faktor Gesundheit Winter 2019

faktorMagazinGoettingen

www.mehralseinmagazin.de Winter 2019 Nr. 25 5 Euro

› MEHR ALS EIN MAGAZIN

GESUNDHEıT

Schwerpunkt

Plastische Chirurgie

UMG Spezial ab S. 48


JAN FÖRSTER Dipl.-Finw.(FH)

Steuerberater

Miriam Engel Dipl.-Kffr.

Steuerberaterin

TATJANA WUCHERPFENNIG B.Sc.

Steuerberaterin

Immer die richtige Finanzmedikation

Damit Abgaben nicht zur bitteren Pille werden, finden Mediziner in Quattek &

Partner ihren „Facharzt“ unter den Steuerberatern. Wir verstehen uns als wirtschaftliche

Wegbegleiter der Heilberufe. Unser Rezept für das monetäre Wohlergehen:

effektive Finanzdiagnostik und wirksame Therapien von der Praxisübernahme

über den laufenden Betrieb bis hin zur Nachfolgeregelung.

Steuerprognosen, Liquiditäts- und Planrechnungen sowie Branchen- und Mehrjahresvergleiche

helfen uns, Probleme frühzeitig zu erkennen und eine entsprechende

„Medikation“ vorzunehmen. Die Ergebnissituation fassen wir nachvollziehbar

in speziellen Quartalsberichten und Überschussrechnungen zusammen.

Als Spezialisten auf dem Gebiet der Heilberufe betreuen wir mit besonders ausgebildeten

und motivierten Mitarbeitern eine Vielzahl von niedergelassenen Medizinern

der verschiedensten Fachrichtungen und Praxen unterschiedlichster

Größenordnungen und Organisationsformen.

Jürgen Hollstein Dipl.-Kfm.

Steuerberater

Roland Haever Dipl.-Kfm.

Wirtschaftsprüfer · Steuerberater

Fritz Güntzler Dipl.-Kfm.

Wirtschaftsprüfer · Steuerberater

Johann-Karl Vietor Dipl.-Kfm.

Steuerberater

Thorsten Kumpe Dipl.-Kfm.

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Miriam Engel Dipl.-Kffr.

Steuerberaterin

Lutz Becker

Rechtsanwalt

In Kooperation mit

Quattek & Partner Steuerberatungsgesellschaft mbB · Nikolausberger Weg 49 · 37073 Göttingen · Tel. (05 51) 49 70 1-0 · www.quattek.de


editorial

Mal Hand aufs Herz: Woran denken Sie, wenn Sie den Begriff Schönheits-OP hören?

An Botox, Brustvergrößerung und Fettabsaugung? Da sind Sie nicht allein! Und

tatsächlich gehören diese Eingriffe zu den häufigsten in Deutschland.

Doch hinter dem übergreifenden Fachgebiet Plastische Chirurgie verbirgt sich

weit mehr. Um hier einmal etwas Licht ins Dunkel zu bringen, haben wir das Thema in dieser

Ausgabe für Sie ausgiebig durchleuchtet und erstaunliche Erkenntnisse zutage gefördert.

Begonnen mit der unterhaltsamen und durchaus blutrünstigen Geschichte der Plastischen

Chirurgie – von der ersten Nasenoperation in der Antike bis hin zu Nasen à la carte oder dem

Heranzüchten eines neuen Ohrs im eigenen Unterarm. Klingt fiktiv? Gibt es aber wirklich!

Und noch vieles mehr ..., wie Sie in unserem Beitrag ,Eine Reise in die Zukunft‘ über die neuesten

Möglichkeiten zur Verbesserung der Lebenssituation vieler Menschen ab Seite 28 lesen können.

Außerdem haben wir die aktuellsten Zahlen für Sie: Wie viele Männer und Frauen legen sich

jährlich tatsächlich unter das Messer? Welche sind die beliebtesten Schönheits-OPs? Was bewegt

Menschen zu diesem Schritt? Und welchen Stellenwert nehmen Eingriffe dieser Art in unserer

Gesellschaft heute ein?

Natürlich kommen auch wieder einige der führenden Experten auf diesem Gebiet aus unserer

Region zu Wort – wie zum Beispiel Claudia Choi-Jacobshagen. Die Chefärztin der Abteilung

Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie am Evangelischen Krankenhaus Weende

möchte Mut machen und aufklären, welche großartigen Möglichkeiten ihr Fachgebiet

beispielsweise für Frauen nach einer Brustkrebsoperation bereithält. Ich wünsche Ihnen eine

erkenntnisreiche Lektüre sowie eine wunderbare Winterzeit – und bleiben Sie gesund!

COVER-FOTO: 123RF_ KATISA / FOTO EDITORIAL: LUKA GORJUP

Ihre Elena Schrader

– Chefredakteurin –

schrader@faktor-magazin.de

IMPRESSUM

Herausgeber: faktor – das Entscheider-Magazin für die Region Göttingen, Entscheider Medien GmbH, Berliner Straße 10, 37073 Göttingen,

Tel. 0551 3098390, Fax 0551 30983911, info@faktor-magazin.de, www.faktor-magazin.de

Übrigens: Ab Seite 48 wartet noch ein Heft

im Heft auf Sie – unser UMG Spezial !

Herausgeber Marco Böhme (V.i.S.d.P.) Chefredakteurin Elena Schrader Redaktion Sven Grünewald, Claudia Klaft, Stefan Liebig, Lea van der Pütten, Carolin

Schäufele Lektorat CoLibris-Lektoratsbüro Dr. Barbara Welzel Vertrieb Horst Wolf Art-Direktion & Layout Julia Braun Druckerei Silber Druck OHG

GESUNDHEıT 2 | 2019 3


DIE WISSENSCHAFT HAT FESTGESTELLT

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GESUNDHEıT 2 | 2019


FOTO: STOCK.ADOBE.COM

Auch Hühner mögen schöne Menschen

Wissenschaftler der Universität Stockholm trainierten Hühner darauf, durchschnittliche

weibliche, aber nicht männliche menschliche Gesichter zu erkennen

(und umgekehrt). Im darauf folgenden Test pickten die Tiere wesentlich

heftiger, wenn sie Gesichter sahen, die auch menschliche Probanden als besonders

schön beurteilt hatten. Die Forscher schließen daraus, dass Hühner und

Menschen ein gemeinsames Schönheitsideal teilen, das folglich aus den allgemeinen

Eigenschaften des Nervensystems entsteht. Für diese Arbeit erhielten

sie 2003 den Ig-Nobelpreis, eine Auszeichnung der Harvard University für

besonders abstruse Forschungsergebnisse.

Quelle: Spektrum der Wissenschaft

GESUNDHEıT 2 | 2019 5


NEUIGKEITEN

FOTO: EKW

Azubis am Drücker

Machtübernahme im EKW

Nach rund drei Jahren Beschäftigung

mit den aktuellen Pflegestandards

und medizinischen

Hintergründen haben die 18 Auszubildenden

zum Gesundheit

und Krankenpfleger des

Evangelischen Krankenhauses

Göttingen­Weende für drei

Wochen die geriatrische Station

übernommen. Ziel der ‚Schülerstation‘

war es, dass die Azubis ihr

bisheriges Wissen vertiefen und

umsetzen konnten. Sie verantworteten

dabei den Sta tions ablauf,

evaluierten Prozesse und passten

diese an. Begleitet wurden sie

dabei von je einer examinierten

Pflegekraft pro Dienst.

FOTO: FOTOSTUBE HORNIG

Digitalisierung

Labor für eine gesunde Zukunft

in Göttingen

Im Rahmen der Ausschreibung ‚Zukunftslabore Digitalisierung‘ des

Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur hat sich

ein Forschungsverbund unter der Projektleitung der Universitätsmedizin

Göttingen mit seinem Konzept für das im Oktober 2019 gestartete

‚Zukunftslabor Gesundheit‘ erfolgreich durchgesetzt und wird nun für

eine Laufzeit von fünf Jahren mit rund 3,7 Millionen Euro gefördert.

Das ‚Zukunftslabor Gesundheit‘ soll anwendungsbezogene Antworten

zur Förderung innovativer Lösungen liefern, um digitale Technologien

für die Versorgung und die Pflege zu etablieren.

Hautärztliche Sprechstunde

Neuer Hautarzt im MEC

am Göttinger Bahnhof

Das Team des medizinischen Experten-Centers MEC verstärkt sich.

Bisher sind 18 Ärzte der verschiedensten Fachrichtungen in der

Bahnhofsallee 1d tätig – ab sofort gibt es mit Thomas Neumann (Foto)

Verstärkung im Bereich der Dermatologie. Zusätzlich zu Thomas Fuchs,

der die Dermatologie mit Schwerpunkt im Bereich der Allergologie vertritt,

bietet Neumann jeden Freitag eine hautärztliche Sprechstunde an,

in der es bevorzugt um die Beurteilung und Abklärung von Muttermalen,

Ekzemen, Neurodermitis, Psoriasis und natürlich auch um die

Früherkennung von Hautkrebs geht. Dies sind nur einige Aspekte, die

der ansonsten in Hann. Münden tätige Hautarzt am Göttinger Bahnhof

allen Interessierten anbietet. Eine Abrechnung mit gesetzlichen Krankenversicherern

ist allerdings nicht möglich. Infos und Termine unter:

Tel. 0551 820 74 263.

FOTO: STOCK.ADOBE.COM

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GESUNDHEıT 2 | 2019


NEUIGKEITEN

FOTO: STOCK.ADOBE.COM FOTO: ST. MARTINI

Wechsel in Duderstadt

Neuer Anästhesie-Chefarzt

für St. Martini

Es gibt einen Neuen. Seit dem 1. Juli leitet

Michael Pauli-Magnus die Anästhesie

und Intensivmedizin am St. Martini Krankenhaus in Duder stadt.

Der 45-jährige promovierte Facharzt für Anästhesiologie mit den Zusatzbezeichnungen

Notfallmedizin und Intensivmedizin und einem

Masterabschluss in Hospitalmanagement möchte die Weiterentwicklung

der Abteilung und des Standortes insbesondere auch mit Blick

auf die anstehenden Infrastrukturmaßnahmen und die sich in diesem

Zusammenhang wandelnden Arbeitsprozesse mitgestalten. Zuletzt

war er als leitender Oberarzt und stellvertretender Chefarzt in der

Klinik für Anästhesie, Schmerztherapie, Intensiv- und Notfall medizin

der DRK Kliniken Berlin insbesondere für Management und Koordination

der zehn Operationssäle sowie die Restrukturierung des

Medizinischen Aufnahmezentrums verantwortlich.

,ProBeweis‘

Holzmindener Krankenhaus macht sich stark gegen Gewalt

FOTO: EICHSFELD KLINIKUM

Eichsfeld Klinikum spendet

Betten für Afghanistan

Große Lkw sind auf dem Wirtschaftshof im

Eichsfeld Klinikum keine Seltenheit – und doch:

Im Haus Reifenstein fand in diesem Sommer eine

nicht alltägliche Verladeaktion statt. Rund 50 voll

funktionsfähige Patientenbetten einschließlich

Zubehör wurden durch das Eichsfeld Klinikum mit

einer Hilfssendung als Spende nach Afghanistan

geliefert. Der Kontakt lief über ‚Medizinische Hilfe

für Afghanistan e. V.‘. In drei Krankenhäusern in

Kabul, Herat und Kandahar sind die ausrangierten

Betten höchst willkommen.

Gewalt ist eines der größten Gesundheitsrisiken

für Kinder und Erwachsene. Oft werden

die Taten von häuslicher oder sexueller

Gewalt verschwiegen, da sich die Betroffenen

schämen und sich daher auch nicht

direkt zu einer polizeilichen Anzeige entschließen.

Das Agaplesion Evangelisches

Krankenhaus Holzminden ist deshalb im

Netzwerk ‚ProBeweis‘ aktiv. Das Krankenhaus

Holzminden wie auch die 37 weiteren

Partnerkliniken des Netzwerkes stellen eine

sichere und professionelle Anlaufstelle für

die Betroffenen dar. „In unserer Notaufnahme

oder der gynäkologischen Abteilung erhalten

Betroffene jederzeit eine kostenlose

ärztliche Untersuchung, die Verletzungen

oder Spuren gerichtsverwertbar sichert“, erklärt

Marko Ellerhoff, Geschäftsführer des

Krankenhauses. Die gesammelten Spuren

und Materialien werden im Anschluss drei

Jahre lang eingelagert. So können sich die

Betroffene später immer noch zu einer Anzeige

entschließen und die entsprechenden

Beweise einreichen.

Weitere Infos gibt’s unter:

www.probeweis.de

GESUNDHEıT 2 | 2019 7


NEUIGKEITEN

Revolution

Fingernägelschneiden

leicht gemacht

FOTO: OTTO BOCK

Verdienstkreuz Erster Klasse

Höchste Ehre für

Unternehmer, Visionär

und Philanthrop Hans

Georg Näder

Der Firma Steinbock Technik aus Göttingen ist eine kleine Revolution

gelungen, die vielen beeinträchtigten Menschen das Leben

erleichtert: Klippfixx. Das Gerät wird einfach mit der mitgelieferten

Schraubzwinge an einem Tisch befestigt. Anschließend nur

noch das Fußpedal aufstellen, und schon startet die Nagelpflege.

Mit diesem kleinen Produkt soll es Menschen, die unter Rheuma,

Arthrose, altersbedingter Muskelschwäche oder einer Halbseitenlähmung

leiden, ermöglicht werden, sich wieder selbstständig die

Fingernägel zu schneiden und so ein Stück Lebensqualität und

Selbstbestimmung zurückzubekommen. Lobenswert!

FOTO: KLIPPFIX

Bundespräsident Frank-Walter

Steinmeier hat Hans Georg Näder

das Verdienstkreuz Erster Klasse des

Verdienstordens der Bundesrepublik

Deutschland verliehen. Der Vorsitzende

des Verwaltungsrates und

Eigentümer von Ottobock erhielt die

Auszeichnung aufgrund seines langjährigen

Einsatzes für den medizinischen

Fortschritt und auch aufgrund

seines gesellschaftlichen Engagements.

„Ich freue mich außerordentlich

über diese Ehrung. Mein Dank

gilt dabei vor allem den Mitarbeiterinnen

und Mitarbeitern bei Ottobock

und allen, die unser gesellschaftliches

Engagement als Familie

unterstützen. Gemeinsam helfen wir

jeden Tag Menschen dabei, ihre

Mobilität zu erhalten oder zurück zugewinnen“,

so Näder.

FOTO: UMG CHRISTOPH MISCHKE

Entschlüsselt

Fortschritte bei der Glasknochenkrankheit

Extrem brüchig wie Glas sind die Knochen von Menschen mit der

genetisch bedingten Erkrankung Osteogenesis imperfecta. Von der

‚Glas knochenkrankheit‘ sind besonders Kinder betroffen – aber auch

Erwachsene. Ein internationales Forscherteam unter Federführung von

Bernd Wollnik (Foto), Direktor des Instituts für Humangenetik an der

Universitätsmedizin Göttingen, konnte nun ein Gen entschlüsseln, das

Hinweise auf einen möglichen Behandlungsansatz liefert. Bisher ist

eine Heilung dieser Krankheit noch nicht möglich.

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GESUNDHEıT 2 | 2019


PROFIL

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Für Ihren Rücken in Göttingen

Das traditionsreiche Rückenfachgeschäft

Studio Neues Sitzen in

Göttingen bietet Ihnen in angenehmer

Atmosphäre individuelle ergonomische

Arbeitsplatzlösungen mit ausgesuchten Produkten

zum Arbeiten im Sitzen und Stehen.

Wir sind ein Ergonomie­Fachgeschäft mit

über 30 Jahren Erfahrung für den Bereich

Rücken. Wir erstellen Bürokonzepte, die auch

Themen wie Licht, Akustik und Stressreduzierung

am Arbeitsplatz mit einschließen.

Wir arbeiten mit dem Schwerpunkt Sitzergonomie

bundesweit. In unserem Beratungszentrum

können Sie unter fachlicher

Anleitung eine ausgesuchte Auswahl an unterschiedlichen

Sitzmöbeln und Sitz­Steh­

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zusammen, um Ihnen u. a. auch spezielle

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NEUIGKEITEN

FOTO: EKW

TÜV bestanden

Patientenversorgung

auf hohem Niveau

FOTO: HELIOS

Das Evangelische Krankenhaus Göttingen-Weende (EKW) erhält die vierte

erfolgreiche Gesamthaus-Zertifizierung ‚TÜV für Krankenhäuser‘. Mit

diesem Siegel wurde das EKW erneut für seinen hohen Qualitätsstandard

in der Patientenversorgung ausgezeichnet. Das im Jahre 2010 erstmalig

erhaltene Zertifikat steht seitdem für eine Patientenbetreuung, die nach

gesicherten Qualitätsstandards erfolgt. Damit schafft es auch weiterhin

Vertrauen und Sicherheit für Patienten, Beschäftigte und Einweiser.

Helios Albert-Schweitzer-Klinik

Wechsel an der Spitze der Geburtshilfe in Northeim

Seit Juli leitet Ford Cheikh Baker (Foto, l.) die Gynäkologie und Geburtshilfe

der Helios Albert-Schweitzer-Klinik Northeim. Damit löst er den bisherigen

gynäkologischen Chefarzt Josef Fasunek (r.) ab, der sich nach 14 Jahren

Chef arzttätigkeit in den Ruhestand verabschiedet. Ford Cheikh Baker war

zuvor am Mutterhaus der Borromäerinnen in Trier als gynäkologischer

Oberarzt tätig. Neben dem Fortführen der erfolgreichen Entwicklung der

Geburtshilfe wird er das gynäkologische Leistungsspektrum bei der Behandlung

von Krebserkrankungen ausbauen und dadurch vor allem den operativen

Bereich der Gynäkologie weiter stärken.

FOTO: HELIOS

Auf dem neusten Stand

Helios Kliniken gehen

online

Von Akupunktur bis zur Zystektomie

– das neue Online­Magazin

der Helios Kliniken liefert wissenswerte

Informationen, Experteninterviews

und spannende Hintergrundgeschichten

zu den verschiedensten

Gesundheitsthemen.

Neben aktueller Berichterstattung

beleuchtet die Helios­eigene

Redaktion regelmäßig ausgewählte

Schwerpunktthemen besonders

intensiv. Einen ersten Vorgeschmack

auf die Bandbreite an Themen und

Artikelformaten gibt es ab sofort

mit den Auftakt­Dossiers ‚Gesunder

Schlaf‘ und ‚Notfallmedizin‘.

Weitere Infos unter:

www.helios- gesundheit.de/magazin

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GESUNDHEıT 2 | 2019


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FOTO: ALCIRO THEODORO DA SILVA

PROFIL

Stephan Müller, Katrin Züchner, Adrian Schulz und Dirk Schulz

Kompetente Unterstützung bei

• Berufseinstieg

• Praxisgründung

• Praxisübernahme

• Praxisfinanzierung

• Praxisabgabe

• Risk Management

Unternehmensberatung für Zahnheilberufe

Selbstständigkeit und Betriebswirtschaftslehre

? Obwohl die Mehrheit

der Zahnärztinnen und -ärzte in

Deutschland selbstständig tätig ist, haben

wirtschaftliche Inhalte im Studium der

Zahnmedizin keinen Platz. An dieser Stelle

kommt Dirk Schulz ins Spiel, Geschäfts führer

von SMS – Unternehmensberatung für

Zahnheilberufe. Seit über 25 Jahren begleitet

er ausschließlich (Fach-)Zahnärzte in ganz

Deutschland vom Studium bis in den Ruhestand.

SCHON STUDIENABGÄNGERN STEHT

ER bei allen Fragen rund um den Berufsstart

mit Rat und Tat zur Seite. Wie finde ich eine

Assistenzstelle? Was muss in meinem ersten

Arbeitsvertrag stehen? Welche Absicherungen

sind am Anfang notwendig? Welches Gehalt

ist angemessen? Worauf ist zu achten?

Nach Abschluss der Assistenzzeit gibt es

keine Standardlösungen. „Für die weitere

Entwicklung klären wir die persönlichen

Präferenzen, damit wir die Beratung opti mal

ausrichten können“, so Schulz. Die Entscheidung

für eine Anstellung oder die

Selbstständigkeit sollte wohlüberlegt und

gut geplant sein.

Nach wie vor ist eine Selbstständigkeit in

fast allen Fällen lohnend, wobei der Standortwunsch

des Zahnarztes ausschlaggebend

ist. Im Falle einer Neugründung erstellt das

Team von SMS unter anderem eine fundierte

Standort analyse und ermittelt den erforderlichen

Mindestumsatz. Inzwischen überwiegt

aller dings die Zahl der Praxisübernahmen,

bei denen Schulz die Kaufvertragsverhandlungen

mit allem Drum und Dran begleitet.

In jedem Fall wird gemeinsam mit der Zahnärztin

oder dem Zahnarzt ein tragfähiger

Businessplan erstellt. Auch bei den Mietvertragsverhandlungen

und den Finanzierungsgesprächen

ist besonderes Knowhow und ein

Auge für Details notwendig. So kann insbesondere

im Dialog mit Banken über die Einbindung

von öffentlichen Fördermitteln bares

Geld gespart werden. Abgerundet wird dieses

Gesamtpaket mit einem maßgeschneiderten

Absicherungskonzept über den hauseigenen

Maklerdienst.

NACH DEM SCHRITT IN DIE SELBST-

STÄNDIGKEIT wird in regelmäßigen Abständen

der Praxiserfolg mit den Planzahlen

abgeglichen, um bei möglichen Fehlentwicklungen

frühzeitig gegensteuern zu können.

In vielen Fällen steht einige Jahre nach der

erfolgreichen Niederlassung die Aufnahme

einer weiteren Kollegin oder eines Kollegen

an. Hier schließt sich der Kreis zu der Begleitung

und Vermittlung junger Assistenzärztinnen

und -ärzten.

Bei seiner Arbeit kann sich der zertifizier te

Zahnärzteberater neben seinen eigenen langjährigen

Erfahrungen auch auf die Exper ti se

verschiedenster ausgewählter Fachleute

verlassen. So zählen zu dem von ihm gegründeten

„Expertennetzwerk Heilberufe“

Fachanwälte für Medizinrecht, auf Zahnheilberufe

spezialisierte Steuer berater, Praxiseinrichter,

Banken und weitere Dienstleister

im Gesundheitswesen. „Auf diese Weise

können wir unseren Zahnärztinnen und

Zahnärzten in allen finanz-, steuer- und vertragsrechtlichen

Fragen eine ganzheitliche

Beratung anbieten“, erklärt Schulz. Mit dieser

bewährten Strategie hat er inzwischen

über 700 Zahnärztinnen und -ärzte erfolgreich

in die Selbständigkeit begleitet.

info@sms-goettingen.de


Bestens gewappnet für

das nächste Jahrzehnt

Die Ärzte am Göttinger Bahnhof installieren die neueste MRT-Generation.

