09.01.2019 Aufrufe

SOCIETY 355 / 2010

Sie wollen auch ein ePaper? Erhöhen Sie die Reichweite Ihrer Titel.

YUMPU macht aus Druck-PDFs automatisch weboptimierte ePaper, die Google liebt.

WIRTSCHAFT ■ POLITIK ■ DIPLOMATIE ■ WISSENSCHAFT ■ KULTUR ■ LEUTE<br />

03|10<br />

SEIT 1945 | 65. ERSCHEINUNGSJAHR | NR. <strong>355</strong>_HERBST <strong>2010</strong><br />

WWW.<strong>SOCIETY</strong>.AT<br />

P.B.B. GZ 03Z034905M, ERSCHEINUNGSORT, VERLAGSPOSTAMT 1140,2120, PREIS ¤ 4,–<br />

ALBERTINA<br />

MICHELANGELO<br />

LÄNDERSCHWERPUNKT<br />

KASACHSTAN


nOBLeSSe<br />

interview<br />

WEINSTEIN<br />

Hoher Markt 9 • 1010 Wien<br />

Tel. 533 34 51<br />

www.weinstein.co.at


This is T he new


AusTriA<br />

ediTion<br />

ZuM gLüCK gIBt eS trÄuMe,<br />

DIe auCh Wahr WerDen.<br />

Jaguar XF auStrIa eDItIOn aB € 49.900,–<br />

XF DI e S e L<br />

(211 p S) aB<br />

€ 49.900,–<br />

XF DI e S e L<br />

(240 p S) aB<br />

€ 57.120,–<br />

XF DI e S e L- S<br />

(275 p S) aB<br />

€ 61.120,–<br />

Der XF definiert sportlichen Luxus völlig neu: außen mit dem Design<br />

eines Sportcoupés – innen mit der eleganz, geräumigkeit und ausstattung<br />

einer Luxuslimousine. Mit der modernen Interpretation<br />

edelster Materialien. und mit neuen Motoren, die sportlichste Leistung<br />

und herausragende Wirtschaftlichkeit verbinden wie nie zuvor.<br />

als Sondermodell austria edition vereint er einen wirtschaftlichen<br />

211 pS Dieselmotor mit einer in dieser Klasse ungewohnt exklusiven<br />

Serienausstattung:<br />

• 3.0 V6 Bi-turbo-Diesel<br />

mit 211 pS/450 nm<br />

• 6,8 l gesamtverbrauch/100 km<br />

• 179 g CO 2 /km<br />

• Volllederausstattung<br />

• JaguarDrive Selector<br />

• SequentialShift automatik<br />

mit Lenkradschaltwippen<br />

• 18"-Leichtmetallfelgen<br />

• 7"-Multimedia-Farbtouchscreen<br />

• edelholztäfelung<br />

• alarmanlage u.v.m.<br />

erleben Sie ein neues, sportliches Fahrvergnügen und genießen Sie die unbeschwertheit<br />

von 3 Jahren garantie ohne Kilometerlimit, sowie einzigartiges<br />

Service mit vorher bekannten Fixpreisen. Jetzt bei Ihrem Jaguar partner.


Mehr aDrenaLIn,<br />

WenIger VerBrauCh.<br />

DIe XF perFOrManCe-MODeLLe.<br />

Der neue XF DI eS e L-S<br />

275 pS Leistung und 600 nm<br />

Schubkraft überzeugen das herz –<br />

der gesamtverbrauch von nur 6,8 l<br />

Diesel überzeugt auch den Verstand.<br />

anders gesagt: hier verbinden<br />

sich Kraft und Wirtschaftlichkeit<br />

zu genau der Dynamik, die Sie<br />

von einem Jaguar erwarten.<br />

Der XFr<br />

ist hochleistungs-Sportwagen<br />

und Luxuslimousine in einem. Mit<br />

seinen intelligenten technologien<br />

vereint er auf atemberaubende<br />

Weise das Beste aus diesen beiden<br />

Welten – selbstverständlich<br />

ohne jemals Kompromisse einzugehen.<br />

• 3.0 V6 Bi-turbo-Diesel mit<br />

paralleler registeraufladung<br />

• 275 pS/600 nm<br />

• 0–100 km/h in 6,4 Sek.<br />

• 6,8 l/100 km<br />

• 179 g CO 2 /km<br />

• SequentialShift automatik<br />

• 5.0 V8 Supercharged *<br />

• 510 pS/625 nm<br />

• 0–100 km/h in 4,9 Sek.<br />

• adaptive-Dynamics-Fahrwerk<br />

• Benzin-Direkteinspritzung<br />

• Semi-aktives auspuffsystem<br />

• elektronisches Differential<br />

* gesamtverbrauch: 12,5 l/100 km, 292 g CO 2 /km


DaS BeeInDruCKenDe ergeBnIS<br />

eIner neuen DenKWeISe.<br />

Der neue Jaguar XJ.<br />

Mit leistungsstarken, effizienten Diesel- und Benzinmotoren und seiner<br />

leichten, verwindungssteifen Vollaluminiumkarosserie schafft der neue XJ<br />

ein intensives Fahrerlebnis mit vielen emotionen und wenig emissionen.<br />

Jaguar XJ aB<br />

€ 88.000,–<br />

Mit intuitiven technologien, handschuhweichem Leder und einem Bowers<br />

& Wilkins Surround-Klangsystem übertrifft das erlesene und innovative<br />

Interieur nochmals, was das moderne exterieur verspricht.<br />

erleben Sie ein automobil, das mit seinem edlen panorama-glasschiebedach<br />

und intuitiven technologien neue Maßstäbe für Luxus setzt.<br />

erleben Sie ein zu 85 % recycelbares automobil, dessen nachhaltige<br />

technik besonders schonend im umgang mit ressourcen ist.<br />

Kurzum: erleben Sie eine bahnbrechende Limousine, die faszinierendes<br />

Design, Luxus und effizienz stilvoll vereint.<br />

aB SOFOrt BeI IhreM Jaguar partner.


DIe ZuKunFt<br />

DeS SpOrtLIChen LuXuS.<br />

• 3.0 V6 Bi-turbo-Dieselmotor<br />

275 pS, 600 nm<br />

0-100 km/h in 6,4 Sek.<br />

• 5.0 Liter V8<br />

385 pS, 515 nm<br />

0-100 km/h in 5,7 Sek.<br />

• 5.0 Liter V8 Supercharged<br />

510 pS, 625 nm<br />

0-100 km/h in 4,9 Sek.<br />

• nietverklebte<br />

Vollaluminium-Karosserie<br />

• adaptive-Dynamics-Fahrwerk<br />

• SequentialShift automatik<br />

mit Lenkradschaltwippen<br />

• Virtuelle Instrumente<br />

• hD-Farbtouchscreen<br />

mit * Dual-View-Funktion<br />

• Festplatten-Multimedia-hub<br />

• 1.200 W Bowers & Wilkins<br />

Surround-Klangsystem *<br />

• Festplattennavigationssystem<br />

• JaguarDrive Selector<br />

• exquisite Volllederausstattung<br />

• 22 Ledersorten,<br />

11 Interieurpaneele, unzählige<br />

Kombinationsmöglichkeiten –<br />

passend für jeden geschmack<br />

und Stil<br />

gesamtverbrauch: 7,0-12,1 l/100 km, CO 2<br />

-emission: 184-289 g/km; *Sonderausstattung


OFFen Für ganZ neue erLeBnISSe.<br />

DaS XK CaBrIOLet.<br />

• neuer 5.0-Liter-V8<br />

• 385 pS (283 kW) Leistung<br />

• 515 nm Drehmoment<br />

• Benzindirekteinspritzung<br />

• adaptive-Dynamics-Fahrwerk<br />

• aktives auspuffsystem<br />

• SequentialShift automatik<br />

mit Lenkradschaltwippen<br />

• Volllederausstattung<br />

• Vollaluminium-Monocoque-<br />

Karosserie<br />

• JaguarDrive Selector<br />

Jaguar XK aB<br />

€ 108.150,–<br />

Die Faszination des Cabriofahrens gepaart mit überragender Motorleistung<br />

in bester britischer Sportwagentradition: Das ist das XK Cabriolet.<br />

Seine extrem leichte Vollaluminiumkarosserie gewährleistet präzises<br />

handling und optimale Beschleunigung. Ihr verdankt es auch seinen<br />

geringen Verbrauch, verbesserte Bremsleistungen und einen niedrigen<br />

Schadstoffausstoß. Öffnen Sie das edle Stoffverdeck und erleben Sie,<br />

wie das XK Cabriolet auch dem himmel einen hauch von Luxus verleiht.<br />

gesamtverbrauch: 11,2 l/100 km, CO 2<br />

-emission: 264 g/km


LÄSSt herZen MIt 510 pS SChLagen.<br />

Der neue XKr.<br />

• 5.0 Liter V8 Supercharged<br />

• 510 pS (375 kW) Leistung<br />

• 625 nm Drehmoment<br />

• 0-100 km/h in 4,8 Sek.<br />

• adaptive-Dynamics-Fahrwerk<br />

• elektronisches Differential<br />

• aktives auspuffsystem<br />

• JaguarDrive Control<br />

• hochleistungsbremssystem<br />

Jaguar XKr aB<br />

€ 126.500,–<br />

am intensivsten spürt man die Liebe von Jaguar zum Motorsport im<br />

neuen XKr. Denn bei all seiner eleganz ist der XKr ein wahrer hochleistungssportwagen.<br />

erleben Sie einen echten grand tourer im stilvollen<br />

Design eines 2+2-Sitzer-Coupés oder Cabrios, dessen Beschleunigungsund<br />

Bremsleistungswerte man zuvor nur im rennsport fand. angetrieben<br />

von einem 510 pS starken Kompressormotor fährt sich<br />

der XKr souverän in das herz seines Fahrers und bietet zugleich den<br />

allumfassenden Komfort im alltag, der für Jaguar typisch ist.<br />

gesamtverbrauch: 12,3 l/100 km, CO 2<br />

-emission: 292 g/km


WaS e S Be D eutet, e I nen Jaguar Zu Be SIt Z en.<br />

Jeder Jaguar verfügt über ein umfassendes garantie- und Servicepaket:<br />

• 3 Jahre Werksgarantie ohne Kilometerbegrenzung.<br />

• 3 Jahre europaweite Mobilitätsgarantie.<br />

• Service zu vorher bekannten Fixpreisen.<br />

V erF ührer geB rauC ht –<br />

DIe Jaguar geB rauC htWagengarantI e .<br />

DIe VOrteILe Der FIrSt CLaSS SeCOnD hanD garantIe:<br />

• Sämtliche Fahrzeuge sind von Spezialisten geprüft und fachgerecht instand gesetzt.<br />

• Die umfassende Fahrzeuggarantie schützt vor unerwarteten reparaturkosten.<br />

• Falls Sie nicht die richtige Wahl getroffen haben, genießen Sie eine umtauschgarantie.<br />

• europaweiter Mobilitätsservice.<br />

• alle Fahrzeugteile sind versichert.<br />

Jaguar FI nanZIerungS -SerVICe.<br />

egal, ob Sie Ihren Jaguar privat oder geschäftlich nutzen – Jaguar Financial Services bietet Ihnen<br />

zahlreiche attraktive Finanzierungsmöglichkeiten, die speziell für den Bedarf von Jaguar Besitzern<br />

entwickelt wurden und auf deren Bedürfnisse zugeschnitten sind. Die Mitarbeiter von Jaguar<br />

Financial Services arbeiten eng mit Ihrem händler zusammen und sind von Jaguar genauso begeistert<br />

wie Sie. Ihr Jaguar partner passt den Finanzierungsplan Ihren ganz persönlichen privaten oder<br />

geschäftlichen anforderungen an, macht Ihnen ein angebot und wickelt alle Formalitäten für Sie ab.<br />

Für die genauen Vertragsbedingungen steht Ihnen Ihr Jaguar partner gerne zur Verfügung.<br />

Ihre Jaguar partner.<br />

Wien: Jaguar Wien, 1230 Wien, tel. 01/601 99-319 | Denzel Kundencenter erdberg, 1030 Wien,<br />

tel. 01/740 20-4256 | niederösterreich: auto Schirak, 3106 St. pölten, tel. 02742/775 31-83 |<br />

Steiermark: Jaguar & Land rover Center graz, 8020 graz, tel. 0316/72 43 43-16 | Kärnten:<br />

Jaguar & Land rover Center Klagenfurt, 9020 Klagenfurt, tel. 0463/31 85 68-12 | Oberösterreich:<br />

autohaus Seipl, 4060 Linz-Leonding, tel. 0732/67 00 27-0 | Jaguar & Land rover Center gmunden<br />

- auto esthofer team, 4812 gmunden-pinsdorf, tel. 07612/774 77-373 | tirol: Denzel &<br />

u nterberger, 6020 Innsbruck, tel. 0512/33 23-749 | Salzburg: Jaguar Frey Salzburg, 5033 Salzburg,<br />

tel. 0662/623 581-286<br />

Wichtiger hinweis: Jaguar ist ein eingetragenes Warenzeichen der Jaguar Cars Ltd. Jaguar automobile<br />

werden ständig weiterentwickelt und verbessert. alle angaben zur technik, Leistung und<br />

ausstattung, Liefer- und Leistungsumfang sowie Änderungen des Katalogs wegen Druckfehlern<br />

bleiben ausdrücklich vorbehalten. Bei den abgebildeten Modellen handelt es sich um Symbolfotos.<br />

Für die persönliche Beratung steht Ihnen jeder Jaguar Vertragspartner gerne mit detaillierten<br />

Informationen zur Verfügung. printed in austria. Das papier dieses Katalogs wurde aus chlorfrei<br />

gebleichtem Zellstoff hergestellt.<br />

Jaguar LanD rOVer auStrIa gMBh | FürBergStraSSe 51, a-5020 SaLZBurg | pOStanSChrIFt:<br />

pOStFaCh 110, a-5021 SaLZBurg | t: +43 (0) 662-2118-0 | F: +43 (0) 662-2118-444 | WWW.Jaguar.at


EDITORIAL<br />

Integration findet statt<br />

Aufklärung über das Fremde<br />

Dass alles Fremde Angst auslöst und beunruhigt,<br />

ist eigentlich ein Commonplace. In<br />

Wahrheit ist in Europa der interkulturelle Dialog<br />

mehr denn je im Gange. Wenn wir als international<br />

angelegtes Magazin mit unseren Veranstaltungen<br />

und Publikationen ein wenig zum<br />

gegenseitigen Verständnis beitragen können,<br />

dann sind wir auf dem richtigen Weg. Begleiten<br />

Sie uns!<br />

***<br />

Veranstaltungen<br />

Mit der Auftaktveranstaltung unserer Eigeneventsaison<br />

haben wir im Bank Austria Kunstforum<br />

mit dem Preview zur Frida Kahlo und dem darauf<br />

folgenden Empfang im Hilton Vienna Plaza einen<br />

fulminanten Erfolg mit mehr als 150 Gästen aus der internationalen<br />

Diplomatie, Wirtschaft und Kultur verzeichnen können.<br />

Einen „kaiserlichen“ und edlen Rahmen konnten wir im Prunksaal<br />

des Hotel Imperial unseren neu akkreditierten Botschaftern aus<br />

allen Kontinenten zeigen, und am 5. November wird unser Veranstaltungsquartal<br />

durch einen Empfang im Tresor des Bank Austria<br />

Kunstforums für die Junior-Diplomaten, (das sind jene, die in Wien<br />

erst seit kurzem tätig sind) stilvoll abgerundet werden. Weiters berichten<br />

wir wie immer über die interessanten Veranstaltungen aus<br />

den genannten Bereichen.<br />

***<br />

Länderschwerpunkt Kasachstan<br />

Lassen Sie sich ein auf unsere Recherche über Kasachstan und<br />

die vielfältigen Berichte über das Land! Der Anlass zu diesem Fokus<br />

ist der Vorsitz Kasachstans bei der OSZE und die Abschlusskonferenz<br />

in Astana im Dezember <strong>2010</strong>, zu der unser Bundespräsident<br />

Fischer mit einer großen Wirtschaftsdelegation fahren<br />

wird. Wir bringen Eindrücke und Meinungen über Kasachstan,<br />

das bedeutende Land in Zentralasien, von dem wir heuer sicher<br />

noch viel hören werden. <strong>SOCIETY</strong> – immer den Ereignissen ein wenig<br />

voraus. Lesen sie die Interviews von Außenminister Michael<br />

Spindelegger, Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl und<br />

vielen anderen.<br />

***<br />

Coverstory<br />

Unser Titelblattthema ist dieses Mal Michelangelo<br />

und Picasso – zwei Meister, eine Ausstellung<br />

gewidmet. Die beiden Ausstellungen in der<br />

Albertina über Picasso und Michelangelo besuchen<br />

wir sowohl redaktionell als auch im Rahmen<br />

einer Veranstaltung, die anlässlich der Finissage<br />

stattfinden wird. Es ist beeindruckend,<br />

wie Wien immer mehr zur Drehscheibe für hochwertigen<br />

Kulturaustausch wird.<br />

***<br />

Wirtschaft und Wissenschaft<br />

Die Österreichische Staatsdruckerei zeigt uns den<br />

hohen internationalen Standard ihrer Produkte.<br />

So genannte „Oikocredite“ faszinieren uns vom sozialen Grundgedanken<br />

her ebenso wie Carl Djerassi im Interview über sein<br />

Lebenswerk: die Pille und mehr.<br />

Madlena Zepter, die Kunstmäzenin aus Serbien bringen wir<br />

nunmehr in einem ausführlichen Gespräch anlässlich unseres<br />

Besuches in Belgrad.<br />

Wenn wir mit unseren Aktivitäten und dem Magazin zum<br />

interkulturellen Dialog beitragen können, haben wir unser Ziel<br />

erreicht, und wir freuen uns, wenn sie daran teilhaben wollen.<br />

Besuchen sie uns auch auf „society 02/10“ als app für das iPad,<br />

auf facebook und unter www.society.at, dort finden sie stets aktuell<br />

sowohl die jüngste <strong>SOCIETY</strong>-Ausgabe digital zum Durchblättern<br />

als auch eine stets aktuell gepflegte Fotogalerie über<br />

interessante Veranstaltungen.<br />

Wir nützen den Tag: Carpe diem!<br />

Herzlich Ihre<br />

Gerti Tauchhammer<br />

COVER: MICHELANGELO BUONARROTI, „MÄNNLICHER RÜCKENAKT (VERSO)“, UM 1504, © ALBERTINA, WIEN<br />

<strong>SOCIETY</strong> 3_10 | 11


INHALT<br />

HERBST | <strong>2010</strong><br />

■ <strong>SOCIETY</strong> EVENTS<br />

Botschafterempfang im Hotel Imperial ........ 50<br />

Champagnerempfang im Diagnostik Plus Zentrum ........ 75<br />

Botschafter-Preview: Frida Kahlo im BA Kunstforum ........100<br />

■ KASACHSTAN<br />

Länderporträt ................ 16<br />

„Ein gutes Tandem“: Botschafter Yerzhan Kazykhanov ................ 20<br />

OSZE: Interview mit Botschafter Kairat Abdrakhmanov ................ 24<br />

Kasachstan im Mittelpunkt: Interview mit Michael Spindelegger ................ 26<br />

WKO: Christoph Leitl über die Chancen in Kasachstan ................ 28<br />

Astana Economic Forum ................ 30<br />

Drehscheibe Kasachstan: Größte Volkswirtschaft Zentralasiens ................ 32<br />

Kommentar: Hermine Schreiberhuber ................ 34<br />

Fußball in Kasachstan ................ 37<br />

■ DIPLOMATIE UND POLITIK<br />

Diplomatenkarussell ................ 38<br />

Cultural Diplomacy ................ 44<br />

ÖGAVN: Veranstaltungshighlights ................ 46<br />

„America, the beautiful“ von Monika Türk ................ 49<br />

Kommentar: Simon Inou über kulturelle Vielfalt ................ 52<br />

Highlights der Diplomatie-Events ................ 56<br />

■ WISSENSCHAFT UND WIRTSCHAFT<br />

Österreichische Staatsdruckerei: Sicherheit im Druck ........ 60<br />

Oikocredit: Rendite mit gutem Gewissen ........ 62<br />

World Diversity Leadership Summit in den USA ........ 63<br />

Herbert Pietschmann: Was ist Bildung? ........ 64<br />

20 Jahre Europäische Akademie der Wissenschaft und Künste ........ 66<br />

Georg Zanger über das europäische Fremdenrecht ........ 68<br />

Carl Djerassi, die „Mutter“ der Pille im Interview ........ 70<br />

■ LIFE UND STYLE<br />

Kaiserball in der Hofburg ........ 76<br />

Legendäre Salzburger Einladungen bei „Manni“ ........ 78<br />

Schönheit für Körper und Geist ........ 82<br />

Wellness für Kinder ........ 83<br />

Die Geheimcodes der Accessoires von Ingrid Chladek ........ 86<br />

Die Stadt Neapel und ihre Inseln ........ 88<br />

Pia Antonia: Markenmode ab Größe 42 ........ 90<br />

Der Schokologe in der Schoko-Loge ........ 96<br />

■ KUNST UND KULTUR<br />

Madlena Zepter: Kunstmäzenin aus Serbien ........102<br />

Mozarteum: Eine Orgel für alle Fälle ........106<br />

Kulturhauptstadt Pécs ........108<br />

Kolumne von Gerhard Gutruf ........ 111<br />

Coverstory: Zwei Meister in der Albertina ........ 114<br />

IMPRESSUM<br />

WIRTSCHAFT ■ POLITIK ■ DIPLOMATIE<br />

WISSENSCHAFT ■ KULTUR ■ LEUTE<br />

MEDIA EVENTS NETWORKING<br />

ERSCHEINUNGSWEISE: vierteljährlich<br />

PREIS: Jahresabonnement ¤ 16,--, zzgl. ¤ 7,-- Versand<br />

Einzelheft: ¤ 4,--<br />

BESTELLUNG: abo@society.at<br />

MEDIENINHABER, VERLEGER ZU 100%: Tauchhammer KG<br />

HERAUSGEBERIN UND CHEFREDAKTEURIN:<br />

Mag. Gertrud Tauchhammer<br />

LEITUNG REDAKTION:<br />

Mag. Stephan Hofstätter<br />

REDAKTIONELLE MITARBEIT:<br />

Anthony Jacobson, Stephan Lahodynsky<br />

AUTOREN DIESER AUSGABE:<br />

Mag. Ingrid Chladek, Prof. Gerhard Gutruf, Gerhard von<br />

Lentner, Mag. Eva von Schilgen, Wolf von Schilgen, Dr. Susanne<br />

Scholl, Mag. Hermine Schreiberhuber, Mag. Tanja<br />

Tauchhammer<br />

NEW YORK AUSLANDSKORRESPONDENZ: Lea Millesi<br />

ANZEIGENVERKAUF: G. Tauchhammer<br />

GESTALTUNG: Hermann Stöckl, www.hermannsgrafik.at<br />

REDAKTIONSADRESSE: Villa Flora, A-1140 Wien,<br />

Hüttelbergstraße 23A,<br />

TELEFON: 01-914 77 44-0, Fax: 01-914 77 44-8<br />

E-MAIL: mail@society.at<br />

www.society.at<br />

FOTOS: Katharina Schiffl, B.Sc., Katherine Prokofieff,<br />

Heeresbild- und Filmstelle, 1070 Wien, Stiftgasse 2a,<br />

Tel.: 01/5200-37240; UNOV, CTBTO, UNIDO Wagramerstraße<br />

5, 1400 Wien<br />

DRUCK: Druckerei Berger, Wienerstraße 80, 3580 Horn,<br />

Tel.: 02982/4161-0 www.berger.at<br />

HERAUSGEBERIN: Kommerzialrat Honorarkonsulin<br />

Mag. Gertrud Tauchhammer<br />

in Kooperation mit der<br />

ÖSTERREICHISCHEN GESELLSCHAFT FÜR AUSSEN-<br />

POLITIK UND DIE VEREINTEN NATIONEN (ÖGAVN)<br />

Seit 1945<br />

VORSTAND (SEIT DEZEMBER 2008)<br />

PRÄSIDENT:<br />

Altbundeskanzler NRAbg. Dr. Wolfgang Schüssel<br />

VIZEPRÄSIDENTEN:<br />

BM a.D. Bot. i.R. Dr. Peter Jankowitsch<br />

Bot. i.R. Dr. Gregor Woschnagg<br />

BM a.D. NRAbg. Herbert Scheibner<br />

NRAbg. Univ.-Prof. Dr. Alexander Van der Bellen<br />

EHRENPRÄSIDENTEN:<br />

BM a.D. Dr. Willibald Pahr<br />

Bot. i.R. Dr. Wolfgang Schallenberg<br />

GENERALSEKRETÄR: Michael F. Pfeifer<br />

VERTRETER DER ZWEIGVEREINE:<br />

Ass.-Prof. DDr. Renate Kicker (Landessektion Steiermark)<br />

Gregor Waldhauser (AFA)<br />

WEITERE VORSTANDSMITGLIEDER:<br />

Bot. i.R. Dr. Alexander Christiani<br />

Bot. Dr. Johannes Kyrle (als Generalsekr. für ausw. Angel.)<br />

Bot. i.R. Dr. Eva Nowotny<br />

Bot. i.R. Dkfm. Dr. Karl Peterlik<br />

BM a.D. NRabg. Dr. Ursula Plassnik<br />

Gen Mag. Raimund Schittenhelm<br />

Mag. Liselotte Waldheim-Natural<br />

Dr. Axel Wüstenhagen<br />

<strong>SOCIETY</strong> IST OFFIZIELLER MEDIENPARTNER<br />

DER ÖGAVN<br />

BLATTLINIE: <strong>SOCIETY</strong> berichtet über Top-Ereignisse aus<br />

Wirtschaft, Politik, Diplomatie, Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft.<br />

<strong>SOCIETY</strong> informiert außerdem in Zusammenarbeit<br />

mit der Österreichischen Gesellschaft für Außenpolitik und die<br />

Vereinten Nationen über Einrichtungen der Vereinten Nationen.<br />

Jede Ausgabe ist einem Fokusland gewidmet. Durch die Zusammenarbeit<br />

mit der jeweiligen Botschaft in Österreich trägt<br />

<strong>SOCIETY</strong> wesentlich zur Kommunikation zwischen Österreich<br />

und dem Fokusland bei und ist dadurch ein medialer Multiplikator<br />

der Spitzenklasse in Österreich und in der ganzen Welt.<br />

12 | <strong>SOCIETY</strong> 3_10


MEINE<br />

BETREUERIN<br />

HAT MEIN<br />

ZIEL.<br />

Mit Private Portfolio PREMIUM:<br />

Dem partnerschaftlichen Beratungsmodell für mein Vermögen.<br />

XXX Erfolg kommt nicht von ungefähr. Sondern von einem perfekten Teamwork zwischen Ihnen und Ihrer<br />

Betreuerin oder Ihrem Betreuer. Genau darauf setzt unser neues Beratungsmodell Private Portfolio PREMIUM.<br />

Nutzen Sie die Expertise der Bank Austria im Private Banking und stellen Sie in einem aktiven Dialog mit uns<br />

das für Sie optimale Portfolio zusammen. Mehr unter privatebanking.bankaustria.at


GASTAUTOREN<br />

HERBSTAUSGABE<br />

Partner von <strong>SOCIETY</strong><br />

Qualität verbindet<br />

Zahlreiche prominente Gastautoren schreiben in der aktuellen Herbstausgabe von <strong>SOCIETY</strong><br />

zu den unterschiedlichsten Themen aus Wissenschaft, Politik, Kunst und Lifestyle.<br />

Herbert Pietschmann Hermine Schreiberhuber Simon Inou Gerhard Gutruf Susanne Scholl<br />

***<br />

Prof. HERBERT PIETSCHMANN ist<br />

Emeritus am Institut für theoretische Physik<br />

der Universität Wien und Buchautor. Er<br />

verbrachte viele Jahre als Forscher im Ausland.<br />

Seit fünf Jahren schreibt er für SO-<br />

CIETY über Themen der Wissenschaft,<br />

Philosophie und Gesellschaft. In dieser<br />

Ausgabe macht er sich Gedanken über das<br />

Wesen der Bildung.<br />

***<br />

Mag. HERMINE SCHREIBERHUBER<br />

war stellvertretende Ressortleiterin der<br />

Außenpolitik bei der APA. Für die <strong>SOCIETY</strong>-<br />

Länderschwerpunkte verfasst sie regelmäßig<br />

politische Analysen und Hintergrundberichte<br />

mit den Schwerpunkten<br />

Kaukasus, Zentralasien, Lateinamerika<br />

und EU. Dieses Mal nimmt sie den OSZE-<br />

Vorsitz von Kasachstan genau unter die Lupe.<br />

***<br />

SIMON INOU stammt aus Kamerun, studierte<br />

Soziologie und ist Journalist (z. B. Radio<br />

Afrika International) mit dem Schwerpunkt<br />

interkultureller Medienarbeit. Er<br />

ist Mitbegründer von www.afrikanet.info<br />

und Projektleiter von M-Media. Für seine<br />

Arbeit hat er zahlreiche Auszeichnungen<br />

bekommen, u. a. vom Land Steiermark<br />

und der EU. Im <strong>SOCIETY</strong>-Kommentar plädiert<br />

er für mehr Vielfalt in allen Bereichen<br />

der Gesellschaft.<br />

***<br />

Prof. Gerhard Gutruf studierte an der<br />

Akademie der Bildenden Künste in Wien.<br />

1976 präsentierte er seine „Hommage à<br />

Vermeer“. Bei seinen zahlreichen Studienreisen<br />

lernte er den mexikanischen Maler<br />

Rufino Tamayo kennen, der eine Gutruf-<br />

Ausstellung in Mexiko-Stadt anregte. Sein<br />

Gastartikel dieser Ausgabe ist eine Betrachtung<br />

über die Größe Österreichs auf<br />

messtechnischer und kultureller Ebene...<br />

***<br />

Dr. SUSANNE SCHOLL ist weithin als<br />

ORF-Korrespondentin in Moskau bekannt,<br />

wo sie ab 2000 das ORF-Büro leitete. In<br />

zahlreichen Publikationen (u. a. „Russisches<br />

Tagebuch“ und „Töchter des Krieges“)<br />

beschäftigt sie sich mit dem Thema<br />

Russland. Die Trägerin des Österreichischen<br />

Ehrenkreuzes für Wissenschaft und<br />

Kunst und ausgezeichnete Journalistin des<br />

Jahres 2009 fragt in ihrer Kolumne, ob unser<br />

Wohlstand durch Immigranten bedroht<br />

ist.<br />

***<br />

Mag. INGRID CHLADEK ist Gesellschafterin<br />

der Dresscode Company und Head von<br />

Dressforsuccess. Sie berät in Fragen Business-<br />

Outfit, Image, Stil und Styling. Ihr Wissen<br />

präsentiert sie anhand von Prominenten-Styling-Checks.<br />

In dieser Ausgabe verrät sie<br />

uns, was Accessoires über eine Person aussagen.<br />

***<br />

Dr. GEORG ZANGER ist als Rechtsanwalt<br />

u. a. auf Wettbewerbs-, Urheber- und Medienrecht<br />

spezialisiert. In China hat er ein<br />

Netzwerk mit 25 Rechtsanwaltskanzleien<br />

geschlossen, um Investitionen nach Österreich<br />

zu bringen. Als kritischer Beobachter<br />

des Zeitgeschehens beschäftigt er sich in<br />

dieser <strong>SOCIETY</strong>-Ausgabe mit dem Asylrecht<br />

in Europa.<br />

***<br />

GERHARD VON LENTNER blickt für<br />

<strong>SOCIETY</strong> in die Sterne. Der mediale Berater,<br />

Kartenleger, Heiler und Buchautor beschäftigt<br />

sich intensiv mit Lebensberatung<br />

und verrät den <strong>SOCIETY</strong>-Lesern in jeder<br />

Ausgabe, wohin Österreich und die Welt<br />

steuern und was die Sterne in Beruf, Liebe,<br />

Finanzen und Gesundheit für jeden bereithalten.<br />

***<br />

WOLF und EVA VON SCHILGEN sind<br />

langjährige Stammschreiber für <strong>SOCIETY</strong>.<br />

Die Unternehmerin, Kulturmanagerin und<br />

Journalistin Eva von Schilgen ist das<br />

<strong>SOCIETY</strong>-Standbein in Salzburg und berichtet<br />

mit viel Elan über Kultur und Gesellschaft<br />

abseits der österreichischen<br />

Bundeshauptstadt. Der „lachende Satiriker“<br />

und Ehemann Wolf von Schilgen, gefeierter<br />

Buchautor, beschließt jede <strong>SOCIETY</strong>-<br />

Ausgabe mit seinen Satiren und zaubert ein<br />

Lächeln auf die Lippen der <strong>SOCIETY</strong>-Leser.<br />

Ingrid Chladek Georg Zanger Gerhard von Lentner Wolf und Eva von Schilgen<br />

14 | <strong>SOCIETY</strong> 3_10


Demner, Merlicek & Bergmann<br />

WWW.SCHNEIDERS.COM


KASACHSTAN<br />

LÄNDERPORTRÄT<br />

Das Herz Eurasiens<br />

Kasachstan als Staat gibt es erst seit dem Jahr 1991. Es ist das größte Land und die stärkste<br />

Wirtschaftsmacht in Zentralasien – und dennoch ist Kasachstan in Europa noch zu wenig<br />

bekannt. <strong>2010</strong> hält es den Vorsitz der OSZE und möchte dies nützen, um politisch und wirtschaftlich<br />

einen weiteren Schritt nach vorne zu machen.<br />

Kasachstan ist so groß wie Westeuropa<br />

und doch so unbekannt. Das Land in<br />

Zentralasien (das in seinem äußersten<br />

Westen in der Nähe der Wolgamündung<br />

noch zu Osteuropa gezählt werden kann) ist<br />

erst seit 1991 ein eigenständiger Staat. Es<br />

liegt ziemlich genau in der Mitte des eurasischen<br />

Kontinents und steht an neunter<br />

Stelle der größten Staaten der Welt – knapp<br />

hinter Argentinien, hat aber weniger Einwohner<br />

als die Niederlande (Platz 62). Das<br />

ergibt eine Bevölkerungsdichte von nur<br />

sechs Einwohnern pro Quadratkilometer,<br />

womit Kasachstan zu den am dünnsten besiedelten<br />

Gebieten der Erde gehört. Das Bildungssystem<br />

ist beachtlich, die Analphabetenrate<br />

ist so niedrig wie in westlichen<br />

Industriestaaten. Die Wirtschaft ist stärker<br />

als die aller anderen zentralasiatischen Länder<br />

zusammengenommen. Zu den größten<br />

Herausforderungen des Landes zählen<br />

die Bildung eines nationalen Gefüges; die<br />

Diversifizierung der Wirtschaft, die zum<br />

Großteil von Öl- und Gasexporten abhängt;<br />

die Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit<br />

und die Verbesserung der Beziehungen zu<br />

den Nachbarstaaten im Süden des Landes.<br />

16 | <strong>SOCIETY</strong> 3_10


FACTS IN BRIEF<br />

Was man erlebt haben muss<br />

Das Ustjurt-Plateau am westlichen Ende<br />

des Aralsees ist das größte und am besten<br />

geschützte Naturschutzgebiet Kasachstans.<br />

Es wurde 1984 geschaffen und erstreckt<br />

sich auf einem Gebiet von 2.200 Quadratkilometern.<br />

Erreichbar ist das Gebiet entweder<br />

über hunderte Kilometer mit dem<br />

Jeep oder per Hubschrauber. Beeindruckend<br />

sind die Kalk-Cliffs, Tschinks genannt,<br />

die von Karsthöhlen gesäumt sind. Im<br />

Frühjahr stehen weite Teile der Ebene unter<br />

Wasser und im Juni blüht das Steppengras.<br />

Der markanteste Punkt ist wohl das<br />

weiße Kalkmassiv Bozzhira. Im Naturschutzgebiet<br />

lebt eine einzigartige Fauna<br />

an großen Vögeln und Huftieren.<br />

Das Siebenstromland im Südosten des<br />

Landes beeindruckt durch seine atemberaubende<br />

Schönheit und Vielfalt an Flora.<br />

Insbesondere das Turgen-Tal ist eines der<br />

malerischsten Täler des Zailijskij Alatau, einem<br />

Teilgebirge des Tien Schan Gebirgszuges.<br />

Hier findet man Misch- und Fichtenwälder<br />

sowie subalpine und alpine<br />

Wiesen, die für Beeren- und Kräutersammler<br />

ein wahres Paradies darstellen. Auf dem<br />

sich dort befindlichen Assy-Plateau trifft<br />

man in den Sommermonaten mit Sicherheit<br />

Nomaden mit ihren Jurten und Herden<br />

an. Ein weiteres faszinierendes Naturspektakel<br />

stellen die vielen Wasserfälle mit<br />

einer Fallhöhe von bis zu dreißig Metern<br />

dar. Sogar bis zu den Gletschern ist es möglich<br />

zu wandern. Dort wird man seinen Augen<br />

nicht trauen, wenn man den Tschin-<br />

■ LÄNDERNAME: Republik Kasachstan<br />

■ FLÄCHE: 2.724.900 km 2<br />

■ KLIMA: Kasachstan unterliegt einem<br />

kontinental geprägten Klima.<br />

Nach kalten Wintern folgen ohne<br />

Übergang heiße lange Sommer. In<br />

den Wüstengebieten herrschen extreme<br />

klimatische Bedingungen mit<br />

Temperaturunterschieden zwischen -<br />

40°C und +40°C.<br />

■ LAGE: Kasachstan ist der größte<br />

Binnenstaat der Erde und liegt in<br />

Zentralasien. Es grenzt im Norden an<br />

Russland, im Osten an China und im<br />

Süden an Kirgistan, Usbekistan und<br />

Turkmenistan. Im Westen ist das<br />

Land durch das Kaspische Meer, das<br />

als Binnensee gilt, begrenzt.<br />

■ HAUPTSTADT: Astana (692.000<br />

Ew.)<br />

■ BEVÖLKERUNG: ca. 16 Millionen<br />

Einwohner; 57,2% Kasachen, 27,2%<br />

Russen, 3,1% Ukrainer, 2,7% Usbeken,<br />

1,6% Deutsche, 1,6% Tataren, 1,5% Uiguren<br />

■ SPRACHEN: Kasachisch, Russisch<br />

■ WÄHRUNG: Tenge (KZT),<br />

1 EUR = 194 KZT<br />

■ RELIGIONEN: 65% Muslime, 35%<br />

Christen (v.a. Orthodoxe)<br />

■ NATIONALFEIERTAG: 16. Dezember,<br />

Unabhängigkeitstag<br />

■ STAATSFORM: Präsidialrepublik,<br />

(Verfassung von 1995); Wahl des<br />

Parlamentes alle 5 Jahre, Wahl des<br />

Präsidenten alle 7 Jahre<br />

■ STAATSOBERHAUPT UND REGIE-<br />

RUNG: Staatspräsident Nursultan Ä.<br />

Nasarbajew (seit 1990), Regierungschef<br />

Kärim Mässimov (seit 2007)<br />

■ UNABHÄNGIGKEIT: 25.10.1990 von<br />

der Sowjetunion, Proklamation am<br />

16.12.1991<br />

■ VERWALTUNG: 14 Regionen, 2<br />

Städte mit Sonderstatus (Almaty<br />

und Astana) und Sonderbezirk Baikonur<br />

■ MITGLIED IN INTERNAT. ORGANI-<br />

SATIONEN: OSZE, UNO, EAEC, ECO<br />

<strong>SOCIETY</strong> 3_10 | 17


KASACHSTAN<br />

LÄNDERPORTRÄT<br />

BUCHTIPPS<br />

Dagmar Schreiber<br />

Kasachstan<br />

Dagmar Schreiber, Trescher<br />

Nomandenwege zwischen Kaspischem Meer und Altaj<br />

Verlag, 3. Auflage 2009<br />

Das Reisehandbuch bietet viele<br />

interessante Hintergrundinformationen<br />

über Land und Leute.<br />

Er stellt alle Regionen des Landes<br />

detailliert vor und gibt zahlreiche<br />

Tipps für organisierte Touren und Individualreisende.<br />

Ausführliche Kapitel zu Geschichte und Kultur<br />

machen Lust auf die Entdeckung eines noch weitgehend<br />

unbekannten Reiseziels.<br />

Trescher Verlag<br />

Apples Are From Kazakhstan<br />

– The Land that Disappeared<br />

Christopher Robbins,<br />

Atlas & Co., 2008<br />

Der amerikanische Journalist<br />

Christopher Robbins erfährt zufällig,<br />

dass der Ur-Apfel aus<br />

Kasachstan stammt. Er beschließt,<br />

das riesige aber unbekannte Land kennen zu lernen,<br />

und schildert in seinem überaus spannend geschriebenen<br />

Reisebericht seine eigenen Erfahrungen kombiniert<br />

mit erhellenden geschichtlichen Darstellungen und Minibiographien.<br />

Das Buch ist ein Muss für jeden, der über Kasachstan<br />

Bescheid wissen will.<br />

BERÜHMTE PERSÖNLICHKEITEN<br />

■ Al-Farabi (870-950): Universalgelehrter, studierte in<br />

Bagdad und Aleppo, wo er mit den Lehren der griechischen<br />

Philosophie in Berührung kam. Genannt der<br />

„Zweite Aristoteles“.<br />

■ Schokan Walichanov (1835-1865): Bereiste Kasachstan<br />

und sammelte historische, geografische und ethnografische<br />

Daten. Freundschaft mit Dostojewski. Er starb mit<br />

Dreißig an Tuberkulose.<br />

■ Achmet Bajtursynuly (1872-1937): Intellektueller. 1913 bis<br />

1918 Herausgeber der Zeitung „Kasakh“. Analysierte die<br />

kasachische Sprache und erstellte einen Stammbaum der<br />

Turksprachen. Von Stalin verbannt und 1937 erschossen.<br />

■ Nursultan Nazarbajev (*1940): Erster Präsident der Republik<br />

Kasachstan, im Oblast Almaty geboren, begann seine<br />

Karriere als Metallurgiearbeiter. Studium in Wirtschaftswissenschaften.<br />

Sein politisches Leben begann 1969 im sowjet.<br />

Jugendverband Komsomol, später Erster Sekretär der<br />

Kommunistischen Partei der Unionsrepublik Kasachstan.<br />

■ Toqtar Äubäkirow (*1946): Erster kasachischer Kosmonaut.<br />

Flog gemeinsam mit dem Österreicher Franz Viehböck<br />

und dem Russen Alexander Wolkow für acht Tage<br />

in den Weltraum. Später Generaldirektor der kasachischen<br />

Luft- und Raumfahrtagentur und Abgeordneter im<br />

Parlament.<br />

■ Alexander Nikolajewitsch Winokurow (*1973): Kasachischer<br />

Radprofi, der aktuell dem Team Astana angehört.<br />

Sieg bei der Vuelta a España 2006, Silbermedaille im<br />

olympischen Straßenrennen von Sydney 2000 und Bronzemedaille<br />

im Zeitfahren bei der Weltmeisterschaft 2006.<br />

Der Präsidentenpalast in Astana<br />

turgenskije Jel’niki erblickt – einen Moosfichtenwald<br />

am ewigen Eis.<br />

Was man gesehen<br />

haben muss<br />

Almaty zählt mit Sicherheit zu den<br />

größten Sehenswürdigkeiten des Landes.<br />

Sie gilt noch immer als die südliche Hauptstadt<br />

und ist wirtschaftliches, wissenschaftliches<br />

und kulturelles Zentrum des<br />

Landes. Einen herrlichen Blick über Almaty<br />

und die Umgebung bekommt man vom<br />

Kok-Töbe aus, dem Hausberg, den man bequem<br />

für wenig Geld (800 Tenge, ca. 4 Euro)<br />

per Seilbahn erreichen kann. Abgesehen<br />

davon hat Almaty noch viel mehr zu<br />

bieten, wie unzählige entzückende kleine<br />

Parks, den Platz der Republik, der sich an<br />

Feiertagen in einen Festplatz voll mit Buden<br />

und Bühnen verwandelt oder die beeindruckende<br />

Holzkathedrale im „Park<br />

der 28 Panfilov-Gardesoldaten.“<br />

Die neue Hauptstadt Astana besticht<br />

vor allem durch moderne Architektur, die<br />

im Bauboom seit 1997 entstanden ist. So<br />

etwa der „Baum des Lebens“, der mit zwei<br />

Liften die Besucher rund hundert Meter<br />

hochbefördert und eine tolle Aussicht auf<br />

einen komplett neu geschaffenen Stadtteil<br />

ermöglicht. Am gegenüberliegenden Ende<br />

der Sichtachse befindet sich der neue Präsidentenpalast,<br />

der „Ak Orda“, ein imposantes<br />

Gebäude, verziert mit weißen Säulen<br />

und einer großen blauen Kuppel. Ein<br />

weiteres faszinierendes Gebäude stellt die<br />

Nur-Astana Moschee dar, die ein Geschenk<br />

des Emirs von Katar ist.<br />

***<br />

Was man probiert<br />

haben muss<br />

Die kasachische Küche ist von der nomadischen<br />

Tradition der Kasachen beein-<br />

KASACHSTAN IM INTERNET<br />

Kasachische Botschaft in Österreich<br />

www.kazakhstan.at<br />

Offizielle Seite des Präsidenten von Kasachstan<br />

http://akorda.kz/en/<br />

Kasachisches Parlament<br />

www.parlam.kz<br />

Kasachische Regierung<br />

www.government.kz<br />

Rund um den Tourismus<br />

www.visitkazakhstan.kz<br />

Generelles über Kasachstan<br />

http://kazworld.info<br />

Agentur für Statistik Kasachstans<br />

www.stat.kz<br />

Gesetze und Businessnews<br />

www.stat.kz<br />

Über Almaty und Kasachstan, Insidertipps<br />

http://expat.nursat.kz<br />

18 | <strong>SOCIETY</strong> 3_10


AUS DER GESCHICHTE<br />

FOTOS: BOTSCHAFT VON KASACHSTAN<br />

Junger Reiter<br />

Tradition: Die Jagd mit Vögeln<br />

Massiv Bozzhira auf dem Ustjurt-<br />

Plateau<br />

flusst und für einen Westeuropäer zunächst<br />

etwas fremd. Gekocht wird mit<br />

Hammel-, Kamel- und Pferdefleisch, viel<br />

Reis und Getreide. Frisches Gemüse und<br />

Obst kommt selten auf den Tisch. Zudem<br />

werden kaum Kräuter und Gewürze verwendet.<br />

Auf Grund der Lage Kasachstans an<br />

der ehemaligen Seidenstraße finden sich in<br />

der Landesküche zahlreiche Einflüsse chinesischer<br />

aber auch usbekischer, tatarischer,<br />

uigurischer, russischer, und sogar<br />

deutscher Kochkünste.<br />

Nationalgericht ist das so genannte<br />

Beschbarmak. Es wird mit gekochtem Hammel-<br />

oder Pferdefleisch zubereitet und auf<br />

dünn ausgerollten Teigfladen mit der Hand<br />

gegessen. Garniert wird das Ganze mit<br />

Zwiebeln und Knoblauch und manchmal<br />

auch Kartoffeln.<br />

In einigen Dörfern am Kaspischen Meer<br />

WUSSTEN SIE, DASS...<br />

■ …die Verlegung der Hauptstadt von Almaty nach Astana<br />

auch einen symbolischen Wert hat? Die Wahl der neuen<br />

Hauptstadt im Zentrum der Sary-Arka-Steppe verdeutlicht<br />

besser als Almaty die Verbundenheit des<br />

Steppenvolkes mit seiner Hauptstadt.<br />

■ …in den 1990er Jahren aus Not Stromleitungen gekappt<br />

wurden, um Silber zu gewinnen und daher nicht in jedem<br />

Landesteil Elektrizität eine Selbstverständlichkeit ist?<br />

Hauptstadt Astana<br />

ist Kaviar ein Grundnahrungsmittel, das jedoch<br />

immer seltener wird, da der Kaviarlieferant,<br />

der Stör, fast ausgefischt ist. Seit<br />

den 1980er Jahren ist sein Bestand um<br />

neunzig Prozent zurückgegangen. Man erhält<br />

ihn jedoch in Fischerdörfern am<br />

Markt deutlich billiger als in Europa oder<br />

sonst wo. Die Fischer selbst verdienen wenig<br />

am Geschäft mit dem Kaviar, deshalb<br />

sollte nur Kaviar mit dem „GOST“-Zertifikat<br />

gekauft werden, da dieses garantiert,<br />

die Fischer angemessen entlohnt zu haben.<br />

Nationalgetränk in Kasachstan ist Kumys,<br />

eine Art Milchwein. Stutenmilch wird<br />

in einem Lederschlauch vergoren. Ähnlich<br />

ist vergorene Kamelmilch, die Schuwat<br />

heißt. Der Geschmack ist zunächst<br />

gewöhnungsbedürftig – es schmeckt säuerlich<br />

prickelnd und hat einen käsigen<br />

bis mandelähnlichen Nachgeschmack. Kumys<br />

ist leicht alkoholhaltig (ca. 1,2 bis 2<br />

Prozent) und gilt als traditionelles Nahrungsmittel<br />

bei asiatischen Steppenvölkern.<br />

Auch bei diversen Krankheiten wie<br />

zum Beispiel Tuberkulose oder Eisenmangelanämie<br />

wird Kumys eingesetzt. Wegen<br />

des hohen Vitamin- und Mineralstoffgehalts<br />

war Kumys bei den Steppenvölkern<br />

teilweise Ersatz für frisches Obst und Gemüse,<br />

jedoch wirkt es leicht abführend.<br />

Destilliert man Kumys, erhält man eine Art<br />

Branntwein namens Araca.<br />

1000 v. Chr.: Nomadenstämme bevölkern den Norden Kasachstans,<br />

im Süden sesshafte Stämme in den fruchtbaren<br />

Regionen.<br />

500 v. Chr.: Besiedelt und bevölkert durch die Saken und<br />

Hunnen.<br />

800 und 900 n. Chr.: Araber erobern das Land und Kasachstan<br />

wird islamisch.<br />

1219: Teil des mongolischen Reiches unter Dschingis Khan<br />

1245: Das Wort „kasachisch“ taucht zum ersten Mal auf. Es<br />

bedeutet in etwa „freier Vagabund innerhalb eines Volksstammes“.<br />

1360: Nachkommen des Dschingis Khan errichten auf den<br />

Trümmern des Mongolenreiches das zweite Mongolische<br />

Reich mit der Hauptstadt Samarkand.<br />

15.-16. Jh.: Es bildet sich das kasachische Volk als homogene<br />

Nation mit eigener Staatlichkeit heraus. Das kasachische<br />

Khanat entsteht.<br />

1731: Stammeshäuptlinge sprechen sich für eine Angliederung<br />

an Russland aus.<br />

1822: Ablöse der kasachischen Khane durch russische Gouverneure.<br />

1837: Aufstand gegen die russische Kolonialisierung unter<br />

Kenesary Kassymov.<br />

1868: Sieg der Russen über den Khan von Kokand. Kasachstan<br />

wird Teil des Zarenreiches.<br />

1916: Die „Große Revolte“ der Kasachen gegen Russland<br />

wird blutig niedergeschlagen, flammt jedoch 1917 im Zuge<br />

der Oktoberrevolution wieder auf.<br />

1917: Erster Allkasachischer Kongress mit Bestimmung eines<br />

provisorischen Volksrates der Autonomie in Orenburg, das<br />

zugleich erste Hauptstadt der Kasachen wird.<br />

1920: Autonome Republik der Kirgisen und Kasachen wird<br />

ausgerufen.<br />

1936: Im Zuge von Stalins Nationalitätenpolitik wird diese<br />

Republik wieder aufgelöst. Schaffung der sowjetischen<br />

Unionsrepublik Kasachstan.<br />

ab 1949: Testgebiet für sowjetische Atombomben.<br />

ab 1954: Durch die Urbarmachung des „Neulandes“ unter<br />

Chrustschov entstehen irreparable Schäden am Ökosystem<br />

der Steppe.<br />

16.12.1986: Studenten protestieren in Almaty gegen die sowjetischen<br />

Verwaltungsstrukturen. Man lässt auf sie schießen,<br />

seither ist der 16. Dezember nationaler Gedenktag.<br />

25.10.1990: Der Oberste Sowjet der Republik Kasachstanverabschiedet<br />

die „Deklaration über die staatliche Souveränität<br />

der Kasachischen Sozialistischen Sowjetrepublik“.<br />

1991: Nursultan Nasarbajew als Präsident bestätigt und am 21.<br />

Dezember erfolgt der Beitritt zur GUS.<br />

15.5.1992: Unterzeichnung des russisch-kasachischen<br />

Freundschafts- und Zusammenarbeitsvertrags, der insbesondere<br />

die Unantastbarkeit der gemeinsamen Grenze hervorhebt.<br />

1995: Präsident Nasarbajew verlegt die Hauptstadt von Almaty<br />

nach Akmola.<br />

1998: Regierung und Parlament ziehen von Almaty nach Akmola.<br />

1998: Akmola wird endgültig als offizielle Hauptstadt proklamiert<br />

und in Astana (Hauptstadt) umbenannt.<br />

<strong>2010</strong>: Kasachstan hat den Vorsitz bei der OSZE.<br />

Erlöserkirche in<br />

St. Petersburg<br />

<strong>SOCIETY</strong> 3_10 | 19


KASACHSTAN<br />

BOTSCHAFTER<br />

„Wenn du bei der UNO arbeitest,<br />

betrachtest du die Welt<br />

aus der Vogelperspektive.“<br />

YERZHAN KAZYKHANOV<br />

<strong>SOCIETY</strong>-Gespräch mit dem kasachischen Botschafter<br />

Österreich und Kasachstan –<br />

ein gutes Tandem<br />

Der Botschafter von Kasachstan, Yerzhan Kazykhanov, im <strong>SOCIETY</strong>-Interview über den Aufschwung<br />

