FINDORFF GLEICH NEBENAN Nr. 11

FINDORFF.GLEICH.NEBENAN

q DIE FINDORFF KOLUMNE

» Wir sind gefangen in einer Kolumne ! «

Hemmstr. 157b +

212-214 + 344-346

28215 Bremen/Findorff

B

EEEEERND ! DIE WAND, BEEEERND !«

»Jetzt schrei doch nicht immer so, Jürgen.«

»ABER BEEEEERND ! DIE WAND ! DIE

VIERTE WAND !«

»Ich hab‘ gesagt, Du sollst nicht so schreien !

Seit Monaten kommst Du schreiend hier

reingelaufen. Was ist denn falsch bei Dir ? Wer

hat Dir Manieren beigebracht ? Hat Deine

Mutter Dir nicht gesagt, dass Du nicht immer schreien

sollst ? Was ist das denn für eine Attitüde ?«

Jürgen zeigt auf die Überschrift und dann

auf das Foto rechts direkt neben dem Text.

Bernd ignoriert ihn, er sitzt mit Kopfschmerzen

im mittlerweile nicht mehr

ganz so neuen CDU-Parteibüro. An den

Wänden hängen noch die Plakate der

vergangenen Kommunalwahl. »Jürgen,

Jürgen, Jürg...«, steht auf einem, das halb

von der Wand gerissen wurde, »…en kann

mehr« auf einem anderen, ebenfalls nicht mehr

vollständigen. Seit der gewonnenen Bürgerschaftswahl,

die dann irgendwie doch in einer

schmetternden Niederlage für die

»Christ«-Demokraten endete, sitzt Bernd

eigentlich durchgängig mit Kopfschmerzen

im Parteibüro. Auch wenn es Jürgen gewesen war, der sich

zur Wahl gestellt hatte; Bernd war derjenige, der seit der Wahl

nicht mehr aus der schlechten Laune herauskam. Bis zur Wahl

hatte er geplant, organisiert und geregelt; hatte seinem ganzen

Kommunikations- und Kreativtalent freien Lauf lassen können,

hatte einen Sinn gehabt. Jetzt hingegen fühlte er sich sinnlos

und leer; grau, würde man wohl sagen, wenn Menschen Farben

wären, oder aber cDU, wenn Menschen Parteien wären.

»Weißt Du, Jürgen; manchmal frage ich mich, was für ein

kranker Gott eigentlich unsere Leben kontrolliert. Ich mein‘,

innerhalb von wenigen Monaten sind wir erst ziemlich schlechte

und erfolglose Immobilienmakler, lassen eines unserer

besten Objekte einfach besetzen ohne uns groß dagegen zu

wehren, und das auch noch von vollkommen unrealistisch

anmutenden Hippies, die uns inzwischen großzügig bezahlen

– und dann sind wir mir nichts, dir nichts in der Politik, so

als wäre das überhaupt nichts. Wer zum Teufel kommt auf so

einen Mist ? Woher hat dieser kranke Gott seine Ideen ? Woher

die Inspiration ? Setzt er sich an den Weidedammfleet, schaut

aufs Wasser und schreibt dann unsere Geschichte oder was ?

Manchmal fühle ich mich, als wären wir die Protagonisten einer

Kolumne im Magazin FINDORFF GLEICH NEBENAN

Den Kopf in den Händen vergraben monologisiert Bernd vor

sich hin und beachtet Jürgen gar nicht, der kreidebleich und wild

gestikulierend versucht ihn zu unterbrechen, aber keinen Ton

mehr herausbekommt.

»Wenn wir wenigstens regieren würden. Weißt Du ? Wenn der

Autor oder Gott oder wer auch immer uns wenigstens das

gestattet hätte. Aber nein, natürlich regieren die Parteien, die

inhaltlich am meisten Konsens und insgesamt die meisten

Stimmen bekommen haben. Natürlich schließen die sich zusammen,

damit wir nicht auch noch in Bremen Politik für Unternehmen

und gegen die Bürger machen können,

wie wir es überall sonst im Land schon tun.»

Jürgen hört überhaupt nicht, was Bernd sagt,

sondern zeigt immer wieder auf das Foto

des Autors das gerade Links neben dieser

Kolumne abgebildet ist. »Da…«, sagt er.

»Daaa !« und zeigt und wedelt und zeigt.

Bernd ignoriert ihn immer noch.

»Weißt Du, ich weiß nicht einmal,

warum ich gerade so sehr über unsere

eigene Partei herziehe. Das ist fast als

könnte ich mich nicht wehren, als würden

mir die Worte von irgendwem in den Mund

gelegt.« Bernd schaut traurig aus der

Wäsche, obwohl er das gerade eigentlich

gar nicht will. Eigentlich will er

wütend drein schauen, aber ich lasse

ihn nicht. Insgesamt lasse ich den beiden Protagonisten gerade

überhaupt keinen Spielraum mehr, lasse sie – Simsalabim – wie

immer nach meiner Pfeife tanzen, nur, dass ich sie es jetzt das

erste Mal spüren lasse, dass sie keinen eigenen Willen haben.

SIM SCHAUT HIN

»Wer… wer spricht das ? Wer erzählt das ?«, lasse ich Bernd

unvermittelt fragen und hebe zum ersten Mal seinen Kopf.

Jürgen muss zitternd noch einmal auf das Foto zeigen, das jetzt

etwas weiter über ihnen schwebt. Bernd stößt einen Schrei des

Entsetzens aus.

»Die vierte Wand, Jürgen !«

»Ja, Bernd !«

Ich lasse Bernd aufstehen und etwas näher an die vierte Wand

herantreten, die Autor, Protagonist und LeserIn trennt.

»HIIIIIILFE !«, ruft Bernd ! »HOLEN SIE UNS HIER RAUS !

WIR SIND GEFANGEN IN EINER KOLUMNE ! BITTE !

BITTE ! RETTEN SIE UNS !«

Mit geballten Fäusten klopft er gegen die unsichtbare Barriere,

die nur durch Inspiration aufrecht erhalten wird. Es ergibt

kein Geräusch, nicht einmal ein dumpfes Pochen ist zu hören.

Verzweiflung macht sich in Bernd breit. Dann schnipse ich mit

den Fingern, tippe einige wenige Worte und lasse die beiden

vergessen, was sie gerade erlebt haben.

Text: Simeon Buß, www.simpanse.de, Foto: Kerstin Rolfes ▲

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