herren William D. Lassek und Steven J.C. Gaulin.

Man fragt sich unwillkürlich, was Bill und Steve als nächstes in Korrelation setzen werden.

Oberweite und Sozialkompetenz? Klar, dahinter stehen wissenschaftliche Erkenntnisse, dass

„lower-body fat“ positive Auswirkungen auf bestimmte neuronale Entwicklungen und auf die

kognitiven Fähigkeiten hat. Kann natürlich auch sein, dass Dauerfernsehgucken auf der

anderen Seite sowohl zu Dummheit als auch zu einem dicken Hintern führen.

Um die Fälle geht’s allerdings nicht. Trotzdem schön, dass Forscher bei der Überlegung, was

sie wohl als nächstes untersuchen auf die Relation zwischen (weiblichem) Regionalkörperfett

und geistiger Leistungsfähigkeit stoßen.

16.325 Frauen haben bei der Studie der University of Pittsburgh und der University of

California mitgemacht. Ob man auch so viele Männer mit einer solchen Fragestellung

behelligen dürfte?

Gibt es solch unglaublichen Untersuchungen eigentlich auch für Männer? Wird auch bei ihnen

die Intelligenz anhand der Dicke, Größe, Länge diverser Körperteile untersucht?

Ich kenne keine solche Untersuchungen. Sie?

SHE works! - 59


SHE

works!

wünscht einen schönen Sommer.

Unser nächstes Magazin über

Personal und Personalentscheidungen

erscheint am 3. September 2018.

Bis dahin alles Gute!

60- SHE works!

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