Kasachstans, den Weg zur Demokratie und die kasachisch--österreichischen<br />

Beziehungen.<br />

Sie sind seit eineinhalb Jahren Botschafter<br />

in Österreich. Wie ist das Leben hier im<br />

Vergleich zu Kasachstan?<br />

Das ist meine erste Ernennung zum<br />

Botschafter in einem europäischen Land.<br />

Zweifellos ist Österreich ein herrliches und<br />

wunderschönes Land. Als Historiker freue<br />

ich mich über die Möglichkeit, persönlich<br />

in Berührung mit der reichen Geschichte<br />

Österreichs zu kommen. Ich besuche oft<br />

Museen, historische Orte, lese viel über Ihr<br />

Land. Insbesondere möchte ich die Gastfreundschaft<br />

der Österreicher hervorheben,<br />

dafür sprechen Millionen Touristen,<br />

die nach Wien und in andere Regionen des<br />

Landes kommen. Ich und meine Familie<br />

fühlen uns sehr wohl in Wien. Ich glaube<br />

man kann behaupten, dass Wien von allen<br />

Gesichtspunkten her gesehen die sicherste<br />

und komfortabelste Stadt des Planeten ist.<br />

Was ist der größte Unterschied zwischen<br />

Österreich und Kasachstan?<br />

Der Hauptunterschied zwischen Kasachstan<br />

und Österreich ist meiner Mei-<br />

FOTOS: <strong>SOCIETY</strong>/SCHIFFL<br />

20 | <strong>SOCIETY</strong> 3_10


nung nach die Größe der Territorien der<br />

beiden Länder. Wie Sie wissen, ist Kasachstan<br />

flächenmäßig genauso groß wie Westeuropa<br />

(Anm. 2,7 Mio. Quadratkilometer).<br />

Wir sind in Kasachstan an die Weite der<br />

Steppe gewöhnt. Ich möchte noch hinzufügen,<br />

dass meine Heimatstadt Almaty am<br />

Fuße der Berge Alatau klimatisch und vom<br />

Naturraum her der Stadt Wien ähnelt. Ich<br />

fühle mich hier wie zu Hause.<br />

Was vermissen Sie am meisten hier in<br />

Wien?<br />

Seit zwanzig Jahren bin ich im diplomatischen<br />

Dienst tätig. Ich habe in dieser<br />

Zeit viele enge Freunde in verschiedenen<br />

Ländern der Welt gewonnen, wo<br />

ich gearbeitet oder Besuche erstattet habe.<br />

Natürlich fehlt mir der Umgang mit<br />

meinen Freunden im Ausland. Aber wir<br />

telefonieren oft und kontaktieren uns<br />

per E-Mail. Hier in Wien habe ich auch<br />

viele wunderbare Leute getroffen. Wiens<br />

Hauptschatz sind die Menschen, die hier<br />

leben und diese Stadt tatsächlich schön<br />

und attraktiv machen.<br />

Welche Regionen von Österreich haben<br />

Sie bereits kennen gelernt?<br />

Um mehr von einem Land zu erfahren,<br />

muss man natürlich alle Regionen besuchen<br />

und näher die Wirtschaft, Kultur, Traditionen<br />

und Küche kennenlernen. Im Laufe<br />

meines Aufenthaltes in Österreich seit<br />

eineinhalb Jahren hatte ich das Glück, wunderschöne<br />

Orte zu sehen. Mein erstes Reiseziel<br />

außerhalb Wiens war die Stadt Graz im<br />

Frühling 2009. Das war unvergesslich. Es<br />

gab ein Treffen mit dem Landeshauptmann<br />

der Steiermark, dem Vorsitzenden des Landtags,<br />

Geschäftsleuten usw. Einen besonderen<br />

Eindruck hat der Besuch des „MAGNA“-<br />

Werkes hinterlassen, wo ich eine Testfahrt<br />

mit einem BMW X3 machen durfte.<br />

Unvergesslich waren auch Salzburg und<br />

seine Umgebung. Besonders prägte sich mir<br />

die Zusammenkunft mit Landeshauptfrau<br />

Gabi Burgstaller ein. Es scheint mir, dass sie<br />

ein Mensch ist, der seine Heimat und Arbeit<br />

liebt und viel für die Entwicklung des<br />

Bundeslandes Salzburg tut. Ich und meine<br />

Familie fahren gerne Ski, wir kennen und besuchen<br />

oft manche Skikurorte in Österreich.<br />

Ich möchte noch sagen, dass es mir gelang,<br />

bei den Musik- und Opernfestspielen<br />

in Bregenz, Salzburg, Graffeneg zu sein.<br />

Ich bin von der Liebe der Österreicher zur<br />

Musik, der hohen Kunst beeindruckt.<br />

Ebenfalls haben ein Treffen mit dem<br />

Landeshauptmann von Oberösterreich und<br />

ein Besuch der Stadt Linz stattgefunden.<br />

Ich war im Gussstahlwerk Voest Alpine<br />

und hoffe noch Kärnten zu besuchen sowie<br />

Tirol kennenzulernen.<br />

Im Großen und Ganzen erfolgen während<br />

meiner Reisen durch das Land zahlreiche<br />

Treffen mit den österreichischen Geschäftsleuten,<br />

ich besuche die<br />

Unternehmen. Ich bin sicher, dass unsere<br />

Länder gutes Potential für den Ausbau der<br />

Zusammenarbeit in Handel und Wirtschaft<br />

haben. In Kasachstan gibt es<br />

Ressourcen, in Österreich Technologien.<br />

Das ist ein gutes Tandem.<br />

Leben Sie mit der gesamten Familie in<br />

Wien?<br />

Ja, in Wien leben wir mit der ganzen Familie.<br />

Ich und meine Ehefrau Danara haben<br />

zwei Kinder: eine Tochter (18 Jahre alt)<br />

und einen Sohn Tair (11 Jahre alt). Unsere<br />

Tochter hat dieses Jahr die Schule beendet<br />

und wurde auf der Universität Kent in<br />

Großbritannien aufgenommen. Für uns<br />

ist es eine große Familienfreude. Unser<br />

Sohn Tair besucht die 5. Klasse in der Vienna<br />

International School VIS. Wir bemühen<br />

uns, viel durch Österreich zu reisen, fahren<br />

Rad am Ufer der blauen Donau.<br />

Wie würden Sie den kasachischen Charakter<br />

definieren?<br />

Kasachen und Österreicher haben viel<br />

„In Kasachstan gibt es<br />

Ressourcen, in Österreich<br />

Technologien. Das ist ein<br />

gutes Tandem.“<br />

YERZHAN KAZYKHANOV<br />

Gemeinsames im Charakter. Wir sind genauso<br />

gastfreundlich und freundschaftlich.<br />

Ich denke, dass die überaus schwierige<br />

Geschichte meines Volkes in der<br />

Vergangenheit zur Stärkung des nationalen<br />

Selbstbewusstseins der Kasachen beigetragen<br />

hat. Wir ehren die Traditionen der<br />

Vorfahren. Aber das Wichtigste ist wahrscheinlich,<br />

dass wir die Kultur, die Religion<br />

und die Sitten anderer Völker respektieren.<br />

Kasachstan ist ein multinationaler Staat,<br />

zurzeit leben hier mehr als 120 Nationalitäten.<br />

Multinationale Eintracht und Stabilität<br />

sind Garant der Prosperität für Kasachstan<br />

von heute.<br />

Kasachstan und Österreich spielen bei<br />

der EM-Qualifikation in derselben Gruppe.<br />

Interessieren Sie sich für Fußball?<br />

Am 7. September fand in Salzburg ein<br />

Qualifikation-Fußballspiel zwischen den<br />

Mannschaften Kasachstans und Österreichs<br />

statt. Wir haben mit den Vorbereitungen<br />

anlässlich dieses Ereignisses frühzeitig<br />

begonnen. Die Mitarbeiter der<br />

Botschaft sind mit ihren Familien nach<br />

Salzburg gefahren. Außerdem ist der Präsident<br />

der Fussballföderation Kasachstans<br />

nach Österreich gekommen. Ich glaube, es<br />

wird die Leser interessieren, dass noch im<br />

Sommer in Kasachstan mit Unterstützung<br />

durch das Außenministerium der Republik<br />

Kasachstan und der Fluggesellschaft „Austrian<br />

Airlines“ ein Gewinnspiel über die<br />

Geschichte der kasachisch-österreichischen<br />

Beziehungen veranstaltet wurde.<br />

Die Sieger dieses Wettbewerbs sind zwei<br />

<strong>SOCIETY</strong> 3_10 | 21


KASACHSTAN<br />

BOTSCHAFTER<br />

kasachische Bürger, die einige Tage in<br />

Wien verbracht haben und zum Fußballspiel<br />

nach Salzburg auf Kosten der Sponsoren<br />

gefahren sind.<br />

Nun zum Thema Diplomatie: Wie haben<br />

Sie Ihre Karriere begonnen und was waren<br />

Ihre wichtigsten Karrierestationen?<br />

Wie bereits erwähnt, bin ich mehr als<br />

zwanzig Jahre im diplomatischen Dienst<br />

Kasachstans tätig. Ende der 80er und Anfang<br />

der 90er Jahre ereigneten sich große,<br />

ich würde sagen, „tektonische“ Veränderungen<br />

auf dem Territorium der ehemaligen<br />

Sowjetunion. Anstelle eines Riesenlandes<br />

entstanden neue junge,<br />

unabhängige Staaten. Zu diesem Zeitpunkt<br />

hat die Diplomatie Kasachstans Leute mit<br />

Fremdsprachenkenntnissen und Auslandserfahrung<br />

gebraucht. Ich hatte solche Erfahrung<br />

und habe mit Freude die Arbeit<br />

im kasachischen Außenministerium angenommen.<br />

Die markantesten Etappen meiner diplomatischen<br />

Karriere waren die ersten<br />

Unabhängigkeitsjahre Kasachstans. Unser<br />

Land war wenig bekannt in der Welt. Aber<br />

die politischen Schritte, die unser Präsident<br />

Nursultan Nasarbajew in den ersten<br />

Unabhängigkeitsjahren unternahm, brachten<br />

viele Länder dazu, sich gegenüber Kasachstan<br />

mit Respekt und vollem Vertrauen<br />

zu verhalten. Unter der Leitung des<br />

ersten Präsidenten des Staates hat Kasachstan<br />

auf Atomwaffen verzichtet und wurde<br />

zum Zentrum des Friedens und der Stabilität.<br />

Ich war Zeuge des Werdegangs der<br />

Unabhängigkeit Kasachstans, habe aktiv<br />

an der Festigung unserer internationalen<br />

Positionen als Diplomat des kasachischen<br />

Außenministeriums teilgenommen.<br />

Eine andere wichtige Periode meiner<br />

beruflichen Laufbahn waren die Jahre meiner<br />

Arbeit als Botschaftsrat und später als<br />

Ständiger Repräsentant der Republik Kasachstan<br />

bei der UNO in New York. Die Mitgliedschaft<br />

jedes Staates in der UNO, im<br />

ganzen 192, ist eine Art von Symbol der<br />

Souveränität und Unabhängigkeit. Ich bin<br />

froh, dass die Regierung meines Landes<br />

mir anvertraute, während dieser Zeit die<br />

Interessen Kasachstans bei der UNO zu<br />

vertreten. Es ist eine kolossale Erfahrung,<br />

die mir auch heute hilft. Wenn du bei der<br />

UNO arbeitest, betrachtest du die Welt aus<br />

der Vogelperspektive. Du siehst Regionen<br />

und Kontinente der Welt. Man erfährt viel<br />

über die internationalen Probleme und –<br />

das Wichtigste – hat die Möglichkeit, faktisch<br />

mit den Vertretern aller Staaten der<br />

Welt zu kommunizieren.<br />

Die dritte wesentliche Etappe meiner diplomatischen<br />

Karriere ist die Arbeit im<br />

„Das BIP pro Kopf ist im Laufe<br />

von 15 Jahren von 700 US-Dollar<br />

auf 8.000 US-Dollar, d. h.<br />

um das Elffache, gestiegen.“<br />

YERZHAN KAZYKHANOV<br />

heutigen Kasachstan. Wir haben uns politisch<br />

und wirtschaftlich gefestigt. Uns<br />

kennt die ganze Welt. Natürlich, von großer<br />

Bedeutung ist der Vorsitz Kasachstans<br />

bei der OSZE in <strong>2010</strong>. Wir sind erfreut, dass<br />

das nächste OSZE-Gipfeltreffen in Astana<br />

Anfang Dezember dieses Jahres stattfindet.<br />

Das zeugt von hoher Wertschätzung der<br />

Aktivitäten unseres Präsidenten und von<br />

Vertrauen in unser Land.<br />

Wie beurteilen Sie die Beziehungen zwischen<br />

Kasachstan und Österreich? Gibt es<br />

Bedarf an Verbesserungen?<br />

Es muss darauf hingewiesen werden,<br />

dass zwischen Kasachstan und Österreich<br />

ein gegenseitiges Interesse hinsichtlich<br />

der Vertiefung und der Erweiterung der bilateralen<br />

Zusammenarbeit im politischen,<br />

wirtschaftlichen und kulturell-humanitären<br />

Bereich besteht.<br />

Beide Seiten unterstützen sich bei außenpolitischen<br />

Initiativen. Kasachstan hat die<br />

Das Botschafterehepaar Danara und<br />

Yerzhan Kazykhanov<br />

Kandidatur Österreichs als nichtständiges<br />

Mitglied im Sicherheitsrat der Vereinten<br />

Nationen befürwortet, Österreich leistet Beistand<br />

bei allen Fragen, die mit dem Vorsitz<br />

der Republik Kasachstan zusammenhängen.<br />

Im Großen und Ganzen kann man eine<br />

fortschreitende Entwicklung der Beziehungen<br />

im politischen Bereich feststellen. Zugleich<br />

ist es notwendig, den Beziehungen einen<br />

zusätzlichen Impuls im Rahmen<br />

hochrangiger Besuche zu geben.<br />

Seit den ersten Tagen der Aufnahme<br />

von diplomatischen Beziehungen zwischen<br />

Kasachstan und Österreich bestehen<br />

freundschaftliche Handels- und Wirtschaftsbeziehungen.<br />

Zurzeit nimmt<br />

Kasachstan auf der Liste der außenwirtschaftlichen<br />

Partner Österreichs unter den<br />

GUS-Ländern den dritten Platz ein, nur<br />

den Staaten Russland und der Ukraine<br />

den Vorrang einräumend. Im Jahre 2009<br />

hat der Warenumsatz zwischen Kasachstan<br />

und Österreich 1.137 Millionen Euro<br />

betragen, 938,5 Millionen davon kommen<br />

auf den Import aus Kasachstan und 198,5<br />

Millionen auf den österreichischen Export<br />

nach Kasachstan. Im Zeitraum von 1995 bis<br />

2009 machte das Volumen der Direktinvestitionen<br />

aus Österreich in Kasachstan<br />

über drei Milliarden US Dollar aus.<br />

Die Hauptexportartikel Kasachstans<br />

sind Erdöl und Erdölprodukte, Mineralien<br />

und Mineralrohstoffe, Metalle, Baumwolle,<br />

radioaktives Material, Textilien, unedle<br />

22 | <strong>SOCIETY</strong> 3_10


Metalle und deren Erzeugnisse. Österreich<br />

importiert nach Kasachstan Produkte der<br />

Lebensmittelindustrie, alkoholhaltige und<br />

alkoholfreie Getränke, Tabak, Maschinen<br />

und Ausrüstungen, elektrotechnische Anlagen.<br />

In Kasachstan sind mehr als fünfzig kasachisch-österreichische<br />

Gemeinschaftsunternehmen<br />

tätig, darunter zeichnen<br />

sich „Zhetybai-Kuest“ (Erdölschürfung und<br />

-förderung), „Voestalpine Kasachstan“ (Erzeugung<br />

von Eisenmetallen), „Tim Ltd“<br />

(Einführung von neuen Technologien im<br />

Irtysch-Eisenhüttenwerk), „Halliburton Kasachstan<br />

Oilfield“ (Einführung von neuen<br />

Technologien in der Atyrauer Erdölraffinerie)<br />

aus.<br />

Kasachstan zählt zu einem der Hauptlieferanten<br />

von Energie für Österreich.<br />

Gleichzeitig stellt Österreichs Erfahrung<br />

im Bereich des Bankwesens, des Maschinenbaus<br />

und der Bauindustrie, der neuen<br />

Technologien und Innovationen, der erneubaren<br />

Energie, der Verarbeitung der<br />

landwirtschaftlichen Produktion, der Ökologie<br />

für Kasachstan großes Interesse dar.<br />

Der nächste wichtige Schritt in diese<br />

Richtung wird die im Herbst dieses Jahres<br />

geplante zweite Tagung der Kasachisch-<br />

Österreichischen Regierungskommission<br />

für handels-ökonomische Zusammenarbeit<br />

in Astana sein.<br />

Was hat sich in Kasachstan seit der Erlangung<br />

der Unabhängigkeit verändert?<br />

Die Ausrufung der Unabhängigkeit der<br />

Republik Kasachstan am 16. Dezember<br />

1991 wurde zu einem Wendepunkt und einem<br />

neuen Ausgangspunkt der Geschichte<br />

der souveränen Entwicklung des Staates.<br />

Den Entwicklungsweg der Unabhängigkeit<br />

von der Republik Kasachstan während<br />

19 Jahren analysierend, muss darauf hingewiesen<br />

werden, dass in diesem Zeitraum<br />

eine Reihe von Problemen erfolgreich gelöst<br />

wurden, die mit der Umsetzung von<br />

politischen und wirtschaftlichen Reformen<br />

verbunden war, und dass bedeutende<br />

Fortschritte beim Aufbau des demokratischen<br />

Staates mit Marktwirtschaft erzielt<br />

worden sind.<br />

In kurzer Zeit ist es uns gelungen, auf<br />

dem Weg der posttotalitären Liberalisierung<br />

gute Ergebnisse in der sozialwirtschaftlichen,<br />

politischen und geistigen<br />

Entwicklung zu erzielen. In Kasachstan<br />

funktioniert ein harmonisches Modell der<br />

polyethnischen und polykonfessionellen<br />

Gesellschaft, die unter den scharfen Bedingungen<br />

der Transformation des Gesellschaftssystems<br />

ein entsprechendes Tempo<br />

bei den fortschreitenden wirtschaftlichen<br />

und politischen Reformen gefunden hat.<br />

CURRICULUM VITAE<br />

Botschafter Yerzhan Kazykhanov ist am 21. August 1964<br />

geboren. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er studierte<br />

von 1981 bis 1987 an der Staatsuniversität St. Petersburg<br />

(orientalische Fakultät), danach an der Moskauer Diplomatischen<br />

Akademie und am Trainingsinstitut des Außendienstes<br />

in Neu Delhi. 1993 besuchte er das Foreign Service<br />

Training Institut in Washington D.C. Yerzhan<br />

Kazykhanov ist Doktor der Geschichte. Er war von 1989 bis<br />

1993 zuerst Zweiter dann Erster Sekretär in der Abteilung<br />

für Politische Angelegenheiten im Außenministerium.<br />

Darauf folgend war er Protokollchef. 1995 wechselte er<br />

nach New York zu den Vereinten Nationen. Ab 2000 war<br />

er Generalsekretär der UNESCO in Kasachstan, Vizeaußenminister,<br />

Ständiger Vertreter bei den VN in New York und<br />

Beigeordneter des Präsidenten von Kasachstan. Seit Jänner<br />

2009 ist er Botschafter in Wien.<br />

Dazu haben die richtig gesetzten Prioritäten,<br />

die ausgewogene Innen- und Außenpolitik,<br />

sowie die Beständigkeit bei der Zielerreichung<br />

beigetragen.<br />

Politisch gesehen hat Kasachstan mehrere<br />

außenpolitische Initiativen auf dem<br />

Gebiet der Kernwaffenabrüstung, der Verstärkung<br />

der Sicherheit vorgebracht und<br />

realisiert. Was den außenpolitischen Kurs<br />

betrifft, erweitert Kasachstan sowohl die<br />

bilaterale als auch die multilaterale internationale<br />

Zusammenarbeit, tritt für die<br />

Stärkung der Integration im Rahmen der<br />

GUS-Länder, der EAWG, des „Einheitlichen<br />

Wirtschaftsraumes“, der Shanghaier Organisation<br />

für Zusammenarbeit und der Organisation<br />

des Vertrags über kollektive Sicherheit<br />

ein, wirkt mit der<br />

internationalem Gemeinschaft im Rahmen<br />

der UNO, der OSZE und anderer internationalen<br />

Organisationen zusammen.<br />

Mit keinem Land der Welt hat unser Staat<br />

ernste Probleme.<br />

Wirtschaftlich ist Kasachstan aufgestiegen.<br />

Heute zählt Kasachstan zu den Ländern<br />

mit durchschnittlichem Einkommen.<br />

Wir haben ein gutes Potential. Es werden<br />

konkurrenzfähige Unternehmen gegründet,<br />

neue Arbeitsplätze geschaffen. Im Land<br />

ist wieder ein starkes Wirtschaftswachstum<br />

zu beobachten. Sogar in den Zeiten der<br />

Weltwirtschaftskrise, die das Entwicklungstempo<br />

in vielen Staaten reduziert hat, ist<br />

die positive Dynamik der kasachischen<br />

Wirtschaft erhalten geblieben.<br />

Kasachstan hat als erstes unter den<br />

GUS-Ländern Steuer- und Rentenreformen<br />

durchgeführt, die kein Analog im postsowjetischen<br />

Raum haben. In der nationalen<br />

Wirtschaft wurden mehr als hundert Milliarden<br />

Euro an Direktinvestitionen lukriert.<br />

Allein in den ersten sieben Jahren des neuen<br />

21. Jahrhunderts hat sich der Umfang<br />

des BIP verdoppelt, um das Zweifache hat<br />

sich die industrielle Produktion vergrößert,<br />

die landwirtschaftliche Erzeugung<br />

um das Eineinhalbfache. Das BIP pro Kopf<br />

ist dabei im Laufe von 15 Jahren von 700<br />

US-Dollar auf 8.000 US-Dollar, d. h. um das<br />

Elffache, gestiegen.<br />

Vor welchen Herausforderungen steht<br />

Kasachstan mit seinen unmittelbaren Nachbarstaaten?<br />

Potentielle Herausforderungen und Bedrohungen<br />

gegenüber Kasachstan sind<br />

durch die geopolitische Lage des Landes bedingt.<br />

Hierbei muss man die Umgebung<br />

Kasachstans berücksichtigen, die mit wenigen<br />

Ausnahmen einen neue Gefahren bildenden<br />

Gürtel der Instabilität darstellt.<br />

In diesem Zusammenhang ruft die politisch<br />

instabile Situation in einzelnen Staaten<br />

der Region Besorgnis hervor. Ernste Bedrohung<br />

stellen der internationale<br />

Terrorismus und der religiöse Extremismus<br />

dar, die qualitativ neue, übernationale<br />

Formen annehmen. Die Zunahme der<br />

transnationalen Kriminalität ist ebenfalls<br />

eine Herausforderung für die kasachische<br />

Gesellschaft. Der niedrige Lebensstandard<br />

in den Nachbarländern führt zu einem<br />

schwer kontrollierbaren Anstieg der illegalen<br />

Migration.<br />

Den Herausforderungen und Bedrohungen<br />

Widerstand zu leisten, die die Interessen<br />

der nationalen Sicherheit Kasachstans<br />

berühren, kann man nicht nur mittels eines<br />

adäquaten Verteidigungspotentials,<br />

sondern auch durch wirtschaftliche Möglichkeiten,<br />

neue Technologien aktiv verwertend<br />

und die Herstellung der konkurrenzfähigen<br />

Produktion forcierend.<br />

Die Lösung der genannten Aufgaben ist<br />

ohne Sicherung der innenpolitischen Stabilität<br />

und Konsolidierung der Gemeinschaft<br />

nicht möglich. Allgemein bekannt ist, dass<br />

die Polarisation der Gesellschaft interne<br />

Herausforderungen hervorbringt, die zur<br />

Instabilität führen und die Bedrohung der<br />

nationalen Sicherheit nach sich ziehen.<br />

Als Beispiel können die jüngsten Ereignisse<br />

in Kirgistan dienen. Die Behebung<br />

der Ursachen, die die materiellen, ethnischen<br />

religiösen Meinungsverschiedenheiten<br />

hervorrufen, ist eine der erstrangigen<br />

Aufgaben der modernen Entwicklung Kasachstans.<br />

Zumal ist unser Land durch seine<br />

Toleranz, sein zwischenkonfessionelles<br />

Einverständnis und den Dialog weltweit<br />

bekannt.<br />

Die Frage der Sicherung der innenpolitischen<br />

Stabilität kann strategisch mittels<br />

des allseitig ausgewogenen Programms für<br />

soziale Umgestaltungen gelöst werden.<br />

<strong>SOCIETY</strong> 3_10 | 23


KASACHSTAN<br />

OSZE<br />

Kazakhstan and OSCE<br />

From Vancouver to Vladivostok<br />

Ambassador Kairat Abdrakhmanov, Chairperson of the OSCE Permanent Council, Permanent<br />

Representative of Kazakhstan to the OSCE, about the importance of the OSCE, the problems<br />

in Central Asia and the need to adopt the Organization.<br />

How important is the OSCE Chairmanship<br />

for Kazakhstan?<br />

For us the OSCE Chairmanship is a logical<br />

step after almost two decades of independent<br />

political and economic development<br />

of Kazakhstan. Election to this<br />

honourable and respected post was recognition<br />

of the successful development of<br />

our young state, the consolidation of its society,<br />

and its contribution to ensuring international<br />

security, co-operation and regional<br />

integration. We are grateful to the<br />

OSCE participating States for their confidence<br />

in us and their constant support.<br />

Leading such an important organization<br />

is entirely in keeping with the spirit of<br />

Kazakhstan’s proactive foreign policy. It enables<br />

us to promote our interests, priorities<br />

and values at a higher international level,<br />

making use of its treasure trove of tools<br />

available to the Organization. The experience<br />

of chairing the OSCE will undoubtedly<br />

have a positive impact on our country’s<br />

progress on the path to democracy.<br />

What are the priorities of the Kazakh<br />

Chairmanship of the OSCE?<br />

Since the very outset our Chairmanship<br />

has been seeking to follow the motto of the<br />

four Ts – Trust, Tradition, Transparency<br />

and Tolerance. As President Nazarbayev<br />

explained in his video address to the members<br />

of the OSCE Permanent Council, the<br />

first T refers to the trust that is necessary<br />

for all of us. The second one refers to our<br />

commitment to the fundamental principles<br />

and values of the OSCE. The third one<br />

conveys maximum openness and transparency<br />

in international relations, free<br />

from “double standards” and “dividing<br />

lines”. The fourth T reflects global trends<br />

towards a strengthening of intercultural<br />

and intercivilizational dialogue, which is<br />

gaining major importance in today’s<br />

world.<br />

Our Chairmanship’s programme includes<br />

work to counter new threats and<br />

challenges, the search for solutions to protracted<br />

conflicts, the rehabilitation of<br />

Afghanistan, co-operation with respect to<br />

„Our chairmanship will mark<br />

a new stage in East-West relations.“<br />

KAIRAT ABDRAKHMANOV<br />

transport, the development of tolerance<br />

and other important areas of activity. On<br />

the eve of our Chairmanship we initiated<br />

the idea of an OSCE summit.<br />

In the first six months of the year, the<br />

Chairperson-in-Office, Kanat Saudabayev,<br />

visited the OSCE’s field presences in the regions<br />

to familiarize himself with the situation<br />

on the ground and offer support to our<br />

Organization’s presences. We held a series<br />

of important events in all three dimensions<br />

of the OSCE, like the High-Level Conference<br />

on Tolerance and Non-Discrimination<br />

in Astana, the Conference on the occasion<br />

of the 20th Anniversary of the Copenhagen<br />

Document, the Conference on combating<br />

drug trafficking and others.<br />

We firmly believe that the OSCE, which<br />

brings together 56 countries in the area<br />

from Vancouver to Vladivostok, must address<br />

the most pressing and difficult problems<br />

in today’s world.<br />

What are the most important problems<br />

in Central Asia?<br />

Today the concept of European security<br />

includes not only the traditional Europe<br />

and Euro-Atlantic ties but also the<br />

vast area of Eurasia. The importance of<br />

this approach was made clear by the<br />

acute crisis in Kyrgyzstan earlier this<br />

year which in fact has become the most<br />

serious test for our Organization since<br />

the Georgian conflict of 2008. Concerted<br />

efforts by the President of Kazakhstan<br />

and other world leaders helped avert a<br />

large-scale civil war in the country.<br />

Central Asia’s problems cannot be<br />

considered in isolation from the challenges<br />

stemming from the territory of<br />

Afghanistan. In addition to Kazakhstan’s<br />

educational programme, which is allocating<br />

50 million US dollars for the civilian<br />

vocational training of a thousand<br />

Afghan nationals at Kazakh universities,<br />

the Chairmanship is continuing to focus<br />

on the implementation of, and support<br />

through co sponsorship for, projects that<br />

are part of what is known as the “Afghan<br />

package” for strengthening Afghanistan’s<br />

borders with Central Asian countries,<br />

developing border co-operation and<br />

enhancing law enforcement activities.<br />

The countries of the region are also<br />

increasingly concerned with the problems<br />

of economic and environmental<br />

security. We think it important to draw<br />

attention to the problem of the Aral Sea<br />

– an environmental disaster for Central<br />

Asia that is having a proven negative effect<br />

on Europe.<br />

What does Kazakhstan expect from the<br />

summit in Astana this December?<br />

FOTO: <strong>SOCIETY</strong>/SCHIFFL<br />

24 | <strong>SOCIETY</strong> 3_10


The concept of the Kazakh Chairmanship<br />

is based on the principles of continuity<br />

and reflects our firm intention to help<br />

to increase the effectiveness of the OSCE<br />

and develop its potential as unique forum<br />

for dialogue, bringing together 56 countries<br />

from three continents. Kazakhstan,<br />

located at the very heart of Eurasia, is especially<br />

aware of the relevance of this kind of<br />

dialogue. We believe that our Chairmanship<br />

of the OSCE will mark a new stage in<br />

East-West relations and will serve to<br />

strengthen mutual trust.<br />

It was for this reason that the President<br />

of Kazakhstan proposed the idea of convening<br />

a summit meeting of the OSCE Heads<br />

of State to take place in Astana on 1 and 2<br />

December <strong>2010</strong>. We are grateful to the<br />

participating States for their support for<br />

this initiative.<br />

The dialogue on the future of European<br />

security, known as the Corfu Process,<br />

as well as the informal meeting of OSCE<br />

foreign ministers in Almaty made it possible<br />

to identify the most pressing problems<br />

in the OSCE area and outline ways of resolving<br />

them. Thus, at the Almaty meeting<br />

the President of Kazakhstan highlighted<br />

the idea of creating a single Euro-Atlantic<br />

and Eurasian security community within<br />

the OSCE – a common and indivisible area<br />

free from dividing lines and zones with different<br />

levels of security, in which the use of<br />

force or the threat of its use would be inconceivable.<br />

Of course, this is a major<br />

goal that will probably take time to<br />

achieve, but already no one doubts that it<br />

is one worth striving for.<br />

President Nazarbayev has spoken of<br />

adapting the OSCE to modern-day realities.<br />

How should the OSCE be adapted?<br />

One of the most important tasks for the<br />

Kazakh Chairmanship is a comprehensive<br />

strengthening of the OSCE as well as helping<br />

to increase its effectiveness and ability<br />

CURRICULUM VITAE<br />

H.E. Kairat Abdrakhmanov was born in 1964 in Kazakhstan.<br />

He studied history at the Kazakh National State University.<br />

After working as lecturer at the Kazakh National Technical<br />

University he started his career in the diplomatic service<br />

in 1993. He was Third and Second Secretary of the<br />

European Department, then Head of Division of the Department<br />

of Asia, Director of the Department of Europe and<br />

America, Director of the Department of Bilateral Co-operation,<br />

from 1999-2001 Vice-Minister of Foreign Affairs,<br />

then Minister Counselor at the Embassy in the UK, Ambassador<br />

to Israel, Deputy Foreign Minister and Ambassador<br />

to Austria. Since 2008 he has been Permanent Representative<br />

to the OSCE.<br />

to respond appropriately to modern-day<br />

threats and challenges.<br />

When we speak of reform we are not<br />

thinking of a revision of the Organization’s<br />

fundamental principles or the mechanisms<br />

that have been elaborated over<br />

decades. Our goal is to create favourable<br />

conditions for its evolutionary development,<br />

improving its potential, strengthening<br />

its mandate and developing all three<br />

dimensions of security.<br />

There is clearly a deep-seated crisis in<br />

the first “basket”, where despite all efforts<br />

the Treaty on Conventional Armed Forces<br />

in Europe (CFE Treaty) is not working and<br />

conflict prevention instruments are weakened.<br />

There has been no summit meeting<br />

of the OSCE Heads of State or Government<br />

for the last eleven years; since 2004 the<br />

Ministerial Council meetings have failed to<br />

adopt a final declaration, and adoption of<br />

the Organization’s budget has frequently<br />

been delayed as a result of conflicts.<br />

In many respects, given the need for a<br />

new outlook on the future of the Organization,<br />

we have enthusiastically continued<br />

the work of the Greek Chairmanship of the<br />

OSCE to promote dialogue on European security.<br />

The history of the OSCE shows the<br />

forum’s need for significant reforms<br />

roughly every ten years in line with the requirements<br />

of the regional situation – the<br />

Helsinki Final Act of 1975, the Charter of<br />

Paris of 1990, the Istanbul Charter for European<br />

Security of 1999.<br />

All the participating States recognize<br />

the need to improve the Organization’s<br />

legal framework. A group of States raised<br />

the question of the adoption of an OSCE<br />

Charter and a convention on its legal status,<br />

privileges and immunities. In fact,<br />

from a legal point of view the OSCE is currently<br />

functioning not as a fully fledged international<br />

organization with a legal status<br />

but rather as a conference forum.<br />

Our common task is to restore the spirit<br />

of trust and understanding of mutual interests<br />

to the OSCE, a forum which, by the<br />

way, has four nuclear powers among its<br />

members. The situation on our continent<br />

at the start of the twenty-first century<br />

clearly calls for a strengthening rather<br />

than a weakening of the OSCE. We need to<br />

resolve protracted local conflicts, co-operate<br />

in a civilized manner in the area of human<br />

rights and the promotion of democracy,<br />

protect the rights of national<br />

minorities, resolve environmental problems,<br />

facilitate economic ties, combat the<br />

drug trade and trafficking in human beings,<br />

dispose of old unexploded ammunition,<br />

help Afghanistan… But without trust<br />

real co-operation is impossible. The OSCE's<br />

adaptation must result in a greater level of<br />

trust and a consolidation of its efforts to<br />

combat the pressing challenges of the<br />

modern age.<br />

NUCLEAR TEST BAN<br />

First International Day against Nuclear Tests Marked in Astana<br />

Prominent academics, scientists, international officials,<br />

diplomats and activists convened in Astana on August 26,<br />

on the eve of the first global celebration of the UN-designated<br />

International Day against Nuclear Tests on August 29,<br />

to issue a strong call to the international community to<br />

make more resolute steps towards banning nuclear tests.<br />

They gathered for an international conference „Semipalatinsk:<br />

From Rehabilitation to Development“, jointly organized<br />

by the Ministry of Foreign Affairs of Kazakhstan<br />

and the United Nations, which also focused on the cooperation<br />

between Kazakhstan and international organizations<br />

in overcoming the aftermath of nearly 500 Soviet nuclear<br />

tests in the Semipalatinsk region that affected more<br />

than one and a half million people. Adopted on 2 December<br />

2009, the Resolution 64/35 of the UN General Assembly’s<br />

64th Session designated August 29 for celebrating the<br />

global effort to prevent nuclear tests from happening again<br />

and commemorating the anniversary of shutting down<br />

one of the world’s largest nuclear test sites at Semipalatinsk<br />

by a decree from Kazakhstan’s President Nursultan<br />

Nazarbayev back in 1991.<br />

The conference agenda comprised political aspects of<br />

ending nuclear testing and getting rid of nuclear weapons,<br />

and socio-economic and environmental challenges of and<br />

prospects for the Semipalatinsk region’s development.<br />

The speakers included Tibor Tóth, Executive Secretary of<br />

the Preparatory Commission of the Comprehensive Nuclear-Test-Ban<br />

Treaty Organization, Werner Burkart, Deputy<br />

Director General of the IAEA, Miroslav Jenca, Head of UN<br />

Regional Center for Preventive Diplomacy in Central Asia,<br />

Kori Udovicki, UN Assistant Secretary-General and Regional<br />

Director for Europe and CIS, as well as Olzhas<br />

Suleimenov, the founder and leader of the „Nevada-Semey“<br />

international anti-nuclear movement and currently<br />

Kazakhstan’s Ambassador to UNESCO.<br />

Opening the conference, Kazakhstan’s Secretary of State<br />

and Minister of Foreign Affairs Kanat Saudabayev read out<br />

the address of President Nazarbayev. Speaking of reinvigorating<br />

the nonproliferation and nuclear disarmament<br />

processes, President Nazarbayev called upon the whole international<br />

community to „start the process of drafting a<br />

Universal Declaration on a Nuclear Weapon Free World<br />

which would record the determination of all states to<br />

move, step by step, towards the ideals of a nuclear<br />

weapons free world.“<br />

Kanat Saudabayev added that by renouncing nuclear<br />

weapons, Kazakhstan has convincingly demonstrated that<br />

security does not depend on nuclear weapons but on<br />

peaceful foreign policy, internal stability and sustainable<br />

politico-economic development.<br />

„<br />

w<br />

C<br />

<strong>SOCIETY</strong> 3_10 | 25


KASACHSTAN<br />

BMEIA<br />

OSZE-Vorsitz <strong>2010</strong><br />

Kasachstan im Mittelpunkt<br />

Außenminister Michael Spindelegger spricht im <strong>SOCIETY</strong>-Interview über den OSZE-Vorsitz<br />

Kasachstans und die Erwartungen an das Gipfeltreffen in Astana im Dezember.<br />

Treffen mit Kasachstans Außenminister<br />

Kanat Saudabayev in Wien, Jänner <strong>2010</strong>.<br />

Österreich hat den Vorsitz Kasachstans<br />

bei der OSZE unterstützt. Welche Gründe<br />

gab es dafür?<br />

Österreich hat sich als einer der ersten<br />

Teilnehmerstaaten dafür ausgesprochen,<br />

Kasachstan und der Organisation für Sicherheit<br />

und Zusammenarbeit in Europa<br />

diese Chance zu eröffnen. Mit der Entscheidung,<br />

die beim OSZE-Ministerrat in<br />

Madrid 2007 im Konsens angenommen<br />

wurde, ist nicht nur Kasachstan, sondern<br />

die gesamte zentralasiatische Region verstärkt<br />

in den Mittelpunkt des OSZE-Geschehens<br />

gerückt. Schließlich soll unsere<br />

gemeinsame Arbeit in der OSZE zur besseren<br />

Umsetzung bestehender Verpflichtungen<br />

und zur Weiterentwicklung gemeinsamer<br />

Standards beitragen. Gerade aus<br />

diesem Grund haben wir den kasachischen<br />

Vorsitz von Anbeginn unterstützt.<br />

Dabei ist die Zielsetzung für uns Österreicher<br />

klar: Die Zusammenarbeit mit den<br />

Ländern östlich der EU-Außengrenze, die<br />

aus der Sowjetunion hervorgegangen sind<br />

- also mit den Ländern der Schwarzmeerregion<br />

und Zentralasiens - zu verstärken und<br />

„Eine bessere rechtliche Absicherung<br />

der OSZE wäre in vielerlei<br />

Hinsicht sinnvoll.“<br />

BM MICHAEL SPINDELEGGER<br />

in eine Sicherheitsgemeinschaft auszubauen.<br />

Ich bin zuversichtlich, dass beim<br />

OSZE-Gipfel in Astana im kommenden Dezember<br />

eine Einigung auf dieses Ziel einer<br />

Sicherheitsgemeinschaft gelingen wird.<br />

Kasachstan ist das erste muslimische,<br />

ex-sowjetische und erste zentralasiatische<br />

Land, das den OSZE-Vorsitz führt. Was erwarten<br />

Sie vom Vorsitz Kasachstans?<br />

Nach neun Monaten ist die bisherige Bilanz<br />

des kasachischen Vorsitzes eindeutig<br />

positiv: In der schnellen Reaktion auf die<br />

Kirgistan-Krise hat sich gezeigt, dass Kasachstan<br />

aufgrund seiner geografischen<br />

Zentrallage und seiner Geschichte mit allen<br />

Seiten eine vertrauensvolle Gesprächsbasis<br />

hat und diese zum Nutzen der OSZE<br />

einsetzt. So ist es dem Vorsitz gelungen, in<br />

enger Kooperation mit dem Generalsekretariat<br />

der OSZE, wichtige und rasche Konsensentscheidungen<br />

zur Stabilisierung der<br />

26 | <strong>SOCIETY</strong> 3_10


„Der OSZE-Gipfel in Astana<br />

darf nicht zum Selbstzweck<br />

werden.“<br />

BM MICHAEL SPINDELEGGER<br />

CURRICULUM VITAE<br />

Dr. Michael Spindelegger ist am 21. Dezember 1959 in Mödling<br />

geboren. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. Nach<br />

der Promotion zum Doktor iuris 1983 und der Gerichtspraxis<br />

war er beim Land Niederösterreich tätig. Von 1987 bis<br />

1990 war er Mitglied im Kabinett des Bundesministers für<br />

Landesverteidigung. Politische Tätigkeit: 1989-91 Europareferent<br />

in der ÖAAB-Bundesleitung, ab 1991 Bundesobmannstellvertreter<br />

des ÖAAB. Ab 1992 wechselnd Mitglied<br />

des Bundesrates, Abgeordneter zum Nationalrat und Mitglied<br />

des Europäischen Parlamentes. Von 1996 bis 2006<br />

Außenpolitischer Sprecher der ÖVP, Fraktionsführer im<br />

Außenpolitischen Ausschuss. 2000-2006 stellvertretender<br />

Klubobmann der ÖVP. 2002-2006 Leiter der österreichischen<br />

Delegation der Parlamentarischen Versammlung des<br />

Europarates. 2006-08 Zweiter Präsident des Nationalrates.<br />

Seit Dezember 2008 Außenminister.<br />

Lage in Kirgistan herbeizuführen.<br />

Dem kasachischen Vorsitz ist es auch zu<br />

verdanken, dass nach mehrjähriger Pause<br />

heuer wieder eine Anti-Diskriminierungskonferenz<br />

in Astana stattgefunden hat.<br />

Kasachstan mit seinen rund vierzig Ethnien<br />

ist selber ein gutes Beispiel für gelebte<br />

Multikonfessionalität. Letztlich ist auch<br />

die Entscheidung zur Einberufung eines<br />

OSZE-Gipfels mit ein Verdienst des Vorsitzes<br />

und Ausdruck der neuen Qualität der<br />

Beziehungen zwischen den Teilnehmerstaaten.<br />

Im Dezember wird das erste Gipfeltreffen<br />

der OSZE seit elf Jahren in Astana stattfinden.<br />

Welche Weichenstellungen müssen<br />

beim Gipfel getroffen werden, damit dieser<br />

als ein Erfolg bewertet werden kann?<br />

Wenngleich das Zustandekommen des<br />

ersten OSZE-Gipfels der Staats- und Regierungschefs<br />

seit elf Jahren schon an und<br />

für sich ein Ereignis ist, darf der Gipfel<br />

nicht zum Selbstzweck werden. Er muss<br />

sich eine messbare Stärkung der OSZE-Kapazitäten<br />

im Konfliktmanagement und<br />

eine engere Zusammenarbeit im Umgang<br />

mit transnationalen Bedrohungen<br />

zum Ziel setzen. Wir wollen diese Chance<br />

für eine Modernisierung der OSZE<br />

nützen und die Organisation fit für die<br />

Sicherheitserfordernisse des 21. Jahrhunderts<br />

machen: Ein Mehr an Rüstungskontrolle<br />

und vertrauensbildenden Maßnahmen,<br />

ein Mehr an Sicherheit für die Energieversorgung<br />

und ganz klar mehr Menschenrechte,<br />

auch in den „neuen“ Bereichen<br />

Medienfreiheit und Internetzugang<br />

lauten die Zielsetzungen..<br />

Es gibt Bestrebungen, die OSZE zu einer<br />

Organisation mit größerer rechtlicher Verbindlichkeit<br />

für die Teilnehmerstaaten zu<br />

machen, als sie es jetzt ist (völkerrechtlicher<br />

Status). Welche Position nimmt Österreich<br />

in dieser Frage ein? Soll die OSZE<br />

mehr sein als ein Diskussionsforum?<br />

Die OSZE bietet den Rahmen für einen<br />

politischen Dialogprozess, der rund eine<br />

Milliarde Menschen zwischen Vancouver<br />

und Wladiwostok erfasst. Genau darin<br />

liegt der Erfolg und Mehrwert dieser Organisation.<br />

Dennoch wäre aus Sicht Österreichs<br />

und der EU eine bessere rechtliche<br />

Absicherung in vielerlei Hinsicht sinnvoll.<br />

Sie würde verhindern, dass die OSZE und<br />

ihre Feldmissionen bei der Wahrnehmung<br />

ihrer Aufgaben regelmäßig mit Rechtsunsicherheiten<br />

und damit verbundenen Kosten<br />

konfrontiert sind. Entsprechende Fortschritte<br />

wurden allerdings in den letzten<br />

Jahren von Russland regelmäßig blockiert.<br />

Die federführende Arbeitsgruppe, die unter<br />

österreichischem Co-Vorsitz tagt, wird<br />

Ende September neuerlich in Wien zusammentreten.<br />

Ich hoffe, dass wir auch in<br />

dieser Frage beim kommenden Gipfel Fortschritte<br />

erzielen können.<br />

FOTOS: HOPI-MEDIA<br />

OSZE-Ministerkonferenz in<br />

Almaty, Juli <strong>2010</strong>.<br />

<strong>SOCIETY</strong> 3_10 | 27


KASACHSTAN<br />

WIRTSCHAFT<br />

Österreichisches Know-how für Kasachstan<br />

Strategische Partner<br />

Der Präsident der Wirtschaftskammer Österreich Dr. Christoph Leitl spricht im <strong>SOCIETY</strong>-<br />

Interview über die Möglichkeiten, in Kasachstan Fuß zu fassen, den Know-how-Transfer und<br />

die Bedeutung kasachischer Rohstoffe für die heimische Wirtschaft.<br />

„Derzeit sind rund fünfzig<br />

österreichische Unternehmen<br />

in Kasachstan präsent.“<br />

CHRISTOPH LEITL<br />

Viele internationale Handelsdelegationen<br />

befinden sich momentan in Zentralasien<br />

und konkret in Kasachstan. Welche<br />

Hoffnungsmärkte hat Österreich dort?<br />

Kasachstan ist wie kaum ein anderes<br />

Land dieser Welt reich an Rohstoffen: angefangen<br />

von Erdöl und -gas, über Kohle, Erze<br />

und Mineralien bis hin zu Uran – Kasachstan<br />

ist der größte Uranproduzent<br />

weltweit. Das Land ist daher einerseits für<br />

Einkäufer als auch für Investoren und<br />

Unternehmen, die im Bereich der Rohstoffgewinnung<br />

aktiv sind, hoch interessant.<br />

Generell setzt die kasachische Regierung<br />

auf Modernisierung des Landes und<br />

Diversifizierung der Wirtschaft, um die<br />

Rohstofflastigkeit zu überwinden. Unter<br />

anderem werden der Ausbau der Agrarindustrie,<br />

die Ansiedlung von verarbeitender<br />

Industrie und der Infrastrukturausbau forciert.<br />

Gerade für österreichische Unternehmen,<br />

die in diesen Gebieten mit Knowhow<br />

und High-Tech punkten können,<br />

bieten sich künftig viele Chancen. Das hervorragende<br />

Wirtschaftswachstum – heuer<br />

werden plus vier Prozent erwartet – und<br />

die seit 1. Juli geltende Zollunion mit Russland<br />

eröffnen gute Marktchancen.<br />

Wie motivieren Sie österreichische Firmen<br />

nach Kasachstan zu gehen und welche<br />

Tools bzw. Assets kommen von Ihnen zum<br />

Einsatz?<br />

Mit unserer neuen Außenhandelsstelle<br />

in Almaty sind wir der erste Ansprechpartner<br />

für österreichische Unternehmen,<br />

die in Kasachstan Fuß fassen wollen. Wir<br />

unterstützen vor Ort bei der Geschäftsanbahnung,<br />

stellen die in Kasachstan besonders<br />

wichtigen persönlichen Kontakte<br />

zu potenziellen Geschäftspartnern her,<br />

machen bei Inlandsseminaren und Wirtschaftsmissionen<br />

auf die vielfältigen Geschäftschancen<br />

aufmerksam und bieten<br />

individuelle Beratung.<br />

Ist Kasachstan eher ein Markt für österreichische<br />

Groß-, Mittel-, oder Kleinbetriebe?<br />

Kasachstan ist nicht Mitglied der<br />

Welthandelsorganisation und kein einfacher<br />

Markt, das darf auch gesagt werden.<br />

Für Erstexporteure ist es sicher nicht<br />

einfach, wenn sie auf sich alleine gestellt<br />

sind. Aber genau dafür sind wir mit unseren<br />

Experten im Inland und unserer<br />

Außenhandelsstelle da. Erfahrungen mit<br />

osteuropäischen Ländern oder Russland<br />

sind aber sicher ein Vorteil, wenn man in<br />

Kasachstan Geschäfte machen will. Aber<br />

generell gilt: Auch KMUs können hier<br />

mit der nötigen Vorbereitung erfolgreich<br />

sein.<br />

Schätzen Sie die politische Lage Kasachstans<br />

so stabil ein, dass kein Risiko für<br />

FOTOS: WKO, PIXELIO<br />

28 | <strong>SOCIETY</strong> 3_10


österreichische Firmen besteht?<br />

Kasachstan ist seit vielen Jahren ein<br />

verlässlicher Wirtschaftspartner und treibt<br />

konsequent und erfolgreich die Modernisierung<br />

der Wirtschaft und des Landes<br />

voran. Ein Beweis für die positive politische<br />

Entwicklung ist der derzeitige kasachische<br />

OSZE-Vorsitz. Probleme gibt es eher durch<br />

die hohe Abhängigkeit der Wirtschaft vom<br />

Erdölsektor und die dadurch noch mangelnde<br />

Diversifizierung – doch daran wird<br />

gearbeitet. Bürokratische Hürden sind<br />

auch noch in manchen Bereichen spürbar,<br />

aber sie sind bewältigbar. Aber auch dafür<br />

stehen wir mit unserer Außenhandelsstelle<br />

und unserem Handelsdelegierten Michael<br />

Müller beratend jedem österreichischen<br />

Unternehmen zur Verfügung.<br />

Wie sieht die Handelsbilanz zwischen<br />

Österreich und Kasachstan aus?<br />

Im Vorjahr machten die österreichischen<br />

Exporte nach Kasachstan 199 Millionen<br />

Euro aus. Importiert wurden Waren<br />

im Wert von 938 Millionen Euro. Das aus<br />

österreichischer Sicht hohe Handelsbilanzdefizit<br />

ist dadurch erklärbar, weil Kasachstan<br />

einer unserer wichtigsten Erdöllieferanten<br />

ist. Österreich exportiert allen<br />

voran Rohre und Gerät für die Erdölförderung,<br />

Pharmazeutika sowie Maschinen<br />

und Produkte für diverse Branchen, insbesondere<br />

die wachsende lebensmittelverarbeitende<br />

Industrie und den wichtigen Eisenbahnsektor.<br />

Seit vielen Jahren sind<br />

„Kasachstan ist einer unserer<br />

wichtigsten Erdöllieferanten.“<br />

CHRISTOPH LEITL<br />

CURRICULUM VITAE<br />

Dr. Christoph Leitl wurde am 29. März 1949 in Linz geboren.<br />

Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. 1973 promovierte<br />

er in Sozial- und Wirtschaftswissenschaften an der Johannes<br />

Kepler Universität in Linz. Zwischen 1977 und 1990<br />

führte er das Familienunternehmen Bauhütte Leitl-Werke<br />

und war bis 1990 auch Bundesvorsitzender der Jungen Industrie<br />

sowie Abgeordneter zum oberösterreichischen<br />

Landtag. Von 1990 bis 2000 war er Mitglied der oberösterreichischen<br />

Landesregierung, davon fünf Jahre auch Landeshauptmann-Stellvertreter.<br />

Er ist seit dem Jahr 2000 Mitglied<br />

des Bundesparteivorstandes der ÖVP und Präsident<br />

der WKÖ, ferner war er von 2005 bis 2009 Präsident des<br />

Europäischen Wirtschaftsbundes.<br />

auch österreichische Markenprodukte von<br />

z. B. Frey Wille oder Orion (Leuchten,<br />

Anm.) in Kasachstan vertreten.<br />

Wie viele österreichische Firmen sind in<br />

Kasachstan operativ tätig?<br />

Derzeit sind rund fünfzig österreichische<br />

Unternehmen selbst oder über lokale<br />

Partner in Kasachstan präsent. Unter anderem<br />

sind hierbei die Firmen VAMED, Plasser&Theurer<br />

oder die OMV zu erwähnen.<br />

Weiters errichtet Doppelmayr gerade eine<br />

neue Gondelbahn mit einer Kapazität für<br />

2.000 Personen pro Stunde zum Chimbulak<br />

Skigebiet in Almaty, dem Austragungsort<br />

der Asia Winter Games 2011. Die Firma<br />

Duktus Tiroler Rohrsysteme liefert Hochdruckgussrohre<br />

für Beschneiungsanlagen<br />

für das Langlauf- und Biathlonstadion in<br />

Almaty, das Unternehmen BSH liefert Ventilationssysteme<br />

für das in Bau befindliche<br />

neue U-Bahnnetz in Almaty und die Firma<br />

Capmex berät die kasachische Börse bei<br />

der Entwicklung des kasachischen Börseund<br />

Finanzplatzes.<br />

Warum ist Kasachstan für Österreich<br />

wirtschaftlich von Bedeutung und vice versa?<br />

Auf der einen Seite ist Kasachstan ein<br />

wichtiger strategischer Partner bei der<br />

Energieversorgung Österreichs, andererseits<br />

können österreichische Firmen mit<br />

ihrer Kompetenz Kasachstan bei der weiteren<br />

Industrialisierung und Modernisierung<br />

in allen Bereichen unterstützen. Dabei<br />

möchte ich unbedingt erwähnen, dass<br />

österreichische Unternehmen in Kasachstan<br />

als verlässliche Partner und Lieferanten<br />

bester Technologien und Know-how<br />

geschätzt werden, wie mir immer wieder<br />

von kasachischer Seite bestätigt wird.<br />

<strong>SOCIETY</strong> 3_10 | 29


KASACHSTAN<br />

AEF<br />

Astana Economic Forum<br />

“Maastricht Plus”<br />

The Third Astana Economic Forum dedicated to the issues of ensuring sustainable economic<br />

growth in the post-crisis period was held in Kazakhstan in July this year.<br />

The history of the Forum began in June<br />

2008, when around 370 participants<br />

from 45 countries visited the Kazakh<br />

capital to discuss various aspects of the<br />

global economy: integration, competitiveness<br />

and macroeconomic regulation. To<br />

some extent the idea of creating a platform<br />

for sharing ideas and experiences was<br />

brought about by the consequences of the<br />

global liquidity crisis in 2007.<br />

***<br />

Pros and cons of a global economy<br />

Being a flagship of integration processes<br />

among post-soviet countries, Kazakhstan<br />

was the first country to experience negative<br />

consequences of being deeply involved<br />

in the global economy. The most obvious<br />

reaction to the occurred situation could be<br />

adoption of the economic isolationism<br />

policy aimed at lower dependence on upheavals<br />

on the global markets. However, in<br />

this case the simplest solution was not the<br />

best one. Despite possible risks the integration<br />

allows achieving more rapid economic<br />

development, taking advantage of mutually<br />

beneficial cooperation with other<br />

countries. The young Central Asian state<br />

has experienced positive impacts of integration,<br />

demonstrating impressive growth<br />

of GDP in the pre-crisis years - an average of<br />

26 per cent from 2000 to 2007. Despite sufficient<br />

number of existing Eurasian platforms<br />

for high-level discussion of the global<br />

economic issues, there still was a certain<br />

lack of events, which would provide opportunity<br />

to professional economists, financiers<br />

and politicians to share their views<br />

and experiences, as well as combine efforts<br />

in finding solutions to the most problematic<br />

issues.<br />

***<br />

Nobel laureates at the Forum<br />

Filling the communication void the Forum<br />

brought together over 1200 participants<br />

and representatives from 29 international<br />

organizations in 2009. Elaboration<br />

of recommendations for economic development<br />

in global crisis conditions was put<br />

on the agenda. The international economic<br />

gurus the Nobel laureate Robert<br />

Mundell and Edmund Phelps showed their<br />

interest to the discussion. The event was<br />

President Nursultan<br />

Nazarbayev<br />

covered by the world-famous TV and print<br />

media, such as BBC, Financial times, and<br />

France press. The current year Economic<br />

Forum brought together more than 2000<br />

representatives of political and business<br />

leaders from more than fifty countries, as<br />

well as leading scientists, public and media<br />

representatives. The "stars" of the world<br />

economic thought were represented by<br />

the Norwegian economist Finn E. Kydland<br />

and Robert A. Mundell, who attended the<br />

Forum for the second time.<br />

***<br />

Speech by the President<br />

The President of Kazakhstan Nursultan<br />

Nazarbayev dedicated his opening ceremony<br />

speech to the problems of post-crisis<br />

development, integration and the global financial<br />

system. The important point raised<br />

by the President of Kazakhstan was a matter<br />

of post-crisis development in the OSCE<br />

member states.<br />

"Many states, participating in the integration<br />

of different formats, such as the<br />

G8, G20, SCO, CICA, Islamic Economic Conference<br />

are actively discussing the issues of<br />

post-crisis development as a key agenda,<br />

whereas specifically within the OSCE the<br />

crisis and anti-crisis issues have not been<br />

raised even at the facultative level. I therefore<br />

propose to initiate elaboration of a<br />

new instrument, which can conventionally<br />

be called "Maastricht plus", - said Nursultan<br />

Nazarbayev. The President proposed to<br />

discuss the document at the OSCE summit,<br />

which is expected to be held in Astana at<br />

the end of this year. OSCE Secretary General<br />

Marc Perrin de Brichambaut, who also<br />

spoke at the first plenary session of the Forum,<br />

supported the initiative of the President.<br />

The UN Under-Secretary-General Jan<br />

Kubis has also expressed his endorsement<br />

of the initiative and his hope that "the idea<br />

is raised and worked out”.<br />

***<br />

Global currency<br />

Nursultan Nazarbayev also announced<br />

another initiative of Kazakhstan – the integration<br />

on the Eurasian space. "Today I<br />

come forward with a new Kazakh initiative<br />

of a real and meaningful filling of the second<br />

basket of the OSCE, I believe that this<br />

particular organization is able to implement<br />

the idea of the full-scale Eurasian integration,"<br />

– alleged the Head of the State.<br />

He also outlined seven directions of work<br />

on integration, including the development<br />

of fair trade, transport and communications<br />

infrastructure, alternative energy,<br />

human resources, promotion of mutual investment<br />

and integration of financial markets<br />

in Europe and Asia.<br />

N. Nazarbayev proposed an issue of the<br />

single global currency to top the agenda of<br />

the IV Astana Economic Forum. "I continue<br />

to insist that the new global economy<br />

needs a new global currency. I think that<br />

this is still relevant. Speaking about the crisis,<br />

we never raised the roots of the problem<br />

- deficiency of the global currency,<br />

which is not being monitored," - explained<br />

Mr. Nazarbayev.<br />

The need to influence the inevitable<br />

process of globalization poses new challenges<br />

and new opportunities to the international<br />

community. The positive outcomes<br />

of overcoming economic crisis and<br />

keeping openness to the outside of the<br />

economy is the experience that, as seen<br />

from the last forum, Kazakhstan could<br />

share with the world community.<br />

30 | <strong>SOCIETY</strong> 3_10


„Wahre Stärke kommt von innen und hat viel mit Balance zu tun. Wer nun<br />

wie Berger das Österreichische Umweltzeichen für den Bogen- und Rollenoffsetdruck<br />

sowie Digitaldruck trägt, sorgt für diese Balance. Stark ist auch, wie<br />

Berger für seine Kunden Bäume pflanzt – für ein nachhaltiges Miteinander.“<br />

Ausdruck von<br />

Stärke.<br />

Ferdinand Berger & Söhne GmbH | Wiener Straße 80 | A-3580 Horn | T 02982-4161-0 | F 02982-4161-268<br />