TEXT MARGARETA VOGEL FOTOGRAFIE ALCIRO THEODORO DA SILVA

Gleich zwei MRT-Geräte haben

die beiden Geschäftsführer

Friedemann Baum und Uwe

Fischer in den vergangenen

Wochen in den Räumen ihrer Praxis am

Göttinger Bahnhof, die sowohl das Brustzentrum

Göttingen als auch die Praxis für

moderne Schnittbild diagnostik umfasst,

installiert. Damit sind die letzten Weichen

gestellt, um auch in den kommenden Jahren

eine moderne und innovative Diagnostik

anbieten zu können – nachdem bereits

im vergangenen Jahr ein Mammografiesystem

der jüngsten Generation installiert

worden war. „Wir haben seit unserer Eröffnung

im Jahr 2003 immer angestrebt,

unseren Patienten auf dem Gebiet der

bildgebenden Diagnostik die modernste

und schonendste Technologie anbieten zu

können“, betont Baum. „Mit den neuen

MRT-Systemen, einem 1.5-Tesla- und

einem 3.0-Tesla-Magneten, können wir

auch in Zukunft hochwertige High-End-

Untersuchungen der verschiedenen Körperregionen

durchführen.“

DIE ZWEI NEUEN HOCHLEISTUNGSSYS­

TEME der Firma Siemens aus Erlangen

erlauben eine Verkürzung der Untersuchungszeiten

und eine noch höhere

Auflösung und Bildschärfe in der Darstellung

feinster Strukturen. „Hierdurch ergeben

sich insbesondere in der Diagnostik

der verschiedenen Gelenke sowie in der

Früherkennung von Prostata- und Brustkrebs

Vorteile“, erläutert der Radiologe

Vosshenrich, der in erster Linie am

3T-MRT tätig ist. „Darüber hinaus bietet

das 3T-System deutliche Vorteile in der

MR-Abbildung der Hirnstrukturen.“

Zusätzlich können nun auch Untersuchungen

angeboten werden, die mit der

älteren Gerätegeneration nicht so gut

möglich waren. „Dies betrifft zum Beispiel

die quantitative Bestimmung des

Fettgehaltes in der Leber oder computergestützte

Auswertungen von Hirnstrukturen,

die zur Erkennung und Unterscheidung

von Demenzerkrankungen wichtig

sind“, erklärt der Neuroradiologe Michael

Knauth. „Für die nächsten Jahre sind wir

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GESUNDHEıT 2 | 2019


Ein starkes Team blickt in die Zukunft: Dr. Ulla Ritter, Prof. Dr. Rolf Vosshenrich, Dr. Susanne Luftner-Nagel,

Dr. Friedemann Baum, Prof. Dr. Katharina Marten-Engelke, Prof. Dr. Uwe Fischer, Nadja Meiser und Prof. Dr. Michael Knauth

damit für Weiterentwicklungen auf dem

Software-Sektor bestens präpariert.“

Außerdem ist für den Bereich der Brustkrebsdiagnostik

geplant, zusammen mit

der Firma Siemens automatisierte Auswerteprogramme

auf dem Boden der künstlichen

Intelligenz zu entwickeln. „Damit

könnte auch anderen Anwendern geholfen

werden, Befunde leichter zu erkennen und

klarer zu bewerten“, sagt Geschäftsführer

Uwe Fischer, der darin ein zusätzliches

Entwicklungspotenzial sieht, das für die

nächsten Jahre ins Auge gefasst wurde.

EIN WEITERER WESENTLICHER VOR­

TEIL der beiden jetzt installierten

MR-Systeme ist, dass sie beide einen großen

Innendurchmesser aufweisen, sodass

der Liegekomfort in der Untersuchungsröhre

noch weiter erhöht werden konnte.

Und was wäre eine Neuinstallation, wenn

nicht auch das räumliche Ambiente auf einen

ganz neuen Standard aufgerüstet worden

wäre? Das Innendekor weist in den

neuen Untersuchungsräumen hinterleuchtete

Panoramaimpressionen einer Waldlandschaft

auf – dies schafft für Patienten

wie für MTRA und Ärzte eine angenehme

und beruhigende Grundstimmung.

FÜR DAS INZWISCHEN AUF 20 MIT­

ARBEITER angewachsene Team, das im

Brust zentrum Göttingen und in der Praxis

für moderne Schnittbilddiagnostik tätig

ist, bedeuten die Neuanschaffungen

des Mammografiegerätes im Vorjahr und

der zwei Ganzkörper-MRT im Jahr 2019

also nicht nur eine Erweiterung ihres

Untersuchungs angebotes, sondern auch

eine Verbesserung der Detaildarstellung

und damit eine Präzisierung der erhobenen

Befunde.

Praxis für Moderne

Schnittbild Diagnostik

Bahnhofsallee 1d

37081 Göttingen

Tel. 0551 8207422

info@diagnostik-goettingen.de

www.diagnostik-goettingen.de

Diagnostisches Brustzentrum

Göttingen

Bahnhofsallee 1d

37081 Göttingen

Tel. 0551 820740

info@brustzentrum-goettingen.de

www.brustzentrum-goettingen.de

GESUNDHEıT 2 | 2019 13


Wertschätzung ist das A und O

Bei Quattek & Partner wird vieles möglich gemacht: vor allem für die Gesundheit der Angestellten.

TEXT ANJA DANISEWITSCH FOTOGRAFIE ALCIRO THEODORO DA SILVA

Am Empfangstresen der Steuerkanzlei

Quattek & Partner wird jeder

mit einem Lächeln begrüßt. Eine

angenehme Atmosphäre liegt buchstäblich

im Raum. Im Besprechungszimmer gibt es

Kaffee und Kekse – auch mit einem Lächeln

serviert. „Wertschätzung findet bei

uns auf allen Ebenen statt“, sagt Miriam

Engel (Foto), seit 2011 Partnerin der

Kanzlei. „Wir versuchen, in der Kanzlei

vieles möglich zu machen“ sagt die Steuerberaterin,

die alljährlich die Gesundheitswoche

bei Quattek & Partner organisiert.

EIGENTLICH HÄTTE SIE einen ‚cooleren‘

Namen verdient: Denn in dieser speziellen

Woche geht es nicht um langweilige Vorsor

ge untersuchungen, sondern um spannende

Themen rund ums Wohlbefinden: Wie

können wir uns im Büro gesünder ernähren?

Wie reduzieren wir Stress? Oder wie

in diesem Jahr: Wie funktioniert eigentlich

gutes Zeitmanagement? Dazu lud die

Kanzlei Zach Davis, Speaker und Bestsellerautor,

ein, um über Zeitintel ligenz

nachzudenken. Denn permanente Ablenkungen

im Arbeitsalltag halten uns davon

ab, in Phasen konzentrierten Arbeitens zu

kommen, durch welche wir produktiver

sein können und zudem weniger gestresst

sind. „An diesem Tag habe auch ich noch

viel lernen können“, erinnert sich Engel.

Und um noch eine Stufe weiterzugehen,

kam noch Coach Vanessa Freitag für einen

Tag in die Kanzlei und sprach über

Glück und den Weg dorthin. Manchmal

reicht ein kurzes Inne halten oder eine

Zen­Meditation, um im Arbeitsalltag

wieder Kraft schöpfen zu können.

Welche Themen relevant sind, entscheiden

vor allem die Angestellten. „Wir sind

natürlich ein Wirtschaftsunternehmen.

Aber uns geht es nicht nur um Umsatz.

Wir möchten zufriedene Mandanten und

zufriedene Angestellte – denn das eine bedingt

das andere“, so Engel. „Wir als

Chefs müssen das vorleben und es schaffen,

dass unsere Mitarbeiter genügend Freiraum

spüren.“ Es ist ein Familien gedanke,

der in den Räumen von Quattek & Partner

gelebt wird. Dafür wurde extra ein monatlicher

hauseigener TÜV – TeamÜbergreifende

Veranstaltungen – ins Leben

gerufen. Auch hierbei wird sozusagen

basis demokratisch entschieden, welche

Highlights die nächsten sein sollen. Ein

Kaffee­Seminar bei Contigo, Rennrodeln

in Oberhof, Altstadtlauf, Brockenaufstieg,

Grillen im Sommer und Weihnachtsmarkt

im Winter – die Ideen gehen scheinbar nie

aus.

„UNSER ZIEL SIND lebenslange Arbeitsverhältnisse

– und dass unsere Mitarbeiter

gern bei uns sind“, sagt die Partner­

Steuerberaterin und erinnert sich an eine

ehemalige Mitarbeiterin, die erst mit

80 Jahren in Rente ging, weil sie ihre Arbeit

dort liebte. ƒ

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GESUNDHEıT 2 | 2019


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Sechs Fragen an Stefan Burghardt,

Gründer der Anwaltskanzlei RKM medic

Vor einem Jahr hat Stefan Burghardt die Göttinger Medizinkanzlei RKM medic gegründet.

Gemeinsam mit der Burghardt Consulting GmbH und der RKM Data GmbH hat er damit

einen Beratungsschwerpunkt in der Gesundheitsbranche etabliert.

PROFIL

Stefan Burghardt

Sie haben sich vor gut einem Jahr für die

Freiberuflichkeit entschieden, warum?

Ich war viele Jahre in verschiedenen Fachund

Führungspositionen im Gesundheitswesen

tätig. So konnte ich jede Menge

Berufserfahrung und Branchenexpertise

sammeln, ein gutes Verständnis für Fragestellungen

entwickeln, was es heißt, Beratungsleistungen

optimal und kundenorientiert

anzubieten. Das wollte ich nun in

eigener Verantwortung umsetzen.

Was meinen Sie damit?

Bei der juristischen Beratung ist neben

fundiertem juristischem Know-how auch

ein gesunder Pragmatismus gefragt. Berate

ich beispielsweise medizinische Unternehmen

in arbeitsrechtlichen Fragen, weiß ich

aufgrund meiner langjährigen Erfahrung

als Personalleiter, was unternehmensintern

tatsächlich umsetzbar ist und was nur

rechtliche Theorie bleibt. Die rechtliche

Theorie behalte ich dann für mich.

Was sind die Beratungsschwerpunkte von

RKM medic?

Meine Beratungsschwerpunkte liegen im

Medizinrecht, Gesellschaftsrecht und Arbeitsrecht.

Dieses interdisziplinäre Verständnis

hilft mir häufig bei der Gestaltung

von Praxisübergaben oder Unternehmensverkäufen.

Da bestehen mit allen genannten

Rechtsgebieten Berührungspunkte. Das

kann ich dann alles aus einer Hand bieten.

Was waren die Herausforderungen in

ihrem ersten Jahr?

Eine große Herausforderung war die Bewältigung

der Vielzahl von administrativen

Themen, die ein Aufbau von Unternehmen

mit sich bringt. Glücklicherweise hatte ich

durch die Gemeinschaft mit der Anwaltskanzlei

RKM hier große Unterstützung.

Sie haben noch weitere Unternehmen?

Mein Ansatz war es von Anfang an, einen

ganzheitlichen Beratungsansatz anzubieten.

Daher gibt es neben der Anwaltskanzlei

RKM medic noch die RKM Data GmbH

für den Datenschutz und die Burghardt

Consulting GmbH als klassische Unternehmensberatung.

Alle drei Unternehmen sind

inhaltlich miteinander verzahnt.

Bleibt eigentlich noch Zeit für private Dinge?

Meine Familie ist mir sehr wichtig. Daher

versuche ich, die verbleibende Zeit mit ihr

zu verbringen. Ferner habe ich das Weitwandern

für mich entdeckt und bereits die

ersten 24-Stunden-Touren absolviert.

KONTAKT

RKM medic

Anwaltskanzlei für

medizinische Unternehmen und Berufe

Bertha-von-Suttner-Str. 9

37085 Göttingen

Tel. 0551 70728-0

www.rkm-medic.de


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GESUNDHEıT 2 | 2019


Mehr als nur

Schnipp-Schnapp

Die vier beeindruckenden Leistungen der Plastischen Chirurgie

TEXT CAROLIN SCHÄUFELE

FOTOS STOCK.ADOBE.COM

Der Trend ist ungebrochen –

Schönheitsoperationen. Mit

Argusaugen sitzen wir vor

den Bildschirmen und Zeitungen,

vergleichen Vorher- und Nachher-

Bilder von Stars und Sternchen. Hat sie

oder er was machen lassen? Und wenn ja,

was? Ist es gut geworden? Ganz klammheimlich

erwischen wir uns bei dem

Gedanken, vielleicht selbst einmal Botox

und Co. auszuprobieren. Aber natürlich

nur ganz wenig, schließlich soll es ja

keiner merken, man will nur ein bisschen

frischer, jünger wirken.

Weit über 77.000 ästhetisch-chirurgische

Eingriffe zählte die Deutsche Gesellschaft

der Plastischen, Rekonstruktiven

und Ästhetischen Chirurgen allein im

Jahr 2018 – nur von einem Trend zu sprechen,

fällt dabei schwer. Die Eingriffe

erfreuen sich wachsender Beliebtheit, bei

Männern und Frauen.

WER BEI PLASTISCHER CHIRURGIE

allerdings ausschließlich an klassische

Schönheitsoperationen wie Facelifting,

Bauchdeckenstraffung, Brustvergrößerung

oder -verkleinerung denkt, der liegt falsch.

Denn tatsächlich umfasst die Plastische

Chirurgie noch ganz andere Bereiche. Bereiche,

die nicht in erster Linie der reinen

Schönheit dienen, sondern medizinische

Notwendigkeit besitzen. „Es geht um die

Wiederherstellung der intakten äußeren

Form des menschlichen Körpers, inklusive

damit verbundener Funktionen“, definiert

die Deutsche Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische

Chirurgie.

Unfallverletzungen, Schäden nach Tumoroperationen,

Verbrennungen oder

angeborene Fehlbildungen sind solche

Fälle, die durch chirurgische Eingriffe

behandelt und behoben werden.

Und so haben sich in den vergangenen

Jahren die Bereiche Handchirurgie, Verbrennungschirurgie

und Rekonstruktive

und Ästhetische Chirurgie herausgebildet.

Mit teils unglaublichen Auswüchsen ...

GESUNDHEıT 2 | 2019 17


PLASTISCHE CHIRURGIE

REKONSTRUKTIVE CHIRURGIE

stellt Funktionen des Körpers nach

Verletzungen, Tumorentfernungen

oder Fehlbildungen wieder her.

HANDCHIRURGIE

beschäftigt sich mit Verletzungen,

Fehlbildungen und Erkrankungen von

Hand und Unterarm.

VERBRENNUNGSCHIRURGIE

beschäftigt sich mit der Behandlung

von Verbrennungen.

ÄSTHETISCHE CHIRURGIE

nimmt Eingriffe ohne medizinische

Notwendigkeit vor, die auf Wunsch

des Patienten erfolgen.

Exkurs: Abstammung der

Begrifflichkeiten

Plastisch, ästhetisch, kosmetisch:

Diese drei Begriffe tauchen im

Bereich der Chirurgie immer wieder

auf, können jedoch nicht immer klar

voneinander abgegrenzt werden.

Das Wort ,plastisch‘ stammt von dem

griechischen Wort ,plastikos‘ ab, was so

viel bedeutet wie ,zum Bilden, Formen,

Gestalten‘. Heute steht der Begriff auch

für ,modellierfähig, knetbar, formbar‘

und wird im medizinischen Bereich

für eine formende, bildende Operation

genutzt. ,Ästhetisch‘ stammt ebenfalls

aus dem Griechischen, von dem

Wort ,aisthetikós‘, was ,wahrnehmen‘

bedeutet. Heute steht der Begriff

für ,stilvoll, schön, geschmackvoll,

ansprechend‘. Auch ,kosmetisch‘ hat

griechische Wurzeln, die Übersetzung

lautet ,zum Schmücken, Putzen‘,

was die tiefere Bedeutung des

oberflächlichen, äußerlichen oder

vordergründigen Vorgehens aufgreift.

KLINGT NACH FRANKENSTEINS

VERSUCHSLABOR?

Die Rekonstruktive und die Ästhetische

Chirurgie haben viele Berührungspunkte,

im Ansatz jedoch verschiedene Hintergründe.

Denn die Korrektur oder Rekonstruktion

von Körperteilen oder -funktionen

hat häufig auch eine ästhetische

Komponente.

So hat ein US-amerikanischer Chirurg

einer Soldatin, die ihr linkes Ohr bei einem

Unfall verloren hat, ein neues angenäht,

das vorher unter der Haut ihres

linken Arms gewachsen war. Er entnahm

ihr dazu Rippenknorpelgewebe, formte

daraus ein Ohr und pflanzte es unter die

Haut ihres Unterarms, damit sich Haut,

Nerven und neue Blutgefäße bildeten. Anschließend

verpflanzte er das ,neue‘ Ohr,

sodass sie neben dem Gefühl, einen vollständigen

Körper zu haben, mit der Muschel

auch wieder wesentlich besser hören

konnte. (Mehr dieser spannenden Erkenntnisse

zu den neuesten Fortschritten

der Wissenschaft gibt es ab Seite 28.)

Die Rekonstruktive Chirurgie setzt genau

an diesen Punkten an: Sie korrigiert

Haut, Weichteile, Muskeln, Sehnen und

periphere Nerven sowie Knochen und

Knorpel. Krebspatienten nach einer Tumoroperation,

Unfallopfer, die Gliedmaßen

verloren haben, Fehlbildungen seit Geburt

wie eine Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte

oder auch die Korrektur von Narben – die

Liste der Einsatzgebiete ist lang.

Durch die rasante Entwicklung der medizinischen

Möglichkeiten sind die Ergebnisse

unübersehbar besser. Gerade

Krebspatienten profitieren davon. Bei der

umfassenden Entfernung von Tumoren

verliert der Patient oft ganze Bereiche von

Körperteilen wie ein Auge oder die Nase,

was mit der Wiederherstellungschirurgie

aufgefangen werden kann. Für viele

Brustkrebspatientinnen, bei denen eine

umfassende Operation notwendig war,

stellt die Brustrekonstruktion eine Möglichkeit

dar, um das eigene Körpergefühl

wieder zu verbessern.

Wiederherstellungschirurgie hat also

nicht nur eine physische Notwendigkeit,

sondern auch eine psychische: sich vor

Selbstzweifeln, depressiven Stimmungen,

sozialer Ausgegrenztheit zu schützen.

Etwas anders sieht es mit der Ästhetischen

Chirurgie oder Schönheitschirurgie

18

GESUNDHEıT 2 | 2019


aus. Sie dient ausschließlich der eigenen Schönheit. Selbstzweifel,

der äußere Anspruch und mögliche soziale Ablehnung sind

Gründe, um den eigenen Körper ,besser‘ machen zu wollen. Ob

der Höcker an der Nase, Fettpolster an ungeeigneten Stellen

oder Falten: Hier kann die Ästhetische Chirurgie helfen. Nasen

werden begradigt, Fett abgesaugt und Falten mit Botox stillgelegt

oder mit Hyaluron aufgefüllt. Und schon passt das Spiegelbild

viel besser zu mir – ich fühle mich wohl.

DIE WELT ,BEGREIFEN‘

Ein weiteres Spezialgebiet der Chirurgie ist die Handchirurgie,

entstanden durch eine Verschmelzung von Chirurgie

und Orthopädie. Die Hand ist ein kleines, aber ungemein

wichtiges Organ. Ihr wird sogar nachgesagt, dass

sie eine wichtige Rolle im Evolutionsprozess hat.

Hand und Gehirn – dieses Zusammenspiel und

die Einmaligkeit ihres Aufbaus macht den Menschen

aus. Umso wichtiger ist es, dass dieses

,Werkzeug‘ durch das Zusammenspiel der

anatomischen Struktur von Knochen, Gelenken,

Muskeln und Sehnen, Nerven und Blutgefäßen

auch seine Funktionen erfüllen

kann: Greifen, Fassen, Malen, Tippen,

Schreiben, Schneiden und vieles mehr.

Wer sich an der Hand verletzt

oder erkrankt, sollte einen Arzt

mit umfangreichen Kenntnissen

über deren Aufbau aufsuchen,

der also genauestens über die

Feinstrukturen Bescheid weiß.

Durch die Entwicklung von

mikrochirurgischen Techniken

und OP-Material wie Mikroskopen

und Instrumenten sind Ärzte

mittlerweile in der Lage, feinste Nerven

und Gefäße wieder zu rekonstruieren oder

abgetrennte Finger wieder anzunähen. Doch nicht

nur die Hand wird in der Hand chirurgie betreut,

auch der Arm bis hinauf zur Schulter fällt in diesen

medizinischen Bereich.

1,5 BIS 4 MM SCHUTZSCHICHT – UNSERE HAUT

Die Haut ist das größte und empfindlichste Sinnesorgan,

das wir haben. Es ist nicht nur die Abgrenzung

von innen und außen, es übernimmt auch Funktionen im

Bereich Stoffwechsel und Wärmeregulation. Hautkontakte

sind beispielsweise lebenswichtig für uns Menschen, nicht nur

für Kinder.

Umso wichtiger, dass unser Schutz vor der Umwelt auch funktioniert.

Wird die Haut jedoch durch Verbrennungen, Verätzungen

oder Verbrühungen verletzt, dann ist schnelle Hilfe angesagt.

Und hier kommt die Verbrennungschirurgie ins Spiel, der

vierte Teilbereich der Plastischen Chirurgie.

GESUNDHEıT 2 | 2019 19


Meist hat die Verbrennungschirurgie

mit Notfällen zu tun. Als erste Maßnahmen

bei der Behandlung gelten die Kreislaufstabilisierung

und die Versorgung mit

Schmerzmitteln sowie der Schutz vor Unterkühlung

und Verkeimung der Wunde.

Verbrennungen der Haut gehen mit einer

aufwendigen Patientenversorgung einher,

die sich zur Wiederherstellung der Bewegungsfunktionen

auch um eine ästhetische

Behandlung kümmert. Entstellende

Narben werden beseitigt. Was viele nicht

wissen: Seit den 1960er-Jahren wurde in

der Bundesrepublik ein Netz von Verbrennungszentren

aufgebaut, das Brandopfern

schnelle und umfassende Hilfe

bietet.

SECHS JAHRE WEITERBILDUNG

Wer Facharzt für Plastische, Rekonstruktive

und Ästhetische Chirurgie werden

möchte, hat als Mediziner einen langen

Weg vor sich. Nach dem sechsjährigen

Medizinstudium folgen weitere sechs

Jahre der Weiterbildung mit unterschiedlichen

Stationen in der Plastischen,

Rekonstruktiven und Ästhetischen

Chirurgie, der Notaufnahme und

der Intensivmedizin.

Der Begriff Schönheitschirurg

ist übrigens nicht geschützt.

Praxen und Kliniken, die den

Begriff Schönheitschirurgie

im Namen führen,

brauchen nicht unbedingt

eine Zulassung,

die garantiert, dass sie durch staatliche

Behörden kontrolliert werden. Anders

bei niedergelassenen Ärzten, die

plastische Operationen anbieten. Sie unterstehen

der Berufsaufsicht durch die

Ärztekammer und haften für die von ihnen

durchgeführten Eingriffe. Sicher häufig

gar nicht schlecht, eine Absicherung

zu haben. Wer das nicht glaubt, sollte im

Internet unter dem Begriff ,Plastic Surgery

Gone Wrong‘ suchen. (Mehr zum

Thema Schönheitschirurgie gibt es im Interview

mit der Expertin ab Seite 40.)