Stadtbüro Wien | Pulverturmgasse 3 | A-1090 Wien | T 01-313 35-0 | F 01-313 35-19<br />

www.berger.at


KASACHSTAN<br />

WIRTSCHAFT<br />

Größte Volkswirtschaft in Zentralasien<br />

Drehscheibe Kasachstan<br />

Kasachstan bietet ausländischen Unternehmen viele Möglichkeiten als Dreh- und Angelpunkt<br />

zwischen Ost und West. Der Aufbau der Infrastruktur erfordert Know-how und moderne Technologien.<br />

Kasachstan ist außerdem einer der wichtigsten Öl- und Gaslieferanten der Welt.<br />

Hauptstadt Astana<br />

Kasachstan wird als Stabilitätsfaktor in<br />

Zentralasien geschätzt und genützt. Es<br />

kann als Drehscheibe im politischen<br />

wie auch im wirtschaftlichen Sinn gesehen<br />

werden, da es sowohl mit China und<br />

Russland als auch mit den westlichen Staaten<br />

sehr gute Beziehungen unterhält. <strong>2010</strong><br />

führt es den Vorsitz der OSZE.<br />

***<br />

Öl und Gas<br />

Hauptexportwaren Kasachstans sind<br />

nach wie vor Öl gefolgt von Gas. Doch auch<br />

Produkte aus der Landwirtschaft wie zum<br />

Beispiel Baumwolle oder dem Bergbau wie<br />

etwa Metallerze, die im großen Maße vorhanden<br />

sind, sind gefragte Exportartikel<br />

aus der größten Volkswirtschaft in Zentralasien.<br />

Die nachgewiesenen Erdölreserven<br />

des Landes belaufen sich auf rund 44 Milliarden<br />

Barrel, hinzu kommen die im Jahr<br />

2000 entdeckten Offshore-Funde im kasachischen<br />

Hoheitsgebiet des Kaspischen<br />

Meeres. Mit Hilfe von ausländischen Investoren<br />

treibt die Regierung die Ausweitung<br />

von Lagerplätzen und Produktionskapazitäten<br />

stetig voran, um den Handel mit<br />

dem Öl auch in weiterer Zukunft problemlos<br />

zu sichern. Das Problem mit dem Ölund<br />

Gashandel ist die schwierige Gestaltung<br />

einer wirtschaftlichen Diversifizierung<br />

durch andere Exportartikel. Die beiden<br />

Hauptexportprodukte machten im<br />

vergangenen Jahr über sechzig Prozent der<br />

Ausfuhren aus. Jedoch ist Kasachstan bemüht,<br />

die Diversifizierung voranzutreiben,<br />

und zuversichtlich, diese auch in den nächsten<br />

Jahren steigern zu können.<br />

***<br />

Schwerpunkt Uran<br />

Im April des vergangenen Jahres schlug<br />

US-Präsident Barack Obama vor, die Nichtverbreitung<br />

von Atomwaffen durch eine<br />

internationale Aufsichtsbehörde über die<br />

Urananreicherung zu verstärken. Präsident<br />

Nasarbajew war der Erste, der darauf reagierte<br />

und bereits am Tag danach den Vorschlag<br />

unterbreitete, eine Art „Brennstoffbank“<br />

in Kasachstan anzusiedeln. Sein<br />

Land habe bereits den Atomwaffensperrvertrag<br />

unterschrieben und alle noch im Land<br />

befindlichen Atomwaffen, die nach der<br />

32 | <strong>SOCIETY</strong> 3_10


Auflösung der Sowjetunion in Kasachstan<br />

lagerten, an Russland übergeben. Zudem<br />

ist Kasachstan der drittgrößte Förderer von<br />

Uran weltweit. Auch für die friedliche Nutzung<br />

von Uran, wie beispielsweise als Energierohstoff<br />

für Atomkraftwerke, ist Kasachstan<br />

für die Zukunft gerüstet.<br />

***<br />

Finanzkrise<br />

Kasachstan wurde von der internationalen<br />

Währungs- und Finanzkrise hart getroffen.<br />

Aufgrund der internationalen Verflechtung<br />

wurde Kasachstan als eine der<br />

ersten Regionen von der globalen Krise erfasst.<br />

Vor allem der Bankensektor des Landes,<br />

der international hoch verschuldet ist,<br />

geriet dadurch in Schwierigkeiten. Der<br />

Bankensektor Kasachstans ist stark von Kapitalzufuhr<br />

ausländischer Banken abhängig<br />

und hat in der Vergangenheit große Summen<br />

an Kapital am internationalen Kapitalmarkt<br />

aufgenommen und dieses über Kredite<br />

an Unternehmen und Haushalte<br />

weitergereicht. Fallende Rohstoffpreise<br />

schmälerten ab Mitte 2008 die Exporterlöse<br />

für Öl- und Gasprodukte und dadurch die<br />

Staatseinnahmen. Der größte Teil der von<br />

den Banken aufgenommenen Kapitalzufuhren<br />

floss in den Konsum und in den Immobiliensektor.<br />

Dies heizte die Binnennachfrage<br />

an und führte zu einem Bauboom. Der<br />

Zusammenbruch des Immobiliensektors<br />

war jedoch ein weiterer Faktor, der die Banken<br />

in Schwierigkeiten geraten ließ.<br />

***<br />

Das Rettungspaket<br />

Die Regierung schnürte ein Rettungspaket<br />

in einem Gesamtumfang von etwa vier<br />

Milliarden US-Dollar, durch das vor allem<br />

die Fertigstellung laufender Bau- und Industrieprojekte<br />

gesichert wurde. Gleichzeitig<br />

versorgte der Staat das Bankensystem mit<br />

Geld, um die Liquidität abzusichern. Anfang<br />

2009 sah sich der Staat jedoch gezwungen,<br />

die Anteilsmehrheiten an zwei<br />

der führenden Banken des Landes zu übernehmen,<br />

was einer Verstaatlichung nahe<br />

kommt. Ferner versorgte der Staat noch<br />

zwei andere große Geldinstitute mit ca. einer<br />

Milliarde US-Dollar. Dank seiner ausreichenden<br />

Devisenreserven konnte Kasachstan<br />

so die nötigen Mittel ohne weitere<br />

Probleme aufbringen. Die Reserve<br />

schrumpfte aber deshalb von 22 Milliarden<br />

auf ca. 16 Milliarden US-Dollar.<br />

Im Unterschied zu anderen GUS-Staaten<br />

wertete die Zentralbank den kasachischen<br />

Tenge um rund zwanzig Prozent gegenüber<br />

dem US-Dollar ab, sodass ein Kurs von 150<br />

Tenge für einen US-Dollar gehalten werden<br />

kann. Damit sollten die Wettbewerbsfähigkeit<br />

des Landes erhalten und die Währungsreserven<br />

geschont werden. Der daraus<br />

resultierende Nachteil ist aber, dass die<br />

Importe einer Verteuerung unterliegen und<br />

die Rückzahlung von ausländischen Krediten<br />

der Währungsabschwächung wegen<br />

zu neuen Problemen führen wird.<br />

***<br />

Österreich investiert<br />

Im Zuge der Diversifizierung der kasachischen<br />

Wirtschaft wird der Ausbau der Agrarwirtschaft<br />

und der Infrastruktur vorangetrieben.<br />

Österreichische Firmen, die in<br />

diesen Sektoren tätig sind, haben gute Chancen,<br />

kasachischen Markt mitzumischen.<br />

Know-how und Technik können hier als<br />

Stichworte genannt werden. Vor allem der<br />

pharmazeutische Sektor und die Maschinenerzeugung<br />

sind Branchen, die zukünftig<br />

verstärkt Geschäftschancen bieten. Auch die<br />

lebensmittelverarbeitende Industrie und der<br />

Ausbau des Schienennetzes sind für österreichische<br />

Firmen interessante Optionen. Zudem<br />

werden österreichische Firmen in Kasachstan<br />

als verlässliche Partner in den<br />

Punkten Know-how, Qualität sowie bester<br />

und neuester Technologien geschätzt.<br />

WIRTSCHAFTSDATEN<br />

Außenhandel von Kasachstan mit Österreich<br />

Importe Österreichs aus Kasachstan: ca. 1 Mrd. EUR<br />

(2008), 938 Mio. EUR (2009)<br />

Bedeutendste Importprodukte: Öl und Gas, Eisen und<br />

Stahl sowie Baumwolle<br />

Exporte Österreichs nach Kasachstan: ca. 250 Mio. EUR<br />

(2008), 198 Mio. EUR (2009)<br />

Bedeutendste Exportprodukte: Pharmazeutika, Maschinen<br />

und Anlagen, Waren aus Eisen oder Stahl sowie chemische<br />

Erzeugnisse<br />

Wirtschaftdaten Kasachstan<br />

Bedeutende Wirtschaftssektoren: , Gas, Mineralien, Metalle<br />

und Landwirtschaft<br />

Währung: Tenge (KZT), 1 EUR = ca. 203 KZT<br />

BIP: 76 Mrd. EUR<br />

BIP/Kopf: 4.750 EUR<br />

Wirtschaftswachstum: 5,2 %<br />

Arbeitslosigkeit: 5,8 %<br />

Inflation: 5,2 %<br />

Auslandverschuldung: 71,6 Mrd. EUR<br />

Exporte: 31,6 Mrd. EUR<br />

Importe: 20,5 Mrd. EUR<br />

Wichtigste Exportmärkte: Italien, Schweiz, China, Russland<br />

und Frankreich<br />

Wichtige Exportprodukte: Öl und Gas, Metalle, Lebensmittel<br />

und Chemikalien<br />

Wichtigste Importmärkte: Russland, China, Deutschland,<br />

USA und Ukraine<br />

Wichtige Importprodukte: Maschinen, Metalle, Mineralprodukte<br />

und Chemikalien<br />

(Quelle: AWO, Stand September <strong>2010</strong>)<br />

<strong>SOCIETY</strong> 3_10 | 33


KASACHSTAN<br />

KOMMENTAR<br />

Kasachischer OSZE-Vorsitz: Gipfeltreffen als würdiger Abschluss<br />

Premiere an der Spitze der OSZE<br />

Kasachstan ist das erste muslimische, ex-sowjetische und zentralasiatische OSZE-Vorsitzland.<br />

Einen Höhepunkt kann Astana schon jetzt für sich verbuchen: Das erste Gipfeltreffen der 56<br />

OSZE-Staaten seit zehn Jahren wird im Dezember stattfinden. Von HERMINE SCHREIBERHUBER<br />

Das berühmte Kurmangazy-Orchester<br />

in<br />

der Wiener Hofburg<br />

Mehr als die Hälfte der einjährigen kasachischen<br />

Präsidentschaft in der Organisation<br />

für Sicherheit und Zusammenarbeit<br />

in Europa (OSZE) ist bereits<br />

abgelaufen. Eine Zwischenbilanz zu ziehen,<br />

ist nicht einfach, zeichnet sich die OS-<br />

ZE doch oft durch stille Diplomatie und<br />

Vermittlungstätigkeit hinter den Kulissen<br />

aus, die nicht immer den Weg an die Öffentlichkeit<br />

finden. Jedenfalls kann die<br />

Führung in Astana ihren Vorsitz am Jahresende<br />

mit einem Gipfeltreffen krönen, das<br />

erste der 56 OSZE-Staaten seit Istanbul<br />

1999.<br />

Jahrelang hatte sich Kasachstan um den<br />

Vorsitz der in Wien ansässigen Sicherheitsorganisation<br />

bemüht, bis es <strong>2010</strong> endlich<br />

klappte. Präsident Nursultan Nasarbajew<br />

erklärte diese Aufgabe zu einer „nationalen<br />

strategischen Priorität“. Außenminister<br />

Kanat Saudabajew versprach sich von einem<br />

Treffen der politischen Führer im Zuge<br />

des Vorsitzjahres dringend benötigte politische<br />

Impulse. Denn die OSZE habe seit<br />

Jahren keine politische Erklärung zustande<br />

gebracht. Dies dürfte freilich auch bei<br />

dem für Anfang Dezember geplanten Gipfel<br />

nicht einfach zu bewältigen sein.<br />

Immerhin ist die anfängliche Gipfel-<br />

Skepsis einiger OSZE-Staaten zuletzt einer<br />

breiten Zustimmung gewichen. Ein Treffen<br />

auf höchster Ebene müsse in der Substanz<br />

gerechtfertigt sein, lautete der Tenor. Auch<br />

die USA, die eine klare Agenda forderten,<br />

gaben ihre Vorbehalte auf. Die kasachische<br />

Performance an der OSZE-Spitze, etwa<br />

beim Krisenmanagement im benachbarten<br />

Kirgisistan, mag Überzeugungsarbeit geleistet<br />

und zum Stimmungswandel beigetragen<br />

haben. Mitte Juli einigten sich die OS-<br />

ZE-Außenminister in Almaty auf den<br />

Gipfel in Astana.<br />

Österreichs Außenminister Michael<br />

Spindelegger erwartet vom OSZE-Gipfel<br />

für die EU einen Beitrag zur Überwindung<br />

des Patts zwischen Russland und den NA-<br />

TO-Staaten in Sachen Abrüstung. Die Zusammenführung<br />

von transatlantischer<br />

und eurasischer Sicherheit sei Kasachstan<br />

zu verdanken. Österreich erhofft eine Stärkung<br />

der Konfliktlösungskapazität der OS-<br />

ZE, freilich auch Fortschritte bei Menschenrechten<br />

und Medienfreiheit im Vorsitzland,<br />

wie der Minister nach dem Treffen<br />

in Almaty betonte. Dass Wien zeitweilig<br />

als Gipfelort im Gespräch war, ist für<br />

Österreichs Diplomatie kein Thema; die<br />

Austragung stehe dem Vorsitzenden zu.<br />

Kasachstan selbst sieht mit dem Gipfel<br />

ein Hauptanliegen seines Vorsitzjahres verwirklicht.<br />

Laut Nasarbajew sind die Staatsführer<br />

gefordert, Maßnahmen gegen Bedrohungen<br />

im euroatlantischen und im<br />

eurasischen Raum zu erarbeiten. Freilich –<br />

daneben bietet sich in Astana eine neuerliche<br />

Chance, sich der Welt als Plattform<br />

für Toleranz und für den Dialog der Kulturen<br />

und Religionen zu präsentieren. Der<br />

Langzeit-Präsident hatte sein Land in den<br />

vergangenen Jahren mehrfach durch internationale<br />

Dialogkonferenzen geschickt in<br />

den Fokus des Interesses gerückt.<br />

Die Regionalmacht feiert in der OSZE<br />

ohnehin bereits eine mehrfache Premiere,<br />

denn Kasachstan ist nicht nur das erste<br />

zentralasiatische, sondern auch das erste<br />

mehrheitlich muslimische Land an der<br />

OSZE-Spitze. Die Führung in Astana fühlt<br />

FOTOS: <strong>SOCIETY</strong>/PROKOFIEFF<br />

34 | <strong>SOCIETY</strong> 3_10


sich prädestiniert, die latenten internen<br />

Differenzen zwischen westlichen und östlichen<br />

Staaten der Organisation überbrücken<br />

zu helfen. Russland hat in der OSZE<br />

in den letzten Jahren oft gebremst, wenn<br />

es um Ex-Sowjet-Republiken ging. Georgien<br />

ist nur ein Beispiel für die ungelösten<br />

ethnischen Konflikte in diesem Raum, derer<br />

sich die OSZE annimmt.<br />

***<br />

Konfliktherde Georgien, Kirgisistan,<br />

Afghanistan<br />

Vor dem Gipfel galt und gilt es, die Mühen<br />

der Ebene zu bewältigen. Das Afghanistan-Problem<br />

stand ganz oben auf der<br />

Agenda, als Kasachstan den OSZE-Vorsitz<br />

übernahm. Der regionale Nachbar Afghanistan,<br />

Quelle des internationalen Terrorismus<br />

und der Drogenproduktion, müsse<br />

näher an die Normalität herangeführt werden,<br />

lautete die Devise Astanas. Ein Gutteil<br />

der OSZE-Staaten sei militärisch oder humanitär<br />

am Hindukusch involviert. Kasachstan<br />

finanziert Ausbildungsprojekte.<br />

Angesichts der September-Wahlen steht<br />

Afghanistan vor einer harten Probe.<br />

Doch dann war es ein anderes Nachbarland,<br />

das den OSZE-Vorsitzenden auf Trab<br />

hielt. Troubleshooting in Kirgisistan war<br />

angesagt. Im April wurde Präsident Kurman<br />

Bakijew nach Massenprotesten gestürzt.<br />

Im Juni kamen bei ethnischen Unruhen<br />

im Süden zwischen Kirgisen und<br />

der usbekischen Minderheit rund 2.000<br />

Menschen ums Leben. Übergangspräsidentin<br />

Rosa Otunbajewa hielt dennoch am Juni-Termin<br />

für das Verfassungsreferendum<br />

fest, das die Zukunft in eine parlamentarische<br />

Republik weisen soll. Unterdessen<br />

wurden Parlamentswahlen für den 10. Oktober<br />

angesetzt.<br />

Als Erfolg verbuchte Kasachstan den<br />

Beschluss der OSZE, Anfang September eine<br />

Polizeimission in das kirgisische Krisengebiet<br />

zu entsenden. Die rund 50 Polizisten<br />

sollen lokale Sicherheitsbehörden unterstützen<br />

und Vertrauen zwischen Sicherheitskräften<br />

und Bevölkerung herstellen<br />

Präsentation des Teams<br />

„Astana“ in den Redoutensälen<br />

mit Radfahrstar<br />

Alberto Contador (Mitte)<br />

helfen. Der kasachische OSZE-Botschafter<br />

in Wien, Kairat Abdrakhmanow, hofft,<br />

dass durch diesen Einsatz ein Übergreifen<br />

der Spannungen auf andere Regionen verhindert<br />

werden kann. Ein weiterer OSZE-<br />

Erfolg: Zwei Dutzend Parteien unterschrieben<br />

den Verhaltenskodex der OSZE. Doch<br />

die Krise ist damit noch lange nicht ausgestanden.<br />

Daneben treten Bemühungen um die<br />

Lösung alter Konflikte auf der Stelle. Zwei<br />

Jahre nach dem Fünf-Tage-Krieg zwischen<br />

Russland und Georgien ging im Juli in<br />

Genf die zwölfte Gesprächsrunde praktisch<br />

ergebnislos zu Ende. Die nächste<br />

Runde der Kontrahenten unter Ägide von<br />

UNO, EU und OSZE ist für Mitte Oktober<br />

angesetzt. Moskau lässt keine Beobachter<br />

in die strittigen Gebiete. Nach dem Krieg<br />

hatte Moskau die abtrünnigen georgischen<br />

Regionen Abchasien und Südossetien als<br />

selbständig anerkannt. In der bewaffneten<br />

Auseinandersetzung hatten sich lang anhaltende<br />

Spannungen und Provokationen<br />

entladen.<br />

***<br />

Kasachstan präsentierte sich in allen<br />

Facetten<br />

Kasachstan ist es gelungen, sich in diesem<br />

Jahr am OSZE-Sitz Wien exzellent und<br />

facettenreich zu präsentieren. Zum Auftakt-Galakonzert<br />

in der Wiener Hofburg<br />

wurden an Musikern und Sängern alle Stars<br />

aufgeboten, die im Lande Rang und Namen<br />

haben. Symphonieorchester und Chor der<br />

kasachischen Staatsoper interpretierten<br />

Klassik, das Kurmangazy-Orchester kasachische<br />

Volksmusik. Unter den Gesangsstars<br />

ragte Maira Kerey heraus, die an der Pariser<br />

Oper als Mimi in „La Boheme“ debütierte.<br />

Wien wurde zum OSZE-Auftakt auch<br />

für einen sportlichen Höhepunkt ausgewählt.<br />

Die Redoutensäle in Wien waren in<br />

diesem Jahr ungewöhnlicher Schauplatz<br />

für die offizielle Mannschaftspräsentation<br />

des kasachischen Radsport-Teams Astana<br />

mit Tour-de-France-Sieger Alberto Contador.<br />

Dem von Kasachstan gesponserten<br />

ProTour-Rennstall gehören neben dem<br />

zweifachen Toursieger Contador auch die<br />

Topfahrer Oscar Pereiro und Alexander<br />

Winokurow an.<br />

Zuletzt wartete Kasachstan wieder mit<br />

einer Kunstausstellung in der Bundeshauptstadt<br />

auf, die zwei ganz unterschiedliche<br />

Aspekte der kasachischen Kultur darbot<br />

– vorchristliche Mythologie und<br />

zeitgenössische Kunst. Im Rahmen des Projekts<br />

„Die Große Seidenstraße“ wurden<br />

archäologische Rekonstruktionen skythischer<br />

Funde des Künstlers und Restaurators<br />

Krym Altynbekov gezeigt. Die Wanderausstellung<br />

der Kunstgalerie „Has Sanat“<br />

vermittelte einen Einblick in das Schaffen<br />

von rund vierzig kasachischen Malern und<br />

Kunstwebern der Gegenwart.<br />

Ende August wurde in der Wiener UNO-<br />

City mit einer Schau eines Kapitels der Sowjet-Geschichte<br />

Kasachstans gedacht, das<br />

noch nicht abgeschlossen ist. Der Internationale<br />

Tag gegen Atomversuche wurde<br />

auf Anregung Kasachstans, wo Menschen<br />

noch immer an gesundheitlichen Spätfolgen<br />

leiden, erstmals begangen. Am 29. August<br />

1949 war auf dem damaligen Sowjet-<br />

Atomtestgelände Semipalatinsk die erste<br />

Atombombe der UdSSR gezündet worden.<br />

Genau 42 Jahre später ließ Nasarbajew die<br />

Anlage schließen, wo im Kalten Krieg rund<br />

500 Nukleartests erfolgten.<br />

Kasachstan hat sich seit seiner Unabhängigkeit<br />

zu einem wichtigen Akteur der<br />

Staatengemeinschaft entwickelt. Das flächenmäßig<br />

neuntgrößte Land mit nur 15<br />

Millionen Einwohnern übernahm 1989 als<br />

Rüstungszentrum der arbeitsteiligen<br />

UdSSR ein schwieriges Erbe, wie der<br />

Außenminister in einem Pressegespräch<br />

resümierte; seither habe es „eine Erfolgsgeschichte“<br />

erlebt. Die geostrategische Lage<br />

und die enormen Bodenschätze wie Öl,<br />

Gas, Uran und Kupfer, trugen zweifellos<br />

viel dazu bei. Kasachstan ist ein begehrter<br />

Wirtschaftspartner für Ost und West. Die<br />

Maxime Astanas lautet: alle Optionen offen<br />

halten.<br />

Außenminister Kanat Saudabajew<br />

bei der Präsentation des Buches<br />

„Kasachstans Weg“, verfasst vom<br />

kasachischen Staatsoberhaupt<br />

Nursultan Nasarbajew.<br />

<strong>SOCIETY</strong> 3_10 | 35


KASACHSTAN<br />

KULTUR<br />

Ausstellung im Palais Palffy<br />

Die große Seidenstraße<br />

Das Österreichische Kulturzentrum zeigte im Palais Palffy Schätze der kasachischen Kunst von<br />

der Antike bis zur Moderne. Stargast war der Künstler und Restaurator Krym Altynbekov.<br />

Mit einer Kombination aus historischen<br />

Artefakten und moderner Kunstmalerei<br />

spiegelt die Wanderausstellung<br />

„Die große Seidenstraße“, die im Sommer<br />

in Wien zu sehen war, die Vielfalt der kasachischen<br />

Kunstszene wider. Ziel der Wanderausstellung<br />

ist es, kasachische Kunst<br />

und Kultur einem breiten Publikum im<br />

Ausland bekannt zu machen. Sie wurde<br />

seit ihrer Eröffnung in Astana im Jahr 2006<br />

in Moskau, Warschau, Berlin, Frankfurt,<br />

Amsterdam, Istanbul und Seoul gezeigt.<br />

Kurator Krym Altynbekov möchte mit den<br />

Schaustücken auch eine Geschichte seines<br />

Landes erzählen. Die in zwei Teile gegliederte<br />

Ausstellung widmete sich unter dem Titel<br />

„Kunst der großen Steppe“ restaurierten<br />

Artefakten aus der Epoche der Skythen und<br />

Saken. Der zweite Teil zeigte Werke von<br />

mehr als vierzig modernen kasachischen<br />

KünstlerInnen vom Realismus über Avantgarde<br />

bis zum sog. Ethno-Symbolismus. Altynbekovs<br />

eigene Werke sind von der Kunst<br />

der antiken Nomaden beeinflusst.


Europameisterschaft 2012<br />

Fußball in Kasachstan<br />

KASACHSTAN<br />

SPORT<br />

Im Rahmen der UEFA Euro 2012, welche in Polen und der Ukraine stattfinden wird, trifft<br />

Österreich in der Qualifikationsphase auf Kasachstan.<br />

Die kasachische Nationalmannschaft<br />

trägt Blau-Gelb.<br />

Salzburg-Wals Siezenheim war Anfang<br />

September der Schauplatz des ersten<br />

Aufeinandertreffens der Mannschaften<br />

von Österreich und Kasachstan im Fußball<br />

überhaupt. Beide sind in derselben Gruppe<br />

und kämpfen um die Qualifikation für<br />

die 2012 in Polen und der Ukraine stattfindende<br />

UEFA Europameisterschaft. Österreich<br />

konnte nach einem eher schwachen<br />

Spiel und mangelnder Chancenauswertung<br />

durch zwei Tore in der Nachspielzeit<br />

noch glücklich gewinnen. Das Rückspiel<br />

findet am 11.10.2011 in Kasachstan voraussichtlich<br />

in Almaty statt.<br />

Wie kommt es, dass Kasachstan überhaupt<br />

bei der Europameisterschaft mitspielt?<br />

Die Antwort: Der kasachische Fußballverband<br />

KFF (Kazakh Football<br />

Federation) wechselte 2002 von der AFC<br />

(Asian Football Confederation) zur UEFA<br />

(Union of European Football Associations).<br />

Ein Teil Kasachstan liegt geographisch sogar<br />

in Europa (südwestlich des Ural bei der<br />

Mündung der Wolga in das Kaspische Meer).<br />

***<br />

Geschichte des kasachischen Fußballs<br />

Der kasachische Fußball etablierte sich<br />

in den 1910er Jahren, nachdem Handelsleute,<br />

die auf den Sport in England aufmerksam<br />

wurden, ihn in das Land gebracht<br />

hatten. Es entwickelte sich in der<br />

Stadt Semipalatinsk ein regelrechter Fußballboom,<br />

der zur Gründung mehrerer<br />

Vereine führte. Die Vereine nahmen später<br />

an der sowjetischen Meisterschaft Teil und<br />

Spieler Kasachstans waren Mitglieder der<br />

sowjetischen Nationalmannschaft.<br />

Nach der Unabhängigkeit im Jahr 1991<br />

wurde Kasachstan ab 1992 Mitglied des Asiatischen<br />

Fußballverbandes. Der kasachische<br />

Fußballbund organisiert die Nationalmannschaft<br />

und die Fußballliga namens<br />

Premjer Liga.<br />

Rekordmeister des Landes ist der FK Irtysch<br />

Pawlodar, der seit der Gründung der<br />

Premjer Liga 1992 fünf Mal Meister wurde.<br />

Der Verein wurde 1964 gegründet leitet<br />

sich vom Namen des Flusses Irtysch ab. Die<br />

Mannschaft bestritt mehrere Spiele in der<br />

asiatischen Championsleague und seit der<br />

Mitgliedschaft bei der UEFA auch einige<br />

Qualifikationsspiele für den Europapokal,<br />

bisher aber erfolglos. Heuer konnte sich<br />

zum vierten Mal in Folge der FK Aktobe<br />

den Meistertitel sichern. Rekordspieler Kasachstans<br />

ist Ruslan Baltijew, der bisher 73<br />

Spiele für die Nationalauswahl bestritt<br />

und sein Geld bei Schemtschuschina Sotschi<br />

in Russland verdient.<br />

In der FIFA Weltrangliste belegt Kasachstan<br />

zurzeit den 125. Platz vor Suriname<br />

und hinter dem Tschad. Das erste offizielle<br />

Länderspiel des kasachischen Fußballverbandes<br />

bestritt das Team 1992 in Almaty<br />

gegen Turkmenistan und konnte sich<br />

mit 1:0 durchsetzen. Den bisher höchsten<br />

Sieg erlangte man 1997 mit einem 7:0 gegen<br />

Pakistan und die höchste Niederlage<br />

erlitt man bisher 2008 mit einem 0:6 gegen<br />

Russland.<br />

INFO<br />

Qasaqstannyng Futbol<br />

Federazijassy<br />

Gegründet: 1914<br />

FIFA Beitritt: 1994<br />

UEFA Beitritt: 2002<br />

Präsident: Adilbek Jaxybekow<br />

Bernd Storck<br />

Generalsekretär: Sayan Khamitz<br />

Derzeitiger Trainer: Bernd Storck (D)<br />

www.kff.kz<br />

<strong>SOCIETY</strong> 3_10 | 37


DIPLOMATIE<br />

AKKREDITIERUNGEN<br />

DIPLOMATENKARUSSELL<br />

Die neu akkreditierten Botschafter bei Bundespräsident Dr. Heinz Fischer in der Hofburg.<br />

ALBANIEN<br />

H.E. VILI<br />

MINAROLLI, PH.D.<br />

BELGIEN<br />

H.E. FRANK<br />

RECKER<br />

CHILE<br />

H.E. ALFREDO<br />

LABBÉ<br />

Born on 8 September<br />

1944 in Elbasan, Albania.<br />

Married, two sons.<br />

Geboren am 3. Juni<br />

1950 in Rancagua,<br />

Chile. Verheiratet.<br />

Education<br />

■ 1962-1966: Bachelor of Science, Mathematics,<br />

University of Tirana<br />

■ 1984-1986: Ph.D. in Mathematics and<br />

Pedagogy – Psychology Sciences<br />

■ 1993-1996: Master’s Degree in Political<br />

Science<br />

Professional Career<br />

■ 1972-1973: Professor of Mathematics,<br />

University of Tirana<br />

■ 1973-1987: Professor of Mathematics,<br />

Kucove. Member of National Committee<br />

for pre-University Education reform<br />

in Mathematics<br />

■ 1987-1992: Researcher at the National<br />

Institute of Pedagogic Studies and<br />

part time lector at University of Tirana,<br />

Faculty of Science<br />

■ 1992-1993: Director General for High<br />

School Education, Albanian Ministry<br />

of Education Co-author of Albanian<br />

Education Reform<br />

■ 1993-1994: Specialist on Balkan issues,<br />

Albanian Ministry of Foreign Affairs<br />

■ 1994-1995: Ambassador of Albania in<br />

Belgrade, Serbia<br />

■ 1995-1996: Director General for Europe<br />

Branch, Albanian Ministry of Foreign<br />

Affairs<br />

■ 1996-2005: Member of Parliament, Albanian<br />

National Assembly<br />

■ 2005-<strong>2010</strong>: Ambassador of Albania in<br />

Greece<br />

Education<br />

■ Graduated in Studies of German philology;<br />

Conference Interpretation<br />

Professional Career<br />

■ 1982: Started diplomatic career<br />

■ 1982-1984: Head-office<br />

■ 1984-1987: Secretary, Bucarest<br />

■ 1987-1990: First Secretary, Stockholm<br />

■ 1990-1994: Counsellor, Berne<br />

■ 1994-1997: Ambassador to Niger, Mali<br />

and Burkina Faso<br />

■ 1997-2000: Head-Office (Director Air<br />

transport Negotiations); Euregio<br />

Maas-Rhine (Director Belgian Presidency)<br />

■ 2000-2003: Ambassador to Côte d’Ivoire,<br />

Ghana, Liberia and Sierra Leone<br />

■ 2003-2007: Ambassador to Norway<br />

and Iceland<br />

■ 2007-<strong>2010</strong>: Head-Office, Deputy Secretary<br />

General; Director General of the<br />

International Customs Tariffs Bureau<br />

■ Since <strong>2010</strong>: Ambassador to Austria,<br />

Permanent Rep. to UNOV/UNODC,<br />

IAEA, CTBTO. UNIDO and Ambassador<br />

to Bosnia and Herzegovina<br />

Ausbildung<br />

■ Studium der Rechtswissenschaften an<br />

der Universität von Chile (Santiago)<br />

und den Katholischen Universitäten<br />

von Ecuador (Quito) und Peru (Lima)<br />

■ Diplom der Diplomatischen Akademie<br />

„Andrés Bello“, Santiago<br />

■ Magister in Militärwissenschaft an der<br />

Kriegsakademie der chilenischen Armee,<br />

Santiago<br />

Berufliche Laufbahn<br />

■ 1990-92: Botschafter-Stellvertreter in<br />

Ungarn<br />

■ 1993-1996: Geschäftsträger in der Arabischen<br />

Republik Syrien<br />

■ 1996-97: Chef der Abteilung für Abrüstung<br />

und Internationale Sicherheit<br />

■ 1997: Sektionsleiter-Stv. für Sonderpolitik,<br />

Außenministerium<br />

■ 1998-2002: Ständiger Vertreter-Stv.<br />

von Chile bei der Abrüstungskonferenz,<br />

Genf<br />

■ 2001-2002: Ständiger Vertreter-Stv.<br />

von Chile bei der UNO u. anderen int.<br />

Org., Genf<br />

■ 2003-2005: Vertreter der Nationalbehörde<br />

zur Konvention für chemische<br />

Waffen<br />

■ 2004: APEC-Gipfel, zuständig für Sicherheit<br />

und Terrorismus<br />

■ 2005-2008: Vertreter-Stv. bei den Vereinten<br />

Nationen in New York<br />

■ 2009-<strong>2010</strong>: Sektionsleiter für Int. und<br />

Menschliche Sicherheit<br />

FOTOS: DRAGAN TATIC/HBF<br />

38 | <strong>SOCIETY</strong> 3_10


JUNI BIS SEPTEMBER <strong>2010</strong><br />

MALAYSIA<br />

PHILIPPINEN<br />

UKRAINE<br />

H.E. DATO‘<br />

MUHAMMAD<br />

SHAHRUL IKRAM<br />

BIN YAAKOB<br />

Born on 21 May 1961 in<br />

Bentong, Pahang<br />

Married, 4 sons.<br />

S.E. LOURDES O.<br />

YPARRAGUIRRE<br />

Born on 2 October<br />

1955 in Manila.<br />

S.E. ANDRII<br />

VIKTOROWYTSCH<br />

BEREZNYI<br />

Geboren am 4.Dezember<br />

1958 in Kyiv. Verheiratet,<br />

eine Tochter.<br />

Education<br />

■ B. Sc. (Hons.) Ecology, University of Malaya,<br />

Kuala Lumpur, Malaysia<br />

■ Diploma in Public Admin (INTAN),<br />

1987<br />

■ Advanced Management Programme,<br />

Harvard Business School, 2009<br />

Professional Career<br />

■ 1988: Administrative and Diplomatic<br />

Service in the Ministry of Foreign Affairs;<br />

Assistant Secretary in East Asia<br />

Division; Secretary to the Committee<br />

on Managed and Controlled Relationship<br />

with the People’s Republic<br />

of China<br />

■ 1989: Assistant Secretary in the Int.<br />

Org. Division<br />

■ 1991: Second Secretary, Embassy of<br />

Malaysia in Beijing<br />

■ 1994: First Secretary, Embassy of Malaysia<br />

in Washington D. C.<br />

■ 1998: Senior Assistant Secretary I in<br />

the American Affairs Division<br />

■ 1999: Principal Assistant Secretary in<br />

the American Affairs Division<br />

■ 2002: Assigned to the Embassy of Malaysia<br />

in Vienna, Austria, Deputy Head<br />

of Mission; Alternate Resident Rep.<br />

to the IAEA; Deputy Permanent Rep.<br />

to UNOV<br />

■ 2005: Undersecretary for Multilateral<br />

Political Division<br />

■ 2007-<strong>2010</strong>: Ambassador of Malaysia to<br />

the State of Qatar<br />

Education<br />

■ BA International Relations (cum laude),<br />

Maryknoll College, Quezon City,<br />

Philippines<br />

■ Diploma in International Economics<br />

and Development (with distinction), Institute<br />

of Social Studies, The Hague,<br />

Netherlands<br />

Professional Career<br />

■ 1981-1986: Senior Economic Development<br />

Specialist, Manila<br />

■ 1987: Joined the Department of Foreign<br />

Affairs (DFA), Manila<br />

■ 1987-1988: Acting Director, Office of<br />

International Economic Affairs, DFA<br />

■ 1988-1989: Director, Office of the UN<br />

and other Int. Org., DFA<br />

■ 1989-1996: First Secretary (Economic,<br />

Disarmament and Humanitarian Affairs)<br />

and WTO-GATT Negotiator, Permanent<br />

Mission of the Philippines to<br />

the UN and other Int. Org., Geneva<br />

■ 1996-1998: Special Assistant to the Undersecretary<br />

for Policy, DFA<br />

■ 1999-2000: Executive Director, Office of<br />

the Undersecretary for International<br />

Economic Relations, DFA<br />

■ 2000-2006: Minister for Political and<br />

Economic Affairs, Embassy of the Philippines,<br />

Washington DC<br />

■ 2006-2007: Special Assistant to the Secretary<br />

of Foreign Affairs, DFA<br />

■ 2008-<strong>2010</strong>: Assistant Secretary, Office<br />

of American Affairs, DFA<br />

Ausbildung<br />

■ 1989: Abschluss der Militär-Diplomatischen<br />

Akademie in Moskau<br />

■ 1981: Abschluss der Militärhochschule<br />

für Ingenieure Kyiv<br />

■ 1996: Lehrgang für Handelspolitik an<br />

der Georgetown Univ. in Washington<br />

Berufliche Karriere<br />

■ 1985-1986: Stv. Direktor des Alliierten<br />

Kriegsverbrechergefängnisses Spandau<br />

Berlin (West)<br />

■ 1992-1995: Stv. Leiter der Verwaltung,<br />

Ministerium für auswärtige Wirtschaftsbeziehungen<br />

der Ukraine<br />

■ 1994-1997: Geschf. Sekretär der Staatskommission<br />

für den WTO-Beitritt der<br />

Ukraine<br />

■ 1998: Stellv. Direktor „Rechtsberatung<br />

Spektor&Partner“ AG<br />

■ 1998-1999: Leiter Außenwirtschaft der<br />

staatlichen Aktiengesellschaft „Naftogas<br />

Ukraine“<br />

■ 1999-2000: Direktor „Nationale Gasgesellschaft“<br />

AG in Kyiv<br />

■ 2000-2003: Leiter der Handels- und<br />

Wirtschaftsmission bei der Botschaft<br />

der Ukraine, Schweiz<br />

■ 2003-2006: Stellv. Wirtschaftsminister<br />

der Ukraine<br />

■ 2007: Berater „Maschinenbau Fackel“<br />

AG in Kyiv<br />

■ 2008-2009: Direktor für GR und Kontrolle<br />

„Ukrainian Mobile Communications“<br />

AG (MTS Ukraine)<br />

<strong>SOCIETY</strong> 3_10 | 39


DIPLOMATIE<br />

UN WIEN<br />

Die neu akkreditierten Botschafter überreichten ihre Beglaubigungen an<br />

Generaldirektor Yury Fedotov. Die Überreichungen fanden im Büro der<br />

UNOV/UNODC in Wien statt.<br />

Multilaterale Botschafter<br />

INFORMATION<br />

Nyron Sequeira, Protocol Assistant<br />

Tel. +43-(0)1- 26060 – 4499<br />

Fax +43-(0)1- 26060 – 5929<br />

E-Mail: Nyron.Sequeira@unvienna.org<br />

SCHWEIZ: S.E. THOMAS GREMINGER<br />

DÄNEMARK: S.E. TORBEN BRYLLE<br />

CHILE: S.E. ALFREDO ALESSANDRO LABBÉ<br />

BELGIEN: S.E. FRANK RECKER<br />

ÜBERREICHT AN GD ANTONIO MARIA COSTA<br />

MOLDAU: S.E. VALERIU CHIVERI<br />

PHILIPPINEN: I.E. LOURDES ORTIZ YPARRAGUIRRE<br />

ÜBERREICHT AN GD ANTONIO MARIA COSTA<br />

UN – UNITED NATIONS/<br />

VEREINTE NATIONEN<br />

Am 26.6.1945 wurde in San Francisco die Charta der Vereinten<br />

Nationen beschlossen. Sie trat am 24.10.1945 in Kraft.<br />

Mitglieder sind alle Staaten der Welt mit Ausnahme der<br />

Demokratischen Arabischen Republik Sahara (DARS), der<br />

Republik China (Taiwan) und Vatikanstaat.<br />

Die Grundsätze und Ziele der UN sind: Wahrung des<br />

Weltfriedens, internationale Sicherheit, Achtung der Menschenrechte,<br />

internationale Zusammenarbeit auf wirtschaftlichem,<br />

kulturellem, sozialem und humanitärem<br />

Gebiet, Umweltschutz.<br />

Diese Ziele sollen gemäß den Grundsätzen des allgemeinen<br />

Gewaltverbots und der Verpflichtung zur friedlichen<br />

Beilegung von Streitigkeiten verwirklicht werden.<br />

Die Ausnahme davon bilden vom Sicherheitsrat beschlossene<br />

legitime Zwangsmaßnahmen.<br />

Die Hauptorgane der UN sind die Generalversammlung,<br />

der Sicherheitsrat, die UN-Friedenstruppen und das Sekretariat.<br />

Die UNOV – das Büro der Vereinten Nationen in Wien –<br />

ist eine von vier Hauptsitzen der UN auf der Welt und besteht<br />

seit 26 Jahren. Folgende Organisationen sind u. a. in<br />

Wien untergebracht: UNODC (Drogen- und Verbrechensbekämpfung),<br />

IAEO (Internationale Atomenergie-Organisation),<br />

UNIDO (Industrielle Entwicklung), CTBTO (Comprehensive<br />

Test Ban Treaty Organisation).<br />

40 | <strong>SOCIETY</strong> 3 10


DIPLOMATIE<br />

UNIDO<br />

Die neu akkreditierten Botschafter überreichten ihre Beglaubigungen an<br />

den Generaldirektor der UNIDO, Kandeh K. Yumkella. Die Überreichungen<br />

fanden im Hauptsitz der UNIDO in Wien statt.<br />

United Nations Industrial Development Organization<br />

BELGIEN: S.E. FRANK RECKER<br />

PHILIPPINEN: I.E. LOURDES O. YPARRAGUIRRE<br />

INFORMATION<br />

Cristina Stricker, Information Officer<br />

Tel: +43-(0)1-26026-3034<br />

Fax: +43-(0)1-26026-6881<br />

E-Mail: c.stricker@unido.org<br />

CHILE: S.E. ALFREDO LABBÉ VILLA<br />

UKRAINE: S.E. IHOR PROKOPCHUK<br />

UNIDO<br />

MALAYSIA: S.E. DATO’ MUHAMMAD SHAHRUL IKRAM YAAKOB<br />

MOLDAU: S.E. VALERIU CHIVERI<br />

Die United Nations Industrial Development Organization<br />

(Organisation der Vereinten Nationen für Industrielle Entwicklung)<br />

ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen<br />

mit dem Ziel, die industrielle Entwicklung in Entwikklungsländern<br />

und Reformstaaten nachhaltig zu fördern. Zu<br />

ihrer Tätigkeit zählen Industrial Governance und Statistik, Investitions-<br />

und Technologieförderung, Förderung von Handel<br />

und Wettbewerbsfähigkeit, Entwicklung der Privatwirtschaft<br />

und Agro-Industrien, nachhaltige Energiewirtschaft<br />

und Klimawandel, das Montreal-Protokoll und Umweltmanagement.<br />

DÄNEMARK: S.E. TORBEN BRYLLE<br />

SCHWEIZ: S.E. THOMAS GREMINGER<br />

Die UNIDO, mit Hauptsitz in der UNO-City in Wien, wurde<br />

1966 als Programm der Vereinten Nationen gegründet<br />

und ist seit 1985 eine selbstständige Sonderorganisation der<br />

VN. Derzeitiger Generaldirektor (seit 2005) ist Kandeh K.<br />

Yumkella (Sierra Leone). Die UNIDO hat 173 Mitgliedsstaaten,<br />

in 53 Ländern Büros und beschäftigt etwa 650 Mitarbeiter.<br />

Darüber hinaus arbeiten über 2100 Experten international<br />

bei UNIDO-Projekten. Das geschätzte Gesamtvolumen aller<br />

Tätigkeiten für <strong>2010</strong>/11 beträgt etwa 385 Millionen Euro<br />

(UNIDO ist die einzige UN-Organisation, die in Euro budgetiert).<br />

<strong>SOCIETY</strong> 3_10 | 41


DIPLOMATIE<br />

CTBTO<br />

Die neu akkreditierten Botschafter überreichten ihre Beglaubigungen an<br />

den Generalsekretär der CTBTO, Botschafter Tibor Tóth. Die Überreichungen<br />

fanden im Hauptsitz der CTBTO in Wien statt.<br />

Comprehensive Test Ban Treaty Organisation<br />

INFORMATION<br />

Annika Thunborg, Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit<br />

Tel. +43-(0)1-26030-6375<br />

Fax +43-(0)1-26030-5823<br />

www.ctbto.org<br />

E-Mail: annika.thunborg@ctbto.org<br />

MALAYSIA: S.E. DATO‘ MUHAMMAD SHAHRUL IKRAM YAAKOB<br />

CHILE: S.E. ALFREDO LABBÉ<br />

CTBTO<br />

Die CTBTO PrepCom ist die Vorbereitende Kommission für<br />

die Organisation des Vertrages über das umfassende Verbot<br />

von Nuklearversuchen.<br />

Die CTBTO PrepCom wurde am 19.11.1996 gegründet und<br />

ist mit allen notwendigen Vorbereitungen für die Umsetzung<br />

des Vertrages über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen<br />

befasst. Alle Staaten, die diesen Vertrag unterzeichnen,<br />

sind automatisch Mitglieder der Kommission.<br />

Ziel des Vertrages ist die Nichtverbreitung von Kernwaffen<br />

sowie die atomare Abrüstung. Mit dem Verbot von Nuklearversuchen<br />

soll die Weiterentwicklung von Atomwaffen<br />

gebremst werden.<br />

Seit 24.9.1996 wurde der Vertrag von 182 Staaten unterzeichnet,<br />

davon haben ihn mittlerweile 153 ratifiziert. Aktuellster<br />

Vertragsunterzeichner ist Trinidad und Tobago. Die<br />

aktuellste Ratifizierung erfolgte durch die Zentralafrikanische<br />

Republik. Der Vertrag tritt erst dann in Kraft, sobald er<br />

von allen 44 im zweiten Anhang des Vertrages (Annex 2)<br />

aufgezählten Staaten unterzeichnet und ratifiziert worden<br />

ist. Das sind jene Staaten, die zum Zeitpunkt der Vertragsverhandlungen<br />

bereits über friedliche oder militärische<br />

Nukleartechnologie verfügt haben. 41 Annex-2-Staaten haben<br />

den Vertrag unterzeichnet, davon haben ihn 35 auch ratifiziert.<br />

Derzeit fehlen noch die Unterzeichnungen von Indien,<br />

Pakistan und Nordkorea, sowie die Ratifizierungen von<br />

Ägypten, dem Iran, USA, China, Indonesien und Israel.<br />

Österreich zählt ebenfalls zu den Annex-2-Staaten und<br />

hat den Vertrag am 24.9.1996 unterzeichnet und am 13.3.1998<br />

ratifiziert. Das Atominstitut der Österreichischen Universitäten<br />

betreibt in Wien einen Forschungsreaktor.<br />

MOLDAU: S.E. VALERIU CHIVERI<br />

KATAR: S.E. ALI KHALFAN AL-MANSOURI<br />

NIGER: S.E. ADANI ILLO<br />

PHILIPPINEN: I.E. LOURDES O. YPARRAGUIRRE<br />

UGANDA: S.E. FRANCIS K. BUTAGIRA<br />

JEMEN: S.E. ABDULHAKIM ABDULRAHMAN AL-ERYANI<br />

MADAGASKAR: S.E. RAJEMISON RADOTOMAHARO<br />

UKRAINE: S.E. IHOR PROKOPCHUK<br />

42 | <strong>SOCIETY</strong> 3_10


Grandhotel am Semmering bei Wien<br />

Ein Wochenende wie ein Urlaub<br />

Am Zauberberg wird der Winterurlaub von den ersten<br />

Schneeflocken bis zur Frühjahrssonne zum Erlebnis, denn<br />

gerade im Winter verdient der Semmering seinen Namen<br />

„Zauberberg“ ganz besonders. Wer immer auch Spaß im<br />

Schnee haben möchte - vom actionreichen Schifahrer oder<br />

Snowboarder, bis zum gemütlichen Winterwanderer – man<br />

findet am Zauberberg seine Winterwelt. Sport & Spaß sowie<br />

Erholung und Relaxen in der Wintersonne lässt sich ideal mit<br />

einem Aufenthalt im Panhans kombinieren.<br />

Der ideale Kurzurlaub zwischendurch - die sauerstoffreiche<br />

Höhenluft in 1000m - das großzügige Ambiente und die<br />

Angebotsvielfalt des Hotels PANHANS garantieren Erholung<br />

und Entspannung bereits in kürzester Zeit.<br />

Eine knappe Autostunde von Wien erleben Sie Wohnqualität<br />

in 113 individuell eingerichteten Zimmern, Studios,<br />

Maisonetten und Appartements. Für die kulinarischen<br />

Genüsse stehen das a la carte Restaurant „Wintergarten“,<br />

die klassischen Restaurants Kaiser Karl und Kaminsalon, das<br />

Café Wien, die Vinothek und die Tanzbar zur Verfügung.<br />

Vollstes Freizeitvergnügen genießt man im Vital Club mit<br />

Sauna, Dampfbad, Whirlpool, Hallenbad. Ein Massage- und<br />

Kosmetiksalon ergänzt das vielfältige Angebot.<br />

Die Panhans Aktie<br />

Eine ideale Geschenksidee für ein Wochenende<br />

Als besonderes Arrangement bietet die Panhans - Aktie:<br />

Zwei Nächtigungen für 2 Personen in einem<br />

Panoramablickzimmer, mit Buffetfrühstück und Halbpension<br />

und die Nutzung der Freizeiteinrichtungen, wie Sauna,<br />

Dampfbad, Whirlpool und das hotelleigene Hallenbad. Ein<br />

Massage- und Kosmetiksalon stehen zur Verfügung. Der<br />

Preis der Aktie für zwei Personen beträgt € 440,-- für eine<br />

Person werden € 270,-- verrechnet.<br />

Informationen und Buchungen unter:<br />

HOTEL PANHANS<br />

Hochstrasse 32, 2680 Semmering - Tel.: 02664/8181 Fax DW 513<br />

hotel@panhans.at www.panhans.at


DIPLOMATIE<br />

INTERVIEW<br />

Cultural Diplomacy<br />

“The Strange Animal”<br />

Mark Donfried, founder of the Institute for Cultural Diplomacy, about the potential of culture<br />

in international dialogue, why he settled in Berlin and the many ways of bringing people<br />

together. By DONATA ALBERTI<br />

The Institute for Cultural Diplomacy<br />

(ICD) is an international, not-for profit,<br />

non-governmental organization<br />

based in Berlin, and it has grown to be one<br />

of Europe’s largest independent cultural<br />

exchange organizations. I had the chance<br />

to carry out an internship for three<br />

months at the ICD, it has been an enriching<br />

opportunity for both my personal and<br />

academic development, I have worked with<br />

people coming from around thirty different<br />

countries and living in Berlin has been<br />

a mind-blowing experience for me as I<br />

come from Trieste, a relatively small Italian<br />

city on the Slovenian border. I had a<br />

very interesting interview with Mark Donfried,<br />

founder and director of the institute,<br />

who shared with me some of his thoughts,<br />

highlights, past memories and future expectations<br />

concerning the ICD.<br />

What were your first steps in the establishment<br />

of the ICD? And was it difficult?<br />

Initially we responded to the need that<br />

there was very little research in the field of<br />

cultural diplomacy and also there was no<br />

neutral organization focusing on this field.<br />

When we first started in 1999 we literally<br />

did events on really zero-budget, so the initial<br />

challenges of course were primarily financial<br />

support and then also finding the<br />

right partners who we needed to get things<br />

developed.<br />

What were your dreams as a 20-year-old<br />

student?<br />

My dream was really this interest in the<br />

field of cultural and International relations<br />

where I really saw some strange situations,<br />

for example between France and<br />

the US, where the French love the American<br />

culture but they hate American culture,<br />

where Americans love the French<br />

culture but they hate the French culture. I<br />

did not understand how two outside-looking<br />

similar countries could have this<br />

strange tension over culture. Another<br />

stream of course is if you look at conflict<br />

situations, for example in the Middle East<br />

or in the United States, or in Africa and<br />

Asia, situations where there is almost no<br />

cultural dialogue, there sometimes culture<br />

can also serve as a clash. There is a potential<br />

for culture, it can make things<br />

worst, it can intensify problems, but it also<br />

gives the chance to make things better<br />

if one can achieve relationships based on<br />

understanding and trust.<br />

What has been until today your most significant<br />

success?<br />

I think one of the things that are special<br />

about the ICD is the ability to bring<br />

people together who normally would not<br />

come together. We recently had an event<br />

which was hosted in Rhodes, Greece, in<br />

partnership with a Greek organization<br />

and there was a fascinating dialogue in<br />

the question and answer period, where<br />

there was a young Palestinian who raised<br />

a question and then there was a response<br />

by a young Israeli in the audience. That<br />

conversation probably could not have<br />

taken place in Jerusalem, or in Tel Aviv. I<br />

44 | <strong>SOCIETY</strong> 3_10


„We bring people together<br />

who normally would not be<br />

together.“<br />

MARK C. DONFRIED<br />

think the fact that it was hosted by the<br />

ICD, a non-governmental, non-for profit<br />

organization, helped something to happen<br />

that would not normally have happened.<br />

The ICD is a sort of “strange animal”<br />

which does not really belong to<br />

any group, and is able to actually bring<br />

people together.<br />

You started your career in New York, the<br />

hub for culture and International relations,<br />

why did you decide to move to Berlin?<br />

Berlin is an interesting place and I<br />

think it is a natural fit for the ICD. It is very<br />

attractive for artists, as there seems to be<br />

an openness here that allows for a new creativity.<br />

Berlin also is very inexpensive and<br />

is very vibrant for its culture, and unique<br />

for its geography, its history. This seems a<br />

place where people really feel comfortable,<br />

where people can also make their<br />

home.<br />

Germany also makes it a very interesting<br />

example for cultural diplomacy. I think<br />

that Germany in terms of soft power and<br />

also in terms of culture is a unique case.<br />

Programs such as DAAD (the German Academic<br />

Exchange Service), Deutsche Welle,<br />

Goethe Institut and other cultural institutions<br />

are not about promoting a certain<br />

image about Germany, it is just about giving<br />

access to Germany.<br />

What is your role in the ongoing dialogue<br />

for a better understanding of cultural<br />

diplomacy?<br />

I think our role is just to ask questions<br />

and be sure that individuals involved are<br />

also asking questions. Cultural diplomacy<br />

for a young leader in Cape Town is probably<br />

very different from cultural diplomacy<br />

for a young leader in Bucharest or in<br />

Tokyo. I think in the end every country,<br />

group and culture needs to find their own<br />

answers and their own recipes for how<br />

they could perhaps strengthen their relationships<br />

using some of the techniques of<br />

cultural diplomacy. That is really how I see<br />

my job, in bringing people together, try to<br />

maybe challenge the way they are thinking,<br />

open their minds in certain ways. For<br />

me to have succeeded in the end is not to<br />

convince people that I am right, but at the<br />

end of the event maybe they think a little<br />

bit differently about something than before,<br />

and maybe they heard a new view, a<br />

new voice.<br />

What has been the most significant<br />

milestone for the ICD until now?<br />

One of the main milestones of ICD over<br />

CURRICULUM VITAE<br />

Mark C. Donfried is Director and Founder of the institute for<br />

Cultural Diplomacy. After completing his undergraduate<br />

studies in European History and French at Columbia University,<br />

Mark Donfried then pursued graduate research at<br />

the Institut des Études Politiques where he wrote his thesis<br />

on "la diplomatie du jazz." Following this, Mark worked<br />

as an Analyst at the Cultural Services of the French Embassy<br />

in New York, in the Mergers & Acquisitions Department<br />

of Credit Suisse First Boston, and then at the<br />

Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik. In 2001 Mark<br />

founded the Institute for Cultural Diplomacy (ICD): an independent,<br />

non-profit, non-governmental organisation<br />

based in New York City. The ICD has since opened a European<br />

Headquarters in Berlin, where Mark is presently<br />

based. Mark is currently a Visiting Professor at Humboldt<br />

University in Berlin teaching, for example, a seminar for<br />

undergraduates on “Searching for a Cultural Diplomacy.”<br />

He is focusing his current research and publishing in the<br />

field of civil society based cultural diplomacy.<br />

the last years has been that we have been<br />

able to bring together a very high level<br />

group of individuals, and if you look at the<br />

advisory board now, we have former presidents<br />

from many states, ministers of culture,<br />

very interesting individuals from almost<br />

every country. What matters to me is<br />

that they are individuals who care and<br />

have experienced cultural diplomacy, in<br />

terms of its success and its failures, and individuals<br />

who want to promote this and<br />

bring this sensitivity further. We then have<br />

a strong team, the ICD team, the volunteers,<br />

so it is really just a matter of time, to<br />

develop programs step by step. In one or<br />

two years we have really been able to develop<br />

an International grasp and an international<br />

team.<br />

How are the programs of the ICD structured<br />

and what do the participants get<br />

from their attendance?<br />

In essence we have three main targets of<br />

audience: the high level, let’s say current<br />

leaders, former leaders, ministers for culture,<br />

the governments. In the second target<br />

we have young leaders and the third<br />

target is the civil society, for example nurses,<br />

teachers, “real citizens” in the full<br />

essence of the word. And the main thing<br />

that we try to do is, again, to make them<br />

think differently.<br />

What they get out of it is hopefully<br />

some new information on education, but<br />

also the chance to do more work in the<br />

field. We ask each young leader for example<br />

to do a leadership initiative. We really<br />

believe that young leaders are much better<br />

suited to help their country than we are, as<br />

they can probably have more ideas to move<br />

forward than us sitting here in Berlin.<br />

What are the biggest challenges for cultural<br />

diplomacy in the 21st century and for<br />

the ICD in particular and what is your personal<br />

outlook?<br />

The biggest challenge is trying to improve<br />

the situation where there seems to<br />

be little or no hope. There are situations<br />

where sometimes there is no dialogue and<br />

sometimes there is even violence or a conflict.<br />

I think that there it is a big challenge<br />

for our imagination, in terms of how we<br />

can try to bring people together, even in<br />

the most extreme situations. I will quote a<br />

few examples, like sports as cultural diplomacy,<br />

music as cultural diplomacy; there<br />

are many ways in which you can bring people<br />

together, as for example with a soccer<br />

ball. I am aware of the fact that difficult<br />

situations may not see the results in my<br />

lifetime, but I definitely would still like to<br />

try to begin a process that may take generations.<br />

<strong>SOCIETY</strong> 3_10 | 45


DIPLOMATIE<br />

ÖGAVN<br />

Highlights International<br />

Saisonausklang in der Stallburg<br />

Die erste Saison der ÖGAVN in den neuen Räumlichkeiten in der Wiener Stallburg ging erfolgreich<br />

zu Ende. Die regelmäßigen Clubveranstaltungen haben sich beim Publikum etabliert.<br />