PLASTISCHE CHIRURGIE IST GAR NICHT

SO NEU

Die Anfänge der Plastischen Chirurgie

liegen übrigens ziemlich weit zurück.

Erstmals 1350 v. Chr. wurden plastische

Chirur gen in Indien erwähnt, die eine

menschliche Körperoberfläche rekonstruierten.

Ägyptische Chirurgen entwickel ten

bereits eine wiederherstellende Gesichtschirurgie

– an Mumien fand man operativ

wiederangebrachte Ohren. Zwischen

1200 und 1700 v. Chr. tauchte in Indien

das erste Mal der Begriff Nasen operation

auf. Damals wurde Dieben und Ehebrechern

als drakonische Strafe die Nase abgeschnitten.

Die Wiederherstellung dieses

Körperteils war für eine Rehabilitierung

in die Gesellschaft Voraussetzung. (Mehr

zur Geschichte finden Sie ab Seite 22.)

Schon damals war die körperliche Unversehrtheit

ein nicht zu unterschätzender

gesellschaftlicher Faktor. So wie heute. ƒ

20

GESUNDHEıT 2 | 2019


PROFIL

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FOTO: R+MEDITRANSPORT

Anders als die anderen R+ MediTransport setzt auf ein rundum gutes Arbeitsklima.

R+ MediTransport

Offene Türen, Transparenz und Potenzialentfaltung anstatt Micro-Controlling und starre Strukturen

Es ist nicht so wie bei anderen Krankentransport-

oder Rettungsdienstunternehmen.

Wer die Räumlichkeiten

von R+ MediTransport betritt, steht

direkt in der Kaffeeküche, einer Art Zentrum

der Gemeinschaft und Treffpunkt

der Teammitglieder. Hier wird gemeinsam

gekocht, gegessen, hier werden die Besprechungen

abgehalten. Für Geschäftsführer

Florian Reinhold ist das ein Baustein für

ein gutes Arbeitsklima: „Die Umgestaltung

unserer Räumlichkeiten am Hauptsitz

war nur der Start eines großen Projektes.

Vielmehr arbeiten wir an einer neuen Führungs-

und Unternehmenskultur.“ Reinhold

sind bei der Führung des Familienunternehmens

mit Hauptsitz in Gieboldehausen

Dinge wie Offenheit und Respekt wichtig.

Führung will er bei R+ MediTransport als

Coaching verstanden wissen. Für die Mitarbeiter

muss der Weg bereitet werden, damit

sie ihren Job gut machen können.

BEREITS SEIT 1954 BIETET DER

FAMILIEN BETRIEB Krankenbeförderung

rund um die Uhr. Schon seit 1984 ist der

qualifizierte Krankentransport – als Teil des

Rettungswesens – das Kerngeschäft des

südniedersächsischen Unternehmens.

R+ MediTransport befindet sich noch

mittendrin im Prozess der Leitbildfindung.

„Wir haben nach dem Sinn unserer Arbeit

gefragt und Werte für unsere Zusammenarbeit

im Team gesucht“, erklärt Reinhold.

Teamfähigkeit, Ehrlichkeit und Vertrauen

sind drei der insgesamt sechs Werte, die

der Zusammenarbeit einen Rahmen geben

sollen. Ein weiteres Ergebnis aus den Kulturveranstaltungen

sei, dass für das Team

die Sinnstiftung insbesondere in einem

Lächeln des Kunden liege. „Dafür arbeiten

wir.“ Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

wollen sich zukünftig auch über die eigentliche

Arbeit hinaus sozial engagieren

können. Neben Persönlichkeitsentwicklung,

dem Know-why, ist bei R+ MediTransport

aber auch das medizinisch-fachliche Knowhow

von größter Bedeutung, das in der eigenen

Fortbildungsakademie vermittelt wird.

REINHOLD HAT SICH IM RAHMEN seiner

Tätigkeit im Vorstand des Landesverbandes

privater Rettungsdienste in Norddeutschland

e. V. für einen Tarifvertrag der

privaten Rettungsdienste mit einem Tarifpartner

eingesetzt. „Am 1. Juli dieses Jahres

haben wir ihn erfolgreich abgeschlossen.“

GANZ NACH DEM VORBILD in Gieboldehausen

sollen auch die anderen Standorte

in den Landkreisen Northeim und Goslar

umgebaut werden. Im kommenden Jahr

folgt ein Neubau in Northeim.

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R+ MediTransport

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Tel. 05528 2019233

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TEXT: CAROLIN SCHÄUFELE


Ein blutiger Ritt

durch die Geschichte

Nase ab und Fett weg – der lange Weg der Plastischen Chirurgie

von der Rekonstruktion zur Schönheit

TEXT CLAUDIA KLAFT

ILLUSTRATIONEN STOCK.ADOBE.COM

Die indische Methode Als erster Nasenrekonstrukteur

in der Geschichte entnimmt

der Chirurg Sushruta für die Nasenformung

ein blutversorgendes Gefäßteil aus der Stirn.

Ehebruch – Nase ab! So ist das ten (Hasenscharten) beschreibt, darauf

im alten, alten Indien viele Hundert

Jahre vor Christus. Wie gut, kannt ist auch die weitere Rekonstruk-

zurück? Wer weiß das schon. Recht unbe-

dass Chirurg Sushruta Hilfe tionsgeschichte, bis im 15. Jahrhundert …

bietet, indem er für die Nasenformung

ein blutversorgendes Gefäßteil aus der … DUELLE, SYPHILIS UND KRIEGE

Stirn entnimmt. Dokumentiert in der Abhandlung

‚Sushruta Samita‘ geht er mit

dieser ‚indischen Methode‘ als erster

Nasenrekonstrukteur in die Geschichte

ein. Ob alle Patienten aufatmen können,

bleibt angesichts der fehlenden Anästhetika

und Sterilität fraglich. In der Antike

lindert man Schmerzen versuchsweise

mit …

ZUR VERMEHRTEN NASEN-NACHFRAGE

FÜHREN. Ihrer nimmt sich der sizilianische

Arzt Antonio Branca an, der die

‚indische‘ zur ‚italienischen Methode‘

weiterentwickelt. Oberarm statt Stirn: Er

formt Nasen aus dem gestielten Armlappen

(Distanzlappen) und fixiert den Arm

des Patienten an dessen Nase, um die

Durchblutung bis zum Anwachsen des

… MOHN, OPIUM, ALRAUNE ODER

Hautlappens sicherzustellen. Dieses Verfahren

greift später der italienische Chirurg

MANDRAGORA-WEIN. Vielleicht greifen

auch der griechische Arzt Hippokrates, der

400 Jahre v. Chr. Nasen korrigiert, oder

der römische Mediziner Aulus Cornelius

Celsus, der 50 Jahre n. Chr. Operationsmethoden

von Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalziert

Gaspare Tagliacozzi auf und publi-

es 1597 in seinem Werk ‚De cortorum

chirurgica‘. Es ist der Grundstein

der modernen Plastischen Chirurgie. Leider

findet Tagliacozzi ein unrühmliches

Ende, denn …

22

GESUNDHEıT 2 | 2019


GESUNDHEıT 2 | 2019 23


Der Nasen-Joseph: Als Pionier in Sachen Schönheits-OPs entwickelte der Berliner Chirurg Jacques Joseph (1865 – 1934) zahlreiche

Spezialinstrumente wie kleine Sägen und Skalpelle, die teilweise heute noch in Operationssälen zu finden sind.

… „GOTTGEWOLLT IST DAS AUSSEHEN

DES MENSCHEN!“ schreit die katholische

Kirche und verdammt seine Seele. Fortan

hindern Religion, Pest und Krieg den medizinischen

Fortschritt. In Schwung

kommt die Rekonstruktions-Chirurgie

wieder im 19. Jahrhundert, als Antiseptika

sterile Operationen ermöglichen und

ab 1847 Äther wie …

… KOKAIN ZUR SCHMERZFREIEN BE-

HANDLUNG EINGESETZT WERDEN.

Na ja, der gut dosierte Einsatz muss geübt

werden. Doch die Ärzte prägen Neues: So

wird der Begriff Plastische Chirurgie 1838

erstmals von Eduard Zeis formuliert.

Und von Johann Friedrich Dieffenbach

1845 als eigenständiges Gebiet in seinem

Standardwerk ‚Die operative Chirurgie‘

definiert. Neben der etablierten Rekonstruktionschirurgie

nimmt eine weitere

Säule ihren Anfang: Die …

… VERBRENNUNGSCHIRURGIE: Der Genfer

Chirurg Jacques Louis Reverdin ver-

pflanzt 1869 Anteile der Epidermis auf gesunde

Granulation, und Carl Thiersch, Direktor

der Chirurgischen Universitätsklinik

Leipzig, begründet 1886 die Spalthauttransplantation.

Plastisch nimmt 1895 der

Onkologe Vincenz Czerny die erste …

… BRUSTVERGRÖSSERUNG MIT KÖRPER-

EIGENEM FETTGESCHWULST (Lipom) an

einer brustamputierten Krebspatientin

vor. Doch die Durchblutung ist ungenügend,

der Versuch scheitert wie auch

weitere Experimente zu dieser Zeit mit

Rinderknorpel oder Glaskugeln. Der

Wunsch, ,normal‘ auszusehen, ist vorhanden.

Und führt 1896 zur ‚Ästhetischen

Chirurgie‘ als eigenständige Säule der

‚Plastischen‘, als eine Mutter klagt …

… „MOBBING! Mein Sohn wird gehänselt,

weil er abstehende Ohren hat.“ Damit

liegt sie Jacques Joseph in den Ohren,

einem Assistenzarzt an der Berliner Charité.

Er überlegt: Ein Eingriff in einen gesunden

Körper, weil die Seele leidet? Und

24

GESUNDHEıT 2 | 2019


Auf die Schnelle ohne Delle:

Einer der ersten Anbieter für

Nasenkorrekturen garantierte 1931 sogar

den bleibenden Erfolg seiner Methode:

schnell, sicher, schmerzfrei – und ganz ohne

Operation. Für eine formschöne Nase sollte

der Kunde sich nur ein paar Schnüre um den

Kopf schnallen. Ob die Anzeige hielt, was sie

versprach, ist nicht dokumentiert.

lässt sich darauf ein. Die Ohren sind angelegt,

der Junge glücklich. Dies gilt als

Beginn der Schönheitsoperationen in

Deutschland. Stolz präsentiert Joseph den

Fall bei der Berliner Medizinischen Gesellschaft,

erntet Ruhm …

… UND DIE KÜNDIGUNG SEINES VER-

ÄRGERTEN CHEFS. Der 31-Jährige eröffnet

daraufhin seine eigene Praxis und

setzt weitere Maßstäbe: 1904 operiert er

intranasal (durch die Nasenlöcher) ohne

sichtbare Narben, ersetzt Knorpel und

Knochen durch Elfenbein und designt

seine eigenen OP-Instrumente wie das

Raspatorium, genannt ,der Joseph‘. Zwei

Jahre später führt ,der Pionier der Ästhetischen

Chirurgie‘ Erich Lexer die erste

erfolgreiche Gesichtsstraffung durch.

Doch die folgende Zeit stellt alle Ärzte

vor besondere Herausforderungen: …

… KRIEG! Schreckliche Verstümmelungen

und Wunden, oft mit unvorstellbaren

Ausmaßen. Während in Großbritannien

Harold Gillies (,Vater der Plastischen

Chirurgie‘) zum Pionier der Gesichtsrekonstruktionen

wird, indem er neue

Methoden für den Transplantationsprozess

entwickelt, eröffnet die Berliner Charité

unter der Leitung von Joseph 1916

eine Abteilung für Gesichtsplastik, „um

die Lebensqualität der Männer zu verbessern.“

Schönheits-OPs …

… WIE AM FLIESSBAND. Eine schwere,

dennoch erkenntnisreiche Zeit. Obwohl

er Jude ist, bekommt Joseph 1919 den

Professorentitel und das Eiserne Kreuz

verliehen. Auch nach Auflösung der Abteilung

1922 behandelt der ,Vater der

ästhetischen Nasenkorrektur‘ Patienten

aus Europa, USA und Indien. 1931 erscheint

sein Buch ‚Nasenplastik und sonstige

Gesichtsplastiken nebst Mamma plastik‘.

1933 muss er seine Karriere beenden,

ein Jahr später verstirbt er. Es heißt, dass

am Ende der Weimarer Republik die

Schönheits-Chirurgie ein interessantes …

… GRENZGEBIET ZWISCHEN KOSMETIK

UND PSYCHOANALYSE sei, das – wenn

wissenschaftlich erschlossen – reiche

Früch te bringt. Zeit für die Ernte ist erst

nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Handchirurgie,

begründet 1944 von Sterling

Bunnell (USA), entwickelt sich zur eigenen

Säule. Sein umfangreiches Werk ‚Surgery

of the hand‘ wird zur ,Bibel der

Handchirurgie‘. 20 Jahre später führen

moderne Mikroskope nicht nur dieses

Fachgebiet nach vorne. Auch die Mikrochirurgie,

mithilfe derer Blutgefäße und

Nervenzellen zusammengefügt werden,

Nasen à la carte: In einem Album

mit Vorher-Nachher-Fotos konnten

sich die Patienten von Chirurg

Jacques Joseph (o. l.) ihre Traumnase

aus suchen. Auch die individuelle Persönlichkeit

seiner Kunden hatte der Arzt damals

bereits stets im Blick.

GESUNDHEıT 2 | 2019 25


FOTO/ILLUSTRATION: STOCK.ADOBE.COM

Revolution in der Brust: Anfang der

1960er-Jahre entwickelten die Chirurgen

Frank Gerow und Thomas Cronin aus Houston,

Texas, das erste mit Silikongel gefüllte

Implantat für die Brust.

bringt große Fortschritte. Ab den

1950er-Jahren experimentieren Ärzte mit

erneuten Möglichkeiten zur Brustvergrößerung,

zum Beispiel mit Paraffin, …

… BIENENWACHS ODER POLYETHYLEN.

Schwere Komplikationen inklusive. Die

ersten festen, dennoch unausgereiften

Brust-Implantate werden 1951 eingesetzt.

Was geht, was geht nicht? Ein Fachjournal

für Plastische Chirurgie gründet sich.

In den 1960er-Jahren transplantiert John

Cobbett (UK) eine Fußzehe als Daumenersatz.

1961 werden von Thomas Cronin

und Frank Gerow (USA) Silikonimplantate

entwickelt und eingesetzt – mit gesundheitsschädlichen

Langzeitfolgen. Die

Idee dazu lieferte ihnen ein Blutbeutel. Ich

spanne einen Bogen: Was drin ist, muss

raus, reden wir über …

… FETT. Nach ersten Absaugversuchen in

den 1960er-Jahren stellt sich 1980 endlich

der Erfolg ein. Großes Aufsehen erregt

2005 die erste Gesichtstransplantation

an einem lebenden Menschen, die

bisherige Grenzen sprengt. Immer schneller

schreitet die Entwicklung voran, die

OPs werden sicherer und – gefragter.

Käufliche Schönheit wird …

… ZUM MASSENPRODUKT. Für geprüfte

Qualität führt die Bundesärztekammer

1987 Zusatzausbildungen ein – Plastische

Operationen für MKG-Chirurgen und

HNO-Ärzte sowie Plastische Chirurgie

für Fachärzte – und weitet diese 1992 auf

drei Jahre aus und erkennt die Plastische

Chirurgie als eigenständige Facharztausbildung

an. Der Begriff Schönheitschirurg

bleibt jedoch ungeschützt …

… UND MANCHE OP HAT UNSCHÖNE

FOLGEN. Dennoch erliegen viele dem täglich

flüsternden Spiegel: „Aber hinter

Insta gram und Co. sind Menschen, die

viel schöner sind als Ihr.“ Meine Idee: Im

besten Jungbrunnen-Moment lassen wir

uns 3D-scannen und schicken unseren

Avatar auf die Bussi-Partys, während wir

zu Hause unser Gegenüber mit den Segelohren

„einfach nur süß“ finden. ƒ

26

GESUNDHEıT 2 | 2019


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„Das ist ein erfüllendes

Gefühl, zu sehen, wenn

man in einem großen

Team das Wissen der

Ästhetik einfließen

lassen und so einem

Unfall- oder Kriegsopfer

Lebensqualität

zurückgeben kann.“

Gunther Felmerer

28

GESUNDHEıT 2 | 2019


Reise in

die Zukunft

Ein Fortschritt jagt den nächsten. Hand in Hand setzen sich

Ärzte und Wissenschaftler im Bereich der Plastischen Chirurgie

für eine Verbesserung der Lebenssituation vieler Menschen ein –

dabei geht es um weit mehr als nur um die Ästhetik.

TEXT STEFAN LIEBIG

WUSSTEN SIE SCHON, DASS …

... ES MÖGLICH IST, EIN OHR IM ARM

WACHSEN ZU LASSEN?

FOTO: OTTOBOCK

Hand aufs Herz: Woran denken

Sie spontan, wenn Sie den Begriff

„Plastische Chirur gie“

hören? Brustvergrößerung,

Facelifting, Nasen-OP, Fettabsaugung –

waren die Umfrageergebnisse einer nicht

ganz repräsentativen Umfrage des Autors

dieses Beitrags. „Aber es geht in der Plastischen

Chirurgie längst nicht nur um

Schönheitseingriffe, sondern vielmehr

auch um die Wiederherstellung nach

Krankheiten oder Unfällen“, sagt Claudia

Choi-Jacobshagen, Chefärztin der Klinik

für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive

Chirurgie am Evangelischen

Krankenhaus Göttingen-Weende (EKW).

Sie verweist auf die vielen Rekonstruktionen

nach Verbrennungen, Unfällen oder

Krebsoperationen.

Mit modernsten Techniken setzen die

Mediziner alles daran, den Patienten zu

helfen und verletzte oder verlorene Funktionen

und Gewebe möglichst originalgetreu

wiederherzustellen. „Erst in den

letzten Jahren erkennen die Menschen

mehr und mehr, dass wir als spezialisierte

Ärzte nicht nur menschliche Eitelkeiten

befriedigen, sondern sehr oft Patienten in

schlimmen Notlagen helfen“, sagt auch

Gunther Felmerer von der Klinik für Unfallchirurgie,

Orthopädie und Plastische

Chirurgie bei der Universitätsmedizin

Göttingen (UMG).

FELMERER ÜBERTREIBT NICHT, wenn er

von Patienten in Not spricht. Denn sehr

häufig versorgt der Leiter des Schwerpunktbereichs

Plastische Chirurgie mit

seinem interdisziplinären Team Kriegsopfer,

die einen Arm oder ein Bein verloren

haben. Zu diesem Team gehören unter

anderem Orthobioniker Frank Braatz

und Assistenzärztin Jennifer Ernst. Sie

behandeln die oft nur unzureichend versorgten

Verstümmelungen der Patienten

und bereiten diese für die Anpassung an

eine hochmoderne Prothese vor.

Doch längst sind diese kein lebloses

Material mehr, das nur wenige Funktionen

erfüllt. Vielmehr arbeiten Experten

inzwischen an der Verbindung der durch

den Unfall abgetrennten Nervenbahnen

Plastische Chirurgen des

Armeekrankenhauses El Paso

haben einer Soldatin ein neues

Ohr verpflanzt, das sie zuvor

ein Jahr lang in deren Unterarm

herangezüchtet haben. Dafür

entnahmen sie Gewebe aus ihrem

Rippenknorpel, vermehrten es im

Labor und modellierten es. Dann

verpflanzten sie das Imitat in den

Arm – die Konturen waren unter

der Haut deutlich zu erkennen. Das

Ohr verfügt über frische Arterien,

Venen und einen frischen Nerv,

sodass es auch wieder Gespür hat.

Ob alle Prognosen in Erfüllung

gehen, lässt sich jedoch erst nach

einigen Jahren mit Bestimmtheit

sagen. Der richtige Mix ist auch mit

modernster Labortechnik schwierig,

denn Körpergewebe besteht immer

aus mehreren verschiedenen

Zelltypen, und die Versorgung mit

Blut- und Nervenbahnen ist extrem

kompliziert. Funktionsausfall oder

Wucherungen können auftreten.

GESUNDHEıT 2 | 2019 29


WUSSTEN SIE SCHON, DASS …

mit den Hightech-Prothesen. Sowohl bei

dem neuen Körperendglied als auch bei

dem künstlichen Ersatz kommt es auf

Teamwork von Chirurgen, Orthobionikern

und einer ganzen Reihe weiterer Experten

an. Neben der reinen Funktionalität

spielt in der heutigen Zeit auch die

Optik eine immer wichtigere Rolle. Im

Idealfall ist es kaum noch zu erkennen,

dass der Patient eine neue Hand oder ein

neues Bein trägt. „Das ist ein erfüllendes

Gefühl, zu sehen, wenn man in einem

großen Team das Wissen der Ästhetik

einfließen lassen und so einem Unfalloder

Kriegsopfer Lebensqualität zurückgeben

kann“, so Felmerer über die

motivierenden Momente als Plastischer

Chirurg, wenn ein Mensch sich dank professioneller

Versorgung wieder weitgehend

schmerzfrei und natürlich bewegt.

... es bereits Organe und Gewebe

aus dem 3D-Drucker gibt?

Was sich vor wenigen Jahren noch wie der Plot für einen Film anhörte,

rückt immer näher an die Realität: Wissenschaftler entwickeln Methoden,

Organe per 3D-Druck erzeugen zu können. Ist das ein Meilenstein für die

Transplantationsmedizin oder überschreiten Mediziner damit ethische Grenzen?

Diese Frage wird wohl zu heißen Diskussionen in Ethikräten führen. Aus

wissenschaftlicher Sicht ist diese innovative Technik aber zweifellos eine große

Chance, die Hoffnung für viele wartende Patienten bieten könnte. So konnten

amerikanische Forscher bereits 2014 Gesichtsrekonstruktionen realisieren,

2018 fand die erste Gesichtstransplantation statt, und kürzlich druckten die

Forscher erstmals eine funktionsfähige linke Herzkammer aus Kollagen und

Herzmuskelzellen. Nicht ganz so erfolgreich war ein israelischer Wissenschaftler,

dessen ,Mini-Herz‘ noch nicht funktionstüchtig war. Formstabilität und

Detailgenauigkeit sind die wesentlichen Aspekte des 3D-Drucks. Für die

realitätsnahe Reproduktion von Organen und Geweben werden auch

Biomaterialien wie Algenextrakte oder Kollagen getestet. Ihnen fehlt im

Unterschied zu Kunststoff, Metall oder Epoxidharz noch die Dauerhaftigkeit.

NATÜRLICH SIND SOLCHE ERFOLGE

nicht alleine von der UMG zu erzielen.