Saisonausklang<br />

in der Stallburg<br />

Vienna International<br />

Model United Nations<br />

Ungarns Außenminister<br />

János Martonyi<br />

Am 6. Juli <strong>2010</strong> beendete die ÖGAVN ihre<br />

erste Saison in den neuen Räumlichkeiten<br />

in der Wiener Stallburg.<br />

ÖGAVN-Präsident Altbundeskanzler Wolfgang<br />

Schüssel lud alle Mitglieder, Interessenten<br />

und Freunde der ÖGAVN zu einem<br />

Abend in angenehmer Atmosphäre mit<br />

Fingerfood, dank Raiffeisengeneralanwalt<br />

Dr. Christian Konrad bereitgestellt von<br />

Do&Co, und mit musikalischer Darbietung<br />

der Damenband „DIDA“. Anlass war<br />

der erfolgreiche Start des neuen wöchentlichen<br />

„Internationalen Clubs“ in den<br />

ÖGAVN-Räumlichkeiten. Von Februar bis<br />

Juli sprachen insgesamt 17 Vortragende zu<br />

den unterschiedlichsten internationalen<br />

Themen. Neben den Clubveranstaltungen<br />

etablierten sich die neuen Räumlichkeiten<br />

als Austragungsort für zahlreiche weitere<br />

Aktivitäten, wie unter anderem die Debattierclubs<br />

der unabhängigen Jugend- und<br />

Studierendenorganisation der ÖGAVN,<br />

dem Akademischen Forum für Außenpolitik<br />

(AFA).<br />

***<br />

Ungarischer Außenminister<br />

zu Gast in Wien<br />

Der neue ungarische Außenminister János<br />

Martonyi sprach am 13. Juli <strong>2010</strong> in<br />

den historischen Räumlichkeiten der ungarischen<br />

Botschaft zum Thema „Die neue<br />

Mitteleuropapolitik Ungarns“. Trotz der<br />

sommerlichen Temperaturen kamen rund<br />

400 Persönlichkeiten des „Außenpolitischen<br />

Establishments“, um sich über die<br />

aktuellen Fragen ungarischer Außen- und<br />

Nachbarschaftspolitik zu informieren.<br />

***<br />

Jugendkonferenz in der Wiener UNO-City<br />

Die bereits zur Tradition gewordene alljährliche<br />

UNO-Simulationskonferenz mit<br />

Studierenden und Jungakademikern aus aller<br />

Welt in der Wiener UNO-City war auch<br />

diesen August wieder die Hauptveranstaltung<br />

des AFA. Bei der „Vienna International<br />

Model United Nations (VIMUN)“ verhandeln<br />

die Delegierten an Resolutionen zu<br />

den unterschiedlichsten Themen der Vereinten<br />

Nationen in Form eines Rollenspiels.<br />

„Es ist uns auch ein Anliegen, den UNO-<br />

Standort Wien und Wien als Austragungsort<br />

internationaler Konferenzen bei der<br />

Jugend zu bewerben“, so Marc E. Melich der<br />

Generalsekretär der VIMUN.<br />

MITGLIEDSCHAFT<br />

Alle Personen, die am internationalen<br />

Geschehen interessiert sind<br />

und zur Stärkung der Vereinten<br />

Nationen beitragen wollen, können<br />

ordentliche Mitglieder der<br />

Seit 1945<br />

Österreichischen Gesellschaft für Außenpolitik und die Vereinten<br />

Nationen (ÖGAVN) werden. Daneben sind Unternehmen<br />

und andere Institutionen eingeladen, als unterstützende<br />

Mitglieder beizutreten. Wenn Sie Interesse an einer<br />

Mitgliedschaft haben, wenden Sie sich bitte an:<br />

ÖSTERREICHISCHE GESELLSCHAFT FÜR AUSSENPOLITIK<br />

UND DIE VEREINTEN NATIONEN (ÖGAVN)<br />

Hofburg/Stallburg, Reitschulgasse 2/2. OG, A-1010 Wien<br />

Tel.: +43-(0)1-535 46 27<br />

E-Mail: office@oegavn.org, www.una-austria.at<br />

MAGAZIN <strong>SOCIETY</strong><br />

Mag. Gertrud Tauchhammer hat mit dem Magazin <strong>SOCIETY</strong> als<br />

offizielles Organ schon seit 1995, auf Einladung des damaligen<br />

Präsidenten Dr. Kurt Waldheim, fungiert und übt seitdem mit<br />

verschiedensten Aktivitäten einen Brückenschlag zwischen<br />

Österreich und den Vereinten Nationen aus. Auf Vorschlag von<br />

Altbundeskanzler Dr. Wolfgang Schüssel wird die Kooperation<br />

zwischen dem Magazin <strong>SOCIETY</strong> und der Österreichischen Gesellschaft<br />

für Außenpolitik und die Vereinten Nationen<br />

(ÖGAVN) fortgesetzt. <strong>SOCIETY</strong> ist zu 100 Prozent im Eigentum<br />

der Tauchhammer KG/Mag. Gertrud Tauchhammer.<br />

FOTOS: ÖGAVN<br />

46 | <strong>SOCIETY</strong> 3_10<br />

Die Delegierten<br />

von VIMUN


DIPLOMATIE<br />

WELCOME TO AUSTRIA<br />

INFORMATION<br />

Guided tour through the medieval<br />

abbey Heiligenkreuz<br />

Gregorian Chant<br />

Music For Paradise<br />

“Welcome To Austria” visited the Abbey Stift Heiligenkreuz in<br />

the Southern Vienna Woods and joined the other-worldly Gregorian<br />

chant which has become famous in the UK and the US.<br />

Entitled “Chant – Music for Paradise”,<br />

Welcome To Austria undertook an excursion<br />

to the Cistercian Abbey Stift Heiligenkreuz<br />

in the Southern Vienna Woods.<br />

After arrival, a Cistercian monk took the<br />

participants on a guided tour through the<br />

medieval abbey, followed by a modest “Jause”<br />

at the refectory.<br />

***<br />

Gregorian chant<br />

After a brief introduction to the Gregorian<br />

chant, participants joined the Vesper,<br />

a peaceful and other-worldly form of evening<br />

prayer, sung by the monks. Their<br />

chant have even made it to the top of the<br />

charts in the UK and the US through their<br />

world-famous CD “Chant – Music For Paradise”<br />

recorded at Heiligenkreuz.<br />

WA “Welcome to Austria” was founded<br />

in 1997 by Dr. Benita Ferrero-<br />

Waldner, who was then State Secretary<br />

for Foreign Affairs, with the<br />

overriding objective of introducing<br />

foreign diplomats and international<br />

civil servants assigned to Vienna and<br />

their spouses to the Austrian way of<br />

life. The aims of WA are to promote the awareness and understanding<br />

of Austria’s rich heritage of culture and history<br />

past and present. WA would welcome newly accredited diplomats<br />

and their spouses to join the club.<br />

***<br />

WA invites you to join:<br />

■ You will meet many interesting Austrians in a relaxed<br />

atmosphere and make new friends.<br />

■ You will be offered a wide choice of excellent programmes<br />

and learn a great deal about your host country.<br />

■ You will be invited to private homes and through WA<br />

events you will enjoy many things which you would not<br />

have access to outside our Association.<br />

***<br />

THE BOARD OF “WELCOME TO AUSTRIA”<br />

Dr. Benita Ferrero-Waldner – Founding President<br />

Foreign Minister Dr. Michael Spindelegger – President<br />

Gabrielle Schallenberg – First Vice President - History, Art<br />

Dr. Monika Türk – Second Vice President<br />

Mag. Stephan Hofstätter – Treasurer<br />

Mag. Gertrud Tauchhammer – Public Relations,<br />

“Schriftführerin”<br />

Dr. Elisabeth Wolff – Music<br />

Dr. Heide Almoslechner – German<br />

Anne Thun-Hohenstein – History, Art<br />

Dr. Stefanie Winkelbauer – Applied Arts, Cuisine<br />

Mag. Adelaida Calligaris – Liaison Officer<br />

***<br />

OFFICE HOURS<br />

Mo-Tue-Wed: 2 p.m.–5 p.m.<br />

Thurs-Fri: 9 p.m.–12 p.m.<br />

Gabriela Znidaric, Secretary<br />

Hofburg, Stallburg, Reitschulgasse 2, 1010 Vienna<br />

Phone: +43-(0)1-535 88 36, Fax: +43-(0)1-535 88 37<br />

E-mail: office@welcome-to-austria.org<br />

www.welcome-to-austria.org<br />

Vesper with Gregorian Chant<br />

Mary Magdalene washing the<br />

feet of Jesus Christ<br />

<strong>SOCIETY</strong> 3_10 | 47


DIPLOMATIE<br />

INTERNATIONAL<br />

NATIONALFEIERTAGE<br />

der Botschaften mit Amtssitz in Wien. Von Oktober bis Dezember<br />

1.<br />

1.<br />

1.<br />

3.<br />

3.<br />

12.<br />

23.<br />

25.<br />

27.<br />

28.<br />

28.<br />

29.<br />

OKTOBER<br />

China Jahrestag der Gründung der<br />

VR China (1949)<br />

Nigeria Unabhängigkeitstag (1960)<br />

Zypern Unabhängigkeitstag (1960)<br />

Deutschland Tag der Deutschen<br />

Einheit (1990)<br />

Südkorea Gründungstag der Nation<br />

(Mythologische Gründung Koreas<br />

durch Dangun)<br />

Spanien Gedenktag an die Entdeckung<br />

Amerikas (Día de la Hispanidad)<br />

Ungarn Nationalfeiertag (Gedenken<br />

an den Volksaufstand 1956; Ausrufung<br />

der Republik 1989)<br />

Kasachstan Tag der Republik (1990)<br />

Turkmenistan Unabhängigkeitstag<br />

(1991)<br />

Griechenland „Ochi-Tag“ (1940)<br />

Tschechische Republik Unabhängigkeitstag<br />

(1918)<br />

Türkei Tag der Republik (1923)<br />

1.<br />

3.<br />

11.<br />

11.<br />

18.<br />

18.<br />

22.<br />

25.<br />

28.<br />

29.<br />

NOVEMBER<br />

Algerien Jahrestag der algerischen<br />

Revolution (1954)<br />

Panama Unabhängigkeitstag (1903)<br />

Angola Unabhängigkeitstag (1975)<br />

Polen Unabhängigkeitstag (1918)<br />

Lettland Unabhängigkeitstag (1918)<br />

Oman Geburtstag S.M. Sultan Qabus<br />

ibn Said (Amtsantritt am 23. Juli<br />

1970)<br />

Libanon Unabhängigkeit (1943)<br />

Bosnien und Herzegowina Nationalfeiertag<br />

(Ausrufung der Volksrepublik<br />

1943)<br />

Albanien Nationalfeiertag (1912)<br />

Albanien Tag der Befreiung (Ende<br />

der italienisch-deutschen Besetzung<br />

1944)<br />

1.<br />

2.<br />

5.<br />

6.<br />

11.<br />

12.<br />

13.<br />

23.<br />

DEZEMBER<br />

Rumänien „Tag der großen Vereinigung“<br />

(1918)<br />

Vereinigte Arabische Emirate<br />

Nationalfeiertag (Staatsgründung<br />

1971)<br />

Thailand Geburtstag S.M. König<br />

Bhumibol Adulyadej (Regent seit 9.<br />

Juni 1946)<br />

Finnland Unabhängigkeitstag<br />

(1917)<br />

Burkina Faso Unabhängigkeitstag<br />

(1958)<br />

Kenia Unabhängigkeitstag (1963)<br />

Malta „Republic Day“ (1974)<br />

Japan Geburtstag S.M. Kaiser Akihito<br />

(Amtsantritt 7. Jänner 1989)<br />

KONFERENZEN DER VEREINTEN NATIONEN IN WIEN<br />

Oktober bis Dezember <strong>2010</strong><br />

OKTOBER<br />

4.-6.10. CTBTO: Working Group A, 38 th session<br />

4.-8.10. UNCITRAL: Working Group II (Arbitration and Conciliation), 53 rd session<br />

11.-15.10. UNCITRAL: Working Group I (Procurement), 19 th session<br />

18.-22.10. UNODC: Conference of the Parties to the UN Convention against Transnational Organized Crime,<br />

5 th session<br />

27.10.-12.11. INCB: International Narcotics Control Board, 99 th session*<br />

NOVEMBER<br />

1.-5.11. UNCITRAL: Working Group V (Insolvency Law), 39 th session<br />

8.-11.11. CTBTO: Preparatory Commission, 35 th session*<br />

8.-12.11. UNCITRAL: Working Group VI (Security Interests), 18 th session<br />

22.-26.11. UNIDO: Industrial Development Board, 38 th session<br />

29.11. UNODC: International Day of Solidarity with the Palestinian People<br />

29.11.-1.12. IAEA: Board of Governors: Technical Assistance and Cooperation Committee<br />

DEZEMBER<br />

2.12. UNODC: Commission on Narcotic Drugs, reconvened 53 rd session<br />

2.-3.12. IAEA: Board of Governors<br />

3.12. UNODC: Commission on Crime Prevention and Criminal Justice, reconvened 19 th session<br />

6.-10.12. UNCITRAL: Working Group IV (Electronic Commerce), 45 th session<br />

9.-10.12. ICPDR: International Commission for the Protection of the Danube River: 13the Ordinary Meeting*<br />

13.-15.12. UNODC: Conference of the States Parties to the UN Convention against Corruption<br />

16.-17.12. ECSWPR: Annual Meeting of the Board of Directors and General Assembly of the European<br />

Centre for Social Welfare Policy and Research, 36 th session<br />

16.-17.12. UNODC: Conference of the States Parties to the UN Convention against Corruption<br />

* unter Ausschluss der Öffentlichkeit, Quelle: http://www.unvienna.org/documents/calend284.pdf<br />

48 | <strong>SOCIETY</strong>3_10


Aufbruch in die Neue Welt<br />

America, the beautiful<br />

DIPLOMATIE<br />

BERICHT<br />

Stetige Ortswechsel sind ein typisches Merkmal diplomatischer Karrieren. Ein Höhepunkt<br />

im Leben eines jeden Diplomaten ist die Entsendung in die USA. Monika Türk berichtet<br />

für <strong>SOCIETY</strong> über ihre spannenden Jahre als Botschaftergattin in Washington, D.C.<br />

FOTOS: BEIGESTELLT<br />

Nach vier Jahren in Bonn kehrten wir<br />

im Juli 1982 nach Wien zurück. Mein<br />

Mann war von Bundesminister Dr.<br />

Willibald Pahr zum Leiter des Völkerrechtsbüros<br />

im Bundesministerium für<br />

Auswärtige Angelegenheiten ernannt worden,<br />

eine Funktion, die meiner Meinung<br />

nach zu den Wichtigsten in diesem Ressort<br />

gehört. Das Völkerrechtsbüro ist praktisch<br />

in alle bedeutenden Fragen des Außenministeriums<br />

einbezogen, womit allerdings<br />

auch eine sehr rege Reisetätigkeit verbunden<br />

ist – zu internationalen Konferenzen,<br />

zu Tagungen im Rahmen der Vereinten Nationen<br />

sowie regelmäßige Treffen mit Kollegen<br />

anderer Länder.<br />

***<br />

Sich in der Heimat neu einleben<br />

Für unsere Kinder und mich war die<br />

Übersiedlung nicht leicht – von einem<br />

Haus in eine relativ kleine Wohnung, Verlust<br />

der Freunde, was für Heranwachsende<br />

besonders traurig ist. Überdies wurden die<br />

deutschen Schulzeugnisse nicht anerkannt<br />

und unsere Kinder mussten in allen Fächern<br />

über die vier Jahre, die sie in<br />

Deutschland zur Schule gegangen waren,<br />

Prüfungen ablegen. Nach einem Jahr, als<br />

die Kinder in Wien und in ihren Schulen<br />

schon halbwegs etabliert waren, suchte<br />

ich einen Job und fand ihn. Ich arbeitete bei<br />

einem Rechtsanwalt als Konzipientin, meinem<br />

ursprünglichen Beruf. Wir waren sehr<br />

lange in Wien – bis zum Jänner 1993.<br />

***<br />

Amerika ruft!<br />

Dann kam Amerika – es war ein großartiges<br />

Erlebnis vom Anfang bis zum Ende.<br />

Ich erinnere mich noch sehr gut an den<br />

Flug dorthin, als mein Mann seinen Posten<br />

als österreichischer Botschafter in den USA<br />

antrat. Wir waren voller Freude und in Aufbruchsstimmung.<br />

Präsident William J.<br />

Clinton hatte gerade sein Amt als neuer<br />

amerikanischer Präsident angetreten.<br />

Mein Mann gehörte zur ersten Gruppe von<br />

Botschaftern, die ihm das Beglaubigungsschreiben<br />

überreichen durften. Unser<br />

Sohn Johannes war zu der Zeit gerade auf<br />

Ferien in Washington. Sowohl er als auch<br />

Ehepaar Türk zu Gast bei<br />

Hillary und Bill Clinton<br />

Die österreichische<br />

Residenz<br />

in Washington,<br />

D.C.<br />

ich konnten meinen Mann zur Überreichungszeremonie<br />

ins Weiße Haus begleiten,<br />

bei der auch Hillary Clinton anwesend<br />

war. Bei diesem Anlass entwickelte sich ein<br />

sehr lebendiges und freundschaftliches<br />

Gespräch und von dem Zeitpunkt an hatten<br />

wir immer wieder Kontakt mit den<br />

Clintons. Zuletzt waren wir anlässlich der<br />

Eröffnung der Aids-Konferenz in Wien im<br />

Juli dieses Jahres persönliche Gäste des<br />

ehemaligen US-Präsidenten.<br />

***<br />

Mit Events Flagge zeigen<br />

Die Residenz der österreichischen Botschaft<br />

in Washington befindet sich in sehr<br />

zentraler Lage, eine schöne Villa aus den<br />

Zwanzigerjahren mit einem hübschen Garten.<br />

Um für Österreich in der Hauptstadt<br />

der USA Flagge zu zeigen, bemühten wir<br />

uns, besondere Veranstaltungen zu organisieren.<br />

Wann immer möglich, gaben wir<br />

Hauskonzerte in der Residenz mit anschließendem<br />

Buffet. Wann immer österreichische<br />

Gäste kamen, trachteten wir danach,<br />

ein Programm zu gestalten, das sie mit<br />

möglichst ranghohen amerikanischen Gesprächspartnern<br />

zusammenbringen sollte.<br />

Zwei Mal luden wir zu einem „Wiener<br />

Opernball“ in Washington ein – davon<br />

wird noch heute, mehr als ein Jahrzehnt<br />

danach, gesprochen.<br />

***<br />

Besuch aller Bundesstaaten<br />

Als erster österreichischer Botschafter<br />

in den USA stattete mein Mann allen fünfzig<br />

Bundesstaaten einen offiziellen Besuch<br />

ab – ich begleitete ihn in 47 Staaten. Hierdurch<br />

entstand ein Netz von Kontakten<br />

über das ganze Land, das sich für die weitere<br />

Tätigkeit im Interesse Österreichs als<br />

sehr nützlich erwies. Ich selbst war in viele<br />

Wohltätigkeitsveranstaltungen aktiv involviert,<br />

bemühte mich aber stets um einen<br />

Österreichbezug, den ich vor allem in<br />

den SOS-Kinderdörfern USA fand. Wir hatten<br />

das große Glück, sehr lange in Washington<br />

bleiben zu können – mehr als<br />

sechs Jahre. Ab April 1999 waren wir in<br />

Wien zurück. Über meine einzelnen Erlebnisse<br />

in den USA werde ich in weiterer Folge<br />

erzählen.<br />

<strong>SOCIETY</strong> 3_10 | 49


DIPLOMATIE<br />

<strong>SOCIETY</strong> EIGENEVENT<br />

Die neuen Botschafter<br />

im Hotel Imperial<br />

Top-aktuell: Neue Botschafter in Österreich<br />

CD-Imperial<br />

Peter Horak<br />

und Elfi Borghi<br />

<strong>SOCIETY</strong> lud zum Empfang der neuen Botschafter in das<br />

Hotel Imperial. Im ehrwürdigen Ambiente des Hallensalons<br />

trafen sich zahlreiche Vertreter der Diplomatie, Wirtschaft,<br />

Kultur und der Medien.<br />

Dr. Rolf Thaler,<br />

Familie Glaser<br />

Dr. Ingrid und Georges<br />

Dimou<br />

Maria Varga, Ing.<br />

Werner Kasztler und<br />

Begleitung<br />

<strong>SOCIETY</strong>-Herausgeberin Gerti Tauchhammer<br />

und das Hotel Imperial mit<br />

Generaldirektor Oscar del Campo luden<br />

zum Willkommensempfang der neuen<br />

Botschafter in Österreich. Im ehrwürdigen<br />

Ambiente des Hallensalons des Hotels<br />

Imperial trafen sich die neuen Botschafter<br />

aus Albanien, Chile, Italien, Malaysia, Moldau,<br />

den Philippinen, der Schweiz und<br />

der Ukraine zu einem informellen und<br />

herzlichen Stelldichein.<br />

***<br />

Musikalische Begrüßung<br />

Die argentinisch-spanische Sopranistin<br />

María Bisso verzauberte mit einer kleinen<br />

musikalischen Einlage die über 150 Gäste<br />

des Empfanges aus der Diplomatie, Wirtschaft,<br />

Medien und Kultur. Sie sang das<br />

Couplet der Adele aus der „Fledermaus“<br />

und das berühmte „Santa Lucía“.<br />

Wien ist traditionell bei den Diplomaten<br />

ein sehr beliebter Posten. Manche, wie der<br />

Botschafter Malaysiens, S.E. Ikram Yaakob,<br />

haben das Glück, schon das zweite Mal nach<br />

Wien entsendet zu werden. Eine Begrüßung<br />

wie im Hotel Imperial macht den Wechsel in<br />

eine neue diplomatische Vertretung natürlich<br />

noch schöner.<br />

DIE NEUEN BOTSCHAFTER<br />

S.E. Dr. Urs Breiter (Schweiz)<br />

S.E. Andrii Bereznyi (Ukraine)<br />

S.E. Eugenio d’Auria (Italien)<br />

S.E. Frank Recker (Belgien)<br />

I.E. Lourdes Ortiz Yparraguirre (Philippinen)<br />

S.E. Valeriu Chiveri (Moldau)<br />

S.E. Muhammad Shahrul Ikram Yaakob (Malaysia)<br />

S.E. Alfredo A. Labbé (Chile)<br />

S.E. Vili Minarolli (Albanien)<br />

50 | <strong>SOCIETY</strong> 3_10


Gerti Tauchhammer,<br />

S.E. Alfredo Labbé, S.E.<br />

Ikram Yaakob, Gesandter<br />

Christopher Hoh,<br />

S.E. Alejandro Díaz<br />

S.E. Alejandro Díaz und Alexander<br />

Touzimsky testen den neuen Volvo<br />

XC60<br />

Ehepaar Juwelier<br />

Ellert, Reinhart<br />

Gausterer<br />

<strong>SOCIETY</strong>-Herausgeberin Gerti<br />

Tauchhammer und Imperial-Generaldirektor<br />

Oscar del Campo<br />

Maria Bisso<br />

Heide Almoslechner (Welcome<br />

To Austria), Mag. Patrizia Fusco<br />

(Botschaft Italien), Dr. Elisabeth<br />

Wolff (Welcome To Austria)<br />

S.E. Peter Lizák (Slowakei), S.E. Urs Breiter<br />

(Schweiz), Botschafterin Melitta Schubert<br />

(BMeiA)<br />

I.E. Eve-Külli Kala (Estland),<br />

S.E. Andrii Bereznyi (Ukraine)<br />

Ranko Vujacic (UNIDO)<br />

Dr. Alice Alsch-Harant,<br />

S.E. Eugenio d’Auria<br />

(Italien)<br />

AUSZUG AUS DER GÄSTELISTE<br />

Stv. Generaldirektorin Dr. Alice Alsch-Harant (Parlament) ·<br />

Botschaftsrat Anzelm Bárány (Botschaft von Ungarn) · S.E.<br />

Botschafter Alejandro Díaz (Mexiko) · Generaldirektor Prof.<br />

Reinhart Gausterer (Österr. Staatsdruckerei) · DI Adolf<br />

Christian Gutmann (Schöllerbank) · S.E. Botschafter Sabri<br />

Kiqmari (Kosovo) · S.E. Botschafter Jan Koukal (Tschechische<br />

Republik) · Dr. Gabriel Lansky (RA-Kanzlei) · Mag.<br />

Charlotte Lechnitzy (Bank Austria) · S.E. Botschafter Dr. Peter<br />

Lizák (Slowakei) · Lucian Meysels · Gesandte Geschäftsträgerin<br />

Mag. Veneta Momtcheva (Botschaft von Bulgarien)<br />

· Michael Reinhardt (Hilton) · Jochen Ressel (k47) · Mag.<br />

Ernst Rosi (RZB) · Botschafterin Mag. Melitta Schubert<br />

(BMeiA) · S.E. Botschafter Stefán Skjaldarson (Island) · Ranko<br />

Vujacic (UNIDO) · StS. A. D. Prim. Univ. Prof. Dr. Reinhart<br />

Waneck · Gabrielle Costigan (OMV) · HK Lydia Dyk (HK von<br />

Südafrika) · Anka Galle (Bank Austria) · Mag. Christian Gessl<br />

(AWO-EU-Erweiterung) · Dr. Rolf Thaler (CSC Austria) · Prof.<br />

Dr. Josef Höchtl (Österr. Gesell. F. Völkerverständigung) ·<br />

Alessandra Jansky, MBA (Flughafen Wien AG) · I.E. Botschafterin<br />

Eve-Külli Kala (Estland) • Craig Kakuda (US Botschaft)<br />

· Charlie Pacana Manangan (Botsch. d. Philippinen)<br />

<strong>SOCIETY</strong> 3_10 | 51


POLITIK<br />

KOMMENTAR<br />

Österreichische Staatsbürgerin Anna Netrebko spricht kein Deutsch<br />

Rehabilitationskur für die<br />

Integration<br />

Wenn es um die Integration von MigrantInnen geht, hinkt die österreichische Politik im internationalen<br />

Vergleich deutlich nach. Österreich als trauriges Beispiel im Umgang mit kultureller<br />

Vielfalt. Von SIMON INOU<br />

Fragen Sie MigrantInnen, was<br />

sie von der Effektivität des Integrationsprogramms<br />

in Österreich<br />

halten. Viele werden mit einer<br />

Gegenfrage antworten: Was<br />

ist Integration? Ich habe davon<br />

gehört, aber Österreich will uns<br />

dirigieren. Oder: Österreichische<br />

Institutionen, die sich um dieses<br />

Thema kümmern, beschränken<br />

sich auf die kulturelle Ebene, und<br />

außerdem beschäftigen diese Institutionen<br />

nur ÖsterreicherInnen<br />

in klassischen Entscheidungspositionen.<br />

Von den Migranten selbst hört<br />

man also nicht viel zum Thema<br />

Integration. Enttäuscht vom politischen<br />

Diskurs und von den Politikern<br />

selbst, frustriert, weil ihre<br />

Stimme nicht gehört und schon<br />

gar nicht verstanden wird, sehen<br />

viele MigrantInnen bis jetzt nicht, wo und<br />

wie angeblich existierende Integrationsprogramme<br />

in der Praxis realisiert werden.<br />

Für viele ist dieser Begriff missbraucht<br />

worden und bedarf einer Rehabilitationskur.<br />

***<br />

„Integration“ veraltet?<br />

Jahrelang hat man den Begriff nur auf<br />

einige Institutionen, die sich um Migrant-<br />

Innen kümmern sollen, beschränkt. Viele<br />

von uns sind sich einig: Integration gehört<br />

abgeschafft. Dieses Wort ist Synonym für<br />

Assimilation und Anpassung. Der politische<br />

Druck von rechtsextremistischen Parteien<br />

beeinflusst den sogenannten Integrationskurs<br />

radikal. Im „Nationalen<br />

Aktionsplan Integration“ heißt es, dass<br />

„der Erhalt der österreichischen Staatsbürgerschaft<br />

den Endpunkt eines umfassenden<br />

Integrationsprozesses darstellt.“<br />

Wirklich? Anna Netrebko spricht kein<br />

Deutsch und steht mit der Staatsbürgerschaft<br />

am Anfang des Integrationsprozesses.<br />

Was oft im Bereich Integration vergessen<br />

wird, ist die Frage: Wie aufnahmefähig<br />

und wie offen ist die Gesellschaft, in der<br />

wir leben? Rassismusbekämpfung ist das<br />

Fundament einer erfolgreichen Integration.<br />

Dieses Thema wird im Österreichischen<br />

Nationalen Aktionsplan Integration<br />

sehr oberflächlich thematisiert.<br />

Politische Parteien, Kirchen, NGOs und<br />

Kirchen sind Institutionen mit sehr breitem<br />

Spektrum. Sie sind auch wichtige Bestandteile<br />

des Integrationsprozesses. Vorwiegend<br />

politische Parteien können dazu<br />

beitragen, MigrantInnen als weniger bedrohlich<br />

zu sehen. „Burka hier - Kopftuch<br />

da“ sind nur die Spitze der verbreiteten<br />

Angst, um alle für dumm zu verkaufen.<br />

***<br />

Diversität als Chance<br />

MigrantInnen sollten Chancen bekommen,<br />

sich in allen Bereichen der Gesellschaft<br />

wohl zu fühlen. In vielen österreichischen<br />

Firmen ist dies nicht der Fall. Wie<br />

zum Beispiel in Firmen, wo MigrantInnen<br />

nicht einmal Betriebsräte werden können.<br />

Warum sehen wir kaum MigrantInnen am<br />

Schalter bei Banken oder bei<br />

der Post arbeiten? Wenn wir<br />

MigrantInnen nur im Keller, in<br />

der Küche oder im Lager arbeiten<br />

lassen, versäumt die österreichische<br />

Bevölkerung eine<br />

wichtige Chance: Den alltäglichen,<br />

normalen, unbelasteten<br />

Kontakt mit Menschen, die<br />

aufgrund ihres Aussehens sehr<br />

oft nur aus diesem Grund abgelehnt<br />

werden. Dass die österreichische<br />

Wirtschaft einen mutigen<br />

Schritt setzt, um mehr<br />

Diversität in der Gesellschaft<br />

zu fordern, lässt uns hoffen,<br />

dass die Politik irgendwann folgen<br />

wird.<br />

Österreich braucht nicht<br />

nur Gesetze und Institutionen,<br />

die Personen anderer Herkunft,<br />

Sprache, Hautfarbe oder<br />

Religion vor Diskriminierung bei Einstellung,<br />

Beförderung und Wohnungsvergabe<br />

schützen. Gesetze müssen auch vollzogen<br />

werden. Was im Bereich Antidiskriminierung<br />

noch nicht wirklich der Fall in Österreich<br />

ist. Ob wir es alle wollen oder nicht,<br />

MigrantInnen haben mit Österreich vielleicht<br />

nicht dieselbe Vergangenheit aber<br />

auf jeden Fall dieselbe Zukunft. Daran<br />

müssen wir gemeinsam arbeiten.<br />

ÜBER DEN AUTOR<br />

Simon Inou stammt aus Kamerun, studierte Soziologie<br />

und ist Journalist (Radio Afrika International), Mitbegründer<br />

von www.afrikanet.info und Projektleiter von M-Media.<br />

Er hat für seine journalistische Arbeit zahlreiche Auszeichnungen<br />

bekommen, u. a. vom Land Steiermark und<br />

der EU.<br />

M-Media ist der „Verein zur Förderung interkultureller<br />

Medienarbeit“ und gestaltet u. a. wöchentlich eine Seite<br />

in der Tageszeitung „Die Presse“.<br />

Kontakt: www.m-media.or.at<br />

52 | <strong>SOCIETY</strong> 3_10


POLITIK<br />

KOMMENTAR<br />

Gefährdung öffentlicher Sicherheit durch Minderjährige?<br />

Österreichs Angst vor<br />

„dem Fremden“<br />

Dr. Susanne Scholl berichtet über die Situation von Asylsuchenden in Österreich und stellt<br />

die Frage, ob unser Wohlstand durch Immigranten bedroht ist.<br />

ÜBER DIE AUTORIN<br />

Dr. Susanne Scholl ist am 19.9.1949 in Wien geboren. Sie<br />

studierte Slawistik, war ab den 1970er Jahren bei „Le Monde“,<br />

Radio Österreich International und in der Austria<br />

Presseagentur (APA) tätig. Ab 1985 arbeitete sie für den<br />

ORF: Als Redakteurin der Osteuroparedaktion, Korrespondentin<br />

in Bonn und Leiterin des ORF-Europajournals, und<br />

ab 2000 als Leiterin des ORF-Büros in Moskau. Zahlreiche<br />

Publikation (u. a. „Russisches Tagebuch“ u. „Töchter des<br />

Krieges“) sowie Auszeichnungen (u. a. Österr. Ehrenkreuz<br />

f. Wissenschaft und Kunst 2003, Journalist des Jahres<br />

2009).<br />

Wir leben in einem schönen, reichen,<br />

satten, sicheren Land. Viele Menschen<br />

auf der ganzen Welt haben<br />

dieses Privileg nicht. Und einige – wenige –<br />

die an Leib und Leben bedroht sind, finden<br />

– manchmal – und unter unvorstellbaren<br />

Bedingungen – ihren Weg hierher zu uns.<br />

Früher war es selbstverständlich, solche<br />

Menschen hier aufzunehmen. Ich spreche<br />

von der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg,<br />

wohlgemerkt, nur um Missverständnisse<br />

zu vermeiden.<br />

Aber seit der Osten Europas jene Regime<br />

abgelegt hat, gegen die wir, hier im reichen<br />

und dem Westen zugerechneten neutralen<br />

Österreich, zu kämpfen vorgaben, ist alles<br />

anders. Plötzlich erscheinen uns Menschen,<br />

die aus fernen Ländern auf der Suche nach<br />

Hilfe hier her zu uns kommen verdächtig.<br />

Plötzlich haben wir sie pauschal - und ohne<br />

uns für die einzelnen Geschichten zu interessieren<br />

– zu potentiellen Sozialschmarotzern,<br />

Parasiten, Kleinkriminellen und in jedem<br />

Fall zu wahrscheinlichen Lügnern<br />

gestempelt. Wir interessieren uns nicht<br />

mehr für das, was jenseits unserer Grenzen<br />

passiert, wir wollen nur nicht, dass uns<br />

Menschen in Not womöglich etwas von unserem<br />

Wohlstand wegnehmen könnten.<br />

So kann man die heutige Situation von<br />

Asylsuchenden in Österreich beschreiben –<br />

und doch ist das nur die halbe Wahrheit. Ja<br />

– die Gesetze werden nicht nur immer unmenschlicher,<br />

unerbittlicher und undurchschaubarer.<br />

Ihre Durchführung wird ebenso<br />

immer unklarer. Da bekommen zwei<br />

Monate alte Babys Abschiebebescheide, in<br />

denen steht, sie gefährdeten mit ihrer Anwesenheit<br />

in Österreich die öffentliche Sicherheit.<br />

Da werden Menschen während ihrer<br />

medizinischen Behandlung direkt aus<br />

einer Spitalsambulanz in Schubhaft genommen<br />

und außer Landes gebracht. Da<br />

schreibt man über einen Asylwerber, er sei<br />

unbescholten, aber – man habe ihn ein<br />

Mal beim Schwarzfahren erwischt! Da dürfen<br />

die Menschen nicht arbeiten und werden<br />

dann beschuldigt, dem Staat auf der Tasche<br />

zu liegen. Da verlangt man Deutschkenntnisse<br />

und begründet Abschiebebescheide<br />

damit, die Betreffenden hätten sich<br />

„rechtswidrig integriert“ – weil sie ja hätten<br />

wissen müssen, dass sie sich nicht in Österreich<br />

aufhalten dürften. All das ist niederträchtig<br />

und treibt mir als Österreicherin<br />

die Schamesröte ins Gesicht.<br />

***<br />

Wir können auch anders<br />

Und dann ist da das andere Österreich.<br />

Jenes Österreich, das um fünf Uhr Früh vor<br />

der Wohnung einer Familie mit zwei kleinen<br />

Kindern steht, die abgeschoben werden<br />

soll – und das solcher Art verhindert.<br />

Das Österreich der Ute Bock und anderer,<br />

die ihr Leben dem Schutz Schutzbedürftiger<br />

widmen und nicht zulassen, dass die<br />

Verrohung allmächtig wird.<br />

Und es sind wesentlich mehr Menschen,<br />

die die derzeitige Praxis in Österreich<br />

ablehnen, als man glaubt.<br />

All jene, die wissen, dass das österreichische<br />

Gesundheits- und Pflegewesen zusammenbräche,<br />

würden nicht Menschen<br />

aus aller Herren Länder in genau diesem<br />

Bereich arbeiten – um nur ein Beispiel zu<br />

nennen. All jene auch, deren Betriebe zusperren<br />

müssten, würden all jene ausgewiesen,<br />

die jetzt dort arbeiten – und nicht<br />

seit Generationen Österreicher sind.<br />

Österreich ist ein reiches, sattes, zufriedenes<br />

und sicheres Land – und wer genau<br />

hinschaut, erkennt, dass der Erfolg dieses<br />

Landes auch auf der Tatsache beruht, dass<br />

die große Mehrheit der Bevölkerung so genannten<br />

Migrationshintergrund hat.<br />

Meine Vorfahren kamen aus Böhmen,<br />

Mähren und Galizien nach Österreich. Andere<br />

haben ihre Wurzeln in Ungarn, der<br />

Slowakei, Bulgarien, Italien, Deutschland,<br />

Frankreich, Slowenien, Kroatien etc. Die<br />

österreichische Küche gibt es nur, weil wir<br />

es verstanden haben, uns sämtliche Köstlichkeiten<br />

unserer näheren und ferneren<br />

Nachbarn anzueignen und sie zu unseren<br />

Spezialitäten zu machen. Vom Gulasch bis<br />

zum Wiener Schnitzel, vom Apfelstrudel<br />

bis zu den Palatschinken – stammen alle<br />

Gerichte, deretwegen Österreich heute in<br />

der ganzen Welt berühmt ist, nicht aus<br />

Österreich. Den Vorwurf, hier Multikulti-<br />

Romantik heraufzubeschwören kann man<br />

angesichts dieser Tatsachen wohl getrost<br />

ins Reich des Lächerlichen verweisen.<br />

Österreich lebt dank vielfältigster Einflüsse<br />

und Traditionen – und braucht eben gerade<br />

auch die Menschen, die wir zurzeit als<br />

angebliche Bedrohung unserer Sicherheit<br />

und unseres Wohlstandes so niederträchtig<br />

behandeln.<br />

<strong>SOCIETY</strong> 3_10 | 53


LIFE UND STYLE<br />

REISE<br />

Megayacht „Le Boréal“<br />

Ponant Yachtkreuzfahrten<br />

Savoir-vivre auf hoher See<br />

Auf der neuen Megayacht „Le Boréal“ und dem Großsegler „Le Ponant“ bietet die Reederei<br />

Ponant Yachtkreuzfahrten höchsten Komfort, exzellenten Service und feinste französische Küche.<br />

KREUZFAHRTEN/TERMINE<br />

MALEDIVEN/MALE-MALE<br />

8 Tage<br />

04. - 11. Januar 2011<br />

11. - 18. Januar 2011<br />

24. Februar - 03. März 2011<br />

03. - 10. März 2011<br />

ab 2.650 Euro<br />

ANTARKTIS/ USHUAIA<br />

11 Tage<br />

19. - 29. Januar 2011<br />

29. Januar - 08. Februar 2011<br />

08. - 18. Februar 2011<br />

ab 3.690 Euro<br />

KONTAKT<br />

Sabine Rajkovic<br />

SEEREISEN CENTER<br />

Tel. +43 1 713 04 00 • Fax: +43 1 715 45 10<br />

A-1030 Wien, Landstraßer Hauptstraße 71/2/313<br />

E-mail: office@seereisen-center.at<br />

Ein Unternehmen von Caravelle Seereisen & Touristik<br />

Ges.m.b.H., HG Wien, FN87405m, ATU 15460203<br />

Besuchen Sie unsere Homepage<br />

www.seereisen-center.at<br />

Der Kreuzfahrtmarkt boomt, in den vergangenen<br />

Jahren wurden immer größere<br />

Schiffe für immer mehr Passagiere<br />

in Dienst gestellt. Mit dem Resultat,<br />

dass man sich auf manch großem Luxusdampfer<br />

bereits wie an überfüllten Stränden<br />

fühlt. Die entgegengesetzte Richtung<br />

hat die französische Reederei Ponant Yachtkreuzfahrten<br />

eingeschlagen.<br />

Auf drei Yachten mit persönlicher<br />

Atmosphäre kann sich die Besatzung aufmerksam<br />

um jeden Gästewunsch kümmern:<br />

Dem Dreimaster „Le Ponant“ für 64<br />

Gäste sowie den Motoryachten „Le Levant“<br />

mit 90 Plätzen und „Le Diamant“ für 226<br />

Passagiere.<br />

Savoir-vivre ist das Leitmotiv an Bord<br />

der Schiffe, die eine mehrsprachige, europäische<br />

Atmosphäre mit französischem<br />

Touch bieten. Neben großzügig ausgestatteten<br />

Kabinen und Suiten erwartet die Reisenden<br />

ein persönlicher Premium-Lifestyle-<br />

Service, der sämtliche Wünsche schnell<br />

und diskret erfüllt. An Bord wird hervorragende<br />

französische Küche serviert.<br />

Das größte Plus aber sind die ausgefallenen<br />

Kreuzfahrten abseits der viel befahrenen<br />

Routen: Aufgrund der geringeren<br />

Schiffsgrößen können exklusive Strecken<br />

und Reiseziele angefahren werden, die von<br />

Kreuzfahrtriesen aufgrund ihrer Größe<br />

ausgelassen werden müssen. Dies führt zu<br />

einmaligen Ausflugserlebnissen.<br />

Die „Le Boreál“ wurde vom europäischen<br />

Kreuzfahrtverband EUCRAS übrigens<br />

als bester Neubau <strong>2010</strong> ausgezeichnet.<br />

Großsegler „Le<br />

Ponant“<br />

54 | <strong>SOCIETY</strong> 3_10


wird interaktiv!<br />

Society jetzt mit i-magazine<br />

multimedial animiert erlebbar auf<br />

www.society.at<br />

Society ab Juli <strong>2010</strong> mit<br />

i-magazine auch auf dem iPad!<br />

[ ] i magazineag<br />

i-magazine AG<br />

Moosackerstraße 8<br />

9444 Diepoldsau, SG, Schweiz<br />

www.i-magazine.de


DIPLOMATIE<br />

EVENTS<br />

HIGHLIGHTS VERANSTALTUNGEN<br />

DER DIPLOMATIE Juli bis September <strong>2010</strong><br />

BELARUS: NATIONAL-<br />

FEIERTAG<br />

S.E. Alyaksandr Sychov und<br />

Frau Natalia Sychova luden<br />

zum Nationalfeiertagsempfang<br />

in das Radisson Blu Palais<br />

Hotel am Parkring in<br />

Wien. Erschienen sind zahlreiche<br />

Persönlichkeiten aus<br />

Diplomatie und Wirtschaft.<br />

I.E. Dragana Radulovic, Bozidar Obradovic<br />

(Minister-Counselor), Lt.Col. Radosav<br />

Martinovic (Senior Military Adviser)<br />

S.E. Alyaksandr Sychov und<br />

seine Frau Natalia Sychova<br />

Kairat Abdrakhmanov (OSZE Kasachstan),<br />

S.E. Sergej Netschaew<br />

(Russ. Föderation)<br />

Botschafterin Miroslava Beham (UN Serbien),<br />

S.E. Milovan Bozinovic (Serbien)<br />

Jurij Sokolov (IAEA), S.E. Yerzhan Kazykhanov<br />

(Kasachstan)<br />

Lars-Erik Lundin (Delegation EU<br />

Kommission), S.E. Nuriddin Shamsov<br />

(Tadschikistan), Renatas Norkus<br />

(Litauen)<br />

MONTENEGRO: NATIONALFEIERTAG<br />

Anlässlich des Nationalfeiertages der Republik Montenegro lud<br />

die in Wien residierende Botschafterin I.E. Dragana Radulovic zu<br />

einem Cocktail in der Diplomatischen Akademie Wien. Es erschienen<br />

zahlreiche Gäste aus Botschaftskreisen sowie privat geladene<br />

Gäste. Gute Stimmung, nette Gespräche und interessante<br />

Leute trugen zu einer gelungenen Feier bei.<br />

Hon. Kons. DI Wolfgang<br />

Meixner mit Carmen<br />

Isodoro, Botschaft<br />

von Angola<br />

Maria Lahr und<br />

HK Meixner<br />

ÖFB-Teamchef Dietmar Constantini mit einer<br />

Vorarlberger Kooperationsgruppe (Entwicklungszusammenarbeit),<br />

mit Florian<br />

Wegenstein und seiner Kap Verdischen Gattin,<br />

sowie Frau Mag.Liz Zimmermann (Präsidentin<br />

"Delta Cultura", zweite von links).<br />

KAP VERDE: 35 JAHRE KAP VERDE<br />

Honorarkonsul Dipl.-Ing. Wolfgang Meixner lud anlässlich des Kap Verdischen<br />

Nationalfeiertags und des halbrunden Jubiläums „35 Jahre Kap Verde“<br />

dieses Jahr gleich zweimal ein: Einmal zum traditionellen<br />

Gartenempfang in Wien mit viel Prominenz und wenige Tage später in<br />

sein Haus in Reith bei Kitzbühel, wo insgesamt siebzehn Konsuln, zahlreiche<br />

Gäste und Freunde von Kap Verde an der Veranstaltung teilnahmen.<br />

Gen Dir Markus Liebl (GD österr Brauunion),<br />

Minister a. D. Dr.Werner Fasslabend,<br />

Adi Hirschal<br />

56 | <strong>SOCIETY</strong> 3_10<br />

HK Grassmayr (Südafrika), HK Buchroithner<br />

(Großbritannien), HK Traweger<br />

(Philippinen), HK Dipl.-Ing. Wolfgang<br />

Meixner (Kap Verde), Konsul Rauchbauer


ÄGYPTEN:<br />

NATIONALFEIERTAG<br />

Zur Feier des ägyptischen Nationalfeiertags<br />

lud Botschafter S.E. Ehab Mohamed Mostafa<br />

Fawzy in die Residenz auf der Hohen Warte<br />

in Wien Döbling. Dank schönem Wetter<br />

konnte sowohl drinnen wie draussen gefeiert<br />

werden. Es erschienen zahlreiche gutgelaunte<br />

Gäste aus den Bereichen Wirtschaft<br />

und Diplomatie.<br />

Die Receiving Line<br />

S.E. Aviv Shir-On (Israel), S.E.<br />

Hans-Henning Blomeyer-Bartenstein<br />

(Deutschland)<br />

Mikhail Wehbe, S.E. Ahmed Al-<br />

Alwani (Jemen), S.E. Ishaya El<br />

Khoury (Libanon)<br />

S.E. Panajotis Zografos<br />

(Griechenland), Gesandter<br />

Christopher Hoh (USA)<br />

CHINA: VERABSCHIEDUNG<br />

Zur Verabschiedung<br />

von Botschafter WU<br />

Ken und anlässlich<br />

des 83. Jahrestages<br />

der Gründung der<br />

Volksbefreiungsarmee<br />

Chinas lud dieser<br />

gemeinsam mit<br />

seiner Frau GUO Jinqiu<br />

und dem Militärund<br />

Luftattaché<br />

Großoberst GU Gang<br />

zum Empfang im Hotel<br />

Savoyen Vienna.<br />

Botschafter Ken Wu<br />

bei seiner Ansprache<br />

Die Receiving Line<br />

Botschafter Ali A. Soltanieh (Iran,<br />

UNO), S.E. Dinkar Khullar<br />

INDIEN:<br />

NATIONALFEIERTAG<br />

Der Unabhängigkeitstag Indiens vom Vereinigten<br />

Königreich wurde auch heuer wieder<br />

im India House in Wien 18 begangen.<br />

S.E. Dinkar Khullar und seine Gemahlin<br />

Frau Mala Khullar begrüßten zahlreiche Gäste<br />

aus Diplomatie, Wirtschaft und Gesellschaft.<br />

Trotz trüben Himmels war es ein gelungener<br />

Empfang und der 63. Jahrestag<br />

wurde gebührend gefeiert!<br />

Dr. Gu Andreas Gang, Guo Hopf Jinqiu,<br />

(Central S.E. Wu Danube) Ken<br />

Botschafter mit<br />

Gattin<br />

<strong>SOCIETY</strong> 3_10 | 57


DIPLOMATIE<br />

EVENTS<br />

HIGHLIGHTS VERANSTALTUNGEN<br />

DER DIPLOMATIE Juli bis September <strong>2010</strong><br />

Crème glacée francaise<br />

FRANKREICH:<br />

NATIONALFEIERTAG<br />

Anlässlich der Feier des französischen Nationalfeiertages<br />

lud der französische Botschafter<br />

S.E. Herr Philippe Carré in das Palais der Botschaft<br />

in Wien.<br />

S.E. Philippe Carré und Gattin<br />

Marie-Valentine<br />

S.E. Eugenio Maria Curia (Argentinien),<br />

S.E. Simon Smith (GB)<br />

Danielle Spera (Dir. Jüdisches<br />

Museum), Markus Beyrer<br />

(Gen.Sekr. IV)<br />

Dr. Josef Cap, Otmar<br />

Lahodynsky<br />

S.E. Wesaka Puja<br />

(Indonesien), S.E. Dinkar<br />

Khullar (Indien)<br />

SLOWAKEI:<br />

NATIONALFEIERTAG<br />

Botschafter Peter Lizák und der Ständige Vertreter bei den Internationalen<br />

Organisationen in Wien Marcel Pesko luden zum Nationalfeiertagsempfang<br />

in die Residenz des Botschafters in Wien<br />

Hietzing. Zur Musik der 30-Jahre der slowakischen Band „Funny Fellows“<br />

unter der Leitung von Roman Feder swingten die Gäste heiter<br />

durch den Abend. Traditionell wurde original slowakisches Bier<br />

vom Fass ausgeschenkt.<br />

Die Receiving Line, ganz rechts S.E. I Gusti Agung Wesaka Puja<br />

INDONESIEN: NATIONALFEIERTAG<br />

Indonesien feiert heuer 65 Jahre Unabhängigkeit. Botschafter I Gusti<br />

Agung Wesaka Puja und seine Gattin luden aus diesem Anlass<br />

in Wien zum traditionell bunten Empfang in die Residenz. Bei Musik<br />

und indonesischen kulinarischen Köstlichkeiten verbrachten<br />

die zahlreichen Gäste einen vergnügten Abend.<br />

Die Receiving Line<br />

58 | <strong>SOCIETY</strong> 3_10


S.E. Diego Stacey Moreno (Ecuador), I.E. Norma Goicochea<br />

Estenoz (Kuba), S.E. Ali de Jesus Duque (Venezuela)<br />

Die „Mariachis Negros“ in Aktion<br />

MEXIKO: 200 JAHRE UNABHÄNGIGKEIT<br />

Mit einem fulminanten Empfang im Wiener Rathaus<br />

feierte die mexikanische Botschaft in Wien das 200. Jubiläum<br />

der mexikanischen Unabhängigkeit. Stadträtin Sandra<br />

Frauenberger begrüßte im Namen der Stadt Wien das<br />

zahlreiche Publikum - mehrere hundert Gäste. Botschafter<br />

Alejandro Díaz unterstrich in seiner Rede die guten Beziehungen<br />

zwischen Österreich und Mexiko. Auf der Bühne<br />

machte die Originalband „Los Mariachis Negros“ mexikanische<br />

Stimmung. Auch ein echtes mexikanisches<br />

Büffet dufte natürlich nicht fehlen.<br />

Stadträtin Sandra Frauenberger,<br />

S.E. Alejandro Díaz<br />

Irina Bokova und<br />

Suleiman Al-Herbish<br />

OFID: EMPFANG ANLÄSSLICH „AIDS <strong>2010</strong>“<br />

Wien war im Sommer Gastgeber der „AIDS <strong>2010</strong>“, der 18. Internationalen<br />

AIDS-Konferenz, zu deren Anlass Generaldirektor Suleiman<br />

J. Al-Herbish einen Cocktail-Empfang im Atrium der OFID<br />

(Opec Fund for Int. Development) gab. Unter den Gästen waren Michel<br />

Sidibé (Direktor UNAIDS), Irina Bokova (Generaldirektorin UN-<br />

ESCO) und Dr. Seth Berkley (Präsident IAVI). Al-Herbish unterstrich<br />

in seiner Begrüßung die Wichtigkeit<br />

gemeinsamer internationaler<br />

Anstrengungen gegen die Krankheit.<br />

OFID habe seit 2001 weltweit<br />

mehr als 48 Millionen US-Dollar für<br />

die Bekämpfung von AIDS zur Verfügung<br />

gestellt. Außerdem wirkt<br />

Dr. Seth Berkley<br />

und Michel Sidibé<br />

OFID aktiv an der Erreichung der<br />

sog. Millenium Development Goals<br />

der UNO mit.<br />

DEUTSCHLAND: 20 JAHRE DEUTSCHE EINHEIT<br />

Zum 20. Jahrestag der<br />

Deutschen Einheit<br />

lud Botschafter S.E.<br />

Hans Henning Blomeyer-Bartenstein<br />

zum Empfang in die<br />

Botschaft. Ehrengast<br />

war der deutsche<br />

Bundespräsident a. D.<br />

Professor Dr. Roman<br />

S.E. Blomeyer-Bartenstein<br />

Herzog.<br />

und Dr. Roman Herzog<br />

Feierlicher Tortenanschnitt<br />

mit Minister<br />

Reinhold Mitterlehner<br />

<strong>SOCIETY</strong> 3_10 | 59


WIRTSCHAFT<br />

SICHERHEIT<br />

Austrian State Printing House<br />

Documents – Identity – Security<br />

– Technology<br />

Identity management has become an increasingly essential part of governmental business. In<br />

this business OeSD (the Austrian State Printing House) is a preferred partner for the Austrian<br />

and international governments for Identity Documents and High Security Printing Products.<br />

The world of “identity management”<br />

has changed significantly in the last<br />

decade. Handwritten documents have<br />

been replaced by electronic passports and<br />

electronic ID-cards, the picture of the document<br />

holder is now stored on a chip and/or<br />

in a database and is complemented by digitized<br />

fingerprints. The issuance of a document,<br />

the “personalization”, is done<br />

more and more with highly sophisticated<br />

equipment, laser beams and security foils<br />

– not any more by hand. Travel information<br />

is stored electronically in databases<br />

and border controls include biometric selfservice<br />

gates and body scanners.<br />

States and international organizations<br />

like the International Civil Aviation Organization<br />

(ICAO) have responded with these<br />

measures to old and new types of threats<br />

(illegal immigration, cybercrime, identity<br />

theft, organized crime, terrorism, etc.) and<br />

to the ever-growing volume of global trade<br />

and travel.<br />

The increasing complexity and the<br />

speed of change of those topics increase<br />

the risk of investing time and money in<br />

the wrong place. And in the field of national<br />

security, making a wrong decision is<br />

usually not an option.<br />

***<br />

Uniting tradition with technology –<br />

for your security<br />

The Austrian State Printing House<br />

(OeSD) has answers to the threats and challenges<br />

– and a track record to prove it.<br />

OeSD has more than 200 years of experience<br />

in the field of identity management and<br />

security printing – starting in 1804 with security<br />

printing products for the Austrian<br />

60 | <strong>SOCIETY</strong> 3_10


Emperor and now being the producer and<br />

personalizer of all relevant security documents<br />

for the Republic of Austria and many<br />

more for other, international countries.<br />

Tradition and technology – combined.<br />

***<br />

More than just a document<br />

A modern identity document is a marvel<br />

of technology. The combination of security<br />

paper or high-tech polycarbonate with micro-printing,<br />

UV-colours, holograms, colours<br />

that change their impression when tilted,<br />

intaglio printing and much, much more is<br />

a technological challenge. Adding a modern<br />

high-tech microchip to store and secure<br />

the personal data even more, makes this<br />

product the masterpiece of every security<br />

printer. Combining the technology with an<br />

artists work, showing the national symbols<br />

of the documents country of origin, let the<br />

spirit of the country and the people flow in<br />

and shine through every page – this makes<br />

a document the pride of the holder.<br />

***<br />

Production and Personalization<br />

Producing a secure document is a process<br />

with many steps. At OeSD the knowledge<br />

and experience of senior printers,<br />

the ambition of artists and designers and<br />

the technological enthusiasm of IT-specialists<br />

and cryptographers is melted into<br />

some of the best and advanced ID-documents<br />

in the world.<br />

But making the document is only a<br />

part of the necessary steps to a secure<br />

identity. The personalization, the printing<br />

and storing of the holders personal data,<br />

the picture and, in some documents, the<br />

fingerprint, is a sophisticated and technically<br />

demanding process. Industrial ink-jet<br />

printers or laser-beams are used for the optical<br />

personalisation. Wireless communication<br />

devices transfer the data encrypted to<br />

the security chip. Internationally tested<br />

and proven crypto graphical security mechanism<br />

ensure that only authorized access<br />

to the personal data is possible.<br />

***<br />

Security Printing – Secure Printing<br />

Being able to print and personalize a secure<br />

document would be worthless<br />

without a secure environment, where the<br />

document is born in a protected and controlled<br />

way. At OeSD the people and the<br />

building fulfil the highest expectations.<br />

Employees at OeSD are not only highly motivated,<br />

they have to have a security clearance<br />

at the highest level. OeSD's own security<br />

service ensures that the people and the<br />

products at OeSD are safe. And the building<br />

itself is equipped with security equipment<br />

that is also used in Swiss banks.<br />

***<br />

The future of identity<br />

A secure and reliable identity is the cornerstone<br />

of our world. Many steps are necessary<br />

to ensure that people can safely use<br />

their citizens’ rights and that no other person<br />

is able to impersonate them.<br />

OeSD, with its designers, artists, printers,<br />

IT-experts, consultants and management<br />

is proud to be a part of the combined<br />

efforts to ensure secure identities. Now<br />

and in the future.<br />

***<br />

OeSD Products<br />

OeSD produces all kinds of security products<br />

like:<br />

• passports and electronic passports<br />

• visas and travel documents<br />

• stamps, gift vouchers, tax stamps<br />

Additionally, we offer a wide range of security<br />

and personalization services and consulting.<br />

OESD THE FACTS<br />

In 1804, Emperor Francis I decreed the foundation of the<br />

"k. k. Hof- und Staatsdruckerey".<br />

2002: OeSD starts the personalization of the Austrian IDcard<br />

with laser personalization<br />

2006: Introduction of the Austrian ePassport, produced<br />

and personalized at the OeSD high security facility<br />

2009: Introduction of Austrian ePassport with fingerprint,<br />

produced and personalized at the OeSD high security<br />

facility<br />

<strong>2010</strong>: OeSD produces more than one million passports<br />

(Austrian and international)<br />

As an Identity Integrator and as a certified “High Security<br />

Printer”, the OeSD today supplies security products to<br />

customers on five continents.<br />

ÖSTERREICHISCHE STAATSDRUCKEREI<br />

Tenschertstrasse 7<br />

1239 Vienna, Austria<br />

www.staatsdruckerei.at<br />

Tradition and technology: Austrian ePassports incorporate<br />

the country’s most famous sights as<br />

security feature only visible under UV light<br />

YOUR PERSONAL INVITATION<br />

Are you a member of the diplomatic community and<br />

interested in taking a view behind the scenes of OeSD<br />

and in its high security products?<br />

Please contact Mr. Alexander Ristic for a personal<br />

appointment:<br />

Tel.: +43-(01)-206 66 - 206<br />

e-mail: ristic@staatsdruckerei.at<br />

Tel.: +43-(01)-206 66 - 0<br />

e-mail: sales@staatsdruckerei.at<br />

<strong>SOCIETY</strong> 3_10 | 61


WIRTSCHAFT<br />

ENTWICKLUNGSHILFE<br />

Mikrokredite für die solidarische Entwicklung<br />

Rendite mit gutem Gewissen<br />

Soziales Engagement, Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit: Für diese Ideale steht Oikocredit.<br />

Peter Püspök, ehemaliger Generaldirektor der Raiffeisen Landesbank NÖ/Wien, findet nach<br />

seiner 37-jährigen Karriere als Banker Erfüllung in der Unterstützung sozialer Projekte.<br />

Peter Püspök und Friedensnobelpreisträger<br />

Muhammad Yunus<br />

Oikocredit ist eine private Non-Profit-Organisation<br />

mit Hauptsitz in den<br />

Niederlanden, die Kapital für Mikrokredite<br />

und Projektfinanzierungen aufbringt.<br />

Damit werden weltweit Menschen<br />

unterstützt, die mit besonders schweren<br />

Umständen zu kämpfen haben. Seit 2008<br />

ist Peter Püspök Vorstandsvorsitzender der<br />

österreichischen Niederlassung Oikocredit<br />

Austria, die die international tätige Oikocredit<br />

in ihrer Arbeit unterstützt.<br />

***<br />

„In Menschen investieren“<br />

„Wir schenken nicht Geld, sondern Vertrauen“,<br />

erklärt Peter Püspök den Sinn der<br />

Entwicklungsgenossenschaft Oikocredit. Vielen<br />

Menschen ist es verwehrt, eine eigene<br />

wirtschaftliche Tätigkeit aufzubauen, da ihnen<br />

die finanziellen Mittel fehlen, denn<br />

kommerzielle Banken vergeben keine Kredite<br />

ohne Sicherheiten. Die von Oikocredit<br />

teilfinanzierten Organisationen aber behandeln<br />

die Menschen als kreditwürdige Partner<br />

„auf gleicher Augenhöhe“.<br />

Die Idee, mit Mikrokrediten Armut zu bekämpfen,<br />

basiert auf den Grundsätzen des<br />

Friedensnobelpreisträgers Muhammad Yunus.<br />

Er stellte fest, dass arme Menschen das<br />

wenige Geld, das ihnen zur Verfügung gestellt<br />

wird, produktiv einsetzen. Die Menschen<br />

können dabei beispielsweise mit dem<br />

Kauf einer Kuh Milch produzieren und diese<br />

verkaufen. Eine Nähmaschine verhilft zu einer<br />

kleinen Schneiderei. Selbstverantwortung<br />

und -bestimmung sind dabei zentral.<br />

Deshalb ist nicht nur die Bereitstellung des<br />

Startkapitals, sondern die Schulung und Beratung<br />

der Menschen vor Ort von zentraler<br />

Bedeutung. „Kommerzielle Anbieter können<br />

das nicht leisten. Außerdem vergeben wir<br />

Kredite nur dann, wenn soziale und ökologische<br />

Kriterien eingehalten werden“, erklärt<br />

Püspök. So steht bei Oikocredit die „Hilfe zur<br />

Selbsthilfe“ im Mittelpunkt.<br />

***<br />

Idee findet Zuspruch in Österreich<br />

Derzeit investieren rund 34.000 Privatanleger<br />

und Institutionen in die Zukunft<br />

von Menschen, die in Armut leben. Sie erwerben<br />

Genossenschaftsanteile ab einer<br />

Mindesteinlage von 200 Euro. In Österreich<br />

besitzen bereits mehr als 2000 Mitglieder<br />

Genossenschaftsanteile von über 20 Millionen<br />

Euro. „Wir bieten eine Rendite an, die<br />

sich aus zwei Prozent Zinsen, einer Reduktion<br />

von Armut weltweit und einem guten<br />

Gewissen zusammensetzt“, betont Püspök.<br />

So bezeichnet er die von Oikocredit unterstützten<br />

Mikrokredite als Realwirtschaft,<br />

die ein Beispiel für eine solidarische Ökonomie<br />

darstellen und nicht der rücksichtslosen<br />

Renditeoptimierung dienen.<br />

Deshalb ist der ehemalige Generaldirektor<br />

der Raiffeisen Landesbank NÖ/Wien<br />

von der Idee der Mikrokredite des Friedensnobelpreisträges<br />

seit vielen Jahren fasziniert,<br />

„weil sie der Logik des ‚normalen’<br />

Banking widerspricht und doch bestens<br />

funktioniert.“ Er arbeitet mit Begeisterung<br />

für die Organisation, weil bei Oikocredit<br />

„idealistischer Einsatz für die Ärmsten dieser<br />

unserer Welt mit hoher Professionalität<br />

und Sicherheit für die Anleger gepaart ist.“<br />

INFO<br />

www.oikocredit.at<br />

ZUR PERSON<br />

Peter Püspök maturierte 1965 am Schottengymnasium in<br />

Wien, studierte an der Wiener Hochschule für Welthandel<br />

und startete 1971 seine berufliche Laufbahn im Bankensektor<br />

in der Chase Manhattan Bank (Frankfurt, Wien, New<br />

York, Düsseldorf). Sieben Jahre später kehrte er nach<br />

Österreich zurück und war seither bis zu seiner Pensionierung<br />

2007 für Raiffeisen tätig – zuletzt fast zehn Jahre als<br />

Generaldirektor. Seit 2008 ist er Vorstandsvorsitzender von<br />

Oikocredit Austria.<br />

PERU<br />

INDIEN<br />

PHILIPPINEN<br />

Die Kreditnehmerin<br />

wird durch<br />

den Projektpartner<br />

Finca in Peru<br />

betreut und nicht<br />

mit dem Geld<br />

alleine gelassen.<br />

Govindammal produziert und verkauft<br />

geflochtene Körbe. Ein<br />

Mikrokredit ermöglichte ihr Unabhängigkeit<br />

von Zwischenhändlern.<br />

Mit Hilfe von Mikrokrediten baute<br />

sich Aurero Fernando einen Betrieb<br />

zur Produktion von Jeans auf.<br />

FOTOS: OIKOCREDIT<br />

62 | <strong>SOCIETY</strong> 3_10


WIRTSCHAFT<br />

EVENT<br />

Die österreichische Delegation<br />

des WDLS Europe<br />

in Washington,<br />

D.C.<br />

World Diversity Leadership Summit<br />

Diversitätsexperten unter sich<br />

Zum ersten Mal war das WDLS-EU Austrian Steering Committee am renommierten World<br />

Diversity Leadership Summit an der Harvard Medical University in Boston zu Gast.<br />

Zu Gast bei Alcee<br />

Hastings im<br />

Kongress<br />

Mitte September nahm die österreichische<br />

Delegation des World Diversity<br />

Leadership Summit Europe, darunter<br />

Beatrice Achaleke (Delegationsleiterin), Edwin<br />

Schäffer (Wirtschaftskammer Wien),<br />

Brigitte Bichler (OMV), Norbert Pauser (Pauser&Wondrak<br />

Unternehmensberatung), Petra<br />

Gregorits (PGM marketing research<br />

consulting) und Jasmine Boehm („diversity<br />

matters“) an dem weltweit einzigartigen<br />

Diversitätsgipfel, veranstaltet von Gründer<br />

Douglas Freeman, teil. Am Summit versammelten<br />

sich insgesamt über 300 internationale<br />

hochrangige Diversityexperten<br />

und Exekutives, die mit der österreichischen<br />

Delegation über Diversitymanagement<br />

aus den verschiedensten Perspektiven<br />

an einem Tisch debattierten. Aktuelle<br />

Themen und Schwerpunkte waren unter<br />

anderem:<br />

Globalisation, die wesentliche Wettbewerbsfähigkeit<br />

von Diversity und Inklusion,<br />

das erfolgreiche Leiten von sehr<br />

unterschiedlichen Mitarbeitergruppen auf<br />

lokaler und globaler Ebene, die Entstehung<br />

von neuen „Workforce Communities“<br />

mit Bezug auf neue Generationen,<br />

Personen mit Behinderung oder Lesbian<br />

Gay Bisexual und Transgender.<br />

***<br />

Besuch in der österreichischen Botschaft<br />

Anschließend wurde die Delegation<br />

vom österreichischen Vizebotschafter Andreas<br />

Rieken und Alice Irvin, Direktorin<br />

des Presse- und Informationsdienstes, zur<br />

Fortsetzung der Gespräche in der österreichischen<br />

Botschaft in Washington D.C.,<br />

empfangen. Bei Think-Tank-Gesprächen zusammen<br />

mit amerikanischen Diversityexperten<br />

fand ein aktiver und bereichernder<br />

Austausch in entspannter Atmosphäre<br />

über europäische und amerikanische Diversitäts-<br />

und Inklusionsansätze und<br />

Trends statt. Schließlich äußerten alle TeilnehmerInnen<br />

Anregungen und Ideen zur<br />

Intensivierung und Verstärkung eines solchen<br />

bereichernden, interkulturellen Austausches.<br />

Die österreichische Botschaft erklärte<br />

sich bereit, dieses ambitionierte<br />

Anliegen weiter in der Zukunft zu unterstützen.<br />

Das offizielle Programm wurde mit einem<br />

Besuch und Gespräch mit Congressman<br />

Alcee Hastings, einem der angesehensten<br />

Abgeordneten des Kongresses der<br />

Vereinigten Staaten im Bereich internationaler<br />

Angelegenheiten und Mitvorsitzender<br />

der Kommission für Sicherheit und<br />

Zusammenarbeit in Europa (CSCE), ebenso<br />

wie mit einer anschließenden Führung<br />

durch das Capitol abgeschlossen.<br />

„Die nächste Reise ist bereits in Vorbereitung“,<br />

freute sich Initiatorin Beatrice<br />

Achaleke über das Ergebnis dieser Delegationsreise.<br />

Alcee Hastings und<br />

Beatrice Achaleke<br />

INFO<br />

Für weitere Eindrücke der Delegationsreise besuchen<br />

Sie den WDLS-EU Blog:<br />

http://wdls-eu.blogspot.com<br />

Nächster World Diversity Leadership Summit Europe:<br />

Wien, 24. bis 25. März 2011<br />

www.wdls.eu<br />

Mobil: +43-(0)699-11 969 115<br />

<strong>SOCIETY</strong> 3_10 | 63


WISSENSCHAFT<br />

KOLUMNE<br />

Kolumne von HERBERT PIETSCHMANN<br />

Was heißt Bildung?<br />

In der gegenwärtigen Diskussion um unser Bildungswesen wird der Lernprozess leider<br />

meist nur „technomorph“ betrachtet, in Analogie zum Programmieren eines Computers.<br />

Wir sprechen vom „Lernstoff“, vom „Lehrplan“, von den „Unterrichtseinheiten“ – völlig<br />

unabhängig von den individuellen Menschen, die daran beteiligt sind.<br />

Platon beschreibt in seinem Menon-Dialog<br />

die Dialektik des Lernprozesses in wunderbarer<br />

Weise: Sokrates will zunächst von<br />

Menon, einem berühmten Lehrer der Tugend,<br />

lernen. Er verhält sich dabei wie ein musterhafter<br />

Schüler, widerspricht nie, aber nimmt<br />

alles ernst, was Menon sagt, und zwar gemeinsam<br />

mit den Konsequenzen. Das Ergebnis<br />

ist, dass nicht Sokrates gelernt hat, sondern<br />

dass Menon nun verwirrt ist und selbst<br />

nicht mehr weiß, was „Tugend“ sei.<br />

Daraufhin wechselt Sokrates das Thema<br />

und schlägt vor, sich nun über das „Lernen“<br />

zu unterhalten; denn offenbar, so Sokrates,<br />

hätten sie doch soeben gezeigt, dass der Satz<br />

„Der Schüler lernt vom Lehrer“ falsch sei.<br />

Nach den Regeln der Logik müsse aber dann<br />

der Satz „Der Schüler lernt nicht vom Lehrer“<br />

richtig sein. Und da außer Schüler und Lehrer im konkreten<br />

Fall niemand anwesend war, sei dieser zweite Satz wohl äquivalent<br />

zur Aussage „Der Schüler lernt aus sich selbst“. Sokrates<br />

war auch bereit, diesen Satz zu beweisen: Man holt also einen<br />

jungen Sklaven, der intelligent, aber ungebildet war.<br />

Sokrates darf ihn zwar fragen, wenn er ihm aber irgendetwas<br />

sage, so hätte er „verloren“ und der Beweis wäre misslungen.<br />

Und nun beginnt ein faszinierender Dialog zwischen Sokrates<br />

und dem Sklaven. Am Ende weiß<br />

der Sklave, dass der Diagonale im Quadrat<br />

„keine Zahl entspricht“ (nach heutiger<br />

Rede, dass es eine irrationale Zahl<br />

sei).<br />

Als Sokrates jedoch behaupten will, er<br />

hätte den Beweis geführt, widerspricht<br />

ihm Menon, da der Schüler ohne die gezielten<br />

Fragen des „Lehrers“ Sokrates<br />

niemals auf diesen Schluss gekommen<br />

wäre. Sokrates pflichtet ihm bei und<br />

meint, sie wären damit auf eine „Aporie“,<br />

eine logisch ausweglose Situation<br />

gestoßen, da von zwei einander vollständig<br />

widersprechenden Behauptungen<br />

nicht gezeigt werden könne, eine sei<br />

falsch und die andere richtig.<br />

***<br />

Ein kreativer Bildungsprozess<br />

Wahres Lernen, meint Sokrates, könne<br />

also weder durch Lehren, noch durch<br />

Selbst-Lernen erzielt werden; vielmehr<br />

bedürfe es einer neuen Einstellung zum Lernprozess,<br />

bei der die erfahrenere Person den<br />

Lernwilligen bei deren kreativem Bildungsprozess<br />

behilflich ist. Lernen sei also mit einem<br />

„geistigen Geburtsvorgang“ (Mäeutik)<br />

zu vergleichen.<br />

Angesichts zahlreicher, emsig tätiger Lehrplankommissionen<br />

müssen wir wohl zugeben,<br />

dass es sich bei diesem zweieinhalb Jahrtausende<br />

alten Wissen um gesunkenes<br />

Kulturgut handelt! Im 20. Jahrhundert hat<br />

vor allem Carl Rogers die alten Thesen besonders<br />

deutlich vertreten. Er meint, „dass alles,<br />

was man anderen lehren kann, relativ belanglos<br />

ist“, dass es beim Lernen darauf<br />

ankäme, auch das Verhalten signifikant zu<br />

beeinflussen, dass aber solche Lerninhalte<br />

„selbst entdeckt, selbst frei angeeignet werden<br />

müssen“.<br />

***<br />

Die Aporie der Inhalte<br />

„Freiheit“ ist dem technomorph denkenden Menschen freilich<br />

fremd! Sie hat erst dort ihren Raum, wo Menschen Verantwortung<br />

übernehmen wollen; Voraussetzung dafür ist<br />

aber, dass nicht alle auftretenden Widersprüche im Sinne der<br />

Logik als Fehler eliminiert werden. Fragen wir also nach den<br />

Aporien, nach den nicht zu eliminierenden<br />

Widersprüchen, denen wir im<br />

CURRICULUM VITAE<br />

Bildungswesen begegnen.<br />

HERBERT PIETSCHMANN ist Die wichtigste Aporie haben wir bereits<br />

im Menon-Dialog kennengelernt.<br />

Emeritus am Institut für theoretische<br />

Physik der Universität Sie führt uns zur Aporie der „Inhalte“.<br />

Wien und Buchautor. Er studierte<br />

an der Universität Wien Ma-<br />

ohne Inhalte, die zu vermitteln sind,<br />

Selbst „geistige Geburtshelfer“ kommen<br />

thematik und Physik. 1966 nicht aus. Denn auch Fragen müssen<br />

schrieb er seine Habilitation in sich auf bestimmte Inhalte beziehen, soll<br />

theoretischer Physik an der Universität<br />

Wien und Göteborg. Dalichen<br />

Spielerei entarten. Wir wissen<br />

der Lern-Prozess nicht zur oberflächnach<br />

verbrachte er Forschungsjahre in Genf (CERN), Virginia aber, dass gelerntes Wissen schnell wieder<br />

vergessen wird. Also heißt die Aporie:<br />

(USA), Göteborg (Schweden) und Bonn (Deutschland).<br />

Pietschmann unternahm Vortragsreisen in Europa, USA, im Die Inhalte des Lernens sind immer zugleich<br />

notwendig und wirkungslos!<br />

Nahen Osten, Japan und China. Er ist korrespondierendes<br />

Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Die Einstellung der „geistigen Geburtshilfe“<br />

wird auch hier rechte Wege<br />

und der Wiener Internationalen Akademie für Ganzheitsmedizin<br />

sowie Mitglied der New York Academy of Science weisen. Allerdings kommt dabei deutlich<br />

und Fellow der World Innovation Foundation.<br />

zum Ausdruck, was ich persönlich wichtig<br />

finde: Lernen muss immer auch Freu-<br />

Weitere Informationen finden Sie unter<br />

http://homepage.univie.ac.at/herbert.pietschmann/ de bereiten!<br />

64 | <strong>SOCIETY</strong> 3_10


Investieren in Kasachstan<br />

Klimawandel in Kasachstan<br />

WIRTSCHAFT<br />

RECHT<br />

Kasachstan, das Land der tausend Gräser, bietet Investoren mehr als unendliche Weiten. Das<br />

Investitionsklima ist günstig, jedoch ist für einen Markteintritt die Unterstützung durch eine<br />

Rechtsberatung unerlässlich.<br />

Die wirtschaftliche Entwicklung der Republik<br />

Kasachstan seit 1991 ist trotz aller<br />

Schwierigkeiten eine beachtliche<br />

Erfolgsstory. Die globale Finanzkrise hat<br />

zwar die Volkswirtschaft des Landes beeinflusst,<br />

jedoch die Wirtschaftsentwicklung<br />

nicht gestoppt. Die Rohstoffressourcen sowie<br />

die Weiterführung von Reformen ermöglichen<br />

dem Land eine schnelle wirtschaftliche<br />

Erholung und ein dynamisches<br />

Wirtschaftswachstum. Mit dem „strategischen<br />

Entwicklungsplan bis 2020“ hat sich<br />

die kasachische Regierung zum Ziel gesetzt,<br />

bis 2020 zu den 50 höchstentwickelten<br />

Ländern der Welt zu gehören. Dies soll<br />

u.a. durch die Diversifizierung der Wirtschaft,<br />

die Industrialisierung, die Entwicklung<br />

der Transport- und Telekommunikationsinfrastruktur<br />

sowie durch die<br />

Reduzierung der Abhängigkeit vom Gasund<br />

Erdölexport erreicht werden.<br />

Von hohem Interesse für ausländische<br />

Investoren ist das Industrialisierungsprogramm<br />

der Regierung Kasachstans für<br />

<strong>2010</strong>-2014 vom 13.4.<strong>2010</strong> („karta industrializacii<br />

Kasachstana“): Es enthält 101 Investitionsprojekte<br />

und informiert Investoren,<br />

welche Werke in welchen Wirtschaftssektoren<br />

derzeit errichtet oder modernisiert<br />

werden sollen.<br />

Laut offizieller kasachischer Statistik ist<br />

im ersten Halbjahr <strong>2010</strong> das Bruttoinlandsprodukt<br />

um 8% gewachsen. Im selben Zeitraum<br />

hat sich die Industrieproduktion um<br />

11% erhöht, auch die Verarbeitungsindustrie<br />

verzeichnet einen Anstieg des Produktionsumfangs<br />

um 19%. Die Zuwächse des<br />

Produktionsvolumens liegen im ersten<br />

Quartal des heurigen Jahres in manchen<br />

Sektoren bei 50% oder 80% (z.B. in der Chemie<br />

oder im Maschinenbau). Kasachstan<br />

zählt zu den am schnellsten wachsenden<br />

Märkten der Welt. Der wichtigste Wachstumstreiber<br />

ist Erdöl, welches auch die<br />

Nachfrage im Inland und ausländische Investitionen<br />

ankurbelt. Durch ein attraktives<br />

Investitionsklima zieht das Land umfangreiche<br />

ausländische Direktinvestitionen an.<br />

Aufgrund der makroökonomischen Stabilität<br />

sowie der wirtschaftsfreundlichen<br />

Gesetzgebung und durch seine Bodenschätze<br />

ist der kasachische Markt attraktiv<br />

für Direktinvestitionen. In bestimmten<br />

Sektoren werden ausländische Investitionen<br />

durch die Gewährung finanzieller Begünstigungen<br />

vom Staat konsequent gefördert.<br />

Die seit Juli <strong>2010</strong> neuerlich<br />

bestehende Zollunion mit Russland eröffnet<br />

ausländischen Unternehmen zudem<br />

den Zugang zu einem Wirtschaftsraum<br />

mit insgesamt 170 Millionen Menschen.<br />

***<br />

Investment Opportunities<br />

Mit wenigen Ausnahmen (wie z. B. dem<br />

Telekommunikations- und Mediensektor)<br />

sind in Kasachstan alle Wirtschaftsbereiche<br />

für ausländische Investoren offen. Letzteren<br />

ermöglicht die Gesetzgebung Unternehmensbeteiligungen<br />

bis zu 100%.<br />

Die zahlreichen staatlichen Entwicklungsprogramme<br />

umfassen u. a. das Staatsprogramm<br />

der industriell-innovativen Entwicklung<br />

der Republik Kasachstan vom<br />

19.3.<strong>2010</strong>, das Industrialisierungsprogramm<br />

der Regierung Kasachstans für<br />

<strong>2010</strong>-2014 vom 13.4.<strong>2010</strong>, den strategischen<br />

Entwicklungsplan der Republik Kasachstan<br />

bis 2020 vom 1.2.<strong>2010</strong>. Staatliche Vorhaben<br />

betreffend Errichtung, Modernisierung<br />

und Ausbau von Produktionsstätten<br />

sind von der Regierung im jeweiligen Programm<br />

aufgelistet. Diese Listen sind umfangreich<br />

und jedes Projekt wird von einer<br />

verantwortlichen Behörde bzw. einer nationalen<br />

Holding abgewickelt und betreut.<br />

Zu einigen Projekten wird der Zugang<br />

durch den „National Wealth Fund Samruk<br />

Denis Alexa, LL.M.<br />

www.lansky.at<br />

KONTAKT<br />

Legal Counsel und Mitglied des<br />

Russian & CIS Desk bei Lansky,<br />

Ganzger & Partner Rechtsanwälte<br />

GmbH<br />

1010 Wien, Rotenturmstraße 29<br />

Tel. +43-(0)1-533 33 30-0<br />

Kazyna“ ermöglicht. Dieser nennt derzeit<br />

folgende Vorhaben: die Errichtung bzw. den<br />

Ausbau des Großkraftwerk in Moinaksk,<br />

der Erdölraffinerie in Atyrau, einer pharmazeutischen<br />

Fabrik sowie der Eisenbahnstrekken<br />

von Shetygen über Korgos und Usen zur<br />

Staatsgrenze nach Turkmenistan. Auch das<br />

nationale Stromnetz und das Heizwerks<br />

Balchasch sollen ausgebaut werden, in Ekibastus<br />

soll ein neuer Block des Staatlichen<br />

Wasserkraftwerks Nr. 2 entstehen.<br />

***<br />

Investitionsklima<br />

Insgesamt sind die Rahmenbedingungen<br />

für Investitionen in Kasachstan als<br />

günstig zu beurteilen, denn das Investitionsklima<br />

und die rechtliche Sicherheit<br />

im Land haben sich relativ gut entwickelt.<br />

Durch das Gesetz „Über Investitionen“ vom<br />

8.1.2003 (Investitionsgesetz), das die rechtliche<br />

und wirtschaftliche Grundlage zur Investitionsstimulierung<br />

festlegt, sind ausländische<br />

Investoren geschützt und den<br />

inländischen (ausgenommen den Bereich<br />

der Rohstoffnutzung) gleichgestellt. Die<br />

Norm garantiert den vollen Investitionsschutz<br />

sowie die Nichteinmischung staatlicher<br />

Organe in die Verwaltung des Vermögens<br />

und räumt Investitionspräferenzen<br />

ein. Investitionsrechtliche Streitigkeiten<br />

können durch Parteienvereinbarung auch<br />

schiedsgerichtlich entschieden werden.<br />

Wer in Kasachstan reüssieren will, muss<br />

vor Ort sein und darf die Wichtigkeit einer<br />

lokalen Präsenz nicht unterschätzen.<br />

Markteintritt in Kasachstan ist jenem in<br />

Österreichs Nachbarländern Mittelosteuropas<br />

nicht vergleichbar. Die Uhren ticken<br />

anders, und zwar schneller und gleichzeitig<br />

schwerer einschätzbar. Deswegen empfiehlt<br />

sich für den erfolgreichen Markteinstieg<br />

in Kasachstan eine qualifizierte und<br />

mit kasachischen Gegebenheiten vertraute<br />

Rechtsberatung.<br />

Über den Autor<br />

Denis Alexa ist Absolvent der Universität<br />

Augsburg sowie der Juridischen Fakultät<br />

der Staatlichen Universität Almaty (Kasachstan)<br />

und verfasst seine Dissertation<br />

an der Universität Wien.<br />

<strong>SOCIETY</strong> 3_10 | 65


WISSENSCHAFT<br />

SALZBURG<br />

20 Jahre Europäische Akademie der Wissenschaften und Künste<br />

„Aller Anfang ist hin geordnet<br />

auf Vollendung“*<br />

Von EVA VON SCHILGEN<br />

Die Europäische Akademie der Wissenschaften und Künste hielt ihr jährliches Festplenum<br />

ab, bei dem die neuen Mitglieder vorgestellt und Protektoren und Ehrentitel verliehen<br />

wurden. Im August wurde der Toleranzpreis an eine hervorragende Persönlichkeit vergeben.<br />

Am Anfang stand eine Idee und drei Visionäre:<br />

der Salzburger Herzchirurg<br />

Felix Unger, der Wiener Erzbischof<br />

Franz Kardinal König und der Politikwissenschaftler<br />

und Philosoph Nikolaus Lobkowicz.<br />

Ihr Plan war es, einen weltweiten Dialog<br />

entstehen zu lassen, der über alle<br />

politischen, konfessionellen, ideologischen<br />

und wirtschaftlichen Grenzen hinweg ethische<br />

und wissenschaftliche Akzente setzt.<br />

Heute zählt die Akademie der Wissenschaften<br />

und Künste rund 1.400 Mitglieder,<br />

darunter 27 Nobelpreisträger. Wissenschaftler,<br />

Forscher, Denker, Industrielle,<br />

Wirtschaftler und Politiker. Aber auch<br />

Schriftsteller und Künstler aus Europa,<br />

Asien und den USA haben in diesen Jahren<br />

ein Wissensnetzwerk von unglaublichen<br />

Dimensionen geknüpft.<br />

Persönliche Kontakte bietet das jährliche<br />

Festplenum in Salzburg, bei der die neuen<br />

Mitglieder begrüßt und aufgenommen werden<br />

und die Ehrenpräsidenten und Protektoren<br />

ernannt werden. Mit der Ernennung<br />

von Protektoren in den Ländern, in denen<br />

Felix Unger, Ursula Piëch,<br />

Ferdinand Piëch<br />

die Akademie Delegationen hat, soll Verbindendes<br />

von Wissenschaft und Kunst mit der<br />

Politik geschaffen werden.<br />

***<br />

Milo Dukanovic Protektor der Akademie<br />

In Anwesenheit der Salzburger Landeshauptfrau<br />

Mag. Gabi Burgstaller und zahlreicher<br />

Persönlichkeiten aus Wirtschaft,<br />

Politik, Kunst und Kultur wurde dieses Jahr<br />

Milo Dukanovic, der Premierminister von<br />

Montenegro, zum Protektor ernannt. 1952<br />

geboren, studiert er Wirtschaftswissenschaften<br />

und tritt danach in den Bund der<br />

Kommunisten Jugoslawiens ein, dem er als<br />

ZK-Mitglied angehört. Nach dem Zerfall des<br />

Vielvölkerstaates wird er ein Mitglied der<br />

demokratischen Partei der Sozialisten und<br />

von 1991 bis 1998 Premierminister, von<br />

1998 bis 2002 Staatspräsident der Republik<br />

Montenegro. Bei den Parlamentswahlen<br />

2002 wird Dukanovic wieder zum Premierminister<br />

gewählt. Nach der Volksabstimmung<br />

2006 erfüllt sich sein Wunsch, Montenegro<br />

in die Unabhängigkeit von Serbien<br />

zu führen. Im Oktober desselben Jahres<br />

übergibt er das Amt des Ministerpräsidenten<br />

an seinen Nachfolger, kehrt aber, da dieser<br />

erkrankt, 2008 wieder in diese Funktion<br />

zurück und wird bei der Wahl 2009 mit<br />

mehr als fünfzig Prozent bestätigt.<br />

Ebenfalls zum Protektor ernannt wurde<br />

Jerzy Karol Buzek, der Präsident des Europäischen<br />

Parlaments und ehemaliger Ministerpräsident<br />

Polens. Buzek, geboren 1940, studierte<br />

Chemie an der Schlesischen Technischen<br />

Universität in Gleiwitz sowie an der<br />

Universität Cambridge in Großbritannien.<br />

Er veröffentlichte an die 200 wissenschaftliche<br />

Abhandlungen und Patente. Das ehemalige<br />

Mitglied der Gewerkschaft Solidarnosc<br />

war von 1980 bis 2001 Ministerpräsident.<br />

In dieser Funktion war es sein<br />

Ziel, Polen in die Europäische Union und in<br />

die NATO zu führen. 2004 wurde er Abgeordneter<br />

des Europäischen Parlamentes<br />

und 2009 zu dessen Präsidenten gewählt. Er<br />

war Professor für technische Wissenschaften<br />

in Oppeln, vertrat in der Internationalen<br />

Energieagentur Polen, war Vizerektor<br />

der Universität Czestochowa, Mitbegründer<br />

von INCREASE, einem polnisch-deutschen<br />

Netzwerk wissenschaftlicher Einrichtungen,<br />

und Gründer der Polnischen<br />

Diplomatenschule. Er ist Mitglied zahlreicher<br />

Akademien und besitzt die Ehrendoktorwürden<br />

von Seoul, Dortmund und Isparta.<br />

***<br />

Würdigung Nikolaus Lobkowicz‘<br />

Die Ehrenpräsidentenwürde auf Lebenszeit<br />

wurde Nikolaus Lobkowicz, einer der<br />

drei „Architekten“ der Akademie, aufgrund<br />

seiner Verdienste um die Akademie<br />

aber auch wegen seiner wissenschaftlichen<br />

Leistungen verliehen. Der aus einer alten<br />

aristokratischen Familie stammende Philosoph<br />

und Hochschulpolitiker wurde 1931<br />

in Prag geboren und emigrierte nach der<br />

kommunistischen Machtübernahme zunächst<br />

in die USA. 1950 kehrt er nach Europa<br />

zurück und studiert in Deutschland<br />

Philosophie. An zahlreichen Universitäten<br />

war er als Lehrender oder Präsident tätig,<br />

66 | <strong>SOCIETY</strong> 3_10<br />

*THOMAS VON AQUIN (UM 1225-1274)


FOTOS: FOTOS MIT FREUNDLICHER GENEHMIGUNG AUSTRIA PRESSE-FOTO A. KOLARIK UND FOTO-WILD<br />

Felix Unger, Jerzy<br />

Buzek, Erich Hödl,<br />

Paul Rübig<br />

wie an die University of Notre Dame in Indiana,<br />

an der Universität München und an<br />

der Ludwig-Maximilian Universität München.<br />

Lobkowicz ist Direktor des Zentralinstitutes<br />

für Mittel- und Osteuropastudien<br />

der Katholischen Universität Eichstätt.<br />

Ehrensenator wurde Evangelos Theodorou,<br />

Theologe und Professor Emeritus<br />

der Theologischen Fakultät der Universität<br />

Athen, ein Pionier der Ökumene und<br />

Vorreiter des Dialogs zwischen den christlichen<br />

Kirchen sowie langjähriger Delegat<br />

der Akademie von Griechenland. Ebenfalls<br />

zum Ehrensenator ernannt wurde der<br />

Schweizer Wissenschaftler Marcel Studer,<br />

der sich um den Aufbau der Stiftung<br />

Schweiz der Europäischen Akademie der<br />

Wissenschaften und Künste, deren Vizepräsident<br />

in der Schweiz er ist, große Verdienste<br />

erworben hat. Auch France Bernik,<br />

der slowenische literarische Historiker,<br />

Schriftsteller, Gelehrte und langjährige<br />

Delegat von Slowenien, sowie der österreichische<br />

Manager Ferdinand Piëch, Vorsitzender<br />

des Aufsichtsrates der Volkswagen<br />

AG, ein Enkel von Ferdinand Porsche, der<br />

die Akademie in Industriefragen berät,<br />

wurden Ehrensenatoren.<br />

***<br />

Illustre Schar der neuen Mitglieder<br />

Unter den mehr als 64 neuen Mitgliedern<br />

finden sich so illustre Personen wie<br />

die deutsche Bundesministerin für Bildung<br />

und Wirtschaft Annette Schavan<br />

oder die englische Politikerin Baronesse Patricia<br />

Rawlings, Frontbencher im englischen<br />

Oberhaus, dem House of Lords. Auch<br />

bedeutende Repräsentanten aus dem internationalen<br />

Kunst- und Kulturleben wurden<br />

zu Mitgliedern ernannt, wie Mikhail<br />

Borisovich Piotrovky, Direktor des St. Petersburger<br />

Museums Ermitage, die Österreicherinnen<br />

Valie Export, Filmemacherin,<br />

Medien- und Performancekünstlerin,<br />

und die Komponistin Olga Neuwirth, welche<br />

den Großen Österreichischen Staatspreis<br />

<strong>2010</strong>, die höchste künstlerische Auszeichnung<br />

der Republik als zehnte Frau erhielt.<br />

Und auch Peter Kodwo Appiah Turkson<br />

aus Ghana, wo er als Bischof tätig<br />

war, bis er als Kardinal an den Vatikan berufen<br />

wurde, sowie Rino Fisichella, römisch-katholischer<br />

Theologe und Titularerzbischof,<br />

ebenso Jószef Pálinkás,<br />

ungarischer Atomphysiker und ehemaliger<br />

Minister für Bildung wie auch der Wissenschaftstheoretiker<br />

und Biologe Franz M.<br />

Wuketits, Direktor i.R. des Konrad-Lorenz-<br />

Instituts für Evolutions- und Kognitionsforschung.<br />

Sie alle werden von nun an als Mitglieder<br />

am internationalen Netzwerk<br />

mitarbeiten.<br />

Erster Festredner des Plenums war Francois<br />

Terre, Präsident Institute de France,<br />

Professor für Soziologie an der rechtswissenschaftlichen<br />

Fakultät an der Universität<br />

Paris II und Mitglied der Académie de<br />

France. Er sprach über die heutigen Aufgaben<br />

und Funktionen der Akademien. Der<br />

zweite Festredner Oleg Matveevich Nefedov,<br />

Mitglied der Russischen Akademie<br />

der Wissenschaften, erläuterte das Thema<br />

„Das Wesen der Wissenschaft“.<br />

***<br />

Russland und Europa im Fokus<br />

Aktuelles Projekt der Akademie ist die<br />

„Zentral-Europäische-Russische Brücke“,<br />

das zum Ziel hat, die Zusammenarbeit Europas<br />

mit Russland weiter zu forcieren. Unter<br />

dem Thema „Was erwartet Russland<br />

von Europa“ finden Gespräche in Schloss<br />

Leopoldskron statt, an denen hochrangige<br />

Wissenschaftler und Politiker teilnehmen.<br />

KONTAKT<br />

DIE EUROPÄISCHE AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN UND<br />

KÜNSTE IN SALZBURG<br />

St. Peter Bezirk 10<br />

5020 Salzburg<br />

Tel. +43-(0)662-84 13 45<br />

office@euro-acad.eu<br />

www.euro.acad.eu<br />

Unter anderen haben der russische Kulturminister<br />

Alexander Awdejew und Österreichs<br />

Außenminister Michael Spindelegger<br />

ihr Kommen zugesagt. Im nächsten<br />

Jahr ist ein Symposium in Moskau geplant<br />

mit der Gegenfrage „Was erwartet Europa<br />

von Russland“. Der Report „The European<br />

Lead Market in Health Care“, ein weiteres<br />

zentrales Thema der Akademie, wurde<br />

letztes Jahr im europäischen Parlament<br />

vorgestellt.<br />

***<br />

Toleranzpreis an Kardinal Lehmann<br />

Neben dem Festplenum ist die Verleihung<br />

des Toleranzpreises ein jährlicher Fixpunkt<br />

der Akademie. Unter den bisherigen<br />

Preisträgern finden sich so prominente Namen<br />

wie Teddy Kollek, Jerusalems unvergessener<br />

Bürgermeister, Susanne Mubarak, die<br />

wohltätige First Lady Ägyptens, Franz Kardinal<br />

König, bekannt für seinen Einsatz zum<br />

gemeinsamen Dialog zwischen den Konfessionen,<br />

Daniel Barenboim, Dirigent und<br />

Mittler zwischen Juden und Palästinensern,<br />

Hans Dieter Genscher, ehemaliger Außenminister<br />

von Deutschland und der deutsche<br />

Politiker und Umweltexperte Klaus Töpfer.<br />

<strong>2010</strong> wurde die Auszeichnung an seine Eminenz<br />

Kardinal Karl Lehmann vergeben. Der<br />

in Sigmaringen 1936 geborene Kardinal ist<br />

seit 2002 Mitglied des Päpstlichen Rates<br />

zur Förderung der Einheit der Christen. Er<br />

ist Mitglied in der Kongregation für die<br />

Ostkirchen, der Vermögensverwaltung des<br />

Apostolischen Stuhles sowie des Päpstlichen<br />

Rates für die Sozialen Kommunikationsmittel.<br />

Felix Unger, der derzeitige Präsident<br />

der Europäischen Akademie der Wissenschaften<br />

und Künste, kann mit Freude<br />

und Stolz auf die letzten zwanzig Jahre zurückblicken.<br />

Er hat es verstanden, bedeutende<br />

Vordenker in der Akademie zu versammeln.<br />

Nun ist zu hoffen, dass ihr<br />

interdisziplinärer Dialog und ihre Visionen<br />

dazu beitragen, den Weg in eine bessere<br />

Zukunft der Welt zu ebnen.<br />

Gabi Burgstaller<br />

<strong>SOCIETY</strong> 3_10 | 67


RECHT<br />

KOLUMNE<br />

Anwalt Dr. GEORG ZANGER exklusiv für<br />

Das Recht zu überleben ist ein<br />

Grundrecht<br />

Asylwerber werden in Europa ungleich behandelt. Wo die Bedingungen nicht den<br />

menschenrechtlichen Standards entsprechen, sollten Rückführungen nach dem „Dublin Verfahren“<br />

gestoppt werden. Auch in Österreich gibt man Asylwerbern die „rote Karte“.<br />

Da das sogenannte „Dublin Verfahren“ bestimmt, dass der<br />

Mitgliedsstaat, der vom Flüchtling zuerst betreten wird,<br />

für eine Asylentscheidung ausschließlich zuständig ist,<br />

werden Flüchtlinge dorthin regelmäßig zurückgeschoben,<br />

wenn sie in einem anderen Staat aufgegriffen werden. Es soll<br />

kein „forum shopping“ stattfinden.<br />

Griechenland ist wegen seiner geografischen Lage besonders<br />

oft Erstankunftsland für Flüchtlinge. Griechenland ist aber offenbar<br />

überfordert, Asylverfahren korrekt durchzuführen.<br />

Auch berechtigte Asylwerber haben kaum eine Chance, als<br />

Flüchtlinge anerkannt zu werden.<br />

***<br />

Rückführung nach Griechenland wird untersagt<br />

Der Europarat hat Griechenland zum wiederholten Male<br />

wegen brutaler Übergriffe der Polizei, wegen unzumutbarer Zustände<br />

in Polizeiwachen und Gefängnissen und verheerenden<br />

Haftbedingungen verurteilt. Die Unterbringung von Flüchtlingen<br />

in dunklen, verlausten Zellen, zusammengepfercht auf<br />

Matratzen voller Läuse und Flöhe, verdreckte Toiletten und Duschen<br />

stellen nach Expertenerhebungen ein akutes Gesundheitsrisiko<br />

gleichermaßen für Insassen und Beschäftigte dar. Es<br />

fehlt an allem, was ein rechtstaatliches Asylverfahren ausmacht.<br />

Menschenrechtsorganisationen berichten, dass Asylanhörungen<br />

ohne Dolmetscher stattfinden und dadurch zu einer<br />

Farce werden.<br />

Art. 3 der EMRK verbietet Folter und unmenschliche Behandlung.<br />

Jedermann, auch Flüchtlinge haben ein Recht auf<br />

Freiheit und Sicherheit. Besteht in einem Herkunftsland keine<br />

Gewähr für eine menschliche Behandlung, darf dorthin nicht<br />

abgeschoben werden. Dasselbe gilt daher auch für die Rückschiebung<br />

in einen europäischen Mitgliedsstaat.<br />

Das Schweizerische Bundesamt für Asylsuchende hat schon<br />

Anfang 2009 auf die systematischen Hindernisse beim Stellen<br />

eines Asylantrages in Griechenland hingewiesen. Der französische<br />

„Conseil d’Etat“ hat im Mai <strong>2010</strong> eine Überstellung nach<br />

dem Dublin-Verfahren aus den genannten Gründen nach Griechenland<br />

ausgesetzt. Auch das deutsche Bundesverfassungsgericht<br />

ist dem gefolgt: Zu prüfen sei insbesondere, welche Auswirkungen<br />

der europäische Grundsatz der Solidarität, der im<br />

Raum der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts auch für eine<br />

gemeinsame Asylpolitik Geltung beansprucht, bei einer erheblichen<br />

Überlastung des Asylsystems eines Mitgliedstaates<br />

FOTOS: PIXELIO, BEIGESTELLT<br />

68 | <strong>SOCIETY</strong> 3_10


CURRICULUM VITAE<br />

DR. GEORG ZANGER, M.B.L.-HSG ist seit 1975 selbständiger<br />

Rechtsanwalt in Wien mit besonderem Schwerpunkt auf<br />

kreativen Lösungen für Wirtschaftsunternehmen. Seine<br />

Spezialgebiete umfassen Wettbewerbs-, Telekommunikations-,<br />

Urheber- und Medienrecht. Zuletzt hat er im Bemühen,<br />

chinesische Unternehmen zu Investitionen in Österreich<br />

zu bewegen, ein Netzwerk mit 25 Rechtsanwaltskanzleien<br />

in den wichtigsten Industriestädten Ostchinas geschlossen.<br />

Er ist Autor verschiedenster Fachbücher und Fachartikel.<br />

KONTAKT<br />

Rechtsanwaltskanzlei „Zanger bewegt“<br />

Dr. Georg Zanger<br />

Neuer Markt 1, A-1010 Wien<br />

Tel.: +43-(0)1-512 02 13, Fax: +43-(0)1-513 48 07<br />

office@zanger-bewegt.at • www.zanger-bewegt.at<br />

auf die Rechte des einzelnen Asylantragstellers<br />

und auf die Auslegung<br />

des Grundgesetzes hat.<br />

Der Europäische Gerichtshof für<br />

Menschenrechte hat nach dänischen<br />

Zeitungsmeldungen bereits<br />

in mehr als 500 Fällen in den Jahren<br />

2009 und <strong>2010</strong> Rückstellungen nach<br />

Griechenland gestoppt. Vor dem<br />

EGMR ist derzeit ein weiteres Verfahren<br />

anhängig, in dem ein belgischer<br />

Anlassfall verhandelt wird.<br />

Mit einer Entscheidung ist in Bälde<br />

zu rechnen. Inzwischen wurde beim<br />

EuGH ein Vorabentscheidungsverfahren<br />

beantragt, ob unter den genannten<br />

Voraussetzungen ein genereller<br />

vorläufiger Stopp der<br />

Rückschiebung nach Griechenland<br />

gerechtfertigt ist. Da die EMRK seit<br />

dem Vertrag von Lissabon unmittelbar<br />

anzuwendendes Gemeinschaftsrecht<br />

geworden ist, ist davon<br />

auszugehen, dass der EuGH – nunmehr<br />

bindend für alle EU-Staaten –<br />

Rückschiebungen nach Griechenland<br />

zumindest derzeit generell untersagen wird.<br />

***<br />

Verantwortung Österreichs<br />

Österreich scheint all dies in Kenntnis der genannten Vorgänge<br />

nicht daran zu hindern, weiter seine Rückschiebungspraxis<br />

aufrecht zu erhalten: In einer Vielzahl von Entscheidungen<br />

hat der neu geschaffene Asylgerichtshof Flüchtlinge<br />

nach Griechenland zurückgeschoben und der Verfassungsgerichtshof<br />

hat keinen Grund gesehen, die Entscheidung zu ändern.<br />

Bedenkt man das Schicksal der einzelnen Fremden, die, verzweifelt<br />

um ihre Anerkennung als Flüchtlinge kämpfend, sich<br />

nach ihrer Rückschiebung aus Österreich der Folter und unmenschlichen<br />

Behandlung in Griechenland<br />

(wieder) gegenübersehen, lässt sich<br />

das Ausmaß des Unrechts erkennen. Tatsächlich<br />

wäre angesichts der genannten<br />

Berichte über die griechischen Zustände<br />

zu prüfen, ob sich Österreich durch sein<br />

Verhalten nicht eines „flagranti denial“<br />

der EMRK verantwortlich macht und deshalb<br />

nach dem Amtshaftungsverfahren<br />

belangt werden kann.<br />

Österreich scheint aber den Wettlauf,<br />

welcher europäische Staat mit Fremden<br />

am rücksichtslosesten, unmenschlichsten<br />

umgeht, unbedingt gewinnen zu<br />

wollen. Tatsächlich hat kaum ein anderes<br />

Land so restriktive Fremdenrechtsbestimmungen<br />

wie Österreich. Kein<br />

Wunder, dass ein großer Teil der Österreicher<br />

fremdenfeindliche Aussagen<br />

goutiert, und Asylbewerber in ihren Augen<br />

kriminell und verlogen sind. Tatsache<br />

ist, dass sich die Republik Österreich<br />

im Unterschied zu anderen<br />

europäischen Staaten von rechten<br />

Hassideologien noch immer nicht<br />

ausreichend distanziert hat.<br />

***<br />

„Rote Karte“ bei Ausweiskontrolle<br />

Rechtzeitig vor den Herbstwahlen<br />

will die Regierung nun das Asylrecht<br />

nochmals zu Lasten der Asylwerber<br />

verschärfen. Asylwerber, die<br />

sich bisher im politischen Bezirk<br />

frei bewegen durften, werden sich<br />

künftig die ersten fünf bis sieben Tage<br />

in der Erstaufnahmestelle aufhalten<br />

müssen. Nicht einmal der<br />

Besuch eines Supermarktes oder eines<br />

Lokals wird künftig möglich<br />

sein, selbst wenn man dafür vom<br />

Flüchtlingslager nur um die Ecke gehen<br />

müsste. Bei Verlassen der Erstaufnahmestelle<br />

droht ihnen eine<br />

umgehende Festnahme. Das Gesetz<br />

soll mit Anfang 2011 in Kraft treten.<br />

Eine „ rote Karte“ soll die Asylwerber<br />

künftighin für die Exekutive<br />

bei einer Ausweiskontrolle sofort erkennbar machen. Laut Andreas<br />

Weber im „Format“ vom 10.9.<strong>2010</strong> ist allein der Begriff<br />

schon menschenverachtend. Er fragt zu Recht: Was kommt als<br />

nächstes? Ein gelber Stern, den sich Asylwerber zum Ausgehen<br />

annähen müssen?<br />

Es stört die Regierung offenbar nicht, dass der VfGH schon<br />

im Jahre 1992 erkannt hat, dass die Einschränkung der persönlichen<br />

Freiheit durch die Verpflichtung, sich in einer Überprüfungsstation<br />

(damals das Flüchtlingslager Traiskirchen)<br />

aufzuhalten, Art 5 Abs.1 der EMRK widerspricht und damit verfassungswidrig<br />

ist. Das Asylverfahren ist nämlich kein Teil des<br />

Ausweisungsverfahrens, im Rahmen dessen die Verhängung<br />

der Schubhaft zulässig ist.<br />

Der Verfassungsjurist Heinz Mayer<br />

meint zu Recht, dass die Aufenthaltspflicht<br />

in einer Aufnahmestelle als Haft<br />

zu qualifizieren ist. Es ist aber nicht nur<br />

nach Art. 5 EMRK, sondern auch nach<br />

Art. 6 der Charta der Grundrechte der EU<br />

verboten, einen Asylwerber in Haft zu<br />

nehmen, nur weil er Asylwerber ist. Maßgebend<br />

ist, ob der Betroffene den Aufenthaltsort<br />

jederzeit verlassen kann, ohne<br />

mit einem physischen Zugriff rechnen<br />

zu müssen.<br />

Caritas-Präsident Franz Küberl kritisiert<br />

die Fremdenrechtsnovelle schließlich,<br />

weil die Politik so tue, als wären<br />

Asylwerber von vornherein Schubhäftlinge.<br />

Wörtlich führte er aus: „Die Reichen<br />

müssen wieder lernen zu wissen,<br />

wo die Armen sind, nur das ist der Schlüssel<br />

für eine Globalisierung, die den Namen<br />

sozial verdient“.<br />

<strong>SOCIETY</strong> 3_10 | 69


WISSENSCHAFT<br />

INTERVIEW<br />

„Mutter“ der Pille<br />

Vom Wunschkind zum „Vorspiel“<br />

Der berühmte Chemiker Carl Djerassi im Interview über fünfzig Jahre „Pille“, die Brutalität<br />

der medizinischen Forschung und seine Liebe zum Schreiben. Von STEPHAN LAHODYNSKY<br />