Denn wo die Chirurgie aufhört, setzt

nahtlos ein anders Fachgebiet an: Zur optimalen

Versorgung gehören auch die

hochmodernen und individuellen Prothesen

und Orthesen. Hier setzen die Mediziner

auf die Zusammenarbeit mit dem

Global Player Ottobock aus Duderstadt.

In dessen Entwicklungsabteilung werden

komplexe Komponenten von Hilfsmitteln

erforscht und konstruiert, und es

wird mit Hochdruck an Verbesserungen

gearbeitet. Moderne myoelektrische

Arm prothesen werden über verbliebene

Muskelaktivität im Stumpf gesteuert.

Über im Prothesenschaft integrierte Elektroden

werden diese Anspannungen der

Muskulatur an die Motoren der Komponenten

weitergeleitet, und dies führt dann

beispielsweise zum Schließen der Hand.

Entwickler können bereits eine vereinfachte

und intuitivere Steuerung von Prothesen

zur Verfügung stellen, zum Teil

können dadurch sogar Phantomschmerzen

eingedämmt werden – und sie kommen

dem Durchbruch im Bereich des

Fühlens immer näher. So können die

Patien ten hoffen, bald wieder Temperaturen

oder Druck empfinden zu können.

Daniela Wüstefeld, Ergotherapeutin bei

Ottobock, arbeitet seit fünf Jahren regelmäßig

mit dem Team um Felmerer zusammen.

Im 14-tägigen Turnus findet

eine gemeinsame interdisziplinäre Spezialsprechstunde

für Amputationsmedizin in

der UMG statt. Im Patient Care Center

Duderstadt/Berlin kümmert sie sich in

Zusammenarbeit mit ihren Kollegen der

Orthopädietechnik um die Anpassung der

Prothese. Vor und nach der Operation

werden die Patienten auf die Prothese

vorbereitet, und während der Anpassung

finden Trainingseinheiten statt, in denen

das Greifen, Halten und Loslassen von

Gegenständen mit der Prothese geübt

wird. „Wir leben dieses Teamwork und

arbeiten hier ohne Hierarchien und interdisziplinär

zum Wohl der Patienten“, sagt

Wüstefeld und betont, wie intensiv die

FOTO: OTTOBOCK

30

GESUNDHEıT 2 | 2019


FOTOS: UMG

Lebensqualität durch Fortschritt Bei einem Arbeitsunfall vor über 15 Jahren verlor der Patient seinen rechten Arm – heute lebt er dank

modernster Technik und intensiver Betreuung durch die UMG endlich wieder schmerzfrei und kann eine Prothese nutzen.

WUSSTEN SIE SCHON, DASS …

... Instagram Sie unters Messer

bringen kann?

Rückmeldungen der Betroffenen in die

weitere Therapie eingebunden werden.

„Diese gegenseitige Befruchtung der Fachgebiete

führt zu unglaublichen Fortschritten

in der Therapie, von der auch künftige

Patienten profitieren“, sagt Felmerer,

der zudem eine immer vielfältigere Wahrnehmung

seines Fachgebiets in den Medien

und sogar bei den Kollegen – zum

Beispiel in der Unfallchirurgie – feststellt.

EIN ASPEKT, DER AUCH CLAUDIA

CHOI-JACOBSHAGEN vom EKW sehr am

Herzen liegt: „Es geht bei uns nicht nur

um Schönheit, sondern oft um Lebensqualität.“

Natürlich gebe es auch „reine

Schönheitsbehandlungen“, aber die Eingriffe

mit medizinischer Indikation, die

häufig von der Krankenkasse übernommen

würden, bildeten die Mehrzahl. Das

breite Spektrum reicht von der Oberlidstraffung

und Brustvergrößerung über

Tumorentfernungen mit den entsprechenden

Rekonstruktionen bis hin zur Fettabsaugung

oder der Versorgung chronischer

Wunden. Aufgrund der sich rasant

entwickelnden Behandlungsmethoden und

Hilfsmittel sieht Choi-Jacobshagen die

Plastische Chirurgie als „innovatives

Fachgebiet mit individuellen Lösungen“.

Sie setzt am EKW auf vier Säulen der

Plastischen Chirurgie zum Wohle der Patienten:

Die Rekonstruktive, die Ästhetische,

die Hand- und die Verbrennungschirurgie.

Jede Säule stünde zwar für sich,

doch alle griffen auch sehr eng ineinander.

Sie erklärt dies am Beispiel einer schweren

Verbrennung an der Hand, die ästhetisch

und funktionell rekonstruiert werden

müsse. Die Plastische Chirurgie habe sich

in den letzten Jahrzehnten enorm weiterentwickelt.

Verschiedene Transplantationstechniken,

hierunter auch die Mikrochirurgie

seien eine wichtige Methode,

funktionsfähigen Haut- und Gewebeersatz

von einem Körperbereich zum anderen zu

verpflanzen. „Es ist auch beeindruckend,

wie erfolgreich wir inzwischen angezüch-

2,3 Prozent der befragten

Patientinnen, die sich einer

ästhetisch-plastischen Behandlung

unterzogen hatten, gaben an,

sie seien durch soziale Medien

zu einer Schönheitsoperation

motiviert worden. Jede Zehnte

(10,8 Prozent) konsultierte bei der

Suche nach Informationen zur

Plastischen Chirurgie Instagram,

Facebook oder andere soziale

Plattformen. Das zeigen aktuelle

Daten der Deutschen Gesellschaft

für Ästhetisch-Plastische Chirurgie

(DGÄPC). „Ein bisher nur subjektiv

gefühlter Trend, wie der Selfie-

Boom, lässt sich nun erstmalig durch

valide Zahlen unserer jährlichen

DGÄPC-Umfrage untermauern“,

sagt Präsident Harald Kaisers. Da es

sich bei den Betroffenen vor allem

um junge Patientinnen handelt,

sei eine eingehende Beratung vor

dem Eingriff besonders wichtig.

GESUNDHEıT 2 | 2019 31


FOTOS: EKW

Präsision gefragt EKW-Chefärztin Claudia Choi-Jacobshagen bei einer mikrochirurgischen Operation am OP-Mikroskop

tetes Gewebe als Haut ersatz oder Zellspray

zur Beseitigung von Pigmentstörungen

einsetzen“, so Choi- Jacobshagen. Diese

und andere futuristisch anmutende Methoden,

wie der Einsatz von Siebplatten in

Verbindung mit einem Vakuum, ermöglichen

in Weende das schmerzfreie Ansaugen

von Hautzellen. Diese wiederum sind

dann die Grundlage für Transplantationen

oder das oben genannte Zellspray. Auch

der große Nutzen von Fetttransplantationen

in der Wundheilung, Arthrosetherapie

und Geweberekonstruktion wird erfolgreich

angewendet.

MODERNE METHODEN, die nur sogenannte

minimalinvasive (= möglichst geringfügige)

Eingriffe erfordern, dienen einer

narben- und schmerzarmen Behandlung.

„Unser sehr junges Fachgebiet entwickelt

sich stetig weiter. Daher bin ich

selbst gespannt, wohin die Reise geht“,

sagt Choi-Jacobshagen und blickt voller

Neugier in die Zukunft ihrer Disziplin. ƒ

WUSSTEN SIE SCHON, DASS …

... ROBOTER MITTLERWEILE AUCH OPERIEREN?

Werden Lymphknoten entfernt, zum Beispiel wegen einer Brustkrebserkrankung,

wird Gewebswasser nicht mehr richtig entsorgt: Ein Lymphödem kann

entstehen, und der betroffene Körperteil schwillt an. Dank modernster

Forschungsergebnisse können den Betroffenen Lymphknoten aus dem

Bauchraum entnommen werden, um sie an die sogenannte Empfängerstelle

zu transplantieren. Das Fettgewebe wird mittransplantiert, weil es neue

Lymphgefäße ausbilden kann. Die Operationstechnik wurde in den 1980er-

Jahren von einer belgischen Ärztin entwickelt, kommt aber bisher nur in

wenigen Kliniken – unter anderem an der UMG – zum Einsatz. Möglich ist

der Eingriff mithilfe mikrochirurgischer Techniken per OP-Roboter unter

dem Mikroskop: Die Operation erfordert feinste Werkzeuge und eine ruhige

Hand. Allgemeinchirurgen können die Vorarbeit leisten, doch die feinen

Blutgefäße können nur sehr erfahrene plastische Chirurgen annähen.

Nach der Transplantation stehen die Chancen der Betroffenen gut, ein

Leben ohne oder mit relativ wenig Lymphdrainagen führen zu können.

32

GESUNDHEıT 2 | 2019


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Für ein stimmiges Bild

Die Zahlen sprechen für sich: In einem weltweiten Ranking der meisten Schönheits-OPs

pro Jahr hält sich Deutschland mit inzwischen über 77.500 durchgeführten Behandlungen seit

Jahren unter den Top Ten – Tendenz steigend. Warum dies so ist und wo die wirklichen

Vor- und Nachteile liegen, erklärt Facharzt und Schönheits-Experte Hafiez Said im Interview.

INTERVIEW CAROLIN SCHÄUFELE

FOTOGRAFIE ALCIRO THEODORO DA SILVA

Brust, Bauch, Gesicht oder Beine, nichts

wird ausgelassen. Hafiez Said, Facharzt

für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive

Chirurgie, ist leitender Arzt im

Agaplesion Krankenhaus Neu Bethlehem

und unter anderem für die klassischen

Schönheitsoperationen zuständig.

Schon mit Abschluss seines Medizinstudiums

hatte er den klaren Wunsch, in

die Ästhetische Chirurgie zu gehen. Seit

2014 ist der gebürtige Syrer nun am

Krankenhaus in Göttingen tätig. Im

Interview verrät er, was für ihn wahre

Schönheit ausmacht und was er vor diesem

Hintergrund seinen Patienten rät.

Wie wichtig ist Ihnen Schönheit?

Ich liebe Perfektion! Denn in der Perfektion

liegt für mich Schönheit. Auch im

privaten Bereich. Ich schätze es, wenn alles

wohl organisiert und sortiert ist. Das

macht meiner Meinung nach auch einen

guten Schönheitschirurgen aus. Es reicht

nicht, nur Ahnung von Plastischer und

Ästhetischer Chirurgie zu haben, man

muss ein Talent dafür besitzen, die Dinge

zu vervollständigen und künstlerisch zu

betrachten.

Was verbirgt sich denn eigentlich hinter

dem Begriff Schönheitsoperation?

Der Begriff Schönheitschirurgie ist weit

verbreitet, er ist im Grunde ein Sammelbegriff

für plastische und ästhetische Eingriffe.

Die Plastische Chirurgie befasst

sich mit dem äußeren Erscheinungsbild

des Menschen und stellt sowohl fehlende

normale Formen als auch verloren gegan­

34

GESUNDHEıT 2 | 2019


GESUNDHEıT 2 | 2019 35


Gewissenhaft Schönheitschirurg Hafiez Said legt stets selbst Hand an und großen Wert auf die Zufriedenheit jedes einzelnen Patienten.

KONTAKT

Praxis Dr. Hafiez Said

Waldweg 1

37073 Göttingen

Tel. 0551 494280

plastische-chirurgie@neubethlehem.de

gene Funktionen wieder her. Wir sprechen

von einem rein plastischen Eingriff,

wenn es eine medizinische Indikation gibt,

wie zum Beispiel die Wiederherstellung

der weiblichen Brust nach einer Brustkrebsoperation

oder bei einer Fehlbildung die

Korrektur der abstehenden Ohren oder

auch die Korrektur einer Brust asymmetrie.

Wohingegen die Ästhetische Chirurgie

keine medizinische Notwendigkeit hat.

Dieser rein ästhetische Eingriff wird nur

aufgrund des Wunsches des Patienten

vorgenommen. Ästhetische Eingriffe sind

beispielsweise Fettabsaugungen, Brustund

Lidstraffungen oder Facelifting.

Was sind die Pros und Kontras solcher

Eingriffe?

Ganz einfach gesagt: Attraktive und gu t

aussehende Menschen haben es im Leben

leichter, die Attraktivität beziehungsweise

das gute Aussehen verleiht ihnen Selbstbewusstsein

und spielt für den beruflichen

wie privaten Erfolg eine wichtige

Rolle. Und das ist für mich das Ziel eines

ästhe tischen Eingriffs: Akzeptanz, Selbstbewusstsein

und eine Verbesserung der

Lebensqualität.

Viele Menschen leiden unter ihrem

Aussehen, sie trauen sich nicht, ins

Schwimmbad oder in die Sauna zu gehen,

und stehen unter psychischem

Druck von außen. Manche haben sogar

Hemmungen, sich zu Hause bei ihrem

Partner frei zu geben – und das wirkt

sich extrem negativ auf ihre Lebensqualität

aus. Durch eine Schönheitsoperation

verbessert sich ihr körperliches

Bewusstsein, ihr Selbstwertgefühl steigt,

und dies unterstützt nicht nur die körperliche

Gesundheit, sondern auch das seelische

Wohl befinden.

36

GESUNDHEıT 2 | 2019


» Ich bin ein konservativer Chirurg, der Wert darauf legt,

dass das Erscheinungsbild des Patienten stimmig ist. «

Das klingt gut. Aber gibt es auch

Nachteile?

Natürlich, da wären einmal die Kosten zu

nennen und mögliche Komplikationen,

die natürlich bei jeder Operation auftreten

können. Deshalb ist es ungemein

wichtig, dass jeder Schönheitschirurg seine

Patienten ausführlich berät und mit

ihnen über deren Erwartungen spricht.

Sie haben das Thema Kosten angesprochen:

Was muss man denn für

eine Operation veranschlagen?

Die Kosten einer rein ästhetischen Schönheitsoperation

hängen von Art und Umfang

der geplanten Maßnahmen ab. Wir

rechnen nach Pauschalen ab. Sobald klar

ist, was für ein Eingriff vorgenommen

werden soll, kann ich anhand einer Tabelle

nachschlagen, welche Kosten anfallen.

Bei Fettabsaugungen bewegen sie sich

beispielsweise zwischen 1.500 und 4.000

Euro, eine Brust­OP liegt zwischen 4.500

und 6.500 Euro und eine Nasenkorrektur

zwischen 2.000 und 5.000 Euro.

Das Thema Schönheits­OP war lange

eher ein Tabuthema, niemand hat

gern öffentlich darüber gesprochen.

Was hat sich geändert?

Mittlerweile gehen die Menschen viel offener

mit diesem Thema um als noch vor

20 Jahren. Heute kommen die Patienten

mit der ganzen Familie zu mir in die Praxis

oder bringen ihre Freunde und Freundinnen

mit, um sich über die Möglichkeiten

zu informieren. Eine Schönheitsoperation

wird nicht mehr versteckt, wie es noch

vor einigen Jahren der Fall war.

Mit welchen Vorstellungen kommen

Ihre Patientinnen und Patienten zu

ihnen?

Das ist ganz unterschiedlich. Die meisten

Patienten kommen mit realistischen Einschätzungen

ihrer Wünsche zu uns, die

wir gut umsetzen können. Aber nicht selten

kommen Patienten auch mit überzogenen

Vorstellungen. Sie wünschen sich

beispielsweise übertrieben aufgespritzte

Lippen oder auffällig vergrößerte Brüste.

Das lehne ich ab. Ich bin ein konservativer

Chirurg, der Wert darauf legt, dass

das gesamte Erscheinungsbild des Patienten

stimmig ist. In meinem Implantaten­

Lager finden Sie zum Beispiel auch keine

Brustsilikonimplantate, die schwerer als

500 Gramm sind. Oder auch keine sogenann

ten Extra­High­Profile­Silikonprothe

sen.

Die Patienten, die zu mir kommen, erhalten

eine ausführliche Beratung über

die Möglichkeiten, die ich ihnen anbiete.

Wenn ihre Vorstellung sich mit meiner

deckt, dann operiere ich. Falls wir keinen

gemeinsamen Nenner finden und ich

die Vorstellung der Patienten fachlich

nicht vertreten kann, dann teile ich ihnen

mit, dass ich nicht der richtige Arzt

für sie bin.

Wenn Sie Patienten, wie eben beschrie ­

ben, auch wieder wegschicken, ist

das Verhältnis von Arzt und Patient

anscheinend für Sie sehr wichtig.

Ja, das ist mir wirklich sehr wichtig. Für

mich muss das Verhältnis zwischen Arzt

und Patient stimmen. Tut es das nicht, ist

das auch keine gute Voraussetzung für ein

optimales Ergebnis nach der Operation.

Ich gehe so weit, dass ich meine Patienten

mögen und ich ihnen – so, wie sie mir –

vertrauen können muss.

Und was, wenn ein Eingriff nicht nach

Vorstellung eines Patienten verläuft?

Ich lege großen Wert darauf, dass meine

Patienten zufrieden sind. Unzufriedenheit

ist bei uns Ausnahme. Ist aber ein

Patient allgemein nach einer Schönheitsoperation

nicht zufrieden, dann

muss sich der Arzt Zeit nehmen und genau

zuhören, was den Patienten stört.

Wenn der Arzt der Meinung ist, dass der

Betroffene mit seiner Kritik fachlich

richtig liegt, muss er das akzeptieren

und eventuell eine Korrektur durchführen.

Ist der Arzt aber der Meinung, dass

die Kritik überzogen ist, muss er auch

hier Zeit investieren und versuchen, mit

dem Patienten zu reden und ihn mit

Geduld und Diplomatie davon zu überzeugen,

dass eine Korrektur nicht sinnvoll

ist.

Wenn man sich für eine Schönheitsoperation

entschieden hat, wie finde

ich einen guten Arzt?

Informieren Sie sich, bei Freunden, Bekannten

und im Internet. Suchen Sie nach

guten Spezialisten in hoch spezialisierten

Kliniken. Als Erstes sollte der Arzt eine

professionelle fachliche Beratung anbieten,

bei der er realistisch die bestehenden

Möglichkeiten benennt und Vorher­/

Nachher­Ergebnisse zeigt.

Vielen Dank für das Gespräch!

GESUNDHEıT 2 | 2019 37


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Weniger Pfunde,

mehr Lebensqualität

Fettleibige Menschen begegnen in unserer Gesellschaft häufig Vorurteilen.

Die Ernährungs- und Stoffwechselkrankheit Adipositas ist aber potenziell tödlich.

Einzige Heilungschance ist eine Operation.

Im Evangelischen Krankenhaus Göttingen-Weende verhilft die Adipositaschirurgie übergewich tigen

Patienten durch einen minimalinvasiven Eingriff zu mehr Gesundheit. Und die Abteilung für

Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie entfernt erschlaffte Haut.

Dr. Bernhard Schupfner,

Leiter der Adipositas-Chirurgie am

Ev. Krankenhaus Göttingen-Weende

Andreas K. nahm nach der OP innerhalb

von zwei Jahren 69 Kilo ab.

Zwei Stunden dauerte die Operation,

die aus ihm einen anderen Menschen

gemacht hat. Dr. Bernhard Schupfner, Leiter

der Adipositas­Chirurgie im EKW, legte

dem hochgradig fettleibigen 47­Jährigen

bei dem minimalinvasiven Eingriff einen

sogenannten Magenbypass an.

„Gleich in den ersten zwei Wochen nach

dem Eingriff verlor ich 20 Kilogramm“, sagt

Andreas K. Danach verlief die Gewichtsabnahme

etwas langsamer. Heute – nach

zwei Jahren – wiegt er 81 Kilogramm, 69

weniger als vor der Behandlung.

Weniger körperliche Beschwerden

Für den 1,80 Meter großen Südniedersachsen

war die OP ein großer Erfolg. Die

körperlichen Beschwerden, die ihn vorher

geplagt hatten, sind weitgehend verschwunden.

„Früher machte ich selbst im

schönsten Anzug keine gute Figur mehr“,

erzählt er. Um Sticheleien und abschätzigen

Blicken zu entgehen, hielt er sich meist

im Hintergrund. „Mein Leben wurde mit

zunehmendem Körpergewicht immer beschwerlicher“,

erinnert sich der Mann. Er

hatte nachts Atemaussetzer, musste eine

Atemmaske tragen. Auch bei körperlicher

Anstrengung geriet der gelernte Tischler

schnell außer Atem. „Kein Wunder“, meint

Andreas K., „ich trug ja einen 69 Kilogramm

schweren Rucksack mit mir herum.“

Das Körpergewicht beanspruchte auch

die Gelenke stark. Der Blutdruck stieg, das

Risiko eines Herzinfarkts und Schlag anfalls

nahm zu. Diabetes drohte. „Wenn Sie jetzt

nichts ändern, sind Sie bald tot, sagte mein

Hausarzt“, so K. Durch die extreme Gewichtszunahme

gab er seine Hobbys auf

und blieb fast nur noch zu Hause. Depressive

Verstimmungen wurden zum Begleiter.

„Das Einzige, was mir noch blieb, war das

Essen“, erzählt er. Ein Teufelskreis.

Ein halbes Jahr bereitete sich der 47­Jährige

auf den Eingriff vor. Zweimal in der Woche

trieb er jeweils für eine Stunde Reha sport,

machte Sitzballgymnastik, Dehn­ und Balanceübungen.

Monatlich ging er zur Ernährungsberatung.

Während der Vorbereitungszeit

verlor er die ersten acht Kilo.

„Kurz nachdem ich aus der Vollnarkose

erwacht war, machte ich schon die ersten

Schritte ums Bett herum“, erinnert sich

Andreas K. Schmerzen hatte er kaum.

Nachbetreuung ist sehr wichtig

Bereits nach fünf Tagen wurde er aus dem

Weender Krankenhaus entlassen. „Ganz

wichtig ist die Nachbetreuung“, betont

Dr. Schupfner. In den ersten beiden Jah­


PROFIL

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FOTO: EKW

Dr. Bernhard Schupfner erklärt einem Patienten die Schritte einer Adipositas-Operation.

ren sieht er seine Patienten alle drei bis

sechs Monate zur Nachsorge. Auch sein

Essverhalten hat sich geändert. „Nach der

Operation ist man schon nach wenigen

Bissen satt“, erklärt er. Damit es nicht zu

Mangelerscheinungen kommt, nimmt er

zusätzlich zu eiweißreicher Kost wie Fisch,

Fleisch oder fettarmem Käse, Kautabletten

mit Vitaminen sowie Mikronährstoffe und

Eiweißpulver zu sich. Dazu gibt es viel Gemüse.

Auf Kohlenhydrate verzichtet er weitgehend.

Um in Form zu bleiben, geht er weiterhin

zum Rehasport. Er ist froh, dass die starke

Gewichtsabnahme bei ihm nicht zu unangenehmen

Folgen geführt hat. „Es kann nach

der Operation passieren, dass die erschlaffte

Haut bzw. das Weichteil gewebe am

Körper wie eine Schürze herunterhängt“,

erklärt Dr. Lea Zachau, Fachärztin für Plastische

und Ästhetische Chirurgie im Evangelischen

Krankenhaus Göttingen­ Weende.

„Die erschlaffte Haut lässt sich operativ sehr

gut von uns entfernen.“ Die Krankenkassen

übernehmen häufig auf Antrag die Kosten.

„Bei mir war ein solcher Eingriff zum Glück

nicht erforderlich“, sagt Andreas K., der für

sein neues aktives Leben dankbar ist.