„Niemand glaubte daran,<br />

dass Frauen die Pille so<br />

schnell annehmen würden.“<br />

CARL DJERASSI<br />

ÜBER DIE EINFÜHRUNG DER PILLE<br />

Sie bezeichnen sich selbst als „Vater der<br />

Anti-Baby-Pille“?<br />

Nein, nie… ich würde mich eher als eine<br />

„Mutter der Pille“ bezeichnen und sage<br />

auch nie „Anti-Baby-Pille“! Ich sage immer<br />

„Pille“. Es ist ja keine Pille, die gegen Babys<br />

ist. Es ist eine Pille für Frauen oder auch für<br />

erwünschte Kinder. Wenn Sie es Anti nennen<br />

wollen, dann „Anti-Unerwünschte Baby<br />

Pille“.<br />

Den erfolglosen Innsbrucker Professor<br />

der Physiologie Ludwig Haberlandt ehrten<br />

Sie posthum als „Großvater“ der Pille. Nun<br />

ist die Erfindung 50 Jahre alt geworden.<br />

Das kommt darauf an, was Sie als Geburtstag<br />

annehmen. Der Tag, an dem die<br />

Substanz chemisch synthetisiert wurde,<br />

war 1951. Der Geburtstag war also 2001.<br />

Aber wenn Sie von der Idee von Haberlandt<br />

sprechen, könnten Sie sagen, es sei der<br />

achtzigste Geburtstag. Was die Leute jetzt<br />

momentan alle feiern, ist 1960, das Jahr, in<br />

dem die offizielle Erlaubnis in den Vereinigten<br />

Staaten von den Behörden (FDA,<br />

Anm.) gegeben wurde, dass man die Pille<br />

in der Medizin einführen kann. Es kommt<br />

darauf an, welches Ereignis Sie als Geburtstag<br />

sehen. In zwei Jahren wird es<br />

wieder einen geben, da ist es dann das<br />

Jahr, in dem die Pille in Österreich erschienen<br />

ist, in Deutschland wird es nächstes<br />

Jahr der Fall sein.<br />

Gibt es einen Nachfolger? Einen „Sohn“<br />

oder eine „Tochter“ der Pille? Jemand, der<br />

das Potenzial hat, einen neuerlichen Durchbruch<br />

in der Hormonforschung zu erreichen?<br />

Sowohl ein kategorisches Nein als<br />

auch ein natürliches Ja. Ich fange mit<br />

dem Ja an. Sie fragen, könnte es einen<br />

Nachfolger geben? Die Antwort ist ganz<br />

klar ja. Wie kann man je sagen, dass es<br />

unmöglich ist, etwas Neues zu entdekken?<br />

Der Grund, warum ich auch kategorisch<br />

Nein sage, ist, dass es keine wissenschaftliche<br />

Frage ist. Wissenschaftlich ist<br />

die Antwort ja. Es gibt immer modernere,<br />

klügere und bessere Wissenschaftler,<br />

aber der Grund, warum wir keine<br />

fundamentalen neuen Methoden haben,<br />

ist, dass es nur sehr kleine chemische Variationen<br />

von der Pille, die wir vor fünfzig<br />

Jahren erfunden haben, gibt.<br />

Fundamental neu wäre eine Pille für<br />

den Mann zum Beispiel oder eine Impfung<br />

oder wie man eine Sterilisierung<br />

rückgängig machen kann. Doch die<br />

Chancen, dass das passieren wird, sind<br />

meiner Meinung nach so minimal, dass<br />

man Nein sagen kann, und der Grund<br />

hat nichts mit Wissenschaft zu tun. Zum<br />

Beispiel: Wir haben keine Pille für den<br />

Mann, dabei wissen wir wissenschaftlich<br />

genau, wie so eine Pille aussieht. Es<br />

gibt viele klinische Versuche, die man<br />

ein, zwei Jahre lang an dreißig, fünfzig,<br />

sogar hundert Männern gemacht hat, also<br />

vom wissenschaftlichen Standpunkt<br />

her. Das heißt natürlich nicht, dass man<br />

ein Mittel gleich in die Apotheke stellen<br />

kann, da braucht man noch viele Versuche.<br />

Die Antwort hängt an den zwanzig<br />

größten pharmazeutischen Firmen der<br />

Welt, und davon sind es etwa 95 Prozent,<br />

in denen bahnbrechende Forschung in-<br />

70 | <strong>SOCIETY</strong> 3_10


dustriell betrieben wird. Da gibt es nicht<br />

eine einzige, die auf dem Bereich der<br />

männlichen Verhütung arbeitet.<br />

Aber Bedarf gäbe es doch?<br />

Ja, es gibt Bedarf für allerlei Dinge, an<br />

denen man nicht oder kaum arbeitet. Ich<br />

gebe Ihnen ein sehr gutes Beispiel: Schon<br />

Jahrhunderte lang sind die parasitischen<br />

Krankheiten in der armen Welt die größten<br />

Krankheiten. Der größte Killer ist Malaria,<br />

nicht Krebs oder AIDS. Aber relativ<br />

wenig Arbeit wurde bis vor kurzem in diese<br />

Richtung gemacht, oder bezüglich anderer<br />

parasitischer Krankheiten, die in Asien,<br />

Afrika oder Südamerika hunderte Millionen<br />

betreffen. Denn die größten Firmen<br />

auf der Welt sind ja europäische, amerikanische,<br />

japanische. Also aus der nördlichen,<br />

entwickelten Welt, die jetzt schon<br />

eine total geriatrische Welt ist.<br />

Die Länder, von denen ich vorher gesprochen<br />

habe, wo parasitische Krankheiten<br />

existieren oder Verhütung ganz wichtig ist,<br />

das sind die pädiatrischen Länder. Ein Verhütungsmittel<br />

würde in Nigeria oder Pakistan<br />

gebraucht werden, das sind die beiden<br />

Länder, in denen sich die Bevölkerungszahl<br />

alle dreißig Jahre verdoppelt, während<br />

das Bevölkerungswachstum in Europa<br />

sinkt. Allerdings ist dort dafür kein Markt<br />

vorhanden, kein Pharmakonzern verdient<br />

Geld, doch genau daran sind sie interessiert.<br />

Daher wenden sie sich eher den Krankheiten<br />

der geriatrischen Welt zu. Alzheimer,<br />

Krebs, Herzkrankheiten, alles Krankheiten<br />

der relativ reichen Bevölkerung, die versichert<br />

sind oder Krankheiten haben, bei denen<br />

man unentwegt ein Präparat nehmen<br />

muss, das ist natürlich ideal.<br />

Ein Impfstoff, den man nur einmal verabreicht<br />

bekommt, bringt auch nicht so<br />

viel ein. Was noch viel schlimmer ist, ist,<br />

dass Leute bei einer Impfung oder bei der<br />

Verhütung überhaupt keine Nebenwirkungen<br />

tolerieren. Das ist zwar nicht realistisch,<br />

aber auch klar warum. Sie haben ja<br />

keine Krankheit. Sie nehmen vorbeugend<br />

etwas, damit eventuell etwas nicht passiert.<br />

Wenn sie allerdings Krebs haben, da<br />

würden sie keine pharmazeutische Firma<br />

klagen, wenn sie während der Chemotherapie<br />

erbrechen oder ihr Haar verlieren,<br />

was natürlich bei den meisten Leuten passiert.<br />

Das ist ja auch eine ganz andere Frage.<br />

Ich spreche von einem brutalen geschäftlichen<br />

Standpunkt.<br />

Also ökonomisch, mathematisch brutal,<br />

wo die Konzerne sagen, es ist nicht<br />

wert es zu tun. Noch ärger wäre es bei der<br />

Pille für den Mann, wenn es die geben würde,<br />

würde der Mann fragen, was passiert<br />

wenn ich das dreißig oder vierzig Jahre<br />

lang nehme, kann ich mit Fünfzig oder<br />

später noch ein Kind haben? Es gibt auch<br />

viele Männer, aber natürlich nicht Frauen,<br />

die dann noch Kinder haben wollen. Oder<br />

kann ich noch eine Erektion haben, was<br />

wird der Effekt auf meine Potenz, nicht<br />

jetzt, sondern in, dreißig, vierzig Jahren<br />

sein? Was wird mit Prostata-Krebs sein,<br />

womit jeder Mann konfrontiert wird,<br />

wenn er nur lang genug lebt. Also das<br />

sind die Fragen. Das kostet hunderte Millionen<br />

von Euro, um solch ein Präparat zu<br />

entwickeln, das dauert jahrelang, ein Patent<br />

ist nur zwanzig Jahre lang gültig, das<br />

ist ökonomisch nicht wert, es zu tun.<br />

Nach einer Klagewelle in den USA sieht<br />

sich der Konzern Bayer Schering Pharma<br />

immer mehr Skepsis der Pille gegenüber<br />

konfrontiert. Weltweit sollen laut amerikanischer<br />

Gesundheitsbehörde FDA bereits<br />

190 Frauen an Thrombosen gestorben sein.<br />

Ist die Pille noch notwendig oder gibt es eine<br />

wirkliche Alternative?<br />

Sie nehmen an, dass „die Pille“ eine<br />

Substanz ist, dabei gibt es hunderte verschiedene<br />

Präparate mit etwa acht oder<br />

neun aktiven Substanzen. Was Sie ansprechen,<br />

ist ein Präparat namens „Yaz“ oder<br />

„Yazmin“, eines der letzten von Bayer. Die<br />

Thrombose ist eine Nebenwirkung, die<br />

man schon vor vierzig Jahren entdeckt<br />

hat, aber das hat nichts mit dem Verhütungsmittel<br />

an sich zu tun, sondern mit<br />

dem Östrogen, das man beifügt. Da muss<br />

man Acht geben, keine Frage, insbesondere<br />

Frauen, die eine Geschichte von Thrombosen<br />

haben, sollten es überhaupt nicht<br />

gebrauchen. Also dass diese Gefahr bei<br />

„Yaz“ etwas höher ist, ist scheinbar der<br />

Fall, aber wir sprechen hier von 190 Fällen<br />

von wahrscheinlich hunderttausenden<br />

Frauen. Das ist noch immer minimal im<br />

Vergleich zu anderen Pharmazeutika, aber<br />

natürlich ist ein gewisses Risiko dabei.<br />

Wenn wir jetzt von einem Krebspatienten<br />

ausgehen, würde niemand darüber sprechen,<br />

aber wenn auch nur zwei Frauen mit<br />

der Pille Probleme haben, würde es heißen,<br />

das ist doch nicht notwendig.Was dabei<br />

nicht bedacht wird, ist, wie viel mehr<br />

Frauen während einer Schwangerschaft<br />

sterben. Man muss das immer vergleichen.<br />

Geschäftlich gesehen, kann natürlich die<br />

Konkurrenz sagen: Nehmt unser Produkt,<br />

da gibt es hundert Frauen weniger, die Probleme<br />

bekommen.<br />

Was für mich allerdings ein viel größerer<br />

Skandal ist, sind die Preise. Denn Verhütung<br />

ist ja keine Krankheit, Verhütung<br />

ist etwas, das viele eigentlich fast als ihr<br />

Recht ansehen. Nämlich auch das Umgekehrte,<br />

wenn sie keine Kinder bekommen<br />

können, dass sie ihre Unfruchtbarkeit<br />

auch ohne hohen finanziellen Aufwand,<br />

durch die Versicherung, durch In Vitro<br />

Fertilisation behandeln können. Also das<br />

sind zwei Sachen, die meiner Meinung<br />

nach so billig wie möglich sein sollten<br />

und auch billig sein können, wenn man<br />

kein Geschäft daraus macht, sondern das<br />

generisch effektivste, billigste Mittel gebraucht.<br />

Die Ironie ist ja, dass die billigste<br />

Substanz „Norethisteron“, dessen Patent<br />

vor vierzig Jahren abgelaufen ist, nur minimal<br />

verändert wurde und kaum einen<br />

Unterschied zu den heutigen Präparaten<br />

aufweist und noch immer von Millionen<br />

jetzt genommen wird, 15 mal billiger ist<br />

als diese Neuesten.<br />

Wussten Sie bei der Erfindung der Pille<br />

bereits, welche Auswirkungen diese haben<br />

würde?<br />

<strong>SOCIETY</strong> 3_10 | 71


WISSENSCHAFT<br />

INTERVIEW<br />

Theoretisch natürlich, da wir die Substanz<br />

ja nicht aus dem Nichts hergezaubert<br />

haben. Haberlandt war der erste, der<br />

schon in den 1920er Jahren, bevor noch<br />

das weibliche Hormon Progesteron isoliert<br />

wurde, wusste, dass es in Drüsenextrakten<br />

existiert. Er sagte, das sei das natürliche<br />

Verhütungsmittel, da es während der<br />

Schwangerschaft produziert wird, um eine<br />

weitere Schwangerschaft in diesen neun<br />

Monaten zu verhindern. Logischerweise<br />

versuchte er dieses mit Drüsenextrakten<br />

zu tun und wollte es auch in Pillenform<br />

haben. Das Malheur ist, dass dieses nicht<br />

oral aktiv ist und es ihm nicht vor seinem<br />

Tod gelang. Er beging Selbstmord, auch<br />

wegen der großen Opposition, teilweise<br />

der Kirche und der sehr konservativen Gesellschaft<br />

in Österreich und Deutschland.<br />

In den dreißiger Jahren wurde Progesteron<br />

dann isoliert und synthetisiert und<br />

man sah, dass es funktionierte, allerdings<br />

nicht oral aktiv, da war es aber auch noch<br />

nicht relevant. Dann hat man Progesteron<br />

in die Medizin eingeführt, zur Behandlung<br />

von Menstruationsschwierigkeiten und für<br />

gewisse Arten von Unfruchtbarkeit. Es half<br />

speziell Frauen, die zwar schwanger werden<br />

konnten, aber nicht genügend Progesteron<br />

während der Schwangerschaft produzierten,<br />

um das richtige Milieu in der<br />

Gebärmutter für die Entwicklung des Fötus<br />

zu halten, wodurch eine spontane Abtreibung<br />

hervorgerufen wurde.<br />

Also das waren die medizinischen<br />

Hintergründe. Wir haben uns dann 1950<br />

entschlossen, dass wir daran arbeiten wollen,<br />

ein Steroid zu synthetisieren, das<br />

nicht in der Natur existiert, welches aber<br />

dieselbe biologische Wirksamkeit wie das<br />

Progesteron hat, aber oral aktiv wird. Das<br />

haben wir 1951 geschafft und 1957 hat<br />

man es erst offiziell in die Medizin eingeführt,<br />

für Menstruationsschwierigkeiten<br />

und Behandlung von Unfruchtbarkeit. Es<br />

existierten noch andere Gründe daran zu<br />

arbeiten, zumal man es möglicherweise<br />

zur Behandlung von Krebs gebrauchen<br />

hätte können. Die theoretische Anwendung<br />

für Verhütung hat man schon seit<br />

den zwanziger Jahren gekannt, aber damals<br />

war das noch kein Thema. Das ist erst<br />

ein paar Jahre später passiert und einige<br />

Leute, insbesondere ein Biologe, der Gregory<br />

Pincus hieß, haben daran gearbeitet.<br />

Die Pille als Verhütungsmittel ist dann<br />

1960 herausgekommen. Dann kam der<br />

große Erfolg. Vollkommen unerwartet.<br />

Wer sagt, dass er es gewusst hat, lügt, weil<br />

niemand daran glaubte, dass Frauen das so<br />

schnell annehmen würden. Der einzige<br />

Grund, warum das der Fall war, ist, dass es<br />

gerade die richtige Zeit war. Die 1960iger<br />

Jahre waren ja Hippiekultur, Rock and<br />

Roll Musik, Drogenkultur, Frauenbefreiung…<br />

Das sind alles Sachen, die mit einer<br />

freieren Sexualität zu tun haben.<br />

Wie stark ist nun Ihre Beziehung zu<br />

Österreich und wann kam für Sie der Moment,<br />

an dem Sie sich hier wieder ein Leben<br />

vorstellen konnten?<br />

Ich weiß noch immer nicht, ob ich mir<br />

hier ein Leben vorstellen kann. Ich lebe<br />

CURRICULUM VITAE<br />

Carl Djerassi wurde am 29. Oktober 1923 in Wien in einer<br />

jüdischen Ärztefamilie geboren. In Folge der nationalsozialistischen<br />

Machtübernahme emigrierte er 1938 mit seiner<br />

Mutter über Bulgarien in die USA. Er erhielt ein Stipendium<br />

für ein College in Missouri und studierte organische<br />

Chemie. Mit 22 Jahren promovierte er 1945 an der Universität<br />

von Wisconsin und war daraufhin als Chemiker in der<br />

Forschung tätig. Für seine Forschungstätigkeit wurde er<br />

mit zahlreichen wissenschaftlichen Preisen, 24 Ehrendoktoraten<br />

und einer Vielzahl internationaler Ehrungen<br />

ausgezeichnet. In den 1980er Jahren begann Djerassi<br />

auch Autobiographien, Lyrik und Kurzgeschichten zu veröffentlichen<br />

und trat in den letzten Jahren zunehmend als<br />

Romanautor und Dramatiker in die Öffentlichkeit. Er<br />

kreierte mit „Science-in-Fiction“ eine neue Romangattung<br />

und schrieb Theaterstücke des Genres „Science-in-Theater“.<br />

Neben seiner Tätigkeit als Schriftsteller ist Carl Djerassi<br />

leidenschaftlicher Kunstsammler – so besitzt er mit<br />

über 150 Werken eine der größten Paul Klee-Privatsammlungen<br />

der Welt (die er bereits je zur Hälfte dem<br />

Museum of Modern Art in San Francisco und der Albertina<br />

in Wien vermacht hat). Carl Djerassi ist seit 1945 US-<br />

Staatsbürger, 2004 wurde ihm auch die österreichische<br />

Staatsbürgerschaft verliehen. 2005 erschien eine österreichische<br />

Briefmarke mit seinem Gesicht.<br />

hier nicht. Ich habe hier nur eine Wohnung<br />

zur Miete, wo ich einige Monate verbringe,<br />

und pendle zwischen drei Plätzen: London,<br />

San Francisco und hier. Also verbringe ich<br />

vier Monate in San Francisco, wo ich noch<br />

auf der Stanford University unterrichte,<br />

acht Monate in Europa, und bin sowieso<br />

ständig auf Reisen.<br />

In der Nähe von San Francisco ist auch<br />

die „Djerassi Artists in Residence“ Künstlerkolonie<br />

seit mittlerweile dreißig Jahren<br />

und hatte dort schon über zweitausend<br />

Künstler aus den verschiedensten Bereichen,<br />

nicht nur Maler und Bildhauer, sondern<br />

auch Schriftsteller, Tänzer, Choreographen<br />

und Musiker, auch welche aus<br />

Österreich!<br />

Sie interessieren sich scheinbar immer<br />

mehr für Kunst und Kultur, forschen Sie<br />

dennoch als Chemiker weiter oder ziehen<br />

Sie sich langsam aus der Welt der Wissenschaft<br />

zurück?<br />

Ich habe mein Labor vor 18 Jahren geschlossen<br />

und sitze hauptsächlich vor meinem<br />

Computer und schreibe. Zurzeit arbeite<br />

ich an einem Roman und habe gerade vor<br />

einem Monat mein letztes Theaterstück fertiggeschrieben.<br />

Es heißt „Vorspiel“ und ist<br />

eine doppeldeutige Anspielung auf das Vorspiel<br />

beim Sex und in der literarischen<br />

Welt. Es wird als Buch im März 2011 beim<br />

Haymon Verlag erscheinen. Es geht dabei<br />

um die Beziehung zwischen Walter Benjamin,<br />

Hannah Arendt und Theodor W. Adorno.<br />

Letztere haben sich gehasst, mussten<br />

aber dann zusammenarbeiten. Das braucht<br />

man natürlich für ein gutes Theaterstück.<br />

Mit ein Grund, warum ich das hier geschrieben<br />

habe, ist, dass ihr erster Mann,<br />

Günther Stern, ein gebürtiger Wiener, jüdisch<br />

und während der NS-Zeit wie sie<br />

flüchtig, einer der ersten war, der in den<br />

1950er Jahren wieder nach Wien zurückgekommen<br />

ist. Den Rest seines Lebens verbrachte<br />

er als Journalist und Schriftsteller.<br />

Er wollte allerdings anonym bleiben und<br />

nannte sich ab sofort Günther Anders. Ich<br />

habe entdeckt, dass all seine Briefe, sein<br />

ganzes Archiv hier in der Nationalbibliothek<br />

ist. Auch allerlei Briefe, die vom<br />

Schriftverkehr zwischen Adorno und<br />

Arendt zeugen, den sie dreißig Jahre später<br />

noch hatten. Sie haben sich scheinbar anfangs<br />

gehasst aber später doch noch verstanden.<br />

Also habe ich dieses Material in eine<br />

amüsante und geistreiche Geschichte verpackt<br />

und hoffe, dass ich ein Theater dafür<br />

interessieren kann. Es freut mich sehr, dass<br />

mein österreichischer Verlag, genauso wie<br />

mein spanischer und amerikanischer, dieses<br />

Stück im März als Buch herausbringen<br />

werden, noch bevor es ein Theater spielt.<br />

72 | <strong>SOCIETY</strong> 3_10


LEINER<br />

MOMENTE<br />

ZUM WOHLFÜHLEN.<br />

Kuschelige Wohn-Inspirationen<br />

im „Alpen-Chic“.<br />

Die Leiner Wohn-<br />

Stylistin ist Ihr persönlicher<br />

Ansprechpartner und findet<br />

gemeinsam mit Ihnen auch<br />

Ihren persönlichen Wohntraum.<br />

Einfach anmelden unter<br />

0810/200 310 oder auf<br />

www.leiner.at/<br />

wohnberatung.


WIRTSCHAFT<br />

EVENTS<br />

FOTOS: ÖSTERREICHISCHE LOTTERIEN/DIETMAR MATHIS (3),<br />

APA-FOTOSERVICE/PREISS, LEISUREGROUP.AT/RUDOLPH<br />

HIGHLIGHTS VERANSTALTUNGEN<br />

DER WIRTSCHAFT Juli bis September <strong>2010</strong><br />

Johannes Bruckenberger,<br />

Marcus<br />

Hebein, Michael<br />

Lang, Werner Müllner<br />

UNSER STEPHANSDOM<br />

Wiens Bürgermeister Dr. Michael Häupl überreichte zusammen<br />

mit Wirtschaftskammer-Präsidentin Brigitte Jank und café+co Geschäftsführer<br />

Gerald Steger eine Spende für den Verein „Unser Stephansdom“.<br />

Entgegengenommen wurde die großzügige Spende<br />

von 30.000 Euro von Vereinsobmann Christian Konrad und Dompfarrer<br />

Toni Faber. Das Geld hatte café+co im Rahmen der Kaffeegala<br />

im Wiener Rathaus gesammelt.<br />

APA: „BIERIGER“ IN DER STIEGL AMBULANZ<br />

Zum siebenten Mal lud die APA – Austria<br />

Presse Agentur – Österreichs Medien- und<br />

Kommunikationsprominenz zum APA-Bierigen<br />

in die Stiegl-Ambulanz. Mehr als 300<br />

Gäste folgten trotz frühwinterlicher Temperaturen<br />

der Einladung zum gemeinschaftlichen<br />

Bierheben. Traditionell eröffnete<br />

Gastgeber und APA-Chefredakteur<br />

Michael Lang das Fest mit wenigen Worten<br />

und konzentrierte sich mit dem Anzapfen<br />

des Bierfasses sogleich auf das Wesentliche.<br />

Dr. Christian Konrad, Gerald<br />

Steger, KR Brigitte Jank, Kanonikus<br />

Anton Faber, Dr. Michael<br />

Häupl, Christian Pöttler<br />

ÖSTERREICHISCHE LOTTERIEN:<br />

EDELWEISS BERGTOUR<br />

Der komplette Vorstand der Österreichischen Lotterien<br />

startete zum Gipfelsturm auf 3.360 Meter. Ziel war<br />

die Hochalm Spitze in den Kärntner Hohen Tauern, wo<br />

ein Scheck an den Präsidenten der Österreichischen<br />

Bergrettung, Reinhold Dörflinger, in der Höhe von<br />

20.000 Euro übergeben wurde. Vorstandsvorsitzender<br />

Karl Stoss würdigte die Leistungen der 11.200 ehrenamtlichen<br />

Einsatzkräfte, die ihr eigenes Leben einsetzen,<br />

um Verunglückten zu helfen.<br />

Lotterien-Vorstände Bettina<br />

Glatz-Kremsner,<br />

Karl Stoss und Friedrich<br />

Stickler (v.l) mit Peter<br />

Habeler (re) bei der<br />

Scheckübergabe an Bergrettungs-Präsident<br />

Reinhold Dörflinger<br />

ÖPC-Präsidentin Maria Rauch-Kallat,<br />

Union-Präsident Peter Haubner, ASKÖ- und<br />

BSO-Präsident Peter Wittmann und ÖOC-<br />

Generalsekretär Peter Mennel beim Packen<br />

Heurigenwirt Matthias Hengl, KEBA-Boss Gerhard<br />

Luftensteiner, KIKA/Leiner-Präsident Herbert<br />

Koch und Post-Vorstand Herbert Götz<br />

nach dem erfolgreichen Gipfelstur<br />

74 | <strong>SOCIETY</strong> 3_10


WIRTSCHAFT<br />

EMPFANG<br />

Rolf Thaler, Reinhart<br />

Waneck, Maria Rauch-Kallat und<br />

Gabriele Herberstein<br />

Einladung zur Jubiläumsfeier<br />

Champagnerempfang im<br />

Diagnostik Plus Zentrum<br />

Das einjährige Bestehen des Diagnostik Plus Zentrums in Wien Penzing gab Anlass zu<br />

einer Jubiläumsfeier. Zum „Geburtstag“ erschienen viele namhafte Gratulanten aus Medizin,<br />

Wirtschaft und Diplomatie.<br />

FOTOS: <strong>SOCIETY</strong>/YLVA WANECK<br />

Prim. Univ.-Prof. Dr. Reinhart Waneck<br />

und Mag. Gertrud Tauchhammer luden<br />

zum Champagnerempfang ins<br />

„Diagnostik Plus Zentrum“ in Wien Penzing.<br />

Anlass war der Jahrestag der Eröffnung<br />

des in der Kuefsteingasse gelegenen<br />

Röntgenzentrums. Bei ausgezeichneter<br />

Stimmung gab Mag. Uta Pfeiffer, die unter<br />

anderem Mitglied des Wiener Haydnchors<br />

ist, Wienerlieder zum Besten, begleitet<br />

wurde sie dabei von Prof. DI Fritz Bruckner,<br />

Leiter des Wiener Schubertchors, auf<br />

dem Klavier. Weiteres hielt die renommierte<br />

Psychologin und Autorin des Buches<br />

„Mut zur Lebensfreude“ Dr. Brigitte Bösenkopf<br />

einen kurzen Vortrag über die Verknüpfung<br />

von Lebensfreude, Arbeit und<br />

Liebe. Für die Verköstigung der zahlreich<br />

erschienenen Gäste aus Botschaftskreisen,<br />

Wirtschaft, Politprominenz und Medizin<br />

sorgte der ehemalige Hofkoch von Königin<br />

Sylvia von Schweden, Torbjörn Andersson,<br />

der skandinavisches Fingerfood servierte.<br />

S.E. Jargalsaikhan<br />

Enkhsaikhan<br />

S.E. Youssoufou Bamba<br />

Primaria Dr. Anca Mauksch,<br />

Prim. Dr. Reinhart Waneck<br />

und Mag. Uta Pfeiffer<br />

AUSZUG AUS DER GÄSTELISTE<br />

S.E. Eugenio Curia (Argentinien), Dir. Prim. Univ. Prof. Shapour<br />

Djavan (Rudolfinerhaus), S.E. Jargalsaikhan Enkhsaikhan<br />

(Mongolei), Prof. Ernst Fuchs, BM a. D. Maria Rauch-<br />

Kallat, DDr. Gabriele Herberstein, S.E. Youssoufou Bamba<br />

(Côte d‘Ivoire), Elisabeth Böhm (NEWS Verlag), Stephan<br />

Heisler (BMeiA), Otmar Lahodynsky (Profil), Helmut Hickl<br />

(BMFWJ), Prof. Gerhard Gutruf<br />

Reinhart Waneck und Gerti<br />

Tauchhammer zusammen mit<br />

Prof. Ernst Fuchs und Begleitung<br />

<strong>SOCIETY</strong> 3_10 | 75


LIFE UND STYLE<br />

BALL<br />

Schwungvoll ins neue Jahr<br />

„That’s Entertainment“<br />

Mit Unterhaltung im Stile großer Entertainer von Frank Sinatra bis Robbie Williams und<br />

österreichischer Walzertradition geleitet der 41. Kaiserball in der Hofburg Vienna zu Silvester<br />

unter dem Motto „That’s Entertainment“ seine Gäste schwungvoll in das neue Jahr. Zu jeder<br />

Jahreszeit ist die Hofburg Vienna eine besonders gute Wahl für Bälle und exquisite Bankette.<br />

Am 31. Dezember <strong>2010</strong> feiert die Hofburg<br />

Vienna den prunkvollsten Silvesterball<br />

Wiens, den 41. Kaiserball. Unter<br />

dem Motto „That’s Entertainment“<br />

begleiten Melodien der großen Entertainer<br />

wie Frank Sinatra, Elvis Presley, Liza Minelli<br />

und Robbie Williams durch den Abend.<br />

Sowohl bei der Eröffnung als auch während<br />

der Mitternachtseinlage erklingen<br />

die Rhythmen der Showgrößen von einst<br />

und jetzt in einer spektakulären Bühnenshow<br />

mit Solisten und Balletttänzern der<br />

führenden österreichischen Bühnen.<br />

***<br />

Balltradition und Discoklänge<br />

Natürlich kommt auch die österreichische<br />

Balltradition nicht zu kurz: Colloredo-<br />

Sisi wünscht beim Kaiserball<br />

„Prosit Neujahr“.<br />

Grenadiere heißen die Gäste nach historisch-militärischem<br />

Zeremoniell in der<br />

Eingangshalle willkommen, das Jungdamen-<br />

und Jungherrenkomitee der Tanzschule<br />

Elmayer gestaltet die Eröffnung<br />

mit der traditionellen Fächerpolonaise,<br />

das Kaiserpaar Franz Joseph und Sisi<br />

wünscht „Prosit Neujahr“ und die Klänge<br />

des Donauwalzers geleiten schwungvoll<br />

ins Jahr 2011. Junge und Junggebliebene<br />

tanzen nicht nur zu den acht Live-Bands,<br />

die sich in den großen Tanzsälen abwechseln,<br />

sondern auch im „Tanzpalast bei<br />

Hof“ zu flotten Discoklängen.<br />

***<br />

Exquisites Galadiner am Ball<br />

Neben dem künstlerischen Programm<br />

FOTOS: HOFBURG VIENNA, TANZSCHULE ELMAYER, FOTO FAYER<br />

76 | <strong>SOCIETY</strong> 3_10


ist auch das exquisite Silvesterdiner ein Höhepunkt<br />

am Ball. „Daher haben wir kürzlich<br />

mit unserem Caterer ‚Catering’s Best<br />

by InterContinental‘ das Galamenü bereits<br />

ausgewählt“, berichtet Regina Macho, Kaiserballorganisatorin.<br />

Es wird schon heute<br />

verraten, denn Vorfreude ist bekanntlich<br />

die schönste Freude.<br />

„Während der Degustation haben wir<br />

uns für exotische Thunfischvariationen<br />

und eine Altwiener Steinpilzcrèmesuppe<br />

für die Vorspeisen entschieden“, meint<br />

Geschäftsführerin Mag. Renate Danler. Als<br />

Hauptgang wird es Tranchen vom Rinderfilet<br />

auf Kartoffel-Rüben-Puffer und Gemüse-Ragout<br />

geben, während zum Dessert<br />

eine Albatrüffel-Pralinen-Schnitte und<br />

Näschereien aus der k.u.k Hofbäckerei verführen.<br />

Die Komposition des Diners soll<br />

einerseits das moderne Ballmotto „That’s<br />

Entertainment“ kulinarisch widerspiegeln,<br />

aber auch heimische wie internationale<br />

Feinschmecker begeistern.<br />

Alternativ steht für die Gäste ein reichhaltiges<br />

Buffet bereit. Der Cocktail wird in<br />

eigenen Kaiserball-Sektflöten gereicht, die<br />

nach dem Ball als ideales Souvenir mit<br />

nach Hause genommen werden können.<br />

***<br />

Die Welt zu Gast in Wien<br />

Insgesamt feiern an die 1.500 Besucher<br />

aus über vierzig Nationen am Kaiserball<br />

den Jahreswechsel, darunter auch Gäste<br />

aus Indonesien, Neuseeland, Äthiopien,<br />

Chile und Alaska. „Das meiste ausländische<br />

Publikum haben wir allerdings aus<br />

Frankreich, den USA und Großbritannien.<br />

An die fünfzehn bis zwanzig Prozent unserer<br />

Gäste sind aus Österreich“, so Hofburg<br />

Vienna Geschäftsführerin Renate Danler.<br />

Vor allem Diplomaten und Mitglieder von<br />

internationalen Organisationen schätzen<br />

den Kaiserball wegen seiner Internationalität.<br />

Die Hofburg Vienna<br />

***<br />

Rahmenprogramm<br />

Für die Gäste aus dem Ausland organisiert<br />

das Kaiserball-Team auch ein ergänzendes<br />

Rahmenprogramm: Karten für Vorstellungen<br />

in der Spanischen<br />

Hofreitschule, der Wiener Staatsoper und<br />

die Volksoper sowie dem Sisi Museum. Ein<br />

weiteres Service sind auch die Kombi-Angebote<br />

mit der Hotellerie wie beispielsweise<br />

dem Hotel Sacher, dem Hotel Bristol und<br />

dem Hotel Imperial, aber auch dem Hotel<br />

InterContinental, dem Steigenberger Hotel<br />

Herrenhof und dem Hotel de France.<br />

***<br />

Hofburg Vienna<br />

Ob diplomatischer Empfang, internationales<br />

Bankett, Galaveranstaltung der Prominenz<br />

oder edle Weihnachtsfeier: Mehr<br />

und mehr zeigt sich die Hofburg Vienna<br />

nicht nur als erste Adresse für Bälle, sondern<br />

auch als Veranstaltungsort für Bankette<br />

und Kongresse. Wo einst Monarchen<br />

Audienzen abhielten, finden heute Staatsbankette<br />

zu Ehren von Präsidenten und Königsfamilien<br />

statt, aber auch zahlreiche<br />

internationale Organisationen und Botschaften<br />

nutzen zunehmend das imperiale<br />

wie moderne Flair der Hofburg für ihren<br />

diplomatischen Auftritt. Insgesamt finden<br />

in der Hofburg Vienna mehr als 300 Veranstaltungen<br />

mit rund 290.000 bis 300.000<br />

Gästen statt. Mit dem permanenten Konferenzsitz,<br />

den die OSZE in der Hofburg<br />

Vienna hat, sind es sogar über 600 Veranstaltung<br />

jährlich.<br />

INFO<br />

Die Details zum Kaiserball <strong>2010</strong><br />

Datum: 31. Dezember <strong>2010</strong><br />

Ort: Prunksäle, Hofburg Vienna, Heldenplatz, 1010 Wien<br />

Einlass für Dinergäste: 19.30 Uhr<br />

Einlass für Ballgäste: 22.00 Uhr<br />

Ballende: 03.30 Uhr<br />

Preise:<br />

• Ballkarte mit Galadiner (inklusive 4-gängigem Galadiner,<br />

Begrüßungscocktail, Getränken, Champagner zu Mitternacht,<br />

Eintritt und Tischplatzreservierung) ab 430 Euro pro<br />

Person<br />

• Ballkarte mit Tischplatzreservierung (inklusive Eintritt,<br />

Tischplatzreservierung, Glas Sekt und kleinem Imbiss am<br />

Buffet) ab 190 Euro pro Person<br />

• Ballkarte (inklusive Eintritt und einem Glas Sekt) um 140<br />

Euro pro Person und um 60 Euro für Studenten<br />

Mit flotten Discoklängen ins Neue Jahr.<br />

Information<br />

Tel. +43-(0)1-587 36 66-23<br />

kaiserball@hofburg.com<br />

www.kaiserball.com<br />

<strong>SOCIETY</strong> 3_10 | 77


LIFE UND STYLE<br />

SALZBURG<br />

Gunter Sachs, Manni Fürstin<br />

Sayn-Wittgenstein-Sayn,<br />

Thomas Gottschalk, Helga<br />

Rabl-Stadler, Ben Becker<br />

Legendäre Salzburger Einladungen<br />

„Ich lade gern mir Gäste ein…“*<br />

Marianne Fürstin zu Sayn-Wittgenstein-Sayn war 36 Jahre lang die wichtigste Protagonistin<br />

auf dem Gesellschaftsparkett Salzburgs. Kürzlich lud die Fürstin anlässlich der<br />

Präsentation ihres Fotobandes „Mannifeste“ zum letzten Mal ein. Journalisten und Fotografen<br />

aus aller Welt kamen angereist. Von EVA VON SCHILGEN<br />

Nicht umsonst hat Johann Strauss Sohn<br />

in seiner wohl bekanntesten Operette,<br />

der 1874 uraufgeführten „Fledermaus“,<br />

die Figur des Prinzen Orlofsky als<br />

„Hosenrolle“ für einen Mezzosopran angelegt,<br />

denn viele bedeutende Gastgeber der<br />

Geschichte waren Frauen. So konnte die<br />

Schriftstellerin und Journalistin Berta Zuckerkandl-Szeps<br />

(1864-1945), die Ende des<br />

19. Jahrhunderts bis 1938 in Wien einen literarischen<br />

Zirkel führte, mit Recht von<br />

sich behaupten: „In meinem Salon ist<br />

Österreich.“ Da verkehrten Gustav Klimt<br />

und Gustav Mahler, der hier seine Alma<br />

kennen lernte, oder Max Reinhardt, der<br />

hier das erste Mal den „Jedermann“ las, Arthur<br />

Schnitzler, Johann Strauss jun. und<br />

viele, viele mehr.<br />

***<br />

„…man lebt bei mir recht fein…“<br />

Aber auch in Salzburg wahrt man die<br />

Tradition der gepflegten Einladungen. Marianne<br />

Fürstin zu Sayn-Wittgenstein-Sayn<br />

war 36 Jahre lang während der Festspielzeit<br />

im Sommer die wichtigste Protagonistin<br />

auf dem gesellschaftlichen Parkett.<br />

Manni, wie ihre Freunde sie liebevoll nennen,<br />

wird 1919 als erstes von neun Kindern<br />

von Friedrich Baron Mayr-Melnhof und seiner<br />

Frau Maria Anna Gräfin von Meran, einer<br />

Urenkelin der Kaiserin Maria Theresia,<br />

in Salzburg geboren. Als Zehnjährige begeistern<br />

sie die Fotos der Indienreise ihrer<br />

78 | <strong>SOCIETY</strong> 3_10<br />

* ARIE DES PRINZEN ORLOFSKY AUS DER OPERETTE „DIE FLEDERMAUS“ VON JOHANN STRAUSS SOHN


FOTOS: FOTOS MIT FREUNDLICHER GENEHMIGUNG VON EVA VON SCHILGEN, KUNSTVERLAG POLZER, PHOTO GUNTER SACHS: © MARIANNE SAYN-WITTGENSTEIN-SAYN, HANNES AUER AND FRIENDS, FRANZ NEUMAYR<br />

Tante Marie, einer geborenen Prinzessin<br />

Hohenlohe, derart, dass die Eltern ihr einen<br />

Fotoapparat schenken. Nach dem Abitur<br />

studiert die junge Baronesse an der<br />

Münchner Blocherer Kunstakademie. Dort<br />

lernt sie Ludwig Prinz zu Sayn-Wittgenstein<br />

kennen, der auf Heimaturlaub von<br />

der Front kommt. Schon nach wenigen<br />

Tagen verlobt man sich, Anfang 1942 findet<br />

die Hochzeit in Salzburg statt. Die ersten<br />

Ehejahre verbringt die Prinzessin auf<br />

Schloss Sayn, dort werden auch die zwei ersten<br />

Kinder geboren. Bei Kriegsende zerstören<br />

die Deutschen auf dem Rückzug Teile<br />

der Schlossanlage. 1946 kehrt ihr Mann<br />

aus englischer Gefangenschaft zurück.<br />

Die wirtschaftlichen Verhältnisse sind<br />

alles andere als glücklich. Das junge Ehepaar<br />

gründet eine Handelsgärtnerei und<br />

verdient so den Unterhalt für sich und die<br />

indessen auf vier angewachsene Kinderschar.<br />

Trotzdem führt die Prinzessin ein<br />

gastfreundliches Haus. Der sportliche<br />

Prinz Ludwig begeistert seine Familie für<br />

den Motorsport und Prinzessin Marianne<br />

hält die zahlreichen Besuche auf den Rennstrecken<br />

im In- und Ausland mit der Kamera<br />

fest. Als 1958 der Onkel ihres Mannes,<br />

Fürst Stanislaus, kinderlos stirbt, wird<br />

Prinz Ludwig Chef des Hauses und übernimmt<br />

Schloss Sayn. Nur fünf Jahre später<br />

wird er durch einen betrunkenen Lastwagenfahrer<br />

bei einem Verkehrsunfall getötet.<br />

Die Fürstin ist 42 Jahre alt, die Kinder<br />

im Alter von sieben bis 19 Jahren. Neuer Lebensmittelpunkt<br />

wird jetzt das von ihrem<br />

Mann und ihr gebaute kleine Haus in<br />

Fuschl bei Salzburg. Eine ihrer besten<br />

Freundinnen, die Schauspielerin Lilli Palmer,<br />

rät ihr, ihr Hobby, die Fotografie,<br />

zum Beruf zu machen und so arbeitet die<br />

Kulturministerin<br />

Claudia Schmied,<br />

Fürstin Manni, LH Stv.<br />

Wilfried Haslauer<br />

Fürstin ab 1970 als Fotografin für einige<br />

Zeitschriften unter anderen für die<br />

„Bunte“..<br />

***<br />

„…so pack ich ihn ganz ungeniert…“<br />

Im Palace Hotel im schweizerischen St.<br />

Moritz trifft sie den deutschen Playboy<br />

und Millionenerben Gunter Sachs und seine<br />

Frau Mirja – es ist der Anfang einer lebenslangen<br />

Freundschaft. Als die beiden<br />

AUSZUG AUS DER GÄSTELISTE<br />

Prinz Sadruddin Aga Khan, Ben Becker, Arndt von Bohlen<br />

und Halbach, Leonard Bernstein, Aenne Burda, Sean Connery,<br />

Rosemarie Fendel, Henry Ford II., Prinzessin Ira Fürstenberg,<br />

Hans-Dieter Genscher, Thomas und Thea Gottschalk,<br />

Elisabeth Gürtler, Alfonso Prinz Hohenlohe, Curd<br />

Jürgens, Alice & Ellen Kessler, Ronald Lauder, Erbprinz Hans<br />

Adam von Lichtenstein, Prinz und Prinzessin Michael von<br />

Kent, Julia Migenes, Rudolf Mooshammer, Stavros Niarchos,<br />

Lilli Palmer, Eric de Rothschild, Gunter und Mirja Sachs, Maria-Pia<br />

Prinzessin Savoyen, Walter Scheel, Maximilian<br />

Schell, Arnold Schwarzenegger, Steve Martin, Georg Tabori,<br />

Margaret Thatcher, Kurt Waldheim, Georg Weidenfeld,<br />

Michael York und viele, viele mehr.<br />

Gunther Sachs, Fürstin Manni,<br />

Helga Rabl-Stadler, Thomas<br />

Gottschalk, Thaddaeus Ropac<br />

sie in Fuschl besuchen, sind sie von der<br />

herzlichen und ungezwungenen Art ihrer<br />

Gastgeberin fasziniert, die ihre respektablen<br />

Gäste auch manchmal resolut in die<br />

Küche an den Herd holt. Die Idee der fünf<br />

Mal stattfindenden sonntäglichen Sommerfestspiel-Mittagsessen<br />

entsteht. Alles,<br />

was in Salzburg Rang und Namen hat,<br />

reißt sich um die fürstlichen Einladungen.<br />

Aber auch neue Freunde, welche die Fürstin<br />

auf ihren zahlreichen Auslandsreisen<br />

nach London, Paris oder New York trifft,<br />

geben sich in Fuschl ein Stelldichein. Und<br />

so wächst die Schar der sonntäglichen<br />

Gäste im Laufe der Jahrzehnte auf hundert<br />

und mehr.<br />

***<br />

„…man unterhält sich, wie man mag…“<br />

Vieles trug zum Charme der Einladungen<br />

bei: Da war die humorvolle, weltgewandte<br />

und fürsorgliche Gastgeberin, die<br />

aus einfachen Zutaten Köstliches zaubern<br />

lässt. Legendär ist ihr Hirschgulasch mit<br />

Nockerln oder der selbstgemachte Hollersaft.<br />

Da ließ die ländliche Idylle auf der<br />

Wiese vor dem hölzernen Stadl, das gemütlich-elegante<br />

Ambiente und der stilvolle<br />

Rahmen es zu, sich zwanglos zu unterhalten.<br />

Da trafen Menschen unterschiedlichster<br />

Herkunft und Interessen aufeinander<br />

und entdeckten einander. Schauspieler,<br />

Sänger und Komödianten wurden neben<br />

Wirtschaftsbosse platziert, Aristokraten<br />

neben Graffiti-Künstler und Modeschöpfer<br />

neben Politiker. Viele dieser Gäste sind in<br />

dem <strong>2010</strong> erschienen Buch, an dem die<br />

Fürstin und ihr Sohn Fürst Peter mitgearbeitet<br />

haben, mit ganz persönlichen Fotos<br />

vertreten. Das Archiv der fürstlichen Fotografin<br />

ist in dessen auf mehr als 250.000<br />

Bilder angewachsen und ein fotografisches<br />

Fürstin Manni beim Signieren<br />

<strong>SOCIETY</strong> 3_10 | 79


LIFE UND STYLE<br />

SALZBURG<br />

FOTOWERKE<br />

„Private Gartenkunst in Deutschland“, Busse + Seewald<br />

1986, ISBN 3512007554, zusammen mit Ursula Gräfin zu<br />

Dohna, Philipp Graf Schönborn<br />

„MAMARAZZA – Gesellschaftsfotografie von 1950-2000“,<br />

Steidl Göttingen 1999, ISBN 3882436417<br />

„SAYNERZEIT“, Kulturverlag Polzer 2005, ISBN 3950138811<br />

„SAYN-WITTGENSTEIN COLLECTION, Photographs by Princess<br />

Marianne Sayn-Wittgenstein-Sayn“, 5-sprachig, Vorworte<br />

von Gunter Sachs, Sir Sean Connery und Dr. Beate<br />

Reifenscheid (Ludwig Museum Koblenz), teNeues Buchverlag,<br />

2006, 256 Seiten, ISBN 3832791280<br />

„MANNIFESTE,<br />

Fuschler Mittagessen<br />

1974 bis 2009“,<br />

Vorworte von Gunter<br />

Sachs, Helga<br />

Rabl-Stadler, Thaddaeus<br />

Ropac, <strong>2010</strong><br />

Kunstverlag Polzer<br />

GmbH ISBN: 978-3-<br />

902658-23-4<br />

Manni Fürstin<br />

Sayn-Wittgenstein-Sayn<br />

im „Stadl“<br />

Die Fürstin mit<br />

Gunter und Mirja Sachs<br />

Eldorado der internationalen High-Society<br />

des 20. Jahrhunderts. Zahlreiche Ausstellungen<br />

u. a. in Berlin, Frankfurt, München,<br />

New York, Salzburg und Wien dokumentieren<br />

ihre fotografischen Erfolge.<br />

Dass auch die Republik Österreich mit der<br />

Fürstin keine Berührungsängste hat, beweisen<br />

die vielen ihr verliehenen Auszeichnungen.<br />

Erst kürzlich erhielt die Fotografin<br />

und Kulturvermittlerin das Große<br />

Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik<br />

Österreich von Kulturministerin Claudia<br />

Schmied überreicht.<br />

***<br />

„…und fragen Sie, ich bitte, warum ich<br />

das denn tu‘?...“<br />

Als im letzten Jahr die Fürstin das Ende<br />

ihrer sommerlichen Mittagsessen bekannt<br />

gab und dies mit ihrem Alter von neunzig<br />

Jahren begründete, konnten es ihre mehr<br />

als 500 Freunde kaum fassen. Ihre letzte<br />

Einladung gab sie diesen Sommer anlässlich<br />

der Vorstellung des letzten Fotobandes<br />

„Mannifeste“ für die Journalisten und Fotografen,<br />

die sie ein halbes Leben lang begleiteten.<br />

Auch ein Teil ihrer engsten Freunde<br />

waren erschienen, Gunter und Mirja<br />

Sachs, Thomas Gottschalk, die Festspielpräsidentin<br />

Helga Rabl-Stadler, der Galerist<br />

Thaddaeus Ropac und der Schauspieler<br />

Ben Becker. Mehr als sechzig Reporter kamen,<br />

alle wichtigen deutschen Fernsehanstalten<br />

waren vertreten Dieser Medien-Hype<br />

verleitete die Fürstin zu dem Ausspruch:<br />

„Fast bereue ich meinen Abschied. Aber ich<br />

denke schon wieder an kleine Gesellschaften,<br />

vielleicht nur mit acht Gästen oder<br />

zwölf oder auch…?“ Sie wird es wohl nicht<br />

lassen können/dürfen! Denn „…S’IST MAL<br />

BEI IHR SO SITTE! CHACUN À SON GOUT!“<br />

Steve Martin mit<br />

seinen Kindern<br />

Mit Premierministerin<br />

Margaret Thatcher<br />

Arnold und Maria<br />

Schwarzenegger<br />

80 | <strong>SOCIETY</strong> 3_10


LIFE UND STYLE<br />

ÖSTERREICH<br />

Geheimnisvoll und anziehend<br />

Sommer im Salzkammergut<br />

Das Salzkammergut ist ein besonderer Platz auf Erden. Von seiner Landschaft geht eine<br />

große Anziehungskraft aus. Das wussten Imperatoren und Künstler schon anno dazumal<br />

zu schätzen. Heutzutage ist es beliebter und belebter denn je. Von MONIKA TÜRK<br />