Voraussetzungen für eine Magenbypass-OP

Die Operation kann nur bei Patienten

durchgeführt werden, bei denen die

Adipositas nicht durch eine noch unbehandelte

psychische Erkrankung – etwa

eine Depres sion oder eine Essstörung –

bedingt ist. Ein Psychiater klärt das ab.

Krankenkassen übernehmen den Eingriff

ab einem Body­Mass­Index (BMI) von 30

(kg/m 2 ), wenn es eine Begleiterkrankung,

etwa einen insulinpflichtigen Diabetes,

gibt. Im EKW sind die meisten der bisher

in dieser hier noch jungen Disziplin operierten

Patienten jünger als 60 Jahre, etwa

die Hälfte sogar jünger als 30 Jahre gewesen.

Der durchschnittliche BMI lag um die

50 (kg/m 2 ).

KONTAKT

Ev. Krankenhaus Göttingen-Weende

Allgemein­, Viszeral­, Thorax­ und

Minimalinvasive Chirurgie,

Sektion für Adipositas und Metabolische

Chirurgie

Dr. Bernhard Schupfner

An der Lutter 24

37075 Göttingen

Tel. 0551 5034 1101

ach-amb@ekweende.de

www.ekweende.de


Macht Frauen Mut

Die Amputation der Brust nach einer Brustkrebserkrankung ist physisch und psychisch

belastend. Viele Frauen fühlen sich in ihrer weiblichen Identität verletzt. Ein Wiederaufbau der

Brust kann helfen. Doch die meisten wissen gar nicht, was alles möglich ist – eine Tatsache,

die Claudia Choi-Jacobshagen, Chefärztin der Abteilung für Plastische, Ästhetische und

Rekonstruktive Chirurgie am Evangelischen Krankenhaus Weende, ändern möchte.

TEXT CAROLIN SCHÄUFELE

FOTOS ALCIRO THEODORO DA SILVA

40

GESUNDHEıT 2 | 2019


GESUNDHEıT 2 | 2019 41


» Es ist mir persönlich ein sehr wichtiges Anliegen:

Die Frauen sollten mehr Mut haben, sich zu informieren,

und mehr nachfragen, was möglich ist. «

Dr. med. Claudia Y. Choi-Jacobshagen

Chefärztin

Klinik für Plastische, Ästhetische

und Rekonstruktive Chirurgie /

Operatives Brustzentrum

Evangelisches Krankenhaus

Göttingen-Weende

An der Lutter 24

37075 Göttingen

Tel. 0551 50341302

www.ekweende.de

Viele Frauen wissen gar nicht,

dass die Rekonstruktion der

Brust nach einer Krebsoperation

mit zum Behandlungsplan

gehört“, erklärt Claudia

Choi­Jacobs hagen und sieht darin einen

persönlichen Auftrag, der über ihre Arbeit

hinausgeht. Die Chefärztin leitet seit sechs

Jahren die Abteilung für Plastische, Ästhetische

und Rekonstruktive Chirurgie am

Evangelischen Krankenhaus Weende (EKW),

die einen Arbeitsschwerpunkt in der Rekonstruktion

nach einer Tumoroperation

bei Brustkrebs hat. Viele Frauen würden

sich nach einer Amputation einer oder

beider Brüste eine Wiederherstellung

zwar wünschen, „die meisten wissen jedoch

gar nicht, was alles möglich ist“, so

die Expertin. „Es gibt einfach noch zu

wenig Aufklärungsarbeit.“ Dabei werden

die Kosten dafür sogar von den Krankenkassen

übernommen.

KONTAKT

SILIKON UND EIGENGEWEBE: Das sind

die beiden Materialien, mit denen eine

neue Brust aufgebaut wird. „Silikonkissen

dürften den meisten bekannt sein.

Das Fremdmaterial verursacht im späteren

Verlauf allerdings häufig Probleme“,

erläutert Choi­Jacobs hagen. „Wesentlich

schöner für eine Brustrekonstruktion ist

natürlich Eigengewebe.“ Die Ergebnisse

nach der OP sind meist ästhetisch besser

und die wiederhergestellte Brust fühlt sich

genauso weich und natürlich an wie eine

echte. Die Chefärztin betont vor allem die

Vorteile dieser Variante bei einer einseiti­

gen Amputation, denn mit der Verwendung

von Eigengewebe sei es wesentlich

einfacher, ein symmetrisches Ergebnis zu

erzielen.

FÜR DEN WIEDERAUFBAU mit Eigengewebe

gibt es prinzipiell zwei Methoden:

Für die erste werden Fettzellen abgesaugt,

aufbereitet und in den Brustbereich

gespritzt. Bei Tumorpatientinnen sei man

mit dieser in anderen Bereichen gut etablierten

Methode allerdings noch zurückhaltend,

so Choi­Jacobs hagen, da es noch

nicht ausreichend Langzeitstudien bei

diesem Patientenkollektiv gebe.

Die zweite Methode sieht vor, Fettgewebe

– also keine Fettzellen, sondern

das komplette Gewebe – an Bauch oder

Ober schenkel zu entnehmen und zu verpflanzen.

Dazu werden die das Gewebe

ver sorgenden Venen und Arterien mit freigelegt,

die dann durch mikrochirurgische

Gefäßnähte mit den entsprechenden Blutgefäßen

im Brustbereich verbunden werden.

Die Brust wird dann geformt, und da

das Gewebe durchblutet ist, ergibt sich ein

sehr natürliches Ergebnis. „Das Ganze hat

zudem auch den positiven Effekt, dass man

überschüssiges Fettgewebe an unlieb samen

Stellen loswird“, sagt Choi­Jacobs hagen.

Das Verfahren der Eigengewebsverpflanzung

sei internationaler Goldstandard

in der Eigengewebsrekonstruktion.

Was bleibt, sei eine versteckte Narbe in

der Bikinizone oder am Bein.

„Wir arbeiten mit minimalinvasiven

und mikrochirurgischen Techniken, die

42

GESUNDHEıT 2 | 2019


Im Einsatz Chefärztin Claudia Choi-Jacobs hagen liegt es persönlich am Herzen, ihren Patientinnen ein gutes Körpergefühl zu geben.

gerade im Bereich der Transplantation ihren

Einsatz finden“, erläutert die Ärztin.

Die Transplantation von Eigengewebe sei

ein hochkomplexer Eingriff, im EKW jedoch

eine Standard­OP, die einmal pro

Woche durchgeführt werde. Das mache

auch die Expertise ihrer Arbeit aus. „Natürlich

gibt es wie bei jedem operativen

Eingriff Risiken. Es könnte beispielsweise

zu einer Thrombose kommen. Deshalb

gibt es bei uns eine engmaschige Kontrolle.“

Einmal pro Stunde werde in der kritischen

Phase nach den Patientinnen geschaut

und das Operationsergebnis überprüft,

sodass man bei eventuellen Komplikationen

sofort reagieren könnte.

NICHT ALLE FRAUEN entscheiden sich

nach einer Brustkrebsoperation für einen

Wiederaufbau der abgenommenen Brust,

erklärt Choi­Jacobshagen, da gebe es verschiedenste

Gründe, einen solchen Eingriff

nicht vornehmen zu lassen. „Wichtig

ist mir, dass die Menschen gut informiert

sind. Ich kläre alle meine Patientinnen

über die verschiedenen Möglichkeiten auf

und bespreche dann ganz individuell mit

ihnen, was meiner Meinung nach am

sinnvollsten erscheint. Dann entscheiden

die Frauen, was sie machen möchten.“

MIT ALLEN INFORMATIONEN ÜBER die

Möglichkeiten der Rekonstruktion einer

Brust würden sich doch viele Frauen für

einen Wiederaufbau entscheiden: „Sie

fühlen sich nicht vollständig, denn die

Brust ist für Frauen ein wichtiges Körperteil.“

Durch das Fehlen einer oder

beider Brüste würde die Integrität, das

Wohlbefinden im eigenen Körper, häufig

gestört. Viele der Frauen könnten auch

durch den Wiederaufbau ihrer Brust mit

dem Thema der Erkrankung besser abschließen.

„Sie werden nicht jeden Morgen

vor dem Spiegel durch das gestörte

Körperbild an die Brustkrebserkrankung

erinnert.“ Die meisten Frauen wählen

die Eigengewebsrekonstruktion, manche

würden sich für eine Interimslösung mit

Prothesen entscheiden, die dann nach

einiger Zeit durch Eigengewebe ausgetauscht

werden würden.

Choi­Jacobshagen geht bei der Rekonstruktion

der Brust ganz konkret auf die

Wünsche der Frauen ein. Es gebe Frauen,

die sich eher eine größere oder eine kleinere

Brust wünschen. Bei einer einseitigen

Erkrankung werde dann auch die Anpassung

der zweiten Brust an die ,neue‘ Brust

durchgeführt. „Es ist mir persönlich ein

sehr wichtiges Anliegen: Die Frauen sollten

mehr Mut haben, sich zu informieren,

und mehr nachfragen, was möglich ist.“ ƒ

GESUNDHEıT 2 | 201943


Wer hätte das gedacht...?

Mit über 77.500 durchgeführten

Behandlungen und Operationen – Tendenz steigend –

hält sich Deutschland seit Jahren unter den

Top Ten des weltweiten Rankings der

meisten Schönheits-OPs.

Wenn, dann richtig !

Männer bevorzugen operative

Eingriffe – 2019 ganz oben auf der

Liste: Fettabsaugung.

Frauen entscheiden sich

sechsmal so häufig für

einen ästhetischen

Eingriff als Männer.

Neben der Fettabsaugung am

Knöchel, den Wadenimplantaten

und Zehenverkürzungen sind vor

allem die Nabelkorrektur und die

Grübchenerstellung weitere weniger

bekannte Schönheitsoperationen.

Immer mehr Frauen kommen mit

bildbearbeiteten Selfies in die Praxis – als

Vorbild für ihre geplante Schönheits-OP.

FOTO: STOCK.ADOBE.COM

44

GESUNDHEıT 2 | 2019


Durchschnittsalter von Patienten in der

Ästhetisch-Plastischen Chirurgie: 43,1 Jahre

Nicht etwa in den USA legen sich

die meisten im Pro-Kopf-Vergleich

für die Schönheit unters Messer, die

Schweiz ist mit 215,6 Operationen

Jeder Arzt kann sich heute

Schönheitschirurg nennen.

Der Begriff ist nicht geschützt,

ebenso wenig wie Journalist,

Reiseleiter oder Volkswirt.

pro 100.000 Personen führend.

Nummer Eins

der am häufigsten nach gefragten

Behandlungen 2019 bei Frauen:

die nicht invasive

Faltenbehandlung.

Und dies mit weitem Vorsprung vor den

operativen Eingriffen auf Platz 2 und 3:

der Brustvergrößerung und der

Fettabsaugung.

Doppelt so viele

Männer wie Frauen erzählen

niemanden von ihrem Eingriff,

während Frauen häufig mit

Freunden und Familie über die

Schönheitsoperation sprechen.

Laut aktueller Daten der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-

Plastische Chirurgie gaben 2,3 Prozent aller befragten Patientinnen,

die sich einer ästhetisch-plastischen Behandlung unterzogen hatten, an,

sie seien durch soziale Medien zu einer Schönheitsoperation motiviert

worden. Jede Zehnte konsultierte bei der Suche nach Informationen zur

Plastischen Chirurgie Instagram, Facebook oder andere

soziale Plattformen.

15,9 Prozent aller Patienten sehen sich durch

ihre persönliche Umgebung zu einer ästhetischplastischen

Behandlung motiviert.

QUELLE: DGÄPC-STATISTIK 2018–2019

GESUNDHEıT 2 | 2019 45


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Klinikum Werra-Meißner GmbH

Eine hohe Qualität ist der Grundstein unseres täglichen Handelns

Krankenhäuser in ländlichen Bereichen

sehen sich heutzutage großen

Herausforderungen gegenüber. Ein

besonderer Aspekt ist die Anwerbung von

Fachkräften, vor allem von Ärzten. Außerdem

müssen diese Kliniken sehr breit aufgestellt

sein, um auf alle möglichen und

potenziellen Erkrankungen der Bevölkerung

reagieren zu können. Das Klinikum Werra-

Meißner GmbH mit den Standorten Eschwege

und Witzenhausen ist das, wie die

Geschäftsführerin Dr. Claudia Fremder im

Interview erklärt.

Frau Dr. Fremder, mit welchem Ziel tritt

die Gesundheitsholding an?

Wir bieten ein umfangreiches und differenziertes

medizinisches Leistungsspektrum

entsprechend den Bedürfnissen der Bevölkerung

im Werra-Meißner-Kreis. Dabei

orientieren wir uns stets an den Leitlinien

und gesetzlichen Richtlinien für Medizin

und Pflege. Unser Anliegen ist es, auch in

Kooperation mit niedergelassenen Ärzten,

eine sektorenübergreifende Versorgung für

alle Patienten anzubieten.

Was zeichnet das Krankenhaus aus?

Das Klinikum Werra-Meißner stellt mit

seinen Krankenhäusern in Witzenhausen

und Eschwege die medizinische Grundund

Regelversorgung in der Region Werra-

Meißner und darüber hinaus sicher. Als

kommunales Krankenhaus mit mehr als

500 Betten beschäftigen wir an beiden

Klinikstandorten über 1.000 Mitarbeitende

und versorgen rund 19.000 stationäre

und 36.000 ambulante Patienten pro Jahr.

Das Klinikum Werra-Meißner ist Akademisches

Lehrkrankenhaus der Georg- August-

Universität Göttingen. Wir sind ein mittelgroßes

Krankenhaus mit einem breiten

Leistungsspektrum und können dabei

eine familiäre und persönliche Versorgung

anbieten.

Ein wichtiges Thema für Patienten ist die

Notfallversorgung: Welches Spektrum

deckt Ihr Krankenhaus ab?

Bezogen auf die gestufte Notfallversorgung

decken wir in Witzenhausen die Basisnotfallversorgung

ab, in Eschwege können wir

ab 2020 die erweiterte Notfallversorgung

anbieten, da wir hierfür alle Voraussetzungen

erfüllen.

Konkret bedeutet das, dass wir in Witzenhausen

internistische und chirurgische

Notfälle behandeln und auch eine Intensivstation

vorhalten. In Eschwege behandeln

wir ebenfalls internistische und chirurgische

Notfälle, aber zusätzlich auch neurologische

und gynäkologische Notfälle. In

Eschwege haben wir 24/7 – also rund um

die Uhr – ein Herz katheterlabor für akute

Herzinfarkte und ab 2020 auch eine Intensivstation

mit zehn Beatmungsbetten.

Gibt es neben dem regulären Krankenhausbetrieb

auch weitere gesundheitliche

Angebote für Patienten?

Wir arbeiten mit Partnern im Gesundheitswesen

zusammen, um unseren Patienten

an unseren Standorten eine Vielzahl medizinischer

Leistungen anbieten zu können.

Einige unserer Kooperationspartner sind in

den Behandlungsprozess direkt eingebunden,

wie zum Beispiel die PHV Dialysepartner

oder die freiberuflichen, selbstständig

tätigen Hebammen.


PROFIL

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FOTO: KLINIKUM WERRA-MEISSNER

Das Klinikum Werra-Meißner an der Elsa-Brandström-Straße in Eschwege

In Witzenhausen betreiben wir eine

stationäre Palliativmedizin in Kooperation

mit niedergelassenen Ärzten. Und

wir bieten über unsere PRN ergo- und

physiotherapeu tische Leistungen für jedermann

an. Außer dem gehört ein medizinisches

Versorgungszentrum dazu.

Sie kooperieren mit der Universitätsmedizin

Göttingen. Warum und wie sieht

diese Kooperation aus?

Als Lehrkrankenhaus in Kooperation mit

der Universitätsmedizin Göttingen bieten

wir das Praktische Jahr für Medizinstudenten

an. Wir beteiligen uns mit Engagement

an der Ausbildung des ärztlichen Nachwuchses

und fördern den Wissens- und

Erfahrungstransfer zwischen Forschung,

Lehre und Patientenorientierung.

Wir sind auch in der medizinischen Leistungserbringung

mit der Universitätsmedizin

Göttingen verknüpft.

Im Herbst 2018 haben Sie ein neues

Zentrum für Herz- und Gefäßmedizin

eröffnet. Wie sind die Erfahrungen?

Patienten, die Gefäßerkrankungen haben,

haben diese meist in mehreren Regionen

ihres Körpers, sodass sie von verschiedenen

medizinischen Fachabteilungen behandelt

werden müssen. Um hier die Wege

für die Behandlung zu verkürzen und die

Abläufe zu vereinfachen (auch für niedergelassene

Ärzte), arbeiten bei uns die erforderlichen

Abteilungen eng zusammen.

Fachkräftemangel ist vor allem im

Gesundheitswesen ein Thema. Wie ist die

personelle Situation?

Wir schätzen uns glücklich, dass wir in

der Pflege ausreichend Bewerbungen vorliegen

haben und wir alle Vakanzen besetzen

können. Dennoch freuen wir uns über

zusätz liche Bewerbungen in der Pflege. Wir

würden uns auch freuen, wenn wir weitere

Ärzte anstellen könnten, die sich von der

Arbeitsatmosphäre in unserem Klinikum

und von der Lebensqualität im Werra-Meißner

Kreis überzeugen lassen.

Vielen Dank für das Gespräch!

INTERVIEW: CAROLIN SCHÄUFELE

KONTAKT

Klinikum Werra-Meißner GmbH

Elsa-Brändström-Str. 1

37269 Eschwege

Tel. 05651 82-0

www.klinikum-werra-meissner.de


UMG SPEZIAL

Universitätsmedizin Göttingen

48

SPEZIAL


Eine bewegte Zeit. Bis zum Jahr 2037 soll die Universitätsmedizin

Göttingen eine vollständige Verwandlung erleben: Sämtliche alten

Gebäude verschwinden und werden durch Neubauten ersetzt.

Und die Führungsspitze, die diese enormen Vorhaben vorantreiben

soll, ist seit jüngster Zeit auch noch neu besetzt. Grund genug,

einmal den Status Quo ins rechte Licht zu setzen.

FOTO ALCIRO THEODORO DA SILVA

SPEZIAL 49


UMG Universitätsmedizin Göttingen

„National sehe ich uns

unter den Top 10“

Im August 2019 hat Wolfgang Brück die Nachfolge von Heyo K. Kroemer als Sprecher des

Vorstandes der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) angetreten. Im Interview spricht er über

die großen Fußstapfen seines Vorgängers, seine persönlichen Ziele für die zukünftige

Personalpolitik und die wissenschaftliche Profilierung der UMG.

INTERVIEW SVEN GRÜNEWALD FOTOGRAFIE ALCIRO THEODORO DA SILVA

Herr Brück, mal Hand aufs Herz: Wie groß

sind die Fußstapfen, die Heyo K. Kroemer als

Ihr Vorgänger hinterlassen hat?

Er hat die UMG extrem geprägt. Bevor

Herr Kroemer nach Göttingen kam, waren

wir ein wenig von der Landkarte der

deutschen Universitätsmedizin verschwunden,

und es ist sein Verdienst, die UMG

wieder sichtbar gemacht zu haben, und

zwar prominent – durch seine Art der

Kommunikation, etwa als Präsident des

deutschen Medizinischen Fakultätentages,

aber auch durch die Besetzung bestimmter

wissenschaftlicher Felder. Das gerade entstehende

Heart-and-Brain-Gebäude geht

auf seine Initiative zurück, weil er den Bereich

der Organ-Organ-Interaktionen für

zukunftsfähig erachtet hat. Diesen Weg

will ich weitergehen. Im Moment hat

Göttingen drei Forschungsschwerpunkte:

Neurowissenschaft, Herz-Kreislauf-Medizin

und Onkologie. Von den anderen 35

deutschen Unikliniken haben 30 ebensolche

Schwerpunkte. Mein Ziel ist, dass wir

Gemeinsamkeiten in den drei Schwerpunkten

suchen und daraus neue Alleinstellungsmerkmale

für uns entwickeln.

Die Universitätsmedizin hat immer viel Wert

auf ihre Eigenständigkeit gelegt. Nun haben

wir gerade zufällig die Situation, dass sowohl

UMG-Vorstand als auch Uni-Präsidium

neu besetzt werden – wie wollen Sie das

Verhältnis zur Unileitung ausgestalten?

Wir hatten in den letzten Jahren eine sehr

gute Kooperation mit der Universität, die

wir unbedingt fortsetzen müssen. Wir erstellen

derzeit eine Strategie 2025. Wenn

die Universität wieder in beruhigtem Fahrwasser

ist und einen neuen Präsidenten

oder eine neue Präsidentin gewählt hat,

müssen wir uns gemeinsam so hervorragend

aufstellen, dass wir 2026 eine Chance in

einer möglichen neuen Exzellenzinitiative

des Bundes haben. Wir müssen dafür aber

auch sehr eng mit den Max-Planck-Instituten

und dem Deutschen Primatenzentrum

hier am Göttingen Campus

zusammen arbeiten. Gleichzeitig sind wir

auf die Eigenständigkeit der UMG auch

stolz und kommunizieren sie so nach außen.

Dass wir finanziell autonom sind und

selbst berufen können, macht die UMG

für Externe attraktiv.

Können Sie schon etwas zu den Eckpunkten

der Strategie 2025 sagen?

Die strategischen Überlegungen werden

nicht nur die Entwicklung neuer wissenschaftlicher

Schwerpunkte betreffen, sondern

auch die Krankenversorgung, die

Internationalisierung, das Personal und

den Nachwuchs, also insgesamt sehr umfassend

sein. Im Bereich Wissenstransfer

und Ausgründungen haben wir noch

Nachholbedarf, da wollen wir uns deutlich

weiterentwickeln.

Personal ist ein gutes Stichwort. Die

Universitätsmedizin hat im Laufe der Zeit

verschiedene Tätigkeitsbereiche in Tochtergesellschaften

ausgelagert. Dadurch gibt es

50

SPEZIAL


UMG Universitätsmedizin Göttingen

etwa in der UMG Gastronomie das Problem

einer Parallelgesellschaft aus alten und

neuen Tarifverträgen und, so der Vorwurf,

ungleicher Bezahlung für die gleiche Tätigkeit.

Es gibt andere Kliniken, die solche

Teilbereiche nicht ausgegliedert haben.

Wie soll es mit den Tochtergesellschaften

weitergehen?

Auf der einen Seite unterliegt die UMG

einem starken wirtschaftlichen Druck.

Letztes Jahr haben wir Minuszahlen geschrieben

– dieses Jahr wird es wahrscheinlich

besser aussehen, aber wir werden

trotzdem nicht auf eine „schwarze

Null“ kommen. Wir müssen uns daher

wirtschaftlich konsolidieren, um auch gegenüber

der Landesregierung in Hannover

das Vertrauen beizubehalten. Auf der

anderen Seite hat es gerade bei der UMG

Gastronomie durch den neuen Haustarif

eine deutliche Angleichung gegeben, etwas

Ähnliches erwarten wir dieses Jahr

für die Klinikservice GmbH. Langfristig

müssen wir uns grundsätzlich überlegen,

wie wir damit umgehen. Es gibt allgemein

die Tendenz, solche Tochtergesellschaften

wieder einzugliedern. Das passiert derzeit

etwa an der Charité. Ich habe in der Findungskommission

betont, dass es für gleiche

Arbeit auch gleiches Geld geben muss.