Die Sommer im Salzkammergut sind<br />

ganz besonders. Das wusste schon Kaiser<br />

Franz Joseph, der alljährlich mit seinem<br />

Hofstaat im Sommer nach Bad Ischl<br />

„übersiedelte“. Man nannte dies damals<br />

„Sommerfrische“. Franz Joseph lernte hier<br />

die bayrische Prinzessin Elisabeth, die spätere<br />

Kaiserin „Sisi“ kennen. Er ging sein Leben<br />

lang gerne auf die Jagd; sein Jagdschloss<br />

kann man in Bad Ischl besichtigen.<br />

Die Erinnerung an den Kaiser ist in Bad<br />

Ischl heute noch lebendig und kommt auch<br />

in alljährlichen Festlichkeiten zu seinem<br />

Geburtstag am 18. August zum Ausdruck.<br />

***<br />

Inspiration für Künstler<br />

Das Salzkammergut war seit dem 19.<br />

Jahrhundert ein beliebtes Ausflugsziel. Vor<br />

allem um die Wende zum 20. Jahrhundert<br />

zog es viele Künstler an, man denke an Gustav<br />

Mahler und Gustav Klimt, die viele ihrer<br />

Inspirationen am Attersee erhielten.<br />

Einer Anekdote zufolge hat einmal ein junger<br />

Komponist aus Wien Gustav Mahler in<br />

Steinbach am Attersee besucht und wollte<br />

dort ebenfalls komponieren. Gustav Mahler<br />

soll dazu gemeint haben: „Nein, das kannst<br />

Du nicht, hier habe ich schon alles wegkomponiert.“<br />

Gustav Klimt hat zahlreiche<br />

Sommer am Attersee verbracht – zusammen<br />

mit Emilie Flöge – und viele seiner Gemälde<br />

entstanden hier. Adalbert Stifters Erzählung<br />

„Bergkristall“ beruht auf einer<br />

persönlichen Begegnung des Autors mit<br />

Kindern am Hallstätter See.<br />

***<br />

Mit dem Salz verbunden<br />

Seinen Namen verdankt das Salzkammergut<br />

dem Namen „Hall“, dem keltischen<br />

Wort für Salz. Bereits vor vielen tausend Jahren<br />

wurde in Hallstatt Salz abgebaut, und<br />

dies gab einer ganzen Periode der Menschheitsgeschichte<br />

und auch der Region den<br />

Namen. Der Besuch der Bergwerkstollen ist<br />

ein besonderes Erlebnis. Der Name „Kammergut“<br />

kommt daher, dass dieses Gebiet<br />

jahrhundertelang der kaiserlichen Hofkammer<br />

in Wien unterstand.<br />

Von der Landschaft des Salzkammerguts<br />

geht eine große Anziehungskraft aus.<br />

Thomas Hampson mit Familie Türk<br />

nach einer Operngala im Rahmen des<br />

Attergauer Kultursommers.<br />

Man denke an den geheimnisvollen dunklen<br />

Hallstätter See mit seinen steil aufragenden<br />

Bergen, die bis zum Dachstein reichen,<br />

das Ausseer Land, aber auch das<br />

Gebiet um Wolfgangsee, Mondsee, Traunsee<br />

und den Attersee, den größten der<br />

Salzkammergutseen.<br />

Ich bin in Bad Goisern aufgewachsen.<br />

Meine Eltern unternahmen mit meinem<br />

Bruder und mir regelmäßig Bergtouren,<br />

vor allem ins Dachsteingebiet. Das waren<br />

für uns die Höhepunkte des Sommers. Seit<br />

meiner Eheschließung im Jahr 1967 verbringe<br />

ich die Sommer hauptsächlich in<br />

Nußdorf am Attersee, wo wir ein Haus haben.<br />

Auch heuer waren wir wieder hier und<br />

hatten eine wunderbare Zeit am See und in<br />

den Bergen. Der Attersee ist vor allem bei<br />

Seglern beliebt. Ist das Wetter schön und<br />

der Wind gut, so ist der See übersät von<br />

weißen aber auch bunten Segeln.<br />

***<br />

Die Operettenmetropole<br />

In meiner Jugendzeit war es im Salzkammergut<br />

eher ruhig. Heute gibt es ein<br />

Bundespräsident Dr. Heinz Fischer mit Dr. Helmut und Dr.<br />

Monika Türk auf der Sarsteinalm oberhalb des Hallstättersees.<br />

sehr reiches kulturelles Angebot. Jede Region<br />

hat eigene Sommerfestspiele mit sehr<br />

interessanten Programmen. Im Rahmen<br />

des Attergauer Kultursommers sang im<br />

Juli dieses Jahres Thomas Hampson, der<br />

weltberühmte amerikanische Bariton.<br />

Auch die Wiener Philharmoniker und andere<br />

bekannte Künstler sind hier regelmäßig<br />

zu Gast. In Bad Aussee ist es vor allem<br />

der große Schauspieler Klaus Maria Brandauer,<br />

der viele Besucher anzieht.<br />

Das Zentrum des Salzkammerguts ist<br />

Bad Ischl, ein Kurort mit einem sehr bekanntem<br />

Solebad und Thermen-Resort. Einer<br />

der bekanntesten Operettenkomponisten,<br />

Franz Lehár, hat hier gelebt und<br />

gewirkt. So wurde Bad Ischl zur „Operettenmetropole“<br />

und jährlich findet das „Lehár<br />

Festival“ statt. In diesem Rahmen wurde<br />

heuer auch die Operette „Der fidele<br />

Bauer“ von Leo Fall aufgeführt, deren<br />

Handlung in Oberwang, einer Nachbargemeinde<br />

von Nußdorf am Attersee spielt.<br />

Wenn die Sonne scheint, kann man<br />

sich keinen schöneren Platz auf Erden vorstellen<br />

als das Salzkammergut. Es darf<br />

aber nicht verschwiegen werden, dass es<br />

hier auch relativ häufig regnet. Dann freut<br />

man sich über Abwechslungen, die zum<br />

Beispiel ein Ausflug nach Salzburg einschließlich<br />

Besuch der Festspiele, bietet.<br />

Von unserem Haus am Attersee erreichen<br />

wir Salzburg in etwa vierzig Minuten. Ich<br />

kann jedem nur empfehlen, die landschaftliche<br />

Schönheit und die Vielfalt des<br />

Salzkammergutes selbst zu entdecken.<br />

<strong>SOCIETY</strong> 3_10 | 81


LIFE UND STYLE<br />

SCHÖNHEIT<br />

Beauty & Mind<br />

Pflege für Körper und Geist<br />

Im Studio Contacto bemüht sich das Team um eine ganzheitliche Betreuung der KundInnen –<br />

denn Schönheit und Geist sind untrennbar miteinander verbunden…<br />

Nach einem intensiven Sommer mit<br />

viel Freizeit und Sonne hat sich unsere<br />

Haut Erholung und wohltuende<br />

Pflege verdient. Durch die übermäßige<br />

Sonnenbestrahlung und Witterungseinflüsse,<br />

sowie das Verwenden von Sonnenpflegeprodukten,<br />

verhornt unsere Haut<br />

intensiver, wirkt dadurch ledrig und ausgetrocknet.<br />

Das Studio Contacto hat ein neuartiges<br />

Behandlungskonzept im Programm aufgenommen,<br />

das „AFTER SUN – Treatment“.<br />

Diese Hautregenerationsbehandlung erfolgt<br />

dabei in mehreren Schritten: Begonnen<br />

wird mit der Mikrodermabrasion,<br />

durch welche die verhornte Hautschicht<br />

mittels feinen Sandkörnchen abgetragen<br />

wird. Die dadurch gereinigten und geöffneten<br />

Hautporen können nun hochwertige<br />

feuchtigkeitsspendende Substanzen sehr<br />

gut aufnehmen. Damit das Hautbild auch<br />

geschmeidig und weich erscheinen kann,<br />

ist die zusätzliche Betreuung der Haut mit<br />

Milchsäureprodukten nötig.<br />

All diese Schritte werden in einer einstündigen<br />

Gesichtsbehandlung angewandt.<br />

Um einen optimalen Effekt zu<br />

erhalten empfiehlt die Fachkosmetikerin,<br />

Frau Martina Mixner,<br />

drei bis fünf Behandlungen.<br />

Wer seiner Haut noch<br />

maximalen Refreshing Effekt<br />

gönnen will, ergänzt dies mit<br />

Fachkosmetikerin<br />

Martina Mixner<br />

Dr. Erna-Maria Trubel<br />

Elisabeth Kögler vom<br />

Studio Contacto<br />

zwei Sitzungen Lichttherapie.<br />

Ihre Haut wird dadurch strahlend<br />

und kräftig!<br />

***<br />

Pflegetipps für erfolgreiches<br />

Denken<br />

Wie können Sie Ihr Gedächtnis<br />

trotz Multitasking,<br />

Alltagshektik und steigender<br />

Anforderungen optimieren?<br />

Frau Dr. Erna-Maria Trubel präsentiert<br />

Ihnen in ihrem Vortrag „Pflegetipps<br />

für erfolgreiches Denken“ neurowissenschaftlich<br />

fundierte Impulse, wie Sie die<br />

Leistungsfähigkeit Ihres Gehirns erhalten<br />

und verbessern können.<br />

Die studierte Simultandolmetscherin<br />

weiß, wovon sie spricht: Aus ihrer 25-jährigen<br />

Erfahrung im Unterricht an der Universität<br />

Wien hat Frau Dr. Trubel auf der Basis<br />

von Neurobiologie, Kognitionsforschung<br />

und transkultureller Kommunikation ein<br />

überzeugendes und leicht nachvollziehbares<br />

Konzept erarbeitet, das sie jetzt allen<br />

Menschen in belastenden Berufen<br />

anbietet. Ihr Ansatz ist logisch,<br />

denn gerade beim Dolmetschen<br />

geht es doch darum, in<br />

einer Stresssituation Höchstleistungen<br />

zu vollbringen und dabei<br />

einen klaren Kopf zu bewahren.<br />

Das Konzept ist ganz einfach:<br />

Wenn Sie die wichtigsten Funktionsmuster<br />

Ihres Gehirns kennen<br />

und wissen, was Chancen hat, gemerkt<br />

zu werden, dann können<br />

Sie sich optimal darauf einstellen.<br />

Sie bekommen Verständnis für das<br />

Zusammenspiel von Belastung,<br />

Stress und kognitiven Leistungen<br />

und können einfache Regeln für<br />

klares Denken umsetzen. Außerdem<br />

erfahren Sie, wie Ihr Gehirn auf Angst<br />

und Belastungen reagiert oder wie man<br />

Leistungsblockaden in den Griff bekommt,<br />

warum Lernen und Glück so eng zusammenhängen<br />

und was Sie über das Altern<br />

getrost vergessen dürfen. Erfolgreich leben<br />

und besser denken kann man lernen,<br />

auch ohne mühsame Gehirnakrobatik!<br />

EINLADUNG<br />

Einladung zum Vortrag<br />

„Beauty and Mind“ – Pflegetipps für erfolgreiches Denken,<br />

Klarheit, Merkfähigkeit und Flexibilität für Ihren Kopf<br />

Vortragende: Dr. Erna-Maria Trubel, Expertin für Kopf- und<br />

Gedächtnisfragen<br />

28. Oktober <strong>2010</strong>, 19.00 Uhr<br />

1010 Wien, Naglergasse 9/4<br />

Palais Esterhazy<br />

Im Anschluss gibt es die Möglichkeit für anregende Gespräche<br />

bei Sekt und Brötchen.<br />

Das Team „contacto“ freut sich auf Ihr Kommen und<br />

bittet um Anmeldung bis 20.10.<strong>2010</strong> unter<br />

info@contacto.co.at.<br />

KONTAKT<br />

CONTACTO<br />

Palais Esterházy<br />

Mag. (FH) Elisabeth Kögler<br />

Naglergasse 9/4, 1010 Wien<br />

Mobil: (0664)-91 69 511<br />

www.contacto.co.at<br />

82 | <strong>SOCIETY</strong> 3_10


LIFE UND STYLE<br />

HOTEL<br />

Wellness-Angebote für Babys,<br />

Kinder und Jugendliche<br />

im Hotel „Seitenalm“<br />

Bestens betreut vom Baby bis zum Teenager<br />

Wellness für Kinder<br />

Das Familienhotel „Die Seitenalm“ verwöhnt nicht nur Erwachsene<br />

sondern auch kleine Gäste mit maßgeschneiderten<br />

Wohlfühl-Anwendungen wie Massagen und Kosmetik, die<br />

speziell auf Kinder jeden Alters abgestimmt sind.<br />

Massagen und Kosmetikanwendungen<br />

sind ein Genuss! Dieser Wohlfühl-Luxus<br />

bleibt im Familienhotel „Die Seitenalm“<br />

in Radstadt (Salzburger Land) nicht<br />

nur Erwachsenen vorbehalten – auch Babys,<br />

Kinder und Jugendliche werden mit Wellness-Angeboten<br />

verwöhnt und gepflegt. Der<br />

renommierte Relax Guide hat die Seitenalm<br />

dafür mit zwei Lilien ausgezeichnet.<br />

***<br />

Massagen für die Kleinen<br />

Harmonisierende Kindermassagen sind<br />

ideal bei Ein- und Durchschlafschwierigkeiten<br />

oder bei allzu großem Aktivitätsdrang.<br />

Die Anwendung wird speziell auf<br />

die Bedürfnisse des Kindes angepasst und<br />

ist zwischen dem zweiten und zehnten Lebensjahr<br />

besonders empfehlenswert. Sanfte<br />

Babymassagen beruhigen die Kleinsten,<br />

fördern das Einschlafen und helfen dabei,<br />

Spannungen oder unangenehme Verdauungsbeschwerden<br />

zu lösen.<br />

***<br />

Kosmetik für Teenager<br />

Sogar die coolsten Teenies freuen sich<br />

über eine wohltuende Gesichtsbehandlung:<br />

Ob Pickel, Akne oder fettige Haut –<br />

die Kosmetik-Expertinnen der Seitenalm<br />

behandeln auch anspruchsvolle Teenagerhaut<br />

mit typgerechten Peelings, schonender<br />

Tiefenreinigung oder beruhigenden<br />

Masken.<br />

***<br />

Sinnenfreuden für Groß & Klein<br />

Die Seitenalm liegt auf malerischen<br />

1.150 Metern und wurde mit fünf Kronen<br />

als so genanntes „Familotel“ belohnt. Alle<br />

Zimmer und Suiten sind perfekt auf die Bedürfnisse<br />

von Familien ausgerichtet. Es finden<br />

sich auch Sport- und Entspannungsmöglichkeiten<br />

für jeden Geschmack: Ob<br />

Wasserspaß im Kleinkindbecken mit Kinderrutsche,<br />

der blubbernde Whirlpool, die<br />

beliebten Blockhaus-Saunen mit Traumblick<br />

in die Radstädter Tauern oder das duftende<br />

Kräuterdampfbad – Wellness wird in<br />

der Seitenalm zur puren Sinnenfreude.<br />

Auch abseits des Wellnessbereichs bleiben<br />

keine Kinderwünsche offen: Ponyreiten,<br />

Ziegen streicheln, Fußball spielen, im hauseigenen<br />

Teich den ersten Fisch fangen oder<br />

im Indianerzelt Freundschaften schließen.<br />

***<br />

Eigenes Kinder-Ski-Land<br />

Im Winter warten das Kinder-Ski-Land mit<br />

eigener Schischule und den Bambini-Skikursen<br />

direkt vor der Haustür. Der beliebte<br />

Zauberteppich befördert die jungen Skihaserln<br />

wie ein magisches Förderband sicher<br />

nach oben. Wer schon gut auf den Skiern<br />

steht, lässt sich mit dem Tellerlift bis zum<br />

„Hexenhaus“ bringen. Natürlich gibt es einen<br />

Skiverleih, eine Rodelbahn und Loipen<br />

für die Langläufer.<br />

Damit auch die „mitgebrachten“ Eltern<br />

auf ihre Erholungskosten kommen, werden<br />

pro Woche im Sommer 66 Stunden<br />

und im Winter 77 Stunden professionelle<br />

Kinderbetreuung mit verschiedenen Aktivitäten<br />

angeboten. Sogar Babys werden 25<br />

Stunden wöchentlich professionell betreut.<br />

KONTAKT<br />

Familienhotel „Die Seitenalm“<br />

Familie Arnold<br />

Forstauer Straße 17<br />

5550 Radstadt / Salzburger Land<br />

Tel.:+43-(0)6452-6789<br />

E-Mail: info@seitenalm.at<br />

www.seitenalm.at<br />

<strong>SOCIETY</strong> 3_10 | 83


LIFE UND STYLE<br />

GESUNDHEIT<br />

Interview mit dem Wiener Arzt und Schmerzspezialisten Reinald Brezovsky<br />

Botschafter der sanften<br />

Schmerzmedizin<br />

Der Wiener Neurochirurg und Schmerzspezialist Dr. Reinald Brezovsky propagiert seit mehr<br />

als zehn Jahren sanfte Methoden der Schmerztherapie. Im Interview erklärt er, warum er<br />

Komplementärmedizin mit Schulmedizin kombiniert.<br />

Warum setzen Sie als Schulmediziner auf<br />

sanfte, komplementärmedizinische Methoden?<br />

Für mich als Neurochirurgen war die<br />

Konfrontation mit Wirbelsäulenpatienten<br />

in der Ambulanz oft sehr unbefriedigend.<br />

Die meisten wurden ohne<br />

Operation wieder weggeschikkt,<br />

da keine Notwendigkeit<br />

zur operativen Therapie vorlag.<br />

Die Frage der Patienten<br />

war oft: Was soll ich jetzt machen?<br />

Ich habe eine ganze<br />

Weile gebraucht, um darauf<br />

eine zufrieden stellende Antwort<br />

zu finden.<br />

Nach meiner Diplomausbildung<br />

in Manueller Medizin,<br />

meinen Akupunkturkursen<br />

und zahlreichen anderen<br />

Fortbildungen verfüge ich heute über ein<br />

wirkungsvolles und effektives Repertoire<br />

an sanften Behandlungsmöglichkeiten für<br />

Schmerzpatienten. Dieses setze ich heute<br />

in Kombination mit Medikamenten und<br />

operativen Methoden ein, um die bestmögliche<br />

Wirkung zu erzielen.<br />

Welchen Stellenwert haben sanfte Methoden<br />

heutzutage in der Schmerzmedizin?<br />

Einen erfreulich hohen! Zahlreiche Kollegen<br />

verfügen inzwischen über Kenntnisse<br />

in Manualtherapie, Osteopathie oder<br />

Akupunktur. Damit ist die „Schwellenangst“<br />

überwunden. Heute ist es absolut<br />

üblich für Schulmediziner, sich auch mit<br />

komplementärmedizinischen Methoden<br />

zu beschäftigen und diese dann mit der<br />

Schulmedizin zu kombinieren.<br />

Welche Vorteile bietet dieses<br />

Behandlungskonzept?<br />

Erstens legt die Komplementärmedizin<br />

sehr viel Wert<br />

auf das ausführliche Gespräch<br />

mit dem Patienten. Dreißig bis<br />

vierzig Minuten Gesprächszeit<br />

sind keine Seltenheit. Der<br />

Mensch fühlt sich angenommen<br />

und entspannt sich. Eine<br />

gute und richtige Diagnosestellung<br />

wird dadurch viel wahrscheinlicher.<br />

Der Mediziner kann erst durch ein<br />

sorgfältiges Wahrnehmen des Patienten<br />

seine psychische Seite in die körperlichen<br />

Probleme mit einbeziehen. Die Gefahr einer<br />

Fehlinterpretation und damit einer<br />

Fehlbehandlung wird dadurch geringer.<br />

Diese Zeit kostet aber auch viel Geld. Was<br />

sagen Sie dazu?<br />

Natürlich kostet die Zeit eines Arztes<br />

ähnlich viel wie die eines Anwaltes. Beide<br />

haben auch mehr als zehn Jahre fachspezifischer<br />

Ausbildung hinter sich. Gerade in<br />

der Anfangsphase der Behandlung ist diese<br />

Zeit aber sehr gut investiert.<br />

Je genauer und sorgfältiger ich da vorgehe,<br />

umso rascher, effizienter und schonender<br />

kann ich in der Folge agieren. Und je rascher<br />

ich den Patienten von seinen<br />

Schmerzen befreie, umso geringer ist die<br />

Gefahr der Chronifizierung.<br />

Welche Methoden der Komplementärmedizin<br />

bevorzugen Sie?<br />

Im Detail hängt das natürlich von den<br />

Beschwerden des Patienten ab. Ich behandle<br />

Patienten mit Kopf-, Nacken-, Kreuz- und<br />

Gesichtsschmerzen und noch viele andere.<br />

Unabhängig davon schätze ich sowohl Akupunktur<br />

und Elektroakupunktur sowie manuelle<br />

Methoden, also Heilmassage, Osteopathie,<br />

Craniosacraltherapie oder Shiatsu<br />

sehr hoch ein. Am wirkungsvollsten ist die<br />

Kombination mehrerer Methoden, zum<br />

Beispiel Akupunktur, Elektroakupunktur<br />

und Osteopathie. Manche Patienten sind erstaunt,<br />

wie rasch Sie sich besser fühlen.<br />

Führen Sie alle Behandlungsschritte<br />

selbst aus?<br />

Natürlich nicht! Im Laufe der Jahre habe<br />

ich ein junges, hervorragend ausgebildetes<br />

Team um mich versammelt, das mir da zur<br />

Hand geht. Unser Craniosacraltherapeut Niko<br />

Akranidis etwa hat auch eine Spezialausbildung<br />

für Manipulationen im Mund bei<br />

Menschen mit Kieferproblemen oder Gesichtsschmerzen.<br />

Das Erlernen solcher Spezialtechniken<br />

ist sehr zeitaufwändig. Das<br />

Zauberwort der Schmerztherapie lautet daher<br />

„interdisziplinäre Zusammenarbeit“.<br />

KONTAKT<br />

Interdisziplinäres Schmerztherapie- und<br />

Gesundheitszentrum Döbling<br />

Döblinger Hauptstraße 44<br />

A-1190 Wien<br />

Ärztlicher Leiter: Dr. Reinald Brezovsky<br />

E-Mail: office@gz19.at<br />

Schmerzhotline: 0699-109 13 901<br />

84 | <strong>SOCIETY</strong> 3_10


Beste Vorsorge und neueste Technik in der Dentalklinik Sievering<br />

Kompetenzzentrum für ein<br />

strahlend gesundes Lächeln<br />

LIFE UND STYLE<br />

GESUNDHEIT<br />

Die seit 1994 bestehende Dentalklinik Sievering ist eine der führenden Institutionen für<br />

Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde des Landes. Patienten aller Generationen und Nationalitäten<br />

vertrauen hier den Experten für schöne und gesunde Zähne.<br />

FOTOS: LIBRARY OF CONGRESS, PRINTS & PHOTOGRAPHS DIVISION, CARL VAN VECHTEN COLLECTION<br />

Prim. Dr. Ernst Weinmann, Leiter der<br />

Dentalklinik Sievering, legt besonderen<br />

Wert auf modernste Methoden der<br />

Zahnmedizin und zeitgemäße Ansätze einer<br />

schonenden Zahnkosmetik. Gemeinsam<br />

mit einem zehnköpfigen Expertenteam<br />

garantiert Prim. Dr. Weinmann jedem<br />

Patienten individuelle Versorgung und eine<br />

optimale Behandlung.<br />

***<br />

Kindheitstraum<br />

Bereits früh entdeckte der gelernte<br />

Zahntechniker und mehrfach ausgezeichnete<br />

Zahnarzt seine Passion für die Zahnheilkunde:<br />

„Mein Vater nahm mich schon<br />

als kleinen Buben mit in sein Zahnlabor.<br />

Ich habe es immer bewundert, mit welcher<br />

Liebe und Sorgfalt er seine Patienten behandelte,<br />

und wusste schnell, ich würde<br />

einmal in seine Fußstapfen treten“, erinnert<br />

sich Dr. Weinmann im <strong>SOCIETY</strong>-<br />

Interview.<br />

***<br />

Qualitätsstandards<br />

Im Gegensatz zu herkömmlichen Ordinationen<br />

erfüllt die Dentalklinik Sievering<br />

erhöhte Auflagen hinsichtlich des<br />

Qualitäts-Managements. Eine hausinterne<br />

Ausbildungsstätte und mehrfach ausgezeichnete<br />

Mitarbeiter garantieren, dass jeder<br />

Behandlungsschritt auf höchstem Niveau<br />

ausgeführt wird. Die professionelle<br />

Organisation und exaktes Zeitmanagement<br />

gewährleisten zudem geringe Wartezeiten.<br />

Das perfekt eingespiele Team ist 52<br />

Wochen im Jahr für seine Patienten da.<br />

***<br />

Cultural Diversity<br />

The clinic’s focus is shared between advice,<br />

expert knowledge and the individual<br />

requirements of each and every patient.<br />

Therefore, Dentalklinik Sievering offers its<br />

customers multilingual advice in Eng-lish,<br />

French, Arabic, Russian, Spanish and Croatian.<br />

The specially trained employees are also<br />

aware of the patients' cultural preferences<br />

and pay distinctive attention to<br />

sensitive, customer-specific patient care.<br />

Das Team der Dentalklinik<br />

For these reasons many national and international<br />

celebrities from the worlds of commerce,<br />

culture and diplomacy trust in Prim.<br />

Dr. Weinmann and his team.<br />

***<br />

The “Smile” program<br />

The “Smile” program is a private, prophylactic<br />

dental care program for healthy, beautiful<br />

teeth. As a “Smile” member the customer<br />

pays a yearly fee of about 1 Euro per<br />

day which gives him a 50% discount on all<br />

dental treatment, plus many additional<br />

services which aren’t usually covered by<br />

medical insurance. Many embassies and respected<br />

institutions are part of the “Smile”<br />

program which ensures their employees receive<br />

excellent dental treatment together<br />

with a personalised social benefit. At Dental<br />

Spa Mariahilferstr. 88A in 1070 Vienna we<br />

also offer our dental service based on<br />

healthy insurance company with e-card<br />

system.<br />

DENTALKLINIK SIEVERING<br />

Sieveringerstraße 17<br />

1190 Wien<br />

Tel. +43-(0)-320 97 97<br />

www.dentalklinik.at<br />

dk h gsjdkhjsgdhjgkjhkgsd<br />

kgd shjksgd hjkgjhkgjk<br />

<strong>SOCIETY</strong> 3_10 | 85


LIFE UND STYLE<br />

STYLING<br />

Accessoires: Unentbehrlicher Tand oder Geheimcode?<br />

Was uns die Nebendarsteller<br />

der Mode verraten<br />

Accessoires sind mehr als nur schmückendes Beiwerk. Sie verraten einiges über Persönlichkeit<br />

und Einstellungen – sie sind Zeichen des Zeitgeistes, der Gruppenzugehörigkeit und des ganz<br />

persönlichen Geschmacks. Von INGRID CHLADEK<br />

„Die Entscheidung, was man ‚außer dem<br />

Kleid‘ noch tragen soll, ist nicht einfach,<br />

aber sie macht den Unterschied zwischen<br />

elegant und unelegant.“<br />

GIORGIO ARMANI<br />

Accessoires – jeder hat sie, jeder trägt<br />

sie: Uhren, Ketten, Schals, Brillen etc.…<br />

Die Liste der Dinge, die uns schmücken<br />

und unserem Outfit eine individuelle<br />

Note, einen persönlichen Touch verleihen,<br />

ist endlos lang. Accessoires sind bunt oder<br />

einfarbig, teuer oder billig, zeitlos oder<br />

modisch. In der Bildenden Kunst bezeichnet<br />

man als Accessoires alle Gegenstände,<br />

die nicht erforderlich sind, um den Hauptgegenstand<br />

darzustellen und diesen trotzdem<br />

reicher und mannigfaltiger erscheinen<br />

lassen. So ist es auch in der Mode:<br />

Jedes Accessoire unterstreicht seinen Träger.<br />

Doch sie verraten auch einiges über<br />

die Persönlichkeit, über Einstellungen – sie<br />

sind mehr als nur schmückendes Beiwerk.<br />

***<br />

Trends und Hierarchien<br />

Mit dem richtigen Accessoire beweist<br />

man Zeitgeist und Aktualität, man zeigt<br />

Trendbewusstsein: So war z. B. für Jugendliche<br />

in den 60er-Jahren das Kofferradio<br />

der Hit schlechtin, so ist heute das iPhone<br />

Zeichen des ultimativen Life-Style.<br />

Neben ihrer modischen Rolle haben Accessoires<br />

auch eine hierarchische Funktion:<br />

Sie sind Symbole der Macht und Ausdruck<br />

eines Status. Sie sind wie ein Geheimcode<br />

zu interpretieren und zeigen<br />

die Zugehörigkeit zu bestimmten Gruppen<br />

an. Jede Gruppe hat ihre eigenen Statussymbole,<br />

was sich z. B. durch die Verwendung<br />

bestimmter Marken, Farben, Muster<br />

und Modelle ausdrückt. Diese Symbole<br />

dienen zur Identifikation. Wenn sie nicht<br />

erkannt werden, nutzen sie jedoch nichts.<br />

Mit den richtigen Accessoires, mit der richtigen<br />

Marke können Sie als Mitglied einer<br />

bestimmten Gruppe identifiziert werden.<br />

***<br />

Geisteshaltung und Geschmack<br />

Accessoires zeigen aber auch eine bestimmte<br />

Einstellung und Geisteshaltung: Es<br />

ist mehr als nur ein modisches Statement,<br />

wenn Sie z. B. zu Birkenstock-Schlapfen,<br />

High-Heels oder Flip-Flops greifen. Oder ob<br />

Sie Schmuck aus Naturmaterialien, Edelsteine<br />

oder Plastikketten tragen.<br />

Durch den gezielten Einsatz von Accessoires<br />

beweisen Sie Stil und guten Geschmack,<br />

und können ein Outfit auf- oder<br />

abwerten. Darum gilt es, das für den Anlass<br />

– und für die Kleidung – passende Beiwerk<br />

zu finden. Die Auswahl sollte bedächtig erfolgen,<br />

ein Zuviel an Accessoires wirkt oftmals<br />

billig – unabhängig vom Wert der Teile<br />

– und wenig elegant.<br />

Sie können aus einer Vielfalt an Farben,<br />

Formen und Materialien, Designs oder Verarbeitungen<br />

wählen. Grenzen sind hier<br />

nur durch budgetäre Restriktionen oder<br />

Fragen des (guten) Geschmacks gegeben.<br />

Welche Rolle Sie nun den Accessoires auch<br />

zugestehen, ob schmückendes Beiwerk<br />

oder Ausdruck Ihrer selbst: Sie entscheiden<br />

und verleihen mit dem bewussten Einsatz<br />

Ihrem Outfit eine ganz persönliche Note.<br />

KONTAKT<br />

Mag. Ingrid Chladek<br />

Dressforsuccess<br />

Heiligenstädterstraße 115/1<br />

A-1190 Wien<br />

Tel. +43(0)664-122 70 46<br />

ingrid.chladek@dressforsuccess.at<br />

www.dressforsuccess.at<br />

FOTOS: PIXELIO (2), BEIGESTELLT<br />

86 | <strong>SOCIETY</strong> 3_10


LIFE UND STYLE<br />

MODE<br />

La Hong Kunstkalender 2011<br />

Adel in Mode<br />

Haute Couture-Mode gekonnt in Szene zu setzen ist kein<br />

Kunststück für Designer La Hong, der jüngst den Kunstkalender<br />

2011 mit aristokratischen Models präsentierte.<br />

Baron Richard Drasche-Wartinberg<br />

und<br />

La Hong<br />

FOTOS: SABINE KÖNIG<br />

Vor der märchenhaften Kulisse des<br />

Schlossparks Ebreichsdorf stand das<br />

Who’s who des jungen österreichischen<br />

Adels bereit, um für La Hong und<br />

Star-Fotografin Sabine König zu posieren:<br />

Valerie Drasche-Wartinberg, Stephanie<br />

Eltz, Teresa Auersperg, Eva-Maria Abpurg-<br />

Reiffeneck, Luise Hardegg-Brammertz, Philippa<br />

Mautner Markhof, Tatiana Poux-Kalnoky<br />

und Philippa Spannocchi trugen<br />

glamouröse Roben, hochkarätig veredelt<br />

durch Diamantschmuck der aufstrebenden<br />

Marke David Diamond by Cemjon.<br />

Die Präsentation des streng limitierten<br />

La Hong Kunstkalenders 2011 erfolgte exklusiv<br />

im Rahmen des Finales der Polo-Europameisterschaft<br />

<strong>2010</strong>. Die Gäste des von Baron<br />

Richard Drasche-Wartinberg veranstalteten<br />

Dinnerempfanges erlebten zudem<br />

eine Modenschau mit den neusten Kreationen<br />

La Hongs, der sich von der Ästhetik des<br />

Polosports angesprochen fühlte.<br />

Sie haben vor in Salzburg einige Zeit zu verbringen?<br />

Wir vermieten unsere kleine, luxuriös möblierte Villa. 100 m 2 , 3 Schlafzimmer,<br />

3 Bäder, großer Wohnbereich, Sonnenterasse, Garten. Absolut<br />

ruhige Lage, 7 Minuten zum Flughafen, 15 Minuten ins Stadtzentrum.<br />

Wir freuen uns über Ihren Kontakt unter: vonschilgen@A1.net<br />

You are planning to stay in Salzburg for awhile? We let on rent our tiny yet luxuriously<br />

furnished villa. 100 sqm, 3 bedrooms, 3 bathrooms, generous living space,<br />

sun terrace, garden. Absolutely quiet neighbourhood, 7 minutes from the airport,<br />

15 minutes from the city center.<br />

Please contact: vonschilgen@A1.net<br />

<strong>SOCIETY</strong> 3_10 | 87


LIFE UND STYLE<br />

ITALIEN<br />

Das Castello von Ischia<br />

Offenes Geheimnis für alle<br />

Die Stadt Neapel und ihre Inseln<br />

Die Stadt Neapel und ihre Umgebung empfangen den Besucher mit einem in der Welt einzigartigen<br />

Universum an Sehenswürdigkeiten: Pompeji, Vesuv, Sorrent, Ischia, Capri… Nicht zu<br />

vergessen die original neapolitanische Pizza!<br />

Wer das erste Mal nach Neapel<br />

kommt, wird gefangen von der Lebendigkeit<br />

der Bewohner, dem<br />

scheinbaren Chaos, den knatternden Vespas<br />

und dem sich mehr oder weniger lautstark<br />

abspielenden Leben unter freiem<br />

Himmel. Ob die Rufe der Markthändler<br />

oder der kleine Klatsch von Fenster zu<br />

Fenster über die Gasse hinweg: Lebhafte<br />

und gestenreiche Kommunikation gehört<br />

zu den Alltagsszenen, die Besucher der<br />

Stadt am Vesuv oft als bleibende Erinnerung<br />

mitnehmen.<br />

***<br />

„Unendlichkeit“ verschiedener Welten<br />

Die zahlreichen kulturhistorischen Sehenswürdigkeiten<br />

und Museen von Weltrang<br />

zählen zu den meist besuchten Italiens,<br />

und das Opernhaus San Carlo macht<br />

immer wieder mit beeindruckenden Inszenierungen<br />

von sich reden. Neapel ist einzigartig,<br />

gerade weil es eine Unendlichkeit<br />

verschiedener Welten in sich birgt. Über<br />

die Sehenswürdigkeiten der Stadt hinaus<br />

bietet die Provinz zahlreiche künstlerische,<br />

historische und natürliche Attraktionen:<br />

die Ruinen von Pompeji und das Herkulaneum;<br />

die bezaubernde Küste von<br />

Sorrent, ein vom Duft der Zitronenhaine<br />

umwölkter Meeresabschnitt… Die gesamte<br />

Provinz von Neapel ist wie eine Schatztruhe,<br />

die es zu entdecken gilt.<br />

***<br />

Ischia, Capri und Procida<br />

Die wundervollen Inseln dieser Region<br />

Procida, Ischia und Capri sind eine schöner<br />

als die andere und ideale Orte für einen erholsamen<br />

Urlaub. Bekannt für die Kliffs<br />

und die Blaue Grotte bewahrt Capri faszinierende<br />

Zeugnisse aus ferner Zeit, wie römische<br />

Ruinen und die Kartause aus dem<br />

14. Jahrhundert, und ist heute ein beliebter<br />

Urlaubsort des internationalen Jetsets.<br />

Ischia ist die größte Insel des Golfes, berühmt<br />

für ihr Klima, die herrliche Vegetation<br />

und die heilsamen, heißen Thermalquellen<br />

vulkanischen Ursprungs, in denen<br />

schon die alten Römer kurten. Kleiner und<br />

flacher dagegen ist Procida, die Insel der Fischer,<br />

nicht ganz so berühmt wie ihre beiden<br />

Schwestern Capri und Ischia, doch<br />

ebenso interessant – vor allem wegen der<br />

kulturellen Sehenswürdigkeiten.<br />

***<br />

Der kulinarische Genuss mit einer<br />

mehr als tausendjährigen Tradition<br />

Jeder, der es einmal erlebt hat, weiß: Ne-<br />

88 | <strong>SOCIETY</strong> 3_10


apel erkennt man auch mit geschlossenen<br />

Augen. Die unverwechselbaren Aromen<br />

seiner kulinarischen Köstlichkeiten<br />

prägen sich sofort ins Gedächtnis ein. Neapel<br />

verfügt noch heute über hunderte<br />

von Gerichten und typischen Produkten,<br />

die weltweit bekannt sind und geschätzt<br />

werden. Beim Gedanken an die neapolitanische<br />

Küche fällt einem unweigerlich der<br />

„Klassiker“ ein: Die Pizza. Ein weiterer Pfeiler<br />

der neapolitanischen Küche ist die Pasta.<br />

Der Phantasie der Neapolitaner entspringt<br />

eine unglaublich Formenvielfalt<br />

mit vielen fantasievollen Namen: Vermicelli,<br />

Fusilli, Rigatoni, Maccheroni etc., die<br />

mit unzähligen Saucen verfeinert werden.<br />

Völlig zu Recht ist Neapel auch berühmt<br />

für seine Konditoreiprodukte: Zu jeder<br />

Jahreszeit kann man die mit Rum getränkten<br />

“babà”, die mit Ricotta gefüllten<br />

“sfogliatelle”, die mit Getreide und feinem<br />

Orangenblüten-Aroma zubereitete<br />

“pastiera” sowie viele andere Spezialitäten<br />

genießen.<br />

Als Begleitung für das Ganze gibt es natürlich<br />

Weine aus der Umgebung, sowohl<br />

Rot- als auch Weißweine, deren intensives<br />

und charakteristisches Aroma dem vulkanischen<br />

Boden zu verdanken ist, auf dem<br />

die Reben wachsen. Und wenn Sie den<br />

Duft von Sorrent wieder einmal erleben<br />

möchten, nehmen Sie einen Schluck “limoncello”<br />

zu sich, ein süßer und cremiger<br />

Likör, der aus der Schale und dem Saft von<br />

Zitronen aus dieser Gegend hergestellt<br />

wird.<br />

***<br />

Vielseitiges Kunsthandwerk<br />

Die Kreativität und das Talent der Neapolitaner<br />

haben viele Gesichter, sie zeigen<br />

sich auch in den einfachsten und alltäglichsten<br />

Momenten. Wenn es ein Gebiet gibt,<br />

auf dem diese Qualitäten am deutlichsten<br />

sichtbar werden, dann ist es zweifellos die<br />

vielseitige Aktivität des Kunsthandwerkes.<br />

Bei einem Bummel durch die Altstadt<br />

kann man die Perfektion der neapolitanischen<br />

Erzeugnisse von schmiedeeisernen<br />

Arbeiten bis hin zu herrlichen Marmorintarsien<br />

bewundern. Neapel, die Stadt der<br />

Musik, beherbergt noch heute etliche Werkstätten,<br />

in denen Lautenbauer von Hand Instrumente<br />

bauen - jedes ein Unikat mit<br />

einzigartigem Klang und weltweit gefragt<br />

und geschätzt.<br />

Das lokale Kunsthandwerk setzt all sein<br />

künstlerisches Talent ein, um pure Freude<br />

und Lebenslust zu verbreiten. Dies ist besonders<br />

in der Weihnachtszeit zu sehen,<br />

wenn die (Krippen-) Figuren der „presepe“<br />

die öffentlichen Ausstellungen beleben, vor<br />

denen Passanten verblüfft stehen bleiben.<br />

Die Hirten, die Tiere, die heilige Familie und<br />

die drei Könige, komplett aus Ton und Holz<br />

modelliert, sind von erfahrener Hand kunstvoll<br />

bis ins kleinste Detail ausgearbeitet<br />

und bemalt.<br />

Es stimmt einfach: Neapel und sein Umland<br />

leben zigtausend Facetten, eine für jedes<br />

Werk, das aus den Werkstätten seiner<br />

unvergleichlichen Kunsthandwerker<br />

kommt.<br />

Blaue Grotte<br />

Castell del Ovo in Neapel<br />

Die Küste von Sorrent<br />

Malerisches Capri<br />

<strong>SOCIETY</strong> 3_10 | 89


LIFE UND STYLE<br />

MODE<br />

Markenmode ab Größe 42<br />

15 Jahre Boutiquen<br />

„Pia Antonia“<br />

Was kommt heraus, wenn eine Film-Cutterin beim Modeeinkauf<br />

dauernd schlecht behandelt wird, weil sie eine „größere<br />

Größe“ braucht? Mira Dworschak erzählt <strong>SOCIETY</strong> die Erfolgsgeschichte<br />

der ersten 15 Boutiquen-Jahre „Pia Antonia –<br />

Markenmode ab Größe 42“.<br />

Haben Sie „Pia Antonia“ buchstäblich<br />

aus heiterem Himmel gegründet?<br />

Nein. Ein ganz klein wenig professionellen<br />

Background hatte ich schon. Mein Vater<br />

war Schneider und ich selbst besuchte mehrere<br />

Jahre eine Lederfachschule. Das wichtigere<br />

Motiv war aber, dass ich mit meiner<br />

Konfektionsgröße 42 in den „normalen“<br />

teuren Boutiquen ständig wie ein Aschenbrödel<br />

behandelt wurde. Da hab ich gesagt:<br />

Jetzt mach ich’s selbst!<br />

War es so einfach, wie es klingt?<br />

Mein Mann und ich haben es im Urlaub<br />

entschieden, Ende Juli 1995. Wir<br />

waren von der Idee derart begeistert,<br />

dass wir sämtliche Widerstände überwanden.<br />

Normalerweise bekommt man<br />

im Sommer ja keine Herbstware bei den<br />

Produzenten, weil die schon ausgeliefert<br />

haben. Da sind wir eben mehrmals<br />

quer durch Deutschland gefahren, um<br />

direkt in den Werken die Kollektionen<br />

abzuholen. Anfang September wurde die<br />

komplett eingerichtete erste Boutique<br />

aufgesperrt, „Pia Antonia“ war von Anfang<br />

an ein Erfolg.<br />

Das liegt wohl daran, dass Sie hier eine<br />

Marktlücke genützt haben?<br />

Auch in Marktlücken sind schon viele<br />

abgestürzt! Als wir mit „Pia Antonia“ begonnen<br />

haben, war für uns vor allem eines<br />

klar: Wir brauchen die besten Marken, beste<br />

Materialqualität und Modeberaterinnen,<br />

die mit Menschen wirklich umgehen<br />

können. Auch die interne Aufgabenteilung<br />

war und ist ideal: Ich treffe sämtliche Einkaufsentscheidungen<br />

bei den Lieferanten,<br />

mein Mann kümmert sich als Marketingspezialist<br />

und Journalist um den Aufbau<br />

der Marke bzw. um Standorte.<br />

Man hört des Öfteren, dass Multi-Label-<br />

Stores tot seien. Ist es für Sie von Vorteil,<br />

mehrere Marken unter dem Namen „Pia<br />

Antonia“ zu führen?<br />

Ganz sicher! Vor allem, wenn man sich<br />

anschaut, welche internationalen Top-Marken<br />

wir führen. Das beginnt bei Marina Rinaldi,<br />

dem „Bentley“ der Szene. Bei uns<br />

trifft man alles, was am frischen, aufgeweckten<br />

deutschen Designer-Markt einen<br />

guten Klang hat: Sallie Sahne, Sulu, Ischiko<br />

oder der Klassiker Wille. Aus Dänemark<br />

kommt Yoek, eine besonders witzige Kollektion.<br />

Besonders stolz sind wir allerdings<br />

darauf, als einzige Boutiquengruppe Europas<br />

von der amerikanischen Designerin Eileen<br />

Fisher/New York beliefert zu werden.<br />

Das zeigt, dass unser Konzept weit über die<br />

Grenzen Österreichs hinaus genau beobachtet<br />

und als hochwertig beurteilt wird.<br />

Wissen Sie eigentlich, wer Ihre Kundinnen<br />

sind?<br />

Ja, das sehen wir ziemlich genau, da die<br />

meisten Frauen, die bei uns einkaufen,<br />

90 | <strong>SOCIETY</strong> 3_10


FOTOS: YOEK, MASHIA ARRIVE, MARINA RINALDI<br />

Mira Dworschak<br />

Stammkundinnen werden. Ein sehr großer<br />

Teil unserer Kundinnen sind Business-Frauen,<br />

einerseits aus Familienunternehmen,<br />

andererseits aus Top-Positionen im Management,<br />

aber auch aus der Politik. Nicht selten<br />

kaufen selbst Ministerinnen bei „Pia Antonia“.<br />

Bereits die „durchschnittliche“ Kundin<br />

erwartet und verlangt von uns, nicht einfach<br />

„Bekleidung“ anzubieten. Sie sucht<br />

bei uns das Außergewöhnliche und ist auch<br />

bereit, den entsprechenden Preis zu zahlen.<br />

Kann man heutzutage speziell das gut<br />

informierte Käuferinnenpublikum überhaupt<br />

noch überraschen?<br />

Das geht nur, wenn man als Anbieter<br />

neugierig bleibt und Trends möglichst vor<br />

den anderen spürt. Wir waren beispielsweise<br />

auf der letzten Pariser Herbstmesse<br />

ziemlich ziellos unterwegs, als wir dort einen<br />

fantastischen Berliner Designer entdeckten.<br />

„Mashia Arrive“ heißt die Marke,<br />

die im Handumdrehen für Furore in unseren<br />

Boutiquen sorgte.<br />

Sie sind mit Ihren Boutiquen in fast allen<br />

Landeshauptstädten vertreten. Warum<br />

weiten Sie die Gruppe nicht auch in Richtung<br />

größerer Bezirksstädte aus?<br />

Wir haben durch einige kleine Misserfolge<br />

gelernt, dass ein Qualitätspublikum<br />

in ausreichender Zahl für „Pia Antonia“<br />

nur in Landeshauptstädten oder in Städten<br />

über 70.000 Einwohnern gegeben ist. Wir<br />

intensivieren lieber unsere Bemühungen<br />

auf die rund 15.000 Stammkundinnen der<br />

bestehenden Boutiquen.<br />

Aber ganz können Sie die Expansion offenbar<br />

nicht lassen. Wie ist das mit Ihren<br />

neuen Boutiquen „Puur“?<br />

Wir nennen „Puur“ die „kleine Schwester“<br />

von „Pia Antonia“. Hier setzen wir unseren<br />

hohen Anspruch an Design und Qualität<br />

für kleinere Konfektionsgrößen fort.<br />

„Puur“ in Salzburg hat erfolgreich die ersten<br />

eineinhalb Jahre hinter sich, „Puur“<br />

Linz wurde Ende August dieses Jahres eröffnet.<br />

Wir freuen uns über die vielen positiven<br />

Reaktionen.<br />

KONTAKT<br />

PIA ANTONIA – Markenmode ab Größe 42<br />

Wien, Linz, Salzburg, Innsbruck, Graz, Klagenfurt<br />

www.piaantonia.at<br />

PUUR – The Essence of Fashion<br />

Salzburg und Linz<br />

www.puur.at<br />

<strong>SOCIETY</strong> 3_10 | 91


LIFE UND STYLE<br />

MODE<br />

Herbst/Winter <strong>2010</strong><br />

Große Größen.<br />

Starkes Design.<br />

Lässig soll es aussehen, in perfekter Qualität verarbeitet<br />

und tragbar bei vielen Gelegenheiten.<br />

Diese Features erfüllen die perfekt abgestimmten<br />

Herbst/Winter-Kollektionen bei „PIA ANTONIA“.<br />

92 | <strong>SOCIETY</strong> 3_10


FOTOS: WILLE, SALLIE SAHNE<br />

Outfit plus…<br />

…Accessoires! „PIA ANTONIA“<br />

denkt im Gesamtbild. Passende<br />

Taschen, akzentuierende Tücher,<br />

spektakulärer Schmuck…<br />

Inszeniere Dich selbst!<br />

<strong>SOCIETY</strong> 3_10 | 93


LIFE UND STYLE<br />

MODE<br />

Sportlich in den Herbst<br />

Bereit zum Spaziergang unter<br />

fallenden Blättern. Zweckmäßig,<br />

angenehm zu tragen, flott.<br />

Bereit für kühle Tage<br />

Jacken, Blousons und Mäntel. Nicht zum<br />

„Verhüllen“. Zum Kuscheln, Bewegungsfreiheit<br />

genießen, bewundert werden.<br />

94 | <strong>SOCIETY</strong> 3_10


FOTOS: PPEP, WILLE, M.P.<br />

Knalliger Herbst<br />

Die neue Boutique PUUR<br />

(Salzburg, Linz) zeigt dem<br />

Herbst, was Farbe ist. Die<br />

neue Leidenschaft der Mode!<br />

<strong>SOCIETY</strong> 3_10 | 95


LIFE UND STYLE<br />

KULINARIK<br />

Schokolade macht glücklich!<br />

Der Schokologe von<br />

der Schoko-Loge<br />

Christoph Wagner ist selbst ernannter Schokologe und betreibt<br />

die „Schoko Loge“ in der Wiener Innenstadt. Als eine<br />

Art realer Willy Wonka entführt er mit unzähligen Schokovariationen<br />

in die Welt der Schokolade .<br />

Der Schokologe Christoph Wagner<br />

Was steckt hinter der „Schokologe“ beziehungsweise<br />

was ist die Grundidee?<br />

Eigentlich wollte ich ein Süßigkeitengeschäft<br />

eröffnen, aber heute muss man sich<br />

immer auf ein Gebiet spezialisieren, und<br />

da ich selber Schokolade liebe, habe ich ein<br />

Schokoladengeschäft eröffnet. Die Grundidee<br />

ist es – im Gegensatz zu in Supermärkten<br />

erhältlicher Schokolade – richtig gute<br />

Schokolade zu verkaufen und zu etablieren.<br />

Darunter verstehe ich Schokolade, die<br />

zu über 75 Prozent aus Kakao besteht und<br />

verschiedene Geschmacksrichtungen zur<br />

Geltung bringt, ähnlich wie beim Wein.<br />

Außerdem gibt es noch exquisite Milchbzw.<br />

weiße Schokoladen die sich im Vergleich<br />

zur Supermarktware geschmacklich<br />

doch sehr unterscheidet.<br />

Wie sind Sie dazu gekommen, ins Schokoladengeschäft<br />

einzusteigen?<br />

Bei mir war immer schon alles Schoko!<br />

Mein Onkel war Konditor und als Kind habe<br />

ich ihm immer über die Schulter geschaut<br />

und natürlich fleißig gekostet.<br />

Nach der Schule habe ich dann diverse Jobs<br />

angenommen und bald gemerkt, dass je<br />

größer die Firma ist desto weniger Spaß habe<br />

ich an der Arbeit. Ich hatte den<br />

Wunsch, mich selbstständig zu machen<br />

und am besten, wenn möglich, mit Schokolade.<br />

Bei einem Weihnachtsmarkt hatte<br />

ich dann schließlich die Gelegenheit, bei<br />

einem Schokostand zu arbeiten und lernte<br />

jemanden kennen, der mir anbot, ein<br />

Schokoladengeschäft auf Franchisebasis<br />

zu betreiben. Dies tat ich auch und habe<br />

mich aber nach einiger Zeit selbständig gemacht<br />

und die „Schoko-Boutique“ unter<br />

dem Namen „SchokoLoge“ wiedereröffnet.<br />

Woher beziehen Sie Ihre Produkte und<br />

wie unterteilt sich Ihre Produktpallette?<br />

Meine Schokoladen beziehe ich von<br />

verschiedensten Produzenten aus unterschiedlichen<br />

Ländern, etwa aus Belgien,<br />

Frankreich, Schweiz, Dänemark oder seit<br />

neuestem auch aus Spanien. Diese Hersteller<br />

haben beispielsweise ihre eigenen<br />

Kakaoplantagen, auf denen sie verschiedene<br />

Kakaosorten anbauen und<br />

kultivieren. Die Plantagen befinden sich<br />

zum Teil in Südamerika und Afrika, den<br />

Hauptanbaugebieten des Kakaos. Meine<br />

Produkte beziehe ich direkt von den Herstellern.<br />

Ich führe auch preisgekrönte<br />

Schokoladen oder zu Weihnachten speziell<br />

mit Gold verzierte Schokoladen.<br />

Vieles davon entdecke ich auch im Internet<br />

oder habe ich durch Kundentipps gefunden.<br />

Ich habe so ziemlich alles, was<br />

mit Schokolade zu tun hat in meinem<br />

Laden, ob Trinkschokolade, Streichschokolade<br />

fürs Brot und sogar die altbekannten<br />

Schokozigaretten!<br />

Was sind Ihre ausgefallensten beziehungsweise<br />

exklusivsten Schokoladenangebote?<br />

Das Ausgefallenste ist definitiv das<br />

Schoko Body Painting. In drei Geschmacksrichtungen<br />

kann man mit einem Pinsel<br />

Motive auf die Haut malen, die theoretisch<br />

bis zu drei Monaten halten, wenn<br />

man sie nicht ableckt oder abwäscht.<br />

Auch die Schokomischung für Wodka ist<br />

etwas Ausgefallenes. Man legt sie eine<br />

Woche in Wodka oder Rum ein und hat<br />

danach einen Schoko-Kräuterwodka.<br />

Oder die Schokonudeln, die einen Anteil<br />

an Kakao haben und hervorragend zu<br />

Wild passen oder mit Zucker als Nachspeise<br />

gegessen werden können.<br />

KONTAKT<br />

Die Schokologe<br />

Christoph Wagner<br />

Ringstraßen-Galerien, Palais Corso, EG/Top 67<br />

Kärntnerring 11-13, 1010 Wien<br />

Tel. +43-(0)1-513 18 92<br />

info@schokologe.com<br />

www.schokologe.com<br />

Die Schoko-Kräutermischung<br />

für<br />

den Wodka<br />

96 | <strong>SOCIETY</strong> 3_10


LIFE UND STYLE<br />

STYLING<br />

Erdige Naturtöne<br />

Ihr neuer Herbst-Look<br />

Erdige Naturtöne und satte Glamourfarben stehen im Mittelpunkt der neuen Saison.<br />

Typgerecht geschminkt verleihen erdige<br />

Naturtöne und satte Glamourfarben<br />

Ihrem Gesicht das perfekte Strahlen.<br />

Lernen Sie bei Karin van Vliet die neuen<br />

Make-up Herbstfarben kennen und lassen<br />

Sie sich von Top-Visagisten Tipps und<br />

Tricks der Profis zeigen!<br />

KONTAKT<br />

Karin van Vliet –<br />

Make-up Studio<br />

Köllnerhofgasse 2, A-1010<br />

Wien<br />

Tel. +43-(0)1-513 11 55<br />

www.makeup-studio.com<br />

FOTO: PETER KORP, MAKE UP: KARIN VAN VLIET<br />

Österreichs exklusivster<br />

Fitnessclub<br />

www.johnharris.at<br />

<strong>SOCIETY</strong> 3_10 | 97


LIFE UND STYLE<br />

EVENTS<br />

HIGHLIGHTS VERANSTALTUNGEN<br />

DER GESELLSCHAFT Juli bis September <strong>2010</strong><br />

SPANISCHE HOFREITSCHULE:<br />

1. FÊTE IMPÉRIALE<br />

Die Spanische Hofreitschule wurde heuer zum<br />

sommerlichen Ballsaal anlässlich der ersten Fête<br />

Impériale, die ganz im Zeichen der Lipizzaner<br />

stand. Bei heißen 33 Grad Außentemperatur tummelten<br />

sich Botschafter, Minister, Schauspieler<br />

und Künstler am Pink Carpet, die sich das Spektakel<br />

nicht entgehen lassen wollten. Star der Eröffnung<br />

war ein edler Lipizzaner-Hengst mit dem<br />

farbigen Namen „Conversano Mascula I“, der seinen<br />

Auftritt auf dem eigens verlegten schwarz-weißen<br />

Tanzparkett meisterte,<br />

während die<br />

übrigen Lipizzaner auf<br />

Sommerfrische im<br />

Weinviertel weilen<br />

Schauspielerin Elfriede Ott<br />

mit Adoptivsohn<br />

durften. Tosenden Applaus<br />

ernteten auch<br />

die Eleven des Kinderballetts<br />

der Wiener<br />

Staatsoper. Der Erlös<br />

des Balles kommt der<br />

Zucht der berühmten<br />

Pferde zugute.<br />

Designer Thang de Hoo<br />

neben Barbara Helfgott<br />

(rechts von ihm) und ihrem<br />

Rondo Vienna<br />

Niki Lauda<br />

und Jacky Ickx<br />

GALERIE WESTLICHT:<br />

JOCHEN-RINDT-AUSSTELLUNG<br />

Die Ausstellung „Jochen Rindt. Der erste<br />

Popstar der Formel 1“ im Westlicht-Schauplatz<br />

für Fotografie war ein sensationeller<br />

Erfolg. Mehr als 2.000 Besucher wollten<br />

schon bei der Eröffnung dabei sein, sodass<br />

das Fotomuseum zeitweise wegen Überfüllung<br />

geschlossen werden musste. Mit dabei<br />

waren die Formel-1-Stars Jacky Ickx, Niki<br />

Lauda, Gerhard Berger und Dr. Helmut Marko.<br />

Ehrengast Nina Rindt war sichtlich berührt<br />

vom gewaltigen Interesse und begeistert<br />

von den großartigen Fotografien.<br />

Das „United Children’s<br />

Orchestra“ beim Empfang<br />

in der indischen Residenz<br />

Nina Rindt, Hubertus Hohenlohe<br />

mit Familie, Thelma Herzl<br />

Dr. Helmut Marko<br />

LIFE BALL <strong>2010</strong>: SINGEN GEGEN AIDS<br />

In der Residenz des indischen Botschafters in Wien wurde das Projekt<br />

„United Children's Orchestra“ vorgestellt. In Anwesenheit von<br />

Gery Keszler und Claudia Stöckl wurden Kinder aus von AIDS LIFE<br />

finanzierten Projekten sowie befreundeten Organisationen aus<br />

Kambodscha, Indien, Südafrika, Ukraine, Russland, Slowakei und<br />

Österreich begrüßt. Dank zahlreicher Unterstützer konnte den insgesamt<br />

68 Kindern auch ein Urlaub in Österreich ermöglicht werden.<br />

Gemeinsam bildeten sie ein Orchester, das bei der Eröffnung<br />

des Life Balls die „Ode an die Freude“ sang. Auf ihren folkloristischen<br />

Traditionsinstrumenten musizierten die Kinder und Jugendlichen<br />

gemeinsam mit der Sopranistin Natalia Ushakova, der<br />

Dr. Andreas Hopf<br />

Botschafter mit<br />

Alt-Stimme Bettina Schweiger, dem Tenor Merhzad Montazeri und<br />

(Central Danube)<br />

Gattin<br />

dem Bariton Morten Frank Larsen.<br />

98 | <strong>SOCIETY</strong> 3_10


FOTOS: <strong>SOCIETY</strong>, GERHARD KREJCI/WESTLICHT, TOURISMUSVERBAND BAD ISCHL, ANDREAS TISCHLER<br />

Das Kaiser-Double Franz Sokup<br />

flankiert von Franz Klammer<br />

und Veranstalter Robert Herzog<br />

Rudi Roubinek flankiert von Baronesse Angeli von Miller zu<br />

Aichholz, Baronesse Pia Maria von Miller zu Aichholz, Gräfin Simone<br />

von Miller zu Aichholz und Contessa Josefine Bulgarini d´Elci<br />

BELL AMANI: FRIEDENSGLOCKE FÜR AFRIKA<br />

„Bell Amani“ verbindet das englische „Bell“ für Glocke mit „Amani“,<br />

was auf Swahili Friede bedeutet. Die Innsbrucker Glockengießerei<br />

Grassmayr erschuf die erste Friedensglocke für Afrika,<br />

die von dort auf ihren Weg in die UNO-City und zu den Afrika-<br />

Tagen in Wien geschickt wurde. Die Initiative geht von Claude<br />

Kalume wa Mukadi Dah Vignon, dem Prinzen von Abomey, aus.<br />

Es soll ein weltweites Netzwerk des Friedens gebildet werden, wobei<br />

jede Friedensglocke für ein konkretes Projekt steht. Frieden<br />

bedeutet für Bell Amani mehr als nur die Abwesenheit von Krieg<br />

und Gewalt: „Glockenklang statt Waffenlärm, konstruktive Projekte<br />

statt destruktiver Kämpfe um Macht und Ressourcen“, erklärt<br />

der Prinz.<br />

BAD ISCHL: NACHT DER KAISER<br />

Anlässlich des 180sten Geburtstags von Kaiser Franz Joseph stand<br />

Bad Ischl wieder einmal ganz im Zeichen Seiner Majestät und zeigte<br />

sich im Monarchie-Fieber. Epizentrum des imperialen Charismas<br />

war das Kongress & Theater Haus im Herzen der Sommerresidenz<br />

des Kaiserhauses. Der prachtvolle Kurpark war Schauplatz<br />

der VII. „Nacht der Kaiser“ – einer Charity-Gala zugunsten der<br />

Franz Klammer-Foundation. An die 700 Vertreter des österreichischen<br />

Adels, Kaiserfans und Prominenz folgten der Einladung von<br />

Ischls Kurdirektor Robert Herzog. Ganz nach dem Motto „Adel verpflichtet“<br />

entzückten zwölf Jung-Aristos am „Catwalk der Aristokratie“<br />

und präsentierten sich in den edlen Kreationen von Designerin<br />

Anelia Peschev.<br />

Slalom-Kaiser Rainer<br />

Schönfelder und Torwart-<br />

Kaiser Friedl Koncilia<br />

Rainer Pariasek<br />

mit seiner Eva<br />

Außenminister Dr. Michael<br />

Spindelegger, UN-<br />

Generalsekretär Ban Kimoon,<br />

Mirno more<br />

Vorstände DI Michael<br />

Fuchs und Leopold Frey<br />

Prinz von Abomey bei der UNO<br />

mit dem stv. Botschafter der<br />

DRC aus Berlin<br />

MIRNO MORE:<br />

FRIEDENSFLOTTE FÜR KINDER<br />

Europas größtes Friedens-Segelprojekt für sozial benachteiligte Kinder<br />

und Jugendliche – die „A1 Friedensflotte mirno more“ – erhielt<br />

16 Jahre nach ihrer Gründung bei einem Treffen mit UN-Generalsekretär<br />

Ban Ki-moon in Wien die höchste internationale Anerkennung.<br />

Die Friedensflotte stach Mitte September in Kroatien mit<br />

einhundert Schiffen und über 920 Teilnehmern in See. Mirno more<br />

hilft Kindern und Jugendlichen aus Kinderheimen und Kinderdörfern,<br />

Sozial-Wohn-Gemeinschaften, Therapieeinrichtungen<br />

sowie aus diversen Schulen, Vorurteile über Bord werfen, Toleranz<br />

zu üben und friedliche Konfliktlösungen zu trainieren.<br />

<strong>SOCIETY</strong> 3_10 | 99


KUNST UND KULTUR<br />

EVENTS<br />

Stephan Reiter (Hoteldirektor Hilton Vienna Danube),<br />

Gerti Tauchhammer, Botschafter Alejandro Díaz,<br />

Ingried Brugger (BA Kunstforum), Michael<br />

Reinhardt (Hoteldirektor Hilton Vienna Plaza)<br />

Große Eröffnung der Ausstellung<br />

Botschafter im Frida-Kahlo-Fieber<br />

Schon im Vorhinein erregte die umfangreiche Frida Kahlo Retrospektive großes Aufsehen und<br />

wurde mit Spannung erwartet – nun war es endlich so weit: Das Bank Austria Kunstforum<br />