In den kommenden Jahren werden wir

dazu Pläne präsentieren.

Wie steht die UMG im Vergleich zu anderen

Unikliniken da?

Es gibt zwei Vorteile, die die UMG hat.

Einer ist unser Personal. Wir haben zum

Beispiel inzwischen sehr viele Leitungspositionen

in Kliniken und Instituten neu

besetzt, und wenn die letzten Neuberufungen

abgeschlossen sind, haben wir

in den nächsten fünf Jahren keine Wechsel.

Zudem gibt es innerhalb der Medizinischen

Fakultät eine gute Kooperation

ohne irgendwelche Grabenkämpfe. Der

zweite Vorteil ist, dass wir ein komplett

neues Klinikum bauen können. Das ist

enorm wichtig für uns und unsere Zu-

Zur Person

Wolfgang Brück hat in Mainz Medizin

studiert und anschließend in Göttingen

seine Facharztweiterbildung zum Neuropathologen

gemacht. Nach einem Aufenthalt

in Wien wurde er als Professor an

die Charité­Universitätsmedizin nach

Berlin gerufen, wo er von 1997 bis 2002

tätig war. 2002 übernahm er die Leitung

des Instituts für Neuropathologie an der

Univer sitätsmedizin Göttingen (UMG),

an der er den Forschungsschwerpunkt

Multiple Sklerose etablierte.

In seiner Göttinger Zeit war Brück schon

öfter in Leitungsfunktionen der UMG tätig

– sei es in Ämtern an der Fakultät, als

Vertreter des Vorstandes Krankenversorgung,

als kommissarischer Vorstand

Forschung und Lehre oder dann als Vertreter

von Heyo K. Kroemer. Seit August

2019 ist er der neue Sprecher des Vorstandes

der UMG, Vorstand Forschung

und Lehre und Dekan der Medizinischen

Fakultät.

SPEZIAL 51


UMG Universitätsmedizin Göttingen

» Mit dem Gesundheitscampus Göttingen

haben wir zumindest für Südniedersachsen eine

kunftsfähigkeit. Damit sind wir nach wie

vor sehr attraktiv, wie wir in den Berufungen

sehen, und das, obwohl wir in Göttingen

keine Exzellenzuniversität geworden

sind.

National sehe ich uns unter den Top 10

der Universitätsmedizinen, bei den Drittmitteleinwerbungen

sind wir noch weiter

vorne, und mit dem gewonnenen Exzellenzcluster

werden wir national und auch

international als führender Standort in

den Neuro- und Herz-Kreislauf-Wissenschaften

sowie der hochauflösenden Mikroskopie

wahrgenommen. Dies wird durch

den neuen Schwerpunkt der Interaktion

zwischen Herz und Hirn unterstützt.

In Ihren Tätigkeitsbereich im Vorstand fällt

auch die Zuständigkeit für die Lehre. Lassen

Sie uns da über drei Aspekte sprechen.

Zunächst das Thema Digitalisierung. Im

Masterplan Medizinstudium 2020 taucht der

Begriff gar nicht auf, und die Universitätsmedizin

Mainz ist bislang die einzige, die ein

Wahlbereichscurriculum für digitale Medizin

hat. Wie wollen Sie das Thema besetzen?

Digitalisierung vollzieht sich in verschiedenen

Bereichen: In der Krankenversorgung

rollen wir seit diesem Jahr ein

neues Krankenhausinformationssystem

mit einer komplett digitalisierten Patientenakte

aus, das bis Ende 2020 in allen

unseren Kliniken Einzug hält. Dann haben

wir intern ein papierloses Krankenhaus.

Die Digitalisierung des Studiums

steckt leider noch in den Kinderschuhen.

An der Eidgenössischen Technischen

Vorreiterrolle in diese Richtung.

Es wird zukünftig immer wichtiger werden, seinen

eigenen Nachwuchs auszubilden. «

Hochschule in Zürich gibt es jetzt einen

ganz neuen Studiengang „Digitale Medizin“,

der parallel zum normalen Medizinstudium

läuft. Da sind wir im Vergleich

noch sehr konventionell. Wir haben

jetzt eine Medizininformatikerin gewinnen

können, deren Schwerpunkt die

Digitalisierung und auch der Umgang

mit riesigen Datenmengen ist, die in der

Patientenversorgung anfallen. Wir sind

also am Thema dran.

Und wie sieht es mit genderspezifischer

Medizin aus? Hier ist die Charité mit einem

eigenen Institut ein Vorreiter, in der breiten

Masse der Universitätsmedizinen spielt das

Thema aber oft kaum eine Rolle.

Ich sehe auch da noch einen großen

Bedarf in der Sensibilisierung der Studierenden.

Frauen bekommen beispielsweise

fünfmal häufiger Multiple Sklerose als

Männer, und man weiß nicht, wieso. So

etwas kommt im Studium zu kurz, weil

wir ein sehr straffes Curriculum haben,

das sich auf Kerndisziplinen beschränkt.

Das ist ausbaufähig, und zwar sowohl im

Studium als auch in der praktischen

Medizinerausbildung.

Der dritte Aspekt betrifft den Gesundheitscampus,

der gemeinsam mit der Hochschule

HAWK aufgebaut wurde. Damals war das

eine bundesweit einzigartige Kooperation

einer Uniklinik mit einer Fachhochschule.

Wie soll der Campus weiterentwickelt werden?

Nach einer gewissen Anlaufzeit stellen

wir fest, dass die Studiengänge heute ausgebucht

sind. An der Nachfrage erkennt

man den erheblichen Bedarf, und ich

glaube, dass die Gesundheitswirtschaft in

Niedersachsen das Potenzial hat, neben

den Themen Mobilität, Landwirtschaft

und Tourismus zu einer der Schwerpunktbranchen

zu werden. Mit dem Gesundheitscampus

Göttingen haben wir zumindest

für Südniedersachsen eine Vorreiterrolle

in diese Richtung. Es wird zukünftig

immer wichtiger werden, seinen eigenen

Nachwuchs auszubilden. Niedersachsen

und besonders diese Region brauchen

diese Höherqualifizierten im Gesundheitsbereich,

weil sie in die Peripherie

hinausgehen und viele Versorgungsleistungen

übernehmen müssen, die früher

von Familien geleistet wurden. Dafür hat

der Gesundheitscampus Göttingen eine

ganz zentrale Bedeutung.

Perspektivisch wird als Nächstes der

Heb ammenstudiengang dazukommen,

doch bislang sind das meist nur

Bachelorstu diengänge. Hier müssen wir

weiter akademisieren und auch Masterstudiengänge

sowie Promotionen anbieten

und die Arbeitsumgebung attraktiver

für Professuren machen. Das heißt, dass

Professoren an der HAWK zudem eine

Zugehörigkeit zur UMG haben – und

umgekehrt, also dass beide Einrichtungen

gemeinsam Berufungen durchführen

können. Hier können wir noch viel mehr

gemeinsam tun. Dasselbe gilt für die Kooperation

mit lokalen Unternehmen.

Herr Brück, vielen Dank für das Gespräch!

Übrigens

Mehr zum Menschen Wolfgang Brück

gibt es in der aktuellen faktor-Winter ­

aus gabe zu lesen oder online unter:

www.faktor-magazin.de/derroutinier

52

SPEZIAL


UMG Universitätsmedizin Göttingen

UMG in Zahlen (Stand:

2018)

7.880 Mitarbeiterinnen und

Mitarbeiter, davon 1.000 Ärztinnen und

Ärzte sowie 2.000 Pflegekräfte

727,9 Mio. €

Betriebserträge

größter Arbeitgeber und größte

Ausbildungsstätte der Region

3.700 Studierende und

Absolvierende in Humanmedizin,

Zahnmedizin, Molekularer Medizin,

Cardiovascular Science

54

SPEZIAL


UMG Universitätsmedizin Göttingen

63,7 Mio. €

verausgabte Drittmittel

118 Professorinnen

und Professoren

650 Schülerinnen, Schüler

und Auszubildende

8 Schulen für Fachberufe

im Gesundheitswesen

LEISTUNGSZAHLEN DER UMG

• 1.440 aufgestellte Betten

• rund 30 Kliniken und klinische Abteilungen

• 65.440 stationäre und teilstationäre Patienten

• 223.600 ambulante Fälle

141,6 Mio. €

Zuschuss des Bundeslandes

Niedersachsen für Forschung

und Lehre

SPEZIAL 55


UMG Universitätsmedizin Göttingen

Voll ins Schwarze getroffen

Das Leuchtturmprojekt Gesundheitscampus Göttingen – eine Kooperation der

HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst und der Universitätsmedizin

Göttingen – ist erwachsen geworden. Die starke Nachfrage nach den Studienplätzen zeigt,

dass das Projekt den Fachkräftebedarf im Gesundheitsbereich voll getroffen hat.

TEXT SVEN GRÜNEWALD FOTOGRAFIE ALCIRO THEODORO DA SILVA & HAWK/MARIUS MAASEWERD

Als zum Wintersemester 2016/17

der Gesundheitscampus Göttingen

mit den ersten Studiengängen

startete, war das Projekt

bundesweit einmalig: Eine Kooperation

einer Fachhochschule und einer Universitätsmedizin

mit dem Ziel, neue, stärker

akademisierte Studiengänge in Gesundheitsberufen

aufzubauen, hatte es

bis dahin nicht gegeben. Der Versuch

wurde ein voller Erfolg – wie sich an der

hohen Auslastung und Nachfrage nach

den Studienplätzen ablesen lässt.

„Wir haben mit der Gründung des

Campus die Studiengänge sehr schnell

aufgebaut, und alle sind ausgelastet“, so

HAWK-Präsident Marc Hudy. „Wir sehen

an den Zahlen, dass wir nicht am

Markt vorbei entwickeln, sondern den

Bedarf treffen.“ Der seit diesem Wintersemester

2019/20 neu angebotene Studien

gang Soziale Arbeit im Gesundheitswesen

ist beispielsweise gleich zu 100 Prozent

ausgelastet gewesen. „Das hat man

selten, wenn man neue Angebote schafft.“

IN NUR DREI JAHREN ist die Gesamtstudierendenzahl

auf dem Gesundheitscampus

von null auf 300 gestiegen – die

den Campus tragende HAWK-Fakultät

Naturwissenschaften und Technik hat damit

ihre Studierendenzahlen auf rund

900 gesteigert. Es handelt sich dabei um

Netto- Zugewinne an Studierenden. „Die

Auslastung unserer anderen Gesundheitsstudiengänge

in Hildesheim und Holzminden

ist weiterhin stabil, eine Konkurrenz

durch die neuen Studiengänge stellen

wir nicht fest“, so Hudy.

Offenbar trifft im Gesundheitscampus

die veränderte Nachfrage seitens der Gesundheitswirtschaft

auf eine ebenso stark

ausgeprägte Nachfrage junger Menschen.

Eine Gemengelage mit Perspektive,

so sieht es Wolfgang Brück, Vorstandsvorsitzender

der Universitätsmedizin

56

SPEZIAL


UMG Universitätsmedizin Göttingen

Göttingen (UMG). Der Gesundheitscampus

habe eine Vorreiterrolle in der Anpassung

an die veränderten medizinischen

Bedarfe der Zukunft – insbesondere für

Südniedersachsen. „Es wird zukünftig

immer wichtiger werden, seinen eigenen

Nachwuchs auszubilden“, so Brück im

faktor-Interview (siehe auch Seite 50).

„Wir brauchen diese Höherqualifizierten

im Gesundheitsbereich, weil sie in die Peripherie

hinausgehen und viele Versorgungsleistungen

übernehmen müssen, die früher

von Familien geleistet wurden. Dafür ist

der Gesundheitscampus ganz zentral.“

DER CAMPUS IST INZWISCHEN auch

seinen Kinderschuhen entwachsen. 2016

wurde ein Gründungsdirektorium mit

Mitgliedern aus UMG und HAWK eingerichtet,

um sich zu koordinieren. „Inzwischen

stimmen wir uns immer mehr auf

einer operativen Ebene ab, während die

präsidiale Ebene sich eher zurückzieht“,

sagt Hudy feststellend. Die eigentliche

Gründungsphase sei schon seit rund einem

Jahr vorbei. „Wir brauchen das Gründungsdirektorium

nicht mehr lange, weil

wir ein gut laufendes gemeinsames Studien

angebot haben. Daher erarbeiten wir

gerade einen neuen Kooperationsvertrag.“

Dabei war es ein intensiver, anspruchsvoller

Prozess, so weit zu kommen. Die

Routinen und Gepflogenheiten an der

medizinischen Fakultät und der Fachhochschule

waren unterschiedlich, mussten

aber auf einen Nenner gebracht werden.

So beginnt etwa die Ausbildung im

dualen Studiengang Pflege an der UMG

vor dem Lehrbeginn an der HAWK.

„Dieses Jahr ist erstmals eine große

Gruppe der Pflege-Bachelor zu unserer

Erstsemesterbegrüßung auf den Zietenterrassen

gefahren. Eine Kleinigkeit, aber

auch wichtiges Signal, dass das zusammenwächst“,

so Hudy. Oder das Beispiel

Berufungsverfahren: Es wurden sehr

BACHELOR-STUDIENGÄNGE DES

GESUNDHEITSCAMPUS

Pflege (dual) (seit WS 2016/2017)

Therapiewissenschaften

(Logo- und Physiotherapie; dual)

(seit WS 2016/2017)

Mediziningenieurwesen

(seit WS 2017/2018)

Soziale Arbeit im Gesundheitswesen

(ab WS 2019/2020)

SPEZIAL 57


UMG Universitätsmedizin Göttingen

Blick in die Zukunft

HAWK-Präsident Marc Hudy

verspricht sich vom neuen Gesundheitscampus

einen potenziellen Problemlöser für regionale

Herausforderungen im Medizinbereich.

große Kommissionen gebildet, je zur

Hälfte von der HAWK und UMG besetzt.

„Es sind letztlich mehr Leute zu beteiligen.

Aber es lohnt sich“, so Hudy.

Der Lohn der Mühen ist ein – soweit

bekannt – immer noch einzigartiges Projekt.

In der Hochschulrektorenkonferenz

werde vermehrt über solche Kooperationen

gesprochen, so Hudy. Aber auf einer

praktischen Ebene ist die Umsetzung wie

in Göttingen immer noch einzigartig. Präsident

Hudy beobachtet beispielsweise in

den Berufungsverfahren, dass das Alleinstellungsmerkmal

zieht. „So haben wir

eine Professorin gewinnen können, die

explizit gekommen ist, weil sie eine solche

Kooperation mit einer Universitätsmedizin

in Süddeutschland nicht gehabt

hat.“

DIE ENTWICKLUNG des Gesundheitscampus

geht derweil ungebrochen mit

dem Aufbau neuer Studiengänge weiter.

Perspektivisch wird als Nächstes der

Hebammenstudiengang dazukommen.

Aber auch die Akademisierung mit entsprechenden

Höherqualifizierungen wird

weitergehen: In einem nächsten Schritt

wird der erste Masterstudiengang Mediziningenieurwesen

für den Gesundheitscampus

Göttingen entwickelt. Auch über

Promotionen denkt die UMG laut nach

sowie über gemeinsame Berufungsverfahren

mit der HAWK und eine stärkere Vernetzung

der Professoren von HAWK und

UMG. Zudem über eine stärkere Kooperation

mit den starken Unternehmen der

regionalen Gesundheitswirtschaft.

MARC HUDY SIEHT im Gesundheitscampus

ein enormes regionales Potenzial. „In

fünf Jahren werden wir voraussichtlich

nicht nur rund 700 Studierende haben,

sondern auch gemeinsam mit der UMG

aktiv Forschung betreiben.“ Der Gesundheitscampus

kann sich zu einem Problemlöser

im Medizinbereich entwickeln, der

gezielt Lösungen entwickelt, die dann regional

eingesetzt werden können. „Genau

das versprechen wir uns davon: dass

man gleich an den Gesundheitscampus

denkt, wenn eine Lösung gesucht wird.“ƒ

STUDIERENDENZAHLEN

Studierende Gesundheitscampus:

rund 300 (Stand: Oktober 2019)

Zielgröße Studierende Gesundheitscampus

im ausgebauten Zustand:

rund 725

Studierende HAWK-Fakultät Naturwissenschaften

und Technik

(organisatorisches Dach des Gesundheitscampus

Göttingen): rund 900

Studierende medizinische Fakultät Uni

Göttingen (Human-, Zahnmedizin,

Molekulare Medizin): rund 3.100

58

SPEZIAL


UMG Universitätsmedizin Göttingen

Ein steiniger Weg

Die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) und das Städtische Klinikum Braunschweig

sind dabei, eine Lehrkooperation unter Dach und Fach zu bringen. Steht die Allianz, greift ein

Rädchen ins andere – und es können an der UMG mehr Ärzte pro Jahr ausgebildet werden.

TEXT SVEN GRÜNEWALD

»Im Rahmen der

Personalentwicklung

sehen wir die Chance,

besser neue Mitarbeiter

zu gewinnen, indem

wir unseren eigenen

Nachwuchs ausbilden.“

Der Ärztemangel ist ein seit vielen

Jahren bekanntes Problem,

das sich zukünftig noch

verschärfen wird. Ein wesentlicher

Grund ist der Umstand, dass rund

drei Viertel aller Medizinstudierenden

weiblich sind – von denen bekannt ist,

dass viele später in Teilzeit arbeiten wollen.

Gleichzeitig gibt es immer weniger

Ärzte auf dem Land und differenzieren

sich medizinische Berufsbilder stärker

aus. Diese Entwicklung lässt sich beispielhaft

am Gesundheitscampus Göttingen

ablesen. Doch mit einem simplen Beschluss,

die Zahl der Studienplätze für

Medizin zu erhöhen, ist es nicht getan.

DIE ZAHL DER STUDIENPLÄTZE, die

eine medizinische Fakultät anbieten kann,

hängt von zwei Faktoren ab: Im vorklinischen

Bereich, das heißt den ersten vier

Semestern, wird die Studienplatzkapazität

von der Anzahl der Lehrenden bestimmt,

während sie in den darauffolgenden

sechs Semestern, dem sogenannten

klinischen Bereich, ganz wesentlich von

der Zahl der Patienten abhängt, die ein

angehender Mediziner mindestens betreuen

muss. Und bei den Patienten hat

die Universitätsmedizin Göttingen ein

Mengenproblem – es gibt schlicht zu wenige,

um die volle Anzahl Medizinstudienanfänger

angemessen auszubilden. Daher

gibt es in Göttingen das Phänomen der

sogenannten Teilstudienplätze – gegenwärtig

sind es zwischen 30 und 60. Diesen

Studierenden kann bislang nur ein

Studienplatz bis zum Ende des vorklinischen

Bereichs angeboten werden, dann

müssen sie sehen, wo sie bleiben, sprich

an andere Hochschulen wechseln.

ÜBER DIE KOOPERATION MIT dem

Städtischen Klinikum Braunschweig soll

sich das bereits zum kommenden Wintersemester

2020/21 ändern, wenn dann in

einem ersten Schritt die Teilstudierenden

ab dem siebten Semester das Klinikum

Braunschweig kennenlernen. Ab dem

Winter semester 2021/22 sollen dann dieselben

Teilstudierenden in Braunschweig

weitermachen und ausgebildet werden –

während sie formal weiterhin in Göttingen

eingeschrieben sind. Niedersachsen

verspricht sich von der Aufstockung der

Medizinstudienplätze durch solche Ko­

60

SPEZIAL


UMG Universitätsmedizin Göttingen

FOTO: PETER SIERIGK

Thomas Bartkiewicz, ärztlicher Direktor

des Städtischen Klinikums Braunschweig

ILLUSTRATIONEN: STOCK.ADOBE.COM

operationen eine Verbesserung der

Versorgungs situation, und auch in Braunschweig

sieht man ein großes Potenzial in

der Zusammenarbeit mit der UMG: „Im

Rahmen der Personalentwicklung sehen

wir die Chance, besser neue Mit arbeiter

zu ge win nen, indem wir unseren eigenen

Nachwuchs ausbilden“, so Thomas Bartkiewicz,

ärztlicher Direktor des Städtischen

Klinikums.

ÄHNLICH WIE DIE UMG ist das Städtische

Klinikum ein Maximalversorger mit

dem Versorgungsgrad einer Universität

und ebenfalls rund 65.000 Patienten pro

Jahr. „Künftig sind wir nicht nur Maximalversorger,

sondern unsere Leistungen

in der Patientenversorgung werden auch

mit dem Label einer universitären Institution

veredelt. Das ist strategisch für uns

wichtig“, so Bartkiewicz.

Derzeit befinden sich das Klinikum und

die UMG noch in der Feinabstimmung

der Kooperationsvereinbarung. Unter anderem

geht es um die Finanzen, die das

Land über die UMG den Braunschweigern

zusätzlich zur Verfügung stellen

muss, damit dort die nötige Infrastruktur

beispielsweise in Form von Unterrichtsräumen

geschaffen und der zusätzliche

Aufwand für die Ausbildung abgedeckt

werden kann – von rund zehn Millionen

Euro jährlich ist die Rede. „Der Weg ist

steinig“, räumt Thomas Bartkiewicz ein,

denn alle Aufwendungen für Lehre und

Forschung müssen gegenfinanziert sein

und dürfen nicht aus den Mitteln für die

Patientenversorgung kommen. Bis Februar

2020 soll die Vereinbarung stehen,

dann kann der UMG­Campus Braunschweig

gegründet werden.

AUCH IN DER INHALTLICHEN Ausgestaltung

der Lehrkooperation gibt es

noch offene Fragen. Insbesondere geht es

darum, wie UMG und Städtisches Klinikum

das hohe Niveau einer universitären

Medizinerausbildung gewährleisten können,

denn an solchen Kooperationen – so

weit verbreitet sie inzwischen in Deutschland

sind – regt sich auch Kritik. Befürchtet

wird, dass in den kooperierenden Kliniken

die Einheit aus Lehre, Forschung

und Patientenversorgung nicht mehr gewährleistet

werden kann und so eine Medizinerausbildung

light entsteht.

Sorgen, die Thomas Bartkiewicz nicht

teilt. „Viele unserer Chef­ und Oberärzte

sind habilitiert und lehren an Hochschulen.

Darauf ruhen wir uns aber nicht aus,

sondern werden bedarfsorientiert unser

Personal didaktisch schulen.“ Eine Überlegung

ist auch, die in Braunschweig dann

in der Medizinerausbildung Lehrenden

an der UMG anzustellen, so der neue

Vorstandsvorsitzende der UMG, Wolfgang

Brück.

„AUFGRUND UNSERER SEHR guten

Möglichkeiten als Maximalversorger und

durch unser erfahrenes Personal können

wir die Ausbildung auf einem qualitativen

Niveau organisieren, mit dem wir uns hinter

einer Universität nicht zu verstecken

brauchen“, ist sich Bartkiewicz sicher.

Zentral dafür sei jedoch die Klärung der

Budgetfragen. Und noch einen Standortvorteil

sieht der ärztliche Direktor in

Braunschweig: die starke Braunschweiger

Forschungslandschaft mit der TU Braunschweig

und dem Helmholtz­Zentrum

für Infektionsforschung. Beide sollen in

die Kooperation mit eingebunden werden.

ƒ

SPEZIAL 61


UMG Universitätsmedizin Göttingen

Die UMG von morgen

Die Masterplanung bis 2037 für das Areal an der Robert-Koch-Straße

FOTO UMG

Lehre / Studium

Ver- und

Entsorgung

Forschung

Forschung

62

SPEZIAL


UMG Universitätsmedizin Göttingen

Haupteingangsbereich

Krankenversorgung

ein neues

Bettenhaus

zentraler

OP-Bereich /

Notfallzentrum

Administration

drei Parkhäuser

und eine

Tiefgarage

SPEZIAL 63


UMG Universitätsmedizin Göttingen

Eine Landmarke

verschwindet

Bis zum Jahr 2037 durchläuft die Universitätsmedizin Göttingen eine vollständige

Verwandlung: Die alten Gebäude verschwinden und werden für über eine Milliarde Euro

durch Neubauten ersetzt – und das während des weiterhin laufenden Betriebs.

TEXT SVEN GRÜNEWALD

Die Göttinger Universitätsmedizin

(UMG) ist eine weithin

sichtbare Landmarke – ein

schneeweißes, in den letzten

knapp 50 Jahren seiner Existenz etwas

angegrautes riesiges Gebäude, und darauf

zahlreiche schwarze quaderförmige Hüte,

die deutlich an die Steinhüte der Moai-

Statuen der Osterinseln erinnern. Wo

heute noch der eine zentrale huttragende

Trumm die Universitätsklinik dominiert,

soll es nach den gegenwärtigen Planungen

in knapp 20 Jahren deutlich anders aussehen:

Die Zufahrt von der Robert- Koch-

Straße soll bestehen bleiben, sie führt aber

zu einer langen Stichstraße, einer West-

Ost-Achse, die von zahlreichen einzelnen

Gebäuden gesäumt ist. Hier soll der neue

UMG-Medizincampus entstehen.

DER GRUND FÜR DEN KOMPLETTNEU-

BAU mit einem Investitionsvolumen von

geschätzten 1,1 Milliarden Euro: Weite

Teile des Klinikums sind nach beinahe

50 Jahren Betrieb aus technischen, wirtschaftlichen

und organisatorischen Gründen

dringend modernisierungsbedürftig.

Eine Sanierung war aufgrund der Mehrkosten

von geschätzten 300 Millionen

Euro nicht infrage gekommen. Die UMG

ist mit ihrem Sanierungsstau nicht allein

– die Medizinische Hochschule Hannover

(MHH) steht vor denselben Problemen,

weshalb das Land Niedersachsen ein großes

In vestitionsprogramm aufgelegt hat.

Die Landesregierung schätzt den Investitionsbedarf

beider Kliniken zusammen auf

rund 2,1 Milliarden Euro. Auch, wenn es

eine finanzielle Sonderbelastung des Haushalts

darstellt: Das Land profitiert vom

Niedrigzinsniveau – günstiger wird es nie

neue Infrastruktur bauen können.

FÜR DIE PLANUNGEN DES NEUEN Medizincampus

der UMG und auch des Neubaus

der MHH aus dem Sondervermögen

hat das Land Niedersachsen inzwischen

eine Bau-Dachgesellschaft ins Leben gerufen,

die Aufsichts- und Kontrollfunktionen

hat. An den beiden Standorten in

Göttingen und in Hannover werden nun

die Gründungen eigener Baugesellschaften

vor bereitet, die jeweils die Planungen und

Umsetzungen vor Ort durchführen sollen.

Die Vorbereitungen für den Neubau des

Bettenhauses samt Hubschrauberlandeplatz

und gleichzeitig auch des neuen OP-

Trakts und der Notaufnahme laufen derweil

auf Hochtouren. Die Zufahrt zum

Klinikum über die Robert-Koch-Straße

ist inzwischen nicht mehr möglich, da das

Pumpwerk und die Brücke zum Haupteingang

abgerissen werden, um Platz für

den Neubau zu schaffen. Die neue Zufahrt

zur Notaufnahme ist über die Zimmermannstraße

möglich. Der Spatenstich

für den ersten Neubauabschnitt soll

Anfang 2021 erfolgen, das Bettenhaus

mit dem neuen OP-Trakt soll dann nach

den gegenwärtigen Vorstellungen im Jahr

2023/24 fertiggestellt sein.

NACH UND NACH SOLLEN DANN weitere

Gebäude auf dem UMG-Areal entstehen

und im fertiggestellten Zustand

den neuen UMG-Medizincampus bilden,

der Patientenbetreuung, Medizinerausbildung

und Forschung umfasst. ƒ

64

SPEZIAL


PROFIL

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FOTO: UMG BGM

Das BGM-Team der UMG

(v.l.) Felicitas Horstmann,

Leandro Buttaro, Sabrina

Rudolph und Lia Biermann

Für mich. Für dich. Für uns.

Das Betriebliche Gesundheitsmanagement an der Universitätsmedizin Göttingen stellt sich vor

Seit zwei Jahren gibt es an der Universitätsmedizin

Göttingen (UMG) den

Bereich Betriebliches Gesundheitsmanagement

(BGM), der sich unter dem

Slogan „Für mich. Für dich. Für uns.“ mit

einer Vielzahl gesundheitsförderlicher Angebote

für die Gesundheit und das Wohlbefinden

der rund 8000 Mitarbeitenden

an der UMG einsetzt. Neben zahlreichen

Maßnahmen zur individuellen Gesundheitsförderung

wie etwa Bewegungsangeboten

(Gesund heitssport, bewegte Pause) und

Workshops zu Ernährungsverhalten, Stressmanagement

oder auch Resilienz fokus siert

das BGM der UMG insbesondere auf die

gesundheitsförder lichen Arbeits verhältnisse

an der UMG. Die Ange bote erstrecken sich

von Beratungen zur ergonomischen Arbeitsplatzgestaltung

in Ko operation mit dem

Betriebsärztlichen Dienst über Massage ­

angebote bis hin zu BGM­Willkommensbeuteln

für neue Mit arbeitende. Besondere

Aufmerksamkeit erhält zudem das

soziale Miteinander der vielen Teams und

Ab teilungen an der UMG. Ziele wie die

Verbesserung der Kollegialität und der sozialen

Unterstützung werden mit spezifischen

Angeboten für Mitarbeitende und

Führungskräfte verfolgt. Neben speziellen

Angeboten zur Team entwicklung und Kollegialität

werden vor allem gemeinsame Veranstaltungsteilnahmen

– insbesondere bei

den Göttinger Sport events (Tour d’Energie,

Altstadtlauf etc.) – aktiv unterstützt. So werden

zum Beispiel gemeinsame Vorbereitungskurse

und Trainingsmöglichkeiten

an ge bo ten. Vielfältige weitere Angebote im

Bereich Freizeit und Sport (z. B. Nutzung

des Hochschulsports und des FIZ, Eiswiese

etc.) ergänzen die allgemeinen Angebote

des BGM.

DAS BGM VERFOLGT einen grundsätzlich

partizipativen und mitarbeiterorientierten

Ansatz, der die Vielfalt der verschiedenen

Berufe und Arbeitsplätze mit ihren unterschiedlichen

Anforderungen und Belastungen

berücksichtigt. Sabrina Rudolph,

Leiterin des BGM, stellt deshalb besonders

heraus: „Um das Angebot im BGM

möglichst zielgerichtet gestalten zu können,

analysieren und evaluieren wir auf der

Grundlage eines beteiligungsorientierten

Ansatzes die spezifischen Belastungen

und Anforderungen in einzelnen Bereichen

gemeinsam mit den Mitarbeitenden. Dadurch

können wir sicherstellen, dass wir

gesundheitsförder liche Angebote passgenau

auf die jeweiligen Bedürfnisse der

einzelnen Abteilungen abstimmen.“

Infos unter: http://go.umg.eu/bgm

KONTAKT

UNIVERSITÄTSMEDIZIN GÖTTINGEN

Betriebliches Gesundheitsmanagement

Geschäftsbereich Personal

Von­Bar­Str. 2–4

37075 Göttingen

Tel. 0551 39­65228

sabrina.rudolph@med.uni-goettingen.de

http://go.umg.eu/bgm


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Innovative Herzmedizin

Dank individuell optimierter Therapien werden herzkranke Patienten

bei guter Lebensqualität immer älter.

„Sowohl operative als auch

nicht operative Verfahren

und präventive Maßnahmen

gehören zu der modernen

Herzmedizin, die von der

interdisziplinären Zusammenarbeit

aller beteiligten

Spezialdisziplinen geprägt ist.“

PROF. DR. GERD HASENFUSS

Allein in Deutschland leiden zwischen

zwei bis drei Millionen Menschen

an einer Herzschwäche, jährlich

kommen 300.000 neue Krankheitsfälle

dazu. Der kontinuierliche Anstieg ist dabei

nicht nur der demografischen Entwicklung

geschuldet, sondern auch der verbesserten

Notfallversorgung von Menschen mit

akuten Herzerkrankungen wie dem Herzinfarkt.

Dank individuell optimierter Therapien

werden herzkranke Patienten bei guter

Lebensqualität immer älter.

Enormer technischer Fortschritt und

zunehmende wissenschaftliche Expertise

haben zu einer stetigen Weiterentwicklung

der Herzmedizin geführt. Diese zeichnet

sich durch interdisziplinäre Konzepte,

minimalinvasive Techniken und eine

individualisierte evidenzbasierte Medizin

aus. Herzmedizin meint hierbei alle Diagnose­

und Behandlungsverfahren, die zu

einer Verbesserung der Lebensqualität

und Lebenserwartung von Patienten mit

Herz­Kreislauf­Erkrankungen oder mit entsprechenden

Risikofaktoren führen.

„Sowohl operative als auch nicht operative

Verfahren und präventive Maßnahmen

gehören zu der modernen Herzmedizin,

die von der interdisziplinären Zusammenarbeit

aller beteiligten Spezialdisziplinen

geprägt ist“, sagt Prof. Dr. Gerd Hasenfuß,

Vorsitzender des Herzzentrums der Universitätsmedizin

Göttingen.

Im Herzzentrum der Universitätsmedizin

Göttingen arbeiten vierzehn Kliniken und

Institute sowie die Geschäftseinheit Pflegedienst

der Universitätsmedizin Göttingen

aus den Gebieten Herz, Gefäße, Lunge und

Niere zusammen. Seit seiner Eröffnung am

20. Dezember 2001 hat sich das HZG zu

einem der führenden Spitzenzentren für

Herz­Kreislauf­Medizin in Euro pa entwickelt.

In enger interdisziplinärer Zusammenarbeit

bietet es seinen Patienten das gesamte

Spektrum der modernen Diagnostikund

Therapieverfahren.


PROFIL

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FOTO: UMG/KIMMEL

(Abb. 1) Seit Januar dieses Jahres verfügt das Herzzentrum Göttingen über den derzeit schnellsten und strahlungsärmsten

Herz­Computertomografen in Südniedersachsen und Nordhessen (v. l. Prof. Dr. Christian Ritter, Leitender Oberarzt des Instituts

für Diagnostische und Interventionelle Radiologie der UMG, PD Dr. Tim Seidler, Leitender Oberarzt der Klinik für Kardiologie und

Pneumologie der UMG, Prof. Dr. Joachim Lotz, Direktor des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie der UMG).

DIAGNOSTISCHE VERFAHREN

Durch die stetige Weiterentwicklung der

kardiovaskulären Bildgebung am Herzforschungsstandort

Göttingen wurden die

diagnostischen Möglichkeiten in der Praxis

kontinuierlich verbessert. Inzwischen

müssen immer weniger Untersuchungen

invasiv per Herzkatheter erfolgen, bei

gleichbleibender diagnostischer Präzision.

Für den Patienten wird das passende Verfahren

gewählt, um eine schnelle, genaue

und schonende Diagnose zu gewährleisten.

Stress-MRT

Mithilfe der Magnetresonanztomografie

können nicht nur Vorgänge des Herzens gut

dargestellt werden, sondern auch eine Gewebedifferenzierung

sowie eine Beurteilung

der Herzfunktion strahlungsfrei erfolgen.

Seit 2014 steht dem Herzzentrum Göttingen

ein Echtzeit­MRT­Gerät zur Verfügung.

Die Göttinger Technologie ermöglicht eine

bislang unerreichte zeitliche wie räumliche

Auflösung der MRT­Bildgebung in Echtzeit.

Anstatt einzelner Bilder kann die MRT das

schlagende Herz mit einer zeitlichen Auflösung

von 30 Millisekunden aufnehmen und

daraus eine Bildserie oder einen MRT­Film

mit 30 Bildern pro Sekunde erstellen. Dies

kommt vor allem Patienten zugute, die wegen

ihrer Erkrankung nicht mehr in der Lage

sind, mehrere Sekunden den Atem anzuhalten,

sowie Kindern, die bislang in Narkose

versetzt werden mussten. Die Technologie

ermöglicht darüber hinaus eine Stress­MRT

mithilfe eines Fahrradergometers. Während

der Untersuchung tritt der Patient liegend in

die Pedale, um eine körperliche Belastungssituation

hervorzurufen.

Cardio-CT

Die Computertomografie des Herzens (kurz

Cardio­CT, Abb. 1) ist eine neue Methode,

um Gefäßverkalkungen und ­verengungen

des Herzens nachzuweisen, ohne einen

direkten Eingriff in den Körper vorzu nehmen.

Mithilfe der Röntgenröhre, die um den in

Rückenlage liegenden Patienten rotiert,

wird das Herz mit hoher Geschwindigkeit

und in mehreren Schichten aufgenommen.

Dies geschieht durch Röntgenstrahlen, die

durch den Körper des Patienten geschickt

und abgeschwächt in den Detektoren hinter

dem Patienten aufgezeichnet werden. Aus

den einzelnen Schnittbildern berechnet der

Computer dreidimensionale Querschnittund

Schichtaufnahmen des Herzens.

Die Effizienz des Cardio­CT­Einsatzes

wurde 2018 in einer Studie aus Großbritannien

bestätigt: Im Fünf­Jahres­Vergleich

führte die kombinierte Behandlung aus

Standardtherapie und Cardio­CT zu einer

deutlich höheren Überlebensrate der Patienten

als die Standardtherapie alleine.

„Schon seit neun Jahren arbeiten wir in der

kardiovaskulären Bildgebung am Herzzentrum

routinemäßig mit dem Cardio­CT. Das

Verfahren erwies sich als wertvolle Ergänzung

und sichere Methode für die Diagnostik

der koronaren Herzkrankheit“, sagt

Prof. Dr. Joachim Lotz, Direktor des Instituts

für Diagnostische und Interventionelle

Radiologie der UMG. „Seit Januar dieses

Jahres verfügen wir zusätzlich über den

derzeit schnellsten und strahlungsärmsten

Herz­Computertomografen in Südniedersachsen

und Nordhessen.“

Myokardszintigrafie

Ein nuklearmedizinisches Untersuchungsverfahren

zur Darstellung der Durchblutung

des Herzmuskels ist die Myokardszintigrafie.

Sie wird sowohl unter Ruhe­ als auch unter

Belastungsbedingungen durchgeführt und

erlaubt visuelle und quantitative Auswertungen

der Herzmuskeldurchblutung, der


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(Abb. 3) CardioBand.

Bild: Edwards Lifesciences Corporation

FOTO: HZG/LANGE

(Abb. 2) Führen den Eingriff gemeinsam durch: Prof. Dr. Ingo Kutschka (l.), Direktor der

Klinik für Thorax­, Herz­ und Gefäßchirurgie der UMG, und Prof. Dr. Claudius Jacobshagen (r.),

Leitender Oberarzt und stellvertretender Direktor der Klinik für Kardiologie und Pneumologie der

UMG, während des Einsetzens eines Trikuspidalklappen­CardioBands.

Herzwandbewegung und der Pumpfunktion.

Zunächst wird der Patient durch eine Ergometrie

oder durch ein Medikament belastet.

Wenn die maximale Belastung erreicht ist,

wird eine geringe Menge eines radioaktiven

Arzneimittels (Thallium) in eine Vene injiziert.

Dieses verteilt sich entsprechend der

Durchblutung in den Herzmuskelzellen. Anschließend

kann das Thallium mithilfe einer

hochempfindlichen Gamma­Kamera sichtbar

gemacht werden. ›

Während die kardiovaskuläre Bildgebung

auf immer mehr Krankheitsbilder optimiert

und die Diagnostik von Herz erkrankungen

deutlich vereinfacht wird, werden die therapeutischen

Maßnahmen stetig komplexer

und spezifischer. Bestätigt sich der Verdacht

einer Herzerkrankung, ist es besonders

wichtig, für jedes Stadium und Krankheitsbild

die passende Behandlung zu

wählen. Am Herzzentrum Göttingen steht

für jeden Patienten die richtige Therapieoption

zur Verfügung.

THERAPEUTISCHE VERFAHREN

Minimalinvasive, katheter gestützte

Verfahren

Bei defekten Herzklappen

Resultiert die Herzerkrankung aus einer

Fehlfunktion einer Herzklappe, können minimalinvasive,

kathetergestützte Verfahren

helfen. Mithilfe der MitraClip­Therapie wird

eine Verbindung in der Mitte der beiden

Mitralsegel geschaffen, um die Undichtigkeit

der Herzklappe zu vermindern. Unter

stetiger Echokontrolle wird der Clip mittels

Herzkatheter exakt an der undichtesten

Stelle zwischen den Segeln der Mitralklappe

positioniert.

Mit einem sogenannten CardioBand

(Abb. 2+3) wird der krankhaft erweiterte

Ring der Mitralklappe gerafft und so die

Undichtigkeit beseitigt. Mithilfe eines präzisen

Navigationskatheters werden bis zu

15 einzelne Ankerschrauben halbmondförmig

im Bindegewebe des Klappenrings im

Herzen befestigt. Anschließend wird das

Band so weit gerafft, bis die Klappensegel

die Gefäßöffnung wieder abdecken können.

Als erstes Universitätsklinikum in Niedersachsen

versorgt die UMG seit diesem Jahr

auch Patienten mit einer undichten Trikuspidalklappe

durch das minimalinvasive

CadioBand­Verfahren. Bislang konnte die

Erkrankung der Trikuspidalklappe nur chirurgisch

behandelt werden.

Ist die Aortenklappe betroffen und verkalkt,

kann diese durch eine künstliche

Klappe ersetzt werden. Die Trans katheter­

Aortenklappen­Implantation (TAVI) erfolgt

am schlagenden Herzen. Dabei wird eine

klein zusammengefaltete, biologische Aortenklappe

mithilfe eines Katheters in die linke

Herzkammer an die Stelle der Verkalkung

geführt. Anschließend wird sie aufgespannt,

sodass sie die alte, defekte Klappe an die

Gefäßwand drückt und die Funktion der betroffenen

Klappe übernimmt.

Wenn der Druck zu hoch ist

Während die genannten Verfahren nur bei

einer systolischen Herzinsuffizienz infrage

kommen, bei der sich das Herz nicht mehr

vollständig zusammenziehen kann, gab es

bislang nur wenige Möglichkeiten zur Therapie

der diastolischen Herzinsuffizienz.

Bei dieser verliert die linke Herzhälfte an

Elastizität, sodass sie mit einem höheren

Widerstand gefüllt werden muss, ehe das

Blut in den Körperkreislauf weitergepumpt

werden kann. Der dadurch entstehende

Blutrückstau in die Lungen führt zur Entstehung

von Luftnot. Zur Entlastung der

Lungenstrombahn ist seit Neuestem das

InterAtrial Shunt Device (IASD)­System

für die tägliche Praxis zugelassen. Bei einem

minimalinvasiven Eingriff wird eine

kleine Öffnung in der Vorhofscheidewand

geschaffen, in der das IASD platziert wird

und eine Verbindung zwischen linkem und

rechtem Herzvorhof bildet. Dadurch wird

ein Druckabfall des linken Vorhofs sowohl

in Ruhe als auch bei Aktivität ermöglicht.


PROFIL

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FOTO: HZG/SCHMIDT

Chirurgische Verfahren

Bei vielen Patienten bietet nur der chirurgisch

korrigierende Eingriff an der Herzklappe

Aussicht auf Heilung. Neben der

Standardmethode, der Operation am

offenen Herzen mit Durchtrennung des

Brustbeins, haben sich in den letzten Jahren

auch in der Herzchirurgie zunehmend

minimalinvasive Verfahren etabliert. Hierdurch

können die Eingriffe schonender

durchgeführt werden.

Minimalinvasive Herzklappen-OP

Bei einer Operation an der Mitralklappe

wird auf der rechten Seite des Brustkorbs

ein kleiner Schnitt gemacht und die Operation

zwischen zwei Rippen hindurch

ausgeführt. Die Sicht auf das Operationsfeld

wird durch modernste endoskopische

3D­Videotechnik gewährleistet. Wenn

mög lich, versuchen die Ärzte, den Defekt

an der Herzklappe zu beheben und diese

zu erhalten. Ist die Rekonstruktion der

Klappe nicht mehr möglich, wird eine mechanische

oder biologische Herzklappenprothese

eingesetzt.

Unterstützung für das schwache Herz

Trotz intensiver Behandlung kann eine Herzschwäche

lebensbedrohlich werden, sodass

eine Herztransplantation nötig ist. Eine

Möglichkeit, die oft jahrelange Wartezeit

bis zur Transplantation zu überbrücken, ist

die chirurgische Implantation eines Linksherzunterstützungssystems

(LVAD, Abb. 4),

einer mechanischen Pumpe. Der LVAD­Einsatz

kann auch als Dauer lösung dienen,

wenn für den Patienten keine Herztransplantation

infrage kommt. Das Gerät ist mit

dem Herzen verbunden und entlastet es

durch kontinuierliches Pumpen von Blut aus

der linken Herzkammer in die Aorta, sodass

sauerstoffreiches Blut in den Körper gelangt.

„Die Entscheidung, welches Verfahren für

den einzelnen Patienten am besten geeignet

ist, wird am Herzzentrum der Universitätsmedizin

Göttingen vom Herzteam

aus Kardiologen und Herzchirurgen gemeinsam

getroffen. Somit wird eine bestmögliche,

individuelle Behandlung der

verschiedenen Stadien der Herzschwäche

gewährleistet – im Sinne einer individualisierten

Herzmedizin“, sagt Prof. Dr. Ingo

Kutschka, Direktor der Klinik für Thorax­,

Herz­ und Gefäßchirurgie der UMG.