öffnete seine Tore und lud bei der Gelegenheit gemeinsam mit <strong>SOCIETY</strong> Magazin und Hilton<br />

Austria zum Botschafter-Preview der Ausstellung mit anschließendem Lunch im „NASCH“.<br />

Die Werke der mexikanischen Ausnahmemalerin<br />

und Kunstikone Frida Kahlo<br />

sind seit 1. September <strong>2010</strong> im Kunstforum<br />

der Bank Austria in Wien zu<br />

bewundern. Schon in Berlin sorgte diese<br />

umfassende Retrospektive für großes Aufsehen<br />

und lange Schlangen vor den Kassen.<br />

Als besonderes Zuckerl lud daher das Bank<br />

Austria Kunstforum gemeinsam mit SOCIE-<br />

TY Herausgeberin Gerti Tauchhammer und<br />

Hilton Austria bereits einen Tag vor Ausstellungsbeginn<br />

zu einem exklusiven Preview<br />

für das diplomatische Corps in Wien.<br />

Unter der Patronage des mexikanischen<br />

Botschafters S.E. Alejandro Díaz kamen die<br />

geladenen Gäste in den Genuss einer exklusiven<br />

Führung durch die Ausstellung. Anschließend<br />

traf man sich im „Nasch“ im Hilton<br />

Vienna Plaza zu einem Lunch mit Tapas<br />

und Wein, wo bei guter Laune geschlemmt<br />

und über die Eindrücke der Ausstellung geplaudert<br />

wurde. Die Veranstaltung hatte<br />

großen Zulauf und war ein voller Erfolg!<br />

Mehr als hundert Diplomaten aus über<br />

fünfzig Ländern ließen sich diese Gelegenheit<br />

nicht entgehen, die Werke einer der<br />

größten Künstlerinnen der modernen Malerei<br />

in aller Ruhe und hautnah zu erleben.<br />

S.E. Alejandro Diaz<br />

(Mexiko) und Mag.<br />

Gertrud Tauchhammer<br />

(<strong>SOCIETY</strong> Magazin)<br />

FOTOS: <strong>SOCIETY</strong>/SCHIFFL<br />

100 | <strong>SOCIETY</strong> 3_10


S.E. Xolisa Mabhongo (Südafrika),<br />

S.E. Wesaka Puja (Indonesien)<br />

S.E. Ramon Rodriguez (Dom. Rep.), S.E. Carlos<br />

Barros (Uruguay), I.E. Carla Rodriguez Manzia<br />

(Guatemala), S.E. Alfredo Labbé (Chile)<br />

Mag. Hermine Schreiberhuber (APA),<br />

Botschafter Zuheir Elwazer (PLO)<br />

S.E. Eugenio Curia (Argentinien),<br />

I.E. Eve-Külli Kala (Estland),<br />

S.E. Frank Cogan (Irland)<br />

Gesandte Galit Ronen<br />

(Israel), Botschafter<br />

Dr. Kurt Hengl<br />

S.E. Antonio Revilla (Peru),<br />

S.E. Diego Stacey (Ecuador)<br />

AUSZUG AUS DER GÄSTELISTE<br />

Beatrice Achaleke<br />

(Black Women Center), Lorenz<br />

Klammer<br />

S.E. Makram Queisi mit<br />

Gattin (Jordanien)<br />

Michael Reinhardt,<br />

Claudia Wittmann<br />

(Hilton)<br />

Botschafter Gianfranco Varvesi<br />

mit Gattin (OSZE Italien)<br />

Beatrice Achaleke (Black Women Center), S.E. Carlos Barros<br />

(Uruguay), S.E. Dr. John Barrett (Kanada), S.E. Dr. István<br />

Horváth (Ungarn), I.E. Eve-Külli Kala (Estland), S.E. Diego<br />

Stacey (Ecuador), S.E. Dr. Omar Zniber (Marokko), Dr.<br />

Susanne Scholl, Botschafter Ron van Dartel (OSZE Niederlande),<br />

I.E. Grace Mutandiro (Simbabwe), Siham Alawami<br />

(OPEC), S.E. Frank Cogan (Irland), S.E. Eugenio María Curia<br />

(Argentinien), Carol Fuller (OSZE USA), S.E. Ehab Fawzy<br />

(Ägypten), I.E. Norma Goicochea (Kuba), Prof. Gerhard Gutruf,<br />

S.E. Eugenio d’Auria (Italien), S.E. Alfredo Labbé (Chile),<br />

S.E. Ukur Yatani Kanacho (Kenia), Mag. Julia Kopetzky<br />

(Ecker & Partner), Botschafterin Christine Moser (OSZE<br />

Österreich), I.E. Nongnuth Phetcharatana (Thailand), S.E. I<br />

Gusti Agung Wesaka Puja (Indonesien), S.E. Manuel Marcelo<br />

Monteiro Curto (Portugal), S.E. Vili Minarolli (Albanien),<br />

S.E. Xolisa Mabhongo (Südafrika), Brigitta Leonhard (Botschaft<br />

des Malteser Ritterordens), S.E. Marios Lyssiotis<br />

(Zypern), S.E. Yerzhan Kazykhanov (Kasachstan), S.E. Dr.<br />

Zoran Jasic (Kroatien), Stv. Missionschefin Galit Ronen (Israel),<br />

Botschafter Zuheir Elwazer (Botschaft der PLO), S.E.<br />

Aleksander Gerzina (Slowenien), I.E. Marjatta Rasi (Finnland),<br />

S.E. Kadri Ecved Tezcan (Türkei), S.E. Alyaksandr Sychov<br />

(Belarus), S.E. Dr. Ashot Hovakimian (Armenien), Dr.<br />

Ernst Huber (WKO), S.E. Musthafa M. Jaffeer (Sri Lanka), S.E.<br />

Esen Aydogdyev (Turkmenistan), I.E. Arlette Conzemius<br />

(Liechtenstein), S.E. Jargalsaikhan Enkhsaikhan (Mongolei),<br />

Direktorin Mag. Malgorzata Grudzinska (Polnisches Institut<br />

Wien), Dr. Georg Zanger (Rechtsanwalt)<br />

<strong>SOCIETY</strong> 3_10 | 101


KUNST UND KULTUR<br />

INTERVIEW<br />

„Von Anfang an haben<br />

unsere Premieren unterschiedlichste<br />

Künstler aus<br />

verschiedenen Ländern<br />

zusammengeführt.“<br />

MADLENA ZEPTER<br />

102 | <strong>SOCIETY</strong> 3_10


Kultur International<br />

Madlenas erfüllte Träume<br />

Madlena Zepter, Gründerin und Besitzerin des ersten privaten Opernhauses in Serbien,<br />

im Interview mit <strong>SOCIETY</strong>-Herausgeberin Gerti Tauchhammer über die Liebe zur Kunst.<br />

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, ein<br />

privates Opernhaus zu gründen und wie<br />

viele Jahre arbeiten Sie an diesem Projekt?<br />

Das ist eine alte Liebe von mir. Ich wohnte<br />

in derselben Straße, ging von dort zur<br />

Schule, später zur Philologischen Fakultät<br />

der Belgrader Universität und dann in die<br />

Oper. Früher war das etwas Nobles, man<br />

musste in die Oper gehen, um am gesellschaftlichen<br />

Leben teilzunehmen. Vor kurzem<br />

feierten wird das 400-jährige Jubiläum<br />

der Entstehung der Oper. Es handelt sich<br />

um die erhabenste szenische Form, um die<br />

Diva unter allen Kunstdivas, um die Primadonna<br />

unter allen Primadonnen! Die Oper<br />

ist das Werk über allen Werken! Ich wollte<br />

ihr also ermöglichen, auch weiter zu leben.<br />

Ich selbst arbeite seit 13 Jahren daran. Die<br />

Oper und das Theater haben 1997 als Kammeroper<br />

angefangen und seit 2005 – als wir<br />

ins komplett neu renovierte Gebäude eingezogen<br />

sind – haben wir neben Oper und<br />

Schauspiel auch Ballett.<br />

Erzählen Sie über den Literaturpreis,<br />

den Sie vergeben. Wie heißt dieser Preis?<br />

„Prix Litteraire Européen“. Seit acht<br />

Jahren verleihe ich diesen Preis auf europäischer<br />

Ebene, und die Verleihung findet<br />

immer in Paris statt. Dazu steht eine sehr<br />

df.ldflkjdfh kdhflkdfh lnk dfh kndh<br />

kompetente Jury zur Verfügung, und dieser<br />

symbolische Preis geht an den besten<br />

fkndfh nkh dfknldfh kn<br />

europäischen Schriftsteller. Es handelt sich<br />

um europäische Werke in verschiedenen<br />

Sprachen, die ins Französische übersetzt<br />

wurden und im jeweiligen Land zum besten<br />

Buch gekürt wurden. Es dürfen dabei<br />

nur Prosawerke eingereicht werden und<br />

seit zwei Jahren ist er sowohl mit 15.000<br />

Euro für den Schriftsteller als auch mit<br />

2.000 Euro für den Übersetzer dotiert. In<br />

der Jury haben wir die besten französischen<br />

Schriftsteller, zwei Mitglieder der<br />

Akademie und den berühmten Autor Frederic<br />

Beigbeder.<br />

Wie oft haben Sie die Möglichkeit, selbst<br />

ins Theater zu gehen?<br />

Ich gehe zu Premieren auf der ganzen<br />

Welt. Durch die Krise haben die Theater<br />

auf der Welt meist nur noch vier Premieren<br />

im Jahr, das kann ich schaffen. Nach<br />

Monte Carlo gehe ich immer – da sind es<br />

Madlena und Philip<br />

Zepter mit Tochter<br />

„Durch die Krise haben die<br />

Theater auf der Welt meist nur<br />

noch vier Premieren im Jahr,<br />

das kann ich schaffen.“<br />

MADLENA ZEPTER<br />

vier Mal pro Jahr – nach Mailand auch<br />

und manchmal in andere Theater, je<br />

nachdem, in welchem Land ich mich gerade<br />

befinde, da ich viel unterwegs bin.<br />

Vor einem Monat waren wir bei einem<br />

großen Meeting von Zepter International,<br />

unserer Firma. Da habe ich mir zum<br />

ersten Mal Odessa angesehen, obwohl<br />

wir in der Ukraine bereits 15 Jahre vertreten<br />

sind. Sie können sich nicht vorstellen,<br />

wie das gänzlich renovierte Nationaltheater,<br />

Oper und Ballett in dieser<br />

Stadt der Träume vieler Generationen<br />

beeindruckend sind. Genauso wie damals,<br />

als dort Schaljapin und Caruso<br />

sangen und A. Pawlowa und I. Duncan<br />

tanzten.<br />

Es ist für Sie eine Oper komponiert worden.<br />

Wie heißt diese Oper?<br />

Es handelt sich um die Oper „Mandragola“<br />

des Komponisten Ivan Jevtic, eines<br />

„serbischen Franzosen“, der an der Belgrader<br />

Musikakademie studiert hat. Gerade<br />

ist er 58 geworden und ich behaupte,<br />

dass er der beste Komponist des Landes ist.<br />

In Frankreich ist er auch sehr bekannt. Er<br />

komponiert meistens Konzerte für Tuba,<br />

Viola und Bratsche. In seinen Jugendtagen<br />

hat er einen Preis gewonnen, der ihm ermöglicht<br />

hat, nach Wien zu fahren und<br />

dort er bei Prof. Alfred Uhl zu studieren.<br />

Mit einem zweiten Stipendium hat er dann<br />

in Paris studiert, wo er auch heute lebt. Ich<br />

habe bei ihm eine Oper bestellt, die im Dezember<br />

vergangenen Jahres die Uraufführung<br />

hatte.<br />

Das war seine erste Oper, und die ist Ihnen<br />

gewidmet. Was heißt das Wort „Mandragola“?<br />

Die Vorlage bildet ein Stück von Machiavelli.<br />

Mandragola ist ein Getränk. Wenn<br />

man es trinkt, wird man verzaubert, sodass<br />

man Kinder bekommen kann. Alte Männer,<br />

die Väter werden möchten, aber keine<br />

Kinder mehr bekommen können, müssen<br />

das Getränk ihren Frauen zu trinken geben,<br />

damit der Zauber wirkt. Das ist insbesondere<br />

heute sehr aktuell und notwendig.<br />

Damit hüten wir auch die Tradition, weil<br />

das Werk selbst so lange existiert wie die<br />

damalige Oper. Es ist vor ungefähr 400 Jahren<br />

entstanden und dadurch ist ein traditionelles<br />

Thema zu einer ganz modernen<br />

Oper geworden.<br />

Wie sehen Ihre nächsten Pläne aus? Stehen<br />

noch andere Projekte an?<br />

Es gibt viele Projekte, die sich alle durch<br />

die hohe Qualität auszeichnen. Mein<br />

Wunsch ist, dass wir uns mit der Welt verbinden<br />

und „Mandragola“ als komplettes<br />

Werk anbieten. Deswegen waren wir auch<br />

unlängst bei den „Europäischen Operntagen“<br />

in Amsterdam, wo wir das Material<br />

mitgenommen haben. Wir möchten es<br />

ebenso den Opernhäusern in Europa vorstellen.<br />

Im besten Fall wollen wir es mit eigener<br />

Besetzung aufführen. Unsere Oper<br />

ist modern, aber auf traditionelle Weise geschrieben,<br />

in serbischer Sprache. Den Titel<br />

kann man allerdings in alle Sprachen übersetzen.<br />

Wir haben bereits ins Italienische,<br />

<strong>SOCIETY</strong> 3_10 | 103


KUNST UND KULTUR<br />

INTERVIEW<br />

Zepter Museum für<br />

zeitgenössische<br />

Kunst in Belgrad<br />

„Redner“, A. L. Lukijan,<br />

1959, Ölbild<br />

Französische und Englische übersetzt. Wir<br />

sind uns sicher, dass die Musik sehr gut ist.<br />

Könnten Sie sich vorstellen, dass die<br />

Oper in einem Opernhaus in Österreich wie<br />

zum Beispiel Volksoper in Wien aufgeführt<br />

wird? Wenn Sie die Oper z. B. nach Wien verkaufen<br />

möchten, würden Sie diese mit den<br />

Sängern anbieten oder nur das Konzept?<br />

Wir haben schon einige Gespräche mit<br />

dem Landestheater in Linz und der neuen<br />

Oper, die dort gebaut werden soll, geführt.<br />

Es ist aber alles noch sehr frisch. Sie wissen<br />

schon, dass die Premiere erst im Dezember<br />

war und wir haben gerade auch ein Museum<br />

der zeitgenössischen Kunst in Belgrad<br />

eröffnet. Wir haben aber schon zwei,<br />

drei Angebote. Es wurde schon ein Termin<br />

in St. Petersburg ausgemacht, sowie für Paris<br />

bis April. Wir werden uns anschauen,<br />

was für uns und was für die andere Seite<br />

das Beste ist. Es hängt alles von so vielen<br />

Faktoren ab: Wie man das alles machen soll,<br />

auf welche Weise die Künstler dort hinkommen,<br />

wo sie übernachten werden, welches<br />

Arrangement wir haben, etc. Für uns<br />

ist das Orchester das teuerste, ein guter Dirigent<br />

und eine Operndiva aber auch. Es besteht<br />

allerdings die Möglichkeit, dass sich<br />

das Orchester des Gastspielhauses vorbereitet<br />

und die Sänger mit dem Bühnenbild<br />

und dem übrigen übernommen werden.<br />

Dann würde es sich um eine minimale<br />

Summe für beide Seiten handeln, worüber<br />

ich mich sehr freuen würde.<br />

Welche Ausstellungen sind derzeit im<br />

Museum zu sehen?<br />

Da ist eine Kollektion der bedeutendsten<br />

serbischen Maler des 20. Jahrhunderts ausgestellt.<br />

Der Akzent wurde auf Künstler gelegt,<br />

die in den 50er/60er/70er Jahren geschaffen<br />

haben. Viele davon leben auch<br />

nicht mehr, und einige sind aus Paris, da haben<br />

damals viele im Exil gelebt.<br />

Ich könnte mir also eine Kooperation<br />

mit Österreich gut vorstellen, wenn etwa ein<br />

besonderes Jahr von Beziehungen zwischen<br />

Österreich und Serbien ansteht. Eine Oper<br />

und eine Ausstellung würden sich dafür<br />

eignen.<br />

Es könnte mir nichts Schöneres passieren.<br />

Von Anfang an hatten wir eine sehr gute<br />

Beziehung zum österreichischen Botschafter,<br />

Dr. Clemens Koja, nicht zuletzt<br />

weil er Musik liebt. Meinerseits würde ich<br />

das materiell fördern, ich bräuchte aber die<br />

Unterstützung der Kulturinstitutionen.<br />

Zum Abschluss: Sie haben sich schon<br />

sehr viele Wünsche erfüllt und ich habe das<br />

Gefühl, dass Sie nicht aufhören zu träumen,<br />

sondern immer weiter machen. Was<br />

sind Ihre weiteren Träume?<br />

Ganz einfach, was bis jetzt geschaffen<br />

wurde aufgrund dieser Träume, möchte<br />

ich wohl immer als Qualität erhalten und<br />

verbessern: sowohl im Museum als auch<br />

hier in der Oper und im Theater. In diesem<br />

Sinne schaue ich auch auf die Beziehungen<br />

zwischen anderen Ländern, die Präsentation<br />

und Zusammenarbeit. Von Anfang an<br />

haben unsere Premieren unterschiedlichste<br />

Künstler aus verschiedenen Ländern zusammengeführt.<br />

Es war immer ein internationaler<br />

Dirigent oder Choreograph mit<br />

großem Namen dabei wie auch Renato Zanelli,<br />

der langjährige Direktor des Wiener<br />

Balletts. Attersee war hier mit ganzem Ensemble<br />

und hat zum Mozartjahr das Bühnenbild<br />

für ein Ballett parallel zur Oper gemacht.<br />

Auf der Bühne wurde gespielt und<br />

unten war die Ausstellung zu sehen. Die<br />

Schüler Pavarottis waren auch hier und haben<br />

uns im April mit einem Konzert beehrt,<br />

um an Luciano Pavarotti zu gedenken.<br />

Wie Sie hier sehen werden, haben wir<br />

auch heute wieder ein internationales<br />

Team, das „Mandragola“ vorbereitet hat.<br />

Dirigent ist Olivier Grangean aus Frankreich,<br />

sehr bekannt ist auch Slobodan Unkovski<br />

aus Mazedonien, er macht die Regie,<br />

dann Meta Hocevar aus Slowenien,<br />

sie ist für die Szene zuständig, Angelina Atlagic<br />

ist Kostümbildnerin, sie arbeitet in<br />

ganz Europa und Dimitris Sotiriou, aus<br />

Griechenland, hat die Choreographie gemacht.<br />

Unser Gast ist oft auch eine der besten<br />

Sopranistinnenm, Daniela Dessi. Für<br />

jede Oper, die wir bisher aufgeführt haben,<br />

haben wir eigentlich ein Arrangement mit<br />

einem der berühmten Weltnamen: Richard<br />

Perit, Josef Prudek, Miklos Slinetar,<br />

Ruben Silka, Ramdu Oller.<br />

Ich danke Ihnen für das Gespräch und<br />

wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg bei der<br />

Realisierung Ihrer Vorhaben, wobei ich sicher<br />

bin, dass es mit Ihrer Oper und dem<br />

Museum, mit dem Aufwand und der Leidenschaft,<br />

die Sie dafür aufbringen, nicht weit<br />

zum Erfolg ist. Ich möchte mich auch noch<br />

für den herzlichen Empfang bedanken und<br />

hoffe, dass Sie uns demnächst vielleicht mit<br />

„Mandragola“ oder einer Ausstellung in<br />

Österreich beehren werden.<br />

104 | <strong>SOCIETY</strong> 3_10<br />

„Soldat, der Bier trinkt“, Milan Blanusa,<br />

1993, Ölbild


1010 Wien, Jasomirgottstraße 7 • 1060 Wien, Mariahilfer Straße 119 • 1090 Wien, Währinger Straße 44


KUNST UND KULTUR<br />

SALZBURG<br />

Die neue Orgel<br />

der Stiftung Mozarteum<br />

Stiftung Mozarteum Salzburg<br />

Eine Orgel für alle Fälle<br />

„Die orgl ist doch in meinen augen und ohren der könig aller instrumenten.“ Wolfgang<br />

Amadeus Mozart in einem Brief an seinen Vater vom 18. Oktober 1777. Von EVA VON SCHILGEN<br />

Salzburgs Musikszene ist um ein Klangerlebnis<br />

reicher, seit anlässlich der Mai-<br />

„DIALOGE“ <strong>2010</strong> die neue Propter-Homines<br />

Konzertorgel im großen Saal der<br />

Stiftung Mozarteum Salzburg eingeweiht<br />

wurde. Seit mehr als zwanzig Jahren war<br />

die 1970 anstelle der 1914 errichteten Orgel<br />

nicht mehr konzertant bespielbar gewesen.<br />

Es war ein persönliches Anliegen<br />

des derzeitigen Präsidenten der Stiftung<br />

Mozarteum Johannes Honsig-Erlenburg,<br />

selbst ausgebildeter und aktiver Organist,<br />

in Salzburgs schönstem Jugendstil-Konzertsaal<br />

wieder Orgelkonzerte zu veranstalten.<br />

Auch sollte eine Rekonstruktion des<br />

architektonischen Erscheinungsbildes der<br />

Orgel in ihrer ursprünglichen Form von<br />

1914 erfolgen. In vier Jahren Planung und<br />

zwei Jahren Bauzeit wurde von der sächsischen<br />

Orgelfirma Eule ein wahres Universalinstrument<br />

geschaffen. 3933 Pfeifen,<br />

die größte Pfeife ist fünf Meter, die kleinste<br />

zehn Millimeter, verteilt auf 51 Register,<br />

werden ein riesiges Repertoire von Bach bis<br />

in die Gegenwart bedienen können.<br />

***<br />

„Orgel zu Mittag“<br />

Bei der Programmgestaltung geht man<br />

bewährte, aber auch neue Wege. Für<br />

<strong>2010</strong>/2011 plant der künstlerische Leiter<br />

der Stiftung, Stephan Pauli, unter anderen<br />

einen vierteiligen Orgelzyklus mit Abendkonzerten.<br />

Neben den traditionellen Konzerten,<br />

solo oder mit Orchester, wird bei<br />

Sonntagsmatineen Dennis James, der Pionier<br />

der Kino- und Theaterorgeln, Stummfilme<br />

untermalen, bei denen geweint werden<br />

darf, wie bei „La Boheme“, oder<br />

gelacht wird, wie über Stan Laurel & Oliver<br />

Hardy oder Charlie Chaplin. Eine Besonderheit<br />

für eilige Touristen und große Orgelliebhaber<br />

ist „Orgel zu Mittag“, dreißig Minuten<br />

Orgelmusik jeweils an einem<br />

Dienstag um 12.30 Uhr mit anschließender<br />

Besichtigung des Zauberflötenhäuschens.<br />

***<br />

Batliner: Salzburgs Mäzen<br />

Die Kosten von knapp über einer Mil-<br />

106 | <strong>SOCIETY</strong> 3_10


FOTOS: FOTOS MIT FREUNDLICHER GENEHMIGUNG INTERNATIONALE STIFTUNG MOZARTEUM/FOTO LIENBACHER, EVA VON SCHILGEN<br />

Stummfilme mit Orgelmusik<br />

KONTAKT<br />

Präsident Johannes<br />

Honsig-Erlenburg<br />

und DDr. Herbert<br />

Batliner<br />

STIFTUNG MOZARTEUM SALZBURG<br />

Ticketoffice: Theatergasse 2, A-5020 Salzburg<br />

Telefon: +43-(0)662-873 154<br />

www.mozarteum.at<br />

Kontoverbindung Bankhaus Carl Spängler & Co,<br />

Salzburg<br />

Kto.Nr.: 100095799, BLZ 19530<br />

lion Euro stellte die „Stiftung Propter Homines<br />

Vaduz“ des liechtensteinischen<br />

Rechtsanwaltes, Finanztreuhänders und<br />

Kunstmäzens Herbert Batliner zu Verfügung.<br />

Die Stiftung fördert u. a. Kunst und<br />

Kultur, insbesonders althergekommenes<br />

Kulturgut, Denkmäler, Museen und<br />

Brauchtum. Auch die Restaurierung der<br />

Orgel in der alten Kapelle in Regensburg<br />

2006 hatte der großzügige Mäzen übernommen.<br />

Seine Beziehungen zu Salzburg<br />

sind eng. So widmet sich das 1997 gegründete<br />

Herbert-Batliner-Europainstitut in<br />

Salzburg der Erforschung europäischer Politik,<br />

Geschichte und Kultur. Bei der jährlich<br />

stattfindenden Festakademie zu Beginn<br />

der Festspiele werden hochrangige<br />

Persönlichkeiten, darunter amtierende<br />

Staatspräsidenten und Regierungschefs,<br />

für Festvorträge eingeladen.<br />

***<br />

Renommierte „Non-Profit-Organisation“<br />

Die Non-Profit Organisation „ Stiftung<br />

Mozarteum Salzburg“ wurde 1880 zum<br />

Zwecke der Förderung von Musikbegabten<br />

gegründet und hat ihre Wurzeln in<br />

dem noch zu Lebzeiten der Witwe Mozarts,<br />

Constanze, entstandenen „Dom-Musik Verein<br />

und Mozarteum“. Ziel und Aufgabe ist<br />

es, Mozarts Erbe zu bewahren, ebenso eine<br />

zeitgemäße Auseinandersetzung mit dem<br />

Genius loci und der Brückenschlag zur<br />

zeitgenössischen Musik. Die drei Kernbereiche<br />

der Stiftung sind Konzertveranstaltungen,<br />

die Mozart-Museen und die Mozartforschung.<br />

Mekka aller Mozartliebhaber ist die<br />

jährliche „Mozartwoche“, in der Zeit um<br />

Mozarts Geburtstag, dem 27. Jänner. Beim<br />

Festival „DIALOGE“, das jeweils im Mai<br />

und im Dezember stattfindet, begegnen<br />

sich zeitgenössische Künstler aus den Bereichen<br />

Musik, Tanz, Literatur und bildende<br />

Kunst – hier werden neue Hörerlebnisse<br />

und die Begegnung unterschiedlicher<br />

künstlerischer und musikalischer<br />

Welten ermöglicht. Von Oktober bis Juni<br />

findet der Zyklus „Junge Künstler“ statt.<br />

***<br />

Berühmte Mozart-Museen<br />

Das Mozart-Geburtshaus im Herzen der<br />

Altstadt, welches die Familie 26 Jahre bewohnte,<br />

zeigt heuer drei Ausstellungen:<br />

„Alltag eines Wunderkindes“, „Mozart auf<br />

dem Theater“ und „Die Mozarts – eine Familie<br />

stellt sich vor“. Das Mozart-Wohnhaus<br />

am Makartplatz, in das die Familie<br />

1773 einzog und in dem Mozart zahlreiche<br />

Symphonien, Serenaden, Divertimenti sowie<br />

fünf Konzerte komponierte, wurde<br />

1944 großteils zerstört. Es ist ein Verdienst<br />

der Stiftung, dass es 1996 in seiner originalen<br />

Form wieder errichtet wurde. Heute beherbergt<br />

es ein Museum mit Schwerpunkt<br />

über die Reisetätigkeit Mozarts und seiner<br />

Schwester Nannerl.<br />

Das Geburtshaus von Mozarts Mutter in<br />

St. Gilgen wurde 2006 wieder der Öffentlichkeit<br />

zugänglich gemacht und wird kulturell<br />

genutzt. Eine Rarität ist das im Bastiongarten<br />

auf der Rückseite des<br />

Mozarteums befindliche Zauberflötenhäuschen.<br />

Hier soll Mozart von seinem<br />

Textdichter Emanuel Schikaneder eingesperrt<br />

worden sein, um mit dem Komponieren<br />

termingerecht fertig zu werden.<br />

***<br />

Das „Herz vom Herzen“ Europas<br />

Die „Bibliotheca Mozartiana“ ist mit<br />

über 35.000 Titeln die umfangreichste<br />

Mozartbibliothek der Welt. In der Autographensammlung<br />

befinden sich fast 200 Originalbriefe<br />

Mozarts, 370 Briefe seines Vaters<br />

und über 100 Handschriften Mozarts.<br />

18.000 Audiotitel und mehr als 1.800 Videoproduktionen<br />

der Ton- und Filmsammlung<br />

lassen das Herz des Mozartfans höher<br />

schlagen.<br />

Neben Präsidium und Kuratorium arbeitet<br />

ein Team von über neunzig Mitarbeitern<br />

in den Bereichen Verwaltung, Künstlerisches<br />

Betriebsbüro, Marketing/PR/<br />

Sponsoring, Liegenschaften, Museen, Wissenschaft,<br />

Saalbetreuung, Billeteure, Programmverkauf,<br />

Garderobe und Museumsaufsicht.<br />

Sie alle sorgen dafür, dass die<br />

Nachwelt Einblick in das Leben und Wirken<br />

Mozarts erhält. Hugo von Hoffmannsthal<br />

schrieb im Gründungsmanifest der<br />

Salzburger Festspiele 1919: „Das Salzburger<br />

Land ist das Herz vom Herzen Europas. [...]<br />

Das mittlere Europa hat keinen schöneren<br />

Raum, hier mußte Mozart geboren werden.“<br />

Welches Glück!<br />

<strong>SOCIETY</strong> 3_10 | 107


KUNST UND KULTUR<br />

KULTURHAUPTSTADT<br />

Neuanfang für Pécs<br />

Kultur als Zukunftschance<br />

Das südungarische Pécs erlebt als „Kulturhauptstadt Europas“ einen beachtlichen Aufschwung.<br />

Prädikat: Absolut sehenswert. Von STEPHAN LAHODYNSKY und AIZADA MADALIEVA<br />

Die Kulturhauptstadt<br />

Pécz lockt mit malerischem<br />

Altstadtflair.<br />

Eine nagelneue Autobahn, die M6, verbindet<br />

Pécs, die zurzeit – gemeinsam<br />

mit Istanbul und Essen – regierende<br />

Kulturhauptstadt Europas <strong>2010</strong> mit Budapest.<br />

Sogar neuere Straßenkarten und<br />

auch das GPS haben die neue Schnellverbindung<br />

noch nicht registriert. „Viele Einwohner<br />

von Pécs haben die Autobahn noch<br />

gar nicht richtig wahrgenommen“, scherzt<br />

Csaba Ruzsa, Intendant von Pecs<strong>2010</strong>.<br />

„Kaum jemand hat wirklich geglaubt, dass<br />

sie termingerecht im April fertiggestellt<br />

wurde.“<br />

Dafür hat es mit den Großbauten etwas<br />

länger gedauert: Die Bibliothek wurde im<br />

September eröffnet, das neue Kongresszentrum<br />

mit Konzerthalle folgt erst Ende des<br />

Jahres. Am 1. September wurde dafür ein<br />

neues und zugleich altes Wahrzeichen der<br />

Stadt zurückgegeben. Das vier Hektar große<br />

„Zsolnay Kultur-Zentrum“ wurde auf<br />

dem Gelände der weltberühmten Keramikund<br />

Porzellanmanufaktur Zsolnay feierlich<br />

eröffnet. In einem der renovierten<br />

Art-Deco-Töpferateliers läuft die Ausstellung<br />

mit den schönsten Vasen, Tellern und<br />

Figuren aus der Periode von 1880 bis 1930,<br />

als Zsolnay-Produkte auf allen Weltausstellungen<br />

Preise gewannen.<br />

Der innovative Firmengründer Vilmos<br />

Zsolnay hatte eine Glasurtechnik erfunden,<br />

die bis heute geheim gehalten und<br />

„Eosin“ genannt wird. Sie verleiht den filigranen<br />

Kunstwerken einen irisierenden<br />

Schimmer. In der Donaumonarchie wurden<br />

auch viele Gebäude mit Keramik-Fliesen<br />

aus der Zsolnay-Werkstatt verziert. In<br />

Wien tragen die alte Zacherlfabrik in Döbling,<br />

einige Geschäftsportale in der Kärntnerstraße<br />

oder der Wasserturm am Wienerberg<br />

Terrakotta-Ziegel von Zsolnay.<br />

***<br />

Größte Moschee Mitteleuropas<br />

Pécs, das in der Donaumonarchie auch<br />

Fünfkirchen genannt wurde, trägt die europäische<br />

Auszeichnung der Kulturhauptstadt<br />

stolz und verdient. Die Innenstadt<br />

mit malerischen Gassen und fast mediterran<br />

anmutenden Plätzen wurde liebevoll<br />

renoviert. Und die multikulturelle Vergangenheit<br />

der tausendjährigen Bischofsstadt<br />

begleitet Besucher auf Schritt und Tritt.<br />

Auf dem Szechenyi-Platz steht die größte<br />

Moschee in Mitteleuropa, die nach dem<br />

108 | <strong>SOCIETY</strong> 3_10


Ende der 150 Jahre andauernden türkischen<br />

Besatzung im 17. Jahrhundert in eine<br />

Kirche umgewandelt wurde. Drinnen<br />

findet man noch immer Koransprüche<br />

und orientalische Ornamente, und auf der<br />

grünen Kuppel prangen Kreuz und Halbmond<br />

einträchtig untereinander. Eine Moschee<br />

und eine Synagoge wurden renoviert,<br />

und bei der Bischofs-Kathedrale<br />

wurden frühchristliche Grabkapellen aus<br />

der römischen Vergangenheit ausgegraben,<br />

von der UNESCO zum Weltkulturerbe<br />

gekürt.<br />

***<br />

Moderne Kunst von Rang<br />

Doch Pécs ist auch eine Stadt der modernen<br />

Künste: Hier ist der Begründer der Op-<br />

Art, Victor Vasarely (1906-1997), geboren.<br />

Eine repräsentative Werkschau des Künstlers,<br />

darunter die berühmten Zebrabilder,<br />

wird in seinem Geburtshaus, das als Vasarely-Museum<br />

dient, gezeigt. Gleich in der Nähe<br />

gibt es ein Museum für den „Van Gogh“<br />

Ungarns, den exzentrischen Maler Tivadar<br />

Csontvary Kosztka (1853-1919), der Apotheker<br />

war und erst in der Lebensmitte zu malen<br />

anfing und mit seinen großflächigen,<br />

farbenfrohen Gemälden von orientalischen<br />

Landschaften erst nach seinem Tode Anerkennung<br />

fand.<br />

Der Bauhaus-Architekt und Möbeldesigner<br />

Marcel Breuer (1902 bis 1981) stammt<br />

ebenfalls aus Pécs. Ihm und anderen ungarischen<br />

Bauhaus-Vertretern ist bis 15. Oktober<br />

eine eigene Ausstellung gewidmet. Ab<br />

12. November werden acht ungarische Maler<br />

(Robert Bereny, Dezsö Czigany, Bela Czobel,<br />

Karoly Kernstock, Ödon Marffy, Dezsö<br />

Orban, Bertalan Por und Lajos Tihanyi) präsentiert,<br />

die zwischen 1906 und 1916 als<br />

Zeitgenossen von Cézanne oder Matisse die<br />

wichtigsten Kunstströmungen mitprägten.<br />

Der ungarische Orgelbauer Jozsef Angster,<br />

der ab 1867 hunderte Kirchen der Donaumonarchie<br />

mit seinen Instrumenten<br />

ausstattete, lebte in einem schmucken Haus<br />

in der heutigen Fußgängerzone entlang<br />

der Kiraly-Straße, wo es auch das Stadttheater<br />

und das Art-Deco-Hotel Palatinus zu besichtigen<br />

gibt.<br />

***<br />

Rosige Zukunftsperspektiven<br />

Bei einem solchen Reichtum an kulturellem<br />

Erbe lag es nahe, dass die Stadt dieses<br />

als Zukunftsperspektive nutzte. Denn<br />

nach dem Fall des Eisernen Vorhangs sah<br />

es zunächst gar nicht gut aus: Es gab praktisch<br />

keine Industrie mehr, auch beim<br />

Bergbau (Uran) gingen viele Jobs verloren.<br />

Die Infrastruktur war – vor allem durch<br />

die fehlende Autobahnanbindung –<br />

schlecht, was westliche Investoren abschrecken<br />

sollte. Und auch der nahe Krieg<br />

im ehemaligen Jugoslawien war nicht gerade<br />

förderlich. Weil die Stadt viele Flüchtlinge,<br />

Serben und Kroaten, aufnahm, gab<br />

es damals eine Auszeichnung der UNESCO.<br />

Der Aufschwung kam erst mit dem Beitritt<br />

Ungarns zur EU 2004 und mit der darauf<br />

folgenden erfolgreichen Kandidatur<br />

von Pécs als Europas Kulturhauptstadt.<br />

Aus der EU-Regionalhilfe flossen über 140<br />

Millionen für diverse Projekte zur Stadtentwicklung.<br />

Die Universität von Pécs erlebte<br />

einen Boom, auch viele Künstler siedelten<br />

sich an. Die Stadt will sich nun selbstbewusst<br />

als kulturelle Metropole in der Region<br />

profilieren. „Stadt ohne Grenzen“<br />

lautet ein Motto als Kulturhauptstadt. Kontakte<br />

nach Serbien, Kroatien, Slowenien<br />

und Österreich – vor allem in die nahe<br />

Steiermark – sollen weiter ausgebaut werden.<br />

Auch der Tourismus dient als Hoffnungsgebiet:<br />

Man rechnet heuer mit über<br />

einer Million an Besuchern. Die nahe<br />

Weinregion rund um Villány lockt mit<br />

den besten Rotweinlagen Ungarns. Dort<br />

hat etwa Alajos „Lojzi“ Wunderlich einen<br />

Qualitätsbetrieb mit imposantem Schaukeller<br />

und modern gestalteten Verkostungsräumen<br />

aufgebaut. Der ehemalige<br />

Spengler mit Schweizer Wurzeln heimste<br />

schon zahlreiche Goldmedaillen für seine<br />

Merlot- und Pinot-Noir-Weine ein. Einige<br />

seiner Weingärten liegen auch im nahen<br />

Dorf Palkonya, einem von 13 „Europäischen<br />

Kulturdörfern“.<br />

Die Region lockt auch mit mittelalterlichen<br />

Burgen und Thermalbädern. Pécs<br />

wird auch nach der Periode als Kulturhauptstadt<br />

ein interessantes Reiseziel bleiben.<br />

TIPPS<br />

Die Anreise per PKW erfolgt von Wien am schnellsten via<br />

Budapest, von dort sind es knapp zwei Stunden auf der<br />

nagelneuen M6-Autobahn bis Pécs. Von Wien gibt es<br />

auch einen Direktzug, der um knapp nach sieben Uhr<br />

früh vom Bahnhof Wien-Meidling abfährt und mittags<br />

ankommt. Die Retourkarte kostet nur 29 Euro. (Proviant<br />

mitnehmen, es gibt kein Service im Zug).<br />

Hotels: „Patria“ oder „Palatinus“ gehören zur ungarischen<br />

Danubius-Kette.<br />

Zahlreiche Restaurants liegen in der Innenstadt, z. B.<br />

Steakhäuser in der Kiraly-Straße.<br />

Eine kundige deutsch- und englischsprachige Stadtführerin<br />

ist Marta Balatonyi. Tel. +36-20474 4769.<br />

E-mail: balatonyi@visitpecs.hu<br />

Infos zu Kulturveranstaltungen: www.pecs<strong>2010</strong>.hu<br />

Ausflug nach Villany: Weingut Wunderlich<br />

(Baross Gábor ut 106) www.wunderlich.hu<br />

Szechenyi-Platz mit Moschee<br />

Hotel Palatinus<br />

<strong>SOCIETY</strong> 3_10 | 109


KUNST UND KULTUR<br />

PORTRÄT<br />

Mondblumenfeld<br />

Der Maler Sven Kury<br />

Schönheit ist ein<br />

Gruß des Himmels<br />

„Als ich die Bilder von Sven Kury zum ersten Mal vor 25 Jahren<br />

sah war, ich sofort gefesselt. Hier sprach mich etwas an,<br />

die Bilder berührten mich in meinem Herzen. Endlich war<br />

hier etwas echt und lebendig.“ (Zitat Barbara Schneeweis)<br />

Es geht in der Kunst Sven Kurys nicht<br />

um Revolution, Weltverbesserung oder<br />

um bloße Darstellung von Welt, sondern<br />

um die Sichtbarmachung einer lebendigen<br />

Erfahrung von Wirklichkeit. Wie<br />

ein Gedicht von Rainer Maria Rilke beschreiben<br />

diese Bilder eine Welt, die für<br />

unser inneres Erleben Realität ist und wesenhafte<br />

Begegnung ermöglichen.<br />

Beim Betrachten der Bilder von Sven Kury<br />

steigt eine Erinnerung auf: Eine Erinnerung<br />

an unser Potential als Mensch. Die<br />

Frage nach dem „Was bin ich? Woher komme<br />

ich?“ nähert sich einer Antwort, die<br />

doch nie gegeben werden kann. Es gibt einen<br />

Sinn, der unseren Anspruch, Lebensqualität<br />

zu erarbeiten weit übersteigt, und<br />

mit diesem bringen uns die Bilder von<br />

Sven Kury in Kontakt.<br />

Vielleicht verbirgt sich der Sinn auch<br />

im Unheimlichen, in den Bereichen, die<br />

wir noch nicht festgeschrieben und erforscht<br />

haben, lockt doch das Abenteuer<br />

dort, wo sich das Geheimnis verbirgt. Die<br />

Bilder von Sven Kury schenken so ein Geheimnis,<br />

erinnern uns an das Wunder des<br />

Lebens und bleiben vielleicht ein Rätsel.<br />

Sven Kury liebt die Natur und gestaltet<br />

auch leidenschaftlich Gärten. Seit einigen<br />

Jahren arbeitet er am Aufbau der Imkerei<br />

„Josef“ und sucht Sponsoren für dieses<br />

Projekt - sind doch Bienen seit alters her<br />

ein Symbol für den Menschen und die Arbeit<br />

mit Ihnen ein Abenteuer und ständige<br />

Herausforderung.<br />

Atalante<br />

LEBENSLAUF<br />

Sven Kury wurde am 6.11.1961 geboren und wuchs in Wien<br />

Döbling auf. Sein Vater war erster Flötist bei den Niederösterreichischen<br />

Tonkünstlern. Nach der Matura studierte<br />

er bei Erhard Stöbe an der Hochschule für Angewandte<br />

Kunst. Ankäufe vom Land Niederösterreich, privaten<br />

Sammlern und Liebhabern.<br />

Ausstellungen<br />

Galerie Stricker, Kunstmesse Innsbruck, Kunstmesse<br />

Salzburg, Kunstmesse Bregenz.<br />

110 | <strong>SOCIETY</strong> 3_10<br />

Heimkehr


KUNST UND KULTUR<br />

KOMMENTAR<br />

Kommentar von GERHARD GUTRUF<br />

Betrachtungen zur Größe<br />

Österreichs auf messtechnischer<br />

und kultureller Ebene<br />

Während Österreich anscheinend geografisch wächst, ist auf kultureller Ebene der Ruf Österreichs<br />

als Großmacht stark gefährdet.<br />

Heimlich, still und leise wächst Österreich:<br />

Glaubt man dem renommierten<br />

Daten-Zahlen-Fakten-Nachschlagewerk<br />

„Fischer Weltalmanach“, ist unser Land<br />

zwischen 2000 und 2009 um nicht weniger<br />

als 13 km 2 größer geworden (Fläche im<br />

Vorjahr 83.871 km 2 ). Eine Ausdehnung von<br />

immerhin 1,44 km 2 pro Jahr!<br />

Erstmals seit dem tu felix Austria nube<br />

Heiratstrick der Habsburger hat Österreich<br />

offensichtlich wieder eine innovative Methode<br />

gefunden, sein Territorium zu vergrößern<br />

– und zwar mittels immer ausgefeilterer<br />

Messtechniken. Man muss wissen,<br />

dass die Vermessung eines Landes (oder der<br />

Welt) schwierige, vielleicht sogar philosophische<br />

Fragen aufwirft und alles andere<br />

als eine banale Angelegenheit ist: Wird eine<br />

Fläche flach – also von oben auf die<br />

Messebene projiziert – berechnet oder werden<br />

auch etwaige Schrägen von Berghängen,<br />

hügeligen Wiesen usw. in die Berechnung<br />

der wahren Größe mit einbezogen?<br />

Selbst weltpolitisch ist dieses erstaunliche<br />

Phänomen von Bedeutung; immerhin<br />

würden wir bei gleichbleibendem<br />

Wachstum in etwa 1,84 Millionen Jahren<br />

Kasachstan Rang 9 der größten Staaten abnehmen…<br />

Weniger erfreulich ist dagegen die Tatsache,<br />

dass Österreichs Ruf als Kultur-Großmacht<br />

in der internationalen Wahrnehmung<br />

eher abnehmende Tendenz aufweist.<br />

Warum?<br />

***<br />

Totgesparte Kulturforen<br />

Es wäre naiv, diese Behauptung ausschließlich<br />

mit kulturpolitischen Versäumnissen<br />

zu erklären. Vielleicht ist es trotzdem<br />

interessant, spotlight-artig etwa die Situation<br />

der ehemaligen Kulturinstitute – den imageproduzierenden<br />

Flaggschiffen heimischer<br />

Kunst und Kultur im Ausland – zu beleuchten.<br />

Ursprünglich beim Unterrichtsministerium<br />

angesiedelt, waren sie zeitweise recht<br />

ordentlich dotiert und in der Lage, hochqualitative<br />

Veranstaltungen und Ausstellungen<br />

zu realisieren.<br />

Ab 1973 wurden die Kulturinstitute dem<br />

Außenministerium unterstellt, später aus<br />

kostensenkenden Gründen verschleierungstaktisch<br />

in „Kulturforen“ umbenannt und finanziell<br />

sowie personalmäßig immer weiter<br />

ausgedünnt. Zudem wurden wichtige Standorte<br />

geschlossen, und es ist zu befürchten,<br />

dass trotz derzeitiger Minimaletats Totsparen<br />

im Namen der heiligen Budgetsanierung<br />

angesagt ist. Heute ist eine dem Selbstverständnis<br />

Österreichs adäquate<br />

Präsentation heimischer Kunst und Wissenschaft<br />

kaum mehr möglich; viele Kulturforen<br />

können ihr Programm nur mehr aufgrund<br />

extremen persönlichen Einsatzes der<br />

Mitarbeiter durchführen. Ironischerweise<br />

wird in der Einladung zur letzten Auslandskulturtagung<br />

festgestellt: „Seit einigen Jahren<br />

wird in allen Bereichen der internationalen<br />

Beziehungen das Potenzial von Kultur<br />

und Kulturkooperation neu entdeckt. Kultureller<br />

Dialog gilt inzwischen geradezu als unverzichtbarer<br />

Bestandteil jeder Außenpolitik,<br />

die nachhaltig wirken möchte…“<br />

Ein weiteres Schlaglicht soll auf die katastrophale<br />

Situation von Künstlern und Wissenschaftlern<br />

im Lande selbst geworfen werden.<br />

Die meist versteckte Armut in weiten<br />

Künstlerkreisen wurde vor Jahren durch umfangreiche<br />

Untersuchungen deutlich. Unübersichtliche<br />

Zersplitterung und Parallelitäten<br />

von Kulturkompetenzen auf Bundesund<br />

Länderebenen verhindern oft effektive<br />

Fördermaßnahmen. Auch die Situation mancher<br />

freischaffender Wissenschaftler und<br />

zum Dahinvegetieren verdammter altehrwürdiger<br />

Institutionen ist beschämend.<br />

Viele Beispiele könnten hier angeführt<br />

werden. Ich hoffe, dass es künftig noch Gelegenheit<br />

geben wird, auf hierzulande kaum<br />

wahrgenommene außerordentliche Talente<br />

bzw. große Künstler hinzuweisen.<br />

***<br />

Prinzliches Design<br />

Zur Illustration möchte ich diesmal den<br />

Lederkünstler Paul Prinz vor den Vorhang<br />

bitten. Seine Kreationen haben internationales<br />

Format, sind dekorativ und handwerklich<br />

hervorragend gearbeitet: Seine<br />

neue Kollektion aus Abfall-Materialien und<br />

Kunstleder-Resten ist up to date und fetzig<br />

– also super. In Österreich hatte Paul Prinz<br />

bisher keine Chance. Vielleicht aber hat jemand<br />

aus der geneigten Leserschaft den<br />

entscheidenden Hinweis dafür, wie man<br />

diesem Ausnahme-Designer zum wohlverdienten<br />

Durchbruch verhelfen könnte.<br />

(www.paulprinzleder.at)<br />

ÜBER DEN AUTOR<br />

Gerhard Gutruf, geb. 1944, studierte 1962 - 70 an der<br />

Ak.d.b.K.Wien. Er ist Maler, Grafiker und Kunsttheoretiker.<br />

Teilnahmen an den Biennalen von Ibiza, Florenz, New Delhi,<br />

Kairo, Shanghai. Einzelausstellungen u.a. in Rom,<br />

Wien, Essen, Ascona, Kairo, Bratislava, Mexico City, Guadalajara,<br />

Pretoria, Lissabon, Coimbra, Peking, Istanbul, Madrid,<br />

Kiew, Ningbo und Delft. www.gutruf.at<br />

<strong>SOCIETY</strong> 3_10 | 111


KUNST UND KULTUR<br />

EVENTS<br />

HIGHLIGHTS VERANSTALTUNGEN<br />

DER KULTUR Juli bis September <strong>2010</strong><br />

IDANCE: MY MELODY<br />

Die Tänzer und Tänzerinnen des idance Kollektivs begeisterten das<br />

Publikum und entführten einen Abend lang in eine Welt voller<br />

Musik, Euphorie und Bewunderung. „Tanzen ist die schönste Art,<br />

sein Innerstes zum Ausdruck und sich selbst und andere in Bewegung<br />

zu bringen“, so Beata Vavken, Leiterin des aus Tänzerinnen<br />

und Tänzern der Staatsoper bestehenden Kollektivs. Die meisten<br />

der Darsteller wurden mit dem Downsyndrom geboren.<br />

Dass aber der Kunst keine Grenzen gesetzt werden können, bewiesen<br />

die Akteure eindrucksvoll. Beim anschließenden VIP-Empfang<br />

im Foyer der Kammeroper ließen es sich viele Prominente<br />

und “friends” nicht nehmen, persönlich zu erscheinen.<br />

Das Ensemble<br />

For classic books and<br />

the latest best sellers.<br />

From cookery to crime fiction.<br />

From poetry to philosophy.<br />

Matura titles, languages courses,<br />

audio books and a selection of<br />

the best films on DVD.<br />

The British Bookshop • 1010 Vienna, Weihburggasse 24<br />

Phone 01/512 19 45 • Fax 01/512 10 26<br />

e-mail weihburggasse@britishbookshop.at<br />

www.britishbookshop.at<br />

If the book, CD or DVD you want is not on stock, we’ll get it ordered for you at no extra order charge.<br />

Caroline Schell live bei der Arbeit<br />

Die Band<br />

VERNISSAGE:<br />

CAROLINE SCHELL<br />

Die Künstlerin Caroline<br />

Schell bewies jüngst bei einer<br />

Malaktion, dass man<br />

auch mit Sand malen kann.<br />

Obwohl ihre Maltechniken<br />

und Materialen gewohnt variabel<br />

sind – sie vertritt die<br />

Meinung, dass ein Künstler<br />

alle Medien beherrschen sollte<br />

– war dieser Auftritt für<br />

viele Gäste eine Premiere im<br />

wahrsten Wortsinn.<br />

HERBSTKLANG: WOLKERSDORF KULTURFESTIVAL<br />

Mit der Ausstellung „Wein hören – rein hören“ und der Premiere<br />

des Musicals „Die Comedian Harmonists“ wurde bei traumhaftem<br />

Wetter unter freiem Himmel im Hof von Schloss Wolkersdorf die<br />

Eröffnung des „Herbstklang Wolkersdorf Kulturfestivals“ im<br />

Weinviertel gefeiert. Das Gesangsensemble bestand aus Michael<br />

Rot (auch musikalische Leitung und Klavier), Georg Lehner, Thomas<br />

Markus, Jörg Westerkamp, Ivaylo Guberov, Gernot Heinrich<br />

und in diversen Rollen Josef Krenmair. Prominente und Ehren-Gäste<br />

waren u.a.: Altbürgermeister Norbert Heuerteuer, Bürgermeisterin<br />

DI Anna Steindl, Vize-BGM und Landtagsabgeordneter Kurt<br />

Hackl, ORF Sportlegende Sigi Bergmann, Gernot Maier (Schoeller<br />

Münzhandel), Direktoren der Raika Wolkersdorf Franz Friedl<br />

und Reinhard Kerbl.<br />

FOTOS: JÜRGEN HAMMERSCHMID, „DIE COMEDIAN HARMONISTS“ (HONORARFREIER ABDRUCK MIT FOTOCREDIT: © STUDIO IRIS), PHILIPP ENDERS<br />

112 | <strong>SOCIETY</strong> 3_10<br />

Die Comedian Harmonists


AUSSTELLUNG: MCDOWELL BRYSON<br />

Der Gesandte Botschaftsrat Christopher J. Hoh von der US-Botschaft<br />

und Daniel I. Elmer luden zum Empfang mit Präsentation der Werke<br />

von McDowell Bryson. Bryson lebt und arbeitet in Wien, weil er<br />

sich von dieser Stadt inspiriert fühlt. Die Werke, die in der Residenz<br />

von Christopher Hoh ausgestellt sind, tragen dementsprechend den<br />

Titel „The Vienna Suite“.<br />

McDowell Bryson und<br />

Christopher J. Hoh<br />

Corinna Steiner mit Hannes<br />

Rossbacher in<br />

Shanghai<br />

EXPO <strong>2010</strong>: KUNST IM ÖSTERREICH-PAVILLON<br />

Galeristin Corinna Steiner stellte Mitte September „The gallery STEI-<br />

NER – art & wine“ und ausgewählte Künstler auf der Weltausstellung<br />

EXPO <strong>2010</strong> in Shanghai vor. Erstmals präsentiert wurden im<br />

Rahmen einer Asien-Premiere Digital Art von Zoran Lerch und 3D<br />

Kunst von Hannes Rossbacher, sowie weitere heimische „established<br />

& emerging artists“. Durch die Abende führte Schauspielerin und<br />

Moderatorin Michelle Steiner. An den drei Präsentationsabenden in<br />

der VIP-Lounge des Österreich-Pavillons fanden sich zahlreiche<br />

Persönlichkeiten aus Politik, Diplomatie und Wirtschaft ein, darunter<br />

der Österreichische Generalkonsul in Shanghai Michael<br />

Heinz, der türkische Generalkonsul in Shanghai Murat Ülkü, der<br />

Vorstand der Deutschen Handelskammer Thomas Dorn, sowie die<br />

stellvertretende Regierungskommissarin Birgit Murr.<br />

AUSSENHANDELSSTELLEN<br />

MARKETING- & ZWEIGBÜROS<br />

OSLO <br />

STOCKHOLM <br />

HELSINKI<br />

ST. PETERSBURG<br />

TALLINN<br />

RIGA<br />

JEKATERINBURG <br />

VANCOUVER <br />

MOSKAU<br />

KOPENHAGEN<br />

VILNIUS<br />

DUBLIN <br />

MINSK<br />

BERLIN<br />

WARSCHAU<br />

LONDON DEN HAAG<br />

DRESDEN<br />

<br />

<br />

DÜSSELDORF<br />

KRAKAU<br />

KIEW<br />

BRÜSSEL <br />

PRAG <br />

FRANKFURT/MAIN <br />

LWIW<br />

BRÜNN <br />

PARIS <br />

STUTTGART<br />

PRESSBURG<br />

DONEZK<br />

STRASSBURG MÜNCHEN BUDAPEST<br />

ZÜRICH <br />

KLAUSENBURG<br />

BOZEN LAIBACH<br />

MAILAND ZAGREB BELGRAD BUKAREST<br />

SOTSCHI<br />

PADUA <br />

SARAJEVO<br />

SOFIA<br />

PODGORICA <br />

<br />

ROM <br />

PRISTINA<br />

BARCELONA<br />

TIRANA SKOPJE ISTANBUL<br />

ANKARA<br />

MADRID <br />

LISSABON<br />

ATHEN <br />

NICOSIA<br />

SHENYANG <br />

LOS ANGELES <br />

MEXICO CITY <br />

TORONTO <br />

C