(Abb. 5) Interdisziplinäres Team: Visiten werden

unter anderem gemeinsam von Kardiologen

und Herzchirurgen durchgeführt. Welche

Behandlung für den Patienten am besten ist,

wird in enger Absprache mit allen beteiligten

Abteilungen entschieden (Mitte: Prof. Dr. Gerd

Hasenfuß, Direktor der Klinik für Kardiologie

und Pneumologie und Vorsitzender des Herzzentrums

der UMG; r.: Prof. Dr. Ingo Kutschka,

Direktor der Klinik für Thorax­, Herz­ und

Gefäßchirurgie).

KONTAKT

Universitätsmedizin Göttingen

Herzzentrum Göttingen

Tel. 0551 39­65044

infocenter@med.uni-goettingen.de

www.herzzentrum.umg.eu


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Starkes Netzwerk für

den Patienten

Thoraxchirurgie an der Universitätsmedizin Göttingen

Der Bereich Thoraxchirurgie behandelt

Patienten mit Erkrankungen

der Lunge, des Mittelfells oder der

Brustwand. Das gesamte OP-Spektrum der

Thoraxchirurgie wird mit modernen Verfahren

abgedeckt. Besondere Schwerpunkte

unserer Klinik liegen in der Behandlung

von Lungenkrebs, von Thymustumoren,

von entzündlichen Erkrankungen der Lunge

und des Brustfells.

Neben dem Pflege- und Funktionsbereichspersonal

gewährleisten fünf langjährig erfahrene

und spezialisierte Ärzte eine hochwertige

medizinisch-chirurgische Betreuung.

LUNGENKREBS

Nach wie vor ist unter den bösartigen Erkrankungen

der Lungenkrebs bei Männern

die häufigste, bei Frauen die zweithäufigste

Todesursache. Die Operation ist trotz

der immensen Fortschritte in der Krebsbehandlung

bei der kurativen Behandlung

des Lungenkrebses die wichtigste Säule. Damit

in der Region Göttingen möglichst viele

Menschen mit Lungenkrebs eine bestmögliche

Behandlung bekommen können, wurde

das Lungentumorzentrum Universität

Göttingen gegründet, dessen chirurgischer

Arm die Thoraxchirurgie darstellt. In diesem

Zentrum werden die Kräfte der Universitätsmedizin

Göttingen, der Lungenfachklinik

Immenhausen und des Ev. Krankenhauses

Göttingen-Weende inkl. der Lungenfachklinik

in Lenglern gebündelt.

Dieses Zentrum ist seit 2014 durch die

Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) zertifiziert.

Für die Patienten besteht die Sicherheit,

dass das ärztliche und pflegerische Personal

eine gute Ausbildung und viel Erfahrung hat

und sich kontinuierlich weiterbildet. Behandlungsempfehlungen

werden hier grundsätzlich

durch ein Team verschiedener Fachrichtungen

ausgesprochen. Durch die jährlich

neu zu bestätigende Zertifizierung werden

die Strukturqualität und die Ergebnisse der

Behandlung überprüft. Dazu werden zum

Beispiel die Patientenzahl, Komplikationen,

die Langzeitergebnisse und die Einhaltung

der Entscheidungs- und Behandlungsregeln

kontrolliert.

INTERDISZIPLINARITÄT

Ein großes Anliegen ist die Interdisziplinarität,

die in der Thoraxchirurgie an vielen

Stellen gepflegt wird. Die Patienten sind auf

einer Station untergebracht, auf der auch

Ärzte der Lungenheilkunde tätig sind. So

können die Patienten chirurgisch und internistisch

in gleicher Weise betreut werden.

Bei ausgedehnten Lungenkrebserkrankungen,

die auch Organe neben der Lunge

betreffen, kommt die enge Zu sam menarbeit

mit allen chirurgischen Fachabteilungen

zum Tragen. Solche Operationen

werden gemeinsam mit den Ärzten der Unfall-

und plastischen Chirur gie, der Neurochirurgie,

der Herz- und Gefäßchirur gie

oder der Viszeralchirurgie durchgeführt. So

ist gewährleistet, dass für jeden Teilaspekt

der Operation ein Spezialist an der OP teilnimmt.

Abgesehen von der Kooperation mit

dem Lungentumorzentrum besteht eine

enge Zusammenarbeit mit dem zertifizierten

Zentrum für Neuromuskuläre Erkrankungen

der UMG. Patienten mit einer

Myasthenia gravis, bei der eine vermehrte

Muskel ermüdung durch Antikörper vorliegt,

werden unter anderem hier behandelt.

Wenn eine Vergrößerung der Thymusdrüse

oder eine Myasthenia gravis vorliegt, wird

gemeinsam entschieden, ob eine Entfernung

des Gewebes aus dem Mittelfell und

der Thymusdrüse anzuraten ist.


PROFIL

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FOTO: : UMG/KIMMEL

Auch bei Patienten mit Unfällen, die den

Brustkorb betreffen, wird gemeinsam mit

den Ärzten der Unfallchirurgie in entsprechenden

Fällen eine operative Behandlung

durchgeführt.

Wenn Erkrankungen der Luftröhre zu

Operationen zwingen, besteht eine Kooperation

mit der Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde.

INDIVIDUALISIERUNG

Natürlich werden Patienten entsprechend

der geltenden Leitlinien und der aktuellen

Forschung behandelt. Trotzdem nimmt der

Grad an Individualisierung zu – die zunehmende

Anzahl an OP-Techniken und die

Berücksichtigung der Lebenssituation, der

Lebensqualität und die Erwartungen des

Patienten führen dazu. Die chirurgische

Behandlung wird speziell auf den einzelnen

Patienten zugeschnitten. Im Vorfeld wird

möglichst genau überlegt, wie viel Lungengewebe

entfernt werden muss oder kann,

und es werden möglichst schonende Techniken

angewandt.

Der Individualisierungsgrad ist bei den

entzündungsbedingten Erkrankungen besonders

hoch. Wenn sich im Rahmen ei-

ner Lungenentzündung im Brustkorb zwischen

Lunge und Brustwand Flüssigkeiten

ansammeln, müssen eventuell operative

Maßnahmen durchgeführt werden, wie

etwa die Einlage eines Wundschlauches,

eine Brusthöhlenspiegelung oder eine Operation

mit der Befreiung der Lunge von entzündungsbedingten

Narbenplatten, die die

Lunge fesseln.

Die Notwendigkeit, das eine oder andere

zu tun, ist nach genauer Untersuchung mit

Röntgenbildern, Ultraschall oder Computertomografien

festzulegen. Entscheidend sind

auch der Zustand des Patienten, die Entzündungsstärke

und die Erkrankungsdauer.

Wenn diese Dinge erfolgen, gibt es meist

gute Aussichten, die Entzündung erfolgreich

zu behandeln und auch die ursprüngliche

Lungenfunktion weitestgehend zu erhalten.

TECHNIK FÜR DAS PATIENTENWOHL

In den letzten 20 Jahren hat die technische

Miniaturisierung auch in der Chirur gie Einzug

gehalten, und es sind – ohne Einbuße

der Behandlungsqualität – immer mehr

Eingriffe in der minimalinvasiven Methode

durchführbar. Eingriffe können unter

Kamera sicht mittels dünner Instrumente

über mehrere 1 cm große Öffnungen in der

Brustwand durchgeführt werden. Die daraus

resultierende Gewebeschonung führt zu

einer schnelleren Erholung und kürzeren

Kranken hausaufenthalten. Noch präziser

kann mit dem da-Vinci ® -OP-Robotersystem

gearbeitet wer den, das auch an der UMG

eingesetzt wird.

KONTAKT

Universitätsmedizin Göttingen

Klinik für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie

Dr. Marc Hinterthaner

Leiter Bereich Thoraxchirurgie

Tel. 0551 39-66008

www.thg.uni-goettingen.de


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Experten für kranke Gefäße

Minimalinvasive Therapie bei Erkrankungen der Aorta (Hauptschlagader) und der arteriellen

Gefäße an der Universitätsmedizin Göttingen

Die Gefäßprothese (l.) wird der Anatomie der

Aorta individuell angepasst. Hierzu werden

die Gefäße der Patienten exakt vermessen und

mithilfe von Simulationen zu einem 3D-Modell

(r.) gefertigt.

Im Oktober 2017 wurde in der Klinik

für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie

der Universitätsmedizin Göttingen ein

neuer Behandlungsschwerpunkt für die

minimalinvasive Behandlung von komplexen

Erkrankungen der Aorta und peripheren

Gefäße etabliert. Das bestehende

Angebot des gefäßchirurgischen Bereichs

(Leitung: Florian Elger, Foto) wurde seither

weiter ausgebaut.

ETWA 40 VON 100.000 MENSCHEN erkranken

jährlich an einem Aortenaneurysma,

einer Aussackung der Hauptschlagader.

Je größer der Durchmesser des Aneurysmas

ist, desto größer ist auch die Gefahr

eines Risses (Ruptur). Insofern sollte ab einer

bestimmten Größe und spätestens bei

deutlichen Beschwerden eine offene Operation

oder ein minimalinvasiver Eingriff

zur Implantation einer Gefäßstütze (Stent)

dringend in Erwägung gezogen werden.

Der Einriss der Gefäßwand (Ruptur) stellt

in den meisten Fällen einen lebensbedrohlichen

Notfall dar.

Liegt das Aneurysma im unteren Teil der

Aorta, unterhalb des Abgangs der Nierengefäße

(infrarenales Aortenaneurysma), ist

eine minimalinvasive Stent-Implantation

über einen Zugang an den Leistenschlagadern

in der Regel gut durchführbar. Der

prothetische Ersatz der Aorta im Rahmen

einer offenen Operation erfordert im Langzeitverlauf

zwar weniger Nachkontrollen als

ein Stent, ist aber körperlich deutlich belastender

und daher für jüngere und gesündere

Patienten die Therapie der Wahl.

KOMPLIZIERTER WIRD ES, wenn das

Aneurysma auch Abschnitte der Hauptschlagader

im Brustraum oder im oberen

Bauchraum betrifft (thorakales Aortenaneurysma),

da hier zahlreiche lebenswichtige

Arterien – zum Beispiel für den Darm,

die Leber oder die Nieren – entspringen. In

diesen Fällen ist die klassische offene Operation

sehr kompliziert und mit erheblichen

Risiken verbunden. Für die Behandlung des

thorakalen Aortenaneurysmas stehen heutzutage

sogenannte „fenestrierte Stents“ zur

Verfügung, die individuell auf den jeweiligen

Patienten angepasst sind. Die Stents

verfügen über kleine Öffnungen, über die

weitere Stents zur Versorgung der Darmund

Nierendurchblutung eingesetzt werden

können. Das Risiko und die körperliche

Belastung für den Patienten liegen deutlich

unter dem einer offenen Operation.

Die Planung und Implantation der patientenindividuellen

Stents erfordert eine

sehr hohe Expertise und optimale technische

Ausstattung der behandelnden Klinik.

Die Eingriffe werden unter anderem mithilfe

von 3D-Modellen und moderner Computersoftware

millimetergenau geplant.

AN DER UNIVERSITÄTSMEDIZIN GÖT-

TINGEN werden die hochkomplexen Eingriffe

in hoher Zahl und mit sehr guten

Ergebnissen in enger Zusammenarbeit von

Spezialisten der Klinik für Thorax-, Herzund

Gefäßchirurgie (Direktor: Prof. Dr.

Ingo Kutschka) und des Instituts für Diagnostische

und Interventionelle Radiologie

(Direktor: Prof. Dr. Joachim Lotz) durchge-


PROFIL

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FOTOS : UMG/KIMMEL

Die prä- und postoperative Untersuchung gefäßchirurgischer Patienten wird in der Poliklinik der Klinik für Thorax-, Herz- und

Gefäßchirurgie der Universitätsmedizin Göttingen durchgeführt.

führt. Dies gilt ebenfalls für die schwierige

Therapie einer Aortendissektion (Einriss der

inneren Wandschichten der Schlagadern)

und andere Pathologien im Bereich des

Aortenbogens. Um die bestehenden Möglichkeiten

zu erweitern, wird im Dezember

2019 einer der modernsten Hybrid-Operationssäle

Deutschlands in Betrieb genommen,

der mit aktuellster Röntgen- und Computertechnik

ausgestattet ist. Die Patien ten

profitieren von noch mehr Sicherheit und

verkürzten Eingriffszeiten. Zudem können

schwierige Eingriffe, beispielsweise am

Aortenbogen, im Rahmen einer Narkose

als Hybrid-Operation durchgeführt werden.

Hierbei wird ein Teil der Operation offen

chirurgisch unter Einsatz der Herz-Lungen-

Maschine durchgeführt, der zweite Teil anschließend

endovaskulär mit Stentimplantation

unter Röntgendurchleuchtung.

SEIT 2017 PROFITIEREN DIE PATIENTEN

von einer weiteren technischen Entwicklung:

Schon jetzt werden nahezu alle Eingriffe

an den Hauptschlagadern mittels

eines etwa nur 1 cm langen Schnitts in der

Leistenregion perkutan durchgeführt. Das

weitere Freilegen der Leistenschlagadern

mit anschließender längerer Wundheilung

entfällt, da die Leistenschlagadern mithilfe

eines sogenannten Verschlusssystems nach

dem Einsetzen des Stents wieder verschlossen

werden. Dieses Vorgehen sorgt

für eine geringe Wundfläche mit schneller

Heilung und zügiger Genesung nach dem

Eingriff. Die notwendige Aufenthaltsdauer

in der Klinik reduziert sich damit in der Regel

deutlich.

Auch die übrigen Erkrankungen der Gefäße

(Arterien und Venen) werden im Bereich

Gefäßchirurgie der Klinik für Thorax-, Herzund

Gefäßchirurgie der UMG auf höchstem

Niveau, nach aktuellem Stand der Wissenschaft

und möglichst minimalinvasiv

durchgeführt. Weitere Behandlungsschwerpunkte

liegen in der Behandlung der Schaufensterkrankheit

(pAVK), der hirnversorgenden

Gefäße und der Shuntchirurgie.

„NEBEN EINER OPTIMALEN operativen

Versorgung setzen wir uns eine schnelle

Genesung der Patientinnen und Patienten

und das Vermeiden von langer Immobilität

als Ziel. Herausragende Pflegekräfte,

Wundmanager und Physiotherapeuten sorgen

während des stationären Aufenthaltes

für optimale Bedingungen. Es besteht eine

exzellente Zusammenarbeit mit den assozi-

ierten Fachabteilungen der UMG, um auch

bei schwierigen Fällen oder komplizierten

Begleiterkrankungen eine optimale Behandlung

zu gewährleisten. Zudem gibt es

eine regelmäßig stattfindende Gefäßkonferenz,

in der alle Patienten interdisziplinär

diskutiert werden und in der die jeweiligen

Therapien festgelegt werden“, sagt Florian

Elger, Bereichsleiter Gefäßchirurgie der Klinik

für Thorax-, Herz- und Gefäßchirur gie

der UMG.

KONTAKT

Universitätsmedizin Göttingen

Klinik für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie

Florian Elger (Bereichsleiter Gefäßchirurgie)

Tel. 0551 39-66004

thgchir@med.uni-goettingen.de

thg.uni-goettingen.d


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PROFIL

Zum Wohl der Patienten

Klinikdirektor Prof. Dr. Dirk

Beutner behält bei der

Aus- und Weiterbildung,

Forschung und Krankenversorgung

stets die

Zukunft im Blick.

FOTO: UMG (HNO KLINIK)

Medizin mit Köpfchen

Die Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde der UMG ist breit aufgestellt.

Die Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde

der Universitätsmedizin

Göttingen (UMG) gilt als eine der

deutschlandweit führenden spitzenmedizinischen

Einrichtungen und ist von den

drei eng ineinandergreifenden Bereichen

Krankenversorgung, Forschung und Lehre

geprägt.

EIN TRADITIONELLER SCHWERPUNKT

der Klinik liegt in der Erforschung und Behandlung

von Krebserkrankungen des Kopf-

Hals-Bereichs. Im zertifizierten Kopf- Hals-

Tumorzentrum wird der Fokus nicht nur

auf die Rolle des körpereigenen Immunsystems

bei der Bekämpfung von Tumorerkrankungen

gelegt, sondern auch auf einen

chirurgischen Forschungsschwerpunkt:

den Einsatz von Operationsrobotern wie

dem da Vinci Xi. Mit diesem ist es möglich,

auch in unzugänglichen, engen Regionen

des Rachens extrem präzise und gleichzeitig

schonend durch den Mund zu operieren.

Bei komplexen Krebserkrankungen profitieren

die Patienten von der Zusammenarbeit

verschiedener Krebsexperten im interdisziplinären

Universitäts-Krebszentrum G-CCC

(Göttingen Comprehensive Cancer Center).

EIN WEITERER SCHWERPUNKT der Klinik

liegt in der Behandlung von Schwerhörigkeiten.

Hier steht insbesondere die

Wiederherstellung der Hörfähigkeit durch

Cochlea-Implantate (CI) im Vordergrund.

Mit einem CI werden die Fasern der Hörnerven

elektrisch erregt und somit das Hören

wiederhergestellt. Die Cochlea-Implantation

ist aber nur eine Möglichkeit, mit

denen die Spezialisten des Hörzentrums

der UMG ihren Patienten verloren gegangenes

Hören wiederherstellen können.

DIE 29 ÄRZTINNEN UND ÄRZTE der

auch überregional gefragten HNO-Klinik

behandeln jährlich ca. 3.000 stationäre Patienten

aller Altersgruppen und haben rund

25.000 ambulante Patientenkontakte. Dabei

besitzen die Medizinerinnen und Mediziner

eine besondere Expertise bei der Versorgung

schwerwiegender Erkrankungen sowie

in medizinischen HNO-Notfällen jeder Art.

Neben der Allergiebehandlung im Rahmen

des zertifizierten Allergiezentrums Südniedersachsen

gehören eine große Bandbreite

von Spezialsprechstunden zum

Konzept der Klinik. Hier informieren und

beraten die HNO-Experten zu Themen wie

Sprache und Stimme, kindlichen Hörstörungen,

Hörimplantaten, Nasen und Nasennebenhöhlen

sowie schlafbezogenen

Atemstörungen ebenso wie zu plastischästhetischen

Themen inklusive der Behandlung

mit Botulinumtoxin.

„Unsere Klinik richtet all ihre Kompetenzen

in Aus- und Weiterbildung, Forschung

und Krankenversorgung auf ein Ziel aus –

unseren Patienten optimal zu helfen“, sagt

der Klinikdirektor Prof. Dr. Dirk Beutner zusammenfassend.

KONTAKT

Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde der

Universitätsmedizin Göttingen

Robert-Koch-Straße 40

37075 Göttingen

Tel. 0551 39-63771

hno.umg.eu


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Abbildung: Von links nach rechts sieht man, wie

die Sonde in den Tumorknoten im Wirbelkörper

eingeführt wird (1). Durch die Erhöhung der

Temperatur sieht man, wie der Tumorknoten

zerstört wird (2 und 3; die Sonde ist auf

Teil abbildung 3 wieder entfernt). Durch den

gleichen Arbeitskanal kann der zerstörte Bereich

dann mit Zement wieder aufgefüllt werden (4).

(mit freundlicher Genehmigung durch T. Krüger)

PROFIL

Neuartige Methode hilft

Die Klinik für Neurochirurgie der UMG bietet mittels gezielter Radiofrequenz-Ablation

eine Behandlung von Wirbelsäulenmetastasen an.

Bis zu 85 Prozent der Patienten mit

Krebserkrankungen leiden an umschriebenen

Rückenschmerzen. Die

Schmerzen werden häufig durch sogenannte

Skelettmetastasen verursacht, also regionale

Absiedlungen der Krebserkrankung in

den Knochenstrukturen der Wirbelsäule.

Dadurch beginnt sich die Knochengrundstruktur

der Wirbelkörper aufzulösen. Das

kann neben Schmerzen auch dazu führen,

dass sich die Form der Wirbelsäule

verändert. Zudem beeinträchtigt eine zunehmend

aufgelöste Knochenstruktur naturgemäß

auch die Stabilitätsfunktion der

Wirbelsäule.

DIE SCHMERZEN BEI EINER WIRBEL-

SÄULENMETASTASIERUNG sind häufig

von solch starker Ausprägung, dass

sie trotz Schmerzmitteleinnahme zu einer

sehr deutlichen Einschränkung der

Lebens qualität führen. Mittels Computeroder

Magnetresonanztomografie kann

man herausfinden, ob und wie stark die

Krebserkrankung die Knochenstrukturen

der Wirbelsäule zerstört hat. Leider wird

bei Krebsbefall der Wirbelsäule oft entschieden,

dass die Patienten eine Bett ruhe

einhalten sollten, um bewegungsabhängige

Schmerzen, aber auch ein Einbrechen

der befallenen Wirbel mit etwaigen neurologischen

Ausfällen zu vermeiden. Diese

Vorsichtsmaßnahme ist heute allerdings

nur bedingt empfehlenswert, da sie mit einer

weiteren Verschlechterung der Lebensqualität

verbunden ist, ohne die Schmerzen

grundlegend zu verbessern.

IN SOLCHEN SITUATIONEN KANN DIE

NEUARTIGE METHODE der sogenannten

Radiofrequenzablation den Patienten

schnell und ohne großen Aufwand zu einer

deutlichen Verbesserung der Lebensqualität

verhelfen. Unter Radiofrequenzabla tion

ist die Hitzezerstörung des Tumor befalls

zu verstehen (Abbildung). Die Daten, die

in den letzten Jahren zur Überprüfung

des Behandlungs erfolgs dieser Methode

erhoben wurden, haben gezeigt, dass

diese Eingriffe sehr sicher, hilfreich und

gut verträglich sind. Daher schlagen neue,

internationale Behandlungsleitlinien nun

vor, eine solche Radiofrequenzablation

bei schmerzhaften Wirbelsäulenmetastasen

zu einer schnellen und andauernden

Schmerzlinderung einzusetzen. Zumeist

ist infolge der Schmerzreduktion bereits

direkt nach dem Eingriff eine bessere

Beweglichkeit möglich. Wird die Radiofrequenzablation

mit der Einspritzung von

Knochenzement in den befallenen Wirbel

kombiniert, lässt sich zudem die Stabilität

der Wirbelsäule verbessern und das Risiko

einer Rückenmarkschädigung durch ein

Zusammenbrechen des tumorbefallenen

Wirbels reduzieren.

DIESER MINIMALINVASIVE EINGRIFF

zur zielgerichteten Zerstörung der oft

knotig befallenen Regionen in den einzelnen

Wirbeln wird seit 2019 in der Neurochirurgischen

Klinik der Universitätsmedizin

Göttingen als einzigem Zentrum

in Südniedersachsen und Nordhessen

durchgeführt.

KONTAKT

Klinik für Neurochirurgie

Universitätsmedizin Göttingen

Prof. Dr. med. V. Rohde

Robert­Koch­Straße 40

37075 Göttingen

Tel. 0551 39­66033

nchisekr@med.uni-goettingen.de

www.neurochirurgie-uni-goettingen.de


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Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität

Robert-Koch-Straße 40, 37075 Göttingen, Telefon 05 51 / 39 - 0

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